Gold an der Wegscheide – Vom gelben Gott und dem Weg des maximalen Schmerzes

Der Goldpreis - hier dargestellt über XAUUSD - steht vor einer bedeutenden Wegscheide. Zum ersten Mal nach langer, langer Zeit, finden wir wieder ein halbwegs überzeugendes Setup auf der Long Seite vor.

Das Chart mit Tageskerzen, offenbart schnell worum es hier geht:

Gold 24.01.14

Erstens hat der Goldpreis nun eine deutlich sichtbare Wendeformation geformt und liegt im aktuellen Bereich um die 1260 USD knapp unter der Ausbruchszone. Diese Nackenlinie oder Ausbruchszone reicht bis ca. 1268 USD, wo der Goldpreis am 10.12.13 sein Hoch hatte.

Zweitens liegt der Goldpreis damit nur noch sehr knapp unter der mittelfristigen Abwärtstrendlinie, die auch mit der Ausbruchszone korreliert.

Und Drittens scheinen wir nun einen Doppelboden zu haben, bei dem das zweite Tief - passenderweise am 31. Dezember letzten Jahres - minimal höher als das vorherigen Tief vom 28.06.13 war.

In Summe ist damit der Ausbruch noch nicht vollzogen, aber der Goldpreis steht kurz davor. Und sollte er diese Zone verlassen können, hat eine schnelle Bewegung bis über 1300 USD hohe Wahrscheinlichkeit.

Umgedreht ist es aber weiter denkbar, dass der Goldpreis hier abprallt und im mittelfristigen Abwärtstrend verbleibt. Die sichtbare Price-Action indiziert hier aber zum ersten Mal seit vielen Monaten, einen kleinen Vorteil für die Bullen.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass die grossen Einschläge im frühen Handel an der Comex, mehr und mehr durch ebenso starke Schübe abgelöst werden, die auch im frühen Handel nach oben weisen. Die Hedgefonds scheinen hier also langsam die Richtung zu wechseln.

Lustig ist in diesem Zusammenhang ja auch zu beobachten, dass die Gläubigen der "Kirche des goldenen Gottes" - auch "Gold Bugs" genannt, die bei jedem Einschlag an der Comex gleich "Foul" gerufen haben - bei den identischen Gegenbewegungen nach oben nun so still sind. Weil es ist ja klar, nach oben "muss" der Goldpreis ja steigen, nach unten wäre das aber gegen die göttliche Ordnung. 😉

Ich weiss, diese sarkastischen Zeilen werden einigen nicht gefallen, aber Glauben hat an der Börse nichts verloren. Und es ist für mich Faktum, dass der Goldpreis in den letzten Monaten insofern "manipuliert" war, als das grosse Marktadressen mit überdimensionierten Orders den Markt in die gewünschte Richtung gepresst haben. Wer das nicht wahr haben will, hat nicht hingeschaut, was da passiert ist. Nur hat das eher nichts mit "bösen Mächten" zu tun, die den "ehrlichen" Goldpreis nach unten pressen wollen, sondern da hat schlicht "Big Money" herrliche Gewinne generiert, in dem es den Gold Bugs die Hosen runter gezogen hat. Gewinne gehen aber in beide Richtungen und wenn sich nun die Schussrichtung der grossen Marktorders an der Comex ändert, sollten wir das nicht übersehen !

Wenn Sie mich jetzt fragen, wie es denn über diese Wegscheide hinaus beim Goldpreis weiter geht, kann ich Ihnen natürlich auch nur sagen, dass ich keine Glaskugel habe. Das Weissagen der Zukunft, muss man den Wahrsagern überlassen.

Was ich Ihnen aber sagen kann ist, dass der Markt diese wunderbare Eigenschaft hat, Bullen wie Bären gleichermassen zu frustrieren und einen Weg zu gehen, der allen am wenigsten gefällt - den Weg des maximalen Schmerzes.

Wenn man sich nun vor Augen führt, dass den Gold Bullen mit ihrer schönen Erzählung von den zwangsweise immer steigenden Preisen, ja in den letzten zwei Jahren gehörig Demut eingebläut wurde, wären jetzt die Goldhasser mal an der Reihe.

Denn deren Mantra, nach dem Gold ja nur ein "barbarisches Relikt" sei, das nur tot und sinnlos rumläge, ist zwar gar nicht mal falsch, geht aber doch völlig am Thema vorbei. Denn es gibt ja einen guten Grund dafür, dass Gold - neben seiner Funktion als Schmuck - seit tausenden von Jahren als Wertaufbewahrung und Ersatzwährung dient und in dieser ganzen Zeit seine Kaufkraft erhalten hat.

Und dieser Grund hat damit zu tun, dass alle anderen Formen von "Geld" beliebig vermehrt, entwertet und missbraucht werden können. Währungsreformen, inflationäre Schübe und Staats- und Währungskrisen kommen und gehen auf der langfristigen Zeitachse. Gold bleibt. Und zwar noch so lange, bis die Menschheit wie auf der Enterprise, in einem Replikator beliebige Atomstrukturen auf Knopfdruck herstellen kann und somit der Traum der Alchimisten des Mittelalters doch noch wahr wird. Dann hat Gold keinen Wert mehr. Aber erst dann.

All diese schönen Überlegungen und Glaubensbekenntnisse beantworten aber nicht die Frage, ob Gold im Verhältnis zur Weltleitwährung US Dollar, in einem Monat zu 1000 oder 1500 USD gehandelt wird. Genau genommen ist das Denken in diesen Überlegungen dafür auch nicht hilfreich.

Wenn der Goldpreis nun also mit Macht über diese Ausbruchszone hinweg nach oben schiessen sollte, kommt die Zeit, in der die Goldhasser mal wieder Demut lernen werden und ihre Shorts ihnen in der Hand explodieren. Wenn Gold dann schnell bis 1500 USD nach oben schiesst, werden die Goldbugs ihr Jubelgeschrei starten und sich nur noch um die Frage streiten, ob Gold nun bis 3.000 oder 5.000 USD steigen wird.

Genau das wäre dann der ideale Zeitpunkt für den fiesen Mr. Market, um erneut die Richtung zu ändern und den seit 2011 bestehenden übergeordneten Abwärtstrend bei Gold wieder aufzunehmen. Das wäre wohl der Weg des maximalen Schmerzes, erst die Shorties zu zerstören und dann die Goldbugs in einem massive Falle laufen zu lassen.

Natürlich ist das reine Spekulation und ich habe keine Ahnung, ob das so kommt. Ich kenne aber die Fähigkeit von Mr. Market, genau diesen Weg des maximalen Schmerzes zu gehen. Und deswegen bin ich weder ein Anhänger der Kirche des gelben Gottes, noch verdränge ich die unzweifelhaft vorhandene Funktion von Gold als dauerhaft werterhaltende Aufbewahrung von Vermögen. Deswegen richte ich mich nach dem, was mir die Kurse sagen.

Und die sagen im Moment: zum ersten Mal nach langer Zeit, haben die Bullen mal wieder brauchbare Chancen.

Diese Kursbewegungen zwischen 1000 und 1500 USD haben aber nichts mit der Frage zu tun, ob man als Bürger sinnvoller Weise eine definierte Menge physischen Goldes besitzt. Diese Frage hängt nicht vom unmittelbaren Goldpreis in USD ab, sondern nur davon, dass Gold eben seit tausenden von Jahren in schwierigen Phasen die ideale Ersatzwährung ist und wohl auch absehbar bleiben wird.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Wird es Zeit, die Goldminen, den GDX oder Barrick Gold in den Blick zu nehmen ?

Werfen wir heute, zum Beginn des neuen Jahres, mal einen Blick auf einen der meist verprügelten Sektoren des vergangenen Jahres - die Goldminen. Hier beispielhaft am grossen US ETF "GDX", in dem sich auch "Big Money" tummelt.

Aus reiner Reversal-Logik könnte man nun argumentieren, dass das, was letztes Jahr so schlecht lief, alleine deswegen nun in 2014 gute Chancen hat. Dergleichen Argumente liest man auch verschiedentlich.

Diese Logik ist auch nicht völlig falsch, als Timing-Instrument aber eher ungeeignet. Sicher wird auch bei den Goldminen irgendwann eine "Mean Reversion" einsetzen und der Sektor wird wieder signifikant anziehen. Und dann sind schnell grosse Gewinne drin. Das Konzept der "Mean Reversion" ist universell und funktioniert an den Märkten immer wieder. Nur muss dieser Zeitpunkt nicht jetzt sein, nur weil das Jahr gewechselt hat. Vielleicht erlebt der Sektor auch erst erneut neue Tiefststände, bevor dann in der zweiten Jahreshälfte die Wende einsetzt. Wie gesagt, als Timing-Instrument ist die "Mean Reversion" eher ungeeignet, ein Gummiband kann sich in der Regel weiter dehnen, als wir alle ahnen.

Fundamental ist diese Wende durchaus "in Arbeit", weil praktisch alle Minen nun ihren Fokus auf Kosten und Profitabilität legen, unrentable Projekte zurück schneiden und so den Goldpreis deutlich senken, ab dem die Minen-Operationen profitabel sind. Wenn also irgendwann der Goldpreis auch mitspielt, wird das zu schnell steigenden Gewinnen im Sektor führen und die Kurse werden eine Rally durchlaufen.

Nur ist der Zeitpunkt ungewiss und nur weil der Sektor in 2013 verprügelt wurde, muss dieser Zeitpunkt nicht jetzt sein - er kann es aber durchaus. Gold hat ja nun auch die Chance einen Doppelboden auszubilden, aber auch beim Goldpreis steht der Beweis noch aus und ein erneuter Abtaucher bis 1000 USD ist noch nicht vom Tisch.

Insofern macht es mal wieder viel mehr Sinn - als Spekulationen nachzuhängen, die sowieso zu nichts führen - einfach auf die Price-Action im "Hier und Jetzt" zu schauen und zu hören, was uns der Markt gerade sagen will.

Schauen wir dabei auf das langfristige Chart mit Wochenkerzen des GDX, sehen wir den brutalen Abwärtstrend, den man auf zweifache Art und Weise zeichnen kann. Dieser Abwärtstrend ist nicht gebrochen, was klar indiziert, das es zu früh ist, eine Wende im Sektor auszurufen.

GDX 08.01.14

Allerdings zeigt der Verlauf auch, dass wir gute Chancen haben nun bald einen Boden auszubilden. Der Volumenanstieg spricht eine deutliche Sprache, hier liefert sich grosses Geld nun ein Duell. Und während in den frühen Phasen des Absturzes niemand dagegen gehalten hat -das war eher wie ein langsames Ausbluten - tobt nun ein massiver Kampf der Bullen und Bären unter der Decke und es findet scheinbar eine Distribution statt, mit guter Wahrscheinlichkeit von den schwachen zu starken Händen, die nun akkumulieren.

Insofern ist das eine potentiell interessante Entwicklung, mit grossem Potential, aber noch ist es zu früh, die Signale auf Grün zu setzen. Noch hat der Abwärtstrend den Sektor im Griff.

Schauen wir dagegen auf das mittelfristige Chart mit Tageskerzen, sehen wir deutlich, was wir zuletzt auch bei den Kursen der Einzelaktien wie Barrick Gold (WKN: 870450) fühlen konnten. Es scheint seit Anfang Dezember eine Stabilisierung statt zu finden, die das Potential zur Bodenbildung hat - aber erneut: dieser Beweis ist noch nicht angetreten !

GDX 08.01.14 Tag

Vielmehr sehen wir auch hier den mittelfristigen Abwärtstrend, sehen aber auch, wie kurz der GDX davor ist, diesen das erste Mal hinter sich zu lassen. Und wir sehen da noch ein Gap vom Jahresanfang 2014 lauern, das noch nicht geschlossen ist und vielleicht noch wird, bevor die Entscheidung so oder so eintreten kann.

Wenn der GDX aber diesen Abwärtstrend nimmt, bestehen gute Chancen für eine schnelle Bewegung bis in den Bereich von 25 USD - womit sich dann auch die Frage des langfristigen Abwärtstrends stellen würde.

Fazit aus meiner Sicht:

Wer mit einem Zeithorizont von Jahren operiert und ebenso tiefe Taschen wie dicke Nerven hat, kann auf diesen Niveaus vielleicht anfangen, die Goldminen langsam zu akkumulieren. Man sollte sich dann aber im Klaren darüber sein, das der Sektor schnell noch einmal eine weitere Abwärtsstufe von 20% generieren kann, bevor dann wirklich eine Wende ansteht.

Wer - wie die meisten Anleger - eher im Zeithorizont Monate unterwegs ist, weil er Jahre in der Regel sowieso nicht durchhält, hat in der aktuellen Lage (noch) keinen zwingenden Grund in den Sektor einzusteigen. Denn noch zeigt der Trend klar abwärts. Allerdings könnte der Grund schnell geliefert werden, weswegen es schon heute Sinn macht, auf den Sektor ein aufmerksames Auge zu werfen.

Bedenken Sie in diesem Zusammenhang bitte erneut, dass die Fixierung auf die ersten Prozent eines neues Trend und der Versuch den Boden exakt zu treffen, bei längerfristigen Anlagen sowieso vergeudete Energie ist. Die ersten paar Prozent zu verpassen, weil man ruhig abwartet bis die Signale wirklich auf Grün stehen, sind gar kein Problem. Viel wichtiger für den Erfolg ist dann, wenn der Trend etabliert ist, auch wirklich ruhig und dauerhaft dabei zu bleiben. Und die gleichen Mechanismen, die manche Anleger hektisch veranlassen, den vermeintlich "perfekten Tiefpunkt" treffen zu wollen, treiben diese Anleger dann wieder viel zu früh aus einer Position heraus, die gerade erst den grossen Schwung nach oben aufnimmt.

Wenn Sie kein kurzfristiger Trader sind, bleiben Sie also gelassen, die Goldminen laufen Ihnen nicht weg. Wenn dieser Wurm irgendwann wirklich dreht, wird auch der neue Trend eher wieder Monate und Jahre andauern, es gibt keinen Grund für Hektik oder Torschlusspanik. Lassen Sie statt dessen den Sektor selber beweisen, dass er nun wirklich zur Wende ansetzen will, dann ist es immer noch früh genug einen Zeh ins Wasser zu stellen.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

DAX und Gold: Der wichtige Unterschied zwischen Vorsicht und Handeln am Markt.

Sie wissen ja, das ich mir auf die Fahnen geschrieben habe, die Börsenkultur in Deutschland ein wenig zu heben und grundlegende Zusammenhänge zu vermitteln, nach denen der Finanzmarkt funktioniert.

Ein wichtiges Thema hatte ich zuletzt unter dem Titel -> Vom Hier und Jetzt und dem sinnlosen Kampf gegen den Markt <- angesprochen.

Ich hoffe es ist mir damit gelungen Ihnen klar zu machen, dass Erfolg an den Märkten nicht von irgendwelchen Zukunftsprognosen kommt, sondern auf der rationalen Analyse der Gegenwart beruht.

Auch der schlechte Ruf der Charttechnik bei vielen Laien, beruht ja zu einem guten Teil auf diesem Missverständnis. Viele Menschen glauben, sie müssten erraten können was morgen sein wird, um am Aktienmarkt Geld zu verdienen. Und springen deshalb natürlich auch auf die unzähligen Angebote im grossen Meer der Informationen an, die ihnen in bekömmlicher Aufmachung eine mögliche Zukunft verkaufen. Und gerade weil die Menschen nach diesen "Weissagungen" suchen und sich Orientierung erhoffen, werden sie medial auch angeboten, denn sie verschaffen Klickzahlen. Davon leben dann auch die sogenannten "Gurus", in dem sie tiefliegende Bedürfnisse der Leser bedienen. Und defacto besteht die Mehrzahl der Artikel im deutschen Sprachraum aus solchen irrelevanten Weissagungen. Erschwerend kommt hinzu, dass ja auch ein Affe ein Chart malen kann und ein paar bunte Linien einfügen. Und mit einem richtig formatierten Chart kann man fast alles beweisen, wenn man will - Menschen sehen ja auch Gesichter in Wolken.

Die Schwierigkeit vor der jeder Leser steht ist, die ernst zu nehmenden Beiträge von all dem medialen Zuckerguss zu unterscheiden, dessen Zweck mediale Klickzahlen sind, den man aber getrost vergessen kann, wenn es um Erfolg an den Märkten geht. Ein Indiz wie man Qualität erkennen kann ist dabei, wenn das Augenmerk des Artikels auf der Analyse der Gegenwart liegt und diese in ihren verschiedenen Implikationen beleuchtet wird. Und wenn die Zukunft als eine Menge von Möglichkeiten mit Wahrscheinlichkeiten betrachtet wird und nicht nur eine mögliche Zukunft verkauft wird.

Wenn man als Autor aber solche Artikel schreibt, merkt man schnell, wie schwer sich einige Menschen damit tun, klare Analyse und daraus resultierende Vorsicht, von sofortigem Handeln zu trennen. Viele Leser suchen ja nach einfachen Handlungsanweisungen und werden genau deswegen nie erfolgreich sein. Und über diesen Unterschied zwischen Vorsicht und Handeln will ich heute schreiben.

Bewusst geworden ist mir das zuletzt wieder an dem Geschehen bei Gold. Gold hat am Montag ein erstaunliches Reversal hingelegt, das erst einmal objektiv Aufmerksamkeit verdient hat. Notwendige Aufmerksamkeit ist aber kein Handeln. Denn Gold ist in einem klaren Abwärtstrend gefangen und es gibt Stand heute nichts, was diesen Abwärtstrend in Frage stellt.

Aber jeder Trend endet mal und es ist deshalb wichtig immer aufmerksam zu bleiben. Handeln sollte man aber erst, wenn die Trendwende wirklich bestätigt ist. Gold hatte nun gestern und vorgestern zwei Versuche, die zu einem dynamischen Schub hätten führen können. In beiden Fällen ist der Kurs aber wieder blutarm unter 1250 USD gefallen. Und damit wurde der Abwärtstrend bestätigt.

Ich benutze ja gerne die Metapher des urzeitlichen, menschlichen Jägers, der sich sein Nahrung noch mit eigenen Händen erjagen musste. Wenn der auf der Lauer liegt, achtet er völlig zu Recht auch auf jedes "Knacksen" im Gebüsch. Es könnte ja ein Rentier aus dem Gebüsch brechen und vor seinen Speer geraten. Er würde aber nie - nur wegen des Knacksens - seinen wichtigen Speer einfach blind in das Gebüsch schleudern. Der Speer wird erst geschleudert, wenn das Rentier wirklich vor ihm läuft. Wenn er aber umgedreht nicht aufmerksam wäre und jeden "Knacks" beachten würde, würde er noch schnarchend vor sich hin dämmern, während das Wild schon einen Meter vor ihm steht.

Genau so aufmerksam, aber kontrolliert handelnd, müssen wir uns am Markt verhalten. Leider passiert zu oft etwas ganz anderes und wenn Sie Ihre eigenen Verhaltensweisen mal Revue passieren lassen, können Sie sich bestimmt an solche Fälle erinnern. Da haben Sie eine interessante Analyse gelesen, die Ihnen die Idee in den Kopf pflanzt, das eine bestimmte Entwicklung eintreten könnte. Diese Argumentation spricht Sie an und in genau diesem Moment meldet sich mit Macht Ihr Bauch. Der Bauch hat Angst, etwas zu verpassen. Für den Bauch ist die Möglichkeit schon zur Gewissheit geworden und er will diese Chance auf keinen Fall verpassen. Und der emotionale Druck des Bauches ist so gross, dass Sie handeln.

Im Bild des Jägers, haben Sie nun also Ihren Speer auf Verdacht ins Gebüsch geworfen. Dumm nur, das genau in diesem Moment auf der anderen Seite wirklich ein Rentier auftaucht. Nur haben Sie Ihren Speer nun nicht mehr. Verflixt.

Und auch an den Märkten sind diese emotionalen Bauchentscheidungen, ohne dass es schon eine objektive Bestätigung gibt, fast immer negativ. Es gibt viele Börsenregeln die sich damit befassen, so zum Beispiel "Greife nie in ein fallendes Messer". Am Ende geht es aber immer darum, sich nicht gegen den Markt zu stellen. Sich nicht gegen den Markt zu stellen bedeutet aber keinesfalls, das man nun unaufmerksam werden dürfte und ein "Knacksen" einfach ignorieren kann, weil es ja vermeintlich sowieso immer gleich weiter geht.

Auch in der Gegenrichtung haben wir doch aktuell so einen Fall. Den DAX und die meisten Indizes generell. Der DAX befindet sich in einem gewaltigen, bullischen Schub, einer Trendbeschleungigung oder auch "Runaway-Move" genannt.

Jochen Steffens hat diese aktuell unter der Überschrift richtig dargestellt. Und auch die Konsequenzen richtig dargestellt. Wir müssen mit dem Trend mitgehen und dabei bleiben, so lange er dauert. Das ist unser Handeln. Und wir müssen trotzdem sehr aufmerksam sein und darauf achten, ob der Trend bricht. Denn wenn so ein "Runaway-Move" mal endet, tut er das oft mit Karacho und einem üblen Einbruch, der typischerweise am Ende einer Überdehnung steht. Das ist unsere Vorsicht.

Ich verwende hier auch gerne die Metapher des Gummibandes, die das Prinzip anschaulich macht. Je stärker man ein Gummiband in eine Richtung dehnt, desto stärker und aggressiver schnappt es irgendwann zurück. Das ist die "Mean Reversion". So funktioniert der Markt. Nur wissen wir nie, wann das Gummiband schnappt und es lässt sich oft stärker dehnen, als wir uns alle vorstellen können.

Lassen Sie uns also mit dem Trend handeln, aber jederzeit mit Aufmerksamkeit ein Ende des Trends als Möglichkeit erachten. Lassen Sie uns handeln und gleichzeitig vorsichtig sein. Das ist der richtige Weg.

Wir sollten lernen zu erkennen, wenn uns unser Bauch - wieder aus Angst etwas zu verpassen - ein Handeln aufzwingen will, das objektiv noch gar keine Grundlage hat.

Und wir sollten deshalb einen weiten Bogen um alle medialen Ergüsse machen, die uns mit grosser Bugwelle irgendwelche Prognosen verkaufen wollen, wie die Zukunft sein wird. Keiner kennt die Zukunft, selbst die Deutsche Bank nicht. 😉 Der Unterscheid zwischen Erfolg und Misserfolg entsteht in der Fähigkeit, die Gegenwart und ihre Implikationen rational zu analysieren.

Wir sollten also dem Aufwärtstrend im DAX weiter folgen, solange er dauert. Und dabei höchst vorsichtig aufpassen, ob wir irgendwo ein "Knacks" im Gebüsch hören. Dann aber nur horchen und abwarten, ob wirklich etwas passiert. Und erst wenn der Trend tatsächlich bricht, wirklich aktiv werden.

Und wir sollten bei Gold das Gegenteil tun. Den Abwärtstrend respektieren, denn der kann das Metall auch noch unter 1.000 USD treiben. Und trotzdem hoch aufmerksam auf jeden "Knacks" im Gebüsch achten. Denn wenn dieser Abwärtstrend mal dreht, wird auch das mit "Karacho" sein und schnell grosse Gewinne generieren.

Vorsicht und Handeln sind nicht das Gleiche ! Denken Sie immer daran ! Und wenn Sie lernen wollen, wie man einen Trendbruch dann auch wirklich erkennt, dann stossen Sie zur sumerdigital Community dazu.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Manipulation im Goldmarkt ? Legende oder Wirklichkeit ?

Derzeit gehen wieder Nachrichten über den Ticker, nach denen nach Libor & Co., nun auch das Fixing des Goldpreises in London auf die Agenda der Aufsichtsbehörden kommt. Lesen Sie zum Beispiel hier:

Ich möchte das zum Anlass nehmen, die Gerüchte um eine "Manipulation" des Goldpreises mal in einem persönlichen Kommentar in den Kontext zu stellen.

Denn ehrlich gesagt, schaue ich auf die Mechanismen des Londoner Fixing, wäre ich persönlich eher erstaunt, wenn da nicht auch ein wenig "geschoben" würde. Bei Libor & Co. haben wir diese Mechanismen ja schon erlebt. Wenn eine kleine Menge von Menschen so viel wirtschaftliche Macht hat, korrumpiert das halt schnell, die Versuchung ist zu gross. Das sagt einem der gesunde Menschenverstand. Beweisen kann ich dergleichen natürlich nicht, das können bestenfalls die Aufsichtsbehörden. Zutiefst menschlich - und damit wahrscheinlich - ist es für mich aber schon.

Allerdings handelt es sich *wenn* etwas dran ist, dabei nach meiner Einschätzung wohl eher um die kleinteilige Manipulation auf der kurzen Zeitebene, mit der der Goldpreis mal schnell so fixiert wird, dass eigene Optionspositionen ideal profitabel aufgelöst werden können.

Mit dem grossen Trend bei Gold - der derzeit abwärts zeigt - hat das aber eher wenig bis nichts zu tun und sollte auch nicht in einen Topf geworfen werden. Auch wenn der Verweis auf "Manipulation", gerne von denen als Rechtfertigung missbraucht wird, die nun schon seit 2 Jahren auf der falschen Seite der Entwicklung beim Goldpreis stehen.

Aber auch bei dem grossen Abwärtstrend bei Gold, gibt es ja immer wieder Indizien, die dafür sprechen, dass sich grosse Marktteilnehmer da den Markt nach ihrem Gusto zurecht legen. Die wirtschaftlich eigentlich unsinnigen, riesigen Verkaufspositionen sprechen da für mich eine deutliche Sprache. Ich hatte ja zuletzt hier auf einen der vielen hingewiesen. Solche grossen Verkaufspositionen machen keinen Sinn, wenn man einen guten Preis beim Verkauf erzielen will. Dann würde jeder vernünftige Mensch stückeln. Solche grossen Verkaufspositionen machen aber Sinn, wenn man den Kurs in eine bestimmte Richtung drücken will.

Ich mag dafür den Begriff „Manipulation“ aber gar nicht, der zu gerne als Entschuldigung missbraucht wird, wenn man permanent neben dem Markt liegt. Denn so kann man eigenes Versagen auf "dunkle Mächte" abschieben. Wenn derzeit grosse Marktteilnehmer so viel Feuerkraft haben, dass sie den Markt nach ihrem Gusto hin und her bewegen können, ist das erst einmal keine „Manipulation“, sondern legales Marktgebahren um Profite zu generieren. Und weil sie es können, werden sie es auch tun.

Die Kernfrage ist eher: warum ist das legal ? Denn das hat mit dem „too big to fail“ der Grossbanken zu tun. Und die gehören in meinen Augen zerschlagen, darüber habe ich ja oft genug geschrieben, zuletzt hier: -> Währungsmanipulation - Zerschlagt endlich Deutsche Bank & Co. <-

Es wäre zwingende Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass sich keine derartigen oligopolartigen Strukturen im Markt bilden können. Und dabei versagt die Politik.

Insofern sind die Aktivitäten des „Big Money“ im Goldmarkt nach meinem Eindruck keine „Manipulation“, "Big Money" schöpft vielmehr einfach seine Marktmacht aus - eine Marktmacht, die ihm die Politik gewährt. Und da liegt das Problem !

Im übrigen ist es auch etwas billig „Manipulation“ zu schreien, wenn die Kurse gegen einen abwärts laufen, aber von einem "fundamentalen Goldbullen" zu reden, wenn es nach oben geht. Denn diese Mechanismen wirken in beide Richtungen. Wenn es „Big Money“ opportun erscheint, wieder auf steigende Goldpreise zu setzen, werden wir die gleichen Einschläge grosser Orders an der Comex in die Gegenrichtung, also nach oben, erleben. Und die sind dann genau so „Manipulation“, wie das, was wir aktuell erleben.

Es stimmt also mit hoher Wahrscheinlichkeit, der Goldmarkt ist sozusagen „manipuliert“, wenn man den Begriff im Sinne "in der Hand grosser Marktteilnehmer" einsetzen will. Aber nach meinem Eindruck nicht im Sinne „böser Mächte“, die den „lieben Gold-Bullen“ töten wollen. Die „Big Boys“ wollen einfach Kohle machen und sind da ganz opportunistisch. Das wahre Problem ist, dass man Marktmacht überhaupt zulässt, die durch ihr schieres Gewicht die Bildung freier Marktpreise ausser Kraft setzen kann. Und wenn man so will, kann man das „Manipulation“ nennen, obwohl mir der Begriff dafür nicht gefällt.

Zum Abschluss noch ein Wort zu den immer wieder aufflackernden Gerüchten, die Notenbanken hätten am Goldmarkt ihre Hände im Spiel.

Sicher sind die Notenbanken am Goldmarkt auch Marktteilnehmer, sie kaufen und verkaufen ja Goldbestände im grossen Stil. Und sicher hätten die Staaten und Notenbanken am Ende auch ein Problem damit, wenn der Goldpreis so hoch schiessen würde, dass ihr Papiergeld in seiner Wertlosigkeit für jeden offenbar wird. Und wenn das so weit kommt, wird da garantiert auch gegengesteuert, zum Beispiel mit Handelsbeschränkungen beim Goldhandel oder dem generellen Verbot des privaten Besitzes. Das gab es ja alles schon und wird - wenn nötig - auch wieder kommen. Aber von dem Punkt sind wir noch deutlich entfernt und ob der Goldkurs nun derzeit 1500 oder 1300 USD ist, interessiert FED & Co. nach meiner Einschätzung eher wenig. Für die „Big Boys“ generiert so eine Bewegung aber riesige Gewinne. Und deshalb werden diese Bewegungen ausgeschöpft.

Solange also die Politik "Big Money" gewähren lässt - in den US wurde ja gerade die erneut verschoben, die da deutliche Einschränkungen bewirken würde - solange müssen wir damit leben, dass die Marktpreise vor allem bei wenigen grossen Markt-Elefanten "gemacht" werden. Und je kleiner ein Markt ist, desto stärker ist deren Einfluss. Und der Goldhandel an der Comex ist im Vergleich zu den Aktien-, Renten- oder Devisen-Märkten vergleichsweise klein und damit anfällig.

Wenn wir uns auf dieses Spiel nicht einlassen wollen, sollten wir konsequent solchen Märkten wie dem Goldmarkt fern bleiben und Gold bestenfalls physisch halten. Wenn wir das Spiel aber spielen wollen, müssen wir vor allem darauf schauen, was das "Big Money" tatsächlich tut und diesem folgen. Eine andere Wahl haben wir nicht.

Und um einen Bezug zur Aktualität herzustellen, finde ich es deshalb hoch interessant, dass wir gestern im grossen Gold ETF "GLD" den grössten "Buying on Weakness" Print seit langer, langer Zeit hatten. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und "the trend is your friend - until it ends". Aber übersehen sollten wir solche Fussstapfen des "Big Money" auch nicht, denn diesem aufmerksam zu folgen, macht an den Märkten den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Das erstaunliche Reversal bei Gold und den Goldminen – XAUUSD wieder über 1250 USD

Es gibt zwei Arten, auf die Mr. Market besonders gerne einen Boden und eine nachfolgende Wende generiert.

Die eine ist sozusagen "mit Karacho". Typischerweise an einem lange vorher medial aufgeblasenen Tag, an dem alle Welt angespannt auf die Kurse starrt, weil ein wichtiger Katalysator ansteht. Nervös haben dann alle den Griff zum Notausgang in der Hand und starren auf eine wichtige Marke. Dann taucht der Kurs unter diese Marke und löst eine Kaskade von Stops aus. Artikel erscheinen, die das Ende von XYZ erklären und alles schaut unter grosser medialer Aufmerksamkeit nur in eine Richtung. Und in diesem Moment dreht der Kurs, erobert die wichtige Marke wieder und beginnt weiter zu steigen. In Folge schaut der Kurs nie wieder zurück und lässt fast den gesamten Markt auf dem falschen Fuss hinter sich. Der Weg des maximalen Schmerzes oder auch "Bärenfalle" genannt.

Und dann gibt es diese anderen, leisen Momente. Wenn keiner mehr hinschaut, weil alle aufgegeben haben und keiner sich mit diesem Asset mehr abgeben will. Ideal an einem nachrichtenlosen Tag, wo sowieso die Hälfte der Marktteilnehmer nicht am Desk sitzt. In diesem Moment beginnt der Kurs ganz still, leise und heimlich in eine unerwartete Richtung zu kriechen. Und man sucht nach einem Katalysator dafür, findet aber keinen. Das sind die Momente, in denen eine lang andauernde Bewegung manchmal ihr Momentum aufgebraucht hat. Und der Boden ist für ein "Reversal aus dem Nichts" bereitet, das der breite Markt erst wieder viel später wahrnehmen wird.

Sie wissen als Premium-Mitglieder, dass mir schon gestern Abend dieses Intraday-Reversal bei Gold - und später auch bei den Minen - ins Auge gesprungen ist. Und ich mich gefragt habe, was da los ist.

Nun, heute morgen bin ich vielleicht etwas klüger.

Denn eine Nachricht, die das ausgelöst haben könnte, kann ich auch heute morgen nicht erkennen. Dafür hatte ich aber gestern übersehen, das gestern wohl Options Expiration (OPEX) für die Gold Futures war. Um so interessanter war diese Wende, denn nach der OPEX, begannen die Kurse wieder nach oben zu kriechen. Die nahe liegende Erklärung ist, dass sich der Druck von "Big Money" nach unten nun langsam aufgebraucht hat. Sobald der Druck vom Markt genommen wird, kriecht er wieder nach oben. Und wenn das so wäre, wäre das eine sehr bemerkenswerte Entwicklung !

Schauen wir auf das Tageschart, sehen wir im blauen Kreis sehr deutlich die Struktur eines Reversals:

XAUUSD 26.11.13

Wie geht es nun weiter ? Nun, da wir alle keine Glaskugel haben, ist die Zukunft unbestimmt. Aber trotzdem sagt uns diese Struktur eine Menge und wir müssen nun genau aufpassen, was heute und morgen passiert, dann sind wir erheblich schlauer.

Im Szenario (1) war das gestern einfach eine unbedeutende "Post-OPEX" Anomalie und es geht heute und morgen weiter runter. In Anbetracht der klaren Reversal-Struktur, ist das in meinen Augen zwar möglich, aber nicht zwingend das wahrscheinlichste Szenario.

Im Szenario (2) werden wir heute oder morgen einen weiteren Schub weg von der 1250er Marke bei Gold - und damit XAUUSD - sehen. Das wäre dann eine klare Bestätigung eines temporären Bodens und würde den Weg bis zur Trendlinie in der Nähe der 1300er Marke freimachen.

Da aber der übergeordnete Abwärtstrend voll intakt ist, wäre das dann einfach nur eine Gegenbewegung im Abwärtstrend und danach geht es endgültig nach unten. Nach heutiger Datenlage, erscheint mir das als das wahrscheinlichste Szenario.

Ja und dann haben wir da noch das "Undenkbare" - das Szenario (3). Ein Szenario, nach dem sich nun still, leise und heimlich der Abwärtsdruck abgebaut hat und wir ein bedeutendes Tief gesehen haben. Und vor allem ein höheres Tief als am 28.06.

Zum heutigen Zeitpunkt kann man seriös darauf nicht wetten. Aber im Auge behalten sollten wir es, denn eine nachhaltige Bewegung über 1300 USD, hebt dieses Szenario ins Rampenlicht. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Abwärtsdruck still, leise und heimlich aufbraucht. Und das Sentiment im Sektor passt ja dazu. Alle haben nun aufgeben, auch die härtesten Goldbugs haben Zweifel und stehen in der Mehrzahl an der Seitenlinie.

Insofern lassen Sie uns nun genau hinschauen, der Markt wird uns heute und morgen viel dazu sagen, ob wir hier ein ernst zu nehmendes, zumindest temporäres Tief erlebt haben, oder eben nicht. Wenn dieses Tief bedeutend sein soll, muss heute oder morgen ein impulsiver Schub nach oben folgen. Ohne diesen Schub war gestern einfach eine Anomalie.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Starker Dollar, schwacher Euro – Gold mit Blick zur 1000 USD Marke

Wie erwartet, haben die gestrigen FOMC Minutes - die Protokolle der letzten FED Sitzung von Ende Oktober - als Katalysator gewirkt und Bewegungen in Gang gesetzt, die das Potential haben, über den Tag hinaus Trends zu begründen.

Während in den breiten Indizes das Urteil noch aussteht und es gut vorstellbar ist, dass die Märkte auch die erneuten Sorgen um ein Tapering verdauen und Anfang Dezember noch einmal zur Jahresendrally antreten, ist die Lage bei der Weltleitwährung Dollar, sowie damit in Korrelation stehenden Assets wie Gold und Öl, viel klarer.

Der Dollar scheint eine Phase neuer Stärke einzuläuten, die man in diversen Charts schon vorher antizipieren konnte und wir haben diese Entwicklung im Premium-Bereich auch schon gestern vorweg genommen. Zum Beispiel im Verhältnis Euro zu Dollar sieht man schön, wie der Euro aus einer deutlich sichtbaren Bärenflagge nun nach unten weggebrochen ist:

EURUSD 21.11.13

Diese Bewegung hat das Potential, den Ton der Märkte bis zum Jahresende zu bestimmen. Das ist ja auch kein Wunder, während die FED über ein Tapering - also eine Rückführung des Stimulus - zumindest nachdenkt, hat die EZB eine Verschärfung der geldpolitischen Massnahmen im Blick, wie zum Beispiel Negativzinsen. Ich sehe die Disparität zwischen einer EZB mit geldpolitischem Nachholbedarf und einer FED, die zumindest über eine Abbremsung diskutiert, eher nicht kurzfristig verschwinden. Weswegen eine Short-Position auf EURUSD, über den Tag hinaus Chancen beinhalten könnte. Gleiches gilt für eine Shortposition auf JPYUSD, also den japanischen Yen versus den Dollar.

Wichtiges passierte in Folge der FOMC Minutes gestern auch bei Gold. Auch diese Entwicklung haben wir schon gestern im Premium-Bereich vorweg genommen, denn die anämische Schwäche von Gold war offensichtlich. Und auch gestern gab es wieder einen , weil eine zu grosse Position auf einen Schlag abgeladen wurde. Die Versuche grosser Marktteilnehmer, den Kurs nach unten zu pressen, dauern also eindeutig an.

In dem Gold gestern das Tief vom 15.10. bei 1251 USD hinter sich gelassen hat, weist die Tendenz nun unzweideutig nach unten. Eine Chance besteht noch, dass das bedeutende Tief vom 28.06. bei 1180 USD hält, allerdings muss man mehr und mehr den Eindruck bekommen, dass Gold noch "unfinished Business" nach unten hat.

Gold 21.11.13

So lange der spekulative Druck an der Comex von grossen Marktteilnehmern erhalten bleibt, sind alle Gegenbewegungen im Sinne Trendfolge zu verkaufen, der übergeordnete Abwärtstrend ist voll intakt. Und genau hier kommt die runde Marke 1000 USD ins Spiel. Es wird zunehmend wahrscheinlich, dass der Markt diese Marke einfach sehen will, die wahrscheinlich auch für die Shorties dann Katalysator wäre zu covern, und den aggressiven Druck auf den Goldpreis einzustellen.

Ich kann auch an dieser Stelle wieder nur gebetsmühlenartig wiederholen: was Sie persönlich glauben oder für fundamental richtig halten, ist ohne Belang für den Markt. Vergessen Sie das nie ! Alles was zählt sind die Kurse die aufgerufen werden, nur die bewegen Ihr Depot.

Vielleicht haben die Gold-Bugs sogar Recht und irgendwann - wenn die Gross-Banken anfangen, die aufgestaute Liquidität in die Realwirtschaft als Kredite auszugeben - wird nicht nur die Asset-Inflation (die schon da ist), sondern auch die Inflation der Warenkörbe massiv anziehen. Die Renditen am Anleihenmarkt werden dann trotz Interventionen der Notenbanken weiter steigen. Als Folge können die Staaten ihre aufgeblasenen Schuldenberge nicht mehr bedienen und der grosse Knall mit dem grossen Reset des Währungssystems kommt, mit Goldpreisen oberhalb 3000 USD - falls ein freie Kutellung bei Gold dann überhaupt noch zugelassen wird, denn auch den Verbot des privaten Besitzes von Gold hatten wir historisch schon.

Vielleicht ist das irgendwann mal so. Vielleicht auch nicht. Aber Gold kann trotzdem vorher noch unter 1000 USD fallen. Es wäre sogar typisch für den fiesen Mr. Market, genau das zu tun und alle noch abzuschütteln, bevor die grosse Rally kommt. Denken Sie also unbedingt an das "Hier und Jetzt", nur das ist real, nicht die Spekulationen, Wünsche und Prognosen. Und im "Hier und Jetzt" zeigt der Trend bei Gold unzweideutig nach unten. Und das sollte man im Depot respektieren. Der Rest sind feuchte Träume.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Silber und Hecla Mining – kann man diesem Braten trauen ?

Der Edelmetallsektor befindet sich aktuell im Ungewissen. Einerseits deutlich über den Tiefs von Ende Juni und grosser Abwärtsdruck ist aktuell nicht mehr zu verspüren. Andererseits aber ohne sichtbare Kraft nach oben. Wenn man so will, hängen die Edelmetalle derzeit schlaff in den Seilen. Man könnte auch sagen, zwischen "Baum und Borke". 😉

Gleichzeitig ist für den aufmerksamen Beobachter offensichtlich, dass bei den Edelmetallen grosse Markt-Adressen ihre Spielchen treiben. Anders sind die teilweise aberwitzigen Ordergrössen nicht zu erklären, die den Markt dann mal eben nach unten pressen.

Mit gesunder Preisfindung zwischen Angebot und Nachfrage, hat das insbesondere im Goldpreis nicht mehr viel zu tun. Die reale Nachfrage nach physischem Gold - insbesondere aus Asien - und die Preise an der Comex, scheinen aktuell aus zwei getrennten Welten zu kommen.

All das spricht für Privatanleger dafür, aktuell die Finger von den Edelmetallen zu lassen, soweit es um Trading und kurzfristige Spekulation geht. In so einer Situation ist man eher Fischfutter für die grossen Haie im Markt, die den Preis mal eben von rechts nach links schieben können. Man wartet dann besser ab, bis der Markt wieder eine klare Richtung zeigt, die auch vom "Big Money" unterstützt wird. Mit dem Kauf von physischem Gold hat diese Aussage natürlich nichts zu tun, das macht man auch aus ganz anderen Motivationen heraus, als die kurzfristige Spekulation auf den Goldpreis an der Comex. Aber aus spekulativer Sicht, sind die Edelmetalle aktuell eher indifferent und daher uninteressant.

Wenn, ja wenn, da nicht Silber wäre. Silber ist so etwas wie ein Zwitter. Einerseits Ersatzwährung wie Gold, Grundlage für Münzen und Schmuck und insofern in enger Korrelation zu Gold. Andererseits aber auch Industriemetall mit echtem Verbrauch. Während das Gold der Welt so gut wie nicht verbraucht wird, besitzt Silber echten "Verbrauch" aus den industriellen Anwendungen heraus.

Und so wird auch der Preis aus zwei Einflusssphären heraus hin und her geworfen. Einerseits schwingt Silber mit Gold und hat daher seit 2011 eine Phase der Schwäche. Anderseits scheint die industrielle Konjunktur weltweit wieder anzuziehen, was man auch an den Lebenszeichen anderer Rohstoffe erkennen kann. Und wenn die industrielle Konjunktur wieder ans Laufen kommt, dürfte das den Silberpreis deutlich stützen.

Schauen wir auf das Chart von Silber in US Dollar mit Tageskerzen (XAGUSD), sehen wir eine interessante Strukur, aus der eine Wende werden könnte. Nicht muss, aber könnte:

Silber 21.10.13

Ich habe bewusst auf der linken Seite keine Schulter eingezeichnet, weil das wäre etwas weit hergeholt. Eine Umkehrformation, die dem Charakter einer inversen Schulter-Kopf-Schulter Formation gegenüber Ähnlichkeiten hat, deutet sich aber an. Und zuletzt hat Silber oberhalb 20 USD immer wieder Unterstützung gefunden.

Wichtig ist hier wieder die angedeutete Nackenlinie, die wohl - je nachdem wie man sie zeichnet und sich der Silberpreis weiter entwickelt - im Bereich 24-25 USD liegen wird. Wenn diese Nackenlinie erreicht und durchschlagen würde, würde sich das Bild weit positiver darstellen und dann müsste man Silber auch wieder intensiv auf den Radar nehmen. Ein Durschlagen der Nackenlinie würde im übrigen bei Silber auch die 200-Tage-Linie zurück erobern.

Treue Leser wissen ja, dass im Edelmetallbereich die Minen gerne mal ein paar Tage dem Edelmetall selber voraus laufen und insofern frühzeitige Signale senden. Schauen wir daher doch mal auf meinen - aus Substanzgründen - langfristigen Favoriten im Sektor der Silberminen: Hecla Mining (WKN: 854693, HL). Hier zeige ich Ihnen das langfristige Chart mit Wochenkerzen seit 2010:

Hecla 21.10.13

Auch bei Hecla sehen wir einen bestätigten Abwärtstrend der respektiert werden will. Und dieser Abwärtstrend ist nicht gebrochen, für übergrosse Euphorie gibt es also keinen Anlass.

Aber ... auf der Habenseite sehen wir eine mustergültig abgelaufene Korrektur mit 1-2-3 Struktur. Und wir sehen, weit deutlicher als bei Silber selber, eine potentielle, inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation.

Aber auch diese ist nicht mehr als eine potentielle Struktur. Eine Möglichkeit. Relevant und aktiv würde sie erst, wenn die Nackenlinie aktiviert würde, die hier bei ca. 4 USD liegen dürfte.

Fazit:

Es könnte sein, dass Silber sich in einer Bodenbildung befindet. Die weltweiten konjunkturellen Pflänzchen unterstützen diese Möglichkeit ebenso, wie die Chartstrukturen, die eine Umkehrformation in den Bereich des Möglichen bringen.

Aber es ist noch zu früh, eine Wende auszurufen und "es könnte sein", ist nicht mehr als eine Möglichkeit und noch keine vollzogene Wende. Noch dominiert klar der übergeordnete Abwärtstrend. Die angedeuteten Nackenlinie der möglichen Umkehrformationen kann man aber trotzdem im Auge behalten. Sollten diese ausgelöst werden, ist Silber dann wirklich einen Blick wert und in allen Charts dürfte dann eine klare Umkehrstruktur sichtbar sein.

Bis dahin lautet das Motto aber eher: abwarten und beobachten. Insbesondere auch den Dollarkurs, denn der hat auf Gold und Silber grosse Auswirkungen.

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Gold und Dollar in unerwarteter Richtung

11:00 Uhr. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie es der Markt schafft, genau das zu tun, was die Wenigsten erwarten.

Es ist aber auch logisch, dass es so sein muss, denn in Richtung der erwarteten Bewegung sind ja alle schon positioniert und insofern können sich auf diesem Pfad nur noch schwerlich neue Käufer finden. Das ist die verflixte Reflexivität der Märkte, Märkte die letztlich nur die Spiegelbilder unserer Wünsche, Hoffnungen und Ängste sind. Und deswegen kämpfen wir auch letztlich gegen uns selber, wenn wir gegen den Markt ankämpfen.

Nun haben wir wieder neues Anschauungsmaterial für diese unheimliche Fähigkeit des Marktes. Gestern ist endlich das Debt Limit vom Radar verschwunden und nun kann der Markt uns seine neuen Karten zeigen. Er muss sich nun entscheiden, wie es zum Jahresende weiter geht und ob er nun in bestimmten Sektoren eine fundamentale Wende vollzieht.

Vor der Debt Limit Diskussion war die Überlegung logisch, dass der Dollar durch die Unsicherheit geschwächt wird - wir konnte das ja im EURUSD Kurs schön beobachten - und gleichzeitig Gold eine temporäre Stütze erfährt, weil Gold das ultimative Krisenmetall ist - inbesondere wenn die Weltleitwährung ein strukturelles Problem hat. Nach der strukturellen Lösung dieser Debt Limit Belastung, sollte sich diese Korrelation dann wieder umdrehen. Und da Gold selbst mit dieser Stütze nicht richtig vom Fleck kam, war es logisch anzunehmen, dass sich danach der Absturz fortsetzt.

So habe auch ich lange gedacht und das hier kommuniziert, denn das ist logisch. Allerdings weiss ich auch, dass letztlich der Preis der ultimative Richter ist und ich kenne die Fähigkeit des Marktes gut, das Unerwartete zu tun. Und mir war klar, dass das Sentiment in Gold so schlecht ist wie lange nicht, selbst die Gold-Bugs zweifeln und es scheint, als ob sich der ganze Markt in eine Richtung lehnt. Was aufgrund der Reflexivität impliziert, dass diese Richtung nicht mehr eintreten kann - zumindest nicht sofort, wenn alle damit rechnen.

So habe ich schon gestern die positive Bewegung und die sich aufbauende inverse Schulter-Kopf Formation bei Gold bemerkt und in Hari Live kommunziert. Auch die Schwäche des Dollar habe ich heute früh bemerkt und alle "Long Dollar" Wetten sofort glattgestellt.

Und nun schauen Sie mal im Chart mit Stundenkerzen, was Gold gemacht hat:

Gold 17.10.13

Diese Bewegung ist keineswegs irrational. Denn machen Sie sich bitte klar, dass die "Long Dollar nach Lösung" Logik von einem Szenario ausging, in dem eine saubere Lösung für das Debt Limit gefunden wird. Das ist aber nicht der Fall, die Blechkanne wurde erneut nur wieder etwas die Strasse herunter gekickt. Und die "Short Gold" Logik ging davon aus, dass das Tapering zwar aufgeschoben ist, aber nun bald kommen wird. Auch das scheint nun aber nicht der Fall, zu gross ist der konjukturelle Schaden durch die politische Schlacht in Washington. Und zu guter Letzt hat die Herabstufung der USA durch die chinesische Ratingagentur hier möglicherweise als Katalysator mitgewirkt.

Ich sage ja immer, wir sollen auf den Markt hören und ihm folgen. Und Mr. Market sucht nun gerade die neue Richtung. Die sichtbare Bewegung entspricht einer neuen Interpretation des Marktes und die lautet so:

1. Tapering wird es in 2013 nicht geben. Frühestens 2014 wenn überhaupt.
2. Eher wird durch die FED beim Stimulus nachgelegt, weil die Konjunktur nicht vom Fleck kommt.
3. Der politische Gridlock in Washington bleibt bestehen und der nächste Kampf um den Jahreswechsel wird noch giftiger ausfallen.

In Summe setzt der Markt also auf noch mehr Droge, noch mehr Stimulus, noch mehr von allem, was letztlich die Währung entwertet. Der "Race to the bottom" ist in vollem Gange.

Das scheint das Bild der Marktteilnehmer zu sein, die jetzt Gold hochkaufen und den Dollar verkaufen. Ob die sich damit durchsetzen, müssen wir sehen. Das sind nur die ersten Bewegungen und es dauert wohl ein paar Tage, bis sich die neue Richtung etabliert und am Markt durchgesetzt hat. Und die ersten Bewegungen weisen nicht immer in die richtige Richtung.

Insofern können diese Bewegungen durchaus eine Eintagesfliege sein, die sofort negiert wird, sobald die Marktelefanten heute Nachmittag das Spielfeld betreten. Aber trotzdem sollten wir diese Bewegungen erst nehmen. Es sind die ersten Vorboten der Neuorientierung des Marktes nach dem Debt Limit Chaos.

Und zum Jahresende werden wir nur dann Geld verdienen können, wenn wir diese Neuorientierung schnell verstehen und unsere Aufstellung gedanklich flexibel danach ausrichten. Gegen den Markt kann man kein Geld verdienen, die Strassen im südlichen Manhattan sind gepflastert mit den Leichen von Leuten, die klüger als der Markt sein wollten.

Hier im Premium Bereich will ich Ihr Guide sein, diese neuen Trends frühzeitig zu erkennen und profitabel daran teil zu haben.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***