Charts des Sommers – Gezeitenwende an den Märkten

Als FED Chef Ben Bernanke am Abend des 10. Juli seine Rede hielt, mit der er das Inflationsziel wieder in den Vordergrund hob, war mir aufgrund der Reaktionen des Marktes am Folgetag sofort klar, dass die Märkte nun potentiell zur Zeitenwende und Sektor-Rotation ansetzen und der Inflationstrade einsetzen würde.

In den Artikeln -> Wohin treiben inflationäre Erwartungen DAX und S&P500 - Parallele zu 2011 ? <- und -> Von Inflation und der Gezeitenwende an den Märkten <- haben wir das hier auf sumerdigital frühzeitig thematisiert. Und auch die -> Gezeitenwende am Bondmarkt <- erkannt.

Und im Premium Bereich haben wir jede Menge konkreter Szenarien und Setups besprochen und von dieser Entwicklung frühzeitig profitiert, so mit einem Trade auf Rio Tinto (WKN: 852147).

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem die Gezeitenwende an den Märkten offensichtlich wird und langsam auch die breitere Medienlandschaft aufspringt und bemerkt, dass da etwas im Gange ist. Und der Zeitpunkt ist gekommen, an dem auch das "Big Money" nun sehr aufmerksam wird und sich die Finanzströme in den Sektoren verändern. Viele dieser Sektoren aus dem Bereich Grundstoffe, die nun nach oben ziehen, sind intensiv von Shorties belagert, so insbesondere der Gold und Silber Sektor. Und in den letzten Tagen war nun für jeden spürbar, wie sich die Machtverhältnisse ändern und nun erneut Blut in den Strassen zu fliessen beginnt. Dieses Mal aber das Blut der Bären und Shorties. Das heisse Geld scheint nun Witterung aufgenommen zu haben und ich würde nun nicht mehr mit einer stark gehebelten Short-Position in diesen Segmenten sitzen wollen.

Kurzfristig sind alle diese Märkte aber nun technisch überkauft und ein erneuter Dip kann jederzeit um die Ecke kommen. Insofern macht es vielleicht Sinn, mit dem Einstieg nun noch etwas zu warten. Die Märkte des Inflationstrades sehen nun aber alle so aus, als ob in Zukunft ein Dip gekauft werden sollte und nicht mehr jede Stärke sofort verkauft ! Gezeitenwende an den Märkten eben. Und natürlich kann alles immer ganz anders kommen. Aber wer die Märkte schlagen will, muss bei den wenigen grossen Chancen beherzt zupacken, die sich im Jahr bieten. Ist das ohne Risiko ? Nein bestimmt nicht - keine grosse Chance kommt je ohne grosses Risiko daher. Aber dafür gibt es Stops und man kann sich vorher überlegen, welches Risiko man im Falle des Falles noch tragen kann.

Aber lassen wir doch einfach ein paar Charts sprechen. Wenn Sie in Zukunft frühzeitig bei solchen Bewegungen dabei sein wollen, mehr über die Märkte lernen wollen und konkrete Trades, Tips und Tricks in diesem Zusammenhang besprechen wollen, dann stossen Sie doch zur sumerdigital Community hinzu, mit vielen hunderten aktiver Leser !

Ach ja, noch ein Hinweis. Die Premium Mitglieder treffen sich auch real. So entwickeln sich in grossen Städten derzeit Stammtische. Und den Stammtisch in Frankfurt werde ich Morgen Abend besuchen, nach meinem Auftritt beim . Insofern auch an dieser Stelle die Einladung an alle aktiven Mitglieder der sumerdigital Community !

Ihr Hari

Basic Resources A0F5UK 13.08.13

Dr. Copper 13.08.13

GDX 13.08.13

Hang Seng 13.08.13

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Sommerliche Trendgedanken zum DAX

Sommerliche Trendgedanken zum DAX

Ein Gastkommentar von Tokay

Wohin geht der DAX? Diese Frage stellt sich den Börsianern täglich. Das führt dann zu weiteren Fragen, was denn die im DAX vertretenen Einzeltitel machen. Man konnte in letzter Zeit feststellen: Wenig Grund zur Freude. Am prägnantesten in den vergangenen Börsentagen war die Entwicklung von K+S, die in kurzer Zeit nahezu die Hälfte ihres Wertes einbüßten. Da bleibt selbst hartgesottenen Börsianern erst mal die Spucke weg. Es zeigt sich, dass das unternehmensspezifische Risiko, das man eingeht, wenn man auf ein bestimmtes Pferd setzt, anstatt honoriert zu werden, sich voll gegen den Anleger wendet.

Aber was tun? Lieber den Gemischtwarenladen DAX kaufen? Warum nicht? Der DAX repräsentiert die kapitalkräftigsten Unternehmen der deutschen Wirtschaft. Wie sich diese entwickeln, ist zwar nicht leicht einzuschätzen. Aber mit Sicherheit einfacher einzuschätzen als den Kali-Markt und Anwandlungen dort tätiger russischer Wettbewerber. Bessert sich die Geschäftstätigkeit, steigen die Gewinne. Steigen die Gewinne, steigen die Kurse. Steigen die Kurse, nimmt die Euphorie zu und damit die Risikobereitschaft. Das alles lässt sich in den Wirtschaftszeitungen und auch im Internet nachverfolgen.

Beim DAX gibt es nun eines zu beachten: Viele Anleger, die den DAX kaufen, kommen gar nicht aus Deutschland. Es sind Anleger vornehmlich aus den USA und auch aus Großbritannien, zunehmend auch aus den aufstrebenden Ländern. Und diese Anleger investieren in den Indizes der Welt. Der größte und bei weitem wichtigste Aktienindex der Welt ist der Standard & Poor's 500(S&P 500). Man könnte daraus folgern, dass Bewegungen im S&P 500 mehr oder weniger entsprechende Bewegungen im DAX nach sich ziehen werden.

DAX in Abhängigkeit vom S&P 500 2000-2013

Die oben stehende Grafik zeigt, dass dies bislang in diesem Jahrtausend in beeindruckender Weise der Fall war. Immer, wenn der Tageskurs des S&P 500 seinen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt überschritt, haben wir für diesen den Wert Eins festgesetzt. Ansonsten Null, wenn das nicht der Fall war. Und siehe da: Immer, wenn der S&P 500 in diesem Jahrtausend stieg und unser Indikator den Wert Eins annahm, kletterte auch der DAX. Und umgekehrt ging er auf Tauchstation, wenn der S&P 500 schwächelte sprich der Indikator auf Null ging. Globalisierung heißt demzufolge nicht zuletzt auch Verbundenheit der Aktienmärkte. Weniger freundlich könnte man auch sagen, Abhängigkeit. Wie auch immer, wenn man wissen möchte, wo der DAX hin tendiert, sollte man stets die Entwicklung des S&P 500 im Auge behalten.

* * *

Ein anderer Trendgedanke. „The trend is your friend“ ist eine altbekannte Börsenweisheit, wie wir wissen. In nicht einmal acht Wochen sind Bundestagswahlen und vieles deutet darauf hin, dass Frau Merkel, die politische Trendfolgerin par excellence, sie gewinnen wird. Adenauer, Schmidt, Kohl, Schröder – sie alle führten wie Frau Merkel vier Jahre eine kleine Koalition, sie alle bekamen vom Wähler eine zweite Amtszeit. Der Wirtschaft geht es ordentlich, die Steuereinnahmen sprudeln, der Kanzlerkandidat der Opposition versprüht den Charme eines Sachgebietsleiters, alles spricht somit für Frau Merkel. Das dumme ist nur, dass es Probleme gibt, die erst nach den Wahlen in vollem Umfang zum Tragen kommen werden. Da ist der bevorstehende Schuldenschnitt für Griechenland – der deutsche Steuerzahler wird mit 20 Milliarden dabei sein. Da ist die verrottende Infrastruktur – der Soli soll dorthin umgeleitet werden, wie Frau Merkel selbst dieser Tage vorschlug. Da ist die unklare Haltung in vielen Fragen. Das Interesse der Amerikaner am Nahen Osten zum Beispiel lässt merklich nach – gleichzeitig haben sie sich zum Erdölexporteur entwickelt. Die Russen sind dabei, ihren Einflussbereich auszudehnen, siehe Syrien. Wie reagiert Europa, wie Deutschland? In allen diesen Fragen wird man Farbe bekennen müssen. Nur dem Trend nachzulaufen hieße ins Desaster zu steuern. Überzeugungen sind gefragt. Und: Auf nichts reagiert das Publikum empfindlicher als darauf, wenn sich seine Erwartungen in Luft auflösen. Es straft diejenigen, die diese Erwartungen verkörpern. Ist es in solcher Zeit eigentlich erstrebenswert, zu regieren?

* * *

Noch ein Trendgedanke: Inflation drohe, sagen manche. Weil Rohstoffe wieder teurer werden, weil die Zinsen wieder ansteigen. Doch der wesentlichste Kostenblock bleibt dabei außen vor: die Personalkosten. Hier in Deutschland sind sie in den letzten Jahren kaum gestiegen, auch nicht in Amerika. Daher kommt ja zu einem guten Teil die günstige Wettbewerbsposition, denen die deutsche Wirtschaft ihre Exportüberschüsse verdankt. In Südeuropa sind die Löhne gestiegen, was zur dortigen Malaise beitrug. Nicht jedoch in Deutschland. Unter solchen Umständen kann Preisdruck kaum entstehen. Auch wird die Bevölkerung immer älter, sie spart immer mehr. Geld für Investitionen wäre also genug da, ablesbar an den rekordtiefen Zinsen. Aber es wird zu wenig investiert, weil es zu wenig Nachfrage gibt. Nachfrage heißt aber nicht Bedarf; der wäre durchaus da, siehe Infrastruktur. Warum nimmt man für die Infrastruktur kein Geld in die Hand? Sind wir nun ein wohlhabendes Land oder nicht? Oder wollen wir weiter Berlusconi und Konsorten alimentieren?

* * *

Zum Schluss noch ein Zitat: „Gerade das wiederholte Auftreten von Krisen in regelmäßigen Abständen trotz aller Warnungen der Vergangenheit schließt indessen die Vorstellung aus, ihre letzten Gründe in der Rücksichtslosigkeit einzelner zu suchen“(Karl Marx in der „New York Daily Tribune“, 1857, zitiert aus: Plumpe, Wirtschaftskrisen - Geschichte und Gegenwart).

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Charts des Sommers – S&P500 – Würden Sie diesen Chart shorten ?

Heute möchte ich Ihnen in einem Beitrag zum S&P500 typische psychologische Fallen vermitteln, in die wir menschliche Anleger und Trader typischerweise tapsen, wenn wir einen Top im Markt treffen wollen.

Schauen wir dazu auf das Chart des Leitindex S&P500 (hier der Future), auf dem wir das Hoch vom 22.05.13 sehen, das Tief vom 24.06.13 und den erneuten Anstieg auf Hochs bis zum heutigen Zeitpunkt.

Trendfortsetzung oder Doppeltop, werden sich viele jetzt wieder fragen und es wird einigen in den Fingern jucken, diese Markt nun zu shorten.

S&P500 18.07.13

Da sitzt er nun also, "Hans Anleger". Privatmann, gebildet, börseninteressiert ... aber immer noch von Emotionen zu stark beeinflusst, die ihm permanent einflüstern, was der Markt nun wegen diesem und jenem machen müsste. Und sein Ego füttern, wenn es denn mal zufällig klappt. Und wegschauen und verdrängen und so sein Ego schützen, wenn es - wie so oft - nicht klappt.

Und diesen "Hans Anleger" gibt es nicht nur bei charttechnisch orientierten Anlegern. Nein, bei denen die sich naiv für etwas "besseres" halten, weil sie ja nur auf "fundamentale" Daten gehen und diesen "Hokuspokus" mit Charts nicht mitmachen, ist dieser Effekt sogar noch schlimmer. Dort entblöden sich viele noch nicht einmal der Einbildung, den zukünftigen Effekt einer aktuellen ökonomischen Entwicklung besser als alle anderen (die den Markt bilden) einschätzen zu können. Es fühlt sich halt so toll für das Ego an, klüger als die "dumme Masse" zu sein - nur macht es die Taschen später nicht voll, aber das ist eine andere Geschichte. Und dann hat man auch schon wieder ein anderes Thema gefunden um sich gut zu fühlen und daran zu wärmen. 😉

Zurück zu Hans Anleger, der diesen Runaway-Move im S&P500 seit November 2012 sieht und sich immer und immer wieder denkt: "Das kann so nicht ewig weiter gehen". Recht hat Hans Anleger, das Dumme ist nur, der Zeitpunkt wann es endet ist unbestimmt. 😉

Da Hans Anleger durchaus erste Erfahrungen hat, mit Oszillatoren wie dem RSI umgehen kann und auch ansonsten aus den Charts einiges heraus lesen kann, startet er also an Punkt (1) den ersten Short-Versuch. Durchaus nicht ohne Logik und das konnte man machen.

Leider beliebt Mr. Market aber nicht, sich entsprechend der Annahmen von Hans Anleger zu verhalten. Und da Hans Anleger auch weiss, wie wichtig Verlustbegrenzung ist - er ist also wirklich schon ein fortgeschrittener Anleger mit gutem Grundwissen - steigt er mit einstelligem Verlust aus dem Trade wieder aus. So weit so gut und völlig in Ordnung. Bisher kein grober Fehler.

Da Hans Anleger ja aber seine Überzeugung nicht ablegt, wird mit den weiter steigenden Kursen die Überzeugung nur stärker. Das "kann" nicht mehr so weiter gehen. Also versucht er es bei (2) und (3) erneut mit entsprechend negativem Ergebnis.

Und nun beginnt der eigentliche psychologische Fehler. Nun ist Hans Anleger gefrustet und um sich und sein Selbstbewusstsein zu schützen, schaut er nun ganz bewusst woanders hin und würdigt den S&P500 erst einmal keines Blickes mehr. Das ist ein unbewusster psychologischer Schutz-Reflex, den man überhaupt erst einmal in die Bewusstseinsebene hoch heben muss.

So passiert es, dass Hans Anleger den grossen ersten Einschlag gar nicht mitbekommt und erst bei (4) zur Kenntnis nimmt. Nun greift der zweite psychologische Fehler, sofort kommt der Gedanke: "Mist, Absturz verpasst. Das lohnt sich jetzt nicht mehr." Unbewusst bestätigt sich Hans Anleger also die Entscheidung, auf den S&P500 nicht mehr zu schauen.

Und so hat Hans Anleger keinerlei Chance, den ersten wirklich guten Punkt zu bemerken, an dem das CRV - ohne raten zu müssen - für einen Short spricht. Es ist der Punkt (5) nach dem auslaufenden Rebound. Auch so ein Rebound ist keine Garantie für einen Short, nichts ist eine Garantie im Markt, aber in so einer Struktur sind die Chancen sehr hoch, dass es zumindest eine zweite deutliche Abwärtsphase gibt.

Was also ist der psychologische Fehler ?

Erstens der Versuch die Zukunft zu erraten ! Das funktioniert einfach nicht ! Die Shorts (1) - (3) waren zwar nicht völlig unlogisch, aber sie waren trotzdem raten. Denn noch hatte der Markt nicht die Richtung gewechselt und ein Oszillator wie der RSI ist keine Garantie.

Zweitens ist der Fehler, nach mehreren Fehlversuchen in die Verdrängung zu wechseln um das eigene Ego zu schützen und damit die Augen vor dem zu verschliessen was weiterhin passiert. Denn genau dann ist oft genug das beste Chance-Risiko-Verhältnis im Markt ! Oft hatte man eigentlich recht, nur nicht genügend Geduld.

Drittens ist der Fehler, nach der ersten verpassten Bewegung sofort zu denken das wäre es schon gewesen. Wenn sich ein Trend dreht, dann gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mindestens einen Versuch zu den alten Hochs zurück zu kommen. Erst wenn auch dieser Versuch scheitert, entsteht wirklich eine Gelegenheit für einen Short.

Versuchen Sie sich statt dessen andere Denkstrukturen anzugewöhnen. Beim Betrachten einer bestimmten Chartstruktur muss Ihr Augenmerk darauf liegen, was die Wahrscheinlichkeiten sind, die in einer gegenwärtigen Struktur begründet sind. Erfolg am Markt beruht nicht auf wilden Prognosen für eine unbestimmte Zukunft. Er beruht auf einem intelligenten Spiel mit Wahrscheinlichkeiten und Risikomanagement ! All das Grübeln wann der Top kommt, hätte man sich in dem Beispiel sparen können, wenn man einfach auf den ersten Einschlag gewartet hätte. Der Markt sagt einem schon was er will, man muss nur hören.

Wenn Sie also irgendwo wieder so ein Banner anblinkt, wo Ihnen der "Crash 2013" oder "200% Gewinn" von einem selbst ernannten Guru geweissagt wird, machen Sie einen grossen Bogen darum. Ausser Sie sind gerne ein Schaf, das von anderen geschoren wird. Dann wünsche ich einfach viel Vergnügen bei der Rasur. Ihr Geld ist am Ende ja auch nicht weg, es hat halt nur ein anderer - das ist bestimmt tröstlich. 😉

Wenn aber nach einem heftigen, ersten Einschlag der teilweise Rebound kommt, der dann ausläuft, dann sollten Sie ganz wach und aufmerksam sein, denn das sind die Momente, in denen gute Chancen auf der Short-Seite liegen könnten.

Also noch einmal meine Frage, würden Sie diesen Chart des S&P500 heute nun shorten ?

Ihr Hari

PS: Und damit das ganz klar ist. Ich kann über diese psychologischen Mechanismen deshalb so gut schreiben, weil ich sie alle am eigenen Leib kenne und erlebt habe. Und so auch Chancen verpasst und Verluste produziert habe. Die Leistung die Sie bringen müssen, ist sich Ihre eigenen psychologischen Prozesse in die Bewusstseinsebene zu heben und dann Mechanismen, Systeme und Tricks zu entwickeln, mit diesen umzugehen.

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Märkte am Quartalsbeginn – S&P500, DAX, Gold, Clean Energy

Nachdem ich zuletzt einige ruhigere - und vor allem sonnigere - Tage in Istrien genossen habe, geht heute der Börsen- und Blog-Alltag wieder los. Grund genug mit Ihnen in einem groben Überblick durch Märkte und einzelne Segmente zu gehen und so den Boden für die darauf aufbauenden Kommentare der nahen Zukunft zu bereiten.

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Ben Bernanke – der vermeintliche Nabel der Welt

Update 20:10 Uhr:

Keine Änderung, kein aktuelles "Tapering", alles wie gehabt. Aufregung umsonst. Leser dieses Blogs dürften nicht überrascht sein, siehe unten. 😉

Spannend ist nun, was der Markt daraus macht, gerade während und nach der Pressekonferenz um 20.30 Uhr.

Wer die Live sehen will, bemüht bitte den FED Link in meinen hilfreichen Links. Dort ist auch eine Präsentation der FED, aus der hervor geht, dass es selbst für 2014 keine absehbare Mehrheit für ein Ende der "Nahe Null" Zinspolitik gibt.

Update 20:39 Uhr Pressekonferenz: Tapering (Reduktion der Asset Käufe von derzeit 85 Milliarden USD pro Monat) unter der Voraussetzung positiver ökonomischen Bedingungen vielleicht ab Ende 2013 bis Mitte 2014. Auch das war erwartet. Der Markt wird es trotzdem nicht so recht mögen. Entzug ist immer schwierig, auch nur angedeuteter möglicher Entzug.

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Guten Morgen. An diesem letzten grossen "FED-Tag" vor der Sommerpause, möchte ich mich kurz aus dem Urlaub zur Lage an den Märkten melden.

Vielleicht liegt es daran, dass ich im Urlaub etwas Abstand habe, aber ich beobachte mit Faszination und leichtem Schmunzeln, wie die Medien den grossen Spannungsbogen vor der FED Entscheidung heute Abend um 20 Uhr und der Bernanke Pressekonferenz kurz danach, herbei zu reden versuchen. Da wird getitelt, dass Bernanke "die Märkte in Atem halte" und ähnliches.

Diese mediale Welle generiert für das "Hot Money" grossartige Gelegenheiten, mal schnell ein paar Milliarden in ihre Taschen zu lenken. Wunderbar zu beobachten am Montag, als ein Autor der FT mit einer rein spekulativen Sicht auf den heutigen Tag den Markt mal eben mächtig drückte, nur um ihn dann zurück schnappen zu lassen, als bekannt wurde, dass hinter der Spekulation keinerlei konkrete Kontakte zu FED Offiziellen stehen. Alles nur Schall und Rauch sozusagen. "Well done", kann ich da nur sagen. 😉

Ich persönlich halte das, was Bernanke heute sagt, für wenig spannend. Es ist relativ wahrscheinlich, dass das inoffizielle FED Sprachrohr Hilsenrath uns den Inhalt schon angekündigt hat und es wird wohl wieder auf ein Statement ala "wir reduzieren den Stimulus, wenn es die ökonomischen Bedingungen zulassen, der Tag ist aber nicht heute" hinaus laufen.

Dieses Statement deckt sich mit der bisherigen Linie der FED, es deckt sich mit dem was Hilsenrath vorab verlauten lässt und es passt auch logisch zur wirtschaftlichen Lage. Hinzu kommt, dass nun Obama höchst offiziell bekannt gegeben hat, dass Bernanke wohl keine weitere Amtszeit an der Spitze der FED verbleiben wird. Und Bernanke wird den Teufel tun, und auf seine letzten Monate im Amt seine bisherige jahrelange Politik mal eben auf den Kopf zu stellen.

Etwas Anderes als sinngemäß der oben genannte Satz, wäre seitens Bernanke heute Abend also eine riesige, faustdicke Überraschung. Eine derart riesige Überraschung, dass die Wahrscheinlichkeit dafür sehr klein ist und man nicht sinnvoll darauf wetten kann.

Spannend ist imho etwas anderes. Spannend ist, wie der Markt auf diese absehbaren Aussagen reagiert. Und auch hier ist es wieder klar, dass kurzfristig für den Rest der Woche die Algos den Trend vorgeben werden, dem man einfach folgen sollte. Hier fundamentale Logik anzuwenden ist verfehlt, wir haben keine Wahl als dem demütig zu folgen, was "Big Money" uns vorgibt.

Insofern ist eine "Sell the News" Reaktion ebenso möglich, wie eine starke Rally Richtung 1700 im S&P500. Es macht in meinen Augen wenig Sinn, diese Richtung antizipieren zu wollen. Richtig ist aber, dass je stärker der Markt vor der FED schon ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer "Sell the News" Reaktion wird.

Schaut man über diese Woche hinaus, ist aber klar, dass damit die Sommerphase beginnt, in der die "Pros" eher in den "Hamptons" weilen und an der Wallstreet die 2. und 3. Reihe die Stellung hält.

In dieser Phase wird wohl nicht all zu viel passieren (exogene "graue und schwarze Schwäne" natürlich vorbehalten) und die Sicht auf eine Tradingrange von ca. 1600-1700 im S&P500, bzw ca. 8000-8500 im DAX respektive hat eine gute Wahrscheinlichkeit. So eine Range kann man entweder ignorieren und mal Pause machen, oder man kann sie stoisch und ohne grosses emotionales Engagement spielen und die Swings des Sommers mitnehmen, in dem man an der oberen Grenze verkauft und an der unteren Grenze kauft.

Insofern meine Sicht aus dem Urlaub: Wir sollten heute Abend und Morgen so wenig wie möglich auf die Schlagzeilen rund um die FED hören. Die treiben uns als Teil der Herde nur in eine Ecke, wie zuletzt am Montag zu beobachten. Folgen wir statt dessen lieber dem Markt und schauen genau, was er wirklich tut. Denn reden kann man viel, wenn sich "Big Money" aber wirklich positionieren will, muss es Geld in Bewegung setzen und das kann man dann in den Kursen und den bekannten Indikatoren zumindest erahnen. Oder betrachten wir das Spektakel heute Abend einfach von der Seitenlinie. Die Wahrheit liegt in jedem Fall auf dem Platz und nicht in dem, was medial dazu geschrieben wird !

Ich persönlich würde mir auch eine andere Börsenwelt wünschen, in der Wirtschaftsdaten wieder Relevanz haben und nicht alles von den Worten einer kleinen Gruppe von Politikern und Notenbankern abhängt, die irgendwo, irgendwas auskungeln. Aber darüber zu lamentieren ist nicht nur unprofessionell, sondern auch unproduktiv. Denn wir haben den Markt den wir haben. Und wenn wir darin Geld verdienen wollen, müssen wir uns anpassen oder aus dem Markt gehen. Im Markt zu sein und sich gegen die Wirklichkeit der massiv manipulierten und verzerrten Märkte zu stellen, ist aber das Dümmste was man machen kann.

Ihr Hari

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Der Mund des Bernanke und die Ruhe des Hari

Die nächsten 2 Wochen werden Artikel hier etwas spärlicher werden, denn ich erlaube mir - nachdem ich nun fast 12 Monate ohne Pause und Urlaub durchgearbeitet habe - mal eine Zeit der Erholung. Eine Zeit, in der ich nicht mehr jeden Tag rund um die Uhr vor dem Schirm sitze.

Wie ich ja an verschiedener Stelle kommuniziert habe, habe ich mein eigenes Exposure zum Markt nun deutlich reduziert. Verblieben ist alleine ein Teil meiner "Investitionen", in denen ich mich nicht so sehr nach den Bewegungen des Marktes richte.

Trotzdem können Sie auch in diesen 2 Wochen immer mal wieder mit einer Wortmeldung und vielleicht auch mal mit einem Artikel meinerseits rechnen. Kommentare und administrative Aufgaben werden auch in dieser Zeit zuverlässig erledigt. Allerdings kann es auch mal etwas länger als sonst dauern, bis ich mich rühre. Das Forum läuft natürlich ohne Pause weiter.

Anfang Juli bin ich dann wieder voll für Sie da.

Zum Abschluss daher noch ein paar allgemeine Hinweise zum Markt:

Im Premium Bereich habe ich schon heute früh darauf hingewesen, der "Mund Bernankes" Jon Hilsenrath, hat im Wall Street Journal dem Markt grünes Licht gegeben. Es ist an der Wallstreet ein offenes Geheimnis, das die FED über Jon Hilsenrath den Markt vorbereitet. Die FED wird also nächste Woche wohl bestätigen, dass das Ende der Geldschwemme noch weit weg ist. Lesen Sie selbst:

Damit ist viel von der Spannung vor der nächste Woche aus dem Markt genommen. Diese Nachricht tut dem Markt natürlich gut, von dieser Seite ist ein erneuter Schub bis zu den Höchstständen durchaus möglich.

Ob es dazu kommt, wird wesentlich auch davon abhängen, wie sich die grossen Währungen bewegen. Wenn der Yen wieder zu fallen beginnt, sollten sich die Geldströme wieder umkehren und der Carry Trade wieder kommen. Und damit die alten Favoriten und Dividenden-Bluechips ihre Bewegung wieder aufnehmen. Achten Sie also auf die Währungen und insbesondere das USDJPY Währungspaar.

Wenn allerdings der Markt trotz des grünen Lichts von der FED belieben sollte, durch die starke Unterstützung bei 1600 im S&P500 und 8000 im DAX nach unten zu rollen, dann ist höchste Vorsicht und striktes Risikomanagement geboten.

Das nach meiner Analyse aufgrund der aktuellen Marktsituation für die kommenden Wochen wahrscheinlichste Szenario, ist eine volatile Seitwärts-Bewegung zwischen 1600-1700 im S&P500 und 8000-8500 im DAX, die Bullen und Bären gleichermassen frustrieren wird und in der letztlich, ausser für Daytrader die die täglichen Swings ausschöpfen, nicht viel zu holen ist.

Lassen wir uns überraschen.

Über den Sommer hinweg zu sehen ist seriös nicht möglich. Ein wesentliches Datum auch für die Weltbörsen! wird die Bundestagswahl sein. Denn an Deutschland hängt der Euro und am Euro eine Menge mehr. Ich bin fest davon überzeugt, dass die EZB und Brüssel alles mögliche und mehr dafür tun werden, dass die Eurozone bis dahin für Deutschlands Bürger stabil erscheint. Auch das BVG wird sein Urteil möglicherweise erst nach der Wahl sprechen, wobei der Markt da eher ein "Durchwinken mit gesichtswahrendem aber inhaltlich irrelevantem erhobenem Zeigefinger" erwartet. Insofern haben wir hier möglicherweise ein paar Monate einen "Draghi-Put" im Markt, der zu starke Abwärtsbewegungen konterkarieren dürfte, soweit möglich. Was nach der Wahl dann passiert, ist eine ganz andere Geschichte.

So weit das ganz grobe Bild, wie es sich mir im Moment darstellt. Wir sprechen uns irgendwann im Laufe der nächsten Woche an dieser Stelle.

Ihr Hari

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DAX, S&P500 und der Carry Trade – Was ist da an den Märkten los ?

08:45 Uhr. Heute früh möchte ich Ihnen - vor Eröffnung des Xetra-Handels in Frankfurt - in wenigen klaren Sätzen einen Eindruck davon vermitteln, was da an den Märkten wirklich los ist und warum wir heute die 8000er Marke im DAX wieder testen.

Man liest dazu allerlei zweidimensionale Ursache->Wirkung Vermutungen, die aber eher am Thema vorbei sind. Nein, es ist auch nicht das BVG mit seiner Verhandlung, das hat Mr. Market eher unter der Rubrik "traut sich sowieso nicht" abgehakt.

Was hier passiert hat die Ursache in grossen Geldströmen an den Weltfinanzmärkten und ich habe Ihnen nicht ohne Grund gestern die 4 Charts gezeigt, in denen man erkennen kann, dass das, was nun auch im DAX ankommt, schon einige Tage im Gange ist.

Es gibt aus meiner Sicht zwei Kernursachen:

Erstens die Unsicherheit über die weitere Politik der Notenbanken, insbesondere der FED. Nach der gewaltigen Aufwärtsbewegung seit November, gehört wirklich nicht viel Intelligenz dazu, im Lichte dieser Unsicherheit mal ein paar Einsätze vom Tisch zu nehmen. Genau das macht "Big Money" und war schon seit Wochen als "Distribution" zu beobachten. Einer der vielen Gründe, warum ich schon letzte Woche deutlich gemacht habe, dass ich über den Sommer auf die Seitenlinie trete.

Dieses Verhalten von "Big Money" hat einen netten Nebeneffekt. Es erhöht massiv den Druck auf die FED, die nächste Woche wieder tagt. Es legt der FED die Pistole an die Schläfe und sagt: "Hör auf über eine Reduktion des Stimulus zu diskutieren oder trage die Konsequenzen".

Dieses taktische Verhalten der Wallstreet ist aber nicht der Wichtigste der beiden Gründe. Wirklich entscheidend sind die weltweiten Geldströme aus dem Yen Carry-Trade. Es geht also um Japan, Japan ist der Kern dieser Bewegung.

Ich kann den Carry-Trade hier nicht in wenigen Worten erklären, aber im Kern geht es darum sich mit Micro-Zinsen nahe Null im Yen zu verschulden, um dann das Geld in höher rentierliche Anlagen umzuschichten. Anlagen wie High-Yield Bonds der Emerging Markets eben. Oder eben Anlagen im Aktienmarkt mit hoher Dividende.

Deswegen wurden die Dividenden-Bluechips zuletzt so stark verprügelt. Deswegen fallen die EMA Anleihen so massiv. Es ist die Auflösung des Yen-Carry-Trades. Es sind die weltweiten Geldströme des grossen Geldes, die diese Bewegung indizieren.

Das der Yen Carry-Trade überhaupt in sich zusammen fällt, hat mit der Rasierklinge zu tun, auf der die neue "Abenomics"-Politik der japanischen Regierung balanciert. Wenn Sie meinen Lunchtalk gestern mit der Wiwo anschauen, bekommen Sie einen oberflächlichen Eindruck davon, worum es da geht.

So weit die kurzen Hinweise wo man hinschauen muss. Simple Ursache->Wirkung Vermutungen aufgrund einzelner Nachrichten zeugen aktuell nur von Unkenntnis, wie die Geldströme der Welt wirklich funktionieren. Und nein, man kann nicht alles mit Charttechnik erklären, Chartbilder sind ein Abbild der realen Handlungen der Marktteilnehmer, erzählen aber nicht immer die Geschichte warum es diese Bewegungen gab. Manchmal sind Bewegungen rein technischer Natur, dann erzählt das Chart die ganze Geschichte. Manchmal aber - und derzeit ist so ein Fall, wie Ihnen die 4 Charts gestern deutlich zeigen sollten - stehen weit grundsätzlichere, fundamentale Themen dahinter.

Was heisst das für DAX und S&P500 ?

Mittelfristig bleibe ich bei meiner Erwartung einer volatilen Seitwärtsbewegung über den Sommer. In diesem Markt muss man im Moment nicht zwingend sein.

Kurzfristig denke ich, dass die Auflösung des Carry-Trades nun so weit fortgeschritten ist, das es Zeit für eine Gegenbewegung ist. Das Minus heute im Nikkei hat den Charakter einer kleinen Kapitulation. Gleichzeitig sitzen wir nun mit DAX 8000 und S&P500 Future 1600 auf den entscheidenden Unterstützungen, sind technisch kurzfristig überverkauft und habe heute eine grosse FED Buy-Operation im Markt.

Seien Sie also nicht überrascht, wenn es heute mal wieder nach oben geht, sobald ab Mittag die Wallstreet ins Spiel kommt.

Das wir diese wichtigen Unterstützungen nun sofort nachhaltig brechen, ist kurzfristig also das weniger wahrscheinliche Szenario. Wenn das aber doch passieren sollte - auch kleinere Wahrscheinlichkeiten können eintreten - muss man extrem vorsichtig sein. Denn unter diesen Unterstützungen dürften jede Menge Stops lauern, die eine Bewegung dann beschleunigen.

In diesem Sinne entstehen heute Chancen für aggressive "Mean Reversion" Trader. Für Anleger mit mittelfristigem Horizont, sehe ich aber über die kommenden Wochen eher wenig Grund, sich diesem Markt zu exponieren, der nach der zukünftigen Richtung sucht. Im Spätsommer werden wir klarer sehen.

Viel Erfolg heute wünscht Ihr Hari !

PS: Übrigens, diese Art der Begleitung durch den Tag bekommen die Premium-Mitglieder auf sumerdigital rund um die Uhr. Am Tag stelle ich ca. 5 - 15 derartiger, aktueller Informationsschnipsel ein, manchmal nur ein wichtiger Link, manchmal ein Chart mit Kommentierung, manchmal eine ausführliche Stellungnahme wie oben.

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