Amazon – der Beweis für die Klugheit des Marktes

Amazon und seine Kursentwicklung, ist eine hoch faszinierende Geschichte, weil sie zeigt, wie unglaublich klug der Markt bei seiner Einschätzung ist. Über mehr als ein Jahrzehnt, hat Jeff Bezos mit Amazon investiert, investiert, investiert und immer Gewinne in der Zukunft versprochen, die dann kommen sollten, wenn die gewünschte Marktstellung erreicht ist.

Amazon wurde in der ganzen Zeit mit gigantischen P/Es von 80 und höher bewertet. Auch heute ist das noch der Fall. Anleger, die naiverweise glaubten, man könnte solche Wachstumsaktien mit KGVs von E.ON und Co. vergleichen, haben den Kopf geschüttelt, "völlig überdreht" gesagt, sich abgewendet und RWE gekauft - die waren ja "billig". 😉

Der Markt hat Bezos aber geglaubt und das offensichtlich nicht, weil der Markt naiv war, sondern weil Bezos glaubwürdig war und der Markt ganz genau hingeschaut hat, um das zu verifizieren. Und seit 2015 kommen die Gewinne nun mit Macht und aus dem Cash-Burner Amazon wird langsam eine Cash-Cow.

amzn-19-10-16

Faszinierend!

Warum ist das aber so bemerkenswert? Weil ich mir erlaube, in den Januar 2013 zurück zu gehen, es macht doch Sinn sich auch immer mal wieder "das Geschwätz von Gestern" vor Augen zu führen.

Lesen Sie bitte unbedingt den Artikel -> Amazon, die Mutter aller Trends < - vom Januar 2013 noch einmal!

Bitte tun Sie es, selbst wenn Sie ein "alter Hase" hier sind und sich erinnern. Es ist gerade deshalb so eindrucksvoll, weil der Kurs sich von 268 USD damals auf nun ca. 820 USD heute, in gut 3 Jahren verdreifacht hat!

Und übrigens, Amazon *hat* damals dann Ende April die Trendlinie bei 246 USD wieder getestet. 😉

Dieses Prinzip, das dahinter steht und das ich damals schon eindrücklich erklärt habe, ist so unendlich wichtig, das ich heute noch einmal einen Artikel daraus mache.

Lesen Sie auch mal bitte unbedingt die Kommentare und Argumentationen des damaligen Artikels, zum Beispiel den dritten Kommentar und meine Antworten darauf.

Leser:
.... Wenn es sich hier jedoch nicht um eine Übertreibung handelt, dann weiß ich auch nicht mehr ....

Hari:
.... Du argumentierst mit Mr. Market, was selten eine gute Idee ist ....

Das sind die Botschaften, die ich Ihnen hier erneut am Fall Amazon in aller Deutlichkeit geben will:

Weiterlesen ...Amazon – der Beweis für die Klugheit des Marktes

DAX und S&P500 Marktlage – Der dritte Weg!

Heute, am Beginn des Monats März, ist es an der Zeit auch im freien Bereich mal wieder einen kurzen Blick auf die grosse Marktlage zu werfen. Etwas, was wir in der Community jeden Tag mehrmals in grösserer Tiefe tun.

Sie haben vielleicht mitbekommen, dass wir zum Jahresanfang fast völlig aus dem Markt waren und das war ja auch der richtige Ansatz. Ab Ende Januar, haben wir dann zunehmend einen kommenden Rebound gespielt und auch das war der richtige Ansatz, besonders in den Sektoren wie "Metals & Mining" und "Energie", die massiv von einem absehbaren Reversal profitieren, das wir auch seit Ende letzten Jahres auf dem Radar hatten.

Nun, am 01. März, stehen sich zwei Lager im Markt relativ unversöhnlich gegenüber:

Weiterlesen ...DAX und S&P500 Marktlage – Der dritte Weg!

General Electric und der „zu weit gelaufen“ Fehler

Sie haben seit der Markt 2009 den Tiefpunkt erreichte, nie wirklich partizipieren können, weil Sie dem Anstieg nie wirklich getraut haben?

Sie haben seit 2009 und erst Recht seit 2012, unzählige "heisse Tips" gekauft, die nach Meinung irgendwelcher "kluger" Börsenbriefschreiber "unterbewertet" oder "zu weit gefallen" waren?

Sie haben beobachtet, wie diese Aktien -> immer tiefer <- gefallen sind und Ihr Depot sich immer mehr auflöste, während gleichzeitig der Markt stieg und stieg?

Trösten Sie sich, falls diese Beschreibung auf Sie zutrifft. Sie sind nicht alleine. Fakt ist, Sie sind Teil einer ganz grossen, stummen Gemeinschaft, nur zugeben tun es die Wenigsten. 😉

Und nein, das hat auch nichts mit Dummheit und Unfähigkeit zu tun, im Gegenteil. Es hat aber damit zu tun, dass man um am Markt Erfolg haben zu wollen, anders denken muss, als im normalen Leben.

Und um diesen gedanklichen Sprung zu vollziehen, muss man erst einmal akzeptieren, dass man selber das Problem darstellt und nicht ein "böser, irrationaler" Markt.

Selbsterkenntnis ist wie immer der erste Weg zur Besserung. Aber nur eine Minderheit schafft es, das Ego beiseite zu schieben und den Weg zu beschreiten.

Heute will ich Ihnen am Beispiel des US Industrie-Riesen General Electric (851144, GE), eine Facette dieser notwendigen Denkstrukturen zeigen.

Es ist die Geschichte des fatalen "zu weit gelaufen" Fehlers, der die Kehrseite des "weit genug gefallen" Fehlers ist, einer Denkstruktur, die sich der Wahrheit der Trendfolge verweigert, weil unser evolutionäres "Affenhirn" uns permanent eine andere Wirklichkeit einflüstert und uns unter Druck setzt.

General Electric muss ich ja wohl nicht erklären. Ein Industriekonglomerat mit grosser Tradition wie Siemens, nur noch grösser, das aber im Zuge der Finanzkrise massiv unter Druck kam, weil der Finanzarm - GE Capital - zu gross geworden war und in Schieflage geriet.

Mittlerweile hat sich GE aber auf sein industrielles Kerngeschäft besonnen, die Abspaltung von GE Capital beschlossen und sich damit stabilisiert. Und zuletzt stiegen auch wieder die Hoffnungen, dass GE´s Geschäft nun wieder anzieht, was den Kurs nach oben katapultiert hat.

Schauen Sie mit mir auf das Chart der letzten Wochen:

GE 11.11.15

Wir sehen den "Flash Crash" am 24.08., der nichts mit GE zu tun hatte, sondern mit den Folgen von Amok laufenden ETFs, die zum ersten Mal deutlich gemacht haben, welche Risiken diese Dominanz der passiven Anlagevehikel mittlerweile im Finanzsystem generiert. Wir haben das im Premium-Bereich ausführlich thematisiert.

Wir sehen aber auch die eindrucksvolle Rally, die GE seit dem vollzogen hat, selbst wenn man den "Docht" des "Flash Crash" abschneidet, kommt man immer noch auf ein Plus von 25% seit gut 2 Monaten - das ist doch ein Wort, oder?

Und wir sehen auch, wie die Aktie sich seit Anfang Oktober permanent im überkauften Zustand des RSI bewegt und einfach nicht abgeben will, sondern steigt und steigt.

Und jetzt kommt der Lackmus-Test. Würden Sie die Aktie nun kaufen?

Ich sage Ihnen auf den Kopf zu, falls Sie zu dem bisher unerfolgreichen Anlegertypus gehören, den ich oben beschrieben habe, werden Sie nun aus Überzeugung sagen: Nein! GE ist zu weit gelaufen!

Sie ahnen was jetzt kommt, denn diese Haltung ist - so pauschal - *falsch*.

Denn die Gegenposition dieser Haltung wäre nun das Chart einer der "tiefer geht immer" Gurken, die ich in früheren Artikeln beschrieben habe und die nun nach "weit genug gefallen" aussehen. Die würden Sie dann nun kaufen.

Objektiv - die reine objektive Wahrheit ist aber:

Die kalte Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie wie GE mit so einem Chart, am Folgetag fällt, ist unter 50%!

Die kalte Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie die in einem penetranten Abwärtstrend gefangen ist, am Folgetag fällt, ist über 50%!

Das ist schlicht und einfach das Prinzip der Trendfolge!

Es ist immer wahrscheinlicher, dass sich ein etablierter, starker Trend fortsetzt, als dass er gleich morgen dreht.

Unser verflixtes Affenhirn, will uns aber immer das Gegenteil einreden, weil wir im -> Ankereffekt <- bzw Referenzeffekt gefangen sind.

Eben weil die Kurse bei GE noch Wochen vorher viel tiefer waren, erscheint GE nun "teuer". Und eben weil bei abstürzenden Aktien die Kurse noch Wochen vorher viel höher waren, erscheinen diese nun "billig".

Das ist aber Schall und Rauch und nur Zucker für unsere verwundete Anlegerseele. Es ist völlig irrelevant für unseren Börsenerfolg. Relevant ist nicht, was die Kurse gemacht haben, sondern was sie machen werden.

Und da ist die schlichte Wahrheit, dass Trends länger andauern, als man ahnt. Spricht es lohnt sich in der Regel eher, auf einen Trend zu setzen, als sich gegen ihn zu stellen.

Und deshalb ist GE auch nach diesem Lauf immer noch eher ein Kauf, als eine Aktie, die nun fällt und fällt. Sicher gab es bessere Zeitpunkte um GE zu kaufen, wer die Aktie haben will, sollte vielleicht etwas Geduld haben. Aber im Vergleich zum Kauf einer verprügelten Aktie, sind die Chancen hier objektiv höher, in ein paar Tagen im Plus zu sein und die Stops nachziehen zu können.

Sie müssen diese Wahrheit nicht mögen und ich weiss, wie das Affenhirn nun dagegen rumort, weil das will das nicht wahr haben. Auch ich spüre trotz all des Wissens noch in mir, wie sich der Bauch dagegen wehrt, bei so einem Verlauf nun noch zuzugreifen. Wer aber nicht lernt, am Markt anders zu denken und diese instinktiven Reflexe abzulegen, wird auch weiter auf keinen grünen Zweig kommen.

Um Ihnen nun zu zeigen, wie sehr wir uns doch dabei von der Wirkung eines Bildes beeinflussen lassen, will ich Ihnen GE noch einmal anders zeigen. Erinnern Sie sich aber bitte an das Gefühl, das die obige Kursentwicklung bei Ihnen auslöst, das Gefühl, das Ihnen einflüstert: zu weit gelaufen.

Und nun schauen Sie mal hier her auf das langfristige Chart von GE seit 1996:

GE 11.11.15 2

Na, da geht doch wohl noch was nach oben, oder? Kann man GE nun vielleicht doch kaufen? 😉

Wenn Sie ehrlich zu sich sind, erkennen Sie, was den Unterschied in Ihrer Wahrnehmung macht. Es ist die "Referenz" der alten Kurse, die hier signalisiert, dass da noch jede Menge Potential ist, während es im Chart vorher nach "zu weit gelaufen" aussah. Und dann wirkt hier auch noch die von mir gezeichnete Trendlinie, die signalisiert, dass hier Bedeutendes im Gange ist.

Denken Sie mal über meine Worte nach. Und fragen Sie sich, ob Sie lieber Ihr Ego pflegen oder am Markt Erfolg haben wollen. Wenn Sie reflektieren können, wie Ihre Entscheidungsprozesse bisher bei Geldanlagen abgelaufen sind, haben Sie einen grossen Schritt nach vorne gemacht.

Einfach ist das ohne Frage nicht. Das kann es gar nicht sein. Denn warum wohl, verlieren so viele Anleger an der Börse Geld?

Wenn wir das für uns ändern wollen, müssen wir uns aber unseren Geistern stellen. Anders geht es nicht.

Ihr Hari

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Was Fortinet und 3D Systems gemein haben

Der folgende Artikel erschien in erweiterter Form am Donnerstag 23.07.15 16:40 in Hari Live und führte die Thematik der "Erwartungen" fort, die ich zuletzt im Artikel -> Apple der Markt und die Erwartungen <- adressiert habe.

Heute habe ich ja den Tag der Erwartungen. Und Erwartungen sind ja nichts Objektives, sondern sind auch von Stimmungen und vor allem von Modetrends abhängig.

Gerade wenn Themen "Mode" werden, neigt Mr. Market auch mal dazu zu übertreiben, der Hype um die 3D Drucker war so ein klassisches Beispiel. Das Chart dazu liefert 3D Systems, zu dem man wohl nicht mehr viele Worte machen muss:

DDD 23.07.15

Dass die 3D Drucker Aktien Ende 2013 in einer Übertreibungsphase waren, war anzunehmen und haben wir hier auf sumerdigital auch so gesehen. Nur der genaue Zeitpunkt, zu dem so ein parabolischer Anstieg dann dreht, ist im Vorfeld nicht exakt zu antizipieren.

Und insofern kann man so Bewegungen mit Momentum, wenn sie sich noch in der starken Trendphase befinden, wie bei DDD 2012 und bis Mitte 2013, einfach mitgehen. "The trend is our friend".

Sobald die Kurse aber nur noch senkrecht steigen und aus einem stabilen Trend sogar nach oben ausbrechen, während das Thema gleichzeitig extrem in Mode ist, muss man vorsichtig werden.

Dann muss man irgend wann auf die Seite treten, wohl wissend, dass es vielleicht noch weiter hoch geht, weil Übertreibungen durchaus länger andauern, als wir uns vorstellen können. Weitere "entgangene" Gewinne sollten einen dann aber nicht mehr stören und man richtet seinen nach Chancen suchenden Blick auf andere Opportunitäten.

Klar ist aber auch, dass wenn so ein parabolischer Anstieg mal bricht, es ebenso brutal nach unten geht. Das Chart von DDD sagt dazu alles und im Moment muss man sich eher fragen, ob der Sektor "3D Druck" hier jetzt nicht unter Wert behandelt wird, denn das Thema ist ja immer noch ein Wichtiges für die zukünftigen Produktionsprozesse.

Aber auf Euphorie kommt halt der schwere Kater. Das ist nicht nur bei Alkohol und sonstigen Drogen so, sondern auch am Markt.

Womit wir zum Thema "Cyber Security" und im speziellen zu Fortinet (A0YEFE, FTNT) kommen.

Ohne jede Frage, ist das Thema "Cyber Security" ein riesiges Zukunftsthema. Und ohne Frage ist es aufgrund aktueller Geschehnisse nun besonders "en vogue" und das heisse Geld mäandriert in jede Aktie aus dem Sektor, die nicht schnell auf dem Baum ist.

Mein Problem mit dem Thema ist, dass ich bei vielen der Softwareanbieter nicht so sicher bin, was den langfristigen Wettbewerbsvorteil (Edge) gegenüber den Mitbewerbern angeht. Die Marktstellung ist für mich also das Fragezeichen.

Denn was in Wirklichkeit hinter schönen technologischen Begriffen verkauft wird, ist eigentlich primär *Vertrauen*. Ob in jedem Fall hinter der Software die super-intelligenten Konzepte sind, kann man von aussen sowieso nicht überprüfen und aus nahe liegenden Gründen bleibt Code im Bereich Cyber Security geheim.

Und Vertrauen ist eben ein scheues Reh und wenn es nur durch eine Kleinigkeit geschädigt wird, werden so Firmen brutal einbrechen. Bis dahin, können sie aber noch massiv steigen, der Sektor scheint in meinen Augen gerade den Übergang vom Trend zur parabolischen Phase zu vollziehen.

Schön kann man das an Fortinet sehen, die nach Zahlen heute erneut über 10% steigen und aus dem Trend nach oben auszubrechen "drohen".

FTNT 23.07.15

Wir sehen, dass ein KGV von 384 keineswegs ein Hindernis für grosse Gewinne sein muss. Da ist ein KGV von 6 eher das Hindernis, aber das Thema hatten wir ja ausführlich im Rahmen unseres Teamprojektes "Sicherheit durch Wachstum". 😉

Mir hat der Sektor auch lange gefallen, der nun auch im US ETF "HACK" abgebildet ist und ich hatte ja auch Cyberark Software (CYBR) hier bei sumerdigital eingeführt. Aber manchmal muss man wissen, wann es gut ist und bei Fortinet frage ich mich, ob der Zeitpunkt nicht nahe ist.

Denn wenn wir den selben Massstab wie oben bei DDD wählen, sehen wir Strukturen mit einer gewissen Ähnlichkeit. Es scheint wirklich so zu sein, als ob nun die parabolische Phase bei Fortinet eingesetzt hat.

FTNT 23.07.15 2

Eine Phase, die bei DDD ungefähr bei 50 USD einsetzte und bis 100 USD zu einer nochmaligen Verdoppelung führte. Bei Fortinet wären wir dann vergleichbar auch knapp unter 100 USD. 😉

Wo diese Phase endet, kann ich Ihnen also nicht sagen, vielleicht noch viel höher. Ich hatte schon im Januar das Video von Chuck Yeager beim Höhenrekordversuch in Hari Live, das zeigt, was bei parabolischen Flugbahnen passiert. Man nennt das "Stall", zu deutsch .

Für mich hat der Cyber-Security Sektor nun die Phase der Begeisterung erreicht, an der ich gerne einen Schritt zurück mache. Auch woanders gibt es schöne Gewinne in dafür stabilen Trends, bei denen man nicht Nachts in Schweiss gebadet aufwachen muss. Parabolische Flugbahnen voller Hype sind nicht so mein Ding und ich steige gerne ohne Reue vor dem Strömungsabriss (Stall) aus. Das ist mir mein ruhiger Schlaf wert. 😉

Wer es aber mag, bleibt bei Fortinet drin und zieht aber zwingend einen Trailing-Stop mit. Und wenn das Ding mal irgend wann - vielleicht viel höher - zu fallen anfängt, dann denke man bitte an DDD und jeder weiss dann hoffentlich, was zu tun ist!

Ihr Hari

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DAX: Sell in May und der Supervulkan

Der folgende Artikel erschien schon Dienstag 14.04.15 09:00 in Hari Live

Neben der eher taktisch - kurzfristigen Sicht, will ich heute in Sachen DAX auch einmal den Blick auf das ganze Jahr weiten.

Das ist zwangsläufig mit etwas Spekulation und der Benutzung der Glaskugel verbunden und Sie wissen daher, dass wir die folgenden Worte nur als bedenkenswerte Szenarien betrachten sollten. Und auf keinen Fall blind darauf wetten, denn feste Prognosen sind Unfug.

Solche gedanklichen Szenarien helfen aber, das taktische Geschehen in ein grösseres Bild einzuordnen und insofern haben sie Wert - wir dürfen sie nur nicht zur Monstranz erheben und unser Ego damit verknüpfen, denn wir kennen die Zukunft nicht und haben eben *keine* Glaskugel.

Nun mein Blick in die nicht vorhandene DAX Glaskugel, produziert dieses Bild für 2015:

DAX 2015

Womit sich die Frage stellt, warum?

Nun, erstens einmal, denke ich dass die Gründe die den DAX so nach oben katapultieren, von grundlegender Natur sind und durchaus das ganze Jahr tragen können. Denn wir haben einerseits das massive QE der EZB, das den Euro drückt und die Asset-Preise treibt. Und wir haben andererseits einen sowieso vorhandenen Nachholbedarf der europäischen Märkte, der nun zum Tragen kommt, wo die US Märkte ausgereizt erscheinen und das grosse, institutionelle Geld der US Anlager auf Performance-Jagd rund um den Globus geht.

Es ist also sinnvoll, als Arbeitshypothese davon auszugehen, dass diese Auftriebskräfte über das ganze Jahr andauern könnten.

Zweitens ist es aber offensichtlich, dass kein Markt - egal wie stark er ist - einfach ohne Pause immer so weiter laufen kann. Im Moment befindet sich der DAX in einem erneuten Schub, aber danach dürfte eine Verschnaufpause fast zwangsläufig sein.

Nun kommen wir ja wieder der "Sell in May" Bauernregel näher, die aber zuletzt nahezu wertlos war, weil sie in den letzten Jahren kaum funktioniert hat. Und wer die Reflexivität des Marktes versteht, ist darüber auch nicht überrascht, denn was alle erwarten, kann nur schwer Realität werden. Zuletzt wurde jedes Jahr wieder Ende April darüber medial fabuliert und dann kam oft ein vergleichsweise starker Sommer. Und der einzige echte, harte Einbruch der letzten Jahre seit 2009 war dann im August 2011, aber eben nicht ab Mai. Es kann also gut sein, dass die "Sell in May" Rhetorik nun etwas ermüdet ist, für Mr. Market ein guter Zeitpunkt, es dieses mal so ablaufen zu lassen. 😉

Aus dieser Kombination - prinzipiell das ganze Jahr andauernden Triebkräften, verbunden mit einer temporären Erschöpfung nach dem brutalen Anstieg seit Januar - ergibt sich das obige Bild für 2015, das meine Glaskugel ausspuckt. Und das zeigt höhere Kurse zum Jahresende als heute am 14.04.15.

Stellt sich nur die Frage, ob nicht doch eine grosse Topbildung und ein Crash möglich sind.

Natürlich sind sie möglich. Möglich ist immer fast alles. Und gestern habe ich ja am Beispiel gezeigt, dass wir sowieso dazu neigen, uns die Zukunft zu linear und ruhig vorzustellen und einer Kontrollillusion aufsitzen, die sich auch in klimatischen Dogmen zeigt, nach denen der Mensch immer und für alles die Ursache ist - schön wärs ja. 😉

Nein, da werden auch in 2015 Überraschungen kommen und da wir die nicht kennen, macht es auch keinen Sinn über deren Auswirkungen zu spekulieren. Dann kann man gleich das Gekröse von Fröschen befragen.

Möglich ist aber nicht wahrscheinlich. Damit ein starker Einbruch folgt, muss es entweder diese böse Riesenüberraschung geben, oder die oben beschriebenen Auftriebskräfte müssten nun ganz schnell ihre Wirkung verlieren.

Beides ist denkbar, aber nicht wahrscheinlich. Und deshalb lohnt es sich auch im grossen Bild, weiter auf den Trend zu setzen. Und der ist aufwärts!

Ach ja und noch etwas.

Im Forum wird nun zunehmend diskutiert, dass in Deutschland nun auch "die Milchmädchen" an die Börse strömen. Uns wurden interessante Berichte übermittelt von risikoaversen Anlegern ohne Aktien, die nun langsam keine andere Chance mehr sehen, als ihr Geld doch in den Aktienmarkt zu packen. Und uns wurde von Schlagzeilen in der Bild-Zeitung berichtet, die nun auch "die Milchmädchen" aktivieren.

Beides ist interessant und ein Faktor. Daraus aber unmittelbare Aussagen für den DAX abzuleiten, ist nach meiner Ansicht eher verfehlt und eine viel zu enge Betrachtungsweise.

Weder kann man daraus ableiten, dass die Rally nun zwingend nur deshalb weitergeht, nur weil deutsche Anleger nun ihren Cash in den Markt kippen. Das wird den DAX zwar stützen, es dominiert ihn aber nicht.

Noch kann man aus den ersten Anzeichen eines breiteren Interesses der Bevölkerung am Aktienmarkt schon ein Top ableiten. Wenn überhaupt, stehen wir da am Anfang einer Entwicklung, die vielleicht dann in 1 oder 2 Jahren eine neue Aktieneuphorie erzeugen könnte. Heute daraus Schlüsse zu ziehen, ist viel zu früh.

Beide Faktoren sind interessant und haben aber nur begrenzten Einfluss. Sie dominieren DAX und Co. aber nicht. Denn wir dürfen *NIE* vergessen, dass der DAX in der Hand ausländischer Investoren ist und dabei in Mehrzahl in der Hand von US Investoren. Und die US Anleger - auch "Mom and Dad" - haben schon eine sehr hohe Aktienquote, die nur schwer zu erhöhen ist.

Sollten die US Anleger - aus welchem Grund auch immer - dem DAX wieder ihr Vertrauen entziehen, wird das Geld deutscher Anleger vielleicht die Fallhöhe begrenzen, aber am Ende doch verpuffen.

Das dürfen wir nie vergessen. Die Kurse in Frankfurt werden bestenfalls teilweise durch das gemacht, was deutsche Anleger denken und fürchten. Sie werden vor allem aber durch die Attraktivität von Anlagen in Deutschland aus der Sicht der Welt und vor allem aus Sicht der Wallstreet gemacht.

Und was das angeht, markiert der Anfang von 2015 eine Wegscheide, ab der sich die Aufmerksamkeit der US Investoren weg vom Heimatmarkt bewegt. Und ich sehe keinen zwingenden Grund, warum sich das schon wieder schnell ändern sollte. Und vor allem deshalb steigt der DAX. Und hat gute Chancen, nach einer Sommerpause und einer Korrektur weiter zu steigen.

Ausser der Supervulkan bricht aus oder die Eurozone stolpert beim Versuch, einen Sirtaki mit einem eingebetteten doppelten Rittberger zu tanzen - natürlich. 😉

Ihr Hari

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Der DAX am Jahresende 2014: Ein schwieriges Jahr ist (fast) überstanden

Ein Gastkommentar von Tokay

Das Börsenjahr 2014 neigt sich dem Ende zu und so mancher „Normalanleger“ dürfte froh darüber sein, denn es war insgesamt ein schwieriges Anlagejahr, was nicht zuletzt den exogenen Schocks geschuldet ist(vor allem Krim/Ostukraine, Syrien/Irak). Gingen die Kurse einmal nach oben oder nach unten, so machten sie bald auf dem Absatz kehrt und tendierten wieder in die jeweilige Gegenrichtung. Ein günstiges Szenario für Range-Trader, aber ein ungünstiges Szenario für Trendfolger. Die Börsenweisheit „Hin und her macht Taschen leer“ fällt einem da ein.

Das Jahresende stimmt nun aber etwas versöhnlicher. Wir haben hier die günstige Konstellation Wintersaison expansive Geldpolitik. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass eine solche Konstellation sich in den allermeisten Fällen positiv ausgewirkt hat, und dies zeigt sich erneut in diesem Jahr. „Don't fight the Year-End Rally“ könnte man dazu sagen. Denn seit Ende Oktober kennt der DAX praktisch nur noch eine Richtung: Nach oben. Die Banken haben am Jahresende 2013 im Durchschnitt einen DAX von etwas über 10.000 Punkten für Ende 2014 prognostiziert, und noch ist das Jahr ja nicht ganz vorbei. Aber komplett daneben scheinen sie diesmal nicht gelegen zu haben.

Das nahende Jahresende ist auch ein guter Zeitpunkt, sich darüber Gedanken zu machen, wie denn so die allgemeine Lage ist, und dafür bieten sich drei Betrachtungsebenen an: Die sehr langfristige, die etwas längerfristige und die mittel- bis kurzfristigere. Die ganz kurzfristige Betrachtung lassen wir hier außen vor, da sich dieser Artikel nicht explizit an Day Trader wendet.

Zuerst die sehr langfristige Betrachtung. Schauen wir uns dazu das folgende Chart an, es zeigt die DAX-Wochendaten seit Oktober 1959:

Diagramm 1

Der DAX ist seither im Jahresdurchschnitt um etwa 6 ½ Prozent angestiegen. Wenn wir davon ausgehen, dass die Jahresgewinne um etwa zwei bis drei Prozent langfristig ansteigen – zumindest war das in der Vergangenheit so – wenn wir davon ausgehen, dass die Preise im Durchschnitt um etwa zwei Prozent ansteigen, wenn wir ferner von einer Dividendenrendite zwischen zwei und drei Prozent ausgehen, dann liegen wir ungefähr im Bereich dessen, was erwartet werden kann. Man kann sich natürlich mit Recht fragen, ob diese Prämissen längerfristig haltbar sind, aber das würde den Rahmen der heutigen Betrachtung sprengen.

Der exponentielle Trend gibt die genannte Entwicklung wieder und schreibt ihn fort. Vergleichen wir damit die tatsächliche Entwicklung des DAX, so erkennen wir, dass zahlreiche längerfristigen Bewegungen vom Gleichgewicht weg- und auch wieder hingeführt haben. Die mit Pfeilen markierten Bewegungen haben zum Gleichgewicht hingeführt. So die Stagnation in den sechziger Jahren, so die Hausse in der längsten Zeit der achtziger Jahre, so die scharfen Rückgänge wie auch die Anstiege seit Anfang 2000.

Gegenwärtig bewegen wir uns etwas vom Gleichgewicht nach oben weg, was aber im Moment nicht besorgniserregend ist. Denn solche Bewegungen können durchaus länger andauern und vor allem, das Ende einer solchen Aufwärtsbewegung geht oftmals einher mit einer allgemeinen Aktieneuphorie. Die haben wir zurzeit nicht. Viele Vermögensbesitzer sind, was Aktien anlangt, völlig unterinvestiert. Das Kapital liegt auf Sparkonten oder steckt in Immobilien. Schlussfolgerung also: Die jetzige Entwicklung dürfte langfristig gesehen wahrscheinlich noch geraume Zeit weitergehen.

Kommen wir zur etwas längerfristigen Entwicklung, auch hierzu haben wir ein Chart:

Diagramm 2

Wir erkennen, dass die seit Herbst 2011 andauernde Aufwärtsbewegung ABC im Juli 2014 gebrochen wurde. Seither gab es eine volatile Korrekturbewegung EF. Diese Bewegung wurde in diesem November(mehr dazu später) bei Punkt F gebrochen. Die Korrektur kann damit als abgeschlossen betrachtet werden, dies umso mehr, als die Einflussfaktoren Wintersaison und monetäre Expansion sich günstig auf den Markt auswirken.

Schaut man weiter Richtung 2015, dann ist eine Bewegung im Intervall zwischen 8750 und 11750 DAX-Punkten auszumachen. Das vergangene Jahr mit seinen zahlreichen exogenen Schocks hat gezeigt, wie schwer die tatsächliche Entwicklung vorherzusehen ist, nämlich praktisch gar nicht. Relativ an wahrscheinlichsten erscheint eine Bewegung hin zum oberen Rand des genannten Bereichs. Das hieße: Weiterhin positive Entwicklung zumindest in den kommenden Monaten. Man wird abwarten müssen, wie die in Aussicht stehenden Maßnahmen der EZB bezüglich der Staatsanleihekäufe sich auswirken werden. Diese Maßnahmen stimulieren den Aktienmarkt per se zweifelsohne, aber die Frage ist natürlich schon, ob dies auf Dauer so sein wird oder die Wirkung dieser Maßnahmen nicht irgendwann abstumpft. Professor Sinn sagte vergangene Woche in einem Interview zur EZB-Politik sinngemäß, die EZB dürfe nicht nur Schmerzmittel verabreichen, auch die notwendigen Operationen müssten von Seiten der Staaten des Eurosystems angegangen werden.

Kommen wir abschließend zur mittel- bzw. kürzerfristigen Betrachtung:

Diagramm 3

Hier genügen eigentlich zwei Linien, um die Lage zu charakterisieren:

Der Abwärtstrend ABC wurde am 21. November unter sehr hohem Volumen gebrochen. Zugleich hat der DAX die 200-Tage-Linie unter hoher Dynamik nach oben durchschnitten. Der 21. November markiert damit die Wasserscheide zwischen Korrektur und Wiederaufnahme des Bullenmarktes.

Zugleich wurde gestern Abend die 10.000er Marke nach oben durchbrochen(Punkt D). Wir werden in den kommenden Handelstagen sehen, ob das Durchbrechen dieser Marke Bestand hat oder der DAX erst einmal eine kleine Pause einlegt. In „Hari Live“ werden wir dies in großer Ausführlichkeit verfolgen können.

Tokay

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Über Trendfolge: Indus Holding (620010) mit bullischem Momentum

Das folgende Chart der Indus Holding (620010) mit ihrem mittelständischen Beteiligungsportfolio, wurde schon gestern in Hari Live veröffentlicht, nach dem die Aktie mit 4% Plus erneut nach oben ausbrach.

Ich will es aber auch hier im freien Bereich zeigen, weil es sich auf den Artikel hier vom 31.03.14 -> Der echte Mittelstand in einer Aktie <- bezieht.

Und weil das Chart einfach perfektes Anschauungsmaterial ist, um im Sinne der Trendfolge zu lernen:

Indus 26.05.14 2

Sie sehen seit Ende letzten Jahres eine beständige Abfolge klarer, bullischer Konsolidierungen. Ein positives Chart in Perfektion, bei dem man nach dem Ausbruch aus dem zulaufenden Dreieck immer wieder - in Sinne der Trendfolge - den Stop erfolgreich unter das letzte Tief ziehen konnte !

Sie wollen jetzt wissen, ob es weiter hoch geht ? Dann stellen Sie genau die falsche Frage, mit der Sie nie auf einen grünen Zweig kommen werden. Und wenn Sie nach Artikeln suchen, die Ihnen diese Frage mit einem "heissen Tip" beantworten, dann wünsche ich viel Glück in Alice Wunderland ! Denn die Zukunft ist unbestimmt und niemand kann Ihnen sagen, was die Indus-Aktie morgen machen wird. Niemand!

Aber etwas Anderes ist wahr und das ist die entscheidende Botschaft. Wenn eine Aktie so eine klar bullische Struktur hat und zu so einer flaggenartigen Konsolidierung ansetzt, wie hier mehrfach geschehen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Struktur erneut nach oben aufgelöst wird. Auf jeden Fall höher als das Gegenteil. Und zwar solange, bis auch dieser Trend irgendwann mal endet.

Und in dem man im Sinne der Trendfolge seinen Stop immer wieder unter das letzte Tief nachzieht, kann man so eine Bewegung mitgehen, ohne zu wissen, wann genau die Aktie den Höhepunkt erreicht. Vergessen Sie also das Rätselraten darum, was die Börse morgen macht. Das führt zu nichts. Konzentrieren Sie sich statt dessen darauf, im Hier und Jetzt nur solche Positionen einzugehen oder zu halten, die ein positives Chance-Risiko-Verhältnis haben. Und kappen Sie alle Verluste konsequent und ohne zu zögern.

Wenn Sie das schaffen, kommt der Erfolg durch das Wunder der Statistik im Laufe der Zeit von ganz alleine. Aber das zu schaffen und nicht mehr in die Zukunft zu starren und die Glaskugel zu bemühen, das ist die psychologisch wirklich schwierige Aufgabe, der Sie sich stellen müssen !

Ihr Hari

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Schaukelbörse bei DAX, S&P500 und Co. – Und täglich grüsst das Murmeltier

Dieser Filmtitel ist wirklich passend für das, was uns der Markt derzeit bietet. Wir erleben eine richtungslose Schaukelbörse, die jeden zerreibt, der nicht das tut, was wir hier im Premium-Bereich seit Wochen besprochen haben:

Mehr Cash aufbauen, Risiken abbauen, eher weniger statt mehr am Markt machen und Geduld haben. Und gelassen auf die kommenden Chancen warten.

Neben unserem monetären Kapital, ist unser psychisches, emotionales Kapital mindestens ebenso wichtig und auch das muss man in so Phasen bewahren und schützen. Erfolg an der Börse hat eben nichts mit Entertainment zu tun, sondern ist harte Arbeit. Und wenn der Markt selber nicht weiss, was er will, haben wir daher in ihm auch nichts verloren, wir reiben uns ansonsten nur psychisch auf.

Auf jeden Fall hatte der Markt diese Woche zwei! perfekte Gelegenheiten für einen Ausbruch. Yellens Rede am Dienstag einerseits und Draghis Rede am Donnerstag andererseits.

Und in beiden Fällen hatte der Markt im Vorfeld perfekt alles zurecht gelegt und sich in die Startlöcher begeben, um den Ausbruch vollziehen zu können. Und in beiden Fällen haben die Notenbanker dann sogar geliefert, in dem sie Sätze sagten, die der Markt liebt.

Besonders lustig war diese Abhängigkeit des Marktes von den Lippenbewegungen der Notenbanker, gestern während Draghis Rede zu bewundern. Da können die Notenbank-Gläubigen zwischen 14:30 Uhr und 14:50 Uhr nur sagen: "Der Draghi hats genommen, der Draghi hats gegeben, gelobt sei der Draghi" 😉

DAX Future 08.05.14

Und in beiden Fällen, trotz freundlicher Worte von FED Chefin Janet Yellen wie EZB Chef Mario Draghi, scheiterte trotzdem der Ausbruch, den die Märkte sich schon zurecht gelegt hatten.

Was sagt uns das, wenn selbst die Lippen der Notenbanker, den Markt nicht mehr nach oben treiben können ?

Im S&P500 können wir den Verlauf der aktuellen Woche mit all seinen sinnlosen Zuckungen bewundern. Wir bleiben weiter, wo wir seit Wochen sind: in einer engen Tradingrange gefangen.

S&P500 09.05.14

Umgedreht aber - und das ist sehr bemerkenswert - ist aber Abgabedruck nach unten, in den grossen Indizes wie S&P500 oder DAX nahezu nicht existent und das liegt daran, dass zwar jede Menge Geld aus heiss gelaufenene Momentum-Aktien abfliesst, dieses Kapital aber sofort wieder in defensivere Bluechips hinein fliesst. So bewegen sich die Indizes kaum und der Markt bleibt in einer sehr engen, frustrierenden Trading-Range.

Dabei hatten wir in den letzten Wochen wirklich genügend Katalysatoren, die für eine Korrektur gut gewesen wären. Eine FED, die die monetären Zügel anzieht. Eine EZB, die tatenlos einem zu teuren Euro zuschaut. Ein China, das miese Wirtschaftsdaten liefert. Eine Währungskrise in den Emerging Markets und last but not least, geopolitische Risiken in der "South China Sea" im Pazifik und natürlich die Geschehnisse rund um die Ukraine.

Und all das hat der Markt nahe der Höchststände verdaut, ohne zu einer ernsthaften Korrektur anzusetzen. Auch das sollte uns unbedingt etwas sagen.

Festzuhalten ist daher, dass die aktuelle Distribution des Kapitals von Momentum-Titeln in solide Aktien erneut beweist, dass Aktien in der "schönen neuen Welt" der finanziellen Repression einfach alternativlos sind. Gäbe es eine attraktive Anlage-Alternative, wäre das derzeit aus den Momentum-Titeln abfliessende Kapital dort hin geflossen und nicht in andere Bereiche des Aktienmärkte. Und dann hätten wir schon längst die Korrektur gehabt, die in Anbetracht der Gesamtlage, inklusive der geopolitischen Risiken, schon seit März auf der Agenda stand.

Wir hatten diese Korrektur aber nicht und auch wenn sie immer noch im Mai oder Juni kommen kann, muss man im grossen Bild doch konstatieren, dass gute Chancen für die Märkte bestehen, nach dieser Konsolidierung bzw Korrektur weiter nach oben zu laufen.

Schaut man auf die Positionierungen vieler Profis, wie Sie sich zum Beispiel in der zeigen, wird offensichtlich, dass viele sich schon für eine Korrektur ausreichend positioniert haben. Wie übrigens auch wir hier im Premium-Bereich, nun eine weit defensivere und abwartendere Aufstellung haben, als noch 2013. Und das ist gut so !

Aber weil viele auf die Korrektur warten - und auch ich fände es toll, bestimmte Aktien 20% tiefer einsammeln zu können, denn auch ich habe nun freien Cash - ist es fraglich, ob sie noch kommt. Am Ende werden die Märkte nämlich in der aktuellen Phase dominant von Liquidität bewegt und nicht von Wirtschaftsdaten. Die ganzen guten Wirtschaftsdaten nutzen nichts, wenn die Liquidität austrocknet und damit kein Geld da ist, um zu investieren. Umgedreht verhindern schlechte Wirtschaftsdaten keine steigenden Kurse, wenn der Liquiditätsdruck so hoch ist, dass das Geld einfach irgendwo hin muss.

Wirtschaftsdaten sind dann der dominante Faktor an den Aktien-Märkten, wenn die Liquidität halbwegs gleichbleibend ist und es für das Kapital rentable Alternativen zu Aktien gibt. Im Normalfall also, treiben Wirtschaftsdaten die Märkte. Dann wird nur gekauft, was wirklich "gut" ist. Wenn es aber keine Alternativen gibt und das Geld unbedingt investiert werden muss, weil es ansonsten auf dem Konto sicher an Wert verliert - und das ist derzeit die durch die Notenbanken erzwungene Lage - dann geht es nicht mehr darum, zu kaufen was "gut" ist, sondern nur noch darum das zu kaufen, was von allen teuren Aktien noch am wenigsten teuer ist. Und das ist ein erheblicher Unterschied.

Das ist nach meinem Eindruck das, was derzeit an den Märkten passiert. Weswegen es sich durchaus lohnen kann, nun nach Nachzüglern und zurück gebliebenen Sektoren Ausschau zu halten. Und weswegen es nach dieser aktuellen Konsolidierung - oder vielleicht sogar noch Korrektur - in der zweiten Jahreshälfte durchaus gute Chancen für weiter steigende Kurse gibt.

Zumindest solange, wie die Notenbanken die aktuelle Politik der finanziellen Repression nicht beenden. Und das werden die Notenbanken schon aus einem ebenso einfachen, wie überzeugenden Grund nicht tun können: mit einem "normalen", höheren Zinsniveau, würde die westliche Welt - inklusive Deutschland - schnell unter der Zinslast zusammen brechen.

Bis dahin, bis die Märkte wieder eine klare Tendenz zeigen, sollten wir aber unsere physisches wie emotionales Kapital bewahren und eher weniger als mehr am Markt machen und den mal alleine vor sich hin zucken lassen.

Glauben Sie mir, der Markt ist auch in ein paar Wochen oder Monaten noch da, der läuft nicht weg. Und wenn wir ein paar spastische Zuckungen von Mr. Market mal zu ignorieren lernen, schadet das unseren Depots auch nicht. Die besten Anleger und Trader zeichnet gerade aus zu wissen, wann sie an die Seitenlinie gehören, um dem Spiel nur zuzuschauen. Und wann sie wieder Risiken eingehen können, weil es sich im Verhältnis von Chance zu Risiko lohnt. Diese Fähigkeit müssen Sie sich unbedingt erwerben, wenn Sie dauerhaft an den Märkten Erfolg haben wollen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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