Hari´s Märkte am Abend – 02.03.12 – Wochenabschluss – Der Sprung in der Schallplatte

20 Uhr, Freitag Abend. Eine für die Märkte positive Woche neigt sich dem Ende zu, an deren Anfang wir um die 6750 im DAX kämpften und an deren Ende wir wieder über DAX 6900 stehen.

Vor genau einer Woche hatte ich -> hier <- ein paar Punkte zur Marktlage aufgelistet, die bis auf das nun abgelaufene Thema LTRO immer noch alle gültig sind. Insofern empfehle ich, sich diese Punkte im Zweifel noch einmal zu vergegenwärtigen.

Auch nächste Woche steht nichts auf der Agenda, was schon im Vorfeld als schwere Hürde für die Märkte sichtbar wäre. Donnerstag und Freitag nächste Woche könnten recht spannend und volatil werden, denn da stehen die üblichen Aufreger wie EZB Zinsentscheid oder US Arbeitsmarktdaten auf der Agenda.

Ach ja, und am kommenden Mittwoch den 07.03.12, stellt der 500 Milliarden Dollar Konzern Apple wohl sein iPad 3 vor - es wird spannend zu sehen, was der Apple Kurs danach macht. Und nächstes Wochenende am 11.03. beginnt in den US die Sommerzeit, während es bei uns erst 2 Wochen später los geht. Da müssen wir wohl wieder eine Zeit lang mit komischen US Börsenzeiten leben.

Wenn es diese Woche eine für mich bemerkenswerte Veränderung gab, dann die, das die gefühlte Nervosität im Markt wieder steigt - ich hatte das schon vor kurzem mit einem unruhigen Pferd verglichen, das an seiner Trense zerrt. Das ist aber ganz typisch für eine Phase, in der der Markt scheinbar seine Richtung verloren hat und nun nicht mehr weiss wohin er laufen soll. Denn nach oben verhindern eine Reihe von Widerständen oberhalb 7000 eine schnelle Bewegung und nach unten will der Markt einfach nicht hin, weil jeder Dip von der Seitenlinie gekauft wird.

Eine wichtige Lehre der Vergangenheit ist dabei, dass wenn sich nach so einer Phase eine neue Richtung etabliert, der Markt dann mit Gewalt losrennt, ganz wie das unruhige Pferd, dass in dem Moment wo es freigelassen wird mit hoher Geschwindigkeit davon galoppiert. Das ist aus der Psychologie heraus auch leicht zu erklären, denn Unklarheit macht primär abwartend und wenn der Markt dann in eine Richtung loslegt, versuchen alle noch aufzuspringen und heizen die Bewegung damit weiter an. Insofern folgt auf die aktuelle Phase der Unsicherheit und Orientierung möglicherweise bald eine dynamische Bewegung des Marktes in eine Richtung.

Um uns zu orientieren, schauen wir uns doch einfach mal den Chart des DAX aus einer Stundensicht an. Wir erkennen dann die alte Konsolidierungszone mit ihrer "Box", die wir nach oben verlassen haben, wie wir das hier ja auch erwartet hatten.

Nun haben wir aber unterschiedliche Signale im Chart ausgebildet, die aufgrund ihrer symetrischen Struktur sehr auffällig sind. Man könnte einen Doppelboden ausmachen, der so bei ca. 6740 ausgebildet wurde und der für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung spricht. Man könnte aber auch ein sich gerade ausbildendes Doppeltop ausmachen, dass eine Wende implizieren würde. Kein Wunder, dass der Markt gerade nervös wird und sich unsicher ist.

Man sollte deshalb nach meiner Erfahrung keinesfalls proaktiv - sozusagen "auf Verdacht" - alleine nach solchen Chartmustern handeln, schon gar nicht wenn diese widerstreitende Signale geben. Denn diese Chartmuster bestimmen in der Regel nicht, in welche Richtung der Markt ausschlägt. Es ist eher anders herum, irgend ein Ereignis wird dafür sorgen, dass der Markt in die eine oder andere Richtung losrennt. Damit wir das eine Muster bestätigt und das andere negiert. Und dann werden diese Chartmuster die trendverstärkende Begründung und für die Algos die handelbare Grundlage sein, warum man nun in der eingeschlagenen Richtung mit Macht auf die Tube drückt.

Schaut man sich das Marktsentiment an, hat ja Cognitrend das gut zusammen gefasst. Es gibt noch genug Marktteilnehmer an der Seitenlinie, die wahrscheinlich jede starke Bewegung nach unten zum Einstieg nutzen werden. Ein Zusammenbruch des Marktes steht also eher nicht auf der Agenda, ein Rücksetzer bis DAX 6650 oder sogar DAX 6400, der dann wieder aggressiv gekauft wird, aber möglicherweise schon.

Weitere Argumente für die Bullen sind der bestehende Trend des Marktes - denn Trends sind schwer zu brechen - und die Tatsache, dass die Bären seit Jahresanfang bisher nicht in der Lage waren auch nur ein einziges Mal schlechte Nachrichten für eine wirklich signifikante Korrektur zu nutzen, auch gestern wieder nicht. Erst wenn die Bären auch mal wieder ein Zeichen von Stärke zeigen, sollte man sie in meinen Augen wieder so richtig ernst nehmen.

Insofern bleibt es für nächste Woche dabei:
Man sollte nicht raten, sondern sich demütig von Mr. Market den Weg zeigen lassen. Solange aber kein Gegenbeweis geführt wurde, folgt man besser dem etablierten Trend und schenkt den Bullen daher im Moment etwas mehr Vertrauen als den Bären.

Sicherlich ist es langweilig, dass ich jede Woche zum Markt das Gleiche erzählen muss, als ob ich einen Sprung in der Schallplatte hätte. Aber sehen Sie es mal so herum: wenn ich dieses Jahr 52 Wochen lang immer wieder davon reden muss, dass die Bullen im Vorteil sind, dann war das im Nachhinein wahrscheinlich ein ganz hervorragendes Börsenjahr. Und ich glaube nicht, dass da hier jemand etwas dagegen hätte.

Eine vorsichtig positive Haltung zum Markt sollte aktuell schon alleine deshalb nicht schwer fallen, weil wir ja wie man oben im Chart sehen kann bei ca. DAX 6740 und ca. DAX 6640 hervorragend ausgebildete Stoplevel haben, mit denen man die theoretische Gefahr eines schlimmen Zusammenbruchs minimieren könnte. Und wer sich ganz eng absichern will und bereit ist das Risiko in Kauf zu nehmen ganz dumm ausgestoppt zu werden, könnte die Tiefs von gestern nutzen und einen Stop bei 6800 platzieren.

Schaut man auf einzelne Aktien, ergibt sich auch da aktuell ein gemischtes Bild. Es gibt einige Titel - die diese Bewegung in den letzten Wochen angeführt haben - die nun auf Niveaus notieren, wo es so nicht ewig nach oben weiter gehen kann. Und es gibt aber auch eine Reihe von Titeln, die gerade erst am Anfang einer Umkehrformation stehen und noch jede Menge Luft nach oben haben. Auch dieser Gegensatz ist ein Grund für die aktuelle Unentschiedenheit des Marktes, die Aktien sehen entweder billig oder schon wieder teuer aus, je nachdem wo man genau drauf schaut. Das sorgt für Verunsicherung.

Unabhängig von der generellen Bewegung der Indizes, halte ich es daher für gut möglich, dass wir bei einzelnen Titeln zunehmend massive Ausschläge sehen werden. Eine denkbare Strategie wäre daher, von den bisher extrem gut gelaufenen Titel nun in die umzuschichten, die noch jede Menge Raum für Erholung haben. Ich liste hier bewusst keine konkreten Aktien auf, weil wir viele davon in den letzten Wochen besprochen haben, Sie müssten einfach nur mal die letzten Beiträge durchschauen. Und darüber hinaus finden sich im grossen Aktienuniversum sicher auch noch eine Menge anderer Titel mit erheblichen Turnaround-Potential. Wenn Sie einen Titel mögen der hier noch nicht besprochen wurde, wäre es schön wenn Sie alle Leser daran teilhaben lassen.

Noch ein Hinweis in eigener Sache, Mr. Market ist ab heute auch über zu finden und zwar unter anderem in der Übersicht. Mein Dank gilt Markus Meister und seinem Team !

Soweit für heute, für nächste Woche habe ich mir auch wieder die eine oder andere Aktienanalyse von in Deutschland weniger bekannten "Trüffeln" vorgenommen. Nun freue ich mich auf den morgigen Samstag, denn mein kleiner Sohn wird 4 und es gibt kaum etwas Schöneres als Kinderaugen im Anblick von Geschenken 😉

Diese Freude kleiner Kinder ist so rein, ohne Zweifel und nur im "Hier und Jetzt" verhaftet, dass man als "alter Sack" manchmal bedauert, dass einem diese Unbekümmertheit irgendwann abhanden gekommen ist.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Hari´s Märkte am Abend – 29.02.12 – was Apple uns zum Markt sagt

22 Uhr - Handelsschluss

Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen habe ich heute etwas weniger Zeit zum Schreiben. Daher gibt es heute Abend nur eine Analyse zum Markt als Ganzes und bis auf Apple und Gold keine Kommentare zu einzelnen Titeln.

Sie erinnern sich, dass ich letzte Woche schrieb, dass der Markt noch ein paar Tage Konsolidierung braucht, um genug Kraft zu tanken.

Nun, diese Tage sind vergangen und langsam nähert sich diese Phase scheinbar dem Ende zu. Denn die heute zu beobachtende Volatilität ist nach meiner Erfahrung das Vorspiel zu einer stärkeren Bewegung - ganz so wie ein energiegeladenes Pferd, das unruhig an seiner Trense zerrt.

Schauen Sie sich an, was heute im NASDAQ passiert ist - nachdem er die glatte Zahl 3000 touchierte, wurde er sofort heftig abverkauft.

Und schauen Sie sich an, was heute passiert ist, nachdem die EZB im Rahmen der LTRO Operation die gewaltige Summe von über 500 Milliarden € in den Markt gekippt hatte - sofort wurde das zum Ausstieg genutzt, frei nach "Sell the News".

Und schauen Sie sich an, wie heute auf Ben Bernankes Rede reagiert wurde, mit massiven Abgaben, weil er - Überraschung 😉 - vor Euphorie warnte. Und weil er dem Wunsch des Marktes nach einem sofortigen QE3 noch nicht nachgab.

Und schauen Sie sich an, was heute bei Gold und Silber passiert ist. Das war bemerkenswert. Gestern sprach ich noch davon, dass wir noch ein paar positive Tage haben werden, bevor dann im März eine kleine Korrektur kommt, die möglicherweise 1700 USD noch einmal von oben testet. Nun, Mr. Market hatte es scheinbar eilig und hat nicht mal mehr bis März gewartet, denn heute waren wir am Ende sogar unter 1700 USD - so schnell geht es nach unten, wenn computerbasierte Tradingprogramme im Spiel sind.

Der Einschlag begann um 16.45 Uhr und hat auch mich erwischt, weil ich so schnell nicht reagieren konnte und damit nicht gerechnet hatte. Allerdings haben mich Trailing Stops bei meiner grossen Silberwette vor Schaden bewahrt und mir einen Gewinn gesichert, auch wenn dieser dann kleiner war als erhofft. Mit meinen Minenwerten habe ich die Tagesverluste aber voll mitgenommen, insofern bin auch ich Leidtragender dieses völlig überraschenden Absturzes.

Ich vermute einen Zusammenhang mit Bernankes Rede, ohne es genau festmachen zu können. Denn der Dollar stieg schon einige Zeit vorher und die Edelmetalle begannen danach einen gewaltigen Fall. 80 USD Verlust bei Gold an einem Tag, das sieht man nicht alle Tage. Nach meiner Einschätzung setzte sich irgendwann während der Rede bei Big-Money die Erkenntnis durch, dass QE3 nicht sofort kommt. Starke Abgaben trafen dann auf einen sowieso überkauften Markt bei Gold und Silber und die trendverstärkenden Algos taten ihr übriges. So bekamen wir eine Art "Mini-Crash" in den Edelmetallen. Der QE3 Aufschlag scheint damit endgültig aus dem Goldpreis gewichen zu sein.

Sollte meine Theorie richtig sein, könnte sich das Niveau von heute Abend mit 1694 USD aber vielleicht als Kaufgelegenheit heraus stellen. Denn wenn Sie sich den gestern dargestellten zyklischen Verlauf betrachten, steht eine grosse Korrektur noch nicht an. Allerdings sollte man den morgigen Tag abwarten, um diese Bewegung bestätigt oder negiert zu bekommen. So viel Geduld muss sein. Denn dieser Einschlag war nicht normal, das war schon aussergewöhnlich und ohne Vorwarnung. Und das hat auch allerlei Porzellan in Form von Vertrauen zerdeppert, was man schon leicht daran sehen kann, dass der Kurs von Gold im späteren Handel keinen Bounce mehr zusammen bekommen hat und sogar noch einmal unter 1700 USD abrutschte. Und deshalb wird sich Morgen erst einmal der ganze Markt schütteln und wird versuchen, sich in Sachen Edelmetalle neu zu sortieren und den Einschlag zu werten. Und erst wenn diese Neuorientierung abgeschlossen ist, wissen wir wohin die Reise kurzfristig weiter geht.

Mit Blick auf den Gesamtmarkt, halte ich es aber eher für einen Fehler, sich von diese volatilen Bewegungen schon jetzt verunsichern zu lassen. Denn ein grösserer Absturz beginnt höchst selten an solch klaren Marken wie NASDAQ 3000, das ist zu offensichtlich. Auch wenn sich das heute teilweise ganz schön Angst machend angefühlt hat, ist in den grossen Indizes defacto nicht viel passiert und einiges spricht dafür, dass es sich hier um typisch technische Reaktionen handelt, die primär von den Algos getrieben wird. Denn diese traden derartige Setups konsequent.

Diese Bewegungen sind aber auch das Zeichen steigender Nervosität, das typische Anzeichen vor einem grossen Sprung. Positiv ist, das von einer übertrieben bullishen und selbstgefälligen Stimmung im Markt nun in meinen Augen keine Rede mehr sein kann. Insofern war die Konsolidierung der letzten 1,5 Wochen sehr erfolgreich und der Boden für eine starke Bewegung ist bereitet, weil nun wieder genügend Skepsis im Umlauf ist.

Ich wäre also nicht überrascht, wenn wir in den nächsten Tagen mit Macht ausschlagen. Wohin ? Alles ist möglich, aber wenn man den Markt rational betrachtet, liegt der Vorteil in meinen Augen nach wie vor leicht bei den Bullen. Was nicht bedeutet, dass nicht auch eine stärkte Korrektur möglich ist, ich halte sie nur für weniger wahrscheinlich, weil der Markt bisher keine Signale sendet, die einen Vorteil für die Bären implizieren. Das kann natürlich noch kommen, aber man sollte abwarten bis der Markt diese Signale wirklich sendet.

Wer seine Gewinne sichern will, kann jetzt also aus dem Markt gehen, das ist eine sinnvolle Massnahme, wenn Sie sich nicht mehr wohl genug fühlen. Immerhin sind ja bis hier schöne Gewinne aufgelaufen und diese mitzunehmen, hat noch niemanden arm gemacht. Für einen Short gegen den Markt, gibt es aber für mich nach wie vor nicht genug Indizien, die aus Mr. Markets Verhalten ableitbar wären.

In diesem Zusammenhang möchte ich sie an Apple (WKN 865985) erinnern. Das ist ein Runaway-Move wie er perfekter nicht sein könnte. Lesen Sie noch einmal meinen Beitrag -> hier <- von vor 2 Wochen. Darin habe ich trotz des starken Rücksetzers auf damals wieder unter 500USD davor gewarnt, eine solche Aktie zu shorten, egal wie überzogen die Bewegung aussieht. Und nun werfen Sie eine Blick darauf, was danach passiert ist:


Source:

Beeindruckend oder ? Auch heute ist Apple wieder im Plus. Gut also, wenn Sie damals meine Warnung beachtet haben und das Wort "irgendwann" nach wie vor nicht unterschätzen. Und ich bin überzeugt, solange die Leitaktien wie Apple so stark sind, ist der Bulle intakt. Erst wenn sich bei diesen Leitaktien der Wind dreht, dann muss man über einen Short nachdenken. Ein möglicher Tag für eine Wende bei Apple könnte zum Beispiel der 07. März sein, an dem das iPad 3 vorgestellt wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass im Sinne "buy the rumor, sell the news" genau dann der Kurs dreht, wenn das lange antizipierte Ereignis Realität wird.

Ich persönlich setze nach dem heutigen Tag, der sicher einige ängstliche Markteilnehmer rausgeschüttelt hat, eher auf einen "First of Month Jumper" am morgigen 1. März. Meine Stops würden dann auf dem Niveau der heutigen Tiefsstände bei DAX 6840 liegen, mit diesen Stops könnte ich einen solchen Trade Morgen ganz gelassen angehen. Ob ich den Trade wage, entscheide ich aber erst Morgen früh, je nach Lage kurz nach Handelsstart. Denn der frühe Vogel fängt zwar den Wurm - richtig. Aber der zu frühe Vogel kommt halt noch in einen verspäteten Wintereinbruch - auch das ist richtig. Morgen früh ist also früh genug, um eine solche Wette noch einzugehen. Aber ich werde Morgen intensiv Ausschau nach diesem Trade halten, mal sehen ob er sich realisiert.

Ich werde aber auch so flexibel sein sofort die Reissleine zu ziehen, wenn wir Morgen mit Volumen nach unten laufen. Denn wenn das nach dem heutigen volatilen Tag passiert, dann bin ich bereit den Bären ab Morgen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Schnallen Sie sich also nun bitte an, es könnte die nächsten Tage einen holperigen Flug geben ! Aber genau in diesen Phasen wird das Geld gemacht, mit dem Offensichtlichen kann man nicht reich werden. Es wird also wieder spannend ......

Ich wünsche einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 24.02.12 – Wochenabschluss – The Trend is your Friend

17.40 Uhr

Heute hatten wir bisher einen ruhigen, fast langweiligen Tag an den Märkten. Mr. Market ist immer noch orientierungslos und schwimmt ohne Ziel hin und her. Deswegen falte ich meine Bücher heute einmal früher zu, äussere mich nicht zu Einzelaktien und beginne mein Wochenende vor dem Handelsschluss an der Wallstreet. Sollte doch noch etwas ganz aussergewöhnliches passieren, werde ich spät Abends noch ein kurzes Update verfassen.

Hinter uns liegt nun eine Woche der Konsolidierung und eigentlich habe ich schon alles Notwendige an den verschiedenen Tagen gesagt und könnte heute gleich wieder aufhören.

Es schadet aber sicher nicht, sich einen Moment zurück zu lehnen und sich die wichtigsten Punkte zur Börsenwetterlage - so wie ich sie sehe - noch einmal gesammelt und in Ruhe vor Augen zu führen:

1. Wir befinden uns mitten in einem durch Liquidität getriebenen, starken Aufwärtstrend und Art und Umfang dieser Konsolidierung bestätigen den Trend bisher erneut. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir nach der Konsolidierung weiter nach oben steigen, ist für mich nach wie vor höher als das Gegenteil.

2. In Anbetracht der Dauer des Anstiegs seit Mitte Dezember, reicht die eine Woche Konsolidierung wahrscheinlich nicht aus, damit der Markt genug Kraft für einen erneuten Anstieg sammeln kann. Eine paar weitere Tage Konsolidierung wären für mich nicht überraschend. Noch etwas tiefere Kurse als derzeit auch nicht.

3. Oberhalb 7000 Punkte im DAX liegt eine grosse und starke Wiederstandszone. Es ist für mich eher unwahrscheinlich, dass wir diese Zone gleich im ersten Anlauf nehmen können.

4. Nachdem wir durch die Widerstandszone oberhalb 7000 durch sind, ist eine Trendbeschleudigung durchaus vorstellbar, die uns dann schnell bis 7500 bringt. Denn wir haben noch jede Menge zögerndes Geld an der Seitenlinie. Ein überzeugender Anstieg über 7000 könnte für diese Zweifler der Auslöser sein, der sie zur Aufgabe zwingt.

5. Nach einer derartigen Trendbeschleunigung muss man dann aber wahrscheinlich aus dem Markt, denn dann - wenn alles lose Geld von der Seite herein geströmt ist - steht die echte Korrektur wohl bevor.

6. Sollten wir nächste Woche doch erst weiter korrigieren, liegt die nächste Unterstützung bei ca. DAX 6650 und eine harte Unterstützung - die gute Chancen hat den Wendepunkt darzustellen - in der Zone oberhalb DAX 6400.

7. Für die nächste Woche sehe ich abgesehen von den bekannten grauen (Iran) und unbekannten scharzen Schwänen nichts auf der Agenda, dass den Markt aus heutiger Sicht zu absehbar starken Aussschlägen zwingen könnte.

8. Allerdings wird mit der kommenden LTRO Operation der EZB am Mittwoch 29.02. wahrscheinlich so viel Liquidität in die Banken geschwemmt, dass das der Treibsatz für weiter steigenden Assetpreise sein dürfte.

9. Mit der französischen Präsidentenwahl dürfte Ende März / Anfang April ein Thema auf den Radar des Marktes geraten, dass das Potential hat zum temporären Aufreger (Stichwort Zusammenhalt Eurozone) zu werden.

Und noch etwas Grundsätzliches, ich lasse mich von den vielen Artikeln immer noch nicht aus der Ruhe bringen, die mir nun schon seit Wochen etwas von einem überkauften Markt und einer kurzfristig anstehenden Korrektur erzählen. Vielleicht haben diese Artikel ja sogar nun endlich auch mal recht, ich schliesse das auf keinen Fall aus, aber dann eher aus Zufall und Glück. Denn die technischen Oszillatoren wie RSI, MACD, Stochastik helfen hier nur bedingt. Denn was gerne übersehen wird ist, dass diese technischen Parameter gerade in stark trendenden Bullenmärkten über Wochen und Monate am Anschlag laufen könnnen. Sicher kommt irgendwann die Korrektur, aber eben "irgendwann" und das kann auch noch Wochen dauern. Diese technischen Oszillatoren leisten in schwingenden, volatilen Märkten hervorragende Dienste und ich nutze sie dann exzessiv. In stark nach oben trendenden Märkten wie aktuell, ist die Aussagekraft dagegen deutlich eingeschränkt. Wie bei jedem Handwerkszeug, muss man einfach wissen, wann man es einsetzt und wann nicht.

Vielleicht machen Sie sich mal Ihre eigene Liste wie oben und wenn Sie dann damit für sich eine klare Marktsicht formuliert haben, dann setzen Sie sich hin und definieren sich eine Handvoll Trades, mit denen Sie sich dann in der kommenden Woche positionieren. Ich habe mit dieser Art Vorbereitung immer gute Erfahrungen gemacht, denn zu oft vergisst man ansonsten wichtige Vorsätze in der Hektik des Tages.

Und ein nette, lehrreiche Übung möchte ich Ihnen mal für das kommende Wochenende vorschlagen, eine Übung die ich vor vielen, vielen Jahren von Charles Kirk gelernt habe:

Versuchen Sie sich mal die Aktien rauszusuchen, die bis Ende 2012 nach Ihrer Erwartung am schlechtesten laufen werden, die also den prozentual höchsten Verlust produzieren werden.

Sie haben richtig gehört, ich will von Ihnen die Aktien hören, die Ihrer Meinung nach bis 31.12.2012 den grössten prozentualen Verlust produzieren werden ! Was soll das, werden Sie vielleicht denken, aber machen Sie es doch einfach mal ! Denn sobald Sie anfangen darüber nachzudenken, werden Sie wahrscheinlich feststellen, dass das eine verdammt schwierige Frage ist, viel schwieriger als Sie sich vielleicht im ersten Moment gedacht haben. Und jetzt frage ich Sie: wenn es schwierig ist die zukünftig schwächsten Aktien zu benennen, wieso glauben Sie dann die zukünftig besten Aktien benennen zu können ?

Und ich habe auch eine starke Vermutung, was für Aktien Ihnen bei der Frage dann möglicherweise durch den Kopf spuken werden: Aktien die bisher extrem gut gelaufen sind und auf Allzeithoch notieren. Aktien bei denen man denkt: weiter hoch kann es ja gar nicht mehr gehen. Aktien wie zb eine Apple.

Vor 10 Jahren hätte ich wahrscheinlich auch sofort an Aktien wie Apple bei dieser Frage gedacht. Jetzt sage ich Ihnen aber, mit was für Aktien ich heute diese Wette eingehen würde - mit Aktien wie Q-Cells zum Beispiel. Wie bitte, Q-Cells - werden Sie nun wahrscheinlich denken ? Die notieren doch heute schon nur bei 0,32€ - wohin sollen die denn noch fallen, da würde man doch eher auf eine Wende nach oben tippen. Ich aber halte es persönlich für gut möglich, dass Q-Cells in Anbetracht der permanenten Verluste und des fehlenden profitablen Geschäftsmodells dieses Jahr noch weiter abstürzt, bis zur theoretischen Insolvenz im schlimmsten Fall. Q-Cells würde dann also nahezu wertlos sein und sozusagen bei 0,01€ notiert. Das würde für jemanden der heute bei 0,32€ einsteigt einen Verlust von 97% produzieren ! Glauben Sie Apple kann auch so einen Verlust produzieren ? Nicht wirklich, ich denke da sind wir uns einig.

Durch diese Übung wird Ihnen erneut vor Augen geführt, dass gute Aktien eher weiter gut laufen und schlechte Aktien eher weiter schlecht. Und das Trends in der Regel länger dauern, als man erwartet. Denn instinktiv würde man sich als Laie eher gegen den Markt stellen und bei Q-Cells über das kaufen nachdenken und bei Apple über das verkaufen. Und auch wenn das im Einzelfall mal zufällig richtig sein kann, sagt die Erfahrung, dass es in der Regel in die Hose geht.

Deswegen ist Ihnen sicher im Leben auch höchst selten ein Mensch begegnet, der mit legalen Wetten auf Pennystocks (betrügerische Pusher natürlich ausgenommen) reich geworden wäre. Dabei lieben gerade Laien diese Wetten auf Pennystocks, weil die Aktien ja vermeintlich so billig aussehen. Aber es gibt halt meistens verflucht gute Gründe warum eine Aktie im Pennybereich notiert. Und wenn etwas billig aussieht, muss es deswegen noch nicht billig sein.

Machen Sie also einfach mal selber den Versuch. Schreiben Sie 10 richtig miese Aktien auf, bei denen das Geschäftsmodell so richtig in Scherben liegt und die schon massiv gefallen sind. Die 10 Gurken-Aktien also, zum Beispiel im Solarbereich könnten Sie da aktuell fündig werden. Und schreiben Sie dann die 10 Aktien auf, die extrem gut gelaufen sind, von einem klasse Management geführt werden und nun nach einer Korrektur geradezu schreien - wie Apple halt. Und dann schauen Sie am Jahresende 2012 wer besser gelaufen ist - ich verspreche Ihnen schon heute : die guten Aktien, obwohl sie schon so weit gelaufen sind !

Und sehr freuen würde ich mich, wenn Sie Ihre "Gurken-Aktien" hier mit uns teilen würden. Ich fände das höchst spannend und lehrreich.

Wer dieses Prinzip des Trends wirklich verinnerlicht hat, wird seine Ergebnisse bei der Geldanlage nach meiner Erfahrung deutlich verbessern. Und gegen die durchaus vorhandene Gefahr eines Trendbruches gibt es doch ein probates Gegenmit Trailing-Stops !

"The Trend is your Friend" - dieser Spruch ist immer noch gültig und viele halten ihn für eine Trivialität. Aber sich daran zu halten, ist weit schwieriger als es scheint !

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein erholsames Wochenende !
Ihr Hari