Euro-Krise Reloaded – 04.02.13

Nach dem Handelsschluss in Europa, nur ein paar sehr kurze Worte zum Markt und zur "Euro-Krise Reloaded".

Ich war heute Nachmittag in anderer Sache unterwegs und nicht am Platz und ganz typisch für den fiesen Mr. Market ist, dass er natürlich genau dann beliebt, in den Korrekturmodus zu wechseln. 😉 Glücklicherweise machen meine Hedges durch die anziehende Volatilität ihren Job und federn die Verluste fast bis auf Null ab.

Auslöser der Korrektur ist plötzliche Angst um Spanien (Schmiergeldvorwürfe um Ministerpräsident Rajoy) und Italien (Berlusconi als erneutes Gespenst) - sozusagen "Euro-Krise Reloaded". Konsequenterweise fällt der Euro wieder, Gold steigt usw. usw. die klassischen Bewegungen halt, die wir aus dem letzten Jahr kennen.

Sind die Themen so neu, dass nun unbedingt heute der Tag der Korrektur sein muss ? Nein, keineswegs, die anziehenden Sorgen um Spanien und den dortigen Bankensektor haben sich seit Tagen langsam angedeutet. Mr. Market beschliesst halt einfach irgendwann, das Thema plötzlich richtig ernst zu nehmen, so ist es immer. Dieser Tag ist nun einmal heute, es hätte genau so gut morgen sein können, überfällig ist das aber allemal.

Ich selber hatte mit dieser Korrektur ja gerechnet, allerdings nicht für heute - heute hatte ich eher noch Stärke auf dem Radar - sondern frühestens für morgen, aber seit wann macht es einem Mr. Market so einfach ?

Trotz der Giftigkeit der Bewegung rate ich nun dringend, nicht zu viel auf die Schlagzeilen zu geben. Wir sollten unser Urteil alleine aus dem Verhalten des Marktes ablesen. Und diese Korrektur ist mehr als überfällig, die bekannten Probleme wurden zu lange ausgeblendet, was aber umgedreht nicht bedeutet, dass morgen nun die Welt untergeht.

Bisher sitzen wir im DAX mit knapp über 7600 und im S&P500 mit knapp unter 1500 genau in den Bereichen, die für eine erste Korrektur zu erwarten waren. Ob das mehr wird und die Eurokrise wirklich zurückkehrt, oder ob das nur die überfällige Korrektur ist, bevor der Markt zu neuen Höchstständen läuft, kann uns niemand sagen - die Schlagzeilen bestimmt nicht.

Erst der morgige Tag dürfte die Frage beantworten. Kommt folgenden Schwäche in die Indizes und gehen wir weiter runter, dürfte sich ein längere Korrektur anbahnen, die den Februar und März bestimmen könnte. Wird an der Wallstreet aber heute im späten Handel schon wieder gekauft, dürfte es eher ein klassisches, kurzes Intermezzo im bestehenden Aufwärtstrend sein.

In jedem Fall ist spätestens seit heute der IBEX35 Trade beendet, bei mir schon in der klaren Schwäche vom Donnerstag. Und es macht für mich Sinn, nun zu aggressive Longpositionen zu reduzieren. Zu einem hektischem "raus aus dem Markt" gibt es aber für mich (bisher) noch keinen Anlass. Morgen wissen wir mehr.

Ihr Hari

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Commerzbank, SAP und IBEX35 – von Rebounds, entspannten Trades und der Honigfalle

Es gibt eine gewisse Sorte von Rebound Spekulationen , die auf den ersten Blick unglaublich attraktiv aussehen. Vor allem Privatanleger lieben diese Aktien voller vermeintlicher Verheissung, wie die Commerzbank.

Das sind diese Aktien, die ungewöhnlich verprügelt wurden und auf langjährigen Tiefs notieren. Aktien bei denen man denkt, die "können doch nur noch steigen". Aktien die weit unter Buchwert notieren und vermeintlich sehr billig erscheinen.

Und dann geht man als Anleger her und vergleicht den aktuellen Kurs mit dem Höchstkurs von vor ein paar Jahren. Und sieht ein Potential für Vervielfachung. Und schon läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

Dieser Vergleich zu alten Höchstständen wirkt psychologisch auf uns Menschen wie eine Honigfalle, weil der hohe Kurs von vor ein paar Jahren macht das Vervielfachungspotential in unseren Hirnen greifbar und glaubwürdig. Da springen die Belohnungssysteme in unseren Hirnen an und schreien stumm in unserem Bewusstsein: "der muss da wieder hin steigen, greif zu, schnell ! Kauf ... mich ... jetzt !".

Umgedreht erscheint eine Aktie mit starkem Wachstum, die schon auf absoluten Höchstständen notiert, weit weniger verheissungsvoll. Der Vergleich mit der Vergangenheit impliziert sofort Gefahr: "wer so hoch steigt, muss auch wieder fallen, Gefahr !".

Kennen Sie diese gedanklichen Reflexe ? Ìch denke ja, wenn Sie mal alte Verluste reflektieren. Diese Reflexe sind aber fatal. Denn so landen in den Depots der normalen Anleger zu oft die "Gefallenen Engel" mit Problemen im Geschäftsmodell, statt dessen zu wenig die starken Wachstums-Werte, die sich in einem intakten Aufwärtstrend befinden. Zu viel Commerzbank und zu wenig SAP halt.

Und wenn der menschliche Geist dann durch die optische Honigfalle der alten Kurse schon gepolt ist, reicht es, wenn einen dann noch ein sogenannter "Guru" mit Photoshop Lächeln von einem Magazin anstrahlt und im Magazin was von "saubillig" redet und schon schlägt man zu. Kann ja auch nur hoch gehen ..... zumindest meint man das. 😉

Nun beginnt das Warten. Und aus Warten wird Nägelkauen. Diese verflixte Aktie will einfach nicht steigen. Sie mäandert statt dessen um den Einstandskurs herum. Aber kein Problem, die kann ja nur noch steigen und war ja "saubillig". Und man ist ja ein "Value-Investor", wie der gute Warren. Soweit die typische Selbstvergewisserung.

Dann aber, irgendwann ein paar Monate später, in denen mit der Aktie nichts zu gewinnen war, beginnt sie erneut zu fallen. Ja, zu fallen ! Unglaublich, toll, "jetzt verdoppele ich, so etwas saubilliges finde ich so schnell nicht wieder" denkt da der Anleger. Und legt seine Hand endgültig unter den Prellbock des fiesen Mr. Market.

Die Aktie aber fällt weiter und weiter. Und aus Begeisterung für "saubillig" wird Kopfkratzen. Und dann Zweifel. Und dann Sorge. Und dann - an einem Tag an dem sich die Aktie um 5% nach unten bewegt - Panik und der Druck auf den Verkaufsknopf. Ufff, immerhin hat ja man noch 50% dafür bekommen, man muss die Dinge halt positiv sehen. 😉

An diesem Tag erreicht die Aktie ihr historisches Tief und dreht zu einem neuen Aufwärtstrend nach oben. Aber das ist eine andere Geschichte. 😉

Ich denke wir kennen alle dieses endlose, quälende Bröseln. Und ja, es gibt natürlich auch die Fälle, in denen es sich tatsächlich lohnte das Bröseln zu ertragen, weil so Aktien dann einen gewaltigen Rebound hinlegten. Wie zuletzt bei Wacker Chemie. Aber dann auch nur, wenn man erst nahe am Tiefpunkt in das fallende Messer hinein griff.

Nur, selbst bei Wacker Chemie gilt doch: wäre es nicht besser gewesen erst einmal abzuwarten bis der Abwärtstrend ausläuft, selbst auf die Gefahr hin die ersten Prozent des Anstiegs zu verpassen ? Hätte man nicht im Saldo weit besser abgeschnitten und wäre dabei noch dazu viel entspannter gewesen ? Welchen Wert hatte es dann also, den endlosen Absturz mit geschlossenen Augen stur mitzugehen ?

Ein Musterbeispiel für die fatale Obsession normaler, privater Anleger für solche "gefallenen Engel" - ich nenne es eher Gurkenaktien - ist auf jeden Fall die Commerzbank. Was wird nicht über diese Aktie geschrieben und spekuliert. Ich vermute es gibt kaum eine Aktie, die von den Privatanlegern mehr beobachtet und gehandelt werden. Zuverlässig bekommen Artikel zur Commerzbank in den Nachrichtenportalen die höchsten Klickzahlen. Und die institutionellen Anleger ? Die sagen eher "Igitt" und haben Besseres mit ihrem Geld zu tun.

Woher kommt diese Obsession der Privatanleger für eine Aktie, deren Chef Blessing seinen Aktionären alle paar Monate eine neue Kapitalerhöhung beschert hat und ansonsten das profitable Geschäftsmodell nach Jahren der Umstrukturierung immer noch sucht ? Einer Aktie die ihren Aktionären über Jahre nur Leid, Tränen und Verluste bescherte ?

Ich habe eine starke Vermutung. Es ist schlicht die Optik der alten Kurse von 20€ und mehr. Es ist diese Honigfalle ! Nur handelt es sich dabei um eine Illusion, eine Fata Morgana sozusagen. Denn die Commerzbank hat mit den diversen Kapitalerhöhungen die Aktienzahl vervielfacht ! Ich habe aufgehört mitzuzählen ob der Faktor nun 2, 3, 4 oder 5 ist. Aber Faktum ist: das ist nicht mehr die Aktie die mal 20€ und mehr kostete ! Diese "alte" Aktie wurde um Faktoren verwässert und ein aktueller Kurs von 1,6€ entspricht in der alten Aktie eher einem um Faktoren höheren Kurs.

Diese "neue" Commerzbank Aktie wird also nach meiner festen Überzeugung kaum mehr diese Regionen um 20€ sehen ! Ja ich weiss, man soll nie nie sagen, aber auf die nächsten 5 Jahre erscheint mir das höchst unwahrscheinlich. Und wenn die Commerzbank je wieder 3 oder 4€ erreicht, entspricht das defacto, die Verwässerung eingerechnet, den alten Kursenregionen und wäre in Anbetracht der aktuellen Verfassung des Kerngeschäftes für mich schon ein kleines Wunder.

Warum also sollte man als normaler Anleger (und nicht Daytrader) seine Zeit, seine Energie, seine Nerven und sein sauer erarbeitetes Kapital mit so einer Aktie vergeuden ? Warum kauft man nicht zum Beispiel einfach SAP und legt sich beruhigt schlafen ? Eine Aktie die zwar nahe an Höchstständen notiert, dafür aber jedes Jahr zweistellig wächst, hervorragend geführt ist, gerade China aufrollt und deren Geschäftsmodell fest wie eine Burg steht ?

Ich glaube ich weiss warum. Weil SAPs Chart schon so weit oben ist und die Commerzbank gegenüber den alten Kursen so billig aussieht. Darum ! Ich finde das persönlich tragisch.

Wen die obigen Zeilen jetzt an eigene Erlebnisse erinnern und wer das Übel dieser endlosen Hoffnung auf Besserung sieht ... wem aber SAP trotzdem schon zu weit gelaufen ist, für den habe ich nun eine Idee. Eine Idee, die grosses Potential nach oben mit einem klaren Aufwärtstrend verbindet. Einen Trade, den man vielleicht mit guter Wahrscheinlichkeit einfach laufen lassen kann - und zwar ohne sich um Kapitalerhöhungen zu sorgen.

Es ist der spanische Aktienmarkt in Form des Index IBEX 35, den ich Ihnen am 15.11.12 mit seiner -> Bullenflagge <- schon nahe gebracht habe und der seitdem nach Plan gelaufen ist und schöne Gewinne produziert hat.

Schauen Sie mit mir auf das Wochenchart seit 2006, um das grosse Potential zu erkennen:

IBEX 11.01.13 Bullenflagge

Sie sehen den perfekten Doppelboden. Sie sehen die Bullenflagge, aus der der Index nun ausgebrochen ist. Sie sehen die einem Cup&Handle ähnelnde, perfekte Umkehrformation. Sie sehen wie der Index auf den Punkt zum 23er Fibo Retracement gelaufen ist, dort konsolidierte und nun zum 38er Retracement läuft. Und Sie sehen das gewaltige Potential bis zur Normalisierung.

Hier haben wir also einen ganzen Index, der auf alte Kursniveaus zusteuert. Der sich in einem klaren Aufwärtstrend befindet und gerade aus einer technischen Struktur ausgebrochen ist. Der aus Aktien besteht, von denen viele international agieren und nur in Sippenhaftung genommen wurden, weil Spanien auf dem Kurszettel stand. Aktien die auch vom Buchwert her sehr attraktiv ausschauen. Ein Index, in dem sich auch eine Bank, die Banco Santander befindet, die aber im Gegensatz zur Commerzbank ein sehr profitables Kerngeschäft besitzt.

Warum ist der IBEX35 nicht eine sinnvollere Investition, als das endlose Warten auf das Wunder bei der Commerzbank ?

Natürlich, nichts ist sicher und theoretisch kann die Euro-Krise wieder aufflammen. Und auch ein technischer Ausbruch wie beim IBEX35 kann wieder wegkippen. Das ist aber nicht das wahrscheinlichste Szenario, sondern einfach eine Möglichkeit. Für dieses Risiko setzt man einen Stop unter den tiefsten Punkt der Bullenflagge. Und dann geniesst man das Leben und lacht über die nächste Kapitalerhöhung der Commerzbank - wenn denn dann noch eine kommen sollte. 😉

Denn wenn die Eurokrise wieder aufflammen sollte und der IBEX35 wieder wegkippt, sollte keiner glauben, dass die Commerzbank davon unbetroffen wäre. Und umgedreht, wenn der Bankensektor der Eurozone sich weiter normalisiert und damit auch die Commerzbank nun Kursgewinne produziert, dürfte auch der IBEX35 aus den gleichen Gründen weiter steigen. Welchen Vorteil hat diese Aktie dann eigentlich, der diese grosse Aufmerksamkeit der Anleger rechtfertigt ?

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

[Nachtrag: Ein Leser dieses Blogs hat mal nachgerechnet und nach seiner unverbindlichen Berechnung (ohne Gewähr) hätte die Verwässerung bei der Commerzbank fast den Faktor 9 erreicht und 4.30€ würden damit dem alten Höchstkurs von ca. 38€ aus dem Jahr 2007 entsprechen]

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Ideen zur Jahresendrally – Vivendi, Agco, China – 26.11.12

Statt den Markt zu analysieren, will ich heute einfach mal drei Anlage-Ideen mit Ihnen teilen. Und zwar Vivendi, Agco und China.

Nehmen wir also einfach mal theoretisch an, wir bekommen jetzt eine Jahresendrally und vielleicht sogar einen guten Jahresanfang. Wo liegen dann Gelegenheiten, die eine interessante Investition darstellen könnten, ohne mit zu grossen Risiken behaftet zu sein.

Ich werde dabei bewusst die Themen, die ich hier schon in eigenen Artikeln thematisiert habe, wie zb die Edelmetalle und entsprechenden Minen, oder Spanien, SAP, Linde, ABB, Nokia oder Salzgitter, nicht erneut thematisieren. Das bedeutet aber nicht, dass diese Themen nicht mehr aktiv wären. Die drei Ideen die nun folgen, habe ich bestenfalls mal in einem Kommentar oder Live-Tip erwähnt, den nicht zwingend jeder gesehen hat.

Viel Spass, schauen Sie sich die drei Ideen mal selber an, die ich hier nur sehr kurz anreisse. Und lassen Sie uns an Ihren Gedanken dazu teilhaben.

Vivendi (WKN 591068)

Der französische Medienkonzern war lange durch hohe Überschuldung gelähmt. Insbesondere da das alte Management nicht bereit war, dass Konglomerat aufzulösen und so den Konglomeratsabschlag vom Tisch zu schaffen. Ende Juni wurde dann der ehemalige CEO Levy abgelöst, auch durch das Betreiben der Grossaktionäre im Hintergrund. Nun steht scheinbar die Aufspaltung des Konzerns auf der Agenda.

Damit kann endlich der innere Wert des Konglomerats gehoben werden. Die Börse honoriert es schon jetzt, die Fundamentaldaten sehen attraktiv aus und der Chart hat eine nahezu perfekte Cup & Handle Formation gebildet. Sehen Sie selbst. Kursziel 20€.

Agco (WKN 888282)

Der Traktoren und Landmaschinen Hersteller Agco (unter anderem Markt Fendt) hat eine attraktive Bewertung, ein langjähriges, eingespieltes Management, zuletzt einige Insiderkäufe, bewegt sich in einem zukunftsträchtigen Geschäftsfeld und sitzt auf einem klaren Aufwärtstrend. Alles Parameter eines sehr sauberen Trades mit klarem Stopniveau und damit definiertem Risiko. Werfen Sie mal einen intensiveren Blick auf diesen Titel, ich habe ihn schon mehrfach kurz erwähnt.

China

China, wie bitte ? Ja ganz einfach China. 🙂 Denn China hat nun nach längerem Interregnum eine neue Führung. Und es ist ganz typisch, dass in einem Führungsvakuum auch die Infrastruktur-Investitionen auf Hold gesetzt werden. Besonders in einem zentralistischen System. Zumal in einem Land, das so von den Interessen der Parteifunktionäre durchzogen ist. Das lähmt den ganzen Apparat über alle Ebenen, nicht sicher zu wissen, wer in Zukunft die Hand ist die straft - oder eben füttert. Und vor allem nach welchen Regeln gefüttert wird. 😉

Diese Unsicherheit ist nun verschwunden. Gleichzeitig geben Wirtschaftsdaten und Inflationsrate Raum für staatliche, expansive Massnahmen. Es gehört also nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass nun eine Phase der staatlichen Ausgabenprogramme vor uns liegt. Und nach Jahren der Seitwärtsbewegung, haben auch die Aktienmärkte Exzesse der Vergangenheit teilweise verarbeitet.

In China muss man natürlich immer mit dem Risiko plötzlicher Verwerfungen leben, denn das politische System ist weit weniger stabil, als es aus der Ferne scheint oder uns die Führung glauben machen will. Zu gross sind die Gegensätze im Land und ohne entsprechendes Wachstum, das letztlich vielen Wohlstand verschafft, dürfte es schnell zu Unruhen kommen. Das weiss aber die Führung und hat deswegen gar keine andere Wahl als zu stimulieren und investieren.

Sicher nicht der schlechteste Zeitpunkt, um China wieder auf den Radar der Anlage zu nehmen. Wer sich nicht dem Risiko einzelner Aktien aussetzen will, die aus der Ferne nur schwer zu verfolgen sind, kann zu diversen ETFs greifen. Zum Beipiel zum iShares China Offshore 50 (WKN A0F5UE) der 50 grössten in Hongkong notierten Werte.

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Gastkommentar – DAX im Herbstnebel

Ein Gastartikel von Tokay

DAX im Herbstnebel – Richtung...ja, wohin eigentlich?

Seit unserer letzten Betrachtung nach der Sommerpause hat sich im DAX unterm Strich nicht sehr viel getan. Die Kurse bewegen sich im Nebel, im Herbstnebel sozusagen; sie wissen nicht so richtig, wo sie eigentlich hin sollen. Dies könnte an einer Ausgangssituation liegen, die durch gegensätzliche Bedingungen geprägt ist.

  • Zum einen haben wir einen Newsflow in Bezug auf eine langsam, aber sicher schlechter werdende Geschäftslage der Unternehmen. Haben wir Tage, die geprägt sind durch solche Meldungen, dann bewegen sich die Kurse nach unten. Im Zuge der Eurokrise hat sich das inländische Geschäftsklima deutlich abgekühlt. Leider geht es der Außenwelt ebenfalls nicht besser; mal kommen trübe Meldungen aus den USA, mal aus dem Euroraum, mal aus China. Das kommt mit dazu. Und die Gewinne zumal der Exportindustrie leiden nun mal, wenn die Nachfrage in den großen Wirtschaftsräumen schwächelt.
  • Auf der anderen Seite stößt man in immer mehr Anlagereports auf die Empfehlung, sein Kapital doch auch in Aktien anzulegen, zum Beispiel in dividendenstarken bzw. in günstig bewerteten Titeln. Dahinter steht die Überlegung, dass aufgrund der tiefen Zinsen bzw. der hohen Kurse am Zinsmarkt bei Schuldtiteln nicht viel zu holen ist und aufgrund der höheren Inflation der Kapitalerhalt nicht gesichert ist. Das macht Aktien vergleichsweise attraktiv. Außerdem hat die EZB angekündigt, im Falle eines Falles Staatsanleihen im Rahmen der OMT-Transaktionen aufzukaufen . Wenn auch sehr umstritten, dürfte dies doch die Befürchtungen reduziert haben, dass es zu einem Crash kommt.

Schauen wir uns dazu das Chart an:

Wir befinden uns seit Ende Juni in einem Aufwärtstrend, er wird von unten begrenzt durch die Linie ABC und von oben durch die Linie DEF. Anfang September lief der DAX in Richtung der unteren Begrenzung des Aufwärtstrends. Die OMT-Ankündigung von Mario Draghi verhinderte, dass er zum Erliegen kam. Der Anstieg fand seine Begrenzung etwa bei Punkt G; er läuft seitdem an den an der Spitze eines Dreiecks liegenden Punkt H heran und stößt dort heute, Freitag Abend, auf Punkt I, eine weitere untere Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrends.

Wie wird sich diese Divergenz auflösen? Wird sie sich überhaupt auflösen? Die Kursausschläge waren zuletzt nicht besonders stark, sie wurden allerdings nach oben hin geringer, so dass die Schwäche nicht mehr so aggressiv gekauft wurde wie im zeitlichen Umfeld der EZB-Ankündigungen. Es ist gut möglich, dass erst dann wieder Bewegung in den Markt kommt, wenn etwa die spanische Regierung sich dazu entschließt, unter den Schirm des ESM zu schlüpfen. Dies dürfte vor den bevorstehenden spanischen Regionalwahlen allerdings kaum passieren. Solange ein starkes Signal ausbleibt, dürfte der Markt labil bleiben.

Tokay

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Gastkommentar: Spanische und italienische Aktien auf dem Weg nach oben

Ein Gastartikel von Tokay

Die Rettungspolitik der EZB unter Mario Draghi hat deutliche Wirkungen gezeigt. Besonders die Aktienmärkte der krisengeschüttelten Länder Spanien und Italien haben von den Ankündigungen der EZB profitieren können. Dies wird in den Kursverläufen des spanischen IBEX-35 und des italienischen MIB FTSE deutlich sichtbar. Es zeigen sich Gemeinsamkeiten mit dem DAX in Deutschland, aber auch Unterschiede.

Anders als bei uns war von einer Belebung in Spanien am Jahresanfang nichts zu spüren, vielmehr ging es ab März noch einmal deutlich abwärts (Strecke AB). Ähnlich wie bei uns kam es aber ab Anfang Juni zu einer deutlichen Belebung (Strecke BCD). Diese Belebung geriet im Juli ins Wanken (Strecke EFG). Der Befreiungsschlag kam Ende Juli mit dem „Bernanke-Draghi-Put“ sowie mit der Ankündigung von „Outright Monetary Transactions“ (OMT) am 06. September.

Kurz danach durchschritt der IBEX die 21-Tage- und kurz danach die 55-Tage-Linie der gleitenden Durchschnitte. Nahezu zeitgleich mit der OMT-Ankündigung wurde die 200-Tage-Linie nach oben überschritten, was im allgemeinen als starkes technisches Signal gilt. Der kurzfristige Trend (Strecke GHI) ist somit intakt und solange die Begrenzung von ca. 7.700 Punkten nicht nennenswert unterschritten wird, ist mit weiteren Anstiegen zu rechnen.

Eine ähnliche Entwicklung hatten wir in Italien zu verzeichnen. Zu Jahresbeginn war die Entwicklung noch sehr verhalten. Ab März gab einen Rückgang, der im Juni zum Stillstand kam (Strecke ABC). Anschließend lieferten sich bis Ende Juli Bullen und Bären erbitterte Gefechte (gestrichelte Zone). Die Bullen gewannen dank der EZB die Oberhand (Strecke DEF). Kurz darauf drehten außerdem die kurzfristigen gleitenden Durchschnitte (21/55) nach oben; der italienische Markt befindet sich seither in einer dynamischen Aufwärtsbewegung. Wie geht es in Italien weiter? Die untere Begrenzung des kurzfristigen Trends liegt bei etwa 15.800 Punkten. Wird diese nicht nennenswert unterschritten, dann setzt sich die Aufwärtsbewegung (DEF) fort.

Sowohl in Spanien und in Italien stellen wir deutliche Anzeichen einer Umkehr an den Aktienmärkten fest. Die Wirtschaft befindet sich in beiden Ländern in einer schweren Rezession. Die Stimmung ist tief pessimistisch, der Konsum liegt am Boden. Die Geldpolitik ist aber sehr expansiv, so dass gute Chancen für eine klassische Liquiditätshausse bestehen. Kurzfristige Rückschläge sind in diesem Umfeld vermutlich gute Einstiegsgelegenheiten.

Tokay

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Marktanalyse – 21.09.12 – Wie wird das vierte Quartal für DAX, S&P500 und Co. ?

09:30 Uhr

Heute - am "Hexensabbat" in Deutschland und nahe am Quartalsende - möchte ich mit Ihnen einen ausführlicheren Blick auf das 4. Quartal richten.

Schauen wir als erstes Mal auf das langfristige Wochenchart des Leitindex S&P500:

Wir sehen, wie der Index seit dem Tief Anfang 2009 einen klassischen Aufwärtstrend hingelegt hat, der sich durch immer höhere Tiefs und immer höhere Hochs auszeichnete. Im Nachhinein dürfte sich da mancher fragen, warum er nicht Anfang 2009 "All In" eingestiegen ist und danach all das Durcheinander rund um Fukujima, Flash Crash und Eurokrise verschlafen hat. Eine Verdoppelung des Einsatzes wäre so ohne Mühen möglich gewesen. Aber hinterher ist man halt immer klüger. 😉

Sie sehen aber auch die roten Pfeile, die eine besondere Bedeutung haben. Der von mir sehr geschätzte Service misst regelmässig den "Smart Money / Dumb Money Confidence Spread". Dieser misst in Kurzform die Marktsicht der Marktprofis (Smart Money) im Verhältnis zu den privaten Anlegern (Dumb Money). Wenn dieser zu Gunsten des "Dumb Money" sehr hoch ist, bedeutet das, dass "Dumb Money" euphorisch und positiv gestimmt ist, während bei "Smart Money" schon (wieder) die Skepsis überwiegt.

Genau das ist der aktuelle Zustand des US Marktes und dieser Indikator hat nun den höchsten Wert seit März diesen Jahres erreicht. Die roten Pfeile auf dem Chart zeigen Ihnen nun die Zeitpunkte seit 2010, an denen dieser Indikator einen ebenso hohen - oder noch höheren - Wert hatte. In allen Fällen war nach oben nicht mehr viel zu holen.

Die Werte zum Sentiment bestätigen die Entwicklung, liefern aber ein differenzierteres Bild. Wir haben nicht mehr die "einfache" Situation von Mitte Juli, wo der Markt fast nur noch steigen konnte, weil niemand da war, der daran glaubte. Aber wie haben auch noch keine überzogene Euphorie.

Auch wenn man auf das Chart oben schaut, sieht man auch, dass ein derartiger Wert nicht zwingend ein sofortiges Top bedeutet. Im Gegenteil, eine Topbildung die 6 Monate dauert wie in der ersten Jahreshälfte 2011, ist durchaus typisch. Insofern ist es eher unwahrscheinlich, dass der Markt heute auf dem Fuss wendet und sofort nach unten läuft.

Noch besser, es gibt eine Ausnahme in dem Bild, den grünen Pfeil. Und genau diese Ausnahme entspricht am Besten der aktuellen Situation. Denn im September 2010 - vor genau 2 Jahren - wurde das erste QE angekündigt. Auch dort erreichte der Smart Money/Dumb Money Spread einen hohen Wert, bevor eine kleine Korrektur einsetzte. Dann aber begann die Geldflut zu wirken und wir bekamen ein hervorragendes 4. Quartal.

Von allen Möglichkeiten erscheint mir daher die Wiederholung des 4. Quartals 2010 immer noch als die, mit der grössten Wahrscheinlichkeit. Insofern signalisiert das Chart oben, dass man nun mit mehr Vorsicht zu Werk gehen muss. Die Zeit des bullischen "All In" von Juli ist vorbei. Zuviel Pessimismus könnte aber auch verfrüht sein und einem schöne Gewinne im 4. Quartal verbauen. Es bricht also wieder die Zeit der Stops und des taktischen Tradens an.

Und sollten wir nun doch vor einem bedeutenden Top stehen, dürfte das von nun an ein Prozess sein, den man in Ruhe beobachten kann. Im Moment wird jeder "Dip" im Markt sofort gekauft. Typisch für langfristige Tops ist, dass sich dieses Verhalten langsam ändert, die Käufer "trocknen" sozusagen aus. Sollten wir dergleichen beobachten, sollten Dips nicht mehr sofort gekauft werden, dann und nur dann sollten wir wesentlich vorsichtiger und skeptischer werden und ein bedeutendes Top ernsthaft in Erwägung ziehen. Da sind wir im Moment aber noch nicht. Und wenn die Kurse demnächst nach oben ausbrechen, würde das Gegenteil und eher das Analog zum Herbst 2010 damit indiziert.

Schauen wir im gleichen Massstab, als Wochenchart, auf den DAX seit 2008, sehen wir ein anderes Bild:

Es ist eindeutig zu erkennen, dass der Aufwärtstrend seit 2008 durch die Eurokrise gebrochen wurde. Und der DAX hat das noch nicht vollständig aufholen können und hat im Vergleich zum S&P500 nach wie vor erhebliches Nachholpotential.

Deutlich unterstrichen wird das erneut durch die Sentimentdaten von , die ich erneut zum Studium empfehle. Die Skepsis sitzt in Deutschland und auch in Europa nach wie vor tief. Vor diesem Hintergrund und während gleichzeitig alle Notenbanken "All In" gehen, besteht im DAX nach wie vor erhebliches Aufwärtspotential und auch ein Short-Squeeze zum Quartalsende ist im Rahmen des Möglichen.

Diese Analyse dürfte nicht nur für den DAX, sondern für die europäischen Aktienmärkte generell gelten. Gerade in Spanien und Italien findet man schwer verprügelte Indizes vor, die nun aber durch Mario Draghi Unterstützung bekommen. Sollte es der EZB gelingen die Probleme der Eurozone temporär mit frischem Geld zuzudecken, könnten diese Aktienmärkte vor einer bedeutenden Erholung stehen.

Fazit: Die Lage ist nicht mehr so eindeutig bullisch wie Mitte Juli, zu weit sind wir - insbesondere im S&P500 - gelaufen. Trotz aller Sentimentdaten ist aber die reale "Price-Action" der bedeutendste Faktor für Entscheidungen. Und die ist nach wie vor eindeutig bullisch. Auch die Seitwärtskonsolidierung seit Anfang dieser Woche ist bullisch zu werten, insbesondere da nun das Quartalsende bevor steht. Insofern bestehen nach wie vor gute Chancen auf ein starkes 4. Quartal. Wenn es den Notenbanken gelingt, die Eurokrise nachhaltig in den Hintergrund zu drücken, dürften die höchsten Gewinne dann in den europäischen Aktienmärkten zu finden sein.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen und viel Erfolg,

Ihr Hari

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Kurztip – Bijou Brigitte (522950) – Modeschmuck im Strudel der Eurokrise

Heute möchte ich Sie auf einen Nebenwert hinweisen, der nun auf meinen Radar gerät. Es ist der Modeschmuck-Anbieter Bijou Brigitte (WKN 522950). Ich bin noch nicht im Titel investiert, langsam interessiert mich die Aktie aber wieder, während sie mir lange zu teuer war.

Seit jeher ist Bijou Brigitte als Cash-Cow mit hohen Margen und einer aussergewöhnlich hohen Dividendenrendite bekannt. So hat Bijou Brigitte auch aktuell und trotz Krise noch eine Dividendenrendite von 7%.

Das alleine würde die Aktie aber für mich nicht interessant machen, denn genau aufgrund dieser Cash-Stärke, war die Aktie auch hoch bewertet. Und wer viel Cash per Dividende auskehrt, dem fehlt auch etwas Phantasie für ertragsreiche Investitionen. Abgesehen davon hat man ja an der Kursentwicklung gesehen, wie wenig einen Dividenden gegen einen drastischen Kursrutsch schützen können.

Denn aufgrund der Ausdehnung des Geschäfts nach Südeuropa, kam es wie es kommen musste, besonders in Spanien und Portugal brach das Geschäft aufgrund der dortigen Rezession ein. Aber auch Italien wackelt und auch die Margen gerieten durch Preis-Wettbewerb unter Druck.

So stürzte die Aktie von Hochs bei 140€ in 2010 nun auf Werte um 50€ ab. Schauen Sie auf den Tageschart, um die Entwicklung der letzten 12 Monate zu sehen.

Nun addieren sich aber aktuell eine Reihe von Faktoren, die die Aktie für mich nun wieder mittelfristig, als Investment, interessant machen:

  • Vom Kursniveau bei 50€ ausgehend, startete die Aktie zuletzt eine signifikante Rally bei gutem Volumen. Das sieht nach einer U-förmigen Wendeformation aus. Ein Test der 200-Tage-Linie bei 65€ erscheint gut möglich. Das alleine wären 20% vom heutigen Niveau.
  • Fundamental gesehen, scheint das Kursniveau um 50€ die bekannten Risiken ausreichend zu verarbeiten. Nur weiter gehende strukturelle Schwäche dürfte auch dieses Niveau in Frage stellen.
  • Die Sorgen um das Geschäft in Spanien und Portugal sind bekannt und im Kurs verarbeitet. Sollte aber Draghi mit seiner EZB Politik nun für eine Beruhigung der Lage sorgen, besteht hier positives Überraschungspotential. Bijou Brigitte ist also eine Wette auf eine Entspannung der Eurokrise.
  • Wir hatten zuletzt deutliche Insiderkäufe bei 50€. In Summe haben 3 Vorstandsmitglieder seit Ende Juli 280.000€ investiert ! Das ist der erste derart umfangreiche Kauf seit 2008. In meinen "hilfreichen Links" finden Sie auf dem Sie die Daten übersichtlich aufrufen können. Insiderkäufe, noch dazu von mehreren Vorständen gleichzeitig, haben grössere Bedeutung als Verkäufe.

Ein Argument spricht für mich noch gegen ein Investment, ich kann noch nicht abschätzen, ob der Margendruck strukturelle, im Wettbewerbsumfeld begründete, Ursachen hat und daher weitergehen wird. Oder ob er nur der Eurokrise - verbunden mit einer Rezession in den Absatzmärkten - geschuldet ist. Im ersteren Fall liegen wohl noch tiefere Kurse vor uns. Im letzteren Fall sind Kurse nahe 50€ aber wohl schon mittelfristige Kaufkurse. Ich muss den Titel daher noch genauer beobachten, bevor ich endgültig den Daumen heben oder senken kann.

Aber schon heute ist für mich klar, dass sich hier eine Reihe von Parametern aufreihen, die bei mittelfristiger Anlage zu einem sehr positiven Chance/Risiko Verhältnis führen könnten. Einen aufmerksamen Blick ist die Aktie damit für mich schon heute wert.

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Zum Thema Merkel und Sinn – Von getroffenen Hunden und Weltökonomen

Die Reaktion Frau Merkels auf den Brandbrief der 170 Ökonomen zur Euro-Krise ist so bemerkenswert, dass ich dazu am späten Abend noch einen Kommentar los werden muss.

Zunächst lesen Sie vielleicht noch einmal in der FAZ oder in der Süddeutschen, was Frau Merkel und ein gewisser Herr Rösler dazu zu sagen hatten.

Mir gehen dazu sofort mehrere Gedanken durch den Kopf:

(1)
Dass Frau Merkel das Thema nicht totschweigt, sondern sofort und hart reagiert, zeigt mir, dass Sie erhebliche Gefahr wittert. Das erste Mal wurde zum Thema ein richtiger Treffer gelandet, denn "getroffene Hunde bellen" wie das Sprichwort sagt.

(2)
Ihre in der FAZ zitierte Reaktion, die für mich mehr oder weniger unverhohlen als "Ihr habt keine Ahnung - lest und versteht doch erst einmal" zu interpretieren ist, ist in Anbetracht der langen Liste namhafter Personen die sich dem Aufruf angeschlossen haben, für mich an Arroganz kaum zu überbieten. Auch ich fühle mich angesprochen, da ich die Lage im wesentlichen wie die 170 Unterzeichner sehe und empfinde diese Worte unserer Bundeskanzlerin als Beleidigung meiner Intelligenz. Übrigens auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat den Gipfel kritisiert, der hat halt auch nicht richtig gelesen. 😉

Und Frau Merkel ist klug genug zu wissen, wie diese Worte wirken. Also muss Sie ein wichtigeres Ziel verfolgen, wenn Sie sich bewusst grosse Teile der Intelligenz des Landes zum Feinde macht. Man kann die Wirkung in den Leserforen der FAZ schon jetzt merken, wenn ich da durch die Kommentare scanne, fühle ich mich in der Vehemenz der Empörung an die Reaktionen auf Guttenberg erinnert. So macht man sich Feinde. In meinen Augen ist der Kampf um die breite, schweigende Masse der Wähler nun eröffnet und die Verachtung von Teilen der Intelligenz ist ein Preis den Frau Merkel vielleicht zu zahlen bereit ist, wenn man bei Otto Normalverbraucher den Eindruck des "Mutti hat alles im Griff" aufrecht erhalten will. So weit meine Therorie. Sicher ist aber, dass hier schon jetzt mit grossem Einsatz gespielt wird.

(3)
Die inhaltliche Argumentation von Merkel, dass beim Gipfel ja gar nichts beschlossen wurde was die Haftung ausweitet, ist für mich persönlich so offensichtliche Verschleierung des wahren Konflikts, dass ich das nur wieder in dem Kontext von (2) erklären kann. Selbstverständlich wurden Dinge wie die direkte Finanzierung der spanischen Banken durch den ESM nur in Aussicht gestellt und von Bedingungen abhängig gemacht. Das ist selbst für Klein-Fritzchen zu erkennen. Aber das damit gerade im politischen Raum eine Kette von Verpflichtungen und Erwartungen ausgelöst wird, ist ja wohl offensichtlich. Oder worüber haben sich Italien und Spanien eigentlich gefreut und worüber sind die Märkte eigentlich nach oben gelaufen und die Anleihen-Renditen der Länder nach unten ? Alles Idioten halt, sollen mal lesen was beschlossen wurde. 😉 Das glaubt die intelligente Frau Merkel doch selber nicht, solche Sätze dienen nach meiner Ansicht anderen Adressaten, siehe (2).

(4)
Unser Herr Rösler war wie erwartet dabei besonders lustig. Der in der FAZ zitierte Satz "Die Ökonomen kritisieren mit der Bankenunion etwas, das es noch gar nicht gibt" ist für mich so verquer, dass er schon wieder lustig ist. Warum o grosser "Weltökonom" Philipp Rösler, regt sich die Bundesregierung dann eigentlich über das iranische Atomprogramm auf, es gibt doch noch gar keine Atombombe ? Der Mann ist nach meiner Ansicht in jeder Hinsicht völlig überfordert. Und sich über etwas zu sorgen, bevor es eintritt, weil man die Folgen absehen kann, zeichnet intelligente Menschen aus.

(5)
Achja und einen weiteren "Weltökonomen" haben wir neben Rösler: der finanzpolitische Sprecher der Grünen Gerhard Schick wird im mit den ebenso arroganten wie bezeichnenden Worten zitiert: "Ich hoffe, dass sich die Deutschen nicht von diesen Stammtisch-Ökonomen kirre machen lassen, die jetzt Politik machen wollen". Aha, diese 170 sind also Stammtisch-Ökonomen, das ist das Niveau der Argumente. Interessant.

Soweit die Reaktion der Politik, die ich sehr bemerkenswert finde. Ich betone ausdrücklich, dass man selbstverständlich ganz seriös die Lage anders sehen kann als diese 170 Ökonomen. Und einige seriöse Personen tun das auch. Das ist zu respektieren, aber um die inhaltliche Frage wer hier richtig liegt, geht es mir hier doch gar nicht.

Ich seziere hier nur die Reaktionen der Politik und die zeigen mir : Massiver Wirkungstreffer , wie man im Boxen sagt !

Und die Reaktionen zeigen mir noch etwas. Es wird extrem spannend bei uns. Ich glaube wir bekommen die spannendste politische Zeit seit der Gründung der Bundesrepublik, mit unabsehbaren Konsequenzen für uns und unsere Kinder und Enkelkinder. Schnallen Sie sich lieber an !

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