Russland und Osteuropa – Kaufen, wenn die Kanonen donnern ?

Dieser Börsenweisheit wurde schon oft zitiert und beweist doch immer wieder erstaunliche Trefferquote. Nicht kurzfristig, kurzfristig ist die Zukunft unbestimmt und niemand kann politische Volten oder sogar Kriegsverläufe vorher sehen.

Aber langfristig ist an der Regel etwas dran. Und das liegt daran, dass der Markt dazu tendiert, im ersten Schreck einer potentiell kriegerischen Entwicklung, alles Negative sofort einzupreisen. Der Markt übertreibt also am Anfang oft nach unten - "Angst fressen Seele auf" sozusagen. Im weiteren Verlauf reicht dann schon eine durchwachsene Entwicklung aus, die übergrossen Ängste des Marktes wieder zu nehmen und so steigen die Kurse wieder in alte Regionen.

Damit stellt sich bezogen auf Osteuropa und Russland doch die Frage, ob es auch in den dortigen Aktienmärkten, zu so einer Überreaktion gekommen ist, die im Zuge einer langsamen Normalisierung nun langsam abgebaut wird.

Wir verfolgen das Thema im Premium-Bereich schon seit Ende April, seit erste klare Entspannungszeichen aus dem Kreml kamen und die unmittelbare Gefahr eines Einmarsches in der Ukraine zu schwinden schien. Denn der Markt interessiert sich natürlich für einen potentiellen Konflikt zwischen Russland und dem Westen. Und er interessiert sich auch für die Folgen von Wirtschaftssanktionen auf einzelne Unternehmen und den Freihandel generell. Für einen Bürgerkrieg in einem wirtschaftlich irrelevanten Land wie der Ukraine, interessiert sich der Markt aber eigentlich nicht, solange das eine interne Angelegenheit bleibt und eben daraus folgend zu keiner Eiszeit zwischen Russland und Europa kommt.

Insbesondere nach den klaren Aussagen von Putin nach dem Besuch des Vorsitzenden der OSZE und Schweizer Bundespräsidenten Didier Burkhalter in Moskau, scheint das unmittelbare Kriegsrisiko rund um die Ukraine sehr viel kleiner geworden zu sein. Was bleibt ist ein instabiles Land mit potentiellem Bürgerkrieg, was aber die Märkte mangels wirtschaftlicher Relevanz nicht sehr beschäftigen wird.

Und genau diese Lage hat der Markt schon nachvollzogen. Ich schaue dabei als Investmentvehikel gerne auf den , in dem Aktien primär aus Russland, Polen, Tschechien und Ungarn zusammen gefasst sind.

Schauen wir auf das Tageschart:

IQQR 12.05.14

Wir sehen einen potentiellen Doppelboden bzw. eine klassische W-förmige Wendeformation mit höherem zweiten Tief. Und das sind oft attraktive Tradingchancen - beim brasilianischen Index Bovespa, haben wir erst vor wenigen Wochen gesehen, welches Potential so eine Struktur haben kann.

Nun unterliegt dieser Trade natürlich politischem Einfluss und ist daher deutlich wackeliger als der Bovespa-Trade. Niemand kann den weiteren Verlauf rund um die Ukraine wirklich vorher sagen und auch eine plötzliche, erneute Eskalation ist nicht auszuschliessen.

Aber dafür gibt es Stops, die sinnvoll unter dem rechten Tief des potentiellen Doppelbodens liegen. Und der Markt hat schon viele Risiken eingepreist.

Wer also den richtungslosen DAX leid ist, hat nun ein paar Aktienmärkte in Europa, wo wirklich etwas gehen könnte, wenn sich langsam die Vernunft wieder durchsetzt und am Ende die Ukraine zu einer lockeren föderalen Lösung gelangt, die wahrscheinlich Russland wie Europa gleichermassen zufrieden stellen würde.

Eine föderale Lösung, die man schon viel früher hätte haben können, wenn nicht dieses zerrissene Land mit Macht in eine sinnlose "entweder/oder" Entscheidung zwischen Europa und Russland getrieben worden wäre, die zwangsläufig zu so einer Krise führen musste.

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Die Ukraine und die Märkte. Haben politische Börsen kurze Beine ?

Ja, das haben sie - in der Regel. Und wir haben nun wieder eine politische Börse, nachdem das Erschrecken über die russische Intervention auf der Krim, nun auch weitere Kreise und wohl auch wirtschaftliche Konsequenzen nach sich zieht.

Und das der DAX heute deutlich korrigiert und Gold fast 1350 USD erreicht, ist selbstverständlich zu einem guten Teil die Folge der Geschehnisse in der Ukraine. Auch andere Faktoren machten eine Korrektur durchaus möglich, die heutigen Reaktionen von Gold und Öl zeigen aber überdeutlich, dass hier kurzfristig vom Markt die Krise gespielt wird und wir es nicht nur mit simplen Gewinnmitnahmen in einem überkauften Markt zu tun haben.

Der Grund warum politische Börsen kurze Beine haben, liegt darin begründet, dass politische Krisen aufflackern und dann wieder vergehen. Die Börse interessiert aber nur, was Auswirkungen auf die Unternehmen und ihre wirtschaftliche Entwicklung hat.

Und da die Ukraine keine relevanten Bodenschätze besitzt und auch ansonsten im weltweiten Handel irrelevant ist, wird der Markt kurz zucken und dann wieder zur Tagesordnung übergehen, solange sich das jetzige Szenario nicht ausweitet und es nicht zu offenem Krieg kommt.

Einzig der Aktienmarkt Russlands dürfte nun dauerhaft einen Schlag bekommen, der RTX ist aktuell folgerichtig auch 10% im Minus. Denn Russland ist auf dem besten Weg damit dauerhaft zum "Paria" zu werden und gerade die von Oligarchen geführten Unternehmen Russlands, werden das sehr schmerzhaft zu spüren bekommen.

Wirtschaftssanktionen wirken auf den ersten Blick nicht so eindrucksvoll wie einmarschierende Soldaten. Sind am Ende aber auch sehr schmerzhaft. Denn wenn den russischen Oligarchen der Zugang zum Westen beschnitten wird, wird der innenpolitische Druck auf Putin schnell stark wachsen, eine kooperative Linie einzuschlagen.

Im russischen Aktienmarkt muss man nun also wirklich nicht sein und da die Gegenreaktion des Westens gerade erst anläuft, könnten auch die 10% Minus heute erst der Anfang sein. Und auch der russische Rubel dürfte nun in Schwierigkeiten geraten. Und natürlich werden auch im Westen Unternehmen leiden, die auf die eine oder andere Art und Weise mit Russland verflochten sind oder von Rohstofflieferungen aus Russland abhängen. Darüber hinaus sind die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts um die Ukraine erst einmal gering.

Diese Aussage - und auch die zu den kurzen Beinen politischer Börsen - gilt aber nur für den Fall, dass sich der Konflikt nun nicht ausweitet. Und gilt unter der Annahme, dass die Ukraine - ob mit oder ohne Krim - nun politisch stabilisiert werden kann. Kommt es dagegen nun zu einem offenen Bürgerkrieg, in dem schlimmstenfalls auch noch Russland mit Truppen ohne Hoheitszeichen mitmischt, kann dieses Pulverfass schnell zu einer kompletten Destabilisierung Europas Osten führen und auf andere Randstaaten übergreifen. Und die Nato steht an der polnisch-ukrainischen Grenze und ist dann schnell Teil des Spiels. Übrigens hat Huntington in seinem Buch genau solche Szenarien entlang kultureller Bruchlinien - auch in der Ukraine - skizziert.

So ein Szenario würde grosse Risiken für Europa herauf beschwören und würden die Börsen mit hoher Sicherheit mit einer Korrektur beantworten, gegen die das heutige Minus ein kleiner "Fliegenschiss" ist.

Es ist aber völlig unvorhersehbar, ob es dazu kommt oder ob die Krise nun bald wieder abflaut und sich alles mit einer russischen Krim abfindet und die Ukraine sich politisch stabilisieren kann. Denn auch wenn es aufgrund der aktuellen Grenzen natürlich ein Bruch des Völkerrechtes ist, ist eine russische Krim historisch ja nun gar nicht mal so illegitim.

Und weil wir alle nicht wissen, wie sich das nun weiter entwickelt, ist Panik und hektische Aktivität kein guter Ratgeber.

In so einer Lage muss man seine Risiken reduzieren und einen klaren Plan entwickeln, unter welchen Umständen man die Reissleine ziehen wird. Darüber hinaus ist nun aber Ruhe und Abwarten angesagt und keine hektischen Aktivitäten.

Denn in der Mehrzahl der Fälle haben politische Börsen eben kurze Beine und dann ist dieser Dip sogar wieder ein Kaufgelegenheit. Und über die wenigen Fälle in denen das nicht so ist, möchte ich als europäischer Bürger im Moment lieber noch nicht nachdenken. So nahe wollte ich den Krieg eigentlich nicht mehr haben.

Ihr Hari

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Marktupdate – 09.11.12 – DAX mit relativer Stärke !

Nachdem wir im -> gestrigen Artikel <- zum Abend einen intensiven Blick auf den Leitindex S&P500 geworfen haben, hat sich der Index ja bisher - Stand 21.30 Uhr - genau wie skizziert entwickelt.

Der Bounce ist auf den Punkt gekommen und zwar startete er bei einem S&P500 Future Tiefstand von 1366 um 14.15 Uhr. Nach "Lehrbuch" lief er dann ebenso bis an die Unterkante der Nackenlinie der skizzierten Schulter-Kopf-Schulter Formation bei 1390. Dort ging dann nicht unerwartet die Kraft aus und zum Zeitpunkt dieses Artikels notieren wir wieder bei 1380. Der S&P500 hat den gestern skizzierten Ablauf also perfekt abgearbeitet.

Ich möchte ganz klar festhalten, dass wir damit bisher alle Inkredenzien einer klassischen und massiven SKS-Formation im S&P 500 haben. Das Kursziel im Bereich 1300-1320 hat nun also eine hohe Wahrscheinlichkeit !

Natürlich kann es immer anders kommen, denn die Marktstrukturen können jederzeit durch exogene Nachrichten oder Ereignisse verändert werden. Lassen Sie am Wochenende Nachrichten über den Ticker laufen, nachdem beide Parteien in Sachen "Fiscal Cliff" Kompromisssignale senden und wir eröffnen am Montag oberhalb 1400 im S&P 500.

Trotzdem wäre es nach meiner Erfahrung ein Fehler, diese real vorhandenen Marktstrukturen zu ignorieren und sich gegen den Markt zu stellen. Viele Signale - insbesondere die Schwächlichkeit des heutigen Bounce - signalisieren tiefere Kurse im S&P500 voraus. Und das ist Realität. Die Spekulation auf irgendwelche Nachrichten ist dagegen nur blinde Spekulation.

Wer bullische Erwartungen hat, tut nach meiner Erfahrung nun gut daran abzuwarten, bis der Markt selber gezeigt hat, dass er nun doch drehen will. Dazu bräuchte es als Minimum einen überzeugenden Bruch der 1390 nach oben. Noch besser aber einen Bruch der 1410, wo man eine angedeutete Trendlinie zeichnen könnte. Oder um ganz sicher zu gehen, ein Bruch des letzten Hochs der rechten Schulter bei 1435. Das ist noch ein weiter Weg zu gehen, aber erst dann hätten die Bullen eindeutig wieder die Kontrolle !

Soweit dazu, heute soll aber im Vergleich mal der DAX das Thema des Abends sein. Denn auch wenn sich dieser in keinem Fall den Bewegungen des Leitindex S&P500 entziehen kann, zeigt er doch im Vergleich eine grosse relative Stärke. Schauen Sie selbst auf das Tageschart seit Februar diesen Jahres und vergleichen Sie mit dem Tageschart des S&P500 von gestern.

DAX

Sie sehen, dass der DAX einen sehr geordneten Rückgang bis zum ersten Fibonacci Retracement hin gelegt hat, den man mit gutem Willen als Bullenflagge interpretieren kann. Ich würde die Formation aber eher als einen eindrucksvollen "Descending Broadening Wedge" interpretieren, so wie ich das Ihnen im Chart eingezeichnet habe. Und wenn Sie mit dem Chart des S&P500 vergleichen, sehen Sie auch, dass der starke Absturz des S&P500 der letzten Tage im DAX nicht in dem Umfang nachvollzogen wurde.

Jetzt werden Sie sicher wissen wollen, was das für eine Chartformation ist und da hilft wie immer ein Blick zum Pattern-Papst , der auch in meinen "Hilfreichen Links" vertreten ist. Aber auch hier wird das Prinzip gut erläutert: ".

Und wissen Sie was das Schöne ist ? Diese Formation hat eine weit höhere statistische Wahrscheinlichkeit für eine Auflösung nach oben als nach unten ! Nach Bulkowski liegt die Ausbruchswahrscheinlichkeit nach oben bei 79%. Das ist doch mal ein Wort, oder ? 😉

Der DAX hat also die Chance, den weiteren Absturz des S&P500 in Form eines immer weiter aufgehenden Wedge zu kompensieren, um dann letztlich irgendwann (auch Jahresendrally genannt ;-)) nach oben auszubrechen.

Ich hatte schon mehrfach gesagt, es scheint als ob die europäischen Aktienmärkte nun zunehmend der Ort sind, an dem man investiert sein muss. Die über ein Jahr seit Mitte 2011 andauernde Überperformance der US Indizes, scheint langsam dem Ende entgegen zu gehen.

Auch wenn der Leitindex S&P500 aktuell wirklich nicht gut aussieht, ist Polen also noch nicht verloren und die Jahresendrally noch keineswegs von der Tagesordnung ! Wenn es nun wieder vermehrt Stimmen gibt, die eine derartige Rally verneinen, betrachte ich das eher als positives Zeichen eines zunehmend negativ werdenden Sentiments.

Nehmen wir also mal theoretisch an, der S&P 500 liefe in den kommenden 2 Wochen durchaus herab bis in die Zone 1300-1320 und würde die SKS-Formation vollenden. Übertragen auf den "descending broadening Wedge" des DAX, würde das einen erneuten Rückgang bis knapp unter 7000 bedeuten, dem sich dann der Ausbruch nach oben zum Jahresende anschliesst. Nicht die schlechtesten Aussichten !

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 25.05.12 – Wochenabschluss – DAX Lagebesprechung

19.30 Uhr - heute etwas früher, da ich nicht glaube, dass heute am Markt noch viel passiert.

Zum Abschluss der Woche und in Vorbereitung auf die kommende Woche, möchte ich heute eine Reihe von Punkten ansprechen, die mir im Moment bedeutsam erscheinen.

TAKTISCHES

Lassen wir mal die ganze Politik beiseite und schauen mal nur auf den Chart des DAX. Ich habe dazu den Chart des Futures in der Stundensicht gewählt, weil wir dort wegen der Handelszeit bis 22 Uhr weniger Gaps haben und daher eine kontinuierliche Entwicklung sehen können. Lassen Sie sich von der Komplexität des Bildes nicht verwirren, ich werde weiter unten die Szenarien erklären.

Denn ich will Ihnen zeigen, dass man die aktuelle Entwicklung ebenso bullisch wie bärisch interpretieren kann, je nachdem welchen Blickwinkel man einnimmt.

Betrachten wir zunächst das bullische Szenario, das durch die grünen Linien gekennzeichnet ist. Man kann argumentieren, dass wir einen Abwärtstrend hatten, der durch die Bewegung vom 21.05., vom Montag dieser Woche, gebrochen wurde. Weiter kann man argumentieren, dass die Tiefs von Montag zwar getestet, aber danach nicht mehr gebrochen wurden. Als Folge hat sich eine Trendlinie immer höhere Tiefs gebildet, die ein Zeichen für eine Trendwende sein könnte. Und man kann argumentieren, dass der Non-Event des EU Sondergipfels ja eigentlich schlechte Nachrichten waren, weil Hoffnungen zerstoben. Und trotzdem hat der Markt keine neuen Tiefs gebildet, normalerweise ein Indiz für eine bevorstehende Wende nach oben.

Im bärischen Szenario würde man zunächst den typischen Ablauf solcher Korrekturen sehen. Nach einem ersten Absturz kamen wir in der starken Unterstützungszone um 6400 zum halten und haben danach eine Seitwärtsbewegung durchgemacht, in der wir versuchten die vorherige Unterstützungszone von 6600 zurück zu erobern, die nun zum Widerstand geworden war. Nachdem das mehrfach nicht gelang und durch die Seitwärtsbewegung die überverkaufte Markttechnik abgebaut war, gab es den ganz typischen nächsten Schwall nach unten, der erst oberhalb 6200 zum Halten kam. Nun begann das gleiche Spiel, 6400 war zum Widerstand geworden und mehrfache Versuche diese Marke zurück zu erobern scheiterten. Mit dem heutigen Tag ist der überverkaufte Marktzustand auch wieder deutlich abgebaut, was Raum für den nächsten Schwall nach unten schafft, der dann eine Zone 6000-6200 etablieren könnte. Und im übrigen haben wir zu keinem Zeitpunkt die Linie des 200er Durchschnitts zurück erobern können, der durch die feine schwarze Linie dargestellt ist. Das ist eher das Zeichen eines bestehenden Abwärtstrends.

Soweit die beiden Sichtweisen. Sie merken vielleicht schon aus meinen Worten, das ich rein von dem her was ich im Chart sehe, eine leichte Präferenz zum bärischen Szenario habe. Für mich sieht das was der Markt aktuell macht eher nach einer Konsolidierung vor der nächsten Abwärtsbewegung, als nach einer Wende aus. Allerdings hat die markttechnische bzw charttechnische Analyse in so einem politischen Umfeld natürlich massive Grenzen, diese liefert nur dann brauchbare Erkenntnisse, wenn der Markt ohne starken Einfluss von aussen alleine schwingen kann.

Das ist aber definitiv nicht der Fall, am Ende entscheidet die Politik und der griechische Wähler über das kurzfristige Schicksal des DAX. Insofern bleibe ich bei meiner schon geäusserten Sicht einer leichten (55:45) Präferenz für weiter fallende Kurse. Substantiell geändert werden kann das Bild bis zum 17.06. wohl nur durch überraschende Entwicklungen, die wir alle im Moment noch nicht sehen.

Insofern, abwarten, Tee trinken und Kapital schützen. So einfach kann Strategie sein und so schwierig ist das umzusetzen. 😉

STRATEGISCHES

Je mehr ich darüber nachdenke, lese und verstehe, desto mehr wird mir klar, dass das Thema des "Shale Gas" in den US zu einem echten "Game-Changer" mit weltweiten Konsequenzen wird. Es sieht so aus, als ob den USA damit auf Jahrzehnte eine billige Energiequelle zur Verfügung steht, als Folge davon könnte die USA zu einem Netto-Exporteur von fossilen Energierohstoffen werden. Schon heute ist eine Anpassungsbewegung im Gange, in deren Folge Kraftwerke und energieintensive Industrie auf Gas umstellen. Und die US Administration fördert das massiv.

Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind erheblich. Geopolitisch dürfte der Nahe Osten mit seinen Ölvorräten damit seine strategische Bedeutung für die USA langsam verlieren, aber auch Länder wie Russland, die ausser Öl und Gaslieferungen nicht viel zu bieten haben, dürften mittelfristig ein Problem bekommen. Noch wichtiger ist aber der Effekt auf die amerikanische Schwerindustrie, die einen rasanten Wiederaufstieg erleben dürfte. In den alten, abgewrackten Industrieregionen rund um Pittsburgh macht sich jetzt schon Aufbruchsstimmung breit. Denn billige Energie verschafft der US Industrie erhebliche Wettbewerbsvorteile. Und das betrifft nicht nur die Schwerindustrie, sondern alle Industriezweige, die Öl als Kostenfaktor haben, so auch die Chemieindustrie wie zum Beispiel die alt ehrwürdige Dow Chemical (WKN 850917). Die BASF (WKN BASF11) hat das übrigens auch erkannt und baut schon in den USA ein Werk. Falls Sie es übersehen haben, sollten Sie unbedingt Interview mit dem US Chef von BASF lesen.

Übrigens, wir in Europa könnten den gleichen Boom erleben, so gibt es zum Beispiel in Polen, aber auch bei uns in der Norddeutschen Tiefebene, wahrscheinlich erhebliche Vorkommen unkonventionellen Gases, die gefördert werden könnten. Zumindest bei uns in Deutschland ist das aber unvorstellbar, da wären schon diverse Bürgerinitiativen vor. In Deutschland wehrt man sich zunehmend gegen alles, das die vermeintlich "heile" Welt vor der Haustür verändern könnte. Sie müssen sich einmal vorstellen, am Südrand des Schwarzwaldes bei Bad Säckingen wehren sich Bürgerinitiativen sogar gegen ein Pumpspeicherwerk, also gegen einen "ach so bösen" Speichersee oben im Schwarzwald, der als Energie-Zwischen-Speicher dienen soll und in der Nähe eines schon vorhandenen Speichers gebaut werden soll.

Ich kenne übrigens den Ort an dem gebaut werden soll und kann nur sagen, mir fehlt jedes Verständnis für Widerstand gegen das Projekt. Es gibt wohl kein Bauwerk im Bereich Energie, dass umweltfreundlicher ist und weniger Emissionen, Lärm und Risiko beinhaltet, als ein ruhiger, blau schimmernder Speichersee ! Und damit die Energiewende mit erneuerbarer Energie überhaupt gelingen kann, brauchen wir zwingend Stromspeicher, denn Sonne und Wind sind halt nicht 24 Stunden rund um die Uhr verfügbar. Was wäre also naheliegender, als neben einen schon vorhandenen Speicher noch einen grösseren zu setzen ? Aber selbst das ist nun nicht mehr gewollt, für einige Mitbürger scheint Wohlstand einfach vom Himmel herab zu fallen und der Strom aus der Steckdose zu kommen. Wenn Sie es nicht glauben, lesen Sie

Den USA steht nach meiner Erwartung auf jeden Fall eine positive Entwicklung bevor, das Bankensystem ist stabilisiert, der Häusermarkt zieht an, die Verbraucher fassen Vertrauen, das Land hat eine positive demographische Entwicklung und nun kommt noch billige Energie oben drauf. Und wer glaubt, dass Amerika seine "yes we can" Mentalität verloren hätte, der kennt das Land sowieso nicht. Diese war unter Depression verschüttet, gehört aber zur "genetischen Ausstattung" der amerikanischen Nation und wird sich wieder durchsetzen. Ich erwarte in den nächsten Jahren daher einen beeindruckenden industriellen Wiederaufstieg der USA, während Europa sich auf absehbare Zeit selbst lähmt. Auf meine Anlageschwerpunkte hat das schon heute deutliche Konsequenzen. Und wenn man sich dann noch einige mögliche Konsequenzen der Eurokrise ausmalt, macht es jede Menge Sinn einen Teil seines Depots im Dollarraum zu haben.

SELEKTIVES

Sie erinnern sich vielleicht daran, dass ich mich hier zuletzt mehrfach über das Management der Aixtron (WKN A0WMPJ) mokiert hatte, dass einerseits die Anleger mit Hoffnung beruhigt, andererseits aber da wo es zählt, beim eigenen Geld, keinerlei Anstalten macht die Ernsthaftigkeit der eigenen Worte durch Insiderkäufe zu untermauern. Nun hatten wir am 17. und 21.05. sogar einen massiven Insiderverkauf in Höhe von zusammen 1,7 Millionen € ! Jetzt ist nicht jeder Insiderverkauf gleich ein Grund in Panik zu geraten, auch Insider wollen mal was finanzieren und brauchen ihre Mittel an anderer Stelle. Trotzdem frage ich Sie: Wenn Sie beim eigenen Unternehmen, dessen Auftragsentwicklung Sie sehr gut kennen, davon ausgehen würden, dass die Wende im Gange ist und dass der Kurs im 2. Halbjahr wieder bei 16-18€ steht, würden Sie dann heute 1,7 Millionen zum Kurs von 13€ auf den Markt werfen ? Ich definitiv nicht, da hole ich mir dann lieber eine Zwischenfinanzierung, wenn ich das Geld wirklich brauche.

Ganz im Gegensatz dazu ist in meinen Augen übrigens der Kabelhersteller Leoni (WKN 540888) zu sehen, ein Unternehmen mit attraktivem Produktportfolio und klarem Wachstumstrend. Hier ist der Kurs im Zuge der Marktschwäche deutlich herunter gekommen und nun haben am 18., 21. und 22.05 drei Vorstände für zusammen ca. 420 Tausend € eigene Aktien gekauft. Das sieht eher nach Vertrauen in das eigene Unternehmen aus !

Wer mich fragt, welches Papier ich aktuell im Sinne von "Buy and Hold" in mein Depot legen würde, dem würde ich die schweizerische ABB (WKN 919730) nennen. ABB ist marktführend im Bereich Energie-Infrastruktur und dürfte massiv von den absehbaren Umbrüchen, auch durch die "Energiewende", profitieren. Kurzfristig leidet auch ABB natürlich etwas unter der Eurokrise, da bei diesen Grossprojekten auch immer politische Einflüsse eine Rolle spielen, wir konnten das ja zuletzt auch bei den Windkraft-Projekten von Siemens (WKN 723610) beobachten. Insofern sind kurzfristige Sprünge beim Kurs der ABB eher unwahrscheinlich. Aber mittelfristig führt an anderen Energienetzen und damit an ABB wohl kein Weg vorbei, selbst bei weiterer Krise in Europa.

Schaut man sich die aktuelle Kursentwicklung und Bewertung an, sieht man, dass die stocksolide ABB derzeit zu höchst attraktiven Kursen zu haben ist, sehen Sie selbst im Stundenchart, das den Kursverlauf des letzten Jahres abbildet:

In meinem Investmentdepot ist ABB nun auch vertreten und ein Titel, mit dem ich tatsächlich "Buy and Hold" umsetzen werde. Denn ich sehe langfristig erhebliche Chancen und kann ganz entspannt bis dahin warten, 4% Dividendenrendite versüssen die Wartezeit. Wer ganz sicher gehen will nicht deutlich ins Minus zu rutschen, legt einen Stop auf ca. 11,50 €.

WISSENSWERTES

Ich hatte ja zuletzt einiges über SpaceX, Tesla (WLN A1CX3T) und Elon Musk geschrieben und Tesla schon im Februar -> hier <- thematisiert. Nun ist im Handelsblatt ein interessanter Artikel erschienen, den ich Ihnen zum Lesen empfehle:

Am kommenden Pfingstmontag ist die Börse in Frankfurt zwar geöffnet, das dürfte aber einer der sinnlosesten Handelstage seit langem werden. Denn nicht genug damit, dass wegen des langen Wochenendes viele Marktteilnehmer sowieso lieber bei ihren Familien sind. Nein, dieses Jahr fällt in den US auch noch der Memorial Day auf den Pfingstmontag, weshalb die US Börsen geschlossen sind. Den kommenden Montag kann man also börsentechnisch wohl komplett ignorieren.

Bedenken Sie bitte auch, dass ich nächste Woche Urlaub von der Börse mache. Ich bin im Lande und werde gerne auf Kommentare reagieren, insofern keine Scheu, schreiben Sie. Und ich werde vielleicht sogar mal den einen oder anderen Beitrag im Blog verfassen. Ich werde aber die Börse nur mit einem Auge beobachten und daher wird es nach Handelsschluss auch keine "Märkte am Abend" geben. In der übernächsten Woche sollte dann alles wieder normal laufen.

Ich wünsche Ihnen schöne Pfingstfeiertage und viel Erfolg in der kommenden Woche !

Ihr Hari

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