Ausblick: Eine entscheidende Woche

Vor uns liegt eine entscheidende Woche, die das Potential hat, den Ton des Marktes bis zum Jahresende zu bestimmen. Entscheidend ist die Woche wegen des FED Meetings am 20./21.09., das von den Märkten zwischen Hoffen und Bangen erwartet wird. Und dieses mal wird es keine weitere Verschiebung geben, dieses Mal muss und wird Ben Bernanke seine Karten aufdecken und Mr. Market wird bewerten, ob es ein Bluff oder ein Full-House ist.

Schauen wir uns vor einem Fazit doch mal die positiven und negativen Aspekte an:

Positives:

  • Der Markt war letzte Woche konsistent stark, mit Leadership in den richtigen Branchen. In den US bei Semiconductors und Transports, im DAX bei der Finanzwelt und der Autoindustrie. Genau die Branchen die vorne liegen müssen, wenn wir uns aus dieser Baisse heraus arbeiten wollen.
  • Alle US Indizes haben erneute, kurzfristige Kaufsignale generiert.
  • Der DAX ist zum ersten Mal seit Beginn des Absturzes vor fast 2 Monaten wieder stärker als die US Indizes gelaufen und hat endlich die grosse relative Schwäche hinter sich gelassen.
  • Die Marktbreite der Rally letzte Woche war in allen Indizes sehr gut.
  • Das Marktsentiment ist immer noch aussergewöhnlich negativ. Viele sind der Rally sehr skeptisch gegenüber und halten diese für eine Bullenfalle. Das spricht dafür, dass viele noch an der Seitenlinie stehen und hoffen wieder bessere Kurse zu sehen. Ein klassisch bullishes Setup.
  • Wallstreet hat die Schätzungen für die Unternehmensergebnisse so weit nach unten geschoben, dass der Markt eigentlich problemlos darüber springen sollte. Wallstreet tut alles - wirklich alles und mehr – für ein gutes 4. Quartal. Denn in dem extrem schwierigen Markt des Jahres 2011 sind auch viele Hedgefonds und Institutionelle unter Wasser und brauchen wirklich dringend einen guten Jahresabschluss. Es ist gefährlich, sich diesem uniformen Wunsch von Big-Money in den Weg zu stellen. Auch 2008 kam der richtige Absturz aus ähnlichen Gründen erst nach dem Jahreswechsel.
  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass die FED diese Woche nichts liefern wird. Ich denke da kommt was und der Markt wird aus obigen Gründen alles versuchen das positiv zu interpretieren. Der Markt will jetzt hoch.

Negatives:

  • Die Probleme in der EU und in der US Konjunktur die zu diesem Absturz beigetragen haben sind unverändert intakt und werden sich kurzfristig nicht ändern. Ohne eine Auflösung der Ängste um Griechenland oder den Zerfall des Euros, haben die europäischen Märkte keine Chance auf eine nachhaltige Erholung. Die einzige schnelle Lösung wäre, das sowieso Unvermeidliche endlich geschehen zu lassen und Griechenland in die Insolvenz gehen zu lassen. Aber selbst wenn die Politik dazu bereit wäre, wird das nicht vor Oktober passieren, da erst dann der EFSF aktiv und bereit ist.
  • Die Wirtschaftsdaten in den US sind mies und bleiben mies. Bisher waren die Marktteilnehmer bereit dem auch Positives abzugewinnen, weil es die FED vermeintlich zum Handeln veranlasst. Das hat die US Märkte stabilisiert. Nach der FED werden schlechte Daten nur noch schlecht interpretiert werden, mit aller Konsequenz.
  • Die Emerging Markets haben letzte Woche schlecht ausgesehen. Auch die Industriemetalle waren sehr durchwachsen. Kein gutes Zeichen für die Weltkonjunktur.
  • Der EUR/USD sieht so aus, als ob er einbrechen würde und die Reise Richtung 1,20 antritt. Dem würde sich eine Wallstreet nicht entziehen können und die anderen Börsen nach unten mitreissen.
  • Die Rally vor der FED hat nun schon statt gefunden. Das Risiko einer „Sell the News“ Reaktion ist stark gestiegen, auch wenn der Markt versuchen wird das Positive darin zu finden.
  • Das Headline Risiko war wohl noch nie so hoch wie derzeit. Jede politische Schlagzeile aus den US oder Europa hat das Potential den Markt in wilde Bewegungen zu versetzen. Unsicherheit ist die Mutter aller Volatilität. Und Unsicherheit haben wir mehr als genug.

Fazit:

Wir stehen an einer Wegscheide, die uns im S&P500 bis 1020 abstürzen, aber auch die 1300 wieder erreichen lassen kann. Im DAX würde das wohl 4500-4800 bzw 6300-6500 bedeuten.

Ich sehe aber im Moment absolut keinen Hinweis, in welche Richtung das ausschlagen wird. Diskussionen um vermeintliche Unterbewertungen von Unternehmen sind dabei ebenso wenig hilfreich wie im Sommer 2008. Sollte eine Währungskrise kommen, sind auch alle Buchwerte massiven Abschlägen ausgesetzt, von KGVs und Auftragsbeständen ganz zu schweigen. Wer glaubt nur aufgrund vermeintlicher Unterbewertung nun Aktien kaufen zu müssen, fischt in meinen Augen im Trüben und wäre gut beraten, damit zu warten bis sich nach der FED und dem Ausblick der Unternehmen im Rahmen der Q3 Ergebnisse ein klarer Trend gebildet hat. Technisch war vor einer Woche noch ein schöner Long-Setup vor der FED möglich, die Rally der letzten Woche hat den aber zunichte gemacht.

Sicher ist nur, dass es ein Markt für kurzfristige Trader bleibt, bei dem jeder der einen Horizont von mehr als 48 Stunden hat immer wieder in wilden Swings Geld verliert. Für den normalen Anleger kann es also in meinen Augen nur ein Ziel geben: Kapitalerhalt und Vorsicht. Bis sich wieder ruhigeres Fahrwasser eingestellt hat und eine klare Richtung erkennbar ist.

Erinnern wir uns doch an den Dezember 2010, selten habe ich so eine ruhige und entspannte Börsenphase erlebt. Ist gar nicht so lange her, fühlt sich aber an, als ob es letztes Jahrtausend war.

In diesem Sinne wünsche ich allen die richtigen Entscheidungen !

Mr. Market macht es einem nicht einfach

Tja, Mister Market macht es einem nicht einfach. Aber war das jemals anders  ?

Die Rally von Gestern wurde heute an der Wallstreet bestätigt. Nach einem starken Anstieg wurde dieser wieder abverkauft und die Indizes sogar ins Minus getrieben. Dann aber setzten sich doch die Kaufprogramme durch und es wurde mit ca. 1,5% ein guter Tag.

Positiv war, dass es auch heute den zweiten Tag keine starken Einschläge nach unten mehr gab, wie sie für Bärenphasen so typisch sind. Statt dessen kamen die starken Bewegungen nach oben, nach unten bröselte es nur. Ein sehr gutes Zeichen, das Momentum hat gedreht und zeigt nach oben.

Positiv war auch erneut, dass es wieder keinen Abgabedruck in den letzten Minuten gab. Die Longs wurden nun schon den zweiten Tage Overnight gehalten – ein ganz eindeutig positive Änderung der Marktmechanik.

Positiv war auch, dass der Gold und Silber Trade nun zerlegt wird. Gold und Silber fielen heute 4-7%, das ist fast ein Crash für Gold. Da können wir in den nächsten Tagen möglicherweise noch tiefrote Tage erleben, denn jetzt werden gerade die schwachen Hände die zuletzt gekauft haben um sich „wohl“ zu fühlen in Panik verfallen. Es ist halt mit so parabolischen Anstiegen immer das gleiche und manche lernen es nie.

Positiv ist das Zusammenbrechen des Gold-Trades, weil es bestätigt dass die grosse Angst etwas aus dem Markt weicht und Beruhigung eintritt. Und weil es mir ermöglicht bald Gold und Silber und die Minen zu viel niedrigeren Kursen wieder aufzusammeln

Denn mittel und langfristig sind die Treiber für die Precious Metals völlig intakt. Wer also mal wirklich sich etwas ins Depot legen will, dass er dann beruhigt einfach drin lassen kann, der sollte jetzt warten bis demnächst die Schlagzeilen der Medien marktschreierisch vom „Platzen“ der Gold“blase“ schwafeln. Dann kann er beruhigt kaufen, dann ist die Korrektur weit genug gelaufen. Es kann gut sein, dass wir bis dahin 1500USD wiedersehen.

In Summe sind wir also in ruhigeres Fahrwasser eingetreten mit leichter Tendenz nach oben. Das ist schon einmal eine deutliche Verbesserung gegenüber den letzten Tagen. Wer jetzt will und das Risiko aushalten kann, kann jetzt also Long im Markt sein, aber immer an den Notausgang denken !

Trotz dieses akzeptablen Followups ist der Jackson Hole Long Trade für mich nicht aktiv. Und zwar weil das Upside Heute zwar gut, aber dafür nicht gut genug war ! Denn wenn hier wirklich positive Nachrichten durchgesickert wären, dann hätten wir heute wie ein Messer durch Butter durch die 1200 im S&P500 schneiden müssen, alle anderen Inkredenzien für so eine Rally waren 100% da. Was der Markt geschafft hat, ist aber nicht
mehr als eine eher lahme bzw vorsichtige Erholung.

Da ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass die Spitzen der Wallstreet schon längst den Tenor der Ansprache von Bernanke in Jackson Hole kennen, lässt das nur einen Schluss zu:

Bernanke wird für keine Überraschung sorgen, er wird weder enttäuschen, noch wird er ein konkretes QE3 ankündigen. Er wird statt dessen warme Worte finden und die Hoffnung auf ein QE3 am Leben erhalten, nicht mehr und nicht weniger. Das ist das wahrscheinliche Ergebnis, was uns Mr. Market mit seinem Verhalten im Moment andeutet. Jackson Hole wird also potentiell ein „Non-Event“. Damit habe ich aber auch keinen Edge bei der Einschätzung was der Markt dann nächste Woche macht und damit macht es auch keinen Sinn das Risiko zu gehen sich während bzw vor der Rede schon zu positionieren.

Zusammengefasst heisst das für den DAX:

Vorbehaltlich der „üblichen“Überraschungen wie das nun Italien endgültig Pleite ist, haben wir definitiv ruhiges Fahrwasser mit positiver Tendenz bis Freitag. Wer das spielen will kann das in meinen Augen tun, wenn er seine Defensive nicht vernachlässigt. Der Markt sagt uns aber, dass er vor Bernanke auf weitere Zusammenbrüche wohl verzichten wird.

Was danach passieren wird, dafür gibt die jetzige Datenlage nichts her, was einem einen echten Vorteil verschaffen würde. Dazu nur zwei grundsätzliche Anmerkungen:

1. Gegenbewegungen in Bärenmärkten dauern eigentlich immer ein paar Wochen und beginnen immer so zögerlich wie heute. Insofern ist es gut möglich (nicht sicher!) dass wir nun einen ganz guten September bekommen der uns im DAX wieder in die oberen 6000er bringen kann.

2. Es spricht nach wie vor fast alles dafür (in meinen Augen nach wie vor 80:20), dass wir uns in einem Bärenmarkt befinden. Sprich die unter 1. beschriebene temporäre Stärke wird irgendwann auslaufen und dann folgt das ganz dicke Ende und wir sehen noch viel tiefereKurse als Heute.

Viel Glück und gutes Gelingen für Morgen !

Historische Tage

Wow ! Was für ein Tag. Ein historischer Tag reiht sich gerade an den nächsten !

Mittags der harte Kampf um die letzte Unterstützungslinie bei DAX5500 und S&P1100. Wären wir dort massiv nach unten durchgefallen, hätte es den Markt wahrscheinlich zerlegt und erneut 8% nach unten gedrückt.

Dann, mit dem näherkommenden US Börsenstart kamen die Kaufprogramme und haben bis fast in den Schluss nicht nachgelassen und gepresst und gepresst. Die Bären sind panisch geflüchtet. Heraus kam eine 6-8% Intraday Bewegung nach oben und Schlussstände in beiden Indizes mit ca +4-5%. Das in den letzten 10 Minuten dann noch ein paar Gewinne mitgenommen wurde, ist in Anbetracht dieser Bewegung völlig normal. Wer traut sich dieser Tage auch schon, seine Gewinne dem Übernacht-Risiko auszusetzen.

Der Markt will aber nun einfach hoch, was in Anbetracht der historisch nach unten verzerrten Markttechnik wirklich kein Wunder ist und ich hier ja nun oft genug gesagt habe. Das sieht Morgen für den DAX gut aus.

Wenn – ja das wenn kennen wir ja schon – wenn nicht wieder aus dem europäischen
Finanzsystem oder der Politik neue Horrornachrichten kommen.

Denn eigentlich wären unsere Finanzgurus Junker und Baroso jetzt mal wieder an
der Reihe, irgend etwas blödsinniges zu faseln, dass die Märkte erneut in Aufruhr versetzt...

Aber bei aller Begeisterung bitte ich  nicht zu vergessen, falls wir in einem Bärenmarkt sind (was ich für wahrscheinlicher halte, als das wir wieder zu Höchstständen laufen) dann wird diese Rally irgendwann auslaufen und dann kommt das richtig dicke Ende. Dann wäre diese Rally der „Letzte Ausgang vor dem Tunnel“. Jeder möge den Chart von
2008 über seinen PC hängen um diese Möglichkeit nie zu vergessen !

Short Squeeze an der Wallstreet

Na also ! Short Squeeze ! S&P 1172 !

Der S&P 500 hat mit grossem Momentum nach oben gedreht, trotz der Tatsache, dass die FED die Blütenträume von QE3 (noch) nicht befriedigt hat.

Das ist extrem positiv. Das bedeutet die Wahrscheinlichkeit dass wir einen kurzfristigen Boden drin haben ist auf 90% gestiegen. Die Ampel stehen kurzfristig auf Grün !

Morgen hat das Potential ein ausserordentlich positiver Tag zu werden. Nach der Verkaufspanik ist morgen eine Kaufpanik drin. Wenn – ja wenn – uns bitte nicht wieder irgendein Mist aus Italien, Spanien oder Frankreich in die Suppe spuckt.

Das bedeutet Morgen gibt es grosse Chancen auf der Long Seite. Wer jetzt will, kann das Morgen spielen. Aber bitte nicht vergessen, trotz aller Euphorie unbedingt trotzdem Stops unter die Einstandskurse, eine böse Überraschung ist jederzeit möglich ! Nie die Defensive vernachlässigen !

Der weitere typische Ablauf so eines Bounce nach Lehrbuch des alten Markorakels lautet:

1. Morgen positiver Trendtag mit Upside 3-5% im DAX. Eröffnung wahrscheinlich oberhalb 6000, Tagesschluss bei 6300 durchaus möglich. Selbst mehr bis über 6400 ist drin, wenn es keine Störungen durch die Politik gibt.

2. Übermorgen noch einmal ein starker Beginn als Folge der starken Wallstreet. Dann steigendes Risiko eines erneuten Rückgangs. Es ist bei solchen Bodenbildungen durchaus üblich dass sich ein IHS (Umgedrehter Kopf-Schulter Pattern) bildet. Die linke Schulter und das Tief mit 1100 haben wir nun im S&P500. Die rechte Schulter steht aus.

3. Nachdem im erneuten Rückgang noch einmal die alten Ängste hochkommen – aber
nicht mehr zu neuen Tiefstständen führen – ist der Weg für den ruhigen Teil des Bounce frei.

4. Die entscheidende Frage ist dann wohin uns der Bounce führt. Läuft er unter 7000 aus und dreht wieder nach unten wäre das die Bestätigung dass wir in einen Bärenmarkt eingetreten sind und man sollte so schnell wie möglich raus aus dem Markt. Das ist das Szenario das ich im Verhältnis 2:1 für das wahrscheinlichere halte, gegenüber einem Anstieg zu neuen Höchstständen.

So jetzt gehe ich einen trinken. Ich habe mich aufgrund der Markttechnik seit Freitag weit aus dem Fenster gelehnt und seitdem Long Positionen aufgebaut. Jetzt werde ich den Ritt
geniessen .....

(Mit Stops natürlich !

)