Hari´s Märkte am Abend – 14.02.12 – Konsolidierung

21.45 Uhr kurz vor Handelsschluss

Heute ist der dritte Tag, an dem sich Mr. Market in einer Konsolidierung befindet, ohne all zu viel von dem gewonnenen Terrain wieder abzugeben. Unter der Decke war heute aber schon erhebliche Schwäche sichtbar und das in vielen klassischen Industrie-Aktien - wie zum Beispiel den Autobauern - die in den vergangenen Wochen ja sehr gut gelaufen waren.

Derartige Konsolidierungsphasen sind normal und sehr gesund für einen steigenden Markt. Und wenn in der Konsolidierung nur so wenig abgegeben wird wie derzeit, spricht das für die Stärke des Marktes und bereitet den Boden für die nächste Bewegung nach oben.

Wie immer gibt es aber auch eine Schattenseite der Medaille und derartige Phasen könnten auch eine Topbildung andeuten und zwar dann, wenn sich das "Schlaue Geld" das diese Bewegung seit Ende Dezember voll mitgenommen hat, nun aus dem Markt verabschieden sollte, während die Lücken von nachströmenden Marktteilnehmern geschlossen werden die unbedingt - aber zu spät - noch auf den Zug aufspringen wollen. In solchen Phasen ruckeln die Börsen dann auch ziellos hin und her, bis die Nachzügler voll im Markt sind und dann geht es massiv runter, weil jetzt keine Käufer mehr da sind.

Sicherlich ist die Marktstimmung nun positiver geworden als noch vor 2 Wochen und die Anzahl der Artikel und Börsenbriefe die wieder mit "tollen Kursraketen" und "schnellen Gewinnen" locken steigt wieder. Und im Chart des DAX könnte man auch eine Schulter-Kopf-Schulter Formation als Top hinein interpretieren, die im Stundenchart sogar ziemlich eindrucksvoll aussieht. Aber von einem übertriebenen Optimismus im Markt kann nach meiner Ansicht derzeit noch keine Rede sein. Und auch in dem von mir eng verfolgten Indikator der US Börsen gibt es noch keine Hinweise, dass Big Money nun massiv aussteigt. Und auch das Chartbild ist nicht so eindeutig wie es aussieht, wenn man sich den DAX in anderen Zeiträumen betrachtet.

Insofern ist es nur vernünftig und rational, den Bullen die derzeit eindeutig am Drücker sind auch für die nächste Zeit mehr Vertrauen zu schenken als den Bären. Ich bleibe daher zwar verhalten und vorsichtig, aber bullish. An dem Tag an dem der Markt die Konsolidierungzone mit Volumen nach oben durchbricht und die 6850 im DAX hinter sich lässt, werde ich nachlegen und mein Long-Exposure erhöhen. Denn dann kommen die 7000 wahrscheinlich recht schnell in Reichweite.

Morgen soll ja Griechenland endlich entschieden werden und dann könnte mal wieder für ein paar Monate Ruhe in das Thema kommen. Ich kann Ihnen nicht recht sagen wie der Markt darauf reagiert und eine "Sell the News" Reaktion wäre eigentlich klassisch. Ich glaube aber auch, dass das Thema mitterweile derart ausgelutscht ist und es wirklich keiner mehr hören will, dass der Markt vielleicht einfach nur die Schultern zuckt. Nur eine echte Überraschung wird wohl noch für grosse Bewegungen sorgen und eine solche Überraschung kann im Moment wohl nur eine negative sein.

Insofern bleiben Sie ruhig, bereiten Sie sich Einstiegspunkte für Ihre Lieblingsaktien vor und nutzen Sie diese Phase für Ihre Hausaufgaben, die Ihnen dann schnelles Handeln ermöglichen, wenn der Markt sich massiv in Bewegung setzt. Ich werde aber auch nicht zögern aus dem Markt zu gehen, sollten wir die Konsolidierung mit Dynamik nach unten verlassen und die 6650 durchschlagen, wo sich im Stunden-Chart auch interessanterweise die 200 Tage Linie befindet. Denn dann wäre das nächste Ziel wohl irgendwo oberhalb 6400 im DAX, wo die nächste deutliche Unterstützung liegt.

Lassen Sie sich beim folgenden Chartbild des DAX bitte nicht davon täuschen, dass der grüne Pfeil kürzer ist als der rote und der leere Raum nach unten grösser aussieht. Solche optischen Eindrücke manipulieren uns nämlich mehr, als wir ahnen. Diese Optik ist nur eine Folge der Skalierung, weil ich die DAX 6400 noch auf dem Bild haben wollte. Damit ist keine negative Aussage zum Markt verbunden. Ich gehe sogar davon aus, dass das Upside beim Ausbruch nach oben absolut bis deutlich über 7000 reicht und daher eher grösser ist, als das Downside bis 6400 im DAX. Und ja, man kann die Box um die Konsolidierung auch etwas nach oben verschoben zeichnen und natürlich kann die Seitwärtsbewegung auch noch tagelang weitergehen, aber man kann in so einem Bild nicht alle Eventualitäten darstellen, ich wollte Ihnen nur einen optischen Eindruck der Konsolidierung verschaffen und Ihnen zeigen, warum es wichtig ist genau hinzuschauen, wenn wir aus der Konsolidierung ausbrechen. Nicht mehr aber auch nicht weniger - so ein Chart ist keine präzise Voraussage zur Zukunft !

Auffällig war für mich heute die Schwäche des klassischen Grundstoffsektors, repräsentiert durch breit aufgestellte Titel wie zum Beispiel Rio Tinto (WKN 852147). Ich führe diese Schwäche auf die enttäuschenden US Konjunkturdaten und erneute Sorgen um Chinas Inflation zurück. Denn eine zu hohe Inflation in China, würde die Möglichkeiten weiterer monetärer Stimuli einschränken. Und wir wissen ja wie allergisch Mr. Market darauf reagiert, wenn ihm seine Drogen genommen werden.

Zu Einzelaktien sage ich heute nichts, es ist auch wenig Erwähnenswertes passiert. Die Deutsche Börse (WKN 581005) habe ich schon gestern besprochen und das K+S (WKN KSAG88) bei dem Schnee vor meiner Haustür weiter steigt ist auch nicht so überraschend. Darüber hinaus habe ich ja aus gegebenem Anlass zu ThyssenKrupp (WKN 750000) einen ausführlichen -> Artikel <- veröffentlicht. Es wäre für mich auch hilfreich zu wissen, ob Sie mit den kurzen Hinweisen zu mehreren Einzelaktien in "Hari´s Märkte am Abend" etwas anfangen können oder ob ich mich in Zukunft eher auf die reine Sicht auf den Gesamtmarkt konzentrieren sollte.

Ich wünsche einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 13.02.12 – Leoni, Deutsche Börse, Kirch vs Deutsch Bank, Temenos

22 Uhr Handelsschluss

Ein eher langweiliger Tag an der Börse geht zu Ende. Wie ich heute um 12 Uhr in meinen -> Marktupdate <- schon bemerkte, weiss der Markt nicht so recht wohin er will. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass das bis zur (hoffentlich) endgültigen Griechenland-Entscheidung voraussichtlich diesen Mittwoch dann auch so bleibt. Und wenn dann Griechenland endlich sein Geld hat um eine paar weitere Monate zu überleben, wäre eine "sell the news" Reaktion des Marktes auch nicht so untypisch.

Insofern mache ich es heute kurz, zumal ich ja -> hier <- zu Tesla Motors schon einen hoffentlich interessanten Artikel veröffentlicht habe.

Leoni

Die hier schon mehrfach erwähnte Leoni (WKN 540888) will ich aber nicht vergessen, die heute mit fast 5% Plus erneut derart dynamisch in den Himmel gestiegen ist, dass einem Angst und Bange werden kann.

Fundamental und von den Geschäftsaussichten her, sieht Leoni für mich weiterhin höchst attraktiv aus und hat für mich sogar noch Potential nach oben. Man sollte allerdings realistisch bleiben und ich gehe davon aus, dass spätestens im Bereich um 40€ Gewinnmitnahmen einsetzen. Insofern muss man bei aller Begeisterung für den Titel jetzt wohl nicht mehr unbedingt dem Kurs hinterher rennen, sondern sollte sich eher etwas in Geduld üben.

Deutsche Börse

Interessant sind sicher auch die Quartalszahlen und Aussagen der Deutschen Börse (WKN 581005), die heute nach Börsenschluss veröffentlich wurden. Diese lagen im Rahmen meiner hier ja mehrfach besprochenen Erwartungen. Die Dividende für 2011 soll auf 2,30€ pro Aktie erhöht werden und zusätzlich soll eine Sonderdividende von 1€ pro Aktie fliessen. Der Rest der überschüssigen Liquidität soll in Aktienrückkäufe fliessen.

Der nachbörsliche Kurs näherte sich in Folge den 50€ und ich habe das nun heute am späten Abend zum kompletten Ausstieg genutzt. Denn wenn der Dividendeneffekt von ca. 6,5% bezogen auf den heutigen Kurs ausläuft, kann ich mir gut vorstellen, dass die ungelösten strategischen Fragen der Deutschen Börse wieder in den Vordergrund treten und den Kurs belasten.

Ein derartiger Rücksetzer wäre dann aber vielleicht wieder eine Einstiegschance in eine prinzipiell spannende Aktie, bei der dem Management dann vielleicht ja auch in Zukunft etwas Besseres mit der Liquidität einfällt, als es für Aktienrückkäufe zu verwenden. Denn nun hat das Management der Deutschen Börse ja endlich wieder Zeit, sich ausschliesslich um das operative Geschäft zu kümmern. Und vielleicht werden meine persönlichen Wünsche ja doch noch irgendwann erhört und der für mich wenig erfolgreiche Herr Francioni wird durch jemanden mit mehr Innovationskraft und Gestaltungswillen ersetzt.

Kirch vs Deutsche Bank

Ein Ereignis fand ich heute bemerkenswert, auch wenn es nur mittelbar mit der Börse zusammen hängt. Der Prozess Kirch gegen die Deutsche Bank (WKN 514000) scheint nach der Meldung des Manager Magazins mit einem Vergleich zu Ende zu gehen, nach dem die Deutsche Bank knapp 800 Millionen Euro zahlen soll.

Was offiziell "Vergleich" genannt wird, ist wenn es sich bestätigt in meinen Augen ein grandioser, posthumer Sieg von Leo Kirch, seinen Vertreter und Anwälten gegen einen Weltkonzern mit nahezu unbegrenzter juristischer und finanzieller Schlagkraft. Man kann über den verstorbenen Leo Kirch denken wie man will und seine ganze Weltanschauung war mir (so weit die Darstellungen der Presse stimmten, denn ich kannte ihn nicht persönlich) immer höchst suspekt. Aber der hier gezeigte Durchsetzungs- und Behauptungswillen ist bemerkenswert und vor dieser Kraft und Energie kann ich nur meinen Hut ziehen.

Und dem Land und anderen Unternehmen hat Leo Kirch in meinen Augen damit einen Dienst getan, denn nie wieder wird sich wohl ein Bankvorstand derart "locker" öffentlich zu seinen Kunden äussern, wie das Rolf Breuer in meinen Augen getan hat. Insofern löst dieses "Peanuts" eindeutig übertreffende Ende hoffentlich einen positiven und Demut fördernden Lerneffekt bei den "Masters of the Universe" aus.

Fusion Misys - Temenos

Im folgenden ein abschliessendes Wort zur zuletzt -> hier <- besprochenen Temenos (WKN 676682), bei der sich ja die Ereignisse kurz nach der Vorstellung hier überschlagen haben:

Am Mittwoch Morgen letzter Woche kamen insofern negative Nachrichten in den Markt, als das Tauschverhältnis der Aktien bei der Fusion auf den Stand von Dienstag Abend nach Börsenschluss festgezurrt werden soll. Das ist deshalb eher negativ, weil Temenos ja aktuell nach meiner Ansicht noch unter Wert gehandelt wird und es nun keine Chance zu geben scheint, diese Differenz im Zuge der Fusion aufzuholen. Wie ich in dem Artikel oben schon schrieb, ist das ein weiteres Beispiel dafür, warum derartige Fusionsverhandlungen mit so vielen Risiken verbunden sind, dass es fraglich ist ob man während dessen investiert sein muss. Ich habe daher auch konsequent am Vormittag des letzten Mittwochs in die fallenden Kurse hinein meine Gewinne mitgenommen und bleibe nun auf Zeit an der Seitenlinie.

Unklar ist, ob die Aktionäre von Temenos in Anbetracht des für mich wenig attraktiven Umtauschkurses zustimmen werden. Ich kann mir diese für Temenos eher ungünstige Bewertung nur damit erklären, dass das Temenos Mangement im neuen Konzern möglicherweise die Führung übernimmt und daher möglicherweise ein Eigeninteresse daran hatte, den Deal auch zu einem ungünstigen Kurs für die Temenos Aktionäre zu erzwingen. Der scheinbare Abgang des bisherigen Misys CEOs Mike Lawrie deutet auf jeden Fall in diese Richtung. Und die Fusion als solche macht ja jede Menge Sinn und ist prinzipiell im Interesse der Aktionäre, weil sich beide Unternehmen sehr gut ergänzen und in mehrfacher Hinsicht von geringeren Kosten und grösserer Marktmacht profitieren könnten. Ob sich die Temenos Aktionäre dieser Sicht anschliessen oder sich dem eher ungünstigen Umtauschkurs verweigern, wird sich zeigen. Die Meldung der NZZ dazu

Insofern sollte man in meinen Augen nun an der Seitenlinie bleiben, das neue fusionierte Unternehmen dann aber ganz eng auf den Radar nehmen, sobald die Fusionswirren vorbei sind. Denn alles was ich zu Temenos sagte, gilt für das neue Unternehmen erst recht. Bankensoftware hat jede Menge Zukunft und die fusionierte Temenos/Misys wird in diesem Spiel eine ganz bedeutende Rolle haben.

Ich wünsche eine gute Nacht !

Marktupdate – 13.02.12 – ein zögerlicher Mr. Market ohne Richtung

12 Uhr

Was wir heute bisher erleben, ist typisch für einen Markt, an dem von zwei gegensätzlichen Kräften gezogen wird.

Auf der einen Seite hat die Korrektur von Freitag sicher noch nicht gereicht und eigentlich waren viele Marktteilnehmer dafür positioniert nun noch ein paar schwächere Tage zu erleben.

Andererseits hat der Parlamentsbeschluss in Griechenland die Hoffnung doch wieder erhöht, dass beim Finanzministertreffen am Mittwoch endlich ein Deckel auf diesen endlos köchelnden Topf kommt. So kann der Markt heute bisher weder richtig hoch, noch richtig runter und weiss nicht so recht, was er will.

Ich neige daher weiter zu kurzfristiger Vorsicht, auch wenn sich an meiner mittelfristig bullischen Sicht nichts geändert hat.

Übrigens ein durchaus typisches Verhalten von Mr. Market wäre, sich bis zur Entscheidung um Griechenland noch stabil zu halten und tendentiell leicht nach oben zu laufen, nur um dann - nach der positiven Entscheidung der Kreditgewährung - nach einem kurzen Freudenhüpfer in den Korrekturmodus zu wechseln - frei nach dem Motto "sell the news".

Hari´s Märkte am Abend – 09.02.12 – Daimler, Klöckner, Bunge, ST Micro

21 Uhr - 1 Stunde vor Handelsschluss

Irgendwie ein tragikomischer Tag an den Märkten. Würde man den Schlagzeilen der Presse folgen, wäre ja heute viel passiert. Leitzinsentscheid und "Einigung" in Griechenland sollten ja eigentlich den Markt bewegen. Unser ansonsten so nervöser Mr. Market ist aber heute ganz cool und ihn tangiert das alles nicht.

Und Recht hat er, denn was ist denn wirklich passiert ? Das die EZB nichts an den Zinsen ändert war ja erwartet worden. Und die "abschliessende" Einigung aus Griechenland ? Mr. Market ist klug genug zu wissen, dass darauf noch eine "völlig abschliessende" und dann eine "endgültig abschliessende" folgt. 😉

Auch das Verhalten der Euro-Finanzminister fand ich heute lustig. Wäre man ein böser Mensch, könnte man meinen die hätten gehofft, dass aus Griechenland keine Einigung kommt .... denn irgendwie könnte man den Eindruck gewinnen, als ob es nur noch um das "Schwarze Peter" Spiel geht, wer am Ende der Böse ist der für die endgültige Pleite verantwortlich gemacht wird. Und weil niemand diesen schwarzen Peter haben will, wird man lieber noch eine "Rettungsrunde" mit Steuergeld fahren und sich noch etwas Zeit erkaufen, solange einem Griechenland nicht den Gefallen tut und von selbst endlich den Stecker der eisernen Euro-Lunge zieht. Aber so etwas sagen ja nur böse Menschen, ich würde nie auf solche Gedanken kommen ...

Dafür habe ich aber einen ganz interessanten Artikel gefunden, der erklärt warum sowieso egal ist was da offiziell an "Sparmassnahmen" mit grosser Geste beschlossen wird. Egal, weil es von den nachgelagerten Behörden schlicht ignoriert wird wie schon bisher.

So ist am Ende also am Markt gar nichts passiert und die Indizes notieren im Bereich ihrer Eröffnung. Bemerkenswert ist aber, dass heute der dritte Tag hintereinander war, an dem wir Intraday einen recht heftigen Rücksetzer hatten. Die Fliege an der Wand surrt also immer noch. Das gibt mir zu denken und sollte beobachtet werden.

Kommen wir also nun zu einzelnen Aktien:

Aktie des Tages war für mich heute Daimler (WKN 710000) mit herausragenden Zahlen und über 4% Plus, die auch andere Autobauer mitzogen. Goldman Sachs hatte mit seinen Call-Optionen Mitte Januar also mal wieder den richtigen Riecher und wer da mitgegangen ist, hat nun schönes Geld verdient. Ich habe bei Daimler heute die Hälfte meiner Gewinne mitgenommen, lasse die andere Hälfte aber weiter laufen, da ich 50€ für gut erreichbar halte. Sollte Daimler in den nächsten Tagen noch einmal zurück kommen, werde ich die Hälfte auch wieder zukaufen.

Auch einer meiner hier mehrfach erwähnten Favoriten Klöckner (KC0100) zog heute Intraday mit 4% Plus wieder mächtig an und hatte zeitweise die Hochs vom Januar überschritten. Das sah gut aus und bestätigte erneut wie aus dem Lehrbuch, das man genau an dem Tag kaufen musste, als der CEO Gisbert Rühl ziemlich düstere Farben zur Zukunft malte und damit die letzten wackeligen Hände aus dem Titel vertrieben hat. Unabhängig von den guten Aussichten hatte ich aber entsprechend meiner Strategie heute vormittag teilweise Gewinne mitgenommen und laufe seitdem auch bei Klöckner nur noch mit halbem Engagement. Die darauf folgende Schwäche, die Klöckner wieder unter 12€ drückte, sehe ich daher mit Freude. Denn sollte der Titel Morgen noch etwas Schwäche zeigen, werde ich die Hälfte wieder zurück kaufen. Ich bin zuversichtlich, dass wir schon bald einen weiteren Anlauf sehen die 12€ nachhaltig zu überschreiten.

Auf Wunsch eines Lesers heute auch ein paar Worte zu ST Microelectronics (WKN 893438). Ich hatte auf diesen Titel ja am 18.01.12 -> hier <- hingewiesen. Kurzfristig hat sich bei ST Micro der Ausbruch im Chart leider nicht bestätigt und der Kurs bröselt seit Wochen seitwärts mit leicht fallender Tendenz. Charttechnisch ist man damit im Niemandsland. Ursache ist wohl, dass der Markt noch keine zuverlässigen Signale für eine Trendwende sieht, was auch in Anbetracht schlechter Zahlen des Mitbewerbs wie Texas Instruments nachvollziehbar ist. Ausserdem heissen grosse Kunden bzw Partner von ST Micro ja Nokia, Ericsson oder Hewlett Packard und alle waren zuletzt nicht gerade durch berauschende Umsätze aufgefallen. Da kann auch die Beziehung von ST Micro zu Bosch und damit in den Automobilbau nicht alles ausgleichen.

Wie lange diese Schwächephase bei den Umsätzen noch andauert, vermag ich nicht vorher zu sehen. Ich halte aber ST Micro immmer noch für einen mittel- und langfristig sehr interessanten Wert und das Geschäft mit Spezialchips - im Gegensatz zum Massen-Chip Geschäft - für weiterhin interessant und profitabel. Ein Unternehmen wie ST Micro, das trotz schwacher Absatzzahlen noch derart stabil dasteht, unterstreicht damit für mich eine besondere Stärke. Ich bin deswegen weiter in dem Titel investiert und dank meines Einstandes bei 5€ auch noch im Plus. Auch meinen im Artikel genannten Stop von 4€ behalte ich bei und warte nun im Rahmen meines diversifizierten Investmentdepots einfach ab, bis sich die Nachrichtenlage verbessert. Wer aber nur wenige Positionen im Depot hält, kann sich in meinen Augen aktuell schon die Frage stellen, ob es kurzfristig nicht attraktivere Titel gibt um investiert zu sein. Denn wenn man ST Micro im Auge behält, kann man unter Verzicht auf ein paar Prozent auch noch hinein springen, sobald der Kurs sich nach oben in Bewegung setzt.

Ein Titel der heute richtig durchgestartet ist, ist der Agrarkonzern Bunge (WKN 762269) mit über 6% Plus aufgrund sehr guter Zahlen. Bunge deckt die gesamte Erlöskette im Agrarbereich von Anbau bis zum Handel ab und ist für jemanden der auch in diesem Bereich aktiv sein will möglicherweise einen Blick wert.

Ach ja, und die hier schon mehrfach erwähnte Itron (WKN 888379) steigt und steigt und der Chart sieht zauberhaft aus:


Source:

Und zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln. Nach einer CNBC Meldung ist Dr. Doom himself - Nouriel Roubini - nun bullish was Aktien angeht. Ja, genau der Roubini, der uns seit Jahren mit finsterem Blick, Bugwelle und markigen Worten den Untergang der Welt prophezeit und damit zu der Klasse der von mir so ausserordentlich "geliebten" Gurus gehört, deren unermesslichen Ratschluss ich immer gleich im Shredder entsorge. Als ich das gestern Abend sah, war mein erster, reflexartiger Gedanke:

"Oh Gott, jetzt aber schnell - ich muss jetzt sofort alles verkaufen und den Markt shorten" 😉

Ich wünsche eine gute Nacht !

Hari´s Märkte am Abend – 08.02.12 – Commerzbank, Banco Santander, Klöckner, Aixtron

21 Uhr, 1 Stunde vor Handelsschluss

Immer wenn der Markt mal korrigieren will, kommt die Kavallerie zur Rettung ... so auch heute. Insofern gibt es nicht viel Neues zum Markt zu sagen. Wir warten weiter auf Godot - oder genauer gesagt Griechenland - und der Markt will im Vorfeld nicht wirklich runter.

Was passiert wenn eine Einigung scheitert, kann ich Ihnen nicht sicher sagen. Vom meinem Marktgefühl her reche ich in diesem Fall mit einer "Schreckkorrektur", die aber im Bereich von 3-5% auslaufen sollte und schon bald wieder gekauft wird. Denn eigentlich sollte jetzt dem letzten klar sein, dass mit all diesen Verhandlungen nicht die echte Rettung Griechenlands verhandelt wird, sondern nur Zeit erkauft wird, bis das Unvermeidliche passiert.

Viel wichtiger als die Nachricht einer möglichen Pleite Griechenlands, dürfte für den Markt daher in diesem Fall die begleitende Kommunikation der Euro-Zone sein. Wenn glaubhaft gemacht werden kann, dass um alle anderen Staaten eine Brandmauer gezogen wurde, erwarte ich das Mr. Market zu Griechenland nur die Schultern zuckt. Kommt dagegen sogar eine Einigung die der Markt mag weil wieder Geld gedruckt wird, dürfte es wohl noch einmal eine Welle nach oben geben, die dann das Potential hat einen kurzfristigen Top im Aufwärtstrend darzustellen. DAX 7000 sind für diesen Fall sicher in Reichweite.

Bemerkenswert ist, dass wir heute schon den zweiten Tag hintereinander relativ aggressive Bewegungen nach unten hatten. Das hatten wir intraday über viele Tage nicht mehr und es könnte sein, dass das die ersten Anzeichen sind, dass der Markt seinen Charakter wieder ändert. Allerdings ist das im Moment nicht mehr als die berühmte , die man zwar im Auge haben, aber ansonsten besser ignorieren sollte.

Denn der Trend ist bisher weiter eindeutig nach oben und solange das so ist, halte ich es für einen Fehler sich Short dagegen zu stellen, nur weil man sich einbildet, man könnte die Wende perfekt timen - glauben Sie mir, man kann es nicht, von wenigen Glücksfällen abgesehen.
Wer es noch nicht gesehen hat, dem empfehle ich in diesem Zusammenhang einen Blick in -> diesen <- aktuellen Beitrag, der nachdrücklich aufzeigt, wie weit und vor allem wie lange so eine Rally laufen kann.

Nun zu Einzelaktien:

Aktie des Tages war natürlich erneut die Commerzbank (WKN 803200), die mit 7% Plus heute genau das tat, was sich schon gestern ankündigte. Wenn Sie mich fragen, was ich über die weitere Entwicklung der Commerzbank aus fundamentaler Sicht denke, kann ich Ihnen nur sage: Absolut keine Ahnung !

Gerade weil ich vielleicht besser als der Durchschnittsanleger verstehe, was in so einer Bankbilanz steht bzw was in ihr eben nicht steht - gerade weil ich weiss, wie sehr so eine Bank für einen Aussenstehenden eine "Black Box" ist und welche Überraschungen da möglich sind - gerade deshalb weiss ich, dass ich zu Banken rein gar nichts weiss !

Rein vom Chart her ist die Lage der Commerzbank aber sonnenklar. Der Titel kämpft um den Ausbruch über verschiedenste Marken wie zb der 200er Linie, die sich alle in der Zone um 2,1€ gruppieren. Sollte diese Zone überwunden werden, gibt es wahrscheinlich noch einmal einen schönen Schluck aus der "Pulle" nach oben. Und rein vom bisherigen Chartverlauf her spricht sehr viel dafür, dass diese Zone bald geknackt wird.

In meinem Investmentdepot hat eine Commerzbank aber nichts zu suchen. Wer mittelfristige Anlagen will, hat in meinen Augen derzeit genug spannende Unternehmen mit weit grösserer Visibilität, als bei einer Bank oder speziell der Commerzbank. Für einen normalen Anleger mit wenig Zeit für die Börsen finde ich es gefährlich, sich nur an dem vermeintlichen Aufholpotential zu orientieren, denn es gibt nach wie vor nicht nur Chancen, sondern auch massive Risiken die sich in einer Nachricht über Nacht materialisieren könnten. Für mein Tradingdepot ist eine Commerzbank mit dieser Volatilität aber natürlich ein idealer Kandidat und ich habe zum Beispiel heute auch gut an dem Titel verdient. Wer dieses Spiel eingehen will, sollte aber unbedingt permanent am Ball bleiben. "Buy and Hold" passt in meinen Augen nicht zur Commerzbank !

Übrigens, wenn Sie sich aktuell für Banken interessieren, dann werfen Sie doch mal einen Blick auf die Banco Santander (WKN 858872). Bank aus Spanien - Igitt, werden Sie vielleicht jetzt sagen. Aber gemach, Banco Santander macht sein Hauptgeschäft mittlerweile im boomenden Südamerika und ist deswegen auch vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Ein vergleichsweise gutes Eigenkapital, eine Dividendenrendite von 8% und jede Menge Rückstellungen für die spanische Immobilienkrise zeichnen diese Bank für mich aus. Abgesehen davon hat die Banco Santander vergleichsweise planbare und kontinuierliche Erträge, weil sie sich vor allem im Massen- (Retail-) Geschäft tummelt und kaum Investmentbanking betreibt. Alle oben gemachten Einschränkungen zu Banken gelten natürlich auch zu diesem Titel und ich empfehle ausdrücklich niemandem, sich unbedingt eine Bankaktie ins Depot zu legen. Aber wenn Sie sich sowieso schon für Bankaktien interessieren, wäre ein Blick in diese Richtung vielleicht gar nicht so eine schlechte Idee.

Nebenbei erwähnt - nach ähnlicher antizyklischer Logik - ich habe heute eine Studie gesehen, nach der nach fundamentalen Kriterien (Buchwert etc) der billigste Aktienmarkt der Industrieländer derzeit der italienische Markt ist. Wenn Sie also daran glauben, dass Mario Monti die Kurve bekommt, wäre das eine antizyklische Wette. Und gute Industrie- bzw Konsum-Werte mit internationalem Geschäft gibt es in Italien ja einige.

Sehr stark waren heute alle Stahltitel, Klöckner (WKN KC0100) und Salzgitter (WKN 620200) mit jeweils 3-4% Plus. Geholfen hat heute definitiv ein positiver Ausblick des Verbands "Wirtschaftsvereinigung Stahl". Ich bin bei beiden Titeln Long, wobei Klöckner natürlich das grössere Potential hat, während ich bei Salzgitter schon erste Gewinne mitgenommen habe und nur noch mit 50% der ursprünglichen Position investiert bin.

Die Deutsche Börse (WKN 581005) hat heute mit erneut 3% Plus die 50€ erreicht, hier beginne ich mit teilweisen Gewinnmitnahmen.

Für die grosse Stärke heute von Aixtron (WKN A0WMPJ) habe ich keine rechte Erklärung. Auch wenn der Chart der Aktie gut aussieht, ist mir das nun zu viel Blindflug in Anbetracht schlechter Daten der Mitbewerber und meine Position gegenüber den Insidern die den wirklichen Auftragsbestand kennen einfach zu schwach. Ich habe heute daher die Gewinne mitgenommen und bin nun ganz raus aus dem Titel. Das heisst nicht, dass ich eine negative Meinung zur Aktie habe, es kann gut sein, dass da nun ein Ausbruch nach oben bevor steht. Aber mir ist die Lage zu undurchsichtig und es gibt im Markt genug andere Chancen, auf die ich meine Energie aktuell effizienter konzentrieren kann.

Ich wünsche einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 06.02.12 – Deutsche Börse, K+S, Itron

20 Uhr. Heute mache ich es kurz. Denn Mr. Market macht einfach da weiter, wo er letzte Woche aufgehört hat.

Der Markt will einfach nicht nachgeben, auch wenn es in einzelnen Titeln heute durchaus Korrekturen von 1-2% gab. Der DAX hat dabei aber noch nicht einmal die 6700er Marke erreicht.

Selbst die endlose Geschichte um Griechenland, die man ja nun wirklich nicht mehr hören kann, bringt den Markt kaum aus der Fassung. Das Thema Griechenland ist für den Markt einfach abgehakt.

Der Markt würde wahrscheinlich nur dann nervös reagieren, wenn er Grund zu der Annahme hat, dass es eine unkontrollierte Kettenreaktion in der Euro-Zone gibt. In Anbetracht einer EZB die nun wie die FED das Liquiditätsfüllhorn über die Märkte ausgiesst, hat der Markt davor aber scheinbar wenig Angst.

So bleibt mir an diesem ruhigen Tag nicht viel, was ich Ihnen Neues sagen könnte. Trotz der sibirischen Kälte draussen fühle ich mich langsam wie an einem heissen Sommertag, an dem man sich nach einem erfrischenden Regenguss (der Korrektur) sehnt, wonach die Sonne dann gerne wieder strahlen kann. Aber genau weil viele so fühlen, kommt der Regenguss eben nicht. Und wenn er irgendwann kommt, dürfte er nur ein kurzes, wenn auch heftiges, Sommergewitter sein, weil alle die jetzt verzweifelt an der Seitenlinie stehen das zum Einstieg nutzen werden.

In diesem Sinne lassen Sie wie ich die Gewinne laufen und ziehen Sie Ihre Stops immer fleissig nach. Bei ein paar meiner Favoriten habe ich die kleinen Dips heute gleich wieder zum Einstieg genutzt, nachdem ich sie am Freitag verkauft hatte.
Und merken Sie sich für die Zukunft, wie sich ein "Runaway-Move" anfühlt. Sie sind offensichtlich gerade mitten in einem drin !

An Einzelaktien möchte ich heute an die Deutsche Börse (WKN 581005) erinnern, in die ich ja aus den -> hier <- genannten Gründen eingestiegen bin. Bei dem Titel sollte man die am 13.02.12 anstehenden Quartalszahlen beachten. Es könnte sein, dass am 13.02. auch gesagt wird, was mit der nun nicht ausgezahlten Sonderdividende passiert - zumindest hat Francioni das aktuell in einem Interview mit der FTD angedeutet. Auch heute war die Deutsche Börse mit fast 3% Plus wieder sehr stark. Da bei der Deutschen Börse sicher die wichtigen Köpfe des Finanzplatzes Frankfurt schon heute ahnen was Sache ist, betrachte ich die aktuelle Stärke als Indiz für gute Nachrichten am 13.02.12. und vermute, dass der Anstieg vom "Smart Money" getrieben ist.

K+S (WKN KSAG88) hat heute übrigens die 40€ geknackt und damit den hier schon bemerkten Aufwärtstrend bestätigt. Ich sehe da kurzfristig durchaus Luft bis in die Zone um 44-45€, mittelfristig auch noch mehr.

Einen intensiven Blick sollte auch der hier schon mehrfach angesprochene Smart-Grid Spezialist Itron (WKN 888379) wert sein. Ein zukunftsträchtiges Marktsegment, der erfolgreiche "Alt-CEO" wieder am Ruder, eine faire Bewertung und ein Chart der mir den Mund ganz wässrig macht, sind doch wie ich finde eine ganze nette Mischung. Ich bin schon seit der Rückkehr von CEO LeRoy Nosbaum Long Itron und hatte Ihnen den Titel ja -> hier <- schon Anfang Dezember letzten Jahres detailliert vorgestellt.


Source:

Viele andere der hier regelmässig besprochenen Aktien haben heute eine kleine Konsolidierung durchgemacht, die wieder den Boden für einen erneuten Anstieg bereitet, falls der "Runaway-Move" weiter gehen sollte. Und danach sieht es ja im Moment schon aus.

Ich wünsche einen schönen Abend !

Das Beste für Griechenland – ein Kommentar aus tiefstem Herzen

Mr. Market macht ganz ruhig weiter, wo er letzte Woche aufgehört hat. Diese Ruhe am Markt will ich daher nutzen, um Ihnen hier meine ebenso harte, wie klare persönliche Meinung zum Thema Griechland darzustellen.

Die folgenden Zeilen sind also bewusst höchst subjektiv und in "Klartext" formuliert:

Man sollte meinen, jedem müsste klar sein, dass Griechenland einfach Pleite ist und egal wie hoch der Schuldenschnitt ausfällt nicht wieder auf die Füsse kommt. Ich gehe sogar noch weiter, selbst wenn es einen 100%igen Schuldenschnitt gäbe, würde Griechenland das nicht zu einem Neuanfang nutzen können. Worüber wird dann eigentlich in Brüssel und Athen überhaupt verhandelt, frage ich mich ?

Denn das Griechenland des Jahres 2012 ist für mich ein "Failed State", in dem es an den einfachsten Grundvoraussetzungen fehlt um wieder auf die Beine zu kommen. Korruption, Vetternwirtschaft, Lokalfürsten in den Behörden und der Mangel an Durchgriff der oberen Behörden bilden eine fatale Mischung mit einem Mangel an Zivilgesellschaft, an Gemeinwohl-Denken bei den Bürgern, die lieber ihr eigenes Schäflein ins Trockene bringen, als sich gemeinsam für das Gemeinwohl zu engagieren. Jeder Euro der in dieses kaputte und schon längst gescheiterte System gesteckt wird, ist in meinen Augen sinnlos vergeudet. Da wäre es besser, man würde sich aus den Euroscheinen ein paar Zigarren drehen und die anzünden, dann hätte man wenigsten etwas davon.

Wen es interessiert, der schaue mal auf den Korruptionsindex von Transparency International, in dem Griechenland Mühe hat, sich von Burkina Faso abzusetzen. Und dabei zeigt der Index noch ein zu positives Bild, denn wenn ein von Korruption geplagtes Land wenigstens eine funktionsfähige Administration hat, dann muss man zwar ein paar Leute schmieren, kann sich dann aber darauf verlassen, dass das Anliegen auch abgewickelt wird. In Griechenland fehlt beides, Transparenz und eine funktionsfähige Verwaltung. Das Ergebnis kann nur ein Desaster sein ! Und wer glaubt, dass ich hier übertreibe, der sei daran erinnert, dass selbst die OECD die öffentlich sicher eher diplomatisch schön färbt, zu einem harten Ergebnis kommt, das Sie nachlesen können

Deswegen bin ich überzeugt: Das Beste für Griechenland und Europa wäre jetzt die totale Pleite. So schlimm das kurzfristig ist, es birgt die Chance, dass das Land mit einem Schlag korrupte Beamte, vollgefressene Lokalfürsten und in mittelalterlichen "Zünften" abgeschottete Berufe los werden kann. Denn die Griechen sind genauso Menschen wir wir und haben ebenso wie wir einen Sinn für Anstand und Fleiss. In jedem Land gibt es die "Faulen" und "Korrupten", das ist keineswegs ein rein griechisches Problem, die sind in Deutschland genau so vorhanden. Der Unterschied ist, in Griechenland sitzen diese Leute scheinbar zu oft an den Schalthebeln des Systems. Und gegen so ein verrottetes System kann man sich als normaler Bürger nicht wehren, nur irgendwie durchmogeln, egal wie viel Anstand man selber hat. Auch in Deutschland gab es ja schon Zeiten, in denen "Durchmogeln" das einzige war, was ein aufrechter Bürger noch tun konnte. Und so lange ist das gar nicht her. Insofern sollte man Respekt vor dem einzelnen griechischen Bürger haben und nicht alle über einen Kamm scheeren, nur weil sie das Pech hatten in einem kaputten System aufgewachsen zu sein.

Das kaputte System in Griechenland aber, das muss in meinen Augen weggeschwemmt werden, damit auf den Trümmern etwas Neues entstehen kann. Und dieses System hat auch unsere Solidarität nicht verdient, der aufrechte griechische Bürger aber sehr wohl ! Jeder Rettungsversuch aus Europa sichert aber nur das Überleben der alten Eliten, die dem Land den jetzigen Zustand eingebrockt haben. Griechenland braucht deshalb in meinen Augen eher eine Revolution als eine Rettung. Einen echten Neuanfang zum Wohle Griechenlands und Europas. Und eine richtige Pleite mit revolutionärem Umsturz würde dabei helfen, weil nur so die alten Fürsten vom Thron gestossen werden.

Und wir Deutsche sollten uns deshalb auch nicht von indiskutablen Nazi-Vergleichen abschrecken lassen, mit denen die helfende Hand dann auch noch gebissen wird. Wir sollten trotzdem versuchen das Richtige für Griechenland zu tun. Derartige Propaganda verbreiten eben nicht "die Griechen" per se, sondern genau Teile der Nomenklatura an den Schalthebeln und Fleischtöpfen. Und das aus gutem Grund. Denn wenn man einen externen Sündenbock aufbaut, wird so der Blick von den eigenen dreckigen Händen abgelenkt. Das "Haltet den Dieb" Prinzip ist halt universell. Insofern ist diese Propaganda in meinen Augen nichts weiter als kalte innenpolitische Machtstrategie und sollte von uns einfach ignoriert werden. Ein Grund mehr aber, diese ganze Klasse nun mit einer grossen Flut wegzuschwemmen.

Das Positive ist, aus Sicht von Europa ist Griechenland in seinem Elend ein Einzelfall. Kein anderes Land liegt vergleichbar in Scherben, soweit ich das überblicken kann. Schauen wir zum Beispiel auf den nächsten Wackelkandidaten Portugal, dann finden wir da eine funktionsfähige Administration, Menschen denen das Wohl des Landes am Herzen liegt und eine breite Bereitschaft der Bevölkerung, notwendige Änderungen anzugehen. Griechenland und Portugal trennen in meinen Augen Welten und für Portugal kann man deswegen durchaus hoffnungsvoll sein. Wenn das Land die nächsten Monate übersteht, geht es auch wieder aufwärts.

In Griechenland aber ist in meinen Augen nun: Game Over ! Macht bitte endlich das mit Strom aus der Eurokasse gespeiste Kunst-Licht aus, damit der engagierte Teil der griechischen Bevölkerung sich dann nach kurzer aber finsterer Nacht, voll Hoffnung auf die Morgendämmerung eines neuen Staates freuen kann !

Und das wäre sinnvoll eingesetztes Steuergeld: den Griechen in dieser Morgendämmerung beim Aufbau eines neues Staates zu helfen. Das wäre gelebte Solidarität, die weit sinnvoller ist, als Zigarren aus Euro-Scheinen zu rauchen ! Griechenland braucht einen Neuanfang und einen Marshall-Plan, keine Rettung !

Marktupdate – 27.01.12 – Griechische Defensive übers Wochenende

Ich stelle mich beim DAX Niveau 6550 nun über das Wochenende etwas defensiver auf. Grund ist, dass das Thema Griechland möglicherweise nächste Woche zur Entscheidung kommt. Nachdem was man liest, soll der Bericht der Troika am Montag beim EU Gipfel zwar noch nicht vorliegen, informell wissen aber bestimmt alle schon was darin stehen wird.

Für mich sieht die Nachrichten-Lage nun so aus, als ob die richtige Pleite endlich vollzogen wird. Die Signale aus der Politik sprechen für mich dafür. Möglicherweise tritt Griechenland auch "freiwillig" aus dem Euro aus, wobei das Wort "freiwillig" dann sicher durch allerlei milliardenschwere Kompensationsgeschäfte "motiviert" wurde. Aber wie auch immer, ich glaube das Thema ist auf der Zielgeraden und eigentlich weiss jeder, dass ein Schuldenschnitt mit "weiter so" nichts wirklich ändert, selbst wenn es 70% wären. Griechenland braucht schlicht eine viel weichere Währung, anders kommt das Land in meinen Augen nicht auf die Beine. Mit dem Euro ist Griechenland nicht wettbewerbsfähig und ich sehe ehrlich nicht, wie sich das in absehbarer Zeit ändern soll, dafür liegen zu viele grundlegende Dinge im Argen.

Mr. Market sieht das ganze mittlerweile ziemlich gelassen, weil er in meinen Augen zurecht davon ausgeht, dass die Staaten und Banken nun genügend Zeit hatten sich auf den Fall X vorzubereiten. Zu einem völlig ungeordneten Zusammenbruch wird es also wohl nicht kommen. Zu einem formalen "Default" mit entsprechenden Effekten bei den CDS aber möglicherweise schon. Und wenn doch ein Lösung im Konsens erarbeitet wird die den formalen Default vermeidet, wird das Mr. Market um so mehr mögen.

Trotz dieser berechtigten Gelassenheit, würde ein Default den Markt wohl kurzfristig durchschütteln. Denn Unsicherheiten gibt es auch bei der besten Vorbereitung. Wenn man dann noch bedenkt wo wir aktuell notieren und wie weit wir schon gelaufen sind, sehe ich keinen Grund das Risiko über das Wochenende zu nehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass uns der Markt bis Montag massiv nach oben wegläuft ist für mich auf dem Niveau von DAX 6550 gering. Das politische Risiko übers Wochenende ist dagegen hoch.

Das ändert nichts an meiner grundlegend positiven, mittelfristigen Marktsicht und sollte Griechenland tatsächlich in den Default gehen, wäre die kurze Phase der Verunsicherung für mich möglicherweise sogar eine Kaufgelegenheit. Aber ich sehe wenig Grund mich nun über dieses Wochenende übermässig zu exponieren. Und wenn wir nun bis Montag ein bischen nach oben verpassen sollten, war das die Sicherheit in meinen Augen wert.

Am Montag werde ich die Lage dann ganz in Ruhe neu bewerten.