Hari´s Märkte am Abend – 06.06.12 – Es grünt so grün ….

22 Uhr - Handelsschluss

Meine Wende hin zu einer positiveren Marktsicht gestern und vorgestern, war auf den Punkt ein Treffer. Selbst die fehlende Zinssenkung der EZB konnte den Markt heute nur kurz verunsichern, es fehlt zwar noch an der richtigen Überzeugung, aber das muss nicht schlecht sein und kann noch kommen. Wie schon die letzten Tage antizipiert, will Mr. Market nun kurzfristig hoch und zumindest ein Test der 200 Tage Linie von unten bei ca. 6200 sollte nun im DAX drin sein, wenn uns nicht wieder irgendwelche politischen Nachrichten mitten im Flug absschiessen. Möglicherweise kommt dieser Test schon am morgigen Donnerstag.

Auch die Performance des S&P500 sah sehr gut aus, erneut schoben die Kurse ruhig hoch, auch das "Beige Book" um 20 Uhr sorgte nur für kurze Verunsicherung, bevor der Index dann im späten Handel noch einmal richtig Fahrt aufnahm, um auf Höchststand zu schliessen.

Das Potential mir den Tag zu verderben, hatten dann aber Berichte aus dem politischen Raum, wie hier zu Obama und Cameron. Ich empfinde es als bodenlose Frechheit, wie sich die beiden Herren aus für mich höchst eigensüchtigen Motiven bemühen, Deutschland den Arm umzudrehen. Insbesondere dem guten Cameron steht es ja frei, als "solidarisches" EU Mitglied die spanischen Banken mit britischen Steuermitteln zu stützen. Aber für Solidarität hat der Herr ja keinen Cent, dafür aber um so mehr Chuzpe diese medial von anderen zu fordern. Ich empfinde das als dreist und abstossend, tut mir leid für diese harten Worte.

Aber auch die spanische Regierung hat für mich die Grenze des Erträglichen überschritten, wenn sie einerseits unbedingt Hilfen für die Banken will - die ihr ja auch niemand verwehren will und die schon längst bereit stehen - sich aber andererseits nicht den gleichen Bedingungen der Rettungsschirme wie das Nachbarland Portugal unterwerfen will, weil sie dafür zu stolz ist. Seit neuestem diktieren die Schuldner also den Rettern die Bedingungen - o Tempora, o Mores ! Mir wird da ganz schlecht, was die Zukunft Europas angeht, "Gemeinschaft" und "Solidarität" fühlen sich eigentlich anders an.

Ich hoffe nur, dass unsere Regierung hier hart bleibt, habe aber allergrösste Bedenken ob das wirklich der Fall ist. Auf jeden Fall ist Deutschland mal wieder der Bösewicht, das kennen wir geschichtlich ja zu Genüge, dieses mal aber wirklich ohne Schuld. Solange man um jeden Preis den Euro retten will und die anderen das wissen, wird man halt immer erpressbarer. Das würde sich erst ändern, wenn man den anderen klarstellt, dass man auch ohne Euro kann. Ein einschneidender Schritt, den ich der vorsichtigen Frau Merkel leider nicht zutraue. Den passenden Kommentar dazu können Sie lesen.

Morgen und am Freitag gibt es dann eine ganze Reihe von Wirtschaftsdaten, die das Potential haben den Markt zu bewegen. Allerdings sagt die Erfahrung, dass wenn der Markt an so Wendepunkten beschlossen hat die Richtung zu ändern, die guten Nachrichten dann hinterher kommen, unter anderem weil einfach positiv interpretiert wird, was vielleicht vor Wochen davor zum Absturz geführt hätte. Denn nicht die Fakten bewegen die Kurse, sondern die Interpretation derselben, gemessen an der Erwartung, was ein bedeutender Unterschied ist !

Bei aller Freude und allen Signalen für eine (zumindest kurzfristige) Wende, bitte ich aber nicht zu vergessen, dass wir uns in einem etablierten Abwärtstrend befinden, der auch durch eine Bewegung bis 6200 nicht ausser Kraft gesetzt würde ! Je nachdem wie man eine Trendlinie beim DAX zieht und wann der Markt versucht diese zu schneiden, kommt man auf einen Abwärtstrend dessen obere Begrenzung irgendwo zwischen 6200 und 6400 verläuft. Erst wenn wir die 200 Tage Linie hinter uns gelassen haben und den Abwärtstrend mit Schlusskurs gebrochen haben, kann man mit gutem Gewissen anfangen von einer nachhaltigen Trendwende zu reden !

Schauen Sie bitte genau auf den folgenden Tages-Chart des DAX, in dem ich einen möglichen Trendkanal eingezeichnet habe.

An der Stelle des Fragezeichens bei etwas über 6200, dort wo der DAX einerseits die 200-Tage-Linie testet und sich andererseits wieder der oberen Trendbegrenzung nähert, findet eine ganz wichtige Entscheidung statt. Aber erst ungefähr dort bei über 6400, wo der grüne Stern eingezeichnet ist und man das Zwischenhoch vom 29.05. hinter sich gelassen hat, hat man Anlass ernsthaft davon auszugehen, dass der aktuelle Bounce mehr als eine Bärenfalle ist ! Und bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Insofern warne ich davor, unvorsichtig zu werden. Ich geniesse den Anstieg und hoffe, Sie sind mit mir zusammen eingestiegen, aber meine Stops führe ich auch mit und bin auch schnell wieder draussen, wenn wir erneut drehen. Denn zu einem Bärenmarkt gehören auch Bärenmarkt-Rallys - und ob das, was wir gerade erleben, mehr als eine Bullenfalle ist, werden erst die kommenden Tage zeigen.

Auch bei den Einzelaktien grünte es heute ganz erheblich in den Depots. Alleine die sechs gestern hier im Blog genannten Titel brachten folgende Performance mit den Schlusskursen:

  • Rheinmetall (WKN 703000) +7,0%
  • Leoni (WKN 540888) +5,5%
  • Continental (WKN 543900) +4,5%
  • Broadcom (WKN 913684) +4,5%
  • Cisco (WKN 878841) +3,5%
  • Apple (WKN 865985) +1,5%

Es gab schon schlechtere Tage als heute. 😉

Erwähnenswert sind aber auch eine ganze Reihe anderer, hier schon mehrfach besprochene Titel wie zb Veolia (WKN 501451) mit 6% Plus, Klöckner (WKN KC0100) mit 6,5% Plus oder auch Anglo American (WKN A0MUKL) mit 7% Plus. Diese Bewegungen sind Signal, dass der Markt bei diesen Aktien wohl nach unten übertrieben hat und sich diese Erkenntnis heute Bahn bricht.

Bemerkenswert ist für mich auch erneut die Performance des Edelmetallsektors. Nicht nur dass Gold (XAUUSD) heute zeitweise 1640 USD erreichte, auch Silber (XAGUSD) sprang heute mit bis zu 4% massiv an. Mir drängt sich im Moment das Gefühl auf, als ob sich im Edelmetallsektor etwas Bedeutendes zusammen braut.

Eher eine Bestätigung dieser Sicht war für mich auch, wie der Sektor dann um 20 Uhr die Enttäuschung des "Beige Book" aufnahm, denn im "Beige Book" wurde ein positives Bild der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA gemalt und insofern nahm das Spekulationen um weitere fiskalische Massnahmen der FED erst einmal etwas die Grundlage. Gold fiel in Folge auch Richtung 1620 USD zurück, konnte aber wie der GDX am Ende doch im Plus schliessen, ein positives Signal der Überzeugung der Marktteilnehmer. Trotzdem wäre es nun nur normal und gesund, wenn bei den Goldminen ein paar Tage der Konsolidierung und leichter Gewinnmitnahmen einsetzen würden.

So weit so gut für heute, ich wiederhole, geniessen Sie den Flug, aber werden Sie nicht unvorsichtig ! Und ich gönne mir jetzt einen guten Wein als Belohnung und versuche den Ärger über die politischen Erpresser um uns herum runter zu spülen. 😉

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 17.04.12 – Turnaround Tuesday

22 Uhr - Handelsschluss

Wie schon gestern antizipiert, machte der heutige Dienstag seinem Ruf als "Turnaround Tuesday" alle Ehren.

Nach der erfolgreichen spanischen Anleihen-Auktion, zogen die europäischen Finanzwerte auf breiter Front an und der breite Markt folgte - das hatte heute alles den Charakter einer echten Erleichterungsrally. Der gute Wert beim ZEW-Indikator und gute Daten zum Häusermarkt in den USA, haben heute sicher auch etwas geholfen. Da sich aber am grundlegenden Umfeld in der Euro-Zone nichts geändert hat, besteht aber durchaus die Gefahr, dass die positive Stimmung Morgen im Laufe des Tages schon wieder abflaut und die Geister rund um Spanien wieder zurück kehren.

Anders sieht es dagegen in den US Indizes aus. Mit einem Schlussstand von über 1390 ist der S&P500 überzeugend wieder in die bisherige kurzfristige Range und fast sogar wieder in den steigenden Trendkanal zurück gekehrt und hat die Korrektur damit möglicherweise abgeschlossen. An der grundlegenden Lage, dass die US Indizes den europäischen Indizes derzeit vorzuziehen sind, dürfte sich nach meiner Erwartung also zunächst nichts ändern. Sollte sich die Rückkehr in den steigenden Trendkanal im S&P500 morgen durch weitergehende Stärke bestätigen - denken Sie immer an die notwendige Bestätigung einer Bewegung am Folgetag ! - besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Kurse in Folge erneut an die obere Begrenzung des Trendkanals laufen, die je nach Zeitpunkt irgendwo bei 1450 liegen sollte. Aber ein Schritt nach dem anderen, erst muss die Bewegung zurück in den Trendkanal morgen durch erneute Stärke bestätigt werden.

Im DAX gehe ich bis Juni weiter von einer volatilen Seitwärtsbewegung aus, die sich nach meiner unveränderten Erwartung im weiten Bereich zwischen 6400 und 7100 abspielen könnte. Sollte der S&P500 tatsächlich bis zur oberen Begrenzung des Trendkanals laufen, dürfte der DAX selbst bei fortgesetzter relativer Schwäche wieder an der 7000er Marke schnuppern.

Aktie des Tages war für mich ganz klar Daimler (WKN 710000). Die geballten Call-Optionen der führenden Investmentbanken waren mir einen eigenen Artikel wert, den Sie -> hier <- nachlesen können, falls Sie den Artikel bisher übersehen haben. Das diese Spekulation bei Daimler nun schon läuft, legt auch die Tatsache nahe, dass Daimler heute mit fast 4% Plus weit stärker stieg, als BMW oder VW.

Und ich habe möglicherweise auch ein Indiz für den unbekannten Daimler Investor gefunden. Schauen Sie in Bericht des Manager Magazins von Ende letzten Jahres, der im Vorweihnachtstrubel etwas untergegangen ist und dann zählen Sie 2 + 2 zusammen. Es könnte sich also möglicherweise um den Staatsfonds China Investment Corporation (CIC) handeln, für den die Investmentbanken hier ihre Call-Optionen vorrätig halten.

Ein derart seitens Daimler gewolltes Investment würde auch dazu passen, dass es von Seiten des Daimler Managements bisher keinerlei Reaktion gab, obwohl ihnen diese massiven Call-Optionen mit Sicherheit aufgefallen sind. Nur bei einer freundlichen, bekannten und gewollten Aktion dürfte man wohl auf Seiten des Managements so ruhig bleiben. Im übrigen, falls es sich um den chinesischen Staatsfond handeln sollte, hat sich dieser dann mit Sicherheit auch das Wohlwollen der Bundesregierung eingeholt. Ich betone ausdrücklich, das ist oben alles nur Spekulation aufgrund öffentlich verfügbarer Informationen, verbunden mit logischem Denken, aber es ist eine Spekulation, die sich sehr vernünftig anhört.

Für den Daimler Kurs wäre ein solcher Einstieg eines grossen Staatsfonds natürlich nicht der "Kracher" einer feindlichen Übernahme, aber positiv und kuteigernd dürfte es nach meiner Erwartung trotzdem sein, denn falls die CIC-Theorie stimmt, sollte alleine die Schlussfolgerung, das Daimler damit sein immer wichtiger werdendes China-Geschäft absichert, für steigende Kurse gut sein. Warten wir einfach ab, in Anbetracht der Laufzeit der meisten Optionen könnte man vielleicht mit einer Meldung im Laufe des zweiten Quartals rechnen.

Auch zum Drama um den spanischen Ölkonzern Repsol (WKN 876845) möchte ich noch ein paar Zeilen verlieren. Was da gerade los ist, können Sie zum Beispiel bei der FTD noch einmal nachlesen. Die Lehre daraus ist, welche Bedeutung politische Sicherheit für Aktionäre hat. Und einige Teile Südamerikas machen in den letzten Jahren primär durch Verstaatlichungen von sich reden, dass das nicht nur auf Hugo Chavez sozialistisches "Paradies" Venezuela beschränkt ist, kann man ja nun an den Handlungen der populistisch agierenden, argentinischen Staatspräsidentin bewundern.

Der Vorgang ist in seiner Art natürlich ein Skandal und wird massiv auf Argentinien zurück fallen. Wenn sich zwischen Privatpersonen jemand derart das Recht des Stärkeren heraus nimmt, würde man das "Raub" nennen und strafrechtlich verfolgen. Welcher internationale Konzern wird denn jetzt noch im grösseren Umfang in Argentinien investieren ? Dabei wäre eine Verstaatlichung im nationalen Interesse ja noch diskutabel und nicht perse ein Skandal, wenn sie geordnet, mit nachvollziehbaren Begründungen ausgestattet und begleitet von fairen Ausgleichszahlungen ablaufen würde. Aber diese handstreichartige Übernahme mit in meinen Augen vorgeschobenen, lächerlichen Begründungen - und das nachdem der argentinische Staat YPF ja erst Ende der 90er Jahre privatisiert hatte - spottet in meinen Augen jeder Beschreibung.

Insofern halte ich es für sehr wichtig - gerade auch bei Minenunternehmen, von denen viele in Südamerika unterwegs sind - immer genau hinzuschauen in welchem Land die Aktivitäten statt finden. So liegt zum Beispiel bei der in einigen Kreisen beliebten Silber Aktie: Silver Standard Resources (WKN 858840) die einzige grössere in Produktion befindliche "Pirquitas Mine" mitten in Argentinien. Alle anderen Lokationen des Unternehmens sind im Projektstadium oder tragen noch nicht signifikant zum Output bei. Was würde mit der Aktie von SSRI passieren, wenn Frau Kirchner zum Thema Silber theoretisch die nächste populistische Anwandlung haben sollte ? Die Aktie von SSRI dürfte dann ins Bodenlose fallen, ein Risiko, bei dem ich nicht sicher bin, ob sich jeder Aktionär dessen bewusst ist.

Was den Kurs von Repsol angeht, sieht es für mich so aus, als ob der Markt gerade eine nahezu entschädigungslose Enteignung einpreist. Nachdem diese Bewegung ausgelaufen ist, könnte Repsol vielleicht wieder kaufenswert werden, denn noch ist nicht aller Tage Abend und auch wenn die prinzipielle Verstaatlichung sicher nicht mehr zurück genommen wird - dem steht die Gesichtswahrung eines gerade erst bestätigten Staatsoberhauptes entgegen - wird um die Entschädigung noch ein Ringen einsetzen. Und wenn die EU und Spanien wollten, könnten Sie Frau Kirchner wohl die Hölle heiss machen und Argentinien als Reaktion weitgehend vom Welthandel abschneiden - denn immerhin ist Spanien der grösste Investor in Argentinien - ein Pfund mit dem sich beim Entschädigungs-Geschacher trefflich wuchern liesse.

Übrigens, falls Ihnen nicht klar ist, welchen Geistes Kind die Verantwortlichen in der argentinischen Regierung sind, empfehle ich noch einmal einen Blick auf Meldungen aus letztem November. Man könnte meinen, die argentinische Regierung wolle den Tauschhandel der Steinzeit wieder einführen. Der Irrglaube, ein Land mit solchen dirigistischen Knebelvorgaben wieder auf einen Weg der wirtschaftlichen Prosperität zu führen, wird Argentinien nach meiner Überzeugung endgültig ins Aus führen. Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit lässt sich nicht durch dirigistischen Staats-Aktionismus beheben. Spassig formuliert, wissen die BMW Mitarbeiter ja nun scheinbar, woher der Reis aus der Betriebs-Kantine kommt - falls BMW ihn nicht lieber auf See verklappen sollte, um die unsinnigen Transportkosten zu sparen. 😉 Ernsthaft, konkrete Aussagen von BMW zum neuen "Geschäftsfeld" als Reis-Importeur sind nicht bekannt ...

Richtig Leben kommt nun auch in den Rohstoffsektor. Möglicherweise hat die China Analyse doch recht, die Reuters in einem Artikel ausgeführt hatte, den ich Ihnen ja schon am Wochenende per Kommentar nahegebracht hatte. Egal wohin man heute schaute, waren die Rohstoffwerte nahezu alle deutlich im Plus. So lieferte die hier vor kurzem beispielhaft besprochene Anglo American (WKN A0MUKL) heute zum Beispiel ein Plus von über 4% ab, eine positive Bewegung, wie wir sie in dem Titel schon seit Wochen nicht mehr gesehen haben.

Ich bin im gesamten Rohstoff-Aktien-Sektor nun gut investiert, bin aber auch bereit jederzeit wieder heraus zu springen, wenn wir doch nach unten drehen. Denn denken Sie daran, wie -> hier <- ja ausführlich dargestellt, sind wir bei vielen Rohstoffaktien in einer entscheidenden Phase, in der wie eine bärische Schulter-Kopf-Schulter Formation entweder bestätigen oder negieren. Sollte die Formation aber negiert werden und der Markt hier drehen, weil China doch eine weiche Landung vollzieht, hat der ganze, weitgehend überverkaufte Sektor nach meiner Ansicht nun deutliches Potential nach oben !

Besonders erwähnenswert finde ich in diesem Zusammenhang den Marktführer für Uran Cameco (WKN 882017), der exakt wie -> hier in meinem Artikel vom 30.03.12 <- antizipiert, die Schulter-Kopf-Schulter Formation abgearbeitet hat, kurz unter 20 USD schaute um eine paar Stops zu ziehen und dann heute mit fast 4% Plus nach oben zog. Ich bin neben anderen Werten auch Long bei Cameco.


Source:

So weit für heute, ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 23.03.12 – Wochenabschluss – In der Hand der Algos

21 Uhr - Handelsschluss

Was für ein verrückter Tag. Wer am heutigen Tag als "normaler" Anleger versuchte zu verstehen was da los war, konnte nur verzweifeln und konnte nur Geld verlieren. Denn heute war der Markt rein von der Technik getrieben und völlig in der Hand der Algos. Ermöglicht wurde das heute auch durch das geringe Volumen, ideales Jagdrevier für die Algos um den Markt nach ihren Wünschen zu bewegen.

Es ging schon am frühen Morgen los. In der ersten Handelsstunde taten die normalen Anleger das, was in diesem Moment logisch war, nach der Korrektur kauften Sie den Markt über 7000. Und was machten die Institutionellen mit ihren Algos ? Sie verkauften die Bewegung brutal und drückten den Markt herunter bis 6920, verbreiteten bei den normalen Anleger Angst und Schrecken und trieben diese aus ihren Positionen. Nachdem das gelungen war, ging es wieder hoch und wir schwangen uns bei DAX 6960 ein, da wo wir schon gestern gewesen waren. Im Grunde war also gar nichts passiert, nur das die Algos mal eben die Bullen rasiert und danach die Ängstlichen aus dem Markt heraus geschüttelt hatten. Und damit jede Menge Profit gemacht hatten - alles ohne relevante Nachrichten.

Und dann kam die Wallstreet. Und von dem Moment an verlor der DAX wieder jedes Eigenleben und war nur noch das Abbild dessen, was im S&P500 passierte. Der hatte aber noch ein technisches Target aus einer H&S Formation bei 1386 zu schliessen, was er auch punktgenau tat, nur um danach wieder hoch zu laufen. Danach ergab sich eine bullishe Cup&Handle Formation mit Target 1402, was auch den Gap-Fill der gestrigen Handelseröffnung darstellen würde. Ganz geschafft haben wir es nicht mehr, aber mit 1397 schlossen wir nahe dran. Und im DAX schlossen wir nur knapp unter der 7000er Marke und stiegen als Folge des S&P500 im DAX Future dann etwas über 7000 hinaus.

Unglaublich, wie der Markt diese Marken abarbeitet ? Nein, genau das ist die Art wie die Algos programmiert sind. Die technischen Muster werden also durch die Computer verstärkt. Wir haben eine Art selbsterfüllende Prophezeihung klassischer Muster wie Head&Shoulder oder Cup&Handle durch das Handeln der Algos, denen ja eigentlich Emotionen egal sind - schöne neue Welt 😉 Diese Berechenbarkeit ist für uns als (immer noch) intelligentere Menschen eine grosse Chance, allerdings haben diese Muster nur im alles dominierenden Index, dem S&P500, wirklich durchschlagende Wirkung. Ein Muster im DAX steht immer in der Gefahr durch die Entwicklungen an der Wallstreet überrollt zu werden und ist daher nach meiner Erfahrung weit unzuverlässiger zu traden, als die Muster im S&P500.

Und wie ist es mir heute ergangen ? Ich wurde von der Heftigkeit des Abverkaufs heute früh ab 10 Uhr auch überrascht, einen erneuten Taucher unter 7000 hatte ich durchaus auf der Rechnung, nicht aber 6920 im DAX. Dann hatte ich um den Mittag herum ein Phase, wo ich mit dem DAX auch nichts so richtig anfangen konnte und mir sehr unschlüssig war. Ich kenne aber Regel 2 von unten gut und beachte diese und insofern habe ich dann einfach abgewartet. Erst mit dem Beginn der Wallstreet begann das dann alles wieder Sinn zu machen, und das Bild entstand, das ich Ihnen oben geschildert habe und das mich dann auch gut durch den Tag gebracht hat.

Was lernen wir grundsätzlich aus diesem Tag ?

1. Handele wenn Du es vermeiden kannst, nie in der ersten Handelsstunde. Das ist die Zeit der privaten Anleger die hektisch - im Glauben etwas zu verpassen - ihren Emotionen folgen. Die "Big Boys" mit ihren grossen Kanonen steigen erst danach in den Markt ein und machen sich einen profitablen Spass daraus, die Privaten ins Messer laufen zu lassen. Das gilt für DAX wie für S&P500.

2. Wenn Du merkst, dass Du unschlüssig bist und keine klare Richtung erkennst, steh lieber mal auf und mach einen Spaziergang oder leg die Hände unter den Hintern. Versuche aber nie, ins Unklare hinein zu agieren und zu raten - das macht Dich garantiert nur ärmer.

3. Unterschätze niemals die Macht der dunklen Seite ähhh... der Algos - Entschuldigung 😉 Da diese von Menschen programmiert sind, traden diese genau die klassischen Chartmuster und zwar vor allem in den grossen US Indizes.

Und was sagt uns das zur nächsten Woche und zum grossen Bild ?

Für mich spricht einiges dafür, das mein Bild der Quartalsendrally voll intakt ist und "Big Money" sich gestern und heute uns "dumme" Privatanleger so richtig zurecht gelegt hat, um in den Markt einzusteigen und nächste Woche abzusahnen. Es gibt dafür auch ein weiteres Indiz, wir hatten gestern einen gewaltigen "Buying on Weakness" Tag im SPY (ETF des S&P500) - zu besichtigen .

Das bedeutet etwas vereinfacht: Obwohl der SPY gestern deutlich im Minus lag, war das Volumen der Orders bei denen der SPY stieg grösser, als das Volumen der Orders bei denen der SPY fiel. Das ist meistens ein Zeichen dafür, dass "Big Money" in die Abgaben der kleinen Privaten hinein akkumuliert, denn "Big Money" hat einfach die grösseren Geschütze, sprich grössere Einzelorders. Ich habe diese Daten gestern erst am späten Abend gesehen und sie konnten daher nicht mehr in die gestrigen Märkte am Abend einfliessen. Der Indikator ist nicht perfekt und läuft einer Entwicklung auch mal ein paar Tage voraus. Ein derart grosser Wert kommt aber sehr selten vor und ist daher ein deutliches Indiz für die Theorie der Quartalsendrally.

Für mich gibt es also keinen Grund, von der bisherigen Erwartung abzuweichen. Ich rechne weiter eher mit Stärke zum Quartalsende, die sich bin in den Anfang April hinein fortsetzt. Und in diese Stärke hinein will ich bestimmte, gut gelaufene Sektoren mal ernsthaft abbauen und Gewinne mitnehmen.

Wie immer kann alles auch anders kommen, aber das sind die Signale die mir der Markt heute Abend sendet und ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, diesen Signalen konsequent zu folgen. Solange bis andere Signale kommen. 😉

Auch die Einzelaktien wurden heute naturgemäss hin und her geworfen, insofern gibt es nicht viel Neues zu sagen. Viele der in den vergangenen Tagen genannten Werte, waren auch heute bei denen, die selbst bei DAX 6920 noch im Plus waren und relative Stärke zeigten. Ich habe es an meinem Depot gesehen, dass sich im Gegensatz zum Index selbst heute Mittag nicht ins Minus bewegte.

Sie erinnern sich vielleicht in Sachen Veolia (WKN 501451) an meine -> hier <- geäusserte Vermutung, dass sich mit den Wechseln im Management nun der CEO Antoine Frérot endgültig gegen seinen Vorgänger durchgesetzt hat und nun das grosse Aufräumen im Management beginnt ? Leider konnte oder wollte keiner der französisch sprechenden Leser mir zu dieser These direktes Feedback aus der französischen Wirtschafts-Presse liefern - schade ! Nun sehe ich einen Bericht der Börsenzeitung unter der Überschrift . Ich scheine also mit meiner Vermutung genau auf den Punkt richtig gelegen zu haben.

Diese Bestätigung ist für mich sehr bedeutend. Denn das erklärt auch das bisherige, langsame Fortschreiten der Restrukturierung mit Widerständen des alten Managements. Diese Entwicklung ist für den Kurs der Veolia Aktie in meinen Augen eine sehr gute Nachricht, denn nun kann mit zügigen Erfolgen und grösserer Geschwindigkeit bei der Restrukturierung gerechnet rechnen. Ich denke, dass der starke Anstieg der letzten Tage genau durch diese Sicht des Marktes ausgelöst wurde, wir befinden uns mangels französischer Originalquellen hier halt etwas im Blindflug. Der Markt hat das also wohl schon eingepreist, was wir nun endlich begreifen. Veolia ist damit für mich weiterhin ein klarer Kauf mit einem Kursziel von 17,5€ bis Jahresende, das wären gut 40% über dem aktuellen Kurs.

Und eine Entwicklung sollte heute noch erwähnt werden. Gold hatte gestern ein "Swing Low", das heute bestätigt wurde. Sprich es kann sehr gut sein, das wir nun einen Boden im Edelmetallsektor haben. Der Chart des Goldpreises macht das sehr deutlich ! Zur endgültigen Bestätigung sollte Gold am Montag über 1670 USD steigen. Gelingt das am Montag nicht, stände das Signal heute im Zweifel.

Auch die Minen sprangen heute deutlich an. Und das Sentiment für Gold hat sich erheblich eingetrübt und viele haben die Edelmetalle nicht mehr so richtig auf dem Radar. Alles Faktoren, die dafür sprechen, dass wir nun einen kurzfristigen Boden haben oder nicht mehr weit davon entfernt sind. Ich bin im Sektor nun gut investiert und wenn sich dieser Boden nächste Woche bestätigen sollte, werde ich dieser Bewegung auch folgen - sprich der Edelmetallsektor wird von mir Ende März/ Anfang April dann nicht abgebaut, der Nachholbedarf ist einfach zu gross.

Da wir am Sonntag auch auf Sommerzeit umstellen, gelten ab nächster Woche wieder die normalen Handelszeiten für die Wallstreet - Eröffnung um 15.30 Uhr und Schlussglocke um 22 Uhr. Hari´s Märkte am Abend werden entsprechend dann wieder ab 22Uhr erscheinen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 16.03.12 – Wochenabschluss – Kohleaktien in Bewegung

21 Uhr - Handelschluss

Trotz "Quadruple Witching" an der Wallstreet ist heute nicht viel an den Märkten passiert und insofern will ich mich im allgemeinen Marktteil kurz fassen, zumal mein Hals immer noch kratzt und meine Nase läuft 😉

Der "Melt Up" wurde bestätigt, die Bären scheinen mausetot zu sein und bekommen noch nicht einmal mehr 50 DAX Punkte nach unten zustande. Aus Erfahrung weiss ich, wie einen das Einlullen kann und dann kommt doch ein massiver Absturz um die Ecke, wenn man es am wenigsten erwartet. Unmöglich ist wieder immer nichts, für die restlichen zwei Wochen des Quartals ist das aber für mich eher unwahrscheinlich.

Und ich rate ja immer dazu, den Signalen des Marktes zu folgen, statt den eigenen Ängsten und Vermutungen. Und die Signale des Marktes sind derzeit eindeutig wie selten. Der Druck auf die unterinvestierten Marktteilnehmer dem Markt nun nachzuhechten ist so gewaltig, dass ich nun jeden Tag bis zum Quartalsende mit dem Aktienmarkt zufliessendem Kapital rechne. Denn das "Window Dressing" kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit und mit Macht.

Insofern habe ich gestern alles in meinen Augen Notwendige zum Markt gesagt, geniessen Sie die Reise solange sie andauert !

Auch bei den Einzelaktien war der Tag heute eher durchschnittlich, man sollte aber noch einmal feststellen, dass fast alle der hier in den letzten Tagen besprochenen Nachzügler wie erwartet nach oben laufen. Das ist insofern wichtig, als es die Strategie bestätigt nun auf diese Nachzügler zu setzen und die alten Favoriten wie den Automobilsektor temporär aus dem Fokus zu nehmen.

Gehen wir die Aktien doch einmal durch:

Veolia (501451) stieg heute mit über 4% Plus, nachdem eine Reihe von Änderungen im Management bekannt gegeben wurden, die die Umsetzung der geplanten Restrukturierung und Desinvestments beschleunigen sollen. Was ich nun sage, ist nur eine Vermutung aus der Ferne ins Blaue hinein geschossen, für die ich keinerlei Beweis habe, aber der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Machtkampf um die Spitze und diesen deutlichen Änderungen im Top-Management ist für mich schon sehr auffällig.

Für mich besteht die Möglichkeit, dass sich nun der CEO Antoine Frérot endgültig gegen seinen Vorgänger durchgesetzt hat. Ich habe diese Gerüchte um die Fusionsphantasien mit EDF immer für stichhaltig gehalten. Und die laut Presse treibende Kraft, Henri Proglio der jetzige EDF CEO und Vorgänger als Veolia CEO, hatte möglicherweise noch Gefolgsleute im Veolia-Management, die auch möglicherweise die eingeschlagene Desinvestment-Strategie nicht mit Begeisterung getragen haben. Denn was man selber mal als "Held" gekauft hat, will man dann nicht selber wieder verkaufen. Es könnte also sein, dass nun endlich das Grossreinemachen im Management stattgefunden hat und falls das der Hintergrund sein sollte, wäre das sehr positiv für Veolia. Denn gerade bei einer Restrukturierung bremsen alte Seilschaften im Management oft massiv und so kann Veolia nun möglicherweise viel schneller voran kommen. Das wären dann sehr gute Nachrichten für den Kurs der Veolia !

Ich führe meine völlig unqualifizierten Mutmassungen hier nur aus einem Grund so ausführlich aus, weil man an diesem Thema mustergültig das Problem bei Aktien sehen kann, deren Muttersprache man nicht spricht und damit die politische Presse nicht lesen kann. Nicht ohne Grund sind für mich diese Titel wie -> hier <- ausführlich erklärt nur Kategorie C. Ich rate halt notgedrungen bei Veolia nur, weil ich versuche die positive Reaktion des Marktes auf die Management-Wechsel zu erkären. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es dazu in der französischen Wirtschaftspresse Artikel geben wird, die auch den Hintergrund des Management-Revirements bei Veolia beleuchten. Wenn einer der Leser der französischen Sprache mächtig ist, könnte er vielen hier einen grossen Gefallen tun, wenn er die französische Wirtschaftspresse mal nach dem Thema durchforstet und uns hier sein Ergebnis mitteilt ! Bei der weiteren Beurteilung der Veolia wäre das sicher enorm hilfreich.

Lufthansa (WKN 823212) robt sich trotz weiter mieser Nachrichten aus dem Umfeld und von Mitbewerbern wie Air Berlin weiter hoch, für mich sieht das einfach so aus, als ob alle schlechten Nachrichten verarbeitet sind. Sollte jetzt mal eine einzige kleine positive und Hoffnung machende Nachricht kommen, macht der Kurs vielleicht einen Satz. Vergessen Sie aber bei dem Titel den gestern genannten Stop nicht, denn die Grosswetterlage der Carrier sieht wirklich unerfreulich aus !

Ähnliches gilt für die Metro (WKN 725750), gute Nachrichten gibt es nach wie vor nicht und die Aktie fühlt sich ähnlich wie die Lufthansa emotional immer noch ziemlich "Igitt" an, aber der Kurs steigt auch heute um ca. 1,5%, was bedeutet, dass alles Schlechte nun wohl verarbeitet ist und die erste wirklich gute Nachricht in meinen Augen für einen deutlichen Schub nach oben sorgen könnte.

Auch Klöckner (KC0100) steigt weiter und steht nun kurz davor ein deutliches Kaufsignal zu senden. Dazu müsste der Kurs nachhaltig über 12€ steigen und die Zwischenhochs vom Februar hinter sich lassen. Ich bin zuversichtlich, dass das in absehbarer Zeit passiert. Sobald dieser Ausbruch kommt, rechne ich bei Klöckner mit einer dynamischen Bewegung nach oben, die hohe Tagesgewinne produzieren könnte.

Achja, vergessen Sie mir bitte die hier schon besprochene Alcoa (WKN 850206) nicht, wenn die US Konjunktur ans Laufen kommt und danach sieht es ja aus, sollte nach meiner Erwartung auch Alcoa endlich sein Tal der Tränen verlassen.

Einen hier noch nicht besprochenen Bluechip, der auch noch eine Menge Nachholpotential hat und in die Kategorie "Nachzügler" fällt, möchte ich noch Ihrer Aufmerksamkeit empfehlen:

Toshiba (WKN 853676). Wir kennen Toshiba in Mitteleuropa vor allem als Hersteller von TV und Unterhaltungselektronik. Das ist aber nur ein kleiner Teil des Geschäfts, Toshiba ist auch einer der grössten Halbleiter und Computerspeicher Hersteller der Welt und darüber hinaus ist Toshiba stark im Infrastruktur Bereich, unter anderem auch bei Atomkraftwerken. Am besten stellen Sie sich Toshiba vom Produktportfolio her wie die alte Siemens vor, als Infineon ebenso noch dazu gehörte, wie das Atomgeschäft oder die Konsumer-Elektronik.

Toshiba macht weltweit einen Umsatz von 68 Milliarden Dollar und beschäftigt 200.000 Mitarbeiter, ein echter Weltkonzern also. Im Zuge der Fukujima Katastrophe wurde Toshiba schon massiv abgestraft, danach sorgten weitere Probleme wie die Flutkatastrophe in Thailand bei der Festplattenfertigung für noch einmal fallende Kurse. Nun scheint aber endgültig Leben in den Kurs zu kommen und Toshiba ist nun nicht nur fundamental fair bewertet, sondern hat nach meiner Ansicht auch einiges Potential nach oben.

Ich habe Ihnen hier Toshiba´s "Nach-Fukujima" Chart von der Börse Tokio mal mitgebracht, schauen Sie einfach mal drauf und schauen Sie sich Toshiba vielleicht auch mal in einem längerfristigen Chart und auch einmal fundamental an.

Bei Gold und Silber, gefällt mir das nach wie vor nicht so richtig, was die Kurse machen. Denn die heutige vermeintliche Stabilisierung ist im Lichte des schwachen USD für uns defacto ein erneuter Verlust und die Gegenbewegung nach dem Absturz ist bisher so kraftlos, dass ich mir einen weiteren Schub nach unten - unter 1600 USD bei Gold - durchaus vorstellen kann. Zum derzeitigen Börsenumfeld würde das ja auch durchaus passen. Die nächste Krisenmeldung von irgendwo her, sollte der Korrektur dann aber ein Ende machen und könnte zu einer ebenso starken Bewegung nach oben führen. Denn solange Gold seine Serie höherer Tiefs nicht durchbricht, ist mit dem bullishen Trend nach meiner Einschätzung alles in bester Ordnung.

Ach ja und das Beste zum Schluss 😉 Einen bemerkenswerten Weckruf habe ich noch zu bieten: unsere geliebten und viel diskutierten Kohle-Werte rund um Arch Coal (WKN 908011) und Peabody Energy (WKN 675266) steigen heute erneut und bestätigen damit den starken gestrigen Tag. Speziell zu Peabody Energy gibt es Gerüchte um den Einstieg eines Grossinvestors oder sogar eine Komplettübernahme. Sogar von Warren Buffets Berkshire Hathaway ist die Rede. Niemand weiss etwas Genaues, aber das Call-Volumen auf Peabody ist ungewöhnlich hoch. Hier wettet also scheinbar institutionelles Geld auf steigende Kurse.

Sollte an den Gerüchten etwas Wahres sein, könnte das selbst ohne steigende Kohlepreise zu einer Neubewertung des Sektors führen. Denn wenn ein Grosser bei diesen Kohlepreisen eine Beteiligung oder Übernahme plant, ist das wie eine "Adelung" des Sektors. Insofern könnte das eine bedeutende Entwicklung darstellen. Ich persönlich bin bei solchen Gerüchten eher skeptisch und trotzdem haben sie für mich Bedeutung. Denn das sie überhaupt existieren und sich heisses Geld in dem Sektor wieder positioniert, könnte darauf hindeuten, dass der Sektor nun wirklich weit genug gefallen ist.

Unterstützt wird diese Möglichkeit dadurch, dass auch beim Shale-Gas Pionier Chesapeake Energy (WKN 885725) der Kurs nun deutliche Lebenszeichen zeigt. Für die neu hinzu gestossenen Leser, die das Thema noch nicht so kennen: der Preissturz bei US-Gas (vor allem Shale-Gas) ist einer der wesentlichen Mit-Verursacher der Schwäche im Kohlepreis, denn beide Energieformen konkurrieren um die gleichen Abnehmer im Bereich Industrie und Energie. Übrigens, Chesapeake ist auch für sich alleine in meinen Augen nun mehr als einen Blick wert. Die Aktie ist heute erneut um 2,5% im Plus.


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Ich bin zwar im Moment noch nicht in der Lage ein wirkliches Urteil zum Thema Kohle-Turnaround zu fällen. Und ich habe noch Zweifel, ob das wirklich mehr ist, als nur eine Gegenbewegung in einem andauernden Absturz. Aber nach der heutigen Bestätigung des gestrigen Preisanstieges und den umlaufenden Gerüchten, bin ich nun aus meiner gelassen, lethargischen Missachtung des Kohlebereiches aufgewacht ! Man sollte da nun ganz genau hinschauen, damit man die mögliche Wende nicht verpasst. Potential nach oben hat dieser Sektor ja allemal genug !

Deshalb an alle Kohlefans in Lauerstellung: Nun Aufgemerkt ! 😉

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, geniessen Sie die erste Ahnung von Frühling !

Hari´s Märkte am Abend – 15.03.12 – Trendbeschleunigung – K+S, Lufthansa, Aixtron, Nokia

21 Uhr - Handelsschluss

Die Bullen sind los ! Anders kann man wohl nicht beschreiben, was wir hier erleben. Kein Rückfall Richtung DAX 7000, keine Relevanz alter Widerstände, keinerlei Schwäche im Markt. Dafür S&P500 bei 1400. Alles was sich den Bullen in den Weg stellt wird niedergetrampelt und es sieht so aus, als würden Morgen im DAX schon die 7200 aufgerufen. Faszinierend !

Sie wissen ja als regelmässige Leser dieses Blogs, dass ich das ganze Jahr 2012 schon deutlich bullish war, lange bevor die Mehrheit auf diesen Zug aufgesprungen ist. Aber diese kompromisslose Brutalität des Anstiegs lässt selbst mich Bullen staunend zurück !

Der heutige Tag spricht klar dafür, dass wir nun in die schon antizipierte Phase der Trendbeschleunigung eintreten. Das ist die Phase, in der die bisher zweifelnden Marktteilnehmer zu Gläubigen werden. Denn wie ich schon vorgestern schrieb, der Druck ist nun massiv auf den Marktteilnehmern an der Seitenlinie. Und die Not des Quartalsabschlusses sorgt dafür, dass institutionelle Fondmanager dem Markt nun zum Monatsende hinterher hechten müssen, was die Kurse weiter treibt. Trendbeschleunigung eben !

Die Sentiment-Spezialisten von Cognitrend sehen das übrigens genau so, ich empfehle sehr sich mal den aktuellen Report zu Gemüte zu führen !

Gestern Abend in der Nachbearbeitung des Tages bin ich mir eines weiteren Indiz bewusst geworden, das dieses Bild bestätigt. Nicht nur Gold fällt, sondern auch die US Staatsanleihen fallen seit Dienstag Abend, seit dem FED Meeting massiv ! Da findet schon fast ein "Mini-Crash" statt. Schauen Sie sich als Beispiel mal den TLT als einen der bekannten ETFs zum Thema an:


Source:

Das bedeutet ganz klar, es werden Milliarden aus den "Risk OFF" Anlagen heraus gezogen und in "Risk ON" investiert. Und dieses Geld geht nicht sofort innerhalb eines Tages in den Aktien-Markt, sondern die Marktteilnehmer versuchen Dips abzuwarten um einzusteigen. Genau diese Geldmengen an der Seitenlinie die auf Dips warten, führen aber dazu, dass die Dips nicht kommen und der Markt einen langsamen, aber brutalen "Melt Up" nach oben vollzieht. Es ist ganz typisch für solche Bewegungen, dass die vom Bullen abgeworfenen, keine Chance mehr bekommen zu besseren Kursen einzusteigen. Wer dann nicht sofort zu schlechteren Kursen aufspringt, sieht nur noch traurig das Hinterteil des Bullen, wie es sich springend entfernt. Genau so sieht das für mich aus, was wir hier gerade von Mr. Market vorgeführt bekommen !

Mein heutiges "Big Picture" des Aktienmarktes im Jahre 2012 sieht daher im Moment so aus:

Meltup bis Ende März, vielleicht Mitte April, der uns ohne grosse Pause im DAX bis 7400, vielleicht sogar bis über 7500 führt ! Dann Korrektur, Irankrieg, Ängste aus welchen Gründen auch immer, die uns noch einmal unter 7000 gucken lassen. Ab Hoch-Sommer ziehen die Käufe dann schon wieder an und wir bekommen ein aussergewöhnlich starkes zweites Halbjahr, das uns bis auf Höchststände führt. Sie hören richtig, Höchststände, DAX 8500 ist das was ich zum Jahresende für durchaus möglich halte !

Und damit das ganz klar ist: das oben ist keine Prognose ! Und es kommt in Realität garantiert anders ! Kommen Sie mir also bitte nicht in 3 Monaten nach dem Motto "Hari Du hast doch am 15.03. gesagt...". Das oben ist nur der grobe Handlungsrahmen, den ich im Moment im Kopf habe, denn so ein Handlungsrahmen ist wichtig um die prinzipielle Aktienquote zu steuern. Ich bin also derzeit hoch investiert und habe vor, sobald diese aktuelle Trendbeschleunigung ausläuft, massiv abzubauen. Aber dieser Handlungsrahmen kann und wird sich garantiert dynamisch verändern und sieht vielleicht schon in einem Monat ganz anders aus. Also nochmal, das ist keine Prognose, ich kenne die Zukunft nicht und das ist einzige was ich genau weiss ! Aber der Handlungsrahmen beschreibt das grosse Bild, das mir Mr. Market an diesem 15. März des Jahres 2012 mit seinen Signalen vermittelt und das alleine ist ja auch schon eine klare Aussage.

Aktie des Tages war für mich heute K+S (WKN KSAG88), die den gestern von mir beschriebenen Setup hinein in die Bekanntgabe der Zahlen perfekt bestätigt hat und mit heute 7% Plus einen schönen und schnellen Gewinn bescherte. Hoffentlich auch Ihnen ! K+S ist für mich weiterhin ein Basiswert, bei dem Kurse unter 40€ langfristig klare Kaufkurse sind. Mein Kursziel für dieses Jahr liegt bei 47€, langfristig ist in meinen Augen deutlich mehr drin.

Wie schon gestern vermutet, war der Effekt bei der Lufthansa (WKN 823212) weniger positiv, zumal auch der Ausblick des Managements sehr mau war. Aber zumindest wurde auch hier wieder bestätigt: das war alles schon im Kurs. Insofern könnte man auch bei der Lufthansa nun mal darauf setzen, dass die bisher schlecht laufenden Titel in dieser Rally auch noch anspringen werden. Allerdings würde ich, wenn man das machen will, einen engen Stop setzen, zum Beispiel unter den Tiefs vom 09.03., also bei ca. 9,6€. Und wann man aussteigen will, sollte man auch schon vorher wissen, denn die Branche steht mittel- und langfristig vor einigen Herausforderungen. Ich persönlich würde bei ca. 12,5€ schon die Reissleine ziehen.

Und dann muss man heute natürlich auch mal wieder Aixtron (WKN A0WMPJ) erwähnen, die um sensationelle 14% nach oben schossen. Auslöser war wohl scheinbar eine Studie der Deutschen Bank. Ich habe die Studie im Detail gelesen und die sieht sehr kompetent aus. Das ist mehr als das oberflächliche Gerede manch anderer Analysten, die im Büro ein paar wenig inspirierende Peergroup-Vergleiche am Computer fahren und uns damit beglücken. Die Truppe um Analyst Uwe Schupp war ganz real in China und hat mit verschiedensten Markteilnehmern Gespäche geführt und daraus den Schluss gezogen Aixtron und den Mitbewerber Veeco Instruments (WKN 896007) hochzustufen. Ich kann das was die Analysten schreiben nachvollziehen und schätze den Wert der Analyse daher hoch ein, Mr. Market sieht das scheinbar auch so.

Insofern spricht nun einiges dafür, dass wir bei Aixtron bald wesentlich höhere Kurse sehen. Und wer das will, könnte dann noch versuchen auf den abfahrenden Zug aufzuspringen. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist der heutige Tag wieder ein Lehrstück, warum ich bei Aixtron an der Seitenlinie bin. Ich kenne wenige Aktien, bei denen ich mich als Aussenstehender so chancenlos gegen die "mehr" Wissenden fühle wie bei Aixtron. Erinnern Sie sich an den Ausblick des Managements vor 2 Wochen am 01.03. und wie der Kurs da aussah ? Der Kurs fiel kurz unter 11€ und schloss irgendwo bei 11,5€ oder ca. 20% weniger als heute. Und jetzt kommt zwei Wochen später ein Analystenteam daher, das zeitnah zur Kommunikation des Managements vor Ort in China war, und der Kurs explodiert um 15% an einem Tag. Einer der beiden - Management oder Analysten - muss doch wohl scheinbar in seiner Marktkommunikation nicht ganz richtig liegen und den wirklichen Punkt nicht getroffen haben, oder wie interpretieren Sie diese massive Diskrepanz ?

Gute Investor Relations erkennt man daran, dass der Kurs des Unternehmens primär durch die Aussagen des Managements bewegt wird. Weil die Aussagen des Managements stimmig und glaubwürdig sind und den Kern der wirtschaftlichen Situation treffend darstellen. Viele gute Unternehmen schaffen das und eigentlich sollte das ja auch nicht so schwer sein, denn wer kennt das Unternehmen besser als das Management ? Wenn das Unternehmen gut kommuniziert, können Meinungen von Analysten in der Regel keinen solchen Impact haben. Denn wenn Mr. Market sich zutreffend informiert fühlt, misst er Analysten nicht solche Bedeutung bei. Bei einer Aktie aber, bei der ich immer Gefahr laufe, das andere viel mehr wissen als ich, drängt sich mir ein Kauf nicht auf. Denn wer sagt mir, dass es Morgen nicht wieder genau so überraschend in die Gegenrichtung geht ?

Zurück zum Gesamtmarkt. Was mir heute erneut auffiel und sich langsam nachhaltig bestätigt, ist eine Form von Sektorrotation, denn die zurück hängenden Aktien geraten jetzt in Bewegung, während die Favoriten der ersten Aufwärtsbewegung schwächeln. Namen wie K+S, Metro, ST Micro, Klöckner usw. - alle hier im Blog besprochen - sind heute wieder sehr stark mit teilweise massiven Anstiegen. Und die Autowerte oder zum Beispiel eine Linde schwächeln etwas, die sind ja auch in den letzten Wochen superb gelaufen.

Ach übrigens, bei Nokia (WKN 870737) muss gegen 17.30 Uhr nachbörslich etwas passiert sein, die Aktie dreht deutlich hoch und scheint Morgen die 4€ wieder knacken zu wollen. Man munkelt es sei die Meldung, das Nokia an einem eigenen Tablet arbeitet. Etwas anderes habe ich zumindest bis 21 Uhr nicht gesehen. Ich persönlich finde das als Erklärung nicht überzeugend, weil das ist ja wohl nicht überraschend und an etwas arbeiten bedeutet noch keine hohen Verkaufszahlen. Sollte das aber tatsächlich der Auslöser sein, würde es zeigen wie ausgehungert der Markt bei Nokia nach guten Nachrichten ist und welches Potential nach oben in diesem extrem negativen Sentiment steckt.

Zum Schluss noch ein Wort zu den Rohstoffwerten. Nach dem gestrigen Absturz nicht unerwartet, gab es heute in einigen Bereichen einen Rebound. Allerdings neige ich noch zur Vorsicht, eine Gegenbewegung war nach diesem Absturz absehbar und die Bewegung ist stellenweise doch arg schwach. Ob es mehr ist als nur eine kurze Pause bevor ein weiterer Ruck nach unten kommt, wird erst der morgige Tag zeigen, wenn diese Gegenbewegung entweder bestätigt oder negiert wird. Das gilt besonders für Gold und Silber, was ich da heute als Rebound sehe, überzeugt mich noch nicht und es kann gut sein, das es erst noch weiter runter geht. Das gilt aber auch für unsere alten Freunde die Kohleaktien, die heute haussierten und von denen Arch Coal (WKN 908011) heute mit zeitweise über 9% Plus den Vogel abschoss. Das ist natürlich eine bemerkenswerte Bewegung, die Aufmerksamkeit einfordert. Ich würde aber trotzdem besser den morgigen Tag abwarten um zu entscheiden, ob das mehr als nur eine kurze Pause in einer andauernden Abwärtsbewegung ist.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend ! Mir geht es heute nicht ganz so gut, weil unser kleiner Sohn mal wieder mit den üblichen Infekten krank ist und wir als Eltern natürlich mit. Wir erleben gerade den ersten Kindergarten-Winter und wer selber Kinder hat oder hatte, weiss genau was das bedeutet ....

Gute Nacht, Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 14.03.12 – Industrie oder Rohstoffe – wer liegt hier falsch ?

21 Uhr - Handelsschluss

Wie gestern nach der starken Bewegung der Wallstreet im späten Handel zu erwarten, hat der DAX heute noch eine Schippe drauf gelegt und ganz kurz sogar die 7100 touchiert. Dann reichte die Kraft nicht mehr und der DAX verharrte im oberen Bereich der alten Widerstandszone von 7000-7100, die von den diversen Tiefs und Wendepunkten des letzten Jahres herrührt. Ich wäre auch sehr überrascht gewesen, wenn wir durch diese Zone einfach so durchgelaufen wären, schon die Bewegung bis 7100 war Ausdruck grosser Stärke des Marktes.

Damit bestehen nun aber durchaus Chancen, das wir noch ein paar Tage in dieser Zone bleiben und auch die DAX 7000 noch einmal von oben testen. Sicher ist das in Anbetracht dieses Bullenmarktes aber definitiv nicht, insofern würde ich nicht allzu viel auf diese Möglichkeit wetten. Dennn der Bulle ist so unglaublich stark, dass es auch schon Morgen weiter nach oben gehen könnte.

Unabhängig von den kurzfristigen Erwägungen zum morgigen Tag, hat aber die heutige Stärke den gestrigen Ausbruch deutlich bestätigt. Die Bullen haben scheinbar die volle Kontrolle und viel spricht dafür, dass wir bis Ende März noch deutlich nach oben laufen, vielleicht sogar schon in die Nähe von DAX 7500 kommen.

Trotz allem ist nie alles perfekt und es gibt auch heute wieder Auffälligkeiten, die zumindest für ein sehr nervöses Kopfkratzen gut sind.

Denn es ist schon irritierend, wie stark die Marktentwicklung bei den Rohstoffaktien und den Industrieaktien divergiert.

Auch heute, während der DAX kurz die 7100 touchierte, waren fast alle Rohstoffaktien - auch die Industrierohstoffe - sehr schwach. Teilweise wurden die Aktien geradezu geschlachtet und fielen um 5 und mehr Prozent. Gleichzeitig stiegen heute aber die klassischen Autobauer, Maschinenbauer usw. um teilweise 3% und mehr. Wesentlicher Grund für die Schwäche der Rohstoffe, dürfte nach wie vor die Angst um die Nachfrage aus China und damit um die Weltkonjunktur sein. Aber auch unsere exportorientierte Wirtschaft mit ihren Auto- und Maschinenbauern ist ebenso massiv von dieser Nachfrage abhängig. Wie passt das zusammen ?

Man könnte also sagen, der normale Aktienmarkt rechnet nicht mehr mit einer Rezession, der Rohstoffmarkt aber sehr wohl. Einer dieser beiden Märkte muss also ziemlich falsch liegen, worin dann massive Chancen und Risiken für uns begründet sind. Ich kann die Frage natürlich auch nicht mit Sicherheit beantworten.

Ich habe aber eine leichte Tendenz und die schenkt den Industrieaktien mehr Vertrauen. Ich glaube einfach nicht an eine neue Rezession und auch nicht an einen Zusammenbruch in China. Und wenn das so ist, dann dürfte sich im Segment der Rohstoffaktien nun langsam eine Menge Nachholbedarf aufstauen. Leicht unterstützt wird diese Sicht, wenn man sich die Preisentwicklung eines klassischen Industrierohstoffes wie Kupfer direkt anschaut. Der Kupferpreis schwankt seit Mitte Januar in einem Seitwärtsband, von einem aktuellen, starken Abwärtstrend kann keine Rede sein. Bei Aluminium sieht es ähnlich aus.

Ein weiteres Erklärungsmodell könnte sein, dass bei den Rohstoffaktien generell nun die Inflations-Prämie aus den Kursen weicht, nachdem Ben Bernanke zuletzt die Hoffnung auf weiteren Stimulus zunichte gemacht hat. Sollte das der Fall sein, wären die derzeitigen Bewegungen wohl überzogen, denn die grossen Konzerne ala Rio Tinto (WKN 852147) oder BHP Billiton (WKN 908101) sind fundamental sauber bewertet, von einem "Inflations-Premium" kann ich in der Bewertung nichts erkennen.

Ich kann Ihnen also nicht sicher sagen, was diese Schwäche der Rohstoffaktien gerade auslöst, für mich sieht diese Schwäche aber etwas unlogischer und unberechtigter aus, als die DAX 7000, die in der Gewinnsituation der Unternehmen sauber begründet sind. Wirklich sicher bin ich mir aber bei dieser Einschätzung nicht, insofern sollten wir diese augenfällige Divergenz besser nicht aus den Augen verlieren, den dahinter könnten sich sehr unerfreuliche Wahrheiten verbergen !

Ganz besonders schlimm hat es heute die Edelmetalle getroffen, nachdem diese schon seit Tagen abbröseln, seit Ben Bernanke weiteren Gelddruck-Operationen erst einmal eine Absage erteilt hat. Eine kurze Gegenbewegung über 1700 USD bei Gold hat sich als Bullenfalle heraus gestellt und nun geht es richtig bergab. Selbst bei Schwergewichten wie Barrick (WKN 870450) war heute ein Minus von 5% auf dem Kurszettel.

Der prinzipielle Absturz des Edelmetall-Segments ist während einer solchen Hausse-Phase nicht verwunderlich, denn hier finden sicher Umschichtungen in den haussierenden Aktienmarkt statt. Der Ablauf der tagelangen Abwärtsbewegung mit einer Beschleunigung heute, erzeugt nun aber die Chance auf eine Gegenbewegung. Denn eine Beschleunigung eines Trends markiert nach meiner Erfahrung oft das nahende Ende einer Bewegung - denken Sie an das Gummiband. Aber wie immer ist keine Regel ohne Ausnahme, insofern sollte man auch hier erst wieder zugreifen, wenn sich tatsächlich erste Anzeichen einer Gegenbewegung zeigen.

Und noch etwas ist ebenso auffällig wie erfreulich: der Markt ist eindeutig wieder zu einem "Stockpicker" Markt geworden. Die Zeit in der alles mehr oder weniger parallel stieg oder abstürzte ist scheinbar vorbei. Das ist auch nicht so ganz überraschend, weil die Makro-Risiken und Themen wie zb die Euro-Krise nun etwas in den Hintergrund treten. So können sich die Börsianer wieder auf die Geschäftsentwicklung der einzelnen Unternehmen konzentrieren und so wird es wieder möglich, dass im gleichen Index eine Aktie heute +7% Plus produziert und andere im Minus liegen.

Ich begrüsse dieses Entwicklung sehr. Denn wenn es letztlich nur darum geht einzuschätzen was 27 Regierungschefs in Brüssel wieder auskochen, haben wir alle keinerlei Chance uns irgend einen Vorteil zu erarbeiten. Wir werden von den Nachrichten dann hin und her geworfen, wie alle anderen Marktteilnehmer auch. Die einzige Leistung die wir in solchen Phasen erbringen können, ist schnell zu reagieren und sich ohne zu zögern zu adaptieren. Wenn es jetzt aber an der Börse wieder auf die konkreten Geschäftsentwicklungen der einzelnen Unternehmen ankommt, dann zählt endlich wieder Wissen und Verständnis für die individuellen Geschäftsmodelle. Nur in einem solchen Markt haben wir als private Anleger wirklich eine Chance, uns durch Spezialisierung einen signifikanten Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern zu erarbeiten.

Aktie des Tages war heute natürlich die E.ON (WKN ENAG99) mit zeitweise 7% Plus. Was da heute passiert ist, ist ein Klassiker. Die Erwartungen vor den Zahlen waren so grottenschlecht und das Sentiment so negativ, dass trotz mieser Zahlen ein halbwegs optimistischer Ausblick des Managements ausreichte um dieses Feuerwerk heute zu zünden. Es war halt niemand mehr da, der noch verkaufen wollte. Ein Muster das ganz typisch für solche Wendepunkte ist.

Mit der Lufthansa (WKN 823312) und K+S (WKN KSAG88), die beide am morgigen Donnerstag Zahlen liefern, stehen zwei weitere stark verprügelte Aktien an, bei denen es einen ähnlichen Effekt geben könnte, falls der Ausblick des Managements positiv sein sollte. Die Lufthansa hat allerdings nach der gestrigen Stärke heute mit erneut über 3% Plus schon etwas vom negativen Sentiment abgebaut, insofern ist unklar wie stark der Effekt dort morgen noch sein kann.

Übrigens, zurück zu den Versorgern wie E.ON, rein vom Chart und von der Bewertung her, bestehen in meinen Augen gute Chancen, dass die Aktie in diesem Jahr ihren Kurs normalisiert und die 22€ Zone wieder erreicht - was immer noch rund 20% Plus bezogen auf Heute wären. Mittel- und langfristig müssen E.ON und RWE aber ihr Geschäftsmodell umstellen. Und solange das neue Geschäftsmodell nicht steht und sich nicht als ebenso profitabel wie das alte erweist, ist eine gesunde Skepsis bei den Versorgern wohl angebracht.

Denn die Annahme "Strom braucht man immer" ist in meinen Augen etwas zu kurz gedacht. Natürlich braucht man Strom immer, aber nicht notwendigerweise Strom von einem zentralen Versorger in 500km Entfernung. Denn dezentrale Stromerzeugung, zum Beispiel in Privathaushalten, ist nicht mehr sehr weit vom Durchbruch entfernt und ich rechne damit, dass Stromerzeugung in den nächsten 10 Jahren immer dezentraler und vielfältiger wird. Die grossen zentralen Stromversorger werden damit von unverzichtbaren Monopolisten mehr und mehr zu reinen Netzdienstleistern, die für Lastverteilung, Lastausgleich und die Versorgung grosser Industriebetriebe im Spitzenlastbereich benötigt werden. Und ob es vor dem Hintergrund so glücklich war, sich teilweise von den vermeintlich "lästigen" Netzen zu trennen, ist noch nicht endgültig sicher.

Auf jeden Fall wage ich es stark zu bezweifeln, das eine E.ON in dieser weit dezentraleren und wettbewerbsintensiveren Energiewelt des Jahres 2020 immer noch die Monopol-Renditen des Jahres 2007 erzielen kann. Die Computer-Mainframe Hersteller der 60er und 70er Jahre hat letztlich auch nicht gerettet, dass sie in einem Wachstumsmarkt waren, als die dezentralen Personal Computer in den 80ern die Welt eroberten. Sehr viel wird also bei den grossen Versorgern davon abhängen, wie gut es dem Management gelingt, sein Geschäftsmodell der sich verändernden Welt anzupassen und da werde ich persönlich erst einmal abwarten.

Ich wünsche Ihnen einen schöne Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 01.03.12 – Kirch vs Deutsche Bank und die Organhaftung

22 Uhr - Handelsschluss

Da war er, der gestern antizipierte "First of Month Jumper", ich habe ihn heute genossen, bevor erneut ein dürftiger ISM Index und weitere Konjunkturdaten die Bewegung erst einmal temporär ausbremsten. Im späten Handel nahmen die Indizes dann aber wieder Fahrt nach oben auf, aus meinem Intraday Trade war ich da aber schon wieder draussen.

Gerade wegen der eigentlich enttäuschenden Daten kann ich hier nur wieder feststellen, wie gut der Markt diese verdaut hat. Ich weiss ich höre mich nun wie eine Platte mit Sprung an, weil ich immer das Gleiche sage. Aber in Anbetracht der Korrektur-Ankündigungen die seit Wochen permanent aus alle Medien quellen, ist das nach meiner Ansicht auch nötig um den Fokus auf das Wesentliche nicht zu verlieren. Es bleibt also dabei, die Bullen haben die Oberhand und den Bären gelingt es nicht, selbst solche Vorlagen zu verwandeln.

Insofern habe ich zum Markt als Ganzes nun nichts Neues zu sagen. Auch wenn sehr viel nun instinktiv für eine baldige Korrektur spricht, gibt es für mich bei objektiver Betrachtung bisher keine Signale, dass die Bullen den Markt nicht mehr im Griff hätten. Um das zu ändern müsste ich erst einmal einen Absturz sehen, der am Folgetag nicht erneut für Käufe genutzt wird, sondern für weitere Abgaben sorgt.

Es bleibt zwar ein komisches Gefühl, dass es nach diesem langen Anstieg bald mal wieder "scheppern" sollte, aber komische Gefühle sollte man besser nicht zur Grundlage von Anlageentscheidungen machen und da viele derzeit dieses komische Gefühl haben, bestätigt diese Skepsis im Markt eher die Stabilität der Anstiegsbewegung. Denn grosse Abstürze kommen, wenn alle nur nach oben schauen und alle investiert sind und davon sind wir nach meiner Wahrnehmnung noch deutlich entfernt. Das aktuelle Marktsentiment von Cognitrend bestätigt diese Sicht nachdrücklich, Sie können es oder über meine "Hilfreichen Links" nachlesen.

Denken Sie bei aller positiven Erwartung aber bitte daran, was ich letzten Freitag -> hier <- zur Marktlage sagte. Wir haben im Bereich oberhalb DAX 7000 eine derart grosse Menge an Widerständen, dass ich mit nicht vorstellen kann, dass wir da einfach so wie ein Messer durch Butter durchmarschieren.

Kommen wir heute also schnell zu einzelnen Titeln:

Zu Aixtron (WKN A0WMPJ) habe ich mich ja in einem eigenen Artikel -> hier <- schon geäussert und das wird auch die letzte Erwähnung der Aktie hier für einige Zeit sein.

Bei Veolia (WKN 501451) wurde gestern in einer dürren Nachricht nach dem Board-Meeting der CEO Antoine Frérot und seine Restrukturierungspolitik bestätigt. Der Markt begrüsste diese Nachricht und schickte Veolia gestern 2% nach oben, heute folgte dann eine gewaltige Rally mit zeitweise 14% Plus ! Ich bin gestern wie angekündigt - nach Bestätigung des Managements - bei Veolia wieder eingestiegen, habe aber erst 50% meiner Zielgrösse wieder erreicht. Denn mir war diese Nachricht gestern einfach noch zu dürr und warf weitere Fragen auf.

Denn ich gehe weiter davon aus, dass an den Fusionsgelüsten die dem EDF CEO und ex Veolia CEO Henri Proglio nachgesagt wurden, eine Menge dran war und ist. Und eine Neuauflage der Akquistions- und Verschuldungspolitik Proglios würde der Markt bei Veolia sicher nicht goutieren, was man auch daran sieht, wie begeistert der Markt heute reagiert, nachdem das Gespenst wieder weg zu sein scheint.

Denn die aktuellen Zahlen sind in meinen Augen keineswegs der Grund für den heutigen Anstieg, weil das alles im wesentlichen schon vorher bekannt war. Ursache ist eher die Erleichterung, dass der eingeschlagene Restrukturierungs-Weg fortgesetzt wird, verbunden mit der heute bekannt gewordenen Aussicht, dass ein Verkauf des Transportgeschäftes (Eisenbahn etc) frisches Geld in die Kasse spülen würde. Was wir heute im Titel sehen, werte ich also als eine Erleichterungsrally darüber, dass es mit dem Turnaround doch noch klappen könnte. Und der Umfang der Rally zeigt, welches Potential in Veolia steckt wenn der Turnaround gelingt.

Insofern habe ich durch meine noch nicht voll aufgebaute Position nun ein paar Tagesgewinne verpasst, aber es gibt schlimmere Probleme. Sollte die Strategie des Schuldenabbaus konsequent weiter geführt werden und die Gerüchte um einen Management-Wechsel wirklich endgültig vom Tisch sein, ist die Veolia-Turnaround-Story wieder völlig intakt und der Titel in meinen Augen mittel- und langfristig voller Chancen. Nach der heutigen gewaltigen Erleichterungs-Rally wäre ein Rücksetzer in den nächsten Tagen unter 10€ aber völlig normal. Wer nun an der Seitenlinie steht, bekommt also in den nächsten Tagen vielleicht noch eine Chance.

Sehr gut sieht weiterhin Continental (WKN 543900) aus. Hier habe ich meinen Einsatz in der gestrigen Schwäche erhöht und für mich stehen bei dieser Aktie aktuell alle Ampeln auf grün. Mittel- und langfristig finde ich grosse innovationsstarke Autozulieferer wie Continental, Johnson Controls (WKN 857069) oder die leider nicht börsennotierte Bosch sogar spannender und interessanter als die Autohersteller selber.

Denn die absehbaren Umbrüche beim Ersatz des Benzinmotors durch andere Antriebstechnologien, bergen für die etablierten Autokonzerne durchaus erhebliche Risiken und die Gefahr, dass neue Wettbewerber auftauchen. Alleine die Tatsache, dass die Autohersteller eine ihrer Kernkompetenzen in der sie über 100 Jahre Kompetenz aufgebaut haben - den Motorenbau - möglicherweise langfristig verlieren könnten, ist ein Risiko das man bei längerer Betrachtung der Entwicklung nicht unterschätzen sollte, auch wenn es für eine aktuelle Investition noch keine Relevanz hat. Denn wenn es den grossen Zulieferern gelingt, hier komplette Antriebskonzepte zu verkaufen, würde sich das Rollenbild von Koch und Kellner zwischen Autoherstellern und Zulieferern langfristig drehen.

Bei den grossen, technologisch führenden Zulieferern dagegen - zu denen die drei obigen Namen definitiv gehören - überwiegen daher für mich die Chancen des Paradigma-Wechsels, denn gerade diese Unternehmen werden in der Lage sein sich durch kritische Innovation völlig unabkömmlich zu machen. Alle drei Unternehmen investieren gerade auch massiv in den Bereich des Elektroantriebs bzw der Speichertechnologie. Und als I-Tüpfelchen kommt dazu, dass der Besitz einer innovativen Elektro-Speichertechnologie obigen Unternehmen auch jede Menge neue Kunden und Geschäftsfelder ausserhalb der Autoindustrie ermöglichen könnte.

Man darf aber nicht unbesehen jeden Autozulieferer positiv sehen, denn wer wie zb ZF Getriebe herstellt, dürfte in der Welt der Elektroautos seine Probleme bekommen, wo klassische Getriebe schlicht wegfallen. Mit Continental oder Johnson Controls befindet man sich aber in meinen Augen auf der richtigen Seite der Entwicklung.

Bei Itron (WKN 888379) sollte man nun genau hinschauen. Nach dem sensationellen 24% Anstieg vom 16.02.12 ist der Kurs nun um ca. die Hälfte des Anstieg wieder abgebröselt. Das ist nach solchen Bewegungen ganz typisch und keineswegs ein Zeichen von Schwäche. Ich kann mir gut vorstellen, dass spätestens auf dem Niveau des Hochs vom 09.02.12 - also bei ca. 43 USD - Schluss mit der Konsolidierung ist und sich der Blick wieder nach oben richtet. Heute hat Itron schon zum ersten Mal seit Tagen wieder deutlich im Plus geschlossen.

Bei Repsol (WKN 876845) ging es seit gestern trotz positivem Umfeld für Ölaktien deutlich abwärts, weil der Markt sich um eine Zwangsverstaatlichung der YPF Beteiligung in Argentinien sorgte. Allerdings konnte sich der Titel heute im weiteren Handel dann schon wieder deutlich erholen. Auch ich bin mit einer Position bei Repsol dabei. Man sieht daran wieder, wie wichtig politische Stabilität ist und warum ich Minenwerte nicht mag, die primär in den kritischen Ländern Südamerikas unterwegs sind. Während ich bei Repsol das Risiko bewusst eingegangen bin, weil selbst eine Verstaatlichung der YPF den Konzern zwar schütteln aber nicht aus der Bahn werfen würde, wären derartige Aktionen für einige kleinere Minen wohl der Exitus. Da der Markt bei solchen politischen Entwicklungen gerne zu kurzfristigen Übertreibungen neigt, ergibt sich für am Einstieg Interessierte möglicherweise in den nächsten Tagen einen attraktive Gelegenheit.

Gold und Silber haben sich nach dem gestrigen Absturz heute stabilisiert. Gold schloss deutlich über 1700 USD und Silber über 35 USD. Eine derartige Gegenbewegung ist aber normal nach so einem Absturz und sagt noch nicht viel aus. Ich denke Morgen am Freitag werden wir klüger sein. Denn dreht Gold Morgen wieder unter 1700 USD, sollte man sich wohl auf eine ausgedehntere Schwächephase einstellen. Steigt Gold Morgen aber weiter, spricht viel dafür, dass der Absturz gestern nur ein "One Day Wonder" aufgrund Bernankes Aussagen war.

Zum Abschluss noch ein paar wertende, persönliche Worte zum scheinbar gescheiterten Vergleich im Streit Kirch vs Deutsche Bank:

Aus der juristischen Sicht der Deutschen Bank kann ich die Ablehnung des Vergleiches gut nachvollziehen, denn da wären dann möglicherweise sofort Haftungsklagen wg vermeintlicher "Untreue" gegen Aufsichtsrat und Vorstand möglich gewesen, da ohne zwingende Not eine derart grosse Summe gezahlt werden würde. Abgesehen davon war wohl nach Presseberichten auch der Widerstand Rolf Breuers gross, der als Folge des Vergleichs möglicherweise mit einer Schadensersatz-Klage der Deutschen Bank hätte rechnen müssen.

So sorgt die gut gemeinte Verschärfung der Haftungsregeln für Aufsichtsorgane nun dafür, dass die Firmen es schwer haben bei Konflikten auf Organebene Vergleichsbereitschaft zu zeigen und derartig wichtige Konflikte eher bis zum letzten Mann austragen müssen. Denn der Ermessensspielraum des Managements ist durch die verschärften Haftungsregeln nun deutlich eingeschränkt.

Aus meinen persönlichen Erfahrungen in den Chefetagen bin ich der festen Überzeugung, dass die derzeitigen Haftungs-Regelungen schon zu weit gehen und den Unternehmen und damit den Aktionären schaden. Denn dadurch wird nach meiner Ansicht freies unternehmerisches Handeln gebremst und eine Kultur des "dreifachen juristischen Hosenträgers" etabliert, in der nur Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer von Wachstum reden können.

Und damit es keine Missverständnisse gibt, natürlich ist es richtig, dass echte Untreue strafbar ist und insofern ist die Haftung der Organe wg Untreue auch gar nicht das Problem. Das Problem ist vielmehr, dass der juristische Untreue-Begriff so schwammig ist, dass eine verlässliche Abgrenzung zwischen strafrechtlicher relevanter Untreue und schlichter unternehmerischer Fehleinscheidung praktisch unmöglich ist. Das erlaubt es Dritten im Nachhinein - dann wenn jedermann sowieso klüger ist - Fehl-Entscheidungen des Managements einer derartigen Anschuldigung auszusetzen. Als Organ einer solchen Gesellschaft ist man dem weitgehend ausgeliefert, weil derartige Verfahren unabhängig von echter nachweisbarer Schuld sowieso fast immer in einem Vergleich enden, denn die Belastung ist selbst durch eine völlig ungerechtfertigte Klage einfach zu hoch. Und wie die Justiz in die Hirne der Beteiligten schauen will um echte Untreue von schlichter Fehleinschätzung trennen zu können, hat mir noch nie so richtig jemand erklären können.

Die Folge davon ist eben die allein auf Absicherung ausgerichtete "Kultur des dreifachen juristischen Hosenträgers", durch die logische und für das Unternehmen wahrscheinlich sinnvolle Entscheidungen nicht mehr getroffen werden, wenn sie mit der Gefahr einer späteren Haftungsklage verbunden sind. Denn falls sich eine komplexe unternehmerische Entscheidung im Nachhinein als falsch heraus stellt, kann man einen Untreue-Vorwurf immer konstruieren, wenn man nur will. Letztlich lähmt diese nach meiner Wahrnehmung überzogene Gesetzeslage Innovationsbereitschaft und verantwortliches Handeln der Managements. Denn Entscheidungen werden nun lieber an drei verschiedene, teure, externe Gutachter delegiert, als diese selber aus unternehmerischer Überzeugung heraus zu treffen und gegenüber den Aktionären zu vertreten.

Richtig wäre es in meinen Augen dagegen, den Eigentümern - den Aktionären - noch mehr direkte Durchgriffsrechte zu geben um einen versagenden Aufsichtsrat und damit das Management abzulösen, gleichzeitig aber die Organe besser gegen Haftungsansprüche zu schützen. Denn zu unternehmerischem Erfolg gehört zwangsläufig auch der Mut zum Risiko und der Mut Neues zu wagen. Neues ist aber immer mit der Möglichkeit des Scheiterns und höheren Risiken verbunden und hinterher ist man halt immer klüger. Wenn einem permanent das Damoklesschwert des juristisch schwammigen Untreue-Paragraphen über dem Kopf schwebt, wird man als Management eher dem ausgetretenen, weil sicheren Pfad folgen. Mittelfristig beraubt man mit dieser "Hosenträger-Philosophie" aber eine Wirtschaft der Wettbewerbsfähigkeit - denn es gilt immer noch: "No Risk no Fun" und ohne Risiko ist Innovation unmöglich !

Das Verfassungsgericht hat die Hürden für den Untreue-Vorwurf zwar zuletzt leicht erhöht, in meinen Augen die ganze Problematik für unser Wirtschaftssystem aber noch nicht erkannt. Ich wiederhole, das Problem ist nicht der Untreue-Paragraph an sich, sondern die Unbestimmtheit und Dehnbarkeit der Definition, die man in meinen Augen zu leicht als Kampfmittel einsetzen kann um Eigeninteressen durchzusetzen. Wen das Thema interessiert, der kann sich zum Beispiel einlesen.

Aus inhaltlicher Sicht, kann ich aber die mir aus der Presse bekannte Argumentation der Deutschen Bank gar nicht nachvollziehen. Insbesondere die Behauptung Kirch sei schon vorher Pleite gewesen ist in meinen Augen am Thema vorbei. Denn selbst wenn er kurz davor stand oder mitten drin war, haben die öffentlichen Äusserungen Breuers jede Hoffnung auf eine geordnete Planinsolvenz nach meiner Ansicht zunichte gemacht. Man kann trefflich über die Höhe des Schadens streiten, dass aber eine derartige Aussage des Vorstandschef der grössten deutschen Bank über einen seiner Kunden massive wirtschaftliche Auswirkungen hat, sollte selbst wirtschaftlichen Laien einsichtig sein.

Letztlich läuft die Argumentation der Deutschen Bank ja in meiner Interpretation darauf hinaus, dass den Aussagen eines Bank CEOs keine besondere Bedeutung beigemessen werden muss, wenn er sich locker mit Bezug auf Dritte zu seinen Kunden äussert. Eine interessante Sicht, ganz besonders wenn man sich vor Augen führt, wozu sich Josef Ackermann so alles publikumswirksam geäussert hat. Für mich persönlich waren die Aussagen Rolf Breuers damals einfach ein klarer Pflichtverstoss eines Bankers, der eine Treuepflicht einem grossen Kunden gegenüber hatte. Und so etwas darf in meiner Welt nicht ohne schmerzhafte Konsequenzen bleiben.

Insofern hoffe ich und bin zuversichtlich, dass die Herren Gauweiler und Co. der Deutschen Bank nun weiter die Hölle heiss machen und auch die Frage theoretischer Interessenskonflikte der Deutschen Bank im Umfeld der Kirch-Insolvenz beleuchten. Am Ende kommt dann vielleicht sogar ein höherer Schadensersatz heraus - wer weiss. Verrückterweise könnten die Aufsichtsorgane der Deutschen Bank diese höhere Summe dann aber problemlos durchwinken, weil es dann ja ein höchstrichterliches Urteil wäre. So viel zu den absurden Effekten, zu denen eine für mich überzogene Haftungspraxis für Aufsichtsorgane führt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 29.02.12 – was Apple uns zum Markt sagt

22 Uhr - Handelsschluss

Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen habe ich heute etwas weniger Zeit zum Schreiben. Daher gibt es heute Abend nur eine Analyse zum Markt als Ganzes und bis auf Apple und Gold keine Kommentare zu einzelnen Titeln.

Sie erinnern sich, dass ich letzte Woche schrieb, dass der Markt noch ein paar Tage Konsolidierung braucht, um genug Kraft zu tanken.

Nun, diese Tage sind vergangen und langsam nähert sich diese Phase scheinbar dem Ende zu. Denn die heute zu beobachtende Volatilität ist nach meiner Erfahrung das Vorspiel zu einer stärkeren Bewegung - ganz so wie ein energiegeladenes Pferd, das unruhig an seiner Trense zerrt.

Schauen Sie sich an, was heute im NASDAQ passiert ist - nachdem er die glatte Zahl 3000 touchierte, wurde er sofort heftig abverkauft.

Und schauen Sie sich an, was heute passiert ist, nachdem die EZB im Rahmen der LTRO Operation die gewaltige Summe von über 500 Milliarden € in den Markt gekippt hatte - sofort wurde das zum Ausstieg genutzt, frei nach "Sell the News".

Und schauen Sie sich an, wie heute auf Ben Bernankes Rede reagiert wurde, mit massiven Abgaben, weil er - Überraschung 😉 - vor Euphorie warnte. Und weil er dem Wunsch des Marktes nach einem sofortigen QE3 noch nicht nachgab.

Und schauen Sie sich an, was heute bei Gold und Silber passiert ist. Das war bemerkenswert. Gestern sprach ich noch davon, dass wir noch ein paar positive Tage haben werden, bevor dann im März eine kleine Korrektur kommt, die möglicherweise 1700 USD noch einmal von oben testet. Nun, Mr. Market hatte es scheinbar eilig und hat nicht mal mehr bis März gewartet, denn heute waren wir am Ende sogar unter 1700 USD - so schnell geht es nach unten, wenn computerbasierte Tradingprogramme im Spiel sind.

Der Einschlag begann um 16.45 Uhr und hat auch mich erwischt, weil ich so schnell nicht reagieren konnte und damit nicht gerechnet hatte. Allerdings haben mich Trailing Stops bei meiner grossen Silberwette vor Schaden bewahrt und mir einen Gewinn gesichert, auch wenn dieser dann kleiner war als erhofft. Mit meinen Minenwerten habe ich die Tagesverluste aber voll mitgenommen, insofern bin auch ich Leidtragender dieses völlig überraschenden Absturzes.

Ich vermute einen Zusammenhang mit Bernankes Rede, ohne es genau festmachen zu können. Denn der Dollar stieg schon einige Zeit vorher und die Edelmetalle begannen danach einen gewaltigen Fall. 80 USD Verlust bei Gold an einem Tag, das sieht man nicht alle Tage. Nach meiner Einschätzung setzte sich irgendwann während der Rede bei Big-Money die Erkenntnis durch, dass QE3 nicht sofort kommt. Starke Abgaben trafen dann auf einen sowieso überkauften Markt bei Gold und Silber und die trendverstärkenden Algos taten ihr übriges. So bekamen wir eine Art "Mini-Crash" in den Edelmetallen. Der QE3 Aufschlag scheint damit endgültig aus dem Goldpreis gewichen zu sein.

Sollte meine Theorie richtig sein, könnte sich das Niveau von heute Abend mit 1694 USD aber vielleicht als Kaufgelegenheit heraus stellen. Denn wenn Sie sich den gestern dargestellten zyklischen Verlauf betrachten, steht eine grosse Korrektur noch nicht an. Allerdings sollte man den morgigen Tag abwarten, um diese Bewegung bestätigt oder negiert zu bekommen. So viel Geduld muss sein. Denn dieser Einschlag war nicht normal, das war schon aussergewöhnlich und ohne Vorwarnung. Und das hat auch allerlei Porzellan in Form von Vertrauen zerdeppert, was man schon leicht daran sehen kann, dass der Kurs von Gold im späteren Handel keinen Bounce mehr zusammen bekommen hat und sogar noch einmal unter 1700 USD abrutschte. Und deshalb wird sich Morgen erst einmal der ganze Markt schütteln und wird versuchen, sich in Sachen Edelmetalle neu zu sortieren und den Einschlag zu werten. Und erst wenn diese Neuorientierung abgeschlossen ist, wissen wir wohin die Reise kurzfristig weiter geht.

Mit Blick auf den Gesamtmarkt, halte ich es aber eher für einen Fehler, sich von diese volatilen Bewegungen schon jetzt verunsichern zu lassen. Denn ein grösserer Absturz beginnt höchst selten an solch klaren Marken wie NASDAQ 3000, das ist zu offensichtlich. Auch wenn sich das heute teilweise ganz schön Angst machend angefühlt hat, ist in den grossen Indizes defacto nicht viel passiert und einiges spricht dafür, dass es sich hier um typisch technische Reaktionen handelt, die primär von den Algos getrieben wird. Denn diese traden derartige Setups konsequent.

Diese Bewegungen sind aber auch das Zeichen steigender Nervosität, das typische Anzeichen vor einem grossen Sprung. Positiv ist, das von einer übertrieben bullishen und selbstgefälligen Stimmung im Markt nun in meinen Augen keine Rede mehr sein kann. Insofern war die Konsolidierung der letzten 1,5 Wochen sehr erfolgreich und der Boden für eine starke Bewegung ist bereitet, weil nun wieder genügend Skepsis im Umlauf ist.

Ich wäre also nicht überrascht, wenn wir in den nächsten Tagen mit Macht ausschlagen. Wohin ? Alles ist möglich, aber wenn man den Markt rational betrachtet, liegt der Vorteil in meinen Augen nach wie vor leicht bei den Bullen. Was nicht bedeutet, dass nicht auch eine stärkte Korrektur möglich ist, ich halte sie nur für weniger wahrscheinlich, weil der Markt bisher keine Signale sendet, die einen Vorteil für die Bären implizieren. Das kann natürlich noch kommen, aber man sollte abwarten bis der Markt diese Signale wirklich sendet.

Wer seine Gewinne sichern will, kann jetzt also aus dem Markt gehen, das ist eine sinnvolle Massnahme, wenn Sie sich nicht mehr wohl genug fühlen. Immerhin sind ja bis hier schöne Gewinne aufgelaufen und diese mitzunehmen, hat noch niemanden arm gemacht. Für einen Short gegen den Markt, gibt es aber für mich nach wie vor nicht genug Indizien, die aus Mr. Markets Verhalten ableitbar wären.

In diesem Zusammenhang möchte ich sie an Apple (WKN 865985) erinnern. Das ist ein Runaway-Move wie er perfekter nicht sein könnte. Lesen Sie noch einmal meinen Beitrag -> hier <- von vor 2 Wochen. Darin habe ich trotz des starken Rücksetzers auf damals wieder unter 500USD davor gewarnt, eine solche Aktie zu shorten, egal wie überzogen die Bewegung aussieht. Und nun werfen Sie eine Blick darauf, was danach passiert ist:


Source:

Beeindruckend oder ? Auch heute ist Apple wieder im Plus. Gut also, wenn Sie damals meine Warnung beachtet haben und das Wort "irgendwann" nach wie vor nicht unterschätzen. Und ich bin überzeugt, solange die Leitaktien wie Apple so stark sind, ist der Bulle intakt. Erst wenn sich bei diesen Leitaktien der Wind dreht, dann muss man über einen Short nachdenken. Ein möglicher Tag für eine Wende bei Apple könnte zum Beispiel der 07. März sein, an dem das iPad 3 vorgestellt wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass im Sinne "buy the rumor, sell the news" genau dann der Kurs dreht, wenn das lange antizipierte Ereignis Realität wird.

Ich persönlich setze nach dem heutigen Tag, der sicher einige ängstliche Markteilnehmer rausgeschüttelt hat, eher auf einen "First of Month Jumper" am morgigen 1. März. Meine Stops würden dann auf dem Niveau der heutigen Tiefsstände bei DAX 6840 liegen, mit diesen Stops könnte ich einen solchen Trade Morgen ganz gelassen angehen. Ob ich den Trade wage, entscheide ich aber erst Morgen früh, je nach Lage kurz nach Handelsstart. Denn der frühe Vogel fängt zwar den Wurm - richtig. Aber der zu frühe Vogel kommt halt noch in einen verspäteten Wintereinbruch - auch das ist richtig. Morgen früh ist also früh genug, um eine solche Wette noch einzugehen. Aber ich werde Morgen intensiv Ausschau nach diesem Trade halten, mal sehen ob er sich realisiert.

Ich werde aber auch so flexibel sein sofort die Reissleine zu ziehen, wenn wir Morgen mit Volumen nach unten laufen. Denn wenn das nach dem heutigen volatilen Tag passiert, dann bin ich bereit den Bären ab Morgen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Schnallen Sie sich also nun bitte an, es könnte die nächsten Tage einen holperigen Flug geben ! Aber genau in diesen Phasen wird das Geld gemacht, mit dem Offensichtlichen kann man nicht reich werden. Es wird also wieder spannend ......

Ich wünsche einen schönen Abend !