DAX und S&P500 nach der Rückkehr der Mumie – Marktupdate – 26.02.13

Guten Morgen, in Anbetracht des gestrigen beeindruckenden Reversals in Euro, DAX und S&P500, erscheinen mir ein paar Worte der Orientierung dringend nötig.

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Das gestrige Reversal war klassisch und fast mit Ansage. Nur deshalb konnte ich den Top auch gestern Live um 15:16 Uhr in den Tips auf den Punkt festnageln. Denn gegen 15 Uhr, als die ersten Prognose kamen, waren alle positiven Erwartungen eines Sieges Bersanis schon in den Kursen verfrühstückt. Es konnte also nur eine Enttäuschung geben, zumal für uns Europäer leichter als für manch amerikanischen Investor zu erkennen ist, welche Fallstricke in der komplizierten Wahlarithmetik liegen, selbst wenn auf den ersten Blick jemand vorne liegt. Denn die Amerikaner sind einen starken Präsidenten gewohnt. Selbst bei gebildeten und politisch interessierten US-Bürgern, fehlt oft das Gespür für die komplexe Entscheidungsfindung in den europäischen Demokratien.

(2)
Wenn Sie sich jetzt fragen, woher der Markt denn die Glaskugel hatte, die ihn den ganzen Tag einen Sieg Bersanis in den Umfagen bei Schliessung der Wahllokale erahnen liess und zur Rally führte, habe ich eine vielleicht verstörende Antwort für Sie: Der Markt hatte gar keine Glaskugel, da ist Insiderwissen im Spiel ! Solche Umfragen werden doch nicht erst um 15Uhr gemacht, sondern sie werden den ganzen Tag erstellt, in dem Wähler nach Verlassen der Lokale befragt werden. Und zwar seit Sonntag, denn solange waren die Wahllokale auf. Das bedeutet, schon am Sonntag Abend lagen erste Zwischenergebnisse in den Wahlforschungsinstituten vor. Natürlich war es eigentlich verboten diese zu veröffentlichen. Aber daran glaubt wirklich nur meine Oma, dass das auch unter der Decke gehalten werden kann. Zu viele Leute wissen davon und zu gross ist die Versuchung, damit Geld zu machen. Auch die Politiker und auch unser schöner Freund bekommen vorab Ergebnisse, wie auch die Politik in Deutschland an Wahltagen. Und auch die Mitarbeiter der Institute sind doch nicht blöd und wissen, was diese Information in dieser Spannung wert ist. Darüber hinaus haben unzählige Hedgefonds nur im Sinn, an solche Informationen rechtzeitig zu kommen. Und natürlich fliesst auch Geld für solche Informationen. Illegal ? Natürlich ist es das ! Aber who cares - zumal in Italien ?

Mr. Market hatte also keine Glaskugel, sondern "Big Money" wusste was, was wir nicht wussten. Und wenn dann die Big Boys kaufen, dann sehen das Algos und Trendfolgeprogramme und springen auf den fahrenden Zug. Und ganz am Ende auch der private Investor. Und deshalb rauscht ein Markt so hoch wie am Montag, obwohl offiziell noch gar nichts veröffentlicht war.

Meine Leser sollten daher unbedingt als Lehre mitnehmen: glauben Sie nicht daran, dass es im Markt "fair" zugeht. Das ist ein Spiel von Raubsauriern und nur die Stärksten, Schnellsten und Klügsten sind erfolgreich. Aber auch kleine unscheinbare Säugetiere wie wir können da überleben. Aber nur wenn wir unsere Nische kennen, uns hinsichtlich der Raubsaurier keiner Illusion hingeben und diese so gut beobachten, dass wir ihnen nicht als Nahrung vor die Füsse fallen.

Und merken Sie sich ein für allemal: wenn der Markt sich in eine Richtung in Bewegung setzt und Sie wissen nicht warum - dann ist nicht Mr. Market dumm sondern wir! Und richtig dumm ist es dann, Mr. Market auch noch beweisen zu wollen, dass man Recht hat, Sie wissen schon: Ego lässt grüssen. 😉

Und das Schöne ist doch auch, all die Abermillionen die da unter der Hand fliessen, können eine Fehleinschätzung nicht verhindern, wie wenn man etwas zu trivial von einem Sieg Bersanis im Abgeordnetenhaus gleich auf eine stabile Mehrheit schliesst. Intelligenz und Wissen zählen also immer noch und da haben die Säugetiere keinen Nachteil gegenüber den Sauriern.

(3)
Wie gehts weiter ? Erst einmal dürfte klar sein, dass niemand vorhersehen kann, welche Wendungen die Rückkehr der Mumie nun wieder hervorrufen wird. Dem ist fast alles zuzutrauen, meine Phantasie reicht da nicht aus. Insofern sind wir wieder in einem politischen Markt, zumindest zeitweise.

Was aber auch ganz klar ist, ist dass wir im S&P500 technisch nun eine ganz klassische Topbildung vor uns haben. Wir hatten am 21.02.13 den ersten Warnschuss, den ich ja -> hier <- als Artikel verarbeitet habe. Schauen Sie insbesondere mal auf das Chart und fragen Sie sich, wo wir jetzt stehen. 😉

Gestern kam nun der zweite, schwerere Einschlag, der auch die wichtige Marke von 1495 durchschlagen hat. Was nun ganz typisch ist, dass heute zunächst einmal sofort wieder die "Dip-Käufer" in den Markt kommen. Denken Sie daran, dass wir Menschen den Recency-Bias haben. Und weil wir nun so an die Rally gewohnt sind, gehen wir auch davon aus, dass diese weitergeht. Heute werde garantiert auch Stimmen kommen, die von Kaufgelegenheit reden. Und dann geht es erst einmal wieder hoch, weil diese Chance will sich niemand entgehen lassen, zu prägnant ist die immerwährende Rally in den Köpfen. Gestern hatten wir auch sofort einen Buying on Weakness Print im SPY, ich gehe also davon aus, dass der S&P500 heute zumindest die 1500 wieder testet.

Erst dann kommt die Entscheidung. Wenn das nun ein Top war - und das ist im Bereich des Möglichen - wird diese Buy-the-Dip Bewegung auslaufen. Und die dann folgende Abwärtsbewegung wird blutig. Und erst dieser Schmerz wird die Wahrnehmung der Menschen ändern, den Recency Bias ändern und damit den Boden für den nächsten Anstieg bereiten.

Das wäre der klassische technische Ablauf. Aber denken Sie an den politischen Markt. Es reicht jetzt dass eine Handvoll neuer Senatoren von Grillo zum bürgerlichen Lager überlaufen und schon ist die stabile Mehrheit da. Insofern kann ein derartiger Ablauf jederzeit ausser Kraft gesetzt werden. Und wenn heute Nachrichten kommen, dass eine Mehrheit im Senat doch klar ist, wird der S&P500 nicht nur die 1500 wieder erobern, sondern jubelnd zu neuen Hochs laufen. Denken Sie auch an den Sequester, auch diese Entscheidung steht bevor und kann ein positiver Katalysator für die Märkte sein.

Jetzt werden Sie vielleicht denken, wenn das alles so unklar ist, was macht man sich dann überhaupt Gedanken ?

Falsch ! Es geht um Wahrscheinlichkeiten und wir haben nun eine erhebliche Verschiebung der Marktstruktur. Bisher hatten wir einen etablierten, gesicherten Aufwärtstrend ohne jedes Anzeichen einer Wende. Auch da ist eine Wende immer möglich, aber das ist ein Restrisiko. Nun haben wir eine klassische Reversal-Struktur mit bärischem Risiko einer 10% Korrektur, die nur dann ausser Kraft gesetzt wird, wenn "gute" Nachrichten aus Italien oder vom Thema "Sequester" kommen. Damit sehen die Wahrscheinlichkeiten erheblich! anders aus und eine vorsichtige Haltung zum Markt ist rational geboten.

(4)
Mittel und Langfristig für den Verlauf des Jahres hat sich aber in meinen Augen trotz aller Frustration über die Rückkehr der Mumie nicht viel geändert. Die "grosse Rotation" scheint in Gang zu kommen und viel spricht für weiter steigende Kurse. Insofern kann es gut sein, dass eine Korrektur nun eine schöne Kaufgelegenheit ist. Aber eben nicht notwendigerweise heute. Siehe (3).

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Gurkenaktien des 4. Quartals 2012 – Zwischenstand zum 01.11.12

Bis zum 03. Oktober haben wir -> hier <- gemeinsam die "Gurkenaktien" zum Jahresende definiert. Ziel war es, die Aktie zu finden, die zum Jahresende 2012 sicher im Minus stehen wird.

Heute ist es Zeit, uns nach einem Monat den Zwischenstand anzuschauen. Hier das Ergebnis für den Zeitraum 03.10.12 bis 31.10.12 (jeweils Schlusskurse):

Wir haben mit unserem "Gurkenportfolio" im Oktober ein Minus von -5,3% erreicht. Gratulation !
Demgegenüber fielen die Indizes im Mittel nur um -1,6%. DAX 7324,56 -> 7268,53 = -0,7%, S&P500 1450,92 -> 1412,72 = -2,6%

Wir haben den Markt also klar geschlagen und als "Shorties" einen guten Job gemacht. Schaut man darauf woran das lag, ist sehr leicht zu erkennen, dass das Herumreiten auf dem Prinzip der Trendfolge bei der letzten Übung nun scheinbar Früchte getragen hat. Es wurden sehr viele Aktien gemeldet, die schon vorher schlecht liefen und sich in etablierten Abwärtstrends befanden. Das positive Ergebnis der Trendfolge können wir nun beobachten. Passend dazu ist auch, dass die Aktie die im Sinne unserer Übung am "schlechtesten" lief - die also den grössten Gewinn produzierte - mit Salzgitter genau die Aktie ist, die Anfang Oktober schon klar ihren langen Abwärtstrend gebrochen hatte.

Nehmen wir also aus dem ersten Monat unserer Übung mit, dass billig aussehende Aktien in der Regel noch billiger werden. Oder etwas flapsiger: "besch...... Aktien bleiben besch...... Aktien" ! 😉

Hier nun das Ergebnis im Detail:

1. A123 Systems (WKN: A0Q8FY) 0.28 USD -> 0.14 USD; gain: -50.0%
2. Peugeot (WKN: 852363) 6.14 € -> 4.91 €; gain: -20.0%
3. Magforce (WKN: A0HGQF) 2.8 € -> 2.39 €; gain: -14.6%
4. Vestas (WKN: 913769) 5.11 € -> 4.39 €; gain: -14.1%
5. Gigaset (WKN: 515600) 1.22 € -> 1.07 €; gain: -12.3%
6. Wacker Chemie (WKN: WCH888) 48.87 € -> 43.58 €; gain: -10.8%
7. Wienerberger (WKN: 852894) 6.22 € -> 5.6 €; gain: -10.0%
8. Praktiker (WKN: A0F6MD) 1.56 € -> 1.44 €; gain: -7.6%
9. Hewlett-Packard (WKN: 851301) 14.91 USD -> 13.85 USD; gain: -7.1%
10. Daimler (WKN: 710000) 38.06 € -> 36.03 €; gain: -5.3%
11. Intel (WKN: 855681) 22.55 USD -> 21.63 USD; gain: -4.6%
12. Microsoft (WKN: 870747) 29.86 USD -> 28.54 USD; gain: -4.4%
13. Solarworld (WKN: 510840) 1.40 € -> 1.34 €; gain: -4.3%
14. Tesla Motors (WKN: A1CX3T) 29.30 USD -> 28.13 USD; gain: -4.0%
15. McDonalds (WKN: 856958) 90.35 USD -> 86.8 USD; gain: -3.9%
16. Facebook (WKN: A1JWVX) 21.83 USD -> 21.11 USD; gain: -3.3%
17. Sino AG (WKN: 576550) 2.76 € -> 2.71 €; gain: -1.8%
18. Research in Motion (WKN: 909607) 8.06 USD -> 7.93 USD; gain: -1.6%
19. Aixtron (WKN: A0WMPJ) 10.24 € -> 10.16 €; gain: -0.8%
20. Alcatel-Lucent (WKN: 873102) 0.81 € -> 0.81 €; gain: 0.0%
21. Boeing (WKN: 850471) 69.86 USD -> 70.44 USD; gain: 0.8%
22. Nokia (WKN: 870737) 2.05 € -> 2.07 €; gain: 1.0%
23. Thyssen-Krupp (WKN: 750000) 16.99 € -> 17.56 €; gain: 3.3%
24. Sky (WKN: SKYD00) 3.25 € -> 3.36 €; gain: 3.4%
25. Talanx AG (WKN: TLX100) 18.75 € -> 19.5 €; gain: 4.0%
26. Infineon (WKN: 623100) 5.01 € -> 5.25 €; gain: 4.8%
27. Kontron (WKN: 605395) 3.46 € -> 3.63 €; gain: 4.9%
28. Salzgitter (WKN: 620200) 30.72 € -> 33.38 €; gain: 8.6%

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Marktupdate – 13.06.12 – Goldminen im klaren Aufwärtstrend

16 Uhr

Ich weiss, ich habe schon oft darüber geschrieben, aber wenn man in diesen Tagen einen geradezu mustergültigen Trend vor Augen hat, kann man gar nicht oft genug darüber schreiben, damit es niemand übersieht.

Schauen Sie nun einfach mal erneut auf den Tages-Chart des ETF GDX in USD, der das letzte Jahr der grossen Goldminen abbildet.

Seit dem Tief am 11.05.12, das ich hier ja intensiv besprochen habe, hatten wir eine geradezu mustergültige und sehr gesunde Aufwärtsbewegung nach dem Motto "Zwei Schritte vor, Einen zurück", die den Sektor nun schon um mehr als 20% nach oben gebracht hat. Gleichzeitig verdeutlicht der Chart aber auch, wieviel Luft da theoretisch noch nach oben existiert. Genau so sehen saubere und gesunde Aufwärtstrends aus, die immer wieder durch kurze Korrekturen unterbrochen werden, die aber den Trendkanal nie verletzen.

So ein klares Setup eröffnet hervorragende Möglichkeiten für Gewinne mit einem Trendfolgesystem. Man muss dafür die nächste Korrektur kaufen und den Stop jeweils unter das Tief der vorangegangen Korrektur setzen. Dann hat man am Anfang ein Risiko von ein paar Prozent nach unten, sobald aber die nächste Stufe des Trends gezündet wurde, kann man den Stop unter das folgende Tief ziehen und ist mit dem Trade dann auf der Gewinnerseite.

So habe ich es übrigens seit dem Tief gemacht, ich bin wie Sie wissen massiv Long im GDX und habe meinen Stop nun bei 44,8 USD - unter dem letzten Tief - und damit aufgrund meines Einstiegs Mitte Mai nun gut im grünen Bereich.

Sie sehen, dass wir uns nun der 200 Tage Linie nähern, die wir bei ca. 52 USD treffen könnten, dort wo der grüne Stern im Chart ist. Kein Mensch kann Ihnen sagen wie lange dieser Trend noch läuft. Ich rechne zwar eher damit, dass wir hier erst am Anfang einer eindrucksvollen Bewegung stehen, aber "you never know" - theoretisch kann es natürlich auch morgen schon drehen und abwärts gehen. Mit der oben beschriebenen Technik den Stop jeweils unter das letzte Tief zu ziehen, kann mir diese Frage aber weitgehend egal sein. So werde ich den Trend bis zum Ende mitgehen und irgendwann, vielleicht schon Morgen aber vielleicht auch erst in 6 Monaten, wird mich der Stop aus einem dann sehr profitablen Trade werfen.

The Trend is your friend, dieser Chart zeigt eindrucksvoll, warum man mit Trendfolgesystemen profitable Ergebnisse erzielen kann.

Und wenn Sie sich jetzt wundern, dass das so einfach sein soll. Ja, bei klaren Trends ist die Technik so einfach, ein Aufwärtstrend ist durch immer wieder höhere Tiefs gekennzeichnet, erst wenn das nächste Tief unter dem vorherigen liegt, besteht die Gefahr eines Trendbruches. Dieses einfache Prinzip kann man sich für eine Trendfolge mit Stops wunderbar zu Nutze machen ! Eine Garantie für Gewinne hat man auch dann nicht, mit Pech dreht der Kurs am Tag des Einstiegs nachhaltig, aber man hat damit ein gutes Chance/Risiko Verhältnis und mehr kann man am Markt nicht erreichen.

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Hari´s Märkte am Abend – 18.05.12 – Von den Schwierigkeiten den Markt zu schlagen

22 Uhr Handelsschluss

Heute möchte ich einen etwas grösseren Bogen schlagen um die aktuelle Lage zu würdigen. Aber keine Sorge, zu den Schlussfolgerungen für das aktuelle Geschehen komme ich noch.

Drehen wir die Uhr ein gutes Jahr zurück. In den letzten 12 Monaten gab es genau drei wesentliche Trends, die man hätte gut treffen müssen um theoretisch schnell "reich" werden zu können.

Trend 1 - Der Absturz der Anfang letzten August begann und den DAX von Niveaus um 7500 bis knapp unter 5000 brachte.

Trend 2 - Die massive Aufwärtsbewegung des ersten Quartals, die schon im alten Jahr begann und den DAX von 5000 bis 7200 brachte.

Trend 3 - Der aktuelle, erneute Absturz durch die erneute Verschärfung der Euro-Krise, die sich in bestimmten Segmenten seit Ende Februar ankündigte, aber erst seit April Fahrt aufnahm.

Hätte man diese drei Trends erwischt, würde sich Reichtum wohl nicht vermeiden lassen - oder ?

Sie sehen schon an der Art der Frage, dass es offensichtlich nicht so einfach ist. Schauen wir uns doch mal die wesentlichen "Macro-Calls" an, die ein gewisser "Hari" in dieser Zeit gemacht hat.

Trend 1 habe ich den Lesern von Investors Inside im August letzten Jahres mehrfach unter die Nägel gerieben, eine Botschaft die lange nicht von allen gerne gehört wurde, wer mag schon schlechte Nachrichten ?

Das kulminierte dann in einem Grundsatzartikel am 27.08.11 der das grössere Bild beleuchtete und mit dem Satz "to Sell !" endete. Der Artikel ist übrigens auch heute noch erschreckend aktuell.

Trend 2, die Möglichkeit eines überraschenden Anstiegs in 2012, hatte ich in den letzten Wochen des Jahres 2011 mehrfach thematisiert. Und Anfang 2012 bin ich hier auf sumerdigital.de dann mehrfach sehr deutlich geworden, inklusive sehr kritischer Worte über "Chartisten" die Anfang Februar vom Einbruch faselten.

Trend 3 habe ich am 27.03.12 mit den im Nachhinein prophetischen Worten -> Vom Aufhören wenn es am Schönsten ist <- eingeläutet, wobei wir nun deutlich tiefer und negativer sind, als ich damals dachte - was aber an dem Wahldesaster in Griechenland liegt, das niemand so vorhersehen konnte.

In Summe habe ich also alle drei Trends früher als viele erkannt und auch wenn sich Details dann anders entwickelten, hat die Richtung in allen drei Fällen gestimmt. Und jedes mal, wenn ich diese Sichten artikuliert habe, bin ich bei Teilen der Leser auf Skepsis gestossen, die noch unter dem psychologischen Eindruck der jeweils aktuellen Bewegung standen.

Jetzt werden Sie sich fragen, warum ich Ihnen das erkläre und ob ich mich selbst beweihräuchern will und Ihnen nur erzählen möchte, was ich doch vermeintlich für ein "toller Hecht" sei ? Weit gefehlt, lesen Sie einfach weiter ;-). Denn eigentlich müsste ich bei dieser Trefferliste zur Makro-Sicht nun ja in Gewinnen schwimmen. Tue ich aber nicht ! Wie das ?

Ganz einfach: Eine Situation zu erkennen, heisst noch lange nicht sie ausreichend ausnutzen zu können. In allen drei Trends war ich in Richtung des Trends positioniert und insofern habe ich keinen Grund zu klagen. Nur hätte es viel, viel besser laufen können, wenn ich konsequenter gewesen wäre. Und wenn es schon bei mir hätte besser sein können, wie ist es dann den zahllosen Anlegern gegangen, die viel zu spät bereit waren zu akzeptieren, dass sich der Wurm gedreht hatte ? Ich möchte lieber nicht darüber nachdenken,

Denn in allen drei Trends habe ich erlebt, was nun auch aktuell wieder viele von uns erleben werden. Ich war nicht konsequent genug, weil ich zu früh Sorge bekam, dass der Trend doch drehen könnte. Deswegen war ich im 1. Quartal zu vorsichtig und hätte aggressiver Long wetten können. Und im 2. Quartal habe ich nicht aggressiv genug abgebaut. Ich sitze nun zwar seit Wochen auf jeder Menge Cash, aktuell 60% und bin darüber hinaus teilweise Short, so dass ich aktuell defacto nur zu 20% sehr selektiv Long im Markt bin. Warum aber habe ich nicht 80% oder 100% Cash und bin ich nicht Net-Short ?

Was mir passiert ist, passiert vielen von Ihnen bestimmt gerade auch. Man denkt halt, nach dem 10. oder 11. Abwärtstag "muss" es doch mal drehen und so versucht der eigene Kopf jeden positiven Tag im Sinne eines als Wendepunkt zu interpretieren und tendiert dazu schon wieder aufzuspringen. In 9 von 10 Fällen aber zu früh. Denn nur weil es 10 Tage Abwärts ging, ist keine Wende garantiert und kann es immer noch 10 Tage so weitergehen ! Und obwohl ich zu der Minderheit gehöre, die diese psychologischen Mechanismen versteht und sich ihrer bewusst ist, ist es trotzdem sehr schwierig sich dagegen zu wehren. Wie soll man sich denn auch gegen den Gegner im eigenen Kopf sinnvoll wehren ?

Das sind die Fallen, die uns unser Gehirn beim Trading permanent stellt, wenn wir jeden Tag auf die Kurse schauen. Gerade wenn man wie vielleicht ein paar von Ihnen jetzt noch zu stark investiert ist, artet so jeder Tag zu einem Hoffen auf die Wende aus, bei dem der "Confirmation Bias" grossen Schaden im Depot anrichtet.

Deshalb, genau deshalb, ist es so schwierig den Markt zu schlagen ! Und wer diese Wahrheit nicht erkennt oder für sich nicht akzeptieren will, der ist nach meiner Erfahrung defacto chancenlos dauerhaft den Markt zu schlagen ! Glückstreffer gibt es immer und ein einzelnes gutes Jahr kann auch mal ein Schimpanse mit Dartpfeil haben, dauerhaft ist das aber eine ganz andere Herausforderung.

Dabei gibt es ja ein paar ganz klare, unbestechliche Signale, an die man sich in jedem Trend halten könnte. Genau wie man im ersten Quartal eine Trendlinie unter den Anstieg hätte legen können und besser zu 100% investiert gewesen wäre, solange die Trendlinie nicht gebrochen war - genau so kann man nun eine absteigende Trendlinie zeichen und wäre wohl besser ganz aus dem Markt oder Net-Short solange der Trend besteht. Schauen Sie auf den DAX Chart aus Stunden-Sicht :

Seit letzten Montag haben wie eine ganz eindeutige Trendlinie, an der wir die ganze Woche zuverlässig gedreht sind. Erst wenn diese Trendlinie nachhaltig gebrochen ist und der Bruch am Folgetag bestätigt wurde, erst dann wird sich mein Blick wieder nach oben richten !

Aber auch im DAX Chart aus Tages-Sicht, sieht es nicht wirklich besser aus. Hier kann man obige Trendlinie noch deutlicher zeichnen und man sieht auch die ausgebildete Topformation, die je nachdem wie man die Nackenlinie zeichnet rechnerische Ziele der Abwärtsbewegung von 5800-6000 im DAX ergibt. Und schauen Sie bitte mal auf die Dauer des Aufwärtstrendes im 1. Quartal. Dann wissen Sie, das nirgendwo geschrieben steht, dass es nun morgen schon wieder aufwärts gehen muss !

Es gibt also eine Lösung, um den "Confirmation Bias" unter Kontrolle zu behalten, man muss sich stur an die bewährten Indikatoren und die eigene Strategie halten ! Und die Indikatoren sagen aktuell: Der Trend ist abwärts ! Und zwar solange bis er dreht, was schon kommenden Montag aber eben auch erst in einem Monat der Fall sein kann. Den Zeitpunkt kennen wir alle nicht und lange darüber nachzugrübeln kostet nur Zeit und schafft keine besseren Ergebnisse beim "Raten".

Sinn macht dagegen, sein Kapital und Risiko zu managen und darauf zu achten, dass aus kleinen Verlusten keine grossen werden. Sinn macht, nur solche Trades einzugehen, die mit dem Trend laufen. Und Sinn macht auch, sein emotionales Kapital dadurch zu schützen, dass man keine übergrossen Risiken eingeht. Denn nur wenn man am Tiefpunkt, an diesem besonderen einen Tag aus zehn, noch psychisch gelassen und voller Zuversicht ist - nur dann wird man mutig zugreifen können, wenn der Trend dreht ! Und er wird drehen, fragt sich nur wann ! 😉

Am Wochenende kann nun jede Menge passieren und vom G8 Gipfel in Camp David dürften sicher warme Worte kommen, mit dem Ziel den Markt zu stabilisieren. Insofern, vielleicht wird nächste Woche ja theoretisch ganz toll und wir rennen in einem Lauf zurück bis 6600 im DAX. Aber lassen wir uns doch die Antwort von Mr. Market selber geben statt zu raten. Ein Trend ist dann gebrochen, wenn er gebrochen ist. Punkt. So einfach ist das und so schwierig für uns Menschen zu akzeptieren, der wir alles immer im Vorfeld antizipieren wollen.

Ich hoffe ich war ein wenig hilfreich und konnte Ihnen einen - vielleicht schmerzhaften, dafür aber lehrreichen - Blick in den eigenen Spiegel ermöglichen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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