Marktupdate DAX, S&P500 und Co. – 28.07.12 – Die Notenbanken machen Ernst

Eine ereignisreiche Börsenwoche liegt hinter und eine ebenso spannende vor uns. Das übergreifende Thema kann man wohl in einem Satz zusammen fassen: Die Notenbanken machen Ernst !

Sah es noch vor 3 Tagen von der Markttechnik her sehr danach aus, als ob wir nach unten wegkippen, hat das klare, persönliche Commitment von EZB Chef Draghi alles verändert. Und das Timing war perfekt, es war sozusagen Rettung in allerletzter Sekunde aus Sicht der Bullen, von einem ehemaligen Vice President von Goldman Sachs darf man effektives Markt-Timing aber wohl auch erwarten. 😉

Mit den Aussagen Draghis, verbunden mit den Hinweisen die die FED über ihren "Lieblingsjournalisten" Jon Hilsenrath vom verbreitet, ist jetzt klar, dass die Notenbanken wohl einen Boden in den Markt eingezogen haben. Und der gestrige Freitag mit seiner erneuten Stärke zeigt mir, dass das institutionelle Geld nun einsteigt. Seit Gestern ist Überzeugung (Conviction) im Markt, wäre das nicht so, wäre die Korrektur gestern früh nicht sofort gekauft worden.

Die brutale Stärke der Bewegung der letzten beiden Tage beruht darauf, dass die Mehrzahl der Marktteilnehmer nach wie vor ein sehr bärisches Sentiment hat und deshalb der Rally am Donnerstag auch nicht getraut hat. So wurden die Shorts gehalten, in der Erwartung, dass die Aussagen von Draghi erneut nur wieder ein "One-Day-Wonder" sind und wir in der Schaukelbörse bleiben. Die Stärke von Freitag hat bei diesen Marktteilnehmern dann wohl zu massiven Schmerzen geführt.

Wenn Sie letzte Woche aufmerksam meinen Artikel zum -> Bullen, der noch Kraft in den Lenden hat <- gelesen haben, dürfte Sie dieser Short-Squeeze nicht zu sehr überrascht haben. Denn wie ich letzte Woche schrieb, hatten wir vom Sentiment her fast historische Tiefststände erreicht, die statistisch fast immer zu höheren Kursen in Folge führen.

Für die nächste Woche warne ich erneut davor, die Notenbanken nicht ernst genug zu nehmen und seinem bärischen Bias zu lange nachzuhängen - denken Sie lieber an die bewährte Regel: "Dont fight the FED". Sicher ist am Montag zunächst von leichten Gewinnmitnahmen auszugehen, das zu erwarten ist nun wirklich keine Raketenwissenschaft. Am Mittwoch kommt aber die FED nach einer zweitägigen Sitzung mit dem Ergebnis in den Markt. Und bis dahin dürfte der Markt weiter von Hoffnung geprägt sein.

Sollte die FED dann nicht liefern und auch von Seiten EZB keine weitere Konkretisierung erfolgen, besteht am Mittwoch das Risiko einer üblen "Sell the News" Reaktion. Allerdings rechne ich tendentiell nicht damit, denn wenn sich die Notenbanken so deutlich äussern, dann liefern sie auch, dazu sind sie in der medialen Vorbereitung ihrer Aktivitäten zu erfahren. Eher drängt sich mir nun der Eindruck einer massiven, konzertierten Aktion auf, denn auch die Chinesen haben ja nun den Weg des Stimulus erneut beschritten. Und Nachrichten von plötzlicher Reisediplomatie wie , runden das Bild der konzertierten Aktion dann ab.

Wenn die Notenbanken nun aber Ernst machen und massiv in den Markt einsteigen - und das ist das was der Markt gerade denkt - dann sollten sich alle Bären warm anziehen und besser tief in ihren Höhlen verkriechen. Denn dann dürfte wohl Party-Time an den Märkten anbrechen. Und neue Jahres-Höchststände oberhalb 1420 im S&P500 und oberhalb 7200 im DAX sind dann fast als sicher zu betrachten.

Wer jetzt von seiner bärischen Sicht nicht loslassen will, der sollte sich an den September 2010 erinnern, an dem die FED das erste Quantitativ Easing (QE 1) auf die Reise brachte. Danach bekamen wir fast eine halbes Jahr lang eine permanenten Liquiditäts-Rally, bis Fukujima denn Ablauf unterbrach. Und ich erinnere an den Dezember, den 4. Monat der Rally 2010 – da liefen wir ganz ruhig fast jeden Tag hoch, das war wohl einer der entspanntesten und schönsten Börsenmonate seit Jahren.

Fazit:

Wenn die Notenbanken nun ernst machen und liefern - und danach sieht es aus - könnte das der Anfang einer gewaltigen Liquiditätsrally sein, die über Monate trägt. “The powers that be” haben einfach die Macht die Märkte hoch zu pumpen und alles wie bei frischem Schnee mit einer Decke frisch gedruckten Geldes zu bedecken und zu beruhigen. Das Risiko einer Enttäuschung dieser Erwartung besteht zweifellos, weswegen Stops nach wie vor nötig sind, falls der Markt am Mittwoch wegkippt. Aber wahrscheinlicher ist für mich, dass die Notenbanken nun richtig Ernst machen.

Selbstverständlich löst das keines der strukturellen Probleme der westlichen Welt und schafft vielmehr neue, wenn man so will wird der drogensüchtige Mr. Market halt mit einem erneuten Schuss Heroin wieder ein gutes Stück Zeit bei Laune gehalten. Und Europa wird so auch nicht stabiler, im Gegenteil, der Anpassungsdruck auf Spanien und Italien dürfte sinken, was zu bedauern ist, da wir ja an Irland, Portugal, Lettland oder Bulgarien sehen, dass harte Spar- und Reform-Politik eben doch zum Erfolg führt, wenn man den Mumm hat, das wirklich durchzuziehen.

Das Wissen um das dicke Ende danach, nützt uns aber gar nichts, wenn wir im Markt Geld verdienen wollen. Dann zählt nur, dass die Notenbanken ganz klar gemacht haben, dass sie abstürzende Kurse nicht zulassen. Damit ist ein Boden im Markt, den man für aggressive Long-Engagements nutzen könnte. Und die Notenbanken haben die Macht das zu tun. Über die unvermeidbaren Konsequenzen dieser "Fiat-Money" Politik unterhalten wir uns dann in 2013 und folgenden Jahren.

Also werde ich persönlich auf dieser Party - gut nach unten abgesichert - kräftig mittanzen, solange sie dauert. Dont fight the FED ! Unterschätzen Sie das nie !

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 26.07.12 – Vom Bernanke-Draghi Put

16.30 Uhr

Der heutige Tag hat exemplarisch gezeigt, warum der Markt für jedermann derzeit so schwierig ist. Wir haben es eben nicht mehr mit einem "echten Markt" zu tun, der aufgrund wirtschaftlicher Erwartungen in sich schwinkt. Sondern wir sind massiven Manipulationen durch Politik und Notenbanken ausgesetzt. Und wie das halt so ist, wenn sich jemand im stillen Kämmerlei überlegt wann er was sagt, sind diese Interventionen für jedermann völlig unvorhersehbar.

Die heutigen kurzen Worte von EZB Chef sind ein solches Beispiel. Mit wenigen Worten gibt er den Märkten einen Blankoscheck. Lesen Sie mal im Link sein kurzes Statement, da fällt einem die Kinnlade runter wenn man das liest. Denn mit dem an dem Vorbild der Bundesbank ausgerichteten Mandat der EZB hat der Satz "sollten hohe Risikoaufschläge für Staatsanleihen von Krisenländern die Wirkung der Geldpolitik stören, fällt das in unser Mandat" in meinen Augen so viel zu tun wie eine Milchkuh mit der Mondfahrt. Aber Draghi sieht das offensichtlich anders und wer bin ich, mit dem EZB Chef über sein Mandat zu diskutieren !

Die Märkte lieben es und legen aus dem Stand eine gewaltige Rally hin. Schon am Dienstag hatten ja bewusst lancierte Gerüchte um die FED die Märkte nach oben getrieben. Die Notenbanken machen nun also scheinbar ernst, aus dem Bernanke-Put ist nun der Bernanke-Draghi-Put geworden.

Übrigens hat Gold mal wieder diese Entwicklung gerochen und seinem Ruf als Notenbanken-Indikator alle Ehre gemacht. Die plötzliche Bewegung gestern Abend über 1600 USD halte ich nicht für Zufall, hier war "Smart Money" am Werk.

Wie Sie aus meinen Kommentaren wissen, habe ich mit Wahrscheinlichkeit eher damit gerechnet, dass etwas derartiges wie heute passiert und wir im Aufwärtstrend bleiben und wieder nach oben drehen. Ich hatte die Ursache aber eher bei der FED verordnet und die EZB nicht so auf dem Radar gehabt. Insofern kommt diese heutige Entwicklung meiner persönlichen Aufstellung sehr zupass. Ich hatte alle Shorts glattgestellt und bin heute Long im Markt.

Trotzdem habe ich grösstes Verständnis für viele nun frustrierte Marktteilnehmer, denn bei objektiver Betrachtung muss man sich einfach auf den Arm genommen fühlen. Denn diejenigen die auf den Bruch des Trends und eine massive Bärenflagge gesetzt hatten, hatten ja mit ihrer Sicht durchaus einen Punkt. Die Price-Action gestern war mies, es gab kaum überzeugende Leadership und selbst der FED-Bounce von Dienstag wurde schnell wieder abverkauft. Rein von der Technik her, sprach gestern sehr viel dafür, dass wir nach unten absacken.

Wenn man also nur auf die Markttechnik vertraut und nicht wie ich auch immer den Irrsinn der Fiat-Money-Politik der Notenbanken vor Augen hat, kann man schnell auf dem falschen Fuss erwischt werden. Und auch wenn ich nun richtig lag, macht es mich nicht glücklich. Denn dabei ist auch immer ein Stück Zufall und mir wäre es lieber, wenn der Markt mal wieder in sich schwingen würde und Markttechnik damit wieder verlässlicher würde.

Ich möchte deshalb auch noch einmal an das wahre Bild des Marktes erinnern, dass durch die Manipulationen der Notenbanken völlig verzerrt wird:

(1) Wir befinden uns in weiten Teilen in einem für eine Rezession typischen Bärenmarkt, wie eindeutig bei unzähligen Aktien der zweiten oder dritten Reihe zu beobachten, die teilweise auf langjährigen Tiefstständen rumkrebsen.

(2) Nur die gross kapitalisierten, defensiven Bluechips lassen die Indizes vergleichsweise gut dastehen. Die Märkte sehen also durch die Indizes besser aus, als sie unter der Decke sind.

(3) In die gross kapitalisierten, defensiven Bluechips ala Nestle oder Johnson & Johnson fliesst deshalb frisches Geld, weil die institutionellen Anleger dort ihr Kapital noch als "sicherer" betrachten, als in manch anderer Anlageform.

(4) Derartige Notenbank-Manipulationen wie aktuell helfen primär dem Finanzsektor und damit den Indizes, wie auch heute wieder an Banken und Versicherungen zu beobachten. Die Realwirtschaft bekommt davon wenig ab, die Aktien der Realwirtschaft ebensowenig.

(5) Big Money geht über ETFs in den Markt und wieder hinaus und spielt diese Manipulationswellen. Ein Commitment zu einzelnen Titeln im Sinne Stockpicking macht immer weniger Sinn. Als Anleger muss man sich die Frage stellen, in wie weit man dieses Spiel mitspielt.

(6) Echte Trends sind bis auf wenige Segmente nicht mehr zu sehen, nach spätestens 3-4 Tagen in eine Richtung schlägt das Pendel in die Gegenrichtung. Dem Markt fehlt es massiv an Überzeugung, weil er weiss das egal wie die wirtschaftlichen Daten sind, die nächste Intervention gleich wieder um die Ecke kommt.

(7) Der Bernanke-Draghi-Put setzt jede Spekulation auf einen Abwärtstrend unter so hohes Risiko, das sie sinnlos wird. Gleichzeitig ist offensichtlich, wie künstlich aufgepumpt die Indizes sind, was ein Long-Commitment aus Überzeugung ebenso schwierig macht.

Das ist der Markt mit dem wir leben müssen. Wer hier versucht eine mittelfristige Anlagepolitik zu fahren, darf sich nicht wundern, wenn seine Performance gegenüber den Indizes ziemlich dürftig aussieht. Ich weiss, dass das derzeit vielen so geht, auch Hedgefond Superstars wie David Eichhorn von Greenlight Capital sind davon nicht ausgenommen. Und auch wenn ich mich noch relativ positiv halte, habe auch ich schon profitablere Phasen erlebt.

Denn wie ich schon an anderer Stelle schrieb, kann man derzeit entweder als Daytrader die Swings kurzfristig spielen oder sollte langfristig Stockpicking von echtem "Value" betreiben. Eine Anlage mit Zeithorizont Wochen und Monate ist dagegen mangels Trends und permanenter Interventionen zur Zeit extrem schwierig.

Aber ich kann Sie trösten, auch das wird sich wieder ändern und es kommen wieder andere Zeiten. Dafür muss aber die permanente Intervention von Seiten Politik und Notenbanken mal aufhören. Rein von der Geldanlage her würde ich es daher begrüssen, wenn der Markt mal endlich in Frieden gelassen würde und aus sich selbst heraus so richtig absacken könnte. Denn ich bin mir sicher, ohne die Kernwaffen der Notenbanken über den Köpfen der Marktteilnehmer, wäre der DAX heute eher bei 5500 als bei 6500.

Nur wenn der Markt mal wieder in Ruhe gelassen wird und in sich schwingen kann, haben wir auch wieder eine Grundlage, auf der man mittelfristige Strategien aufsetzen kann, die dann auch ein paar Monate halten. Bis wir das aber erleben dürfen, werden wir wohl noch lange mit solchen Sätzen wie von Draghi konfrontiert werden.

Jammern nützt also nichts, entweder wir nehmen den Markt wie er ist oder gehen aus ihm raus. Eine andere Wahl haben wir nicht. Machen wir das Beste daraus !

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gutes Händchen !

Ihr Hari

PS: Noch ein Hinweis in eigener Sache: am morgigen Freitag bin ich auf Reisen. Ein grösserer Artikel wird also wohl nicht erscheinen. Updates in "Tips" sind aber möglich und die Kommentare werden wie gewohnt zeitnah freigeschaltet.

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DAX Betrachtung – Doch eine Sommerrallye ?

Ein Gastartikel von Tokay

Dax Betrachtung - Doch eine Sommerrallye ?

Die Eurokrise, die Schuldenkrise und die Bankenkrise dauern an, und so könnte man meinen, dass sich die Märkte in einem Zustand hochgradiger Nervosität befinden. Das tun sie auch. Dennoch kristallisieren sich unübersehbar einige Grundtendenzen heraus:

Die seit März 2012 bestehende Abwärtsbewegung ABD wurde Ende Juni durchbrochen. Dieser Durchbruch fiel zusammen mit dem Bekanntwerden der Brüsseler Gipfelergebnisse, welche von den Märkten „gefeiert“ wurden.

Seither hat sich eine kurzfristige Aufwärtstrendlinie CD entwickelt. Die obere Begrenzungslinie BEF wurde zudem heute Abend überzeugend nach oben durchbrochen.

In Summe sieht dies nach einer positiven Entwicklung aus, die sich zu einer Sommerrallye entwickeln könnte. Dieses Szenario würde nur dann entkräftet, wenn der Bereich 6.350 bis 6.400 Punkte deutlich unterschritten würde bzw. die Kurse unterhalb der Fortsetzung der Linie CD zum Liegen kämen. Es spricht für eine positive Grundstimmung, daß sich die Kurse dieser Linie noch nicht wieder angenähert haben. Offenbar wurde die Großwetterlage(Geldpolitik der EZB US-Konjunktur) allgemein überwiegend positiv eingeschätzt.

Gestützt wird diese Erwartung außerdem durch eine langfristige Beobachtung:

Wir sehen hier, dass seit dem Beginn der Erholung 2009 sich ein Aufwärtstrend entwickelt hat, der durch die Strecke ABCDE charakterisiert ist. Wir befinden uns momentan noch unterhalb dieser Linie. Es besteht eine gute Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse sich in den kommenden Wochen diesem Entwicklungspfad annähern, wenn nicht ihn sogar übertreffen werden.

Tokay

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Marktupdate – 04.07.12 – Die Ruhe vor dem Sturm

15:00 Uhr

Den heutigen ruhigen Handelstag - mit der Wallstreet im "Independence Day" - möchte ich zum Anlass nehmen, den Blick ein bisschen nach vorne zur richten. Denn die heutige Ruhe dürfte eher eine "Ruhe vor dem Sturm" sein, denn mehrere wichtige Termine stehen an. Aber eins nach dem anderen:

Donnerstag 05.07.12 EZB Zinsentscheidung

Morgen um 13.45 Uhr, wird die EZB ihre Zinsentscheidung bekannt geben. Um 14.30 Uhr folgt dann eine Pressekonferenz. Aus Reihen der EZB kamen in den vergangenen Tagen klare Signale, dass eine Zinssenkung bevor steht. Unklar ist nur der Umfang und ob weitere Massnahmen beschlossen werden.

Ich gehe mal davon aus, dass die EZB sich dessen bewusst ist und klug genug, die öffentliche Wahrnehmung im Vorfeld so einer Entscheidung in die richtige Richtung zu lenken. Insofern ist eine Zinssenkung tatsächlich höchst wahrscheinlich. Keine Zinssenkung müsste man nun als Debakel der Kommunikationspolitik der EZB werten.

Eine Senkung um 0,25% auf 0,75% ist aber allgemeiner Konsens und mit der Bewegung der letzten Tage nach oben auch eingepreist. Deutliche Marktreaktionen dürften also nur durch Abweichungen von dieser Erwartung ausgelöst werden.

Freitag 06.07.12 US Arbeitsmarktdaten

Übermorgen um 14.30 Uhr stehen wieder die sehr marktbewegenden US Arbeitsmarktdaten an. Hier ist Mr. Market derzeit wieder in der ebenso perversen wie schizoiden Logik, dass schlechte Daten gute Daten sind, weil das den guten Ben zum eingreifen zwingt.

Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie verdreht und ermüdend ich diese immer gleiche Logik finde, das ist aber genau das was derzeit wieder an der Wallstreet passiert. Insofern brauchen sich die Bullen vor latent schlechten Zahlen wohl nicht besonders zu fürchten. Nur extreme Überraschungen sollten hier unangenehm werden.

Dienstag 10.07.12 Bundesverfassungsgericht zum ESM

In meinen Augen ist das der kritischste der drei Termine. Ich hatte ja schon mehrfach anklingen lassen, dass ich den "Ruf wie Donnerhall" den das BVG bei der breiten Bevölkerung noch hat, nicht mehr uneingeschränkt teilen kann. Zu stark hat hier auch eine Vermischung mit politischen Interessen und eine Besetzung nach Parteibuch stattgefunden, dass ich der Unabhängigkeit noch uneingeschränkt trauen könnte.

Aber trotzdem ist das Ergebnis vom Dienstag offen, denn zu klar und offensichtlich sind die verfassungsrechtlichen Probleme die vom ESM ausgehen. Sicher teilt die Mehrheit der Richter wohl die Pro-Euro Strategie der Regierung und hat keine Motivation dort hinein zu grätschen, der Vorsitzende Vosskuhle hat in dieser Richtung ja schon in einem den Satz geäussert: "Ich persönlich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich den Weg zu einem europäischen Bundesstaat für den richtigen halte" - was ich auch bemerkenswert finde. Aber das BVG weiss auch, dass es nun an der entscheidenden Klippe steht, an der es letztlich über die eigene Relevanz in den kommenden Jahren befindet.

Unsere Verfassungsväter hatten so ein Szenario wie aktuell auf jeden Fall nicht im Blick, der Blick der Verfassungsväter war darauf gerichtet, einen neuen Hitler unmöglich zu machen, weswegen das Grundgesetz von massiven "Checks and Balances" durchsetzt ist. Nach dem reinen Wortlaut der Verfassung kann das BVG also gar kein Urteil fällen, es muss das Grundgesetz auslegen im Sinne, was die Verfassungsväter für eine Situation wie aktuell gewollt hätten. Damit ist man aber eigentlich schon ausserhalb des rein juristischen Rahmens und im Bereich politischer Entscheidungen. Und das macht das Ergebnis des Dienstags so unberechenbar.

Übrigens hat Altkanzler Schmidt in meinen Augen zu diesem Thema ein äusserst fragwürdiges Verständnis der Gewaltenteilung offenbart, als er dem BVG riet "Man muss sein Herz über die Hürde werfen". Lesen Sie im Handelsblatt einen interessanten Artikel, der die Konfliktlinien gut darstellt.

Insofern rechne ich mit Wahrscheinlichkeit nicht damit, dass das BVG am Dienstag die Unterschrift unter den ESM aufhält, bis in der Hauptsache entschieden ist. Es gibt aber eine relevante Wahrscheinlichkeit von geschätzt 20-30%, das es doch passiert. Und das würde nach meiner Erwartung an den Märkten zu deutlichen Verwerfungen führen ! Ich kann jedem nur raten, sich über dieses Szenario Gedanken zu machen !

Schlussfolgerungen zum Marktgeschehen

Schaue ich auf das Momentum und die innere, bullische "Price-Action" im Markt, legt mir das aktuell mit guter Wahrscheinlichkeit nahe, dass wir nach einer Konsolidierung noch einen weiteren Schub nach oben bekommen, Ziel 1400 im S&P500 und 6700 im DAX.

Spätestens dann bin ich aber nicht mehr davon überzeugt, das wir in den breiten Indizes noch ein besonders attraktives Chance-Risiko-Verhältnis haben. Denn wir sind nun zu schnell zu weit gelaufen und haben in Tagen verfrühstückt, was für ein ruhiges Hochschieben den ganzen Juli hätte reichen können. Spätestens bei DAX 6700-6800 kommen dann auch wieder die bekannten Verdächtigen aus den Löchern und werden dem Privatanleger erklären, wie "saubillig" der DAX doch sei.

Ein paar Prozent nach oben in den breiten Indizes sehe ich in diesem Sommer also durchaus noch als realistisch an, die Fallhöhe nach unten (nicht die Wahrscheinlichkeit), ist aber nach meiner Ansicht weit höher.

Diese Skepsis bezieht sich aber nur auf die breiten Indizes, denn die Sektoren sind teilweise extrem auseinander gelaufen. Und in bestimmten Sektoren und Aktien haben wir tatsächlich attraktive Long-Setups, die auch für viel mehr als ein paar Prozent im Sommer gut sind.

Es wird also entscheidend darauf ankommen, diese Sektoren und Aktien zu identifizieren. Ein paar Hinweise habe ich Ihnen schon gegeben. Ansonsten kann in meinen Augen eine gesunde Prise Skepsis nicht schaden. Zu viele in Regierungen und Notenbanken wollen diesen Markt aus eigensüchtigen Motiven hochbeten. Das wird auch eine Zeit lang gelingen, bis es irgendwann auf dann katastrophale Art und Weise nicht mehr gelingt. Und es kann auch nicht schaden Aktien und Sektoren auszuwählen, die möglichst wenig von weiterem Wirrwarr rund um den Euro betroffen sein werden.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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„Greife nicht ins fallende Messer“: DAX nach der Woche der Richtungsentscheidungen

Ein Gastartikel von Tokay

Update aus aktuellem Anlaß zu Börsenregeln reloaded III

Wir sind nun am Ende einer Woche der Richtungsentscheidungen, und so stellt sich die Frage: Sind die Würfel jetzt gefallen? Dies ist das Thema der folgenden Zeilen.

Der langfristige Trend des DAX, gemessen am gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, war bis Anfang Juni negativ und hat seither ins positive gedreht (Strecke AE). Der mittelfristige Trend ist seit Ende März negativ (Strecke BCG), wurde aber gesamthaft in den vergangenen Handelstagen nach oben durchbrochen (Strecke mit den Auflagepunkten FGH); dies offensichtlich als Folge des „glimpflichen“ Wahlausgangs in Griechenland sowie einer positiven Erwartungshaltung der Märkte in Bezug auf eine geldpolitische Expansion insbesondere seitens der FED. Es hat sich damit ein kurzfristig positiver Trend herausgebildet, der allerdings Ende der Woche bereits wieder touchiert wurde. Gleichzeitig sehen wir auch eine Begrenzung der Erholung nach oben, markiert durch die Strecke CI.

Folgende Szenarien sind damit im Bereich des Möglichen:

  • Optimistische Sicht : Die Strecke FGH etabliert sich als untere Begrenzung eines neuen mittelfristigen Trends. Falls also der heutige Schlusskurs in der nächsten Woche nicht nennenswert unterboten und zugleich die Linie CI überquert wird (DAX bei ca. 6.400), spräche dies für den Auftakt zu einer Sommerrallye.
  • Pessimistische Sicht: Die Linien FGH und ebenso die Fortsetzung der Linie ACG werden unterschritten (DAX spürbar unter 6.000), dies würde wahrscheinlich einen Abschwung Richtung 5.500 Punkte bewirken.

Es ist im Augenblick schwer zu beurteilen, welche Sichtweise die Oberhand gewinnen wird, da die Einflussfaktoren überwiegend politisch geprägt sind. In jedem Fall wird es interessant sein zu sehen, ob die jetzige Konsolidierung in der nächsten Woche rasch zum Stillstand kommt. Die optimistische Sichtweise könnte durch positive Nachrichten von der „Euro-Front“ unterfüttert werden (Bankenunion, Spekulation auf weitere Zinssenkungen durch die EZB), während die pessimistische Sichtweise durch das Ausbleiben solcher Nachrichten an Nahrung gewönne. Wie wir in den letzten Tagen gesehen haben, beginnt sich nunmehr auch die Wirtschaftslage beim Zugpferd Deutschland zu verschlechtern (ZEW, Ifo-Index, Einkaufsmanager-Index). Vorsicht ist somit das Gebot der Stunde.

Tokay

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Marktupdate – 21.06.12 – Konsolidierung der Indizes, alarmistischer Unfug um Spanien

17:45 Uhr

Heute zum Markt nur ein kurzes Update.

Was wir bisher sehen, ist in meinen Augen gesunde Konsolidierung. In Anbetracht des um 16 Uhr veröffentlichten sehr schlechten Philly Fed Index kann man den Markt sogar als gelassen bezeichnen.

Auch der DAX macht heute einen starken Eindruck, er will sich so recht gar nicht von der 6400er Marke lösen, echter Abgabedruck ist nicht zu sehen. Viel spricht also dafür, dass der DAX in den nächsten Tagen einen ernsthaften Anlauf macht, die Wiederstandszone bis 6450 zu überwinden und einen Sprung Richtung 6600 in Angriff zu nehmen.

Vor wenigen Minuten hatten wir einen Test der Nackenlinie des bullischen Cup&Handle bei 1338 im S&P500. Wenn diese hält, ist das ein gutes Zeichen. Das POMO Kaufprogramm war wohl heute auch noch nicht aktiv.

Statt langen Worten zum Markt, heute ein paar ökonomisch-politische Gedanken meinerseits zu Spanien.

Als ich die Ergebnisse der heutigen spanischen Anleihenauktion sah - Spanien konnte sich bei der 5-Jahres-Auktion mit 6% neu refinanzieren und diese Auktion war dreifach überzeichnet - sprang mir auch wieder der Gedanke durch den Kopf, wie verzerrt die aktuelle Wahrnehmung in Medien und Öffentlichkeit ist. Denn 6% sind nur im Vergleich zu den glücklichen ersten Euro-Jahren viel. Langfristig sind das ganz normale Zinsen für das Land und vor dem Euro hat Spanien auch schon einmal 10% und mehr bezahlt und ist auch nicht Pleite gegangen.

Natürlich, da hatte Spanien auch eine eigene Währung und konnte die Anleihen mit frisch geschöpftem Notenbankgeld zurück zahlen, mir sind die Unterschiede wohlbewusst und mir ist auch klar, dass das Thema nicht ganz so simpel ist. Trotzdem ist der Vergleich geeignet die Perspektiven gerade zu rücken und zu zeigen, dass wir eigentlich nur eine Normalisierung der Bondrenditen für die südlichen Euro-Länder erleben. Hoch sehen sie nur im Vergleich zu wenigen Jahren im Euro aus, historisch sind sie nicht hoch, sondern ganz normal. Und genau diese ersten Jahre im Euro haben den PIGS einen geschenkten Wohlstand verschafft, dem keine wirklich Wertschöpfung gegenüber stand. Letztlich erzwingen die Anleihenmärkte nun nur eine Normalisierung.

Vor diesem Hintergrund sind Sätze wie im Handelsblatt nach dem Motto "Spanien und Italien können sich kaum noch am Markt refinanzieren" für mich alarmistischer Unfug, mit dem letztlich nur politische Umverteilungsinteressen der PIGS untermalt werden. Warum deutsche Redakteure das einfach nachplappern, erschliesst sich mir nicht. Denn bei einer dreifach überzeichneten Auktion ist Gerede von "nicht mehr refinanzieren können" wohl deutlich übertrieben, um es mal wohlwollend zu bezeichnen.

Letztlich bricht sich die ökonomische Realität halt Bahn und Mathematik lässt sich nicht bestechen. So war der kreditfinanzierten Boom der Binnenkonjunktur Spaniens in den ersten Euro-Jahren halt ein Luftschloss, er hat sich zwar gut angefühlt, war aber nicht angemessen. Dieser gefühlte Wohlstand war nie real erwirtschaftet.

Indirekt bezahlt wurde er im übrigen von deutschen Arbeitnehmern, die in dieser Zeit reale Einkommensverluste erlitten und zwar nicht wegen der "bösen" Politik eines Gerhard Schröder, sondern wegen der fiskalischen Effekte der Währungsunion, die Deutschlands Investitionsklima massiv schadeten. Nur deshalb wurde Deutschland, das schon vorher Exportmacht war, plötzlich zum "kranken Mann Europas", obwohl sich in Deutschland eigentlich gar nichts geändert hatte. Auch diese negative Wirkung des Euros auf Deutschland wird heute gerne unterschlagen, wenn das irreale Loblied auf die Bedeutung des Euros für Deutschland gesungen wird.

Und auch die deutsche Infrastruktur hat unter der Fehlallokation von Investitionen in südländischem Beton massiv gelitten, was wir am aktuellen Zustand der Strassen und anderer Bauten leicht nachvollziehen können, da Investitionsgelder eher in die Boomblasen flossen. Auch deutsche Anleger steckten ihr Geld via geschlossener Fonds dann in Investitionen in diese Länder und eben nicht in Deutschlands Infrastruktur. Erst jetzt, wo die Bürger in Deutschland versuchen jeden freien Euro in Beton umzuwandeln um einer Inflation oder Währungsreform zuvor zu kommen, wandelt sich das Bild, die Handwerker haben volle Auftragsbücher und die Investitionen boomen wieder. Denn auch für Investitionseuros gilt: sie können nur einmal ausgegeben werden.

Das der indirekte Wohlstandstransfer der deutschen Bevölkerung Richtung PIGS in den ersten Eurojahren keine Legende ist, kann man sehr leicht daran nachvollziehen, wie sich das durchschnittliche Vermögen der Deutschen und der Italiener oder Spanier in den ersten Eurojahren entwickelt hat. Da sieht man schnell, wer die Verlierer und wer die Gewinner waren. Auch heute liegt das durchschnittliche Geldvermögen (ohne Immobilien) der Italiener immer noch leicht höher, als das der Deutschen. Sehen Sie und staunen Sie, wer alles vor uns liegt. Wer sich vor diesen Realitäten nicht verschliesst, kann doch nicht mehr ernsthaft fordern, dass die einen die anderen retten sollen. Was ist das eigentlich für ein Verständnis von Solidarität ?

Insofern steckt für mich bei aller Kenntnis der schweren, strukturellen Probelem des Euros hinter dem aufgeregten Geschnatter um "untragbare Bondrenditen" auch eine Menge populistisches Kalkül der PIGS, mit dem die fiskalisch starken Länder weichgeklopft werden sollen. Denn auch wenn es wahrscheinlich einige Spanier und Italiener nicht hören wollen, ist die Realität ganz klar: das wirkliche Problem sind nicht die Kredite und die Verschuldung, sondern die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder. Und um diese am Weltmarkt wieder herzustellen, muss Spanien um 10-20% billiger werden, es gibt keinen anderen ökonomischen Weg, das Perpetuum Mobile wurde noch nicht erfunden.

Das aber geht nur auf zwei Arten: entweder, wenn man im Euro bleiben will, müssen die Arbeitskosten sinken und gleichzeitig die Produktivität steigen. Oder man steigt aus dem Euro aus und wertet die eigene Währung ab. Man hat die Wahl, es gibt keine anderen ökonomischen Alternativen. In beiden Fällen aber, verschwindet der Pseudowohlstand aus den ersten Eurojahren wieder, dass das in Spanien nicht beliebt ist, kann ich gut nachvollziehen. Warum andere das finanzieren sollen, aber auch nicht.

Insofern wird Spanien so oder so auf das Wohlstandsniveau der 90er Jahre zurück fallen. Alles andere sind Illusionen und so schlecht hat es sich in Spanien in den 90ern ja nun auch nicht gelebt. Und letztlich bestätigt das auch nur wieder eine sehr alte Weisheit:

"There is no free lunch !"

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Marktupdate – 15.06.12 – Cup&Handle im S&P500 kurz vor Aktivierung

10:15

Sie erinnern sich sicher an meinen -> Artikel zum S&P500 von Dienstag <-, in dem ich Ihnen die sich formierende Cup&Handle Formation im S&P500 nahe brachte. Diese ist um so bedeutender, als das rechnerische Kursziel der Formation bei ca. 1400 liegt, eine Aktivierung aufgrund Bruch der Nackenlinie, wäre also mit der potentiellen Rückkehr der Indizes zu den Jahreshöchstständen verbunden.

Wie ich Ihnen in meinen "Live Tips" schon gestern Abend nahe brachte, reagiert der Markt positiv auf die Signale, dass die Notenbanken bereit sind, am Montag massiv zu intervenieren falls notwendig. Eigentlich sollte das ja niemanden überraschen, denn wer mit klarem Verstand hat mit etwas anderem gerechnet ? Das Mr. Market trotzdem erleichtert auf diese Nachricht reagiert, zeigt mir, wie nervös und ängstlich die aktuelle Stimmung ist, was im Sinne des Sentiments eher ein positives Signal ist.

Ich möchte deshalb noch einmal in Erinnerung rufen, was ich Ihnen gestern im -> Strategieupdate <- schon sagte: die Wahrscheinlichkeit, dass wir am Montag einen positiven Tag an den Börsen erleben, ist höher als das Gegenteil ! Das aktuelle Verhalten des Marktes bestätigt mir das Bild.

Sicher darf man nicht vergessen, dass heute in den US "Options Expiration" ist und man daher nicht jede Kursbewegung ernst nehmen darf. Und sicher ist davon auszugehen, dass im heutigen späten Handel wieder Gewinnmitnahmen einsetzen werden, weil sich niemand über das Wochenende exponieren will. Ich denke aber, die Griechenland-Wahl bietet nun nur noch wenig negatives Überraschungspotential, denn mit einem Sieg der radikalen Linken rechnet der Markt ja schon und auch ansonsten ist das Szenario rauf und runter durchdiskutiert. Eine Überraschung wäre eher das Gegenteil, ein überzeugender Sieg der Nea Demokratia, der den Börsen am Montag sicher helfen würde.

Bedenken Sie bitte auch, dass schon ab Montag Nachmittag die Griechenland-Wahl vom Radar des Marktes verschwunden sein dürfte und alle Augen nur noch auf die FED starren. Hier, bei der FED, besteht durchaus negatives Überraschungspotential, aber das ist ein Risiko, mit dem wir uns erst ab Dienstag Abend auseinander setzen müssen.

Vor diesem Hintergrund wird es bedeutend sein, ob es dem S&P500 heute nachhaltig gelingt die beschriebene Cup&Handle Formation in Bewegung zu setzen. Um die Nackenlinie zu brechen ist es notwendig, dass der S&P500 die 1338 nimmt, die Futures sind aktuell schon nahe dran. Allerdings reicht eine kurze Bewegung darüber nicht aus, wir müssen auch oberhalb 1338 schliessen. Sollte das gelingen und die Gewinnmitnahmen im späten Handel heute ausfallen, darf man das als ein positives Signal von Mr. Market werten, dann ist eine positive Erwartung von "Big Money" bestätigt.

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Strategieupdate – 14.06.12 – Vor der Woche der Entscheidung

10.30 Uhr

Der Markt schwankt aktuell ohne Richtung hin und her. Kein Wunder in Anbetracht der richtungsweisenden Ereignisse, die uns in Form der Griechenland Wahl und der FED Sitzung am kommenden Mittwoch erwarten.

Die Bedeutung der Griechenland-Wahl brauche ich hier nun bestimmt nicht mehr zu erklären, die besondere Bedeutung der FED Sitzung ist aber dadurch begründet, dass es die letzte Sitzung sein wird, in der die FED vor der Präsidentenwahl im November noch Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung nehmen kann.

Natürlich gibt es auch im Herbst noch Sitzungen, aber da jede Massnahme Zeit braucht, bis sie sich am Markt wirklich auswirkt, schliesst sich das vernünftige Zeitfenster für neue Massnahmen in diesem Sommer. Historisch hat die FED eher den aktuellen Präsidenten gestützt, schon alleine weil das Schicksal des FED-Präsidenten oft mit dem Wahlschicksal des Präsidenten verknüpft war.

Deshalb lautet die Erwartung des Marktes an nächsten Mittwoch: "Jetzt oder Nie !". Wenn Bernanke noch liefern will, dann jetzt !

Vor diesem Hintergrund ist es völlig normal, dass der Markt diese Woche nun nicht mehr in der Lage ist eine klare Richtung einzuschlagen und richtungslos hin- und her schwingt. Ich kann daher nur davor warnen, auf diese aktuellen Bewegungen zu viel zu geben und es lohnt sich auch nicht, sich mit einzelnen Aktien zu beschäftigen. Wir müssen einfach das Wochenende abwarten und bis dahin die Füsse still halten. Ich halte aktuell auch etwas mehr Abstand von der Börse und geniesse heute und morgen lieber die Sonne, die nächste Woche wird sicher noch intensiv und aufregend genug.

Um aber mit der "richtigen" Aufstellung in diese entscheidende Woche zu gehen, will ich hier mal rational die aus meiner Sicht wesentlichen Faktoren mit Ihnen durchgehen.

(1) Bewertung:

Erinnern wir uns, als die weltweiten Aufträge im Zuge der Lehman-Krise innerhalb von Wochen zusammen brachen, notierte der DAX bei 3600. Und er wäre wohl noch um einiges tiefer gefallen, wenn die FED damals nicht massiv die Geldschleusen geöffnet hätte. Erinnern wir uns weiter, als letzten Herbst die Eurokrise schon einmal gespielt wurde, notierte der DAX bei 5000.

Daraus lässt sich leicht ableiten, dass bei einem DAX Stand von aktuell 6100 ein ernsthaftes Problem der Weltkonjunktur noch nicht eingepreist ist !

Lassen Sie sich deshalb auch nicht von dem Gerede von "attraktiv bewerteten" Aktien den Blick vernebeln. Sicher sehen viele konjunkturabhängige Aktien auf Basis der KGVs und der Buchwerte aktuell attraktiv bewertet aus. Das waren sie aber im Sommer 2008 teilweise auch schon wieder. Das liegt nur daran, dass die Weltkonjunktur aktuell ganz gut läuft und die Gewinne vieler Firmen (siehe deutsche Autobauer) auf Rekordniveau notieren, was die KGVs niedrig aussehen lässt.

Das ist aber Schnee von gestern und interessiert nicht mehr. Mr. Market schaut nach vorne und interessiert nur, wie sich die Weltkonjunktur in Folge der Ereignisse der kommenden Woche entwickeln wird. Und wenn die Weltkonjunktur abreissen sollte, was in Folge einer ernsten Eskalation der Eurokrise sicher passieren würde, schmelzen die Gewinne der konjunkturabhängigen Firmen wie der Schnee in der Sommersonne ! Insofern sind die extrem niedrigen KGVs gerade einiger deutscher Exportwerte möglicherweise eher eine Problembeschreibung als eine Einladung bei vermeintlichen "Schnäppchen" zuzugreifen.

Auch vor einer Überbewertung des Buchwertes möchte ich warnen, der von einigen selbst ernannten "Value-Päpsten" ja gerne zur Monstranz aufgeblasen wird. Wieviel das Gerede wert ist, konnten wir ja zuletzt bei Praktiker beobachten, die schon bei einem Kurs von 6€ unter Buchwert notierten, was sie aber nicht daran hinderte bis 1€ zu fallen. Der Buchwert war mal eine ganz wichtige und verlässliche Grösse, vor den Änderungen der Bilanzierungsregeln ala IFRS. Mit IFRS steckt in den Bilanzen vieler Konzerne aber nun jede Menge "Goodwill" aus M&A Massnahmen. Wenn jetzt die Börsen zusammen brechen, muss auch dieser Goodwill irgendwann nach dem Prinzip "Mark to Market" marktgerecht aufgelöst werden. Und dann kann ein nominaler Buchwert mal schnell um einen zweistelligen Prozent-Wert zusammen klappen. Ich will den Buchwert damit nicht als nutzlos erklären, er ist immer noch ein wichtiges Bewertungskriterium, ich warne nur davor, ihn überzubewerten !

Fassen wir also zusammen: im Bereich der Bewertung haben die Börsen bei einer Eskalation der Krise für die kommenden Monate massives Potential nach unten. Und dieses absolute Potential ist höher, als das kurzfristige Potential nach oben, wenn sich die Krise verziehen sollte. Das ist aber keinerlei Aussage über die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses - siehe nächster Punkt.

(2) Wahrscheinlichkeit einer Eskalation:

Erstens haben wir eine FED, die ganz klar kommuniziert hat, dass sie sofort und massiv in den Markt geht, sobald sich die Lage der US Konjunktur deutlich verschlechtert. Dieser "Bernanke Put" stützt den Markt nach unten ab.

Zweitens haben wir eine politische Führung in der Europäische Union und eine EZB, deren Existenz vom Überleben der bestehenden Strukturen abhängen. Man sollte sich keiner Illusion hingeben, wenn es ans "Eingemachte" geht - und da sind wir noch nicht - werden diese Institutionen "um sich schlagen". Dann werde auch Verträge nicht mehr zählen und es wird alles Denkbare getan um die aktuelle Struktur zu stützen, über das Bezahlen der Rechnung können sich dann andere Gedanken machen. Diese Institutionen haben durchaus noch Feuerkraft, weswegen auch von dieser Stelle, wie bei der FED, der Markt nach unten gestützt ist.

Drittens geht der Markt in Sachen Griechenland wohl realistisch von einem Szenario aus, dass die radikalen Linken gewinnen, es aber in Folge nicht zu einem sofortigen Austritt, sondern zu wochenlangem Geschacher in Brüssel kommt. Nur bei einem sofortigen Austritt Griechenlands aus dem Euro, dürfte es zu einem kurzfristigen Rückgang aus Unsicherheit kommen, der aber nach meiner Erwartung dann schnell einer Erleichterung weicht und die Kurse eher nach oben katapultieren sollte. Umgedreht sollte es bei einem Sieg der Nea Demokratia wohl am Montag zu einer Erleichterungsrally kommen. Aufgrund dieser Erwartungen ist das kurzfristige Abwärtspotential aus der Griechenland-Wahl nach meiner Ansicht wohl überschaubar.

Viertens geht der Markt in Sachen FED Sitzung eher von neuen Massnahmen aus und hat da hohe Erwartungen an Bernanke. Das birgt ein gewisses Enttäuschungspotential, unter anderem auch bei Gold, dass sich aber frühestens am Mittwoch realieren sollte.

(3) Marktechnik

Vergisst man all die obigen Rahmenbedingungen und schaut nur auf die Charts und die Markttechnik, drängt sich der Eindruck eines Marktes auf, der nun wieder nach oben will. Ich habe das zuletzt anhand des S&P500 -> hier <- dargestellt. Rein technisch gesehen hat sich die Kraft der Bären nun etwas erschöpft und wenn wir nun ohne obige politische Rahmenbedingungen wären, würde ich anhand der Marktechnik eher zu weiter steigenden Kursen und einem Test der Jahreshöchststände im Verlauf des 3. Quartals tendieren.

Und ein weiterer Faktor der aus der Marktpsychologie kommt ist bedeutend. Alle diese Risiken und Sorgen oben sind dem Markt bekannt und mehr oder minder eingepreist. Wir sterben aber in der Regel nicht aufgrund von Ereignissen, um die wir uns intensiv Sorgen machen. Wir sterben aufgrund von Ereignissen, die wir uns nicht vorstellen konnten ! Es spricht also viel dafür, dass das gesamte Szenario rund um den Euro ausreichend ausgelutscht ist, viel mehr Sorgen sollte man sich um die dunklen Risiken machen, die unerkannt um die Ecke lauern. Insofern bin ich sicher, dass wir in den nächsten Monaten einige Überraschungen erleben werden.

So könnte zum Beispiel der der in den US zum Jahresende droht, das Augenmerk des Marktes ganz plötzlich und unerwartet weg von Europa verschieben. Machen Sie sich also auf ein paar Überraschungen gefasst: Das was alle erwarten, tritt selten ein !

So weit meine ganz persönliche Sicht auf die aktuelle Lage, was bedeutet das nun als:

Fazit für die nächsten 3 Monate:

Wir haben in meinen Augen ein aysmetrisches Risiko im Markt:

-> Auf der einen Seite eine weit höhere Wahrscheinlichkeit steigender Kurse aufgrund einer Deeskalation der Krise, deren Kurs-Potential in den Indizes aber beschränkt ist und im Bereich von maximal 20% nach oben liegen dürfte.

-> Auf der anderen Seite eine weit geringere Wahrscheinlichkeit einer weiteren Eskalation der Krise, deren Kurs-Potential in den Indizes aber hoch ist und durchaus 50% nach unten von den heutigen Indexständen ausmachen könnte.

Wie stellt man sich in Anbetracht dieser Lage auf ?

Darauf müssen Sie Ihre eigene Antwort finden, denn diese Frage hat auch mit Ihrer Anlagestrategie, Ihrer Risikotoleranz und Ihrer Liquidität zu tun. Ich kann Ihnen aber sagen, wie ich in die kommende Woche gehe:

Ich habe aktuell:

  • Einen Grundstock an Aktien aus der Kategorie "Wertaufbewahrungscontainer", also Titel wie Unilever, Johnson&Johnson, Roche aber auch Tech-Schwergewichte wie Apple.
  • Ein paar selektive Longs in ausgewählten Segmenten mit positiven Trends wie zb den Goldminen - mit Stops abgesichert.
  • Ein paar Shorts als Hedge - auch mit Stops abgesichert.
  • Jede Menge (mehr als 50%) Cash.

So gehe ich in die kommende Woche und warte ab, welche Trends sich etablieren. Und auf diese Trends werde ich dann massiv aufsatteln, denn "The Trend is your Friend !"

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit dieser Analyse helfen und wünschen Ihnen das richtige Händchen bei Ihren Entscheidungen !

Ihr Hari

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