DAX Korrektur – Erste Warnung und sonst: Nichts !

Der DAX hat die schärfste Korrektur seit August diesen Jahres gestartet, über die Ursachen habe ich gestern geschrieben. Die Schärfe der Korrektur hat dabei direkt mit dem langen, gnadenlosen Anstieg vorher zu tun. Das ist die Theorie des Gummibandes - je weiter man es dehnt, desto stärker schnappt es zurück.

Heute will ich mich daher mit der Frage beschäftigen, wie wir mit so einer Korrektur umgehen sollten. Denn ich kann sozusagen durch die Internetleitung spüren ;-), wie nun ganz viele grübelnd vor dem Schirm sitzen und sich diese Schwarz/Weiss Fragen stellen, die da lauten:

- Kommt nun der grosse Crash ?

- Soll ich jetzt mit allem raus aus dem Markt ?

Diese ganze, digitale Fragestellung im Sinne rein/raus ist aber völlig falsch und verfehlt !

So zu denken ist unproduktiv und macht uns nur nervös. Der Markt ist nie schwarz/weiss, er ist jederzeit eine Menge von Wahrscheinlichkeiten, die sich verschieben. Und die Zukunft ist und bleibt unbestimmt !

Was wir statt dessen tun sollten, ist unser Risiko zu managen. Was bedeutet Stück für Stück und Schritt für Schritt vorsichtiger zu werden, je stärker das Risiko steigt. Und in diesem Sinne langsam und Stück für Stück Gewinne mitzunehmen, falls die Korrektur voran schreitet.

Denn das Risiko eines Crashs - vor dem wir so Angst haben - ist eben nicht nahe am Höhepunkt am grössten. Das Risiko erreicht seinen Höhepunkt erst später, falls der Markt keinen Boden mehr findet und bröselt und bröselt.

Und das will ich Ihnen am Musterbeispiel des Crashs 2008 zeigen, der perfekt abgelaufen ist:

DAX 2008 Crash

Sie sehen die erste Phase, die Topbildung, in der der Markt keine signifikanten Höchststände mehr generieren kann. Vielleicht sind wir in dieser Phase, sicher ist das aber noch nicht !

Sie sehen dann den ersten Einschlag, das erste Warnzeichen sozusagen. Vielleicht haben wir das gerade erlebt. Bestenfalls dort, bei (2) befinden wir uns aktuell, wenn man nun einen Crash erwartet.

Auf (2) folgt aber in der Mehrzahl der Fälle erst einmal eine Phase, in der der Markt immer mehr Leben verliert und langsam vor sich hin bröselt. In dieser Phase (3) steigt das Risiko für einen Crash massiv, denn irgendwann verlieren die Marktteilnehmer die Geduld und wollen alle gleichzeitig zum Ausgang.

Worauf sich mit (4) dann der echte Crash anschliesst. Und dann in (5) eine Phase des Nachschwingens folgt, bevor der Markt in (6) den Tiefpunkt findet, der typischerweise nach einem Crash eine Übertreibung nach unten ist.

So weit der typische Ablauf. Diese Struktur ist universell und können Sie auch oft auf kleineren Zeitebenen finden, es muss nicht immer der grosse Crash sein. Und eigentlich will ich Ihnen damit klar machen, dass bisher im DAX noch nichts passiert ist und erst weiteres Abwärts-Bröseln die Risiken stark erhöht.

Jetzt weiss ich aber auch um die Macht der Bilder und mir ist klar, dass Sie bei Betrachten des obigen Charts nun emotional denken: "Oh Gott, schnell raus, wenn das danach kommt und wir erst bei (2) sind !"

Deswegen will ich Ihnen als "Cooldown" unbedingt auch noch den aktuellen Chart des S&P500 in diesem Jahr zeigen.

S&P500 05.12.13

Und da sehen Sie, wie oft wir schon ein "(2) Erste Warnung" hatten. Und jedes Mal hat der Markt dieses Jahr wieder V-förmig nach oben gedreht. Daran waren die Notenbanken ja nicht unschuldig und gerade deshalb sei die Frage erlaubt: Warum muss das dieses Mal unbedingt anders sein ?

Der Crashablauf von 2008 ist nämlich die Ausnahme und nicht die Regel. Und ein Warnzeichen ist erst einmal nur ein Warnzeichen und kein Grund schon in Panik zu verfallen.

Was ich Ihnen damit klar machen will ist:

(1) Bisher ist nichts Relevantes passiert und die Aufwärtstrends in den Indizes sind voll intakt. Es wird erst jetzt interessant, wenn und falls wir erleben sollten, dass der Markt nun keinen Boden findet und die Dip-Käufer ausbleiben.

(2) Wenn aber nun bald das Reversal kommt, wird der Trend dadurch nur bestätigt und die Korrektur war extrem gesund und legt dann die Grundlage für die Fortdauer der Hausse.

(3) Nur wenn der Markt nun weiter abgeben sollte und erste, wichtige Marken reisst, dann wird es wirklich riskant. Denn viele werden Stops unter markanten Strukturen haben und werden dann alle gleichzeitig zum Ausgang wollen. Das wäre das Ende von Phase (3). Lesen Sie in diesem Zusammenhang noch einmal den Artikel vom Montag zum Rising Wedge im S&P500, um diese Marken zu erkennen.

Was heisst das für uns ?

Wir brauchen unbedingt gedankliche Stops unter markanten Marken, mit denen wir unser Markt-Exposure Stück für Stück abbauen, falls - und nur falls - der Markt weiter nach unten bröselt.

Heute dagegen über diese "schwarz/weiss" Frage im Sinne rein oder raus zu grübeln, ist vergeudete Liebesmüh ! Und wenn Sie nun Artikel lesen, in denen Ihnen jemand erzählt, dass der Markt nun dieses oder jenes machen wird, ignorieren Sie das. Keiner kennt die Zukunft und was wir als Individuen glauben, hat keine Bedeutung, ausser im Sinne einer Massenpsychologie.

Es zählt alleine was der Markt tut. Und da ist eben wichtig zu verstehen, dass nach solchen Höchstständen ein langsames Abwärtsbröseln das Risiko erhöht. Und dieses Risiko müssen wir managen, in dem wir unser Exposure zum Markt entsprechend anpassen.

Machen Sie sich also einen Plan, wie Sie - falls der Markt weiter fällt - sukzessive Ihr Risiko verringern. Stück für Stück, im Einklang mit dem Markt. Von dem Gedanken perfekt am Top komplett auszusteigen, müssen Sie sich sowieso verabschieden. Das ist - von einem einmaligen Glücksschuss abgesehen - selbst für den besten Trader der Welt unmöglich.

Also: keine Panik und kein Herumraten. Managen Sie Stück für Stück Ihr Risiko !

Vergessen Sie den Gedanken daran, was morgen sein wird - Sie werden es sowieso erst morgen erfahren. Konzentrieren Sie sich statt dessen darauf, die Risiken der Gegenwart in Ihrem Portfolio entsprechend abzubilden.

Ihr Hari

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Vorsicht versus Handeln: Rising Wedge im S&P500

Ende letzter Woche, habe ich Ihnen ja -> hier <- noch einmal den wichtigen Unterschied zwischen Vorsicht und Handeln dargestellt. Nun möchte ich diesen Unterschied auch an einem konkreten und aktuellen Beispiel deutlich machen.

Der Leitindex S&P500 befindet sich nun am Ende eines ziemlich eindeutigen "Rising Wedge" - zu deutsch "steigender, zulaufender Keil". Eine solche Formation im Aufwärtstrend ist tendentiell bärisch - ausser in einer sehr starken, bullischen Bewegung wie aktuell, deren Momentum noch nicht nachlässt. In so Fällen ist sogar eine erneute Beschleunigung nach oben denkbar - so verrückt sich das anhört. Wie hatten aber erst vor ein paar Wochen im Solar ETF "TAN" so einen Fall, wo aus so einem "Rising Wedge" eine weitere Beschleunigung resultierte. Auch dort war das unterliegende Bid im Markt aber extrem stark, wie auch aktuell im S&P500. Weswegen so eine Ausnahme auch nun wieder denkbar ist.

S&P500 Rising Wedge 02.12.13

Aber selbst in so einer dynamischen Bewegung wie aktuell, generiert so eine Formation bei Markttechnikern trotzdem jede Menge Warnsignale - und das völlig zu Recht. Da stellen sich einem sozusagen die "Nackenhaare auf". Auf der anderen Seite, hat der Markt dieses Jahr ja oft bewiesen, dass die Einflüsse der Notenbanken die natürlichen Schwankungen verzerren. Insofern ist eine solche Formation Anlass zur Vorsicht, aber eben (noch) nicht zum Handeln !

Noch ist der Aufwärtstrend voll intakt und hat unser Vertrauen verdient. Insofern wäre Handeln - nur weil man so einen "Rising Wedge" sieht - zunächst verfehlt. Der Zeitpunkt zum Handeln kommt aber dann, wenn diese Formation klar gebrochen wird. Und dafür habe ich Ihnen die beiden naheliegenden Stopmarken eingezeichnet, die jeweils mit Tiefs im Aufwärtstrend korrelieren.

Mein eigenes Risikomanagement funktioniert dabei so, dass ich bei Erreichen der ersten Stopzone eine Reduktion des Exposures vornehme. Und erst bei der zweiten - bedeutenderen - Stopzone endgültig aussteige.

Bitte beachten Sie dabei aber auch, dass sich die Aussage oben nur auf den Zeithorizont der Trendbeschleunigung bezieht, die seit Mitte Oktober im S&P500 eingesetzt hat. Wer mit einem grösseren Zeithorizont agiert, muss noch gar nichts machen, denn der übergeordnete Aufwärtstrend ist völlig intakt, wie das Chart seit Ende 2012 eindeutig zeigt.

S&P500 Aufwärtstrend 021213

Sie erkennen an dem von mir eingezeichneten, theoretischen Verlauf auch leicht, dass ein möglicher Bruch des "Rising Wedge" nichts weiter sein könnte, als eine schon längst fällige Korrektur im bestehenden Aufwärtstrend, die diesen aber gar nicht in Frage stellt.

Bitte achten Sie bei Ihrem Agieren an den Märkten also unbedingt darauf, dass Sie.

(1) Vorsicht und Handeln auseinander halten

Die Formation, die ich Ihnen oben gezeigt habe, erzwingt Vorsicht - aber noch kein Handeln. Gehandelt wird erst, wenn der Markt real fällt und das erkennt man daran, dass wichtige Tiefs unterschritten werden.

(2) Den Zeithorizont Ihrer Geldanlage im Auge haben

Und Ihr Handeln mit Ihrem Zeithorizont in Einklang bringen. Denn ob ein Bruch einer solchen Struktur für Sie Bedeutung hat, ergibt sich erst aus Ihrem Anlagehorizont. Ein Ausstiegssignal auf einer niedrigeren Zeitebene muss kein Ausstiegssignal auf einer übergeordneten Zeitebene sein.

Das mangelnde Bewusstsein über den eigenen Zeithorizont, ist übrigens eine der grössten Fallen, in die Laien bei der Aktienanlage gerne gehen. Beim Einstieg fühlen sich viele gerne wie "Warren Buffet" und reden von "Value" und langfristiger Anlage. Wenige Wochen danach steht die Aktie vielleicht ein paar Prozent im Minus, während sich das mediale Grundrauschen ins Negative dreht. Und in diesem Moment verliert der vermeintliche Langfristanleger dann seine Geduld und verkauft aufgrund von kurzfristigen Schwankungen, die aber mit der eigentlichen Strategie der Anlage wenig zu tun haben.

Machen Sie sich also unbedingt vorher Ihren Zeithorizont klar und definieren Sie für sich im Vorfeld klare Ausstiegspunkte, die für diesen Zeithorizont logische Marken sind.

Wer also aktuell - mit Sicht auf Tagen und Wochen - versucht von dieser Rally noch zum Jahresende möglichst viel mitzunehmen, der sollte aufmerksam auf diesen "Rising Wedge" im S&P500 schauen. Denn wenn der richtig bricht, könnte das für alle Aktienindizes Bedeutung haben.

Wer dagegen langfristig den Aufwärtstrend im S&P500 spielen will, hat seine Stops viel tiefer und achtet vor allem auf den übergeordneten Aufwärtstrend. Ein Bruch des "Rising Wedge" wäre auf dieser Zeitebene vielleicht Anlass, das Exposure im Markt leicht zu reduzieren. Ein Ausstiegssignal käme auf dieser Zeitebene aber erst viel tiefer.

Ihr Hari

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