Die Infrastruktur-Aktien der „World of Donald“



Wenn man über das weite, wellige Meer der Börsen-Ozeane navigieren will, dann hilft es dabei ungemein, den Wind im Rücken zu haben. Denn gegen den Wind anzukreuzen, ist weit schwieriger und geht langsamer voran, als wenn der Wind von Hinten in die Segel bläst.

In diesem Sinne, ist mit Donald Trump ein Anlagethema mit grossem Rückenwind-Potential entstanden, das viele hier in Deutschland und Europa wohl noch nicht so richtig auf dem Radar haben. Es sind die absehbaren Investitionen in die US Infrastruktur, denn diese ist in weiten Teilen hoch marode.

Bei vielen Themen, die Trump im Wahlkampf angekündigt hat, ist derzeit noch völlig offen, ob diese sich wirklich so realisieren werden. Wird Trump einen Handelskrieg mit China beginnen? Niemand weiss das heute genau.

Aber dass die Infrastruktur dringendst eine Auffrischung braucht, das ist unstrittig und sonnenklar und war ja auch Teil des Programms von Hillary Clinton. Das wird also kommen, weil es wirklich alternativlos ist. Schon vor über 20 Jahren war es so, dass wenn Sie beispielsweise vom John F Kennedy Airport in New York durch Queens nach Norden fuhren, sie in dem Brachland vor der Bronx das Gefühl hatten, eher ein Drittweltland zu durchqueren. Das ist heute nicht besser geworden und in weiten Teilen Amerikas zu "bewundern".

Es ist auch deshalb so sicher, weil es wunderbar in Trumps Politik des "America First" und der neuen Arbeitsplätze im Lande passt. Es wird also jede Menge Aufträge gerade für einheimische Firmen des Bau- und Infrastruktur-Sektors geben. Und natürlich werden auch alle profitieren, die Grundstoffe für den Bau herstellen wie Stahl, Aluminium oder Beton. Bei der Auftragsvergabe brauchen sich dann deutsche Mittelständler aber wohl nicht zu grosse Hoffnungen machen, selbst wenn sie die besseren Produkte und Leistungen haben. Denn wenn die Auftragsvergabe öffentlich erfolgt, was oft der Fall sein wird, wird "America First" der entscheidende Massstab sein.

Bei so viel Rückenwind, macht es doch Sinn, sich mal mit Aktien des Sektors zu befassen. Zwei Namen, die Sie potentiell noch nie gehört haben, obwohl das Werte mit einer Marktkapitalisierung im Milliarden-Bereich sind, will ich Ihnen heute auch im freien Bereich nahe bringen:

Quanta Services (PWR)

Das Kürzel "PWR" steht für Power und das aus gutem Grund. Denn wie Sie der entnehmen können, ist das Unternehmen mit seinen 24.000 Mitarbeitern und 7,5 Milliarden USD Umsatz, unter anderem auf den Aufbau, Betrieb und Service der Stromnetze spezialisiert. Und gerade in dem Bereich, gibt es in den US jede Menge Modernisierungsbedarf, wer die windschiefen Holzbalken kennt, auf denen Stromleitungen manchmal durchhängend durch die Gegend geführt werden, weiss was ich meine. 😉

Im Chart (alle Charts stammen von ) sieht man schnell, dass der kluge Markt diese Chancen sofort erkannt hat und erst gestern gab es einen gewaltigen Schub, der mit ersten Erlassen Trumps zu tun haben dürfte:

Aber trotzdem, die Aktie ist immer noch nicht mit übertriebenen Gewinnerwartungen bewertet, ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,76 kündet davon, das für Dienstleister nicht untypisch ist. PWR dürften die Winde der WoD weiter klar in die Segel blasen.

Kommen wir zum zweiten Unternehmen:

Weiterlesen ...Die Infrastruktur-Aktien der „World of Donald“

Change – Wandel

Diese Woche beginnt die Bilanzsaison in den US so richtig, die EZB steht an und am Freitag wird das Wörtchen "elect" gestrichen und Amerika wird von President Trump regiert.

Der US Markt mäandert in dieser Lage nahe der Höchststände, man muss kein Börsenfachmann sein um zu erkennen, dass da schon eine Menge Erwartungen an Trumps Politik in die Kurse eingebacken sind.

Auch wenn es heute noch sehr ruhig zugeht, weil in den US mit dem "Martin Luther King Day" ein Börsenfeiertag ist, sollten wir uns keiner Illusion hingeben. Die kommenden 2-3 Wochen werden sehr volatil und sehr wichtig für den weiteren Jahresverlauf. Denn in diesen Wochen muss sich der Markt entscheiden, ob er Trump zutraut aus den Ankündigungen auch Politik werden zu lassen, oder ob es eine markante Enttäuschungsreaktion gibt.

Wir erleben auf jeden Fall derzeit eine Zeitenwende, die potentiell tiefer geht, als manche nun ahnen. Denn mit Trump wird jemand der mächtigste Mann der Welt, der das personifizierte Gegenmodell zum derzeit dominierenden Multilateralismus darstellt.

Trump scheint sich wenig für solche internationale Organisationen zu interessieren, betrachtet das vermutlich eher als "Quasselbuden" und sieht die Welt sehr pragmatisch aus den Augen eines Geschäftsmanns und Dealmakers, der etwas Konkretes für sein Land erreichen will. America First, der meint das ernst!

Damit kommt auch eine Abkehr vom glatt polierten und durchformulierten, aber inhaltsleeren Neusprech, den wir ja alle zu Genüge kennen.

Natürlich kommen damit auch Risiken, denn am Ende ist der multilaterale Ansatz wohl ohne ernst zu nehmende Alternative, denn die Welt wächst zusammen, ob wir wollen oder nicht und Konflikte lassen sich daher am Ende nur gemeinsam lösen.

Gleichzeitig ist es aber auch frischer Wind, der dieses Zusammenwachsen vielleicht ehrlicher und offener macht, denn nur wer weiss wo er steht, seine Identität kennt und damit auch offen umgeht, kann wahre Kompromisse schliessen und nicht nur Formelkompromisse, die die Probleme nur kaschieren und auf die lange Bank schieben.

Und an Formelkompromissen ohne Inhalt, hatten wir in den letzten Jahren wahrlich genug in der Welt, die Probleme kumulieren sich auch deshalb, weil entgegen des wohlfeilen Selbstlobs der "Schwurbelsprecher", keines wirklich an der Substanz angegangen wurde.

Ich fand deshalb Kai Diekmanns besonders spannend, weil sie das Bild eines Mannes formen, der weiss was er will und das auch umsetzen will, statt lange zu fackeln.

Darin liegen grosse Risiken, aber auch grosse Chancen. Klar ist, dass wir eine Zeitenwende erleben, unklar ist völlig, wohin diese uns führt? Im Gegensatz zu denen, die meinen schon alles über Trump zu wissen: ich weiss es nicht.

Ich weiss nur, dass sich hier Dinge andeuten, die *massivst* kursbewegend sein dürften, weil sie die Grundlagen des Beziehungsgeflechts der Welt betreffen. Obama ist mit dem Versprechen von "Change we can believe in" an die Macht gekommen, ist als Tiger losgesprungen und als Bettvorleger geendet. Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn mit Trump echter Wechsel kommt, nur eben nicht so, wie sich das Obama ausgemalt hat.

Für uns als Anleger bedeutet das, dass wir nun viele Monate mit massiven Fragezeichen leben müssen und auch mit Wandel, der nur schwer zu antizipieren ist. Und zwar so lange, bis sich die Trump Administration gefunden und eingearbeitet hat und eine klare politische Linie erkennbar wird, die die Dinge wieder berechenbarer macht.

Weiterlesen ...Change – Wandel

Roter Alarm!

Kennen Sie das auch, wenn in Filmen auf (Raum)Schiffen die roten Alarmleuchten blinken und durch die Mikrofone die Stimme des 1. Offiziers mit den Worten "Red Alert - all Hands to Battlestations" tönt?

Nun, nicht immer passiert dann was, manchmal ziehen die Romulaner oder wer auch immer, dann nach kurzem Wortwechsel wieder ab. Roter Alarm ist also keine Garantie für "Action".

Aber Roter Alarm heisst allerhöchste Aufmerksamkeit. Und die hat der Markt nun weltweit, wenn "The Donald" heute um voraussichtlich 17 Uhr MEZ zum ersten Mal seit er "President Elect" geworden ist, eine Pressekonferenz gibt.

Und bestimmt nicht nur der Markt, auch die Politik weltweit, wird wohl den Fernseher einschalten. Wer gerade in Berlin ist, kann ja mal hochschauen, ob es oben im Kanzleramt nicht "flimmert". 😉

Der Markt hat auf jeden Fall in den Kursen eine Menge Vorschusslorbeeren verteilt und nun würde er gerne mal wissen, ob in der Präsidenten-Präsent-Schachtel auch das drin ist, was er sich da bisher hinein interpretiert hat.

Es ist offensichtlich, dass das Potential hat, den Markt erheblich in Bewegung zu setzen. Das *könnte* - beachten Sie den Konjunktiv und die wieder abziehenden Romulaner - zu einem neuen Impuls führen, den der Markt nun dringend braucht.

Ob nach oben oder unten? Lassen wir dieses Spekulieren sein, so wird kein Geld am Markt verdient. Zuhören und schnell reagieren, wenn sich eine Richtung abzeichnet, das ist der profitable Weg.

Wir folgen dem Markt, wir erraten ihn nicht. Nach dem Sieg Trumps Anfang November, haben ein paar Stunden in der Wahlnacht auch keinen Unterschied gemacht, wenn man dann am folgenden Morgen die richtigen Schlüsse gezogen hat. Darauf folgten dann 2 Monate Rally - bis heute.

Bemerkenswert ist aber, dass an diesem wichtigen Moment, auf den nun die ganze Börsenwelt weltweit starrt und die versammelte Politik wahrscheinlich auch, die Volatilität immer noch sehr weit unten ist:

Sprich, der Markt ist gelassen. Zu gelassen? Wir werden es heraus finden. Machen wir was daraus. Wenn Sie mehr wissen wollen und "dabei" sein wollen, dann müssen Sie halt zu uns dazu stossen.

Also heute 17 Uhr. Ich habe mein Popcorn schon bereit liegen - die Superhelden Saga "The incredible Donald" kann beginnen. Film ab ... 😉

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Klar unklare Sache bei der FED

Nach einer sehr spannenden EZB Sitzung letzte Woche, die ein von geprägtes Ergebnis gebracht hat, das dann von Draghi in der Pressekonferenz mit einem marktfreundlichen, taubenhaften Spin versehen wurde, steht diese Woche Mittwoch Abend die wichtigste der Notenbanken mit einem Entscheid an. Die FED.

Hier ist die Ausgangslage völlig anders als bei der EZB letzte Woche.

Ja, die FED wird die Leitzinsen um einen Viertel-Punkt auf 0,75% erhöhen, davon ist fest auszugehen. Die FED selber, lässt daran keinen Zweifel aufkommen und der Markt, geht nach den letzten Zahlen mit 97% Wahrscheinlichkeit davon aus.

Das wird so kommen, alles andere wäre eine immense Überraschung, mit der die FED ihre eigene Glaubwürdigkeit zerstören würde. Und wenn es kommt, wir das nur einen Gähner am Markt hervor rufen, denn das ist vollständig in den Kursen.

Richtig schwierig, dürfte dagegen für die FED aber der Ausblick auf 2017 sein und die Frage, wie stark und steil es mit der Zinswende weiter geht. Und das sind die Worte, denen der Markt mit besonderer Aufmerksamkeit lauschen wird und die sich ganz hart auf Dollar und Gold auswirken werden.

Schwierig ist es nicht nur, weil Zukunft immer schwierig ist - da kann man noch so grosse volkswirtschaftliche Abteilungen haben, wenn Volkswirte die wirtschaftliche Zukunft vorher sagen könnten, wären sie an der Börse alle Multimilliardäre. 😉

Schwierig ist es vor allem wegen Trump. Denn keiner kann heute seriös sagen, ob Trump die Inflation wirklich ans Laufen bringt oder nicht und seine Konjunktur-Programme wirklich so gross werden, wie der Markt das nun schon antizipiert.

Und nicht nur wegen Ihres Mandats, sondern auch weil die Inflation ja viele Seiteneffekte hat, hängt davon in hohem Masse die weitere Zinspolitik der FED ab. Ob die Inflationsrate Ende 2017 in den US bei 3% oder 1% liegt, ist eben ein ganz zentraler Unterschied, den die FED nicht ignorieren kann und Trump hat dafür einige Stellschrauben in der Hand.

Und weil das so ist, kann die FED sich am Mittwoch nicht seriös für 2017 festlegen und muss sich hohe Flexibilität bewahren.

Diese völlig offene Lage, trifft mit Janet Yellen auf eine FED-Chefin, die sowieso einen ganz starken Hang zum "Play it Safe" besitzt. Adrenalin-Sport und der Spass am Risiko, ist ihr genetisch wohl nicht in die Wiege gelegt, was für eine FED-Chefin ja auch nicht die schlechteste Charaktereigenschaft ist.

Also bleibt nur eine logische Schlussfolgerung, die FED wird sich am Mittwoch alles offen halten und wird deswegen ihr Statement zu 2017, so indifferent wie möglich formulieren.

Wir bekommen also wohl eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75% und dann viele "wenn" und "dann" und "datenabhängig", also wenig zum Kauen. Das ist meine Erwartung.

Bleibt nur die Frage, wie der Markt auf diese Zins-Erhöhung und ansonsten wenig inhaltlichen Honig reagieren wird?

Wohl mit einer ganz leichten "Sell the News" Reaktion und dann weiter im Text zur Jahresendrally. Alleine beim Dollar, bin ich nicht sicher, ob das diesen dann nicht doch etwas drückt, denn nach meinem Eindruck wird ein schärferer Zinspfad in 2017 nun schon teilweise eingepreist.

Fazit:

Weiterlesen ...Klar unklare Sache bei der FED

Der Finger des Oberlehrers

Ich weiss, Blicke zurück mit dem erhobenen Zeigefinger des Oberlehrers und der Intonation des "ich habe es doch gesagt", sind nicht sehr beliebt. 🙂

Schon als Kinder haben wir darauf ablehnend reagiert, wenn von unseren Eltern solche Worte kamen. Aber wenn wir ehrlich sind, genagt hat es doch an uns, wir haben uns über uns selber geärgert und manchmal hat es genau deswegen etwas bewirkt.

Der erhobene Zeigefinger des Oberlehrers, hat also einen Wert, weil er uns zwingt uns den eigenen Handlungen oder Unterlassungen zu stellen.

Und deshalb erhebe ich heute mal wieder den Zeigefinger, den mein Anspruch hier ist ja nicht, sie mit lustigen Prognosen zu penetrieren, sondern Sie bei Ihrem Erkenntnisprozess zu unterstützen, wie Börse funktioniert.

Von der Kategorie der Börsen-"Experten", die Ihnen heute erklären, wie morgen ganz sicher die (Anlage-)Welt aussehen wird und Ihnen - natürlich völlig kostenlos und uneigennützig, schon klar 😉 - die allergeheimsten und heissesten Börsentips mitteilen wollen, gibt es ja in den Medien genug. Wenn Sie das suchen, sind Sie hier sowieso auf der falschen Plattform.

Mein erhobener Zeigefinger, will heute meinen Artikel -> Jahresendrally oder davon die Wirklichkeit anzunehmen < - in Erinnerung rufen, denn der liegt nun schon fast einen Monat zurück und wurde kurz nach Trumps Wahl geschrieben - mein Gott, wie die Zeit vergeht!

Darin sagte ich:

Aber trotzdem, sich in Angst, Ablehnung und dem eigenen Bias zu suhlen, ist etwas für Verlierer. Wer am Markt zu den Gewinnern gehören will, muss immer wieder die Wirklichkeit so annehmen, wie sie ist. Was wir denken, wollen oder wünschen, ist dem Markt völlig egal. Im Gegenteil, es weist eher in die falsche Richtung, denn da auch wir Teil der "Herde" sind, ist es recht wahrscheinlich, dass andere die gleichen Ängste und Zweifel haben und das schon längst in den Kursen steckt.

Gewinner am Markt haben eine kalten, klaren Blick auf diese Wirklichkeit und richten ihr Handeln an dem aus, was ist und nicht an dem, was sie gerne hätten oder befürchten.

Und weiter:

Alle vier Punkte deuten für den Markt eher nach oben zum Jahresende. Wobei man sehr selektiv sein muss, denn es sind in der neuen "World of Donald" eben andere Sektoren und Themen als bisher, die den Markt treiben.

Im nächsten Artikel im freien Bereich: -> Trump, das Offensichtliche und die Weisheit < - nahm ich mir dann das diffuse Gerede einiger Marktkommentatoren vor, die nach der sichtbaren Gezeitenwende durch Trump, nicht in der Lage waren, den massiven Gezeitenwechsel zu erkennen, der vor unseren Augen klar und deutlich im Gange war.

Darin sagte ich mit deutlichen Worten:

Weiterlesen ...Der Finger des Oberlehrers

Procter & Gamble und Johnson & Johnson – Das Ende der Dividende als Anleihen-Ersatz?

Ich weiss nicht, ob Ihnen aufgefallen ist, dass im Rahmen der Sektor-Umschichtungen nach der Wahl Trumps, kleine Nebenwerte, die im Russell 2000 Index zusammen gefasst sind, massiv haussiert haben - wie hier zum Beispiel im ETF IWM zu sehen, der den Russell 2000 abbildet:
(All Charts from )

iwm-21-11-16

Gleichzeitig haben aber einige klassische Dividendentitel und grosse Bluechips, teilweise deutlich korrigiert - ausser sie gehörten zu Sektoren wie dem Industrie-Sektor, die von Trumps absehbarem Infrastruktur-Programm profitieren werden.

Diese Bewegung, hat übrigens schon vor Trumps Wahl begonnen, sie wurde durch seine Wahl nur beschleunigt bzw wieder neu in Gang gesetzt. Hier sind zwei Beispiele solcher Korrekturen von gross kapitalisierten Dividenden-Bluechips:

Procter & Gamble (PG):

pg-21-11-16

Johnson & Johnson (JNJ):

jnj-21-11-16

Damit stellt sich die Frage, was sich hinter dieser Schwäche verbirgt und die Antwort ist recht einfach:

Weiterlesen ...Procter & Gamble und Johnson & Johnson – Das Ende der Dividende als Anleihen-Ersatz?

Trump, das Offensichtliche und die Weisheit

Eine böse Zunge hat mal gesagt: "Als Weise wird wahrgenommen, wer die Fähigkeit hat, die offensichtlichen Dinge mit einer gewichtigen Miene zu sagen". 😉

Das ist natürlich übertrieben und pointiert, aber es steckt ein Körnchen Wahrheit darin, denn eine Weisheit, zu der alle wohlgefällig nicken, ist weder mutig noch relevant, sondern eher der vorhandene Common Sense. Wer dagegen Weisheiten ausspricht, die man nicht an jeder Strassenecke hören kann, wird eher Ablehnung und Skepsis erfahren.

Besonders Aussenpolitiker, perfektionieren dieses Prinzip der "weisen Rede" sehr schnell und es funktioniert erstaunlich gut. Diese werden in Umfragen immer mit den höchsten Zustimmungsquoten versehen, obwohl sie in der Regel nur das Offensichtliche mit besonders gewichtiger und weltschwerer Miene sagen. Sie geben die Rolle des "Weltweisen", ob sie es sind, ist dagegen eine ganz andere Frage.

Aber auch zum Thema Börse, erleben wir diese Pseudo-Weisheit gerade wieder. Da hat sich mit Trump eine massive Sektorrotation im Markt in Gang gesetzt, die für Anleger allerhöchste Bedeutung hat. Das Geschmäckle einer Zeitenwende liegt in der Luft, wie wir sie seit 2008 nicht mehr hatten.

Ray Dahlio, ein sehr bekannter und respektierter Hedgefonds-Manager . Und die Kurse sind massivst in Bewegung, bestimmte Sektoren kommen aus langjährigen Tiefs, andere scheinen gerade abzuschmieren.

Die Signale des Marktes, wenn man in der Lage ist sie zu hören, sind also klar - da passiert für uns Anleger Bedeutendes! Und es ist völlig offensichtlich, dass das alles von Trumps Politik abhängt und der Markt hier versucht, sich frühzeitig darauf einzustellen.

Und es ist ebenso offensichtlich, dass diese Politik Trumps noch im Fluss ist, in vielen Bereichen weiss Trump - der überhaupt erst seine Administration zusammen stellen muss - schlicht noch gar nicht, was er will.

Selbstverständlich kann man daher festhalten, so wie ich das selber in -> Trump und die Börsenreaktion < - getan habe, dass es zu früh ist, um definitive Aussagen zu Trumps zukünftiger Politik zu machen. Und es ist zu früh, sich als Anleger blind auf eine Richtung festzulegen.

Aber ist es deswegen auch "weiser" Rat, nun erst einmal abzuwarten, bis sich dann nach der Amtseinführung gezeigt hat, wie Trumps Politik wirklich aussieht?

Blödsinn, das ist das Offensichtliche mit gewichtiger Miene gesagt und völlig wertlos für uns Anleger. Denn wenn völlig klar ist, wie Trumps Politik nun wirklich aussieht, ist auch die Anpassungsreaktion des Marktes am Ende und einige Sektoren notieren 20% höher und andere niedriger.

Wir dürfen einfach nicht vergessen, dass wir am Markt *immer* in Unsicherheit agieren müssen, immer! Auch nachdem Trumps Politik völlig klar ist, wird es in die Zukunft hinein wieder Unsicherheit geben. Wo Sicherheit ist, bewegt sich der Markt nicht mehr und ist nichts mehr zu holen, weil eben alles schon in den Preisen ist.

Ist es denn dann vielleicht "weiser" Rat, der aktuellen Bewegung des Marktes raunend zu misstrauen, dagegen anzukämpfen und eine Gegenposition einzunehmen?

Weiterlesen ...Trump, das Offensichtliche und die Weisheit

Jahresendrally oder davon, die Wirklichkeit anzunehmen

Wenn Sie sich erinnern, letztes Jahr im November und Dezember 2015, ist die Jahresendrally faktisch ausgefallen. Die Kurse wurden durch das "Window Dressing" zum Jahresende zwar zusammen gehalten, aber es war schon eine innere Schwäche sichtbar, die uns hier zur grossen Vorsicht gemahnte und es uns daher ermöglich hat, dem scharfen Einbruch direkt zum Jahresbeginn, profitabel aus dem Weg zu gehen.

Dieses Jahr erscheinen die Chancen weit besser. Sicher ist am Markt gar nichts, zumal nicht mit einem neuen US Präsidenten, der sein Programm überhaupt erst finden muss und erst einmal grosse Fragezeichen aufwirft.

Aber trotzdem, sich in Angst, Ablehnung und dem eigenen Bias zu suhlen, ist etwas für Verlierer. Wer am Markt zu den Gewinnern gehören will, muss immer wieder die Wirklichkeit so annehmen, wie sie ist. Was wir denken, wollen oder wünschen, ist dem Markt völlig egal. Im Gegenteil, es weist eher in die falsche Richtung, denn da auch wir Teil der "Herde" sind, ist es recht wahrscheinlich, dass andere die gleichen Ängste und Zweifel haben und das schon längst in den Kursen steckt.

Gewinner am Markt haben eine kalten, klaren Blick auf diese Wirklichkeit und richten ihr Handeln an dem aus, was ist und nicht an dem, was sie gerne hätten oder befürchten.

Stellt sich die Frage, wie denn nun aus meiner Sicht die aktuelle Wirklichkeit des Marktes zum Jahresende aussieht:

(1)

Erste Statements von Trump geben zur Annahme Anlass, dass er seine Wahlversprechungen tatsächlich angehen will, aber in einer "verträglichen", deutlich weniger radikalen Form, als es im zugespitzten Wahlkampf hinaus posaunt wurde. Das sind keine schlechten Voraussetzungen für die Börse.

(2)

Das grosse Konjunktur/Infrastrukturprogramm wird kommen, weil absolut zentraler Teil von Trumps Versprechungen und Grundlage der Loyalität seiner Wähler, gerade aus den alten Industriebereichen. Dieses Programm, wird massive Kursphantasie generieren und das vor allem in der US Binnenkonjunktur und in den klassischen Industrie- und Bausektoren. Schauen Sie einfach mal, was der Baumaschinen-Bluechip Caterpillar (CAT) die letzten Tage nach Trumps Sieg gemacht hat, dann wissen Sie, was ich meine. Das Programm wird das BIP anheben und die Inflationserwartungen nach oben bewegen, das erscheint recht wahrscheinlich.

(3)

Wir haben in der abgelaufenen Quartalssaison gesehen, dass die Gewinnerwartungen der Unternehmen wieder zu steigen beginnen und diese Lage trifft auf ein Sentiment im Markt, das bis zu Trumps Wahl eher negativ und skeptisch war. Das ist eine sehr positive Mischung für die Märkte.

(4)

Und es gibt dieses Jahr besonders massiven Performance Druck auf die institutionellen Anleger. Denn viele Fondsmanager und Hedgefonds hängen in diesem schwierigen Jahr den Indizes hinterher. Da dürften nun einige Angst um ihre Jobs haben und müssen nun um jeden Preis eine potentielle Jahresendrally mitnehmen. Und gerade weil das so ist, hat die Rally besonders gute Chancen zu kommen, ganz typisch im Sinne der selbsterfüllenden Prophezeihung im selbstreferentiellen Markt.

Weiterlesen ...Jahresendrally oder davon, die Wirklichkeit anzunehmen