Bernanke, Premium, Tesla und Solar – Das Jahr 2013 auf sumerdigital

Liebe Leser,

ein spannendes, ereignisreiches und erfolgreiches Jahr auf sumerdigital.de, nähert sich langsam der Zielgeraden.

Es war ein sehr erfolgreiches Jahr für uns auf sumerdigital. Gerade für die grossen institutionellen Anleger, war es aber teilweise auch ein schwieriges Börsen-Jahr.

Erfolgreich war 2013, weil uns der Markt eine grosse Zahl hoher Gewinne beschert hat.

Erinnern Sie sich noch, wie wir im Mai von Anfang an dabei waren, als die von uns intensiv beobachtete Tesla Motors Aktie, mit Macht abhob und sich innerhalb von 6 Monaten bis zum Hoch verfünffachte ? Oder wissen Sie noch, wo der Solarsektor oder 3D Systems am Jahresanfang standen, die uns eine Verdoppelung des Einsatzes ermöglichten ? Für Trader war 2013 ein Traum, selten habe ich so viele, so sensationelle Kursraketen erlebt wie 2013.

Schwierig war das Jahr aber auch und das weniger für Trader, sondern mehr für Investoren, die auf eine Diversifizierung ihres breiten Portfolios achten müssen und sich nicht erlauben können, Risiken und technische Überdehnungen einfach blind auszublenden.

Denn mit dem gnadenlos nach oben strebenden Markt, konnte man als breit aufgestellter Investor in 2013 nur mithalten, wenn man alle Risiken ignorierte und jeden Dip kaufte, sobald er auftrat. Rationale Vorsicht, Diversifizierung, Cashbestände, Absicherung und Hedging - all die Fähigkeiten, die einen guten Portfoliomanager auszeichnen - wurden in 2013 eher nicht belohnt, sondern bestraft. Ich habe selten so viele V-förmige Reversals gesehen, wie in 2013.

Und weil solche V-förmigen Reversals eigentlich ungewöhnlich sind und durch den Liquiditätsdruck der Notenbanken in 2013 immer wieder die natürlichen Schwingungen der Märkte kurz geschlossen wurden, haben sich auch so viele Portfoliomanager in 2013 schwer getan und hinken nach dem was ich lese und höre, hinter der Performance von DAX und S&P500 hinterher.

Das ist aber nach meiner Ansicht kein Grund sich zu grämen, denn absolute Performance-Zahlen sagen ohne Kontext sowieso nichts und damit zu klappern ist kompletter Humbug. Performance kann immer nur im Verhältnis zur Grösse des Depots, der Strategie und dem Zeithorizont betrachtet werden und muss vor allem im Verhältnis zum eingegangenen Risiko bewertet werden. Eine Strategie, die in 2013 vielleicht dazu führte, dass man bei geringerem Depotrisiko am Ende ein paar Prozent gegenüber dem DAX hinterher hinkt, wird beim nächsten Absturz - und auch der wird kommen - dafür sorgen, dass man diesem aus dem Wege geht.

Auch ich selber habe diesen Dualismus des Jahres 2013 in meinen verschiedenen Depots bemerkt. Während es als dem Trend folgender Trader in 2013 leicht war, den Markt zu schlagen - dafür sorgten eben die ganzen Kurs-Raketen ala Tesla und Co. - war es als auf langfristigen, sicheren Ertrag ausgerichteter Investor, mit breit aufgestelltem Portfolio, eher schwierig, mit DAX, S&P500 und Co. vollständig mitzuhalten.

Alles in allem war es aber ein tolles und vor allem historisches Börsenjahr. Die Notenbanken waren zwar schon immer wichtig, aber in meiner Erinnerung der letzten ca. 25 Börsenjahre, gab es kein Jahr, in dem die Notenbanken so dominant für die Marktentwicklung waren wie 2013.

Abgesehen vom Markt selber, war 2013 aber auch deshalb für sumerdigital ein erfolgreiches Jahr, weil der Start des Premium-Bereiches im April zu einem schönen Erfolg geworden ist, auf den ich sehr stolz bin.

sumerdigital ist damit einer der ersten rein privat betriebenen Blogs im deutschsprachigen Raum, dem die Professionalisierung gelungen ist und der sich damit von allerlei bunt blinkenden Bannern und der Dominanz SEO geprägter Klickzahlen emanzipiert hat.

Denn diese Dominanz von Klickzahlen und SEO im Internet, fördert nach meiner Meinung nicht die Qualität des Contents, sondern fördert eher marktschreierisches Gebaren und lautes mediales Geklapper, dass mit allerlei Schlagwörtern im Titel auf Leserfang geht. Die Relevanz des Contents steht dann oft im diametralen Gegensatz zur Bugwelle der Überschrift.

Mag dieses mediale Geklapper im Unterhaltungsbereich bei den Berichten aus den diversen Königshäusern ja noch problemlos sein, weil ausser Zeitaufwand kein Schaden entsteht, ist es aber im Börsenumfeld besonders tückisch, wenn sich Leser davon zu Handlungen treiben lassen. Denn Mitglieder von sumerdigital wissen: was jeder weiss und worauf sich alle vorbereiten, kann genau deswegen an der Börse nur schwerlich eintreten. Dafür sorgt die Reflexivität der Märkte.

Der Erfolg des Premium-Bereiches ermöglicht uns nun, intensiv und sachlich zu diskutieren, uns gegenseitig zu helfen und uns auszutauschen. Und gemeinsam zu lernen und unsere Techniken im Kampf mit sumerdigital zu verbessern.

Und "wir" ist dabei eine dreistellige Community engagierter Leser, von denen viele auch in den Foren aktiv sind und eigene Ideen beitragen. Es ist uns gelungen, eine Community zu etablieren, die von Fachkenntnis aber auch Respekt voreinander geprägt ist und von der alle nur profitieren können. Foren-Trolle und notorische Rechthaber sind hier nicht existent und das wird auch so bleiben.

Ich möchte daher bei dieser Gelegenheit allen Premium-Mitglieder herzlich für das Vertrauen und die Unterstützung danken, die Sie diesem Blog in 2013 gegeben haben ! Besonders gilt mein Dank aber den vielen aktiven Mitgliedern, die mit eigenen Beiträgen und teilweise auch eigenen Artikeln die Community nach vorne bringen und zu einem Ort machen, an den man gerne jeden Tag zurück kehrt.

Ich bin stolz darauf, Teil dieser Gemeinschaft zu sein und ich verspreche, in 2014 nicht nachzulassen und mit der gleichen Energie weiter am Erfolg von sumerdigital zu arbeiten.

Denn selbst wenn viele nun hier her gefunden haben und sumerdigital nun als ihre Börsenheimat verstehen, es könnten noch viel mehr sein. Denn der Bedarf an wirtschaftlich unabhängigen, seriösen und kompetenten Informationen und Anleitungen zu den Finanzmärkten ist immens. Das Hauptproblem ist eher, dass die Menschen nur schwer zu den wenigen Stellen in einem Meer von Informationen finden, die wirklich etwas zu sagen haben, das über die Nacherzählung der diversen Geschehnisse hinaus geht.

So weit zu einem tollen Jahr 2013. Und dieses tolle Jahr war für mich auch ein arbeitsames Jahr, zusammen mit meinen eigenen Aktivitäten am Markt, habe ich hier nun einen neuen Fulltime-Job, der mich auch oft noch spät in den Abendstunden schreiben und diskutieren lässt, wie die Premium-Mitglieder wissen.

Deshalb brauche ich jetzt auch einmal eine Auszeit und werde mir diese in der einzigen Zeit des Jahres nehmen, in der auch die Börse mal weitgehend ereignislos ist.

In der Zeit vom kommenden Samstag 21.12.13 bis einschliesslich dem 06.01.14, wird daher hier im freien Bereich nicht mehr viel passieren. Ich schliesse einen neuen Artikel nicht perse aus, rechnen Sie aber nicht damit. Ab 07.01.14 bin ich dann wieder voll da.

Im Premium-Bereich werde ich meine Aktivitäten auch deutlich herunter fahren, dort werde ich aber nach Lust und Laune vielleicht den einen oder anderen Kommentar oder Artikel schreiben und wir werden uns in der Community auch über den Jahreswechsel sicher intensiv im Forum austauschen. Gerade grundsätzliche Fragestellungen bespricht man ideal in dieser Zeit, in der man nicht permanent von der Hektik des Börsengeschehens getrieben wird. Und insbesondere die Frage, welche Aktien in 2014 zu den neuen Favoriten gehören dürften, ist ja hoch spannend.

Für den Dienstag 07.01.14 ist dann - zum Start des neuen Börsenjahres auf sumerdigital - auch gleich um 12 Uhr wieder ein "Lunchtalk" mit der Wirtschaftswoche geplant, vielleicht merken Sie sich diesen Termin schon einmal vor.

So, nun bleibt mir nur, Ihnen ein paar schöne Festtage zu wünschen und falls Sie nicht zu den Premium-Mitgliedern gehören, auch gleich einen guten Rutsch ins neue Jahr !

Machen Sie es gut und halten Sie die Ohren steif ! Wir lesen uns 2014 !

Ihr Hari

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DAX und Gold: Der wichtige Unterschied zwischen Vorsicht und Handeln am Markt.

Sie wissen ja, das ich mir auf die Fahnen geschrieben habe, die Börsenkultur in Deutschland ein wenig zu heben und grundlegende Zusammenhänge zu vermitteln, nach denen der Finanzmarkt funktioniert.

Ein wichtiges Thema hatte ich zuletzt unter dem Titel -> Vom Hier und Jetzt und dem sinnlosen Kampf gegen den Markt <- angesprochen.

Ich hoffe es ist mir damit gelungen Ihnen klar zu machen, dass Erfolg an den Märkten nicht von irgendwelchen Zukunftsprognosen kommt, sondern auf der rationalen Analyse der Gegenwart beruht.

Auch der schlechte Ruf der Charttechnik bei vielen Laien, beruht ja zu einem guten Teil auf diesem Missverständnis. Viele Menschen glauben, sie müssten erraten können was morgen sein wird, um am Aktienmarkt Geld zu verdienen. Und springen deshalb natürlich auch auf die unzähligen Angebote im grossen Meer der Informationen an, die ihnen in bekömmlicher Aufmachung eine mögliche Zukunft verkaufen. Und gerade weil die Menschen nach diesen "Weissagungen" suchen und sich Orientierung erhoffen, werden sie medial auch angeboten, denn sie verschaffen Klickzahlen. Davon leben dann auch die sogenannten "Gurus", in dem sie tiefliegende Bedürfnisse der Leser bedienen. Und defacto besteht die Mehrzahl der Artikel im deutschen Sprachraum aus solchen irrelevanten Weissagungen. Erschwerend kommt hinzu, dass ja auch ein Affe ein Chart malen kann und ein paar bunte Linien einfügen. Und mit einem richtig formatierten Chart kann man fast alles beweisen, wenn man will - Menschen sehen ja auch Gesichter in Wolken.

Die Schwierigkeit vor der jeder Leser steht ist, die ernst zu nehmenden Beiträge von all dem medialen Zuckerguss zu unterscheiden, dessen Zweck mediale Klickzahlen sind, den man aber getrost vergessen kann, wenn es um Erfolg an den Märkten geht. Ein Indiz wie man Qualität erkennen kann ist dabei, wenn das Augenmerk des Artikels auf der Analyse der Gegenwart liegt und diese in ihren verschiedenen Implikationen beleuchtet wird. Und wenn die Zukunft als eine Menge von Möglichkeiten mit Wahrscheinlichkeiten betrachtet wird und nicht nur eine mögliche Zukunft verkauft wird.

Wenn man als Autor aber solche Artikel schreibt, merkt man schnell, wie schwer sich einige Menschen damit tun, klare Analyse und daraus resultierende Vorsicht, von sofortigem Handeln zu trennen. Viele Leser suchen ja nach einfachen Handlungsanweisungen und werden genau deswegen nie erfolgreich sein. Und über diesen Unterschied zwischen Vorsicht und Handeln will ich heute schreiben.

Bewusst geworden ist mir das zuletzt wieder an dem Geschehen bei Gold. Gold hat am Montag ein erstaunliches Reversal hingelegt, das erst einmal objektiv Aufmerksamkeit verdient hat. Notwendige Aufmerksamkeit ist aber kein Handeln. Denn Gold ist in einem klaren Abwärtstrend gefangen und es gibt Stand heute nichts, was diesen Abwärtstrend in Frage stellt.

Aber jeder Trend endet mal und es ist deshalb wichtig immer aufmerksam zu bleiben. Handeln sollte man aber erst, wenn die Trendwende wirklich bestätigt ist. Gold hatte nun gestern und vorgestern zwei Versuche, die zu einem dynamischen Schub hätten führen können. In beiden Fällen ist der Kurs aber wieder blutarm unter 1250 USD gefallen. Und damit wurde der Abwärtstrend bestätigt.

Ich benutze ja gerne die Metapher des urzeitlichen, menschlichen Jägers, der sich sein Nahrung noch mit eigenen Händen erjagen musste. Wenn der auf der Lauer liegt, achtet er völlig zu Recht auch auf jedes "Knacksen" im Gebüsch. Es könnte ja ein Rentier aus dem Gebüsch brechen und vor seinen Speer geraten. Er würde aber nie - nur wegen des Knacksens - seinen wichtigen Speer einfach blind in das Gebüsch schleudern. Der Speer wird erst geschleudert, wenn das Rentier wirklich vor ihm läuft. Wenn er aber umgedreht nicht aufmerksam wäre und jeden "Knacks" beachten würde, würde er noch schnarchend vor sich hin dämmern, während das Wild schon einen Meter vor ihm steht.

Genau so aufmerksam, aber kontrolliert handelnd, müssen wir uns am Markt verhalten. Leider passiert zu oft etwas ganz anderes und wenn Sie Ihre eigenen Verhaltensweisen mal Revue passieren lassen, können Sie sich bestimmt an solche Fälle erinnern. Da haben Sie eine interessante Analyse gelesen, die Ihnen die Idee in den Kopf pflanzt, das eine bestimmte Entwicklung eintreten könnte. Diese Argumentation spricht Sie an und in genau diesem Moment meldet sich mit Macht Ihr Bauch. Der Bauch hat Angst, etwas zu verpassen. Für den Bauch ist die Möglichkeit schon zur Gewissheit geworden und er will diese Chance auf keinen Fall verpassen. Und der emotionale Druck des Bauches ist so gross, dass Sie handeln.

Im Bild des Jägers, haben Sie nun also Ihren Speer auf Verdacht ins Gebüsch geworfen. Dumm nur, das genau in diesem Moment auf der anderen Seite wirklich ein Rentier auftaucht. Nur haben Sie Ihren Speer nun nicht mehr. Verflixt.

Und auch an den Märkten sind diese emotionalen Bauchentscheidungen, ohne dass es schon eine objektive Bestätigung gibt, fast immer negativ. Es gibt viele Börsenregeln die sich damit befassen, so zum Beispiel "Greife nie in ein fallendes Messer". Am Ende geht es aber immer darum, sich nicht gegen den Markt zu stellen. Sich nicht gegen den Markt zu stellen bedeutet aber keinesfalls, das man nun unaufmerksam werden dürfte und ein "Knacksen" einfach ignorieren kann, weil es ja vermeintlich sowieso immer gleich weiter geht.

Auch in der Gegenrichtung haben wir doch aktuell so einen Fall. Den DAX und die meisten Indizes generell. Der DAX befindet sich in einem gewaltigen, bullischen Schub, einer Trendbeschleungigung oder auch "Runaway-Move" genannt.

Jochen Steffens hat diese aktuell unter der Überschrift richtig dargestellt. Und auch die Konsequenzen richtig dargestellt. Wir müssen mit dem Trend mitgehen und dabei bleiben, so lange er dauert. Das ist unser Handeln. Und wir müssen trotzdem sehr aufmerksam sein und darauf achten, ob der Trend bricht. Denn wenn so ein "Runaway-Move" mal endet, tut er das oft mit Karacho und einem üblen Einbruch, der typischerweise am Ende einer Überdehnung steht. Das ist unsere Vorsicht.

Ich verwende hier auch gerne die Metapher des Gummibandes, die das Prinzip anschaulich macht. Je stärker man ein Gummiband in eine Richtung dehnt, desto stärker und aggressiver schnappt es irgendwann zurück. Das ist die "Mean Reversion". So funktioniert der Markt. Nur wissen wir nie, wann das Gummiband schnappt und es lässt sich oft stärker dehnen, als wir uns alle vorstellen können.

Lassen Sie uns also mit dem Trend handeln, aber jederzeit mit Aufmerksamkeit ein Ende des Trends als Möglichkeit erachten. Lassen Sie uns handeln und gleichzeitig vorsichtig sein. Das ist der richtige Weg.

Wir sollten lernen zu erkennen, wenn uns unser Bauch - wieder aus Angst etwas zu verpassen - ein Handeln aufzwingen will, das objektiv noch gar keine Grundlage hat.

Und wir sollten deshalb einen weiten Bogen um alle medialen Ergüsse machen, die uns mit grosser Bugwelle irgendwelche Prognosen verkaufen wollen, wie die Zukunft sein wird. Keiner kennt die Zukunft, selbst die Deutsche Bank nicht. 😉 Der Unterscheid zwischen Erfolg und Misserfolg entsteht in der Fähigkeit, die Gegenwart und ihre Implikationen rational zu analysieren.

Wir sollten also dem Aufwärtstrend im DAX weiter folgen, solange er dauert. Und dabei höchst vorsichtig aufpassen, ob wir irgendwo ein "Knacks" im Gebüsch hören. Dann aber nur horchen und abwarten, ob wirklich etwas passiert. Und erst wenn der Trend tatsächlich bricht, wirklich aktiv werden.

Und wir sollten bei Gold das Gegenteil tun. Den Abwärtstrend respektieren, denn der kann das Metall auch noch unter 1.000 USD treiben. Und trotzdem hoch aufmerksam auf jeden "Knacks" im Gebüsch achten. Denn wenn dieser Abwärtstrend mal dreht, wird auch das mit "Karacho" sein und schnell grosse Gewinne generieren.

Vorsicht und Handeln sind nicht das Gleiche ! Denken Sie immer daran ! Und wenn Sie lernen wollen, wie man einen Trendbruch dann auch wirklich erkennt, dann stossen Sie zur sumerdigital Community dazu.

Ihr Hari

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Gabor Steingarts brilliante Bestandsaufnahme des Journalismus

Da sitze ich hier, Einzelkämpfer, Blogger, Journalist und Geschäftsführer einer kleinen Medien-GmbH. Jeden Artikel schreibe ich: selber. Redigieren muss ich: selber. Die Buchhaltung vorbereiten muss ich: selber. Mit Lesern kommunizieren und diskutieren tue ich: selber. Technische Probleme behebe ich: selber. Die IT Infrastruktur baut wer auf ? Ich selber. Und so weiter, Sie ahnen den Fortgang der Geschichte. Achja .... und eigentlich ist das nur meiner zweiter Job neben dem ersten - dem eigenen Handel an den Märkten.

Und wenn an den Märkten etwas Bedeutendes passiert, wie zuletzt, als das Janet Yellen Statement in dem Markt leckte, dann schreibe ich dazu in der Regel zeitnah im Premium-Bereich, manchmal noch nach 22 Uhr. Und habe meistens schon kurz danach einen originären Gedanken dazu für Sie parat. Und eine dreistellige Zahl an Lesern schätzt das mittlerweile und bezahlt für diese Qualität.

Schaue ich dann in die breiten Medien, gefüttert von Heerscharen von Journalisten, ein kleiner Kern davon auch mit festen Gehältern auf sicheren Stühlen in warmen Redaktionsstuben, findet man vielleicht 1 Stunde nach dem Ereignis eine freudlose Nacherzählung, die zu oft den Geruch verbreitet, einfach vom Wall Street Journal übernommen worden zu sein.

Wie kann das sein ? Jetzt findet sich natürlich auch in den grossen Medien immer wieder Brilliantes und Durchdachtes, bei dem man merkt, dass der Autor wirklich etwas zu sagen hat. Aber zu oft geht das in einem Meer an Kopiertem, Geschwafeltem und Aufgeblasenem unter.

Warum ich Ihnen das hier in einem Finanz- und Börsenblog schreibe ? Weil ich Sie dazu motivieren möchte, die wirklich brilliante und unbedingt lesenswerte Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Journalismus von Gabor Steingart zu lesen.

Gabor Steingart, ehemals Chefredakteur des Handelsblatt und nun Herausgeber, wendet sich anlässlich einer Veranstaltung in München direkt an seine Kollegen. Lesen und geniessen Sie eine brilliante Rede hier:

---------- UNBEDINGT LESEN:

Dem ist wirklich nichts hinzu zu fügen. Da sitzt jeder Punkt. Wichtig sind auch seine Aussagen zur Ursünde der Kostenlos(un)Kultur im Internet. Wer von den Lesern nicht bereit ist, guten Journalismus zu bezahlen, muss sich auch nicht wundern, wenn ihm die Medien eine populistische Einheitssosse unappetitlichen Erregungsjournalismus bieten. Denn mit Erregungsjournalismus produziert man Klickzahlen. Nur wer Journalisten unabhängig von Klickzahlen bezahlt, kann auch originäre Gedanken abseits des Mainstreams auf den Titelseiten erwarten.

Erinnern Sie sich doch an die teilweise unterirdische Berichterstattung zur Bundestagswahl. Während bei den Kernfragen unseres Landes zum Euro, zur Notenbankpolitik und zu Deutschlands Platz in Europa, eine von der Kanzlerin vermutlich begrüsste Totenstille der Alternativlosigkeit auch in den großen Medien herrschte, wurden wir mit Manierismen und bewusst gesetzten Erregungszyklen wie Steinbrücks "Stinkefinger" bei Laune gehalten - den ich übrigens gut fand. 😉

Und auch nach der Wahl geht es weiter, erst vor kurzem konnten wir als Leitartikel vieler Online-Medien lesen, dass eine gewisse Manuela Schwesig (SPD) wegen Differenzen bei der Homo-Ehe die grosse Koalition in Frage stellt. Oh mein Gott ! Ich habe ja überhaupt kein Problem mit dem Thema, aber es gehört nicht auf Seite 1 und kann auch nicht die Wohl- und Wehe-Frage einer neuen Regierung sein - dieses Land hat weitaus wichtigere Probleme !

Jetzt höre ich gleich wieder Journalisten sagen, sie würden ja nur berichten und es sei ihre Pflicht solche Entwicklungen wiederzugeben. Mit Verlaub, völliger Unsinn. Wie Gabor Steingart schon darstellt, sind einige Hauptstadt-Journalisten eine Art Symbiose mit der Politik eingegangen. Und die Politik weiss genau, mit welchem Kasperletheater sie auf die Titelseite kommen kann. Würden die Journalisten auf diese Erregungszyklen gar nicht anspringen, würde die Politik sie auch nicht produzieren. Die Macht guten Journalismus ist weit höher, als sie von manchem Hofberichterstatter ausgeschöpft wird und was Journalisten schreiben, beeinflusst massiv, was Politiker überhaupt an Text produzieren. Um sich aber als Journalist über Hofberichterstattung zu erheben, muss man erst einmal einen originären Gedanken haben und das ist eben nicht jedem gegeben und kann man auch nicht einfach auf der Journalisten-Schule lernen. Dafür muss man im Leben stehen und das Thema selber mit Herzblut atmen, von dem man schreibt.

So liegt es letztlich an uns - den Lesern - dafür zu sorgen, dass sich der Journalismus ändert und mehr begreifen, wie recht Gabor Steingart hat, dem ich für seine wahren Worte meine Hochachtung aussprechen möchte.

Es liegt an uns, gute Inhalte zu bezahlen und damit sicher zu stellen, dass auch morgen originäre Gedanken von qualifizierten Autoren in den Medien zu lesen sind. Und es liegt an uns, dem Klickraten-Erregungsjournalismus unseren eigenen "Stinkefinger" zu zeigen, in dem wir diese Medien meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Und ich bin sicher, am Ende wird sich die Qualität durchsetzen - zumindest bei den gebildeteren Lesern.

Auf jeden Fachjournalisten kommen locker 100 Bürger, die in dem Thema noch fitter sind, sich noch besser auskennen und mindestens ebenso gut schreiben können. Und diese Bürger können sich durch das Internet nun leicht Gehör verschaffen.

Die Journalisten alter Prägung haben daher die Wahl: entweder diese unbändige Kraft der bürgerlichen Intelligenz für sich nutzbar zu machen, in dem sie sich mit den Lesern verbünden und eine neue Rolle für sich finden - oder unterzugehen. Guter Journalismus wird aber weiter dringend benötigt, originäre Gedanken haben immer Konjunktur !

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