Tokay’s DAX-Betrachtung: Wochen der Entscheidung stehen bevor

Ein Gastkommentar von Tokay

In den letzten Tagen herrscht wieder einmal Unruhe an den Aktienmärkten und so fragt man sich, ob die in den USA seit 2009 währende Hausse und ob die am deutschen Markt erneut seit September 2011 zu beobachtende Hausse nunmehr zu Ende geht.

Befassen wir uns heute wieder einmal mit dem DAX als dem deutschen Leitindex. Hier sehen wir in der nachfolgenden Abbildung zwei(eigentlich vier) Linien, die die Entwicklung charakterisieren:

  • Linie ABC kennzeichnet die Untergrenze der Aufwärtsentwicklung, welche Anfang August bei Punkt C fürs erste gebrochen wurde;
  • Die Aufwärtsentwicklung war nach oben durch die Linie DE begrenzt, sie prallte bei Punkt E ab und wir haben seither eine Konsolidierungsbewegung Richtung DAX 9500. Dort befindet sich zugleich auch der Jahresendpunkt der exponentiellen Regression.

Grafik 01.10.14

Hier sind zwei denkbare bzw. wahrscheinliche Verläufe:

  • Der DAX durchbricht die Marke 9750 nachhaltig nach oben; dann wäre das ursprünglich anvisierte Jahresendziel von einem DAX 10500 doch noch erreichbar. Dazu müsste sich allerdings die derzeitige negative Grundstimmung verflüchtigen, was zumindest derzeit noch nicht zu sehen ist. Es müsste also die EZB mit ihrem Chefdirigenten Mario Draghi wieder einmal ran, Stichwort Anleihekäufe.
  • Andererseits befinden wir uns sehr knapp nach wie vor unter der 200-Tage-Linie, welche nach herkömmlicher Lesart die Wasserscheide zwischen Bullen- und Bärenmarkt darstellt. Noch hält die exponentielle Trendfunktion bei etwa 9250 Punkten, Würde diese nachhaltig unterschritten,dann stünden die Zeichen auf Baisse, und dann könnte man ziemlich dynamisch nach unten Richtung 7000 Punkte rauschen.

Wir sehen also, die kritischen Marken liegen recht nahe beieinander. Die Entwicklung steht somit buchstäblich auf des Messers Schneide.

Dennoch bin ich letztlich positiv gestimmt für den restlichen Verlauf des Jahres. Die makroökonomischen Indikatoren geben letztlich grünes Licht. Der ominöse St. Leger's Day ist ebenfalls überstanden. Die Ereignisse im Nahen Osten, so furchtbar sie auch sind, haben keinen Anstieg der Ölpreise bewirkt. Ganz im Gegenteil herrscht dort zurzeit Überangebot. Allerdings kann es durch die dortige Entwicklung dazu kommen, dass der Risk-Off-Modus das dominierende Szenario wird bzw. bleibt. Dies würde die Konsumenten und Investoren in den westlichen Ländern nachhaltig verunsichern. Ein Erreichen der ursprünglich anvisierten 10500er Marke ist aber nach wie vor möglich, wenn nicht sogar noch mehr. Anleihen sind jedoch sündhaft teuer, der US-Dollar auch – da könnte für Aktien noch etwas gehen. In ein paar Wochen werden wir es wissen.

Tokay

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DAX-Betrachtung: Eine Baisse ist nicht in Sicht

DAX-Betrachtung: Eine Baisse ist nicht in Sicht

Ein Gastkommentar von Tokay

Am Freitag wurden die neusten Daten des Ifo-Instituts veröffentlicht. Demnach scheint die deutsche Konjunktur ihren Zenit überschritten zu haben. Also eigentlich keine gute Nachricht für den deutschen Aktienmarkt? Stimmt, eigentlich ist das keine gute Nachricht. Aber so schlecht auch wieder nicht. Denn ein rückläufiger Ifo-Index spricht nicht gerade für eine Überhitzung der Konjunktur, und damit auch nicht für eine euphorische Stimmung, in welcher, wie ja die alte Börsenweisheit sagt, eine Hausse stirbt.

DAX 03.01.2011 bis heute

Betrachten wir den DAX seit Anfang 2011. Im Spätherbst 2011 startete die Erholungsrallye auf dem Höhepunkt der Eurokrise(Bankenkrise sollte man wohl besser sagen). Diese Rallye folgt dem Pfad ABC und sie läuft noch immer ganz beharrlich den Punkt F an, der ungefähr in der Höhe von 10.500 Punkten liegt. Der DAX hat in den vergangenen Monaten eine von Unsicherheit geprägte Entwicklung durchgemacht, nachhaltig beeinträchtigt wurde er in seinem Aufwärtstrend aber nicht. Nicht durch die Ukraine, nicht durch Putin, nicht durch China, eigentlich gar nicht. Gut, er konsolidiert nun seit einigen Monaten. Er befindet sich weiter im oberen Bereich seiner Möglichkeiten; eben das beschränkt die Möglichkeiten seiner Aufwärtsentwicklung. Doch nach wie vor ist die expansive Geldpolitik der EZB der alles dominierende Faktor, so dass Mutmaßungen über die technische Verfassung des Marktes vor diesem Hintergrund ziemlich müßig sind. Diese spielt nicht wirklich eine Rolle für die längerfristige Entwicklung; sie spiegelt eher die Erwartungen, die gehegt werden.

Schauen wir uns einmal an, wie sich in den letzten etwa fünfzehn Jahren die Entwicklung des DAX und die Geldpolitik zueinander verhalten haben:

DAX und Geldpolitik 1999-2014

Auf der linken Ordinate sehen wir die Differenz zwischen dem Zins für zehnjährige Bundesanleihen und dem Leitzins der EZB als Maßstab für die Geldpolitik und auf der rechten Ordinate den Verlauf des DAX. Man erkennt, dass eine Baisse am Aktienmarkt immer dann eingeläutet wurde, wenn die EZB den Abstand zwischen langfristigem Zins und Geldmarktzins verkürzte und über die Erhöhung des Leitzinses eine Inversion der Zinssätze bzw. eine Verkürzung der Zinsdifferenz bewirkte. Nur dann ging es mit dem DAX nachhaltig bergab. Das war 2001, 2007 und ansatzweise 2011 der Fall. Denn eine Zinsinversion ist ein probates Mittel, um Inflationserwartungen einzudämmen. Aber eben auch eines, um die Konjunktur abzuwürgen, und damit auch den Aktienmarkt, welcher der Konjunktur voraus läuft.

Wie ist die Situation heute? Der kurzfristige Zins ist heute nahe Null, der Zins für 10-jährige Bundesanleihen liegt unter 1 ½ Prozent. Eine Erhöhung des Leitzinses auf der nächsten EZB-Sitzung steht nicht zur Debatte. Ganz im Gegenteil ist es Konsens, dass der Leitzins eher noch aufgrund der sehr verhaltenen wirtschaftlichen Entwicklung in Südeuropa weiter reduziert wird, ja, sogar von einem Strafzins für Sichteinlagen der Großbanken beim EZB-System ist die Rede und ebenso von Anleihekäufen. Man mag über die Wirksamkeit dieser Maßnahmen denken wie man will, doch eines ist klar, eine Zinsinversion liegt in weiter Ferne, und damit auch eine Baisse am deutschen Aktienmarkt.

Eine dynamische Aufwärtsentwicklung indes ist auch nicht zu sehen, dazu fehlen einfach im Moment die Impulse. Eines ist auffällig: Trotz der rekordtiefen kurzfristigen Zinsen regen sich nicht einmal im Ansatz irgendwelche Inflationserwartungen. Das wäre in den achtziger oder neunziger Jahren in einem solchen Umfeld sehr rasch der Fall gewesen. Warum ist es diesmal nicht der Fall? Das liegt gemäß dem amerikanischen Ökonomen Richard Koo in der sogenannten „Bilanzrezession(balance sheet recession)“ begründet. Diese hat dazu geführt, dass die Unternehmen, anstatt ihre Gewinne neu zu investieren, diese dazu benutzen, ihre Schulden abzubauen. Dies verbessert ihre Finanzierungsstruktur, aber es beeinträchtigt die Nachfrage, so dass auch keine Inflationserwartungen entstehen. Auch führt die Tiefzinssituation dazu, dass der Privatsektor umschuldet, sprich alte, höher verzinste Kredite durch neue, tiefer verzinste Kredite ersetzt. Auch zeigt sich, dass der jetzige Eurozins für Deutschland viel zu tief und für den Süden viel zu hoch ist. Die deutsche Binnenkonjunktur läuft ausgezeichnet, eben auch wegen der tiefen Zinsen. Daran ändern auch die heutigen Ifo-Zahlen nichts. Doch der Süden bräuchte gemäß der Taylor-Regel(einer geldpolitischen Regel, die auf den Ökonomen John Taylor zurückgeht) einen noch tieferen Zins. Vor allem aber bräuchte er neben Strukturreformen eine sehr expansive Finanzpolitik, um die Nachfrage zu ersetzen, die aufgrund des Deleveraging des Privatsektors weggefallen ist. Das ist aber nicht so und es bestätigt die These vieler Ökonomen, dass der Euro kein optimaler Währungsraum sei.

Kommen wir abschließend zu einem weiteren Einflussfaktor für den deutschen Aktienmarkt, nämlich den amerikanischen Aktienmarkt und schauen uns hier die Entwicklung des NASDAQ Composite seit Anfang 2009 an:

Nasdaq Composite 01.04.2009 bis heute

Der seit 2009 laufende Aufwärtstrend wurde im Prinzip bislang nicht ernsthaft beeinträchtigt. Es gab zwar eine Rotation vom High-Tech-Bereich hin zu eher defensiven Titeln, aber per saldo blieb der Trend weiter aufwärts gerichtet( →Linie ABCF). Die Beschleunigung des Aufwärtstrends CD wurde im Frühjahr gebrochen, aber in der weiteren Folge ebenso die Konsolidierungslinie EF, und so steuert der Nasdaq wohl doch den Punkt D bei 4.750 Punkten an. Solange der 200-Tage-Durchschnitt bei etwa 4.000 Punkten nicht nachhaltig verletzt wird, droht keine Gefahr. Der NASDAQ ist allerdings dieser Grenzlinie zuletzt deutlich näher gekommen. Auch ist in den Vereinigten Staaten die Geldpolitik nach wie vor expansiv. Das Fed wird wohl kaum zur Geldmengenrestriktion übergehen, ohne sich vorher davon überzeugt zu haben, dass diese die Konjunkturentwicklung nicht nachhaltig beeinträchtigt. Zwar ist der US-Markt höher bewertet, doch spiegelt diese höhere Bewertung die besseren Wachstumsperspektive der amerikanischen Wirtschaft wider. Auch in den USA ist eine Baisse erst einmal nicht in Sicht.

Was bedeutet das konkret, wenn keine Baisse, aber auch keine neue Hausse in Sicht ist? Es legt eine selektive, mehr taktisch geprägte Verhaltensweise nahe, „Selling on Strength“ ebenso wie “Buying on Weakness“. Und es legt eine gezielte Aktienauswahl nahe. Im Forenboard von „sumerdigital“ findet man stets eine gute Auswahl von überlegt ausgesuchten Titeln vor. Ich kann den Lesern nur empfehlen, dieses Forum einmal zu besuchen und sich einige dieser Titel in Ruhe näher anzuschauen.

Tokay

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DAX-Betrachtung: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel

DAX-Betrachtung: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel

Ein Gastkommentar von Tokay

Die letzten Tage waren etwas nervenaufreibend, und die täglichen Blicke aufs Depot werden zunehmend besorgter. Ist das nun der Auftakt zu einer Baisse? Mal wieder Zeit also, das große Bild zu betrachten.

Wir sehen nachfolgend das Chart des DAX seit dem Frühjahr 2009. Drei Linien aus diesem Chart sind für die heutige Marktverfassung meiner Ansicht nach maßgeblich:

01.02.2009 bis 09.12.2013

  • Die obere Begrenzungslinie des langfristigen Trends, sie ist markiert durch die Strecke DE;
  • die innere Linie des langfristigen Trends in der Nähe des Graph. Diese Linie ist die Trendgerade einer exponentiellen Regression und minimiert qua Definition den Abstand zum Graphen mit den Tagesschlusskursen;
  • die untere Begrenzungslinie des seit September 2011 bestehenden Haussetrends, markiert durch die Auflagepunkte ABC. Sie verläuft wesentlich steiler als die Gerade DE. Dies ist deshalb von Belang, weil es sehr unwahrscheinlich ist, dass diese untere Begrenzungslinie auf lange Sicht Gültigkeit beanspruchen kann.

Wir sehen in dem Diagramm, dass der DAX mit der jüngsten Korrektur nur zurück gefedert hat, mehr nicht, zumal es ja etwas über die obere Begrenzungslinie hinausging. Ein Zurückschwingen auf etwa 9000 Punkte ist insofern durchaus etwas normales. Aber selbst wenn es auf etwa 8750 Punkte ginge, wäre die Hausse, die wir seit 2011 haben, nach wie vor intakt. Sollte der DAX aber etwa 8550 Punkte unterschreiten, dann müsste das als wesentliche Verlangsamung der Wachstumsdynamik gewertet werden. Aber soweit ist es erst mal noch nicht.

Wie kann es nun weitergehen? Drei Szenarien kommen in Betracht:

  • Der DAX schwenkt wieder auf den seit September 2011 laufenden Wachstumspfad ein. Dann sehen wir den DAX im kommenden Frühjahr bei mindestens 10700 Punkten.
  • Der DAX hangelt sich an der oberen Begrenzung des Langfristtrends entlang(Linie DE). Bei Punkt F trifft er auf die untere Begrenzung des 2011er Wachstumspfades und hier würde dann eine Richtungsentscheidung fallen: Entweder weiter wie bisher oder deutlich gebremstes Wachstum. Oder der DAX arbeitet sich an seiner „inneren Linie“ entlang. Dann sähe man ihn im Frühjahr bei ca. 9400 Punkten.
  • Oder es treffen sämtliche nur denkbaren negativen Konstellationen ein; dann kann der DAX auf ca. 6750 Punkte hinunter segeln, ohne dass deswegen der seit 2009 laufende Aufwärtstrend beeinträchtigt wäre.

Wie wahrscheinlich sind solche Szenarien? Wir müssen hier berücksichtigen, dass der Anstieg des DAX im wesentlichen auf einer Ausweitung der Bewertung beruhte, er erhielt sozusagen „Vorschusslorbeeren“. Die Unternehmensgewinne stiegen nämlich längst nicht so stark wie die Kurse. Lag das DAX-KGV vor einem Jahr noch unter 11, so sind wir jetzt über 13. Dies war möglich aufgrund der expansiven Politik der EZB, die neben den Zinssenkungen zu einer Reduzierung der Risikoaufschläge führte.

Eine weiterer Rückgang der Leitzinsen ist möglich. Irgendwelche Crashszenarien sind daher an den Haaren herbeigezogen. Die Kapitalmarktzinsen allerdings scheinen erneut zu steigen, wenngleich von einem rekordtiefen Niveau aus. Ein deutlicher Anstieg der Unternehmensgewinne ist nicht zu erwarten, eine weitere Ausweitung der Bewertungsrelationen jedoch auch nicht – von Börseneuphorie kann hierzulande keine Rede sein. Die Bäume werden 2014 somit nicht in den Himmel wachsen, auch wenn zunächst ein Anstieg auf 10000 Punkte natürlich sehr gut möglich ist. Aber wir werden aufpassen müssen, dass die Luft im Jahresverlauf nicht zu dünn wird und eine deutliche Korrektur ins Haus steht. Bei der Aktienauswahl wird man sich daher auf Unternehmen konzentrieren, die nachhaltige Gewinne versprechen.

Befund also: Nein, wir stehen nicht vor einer Baisse. Den größten Teil der seit September 2011 laufenden Hausse haben wir indes auch hinter uns. Diese Hausse kann durchaus noch weit bis in 2014 hinein reichen. Aber sie wird nicht unbegrenzt lange andauern.

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Hat der Markt immer recht? Erreicht der DAX die 10000?

Hat der Markt immer recht? Erreicht der DAX die 10000?

Ein Gastbeitrag von Tokay

Bevor wir zur Betrachtung der Marktsituation übergehen, noch kurz ein Blick auf aktuelle Begebenheiten. In diesem Jahr wurde der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an zwei Finanzmarktökonomen verliehen, Eugene Fama und Robert Shiller. Die Ansichten der beiden Laureaten scheinen einander schnurstracks zu widersprechen. Eugene Fama wurde von seinen Apologeten als der Verfechter effizienter Märkte gefeiert, während Robert Shiller die Bedeutung anderer als von Rationalität gesteuerter Verhaltensantriebe („animal spirit“) hervorhob.

Ich denke, zumindest was die Beurteilung von Fama angeht, liegt bei manchen ein Missverständnis vor. Fama selbst betonte kürzlich in einem Interview, er habe lediglich dargestellt, dass die Märkte alle zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbaren Informationen widerspiegelten. Dieses Argument kann man anhand der täglichen Kursbetrachtungen sehr gut nachvollziehen. Ob die Beurteilung des Marktes richtig oder falsch ist, steht dahin, doch letztlich ist diese Frage irrelevant. Denn der Markt selbst irrt sich fortlaufend, aber er korrigiert auch seine Fehler fortlaufend. Die Kursentwicklung auf dem Aktienmarkt ist demnach ein einziger permanenter Suchprozess. Folgt man dem strengen Effizienzgedanken, dann könnte man sich die eigene Informationssuche sparen, denn man könnte nie mehr herausfinden, als der Markt ohnehin schon weiß. Nun gibt es allerdings auch Leute, die von der anderen Seite her denken. Das sind Leute, die dem Pfad folgen, die der Markt gerade eingeschlagen hat; man nennt diese Leute „Trendfolger“. Andererseits gibt es die sogenannten „contrarians“, die das Gegenteil von dem machen, was die Mehrheit der „Trendfolger“ gerade macht. Es gibt keine zwingende Logik, aus der man ableiten kann, dass der Weg der „Trendfolger“ der bessere ist als der der „contrarians“. Wohl aber gibt es Situationen, in der die Trendfolge zum Erfolg führt und andere, in denen sich eine antizyklische Vorgehensweise lohnt. Man kann rationale Gründe heranziehen, wenn man der Meinung ist, der Markt folge dem Trend zu recht, oder umgekehrt glaubt, die Marktdaten stünden mit den fundamentalökonomischen Gegebenheiten keinesfalls in Einklang. Ebenso wird es viele Marktteilnehmer geben, die sich von ihrer Beurteilung von optimistischen oder pessimistischen Gefühlen leiten lassen unabhängig von der ökonomischen Beurteilung einer Situation.

Mir scheint, Fama und Shiller beleuchten das gleiche Phänomen; nur jeder von einer anderen Seite. Das Phänomen, das sie betrachten, der Finanzmarkt, ist, was er ist: Eine Art Bienenkorb, in dem es kräftig summt und brummt, in dem andauernd jemand unterwegs ist. Man sollte daraus keine Glaubensfrage machen, ob der Markt rational ist oder nicht. Der Kursverlauf an der Börse ist doch eigentlich nichts anderes als eine wahrnehmungsäquivalente Beurteilung des aktuellen wirtschaftlichen Geschehens, in dem sich die Zukunftserwartungen über die Entwicklung desselben widerspiegeln. Wahrnehmungsäquivalenz heißt, der Kursverlauf befindet sich in Übereinstimmung mit der Wahrnehmung der Mehrheit der Marktteilnehmer, oder ganz einfach ausgedrückt: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Für diese Beurteilung gibt es gewisse Bandbreiten. Viele scheinen zu glauben, eine wahrnehmungsäquivalente Beurteilung sei automatisch eine zutreffende Beurteilung. Das ist auch in der Tat so, aber nur an dem Tag, nur in der Stunde, wo das Urteil gefällt wird. Am nächsten und am übernächsten Tag kann es ganz anders aussehen. Das darf man nicht vergessen.

Nach diesen Betrachtungen nun zum aktuellen Geschehen. Im ersten Diagramm sehen wir die Entwicklung des DAX seit dem Beginn der Hausse im Frühjahr 2009:

Diagramm 1

Wir sehen hier, dass die Bandbreite der Wahrnehmung seit 2009 sehr hoch war; sie wird begrenzt durch die Fläche A1A2A3A4. Heute Abend nun hat der DAX an der oberen Gerade A1A3 angestoßen.

  • Würde diese Gerade nachhaltig durchstoßen werden, so würden sich die genannten wahrnehmungsäquivalenten Strukturen verschieben, und zwar in Richtung einer optimistischeren Lagebeurteilung. Da in letzter Zeit häufiger von der Erwartung einer Jahresendrallye zu lesen ist, wäre das nicht per se irrational; Kursanstiege zum Jahresende hin hat es schon oft gegeben.
  • Eine eher mittlere Variante wäre demzufolge, wenn der DAX auf die Linie B einschwenken würde. Diese Linie beschreibt den seit März 2009 zu beobachtenden exponentiellen Kursanstieg. Man erkennt, dass das Wachstum seit Ende 2011 ziemlich heftig ausgefallen ist, denn der Anstieg der Gerade CD ist deutlich stärker als jener der Trendgeraden A2A4. Nach dieser Sichtweise wäre es plausibel, wenn der DAX Richtung 8500 Punkte konsolidierte.
  • Und in der ganz pessimistischen Variante könnte es bis auf 6750 Punkte heruntergehen, und dennoch wäre ein solcher Kurs wahrnehmungsäquivalent, da er in der Bandbreite der Erwartungen befindlich und nicht einfach Ausdruck irgendeiner Irrationalität wäre. Es ist, das sei im übrigen angemerkt, wohl auch plausibel, dass diese Erwartungsbandbreite so hoch ist; denn wäre sie gering, würden die Marktteilnehmer alle ähnlich disponieren und die Erwartungen der Marktteilnehmer würden sehr wahrscheinlich enttäuscht werden.

Es bleibt indessen dem Betrachter überlassen, für wie wahrscheinlich er das Eintreten dieser unterschiedlichen Szenarien hält. Folgt der DAX der mittelfristigen Geraden CDE, so sollte er gemäß der „mittleren Wahrnehmung“ im Frühjahr bei knapp 9500 Punkten herauskommen. Das ist das Szenario, dem ich per heute die größte Wahrscheinlichkeit zubilligen würde.

Werfen wir nun noch einen Blick in die fernere Zukunft. Wir sehen hier eine Projektion für Ende 2014:

Diagramm II

In diesem Bild sehen wir die Entwicklung des DAX seit September 2011. Es fällt auf, dass die obere Begrenzungslinie AB sehr viel flacher verläuft als die untere Begrenzungslinie AC. Etwa 300 Börsentage später, also gegen Ende 2014, treffen sich beide Linien.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass sich die Kurse bis Ende 2014 sich in einer solchermaßen verengenden Bandbreite bewegen werden, und ein derartiger Eindruck soll hier auch nicht suggeriert werden – eine solche Sichtweise wäre wohl doch etwas zu einfach. Wir sehen aber, welche Erwartungsstruktur sich seit dem Herbst 2011 herausgebildet hat. Diese Struktur ist gekennzeichnet durch eine Abfolge von immer höheren Hochs und immer höheren Tiefs, wobei diese Tiefs energischer gekauft als die Hochs verkauft wurden – eben das Kennzeichen einer Hausse. Es wird deutlich, dass diese Struktur im Lauf des Jahres 2014 sich wahrscheinlich auflösen und durch eine andere Struktur ersetzt werden wird, die wir allerdings heute nicht kennen und uns vom Markt werden zeigen lassen müssen. Wir werden uns nicht anmaßen können, vorherzusagen, wie sie aussehen wird, auch wenn wir natürlich gewisse fundamentalökonomischen Grundannahmen treffen können.

Nun wollen wir uns noch der Frage zuwenden, wie wahrscheinlich es ist, dass wir im Lauf von 2014 einen DAX-Stand von 10.000 Punkten erreichen werden. Betrachten wir das erste Diagramm, so erscheint es uns unwahrscheinlich, dass wir diesen Stand in den nächsten Wochen und Monaten sehen werden. Betrachten wir das zweite Diagramm, so liegt dieses Szenario im Verlauf von 2014 durchaus im Bereich des Möglichen. Mehr als eine vage Wahrscheinlichkeit kann man ihm jedoch nicht zubilligen. Gerade deshalb jedoch könnte es eintreten.

Tokay

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DAX-Betrachtung: Sommeranfang – Hausseende ?

DAX-Betrachtung: Sommeranfang – Hausseende ?

Ein Gastkommentar von Tokay

Der Sommeranfang 2013 markiert möglicherweise das Ende der seit Spätherbst 2011 laufenden Haussebewegung. Die seit Frühjahr 2009 bestehende größere Hausse ist damit noch nicht beendet, doch sie wird wahrscheinlich in eine mehr oder weniger volatile Seitwärtsbewegung übergehen. Diese Seitwärtsbewegung wäre dann Ausdruck von Unsicherheit über die weitere Richtungsentwicklung.

Betrachten wir dazu das Langfristchart
Auf des Messers Schneide

Hier erkennen wir eine durch C beschriebene Aufwärtsbewegung. Diese Aufwärtsbwegung wurde mehrmals getestet, blieb jedoch erhalten. Sie wird nun erneut getestet und die Trendlinie wird nun sehr dynamisch angelaufen (Kreis am Schnittpunkt). Offenbar haben wir hier eine Reaktion (vielleicht eine Überreaktion?) auf die Andeutungen von Bernanke, der ein Zurückfahren der Anleihekäufe der Fed angedeutet hat.

Gehen wir nun zum mittelfristigen Chart
Auf des Messers Schneide II

Hier haben wir etwa seit Juni 2012 eine markante Aufwärtsbewegung, gekennzeichnet durch die Linie AB. Seit Anfang Mai 2013 beobachten wir nun eine Konsolidierung, markiert durch die Linie CD. Hier fällt nun auf, daß diese Konsolidierung dynamischer verläuft als die vorangeggangene Konsolidierung im Frühjahr (gestrichelte Linie). Dies deutet auf eine erhöhte Rückschlagsgefahr hin und Alarm ist nun unmittelbar im Verzug. In jedem Fall haben wir nun ernste Anzeichen dafür, daß die seit Spätherbst 2011 laufende Haussebewegung sich dem Ende nähert und günstigenfalls in eine volatile Seitwärtsbewegung übergeht.

Tokay

P.S. 24.06.13:
Der seit 2011 laufende Aufwärtstrend wurde heute gebrochen. Ob dauerhaft, ob vorübergehend - das wird sich zeigen. In zahlreichen Kommentaren wird darauf verwiesen, dass der amerikanische Anleihemarkt schon seit einigen Wochen deutlich verloren hat. Nun folgen die Aktienmärkte nach. Dies deutet eher Richtung Deflation, nicht Inflation und ist mindestens ebenso gefährlich.

Auf des Messers Schneide3

Auf des Messers Schneide II 4

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DAX-Betrachtung – Die Hausse nährt die Hausse

DAX-Betrachtung - Die Hausse nährt die Hausse - Ein Gastkommentar von Tokay

Der DAX war im Herbst 2012 gekennzeichnet durch eine Konsolidierungsphase, diese wurde beschrieben durch die Linie ABCD. Der "Fake-Out" vom 16. November 2012 markierte den Beginn der dynamischen Aufwärtsbewegung EF. Allerdings konnte die Dynamik dieser Bewegung nicht gehalten werden. Sie ging ab dem 8. Januar 2013 in eine Seitwärtsbewegung über.

DAX Hausse

Es ist klar, dass eine solche dynamische Aufwärtsbewegung ohne äußere Impulse, deren wir im vergangenen Jahr eine ganze Reihe hatten, insbesondere durch die EZB, schwerlich aufrechterhalten werden kann. In den sechs Wochen zwischen dem 16. November 2012 und dem 2. Januar 2013 hatten wir einen DAX-Anstieg von sage und schreibe 12 Prozent, einen Anstieg also, der eigentlich schon für ein normales Börsenjahr ausreichend wäre. In einem "Durchschnittsjahr" haben wir einen Indexanstieg zwischen 6 und 9 Prozent. Aber wir wissen auch, dass das Geschehen an der Börse sich normalerweise nicht stetig, sondern in Schüben vollzieht. "Die Hausse nährt die Hausse" heißt es in solchen Fällen. Denn kaum weniger ärgerlich als Verluste sind beim Handeln an der Börse verpasste Gewinne. Und wer Mitte November nicht zügig eingestiegen ist, dem sind einige Prozente durch die Lappen gegangen. So ist wohl nicht zuletzt die neuerliche Aufwärtsbewegung zu deuten.

Man wird also die zuletzt beobachtete Dynamik nicht fortschreiben können, auch wenn man mit einem positiven Börsenjahr rechnet. Wir scheinen mittlerweile in eine Konsolidierungsphase eingetreten zu sein. Wie lange diese Phase andauern wird, lässt sich nicht leicht einschätzen. Sollten jedoch demnächst positive Signale am Markt eintreffen wie ein positiver Ifo-Index, dann wäre das Konsolidierungsszenario wieder hinfällig und eine Fortsetzung des Aufwärtstrends EF wahrscheinlich. Und dies ist auch nicht fernab aller Realität - "The Great Rotation" heißt das neue Stichwort. Raus aus Anleihen, rein in Aktien. Auch ein Grund, weshalb die Hausse die Hausse nähren könnte.

Tokay

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Gastkommentar – DAX Betrachtung: Langfristig hui – kurzfristig pfui

DAX Betrachtung: Langfristig hui – kurzfristig pfui - Ein Gastartikel von Tokay

In den vergangenen Handelstagen ist Bewegung in den DAX gekommen - nur leider nicht in die Richtung, in die es sich die meisten gewünscht hätten. Die zahlreichen Gewinnrevisionen deutscher Unternehmen haben ihre Spuren hinterlassen, neue Großtaten der EZB stehen nicht in Aussicht. Auch in Deutschland läuft die Konjunktur schlechter – die Einschläge kommen näher. Und die für Europa und Deutschland richtungweisenden Märkte in den USA zeigen deutlich nach unten. Wie könnte es weitergehen? Dies wollen wir uns auf drei Zeitebenen anschauen.

DAX kurzfristig

a) kurzfristig

Der Trend der Sommerrally (Strecke ABD) wurde im September gebrochen, und wir tasteten uns seither durch den Herbstnebel(Strecke CEF). Man muss klar sehen, dass die Parallellinie zur Strecke CEF in den vergangenen Handelstagen nach unten durchkreuzt wurde, was als klar negatives Signal zu werten ist. Für eine Jahresendrally sieht es also nicht gut aus.

DAX mittelfristig

b) mittelfristig

Das Jahr 2011 war bislang gekennzeichnet durch drei Phasen: Nämlich durch die Rally zu Jahresanfang, die bis gegen Ende März lief(Strecke AB), dann die Konsolidierung bis Ende Juni (Strecke BC); sie war geprägt von der nicht enden wollenden Staatsschuldenkrise, und schließlich durch eine Sommerrally (Strecke CD), die entscheidend durch monetäre Impulse der EZB(„Draghi-Put“) induziert wurde. Noch während dieser monetären Expansion begannen sich langsam, aber stetig die Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen zu verschlechtern, die zuletzt in deutlich zurückgenommenen Jahresausblicken ihren Niederschlag fanden mit entsprechender Reaktion der Märkte; zuletzt und besonders spektakulär zu beobachten bei Eon. Wir befinden uns daher günstigenfalls in einer neuerlichen Phase der Konsolidierung, die sich bei weiterer Zunahme der Dynamik zu einer Baisse auswachsen kann.

DAX langfristig

c) langfristig

Die Anfang 2009 begonnene Hausse ist nach wie vor intakt(Strecke ACE), erst ein merkliches Unterschreiten der Marke 6.000(Bereich EF) würde wahrscheinlich ein Ende dieser Aufwärtsbewegung signalisieren. Auf der anderen Seite stieß diese Hausse bereits einige Male an eine Obergrenze; über die Marke 7.500 ging es allerdings kaum einmal nennenswert hinaus(Strecke BD). Auf lange Sicht gesehen ist noch gar nichts passiert; sollte der Aufwärtstrend im DAX demnächst wieder aufgenommen werden - dann ist das Erreichen der 8.000er Marke keinesfalls unrealistisch. Da die monetäre Expansion sich früher oder später auf den Vermögensmärkten auswirken wird – bei Immobilien ist dies heute schon der Fall – ist sogar das Erreichen noch höherer Marken im Bereich des Möglichen.

Doch es ist es noch lange nicht soweit. Die Gewinnaussichten der Unternehmen sind derzeit ausgesprochen ernüchternd und dies wird derzeit in den Kursen verarbeitet. Zunächst einmal befinden wir uns in einer unruhigen Marktphase, die durchstanden sein will, bevor irgendwann einmal wieder der Blick nach oben gerichtet werden kann.

Tokay

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Börsenregeln reloaded III – Never Catch A Falling Knife !

Ein Gastartikel von Tokay

Börsenregeln reloaded III - Never Catch A Falling Knife !

Seit dem Frühjahr gibt es Befürchtungen bei den Börsenbeobachtern über bevorstehende Kurskorrekturen. Diese Mutmaßungen sind weitgehend eingetroffen. Auch wenn der Satz „Sell in May“ der längerfristigen Betrachtung nicht standhält, in diesem Jahr hat er sich leider bewahrheitet. Der DAX ist im Frühjahr über die 7.000er Marke geklettert und befindet sich seither im Sinkflug. Wird dieser Rückgang weiter gehen und gar in einem Crash enden? Oder handelt es sich nur um eine vorübergehende Konsolidierung? Können einem hier die alten Börsenregeln weiterhelfen?

Eine sehr alte Börsenstrategie ist die sogenannte Dow-Theory, die von Charles Dow, dem Begründer des „Dow Jones Index“ wie auch des „Wall Street Journals“ erdacht wurde. Demnach kauft man, sehr grob gesprochen, den Markt, wenn der Dow Jones Index seinen 200-Tage-Durchschnitt nach oben kreuzt und man verkauft ihn, wenn der Dow Jones unter diese Linie fällt.

Im folgenden Diagramm sehen wir die entsprechenden Entwicklungen im DAX seit 1991. Wir handhaben diese Regel von Dow ein wenig restriktiver und bauen noch einen Sicherheitspuffer ein, um die Anzahl der Fehlsignale zu verkleinern.Wir verkaufen also erst dann wenn der DAX den 200-Tage Durchschnitt abzüglich 2 Prozent dieses Durchschnittes unterschreitet(dargestellt durch die gelbe Linie). Umgekehrt würde erst dann gekauft werden, wenn der DAX höher steigt als der 200-Tage-Durchschnitt 2 Prozent vom gleitenden Durchschnitt(Überschreiten der grünen Linie). Innerhalb des Korridors entstünde keine Aktivität.

Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich:

  • In den 90er Jahren, aber auch während der Hausse 2003-2007 gab es sehr oft Fehlsignale. Verkaufte man den DAX, dann begann er kurz danach zu steigen und man musste zu höheren Kursen wieder einsteigen um die danach einsetzende Hausse nicht zu verpassen. Somit hieß es: The trend is your friend.
  • In trendlosen Zeiten(sie sind häufiger, als man glaubt), auch und gerade in den 90er Jahren, z.B. 1994 oder 1998, führte diese Regel dazu, dass man verkauft hätte und die Kurse weder nennenswert gestiegen oder gefallen wären. Die passende Börsenregel dazu: Hin und her macht Taschen leer.
  • Ein durchgreifender Wechsel passierte in den 200ern, denn dreimal, nämlich in 2000, 2008 und in 2011 hätte das Befolgen dieser Regel dazu geführt, dass einem schwere Verluste erspart geblieben wären. Somit also: Greife nicht ins fallende Messer!

Es ist offensichtlich, dass diese unterschiedlichen Entwicklungen mit den jeweiligen Bedingungen im Börsenumfeld zusammenhängen. So waren z.B. die Einbrüche 1998 nach der Asien-Krise nur von kurzer Dauer, da das Makroumfeld in den westlichen Ländern nach wie vor eindeutig positiv geprägt war. Eine Verkaufsentscheidung, die anhand der Dow Theory getroffen wurde, wäre demnach eine Fehlentscheidung gewesen.Die 2000er Jahre hingegen waren gekennzeichnet von der Korrektur der ins unermessliche gestiegenen Erwartungen der Investoren gegen Ende der 90er Jahre. Und in 2011wurden die Märkte von der Eurokrise dominiert, welche die Risikoabschläge insbesondere für den Finanzsektor dramatisch ansteigen ließ.

Betrachten wir anhand der besonders einprägsamen Jahre 2000 und 2011, wie sich damals das „fallende Messer“ abgespielt hat:

Hier sehen wir den DAX-Verlauf von Mitte März 2000 bis Mitte September 2000, als die Untergrenze des 200-Tage-Durchschnitts unterschritten und somit das Verkaufssignal ausgelöst wurde. Der DAX korrigierte damals bereits seit einem halben Jahr(Strecke AB). Der gleitende Durchschnitt, also die orangefarbene Linie dem Pufferbereich stieg jedoch bis dahin noch an. Bei Punkt C, also am 13. September 2000, unterschritt der DAX die gelbe Linie, somit also die Untergrenze des 200-Tage-Durchschnitts. Die Baisse, die danach entstand, kam erst im Frühjahr 2002 zum Stillstand. Was auffällt, ist die stark divergierende Entwicklung der Kurse kurz vor diesem Einbruch. Der kurzfristige Trend war bis dahin negativ, der langfristige Trend des DAX aber positiv, welch letzterer damit gebrochen wurde.

Recht ähnlich war die Entwicklung im August 2011, als sich die Eurokrise zuspitzte:

Die Entwicklung verlief hier zunächst gleichförmig,wurde dann durch die Reaktor-katastrophe von Fukushima jäh unterbrochen. Jedoch nicht abgebrochen, wie sich zeigte: Zwar wurde die 200-Tage-Linie knapp unterschritten, nicht jedoch die Signallinie! Man wäre also trotz der Katastrophe im Markt geblieben. Hätte man dennoch verkauft, so wäre kurz darauf ein Kaufsignal geliefert worden, als der DAX die grüne Linie überschritt. Man kann dies so interpretieren, daß aus Marktsicht die fundamentalen Bedingungen nach wie vor intakt waren.

Und nun kam es im August 2011 zum Aufeinandertreffen(Punkt B) zwischen der Halbjahres-Trendlinie(Strecke AB) und dem 200-Tage-Durchschnitt. Das Unterschreiten von Punkt B mochte noch nicht zum Auslösen eines Verkaufssignals führen, dies war aber spätestens am 02. August 2011 der Fall, als die gelbe Linie unterschritten wurde. Auch hier hatten wir eine auffällige Divergenz zwischen kurzfristig rückläufiger Trendlinie und der längerfristig wirkenden 200-Tage-Linie, aus der sich eine negative Dynamik entwickelte.

Der Nachteil dieser einfachen Methode liegt darin, dass man einen Teil des Rückgangs hinnehmen muss, da man nur schwer abschätzen kann, ob er von Dauer ist. Ihr Vorteil liegt darin, dass bei Abwärtsbewegungen mit großer Dynamik das Kapital weitgehend gesichert werden kann. Dies gilt, wenn die Kurse weiter fallen, aber auch dann, wenn sie wieder ansteigen, denn dann kann man nach der gleichen Methode wieder in den Markt einsteigen, hat aber die vorhergehenden Verluste vermieden.

Und nun werden sich die Leser sicher fragen, ob man mit dieser Analyse die Entwicklung der kommenden Wochen und Monate abschätzen kann? Hier ist sie:

Hier haben wir nun eine umgekehrte Gemengelage: Denn wir hatten im vergangene Jahr eine deutlich positive Entwicklung(Strecke AB), im wesentlichen bedingt durch verringerte Risikoabschläge und durch positive Gewinnüberraschungen. Aufgrund der Eurokrise des Sommers 2011, welche nun wieder erneut aufgeflackert ist, haben wir einen längerfristig negativen Trend. An Punkt B, den wir noch nicht erreicht haben, begänne die Entwicklung kritisch zu werden. Sollte auch noch die gelbe Toleranzlinie nach unten durchschritten werden, dann wäre dies höchste Alarmstufe. Somit ist die Entscheidung über die kommende Entwicklung zwar noch nicht gefallen, aber sie steht wohl in Kürze bevor. Daraus folgt, dass die kommenden Handelstage und -wochen mit größter Aufmerksamkeit beobachtet werden müssen. Dies gilt insbesondere auch für Nachrichten bezüglich der Eurokrise, bei der möglicherweise grundlegende Weichenstellungen kurz bevor stehen.

Tokay