S&P500 in Wartestellung – 16.01.13

Es gibt so Tage, an denen wartet der Markt einfach ab was als nächstes passiert. Und das heute scheint so einer zu sein, insbesondere im Leitindex S&P500, dessen Bewegungen sich aber auf die anderen Indizes auswirken werden.

Und manchmal braucht es auch keine grossen Worte und detaillierte Analysen um die Lage einzuschätzen, sondern es genügt ein kurzer Blick auf den Chart. Und auch das ist heute so ein Tag.

Schauen wir daher doch einfach mal auf den Tageschart des S&P500:

S&P500 16.01.13

Sie sehen schnell, wir hängen unter der entscheidenden Zone um 1472. Ein deutlicher Anstieg darüber, würde einen bedeutenden Ausbruch darstellen und würde Kursziele über 1500 in Reichweite bringen. Auch der DAX dürfte dann Richtung 8000 laufen. Und ein Absturz von hier kreiert ein ziemlich übles Doppeltop, dem sich auch der DAX dann nicht entziehen könnte. Leicht irritierend ist in diesem Zusammenhang, dass der RSI die überkaufte Zone über 70 nicht mehr erreichen konnte.

Der Markt scheint nun auf einen neuen Katalysator zu warten, zum Beispiel Klarheit wie die Quartalssaison jetzt wirklich anläuft. Und nach wie vor sollten die Bullen nicht vergessen, dass der Debt Ceiling Konflikt zeitlich näher rückt und sich das Zeitfenster für einen starken Schub nach oben damit möglicherweise langsam schliesst. Trotzdem rechne ich in Anbetracht des bullischen Grundtons nach wie vor eher mit einem Ausbruch nach oben, als mit einer unmittelbaren Wende.

So bleibt uns nur abzuwarten und uns in dem zu üben, was am Schwierigsten ist: Geduld ! 😉

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Marktupdate DAX und S&P500 – 15.01.13

Im frühen deutschen Handel ein kurzes Marktupdate für DAX und S&P500.

Wir steuern auf einen kritischen Punkt zu.

Auf der einen Seite haben wir einen eindeutig bullischen Markt, der bisher nur geringen Konsolidierungsdruck zeigt. Das der Markt nach diesem Anstieg zum Jahresanfang bisher kaum etwas abgegeben hat, spricht stark für eine reine Konsolidierung vor dem nächsten Schub nach oben. Auch fundamental scheint der Markt unterstützt. Europa, Japan und China senden politische Signale, die einer guten Performance der Indizes nicht abträglich sein dürften. Die Chartentwicklung im DAX riecht nach einer Bullenflagge und die 7700 stellen seit Anfang des Jahres Untersützung dar.

Auf der anderen Seite hat der Markt unter der Decke bei einzelnen Aktien erneut zu "bröseln" begonnen und hängt insbesondere im S&P500 vor einem Ausbruch über die alten Hochs bei 1475 vom September, die sich aber bei einem Scheitern auch als ein übles Doppeltop heraus arbeiten könnten. Und dummerweise beginnt das Debt Limit Thema langsam in den Vordergrund zu drücken, wie man an Meldungen wie hier zu leicht nachvollziehen kann.

Insofern tickt nun die Uhr und entweder schaffen es die Bullen in den nächsten Tagen doch nach oben auszubrechen. Dann sollten im S&P500 ca. 1525 das nächste Ziel sein. Und im DAX könnten schnell die 8000 ins Visier kommen. Je länger aber die Bullen diesen Schub nicht mehr hinbekommen, desto grösser wird die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Markt doch zu nachhaltigen Abgaben entschliesst, obwohl rein von der Markttechnik her bisher nicht viel dafür spricht.

Bisher wurden in den letzten Monaten solchen Situationen immer zugunsten der Bullen aufgelöst. Insofern sehe ich auch aktuell den Vorteil immer noch auf der Seite der bullischen Auflösung. Aber Vorsicht ist nun geboten und die Reissleine sollte jeder nun in der Hand haben und genau wissen, wann und unter welchen Bedingungen man sie ziehen möchte.

Ich wünsche gute Entscheidungen.
Ihr Hari

PS: In eigener Sache: ich werde mich vorraussichtlich kommenden Montag einer kleinen OP unterziehen. Nichts Schlimmes oder Weltbewegendes und ich werde wohl spätestens Mittwoch, vielleicht sogar schon Dienstag wieder hier im Blog voll aktiv sein. Nur wundern Sie sich nicht, wenn es Anfang kommender Woche temporär hier mal etwas ruhiger zugeht.

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DAX Marktanalyse – Geht die Rally weiter ? – DAX 8000 bald erreicht ?

Heute Abend im späten Handel der Wallstreet und nach Handelsschluss im DAX, möchte ich mit Ihnen meine aktuelle Sicht auf das grosse Bild der Märkte teilen.

Gehen wir die wesentlichen Punkte doch einmal Punkt für Punkt durch:

(1)

Kurzfristig ist der Markt überkauft und muss konsolidieren oder korrigieren. Wie der Markt auf einen überkauften Zustand reagiert, sagt viel über dessen innere Stärke aus. Und dieses Bild ist bisher positiv. Alles was bisher diese Woche passiert ist, ist bestenfalls eine milde Konsoliderung, die bullisch zu werten ist. Wir wissen alle, das sich das jede Minute ins Negative ändern kann, aber herum zu raten hat keinen Wert und bis jetzt ist es, wie es ist.

(2)

Mittelfristig hat der DAX die Hochs von 2011 hinter sich gelassen und es fehlt nicht mehr viel, um auch die historischen Hochs von 2007 bei über 8000 zu erreichen. All zu schwierig sollte das sowieso nicht sein, da der DAX ein Performance-Index ist und also selbst auf den historischen Hochs defacto noch 10-15% weniger Wert besitzt als 2007, nämlich genau in der Höhe der seitdem geflossenen und in den DAX eingerechneten Dividenden.

Ich kann im langfristigen Wochen-Chart des DAX im Moment nichts erkennen, was zwingend eine Topbildung indiziert. Sicher haben wir eine kleine negative Divergenz im RSI, die man aber in dieser Höhe des RSI nicht überwerten muss. Auch 2011 erreichte der RSI seinen Höchststand Monate vor dem endgültigen Top des DAX.

Schauen Sie mit mir doch mal auf das langfristige Wochenchart des DAX seit 2006, um dieses Bild zu unterstreichen:

DAX 10.01.13 master

Das für mich aus dem Chart heraus wahrscheinlichste Szenario habe ich eingezeichnet. Und das ist ein erneuter Anlauf auf die 8000er Marke, nachdem diese Konsolidierung abgeschlossen ist. Dann aber sind wir möglicherweise für eine grössere Korrektur reif.

(3)

Ein weiteres Indiz dafür, dass diese Rally noch Beine hat, ist das Verhalten der Aktien der zweiten Reihe. Dort gab es in den letzten Monaten viele, die die Rally der Indizes und damit der grossen Bluechips nicht mitgemacht hatten. Nun wechseln auch diese Aktien in den Rally-Modus und das spricht dafür, dass dieser Bulle noch nicht am Ende ist. Nehmen Sie Aktien wie Wacker Chemie, SGL Carbon, Klöckner usw., alles klassische MDAX oder SDAX Werte, die nun grosse Sprünge von teilweise 5 und mehr Prozent pro Tag vollführen. Auch die konsistente Stärke des MIB40 und des IBEX35 ausserhalb Deutschlands zeigen, dass die Erholungsbewegung in der Eurozone wohl noch nicht zu Ende ist.

(4)

Zusätzliches Feuer bekommt diese Rally aus Asien, von der wieder anziehenden chinesischen Konjunktur und der aggressiven Schwächung des Yens. Auch diese Trades laufen weiter und geben keine Signale einer Trendwende.

(5)

Die grösste Gefahr dieser Rally geht im Moment ohne Frage von den USA aus. Denn die Diskussionen um das Debt Limit werden hart werden und die Verwirrung gross. Ich gehe fest von einer weit gefährlicheren Eskalation aus, als zum Thema "Fiscal Cliff", weil nun möglicherweise auch persönliche und politische Rechnungen beglichen werden, die aus den Verhandlungen um die Fiskalklippe resultieren. Und dieses Thema ist für die Weltwirtschaft auch weit gefährlicher, schon der August 2011 hat ja gezeigt was passiert, wenn die Kreditwürdigkeit der USA in Frage steht.

Aufgrund dieser absehbaren Entwicklung treten viele professionelle Marktteilnehmer nun zunehmend auf die Seitenlinie. Auch wenn ich das für eine prinzipiell richtige Annahme halte, könnte der Zeitpunkt zu früh sein. Denn Mr. Market geniesst es einfach zu sehr, so ein positives Gefühl wie im Moment haben zu können. Und die Rally zieht im Moment noch frisches Geld in den Markt hinein. Für Sorgen und für Panik ist dann ab Februar noch genug Zeit.

(6)

Auch die Notenbanken geben im Januar Gas, nicht nur das die japanische Notenbank nun massiv Geld druckt, auch die FED hat im Januar keine einzige POMO-Sell Operation auf der Agenda, was gegenüber letztem Jahr ein Novum ist. Für genügend Liquidität ist also definitiv gesorgt und Liquidität ist immer noch der entscheidende Treibsatz der Börsen.

(7)

Unterstützt wird meine kurzfristig nach wie vor optimistische Sicht erneut von der aktuellen Analyse von , die ich Ihnen zum Studium empfehle.

Fazit:

Ich halte es für das wahrscheinlichere Szenario, dass diese Rally nach der derzeitigen Pause noch einmal einen kräftigen Schluck aus der "Kurspulle" nimmt. Sollten danach die Rahmenbedingungen immer noch die gleichen sein wie aktuell, werde ich diesen Schub dann aber wahrscheinlich verkaufen und in die Stärke hinein langsam aussteigen. Ich möchte mir das Spektakel im März dann lieber von der Seitenlinie anschauen.

Sollte es in den kommenden Wochen dazu aber positive Nachrichten geben, die auf eine schnelle Einigung oder Lösung hindeuten, könnte diese Rally sogar weit ins Frühjahr hinein weiter laufen und ich würde meinen Ausstieg dann abblasen.

Als Stop - für den unwahrscheinlicheren aber doch möglichen Fall, dass wir uns doch gerade in einer Topbildung befinden - bieten sich mir aktuell die Tiefs der "Fiscal Cliff" Verwirrung von kurz vor Weihnachten an. Sollten wir diese demnächst unterbieten, muss man die Rally massiv in Frage stellen.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Don´t fight the FED ! – Ein kurzer Rückblick auf QE3 – 07.01.13

Wir Menschen neigen dazu schnell zu vergessen. Deshalb ist es manchmal nötig, sich Dinge im Nachhinein wieder in Erinnerung zu rufen. So heute die Auswirkungen der QE3 Massnahmen der FED, die ja schon im September angekündigt wurden, dann aber - vermeintlich - keine Wirkung entfalteten.

Unzählige Artikel sind dazu ja erschienen, die aus den abwärts bröselnden Kursen seit September 2012 die Schlussfolgerung zogen, dass die Liquiditätseinschüsse der FED in den Markt keine Wirkung hätten.

Dabei könnte nichts falscher sein als diese Annahme ! Alles das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben wurde, weil schlicht das QE3 Programm nicht verstanden wurde ! Und nun, im Nachhinein, kann ich es Ihnen auch beweisen.

Sie erinnern sich hoffentlich an meinen überraschenden Artikel vom 11.11.12, in dem ich Ihnen die öffentlich praktisch nicht bekannte Tatsache klar machte, dass die ab September veranlassten Käufe der FED im Rahmen des QE3 aufgrund Verzögerungen im Settlement erst ab (frühestens) dem 14.11.12 den Markt erreichen würden ? Wenn nicht, sollten Sie hier noch einmal nachlesen: -> Warum QE3 erst ab 14.11 seine Wirkung entfaltet <-

Nun ist es Zeit sich im 8-Stunden-Chart mal anzuschauen, was dann im DAX und im S&P500 zum Jahresende passierte. Bedingt durch die Verwirrung um den Fiscal Cliff ist der S&P500 dabei etwas "gedämpft", hat aber immer noch ein eindrucksvolles Bild. Schauen Sie selbst:

DAX FED QE3

S&P500 FED QE3

Eindrucksvoll oder ? Ist das Zufall und hat nichts mit der FED zu tun ? Eher nein, sehr unwahrscheinlich. Wir sehen hier in den Charts ganz eindeutig, was frische Liquidität ausmacht die ins System strömt.

Und jetzt fragen Sie sich mal ehrlich im Nachhinein. Wie viele von Ihnen haben diese Information zur Kenntnis genommen, die Schultern gezuckt weil es keinen hörbaren "Knall" gab und das Thema dann sofort wieder vergessen ? Denken Sie daran, wenn Sie zukünftig der Liquiditätsversorgung der Märkte durch die Notenbanken nicht die Aufmerksamkeit schenken, die ihr gebührt !

Eindrucksvoll übrigens auch, wie man im Chart des S&P500 sehen kann, wie die Fiscal Cliff Verwirrung die Kurse zum Jahresende dämpfte und der Gap zum Jahresanfang nur wieder den alten Trend aufnahm und sozusagen nahtlos fortsetzte. Man kann also ganz klar sehen wo der S&P500 ohne Fiscal Cliff das Jahr 2012 geschlossen hätte.

Also, schreiben Sie es sich am besten neben den Bildschirm: Don´t fight the FED ! 😉

Ihr Hari

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sumerdigital Tops und Flops 2012

Liebe sumerdigital Community,

ich will mich nun zu einem Jahresrückblick auf die Tops und Flops dieses Blogs im Jahr 2012 hinreissen lassen. Es gehört ja zu den eher fragwürdigen Gepflogenheiten vieler die wirtschaftlich von Aktienempfehlungen leben, sich am Ende des Jahres selber zu loben ob der vermeintlich so perfekten Voraussagen. Ist ja auch verständlich, der Anschein guter Prognosen ist Grundlage des Geschäftsmodells.

Das funktioniert auch ganz gut, weil man dabei auf die Vergesslichkeit der Menschen setzen kann, denn wer macht sich die Mühe mal das Vergangene zu lesen und zu überprüfen, ob da die Welt mit dem Marketingpinsel nicht arg zu rosa gepinselt wurde ? Was ich grundsätzlich von der Prognoseindustrie halte, habe ich ja schon in meiner -> Anlagephilosophie <- deutlich gemacht.

Auch empririsch dürfte schnell klar sein, dass wir es hier eher mit einer rosa gefärbten Marketing-Veranstaltung zu tun haben. Denn wir haben ja auf der einen Seite die öffentlichen Fonds, deren Performance für jederman eindeutig nachzulesen ist. Die weit überwiegende Mehrheit dieser Fonds - durchweg geführt von Profis, denen weit bessere Daten- und Nachrichtenquellen zur Verfügung stehen als uns - schafft es nicht das relevante Marktsegment zu schlagen. Auf der anderen Seite haben wir die "Prognoseindustrie", die nach eigenen Angaben im Nachhinein natürlich immer ganz tolle Performance mit ihren "Empfehlungen" erzielt. Kann man ja auch leicht behaupten, weil es sowieso niemand überprüfen kann.

Beides könnte nur dann zusammen passen, wenn in den öffentlichen Fonds alle Idioten versammelt sind und in der "Prognoseindustrie" dagegen die ganz grossen Marktempathiker. Entscheiden Sie selber, ob das eine realistische Annahme ist. 😉

Ich möchte mich daher so weit das geht mal an einen einigermassen objektiven Jahresrückblick heran wagen. Ich bin durch die Titel aller meiner Artikel des Jahres 2012 durchgegangen und habe die heraus gepickt, in denen ich mich im Titel zu einer Aktie oder dem Markt mit deutlicher Tendenz geäussert habe. Um diesen Jahresrückblick nicht ausufern zu lassen, beschränke ich mich auf die Themen die mir einen eigenen, vollen Artikel wert waren und gehe über Teilanalysen innerhalb grösserer Artikel oder über die Livetips hinweg. Eine Berücksichtigung dieser Menge an Detail-Informationen würde den Rahmen sprengen.

Aber auch alleine mit dieser Selektion bekommt man ein ganz gutes Bild darüber, was im Nachhinein auf sumerdigital treffend war und was nicht. Ich habe daher jeden Fall in die Kategorie TOP oder FLOP eingeordnet, je nachdem ob die Aussagen des Artikels im nachhinein treffend waren oder nicht. Die Fälle im Graubereich die weder eindeutig in die eine oder andere Richtung ausschlugen, habe ich der Übersichtlichkeit wegen weggelassen. Und anhand der von mir genannten Daten, können Sie die alten Artikel aus dem Archiv ziehen und selber überprüfen, ob Sie meine Einschätzung teilen oder nicht. Insofern ist der folgende Rückblick wenigstens halbwegs objektiv.

Soweit der Vorrede, hier kommen die wesentlichen Tops und Flops dieses Blogs in 2012:

FLOP 16.01.12 "Cameco Weltmarktführer in Uran": Ich hatte Ihnen Cameco vorgestellt, verbunden mit der Erwartung, dass sich der Uranpreis in 2012 nachhaltig erholt. Auch wenn der Trade kurzfristig für ein paar Wochen gut funktioniert hat, hat sich die generelle Annahme als unzutreffend heraus gestellt. Der Kurs von Cameco war das ganze Jahr in einer Seitwärtsrange und dümpelt heute auf ähnlichem Niveau wie vor fast einem Jahr herum.

TOP 17.01.12 ff "Zur Taktik in Bullenmärkten": Einer der bedeutendsten Treffer diesen Jahres war es, die Tendenz der ersten drei Quartale frühzeitig und eindeutig zu erkennen, lange bevor die Mehrheit auf den Zug aufgesprungen ist. Nur mit dem 4. Quartal konnte ich nie so richtig "warm" werden, hier fehlte mir zuletzt die klare Tendenz. So habe ich schon am 17.01.12, mitten in der anhaltenden Depression nach dem 2011er Absturz, von einem Bullenmarkt gesprochen und Sie erinnern sich sicher an die zahllosen Artikel im ersten Quartal zum laufenden "Runaway Move", eine Sicht die in der breiten Presse erst sickerte, als die Bewegung im März schon wieder dem Ende zu ging.

TOP und FLOP 24.01.12 "Temenos - Chancen mit Bankensoftware": TOP war das insofern, als die Aktie kurz nach der Besprechung durch die Übernahmegespräche mit Misys zu einem gewaltigen Höhenflug ansetzte. Wer drin war und mit Stop absicherte, konnte schnelle und schöne Gewinne mitnehmen. FLOP insofern, als es danach nicht weiterging und die Aktie nach Scheitern der Fusion für den Rest des Jahres nicht mehr richtig ans Laufen kam.

TOP 26.01.12 "Kaufpanik oder das Reh im Scheinwerferlicht"und 01.02.02 "Zur Technik eines "Runaway Move": Weitere Beispiele für die klar erkannte Richtung des ersten Quartals. Weitere Zitate der zahllosen Artikel zum Thema übergehe ich im folgenden.

TOP 30.01.12 "Hecla Mining - Seriosität in Silber": Das ist ein Top mit Einschränkung. Das Timing war nicht ganz perfekt und es ging nach dem Artikel noch etwas weiter runter. Aber die Tendenz und grundlegende Sicht war richtig und ist es heute fast ein Jahr später immer noch.

TOP 02.02.12 "Vom Elend der Charttechnik und der Börsenkultur - Eine Wutrede": Hier habe ich mich mit spitzer Zunge über die vier Chartisten mokiert, die zum Frankfurter Gespräch beim Handelsblatt zusammen kamen. Meine Erwartung, dass die Aussagen der Herren eher Kontraindikatoren sein werden, hat sich in den folgenden 2 Monaten perfekt bewahrheitet. Auch 2013 freue ich mich schon wieder auf diesen recht zuverlässigen Kontraindikator. 😉

06.02.12 "Das Beste für Griechenland - ein Kommentar aus tiefstem Herzen": Tja, Top oder Flop ? Eigentlich bin ich immer noch dieser Ansicht und die seitdem vergangenen 10 Monate haben die Sicht auf Griechenland ja wiederholt bestätigt. Da die Politik den von mir gewünschten Weg aber nicht eingeschlagen hat, ist es müssig zu spekulieren ob das wirklich der bessere Weg gewesen wäre. Ich glaube es noch immer.

TOP 13.02.12 "Tesla Motors - die Zukunft des Automobils": Ein Top mit Einschränkung. Tesla setzte nach dem Artikel zu einer gewaltigen Rally an, die schnell 20% Plus brachte. Der Rest des Jahres war dann aber eher volatile Seitwärtsbewegung und aktuell steht Tesla einige Prozent höher als Anfang diesen Jahres.

TOP 14.02.12 "ThyssenKrupp - Vom Donnerhall zum Anlagenbauer": Die deutlich artikulierte sehr negative Sicht auf die Aktie und insbesondere auf die verantwortlichen Organe rund um Gerhard Cromme war mehr als treffend, wie der weitere Verlauf des Jahres ja nachhaltig bewiesen hat.

TOP 01.03.12 "Aixtron - ein Management im Blindflug": Während die diversen Medien noch der Hoffnung bei Aixtron das Wort redeten, habe ich mich in deutlichen Worten über ein Management mokiert, das öffentlich über Hoffnung für die zweite Jahreshälfte daherredet, gleichzeitig aber mit dem eigenen Geld nicht bereit ist auf das eigene Unternehmen zu setzen. Die weitere Entwicklung des Jahres hat dieser negativen Sicht mehr als Recht gegeben. Nun redet keiner mehr über Aixtron. Sollten jetzt Insiderkäufe kommen, dürfte das ein Einstiegssignal sein.

"05.03.12 "Salzgitter – Kaufgelegenheit ?": Auch wenn die grundlegende Erwartung bei Salzgitter sehr treffend war und eher unter die Kategorie "Top" fallen würde, war das folgende Kurs-Loch, obwohl prinzipiell antizipiert, dann doch tiefer als erwartet. Kurse unter 30€ konnte ich mir damals nicht vorstellen. Insofern keine eindeutige Bewertung für diesen Punkt.

FLOP 05.03.12 "China und die Rohstoffe": Auch wenn vieles in dem Artikel treffend war, hat sich die grundlegende Annahme, dass die Rohstoffnachfrage aus China wieder ans Laufen kommt doch als unzutreffend heraus gestellt. Mit den im Artikel genannten Aktien liess sich in 2012 kaum Geld verdienen und Rio Tinto notiert zum Beispiel aktuell wieder auf dem Niveau von Anfang März. Es spricht zwar viel dafür, dass sich das in den kommenden Monaten ändert, weil China endlich in Bewegung gerät. Für das letzte Jahr war das aber eindeutig ein Flop.

TOP 08.03.12 "Deutsche Bank - zerschlagt sie endlich !": Das Thema ist ja wohl aktueller denn je. Ich kann es nur wiederholen: zerschlagt sie endlich !!

TOP 27.03.12 "Vom Aufhören, wenn es am schönsten ist ...": Mit diesem Artikel habe ich mit perfektem Timing die Korrektur des zweiten Quartals ins Auge genommen, genau zu dem Zeitpunkt, als die bekannten Verdächtigen anfingen über DAX 8000 zu schwadronieren. Und hatte auch schon die Sommerrally im Auge. Lesen Sie doch einfach noch einmal. 🙂 Eine derartige Marktsicht war zu dem Zeitpunkt für mich woanders weit und breit nicht zu sehen. Erinnern Sie sich auch an die Umfrage am 28.03. ? Die Hälfte der Leser von sumerdigital wollte dieser Sicht auf das 2. Quartal auch nicht folgen, ein Quartal, in dem der DAX dann über 1000 Punkte gegenüber Ende März verlor.

TOP 30.03.12 "Warum ich Microsoft nun aus meinem Depot verbanne": Volltreffer. Der Artikel ist auch 9 Monate später unverändert gültig und auch das war eine Sicht, die man damals kaum irgendwo hören konnte. Seitdem ist Microsoft um 16% gefallen (32,4 -> 27) und die Verkäufe von Windows 8 sind genau so wie erwartet: schlecht. An so Themen sieht man dann doch, dass es einen Unterschied macht, wenn man sich in einem Segment sehr gut auskennt, was im Bereich Software bei mir durch berufliche Historie der Fall ist.

FLOP 17.04.12 "Daimler im Visier der Investmentbanken": Die von mir gesehenen Kaufoptionen bei den Investmentbanken hatten im Nachhinein keine Auswirkung. Keine Ahnung was damit passiert ist und wofür sie letztlich da waren. Die antizipierte Bewegung durch einen Einstieg eines Investors hat sich auf jeden Fall nicht realisiert, insofern klarer Flop.

TOP 09.05.12 "Bedeutende Wende bei den Goldminen": Am 16.05. - 5 Handelstage nach dem Artikel - markierte der GDX sein absolutes Tief bei 39,08 USD. Am 18.05. habe ich das unter der Überschrift "Gold und Goldminen bestätigen Wende !" noch einmal deutlich gemacht. Danach setzte der GDX langsam aber gewaltig zu einer Sommerrally an, die den GDX bis zum 21.09. auf 55,25 USD brachte, ein Anstieg von 41% in 4 Monaten, das darf man wohl Top nennen. 😉

TOP 12.06.12 "Kursziel 1400 im S&P500 ?": Mit einer technischen Betrachtung habe ich meine positive Sicht auf das dritte Quartal und die Sommerrally eingeläutet und am 15.06. mit "Cup&Handle im S&P500 kurz vor Aktivierung" verstärkt. Im Nachhinein war es tatsächlich so, dass der S&P500 sein absolutes Tief am 04.06. erreicht hatte. Diese Betrachtung, die auch schon DAX 7000 erwähnte während der DAX bei 6100 stand, war also sehr treffend.

29.06.12 "Ein historischer Tag - Das Ende Deutschlands, wie wir es kennen.": Top oder Flop ? Ich überlasse das Ihnen. Ich befürchte aber nach wie vor, dass ich völlig Recht hatte.

TOP 02.07.12 "US Kohlesektor - Monatelanger Abwärtstrend bald durchbrochen ?": Eher Top, aber nicht so eindeutig. Der Sektor definierte seinen absoluten Tiefpunkt am 26.07., insofern war die Annahme des Artikels grundlegend richtig. Seitdem ist der Sektor im Aufwärtstrend. Allerdings verläuft der Gegenanstieg bisher nicht so richtig überzeugend. Insofern ein verhaltenes Top.

FLOP 05.07.12 "Warum man die Porsche Aktie nun nicht mehr haben muss": Nach dem Artikel setzte der Kurs von Porsche zu einer massiven Rally an, insofern klarer Flop. Andererseits bin ich weiter von der inhaltlichen Sicht überzeugt, dass man in VW sein muss und nicht in Porsche, weil die Entwicklung des Porsche Kurses ein reines Lotteriespiel ist, auf das nur Herr Piech wirklich Einfluss hat. Als Aktionär sitzt man da sozusagen an einem gezinkten Kartentisch. Ich gebe mich nicht der Illusion hin zu durchdringen, was in der Porsche Bilanz alles passiert und nicht passiert. Und mit VW konnte man ja dann auch gutes Geld verdienen. Trotzdem, rein vom Kursverlauf her klarer Flop.

TOP 10.07.12 "Linde, SAP, ABB - drei substanzstarke Aktien, die ich nun für Buy&Hold interessant finde": Volltreffer. SAP seitdem 36% Plus. Linde 20% Plus. ABB 21% Plus. Und das alles in einem halben Jahr und ohne grosses Risiko bei sehr geringer Volatilität. Besser gehts kaum. Und ich halte alle drei Aktien auch für 2013 weiter für aussichtsreich.

TOP 18.07.12 "Wohin uns die Sommerrally führen könnte" und 19.07.12 "Dieser Bulle hat noch Kraft in den Lenden !": Eine im Nachhinein sehr treffende Sicht auf das 3. Quartal, inklusive der schon formulierten Erwartung der Herbststürme, die dann auch ab Ende September einsetzten.

TOP 31.07.12 "Aufbau eines Trades – Am Beispiel Silber": Zwischen dem Artikel und dem Hoch Ende September legte Silber eine 25% Rally hin.

TOP 08.08.12 "Goldminen – Erneut mit relativer Stärke gegenüber Gold": Nach dem Artikel legte der GDX innerhalb 6 Wochen eine 24% Rally hin.

TOP 28.08.12 "Chart der Woche – Hecla Mining": Nach dem Artikel legte HL innerhalb von nur 4 Wochen eine Rally von knapp 30% hin !

TOP 29.08.12 "Kurztipp – Kinross Gold": Nach dem Artikel legte Kinross innerhalb von nur 5 Wochen eine Rally von über 30% hin !

10.09.12 "Bijou Brigitte (522950) - Modeschmuck im Strudel der Eurokrise": Der mittelfristig angelegte Trade scheint zu funktionieren die Aktie steht nun über 10% höher als beim Artikel. Ein endgültiges Urteil will ich mir aber noch nicht erlauben.

FLOP 18.09.12 "Gold – Das für mich wahrscheinlichste Szenario der nächsten Wochen": Meine Leiden an Gold im 4. Quartal wurden hiermit eingeläutet. Und bis heute ist es so, dass ich auch im Nachhinein - auf Basis der damals vorhandenen Daten - an meiner Einschätzung keinen grundlegenden Fehler erkennen kann. Es ist trotzdem völlig anders gekommen und was mich am meisten irritiert ist, dass ich bis heute nicht verstehe warum. Insofern ist mein Edelmetall Trade des 4. Quartals für mich nach wie vor mein "Flop des Jahres !" Zwar habe ich dank gutem Risikomanagement da nur minimal Geld verloren, frustrierend waren die letzten 2 Monate aber schon.

21.09.12 "Marktanalyse - Wie wird das vierte Quartal für DAX, S&P500 und Co. ?": In dieser Marktanalyse scheinen die Schwierigkeiten des kommenden Quartals schon auf. Der Artikel ist auch Indikator dafür, dass ich mich im 4. Quartal nun schwerer tue den Markt "zu greifen".

FLOP 11.10.12 "Silber – Warum die Markttechnik nach einem bullischen Ausbruch riecht !": Auch hier setzt sich mein schlechter Edelmetall-Trade fort, der Kommentar zum 18.09.12 gilt auch hier. Da hat mich Mr. Market einmal kräftig an der Nase herum geführt.

TOP 14.10.12 "Marktupdate - DAX & Co.: Vom Weg des maximalen Schmerzes": Das war schon sehr prophetisch und die ersten zwei Phasen, inklusive des Tauchers unter 7000 im DAX, traten auch perfekt ein. Nur die ganz grosse Rally am Schluss über 8000 wurde uns verwehrt, ich bin aber recht sicher, ohne die Fiscal Cliff Verwirrung wäre die drin gewesen.

Mit Mitte Oktober will ich meinen Rückblick auch schliessen. Die weiteren Artikel sind in der Regel zu nahe an der Gegenwart um schon ein Urteil fällen zu können.

Abgesehen davon verschafft diese Liste auch so schon einen ganz treffenden Eindruck über das, was im Jahr 2012 auf sumerdigital.de gelaufen ist. Sicher musste ich vieles weglassen, insbesondere wichtige kleine Kommentare und Tips, um diesen Artikel nicht endgültig zu lang werden zu lassen. Trotzdem kann man nachvollziehbar sagen, dass das Jahr 2012 von vielen sehr guten Treffern geprägt war, die erhebliche Gewinne ermöglichten.

Insbesondere die in x Artikeln immer wieder konsistent thematisierte Marktsicht auf die grossen Entwicklungen der drei Quartale (Q1 bullisch, Q2 bärisch, Q3 bullisch), hat denen schöne Gewinne ermöglicht, die das verstanden haben. Dazwischen tummelten sich aber auch ein paar Flops, nobody is perfect. Würde mir jemand einen fehlerlosen Trackrecord präsentieren, würde ich es auch nicht glauben. Wir alle haben Fehleinschätzungen und niemand hat eine Kristallkugel. Der Unterschied ist, ob man daraus lernt und ob man in der Lage ist, die Risiken zu begrenzen.

Ich wünsche Ihnen allen einen guten Rutsch und uns weiter so viele Treffer in 2013 !

Ihr Hari

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Das Jahr 2012 – Vom Vaterland und politischen Taliban

Drei Tage vor Weihnachten ist ja die Zeit der Jahresrückblicke angebrochen. Ich möchte mich daran eigentlich nicht beteiligen, das Aufzählen vergangener Ereignisse fand ich noch nie besonders spannend.

Heute Nacht ist aber mal wieder etwas passiert, dass so typisch ist, dass es als exemplarisch für das Börsen-Jahr 2012 herhalten kann. Schauen Sie mit mir auf den S&P500 Future heute Nacht:

S&P Future 21.12.12

Fast 4% Minus in einer Minute ! Was war passiert ? Im Rahmen der Fiscal Cliff Aktivitäten, wollte der republikanische Mehrheitsführer Boehner seinen "Plan B" durch das Parlament bringen. Bevor es aber überhaupt zur Abstimmung kam, verweigerten ihm die Fundamentalisten der "Tea Party" aus der eigenen Partei die Gefolgschaft.

Diese Leute eint der feste Glaube dem einzig möglichen Gott zu huldigen ebenso, wie der radikale Wille ihre Sicht der Welt allen anderen aufzuzwingen. Der Vergleich mit den Taliban ist da für mich persönlich naheliegend, denn die Mischung aus fundamentalistischem Glauben und Sendungsbewusstsein ist keine Spezialität von Moslems.

Der Monotheismus hat leider ein unauflösliches Problem, das schon viel Leid über die Welt gebracht hat und für Multimillionen Tote verantwortlich ist. Denn eigentlich dürfte es nur "einen" Gott geben, nur leider glauben die Menschen der Welt an "verschiedene" Götter. Und wenn überhaupt, kann halt nur eine Gruppe recht haben. So entstehen dann Gläubige und Un-Gläubige, diese "Un"-Wörter haben ja schon in anderen Formen grausame Spuren in der Menschheitsgeschichte hinterlassen.

Aber wie auch immer, das soll hier kein Exkurs zu den "Segnungen" fundamentalistischen Glaubens werden, es soll vielmehr zeigen, was Muster des Börsen-Jahres 2012 war. Wir waren das ganze Jahr Sklaven wildgewordener Politiker und Notenbankchefs quer über die Welt. Keine Woche ist vergangen, in der nicht irgendwelche Aussagen zu solchen massiven Schwankungen geführt haben. Und das hat ein Environment an den Börsen geschaffen, mit dem extrem schwierig umzugehen ist.

Sicher konnte man ahnen, dass es zum Thema des "Fiscal Cliff" noch einmal zu so einer Enttäuschung kommen würde. Ich habe es ja auch voraus gesehen, wie Sie -> hier <- vor 2 Tagen lesen konnten. Nur es nützt nichts, wenn die Einschläge über Nacht in solchem Umfang kommen. So ein Environment ist einfach "untradable", wenn man keine Kristallkugel hat, um den genauen Zeitpunkt des nächsten politischen Irrsinns vorherzusehen.

Das ist leider die Welt des Jahres 2012. Sie ist so eng zusammen gerückt, dass selbst der geistige Auswurf extremer Minderheiten zu einem eigentlich innenpolitischen Thema eines Landes die Märkte weltweit in Schwingung versetzt. Das "Headline-Risk" hat ein Ausmass angenommen, dass nur noch schwer zu ertragen ist.

Ich sehne mich auf jeden Fall nach einer Welt, in der die Märkte sich primär mal wieder aufgrund der Parameter bewegen, um die es bei den Märkten wirklich geht: Wirtschaft, Unternehmertum, Innovation.

Und ich sehne mich nach einer Welt, in der die Verhandlungen korrupter Politiker in griechischen Hinterzimmern mich genau so viel interessieren müssen, wie die Eingebungen bibelfester Fundamentalisten in den USA. Nämlich gar nicht ! Das ist aber leider nicht die Welt des Jahres 2012.

Und es zeigt mir auch ein strukturelles Problem der westlichen Demokratien. Unsere politischen Systeme haben in vielen Ländern zu einer Politikerkaste geführt, bei der nicht mehr das Wohl des Landes, sondern persönliche Manierismen im Vordergrund stehen. Die Besten und Klügsten des Landes sind in der westlichen Welt halt nicht mehr in der Politik.

Auch in Deutschland können wir das doch beobachten. Kennen Sie noch den Begriff "Vaterland" ? Er hat früher sehr emotional diese Verbundenheit zum eigenen Land ausgedrückt, den Willen das Beste für das Land zum Massstab des eigenen Handelns zu machen. Und nein, der Begriff hat nichts mit den Nazis zu tun, das ist ein sehr alter Begriff der bis ins 11. Jahrhundert, also in tiefe Mittelalter zurück geht.

Der politisch korrekte Begriff der Gegenwart dafür ist "Gemeinwesen", der aber nicht diesen persönlichen, emotionalen Unterton der Verbundenheit in sich trägt. Aber wie auch immer man es nennt, Faktum ist doch, dass die Diskussionen um die Zukunft unseres Vaterlandes politisch gar nicht statt finden. Während extrem bedeutende, die Zukunft unser Kinder beeinflussende Entscheidungen vor uns liegen, erregen wir uns über absolut nebensächliche und unwichtige Nebenthemen. Die Manierismen einer "Tea Party" sind gar nicht so weit von der politischen Landschaft Deutschlands entfernt, sie kommen halt bei uns in anderem Kleid, zum Beispiel der Obsession an Details herum zu frickeln um einer Illusion von "Gerechtigkeit" hinterher zu hecheln, während gleichzeitig die Grundfesten unseres Staatswesens erschüttert werden.

Ernsthaft, es ist ja wohl für jeden sichtbar, dass wir in Europa mitten in einer historischen Zeitenwende sind. Haben Sie den Eindruck wir führen in Deutschland eine politische Diskussion um die Zukunft unseres Vaterlandes / Gemeinwesens ?

Wir als Bürger der westlichen Welt müssen daher dringend etwas dafür tun, dass wieder Menschen in die Politik gehen, für die der historische Satz John F. Kennedys eine Selbstverständlichkeit ist:

"Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!"

Denn erst wenn das passiert, haben nachhaltige und strukturelle Lösungen unserer Probleme wieder eine Chance. Erst wenn das passiert, diskutieren wir wieder über das, was wirklich wichtig ist. Die Frage nach der Zukunft unseres "Vaterlandes" eben.

Und erst dann, hört für uns Anleger und Trader wieder diese permanente und unerträgliche politische Intervention in den Märkten auf. Dann, wenn Politik endlich wieder für tragfähige Rahmenbedingungen sorgt, innerhalb derer die Märkte ganz alleine schwingen können. Die beste Politik ist nämlich eine, die man im täglichen Leben gar nicht merkt, weil sie kluge Rahmenbedingungen gesetzt hat. Wir haben das genaue Gegenteil. Wir huldigen dem Götzen der politischen Allmacht bis in die kleinsten Details unseres Lebens.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein paar schöne Feiertage in unserem gemeinsamen Vaterland. Ein ausführlicher Artikel zu diesem Blog und seiner Zukunft in 2013 folgt im Laufe des Tages.

Ihr Hari

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Kurzkommentar – 13.12.12 – Phase der Richtungslosigkeit im S&P500

Ein paar ganz kurze Worte am frühen Abend zu einem sehr "lahmen" Tag im S&P500, nach der gestrigen Fed-Entscheidung. Was lernen wir aus Gestern und Heute ?

(1) Sobald ein Ereignis vorbei ist, spielt es bei Mr. Market keine Rolle mehr. So ist heute die FED "Schnee von gestern". Nun starrt alles wieder nur auf den Fiscal Cliff - heute negative Boehner-Kommentare - und schon zeigt der Markt Schwäche. Dieses Verhalten ist prognostizierbar (siehe der Selling on Strength im SPY am Tag vorher) und tradebar - deshalb meine Erwartung der Sell-the-News Reaktion gestern.

(2) Im Zeitalter der Algos gehören "Fakes" zum Standard und sind keine Ausnahme mehr. So war gestern die 1434 im S&P500 eine weit beobachtete Marke, die grosse Aufmerksamkeit des ganzen Marktes hatte. Big Money mit seinen Algos nutzt solche Stärke nach dem Ausbruch um sich massiv dagegen zu positionieren. Das wirkt in beide Richtungen, bei Hochs wie bei Tiefs. Für uns bedeutet das, mit einem Fakeout zu rechnen und Stops um diese Marken immer nur mit genügend Abstand zu halten. Falsch wäre dagegen die Schlussfolgerung, dass diese Marken keine Bedeutung haben. Im Gegenteil, sie haben sogar grosse Bedeutung. Sie werden stark beobachtet und manchmal vom grossen Geld benutzt, um den Strom der Kleinanleger abzufischen. Stärke wird verkauft und Schwäche gekauft. So einfach und so effektiv.

(3) Der Goldpreis gibt nur noch Rätsel auf. Ich verstehe ihn auf jeden Fall im Moment nicht mehr und enthalte mich daher jeden Kommentars. Denn hier funktioniert aktuell weder Charttechnik, noch Markttechnik, noch Zyklen, noch spielen die Fundamentals eine Rolle. Letzteres ist ja nicht verwunderlich, da die Comex ziemlich unabhängig vom realen physischen Bedarf schwingt. Und in den letzten Wochen - so auch gestern Nacht - gab es immer wieder merkwürdige, massive Bewegungen, die sehr danach riechen, dass hier das grosse Geld mit dem Markt spielt. Andere nennen das "Manipulation", ich nenne es einfach "Vorteilsnahme". Denn die Märkte für Papiergold bieten dem "Big Money" solche Gelegenheiten, da keine physische Hinterlegung nötig ist. Aber wie auch immer, ich kann zu Gold im Moment nicht mitreden, weil ich die Bewegungen - wie alle mir bekannten schreibenden Spezialisten auch - nicht mehr verstehe. Ich weiss nur eines: all diese Spielereien können die fundamentale Tendenz langfristig nicht aufhalten.

(4) Was heute bisher mit aktuell DAX 6580 und S&P500 1420 passiert ist, ist völlig insignifikant und hat keine Bedeutung über den heutigen Tag hinaus. Es ändert auch gar nichts an der gestern beschriebenen Situation zum Jahresende. Vergessen wir diesen Tag also einfach und machen etwas Sinnvolleres, als den heutigen erratischen Bewegungen des psychotischen Mr. Market zu folgen. Morgen geht wieder die Sonne auf - zumindest, wenn uns nicht der Himmel auf den Kopf fällt. 😉

Ihr Hari

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Marktupdate – 12.12.12 – FED, S&P500, Gold und Aufstellung zum Jahreswechsel

Die FED hat heute wie erwartet die Ende des Jahres auslaufende "Operation Twist" durch ein neues Programm ersetzt, in dessen Rahmen sie monatlich 45 Milliarden USD in den Ankauf von langfristigen Staatsanleihen stecken wird. Das war aber im Markt schon bekannt, da die FED diese Information schon vorher durch die bekannten Kanäle (eg Hilsenrath) "lecken" liess, um den Markt vorzubereiten.

Überraschend war eher die konkrete Zielmarke von 6,5 Prozent bei der Arbeitslosenquote, denn erst aber dieser Marke will die FED über ein Ende der Nullzinspolitik nachdenken. Diesen Sachverhalt sollten sich alle Anleger für die kommenden Monate nun genau merken. Denn er bedeutet, dass die Arbeitsmarktdaten für die Börsen noch höhere Bedeutung bekommen werden, als sie sowieso schon haben. Und zwar nach der nicht sofort eingängigen, inversen Logik, nach der hohe Arbeitslosenquoten "gut" für den Aktienmarkt sind und niedrige Quoten "schlecht".

Insbesondere für Gold dürfte diese Logik problematisch werden, denn die Goldrally wird erst dann zu Ende gehen, wenn die Notenbanken die Zinszügel wieder anziehen und die Politik des Helikoptergeldes beenden. Nun wird dieses Fragezeichen über jeden Arbeitsmarktdaten liegen und den Goldpreis belasten. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum Gold vergleichsweise müde auf die heutige doch erhebliche Ausweitung des Quantitative Easing reagiert hat. Nichts desto trotz hat Gold nun auch das Tief vom 05.11. bestätigt und sollte daher nun weiter nach oben laufen. Und die Goldminen haben heute endlich Fahrt nach oben aufgenommen.

Die Indizes reagierten auf die neue geldpolitische Lockerung mit einem Freudensprung und eine Bewegung über die 1434 Marke hinweg bis 1439 im S&P500 invalidierte endgültig das alte Schulter-Kopf-Schulter Topping-Szenario. Damit ist der Weg nach oben nun frei.

Ein Closing über der Marke von 1434 hat nun umgedreht ebenso grosse Bedeutung als Nackenlinie einer gigantischen inversen SKS Formation, deren rechnerisches Kursziel (measured move) bei ca. 1525 liegen würde. Sehen Sie selbst:

S&P500 12.12.12

Nun konnte der Markt die Bewegung über 1434 im späten Handel nicht halten und fiel bis auf die Nulllinie im Index zurück. Das war aber für Leser dieses Blogs nicht überraschend und stellt die nach solchen Entscheidungen ganz typische "Sell the News" Reaktion dar. Die Stärke der Gegenbewegung war auch nicht so gross, als das man da viel hinein interpretieren müsste.

So ist nun die vorletzte Hürde zum Jahresende aus dem Weg geräumt. Und da die politischen Gespräche zum "Fiscal Cliff" sowieso bis zur letzten Sekunden laufen werden, hat der Markt nun ein paar Tage um nach oben zu laufen.

Das erscheint mir daher als ein guter Zeitpunkt, um Sie auf zwei typische Aspekte so eines Jahreswechsels hinzuweisen:

Erstens ist es ganz typisch, dass zum Jahresende hin die Aktien besonders gut laufen, die schon das ganze Jahr über gut gelaufen sind. Man nennt das "Window Dressing" und das ist nichts weiter als der Versuch der "Looser" bei den öffentlichen Fonds, sich zum Jahresende in der Herde zu verstecken, frei nach dem Motto "ich hab die Aktien doch auch, was soll ich machen ?". In den ersten Tagen des neues Jahres werden dann aber typischerweise neue Favoriten vom institutionellen Geld ausgewählt.

Deswegen macht es Sinn zum Jahresende hin noch die alten Gäule zu reiten, in den letzten Handelstagen zwischen Weihnachten und Neujahr dann aber die Pferde zu wechseln und auf Aktien zu setzen, die einerseits attraktive Bluechips sind, andererseits aber in diesem Jahr nicht so richtig vom Fleck kamen. Dazu fallen Ihnen liebe Leser sicher einige Kandidaten ein, lassen Sie doch alle an Ihren Ideen teilhaben.

Zweitens, ist das Jahresende typischerweise von einem ruhigen Hochschieben der Märkte bei geringer Volatilität geprägt. Der Fiscal Cliff ist das letzte Ereignis, das für hohe Volatilität gut ist - von den "schwarzen Schwänen" abgesehen natürlich.

So eine Phase erlaubt stark mit Trailing Stops zu operieren, und daher auch mal höhere Risiken auf der Long-Seite einzugehen. Denn in einem volatilen Environment funktionieren Trailing Stops nicht, man wird dann nur permanent aus den Positionen gehauen, nur um dann zu sehen wie der Kurs doch wieder dreht. In einem Environment mit niedriger Volatilität und wenig Exposure zu politischen Überraschungen, sind Trailing Stops aber eine tolle Sache, um mal grössere Positionen im Markt zu halten, ohne dabei zu grosse Risiken einzugehen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Entscheidungen und eine gute Nacht !

Ihr Hari

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