US Staatsanleihen – Wenn überhaupt Bonds, dann aktuell diese!

Der folgende Artikel erschien Freitag 05.09.14 09:50 in Hari Live

Der grosse neue Konsens, der sich an den Märkten gerade bildet, ist ein gegenüber dem USD fallender Euro. Und ist eine EZB, die gerade in ein QE einsteigt, während die FED versucht, ganz langsam den Ausstieg zu orchestrieren. Ich bezweifele zwar stark, dass die FED es real tun kann, weil der Druck des weltweiten "Race to the Bottom" selbst der mächtigen FED nicht erlaubt, sich zu weit gegen den Rest der Welt zu stellen, aber das ist eine andere Geschichte. Die Grundtendenz ist wie oben beschrieben und könnte noch Monate so andauern.

Nun ist dieses Wissen aber mittlerweile Mainstream, weswegen die Zeit reif für eine böse Gegenbewegung ist, die das zu hohe Vertrauen in diese Richtung mal wieder erschüttert und insbesondere die EURUSD Shorties mal so richtig durchschüttelt.

Nach so einer - für starke Trends ganz typischen - scharfen Gegenbewegung, spricht aber viel dafür, dass sich der Trend USD hoch und EUR runter weiter fortsetzt. Die Gründe liegen (siehe oben) in der divergenten Politik der Notenbanken begründet.

Um zu erkennen, wie verzerrt und irreal die Lage dabei aktuell schon ist, muss man sich nur mal auf der Zunge zergehen lassen, dass Sie derzeit für die klassischen 10-jährigen Staatsanleihen in den US über 2% Rendite bekommen (was ja noch eine ganz respekttable Rendite ist) für die gleichen Anleihen Frankreichs aber ein Prozent weniger, also etwas über 1%. Das hat mit Marktpreisen, die sich an den wirtschaftlichen Realitäten orientieren, schlicht gar nichts mehr zu tun und ist das Ergebnis der Notenbank-Interventionen. Selbstverständlich ist das objektive Risiko einer zehnjährigen französischen Anleihe weit höher, als das einer US Anleihe, die in der Weltleitwährung notiert. Und Risiko müsste ohne den Eingriff der Notenbanken auch bezahlt werden.

In diesem Ungleichgewicht liegt nun aber auch Chance. Denn dass die US Renditen schnell gegen 3 oder 4% klettern, ist zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich, weil auch die US bei 4% wohl ein Problem mit der Schuldentragfähigkeit bekommen würden - siehe oben, das sind genau die Begrenzungsfaktoren, die mich zweifeln lassen, ob die FED überhaupt die Zinsen ernsthaft erhöhen kann.

Damit haben die US Treasury Bonds aber sogar wieder ein Kurspotential, wenn die Renditen doch wieder fallen sollten. Weiterhin macht eine Anlage in US Treasury Bonds vom Euro aus dann doppelt Sinn, wenn der Dollar weiter steigt und der Euro sich weiter abschwächt.

Deshalb schauen wir nun doch mal auf einen ETF für 10-jährige US Treasury Bonds, hier den . Ich zeige ihn hier mit Kursen in Mailand, weil ich so die Darstellung in Euro bekomme:

IBTM 05.09.14

Und war wir sehen ist durchaus faszinierend. Die Chartstruktur lässt nun die Gegenbewegung zu, die die Entsprechung eines Short-Squeeze bei den überdehnten EURUSD Short Wetten ist. Dann aber könnte sich die Bewegung fortsetzen, was den IBTM aus Sicht einer Notierung in EUR weiter nach oben bringen sollte.

Für ein diversifiziertes Investmentdepot, könnte eine kleine Position in US Treasuries also gar nicht mal die schlechteste aller Ideen sein.

Im grossen Bild sind Staatsanleihen derzeit sicher weit weniger attraktiv als Aktien und grosse Bestände an derartigen Anleihen sind im Depot eher zu reduzieren, als weiter aufzubauen. Wer aber nur zu einem kleinen Teil Anleihen dem Depot beimischen will, findet in den US Treasury Bonds mittlerer Laufzeit derzeit noch ein halbwegs akzeptables Angebot. Von Anleihen der Bundesrepublik Deutschland, kann man das in meinen Augen dagegen derzeit eher nicht sagen. Die beinhalten nur renditeloses Risiko. 😉

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Charts des Sommer – US Staatsanleihen, Volatilität und US Oil

Schauen wir heute früh mal wieder auf die wichtigen Entwicklungen an den Anleihen und Rohstoffmärkten, die den Aktienmarkt massiv beeinflussen und hohe Aufmerksamkeit erfordern.

Zunächst erneut ein Blick auf die langlaufenden US Staatsanleihen, hier dargestellt anhand des ETFs TLT. Sie sehen, dass die Renditen weiter steigen (=Kurse fallen) und das schafft zwei grosse Probleme. Erstens dämpft es durch höhere Zinsen die gerade angelaufene wirtschaftliche Erholung und zweitens verteuert es mittelfristig den Zinsaufwand des sowieso überschuldeten Staates, wenn auslaufende Anleihen refinanziert werden müssen.

Bernanke ist es also trotz seiner Rede als "Taube" im Juli nicht gelungen, denn Aufwärtstrend bei den Renditen zu stoppen. Das wird in der FED für erhebliches Kopfkratzen sorgen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die FED eher noch mehr Geld auf den Markt wirft, als das sie wirklich zur Reduktion (Tapering) der Anleihekäufe schreitet. Wie abhängig der Markt geworden ist, können Sie sich klar machen, wenn Sie sich vorstellen was passieren würde, wenn die FED nun ihre Käufe einstellen würde. Dieses Chart würde dann wohl zu einem Gemetzel werden !

TLT 06.08.13

Als zweites schauen wir auf die Volatilität in Form des VIX seit 2008, die nun nahezu historische Tiefststände erreicht hat. Haben Sie nicht auch den Eindruck einer geradezu unwirklichen Ruhe am Aktienmarkt ? Dieses Chart beweist es.

Gäbe es eine einfache Möglichkeit für Privatanleger, sinnvoll den VIX (oder VDAX) abseits von Futures Long zu gehen, wäre das wohl mit Horizont von 6 Monaten ein nahezu sicherer Trade. Nur gibt es diese Möglichkeit genau aus diesem Grund nicht, denn um im VIX Long zu gehen, bräuchte es ja eine Gegenpartei - in der Regel eine Bank. Und warum sollte die das tun ? Es gibt zwar Zertifikate auf die Volatilität, aber die haben einen massiven "Decay" und so hohe interne Kosten die der Absicherung der Bank dienen, dass eine Investition keinen Sinn macht und nur Verlust produziert, ausser man erwischt wirklich exakt den Tag bevor der VIX nach oben springt. Das kann aber niemand und wäre reines Glück.

VIX 06.08.13

Und zum Schluss erneut ein Blick auf Öl, hier US Light Crude Oil, das neben Gold einer der besten Indikatoren für Inflationserwartungen ist. Diesen Chart habe ich schon mehrfach gezeigt und Sie sehen nun, dass der Ausbruch bestätigt zu werden scheint. Die Konsolidierung oberhalb der Ausbruchszone deutet kurzfristig auf weiter steigende Preise hin. Gleichzeitig hat US Oil aber einen guten Trackrecord um bedeutende Market Tops zu indizieren, oft lief ein Peak bei Öl einem Market Top ein paar Monate voraus. So war es zuletzt 2008 und 2011.

US Oil 06.08.13

Und warum ist das alles nun so wichtig werden Sie fragen ?

Ganz einfach. Wenn die Anleihenrenditen (und damit Finanzierungskosten für Unternehmen) weiter steigen und wenn die Grundstoffe wie Öl wieder teurer werden, dann wird das einem US Aktienmarkt der sowieso schon nach oben überdehnt ist und auf historischen Höchstständen notiert, die Luft für weitere Anstiege abschneiden. Dann erhöht das ganz massiv die Wahrscheinlichkeit, dass wir in den Indizes gerade das "letzte Hurrah" einer lange andauernden Aufwärtsbewegung erleben.

Und weil dieser Zusammenhang existiert, ist es so wichtig auf diese Charts zu schauen.

Ihr Hari

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