Wat is ene Hedge?



Immer wieder werden im Premium-Bereich auch Grundlagen und Techniken besprochen. Hier stelle ich einen Artikel dem freien Bereich zur Verfügung, der Anfängern den Begriff des "Hedgings" näher bringen soll.

Viel Spass damit und gute Erkenntnisse!

Ihr Hari

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Es gibt ja Begriffe, die lösen geheimnisvolles Geraune unter Aussenstehenden aus. Und wenn jemand auf einer Party so ganz lässig nebenbei erwähnt, dass er seine Finanzanlagen im Angesicht der Risiken nun "gehedged" hätte, ist ihm die Aufmerksamkeit der Teilnehmer sicher.

Denn das "muss" dann ja ein Finanzprofi sein - Gordon Gekko ist wieder auferstanden! Ganz instinktiv schaut man dann zum Fenster heraus, ob man dessen Aston Martin nicht vielleicht irgendwo sehen kann. 😉

Merken Sie sich also, wenn Sie wichtig, reich und klug erscheinen wollen, nehmen Sie das Wort "Hedge" in den Mund. Denken Sie dann aber auch daran, die Haare gegelt nach hinten zu kämmen! 😛

An meinem Sarkasmus erkennen Sie schon, dass sich hinter dem Begriff etwas weit Profaneres verbirgt, man muss es nur verstehen. Wissen ist und bleibt halt Macht!

Vielleicht liegt das "Geheimnisvolle" ja auch daran, dass das "Hedging" in seiner Urform von den Rohstoffmärkten kommt, wo sich zum Beispiel Produzenten den aktuellen Preis über die Saison mit einem Hedge sichern. Da Otto Normalanleger aber eher selten direkt mit "Schweinehälften" und "Mais" handelt, ist das "Hedging" dort eher unbekannt, obwohl es auch bei normalen Anlegern mit grossen Depots, seinen Sinn haben kann.

Das ist damit doch mal wieder ein Fall für Lehrer Bömmel, der heute die berechtigte Frage stellt: "Wat is ene Hedge?"

Zunächst einmal fragen wir uns, was das Wort eigentlich bedeutet. Es bedeutet "Hecke" und wird daher verwendet um zu beschreiben, dass man sich gegen etwas "schützt" oder "absichert".

Und genau das ist ein Hedge, es ist letztlich ein Absicherungsgeschäft, in dem man ein Asset mit einer gegenläufigen Position im Depot neutralisiert, den aktuell erreichten Kurs also sozusagen "zementiert".

Und damit sind wir auch schon beim Kern, denn nun könnte jeder sofort aus der Hüfte fragen, was das denn bringen soll? Denn Eins minus Eins, ist halt wieder Null!

Die Kunst beim guten "Hedging" ist aber, das Absicherungsgeschäft so zu machen, dass die Kuchwankungen zwar begrenzt werden, im Saldo aber ein Plus heraus kommt.

Nehmen wir ein aktuelles Beispiel.

Weiterlesen ...Wat is ene Hedge?

Worauf George Soros wirklich wettet

Ich weiss. Wenn Medien nicht mehr von festen Abo-Gebühren leben, sondern ihre Leser jeden Tag im Internet neu zum "Klick" animinieren müssen, merkt man das in den Überschriften.

Manchmal kann ich mir aber nicht verkneifen, so etwas spöttisch zu kommentieren. So auch bei einem Artikel der "Welt" zu George Soros, der Online sogar eine zeitlang der Top-Artikel war:

Soso. Soros wettet also auf den "Crash", weil er mit 840 Millionen USD in Puts, auf fallende Kurse im Leitindex S&P500 setzt.

Tut mir leid, diese Interpretation ist nach meiner bescheidenen Einschätzung eher neben der Realität. Aber sie hört sich natürlich ganz toll und "dramatisch" an. 😉

Lassen wir mal beiseite, dass das Daten von Ende des 2. Quartals sind und dass Soros auch vorher schon eine hohe Menge Puts auf den S&P500 im Depot hatte.

Viel wichtiger ist, dass eine einzelne Position, auch wenn sie hoch ist, immer im Kontext des Gesamtvermögens gesehen werden muss. Und dieses beträgt laut Artikel 25 Milliarden bei Soros.

Nun wissen wir nicht, wie hoch der Hebel der Optionen ist, nehmen wir einfach mal theroretisch den Faktor 12 an. Dann hätte Soros nun eine Wette im Gegenwert von ca. 10 Milliarden USD gegen den S&P500 im Markt.

Hört sich gigantisch an. Aber was ist, wenn Soros in seinem Vermögen unzählige Long-Positionen im Wert von 20 Milliarden hat und er mit dem Put nur die Hälfte dieser Long-Positionen absichert und neutralisiert?

Genau das nennt man einen "Hedge", wenn ein grosses Depot mit vielen Positionen, die man nicht alle bewegen kann und will, durch eine grosse Gegenposition teilweise neutralisiert wird. Im Premium-Bereich, habe ich die Funktionsweise solcher Hedges und ihre Vor- und Nachteile ausführlich beschrieben.

So etwas ist für einen Profi etwas völlig Normales und das vor der Sommerphase zu tun, ist mehr als naheliegend.

Übrigens einige Mitglieder und auch ich selber, haben ihre Depots Ende Juli auch "gehedged" und damit neutralisiert, um den August gelassen abwarten zu können. Nur eben nicht mit Milliarden, aber das Prinzip ist genau das Gleiche. 😉

Fazit:

Wir wissen nicht, was Soros will und die Redakteure der "Welt" eher auch nicht. Ob Soros auf den "Crash" wettet, erscheint reine Spekulation und bei Betrachtung des Volumens, selbst mit Hebel sehr unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher erscheint hier eine ganz rationale Absicherungs-Operation über den Sommer, ein klassischer Hedge eben. Und dann lässt sich daraus rein gar nichts ableiten, was für Anleger Relevanz hätte.

Ausser, dass auch Soros den S&P500 aktuell für korrekturreif hält und er seine Risiken verringern will. Aber das zu erkennen, erfordert derzeit wirklich keinen Raketenwissenschaftler. 😉

Das Dumme an meiner Interpretation ist nur, sie erzeugt keine schöne Schlagzeile, weil das Wort "Crash" fehlt. So ist sie halt, die schöne neue Nachrichten-Welt des "pseudo-kostenlos" Internets.

Es liegt an uns, den Lesern, das durch unser Verhalten zu ändern, wenn wir Qualität erwarten. Ich wünsche weiter schöne Ferien!

Ihr Hari

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CFDs – Nur für Risikofreudige ?

Ein "Sponsored Article" von Milena Kannen, IG Markets

Wer sich heutzutage näher mit den Themen Börse und Investment beschäftigt, kommt am Thema schon lange nicht mehr vorbei. Die ursprünglich aus Großbritannien stammenden Derivate werden auch hierzulande immer beliebter; einer jährlich durchgeführten Studie des Marktforschungsinstituts Investmenttrends zufolge gab es 2012 in Deutschland 43 000 aktive CFD Trader, sowie 23 000 interessierte Finanzmarktteilnehmer, die derzeit noch nicht mit CFDs handeln, aber erwarten, in den nächsten zwölf Monaten Kunde bei einem Online Broker zu werden.

Die Abkürzung CFD steht für „Contract for Difference“, also ein Differenzgeschäft, bei dem sich zwei Vertragsparteien über einen Barausgleich einigen, der sich aus der Differenz von Bid- und Askpreis eines Underlyings (Basisinstrument) ergibt. Solche Basisinstrumente sind zum Beispiel Aktien, Devisen, Rohstoffe oder Indizes. CFDs werden nicht an der Börse gehandelt, sondern OTC („over the counter“) über einen CFD Broker.

Attraktiv ist der Handel mit CFDs vor allem auf Grund der geringen Haltekosten. Da Trader nur auf die Preisdifferenz spekulieren, das zugrunde liegende Asset aber zu keinem Zeitpunkt physisch besitzen, müssen sie nicht den Gesamtwert, sondern lediglich einen Bruchteil der Position als Sicherheitsleistung auf einem Marginkonto hinterlegen, je nach Broker zumeist zwischen einem und 10 Prozent. Damit CFD Händler aber dennoch in vollem Umfang an den Bewegungen des Marktes partizipieren können, kommt hier die Hebelwirkung (Leverage) ins Spiel: Je nach Höhe des eingesetzten Hebels, der entweder vom Broker vorgegeben oder vom Trader ausgewählt wird, vervielfacht sich der Gewinn pro Kontrakt. Ein Beispiel: Mit einem Hebel von 50:1 ließe sich bereits bei einem Kursanstieg des Underlyings von einem Prozent ein Gewinn von 50 Prozent des eingesetzten Kapitals realisieren, abzüglich anfallender Gebühren. Eine unerwartete Kursbewegung in die entgegengesetzte Richtung führt jedoch umgekehrt leicht zu einem Verlust der gleichen Größenordnung. Ohne ausreichende Absicherung durch wie Stopps und Limit Orders kann es also leicht zu Verlusten kommen, die die Einlagen überschreiten. Interessenten und aktive Trader sollten sich diese Risiken immer wieder bewusst machen, um rationale Entscheidungen zu treffen und nicht unterzugehen.

Auf der anderen Seite ist es jedoch auch falsch, CFDs als „Zockerprodukte“ zu verschreien. Sicherlich sind die meisten Trader hauptsächlich an kurzfristigen Kursveränderungen interessiert, doch es gibt keinen Grund, warum CFDs nicht auch für mittel- und längerfristige Strategien zum Einsatz kommen sollten. Dank ihrer Transparenz und Einfachheit der Handhabung sind sogar Hedge-Geschäfte mit CFDs durchaus denkbar. Nach Markowitz‘ Portfolio-Theorie sollte ein Depot ohnehin nicht nur in unterschiedliche Anlageklassen, sondern auch in verschiedene Handelsinstrumente aufgefächert sein. Auf Grund ihrer hohen Flexibilität und variablen Haltedauern können CFD Geschäfte nicht nur kurzfristig die Performance einzelner Werte maximieren, sondern insbesondere auch die Schwergewichte eines Portfolios effektiv gegen Volatilitäten in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit absichern, sodass diese vielseitigen Handelsinstrumente auch für konservativ ausgerichtete Anleger interessant sein können.

Der Handel mit Hebelprodukten beinhaltet ein hohes Risiko und ist nicht für jeden Anlegertyp geeignet. Stellen Sie darum sicher, dass Sie alle mit dem CFD Handel verbundenen Risiken verstanden haben und einschätzen können.

Milena Kannen ist Financial Writer und Researcher bei IG Markets, Deutschlands führendem CFD-Anbieter. Nach abgeschlossenem Journalistikstudium in Leipzig schreibt sie nun aus London über CFD-Handel, Charttechnik und Handelsstrategien sowie aktuelles Börsengeschehen.

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Kurzkommentar zur Lage in DAX und S&P500 – 19.10.12 – Von Ahnungen und Hedges

16:00 Uhr

Endlich ist die Lage für mich klarer. Zur Erklärung worum es hier geht, verweise ich auf meinen gestrigen Artikel, der meine Vorsicht hinsichtlich der kurzfristigen Entwicklung thematisierte.

Wie bitte, werden Sie fragen, es ist doch nun erst recht unklar, ob der Aufwärtstrend erhalten bleibt ? Warum klarer ?

Das stimmt, das ist aber nicht der Punkt. Wie die Zukunft wird, weiss ich sowieso nicht. Diese Unklarheit ist immer da. Es geht doch nur um die Frage wie ich mich in der Gegenwart aufstelle. Und da ist die Lage für mich nun klarer. Warum, werden Sie fragen ? Ganz einfach:

Weil die von mir erahnte und "gerochene" Korrektur nun eindeutig eingesetzt hat. Ich weiss zwar immer noch nicht wie tief sie geht. Ich weiss aber nun, dass der Verlauf der Korrektur mir alles Notwendige sagen wird.

Denn schüttelt der Markt diese Abwärtsbewegung sofort wieder ab und steigt erneut, dann ist das für mich voraussichtlich das "Grün" Signal für weitere Kursgewinne und einen weiteren Aufwärtsschub. Dann stelle ich meine Hedges sofort glatt. Und fällt der Markt nun weiter, dann um so besser. Dann geniesse ich den Effekt der Hedges und freue mich meine Favoriten später günstiger zukaufen zu können.

Denn von einem guten Jahresausklang bin ich nach wir vor überzeugt. Die Frage ist für mich eher, wie tief wir vorher in den Indizes runter müssen, bevor der Schub zum Jahresende einsetzen kann. Und diese Frage beantwortet mir nun der Markt, ich muss "nur" den Swing-Low der jetzigen Korrekturbewegung erwischen um meine Hedges aufzulösen und nachzukaufen. Vielleicht nächste Woche, vielleicht auch schon heute in einer Stunde. Wer weiss. 🙂

Wenn Sie mich fragen was ich für das wahrscheinlichste Szenario halte, dann ist es immer noch nahe an meinem Gedanken-Szenario von letztem Sonntag - dem -> Weg des maximalen Schmerzes <-. Ich rechne nun eher mit ein paar Tagen Korrektur bis in die nächste Woche hinein, die durchaus das Potential haben Schmerzen zu verursachen. Wobei ich einen Taucher unter DAX 7000 zwar für möglich, aber nicht für zwingend halte. Dafür ist der Kaufdruck wohl zu hoch. Auch ein tagelanges Rumeiern um 7300 kann ich mir gut vorstellen.

Und selbst das wir heute schon wieder nach oben drehen ist möglich und soll mir recht sein. Denn nun geniesse ich den Vorteil der daraus entsteht, das ich schon vorher eine Strategie für das aktuelle Szenario hatte. Und danach, wenn diese Korrektur durchgelaufen ist, ist der Markt möglicherweise reif, um zur richtigen Liquiditätsrally zum Jahresende anzusetzen.

Auch hier werde ich wieder genau auf Gold (XAUUSD) und EURUSD zu schauen. Wenn Sie genau geschaut haben, haben Sie sicher bemerkt, dass Gold mit seiner Wende nach unten der Bewegung des Aktienmarktes schon wieder vorgelaufen ist. Es spricht viel dafür, dass auch der SwingLow als erstes wieder bei Gold kommt.

Warten wir es ab und lassen wir uns überraschen. Denn nur eines ist sicher, letzteres wird Mr. Market immer wieder schaffen ! 😉

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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Kurzkommentar zur Lage in DAX und S&P 500 – 18.10.12

18:45 Uhr

Ein paar kurze Worte *Live* zur aktuellen Lage.

Leicht macht es einem Mr. Market im Moment wirklich nicht. Schon gar nicht, wenn man *Live* versucht die Lage einzuschätzen und sich damit an die Öffentlichkeit wagt, hinterher ist natürlich alles einfacher. 😉

Sicher, der DAX hat nun die 7410 durchschlagen und damit das Risiko vom Tisch genommen, dass wir nun eine Serie immer niedrigerer Hochs bekommen. Ein Punkt für die Bullen und ein Indiz, dass eine ganz schlimme Wende wohl nícht auf der Agenda steht.

Aber .... es fehlt noch die Erreichung der alten Hochs vom 21.09. bei 7478. Und vor allem, der DAX war mit seinem Anstieg heute ein eher singulärer Event. Denn der Leitindex S&P500 hat sich bisher kaum bewegt und auch andere europäische Börsen wie die Märkte in Spanien und Italien waren eher im Minus.

Schlimmer noch, der S&P500 hat gerade um 18 Uhr eine Bewegung ins Plus bis zu 1464 im Sinne eines kleinen "Swing Highs" sofort wieder negiert und notiert wieder leicht im Minus. Und die Leitaktie Apple schwächelt weiter und technisch sind wir nun sowieso überkauft und reif für einen Rücksetzer.

Das Dumme ist nach wie vor nur, dieser Rücksetzer sollte besser erst kommen, wenn die alten Hochs hinter uns liegen. Andernfalls dürften das die Algos als Signal sehen, den Markt erst einmal bis zur unteren Trendbegrenzung zu traden. Und das würde dann schmerzhaft.

Alles gute Gründe dem singulären Hoch im DAX nur begrenzt zu trauen und vorsichtig und opportunistisch zu bleiben.

Lange Rede kurzer Sinn, ich habe oft eine klare Meinung zum Markt, heute aber aus kurzfristiger Sicht nicht ! Ich traue dem Braten noch nicht endgültig. Nenne Sie es einen "Riecher". Ich habe deshalb auch meine Hedges bisher im Markt behalten und nicht glatt gestellt. Ich warte ab, bis ich ein klareres Gesamtbild habe. Vielleicht ist es Morgen so weit, vielleicht erst Montag.

Da ja einige Sektoren im Moment klare Aufwärtstrends aufgenommen haben - siehe zb Kohle und Stahl und alles was damit zusammen hängt - gibt es ja für uns auch genügend "Futter" abseits der breiten Indizes.

Und mittelfristig habe ich sowieso und nach wie vor eine klare Meinung. Und die ist zum Jahresende unverändert bullisch, wie schon ohne Unterbrechung seit Juli. Rücksetzer jetzt hin oder her.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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Marktupdate – 27.09.12 – Long DAX und S&P500 ins Quartalsende ?

08:45 Uhr

Heute früh möchte ich Ihnen kurz erklären, warum ich nun - hin zum Quartalsende - "Long" im Markt bin.

  1. Der Leitindex S&P500 ist nun seit dem Hoch von vor ca. 2 Wochen an 7 von 8 Tagen im Minus und damit ganz klar überverkauft. In der Historie führte das fast immer zu Gewinnen an den Folgetagen.
  2. Wir hatten gestern erneut - nach den letzten Tagen - einen "Buying on Weakness" Tag im SPY. Und diesmal mit 384 Millionen USD einen gewaltigen Print. Das heisst: "Big Money" akkumuliert unter der Decke.
  3. Die Diskussionen ob der Markt ein Top ausbildet, breiten sich aus. Viele kluge und ernst zu nehmende Marktbeobachter wie Dave Landry oder James DePorre werden skeptischer. Vielleicht haben Sie mittelfristig recht, ich bin allerdings überzeugt: kurzfristig "not yet". Denn Tops brauchen lange um sich zu formen und eine weiterer (dann scheiternder) Anlauf auf die Hochs gehört in der Regel dazu.
  4. Gold und Öl, die beide dem Aktienmarkt typischerweise in einem Bottoming-Process etwas voran laufen, sehen beide so aus, als ob sie die Tiefs gestern gesehen haben.

Ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse, ich habe auf jeden Fall meine Hedges reduziert und setze auf Stärke heute und morgen. Meine Meinung werde ich schnell ändern, wenn der DAX heute mit Momentum unter 7250 taucht und die 7200 ins Visier nimmt. In diesen Bereichen der gestrigen Tiefs liegen auch viele meiner Stops für die Longs, mit denen ich nun zum Ende der Woche im Markt bin.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 27.03.12 – Vom Aufhören, wenn es am schönsten ist …

22 Uhr - Handelsschluss

Der heutige Tag an den Märkten war lange eher ereignislos, an dem grossen Bild hat sich nichts geändert. Die heutige leichte Schwäche empfand ich nach dem gestrigen Tag als prinzipiell normal. Lange haben auch die alten Hochs im Bereich 1414 im S&P500 gehalten, was wichtig war um eine klare Grundlage für einen weiteren Schub nach oben zu legen.

In den letzten Handelsminuten wurde dieser Bereich dann leider doch nach unten durchbrochen, was das Bild für Morgen früh etwas eintrübt und ein paar Fragezeichen aufwirft. Überbewerten muss man das aber auch nicht, von grossem Abgabedruck konnte keine Rede sein. Insofern bleibt uns nichts weiter, als unserer Linie treu zu bleiben und abzuwarten.

Ich möchte daher die Gelegenheit ergreifen, den Blick über die aktuelle Woche hinaus auf das 2. Quartal zu richten und Ihnen zu zeigen, wie ich mich dafür aufstelle.

Die Überschrift ist natürlich mit Bedacht gewählt, denn ich bin tatsächlich der Ansicht, dass es nun langsam Zeit wird, defensiver zu agieren.

Sie wissen, dass ich im Gegensatz zu den meisten Marktbeobachtern seit Jahresanfang auf dem Gaspedal war, mal stärker, mal vorsichtiger, aber letztlich immer mit dem Blick nach oben. Zum Erfolg an den Börsen gehört aber nicht nur die Fähigkeit zum richtigen Zeitpunkt auf eine Bewegung aufzuspringen, genau so wichtig ist es auch, den rechtzeitigen Absprung zu schaffen. Denn solange wir das nicht schaffen, sind alle vermeintlichen Gewinne im Depot nichts als Hoffnung, erst der Verkauf der Position macht den wirklichen Profit wahr. Und wie im richtigen Leben, ist auch an der Börse der beste Zeitpunkt zum aufhören immer dann, wenn es am schönsten ist.

Schauen wir uns doch einmal an, wie ich den Markt kurz- und mittelfristig sehe:

Diese Woche, zum Quartalsende hin, halte ich es für unwahrscheinlich, dass wir uns stark nach unten bewegen. Denn ich bin überzeugt, dass die Indizes von Big Money verteidigt werden, zu viel hängt an den Indexständen in Form von Boni und Gewinnen. Ob wir diese Woche noch einen grossen Schub nach oben bekommen, der uns dann bis DAX 7500 tragen könnte, kann ich Ihnen nicht sagen. Es ist gut möglich, aber nicht sicher. Genau so möglich ist, dass wir nun einfach weiter seitwärts laufen und das Quartal irgendwo zwischen 7000 und 7200 beschliessen.

Anfang April könnte auch noch eine gute Zeit für die Börsen sein, zumindest bis Mitte April die Quartalsberichtssaison wieder beginnt. Und auch die Dividendensaison bis in den Mai hinein, hat die Tendenz den Markt zu stützen, da viele private Anleger die Dividende "noch mitnehmen" wollen, bevor sie verkaufen. Was natürlich grober Unfug ist und von einem eklatanten Mangel an Verständnis zeugt, aber letztlich den Markt leicht stützt, weil die privaten Anleger erst nach der Dividendensaison so richtig ans verkaufen denken. Insofern kann es gut sein, dass sich die aktuelle Stärke noch ein paar Wochen in das zweite Quartal hinein fortsetzt.

Nicht vergessen dürfen wir aber, dass wir im DAX seit Jahresanfang nun 20% gestiegen sind und niemand sollte glauben, dass das einfach so weitergeht. Ich persönlich halte ja sogar Höchststände im Bereich DAX 8500 zum Jahresende für möglich, eine gleichmässige, ruhige Bewegung nach oben über das ganze Jahr wird das aber bestimmt nicht. Natürlich ist alles möglich und auch das ist denkbar, es ist aber sehr unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist bald eine neue Phase der Volatilität, die uns dann auch mal wieder unter 7000 drücken würde.

Wichtig ist auch, die Erlebnisse der nahen Vergangenheit im Auge zu haben, denn die Mehrzahl der Marktteilnehmer wertet diese höher als ältere Ereignisse und zeigt so durchaus berechenbares Verhalten, in dem die Vergangenheit fortgeschrieben wird. Und was hatten wir an Erlebnissen der nahen Vergangenheit ?

Ganz einfach - egal ob institutioneller oder privater Anleger - alle hatten eine Art "Nahtot-Erfahrung" letzten August mitten im Sommer. Und alle haben bitter bereut, nicht schon im Frühjahr aus dem Markt gegangen zu sein und haben das mit einem versauten Sommerurlaub teuer bezahlt.

Alle diese Geschädigten des letzten Jahres werden diese Jahr wohl "klüger" sein wollen und deshalb rechtzeitig aus dem Markt gehen wollen, was in Anbetracht der Indexstände ja auch rational vernünftig ist. Und weil das so ist und keiner der letzte sein will, rechne ich damit, dass die Absatzbewegung der Institutionellen dieses Jahr schon viel früher beginnt, schon ab Mitte April. Diese Verkäufe der Institutionellen werden dann von den Privaten aufgesogen, die gierig nach Dividenden sind und sobald auch die Privaten gesättigt sind - irgendwann im April oder Mai - bleiben die Käufer aus und dann kann ein Markt nur noch fallen.

Umgedreht, weil ich denke dass heuer schon früher als sonst aus dem Markt gegangen wird, dürfte die Phase des grossen Risikos schon im Hoch-Sommer vorbei sein - genau dann wenn wieder der August kommt, an den sich nun alle mit Schrecken erinnern, dürften die Verkäufe alle schon getätigt sein und der Markt hat vielleicht die Grundlage um zu einer guten zweiten Jahreshälfte anzusetzen.

Das beste was mir also nun passieren könnte, wäre ein BlowOff-Top in den nächsten Tagen. Das heisst ein starker Anstieg mit einer finalen dynamischen Bewegung nach oben, die irgendwo oberhalb DAX 7400 oder höher ausläuft und Intraday dann wieder abverkauft wird. Dieser "Swing-High" wäre das perfekte Signal für mich, umgehend Gewinne mitzunehmen und auf die Seitenlinie zu wechseln.

Passiert das nicht und laufen wir nun seitwärts oberhalb 7000, wird es schwierig bis unmöglich den Tag der Wende perfekt zu treffen. In diesem Fall macht es Sinn sukzessive Risiko aus dem Depot zu nehmen und die noch laufenden Positionen eng abzusichern. Damit man am Tag der Abrechnung nicht mit herunter gelassenen Hosen erwischt wird 😉

Bedeutet das, das ich nun ab nächster Woche ganz aus dem Markt gehe ? Definitiv nein, das werde ich nicht tun. Es gibt eine Reihe von Nachzüglern im Markt - einige haben wir hier auch besprochen - die auch bei einer Korrektur nicht mehr all zu viel abgeben sollten. Ausserdem kann man seine Long-Positionen ja auch absichern (hedgen). Aber ich werde mein Long-Exposure nun Schritt-für-Schritt verringern und generell Risiko aus dem Depot nehmen. Dabei werde ich in den nächsten Tagen und Wochen sehr viel mit Trailing-Stops operieren, die sich in einem nach oben laufenden Markt mitschieben. So kann ich von einem weiteren Anstieg noch genug mitnehmen und bin dann schnell aus dem Markt, wenn es nötig ist.

Und warum bin ich mir so sicher, dass der Hauptteil des Anstiegs nun verfrühstückt ist ? Kann es nicht sein, das wir Ende Mai bei über 8000 im DAX stehen ? Die Antwort ist: sicher bin ich mir gar nie und nirgends. Wer im Markt irgend etwas für "sicher" hält, ist ein Idiot. 😉 Auch 8000 im Mai ist durchaus möglich und wenn es passiert, muss ich halt damit leben, dass ich diesen Teil der Bewegung dann nicht mehr vollständig mitgemacht habe. Es ist aber nach all meiner Erfahrung eher unwahrscheinlich, wahrscheinlicher ist, dass wir nun nach einem letzten Schub irgendwo bis maximal DAX 7500 erst einmal auslaufen. Das bedeutet nicht zwingend, dass es danach stark nach unten gehen muss, vielleicht schwanken wir den ganzen Sommer seitwärts, bevor es wieder nach oben geht, wer weiss. Und vielleicht ändere ich meine Sicht auch im Mai schon wieder, wer weiss welche Überraschungen vor uns liegen.

Aber hier und jetzt, Ende März 2012, nach 20% Anstieg im DAX, finde ich es vernünftiger nun langsam Schritt für Schritt Risiko aus dem Depot zu nehmen und defensiver zu werden, statt nun erst recht aggressiv auf steigende Kurse zu wetten.

Mit dem Markt hochlaufen kann und sollte man ja weiterhin, nur vorsichtiger und besser abgesichert als bisher.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Thema "Hedgen": Sie wissen ja, dass ich von Optionscheinen für die Privatanleger eigentlich gar nichts halte. Denn der Market-Maker der im Handel "auf der Leitung" sitzt, optimiert seinen eigenen Gewinn. Er ist Preisrichter und Handelspartner zugleich, dieser Interessenkonflikt wird nach meiner Erfahrung in der Regel zu Lasten des Privatanlegers aufgelöst. Optionsscheine sind mir in der Preisstellung einfach zu intransparent, als das ich damit etwas zu tun haben wollte, ich habe in meiner Karriere da schon zu viel übles Zeug erlebt.

Wer als kleiner Anleger unbedingt gehebelt wetten will, sollte dazu in meinen Augen besser CFDs nehmen - und zwar von einem zuverlässigen, grossen Anbieter der Kutellung eins-zu-eins nach den Futures garantiert. Und die Profis handeln sowieso mit echten, wirklich börsengehandelten Terminkontrakten zum Beispiel an der Eurex - bei denen der Preis sich wirklich aus Angebot und Nachfrage ergibt, wie es sich gehört, und nicht der Willkür und Gier des alleinigen Marketmakers unterliegt, wie bei Optionsscheinen.

Aktuell haben wir aber eine Situation, in der ausnahmsweise und trotz ihrer eklatanten Nachteile auch klassische Optionsscheine einen Blick als "Hedge" wert sein könnten. Das liegt daran, dass in die Bewertung eines Optionsscheines auch die Schwankungsanfälligkeit des Marktes - die Volatilität - einfliesst. Bei CFDs ist das völlig irrelevant, die bilden (bei den richtigen Anbietern) 1-zu-1 den darunter liegenden Future ab und sind genau deswegen so transparent bei der Preisstellung.

Für Put-Optionsscheine gilt daher, das diese sehr billig sind, wenn die Volatilität (wie derzeit) sehr niedrig ist. Und sehr teuer mitten im Absturz, wenn die Volatilität nach oben schiesst. Im Moment kann man eine Absicherung über einen Put-Optionsschein also eher günstig bekommen. Und wenn in den nächsten Wochen die Vola steigen sollte, müsste der Markt gar nicht stark nach unten laufen, damit der Optionsschein an Wert gewinnt.

Neben der Volatilität ist bei einem Optionschein aber auch die Restlaufzeit ein entscheidender Faktor und mit jedem Tag der vergeht, ohne das der Kurs sich in die gewünschte Richtung bewegt, verliert ein Optionsschein an Wert, das sollte man bitte nicht vergessen. Mit einem Optionsschein kann man also nur dann Geld verdienen, wenn der Markt in absehbarer Zeit genau die erwartete Bewegung macht. In allen anderen Fällen - auch bei richtungsloser Seitwärtsbewegung - wird man nur Verluste produzieren.

Aber wie auch immer, wenn jemand wirklich versteht, wie solche Optionsscheine funktionieren, und wenn er/sie wirklich weiss, was da im Depot liegt, dann könnte in der jetzigen Marktphase mit geringer Volatilität ein Hedging über Put-Optionsscheine durchaus bedenkenswert sein. Denn so muss man seine liebevoll ausgewählten Aktien nicht anfassen und bekommt trotzdem weniger Risiko ins Depot. Wer dieses Wissen aber nicht hat, sollte nach meiner Ansicht besser die Finger von solchen Derivaten lassen, das geht in der Regel nach hinten los. Die beste Absicherung ist für den unerfahrenen Anleger der Cash auf dem Tagesgeldkonto.

Man könnte das Thema Optionsscheine ganz umgehen, wenn man Volatilität direkt handeln könnte, also den VDAX (den Volatilitätsindex des DAX) kaufen oder verkaufen. Es gibt dazu auch ein paar Zertifikate und erste ETFs, ich habe aber bisher noch kein überzeugendes Produkt gesehen, bei dem die Rollverluste in ihrem negativen Effekt eingegrenzt wären. Solange lasse ich die Finger von solchen Produkten.

Fazit: Jeder muss selber wissen, ob er jetzt noch aggressiv auf einen steigenden Markt wetten will. Ich werde nun aber langsam auf Defensive schalten und werde das zunächst mit Trailing-Stops umsetzen. Sobald ich glaube einen kurzfristigen Top identifiziert zu haben, werde ich zusätzlich massiv mit Hedging arbeiten.

Seit Anfang 2012 war ich auf dem Gaspedal. Es sei hiermit laut und deutlich vermerkt, dass ich ab Ende dieser Woche den Fuss vom Gas nehme und den Wagen nur noch mit dem vorhandenen Schwung rollen lasse - den Fuss bremsbereit aufgestellt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari