Hari´s Märkte am Abend – 27.04.12 – Wochenabschluss

22 Uhr - Handelsschluss

Das war heute eine überzeugende Vorstellung der Bullen. Betrachtet man alleine den Indexstand, könnte man meinen, es sei ja nicht viel passiert. Wir hatten aber eine Herabstufung Spaniens und der Markt hat es verdaut, höhere Zinsen bei einer italienischen Anleihen-Auktion und der Markt hat es verdaut und zu guter Letzt ein richtig schlechtes Quartals-BIP in den USA und der Markt hat es auch verdaut !

In Anbetracht dieses Störfeuers also eine richtig überzeugende Vorstellung der Bullen, die in den US Indizes scheinbar die Kontrolle über den Markt zurückerlangt haben. Im S&P500 sind wir mit einem Schlussstand von 1403 nun nur noch ein gutes Prozent von den Jahreshöchstständen entfernt ! Wäre es im DAX ähnlich, würden wir aktuell bei 7100 notieren.

Nächste Woche stehen uns dann eine ganze Reihe Wirtschaftsdaten bevor - unter anderem der US Einkaufsmanagerindex am 01. Mai - bevor dann die Wahlen in Frankreich und Griechenland den "krönenden" Abschluss der nächsten Woche bilden. Zum Thema Hollande, Euro und Frankreich hat der ehemalige Chefredakteur der Spiegel Wirtschaftsredaktion und des Manager Magazins übrigens einen in meinen Augen ganz treffenden Artikel verfasst, den Sie hier unter dem Titel nachlesen können.

Es gibt also in den nächsten Wochen genug Futter für wilde Swings im Markt, in Anbetracht der zuversichtlichen Verfassung die Mr. Market nun zeigt, darf man aber durchaus mit einem ruhigen Optimismus auf die kommende Woche schauen. Technisch gesehen wurde im DAX die gestern dargestellte Cup&Handle Formation erneut bestätigt, aus dieser Sicht spricht nun viel dafür, dass wir uns im DAX demnächst auch mal wieder an der 7000er Marke versuchen werden.

Ein gesundes Mass an Skepsis kann aber weiterhin nicht schaden, ich rechne weiter damit, dass wir dieses Quartal an den Börsen noch einige "Aprilschauer" erleben werden. Ich selber werde daher bis auf weiteres die von mir definierte Range 6400-7100 im DAX spielen. Sprich bei Kursen oberhalb 6900 werde ich zunehmen abbauen und bei Kursen unter 6600 zunehmen kaufen. Sollte ich irgendwann Signale erkennen, die für einen starken Trend aus der Range heraus nach oben sprechen, werde ich diese Strategie anpassen. Bis dahin gilt aber für mich die oben genannte grundlegende "Schaukelstrategie".

Damit zu einzelnen Aktien:

Rheinmetall (WKN 703000) und Daimler (WKN 710000) lieferten Zahlen im Rahmen der Erwartungen, Rheinmetall leicht schwächer und Daimler leicht stärker als erwartet. Beide Zahlenwerke boten aber nichts, was aus meiner Sicht eine Neubewertung der Titel notwendig machen würde. Für die heutige Schwäche von Daimler in Anbetracht guter Zahlen habe ich keine vernünftige Erklärung - so ist das manchmal und dann bleibt nur abwarten. Ich bleibe bei beiden Aktien Long.

Einer meiner Favoriten, Continental (WKN 543900), lieferte heute ganz ausgezeichnete Zahlen und wurde vom Markt dafür mit 3% Plus belohnt. Ich habe diese Zahlen nun aber zum temporären Ausstieg genutzt. Grund sind keineswegs Zweifel an der Geschäftsentwicklung, sondern die Fragezeichen wie Schaefler nun ab Sommer mit seinen Anteilen an Continental umgeht. Eine aus der Krise 2008 datierende Beschränkung von Schaeffler läuft scheinbar dieses Jahr aus.

Ich kenne den detaillierten Inhalt der Klauseln nicht, aber die Vermutung ist naheliegend, dass die Klauseln Schaeffler in der unternehmerischen Freiheit begrenzt haben. Insofern, und in Anbetracht der bei Schaeffler wohl nach wie vor vorhandenen Schulden, sind für mich allerlei gesellschaftsrechtliche Szenarien denkbar, die den Aktienkurs beeinflussen könnten - gute, ebenso wie schlechte für den Kurs. Da ich ungern in Aktien investiere, wenn diese unter dem Risiko unberechenbarer externer Einflüsse stehen, bin ich nun erst einmal auf die Seitenlinie getreten. Nachdem diese Unsicherheit verschwunden ist, wird Continental aber sicher wieder in meinen Fokus geraten, denn an der ausgezeichneten Geschäftsentwicklung und den langfristig guten Perspektiven habe ich wenig Zweifel.

Einen riesigen Satz machte heute Wacker Chemie (WKN WCH888), nachdem der Vorstandsvorsitzender Rudolf Staudigl anlässlich des Betriebstarts der Anlagen in Nünchritz davon sprach, dass die Absatzmengen im 1. Quartal 2012 um knapp 50 Prozent höher waren als vor einem Jahr. Die entsprechende Pressemitteilung können Sie nachlesen.

Der Markt beantwortete das mit einem Feuerwerk, das Intraday zeitweise ein Plus von 10% erreichte. Besonders positiv ist, dass der Markt nach mässigen Abgaben bis 60€ herunter, sich dann erneut Richtung 63€ und damit 10% Plus bewegte. Das bedeutet, dass Mr. Market auch nach intensivem Nachdenken den heutigen Nachrichten hohe Bedeutung bemisst.

Wacker Chemie hatte zuletzt massiv unter den ins bodenlose gefallenen Polysilicium-Preisen gelitten und sollte sich dort nun eine nachhaltige Wende andeuten, wäre der Titel ein ganz heisser Kandidat für deutlich höhere Kurse. Mit der heutigen Bewegung beginnt der Markt also nun einen besseren Quartalsbericht am 04.05.12 und vor allem einen besseren Ausblick einzupreisen. Ich habe nach dem explosionsartigen Anstieg heute den leichten Rücksetzer genutzt, um bei 60,8€ eine erste spekulative Long-Position einzugehen.

Gold (XAUUSD) und die Goldminen arbeiten nun heftig an dem vor drei Tagen -> hier <- antizipierten Ausbruch. Das Preisverhalten sieht in dem Bereich weiter sehr vielversprechend aus, es ist aber noch zu früh um Vollzug zu melden. Insofern ist weiter Geduld gefragt, bisher läuft aber alles wie erwartet.

Wenn Sie Lust haben, schauen Sie auch mal am Wochenende bei sumerdigital.de vorbei, denn mit etwas Glück und abschliessender Arbeit schafft es ein neuer Gast-Artikel von "Tokay" zum Thema "Dont fight the Fed !" vielleicht dieses Wochenende in den Blog.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Marktupdate US Arbeitsmarktdaten – 06.04.12 – Red Alert !

Mr. Market arbeitet auch am Karfreitag und deshalb am heutigen Feiertag ein kurzes Update zu den US Arbeitsmarktdaten, weil das nun für die kommenden Wochen und Monate ein ganz entscheidender Moment ist.

Die Arbeitsmarktdaten fielen heute mit nur 120k neu geschaffenen Stellen deutlich schlechter aus als erwartet (200) und waren auch deutlich schlechter als in den Vormonaten !

Der Konsens der sich aktuell auf der "Street" bildet ist, dass die sehr guten Daten der Vormonate aufgrund des warmen Winters einen Vorzieheffekt hatten und es um die Beschäftigung und Konjunktur in den US lange nicht so gut steht, wie zuletzt angenommen.

Im S&P 500 Future Handel fiel der Index heute um ca. 1,5%, erreichte im Tief 1376 und schloss bei 1380. Überträgt man das auf den DAX hätten wir wohl heute schon die 6600-6650 gesehen, falls die Börsen heute auf gewesen wären.

So schauen wir nun mit grosser Spannung auf die asiatischen und amerikanischen Börsen am Ostermontag. Denn nun stehen wir eindeutig am Scheideweg. Wir dürfen im S&P 500 auf keinen Fall die 1390 verlieren, sonst öffnen wir die Büchse der Pandora.

Ich habe Ihnen zur Veranschaulichung das aktuelle Chart des S&P 500 Futures mitgebracht, inklusive des heutigen Absturzes. Ich denke man muss kein Raketenwissenschaftler sein um zu sehen, wie wichtig die 1390 für den Markt ist. Und die Topping-Formation ist ja auch offensichtlich.

Sollten wir die 1390 nicht spätestens am Dienstag zurück erobern können, öffnet das die Tür für einen ausgiebige Korrektur, die den DAX dann mit hoher Wahrscheinlichkeit bis 6400 drückt, wenn nicht tiefer. Denn wenn gleichzeitig zum Abkippen der US Märkte die Euro-Krise rund um Spanien und Frankreich (Wahl) weiter köcheln sollte, kann der DAX auch schnell mal bis 6200 oder tiefer abgeben, da sollten wir uns keiner Illusion hingeben.

Aber noch ist Polen nicht verloren, denn Mr. Market ist ja ein ziemlich psychotischer Geselle mit dem Hang zum Drogenkonsum und letztlich entscheidet die Dosis der Droge "billiges Geld" über sein Wohlbefinden. So könnten diese schwachen Arbeitsmarktdaten zu dem schizoiden Swing führen, das aufgrund der Daten ein neues QE3 Programm der FED nun wieder wahrscheinlicher geworden ist. Und das würde bei Mr. Market alle anderen Befindlichkeiten überdecken und wir könnten am Montag wieder in die Range oberhalb 1390 drehen - gerade weil die Arbeitsmarktdaten schwach waren.

Aber letztlich ist das nur Spekulation, wir sollten uns nach dem einzigen unbestechlichen Kriterium richten das wir zur Verfügung haben - dem Preis.

Gelingt es dem S&P 500 am Ostermontag also im Lichte dieser Arbeitsmarktdaten wieder die 1390 zurück zu erobern - aus welchen verqueren Überlegungen auch immer - ist weiter alles in Ordnung und die derzeitige Korrektur im DAX könnte dann bald auslaufen. Gelingt das dem S&P 500 aber nicht und drehen wir am Ostermontag weiter nach unten, ist das dann möglicherweise ein ganz grundlegendes Signal mit Wirkung für das ganze 2. Quartal.

Die FED wird bestimmt wieder intervenieren und es nicht zu einem völligen Absturz im Wahljahr kommen lassen. Aber wahrscheinlich noch nicht in der April-Sitzung und nicht nur aufgrund einmaliger Daten. Die nächste Sitzung ist aber dann erst wieder im Juni und bis dahin hätte Mr. Market jede Menge Zeit sich zu ängstigen und an den Nägeln zu kauen. Und eine solche Phase muss man nicht unbedingt mit einem Aktiendepot an den Märkten erleben.

Mein grundsätzliches Bild, das ich schon vorletzte Woche kommuniziert hatte - nun raus aus dem Markt und im Hochsommer wieder rein - scheint also nun endgültig im Bereich des Möglichen angekommen zu sein.

Richten Sie sich für Montag und Dienstag also schon auf gewaltige Volatilität ein, und nehmen Sie ernst, was der Markt Ihnen am Montag und Dienstag sagt. Wenn da jetzt keine Stärke kommt, hat das Bedeutung über den Tag hinaus. Deshalb gilt ab Montag wohl: Red Alert - All Hands to Battlestations !

Hari´s Märkte am Abend – 03.04.12 – Der Markt als Zappelphilipp

22 Uhr - Handelsschluss

Eigentlich war heute ein sehr bewegter Tag an den Börsen. Durch diverse Aktivitäten und einige Telefonate im Zusammenhang mit den Blog-Awards hatte ich aber so viel Ablenkung, dass ich nicht so richtig zum Schreiben gekommen bin.

Unerfreulich war heute wieder die Entwicklung im DAX. Hielt er sich lange im normalen Bereich oberhalb 7000, wurde zum Handelsende dann wieder massiv abverkauft und das erneut weit stärker als die verhaltene Bewegung im S&P500. 100 Punkte in kurzer Zeit sind schon eine Hausnummer und damit wiederholte sich das Erlebnis von gestern Vormittag erneut. Und erneut war der DAX damit wesentlich schwächer als die US Indizes und langsam ist das für mich kein Zufall mehr.

Denn ebenso unerfreulich ist in Europa die erneute Schwäche der Banken, da frisst sich gerade etwas sehr Unschönes in den Markt, dessen Quelle durchaus in Spanien verortet werden könnte. Das ist in meinen Augen auch der Grund warum die Commerzbank (WKN 803200) nicht "in die Puschen" kommt. Nicht Unternehmsnachrichten, sondern die Schwäche des gesamten europäischen Bankensektors scheint mir die Ursache. Mein Gefühl, dass wir demnächst eine neue Iteration der Euro-Krise erleben, bekommt dadurch neue Nahrung - vielleicht ja endgültig ausgelöst durch die Wahl in Frankreich und befeuert durch Spaniens Probleme.

Der iShares EuroStoxx Banks (WKN 628930) spricht eine deutliche Sprache. Noch vor 2 Wochen sah es so aus, als ob die Kurse der Banken nun nachhaltig nach oben drehen würden. Aber davon kann nun keine Rede mehr sein, der Kurs des ETF steht nun kurz davor wieder in Richtung Tiefststände abzukippen. Wenn man berücksichtigt, wieviel Milliarden die EZB auf die Banken geworfen hat und wie risikolos damit Gewinne gemacht werden können, ist diese Entwicklung in meinen Augen verheerend und lässt nichts Gutes ahnen. Noch besteht die Chance, dass der ETF nun einfach wieder nach oben dreht, aber viel Zeit bleibt den Bankaktien nicht mehr um zu zeigen, dass die Euro-Krise wirklich vorbei ist.

Ebenfalls unschön war, was dann an der Wallstreet um 20 Uhr passierte. Da erschienen die FED Minutes der letzten Sitzung, aus denen hervor ging, dass die Wahrscheinlichkeit eines Anschlusstimulus geringer wird, weil sich immer weniger der Mitglieder in Anbetracht einer anziehenden Konjunktur dafür aussprechen.

Eigentlich könnte man ja meinen, das Mr. Market das gut findet, denn eine anziehende Konjunktur ist doch etwas Feines. Aber ein echter Drogensüchtiger will halt einfach nur billiges Geld und das rückt nun in weitere Ferne. Im Juni läuft das bisherige Ankaufprogramm für Anleihen der FED aus und der Markt hofft nun zitternd und bibbernd auf den nächsten Schuss.

Konsequent wurden dann auch die Rohstoffe und vor allem der Edelmetallsektor in Grund und Boden verkauft, ich muss gestehen mich beginnt dieses Gezappel des Edelmetall-Marktes zunehmend zu nerven, denn kein Setup scheint da im Moment länger als 48 Stunden zu halten. Auch das sind Signale des Marktes, die es mir nahelegen demnächst auf die Seitenlinie zu treten und sich das Schauspiel in Mai und Juni entspannt von aussen anzuschauen.

Ich halte den letzten Schub Richtung 1450 im S&P500 aber immer noch für möglich und warte daher noch ab. Denn gegen Handelschluss wurden die US Märkte dann wieder hoch gekauft und 0,4% Minus im S&P sind nun wirklich nicht der Rede wert, wenn man den DAX dagegen sieht.

Bei aller Zappelei des Marktes fühle ich mich daher im Moment in amerikanischen Aktien trotzdem deutlich wohler als im DAX, denn die US Indizes sind nach wie vor in einem klaren Aufwärtstrend und agieren zumindest einigermassen nachvollziehbar.

Trotz der heutigen Schwäche des Marktes zeigte Rheinmetall (WKN 703000) grosse Stärke und schloss um 1,5% höher. Rheinmetall steht kurz vor einem Ausbruch aus der Konsolidierungszone, die bei ungefähr 47€ einen Deckel hat. Sollte das gelingen, sind Kurse um 55€ das nächste Ziel. Auch fundamental sieht Rheinmetall, wie hier ja mehrfach schon erwähnt, in meinen Augen sehr gut aus. Sollte der Ausbruch aber nun nicht gelingen - denn dafür bräuchte es wohl einen unterstützenden Gesamtmarkt - dürfte Rheinmetall in der Konsolidierungszone wohl zunächst wieder an die unteren Begrenzung im Bereich 42€ zurückfallen. Insofern scheint nun eine Entscheidung bevor zu stehen, so oder so.

Bei Tesla Motors (WKN A1CX3T) ist definitiv etwas in Bewegung. Nach kurzen Konsolidierungen springt der Kurs immer wieder in Schüben nach oben, so auch heute um 4%. Der Ausbruch nach oben ist bei Tesla bestätigt und ich wäre gar nicht überrascht, wenn wir in nicht zu ferner Zukunft da auch 50 USD auf der Kurstafel sehen. Aber Vorsicht, die Aktie ist völlig von Unternehmensnachrichten getrieben und eine schlechte Nachricht kann den Kurs auch mal eben um 20% nach unten abstürzen lassen ! Wie immer stehen grossen Chancen halt auch grosse Risiken gegenüber.


Source:

Denn auch wenn es uns die Finanzindustrie manchmal anders verkaufen will: es gibt eben keinen hohen Renditen ohne ebenso hohes Risiko ! Halt ich vergass, das stimmt gar nicht allgemein. Das gilt nur für uns dumme Bürger, Banken dürfen sich dagegen risikolos Geld zum Minizins bei der EZB leihen und es dann in alles hinein stecken, was eine etwas höhere Rendite abwirft und so nahezu garantierte Gewinne machen. Und wenn sie selbst dabei versagen sollten, werden sie trotzdem "gerettet". Aber Banken sind ja auch "systemrelevant", wir nicht.

Schade eigentlich, wie bekommt man eigentlich eine Banklizenz ? Ich würde mir auch gerne bei der EZB "für umme" ein paar Milliarden leihen und den Markt damit mal so richtig in Wallung versetzen. Hari´s "Shock and Awe" Anlagepolitik, das wäre doch mal was anderes. 😉 Und den Zugang zu meinem Portfolio 50 Millisekunden vor allen anderen, verkaufe ich dann gegen 1 Million pro Tag und dürfte mich trotzdem vor Bewerbungen von HFT-Jüngern kaum retten können. Man darf ja mal träumen 😉

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 22.02.12 – Frankreich und die Glaskugel

22 Uhr - Handelsschluss.

Die Orientierungsphase und Konsolidierung des Marktes dauert wie erwartet an.

Ich habe schon oft erwähnt, dass man in Korrekturen oder Konsolidierungen mehr über den Markt lernt, als bei ein paar Prozent Anstieg mehr oder weniger. Und dieser Markt ist ganz ruhig, geradezu gelassen und korrigiert auf breiter Front ohne jede Hektik oder Angst.

Dieses Verhalten sollte man als positives Zeichen werten. Denn es gibt zwei Gründe warum ein Markt unerwartet crashartig abstürzen kann:

(1) Durch ein überraschendes, exogenes Ereignis ala Fukujima. Dergleichen kann immer und jederzeit passieren, auch in den nächsten 5 Minuten nachdem ich den Artikel hier Online gestellt habe. Das ist einfach das normale Risiko des Lebens und wer sein Geld diesem Risiko nicht aussetzen will, sollte gar nicht an der Börse sein.

(2) Aus innerer Nervosität heraus, die dann einen kleinen Schmetterlingsschlag des Schicksals zu einem wasserfall-artigen Absturz werden lässt, weil dann alle gleichzeitig zum Ausgang rennen. Derartige Nervosität und die damit einhergehende Volatilität haben wir ja letzten Herbst eindrücklich erlebt. Aber derartige Nervosität entsteht nicht aus dem Nichts innerhalb einer Stunde. Und sie vergeht auch nicht in einer Stunde. Die muss wachsen, weil bestimmte Risiken sich langsam in die Wahrnehmung des Marktes hinein fressen.

Und deshalb muss man das derzeitge Marktverhalten positiv werten. Sicher ist (1) jederzeit möglich, aber (2) ist im Moment definitiv nicht vorhanden und wenn doch wieder solche Nervosität entsteht, wird man die vorher bemerken und sich entsprechend darauf einstellen können. Hohe Volatilität ist ein Prozess und kein singuläres Ereignis, das einen "mal eben" überraschen kann.

Ich weiss, dass fast alle technischen Indikatoren derzeit mehr oder weniger laut "Korrektur" schreien. Das zu erkennen erfordert aktuell nun wirklich keinen Doktor in Raketentechnik, sondern nur eine halbwegs scharfe Brille um RSI, MACD, Stochastik etc ablesen zu können. Und vielleicht kommt eine grössere Korrektur auch jetzt, obwohl mir mein Instinkt sagt: "jetzt noch nicht, aber später". Aber wenn sie kommt, dann bin ich überzeugt, dass derzeit noch so viel Geld an der Seitenlinie genau auf diese Korrektur hofft und wartet, dass sie schnell wieder vorbei sein wird.

Umgekehrt wirkt der Markt aber auch nach oben ziemlich müde. Ich glaube also nicht, dass 2 Tage als Konsolidierung ausreichen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir nun ein oder zwei Wochen in einer Seitwärtsbewegung mit leicht fallender Tendenz verharren, weil Mr. Market diese Zeit einfach braucht, um wieder Kraft für den nächsten Schub nach oben zu sammeln.

Wenn wir übrigens beim Instinkt sind, kann ich mir vorstellen, dass der nächste wirklich Angst machende Aufreger für den europäsichen Markt die Präsidentschaftswahl in Frankreich sein wird, die den ersten Wahlgang am 22. April hat. Denn was man vom Kandidaten der Sozialisten Francois Hollande hört - Absichten wie die Rentenreform zurück zu drehen und das Einstiegsalter wieder auf 60 zu setzen oder den Fiskalpakt in Europa neu zu verhandeln - wird Mr. Market massiv Angst machen.

Nicht wegen den Auswirkungen solcher Politik in Frankreich - sollen die das doch innenpolitisch machen, was sie davon haben werden sie schon merken. Sondern wegen der Sprengkraft auf die gerade gewonnene Einigkeit innerhalb der Euro-Zone. Denn ein Frankreich, dass von Deutschlands Seite weicht und fröhlich die Politik des Geldausgebens auf Pump in den EU Gremien forciert, lässt Deutschland nur die Wahl zwischen Syphilis und Tripper. Syphilis wenn Deutschland im Euro bleibt und damit endgültig zum Zahlmeister Europas wird. Wir gehen dann also mit 67 oder 69 in Rente, damit Hollande seine Wahlversprechen finanzieren kann. Letztlich würde es ein paar Jahre dauern, aber eine deutsche Regierung die da mitmacht, würde auch bei uns dann weggefegt. Und Tripper, wenn Deutschland das nicht akzeptiert und dann aber den Euro zwingend verlassen muss, was wiederum den Euro sprengen und Deutschland als "bösen, unsolidarischen Verräter" stigmatisieren würde.

Und um den naheliegenden Einwurf gleich zu beantworten: natürlich bin auch ich der Überzeugung, dass alles was Hollande jetzt im Wahlkampf sagt, hinterher nicht so heiss gegessen wird. Auch ein Hollande wird sich letztlich den fiskalischen Realitäten beugen müssen. Aber das ist hier nicht der Punkt, denn Mr. Market wird eben vor der Wahl schon in massive Unruhe geraten, wenn der Vorsprung von Hollande vor Sarkozy deutlich und seine Rhetorik zum Europa und dem Euro unverändert bleibt. Dann wird der Markt schon Anfang April das mögliche Szenario eines Zerfalls der Euro-Zone einpreisen. Denn Mr. Market handelt die Zukunft und wartet keine Wahlen ab !

Um mal meine beschlagene Glaskugel für das mittelfristige Bild zu bemühen, kann ich mir also gut vorstellen, dass der Markt nach der derzeitigen Konsolidierung noch einen kräftigen Schluck nimmt und deutlich über die 7000 im DAX schiesst. Auch 7500 sind bis Anfang April sicher machbar. Dann aber, ab ca. Mitte März, mit dem Näherrücken der französischen Wahl, immer nervöser wird und letztlich im April in einen grösseren Korrekturmodus wechselt. Denn die Wahl in Frankreich und damit erneut die Existenzfrage der Eurozone hat allemal das Potential, der nächste schwere Aufreger für Mr. Market zu werden.

Ich verfolge ja den amerikanischen Markt und die Kommentare in Presse und Blogs sehr aufmerksam. Das in der französischen Wahl steckende Risiko für die Eurozone ist derzeit noch kein Thema an der Wallstreet, ich bin aber sicher: das kommt noch !

Das nur als Gedankenanstoss, Sie wissen ja: auch meine Glaskugel funktioniert nicht wirklich. Aber es schadet nicht, sich gedanklich auf solche möglichen Szenarien einzustellen. Handeln sollte man aber bitte nicht auf Verdacht, sondern erst, wenn der Markt mit seinem Verhalten ein solches Szenario ganz real bestätigt. Und die Signale die uns Mr. Market in dieser Konsolidierung bisher sendet lauten nach wie vor: Vorteil für die Bullen ! Es wäre in meinen Augen nicht klug, sich auf Verdacht gegen diese Signale zu stellen.

Was die Einzelaktien angeht, gehen Sie einfach mal durch die heutigen Kurslisten und schauen Sie, welche deutschen Aktien heute im Plus oder nur minimal im Minus waren. Da werden Sie auch einige Titel (Stichwort: Rheinmetall, Continental, Daimler etc) finden, die wir hier schon explizit besprochen haben. Relative Stärke in einer Konsolidierung ist ein sehr wichtiges Zeichen, das eine Menge über zukünftige Chancen aussagt. Insofern ist diese Übung heute sehr sinnvoll.

Auch bei einem meiner langfristigen Favoriten, der in Deutschland erstaunlicherweise trotz 120.000 Mitarbeitern und 20 Milliarden € Jahresumsatz kaum bekannten Schneider Electric (WKN 860180), geht es nun richtig nach oben. Das Unternehmen bewegt sich primär im Bereich der Energieverteilung und der Automation, wobei Schneider Electric zunehmend einen Schwerpunkt im intelligenten Gebäudemanagement ausbildet. Energiesparende Gebäude und automatisierte Gebäudetechnik sind dank steigender Energiepreise einfach ein wachstumsstarker Zukunftsmarkt und Schneider Electric dort der Marktführer in Europa. Erst heute hat das Management sich vorsichtig und zurückhaltend zum Geschäftsverlauf in 2012 geäussert und was macht der Kurs statt dessen ? Er steigt um rund 5% 😉 Das ist das typische Zeichen, das bei einem substanzstarken Unternehmen scheinbar alle schlechten Nachrichten schon eingepreist sind. Auch der Chart sieht ausgezeichnet aus, auch wenn man nach oben nun keine Wunderdinge erwarten darf. Schauen Sie einfach mal selber drauf.

Und Gold hat die gestern erwähnte positive Tendenz heute eindrucksvoll bestätigt. Wir haben mit ca. 1778 USD geschlossen und da ist definitiv was im Gange ! Meine Nase hatte scheinbar den richtigen Riecher und manchmal lohnt es sich halt auch, einfach derselben zu folgen.

Zu Einzelaktien aus Deutschland gibt es ansonsten bedingt durch die gleichmässigen und geordneten Abgaben im Markt heute auch herzlich wenig, was ich nun unbedingt erwähnen müsste. Also lasse ich es heute mal dabei, hole mir einen Rotwein und geniesse einen Abend, an dem mir auch die Börse Raum zur Entspannung gewährt.

Bis Morgen !
Ihr Hari