Die fatale Angst zu verpassen

Der folgende Artikel erschien Donnerstag 24.09.15 09:30, lange bevor sich die Idee eines Doppelbodens realisierte, die nun ja offensichtlich vom Markt gespielt wird.

Schon damals war aber diese Erwartung spürbar, auch ich habe ja hier schon vor über einem Monat die -> 2011er und 1998er Analogien <- gezeigt und auf die wettet nun offensichtlich der Markt. Und die Angst zu verpassen, dürfte beim aktuellen Rebound auch eine Rolle spielen, denn es ist eine mächtige Emotion, die bei vielen sogar stärker ist, als die Verlustangst.

Lesen Sie also mal, was ich vor 2 Wochen dazu geschrieben habe, es ist immer noch hoch aktuell.

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Auch wenn wir es nicht merken, wir sind ganz oft von Ängsten getrieben und bei solchen Ängsten dreht es sich nicht nur um die naheliegende Angst vor dem Einbruch, sondern oft viel stärker aber auch fataler, um die Angst etwas zu verpassen.

Diese Angst entsteht, wenn man eine innere Überzeugung (einen Bias) hat, dass der Markt ja früher oder später wieder steigen oder fallen „muss“. Und in dem Moment, wo diese Erwartung in uns Raum gewinnt, kriecht auch die Angst in uns hoch, nun „schnell zu machen“, damit man den abfahrenden Zug nicht verpasst.

Das ist ein fatales Gefühl und es führt sehr oft dazu, dass die Anleger auf eine starke Bewegung noch aufspringen, nur um dann festzustellen, dass diese sofort wieder dreht.

Denn aufgesprungen ist man dann nicht aufgrund einer belastbaren Analyse der Bewegung und ihrer Bedeutung im grossen Bild. Aufgesprungen ist man, aufgrund des eigenen Bias und wenn man den hat, löst jeder sinnlose Zucker nach oben sinnlose Kaufreflexe aus im Sinne: nur nicht zu spät kommen!

Jeder Vertriebler oder Händler hat dieses Spiel mit der Angst zu verpassen im Grundbaukasten der Verkaufstechnik. Weil wir eben alle nur Affen ohne Behaarung sind, auch wenn unser Selbstbild uns gerne einredet, wie "rational" wir ja immer seien. 😉

Deshalb sind Angebote gerne „nur solange der Vorrat reicht“ oder haben ein Enddatum, zu dem der „Rabatt“ wieder ausläuft. Natürlich ist das alles Quatsch, aber es funktioniert. Es erzeugt in uns Menschen Druck „schnell“ noch etwas zu machen, bevor die Chance vermeintlich weg ist.

In der aktuellen Marktlage. sehe ich diesen Reflex potentiell in Einigen von uns auch am Werk. Und der Reflex beruht auf der Annahme, dass ein Test der Tiefs vom 24.08. eine Kaufgelegenheit darstellen wird.

Jetzt habe ich diese Sicht hier ja oft und mehrmals auf unterschiedliche Art und Weise kommuniziert und ja, auch heute ist für mich noch der Ablauf ala 2011 – das marginale neue Tief von dem aus der Markt dann dreht – mein Favorit, was die Wahrscheinlichkeiten angeht.

Das Dumme ist, wenn ich so ein Szenario über längere Zeit präferiere, bekommt es prägende Wirkung im Sinne „das wird so kommen“. Und daraus resultiert dann die Angst, unbedingt beim Bruch der Tiefs herein zu springen, damit man nichts verpasst.

Das ist aber falsch und macht aus einer Wahrscheinlichkeit eine Gewissheit. Solche Denkstrukturen sind fatal! Und sie sind idiotisch!

Schreiben wir uns deshalb hinter die Ohren: Der DAX kann sehr wohl durch das Tief durchgehen und erst im Bereich der Oktobertiefs von 2014, also zwischen 8.000 und 8.500 den nächsten Halt einlegen!

Ich halte dieses Szenario *nicht* für wahrscheinlicher, als den Rebound mit Doppelboden ala 2011 oder 1998, aber das Szenario ist trotzdem sehr real und darf nicht einfach ignoriert werden!

Der Gedanke etwas am Markt zu „verpassen“ ist sowieso komplett idiotisch – pures, reines Affenhirn sozusagen. Wir verpassen am Markt nie etwas! Der ist jeden Morgen wieder da und jeden Morgen ergeben sich neue Chancen, unabhängig davon, was am Vortag passiert ist. Und wenn nicht mehr nach „oben“, dann eben nach „unten“.

Wenn Sie solche Gedanken wie oben nun haben sollten, haben Sie ein Problem, über das Sie sich unbedingt im Klaren werden müssen.

Faktum ist, dass es besser ist, ein paar wenige Prozent zu verpassen, wenn man dafür höhere Gewissheit bekommt, dass der Markt nun wirklich einen Boden gefunden hat. Und das weiss man eben nicht während er durch die Tiefs durchfällt, sondern erst *nachdem* er schon wieder gedreht hat und andere Parameter wie Volumen, Sentiment und Co. zu der Theorie der Wende passen.

*Dann* bekommt man auch mal 70% „Gewissheit“, dass die Wende hinter uns liegt. Und der Vorteil des Handelns *nach* der Wende ist auch, dass man mit den neuen Tiefs sofort ein belastbares Stopniveau hat. Denn wenn die wieder fallen, war die Theorie der Wende wohl verfehlt.

Also mein guter Rat:

(1) Machen Sie Präferenzen nicht zu Gewissheiten! Niemand kennt die Zukunft und wir reden am Markt nur über Wahrscheinlichkeiten.

(2) Bekommen Sie unbedingt die blödsinnige „Angst zu verpassen“ in den Griff! Das ist definitiv einer der idiotischsten Reflexe, die man am Markt überhaupt haben kann.

(3) Und handeln Sie nur, was Sie sehen! Und solange Sie noch keinen Rebound sehen, ist da auch keiner, ganz egal was „Hari“ sagt oder Ihnen Ihr Affenhirn eingeben will.

Versuchen Sie in sich ein Gefühl der gelassenen Entspanntheit aufkommen zu lassen. Sie müssen gar nichts!

Erst aus dieser Gelassenheit heraus, kann man dann die Chancen präzise auf den Punkt ergreifen, wenn sie sich tatsächlich sichtbar offenbaren und nicht nur im Vorfeld vermutet werden.

Lassen Sie den Markt zu sich kommen und rennen Sie ihm nicht hinterher!

Ihr Hari

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Die Bedeutung des Zeithorizonts bei Anlage und Trading

Der folgende Artikel beruht auf einem Beitrag, der schon seit Jahren in der Rubrik "Grundsätzliches für Neueinsteiger", allen neuen sumerdigital Migliedern nahe gebracht wird.

Sie werden jetzt vielleicht denken: "Dann ist das ja für mich nicht interessant, ich bin ja kein Neuling." 😉

Und Sie liegen dann mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch.

Denn beim Zeithorizont der Geldanlage inkonsequent zu handeln - oder sich darüber nicht einmal im Klaren zu sein - dürfte einer der schlimmsten und teuersten Fehler sein, der immer wieder, immer wieder und immer wieder, von Anlegern gemacht wird.

Vielleicht nehmen Sie sich ja doch mal ein paar Minuten und lassen sich auf das Thema ein:

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Kennen Sie das nicht? Da haben Sie sich eine "tolle" Aktie ausgesucht, mit der Sie auf den Spuren von Warren Buffett wandeln wollen. Die werden Sie ganz gelassen langfristig halten, das haben Sie fest vor.

Zwei Monate lang fühlen Sie sich auch als toller "Investor", dann taucht bei der Aktie ein Problem auf, mit dem Sie nie und nimmer gerechnet haben. Und das "Mistding" fällt.

Zunächst sind Sie ja noch ganz ruhig, die Aktie ist ja "Value" - diese schöne wohlklingende Worthülse, mit dem man sich beruhigt, wenn man in Wirklichkeit keine Ahnung hat, was da wirklich gerade passiert.

Aber das "Mistding" fällt weiter. Sie werden nervös, verstehen nicht was los ist und irgendwann nach 4 Monaten, verkaufen sie das "Mistding" mit hohem Verlust. Und von nun an schauen Sie nicht mehr hin, so wie jemand der den Kopf in den Sand steckt glaubt, nun könnte ihn niemand mehr sehen. 😉

Drei Jahres später erreicht die Aktie ein neues Allzeithoch und gehört zu den stärksten Werten des Kurszettels.

Was war Ihr Problem? Wo lag der Fehler? Sie hatten eine langfristige Stategie und haben diese aber durch kurzfristiges Handeln ausser Kraft gesetzt. SO. GEHT. DAS. NICHT!

Sie kennen es vielleicht aber auch anders herum.

Sie haben diese "geniale" Super-Duper-Aktie mit den tollen Chancen. Das ist nun "fast sicher", dass die nach oben dreht. Meinen Sie zumindest, weil irgend jemand diese Aktie massiv promotet.

Sie wollen ja auch nur einen kurzfristigen Trade eingehen und die "einmalige" Chance mitnehmen. Und so steigen Sie dieses Mal nicht als Warren Buffett, sondern als wiedergeborener "jesse Livermore" kurzfristig ein. Dann aber fällt das "Mistding". 😉

Und weil nur Ihre Selbstüberschätzung grösser als Ihr Unwissen ist, haben Sie leider auch keinerlei Absicherungs- oder Exitstrategie. Aber das "Mistding" fällt trotzdem weiter, oder vielleicht auch gerade deswegen. 😉

Nun wollen Sie aber nicht mehr verkaufen. Nun ist es zu spät. Weil aber der Schmerz zu gross ist, schauen Sie einfach nicht mehr hin. Das macht die Sache natürlich besser. 😛

Und so bleibt der Titel im Depot und da es ein "heisser" Reifen war, den mal wieder eine der "Postillen" durchs Dorf getrieben hat, geht die Aktie im Sinne -> tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss <- Pleite, der Kurs ist Null und wird irgendwann ausgebucht.

Wenigstens haben Sie aber nicht mehr hingeschaut, wie gesagt, dass hat das alles natürlich viel besser gemacht. Falls Sie hier Sarkasmus bemerken, haben Sie Recht! 😉

Was war Ihr Problem? Wo lag der Fehler? Auch hier die Disziplin bei der Strategie und beim Zeithorizont. Sie hatten eine kurzfristige Strategie und als diese nicht funktionierte, haben Sie statt eines kurzfristigen Exits, die Position zur langfristigen Anlage umgedeutet.

Und was ist der gemeinsame Nenner der Fehler?

In beiden obigen Fällen, wurde beim Zeithorizont schlampig und undiszipliniert agiert. DAS. KANN. NICHT. FUNKTIONIEREN!

Wenn Sie sich jetzt wiedererkennen, das Thema aber nicht mit Disziplin und Risikomanagement im Griff haben, müssen Sie sich wirklich nicht über schlechte Anlageergebnisse wundern!

Aber das Problem beginnt schon viel früher, bei der reinen Kommunikation. Denn schon wenn über den Markt geredet wird und der als "bullisch" oder "bärisch" deklariert wird, wird zu oft vergessen genau zu definieren, auf welchen Zeithorizont sich die Aussage bezieht.

Dummerweise gilt aber:

Ohne eine konkrete Definition des Zeithorizontes, in dem sich die Aussagen bewegen, sind alle Markt-Kommentare wertlos !

Warum ? Ganz einfach. Weil ein Markt sich gleichzeitig! auf der langfristigen Ebene (Monate, Jahre) in einem Abwärtstrend befinden kann. Sich auf der mittelfristigen Ebene (Wochen, Monate) in einem gegenläufigen Aufwärtstrend befinden kann. Und sich auf der kurzfristigen Ebene (Stunden, Tage) vielleicht gerade als perfekter Short darstellt. Alles gleichzeitig !

Das ist auch kein Sonderfall, sondern völlig normal, dass der Markt auf unterschiedlichen Zeitebenen sich in unterschiedlichen Situationen befindet. Was also sagt es Ihnen, wenn Ihnen jemand erzählt, er hätte gerade die XYZ Aktie gekauft oder verkauft ? Nichts ! Absolut Nichts !

Denn vielleicht war es ein Intraday Trade und vielleicht eine langfristige Investition. Ohne das zu wissen, ohne also zu wissen, was das Ziel der Transaktion ist (wo wir wieder zum Thema Setup kommen) sind Aussagen zum eigenen Handeln ohne jeden Wert und ohne jede Aussagekraft !

Wichtig ist deshalb zu wissen, in welchem Zeithorizont man sich bewegt, wenn man Aussagen liest wie: "das Chart der Aktie sieht schlecht aus" oder "das ist eine klare Wendeformation".

Hier auf sumerdigital versuchen wir in der Regel diese Information im Kontext mitzuliefern. Und wenn Sie hier ein Chart sehen, brauchen Sie nur auf die Art der Kerzen schauen. Wenn ein Chart mit Wochenkerzen benutzt wird, ist es natürlich eine langfristige Aussage über Monate und Jahre. Und wenn ein Chart mit Minutenkerzen benutzt wird, ist es natürlich eher eine Intraday-Aussage.

Und wenn beides nicht als Referenz vorhanden ist, sollten Sie wissen, dass der Standardzeitraum über den wir hier täglich schreiben, der Ausblick auf Tage und Wochen ist. Also ein kurz bis mittelfristiger Blick.

Achten Sie also bei der Interpretation von Inhalten zum Markt unbedingt auf den Zeithorizont. Und wenn Sie als normaler Anleger mit Beruf zum Beispiel Ihre Anlagen auf Basis von Tagesschlusskursen managen - was jeder Menge Sinn macht und für Sie einen mittelfristigen Anlagehorizont definiert - dann darf eine Aussage von Dritten zu Intraday Strukturen Sie nicht zu irgendwelche Handlungen veranlassen. Das eine hat mit dem anderen dann nichts zu tun.

Die Darstellungen auf der kurzfristigen Zeitebene zu lesen und zu verstehen, macht dann immer noch Sinn. Weil man so lernt, wie die Märkte "ticken" und dieses Wissen kann einem auch auf der eigenen Zeitebene nützlich sein. Aber ein Handlungszusammenhang zwischen einer kurzfristigen Strukturbetrachtung und einer eigenen mittelfristigen Strategie besteht nicht! Merken Sie sich das unbedingt.

Und wenn Ihnen Autoren begegnen, die über den Markt schreiben ohne zu definieren, auf welche Zeitebene sich ihre konkreten Aussagen beziehen, sollten Sie einen weiten Bogen darum machen, da fehlt es völlig an Grundlagen.

An dieser Nahtstelle kann man auch immer wieder gut erkennen, wer selber eine klar definierte Strategie hat - wie ich das ja immer wieder predige - und wer nicht. Denn wenn man diese Strategie hat, hat man auch keine Aufregung und auch keine Not hinter Kommentaren hinter her zu laufen, die sich auf ganz andere Zeitebenen beziehen.

Und vor allem wird man dann nicht so schnell von wilden Swings des Marktes aus der Bahn geworfen und agiert ruhiger und gelassener. Man hat dann ja seine definierte Strategie, setzt die diszipliniert um und weiss dann ja, worauf man sich eingelassen hat und welche Risiken man eingeht.

So .... ich hoffe die paar Minuten des Lesens waren es für Sie wert um zu erkennen, wie eminent wichtig es ist, sich immer über den Zeithorizont im Klaren zu sein, in dem sich die eigene Strategie bewegt. Und sich auch strikt und diszipliniert daran zu halten!

Ihr Hari

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Gold ein Jahr später – die Monstranz der Sicherheit

Vor einem Jahr, im Juli 2014 habe ich hier einen grundlegenden Artikel zu Gold und den Goldminen geschrieben, den ich nun zwölf Monate später genau so wieder schreiben könnte.

Bitte lesen Sie den unbedingt noch einmal, er ist immer noch hoch aktuell und die Aussagen sind immer noch sehr richtig und wichtig und ich werde darauf Bezug nehmen. Und selbst das Chart ist im Kern noch gültig, es dauert offensichtlich nur länger, bis die 1000 USD mal touchiert werden:

-> Gold und Goldminen, zwischen Mythen, Crash, Eurokrise und Propaganda <-

Ich weiss, ich mache mir bei echten "Gold-Bugs" mit den folgenden Worten keine Freunde, aber falls Sie zu den Gold-Liebhabern gehören, fragen Sie sich bitte mal, *warum* Sie von Gold so angezogen werden und vielleicht auch diese vielen Seiten so attraktiv finden, auf denen es permanent nur um "Crashs", Verschwörungen und den nahenden Weltuntergang oder zumindest Währungscrash geht.

Ich gebe Ihnen die Antwort: weil Sie (zu) sehr an Sicherheit interessiert sind! Daran ist ja erst einmal auch nichts Schlimmes und die Vermeidung unnötiger Risiken, macht jede Menge Sinn. Man muss aber wie bei allem im Leben das richtige Mass finden und darf es nicht übertreiben mit der Sicherheit und dabei das Leben nicht vergessen. Das gilt auch und gerade für die Geldanlage!

In den US gibt es beispielsweise Menschen, die so vom Untergang der Welt überzeugt sind, dass sie sich tief in der Provinz schon in ihren eigenen Bunker zurück gezogen haben, das Gewehr neben sich stehend und die Regale voller Konserven, um lange auszuhalten.

Und so sitzen die da und warten. Und warten. Jahre, Jahrzehnte. Sie sitzen ganz "sicher" und geschützt. Dummerweise haben die dabei vergessen zu leben, denn auch sie werden älter. Und irgendwann sterben sie, ohne vieles getan und erlebt zu haben, was das Leben lebenswert macht. Sie waren dabei aber immer sicher. 😉

Nun sind das Extremfälle, aber ich denke Sie wissen, worauf ich hinaus will. Das Leben ist halt nicht sicher, es ist bunt und lebenswert, voller Risiken aber auch Chancen. Nur eines ist wirklich sicher, dass wir am Ende bildlich gesprochen in der Holzkiste landen! Vielleicht sollten wir uns das auch mal so klar machen, wie das Risiko des nächsten Crashs.

Und wenn wir uns die jahrelange Rally am Aktienmarkt anschauen, die hinter uns liegt, dann ist es doch vielen zu sicherheitsbewussten Anlegern auch ganz ähnlich gegangen:

Sie waren unsicher und ihnen wurde 2010 erklärt, dass der Crash kommt. Also warteten sie. Dann wurde Ihnen 2011 erzählt, dass der Crash kommt. Also warteten sie. Und warteten. Bis heute. Und kommt heute der Crash? Vielleicht, aber schauen Sie mal, wie Gold auf das Thema Griechenland reagiert hat. Gar nicht, oder? Kommt nun also der Crash? Vielleicht. 😉

Manipuliert! werden jetzt einige zum Goldpreis sagen. Kann sein, kann auch nicht sein, ist aber völlig "wurscht". Denn der Preis der da steht, ist der zu dem Sie nun und auch in Zukunft beim Händler Ihrer Wahl kaufen oder verkaufen können. Zu keinem anderen. Und wenn einige Goldhändler ihre eigenen werbenden Worte ernst nehmen würden, müssten sie ja ihren Kunden aktuell mehr für den Ankauf von Gold zahlen, weil der Gold-Preis ja so manipuliert ist. 😉

Komischerweise orientieren aber auch die Händler sich am "manipulierten" Preis. Selbst wenn er "manipuliert" sein sollte, was ist es also wert, das zu wissen? Nichts! Um aus meinem obigen Artikel von vor einem Jahr zu zitieren:

Und nehmen wir doch mal theoretisch an, es gäbe diese konzertierte Manipulation, an der Staaten, Notenbanken und Grossbanken mitwirken. Was verleitet jemanden dann zu der völlig naiven Vorstellung, dass dieses Kartell dann in Kürze aufbrechen würde? Im Gegenteil, wenn das Kartell Realität wäre, könnte es auch noch Jahre und vielleicht Jahrzehnte weiter machen.

Was ich Ihnen aber sagen kann ist, dass es klüger war in 2010 Aktien zu kaufen, als jetzt in 2015 noch in den Aktienmarkt einzusteigen. Das ist ja offensichtlich, vielleicht sollten Sie im Moment also tatsächlich warten. Diese Unsicherheit gibt es aber *immer*, wenn Sie auf Sicherheit beim Einstieg warten, werden Sie bis zu Ihrem Tode warten.

Und woran erkennen Sie eigentlich, dass Sie aufhören sollten zu warten? Und glauben Sie eigentlich, dass Sie nach dem nächsten Crash dann kaufen werden? Und wenn ja, warum konnten Sie es 2009 dann nicht?

Fragen über Fragen, die Sie sich mal unbedingt selber stellen sollten, wenn Ihnen Sicherheit bei der Geldanlage so wichtig ist, dass es Sie bei sinnvollen Entscheidungen blockiert und Sie den massiven Anstieg der letzten Jahre daher verpasst haben.

Denken Sie an den Mann, der im Bunker auf den kommenden Weltuntergang wartet. Hat der ein schönes Leben? Und was ist zu viel Sicherheit überhaupt wert, wenn unser Leben sowieso endlich ist?

Ich kann auch eine Metapher aus dem Fussball benutzen. Defensive und Angriff sind kein Gegensatz, man braucht immer beides, um ein Fussballspiel zu gewinnen. Wer sich nur im eigenen Strafraum verkriecht, kann vielleicht ein 0:0 halten, kann aber nicht gewinnen. Und wer ohne Rücksicht auf die Abwehr stürmt, schiesst vielleicht 3 Tore, bekommt aber auch vielleicht 5 hinten rein!

Beide Extreme sind eindeutig ungeeignet, beim Fussball zum Erfolg zu führen und das versteht jeder. Bei der Geldanlage ist es nicht anders, warum verstehen es dann so viele nicht? Warum also, denken Sie permanent über den nächsten Crash nach und nicht mal über das nächste Tor, das Sie schiessen wollen?

Faktum ist:

Auch ich halte Gold für einen sinnvollen Teil einer durchdachten Vermögens-Diversifizierung. Ich weiss, dass Gold das älteste und bewährteste Geld der Welt ist und vor allem nicht beliebig vermehrt werden kann. Und ich bin überzeugt davon, dass es Sinn macht, ein derartiges "Ersatzgeld" für den "Fall des Falles" vorrätig zu haben.

Abgesehen davon handele ich den Goldpreis oder Goldminen auch manchmal und schreibe hier im Blog darüber. Handeln kann man aber alles. Das ist aber eine ganz andere Thematik, als die prinzipielle Anlagesystematik, die ich in diesem Beitrag adressiere. Und wenn man die Edelmetalle gewinnorientiert handeln will, hat das Gerede um Manipulation erst recht keinen Sinn, dann zählt sowieso nur der Preis, der an der Börse aufgerufen wird und sonst nichts!

Ich bin also bestimmt kein Gegner der Edelmetalle. Aber ich mache aus Ihnen auch nicht, was sie nicht sind.

Gold ist kein Investment, sondern einfach nur ein langfristiges Wertaufbewahrungsmittel, Geld eben. Und weil es kein Investment ist, kann man mit ihm von kurzfristigen Kuchwankungen abgesehen, auch keinen langfristigen Ertrag erzielen, sondern nur langfristigen Vermögenserhalt.

Goldbarren sind totes Metall, sie werfen nichts ab und erfinden auch nichts. Sie haben keine Wertschöpfung und generieren keinen Ertrag. Sie sind einfach Geld, ein langfristig stabiles Wertaufbewahrungsmittel. Das ist ja auch schon was und hat seine Bedeutung, gerade in einer Welt, in der die Notenbanken wie wahnsinnig die Geldmenge aufblähen. Aber mehr als das ist es auch nicht.

Und die Edelmetalle bieten auch keine universelle Sicherheit. Sie bieten einen Sicherheitsschirm für nur einen einzigen Risikobereich des Lebens, die Entwertung der Papierwährungen und eine Währungskrise. Und deshalb haben sie eine Berechtigung. Aber man kann Edelmetalle weder essen noch trinken und ob man sie im Falle des Falles überhaupt verkaufen und tauschen kann und das dann nicht unter Strafe steht, ist auch noch fraglich.

Beste Sicherheit bietet bei der Geldanlage nur ein diversifiziertes, weltweit aufgestelltes Portfolio! Zu dem können und sollten Edelmetalle im angemessenen Rahmen gehören, aber zwingend gehören dort vor allem Beteiligungen hinein, die dauerhaften Ertrag abwerfen, wie Aktien zum Beispiel!

Gehen Sie also nicht immer wieder all den Seiten auf den Leim, die Sie mit Crash-Szenarien zum Kauf der Edelmetalle treiben wollen. Machen Sie sich klar, wie stark Ihr Sicherheitsbedürfnis ist.

Legen Sie sich eine angemessene Menge Edelmetalle zur Diversifizierung physisch ins Depot und dann vergessen Sie das Thema und leben Sie mit positiven Gedanken!

Und konzentrieren Sie sich auf die Themen, bei denen man wirklich Rendite und Vermögensaufbau erreichen kann und nicht nur das Kapital erhalten.

Abwehr und Angriff! Anders kann man ein Spiel nicht gewinnen!

Ihr Hari

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Sind Derivate für Kleinanleger Fluch oder Segen?

Derivate haben keinen guten Ruf. Manchmal werden sie auch verteufelt. Mit diesem Beitrag, der auf einer ausführlichen Antwort im Forum des Premium-Bereiches beruht, will ich versuchen, mich dem Thema etwas differenzierter zu nähern.

Denn ich selber nutze Derivate, wie Zertifikate und Optionsscheine, nur sehr selten und höchst wählerisch.

Und das liegt daran, dass Derivate ja in der Regel auf einem Basiswert (dem Underlying) beruhen, also einem Index, einer Aktie oder einem Sektor. Und auf diesem Underlying, baut sich dann das Konstrukt des Derivats auf.

Der Kauf eines Derivates macht also ganz grundsätzlich nur dann Sinn, wenn das Derivat etwas bietet, was man im Underlying selber nicht bekommen kann. Das könnte die Möglichkeit Short zu gehen sein, oder vielleicht ein Währungshedge, der im Konstrukt des Derivates eingebaut ist. Ich kann aber wenig Sinn darin erkennen, eine Allianz per Derivat zu kaufen, wenn man die gleiche Handlung direkt auf Xetra durchführen kann.

Ausnahme sind dabei CFDs, die ich selber sehr oft nutze. Das liegt daran, dass CFDs zwar formal auch Derivate sind, das Underlying aber in der Regel 1zu1 abbilden und sich damit vom Kursverlauf her genau wie das Underlying verhalten. Einige der weiter unten diskutierten Nachteile von klassischen Derivaten wie Zertifikaten oder Optionsscheinen, existieren für CFDs daher nicht.

Aber selbst für CFDs gilt: ich sehe keinen sinnvollen Grund, beispielsweise eine Allianz Aktie via CFD zu kaufen, wenn ich die "echte" Allianz auch als Aktie an Xetra kaufen kann. Dafür gibt es dann aber gute Gründe einen CFD zu benutzen, wenn man die Allianz shorten will, denn das kann man mit dem Underlying nicht so einfach gestalten.

In Summe gibt es in meinen Augen also keinen Grund, Derivate pauschal zu verteufeln. Denn manchmal decken sie auch sinnvolle Nischen ab, die man anderes gar nicht adressieren könnte.

Trotzdem haben sie in meinen Augen drei strukturelle Nachteile gebenüber den Assets selber, die sie derivativ abbilden. Keiner dieser Nachteile ist so massiv, dass er einen "Showstopper" darstellt und man deswegen sagen müsste, man "darf" keine Derivate nutzen. Aber in Summe macht es diese nach meiner Ansicht etwas unattraktiver, weswegen man - wenn man die Wahl hat - in meinen Augen besser das "Original" nutzt. Und weswegen ich selber Derivate (mit Ausnahme von CFDs) nur sehr selten nutze.

1) Sie sind (oft) weniger ausfallsicher

Und damit meine ich nicht den Ausfall (die Pleite) des Emittenten, das wäre sowieso der Gau und wenn grosse Emittenten wie Deutsche Bank und Commerzbank ausfallen sollten, haben wir alle ganz andere Probleme. Und zwar auch die unter uns, die keine Derivate nutzen.

Dieses Hauptargument, das immer in der öffentlichen Meinung gegen Derivate ins Feld geführt wird, ist also eigentlich keines.

Nein, ich meine damit die kleineren Probleme, wie den Ausfall beim Handelssystem, fehlende Kurse, falsche Kurse und ähnliches. Also die "kleinen" Ärgernisse, die auftreten können und Anlegern das Leben schwer machen.

Der Grund ist ganz einfach und leicht einzusehen. Wenn man eine Aktie kauft oder am Devisenmarkt direkt EURUSD handelt, dann kann bei jedem von uns, theoretisch der Broker nicht erreichbar sein und keine Kurse mehr stellen. Dieses Grundrisiko der IT-Strukturen haben wir immer - wir alle.

Mit einem Derivat kommt aber noch eine zweite Ebene des Risikos hinzu: neben dem Broker, kann auch der Emittent IT-Probleme haben und keine Kurse mehr stellen. Und das gilt auch für den Fall, dass man das Derivat von der gleichen Bank kauft, bei der man sein Depot hat, denn in der Regel stehen unterschiedliche Computersysteme hinter Depotführung, Handelssystem und dem Market Making der Derivate.

Nun ist dieses Ausfallrisiko nicht hoch, es verdoppelt aber die Problem-Wahrscheinlichkeit. Und Sie werden erstaunt sein, wie oft ich - der ich rund um die Uhr am Markt unterwegs bin - kurze Ausfälle bei den Market Makern der Derivate beobachte. Ich erinnere mich noch lebhaft an den August 2011, als sich die Eurokrise in Gang setzte, da war es teilweise ganz schlimm und wer da bei bestimmten Brokern war, konnte teilweise tagelang nicht agieren. Und auch die Emittenten haben teilweise die Kutellung einfach eingestellt.

Insofern ist ein gerne gebrachtes Argument, das man selber "noch nie ein Problem hatte" auch nicht wirklich stichhaltig. Denn wenn das Risiko eines Ausfalls gering ist, merken die meisten nichts davon. Wenn das Problem dann aber mal auftritt - und meistens natürlich mitten im schönsten Absturz - ist der Ärger gross.

Ein Anstieg eines Risikos von 0,02 auf 0,04 ist halt einfach eine Verdoppelung, auch wenn es in beiden Fällen so gering ist, dass man es meistens nicht bemerkt. Das ist ein wenig wie beim Truthahn vor "Thanksgiving" oder dem Weihnachtskarpfen, dem geht es auch immer gut, bis es ihm nicht mehr gut geht. 😉

Deswegen muss man nichts verteufeln, aber wenn man ein kleines Risiko noch einmal halbieren kann, macht es Sinn das zu tun. Also warum ein Derivat nutzen, wenn man das Gleiche auch direkt machen kann?

2) Sie sind (oft) komplexer

Das gilt nicht immer, aber oft und vor allem für Zertifikate und Optionsscheine. Und klar, wenn man sich an die Strukturen eines Derivates mal gewöhnt hat, stellt das kein Argument mehr dar, man weiss halt, wie das funktioniert.

Für Anleger, die das tagtäglich machen, ist das alles transparent und einfach, weil sie die Funktionsweise des Derivats rauf und runter kennen. Ein Neueinsteiger, steht aber oft erst einmal vor Fallstricken. Nehmen wir den Devisenmarkt und EURUSD als Beispiel:

In der Zeitung steht das Währungspaar EURUSD sei auf 1,08 gestiegen. Fein. Wenn man nun am Devisenmarkt EURUSD Long gehen will, dann kauft man EURUSD genau zu 1,08. Und verkaufe das Währungspaar ein paar Tage später zu 1,10. Damit ist der Gewinn und die Kutellung völlig transparent, es gehen die Gebühren ab und fertig.

Mit einem Derivat aber, das auf EURUSD aufsetzt, hat man in der Regel "irgend einen" Kurs, bei dem man auch nicht wirklich nachvollziehen kann, ob er fair gestellt wurde, weil es keinen Referenzmarkt gibt. Dann hat man "Knock-Out-Barrieren", Volatilität was auch immer - eben viele Spezial-Parameter, die von der Konstruktion des Derivats abhängig sind.

Erneut, das muss kein Problem sein und wenn man sich im Detail in die Funktionsweise hinein denkt, kann man auch das gut verstehen. Nur ist es erst einmal weniger transparent und selbsterklärend, als EURUSD einfach zu genau dem Kurs zu kaufen, zu dem er auch in der Zeitung steht.

Und ich habe selber in der Vergangenheit auch Fälle erlebt - auch bei grossen Emittenten - bei denen Unschärfen und Gestaltungsspielräume bei der Konstruktion des Derivates, nach meiner subjektiven Interpretation vom Market Maker genutzt wurden, um die Kutellung zu "optimieren"- böse Zungen würden sagen "um die Anleger abzuzocken". 😉 Gerade die Frage, wann und wie die Volatilität im Derivat herauf oder herab gesetzt wird, ist dafür ein beliebtes Spielfeld.

3) Sie sind (oft) teurer

Auch das ist nicht immer richtig, es gibt Ausnahmen die von den individuellen Umständen abhängen. Aber im Kern ist es doch ganz einfach, bei einem Derivat ist ein weiterer "Mitesser" an Bord, der das Derivat anbietet, weil er Gewinn machen will.

So wird sich ein Bank, die ein Derivat auf EURUSD anbietet, sich dafür auch am Devisenmarkt refinanzieren. Einem Devisenmarkt, an dem wir auch direkt handeln könnten. Und dann baut die Bank rund um EURUSD noch eine derivative Konstruktion und natürlich kostet diese und die Kosten werden ins Produkt eingepreist - wo auch immer, das hängt vom Produkt ab.

Abgesehen davon, werden solche Derivate auf die Underlyings ja nicht deshalb kreiert, weil die Banken "gute Menschen" sind. Sondern weil diese damit zusätzlichen Gewinn machen wollen. Da aber der Preis des Underlyings, sich objektiv an der Börse oder am Devisenmarkt ergibt, muss der zusätzliche Gewinn der Bank, der das Geschäft mit Derivaten überhaupt erst legitimiert, im Derivat selber versteckt sein.

Deswegen darf man bei den Derivaten auch nicht immer nur die reinen Gebühren betrachten, denn auch in der Konstruktion selber können Kosten versteckt sein. Und die kann man eben schwer sehen, weil es eben keine Vergleichskurse gibt. Um das zu analysieren. muss man sich aber intensiv mit der individuellen, derivativen Konstruktion befassen.

Wenn man den Verlauf der Kurse von Derivaten direkt mit dem Underlying vergleicht, stellt man auf jeden Fall oft mal Abweichungen fest, die über die Zeit grösser werden. Grund sind dann fast immer "innere" Kosten in der Konstruktion des Derivats. Und diese sind nicht per Zufall da, sondern weil der Emittent dieses Geschäft ja macht, weil er damit verdienen will.

Es mag Einzelfälle und Anwendungsfälle geben, bei denen die derivative Lösung dann für den einzelnen Anleger doch günstiger ist. Gerade bei Anlegern mit kleinen Depots kann das sein, wenn mal wieder Sonderaktionen laufen um Derivate zu promoten. Denn durch die vergleichsweise hohen Grundgebühren für Kleinanleger beim Kauf- und Verkauf an der echten Börse, haben Derivate die Chance bei Sonderaktionen hier Gebühren-Vorteil zu generieren.

Im grossen Bild ist aber klar, dass ein weiterer gewinnorientierter Mitesser in der Nahrungs-Kette des Finanzproduktes, eher zu höheren Kosten beim Anleger führen muss.

Fazit:

Derivate sind auch für Kleinanleger keine Teufelei und kann man gut einsetzen, wenn man sich der Funktionsweise und Nachteile bewusst ist.

Das Problem ist eher, dass der Umgang mit Derivaten vom Anleger in der Regel höhere Kenntnisse erfordert, als der Kauf des Underlying selber. Umgedreht sind es aber eher die "kleinen Anleger", die diese Derivate nutzen, während die grossen, eher erfahrenen Anleger an Xetra, Eurex und Co. unterwegs sind oder derivative Konstruktionen nutzen, die sie sich selber "gebaut" haben. Aus dieser Diskrepanz entstehen oft Probleme mit Derivaten.

In Fällen wo Derivate Situationen abbilden, die man ansonsten nicht direkt handeln könnte, kann man sie aber nutzen, wenn man die Funktionsweise wirklich versteht. In Fällen aber, wo sie letztlich nur bieten, was man im Underlying auch selber tun könnte, ist aus den obigen Gründen in meinen Augen das Underlying vorzuziehen.

Ganz grundsätzlich gilt natürlich, dass die Solidität des Emittenten ein zentraler Risikofaktor ist, den man im Auge behalten sollte. Solange man bei grossen Adressen wie der Deutschen Bank oder Commerzbank bleibt, braucht man das Risiko aber auch nicht über zu bewerten. Denn wenn die kippen sollten, haben wir alle ganz andere Probleme. Und zwar auch die Anleger, die keine Derivate nutzen. Dann sitzen wir alle mehr oder weniger im gleichen Boot.

Insofern spricht erst einmal null und nichts dagegen, bestimmte Sondersituationen mit Derivaten zu handeln. Man muss sich halt nur genau mit der individuellen Funktionsweise beschäftigen. Und man sollte immer erst einmal schauen, ob man das Gleiche nicht mit dem Asset selber oder mit einem sehr transparenten CFD abwickeln kann, der den Kursverlauf des Underlying 1zu1 abbildet.

Ihr Hari

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Marktlage im DAX – Was sollen Anleger tun ?

Der DAX wackelt und zeigt eine klare Unter-Performance gegenüber anderen Indizes, insbesondere gegenüber dem Leitindex S&P500.

Natürlich spielt dabei auch die Unsicherheit um die Ukraine eine Rolle, die nur einige hundert Kilometer von Deutschlands Ostgrenze entfernt ist. Und auch die deutsche Wirtschaft hat viele Geschäfte mit Russland, was den DAX und MDAX besonders anfällig für die Auswirkungen von Eskalation und Wirtschaftssanktionen macht.

Die Ukraine alleine, reicht aber nicht aus als Erklärung für eine relative Schwäche des DAX, die schon seit März andauert. Da der DAX in der Mehrheit von angelsächsischen Investoren gehalten wird, braucht es auch deren Abflüsse, um dem DAX ein deutliche Unterperformance zu bescheren. Und das scheint zuletzt immer wieder der Fall gewesen zu sein.

Ich bleibe daher bei meiner schon vor Wochen geäusserten Ansicht, dass der DAX derzeit nicht einer der präferierten Indizes der Welt ist und man sein Kapital erfolgsträchtiger in anderen Teilen der Welt in Bewegung setzt. Wenn Sie wissen wollen in welchen, stossen Sie zur sumerdigital Community dazu.

Trotz dieser berechtigten Fragezeichen über dem DAX, sollte man aber doch die "Kirche im Dorf" lassen. Kaum geben die Märkte mal nach, poppen überall wieder diese unvermeidlichen Crash-Propheten hervor. Deren Geschäft ist einfach. Es wird jedes Mal, wenn sich eine Gelegenheit ergibt, ein Crash vorher gesagt. Das hatten wir auch schon 2013, 2012 und 2011. In den 9 von 10 Fällen, in denen aus dem "Crash" nichts wird, haben die Leser das schnell vergessen, man redet dann halt nicht mehr darüber. Der eine Fall aber, sorgt dann dafür, dass man ausgesorgt hat und sich auf Jahre als "Crash-Guru" für teures Geld herum reichen lassen kann - oder noch besser, seine eigenen Fonds mit dieser "Expertise" unters Volk bringen kann.

Dieses System ist so durchschaubar, dass wir als erfahrene Anleger über diesem medialen Rauschen stehen sollten. Denn ein Blick auf das Wochenchart im DAX zeigt schnell, dass es zwar Grund zur Aufmerksamkeit und Vorsicht gibt, von einem Crash aber bisher in keinster Weise die Rede sein kann:

DAX W 16.04.14

Sie sehen in dem Chart ganz schnell, dass der DAX nun bestenfalls etwas mit dieser langfristigen Aufwärtstrendlinie flirtet. Ansonsten ist der Aufwärtstrend völlig intakt und das was wir gerade erleben, sieht eher wie eine Seitwärtskonsolidierung aus, die durchaus nach oben aufgelöst werden kann.

Erst wenn die wichtige Unterstützung unterhalb 9000 im DAX nachgeben sollte, dann wird dort, wo ich den blauen Stern hingezeichnet habe, der Trend langsam in Frage gestellt. Solange der DAX aber über 9000 bleibt, ist im grösseren Bild gar nichts passiert.

Das heisst nicht, dass man nun sorglos werden darf. Eine grosse Topbildung ist möglich, auch wenn sie im Chart noch nicht vollzogen ist. Wir haben in der sumerdigital Community daher schon seit Anfang letzter Woche die Cash-Quoten deutlich erhöht und sind nun weit defensiver aufgestellt.

Auch sind wir nun deutlich weniger aktiv im Markt unterwegs, als im letzten Jahr. In solch unsicheren Phasen, darf man sich einfach nicht hektisch in jedem Swing zerreiben lassen - ausser man hat sich als Daytrader auf diese Swings spezialisiert, was aber ein "hartes Brot" ist.

Zu Vorsicht und einer defensiven, neutralen Aufstellung, besteht also rationaler Anlass und das haben wir vollzogen. Darüber hinaus, gibt es aber bisher keinen Anlass für Katastrophen-Szenarien - wir müssen nun einfach ruhig und gelassen abwarten.

Der Markt wird uns schon zeigen, in welche Richtung er letztlich will. Und wenn der Markt dieses Zeichen gibt, werden sich auch wieder attraktive Chancen auftun, in welche Richtung auch immer.

Hier und Heute kann man die Frage "Was tun ?" also sehr leicht beantworten:

Wenn Sie rechtzeitig Ihre Aufstellung den erhöhten Risiken angepasst haben, gibt es aktuell nichts zu tun !

Und wenn Sie es bei dieser Korrektur wieder nicht geschafft haben, rechtzeitig mal mit einem Teil Ihrer Gewinne auf die Seitenlinie zu kommen, dann sollten Sie das unbedingt und zügig lernen !

Ihr Hari

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Die goldenen Regeln für Geldgeschäfte

Ich habe mal vor ca. 2 Jahren für eine Freundin, die sich von Banken den üblichen Provisions-Müll aufschwatzen liess, eine Art Selbstverpflichtung geschrieben, mit der sie sich in Zukunft selber zur Disziplin rufen kann.

Jetzt ist der Inhalt für die meisten der Leser hier selbstverständlich, weil sie (hoffentlich ;-)) schon über die Phase hinaus sind, in der sie noch daran glaubten, dass es in den Marmorpalästen der Banken und Versicherungen primär um ihre Interessen geht.

Nun bin ich aber wieder über den alten Text gestolpert und finde ihn immer noch so treffend, dass ich ihn hier veröffentlichen will. Vielleicht haben Sie ja auch Verwandte und Bekannte, denen diese Regeln zu besseren Geldgeschäften verhelfen könnten. 😉

Wenn ja, geben Sie Ihnen diesen Link zu sumerdigital.de !

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Hari´s 5+1 goldene Regeln zu Geldgeschäften

1. Alles hat eine Nacht Zeit !

Ich werde bei Vorschlägen zur Geldanlage NIE direkt beim ersten Gespräch zustimmen. Ich werde mir den Vorschlag ganz genau anhören, detailliert nachfragen und dann den Vorschlag entweder direkt ablehnen oder antworten : "Ich denke darüber nach und melde mich dann Morgen bei Ihnen". Kein Geldgeschäft ist so dringend, dass es nicht eine Nacht und einen Tag Zeit hätte.

2. Ich mache nur was ich verstehe !

Ich werde NUR Geldanlagen tätigen, die ich auch wirklich verstanden habe. Denn kein Geldgeschäft ist so kompliziert, dass man es nicht erklären könnte, wenn man es selber verstanden hat. Und wenn sich das auch noch so toll und kompliziert anhört und wenn der Gesprächspartner auch noch so kompetent wirkt und mit Fachbegriffen um sich wirft : Solange ich nicht alles wirklich verstanden habe, tätige ich kein Geldgeschäft !

3. Nur faule Ware muss intensiv beworben werden !

Ich habe verstanden, dass gute Geldanlagen keine Werbung brauchen - die verkaufen sich unter den Profis von alleine. Je mehr aber etwas beworben wird und je angestrengter ein Dritter eine Sache empfiehlt, desto wahrscheinlicher ist die Geldanlage schlecht. Wirklich gute Tips gibt es manchmal von kompetenten Freunden, wenn sich aber ein Fremder mit Anlage-Tips aufdrängt, hat er einen Grund dafür und das kostet mich in der Regel Geld !

4. Es gibt immer Risiken !

Ich habe verstanden, dass JEDE Geldanlage, selbst eine Staatsanleihe, Risiken in sich birgt. Je höher die Risiken desto höher der potentielle Ertrag. Hohe Erträge ohne Risiko gibt es nicht und wenn das einer behauptet, verbirgt er etwas und will betrügen, denn kein Fremder hat etwas zu verschenken. Deshalb werde ich mich zu jeder Anlage umfassend zu den Risiken informieren.

5. Die Welt ändert sich jeden Tag, wer erfolgreich sein will muss sich anpassen !

Ich habe verstanden, dass eine gestern richtige Geldanlage schon Morgen aufgrund geänderter Rahmenbedingungen nicht mehr empfehlenswert sein kann. Ich habe verstanden, dass es KEINE Anlagen gibt, die man einfach hinlegen und vergessen kann - das ist ein Gerücht. Ich werde deshalb zumindest einmal im Jahr, alle meine Geldanlagen und Versicherungen durchsehen und prüfen ob diese immer noch in Ordnung sind.

5+1. Strafe muss sein !

Wenn ich mich selber dabei ertappe, dass ich gegen eine der Regeln oben verstosse, spende ich zur Strafe 100€ für einen guten Zweck.

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