Marktupdate – 09.04.12 – Ostermontag

22 Uhr - Handelschluss

Ein ganz kurzes Update zum heutigen Geschehen an der Wallstreet.

Tja, was war das heute nun für ein Tag ?

War das heute ein Zeichen von Stärke, weil der Markt von den ca. 1380 im S&P 500 ausgehend, die er schon Freitag im Future hatte, nicht weiter abgegeben hat ?

Oder war das heute ein Zeichen von Schwäche, weil dem Markt nach einem kurzen Rallyversuch bei 1387 die Puste ausging und er wieder Richtung 1380 fiel ?

Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Das war ein komischer, überraschend ruhiger Tag an der Wallstreet. Ein Tag an dem Mr. Market nicht so richtig wusste wohin er wollte. Für Shorts war es ihm wohl zu spät. Und für Longs reichte der Mut nicht. So zappelte der S&P 500 zwischen 1378 und 1387 hin und her.

Und ich kann Ihnen nicht sagen was Morgen an der Wallstreet passiert. Das der DAX Morgen früh zunächst unter 6700 läuft ist aber wohl zu erwarten. Aber wie es dann weitergeht ist die grosse Frage. Wenn man keinen Edge in eine Richtung hat, bleibt einem nur abwarten.

Ich werde in der Zone 6600-6650 im DAX Morgen wohl ein paar kleine Käufe tätigen, wohl wissend, dass auch 6400 bald möglich sind.

Gold war heute recht stark, ebenso wie die Goldminen. Dabei bestand wohl kein Zusammenhang zur Marktschwäche, sondern es dürfte vielmehr die Reaktion auf die steigenden Inflationszahlen in China gewesen sein. Ich sehe aber keinen Grund da mehr hinein zu interpretieren.

Morgen nach Börsenschluss eröffnet dann Alcoa die Berichtssaison, es bleibt spannend.

Und Morgen gíbt es hier dann auch wieder mehr zu lesen, bis dann - schlafen Sie gut !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 26.03.12 – Tesla Motors hebt ab, Gold gibt Kaufsignal

22 Uhr - Handelsschluss

Es ist doch einfach schön und befriedigend, wenn der Markt exakt macht, was man erwartet hat und heute war so ein Tag. Gab es am Anfang noch ein kleines Spiel um die 7000er Marke im DAX, setzten sich mit der näher kommenden Eröffnung der Wallstreet nachhaltig die Bullen durch und brachten uns erneut nahe an 7100 heran. Im Future im späten Handel sind wir nun sogar schon über 7100. Auch der S&P500 markierte mit 1416 neue Höchststände in der Aufwärtsbewegung.

Damit hat sich auch der immense "Buying on Weekness" Tag von letztem Donnerstag als richtiges Signal bestätigt. "Big Money" hat sich uns kleine Anleger am letzten Freitag also tatsächlich zurecht gelegt und so gute Einstiegskurse gefunden.

Technisch gesehen hat der S&P500 mit dem heutigen Schlussstand die Grundlage für eine bullishe Cup&Handle Formation gelegt, deren Kursziel bei 1441 liegen würde. Das wären 2% höher als heute, im Dax also ein Wert über 7200. Wenn die Algos weiter so berechenbar agieren wie zuletzt, kann es gut sein, dass wir dieses Ziel von 1441 im S&P500 schon bald auf den Punkt erleben werden.

Der (angenehme) Seiteneffekt so eines Tages ist, es gibt nichts, was man Neues sagen müsste. Insofern habe ich heute zu meinen Aussagen des letzten Reports von Freitag nichts hinzufügen. Lesen Sie im Zweifel noch einmal -> hier <-. Ich versuche von dieser Bewegung nach oben nun so viel mitzunehmen wie ich kann.

Erfreulich war für mich heute auch, wie sich meine Favoriten Continental (WKN 543900), Daimler (WKN 710000) und Rheinmetall (WKN 703000) entwickelten, die heute alle um die 3% zulegten und damit klar stärker als der Markt waren. Es bestätigt sich erneut, dass man bei fundamental gut dastehenden Unternehmen, die sich in einer Aufwärtsbewegung befinden, einen Dip konsequent kaufen sollte. Und Kurse unter 45€ bei Daimler oder unter 43€ bei Rheinmetall waren einfach Kaufkurse.

An die -> hier <- ausführlich vorgestellte Tesla Motors (WKN A1CX3T) möchte ich noch einmal erinnern. Zum Produktionsstart des Model S gab es gute Nachrichten, weil Analysten von "Wunderlich Securities" vor Ort in der Nähe der Produktionshallen waren und als Folge das Kursziel von Tesla von 30 auf 49! USD angehoben haben. Ergebnis war heute ein Kuteigerung um ca. 10%, so dass Tesla seit der Vorstellung hier nun schon ca. 20% zugelegt hat. Einen Kurzbericht zum Thema können Sie bei Barron´s nachlesen.


Source:

Die Kernfrage bei Tesla ist, ob der Produktionsstart des Model S gelingt, des ersten Modells, das Tesla komplett in eigener Verantwortung in Serie produziert. Der Markt war da bisher noch sehr skeptisch, weswegen es Tesla bisher noch nicht gelungen war, sich von den alten Höchstständen aus November 2010 zu lösen, obwohl das Unternehmen heute fundamental viel weiter ist.

Hier liegt aber auch genau die Chance. Denn sollte der Produktionsstart gelingen, dürfte bei Tesla eine komplette Neubewertung der Aktie anstehen. Denn dann ist Tesla ein vollwertiger Autobauer mit eigener Produktion und ich rechne für den Fall mit jeder Menge Phantasie, die dann in den Titel eingepreist wird. Die von Wunderlich genannten knapp 50 USD kann auch ich mir dann sehr gut vorstellen ! Der heutige Tag mit 10% Plus hat einen ersten Vorgeschmack einer derartigen Neubewertung gegeben, alles hängt nun von der operativen Entwicklung beim Produktionsanlauf ab.

Diese Aktie ist also komplett durch Unternehmensnachrichten getrieben, charttechnische Betrachtungen machen in meinen Augen hier wenig Sinn. Ich bin mit einer kleinen "Fun-Position" Long bei Tesla, weil ich an dieser spannenden Story einfach teil haben will, egal wohin sie mich führt. Denn ich glaube an die unternehmerischen Fähigkeiten von Elon Musk und bei derartigen Newcomern in etablierten Märkten kommt es halt entscheidend auf die Fähigkeiten des Managements an.

Gold stieg heute dynamisch über 1670 USD, erreichte 1692 USD und bestätigte damit deutlich die Bewegung, die ich letzten Freitag schon identifiziert und hier kommuniziert hatte. Damit hat Gold ein kurzfristiges Kaufsignal gegeben. Das Feuerzeug an der Lunte war wohl mal wieder der "Meister des Helikoptergeldes" Ben Bernanke, mit einer Rede, die Mr. Market als einen versteckten Hinweis auf ein QE3 gedeutet hat. Wer daran interessiert ist, kann die Rede nachlesen.

Trotzdem würde ich in die Bewegung des Goldpreises noch nicht zu viel hinein interpretieren. Diese Bewegung ist gut, um wieder in den Bereich oberhalb 1700 USD vorzustossen. Um ein ganz klares mittelfristiges Kaufsignal zu geben, müsste Gold aber über 1800 USD steigen, wo die Nackenlinie einer möglichen inversen Schulter-Kopf-Schulter Formation und die alten Hochs von November 2011 und Februar 2012 liegen.

Ich bin noch skeptisch, ob Gold das kurzfristig gelingt und ich bin auch von der inversen SKS Formation nicht völlig überzeugt, da die linke Schulter für mich keine war, wenn man berücksichtigt, dass Gold am 26.09. bis fast 1530 USD gefallen ist. Diese "Fahne" war aber so schmal, dass man sie mit weniger guter Datenversorgung leicht übersieht und von einer weit höheren Wende oberhalb 1600 ausgeht. Ich sehe Gold derzeit eher in einer Seitwärts-Range zwischen 1500 und 1800 - solange bis mich Gold durch einen Ausbruch eines besseren belehrt.

Aber wie auch immer, 1800 USD ist für Gold nun die wichtige Marke, die einen neuen Hub in Richtung Höchststände definieren könnte. Damit es dazu kommt, braucht es aber nach meiner Ansicht eine Eintrübung des positiven Sentiments am Aktienmarkt oder eine neue Runde von Inflations- bzw. Euro-Ängsten. Insofern kann man die aktuelle positive Bewegung nun spielen, sollte aber in meinen Augen nicht zu gierig werden und immer zum Absprung bereit sein, solange wir die 1800 USD nicht nachhaltig hinter uns gelassen haben.

So weit so kurz heute, freuen wir uns, dass ich über keine neuen Katastrophen berichten muss und der Markt nun zum ausgezeichneten Wetter passend, deutlich nach oben schiebt. Und als täglicher Leser von Mr. Market, waren Sie ja in der glücklichen Lage, den heutigen Tag schon vorher antizipieren zu können. Geniessen Sie also mit mir die Reise nach oben, man soll die Feste feiern wie sie fallen ! 😉

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !
Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 23.03.12 – Wochenabschluss – In der Hand der Algos

21 Uhr - Handelsschluss

Was für ein verrückter Tag. Wer am heutigen Tag als "normaler" Anleger versuchte zu verstehen was da los war, konnte nur verzweifeln und konnte nur Geld verlieren. Denn heute war der Markt rein von der Technik getrieben und völlig in der Hand der Algos. Ermöglicht wurde das heute auch durch das geringe Volumen, ideales Jagdrevier für die Algos um den Markt nach ihren Wünschen zu bewegen.

Es ging schon am frühen Morgen los. In der ersten Handelsstunde taten die normalen Anleger das, was in diesem Moment logisch war, nach der Korrektur kauften Sie den Markt über 7000. Und was machten die Institutionellen mit ihren Algos ? Sie verkauften die Bewegung brutal und drückten den Markt herunter bis 6920, verbreiteten bei den normalen Anleger Angst und Schrecken und trieben diese aus ihren Positionen. Nachdem das gelungen war, ging es wieder hoch und wir schwangen uns bei DAX 6960 ein, da wo wir schon gestern gewesen waren. Im Grunde war also gar nichts passiert, nur das die Algos mal eben die Bullen rasiert und danach die Ängstlichen aus dem Markt heraus geschüttelt hatten. Und damit jede Menge Profit gemacht hatten - alles ohne relevante Nachrichten.

Und dann kam die Wallstreet. Und von dem Moment an verlor der DAX wieder jedes Eigenleben und war nur noch das Abbild dessen, was im S&P500 passierte. Der hatte aber noch ein technisches Target aus einer H&S Formation bei 1386 zu schliessen, was er auch punktgenau tat, nur um danach wieder hoch zu laufen. Danach ergab sich eine bullishe Cup&Handle Formation mit Target 1402, was auch den Gap-Fill der gestrigen Handelseröffnung darstellen würde. Ganz geschafft haben wir es nicht mehr, aber mit 1397 schlossen wir nahe dran. Und im DAX schlossen wir nur knapp unter der 7000er Marke und stiegen als Folge des S&P500 im DAX Future dann etwas über 7000 hinaus.

Unglaublich, wie der Markt diese Marken abarbeitet ? Nein, genau das ist die Art wie die Algos programmiert sind. Die technischen Muster werden also durch die Computer verstärkt. Wir haben eine Art selbsterfüllende Prophezeihung klassischer Muster wie Head&Shoulder oder Cup&Handle durch das Handeln der Algos, denen ja eigentlich Emotionen egal sind - schöne neue Welt 😉 Diese Berechenbarkeit ist für uns als (immer noch) intelligentere Menschen eine grosse Chance, allerdings haben diese Muster nur im alles dominierenden Index, dem S&P500, wirklich durchschlagende Wirkung. Ein Muster im DAX steht immer in der Gefahr durch die Entwicklungen an der Wallstreet überrollt zu werden und ist daher nach meiner Erfahrung weit unzuverlässiger zu traden, als die Muster im S&P500.

Und wie ist es mir heute ergangen ? Ich wurde von der Heftigkeit des Abverkaufs heute früh ab 10 Uhr auch überrascht, einen erneuten Taucher unter 7000 hatte ich durchaus auf der Rechnung, nicht aber 6920 im DAX. Dann hatte ich um den Mittag herum ein Phase, wo ich mit dem DAX auch nichts so richtig anfangen konnte und mir sehr unschlüssig war. Ich kenne aber Regel 2 von unten gut und beachte diese und insofern habe ich dann einfach abgewartet. Erst mit dem Beginn der Wallstreet begann das dann alles wieder Sinn zu machen, und das Bild entstand, das ich Ihnen oben geschildert habe und das mich dann auch gut durch den Tag gebracht hat.

Was lernen wir grundsätzlich aus diesem Tag ?

1. Handele wenn Du es vermeiden kannst, nie in der ersten Handelsstunde. Das ist die Zeit der privaten Anleger die hektisch - im Glauben etwas zu verpassen - ihren Emotionen folgen. Die "Big Boys" mit ihren grossen Kanonen steigen erst danach in den Markt ein und machen sich einen profitablen Spass daraus, die Privaten ins Messer laufen zu lassen. Das gilt für DAX wie für S&P500.

2. Wenn Du merkst, dass Du unschlüssig bist und keine klare Richtung erkennst, steh lieber mal auf und mach einen Spaziergang oder leg die Hände unter den Hintern. Versuche aber nie, ins Unklare hinein zu agieren und zu raten - das macht Dich garantiert nur ärmer.

3. Unterschätze niemals die Macht der dunklen Seite ähhh... der Algos - Entschuldigung 😉 Da diese von Menschen programmiert sind, traden diese genau die klassischen Chartmuster und zwar vor allem in den grossen US Indizes.

Und was sagt uns das zur nächsten Woche und zum grossen Bild ?

Für mich spricht einiges dafür, das mein Bild der Quartalsendrally voll intakt ist und "Big Money" sich gestern und heute uns "dumme" Privatanleger so richtig zurecht gelegt hat, um in den Markt einzusteigen und nächste Woche abzusahnen. Es gibt dafür auch ein weiteres Indiz, wir hatten gestern einen gewaltigen "Buying on Weakness" Tag im SPY (ETF des S&P500) - zu besichtigen .

Das bedeutet etwas vereinfacht: Obwohl der SPY gestern deutlich im Minus lag, war das Volumen der Orders bei denen der SPY stieg grösser, als das Volumen der Orders bei denen der SPY fiel. Das ist meistens ein Zeichen dafür, dass "Big Money" in die Abgaben der kleinen Privaten hinein akkumuliert, denn "Big Money" hat einfach die grösseren Geschütze, sprich grössere Einzelorders. Ich habe diese Daten gestern erst am späten Abend gesehen und sie konnten daher nicht mehr in die gestrigen Märkte am Abend einfliessen. Der Indikator ist nicht perfekt und läuft einer Entwicklung auch mal ein paar Tage voraus. Ein derart grosser Wert kommt aber sehr selten vor und ist daher ein deutliches Indiz für die Theorie der Quartalsendrally.

Für mich gibt es also keinen Grund, von der bisherigen Erwartung abzuweichen. Ich rechne weiter eher mit Stärke zum Quartalsende, die sich bin in den Anfang April hinein fortsetzt. Und in diese Stärke hinein will ich bestimmte, gut gelaufene Sektoren mal ernsthaft abbauen und Gewinne mitnehmen.

Wie immer kann alles auch anders kommen, aber das sind die Signale die mir der Markt heute Abend sendet und ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, diesen Signalen konsequent zu folgen. Solange bis andere Signale kommen. 😉

Auch die Einzelaktien wurden heute naturgemäss hin und her geworfen, insofern gibt es nicht viel Neues zu sagen. Viele der in den vergangenen Tagen genannten Werte, waren auch heute bei denen, die selbst bei DAX 6920 noch im Plus waren und relative Stärke zeigten. Ich habe es an meinem Depot gesehen, dass sich im Gegensatz zum Index selbst heute Mittag nicht ins Minus bewegte.

Sie erinnern sich vielleicht in Sachen Veolia (WKN 501451) an meine -> hier <- geäusserte Vermutung, dass sich mit den Wechseln im Management nun der CEO Antoine Frérot endgültig gegen seinen Vorgänger durchgesetzt hat und nun das grosse Aufräumen im Management beginnt ? Leider konnte oder wollte keiner der französisch sprechenden Leser mir zu dieser These direktes Feedback aus der französischen Wirtschafts-Presse liefern - schade ! Nun sehe ich einen Bericht der Börsenzeitung unter der Überschrift . Ich scheine also mit meiner Vermutung genau auf den Punkt richtig gelegen zu haben.

Diese Bestätigung ist für mich sehr bedeutend. Denn das erklärt auch das bisherige, langsame Fortschreiten der Restrukturierung mit Widerständen des alten Managements. Diese Entwicklung ist für den Kurs der Veolia Aktie in meinen Augen eine sehr gute Nachricht, denn nun kann mit zügigen Erfolgen und grösserer Geschwindigkeit bei der Restrukturierung gerechnet rechnen. Ich denke, dass der starke Anstieg der letzten Tage genau durch diese Sicht des Marktes ausgelöst wurde, wir befinden uns mangels französischer Originalquellen hier halt etwas im Blindflug. Der Markt hat das also wohl schon eingepreist, was wir nun endlich begreifen. Veolia ist damit für mich weiterhin ein klarer Kauf mit einem Kursziel von 17,5€ bis Jahresende, das wären gut 40% über dem aktuellen Kurs.

Und eine Entwicklung sollte heute noch erwähnt werden. Gold hatte gestern ein "Swing Low", das heute bestätigt wurde. Sprich es kann sehr gut sein, das wir nun einen Boden im Edelmetallsektor haben. Der Chart des Goldpreises macht das sehr deutlich ! Zur endgültigen Bestätigung sollte Gold am Montag über 1670 USD steigen. Gelingt das am Montag nicht, stände das Signal heute im Zweifel.

Auch die Minen sprangen heute deutlich an. Und das Sentiment für Gold hat sich erheblich eingetrübt und viele haben die Edelmetalle nicht mehr so richtig auf dem Radar. Alles Faktoren, die dafür sprechen, dass wir nun einen kurzfristigen Boden haben oder nicht mehr weit davon entfernt sind. Ich bin im Sektor nun gut investiert und wenn sich dieser Boden nächste Woche bestätigen sollte, werde ich dieser Bewegung auch folgen - sprich der Edelmetallsektor wird von mir Ende März/ Anfang April dann nicht abgebaut, der Nachholbedarf ist einfach zu gross.

Da wir am Sonntag auch auf Sommerzeit umstellen, gelten ab nächster Woche wieder die normalen Handelszeiten für die Wallstreet - Eröffnung um 15.30 Uhr und Schlussglocke um 22 Uhr. Hari´s Märkte am Abend werden entsprechend dann wieder ab 22Uhr erscheinen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 16.03.12 – Wochenabschluss – Kohleaktien in Bewegung

21 Uhr - Handelschluss

Trotz "Quadruple Witching" an der Wallstreet ist heute nicht viel an den Märkten passiert und insofern will ich mich im allgemeinen Marktteil kurz fassen, zumal mein Hals immer noch kratzt und meine Nase läuft 😉

Der "Melt Up" wurde bestätigt, die Bären scheinen mausetot zu sein und bekommen noch nicht einmal mehr 50 DAX Punkte nach unten zustande. Aus Erfahrung weiss ich, wie einen das Einlullen kann und dann kommt doch ein massiver Absturz um die Ecke, wenn man es am wenigsten erwartet. Unmöglich ist wieder immer nichts, für die restlichen zwei Wochen des Quartals ist das aber für mich eher unwahrscheinlich.

Und ich rate ja immer dazu, den Signalen des Marktes zu folgen, statt den eigenen Ängsten und Vermutungen. Und die Signale des Marktes sind derzeit eindeutig wie selten. Der Druck auf die unterinvestierten Marktteilnehmer dem Markt nun nachzuhechten ist so gewaltig, dass ich nun jeden Tag bis zum Quartalsende mit dem Aktienmarkt zufliessendem Kapital rechne. Denn das "Window Dressing" kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit und mit Macht.

Insofern habe ich gestern alles in meinen Augen Notwendige zum Markt gesagt, geniessen Sie die Reise solange sie andauert !

Auch bei den Einzelaktien war der Tag heute eher durchschnittlich, man sollte aber noch einmal feststellen, dass fast alle der hier in den letzten Tagen besprochenen Nachzügler wie erwartet nach oben laufen. Das ist insofern wichtig, als es die Strategie bestätigt nun auf diese Nachzügler zu setzen und die alten Favoriten wie den Automobilsektor temporär aus dem Fokus zu nehmen.

Gehen wir die Aktien doch einmal durch:

Veolia (501451) stieg heute mit über 4% Plus, nachdem eine Reihe von Änderungen im Management bekannt gegeben wurden, die die Umsetzung der geplanten Restrukturierung und Desinvestments beschleunigen sollen. Was ich nun sage, ist nur eine Vermutung aus der Ferne ins Blaue hinein geschossen, für die ich keinerlei Beweis habe, aber der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Machtkampf um die Spitze und diesen deutlichen Änderungen im Top-Management ist für mich schon sehr auffällig.

Für mich besteht die Möglichkeit, dass sich nun der CEO Antoine Frérot endgültig gegen seinen Vorgänger durchgesetzt hat. Ich habe diese Gerüchte um die Fusionsphantasien mit EDF immer für stichhaltig gehalten. Und die laut Presse treibende Kraft, Henri Proglio der jetzige EDF CEO und Vorgänger als Veolia CEO, hatte möglicherweise noch Gefolgsleute im Veolia-Management, die auch möglicherweise die eingeschlagene Desinvestment-Strategie nicht mit Begeisterung getragen haben. Denn was man selber mal als "Held" gekauft hat, will man dann nicht selber wieder verkaufen. Es könnte also sein, dass nun endlich das Grossreinemachen im Management stattgefunden hat und falls das der Hintergrund sein sollte, wäre das sehr positiv für Veolia. Denn gerade bei einer Restrukturierung bremsen alte Seilschaften im Management oft massiv und so kann Veolia nun möglicherweise viel schneller voran kommen. Das wären dann sehr gute Nachrichten für den Kurs der Veolia !

Ich führe meine völlig unqualifizierten Mutmassungen hier nur aus einem Grund so ausführlich aus, weil man an diesem Thema mustergültig das Problem bei Aktien sehen kann, deren Muttersprache man nicht spricht und damit die politische Presse nicht lesen kann. Nicht ohne Grund sind für mich diese Titel wie -> hier <- ausführlich erklärt nur Kategorie C. Ich rate halt notgedrungen bei Veolia nur, weil ich versuche die positive Reaktion des Marktes auf die Management-Wechsel zu erkären. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es dazu in der französischen Wirtschaftspresse Artikel geben wird, die auch den Hintergrund des Management-Revirements bei Veolia beleuchten. Wenn einer der Leser der französischen Sprache mächtig ist, könnte er vielen hier einen grossen Gefallen tun, wenn er die französische Wirtschaftspresse mal nach dem Thema durchforstet und uns hier sein Ergebnis mitteilt ! Bei der weiteren Beurteilung der Veolia wäre das sicher enorm hilfreich.

Lufthansa (WKN 823212) robt sich trotz weiter mieser Nachrichten aus dem Umfeld und von Mitbewerbern wie Air Berlin weiter hoch, für mich sieht das einfach so aus, als ob alle schlechten Nachrichten verarbeitet sind. Sollte jetzt mal eine einzige kleine positive und Hoffnung machende Nachricht kommen, macht der Kurs vielleicht einen Satz. Vergessen Sie aber bei dem Titel den gestern genannten Stop nicht, denn die Grosswetterlage der Carrier sieht wirklich unerfreulich aus !

Ähnliches gilt für die Metro (WKN 725750), gute Nachrichten gibt es nach wie vor nicht und die Aktie fühlt sich ähnlich wie die Lufthansa emotional immer noch ziemlich "Igitt" an, aber der Kurs steigt auch heute um ca. 1,5%, was bedeutet, dass alles Schlechte nun wohl verarbeitet ist und die erste wirklich gute Nachricht in meinen Augen für einen deutlichen Schub nach oben sorgen könnte.

Auch Klöckner (KC0100) steigt weiter und steht nun kurz davor ein deutliches Kaufsignal zu senden. Dazu müsste der Kurs nachhaltig über 12€ steigen und die Zwischenhochs vom Februar hinter sich lassen. Ich bin zuversichtlich, dass das in absehbarer Zeit passiert. Sobald dieser Ausbruch kommt, rechne ich bei Klöckner mit einer dynamischen Bewegung nach oben, die hohe Tagesgewinne produzieren könnte.

Achja, vergessen Sie mir bitte die hier schon besprochene Alcoa (WKN 850206) nicht, wenn die US Konjunktur ans Laufen kommt und danach sieht es ja aus, sollte nach meiner Erwartung auch Alcoa endlich sein Tal der Tränen verlassen.

Einen hier noch nicht besprochenen Bluechip, der auch noch eine Menge Nachholpotential hat und in die Kategorie "Nachzügler" fällt, möchte ich noch Ihrer Aufmerksamkeit empfehlen:

Toshiba (WKN 853676). Wir kennen Toshiba in Mitteleuropa vor allem als Hersteller von TV und Unterhaltungselektronik. Das ist aber nur ein kleiner Teil des Geschäfts, Toshiba ist auch einer der grössten Halbleiter und Computerspeicher Hersteller der Welt und darüber hinaus ist Toshiba stark im Infrastruktur Bereich, unter anderem auch bei Atomkraftwerken. Am besten stellen Sie sich Toshiba vom Produktportfolio her wie die alte Siemens vor, als Infineon ebenso noch dazu gehörte, wie das Atomgeschäft oder die Konsumer-Elektronik.

Toshiba macht weltweit einen Umsatz von 68 Milliarden Dollar und beschäftigt 200.000 Mitarbeiter, ein echter Weltkonzern also. Im Zuge der Fukujima Katastrophe wurde Toshiba schon massiv abgestraft, danach sorgten weitere Probleme wie die Flutkatastrophe in Thailand bei der Festplattenfertigung für noch einmal fallende Kurse. Nun scheint aber endgültig Leben in den Kurs zu kommen und Toshiba ist nun nicht nur fundamental fair bewertet, sondern hat nach meiner Ansicht auch einiges Potential nach oben.

Ich habe Ihnen hier Toshiba´s "Nach-Fukujima" Chart von der Börse Tokio mal mitgebracht, schauen Sie einfach mal drauf und schauen Sie sich Toshiba vielleicht auch mal in einem längerfristigen Chart und auch einmal fundamental an.

Bei Gold und Silber, gefällt mir das nach wie vor nicht so richtig, was die Kurse machen. Denn die heutige vermeintliche Stabilisierung ist im Lichte des schwachen USD für uns defacto ein erneuter Verlust und die Gegenbewegung nach dem Absturz ist bisher so kraftlos, dass ich mir einen weiteren Schub nach unten - unter 1600 USD bei Gold - durchaus vorstellen kann. Zum derzeitigen Börsenumfeld würde das ja auch durchaus passen. Die nächste Krisenmeldung von irgendwo her, sollte der Korrektur dann aber ein Ende machen und könnte zu einer ebenso starken Bewegung nach oben führen. Denn solange Gold seine Serie höherer Tiefs nicht durchbricht, ist mit dem bullishen Trend nach meiner Einschätzung alles in bester Ordnung.

Ach ja und das Beste zum Schluss 😉 Einen bemerkenswerten Weckruf habe ich noch zu bieten: unsere geliebten und viel diskutierten Kohle-Werte rund um Arch Coal (WKN 908011) und Peabody Energy (WKN 675266) steigen heute erneut und bestätigen damit den starken gestrigen Tag. Speziell zu Peabody Energy gibt es Gerüchte um den Einstieg eines Grossinvestors oder sogar eine Komplettübernahme. Sogar von Warren Buffets Berkshire Hathaway ist die Rede. Niemand weiss etwas Genaues, aber das Call-Volumen auf Peabody ist ungewöhnlich hoch. Hier wettet also scheinbar institutionelles Geld auf steigende Kurse.

Sollte an den Gerüchten etwas Wahres sein, könnte das selbst ohne steigende Kohlepreise zu einer Neubewertung des Sektors führen. Denn wenn ein Grosser bei diesen Kohlepreisen eine Beteiligung oder Übernahme plant, ist das wie eine "Adelung" des Sektors. Insofern könnte das eine bedeutende Entwicklung darstellen. Ich persönlich bin bei solchen Gerüchten eher skeptisch und trotzdem haben sie für mich Bedeutung. Denn das sie überhaupt existieren und sich heisses Geld in dem Sektor wieder positioniert, könnte darauf hindeuten, dass der Sektor nun wirklich weit genug gefallen ist.

Unterstützt wird diese Möglichkeit dadurch, dass auch beim Shale-Gas Pionier Chesapeake Energy (WKN 885725) der Kurs nun deutliche Lebenszeichen zeigt. Für die neu hinzu gestossenen Leser, die das Thema noch nicht so kennen: der Preissturz bei US-Gas (vor allem Shale-Gas) ist einer der wesentlichen Mit-Verursacher der Schwäche im Kohlepreis, denn beide Energieformen konkurrieren um die gleichen Abnehmer im Bereich Industrie und Energie. Übrigens, Chesapeake ist auch für sich alleine in meinen Augen nun mehr als einen Blick wert. Die Aktie ist heute erneut um 2,5% im Plus.


Source:

Ich bin zwar im Moment noch nicht in der Lage ein wirkliches Urteil zum Thema Kohle-Turnaround zu fällen. Und ich habe noch Zweifel, ob das wirklich mehr ist, als nur eine Gegenbewegung in einem andauernden Absturz. Aber nach der heutigen Bestätigung des gestrigen Preisanstieges und den umlaufenden Gerüchten, bin ich nun aus meiner gelassen, lethargischen Missachtung des Kohlebereiches aufgewacht ! Man sollte da nun ganz genau hinschauen, damit man die mögliche Wende nicht verpasst. Potential nach oben hat dieser Sektor ja allemal genug !

Deshalb an alle Kohlefans in Lauerstellung: Nun Aufgemerkt ! 😉

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, geniessen Sie die erste Ahnung von Frühling !

Hari´s Märkte am Abend – 15.03.12 – Trendbeschleunigung – K+S, Lufthansa, Aixtron, Nokia

21 Uhr - Handelsschluss

Die Bullen sind los ! Anders kann man wohl nicht beschreiben, was wir hier erleben. Kein Rückfall Richtung DAX 7000, keine Relevanz alter Widerstände, keinerlei Schwäche im Markt. Dafür S&P500 bei 1400. Alles was sich den Bullen in den Weg stellt wird niedergetrampelt und es sieht so aus, als würden Morgen im DAX schon die 7200 aufgerufen. Faszinierend !

Sie wissen ja als regelmässige Leser dieses Blogs, dass ich das ganze Jahr 2012 schon deutlich bullish war, lange bevor die Mehrheit auf diesen Zug aufgesprungen ist. Aber diese kompromisslose Brutalität des Anstiegs lässt selbst mich Bullen staunend zurück !

Der heutige Tag spricht klar dafür, dass wir nun in die schon antizipierte Phase der Trendbeschleunigung eintreten. Das ist die Phase, in der die bisher zweifelnden Marktteilnehmer zu Gläubigen werden. Denn wie ich schon vorgestern schrieb, der Druck ist nun massiv auf den Marktteilnehmern an der Seitenlinie. Und die Not des Quartalsabschlusses sorgt dafür, dass institutionelle Fondmanager dem Markt nun zum Monatsende hinterher hechten müssen, was die Kurse weiter treibt. Trendbeschleunigung eben !

Die Sentiment-Spezialisten von Cognitrend sehen das übrigens genau so, ich empfehle sehr sich mal den aktuellen Report zu Gemüte zu führen !

Gestern Abend in der Nachbearbeitung des Tages bin ich mir eines weiteren Indiz bewusst geworden, das dieses Bild bestätigt. Nicht nur Gold fällt, sondern auch die US Staatsanleihen fallen seit Dienstag Abend, seit dem FED Meeting massiv ! Da findet schon fast ein "Mini-Crash" statt. Schauen Sie sich als Beispiel mal den TLT als einen der bekannten ETFs zum Thema an:


Source:

Das bedeutet ganz klar, es werden Milliarden aus den "Risk OFF" Anlagen heraus gezogen und in "Risk ON" investiert. Und dieses Geld geht nicht sofort innerhalb eines Tages in den Aktien-Markt, sondern die Marktteilnehmer versuchen Dips abzuwarten um einzusteigen. Genau diese Geldmengen an der Seitenlinie die auf Dips warten, führen aber dazu, dass die Dips nicht kommen und der Markt einen langsamen, aber brutalen "Melt Up" nach oben vollzieht. Es ist ganz typisch für solche Bewegungen, dass die vom Bullen abgeworfenen, keine Chance mehr bekommen zu besseren Kursen einzusteigen. Wer dann nicht sofort zu schlechteren Kursen aufspringt, sieht nur noch traurig das Hinterteil des Bullen, wie es sich springend entfernt. Genau so sieht das für mich aus, was wir hier gerade von Mr. Market vorgeführt bekommen !

Mein heutiges "Big Picture" des Aktienmarktes im Jahre 2012 sieht daher im Moment so aus:

Meltup bis Ende März, vielleicht Mitte April, der uns ohne grosse Pause im DAX bis 7400, vielleicht sogar bis über 7500 führt ! Dann Korrektur, Irankrieg, Ängste aus welchen Gründen auch immer, die uns noch einmal unter 7000 gucken lassen. Ab Hoch-Sommer ziehen die Käufe dann schon wieder an und wir bekommen ein aussergewöhnlich starkes zweites Halbjahr, das uns bis auf Höchststände führt. Sie hören richtig, Höchststände, DAX 8500 ist das was ich zum Jahresende für durchaus möglich halte !

Und damit das ganz klar ist: das oben ist keine Prognose ! Und es kommt in Realität garantiert anders ! Kommen Sie mir also bitte nicht in 3 Monaten nach dem Motto "Hari Du hast doch am 15.03. gesagt...". Das oben ist nur der grobe Handlungsrahmen, den ich im Moment im Kopf habe, denn so ein Handlungsrahmen ist wichtig um die prinzipielle Aktienquote zu steuern. Ich bin also derzeit hoch investiert und habe vor, sobald diese aktuelle Trendbeschleunigung ausläuft, massiv abzubauen. Aber dieser Handlungsrahmen kann und wird sich garantiert dynamisch verändern und sieht vielleicht schon in einem Monat ganz anders aus. Also nochmal, das ist keine Prognose, ich kenne die Zukunft nicht und das ist einzige was ich genau weiss ! Aber der Handlungsrahmen beschreibt das grosse Bild, das mir Mr. Market an diesem 15. März des Jahres 2012 mit seinen Signalen vermittelt und das alleine ist ja auch schon eine klare Aussage.

Aktie des Tages war für mich heute K+S (WKN KSAG88), die den gestern von mir beschriebenen Setup hinein in die Bekanntgabe der Zahlen perfekt bestätigt hat und mit heute 7% Plus einen schönen und schnellen Gewinn bescherte. Hoffentlich auch Ihnen ! K+S ist für mich weiterhin ein Basiswert, bei dem Kurse unter 40€ langfristig klare Kaufkurse sind. Mein Kursziel für dieses Jahr liegt bei 47€, langfristig ist in meinen Augen deutlich mehr drin.

Wie schon gestern vermutet, war der Effekt bei der Lufthansa (WKN 823212) weniger positiv, zumal auch der Ausblick des Managements sehr mau war. Aber zumindest wurde auch hier wieder bestätigt: das war alles schon im Kurs. Insofern könnte man auch bei der Lufthansa nun mal darauf setzen, dass die bisher schlecht laufenden Titel in dieser Rally auch noch anspringen werden. Allerdings würde ich, wenn man das machen will, einen engen Stop setzen, zum Beispiel unter den Tiefs vom 09.03., also bei ca. 9,6€. Und wann man aussteigen will, sollte man auch schon vorher wissen, denn die Branche steht mittel- und langfristig vor einigen Herausforderungen. Ich persönlich würde bei ca. 12,5€ schon die Reissleine ziehen.

Und dann muss man heute natürlich auch mal wieder Aixtron (WKN A0WMPJ) erwähnen, die um sensationelle 14% nach oben schossen. Auslöser war wohl scheinbar eine Studie der Deutschen Bank. Ich habe die Studie im Detail gelesen und die sieht sehr kompetent aus. Das ist mehr als das oberflächliche Gerede manch anderer Analysten, die im Büro ein paar wenig inspirierende Peergroup-Vergleiche am Computer fahren und uns damit beglücken. Die Truppe um Analyst Uwe Schupp war ganz real in China und hat mit verschiedensten Markteilnehmern Gespäche geführt und daraus den Schluss gezogen Aixtron und den Mitbewerber Veeco Instruments (WKN 896007) hochzustufen. Ich kann das was die Analysten schreiben nachvollziehen und schätze den Wert der Analyse daher hoch ein, Mr. Market sieht das scheinbar auch so.

Insofern spricht nun einiges dafür, dass wir bei Aixtron bald wesentlich höhere Kurse sehen. Und wer das will, könnte dann noch versuchen auf den abfahrenden Zug aufzuspringen. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist der heutige Tag wieder ein Lehrstück, warum ich bei Aixtron an der Seitenlinie bin. Ich kenne wenige Aktien, bei denen ich mich als Aussenstehender so chancenlos gegen die "mehr" Wissenden fühle wie bei Aixtron. Erinnern Sie sich an den Ausblick des Managements vor 2 Wochen am 01.03. und wie der Kurs da aussah ? Der Kurs fiel kurz unter 11€ und schloss irgendwo bei 11,5€ oder ca. 20% weniger als heute. Und jetzt kommt zwei Wochen später ein Analystenteam daher, das zeitnah zur Kommunikation des Managements vor Ort in China war, und der Kurs explodiert um 15% an einem Tag. Einer der beiden - Management oder Analysten - muss doch wohl scheinbar in seiner Marktkommunikation nicht ganz richtig liegen und den wirklichen Punkt nicht getroffen haben, oder wie interpretieren Sie diese massive Diskrepanz ?

Gute Investor Relations erkennt man daran, dass der Kurs des Unternehmens primär durch die Aussagen des Managements bewegt wird. Weil die Aussagen des Managements stimmig und glaubwürdig sind und den Kern der wirtschaftlichen Situation treffend darstellen. Viele gute Unternehmen schaffen das und eigentlich sollte das ja auch nicht so schwer sein, denn wer kennt das Unternehmen besser als das Management ? Wenn das Unternehmen gut kommuniziert, können Meinungen von Analysten in der Regel keinen solchen Impact haben. Denn wenn Mr. Market sich zutreffend informiert fühlt, misst er Analysten nicht solche Bedeutung bei. Bei einer Aktie aber, bei der ich immer Gefahr laufe, das andere viel mehr wissen als ich, drängt sich mir ein Kauf nicht auf. Denn wer sagt mir, dass es Morgen nicht wieder genau so überraschend in die Gegenrichtung geht ?

Zurück zum Gesamtmarkt. Was mir heute erneut auffiel und sich langsam nachhaltig bestätigt, ist eine Form von Sektorrotation, denn die zurück hängenden Aktien geraten jetzt in Bewegung, während die Favoriten der ersten Aufwärtsbewegung schwächeln. Namen wie K+S, Metro, ST Micro, Klöckner usw. - alle hier im Blog besprochen - sind heute wieder sehr stark mit teilweise massiven Anstiegen. Und die Autowerte oder zum Beispiel eine Linde schwächeln etwas, die sind ja auch in den letzten Wochen superb gelaufen.

Ach übrigens, bei Nokia (WKN 870737) muss gegen 17.30 Uhr nachbörslich etwas passiert sein, die Aktie dreht deutlich hoch und scheint Morgen die 4€ wieder knacken zu wollen. Man munkelt es sei die Meldung, das Nokia an einem eigenen Tablet arbeitet. Etwas anderes habe ich zumindest bis 21 Uhr nicht gesehen. Ich persönlich finde das als Erklärung nicht überzeugend, weil das ist ja wohl nicht überraschend und an etwas arbeiten bedeutet noch keine hohen Verkaufszahlen. Sollte das aber tatsächlich der Auslöser sein, würde es zeigen wie ausgehungert der Markt bei Nokia nach guten Nachrichten ist und welches Potential nach oben in diesem extrem negativen Sentiment steckt.

Zum Schluss noch ein Wort zu den Rohstoffwerten. Nach dem gestrigen Absturz nicht unerwartet, gab es heute in einigen Bereichen einen Rebound. Allerdings neige ich noch zur Vorsicht, eine Gegenbewegung war nach diesem Absturz absehbar und die Bewegung ist stellenweise doch arg schwach. Ob es mehr ist als nur eine kurze Pause bevor ein weiterer Ruck nach unten kommt, wird erst der morgige Tag zeigen, wenn diese Gegenbewegung entweder bestätigt oder negiert wird. Das gilt besonders für Gold und Silber, was ich da heute als Rebound sehe, überzeugt mich noch nicht und es kann gut sein, das es erst noch weiter runter geht. Das gilt aber auch für unsere alten Freunde die Kohleaktien, die heute haussierten und von denen Arch Coal (WKN 908011) heute mit zeitweise über 9% Plus den Vogel abschoss. Das ist natürlich eine bemerkenswerte Bewegung, die Aufmerksamkeit einfordert. Ich würde aber trotzdem besser den morgigen Tag abwarten um zu entscheiden, ob das mehr als nur eine kurze Pause in einer andauernden Abwärtsbewegung ist.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend ! Mir geht es heute nicht ganz so gut, weil unser kleiner Sohn mal wieder mit den üblichen Infekten krank ist und wir als Eltern natürlich mit. Wir erleben gerade den ersten Kindergarten-Winter und wer selber Kinder hat oder hatte, weiss genau was das bedeutet ....

Gute Nacht, Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 14.03.12 – Industrie oder Rohstoffe – wer liegt hier falsch ?

21 Uhr - Handelsschluss

Wie gestern nach der starken Bewegung der Wallstreet im späten Handel zu erwarten, hat der DAX heute noch eine Schippe drauf gelegt und ganz kurz sogar die 7100 touchiert. Dann reichte die Kraft nicht mehr und der DAX verharrte im oberen Bereich der alten Widerstandszone von 7000-7100, die von den diversen Tiefs und Wendepunkten des letzten Jahres herrührt. Ich wäre auch sehr überrascht gewesen, wenn wir durch diese Zone einfach so durchgelaufen wären, schon die Bewegung bis 7100 war Ausdruck grosser Stärke des Marktes.

Damit bestehen nun aber durchaus Chancen, das wir noch ein paar Tage in dieser Zone bleiben und auch die DAX 7000 noch einmal von oben testen. Sicher ist das in Anbetracht dieses Bullenmarktes aber definitiv nicht, insofern würde ich nicht allzu viel auf diese Möglichkeit wetten. Dennn der Bulle ist so unglaublich stark, dass es auch schon Morgen weiter nach oben gehen könnte.

Unabhängig von den kurzfristigen Erwägungen zum morgigen Tag, hat aber die heutige Stärke den gestrigen Ausbruch deutlich bestätigt. Die Bullen haben scheinbar die volle Kontrolle und viel spricht dafür, dass wir bis Ende März noch deutlich nach oben laufen, vielleicht sogar schon in die Nähe von DAX 7500 kommen.

Trotz allem ist nie alles perfekt und es gibt auch heute wieder Auffälligkeiten, die zumindest für ein sehr nervöses Kopfkratzen gut sind.

Denn es ist schon irritierend, wie stark die Marktentwicklung bei den Rohstoffaktien und den Industrieaktien divergiert.

Auch heute, während der DAX kurz die 7100 touchierte, waren fast alle Rohstoffaktien - auch die Industrierohstoffe - sehr schwach. Teilweise wurden die Aktien geradezu geschlachtet und fielen um 5 und mehr Prozent. Gleichzeitig stiegen heute aber die klassischen Autobauer, Maschinenbauer usw. um teilweise 3% und mehr. Wesentlicher Grund für die Schwäche der Rohstoffe, dürfte nach wie vor die Angst um die Nachfrage aus China und damit um die Weltkonjunktur sein. Aber auch unsere exportorientierte Wirtschaft mit ihren Auto- und Maschinenbauern ist ebenso massiv von dieser Nachfrage abhängig. Wie passt das zusammen ?

Man könnte also sagen, der normale Aktienmarkt rechnet nicht mehr mit einer Rezession, der Rohstoffmarkt aber sehr wohl. Einer dieser beiden Märkte muss also ziemlich falsch liegen, worin dann massive Chancen und Risiken für uns begründet sind. Ich kann die Frage natürlich auch nicht mit Sicherheit beantworten.

Ich habe aber eine leichte Tendenz und die schenkt den Industrieaktien mehr Vertrauen. Ich glaube einfach nicht an eine neue Rezession und auch nicht an einen Zusammenbruch in China. Und wenn das so ist, dann dürfte sich im Segment der Rohstoffaktien nun langsam eine Menge Nachholbedarf aufstauen. Leicht unterstützt wird diese Sicht, wenn man sich die Preisentwicklung eines klassischen Industrierohstoffes wie Kupfer direkt anschaut. Der Kupferpreis schwankt seit Mitte Januar in einem Seitwärtsband, von einem aktuellen, starken Abwärtstrend kann keine Rede sein. Bei Aluminium sieht es ähnlich aus.

Ein weiteres Erklärungsmodell könnte sein, dass bei den Rohstoffaktien generell nun die Inflations-Prämie aus den Kursen weicht, nachdem Ben Bernanke zuletzt die Hoffnung auf weiteren Stimulus zunichte gemacht hat. Sollte das der Fall sein, wären die derzeitigen Bewegungen wohl überzogen, denn die grossen Konzerne ala Rio Tinto (WKN 852147) oder BHP Billiton (WKN 908101) sind fundamental sauber bewertet, von einem "Inflations-Premium" kann ich in der Bewertung nichts erkennen.

Ich kann Ihnen also nicht sicher sagen, was diese Schwäche der Rohstoffaktien gerade auslöst, für mich sieht diese Schwäche aber etwas unlogischer und unberechtigter aus, als die DAX 7000, die in der Gewinnsituation der Unternehmen sauber begründet sind. Wirklich sicher bin ich mir aber bei dieser Einschätzung nicht, insofern sollten wir diese augenfällige Divergenz besser nicht aus den Augen verlieren, den dahinter könnten sich sehr unerfreuliche Wahrheiten verbergen !

Ganz besonders schlimm hat es heute die Edelmetalle getroffen, nachdem diese schon seit Tagen abbröseln, seit Ben Bernanke weiteren Gelddruck-Operationen erst einmal eine Absage erteilt hat. Eine kurze Gegenbewegung über 1700 USD bei Gold hat sich als Bullenfalle heraus gestellt und nun geht es richtig bergab. Selbst bei Schwergewichten wie Barrick (WKN 870450) war heute ein Minus von 5% auf dem Kurszettel.

Der prinzipielle Absturz des Edelmetall-Segments ist während einer solchen Hausse-Phase nicht verwunderlich, denn hier finden sicher Umschichtungen in den haussierenden Aktienmarkt statt. Der Ablauf der tagelangen Abwärtsbewegung mit einer Beschleunigung heute, erzeugt nun aber die Chance auf eine Gegenbewegung. Denn eine Beschleunigung eines Trends markiert nach meiner Erfahrung oft das nahende Ende einer Bewegung - denken Sie an das Gummiband. Aber wie immer ist keine Regel ohne Ausnahme, insofern sollte man auch hier erst wieder zugreifen, wenn sich tatsächlich erste Anzeichen einer Gegenbewegung zeigen.

Und noch etwas ist ebenso auffällig wie erfreulich: der Markt ist eindeutig wieder zu einem "Stockpicker" Markt geworden. Die Zeit in der alles mehr oder weniger parallel stieg oder abstürzte ist scheinbar vorbei. Das ist auch nicht so ganz überraschend, weil die Makro-Risiken und Themen wie zb die Euro-Krise nun etwas in den Hintergrund treten. So können sich die Börsianer wieder auf die Geschäftsentwicklung der einzelnen Unternehmen konzentrieren und so wird es wieder möglich, dass im gleichen Index eine Aktie heute +7% Plus produziert und andere im Minus liegen.

Ich begrüsse dieses Entwicklung sehr. Denn wenn es letztlich nur darum geht einzuschätzen was 27 Regierungschefs in Brüssel wieder auskochen, haben wir alle keinerlei Chance uns irgend einen Vorteil zu erarbeiten. Wir werden von den Nachrichten dann hin und her geworfen, wie alle anderen Marktteilnehmer auch. Die einzige Leistung die wir in solchen Phasen erbringen können, ist schnell zu reagieren und sich ohne zu zögern zu adaptieren. Wenn es jetzt aber an der Börse wieder auf die konkreten Geschäftsentwicklungen der einzelnen Unternehmen ankommt, dann zählt endlich wieder Wissen und Verständnis für die individuellen Geschäftsmodelle. Nur in einem solchen Markt haben wir als private Anleger wirklich eine Chance, uns durch Spezialisierung einen signifikanten Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern zu erarbeiten.

Aktie des Tages war heute natürlich die E.ON (WKN ENAG99) mit zeitweise 7% Plus. Was da heute passiert ist, ist ein Klassiker. Die Erwartungen vor den Zahlen waren so grottenschlecht und das Sentiment so negativ, dass trotz mieser Zahlen ein halbwegs optimistischer Ausblick des Managements ausreichte um dieses Feuerwerk heute zu zünden. Es war halt niemand mehr da, der noch verkaufen wollte. Ein Muster das ganz typisch für solche Wendepunkte ist.

Mit der Lufthansa (WKN 823312) und K+S (WKN KSAG88), die beide am morgigen Donnerstag Zahlen liefern, stehen zwei weitere stark verprügelte Aktien an, bei denen es einen ähnlichen Effekt geben könnte, falls der Ausblick des Managements positiv sein sollte. Die Lufthansa hat allerdings nach der gestrigen Stärke heute mit erneut über 3% Plus schon etwas vom negativen Sentiment abgebaut, insofern ist unklar wie stark der Effekt dort morgen noch sein kann.

Übrigens, zurück zu den Versorgern wie E.ON, rein vom Chart und von der Bewertung her, bestehen in meinen Augen gute Chancen, dass die Aktie in diesem Jahr ihren Kurs normalisiert und die 22€ Zone wieder erreicht - was immer noch rund 20% Plus bezogen auf Heute wären. Mittel- und langfristig müssen E.ON und RWE aber ihr Geschäftsmodell umstellen. Und solange das neue Geschäftsmodell nicht steht und sich nicht als ebenso profitabel wie das alte erweist, ist eine gesunde Skepsis bei den Versorgern wohl angebracht.

Denn die Annahme "Strom braucht man immer" ist in meinen Augen etwas zu kurz gedacht. Natürlich braucht man Strom immer, aber nicht notwendigerweise Strom von einem zentralen Versorger in 500km Entfernung. Denn dezentrale Stromerzeugung, zum Beispiel in Privathaushalten, ist nicht mehr sehr weit vom Durchbruch entfernt und ich rechne damit, dass Stromerzeugung in den nächsten 10 Jahren immer dezentraler und vielfältiger wird. Die grossen zentralen Stromversorger werden damit von unverzichtbaren Monopolisten mehr und mehr zu reinen Netzdienstleistern, die für Lastverteilung, Lastausgleich und die Versorgung grosser Industriebetriebe im Spitzenlastbereich benötigt werden. Und ob es vor dem Hintergrund so glücklich war, sich teilweise von den vermeintlich "lästigen" Netzen zu trennen, ist noch nicht endgültig sicher.

Auf jeden Fall wage ich es stark zu bezweifeln, das eine E.ON in dieser weit dezentraleren und wettbewerbsintensiveren Energiewelt des Jahres 2020 immer noch die Monopol-Renditen des Jahres 2007 erzielen kann. Die Computer-Mainframe Hersteller der 60er und 70er Jahre hat letztlich auch nicht gerettet, dass sie in einem Wachstumsmarkt waren, als die dezentralen Personal Computer in den 80ern die Welt eroberten. Sehr viel wird also bei den grossen Versorgern davon abhängen, wie gut es dem Management gelingt, sein Geschäftsmodell der sich verändernden Welt anzupassen und da werde ich persönlich erst einmal abwarten.

Ich wünsche Ihnen einen schöne Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 01.03.12 – Kirch vs Deutsche Bank und die Organhaftung

22 Uhr - Handelsschluss

Da war er, der gestern antizipierte "First of Month Jumper", ich habe ihn heute genossen, bevor erneut ein dürftiger ISM Index und weitere Konjunkturdaten die Bewegung erst einmal temporär ausbremsten. Im späten Handel nahmen die Indizes dann aber wieder Fahrt nach oben auf, aus meinem Intraday Trade war ich da aber schon wieder draussen.

Gerade wegen der eigentlich enttäuschenden Daten kann ich hier nur wieder feststellen, wie gut der Markt diese verdaut hat. Ich weiss ich höre mich nun wie eine Platte mit Sprung an, weil ich immer das Gleiche sage. Aber in Anbetracht der Korrektur-Ankündigungen die seit Wochen permanent aus alle Medien quellen, ist das nach meiner Ansicht auch nötig um den Fokus auf das Wesentliche nicht zu verlieren. Es bleibt also dabei, die Bullen haben die Oberhand und den Bären gelingt es nicht, selbst solche Vorlagen zu verwandeln.

Insofern habe ich zum Markt als Ganzes nun nichts Neues zu sagen. Auch wenn sehr viel nun instinktiv für eine baldige Korrektur spricht, gibt es für mich bei objektiver Betrachtung bisher keine Signale, dass die Bullen den Markt nicht mehr im Griff hätten. Um das zu ändern müsste ich erst einmal einen Absturz sehen, der am Folgetag nicht erneut für Käufe genutzt wird, sondern für weitere Abgaben sorgt.

Es bleibt zwar ein komisches Gefühl, dass es nach diesem langen Anstieg bald mal wieder "scheppern" sollte, aber komische Gefühle sollte man besser nicht zur Grundlage von Anlageentscheidungen machen und da viele derzeit dieses komische Gefühl haben, bestätigt diese Skepsis im Markt eher die Stabilität der Anstiegsbewegung. Denn grosse Abstürze kommen, wenn alle nur nach oben schauen und alle investiert sind und davon sind wir nach meiner Wahrnehmnung noch deutlich entfernt. Das aktuelle Marktsentiment von Cognitrend bestätigt diese Sicht nachdrücklich, Sie können es oder über meine "Hilfreichen Links" nachlesen.

Denken Sie bei aller positiven Erwartung aber bitte daran, was ich letzten Freitag -> hier <- zur Marktlage sagte. Wir haben im Bereich oberhalb DAX 7000 eine derart grosse Menge an Widerständen, dass ich mit nicht vorstellen kann, dass wir da einfach so wie ein Messer durch Butter durchmarschieren.

Kommen wir heute also schnell zu einzelnen Titeln:

Zu Aixtron (WKN A0WMPJ) habe ich mich ja in einem eigenen Artikel -> hier <- schon geäussert und das wird auch die letzte Erwähnung der Aktie hier für einige Zeit sein.

Bei Veolia (WKN 501451) wurde gestern in einer dürren Nachricht nach dem Board-Meeting der CEO Antoine Frérot und seine Restrukturierungspolitik bestätigt. Der Markt begrüsste diese Nachricht und schickte Veolia gestern 2% nach oben, heute folgte dann eine gewaltige Rally mit zeitweise 14% Plus ! Ich bin gestern wie angekündigt - nach Bestätigung des Managements - bei Veolia wieder eingestiegen, habe aber erst 50% meiner Zielgrösse wieder erreicht. Denn mir war diese Nachricht gestern einfach noch zu dürr und warf weitere Fragen auf.

Denn ich gehe weiter davon aus, dass an den Fusionsgelüsten die dem EDF CEO und ex Veolia CEO Henri Proglio nachgesagt wurden, eine Menge dran war und ist. Und eine Neuauflage der Akquistions- und Verschuldungspolitik Proglios würde der Markt bei Veolia sicher nicht goutieren, was man auch daran sieht, wie begeistert der Markt heute reagiert, nachdem das Gespenst wieder weg zu sein scheint.

Denn die aktuellen Zahlen sind in meinen Augen keineswegs der Grund für den heutigen Anstieg, weil das alles im wesentlichen schon vorher bekannt war. Ursache ist eher die Erleichterung, dass der eingeschlagene Restrukturierungs-Weg fortgesetzt wird, verbunden mit der heute bekannt gewordenen Aussicht, dass ein Verkauf des Transportgeschäftes (Eisenbahn etc) frisches Geld in die Kasse spülen würde. Was wir heute im Titel sehen, werte ich also als eine Erleichterungsrally darüber, dass es mit dem Turnaround doch noch klappen könnte. Und der Umfang der Rally zeigt, welches Potential in Veolia steckt wenn der Turnaround gelingt.

Insofern habe ich durch meine noch nicht voll aufgebaute Position nun ein paar Tagesgewinne verpasst, aber es gibt schlimmere Probleme. Sollte die Strategie des Schuldenabbaus konsequent weiter geführt werden und die Gerüchte um einen Management-Wechsel wirklich endgültig vom Tisch sein, ist die Veolia-Turnaround-Story wieder völlig intakt und der Titel in meinen Augen mittel- und langfristig voller Chancen. Nach der heutigen gewaltigen Erleichterungs-Rally wäre ein Rücksetzer in den nächsten Tagen unter 10€ aber völlig normal. Wer nun an der Seitenlinie steht, bekommt also in den nächsten Tagen vielleicht noch eine Chance.

Sehr gut sieht weiterhin Continental (WKN 543900) aus. Hier habe ich meinen Einsatz in der gestrigen Schwäche erhöht und für mich stehen bei dieser Aktie aktuell alle Ampeln auf grün. Mittel- und langfristig finde ich grosse innovationsstarke Autozulieferer wie Continental, Johnson Controls (WKN 857069) oder die leider nicht börsennotierte Bosch sogar spannender und interessanter als die Autohersteller selber.

Denn die absehbaren Umbrüche beim Ersatz des Benzinmotors durch andere Antriebstechnologien, bergen für die etablierten Autokonzerne durchaus erhebliche Risiken und die Gefahr, dass neue Wettbewerber auftauchen. Alleine die Tatsache, dass die Autohersteller eine ihrer Kernkompetenzen in der sie über 100 Jahre Kompetenz aufgebaut haben - den Motorenbau - möglicherweise langfristig verlieren könnten, ist ein Risiko das man bei längerer Betrachtung der Entwicklung nicht unterschätzen sollte, auch wenn es für eine aktuelle Investition noch keine Relevanz hat. Denn wenn es den grossen Zulieferern gelingt, hier komplette Antriebskonzepte zu verkaufen, würde sich das Rollenbild von Koch und Kellner zwischen Autoherstellern und Zulieferern langfristig drehen.

Bei den grossen, technologisch führenden Zulieferern dagegen - zu denen die drei obigen Namen definitiv gehören - überwiegen daher für mich die Chancen des Paradigma-Wechsels, denn gerade diese Unternehmen werden in der Lage sein sich durch kritische Innovation völlig unabkömmlich zu machen. Alle drei Unternehmen investieren gerade auch massiv in den Bereich des Elektroantriebs bzw der Speichertechnologie. Und als I-Tüpfelchen kommt dazu, dass der Besitz einer innovativen Elektro-Speichertechnologie obigen Unternehmen auch jede Menge neue Kunden und Geschäftsfelder ausserhalb der Autoindustrie ermöglichen könnte.

Man darf aber nicht unbesehen jeden Autozulieferer positiv sehen, denn wer wie zb ZF Getriebe herstellt, dürfte in der Welt der Elektroautos seine Probleme bekommen, wo klassische Getriebe schlicht wegfallen. Mit Continental oder Johnson Controls befindet man sich aber in meinen Augen auf der richtigen Seite der Entwicklung.

Bei Itron (WKN 888379) sollte man nun genau hinschauen. Nach dem sensationellen 24% Anstieg vom 16.02.12 ist der Kurs nun um ca. die Hälfte des Anstieg wieder abgebröselt. Das ist nach solchen Bewegungen ganz typisch und keineswegs ein Zeichen von Schwäche. Ich kann mir gut vorstellen, dass spätestens auf dem Niveau des Hochs vom 09.02.12 - also bei ca. 43 USD - Schluss mit der Konsolidierung ist und sich der Blick wieder nach oben richtet. Heute hat Itron schon zum ersten Mal seit Tagen wieder deutlich im Plus geschlossen.

Bei Repsol (WKN 876845) ging es seit gestern trotz positivem Umfeld für Ölaktien deutlich abwärts, weil der Markt sich um eine Zwangsverstaatlichung der YPF Beteiligung in Argentinien sorgte. Allerdings konnte sich der Titel heute im weiteren Handel dann schon wieder deutlich erholen. Auch ich bin mit einer Position bei Repsol dabei. Man sieht daran wieder, wie wichtig politische Stabilität ist und warum ich Minenwerte nicht mag, die primär in den kritischen Ländern Südamerikas unterwegs sind. Während ich bei Repsol das Risiko bewusst eingegangen bin, weil selbst eine Verstaatlichung der YPF den Konzern zwar schütteln aber nicht aus der Bahn werfen würde, wären derartige Aktionen für einige kleinere Minen wohl der Exitus. Da der Markt bei solchen politischen Entwicklungen gerne zu kurzfristigen Übertreibungen neigt, ergibt sich für am Einstieg Interessierte möglicherweise in den nächsten Tagen einen attraktive Gelegenheit.

Gold und Silber haben sich nach dem gestrigen Absturz heute stabilisiert. Gold schloss deutlich über 1700 USD und Silber über 35 USD. Eine derartige Gegenbewegung ist aber normal nach so einem Absturz und sagt noch nicht viel aus. Ich denke Morgen am Freitag werden wir klüger sein. Denn dreht Gold Morgen wieder unter 1700 USD, sollte man sich wohl auf eine ausgedehntere Schwächephase einstellen. Steigt Gold Morgen aber weiter, spricht viel dafür, dass der Absturz gestern nur ein "One Day Wonder" aufgrund Bernankes Aussagen war.

Zum Abschluss noch ein paar wertende, persönliche Worte zum scheinbar gescheiterten Vergleich im Streit Kirch vs Deutsche Bank:

Aus der juristischen Sicht der Deutschen Bank kann ich die Ablehnung des Vergleiches gut nachvollziehen, denn da wären dann möglicherweise sofort Haftungsklagen wg vermeintlicher "Untreue" gegen Aufsichtsrat und Vorstand möglich gewesen, da ohne zwingende Not eine derart grosse Summe gezahlt werden würde. Abgesehen davon war wohl nach Presseberichten auch der Widerstand Rolf Breuers gross, der als Folge des Vergleichs möglicherweise mit einer Schadensersatz-Klage der Deutschen Bank hätte rechnen müssen.

So sorgt die gut gemeinte Verschärfung der Haftungsregeln für Aufsichtsorgane nun dafür, dass die Firmen es schwer haben bei Konflikten auf Organebene Vergleichsbereitschaft zu zeigen und derartig wichtige Konflikte eher bis zum letzten Mann austragen müssen. Denn der Ermessensspielraum des Managements ist durch die verschärften Haftungsregeln nun deutlich eingeschränkt.

Aus meinen persönlichen Erfahrungen in den Chefetagen bin ich der festen Überzeugung, dass die derzeitigen Haftungs-Regelungen schon zu weit gehen und den Unternehmen und damit den Aktionären schaden. Denn dadurch wird nach meiner Ansicht freies unternehmerisches Handeln gebremst und eine Kultur des "dreifachen juristischen Hosenträgers" etabliert, in der nur Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer von Wachstum reden können.

Und damit es keine Missverständnisse gibt, natürlich ist es richtig, dass echte Untreue strafbar ist und insofern ist die Haftung der Organe wg Untreue auch gar nicht das Problem. Das Problem ist vielmehr, dass der juristische Untreue-Begriff so schwammig ist, dass eine verlässliche Abgrenzung zwischen strafrechtlicher relevanter Untreue und schlichter unternehmerischer Fehleinscheidung praktisch unmöglich ist. Das erlaubt es Dritten im Nachhinein - dann wenn jedermann sowieso klüger ist - Fehl-Entscheidungen des Managements einer derartigen Anschuldigung auszusetzen. Als Organ einer solchen Gesellschaft ist man dem weitgehend ausgeliefert, weil derartige Verfahren unabhängig von echter nachweisbarer Schuld sowieso fast immer in einem Vergleich enden, denn die Belastung ist selbst durch eine völlig ungerechtfertigte Klage einfach zu hoch. Und wie die Justiz in die Hirne der Beteiligten schauen will um echte Untreue von schlichter Fehleinschätzung trennen zu können, hat mir noch nie so richtig jemand erklären können.

Die Folge davon ist eben die allein auf Absicherung ausgerichtete "Kultur des dreifachen juristischen Hosenträgers", durch die logische und für das Unternehmen wahrscheinlich sinnvolle Entscheidungen nicht mehr getroffen werden, wenn sie mit der Gefahr einer späteren Haftungsklage verbunden sind. Denn falls sich eine komplexe unternehmerische Entscheidung im Nachhinein als falsch heraus stellt, kann man einen Untreue-Vorwurf immer konstruieren, wenn man nur will. Letztlich lähmt diese nach meiner Wahrnehmung überzogene Gesetzeslage Innovationsbereitschaft und verantwortliches Handeln der Managements. Denn Entscheidungen werden nun lieber an drei verschiedene, teure, externe Gutachter delegiert, als diese selber aus unternehmerischer Überzeugung heraus zu treffen und gegenüber den Aktionären zu vertreten.

Richtig wäre es in meinen Augen dagegen, den Eigentümern - den Aktionären - noch mehr direkte Durchgriffsrechte zu geben um einen versagenden Aufsichtsrat und damit das Management abzulösen, gleichzeitig aber die Organe besser gegen Haftungsansprüche zu schützen. Denn zu unternehmerischem Erfolg gehört zwangsläufig auch der Mut zum Risiko und der Mut Neues zu wagen. Neues ist aber immer mit der Möglichkeit des Scheiterns und höheren Risiken verbunden und hinterher ist man halt immer klüger. Wenn einem permanent das Damoklesschwert des juristisch schwammigen Untreue-Paragraphen über dem Kopf schwebt, wird man als Management eher dem ausgetretenen, weil sicheren Pfad folgen. Mittelfristig beraubt man mit dieser "Hosenträger-Philosophie" aber eine Wirtschaft der Wettbewerbsfähigkeit - denn es gilt immer noch: "No Risk no Fun" und ohne Risiko ist Innovation unmöglich !

Das Verfassungsgericht hat die Hürden für den Untreue-Vorwurf zwar zuletzt leicht erhöht, in meinen Augen die ganze Problematik für unser Wirtschaftssystem aber noch nicht erkannt. Ich wiederhole, das Problem ist nicht der Untreue-Paragraph an sich, sondern die Unbestimmtheit und Dehnbarkeit der Definition, die man in meinen Augen zu leicht als Kampfmittel einsetzen kann um Eigeninteressen durchzusetzen. Wen das Thema interessiert, der kann sich zum Beispiel einlesen.

Aus inhaltlicher Sicht, kann ich aber die mir aus der Presse bekannte Argumentation der Deutschen Bank gar nicht nachvollziehen. Insbesondere die Behauptung Kirch sei schon vorher Pleite gewesen ist in meinen Augen am Thema vorbei. Denn selbst wenn er kurz davor stand oder mitten drin war, haben die öffentlichen Äusserungen Breuers jede Hoffnung auf eine geordnete Planinsolvenz nach meiner Ansicht zunichte gemacht. Man kann trefflich über die Höhe des Schadens streiten, dass aber eine derartige Aussage des Vorstandschef der grössten deutschen Bank über einen seiner Kunden massive wirtschaftliche Auswirkungen hat, sollte selbst wirtschaftlichen Laien einsichtig sein.

Letztlich läuft die Argumentation der Deutschen Bank ja in meiner Interpretation darauf hinaus, dass den Aussagen eines Bank CEOs keine besondere Bedeutung beigemessen werden muss, wenn er sich locker mit Bezug auf Dritte zu seinen Kunden äussert. Eine interessante Sicht, ganz besonders wenn man sich vor Augen führt, wozu sich Josef Ackermann so alles publikumswirksam geäussert hat. Für mich persönlich waren die Aussagen Rolf Breuers damals einfach ein klarer Pflichtverstoss eines Bankers, der eine Treuepflicht einem grossen Kunden gegenüber hatte. Und so etwas darf in meiner Welt nicht ohne schmerzhafte Konsequenzen bleiben.

Insofern hoffe ich und bin zuversichtlich, dass die Herren Gauweiler und Co. der Deutschen Bank nun weiter die Hölle heiss machen und auch die Frage theoretischer Interessenskonflikte der Deutschen Bank im Umfeld der Kirch-Insolvenz beleuchten. Am Ende kommt dann vielleicht sogar ein höherer Schadensersatz heraus - wer weiss. Verrückterweise könnten die Aufsichtsorgane der Deutschen Bank diese höhere Summe dann aber problemlos durchwinken, weil es dann ja ein höchstrichterliches Urteil wäre. So viel zu den absurden Effekten, zu denen eine für mich überzogene Haftungspraxis für Aufsichtsorgane führt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 28.02.12 – Vom ultimativen Geld: Gold

22 Uhr - Handelsschluss

Der Markt setzte heute früh zum Sprung nach oben an, wurde aber von ziemlich schwachen US-Konjunktur-Daten abgeschossen. Trotzdem waren die Märkte erstaunlich stabil und die Schwäche hielt nicht lange vor, was wieder zeigt was an den Börsen der wichtigste Faktor ist: Liquidität. Und davon ist Dank der "Geldschöpfungspolitik" der Notenbanken weltweit mehr als genug vorhanden. Gute Daten zum Verbrauchervertrauen, sorgten dann für Pluszeichen in den Depots.

Viel passiert ist dadurch am Ende nicht. Und ich tue mich schwer Ihnen heute etwas Neues oder Intelligentes zum Markt zu schreiben. Insofern will ich nur an mein Credo der letzten Tage erinnern, dass all das was wir bisher sehen kein Zeichen von Schwäche ist, sondern in meinen Augen eher dafür spricht, dass der Markt Kraft für einen Sprung nach oben holt. Machen wir es daher heute kurz und kommen gleich zu einzelnen Titeln.

Der gestern skizzierte kurzfristige Nordex-Trade (WKN A0D655) hat heute früh funktioniert. Die Zahlen waren wie erwartet schlecht und der Ausblick wie erwartet verhalten positiv. Da all das schon in den Kursen war, war Nordex am heutigen Vormittag um ca. 2,5% im Plus, bevor die allgemeine Marktschwäche dann zuschlug. Ich habe diese 2% mitgenommen und bin nun aber wieder draussen. Für ein langfristiges Investment ist mir das ganze Thema aber zu undurchsichtig und der aus China kommende Kostendruck zu stark. Ein klarer Trend ist bei Nordex nun auch nicht mehr sichtbar. Noch vor 3 Wochen sah das auf dem Chart alles viel positiver aus, das Bild hat sich nun aber eingetrübt und mit etwas Phantasie kann man auf dem Chart sogar eine bärische Schulter-Kopf-Schulter Formation ausmachen, die eine erneute Bewegung herunter bis 4€ implizieren würde. Genügend Gründe für mich, bei Nordex nun erst einmal an der Seitenlinie zu bleiben.

Die gestern sehr schwache Aixtron (WKN A0WMPJ) war heute mit über 5% wieder deutlich im Plus und das alles ohne jede Nachricht. Ein klarer Trend ist nicht erkennbar und belastbare Nachrichten gibt es auch nicht. Insofern ist dem hier schon mehrfach gesagten nichts hinzufügen. Auffällig war aber heute, wie der Marktführer Cree (WKN 891466) im späten Handel und auch ohne sichtbare Nachricht mit über 9% Plus abhob ! Das dürfte Aixtron Morgen wohl zunächst beflügeln.

Die hier schon mehrfach besprochene ST Microelectronics (WKN 893438) steht kurz davor den Abwärtstrend nun doch hinter sich zu lassen. Seit Wochen kämpft die Aktie mit der Barriere um 5,70€, der erste Versuch scheitert noch im Januar, der zweite vor ein paar Tagen. Nun hat ST Micro die erneute Chance die Schwächephase hinter sich zu lassen. Ein Anstieg von fast 7% heute spricht eine klare Sprache, die durch das Chartbild bestätigt wird. Wer sicher gehen will, sollte aber wohl warten, bis die Aktie über 5,8€ steht - dann ist der Weg nach oben aus reiner Chartsicht frei. Das ich die Aktie fundamental und vom Produktportfolio her für mittelfristig interessant halte, hatte ich ja schon mehrfach dargestellt.

Bei Silber (XAGUSD) ist nun - wie schon am 21.02. antizipiert - nach oben der Deckel weggeflogen. Meine Nase hatte also den richtigen Riecher als sie Witterung aufgenommen hat. Über 4% Plus heute sind sensationell, nächstes Ziel ist 40 USD !

Auch Gold (XAUUSD) sieht weiter gut aus, ich denke im Edelmetallbereich liegen noch ein paar gute Tage vor uns, bevor dann irgendwann im März im Bereich um 1800 USD wieder eine kleine Korrektur kommt, die möglicherweise 1700 USD noch einmal von oben testet. Gerade Gold schwingt langfristig relativ zuverlässig in Zyklen, schauen Sie sich mal den langfristigen Chart seit 2008 an, den ich Ihnen mitgebracht habe. Und achten Sie nun auf die Abstände, in denen Korrekturen auftreten ! Bis auf eine unklaren Fall im Herbst 2009 hatten wir recht zuverlässig ca. alle halbes Jahr einen signifikanten Tiefpunkt. Und jedes Tief lag höher als das vorherige, die exakte Definition eines Bullenmarktes ! Würde sich das fortsetzen, wäre der nächste Tiefpunkt erst im Sommer zu erwarten und sollte 1500 USD nicht mehr erreichen.

Der Ausschlag vom August 2011 war in meinen Augen eine durch die Euro-Krise verursachte Anomalie. Man sieht sehr schön, wie der Kurs nach diese Übertreibung nach oben mit einer Übertreibung nach unten letztlich wieder in den alten Trend zurückgekehrt ist. Ignorieren Sie also das Hoch vom August und das Tief vom September, damit wurde nur die Gültigkeit der Gummiband-Theorie erneut bewiesen. Davon abgesehen davon, haben wir bei Gold einen langfristigen, extrem bullishen Trend, wie er schöner auf einem Chart gar nicht aussehen könnte. Und ich sehe im Moment absolut nichts auf dem Radar, dass diesen Trend irgendwie in Frage stellen würde.

Genau genommen ist Gold der einzige langfristige Bullenmarkt, den wir seit Jahren haben. Ich habe auf jeden Fall nicht vor, solche Chancen zu verpassen, weswegen ich wie Sie wissen schon seit Jahren immer bullish für Gold bin, mal mehr, mal weniger - je nachdem wie stark das Gummiband gedehnt ist. Dieser Trend bei Gold ist auf jeden Fall ganz eindeutig mein Freund und erst ein Bruch dieser beeindruckenden Reihe von immer höheren Tiefs würde meine Sicht verdüstern.

An dieser Stelle möchte ich mir auch erlauben, der Legende Warren Buffett zu widersprechen. Buffet hat sich ja verschiedentlich despektierlich zu Gold geäussert. Ich versuche den Tenor seiner umfangreichen Aussagen über Jahrzehnte hier mit meinen eigenen Worten wiederzugeben: Gold sei ein totes Metall, das keine produktive Verwendung habe, keinen inneren Wert besitze, keinen Mehrwert schaffe und keine Zinsen oder Dividende abwerfe. Er verstehe nicht, warum man sich dergleichen in den Tresor lege, wenn man statt dessen eine Firma kaufen könne, die echten Mehrwert schaffe.

Das Witzige ist, ich habe zu diesen Aussagen Buffetts gar keinen Widerspruch. Er hat völlig Recht !

Allerdings nur unter einer ganz wichtigen Annahme, die er implizit macht: das der "Mehrwert" der von Firmen geschaffen wird und sich in Form von steigendem Depotwert manifestiert real ist, sprich das eine höhere Zahl auch wirklich realen Mehrwert bedeutet ! Oder in anderen Worten, dass das (Papier-) Geld in dem dieser Mehrwert gemessen wird, seinen realen Wert erhält.

Und hier genau liegt doch der Hase im Pfeffer und da hat Warren Buffet in meinen Augen einen blinden Fleck. Denn in einer Welt in der die Notenbanken wie wahnsinnig Geld schöpfen, ist genau das nicht der Fall. Und Buffetts Vergleich von Gold mit anderen Anlageklassen hat den Haken, dass Gold gar keine Anlage ist, denn :

Gold ist Geld ! Und zwar das ultimative Geld, das:

      -> seit tausenden von Jahren in jeder Kultur auf der ganzen Welt akzeptiert wird.

-> sich den Versuchen es aus dem Nichts zu "schöpfen" hartnäckig widersetzt - ebenso den Alchemisten des Mittelalters, wie den Notenbankern von Heute.

-> nie seinen Wert verloren hat und immer recht wertstabil war. So kostet ein Massanzug vom Schneider heute immer noch ungefähr so viel Gold wie vor 100 Jahren.

-> weder verdirbt, noch verloren geht noch beliebig vermehrbar ist.

Gold ist also das ultimative Geld, sozusagen der "Urmeter" der Finanzwelt und daran muss sich alles langfristig messen, was von sich behauptet "mehr" Wert geworden zu sein. Denn nur weil eine Zahl höher ist, heisst es noch lange nicht das realer Wert geschaffen wurde. Auch Gold schwankt natürlich in Moden und wird mal höher und mal niedriger bewertet, aber langfristig ist Gold der einzige objektive Massstab für Wert.

Wer Gold heute erwirbt, erwartet daher auch gar keinen Wertgewinn, es geht vielmehr nur darum, der Entwertung des Papiergeldes entgegen zu wirken. Gold steigt nicht wirklich, vielmehr verliert das Papiergeld an Wert - so herum ist es richtig. Und wer diese permanente Entwertung mal nachvollziehen will, der sollte sich mal einen Chart über 100 Jahre anschauen, der den inflationsbereinigten Wert des USD dem Goldpreis gegenüber stellt. Danach ist man nachhaltig kuriert.

Warren Buffet hat also durchaus Recht, reich werden kann man mit Gold nicht. Und Werte werden so auch nicht geschaffen. Das kann man nur mit dem richtigen Unternehmen im Depot, dass ala Apple die Welt erobert. Aber arm werden kann man mit Gold auch nicht und das ist mehr, als einem alle Zinsen und Dividenden versprechen können !

Aber selbst wenn Warren Buffet an dieser einen Stelle in meinen Augen einen kleinen blinden Fleck hat, ist doch sein jährlicher Berkshire Hathaway Aktionärsbrief immer höchst interessant zu lesen und für börseninteressierte wie uns eigentlich Pflichtlektüre. Sein aktueller Aktionärsbrief ist gerade heraus gekommen und kann nachgelesen werden. Buffetts Teil ist der "Chairmans Letter" und wie immer von sehr persönlichen und ehrlich formulierten Ansichten durchzogen.

Auch das macht diesen Aktionärsbrief so lesenswert, denn nichts sagende Formulierungen die sich hinter Floskeln verstecken um nicht angreifbar zu sein, kennen wir ja aus Geschäftsberichten und Analystenkommentaren zu Genüge. Bei Warren Buffet merkt man aber immer, dass hier jemand seine eigene Meinung kommuniziert und auch den Mumm, die Kompetenz und das Selbstbewusstsein besitzt dafür einzustehen - eine erfrischend persönliche Note, in einem traurigen Meer dürrer Verlautbarungen.

In diesem Sinne nehmen Sie sich doch mal die Zeit und folgen Sie Warren Buffett durch seinen Chairman´s Letter. Hier erklärt Ihnen einer der erfolgreichsten Investoren der Menschheits-Geschichte jedes Jahr kostenlos, wie er die Welt sieht. Eine Chance, die man in meinen Augen nicht verpassen sollte.

Und wenn Ihnen das zu lang oder zu mühsam ist, dann bitte tun Sie sich den Gefallen und lesen wenigstens den Abschnitt "The Basic Choices for Investors and the One We Strongly Prefer". Hier äussert er sich explizit zu seiner Investmentphilosophie und wie oben beschrieben zu Gold. Sehr lesenswert und gut investierte Zeit !

Viel Spass beim Lesen, ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !