Börsenregeln reloaded II: Don´t fight the Fed !

Ein Gastartikel von Tokay

Börsenregeln reloaded II: Don´t fight the Fed !

Heute möchte ich meine Serie fortsetzen mit einem, wie ich finde, mindestens ebenso aktuellen Thema wie beim letzten Mal. Es geht um die Regel: „Don't fight the fed“.

Die „Fed“ - das war bei uns früher die Bundesbank und ist heute die Europäische Zentralbank/EZB. Nach dieser Regel soll man nicht gegen die Zentralbank, heutzutage also somit nicht gegen die EZB spekulieren, sondern mit ihr. Ein Aktieninvestor, der diese Regel beherzigen wollte, müsste somit Aktien kaufen, wenn die EZB ihren Leitzins senkt, und Aktien verkaufen, wenn sie ihn erhöht. Warum sollte er das tun? Wenn die Zentralbank die Zinsen erhöht, dann steigen im allgemeinen auch die Anlagezinsen. Der Investor könnte dann sein Kapital auf einem Geldmarktkonto parken und einen Zins vereinnahmen. Außerdem hat eine solche Maßnahme direkten Einfluss auf die Kreditpolitik der Geschäftsbanken und damit auf die allgemeine Wirtschaftstätigkeit.

Die wichtigste Steuerungsgröße früher unter der Bundesbank und heute unter der EZB waren bzw. sind Offenmarktgeschäfte. Über einen sogenannten Mengentender teilt die Zentralbank den Geschäftsbanken mit, zu welchem Zins sie bereit sind, Zentralbankgeld bereitzustellen bzw. anzukaufen. Die Geschäftsbanken teilen dann der EZB mit, welchen Betrag sie zu kaufen bzw. verkaufen bereit sind. Daraufhin kauft bzw. verkauft die Zentralbank Wertpapiere von den Geschäftsbanken und teilt den Geschäftsbanken nach einem festgelegten Verfahren zu den vereinbarten Konditionen Zentralbankgeld zu. Man nannte diese Geschäfte zu Bundesbankzeiten auch Wertpapierpensionsgeschäfte, da die Geschäftsbanken Wertpapiere bei der Bundesbank sozusagen „in Pension“ gaben. Zeitweise hat man auch mit Zinstendern gearbeitet, bei denen dann die Zentralbankgeldmenge fixiert wurde. Seit 2008 ist die EZB wieder zum Mengentender zurückgekehrt. Der Leitzins der EZB ist der sogenannte Zinssatz für Hauptfinanzierungsgeschäfte(main refinancing operations); er liegt derzeit bei 1,0 Prozent.

Wir haben also unsere Fälle wie folgt konstruiert:

Wir nehmen an, es hätte schon in 1959 den DAX gegeben und man hätte eine „DAX-Aktie“ im Verhältnis 1 DAX-Punkt zu 1 € kaufen können. Weiter nehmen wir an, das Depotkonto wäre nicht verzinst worden und es wären keine Depotgebühren berechnet worden.

Im Fall 1 haben wir einen Investor, der am 31.12.1959 den Gegenwert von 100.000 € auf seinem Anlagekonto gehabt habe. Dann hätte dieser Investor beobachtet, ob die Bundesbank sich in einer Phase der Zinssenkungen befunden hat. Am Ende des ersten Monats, an dem dies der Fall gewesen wäre, hätte er dann von seinem Anlagebetrag so viele DAX-Aktien wie möglich gekauft. Er hätte weiterhin beobachtet, wann die Bundesbank bzw. dann später die EZB begonnen hat, ihren Leitzins zu senken. Am Ende der ersten Monats, an dem dies der Fall war, hätte er er seinen Aktienbestand wieder verkauft. Bei einem Verkauf wäre der erlöste Betrag auf das Depotkonto verbucht und dieser Betrag bei Eintreten der Kaufbedingungen erneut investiert worden. Für jede Transaktion wären 0,5 % der Kaufsumme fällig geworden. Derartige Operationen hätte er dann bis Ende 2011 durchgeführt.

Fall 2 wäre genau gleich wie der Erste, aber hier wären keine Transaktionskosten fällig geworden.

Im Fall 3 hätte dieser Investor zum selben Zeitpunkt einmalig für 100.000 € DAX-Aktien gekauft und bis Ende 2011 behalten.

Nachfolgend sind die Monate dargestellt, an deren Ende der Investor einen Kauf bzw. Verkauf getätigt hätte. Zum Ende eines grün unterlegten Monats hätte er gekauft, zum Ende eines rot unterlegten Monats hätte er verkauft.Der Beginn der ersten Zinssenkungsphase in diesem Zeitraum fand demnach im November 1960 statt. Der fiktive DAX stand am Ende dieses Monats bei 538,4 Punkten. Somit hätte der Investor zu Ende dieses Monats eine „DAX-Aktie“ für €538,40 gekauft. Die Bundesbank senkte in der Folgezeit den Diskontsatz solange, bis sie ihn im Januar 1965 wieder erhöhte. Somit hätte der Investor diese „DAX-Aktie“ zu einem Kurs von € 489,00 wieder verkauft. Dieser Logik folgend, hätte er folgende Operationen bis Ende 2011 durchgeführt.

Wie wir sehen, trat meistens der Effekt ein, den man erwarten würde, aber nicht immer. So senkte die EZB den Zinssatz für Hauptfinanzierungsgeschäfte im Mai 2001 von 4,75 Prozent auf 4,5 Prozent. Die Börsenkurse stiegen in der Folge aber nicht, sondern gingen erst einmal deutlich nach unten, ehe es im Frühjahr 2003 während des Irakkrieges wieder zu einem Anstieg kam. Die längste Phase der Zinssenkungen gab es in den neunziger Jahren; im September 1992 senkte die Bundesbank den Diskontsatz von 8,75 auf 8,25 Prozent. Dieser Prozess kam erst gegen Ende der Neunziger Jahre zum Ende, als der Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte von der EZB von 2,5 auf 3,0 Prozent erhöht wurde.

Hier ist der Betrag, der aus den 100.000 € geworden wäre: sowie die Jahresrendite über den untersuchten Zeitraum:

Die Jahresrenditen sähen so aus:

Damit hätte der Investor mit der Strategie „Don't fight the fed“ eine Überrendite erzielt. Diese Überrendite wäre durch die mit den Transaktionen verbundenen Kosten nur unwesentlich gemildert worden. Der Zinseszinseffekt hätte sich in diesem Fall zugunsten des Anlegers ausgewirkt. Sie wäre in Wahrheit sogar noch deutlich größer ausgefallen, denn natürlich hätte ein Investor den erlösten Betrag auf einem Tagesgeldkonto geparkt. Die Strategie, sich an der Zinspolitik der heimischen Notenbank zu orientieren, hätte also langfristig funktioniert.

Berechnet man das geometrische Mittel über die Phase der Zinssenkungen sowie über die Phase der Zinsanstiege, dann ergeben sich folgende Werte:

Eine Zinssenkung bewirkt also im längerfristigen Mittel einen Anstieg der Aktienkurse auf Jahressicht um fast 10 Prozent, eine Leitzinserhöhung lässt diese hingegen um gut 3 Prozent sinken. Außerdem dauert eine Zinssenkungsphase ungefähr doppelt so lange wie eine Phase der Zinserhöhungen; im Durchschnitt hatten wir also eine Zykluslänge von etwa fünf bis sechs Jahren. Auch daran sieht man, dass es sich im Allgemeinen lohnt, mit Zinssenkungen im Rücken anzulegen, und es bei Zinsanstiegen schwerer hat.

Wenn man wissen möchte, in welchem Zeitraum sich eine zinspolitische Maßnahme ausgewirkt hat, dann sieht man folgendes:

Spätestens ein Jahr nach dem Beginn einer Phase der Leitzinssenkungen kommt es also im allgemeinen zu einer sehr deutlichen Aufwärtsentwicklung der Aktienkurse. Außerdem steht nach sechs und nach zwölf Monaten der Index im allgemeinen nach Zinssenkungen deutlich höher als bei Zinsanstiegen. Anders sieht es nach drei Monaten aus: Beginnende Zinserhöhungen haben noch nicht sofort ungünstigere Auswirkungen auf die Märkte als beginnende Zinssenkungen. Genauso wenig haben in der Vergangenheit Zinssenkungen bereits nach einem Quartal positive Auswirkungen an den Aktienmärkten gehabt.

Dies hängt sehr wahrscheinlich mit der Wirkungsweise von Leitzinsänderungen zusammen. Denn das Ziel sowohl der Bundesbank als auch heute der EZB ist in erster Linie die Gewährleistung der Preisstabilität. Der Leitzins wird im allgemeinen dann erhöht bzw. gesenkt, wenn das Preisniveau in Gefahr bzw. nicht mehr von der Notenbank in Gefahr gesehen wird. Wenn aber das Preisniveau nicht mehr in Gefahr ist, dann hat sich bereits länger vorher die Geschäftstätigkeit zurückentwickelt. Bis eine Veränderung der Leitzinsen in der Realwirtschaft ankommt, vergeht ebenfalls einige Zeit.

Man erkennt allerdings auch, dass sich die Mechanismen seit dem Beginn der Finanzkrise 2008 in ihrer Wirkungsweise verändert haben. So hat die EZB seither den Geschäftsbanken in bisher ungekanntem Ausmaß Liquidität zur Verfügung gestellt, da das Interbankengeschäft andernfalls vollständig zum Erliegen gekommen wäre. Der im April 2011 eingeleitete Zinserhöhungszyklus wurde im November bedingt durch die Eurokrise schon wieder abgebrochen. Die Geldmarktzinsen werden seither wieder niedrig gehalten, um eine erneute Verschärfung der Eurokrise zu verhindern. Das Problem ist hierbei die gravierende Verschuldungssituation von Staat und Privatsektor in den Euro-Peripheriestaaten. Auch wenn die Erhaltung der Preisstabilität natürlich weiterhin das vorrangige Ziel der EZB ist, so geht es ihr doch auch darum, den Euroraum vor dem Absturz zu bewahren.

Wird man die Formel „Don't fight the fed“ in naher Zukunft gewinnbringend für seine Anlagen nutzen können? Ich fürchte nein. Denn die Zinsen befinden sich bereits auf rekordtiefem Stand; eine weitere Senkung ist nur denkbar bei noch weiterer Verschärfung der europäischen Situation. Eher muss man befürchten, dass die monetäre Expansion irgendwann ihren Niederschlag in der Realwirtschaft finden könnte und die EZB sich hierdurch veranlasst sehen könnte, gegenzusteuern, was die Märkte eher dämpfen würde. Und so muss man als Anleger vor allem zum einen darauf hoffen, dass die Weltwirtschaft wieder in ein ruhigeres Fahrwasser gerät, das es den Unternehmen ermöglicht, ihre Erträge kontinuierlich zu steigern. Zum anderen könnte ein intelligenteres Management der Eurokrise als bisher dafür sorgen, dass die Risikoabschläge auf dem Aktienmarkt geringer werden. Die Notenbanken alleine, wenngleich sie Hauptakteure sind, können dies nicht bewirken.

Tokay

Hari´s Märkte am Abend – 25.04.12 – Apple hebt die Stimmung – FED bleibt gelassen

22 Uhr - Handelsschluss

An Apple (WKN 865985) sieht man heute mal, was eine einzelne Aktie für eine Auswirkung haben kann. Sicher spielten auch andere Effekte eine Rolle, aber die grandiosen Zahlen von Apple, verbunden mit 10% Plus im heutigen Handel haben ganz klar weltweit die Börsenstimmung gehoben und so erste Käufer motiviert in den Markt zu gehen. Und dann passiert, was heute passiert ist, die ersten Käufe ziehen weitere nach sich und so entsteht ein positiver Trendtag wie heute.

Die FED hat dagegen keine Überraschung geliefert. Und da der Markt genau das auch erwartet hatte, gab es auch kaum Reaktion auf die Beschlüsse. Die Rede von Ben Bernanke ab 20.15 Uhr sorgte dann noch für etwas Volatilität, weil jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird und zu Reaktionen führt. Ausserdem gibt es mittlerweile Algos, die direkt auf die Worte einer Rede traden, was solche Reden noch gefährlicher macht. Algos die schriftliche Nachrichten direkt nach Keywörtern durchsuchen und darauf traden gibt es schon länger. Um das eine mit dem anderen zu verbinden, braucht es nur Software die eine Rede live "mitschreibt" - auch das ist nichts Neues, zum Beispiel für Diktatsoftware. So hängen nun nicht mehr nur Menschen, sondern auch Computer-Algorithmen an den Lippen des FED Chairmans - welch schöne neue Welt. 😉 Aber am Ende lief auch die Rede ohne Überraschungen ab.

Trotz des heutigen starken Tages, hat sich an meiner Erwartung an den DAX wenig geändert. Ich denke die volatile Schaukelphase (Aprilbörse) geht weiter. Viel besser sieht es mal wieder in den US Indizes aus. Die heutige Stärke hat eine Reihe bärischer Formationen negiert und es könnte nun gut sein, dass wir nachhaltig in die alte Range zurück kehren und die in den US Indizes milde Korrektur schon wieder erledigt ist.

Um Verwirrung mit den unterschiedlichen Zeithorizonten zu vermeiden, habe ich im folgenden meine aktuelle Erwartung an den DAX noch einmal kompakt und übersichtlich zusammen gefasst, die ich ja in diversen Artikeln schon ausführlicher thematisiert hatte. Meine persönliche Erwartung an die Börsenentwicklung ist Stand 25.04.12 Abend:

(1) Sehr kurzfristig für die nächsten Tage: eher optimistisch wg des überverkauften Zustands des Marktes.

(2) Kurzfristig für die nächsten Wochen: eher vorsichtig bzw. skeptisch, die schwierige “Aprilbörse” geht wohl weiter, mindestens bis zum 06.05.

(3) Mittelfristig zum Jahresende: eher optimistisch, weil ich denke die Notenbanken werden drucken und drucken und den Markt stützen solange es geht.

(4) Langfristig mit Horizont 3 Jahre: eher pessimistisch, ich befürchte wir werden noch “den grossen Knall” und “Reset” des Währungssystems erleben. Erst wenn das Thema aus dem Weg geräumt ist, kann es wieder richtig aufwärts gehen.

(5) Sehr langfristig für die nächsten 10 Jahre und darüber hinaus: sehr optimistisch, die Welt steht an der Schwelle neuer Innovationen, die den nächsten säkularen Bullenmarkt begründen werden.

Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Erwartungen nicht in Stein gemeisselt sind, sondern sich durch eine sich um mich herum verändernde Welt auch ändern - je kürzer der Zeithorizont, desto öfter und schneller. Die sehr kurzfristige Sicht ändert sich jeden Tag, wie soll es auch anders sein. Obige Erwartungen sind also eine reine Momentaufnahme, nicht mehr und nicht weniger.

Damit zu einzelnen Aktien bzw. Themen:

Auffällig war heute die Stärke des europäischen Bankensektors. Einen überzeugenden Anlass konnte ich nicht feststellen. Die ganz brauchbaren Zahlen der Credit Suisse (WKN 876800), die die grosse Presse im scheinbaren Bedürfnis für alles einen "Grund" zu finden anführte, dürften für die Profis kein Anlass gewesen sein, ihre Sicht auf PIGS-Banken zu ändern - zumal die anfänglichen Gewinne der Credit Suisse schnell wieder abgegeben waren. Und ein Zusammenhang zu Apple ist bei aller Phantasie sowieso Unfug. Insofern gehe ich bei den Banken von einer rein technischen Erholung nach dem wochenlangen Absturz aus, der man nicht all zu viel Bedeutung beimessen muss.

Auch das Gerede, dass die mässigen Zahlen von Siemens (WKN 723610) ein Indiz für eine kommende Rezession seien, halte ich für verfehlt. Siemans hat dürftige Zahlen, weil es bei einigen Grossprojekten wie der Windkraft in der Nordsee "hakt". Mit Konjunktur hat das für mich wenig zu tun, eher mit eigenen Fehlern bei Siemens. Wie es um die deutsche Maschinenbaukonjunktur aussieht, kann man da in meinen Augen eher beispielhaft an Dürr (WKN 5565209) sehen, der Auftragseingang im ersten Quartal stieg um über 20%. Wobei man von "der" Konjunktur sowieso nicht mehr reden kann. Denn wer primär seine Kunden im Süden Europas hat, der hat natürlich ein Problem, da ist die Rezession schon längst da. Wer aber wie die meisten deutschen Maschinenbauer und Industriewerte seine Kunden weltweit und insbesondere in China oder USA hat, dürfte in der Regel keine Probleme mit seinen Auftragseingängen haben.

Die -> hier <- Mitte Februar ausführlich besprochene Corning (WKN 850808) lieferte heute vorbörslich "überraschend" solide Zahlen, die ein Ende des Abwärtstrends bei den Glaspreisen nahelegen und ist 7% im Plus ! Ich habe zu meiner langfristig positiven Sicht auf die Aktie und das Geschäftsfeld nichts hinzufügen. Wenn der Titel für Sie neu ist, lesen Sie bitte den verlinkten Artikel vom 21.02.12 noch einmal.

Auf dem Chart sieht man sehr schön das zulaufende Dreieck mit der zunehmenden Kompression. Sollte der Aktie demnächst ein Ausbruch nach oben gelingen, wäre die folgende Expansion für mich ein klarer Kauf mit einigem Potential.


Source:

Einen grossen Satz nach oben machte heute das Agrardünger-Segment. Mosaic (WKN A1JFWK) lieferte einen positiven Ausblick und der Kurs zog um 5% an. Auch K+S (WKN KSAG88) wurde davon natürlich positiv beeinflusst und ist auch 4% im Plus. Ich bin bei beiden Aktien auf der Long-Seite investiert und sehe das ganze Segment als mittel- und langfristig sehr aussichtsreich an. Sicher unterliegt die Nachfrage saisonalen Schwankungen, aber an dem prinzipiell steigenden Bedarf für Dünger zur intensiven Bewirtschaftung der begrenzten Ackerflächen der Welt, führt in meinen Augen kein Weg vorbei. Die aktuelle Situation erlaubt diese attraktiven Aktien nun zu niedrigen Kursen einzusammeln - für mich persönlich eine Gelegenheit zur langfristigen Investition, die ich nicht verpassen werde.

Im Bereich Agrar möchte ich auch noch einmal Ihren Blick auf den hier schon besprochenen Traktorenhersteller Agco (WKN 888282) richten, der gerade ein schönes Reversal hinlegt und auch den 200er Moving Average zurück erobert hat. Die fundamentale Bewertung ist in meinen Augen sowieso attraktiv.


Source:

Bei Veolia (WKN 501451) , die ich als Aktie nach wie vor attraktiv finde, muss man nun genau auf die Frankreich-Wahl achten. Das gesamte Geschäftsfeld ist sehr staatsnah und wäre massiv durch Regulierung betroffen. Gerade die Wasserversorgung, die ja nun wirklich zur Grundversorgung gehört, ist ein beliebtes Ziel staatsdirigistischer Anwandlungen. Aber auch die Abfallwirtschaft könnte unter Dirigismus leiden. Ob Hollande in diesen Bereichen dann wirklich aktiv wird und "Sozialpolitik" über Preisvorgaben betreibt ist unklar, aber für uns als Aktionäre auch nicht relevant. Denn der Kurs würde schon lange vorher betroffen sein, wenn der Markt auch nur vermutet, dass dergleichen auf die Agenda kommt. Insofern könnte ein Sieg von Hollande den Kurs von Veolia möglicherweise belasten. An meiner grundlegend positiven Sicht auf den Turnaround ändert das nichts, man sollte das aber nicht aus dem Auge verlieren. Denn ohne ein positives politisches Umfeld hat ein öffentliches Versorgungsunternehmen wie Veolia keine Chance, ganz egal wie gut man intern eine Restrukturierung gestaltet.

Sehr stark waren heute die Gold-Minenwerte die im Mittel um mehr als 2% stiegen, wie man dem GDX oder HUI entnehmen konnte. Und Gold zuckte wie ein nervöses Pferd hin und her. Die gestern besprochene Expansion ist scheinbar nicht mehr weit entfernt - fasten your seatbelts !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 24.04.12 – Beruhigung, Apple übertrifft erneut.

22.45 Uhr - Handelsschluss, Apple Zahlen

Der heutige Tag brachte eine Beruhigung im DAX, aber nicht mehr. Eine dynamische Gegenbewegung sieht auf jeden Fall anders aus ! In Anbetracht des vorangegangenen Absturzes, ist das eine sehr dürftige Vorstellung der Bullen. Auch die US Märkte waren heute wenig überzeugend. Auch hier Beruhigung, aber nicht mehr.

Rein von der Markttechnik her, habe ich kurzfristig für die nächsten Tage eine leicht bärische Tendenz und rechne eher damit, dass wir noch tiefere Kurse im DAX sehen und mindestens noch die Zone oberhalb 6400 erreichen. Auch vom politischen Umfeld her, ist eine Beruhigung vor den Wahlen in Frankreich und in Griechenland am 06. Mai eher unwahrscheinlich.

Erst danach hat Mr. Market nach meiner Einschätzung wohl die Chance, seinen Frieden mit dem Ergebnis zu machen, was immer bei den Wahlen heraus kommt. Es ist halt einfach eine ganz typische psychologische "Macke" von Mr. Market, das er sich in der Unsicherheit vor wichtigen Ereignissen immer sehr stark sorgt, während er nach der vollendeten Tatsache eher desinteressiert die Schultern zuckt - selbst wenn das Ergebnis nicht so ganz das war, was er erhofft hatte. Mr. Market ist einfach gnadenlos auf die Zukunft fixiert, die Gegenwart und erst recht die Vergangenheit sind für ihn völlig uninteresssant.

Die "Wildcard" im Spiel ist die FED Sitzung, die heute begonnen hat und deren Ergebnisse morgen Abend bekannt werden. Die Erwartung des Marktes an die FED ist verhalten, kaum jemand rechnet wirklich mit wichtigen Neuigkeiten. Insofern könnte ein einzelner Satz der zur Interpretation eines neuen QE Progamms ab Juni einlädt, morgen Abend durchaus ein Überraschungsfeuerwerk zünden und das obige Bild völlig auf den Kopf stellen.

Und eine weitere Karte im Spiel sind die Zahlen von Apple (WKN 865985). Apple hat im 2. Quartal 2012 mit 39,2 Milliarden USD Umsatz und 11,6 Milliarden USD Gewinn die Erwartungen erneut deutlich geschlagen ! Auch die Verkäufe des iPhones lagen weit über den Erwartungen, da China für Apple als Absatzmarkt immer wichtiger wird. Stand 22.45 Uhr ist Apple nachbörslich 7% im Plus. Diese Zahlen sollten dem Markt morgen sicher gut tun und für einen guten Start sorgen. Wie weit das dann über den morgigen Tag hinaus trägt, werden wir sehen. Ich bin seit Freitag Long Apple.

Von diesen zwei potentiell positiven Katalysatoren abgesehen, ist man aber in meinen Augen weiter gut beraten, vorsichtig zu agieren und den Kapitalerhalt zum Hauptziel zu machen. Wie ich schon Ende März schrieb, rechne ich damit, dass fast das ganze 2. Quartal an der Börse ein "Aprilwetter" hat. Das beinhaltet durchaus die Chance auf schöne Gegenbewegungen, aber wir sollten in der grossen Range zwischen 6400 und 7100 im DAX bleiben und darin volatil hin und her schwingen.

Frühestens ab Mai, ich rechne aber eher erst ab Juni in den Sommer hinein, haben wir in meinen Augen vielleicht die Chance, dass der Markt eine langsame, kriechende Bewegung nach oben beginnt, die dann im Herbst Fahrt aufnimmt. Ich habe keine signifikanten "Beweise" für dieses Szenario, nur mein Marktgefühl aus Erfahrung. Aber das lag ja im Januar ebenso wie Ende März gar nicht so falsch.

Repsol (WKN 876845) hat nun möglicherweise nach dem Absturz durch die YPF Verstaatlichung den Punkt erreicht, an dem die negativen Effekte eingepreist sind. Basierend auf dem gewaltigen Abschlag den der Markt nun erzwungen hat, scheint nach meiner Einschätzung der komplette Verlust ohne jede Entschädigung nun im Kurs eskompiert zu sein. Für mich nun Grund hier einzusteigen, weil alles weitere zum Thema YPF das Potential positiver Überraschungen hat. Ich bin seit heute früh Long bei Repsol. Ziel 17,5€ oder 25% Plus gegenüber dem Einstand bei ca. 14€.

ST Microelectronics (WKN 893438) wurde gestern ganz übel und zweistellig verprügelt. Nicht wegen der Zahlen, sondern weil ST Micro im Rahmen seines Joint Ventures mit Ericsson, die defizitäre "Application Processor" Sparte nun ganz übernimmt, statt nur 50% zu halten. Das mochte der Markt gar nicht, weil sich damit der Verlust verdoppelt, der auf die Bücher von ST Micro genommen werden muss. Die Sparte leidet unter der Schwäche der Hauptkunden Nokia und Ericsson als Smartphone Hersteller. Ich habe diese Entwicklung bei den Geschäftsanteilen des Joint Ventures nicht geahnt und wurde wie der Markt davon auch überrascht, denn ich war nach den voran gegangenen Rückgängen schon wieder Long bei ST Micro. Ich sehe aber in der Massnahme keinen Grund meine Sicht auf den Titel zu ändern, denn der Markt reagiert hier auf schon aufgelaufene Verluste, was ST Micro nun unter alleiniger Führung mit der Sparte macht, steht auf einem anderen Blatt. Ich bleibe weiter Long ST Micro. eine kurze Meldung des Handelsblatt zum Thema.

Auffallen sollte auch, dass die US-Kohlewerte rund um Peabody Energy (WKN 675266) auch heute wieder leicht im Plus waren. Ich glaube im Sektor nun eine Veränderung des Kursverhaltens zu erkennen und wer an dem Sektor interessiert ist, sollte nun ganz genau hinschauen ! Noch ist es deutlich zu früh eine Wende auszurufen, aber der Sektor zeigt nicht mehr das Verhalten eines ungebremsten Absturzes.

Gold (XAUUSD) steht vermutlich kurz vor einer grossen, dynamischen Bewegung. Denn Gold steckt mitten in einer immer enger werdenden Kompression, der Kurs bewegt sich kaum noch von 1640 USD weg. Auf eine Kompression folgt aber typischerweise eine Expansion. Denn wenn sich dann eine neue Richtung etabliert, ist das oft mit einer sehr dynamischen Bewegung verbunden.

Nur die Richtung der Expansion ist leider unklar, wäre es anders wäre es ja auch zu einfach. 😉 Um die Situation aus charttechnischer Sicht zu betrachten, empfehle ich allen Interessierten den folgenden Artikel des erfahrenen Traders Peter L. Brandt :

Auch ich kenne die Richtung nicht, ich habe aber eine leicht bullische Tendenz für Gold. Und die beruht darauf, dass zusätzlich zu den Chartmuster die in dem obigen Artikel ausgeführt werden, das Sentiment bei Gold und Goldminen nun sehr negativ ist. Gerade die Goldminen sind massiv überverkauft und das sollte das Downside begrenzen. Und das die politische Grosswetterlage rund um den Euro eigentlich Gold stützen sollte, ist wohl auch klar.

Insofern sehe ich leichte Vorteile für die Bullen bei Gold, werde aber ohne zu zögern und ohne Ankündigung aus allen Positionen springen, sollten wir tatsächlich durch die 1610 USD nach unten durchlaufen. Denn 1610 USD entspricht dem Tief vom 04.04.12 und wenn wir das nach unten durchschlagen, ist nach meiner Erwartung dann doch die Entscheidung zu Gunsten der Bären gefallen !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 23.04.12 – Europa zerfällt, wo ist nur das ganze Geld hin ?

17.30 Uhr - Ein paar sehr persönliche Gedanken zur Euro-Krise.

Ein bitterer Tag ist an den europäischen Märkten zu Ende gegangen. Wie schon lange von mir erwartet, traten heute endlich die Implikationen der Wahl in Frankreich in das Bewusstsein der Märkte. Und Mr. Market gefällt nicht, was er sieht. Ein richtig mieser Einkaufsmanager-Index und eine Regierungskrise in den Niederlanden, sowie durchwachsene Daten aus China taten dann ihr übriges.

Europa zerfällt, rette sich wer kann - so kann man wohl die Wahrnehmung des Marktes am heutigen Tage beschreiben.

Ich werde mich heute daher auch nicht zum aktuellen Marktgeschehen äussern, "Sea of Red" ist eine ausreichende Beschreibung und das sagt alles. Ich will mich vielmehr in einer Art Essay meiner persönlichen, höchst subjektiven Sicht auf das "grosse Ganze" nähern. Wenn Sie nicht noch mehr schlechte Nachrichten wollen, dann lesen Sie bitte nicht weiter, ich habe wenig Positives zu bieten.

Wo ist nur das ganze Geld hin ? Diese Frage lag mir in Anbetracht der Märkte heute auf der Zunge.

Denn auf der einen Seite haben wir Notenbanken, die wie wahnsinnig die Druckmaschinen anwerfen. Und wir haben Staaten, die über beide Ohren verschuldet sind und mit hunderten Milliarden ihr Banksystem stützen. Nun sollte man ja meinen, das sich diese Billionen - ja es sind Billionen ! - an Liquidität irgendwo sammeln und zu neuen Blasen führen.

Aber was passiert heute ? Aktien runter, Gold runter, Euro Staatsanleihen (bis auf Bunds) runter. Alles runter. Und wo ist das ganze Geld ? Wo ist der sichere Hafen, in den man sich retten kann ? Irgendwo müssen sich diese Billionen doch sammeln ? Wir befinden uns mitten im grössten fiskalischen Experiment der Weltgeschichte und ich habe nicht den Eindruck, dass wir uns auf einem guten Weg befinden.

Obige Fragen sind natürlich rhetorisch und es gibt natürlich Antworten. Aber Antworten die einem nicht gefallen, wenn man darüber nachdenkt. Der heutige Tag gibt uns auf jeden Fall einen Vorgeschmack darauf, was uns in Europa blüht, wenn wir diese Krise nicht endlich in den Griff bekommen. Denn Wohlstand kann sehr wohl "verdampfen", sich einfach in Luft auflösen - auch das ist in der Geschichte schon mehrfach passiert. Und nur weil es in Deutschland die letzten 65 Jahre nicht passiert ist, ist das keine Garantie für die Zukunft.

Im Endeffekt gäbe es in meinen Augen für Europa eigentlich nur zwei grundlegende Wege, die wirklich funktionieren würden.

Entweder müsste sich Europa sofort zu einem funktionierenden Bundesstaat mit zentraler Finanz- und Wirtschafts-Regierung zusammen schliessen. Das ist irreal und wird durch den "Spaltpilz Euro" immer unwahrscheinlicher, der in den einzelnen Ländern ja gerade nationalistisches Gedankengut fördert und in den Parlamenten stärkt.

Oder wir müssten das Experiment Euro sofort beenden und in einem geordneten Prozess und (noch) in Freundschaft wieder in ein Wechselkuystem mit nationalen Währungen wechseln, eine Rückkehr zum EWS also. Auch das ist irreal, die Politik ist durch die permanente Agitation der Grossindustrie gedanklich zu verseucht und in dem Irrglauben gefangen, dass ein Ende des Euros auch der Untergang Europas wäre. Dabei ist das Gegenteil offensichtlich der Fall, dieser fehlkonstruierte Euro ist der Spaltpilz Europas ! Die Väter des Euros haben sich - ohne es zu wollen - durch Naivität und wirtschaftliches Unwissen an der Zukunft Europas versündigt, das ist meine traurige Meinung zum Thema.

Ich halte es da wie und bin davon überzeugt, dass ein (geordnetes!) Ende des Euros für Deutschland am Ende gut tragbar wäre. Deutschland war "Exportweltmeister" mit der starken D-Mark und ist es wieder mit dem Euro. Warum bitte, soll das Deutschland nach einem heftigen, aber kurzen Anpassungsschmerz nicht auch wieder mit einer neuen, harten Währung gelingen ? Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit beruht auf dem Wissen, dem Ideenreichtum und dem Tüftlergeist seiner Ingenieure in der Exportindustrie und eben gerade nicht auf "Financial Engineering". Das war schon in den letzten 150 Jahren Deutschlands Stärke und wird es auch in Zukunft sein.

Und damit es da keine Missverständnisse gibt, ich bin Europäer aus Überzeugung und der echte Bundesstaat wäre die Lösung meiner Wahl. Aber das ist derzeit leider irreal und wird mit jedem Monat der Krise irrealer. Und bevor Europa ungeordnet zerfällt und nationale Egoismen endgültig wieder ihr hässliches Haupt erheben, ist ein schnelles Ende dieses fehlgeleiteten Experiments immer noch die bessere Lösung, als der quälende, langsame Zerfall, in dem wir uns nach meiner Ansicht gerade befinden.

Neben diesen zwei grundlegenden Alternativen gibt es natürlich auch durchaus seriöse und funktionierende, technokratische Lösungsansätze im System. Ein paar wurden hier im Blog auch schon skizziert. Nur werden diese nach meiner Ansicht reine Theorie bleiben, denn was wirtschaftlich oder volkswirtschaftlich sinnvoll ist, lässt sich in dem Geschnatter von 27 Demokratien und Millionen Wählern in Panik nicht durchsetzen. So wird das, was wirtschaftspolitisch und volkswirtschaftlich sinnvoll wäre, in der Eurozone wohl keine reale Chance haben.

Wir werden also nach meiner Erwartung einfach weiter machen wie bisher, bis zum bitteren Ende. Die Politik wird weiter "retten" und die Notenbanken weiter Geld drucken. Und wir werden noch 2 oder 3 solche Wellen zwischen Krise und Entspannung erleben. Bis wir dann irgendwann gegen die Wand laufen und dieser "Reset" wird dann sehr, sehr schmerzhaft werden.

Ich habe es vor ein paar Tagen schon einmal gesagt: ich wäre überrascht, wenn es den Euro in der heutigen Form in ein paar Jahren noch gäbe. Und auch das Europa im Jahr 2015 wird mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich anders aussehen als heute.

Ich weiss, das sind finstere Worte, aber so sehe ich die Welt um uns herum und das schon länger und nicht erst seit heute. Aber heute ist ein guter Tag um es mal auszusprechen, denn heute dürfte jeder verstehen wovon ich rede.

Und trotzdem bieten die Aktienmärkte kurzfristig jede Menge Chancen und ich bin immer noch überzeugt, dass wir ein gutes zweites Halbjahr 2012 erleben werden. Aber nicht, weil wir in der Welt unsere grundlegenden Schulden-Probleme lösen, sondern in Form einer "Sumpfblüte", weil die Liquidität eben doch am Ende ihren Weg in die Sachwerte finden wird, also in Aktien und Gold. Und weil die Notenbanken alles tun werden um den Laden zusammen zu halten, solange man den Schein noch wahren kann. Und für ein paar Runden "Sumpfblüte" reicht es durchaus noch, bevor uns dann in den kommenden Jahren die sehr bittere Rechnung präsentiert wird.

Es gibt ja auch wirklich keine Alternative, wenn Sie etwas Kapital angesammelt haben. Irgendwo muss es ja hin. Schauen wir uns die zum "Geld auf dem Konto" alternativen Anlageklassen doch mal aus meiner sehr persönlichen, subjektiven Sicht an:

- Kopfkissen ? Müssen wir nicht ernsthaft darüber reden oder ? Papierschnipsel einer dann vielleicht untergegangenen Währung unter einem Kopfkissen sind wirklich keine gute Idee, ausser für den Bollerofen in einem kalten Winter. Hat noch jemand Reichsmark ?

- Lebens- oder Renten-Versicherungen ? Igitt ! Man gibt gutes Kapital heute, um ein Versprechen der Finanzindustrie auf einem Blatt Papier zu bekommen, das Jahrzehnte später eingelöst werden soll. Und selbst wenn das Versprechen nominal eingelöst wird, weiss keiner was die Zahl dann wirklich noch wert ist. Inflation, Währungsreform - alles möglich und alles mit den Mickerzinsen nicht annähernd abgegolten.

- Staatsanleihen ? Igitt ! Wie oben, nominal in den USA, Deutschland und anderen stabilen Ländern wohl recht sicher, aber was bekommt man dann für diese Zahl auf dem Papier tatsächlich ? Und es soll keiner glauben, dass sich die aktuellen "Fluchtstaaten" wie Kanada, Australien, Norwegen, Schweiz etc mit ihren vergleichsweise kleinen Anleihemärkten einem globalen Problem entziehen könnten - das ist Illusion !

- Deutsche Rentenversicherung ? Sie werden erstaunt sein: Ja, bei mässigem Einsatz durchaus sinnvolle Anlage ! Eben gerade weil kein Kapital existiert, dass vernichtet oder entwertet werden kann. Es ist vielmehr ein Anspruch an die Kreativität und Leistungskraft unserer Kinder - egal in welcher Währung unsere Kinder dann ihre Leistung verrechnen. Und wenn wir als Eltern nicht alles falsch machen, werden unsere Kinder kreativ und erfolgeich sein. Unsere Ansprüche sind solange sicher, wie wir eine Demokratie haben, denn die Stimmenmehrheit der Versicherten wird immer dafür sorgen, dass die Politik auch eine Gegenleistung für das eingezahlte Kapital sicher stellen muss. Rendite darf man natürlich keine erwarten, aber mit Kapitalerhalt kann man in diesen Zeiten ja schon zufrieden sein.

- Immobilien ? Naja, die selbstgenutzte Immobilie macht sicher Sinn. Aber darüber hinaus ? In den unattraktiven Regionen werden die Leerstände eher grösser und in den Boomzentren wie München sind die Preise doch jetzt schon jenseits von Gut und Böse. Wer heute in München zu 10.000€ pro qm kauft, der wird sein Kapital nach meiner Einschätzung so schnell nicht wiedersehen.

Bei den Immobilienpreisen wird ja gerne vergessen, dass sie keinen "echten" Wert darstellen, sondern direktes Abbild der Wirtschaftskraft sind. Nur wegen der Wirtschaftskraft zahlt man im München 10.000 € pro qm bei guten Eigentumswohnungen. Und in ländlichen Regionen des Nordostens dagegen nur dreistellig pro qm. Nicht die Immobilie oder der Grund und Boden in München ist so und soviel wert - die Wirtschaftskraft der Stadt ist es ! Dieser kleine, aber wichtige Unterschied, wird von vielen Immobilienbesitzern gerne übersehen.

Klar, eine Immobilie behält man und die kann man auch in der Krise anfassen. Aber was ist sie dann noch wert ? Wer Anfang 1923 aus Angst vor der Hyperinflation mit Eigenkapital noch schnell eine Immobilie kaufte, hat ein ziemlich schlechtes Geschäft gemacht und bekam zusätzlich zweimal in 25 Jahren massive Sondersteuern aufgebrummt, die einer Teilenteignung gleichkamen. Wer die Immobilie aber nur mit Darlehen kaufte, machte damals das Geschäft seines Lebens. Die Darlehen waren wertlos und konnten mit einer Rolle Klopapier abgegolten werden, die Immobilie war aber noch da.

- Ackerland und Wald ? Ja, eigentlich eine gute Idee, aber das will bewirtschaftet werden und wirft nur Mickerrenditen ab. Zumal auch bei Ackerland schon die Preise kräftig steigen. Wer genügend Vermögen hat und eine professionelle Bewirtschaftung organisieren kann, für den sicher eine gute Idee. Aber für den durchschnittlichen, wohlhabenden Bürger ? Funktioniert nicht und über die diversen geschlossenen Fonds eher auch nicht - daran verdienen nach meiner Erfahrung in der Regel die Initiatoren, nicht aber die Anleger.

- Kunst oder Oldtimer ? Ja, funktioniert, aber in den engen Märkten nur für die wenigen Spezialisten, die sich wirklich auskennen. Für die breite Masse der Bürger mit Anlagenotstand keine Lösung.

Was bleibt also an liquiden, fungiblen Sachwerten, in denen man sein mühsam erarbeitetes Kapital einigermassen sinnvoll parken kann ?

>>> Aktien und Edelmetalle <<<

Es gibt dazu keine seriöse Alternative und weil das so ist, sind für mich persönlich miese Aktien-Kurse Kaufkurse - gerade weil wir mitten in einer Krise stecken, die die Welt verändern dürfte.

Und wissen Sie auch, woran Sie erkennen werden, dass die Krise ihrem Höhepunkt zusteuert ? Wenn die Aktienkurse steigen, obwohl die Wirtschaftsdaten mies sind ! Weil die Geldkonten dann leer geräumt werden um schnell noch liquide Sachwerte zu kaufen - Aktien oder Gold - weil man den Konten der Banken und der Währung nicht mehr traut.

Jetzt werden Sie denken, so finster haben ich den Hari ja noch nie erlebt. Stimmt aber nicht, so denke ich schon seit einiger Zeit über unser Problem in Europa. Ich bin aber auch überzeugt, dass die aktuellen Kurse an der Börse kurzfristig wieder interessante Kaufgelegenheiten bieten und wir schon bald wieder deutlich höher stehen könnten, vielleicht schon diesen Mittwoch nach der FED Sitzung. Aber darüber schreibe ich dann Morgen wieder. Heute ist dagegen der passende Tag, um die traurigen, mittelfristigen Aussichten meines Makrobildes rund um die Euro-Krise mal auf den Punkt zu bringen.

Ich wünsche Ihnen trotzdem einen schönen Abend ! Denken Sie daran, dass "Hier und Jetzt" zu geniessen. Morgen ist es schon Vergangenheit und kommt nie wieder ....

Ihr Hari

PS: Hari´s Märkte am Abend erscheinen Morgen Abend etwas später gegen 22.30 - 23 Uhr. Ich möchte die Zahlen von Apple noch berücksichtigen, die grosse Bedeutung haben werden.

Marktupdate US Arbeitsmarktdaten – 06.04.12 – Red Alert !

Mr. Market arbeitet auch am Karfreitag und deshalb am heutigen Feiertag ein kurzes Update zu den US Arbeitsmarktdaten, weil das nun für die kommenden Wochen und Monate ein ganz entscheidender Moment ist.

Die Arbeitsmarktdaten fielen heute mit nur 120k neu geschaffenen Stellen deutlich schlechter aus als erwartet (200) und waren auch deutlich schlechter als in den Vormonaten !

Der Konsens der sich aktuell auf der "Street" bildet ist, dass die sehr guten Daten der Vormonate aufgrund des warmen Winters einen Vorzieheffekt hatten und es um die Beschäftigung und Konjunktur in den US lange nicht so gut steht, wie zuletzt angenommen.

Im S&P 500 Future Handel fiel der Index heute um ca. 1,5%, erreichte im Tief 1376 und schloss bei 1380. Überträgt man das auf den DAX hätten wir wohl heute schon die 6600-6650 gesehen, falls die Börsen heute auf gewesen wären.

So schauen wir nun mit grosser Spannung auf die asiatischen und amerikanischen Börsen am Ostermontag. Denn nun stehen wir eindeutig am Scheideweg. Wir dürfen im S&P 500 auf keinen Fall die 1390 verlieren, sonst öffnen wir die Büchse der Pandora.

Ich habe Ihnen zur Veranschaulichung das aktuelle Chart des S&P 500 Futures mitgebracht, inklusive des heutigen Absturzes. Ich denke man muss kein Raketenwissenschaftler sein um zu sehen, wie wichtig die 1390 für den Markt ist. Und die Topping-Formation ist ja auch offensichtlich.

Sollten wir die 1390 nicht spätestens am Dienstag zurück erobern können, öffnet das die Tür für einen ausgiebige Korrektur, die den DAX dann mit hoher Wahrscheinlichkeit bis 6400 drückt, wenn nicht tiefer. Denn wenn gleichzeitig zum Abkippen der US Märkte die Euro-Krise rund um Spanien und Frankreich (Wahl) weiter köcheln sollte, kann der DAX auch schnell mal bis 6200 oder tiefer abgeben, da sollten wir uns keiner Illusion hingeben.

Aber noch ist Polen nicht verloren, denn Mr. Market ist ja ein ziemlich psychotischer Geselle mit dem Hang zum Drogenkonsum und letztlich entscheidet die Dosis der Droge "billiges Geld" über sein Wohlbefinden. So könnten diese schwachen Arbeitsmarktdaten zu dem schizoiden Swing führen, das aufgrund der Daten ein neues QE3 Programm der FED nun wieder wahrscheinlicher geworden ist. Und das würde bei Mr. Market alle anderen Befindlichkeiten überdecken und wir könnten am Montag wieder in die Range oberhalb 1390 drehen - gerade weil die Arbeitsmarktdaten schwach waren.

Aber letztlich ist das nur Spekulation, wir sollten uns nach dem einzigen unbestechlichen Kriterium richten das wir zur Verfügung haben - dem Preis.

Gelingt es dem S&P 500 am Ostermontag also im Lichte dieser Arbeitsmarktdaten wieder die 1390 zurück zu erobern - aus welchen verqueren Überlegungen auch immer - ist weiter alles in Ordnung und die derzeitige Korrektur im DAX könnte dann bald auslaufen. Gelingt das dem S&P 500 aber nicht und drehen wir am Ostermontag weiter nach unten, ist das dann möglicherweise ein ganz grundlegendes Signal mit Wirkung für das ganze 2. Quartal.

Die FED wird bestimmt wieder intervenieren und es nicht zu einem völligen Absturz im Wahljahr kommen lassen. Aber wahrscheinlich noch nicht in der April-Sitzung und nicht nur aufgrund einmaliger Daten. Die nächste Sitzung ist aber dann erst wieder im Juni und bis dahin hätte Mr. Market jede Menge Zeit sich zu ängstigen und an den Nägeln zu kauen. Und eine solche Phase muss man nicht unbedingt mit einem Aktiendepot an den Märkten erleben.

Mein grundsätzliches Bild, das ich schon vorletzte Woche kommuniziert hatte - nun raus aus dem Markt und im Hochsommer wieder rein - scheint also nun endgültig im Bereich des Möglichen angekommen zu sein.

Richten Sie sich für Montag und Dienstag also schon auf gewaltige Volatilität ein, und nehmen Sie ernst, was der Markt Ihnen am Montag und Dienstag sagt. Wenn da jetzt keine Stärke kommt, hat das Bedeutung über den Tag hinaus. Deshalb gilt ab Montag wohl: Red Alert - All Hands to Battlestations !

Hari´s Märkte am Abend – 08.03.12 – die Angst der FED

22 Uhr - Handelsschluss

Es scheint fast so, als hätte die gute FED eine Menge Angst davor, die Märkte auf Entzug zu setzen. Da hatte Ben Bernanke doch am 29.02. Aussagen gemacht, die man mit Phantasie so interpretieren konnte, dass ein QE3 nicht mehr beabsichtigt sei.

Und prompt hatte ihm der nach billigem Geld drogensüchtige Mr. Market die rote Karte gezeigt, am 29.02. sofort Gold und Silber abverkauft und in Folge dann zur Korrektur angesetzt. Und was passiert ? Kurz danach tauchen über das "Wall Street Journal" Gerüchte auf, nach denen doch ein neuartiges Programm zum Ankauf von Anleihen im Gespräch sein soll. Und es werden Details mitgeliefert, die in meinen Augen eigentlich nur aus der FED kommen können. Und was macht König Mr. Market ? Er nimmt das gnädig zur Kenntnis und bequemt sich wieder nach oben zu laufen.

Das zeigt mir erneut, dass die FED die Assetpreise auf jeden Fall und um jeden Preis hoch halten wird. Wer in diesem Jahr also auf grundlegend fallende Kurse setzt, wettet damit in meinen Augen gegen den erklärten Willen der FED. Wer das tun will, mag das tun, ich gehöre nicht dazu und ganz gleich wie ich über diese FED Massnahmen denke, ich sehe diese Hinweise neuer Massnahmen als erneuten Beweis, dass die Asset-Preise so oder so aufgeblasen werden.

In dem Zusammenhang schauen Sie auch mal in Blogeintrag von Joshua Brown, dessen lesenswerten Blog Sie bei mir unter "Hilfreiche Links" finden. Zitat: "The Fed is not playing games, guys, they want this market rolling higher. Fight it at your own peril."

Das beantwortet uns natürlich nicht die Frage, ob noch kurzfristig Teil 2 der Korrektur vor uns liegt. Aber es gibt zumindest einen klaren Hinweis, dass Korrekturen weiterhin wohl Kaufgelegenheiten sind !

Zusätzlich zu der unterstützenden Kommunikation der FED schoben dann die zunehmend positiven Aussagen rund um die Annahmequote des griechischen Schuldenschnitts heute den Markt an. Laut Nachrichten von heute Abend sollen schon mindestens 75% der Gläubiger beim Schuldenschnitt mitmachen. Damit sind gestern noch diskutierte Horroszenarien eines völlige Scheiterns wie erwartet vom Tisch und es geht nur noch um die Frage ob der Schuldenschnitt bei einer Annahmequote von 90% ganz sicher ist, oder bei bestimmten Gläubigern noch ein längeres "Armdrücken" statt finden wird. Das endgültige Ergebnis soll Freitag früh bekannt gegeben werden. Aber im heutigen späten Handel liefen schon Gerüchte um ein 90% Annahmequote durch den Markt. Wir werden sehen ....

Was den theoretischen zweiten Teil der Korrektur angeht, sieht es ja im Moment wirklich nicht danach aus. Vielleicht ist es dieser eine Korrektur-Tag am Dienstag wirklich schon wieder gewesen, ich würde das bedauern, weil die Luft noch nicht so richtig bereinigt wurde. Mir fehlt idealerweise noch die kurze Phase der Panik, in der die zu frühen "Buy-the-Dip"-Käufer noch einmal rasiert werden und alle sich fragen, ob das nicht doch die nachhaltige Wende nach unten ist. So eine Sentimentlage wäre dann ein ganz klares Kaufsignal, aber das haben wir leider nicht bekommen.

Aber was ich mir wünsche ist nicht relevant, relevant sind die Signale des Marktes und die sagen: "Verkaufsdruck nicht vorhanden, es geht wieder nach oben !" Nur einen kleinen Stachel des Zweifels habe ich doch noch in mir. Sie erinnern sich sicher daran, wie gerne Mr. Market den "Weg des maximalen Schmerzes" geht. Und was wäre der im Moment ?

Ich denke der würde ungefähr so ablaufen: der Markt läuft hoch, signalisiert die Korrektur ist schon zu Ende, zieht damit das zögernde Geld von der Seite in den Markt, ereicht marginal neue Höchststände und schaut kurz über 7000 ..... nur um genau dann richtig nach unten zu drehen, abzusacken und zur echten Korrektur anzusetzen, die Ben Bernanke dann ein paar Wochen später mit der Notenpresse beendet.

Ich betone, ich habe absolut Null objektive Indikatoren die auf diesen Ablauf hindeuten, es ist nur so ein komisches Gefühl in der Magengrube, nicht mehr aber auch nicht weniger. Ich werde also bestimmt aufmerksam und vorsichtig bleiben - sozusagen auf den Zehenspitzen - mein Handeln am Markt lasse ich aber von solchen Ahnungen nicht bestimmen.

Was Einzelaktien angeht, war für mich heute die Deutsche Post (WKN 555200) die Aktie des Tages. Gute Zahlen, guter Ausblick und Dividendenerhöhung sorgten für ein Kurs von 5%. Auch wenn die Geschäfte weiter gut aussehen, die Logistik ein Wachstumsmarkt bleibt und die Bewertung moderat ausschaut, drängt sich mir eine Investition gerade nicht auf. Denn ich würde nun erst einmal abwarten, ob es die Deutsche Post wirklich schafft die Zone um 14€ hinter sich zu lassen, die sich seit Jahren nun als obere Begrenzung heraus kristallisiert hat. Die Deutsche Post im Herbst letzten Jahres zu kaufen war weitsichtig, jetzt muss es in meinen Augen nicht mehr zwingend sein.

Sehr stark waren heute auch die hier schon mehrfach besprochenen ST Microelectronics (WKN 893438) , Daimler (WKN 710000) und Leoni (WKN 540888) - alle heute mit einem Anstieg um die 5% ! Aber auch "alte Verdächtige" wie Rheinmetall (WKN 703000), Continental (WKN 543900) oder Veolia (WKN 501451) haben heute mit stattlichen Gewinnen meine These bestätigt, dass noch keine Sektor-Rotation im Gange ist, sondern die Favoriten der Phase Januar bis Februar auch jetzt im März noch die Favoriten des Marktes sind.

Morgen haben wir um 14.30 Uhr die Arbeitsmarktdaten in den USA auf dem Radar, auf die der Markt nun schon positiv eingestimmt ist. Das eröffnet etwas Raum für eine negative Überraschung, aber nicht eindeutig genug, um darauf schon eine Positionierung einzugehen.

Für den weiteren Verlauf gelten die alten Aussagen, oberhalb DAX 7000 lauern eine Menge an Widerständen, die bestimmt nicht so schnell überwunden werden. Und ein erneuter Absacker macht den Weg Richtung DAX 6400 wohl frei.

Warten wir also demütig ab, was Mr. Market´s unermesslicher Ratschluss ergibt - ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 29.02.12 – was Apple uns zum Markt sagt

22 Uhr - Handelsschluss

Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen habe ich heute etwas weniger Zeit zum Schreiben. Daher gibt es heute Abend nur eine Analyse zum Markt als Ganzes und bis auf Apple und Gold keine Kommentare zu einzelnen Titeln.

Sie erinnern sich, dass ich letzte Woche schrieb, dass der Markt noch ein paar Tage Konsolidierung braucht, um genug Kraft zu tanken.

Nun, diese Tage sind vergangen und langsam nähert sich diese Phase scheinbar dem Ende zu. Denn die heute zu beobachtende Volatilität ist nach meiner Erfahrung das Vorspiel zu einer stärkeren Bewegung - ganz so wie ein energiegeladenes Pferd, das unruhig an seiner Trense zerrt.

Schauen Sie sich an, was heute im NASDAQ passiert ist - nachdem er die glatte Zahl 3000 touchierte, wurde er sofort heftig abverkauft.

Und schauen Sie sich an, was heute passiert ist, nachdem die EZB im Rahmen der LTRO Operation die gewaltige Summe von über 500 Milliarden € in den Markt gekippt hatte - sofort wurde das zum Ausstieg genutzt, frei nach "Sell the News".

Und schauen Sie sich an, wie heute auf Ben Bernankes Rede reagiert wurde, mit massiven Abgaben, weil er - Überraschung 😉 - vor Euphorie warnte. Und weil er dem Wunsch des Marktes nach einem sofortigen QE3 noch nicht nachgab.

Und schauen Sie sich an, was heute bei Gold und Silber passiert ist. Das war bemerkenswert. Gestern sprach ich noch davon, dass wir noch ein paar positive Tage haben werden, bevor dann im März eine kleine Korrektur kommt, die möglicherweise 1700 USD noch einmal von oben testet. Nun, Mr. Market hatte es scheinbar eilig und hat nicht mal mehr bis März gewartet, denn heute waren wir am Ende sogar unter 1700 USD - so schnell geht es nach unten, wenn computerbasierte Tradingprogramme im Spiel sind.

Der Einschlag begann um 16.45 Uhr und hat auch mich erwischt, weil ich so schnell nicht reagieren konnte und damit nicht gerechnet hatte. Allerdings haben mich Trailing Stops bei meiner grossen Silberwette vor Schaden bewahrt und mir einen Gewinn gesichert, auch wenn dieser dann kleiner war als erhofft. Mit meinen Minenwerten habe ich die Tagesverluste aber voll mitgenommen, insofern bin auch ich Leidtragender dieses völlig überraschenden Absturzes.

Ich vermute einen Zusammenhang mit Bernankes Rede, ohne es genau festmachen zu können. Denn der Dollar stieg schon einige Zeit vorher und die Edelmetalle begannen danach einen gewaltigen Fall. 80 USD Verlust bei Gold an einem Tag, das sieht man nicht alle Tage. Nach meiner Einschätzung setzte sich irgendwann während der Rede bei Big-Money die Erkenntnis durch, dass QE3 nicht sofort kommt. Starke Abgaben trafen dann auf einen sowieso überkauften Markt bei Gold und Silber und die trendverstärkenden Algos taten ihr übriges. So bekamen wir eine Art "Mini-Crash" in den Edelmetallen. Der QE3 Aufschlag scheint damit endgültig aus dem Goldpreis gewichen zu sein.

Sollte meine Theorie richtig sein, könnte sich das Niveau von heute Abend mit 1694 USD aber vielleicht als Kaufgelegenheit heraus stellen. Denn wenn Sie sich den gestern dargestellten zyklischen Verlauf betrachten, steht eine grosse Korrektur noch nicht an. Allerdings sollte man den morgigen Tag abwarten, um diese Bewegung bestätigt oder negiert zu bekommen. So viel Geduld muss sein. Denn dieser Einschlag war nicht normal, das war schon aussergewöhnlich und ohne Vorwarnung. Und das hat auch allerlei Porzellan in Form von Vertrauen zerdeppert, was man schon leicht daran sehen kann, dass der Kurs von Gold im späteren Handel keinen Bounce mehr zusammen bekommen hat und sogar noch einmal unter 1700 USD abrutschte. Und deshalb wird sich Morgen erst einmal der ganze Markt schütteln und wird versuchen, sich in Sachen Edelmetalle neu zu sortieren und den Einschlag zu werten. Und erst wenn diese Neuorientierung abgeschlossen ist, wissen wir wohin die Reise kurzfristig weiter geht.

Mit Blick auf den Gesamtmarkt, halte ich es aber eher für einen Fehler, sich von diese volatilen Bewegungen schon jetzt verunsichern zu lassen. Denn ein grösserer Absturz beginnt höchst selten an solch klaren Marken wie NASDAQ 3000, das ist zu offensichtlich. Auch wenn sich das heute teilweise ganz schön Angst machend angefühlt hat, ist in den grossen Indizes defacto nicht viel passiert und einiges spricht dafür, dass es sich hier um typisch technische Reaktionen handelt, die primär von den Algos getrieben wird. Denn diese traden derartige Setups konsequent.

Diese Bewegungen sind aber auch das Zeichen steigender Nervosität, das typische Anzeichen vor einem grossen Sprung. Positiv ist, das von einer übertrieben bullishen und selbstgefälligen Stimmung im Markt nun in meinen Augen keine Rede mehr sein kann. Insofern war die Konsolidierung der letzten 1,5 Wochen sehr erfolgreich und der Boden für eine starke Bewegung ist bereitet, weil nun wieder genügend Skepsis im Umlauf ist.

Ich wäre also nicht überrascht, wenn wir in den nächsten Tagen mit Macht ausschlagen. Wohin ? Alles ist möglich, aber wenn man den Markt rational betrachtet, liegt der Vorteil in meinen Augen nach wie vor leicht bei den Bullen. Was nicht bedeutet, dass nicht auch eine stärkte Korrektur möglich ist, ich halte sie nur für weniger wahrscheinlich, weil der Markt bisher keine Signale sendet, die einen Vorteil für die Bären implizieren. Das kann natürlich noch kommen, aber man sollte abwarten bis der Markt diese Signale wirklich sendet.

Wer seine Gewinne sichern will, kann jetzt also aus dem Markt gehen, das ist eine sinnvolle Massnahme, wenn Sie sich nicht mehr wohl genug fühlen. Immerhin sind ja bis hier schöne Gewinne aufgelaufen und diese mitzunehmen, hat noch niemanden arm gemacht. Für einen Short gegen den Markt, gibt es aber für mich nach wie vor nicht genug Indizien, die aus Mr. Markets Verhalten ableitbar wären.

In diesem Zusammenhang möchte ich sie an Apple (WKN 865985) erinnern. Das ist ein Runaway-Move wie er perfekter nicht sein könnte. Lesen Sie noch einmal meinen Beitrag -> hier <- von vor 2 Wochen. Darin habe ich trotz des starken Rücksetzers auf damals wieder unter 500USD davor gewarnt, eine solche Aktie zu shorten, egal wie überzogen die Bewegung aussieht. Und nun werfen Sie eine Blick darauf, was danach passiert ist:


Source:

Beeindruckend oder ? Auch heute ist Apple wieder im Plus. Gut also, wenn Sie damals meine Warnung beachtet haben und das Wort "irgendwann" nach wie vor nicht unterschätzen. Und ich bin überzeugt, solange die Leitaktien wie Apple so stark sind, ist der Bulle intakt. Erst wenn sich bei diesen Leitaktien der Wind dreht, dann muss man über einen Short nachdenken. Ein möglicher Tag für eine Wende bei Apple könnte zum Beispiel der 07. März sein, an dem das iPad 3 vorgestellt wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass im Sinne "buy the rumor, sell the news" genau dann der Kurs dreht, wenn das lange antizipierte Ereignis Realität wird.

Ich persönlich setze nach dem heutigen Tag, der sicher einige ängstliche Markteilnehmer rausgeschüttelt hat, eher auf einen "First of Month Jumper" am morgigen 1. März. Meine Stops würden dann auf dem Niveau der heutigen Tiefsstände bei DAX 6840 liegen, mit diesen Stops könnte ich einen solchen Trade Morgen ganz gelassen angehen. Ob ich den Trade wage, entscheide ich aber erst Morgen früh, je nach Lage kurz nach Handelsstart. Denn der frühe Vogel fängt zwar den Wurm - richtig. Aber der zu frühe Vogel kommt halt noch in einen verspäteten Wintereinbruch - auch das ist richtig. Morgen früh ist also früh genug, um eine solche Wette noch einzugehen. Aber ich werde Morgen intensiv Ausschau nach diesem Trade halten, mal sehen ob er sich realisiert.

Ich werde aber auch so flexibel sein sofort die Reissleine zu ziehen, wenn wir Morgen mit Volumen nach unten laufen. Denn wenn das nach dem heutigen volatilen Tag passiert, dann bin ich bereit den Bären ab Morgen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Schnallen Sie sich also nun bitte an, es könnte die nächsten Tage einen holperigen Flug geben ! Aber genau in diesen Phasen wird das Geld gemacht, mit dem Offensichtlichen kann man nicht reich werden. Es wird also wieder spannend ......

Ich wünsche einen schönen Abend !

Serie Rohstoffaktien – Hecla Mining – Seriosität in Silber

In der Serie Rohstoffaktien, möchte ich Ihnen heute meinen aktuellen Favoriten bei den Silberminen vorstellen: Hecla Mining (WKN 854693)

Wenn man sich in das Universum der Gold- und Silberminen hinein bewegt, hat man ebenso mit weltweit operierenden Riesen wie Barrick Gold (WKN 870450), wie auch mit unzähligen kleinen Explorern zu tun, die zwar öffentlich über ihre gewaltigen Chancen schwadronieren, aber noch keine Unze Edelmetall zu Tage gefördert haben. Das Problem bei den Explorern ist aber, dass eine einzige Nachricht ausreicht, um den Kurs mal eben zu halbieren. Und wie schnell das gehen kann, konnten wir auch bei Hecla Mining vor kurzem beobachten, als die wichtige Mine "Lucky Friday" durch Steinschlag ausser Gefecht gesetzt wurde und nun wahrscheinlich für das ganze Jahr 2012 ausfällt. Hecla hat dadurch bis zu 25% Börsenwert verloren, für ein kleineres Unternehmen wäre so ein Ereignis wohl der Exitus.

Für mich persönlich vereinen die "idealen" Minenaktien daher folgende Parameter:

(1) Mehrere Minen in Produktion mit kontinuierlichem Cashflow. Die Abhängigkeit von nur einer produzieren Mine ist mir zu riskant.

(2) Minen in politisch sicheren Regionen, die Verstaatlichungspolitik eines Hugo Chavez ist nun einmal nicht planbar.

(3) Marktkapitalisierung im einstelligen Milliardenbereich. Damit gross genug um einen Einschlag auszuhalten und noch klein genug um flexibel zu agieren und als Übernahmeziel für die ganz Grossen interessant zu sein.

(4) Erfahrenes Management mit einem guten Trackrecord. Gerade im Minensektor bei den kleineren Explorern zieht der Bullenmarkt in Gold und Silber leider auch einige dubiose Gestalten an, die sich mehr auf Marketing verstehen, als darauf reales Edelmetall real an die Oberfläche zu bringen.

(5) Geringe Produktionskosten und erwiesene gute Kostenkontrolle in der Vergangenheit. Was passiert, wenn das Management das nicht im Griff hat, konnte man ja vor kurzem bei Kinross Gold (WKN A0DM94) schmerzhaft beobachten.

Schauen wir uns vor dem Hintergund dieser fünf Kriterien mal Hecla Mining an.

Hecla wurde schon 1892 in Idaho, US gegründet und gehört damit zu den "Urgesteinen" der weltweiten Minenindustrie. Heclas erfahrenes Management betreibt eine gute Investor Relations, die man auch auf der interessanten und informationsreichen Homepage nachvollziehen kann. Schauen Sie sich mal die detaillierte Darstellung der Unternehmensgeschichte von Hecla an und vergleichen Sie das mit so manch anderer Mine, die vor 10 Jahren noch gar nicht existent war.

Hecla hat zwei Minen in Operation: "Green Creeks" in Alaska und "Lucky Friday" in Idaho. Darüber hinaus hat Hecla noch weitere aussichtsreiche Explorationsprojekte in Nordamerika bzw Mexiko. Die bei vielen Silberminen massiv vorhandenen politische Risiken in Ländern wie Bolivien oder Argentinien hat Hecla also mit seiner Operation nicht.

Am 11. Januar diesen Jahres musste Hecla bekannt geben, dass die "Lucky Friday" Mine nun auf Anordnung der Mine Safety and Health Administration (MSHA) für Wartungs- und Aufräumarbeiten ungefähr ein Jahr geschlossen werden muss, da es dort immer wieder zu Steinschlag bzw Bergstürzen kam. Der Markt hat das gar nicht goutiert und Hecla in der Spitze um 25% nach unten geschickt. Das ist auch auf den ersten Blick nachvollziehbar, denn der kurzfristige Jahresertrag wurde damit von 10 Millionen Unzen Silber auf 7 Millionen Unzen reduziert.

Es gibt aber gute Argumente, die dafür sprechen, dass der Markt nun übertrieben hat. Denn auch wennn "Lucky Friday" nun für ein Jahr schliesst, ist dadurch das Silber in der Erde ja nicht weg. Die Reduktion des kurzfristigen Ausstosses also eins-zu-eins auf den Aktienkurs durchschlagen zu lassen, lässt Raum für positive Überraschungen. Und Auszeiten bei Minen und Wartungsarbeiten sind halt etwas ganz Normales in der Industrie, Steinschlag ebenso. Nun hat Hecla also die Chance, die Mine in Ruhe so auf Vordermann zu bringen, dass diese danach auf Jahre hinaus ohne Unterbrechung hohe Erträge erwirtschaften kann. Die in 2012 ausgefallene Silberproduktion, kann dann in den Folgejahren um so schneller nachgeholt werden.

Gleichzeitig kam dieser Absturz zu einem Zeitpunkt, an dem der Kurs von Hecla sowieso schon über das ganze Jahr 2011 durch die zunehmenden Probleme in "Lucky Friday" belastet war. Diese Stilllegung könnte also den finalen Abverkauf markieren, auch das hohe Volumen während des Ausverkaufs spricht dafür.

Dabei ist Hecla in meinen Augen schon heute fundamental unterbewertet. Denn Hecla hat im Branchenvergleich sehr geringe Abbaukosten und das bei geringeren politischen Risiken als die meisten seiner Mittbewerber. Das liegt unter anderem daran, dass die Hauptmine "Green Creeks" einen überdurchschnittlich hohen Silbergehalt besitzt, was bedeutet man kann viel Silber mit relativ wenig Aufwand aus dem Boden holen. Auch die Explorationsprojekte in den USA und Mexiko sehen attraktiv aus. Hecla notiert nun nahe am Buchwert bei 1,5 Milliarden USD Marktkapitalisierung und schüttet sogar eine kleine Dividende aus, die in 2012 erhalten bleiben soll.

Dividende, gute Kostenkontrolle, offene Investors Relations, lange erfolgreiche Historie - all das sind Indizien für ein kompetentes, seriöses Management - ein Kriterium das man nicht jedem Minenunternehmen uneinschränkt zugestehen kann.

Auf dem Chart sieht man, wie weit Hecla nun innerhalb eines Jahres von seinen Höchstständen zurück gekommen ist. Die Aktie befindet sich immer noch in einem etablierten Abwärtstend, insforn ist es charttechnisch derzeit nicht zwingend in Hecla Mining zu investieren. Gleichzeitig hat Hecla aber im Bereich von 4 USD gut Unterstützung und positiv ist auch zu sehen, wie gut Hecla sich schon von dem "Lucky Friday" Einschlag erholt hat. Auch RSI und MACD könnten kurz vor eine Wende ins Positive zu stehen und deuten zumindest eine Stabilisierung an. Die charttechnische Entscheidung scheint also nicht mehr all zu fern in der Zukunft zu liegen. Alleine letzten Freitag ist Hecla schon um 7% gestiegen. Möglicherweise positioniert sich hier schon Kapital für die Wende.

Hecla Mining ist für mich persönlich im Moment die attraktivste Wette im Universum der Silber-Minen. Denn hier vereint sich erhebliches theoretisches Upside mit einem seriösen, langjährig erfolgreichen Unternehmen in politischen sicheren Weltregionen.

Letztlich hängt aber alles vom Silberpreis ab und nur wenn dieser weiter stark bleibt, wird man wohl auch mit Hecla schöne Gewinne einfahren können. In Anbetracht der klaren Aussagen der FED und parallel der Liquiditätsschwemme, die die EZB nun über die Banken ausgiesst, sind Gold und Silber in meinen Augen gut unterstützt und für den weiteren Verlauf des Jahres 2012 sehr aussichtsreich. Sollte noch dazu die Weltkonjunktur wieder anziehen, würde Silber als Industriemetall doppelt profitieren.

Genügend Gründe also für mich nun in Hecla Mining investiert zu sein. Ich sehe bei der Aktie durchaus eine Verdoppelungspotential innerhalb 24 Monaten und habe vor, diese Bewegung voll mitzunehmen.

Ob Hecla Mining auch in Ihr Depot passt, kann ich Ihnen nicht beantworten, das können nur Sie selber. Bedenken Sie neben all den Chancen daher auch die Risiken von Silberminen, denn trotz aller positiven Aussichten kann sich ein "Lucky Friday" Ereignis in jeder Mine der Welt jederzeit wiederholen und eine Hecla notierte im Tief Ende 2008 auch mal nahe bei 1 USD, also bei einem Fünftel des heutigen Wertes ! Das sollten Sie bei allen positiven Aussichten nicht vergessen. Sie sehen, neben grossen Chancen lauern also auch erhebliche Risiken, weswegen ich persönlich ein Engagement nur entsprechend abgesichert eingehen würde. Der Bereich um 4 USD könnte dafür eine sinnvolle Marke sein, um im Falle des Falles die Notbremse zu ziehen.

Silberminen sind also definitiv nicht für einen langfristigen "Buy and Hold" Ansatz geeignet. Aber für mich persönlich überwiegen bei Hecla Mining aktuell deutlich die Chancen und wenn ich schon in eine Silbermine investieren will, dann ist Hecla Mining mein persönlicher Favorit.