Marktupdate – 04.10.12 – Ausbruch oder Einbruch im S&P500 ?

08:30 Uhr

Ein spannender Tag liegt vor uns. Wir haben heute:

13:00 Uhr Bank of England Zinssatz
13:45 Uhr EZB Zinssatz
14:30 Uhr EZB Pressekonferenz (die Märkte dürften sehr volatil auf Details zur Anleihen-Ankaufpolitik reagieren)
14:30 Uhr US Arbeitsmarktdaten
20:00 Uhr FOMC Sitzungsprotokoll (FED)

In den letzten Tagen und Wochen hat der Markt konsolidiert, ohne signifikant von den Gewinnen der Sommerrally abzugeben. In einzelnen Aktien sieht es schlechter aus, wichtig war halt in den letzten Wochen immer, die Aktien bzw Sektoren im Depot zu haben, die von dem Draghi/Bernanke Put profitieren.

Im Stundenchart des S&P500 kann man die Konsolidierung seit dem 21.09.12 gut nachvollziehen, die nun zur Entscheidung ansteht. Eine Entscheidung die durchaus heute fallen könnte, aber nicht muss.

Wohin die Reise geht ? Statitisch gesehen, hat ein derart zulaufendes Dreieck eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit eine Trend-Fortsetzung auszulösen als das Gegenteil. Das bedeutet einen leichten Vorteil für die Bullen. Auch von der Sentimentseite liegt der Vorteil immer noch bei den Bullen.

Letztlich weiss ich aber nicht, wie sich die Konsolidierung auflösen wird, da auch ich keine Glaskugel besitze. Meine Grundtendenz ist aber unverändert bullisch und ich räume dem Weg nach oben nach wie vor eine höhere Wahrscheinlichkeit ein. Aber ich bin jederzeit bereit auf die Gegenseite zu wechseln, wenn der Markt die Konsolidierung nun nach unten verlassen sollte.

Warten wir heute also gespannt ab.

Ein paar Worte noch zu den "Mr. Market Gurkenaktien". Eine sehr schöne Auswahl, für die ich mich bei Ihnen bedanke. Besonders habe ich mich darüber gefreut, dass Sie sehr viele Aktien ausgewählt haben, die sich in etablierten Abwärtstrends befinden und nicht der Versuchung erlegen sind, bei starken Aktien wie Apple nun die "Trendwende" auszurufen. Das spricht dafür, dass meine permanente Erinnerung an den Sinn der Trendfolge ihre Früchte trägt. Um so mehr bin ich auf die Entwicklung dieser Auswahl zum Jahresende gespannt.

Beruhigend finde ich auch, dass ich bis auf ganz wenige Aktien nichts davon im Depot habe. 😉 Ausnahme sind nur die Salzgitter, die ich im Moment nicht ganz so finster sehe und deren Pullback bis fast zur 30€ Marke mir eher nach einem Rücksetzer in einer neu begonnenen Aufwärtsbewegung aussieht. Wenn Salzgitter die nächsten Tage wieder nach oben dreht, haben wir nämlich das erste Mal eine Folge von 2 höheren Hochs und 2 höheren Tiefs, seit dem absoluten Tief vom 26.07.12 bei ca. 27€. Und auch die Daimler Aktie, sehe ich vom derzeitigen Niveau aus nicht so negativ. Ausnahme ist weiterhin Tesla, die ich einfach als sehr kleine "Spassposition" so lange halte, solange die Story für mich intakt ist.

Viele Ihrer ausgewählten Gurkenaktien kann ich aber sehr gut nachvollziehen. Ich wünsche Ihnen heute viel Erfolg !

Ihr Hari

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Gastkommentar: Summer’s over – DAX 8000 dank Super-Mario ?

Ein Gastartikel von Tokay

Allmählich trudeln die Urlauber aus den Sommerferien ein – einige davon werden sich sicherlich hinter ihren Desktop klemmen, sich ihr Depot anschauen und sich fragen, wie es denn nun an den Märkten weitergehen wird. Davon handelt dieser Beitrag. Ein heißer August wie kürzlich geschrieben war es in der Tat – aber doch nur meteorologisch. An den Aktienmärkten ist im vergangenen Monat nicht sonderlich viel passiert. Es scheint, als wäre dies ein Atemholen vor großen Ereignissen gewesen.

  • Soeben hat Draghi „geliefert“. Er hat auf einer Pressekonferenz die Absicht der EZB erklärt, unbegrenzt Staatsanleihen der südlichen Euroländer kaufen zu wollen und nur noch in gewissem Umfang Zinsspreads zu tolerieren. Es steht allerdings der Troika-Bericht zu Griechenland noch aus und außerdem sind demnächst Neuwahlen in den Niederlanden;
  • Es dümpelt allerdings die US-Ökonomie. Man liest bereits von einer milden Rezession. Was also wird die FED tun? Kommt QE3? Was ist mit dem „Fiscal Cliff“ und mit der gegenseitigen Blockade von Demokraten und Republikanern?
  • Was ist mit China? Was mit dem nahen Osten, Stichwort Israel/Iran?

Man muss allerdings sagen, dass die aktuellen EZB-Beschlüsse ein starkes Signal sind. Gemäß der alten Regel, nicht gegen die Notenbank zu spekulieren, kann man als Anleger nunmehr mit erheblichem Rückenwind operieren. Wenn die Zinsen der Südländer gedeckelt werden und diese Länder an ihrer Reformpolitik festhalten, ist das kurzfristige Aufwärtspotential beträchtlich.

Betrachten wir bei der Gelegenheit die Lage einmal aus einer längerfristigen Perspektive. Welchen Ertrag können uns Aktien prinzipiell bringen? Dies hängt vor allem ab von der absoluten Höhe des Gewinns und davon, wie groß der Anteil des Gewinnes ist, der ausgeschüttet wird. Es hängt außerdem ab vom Wachstum der Gewinne, von der Zinsentwicklung und von der Risikoneigung der Akteure. Hohe Marktzinsen und Risikoprämien mindern den Ertrag, dürften sich aber in sehr langer Sicht neutral, weil eher unsystematisch verhalten, so dass wir diese Komponenten in der nachfolgenden Rechnung vernachlässigen können.

  • Wie wir aus der Vergangenheit wissen, wird ein gewisser Teil der Unternehmensgewinne, sagen wir 30 bis 40 Prozent, ausgeschüttet. Man kann somit von einer Dividendenrendite von zuletzt etwa 2 bis 3 Prozent des eingesetzten Kapitals ausgehen.
  • Die Gewinne dürften langfristig so steigen wie die Volkswirtschaft selbst. Bei einer stark exportorientierten Ökonomie wie der deutschen kann man aber die Wachstumsrate getrost etwas höher ansetzen, denn es wird häufig in wachstumsstarke Regionen geliefert. Auch hier sind 2 bis 3 Prozent an realem Wachstum nicht unvernünftig, ja sogar eher konservativ.
  • Und da wir keine völlige Preisstabilität haben, ist außerdem die Inflationsrate zu berücksichtigen. Eine Spanne von 2 bis 3 Prozent kann man hier ebenfalls als plausibel ansehen.

Damit haben wir die drei Komponenten der langfristigen Aktienerträge. Diese Erträge schwanken je nach Zins- und Risikoerwartungen, und letztere sind also nicht seriös zu prognostizieren. Die drei Basiskomponenten summieren sich nach dieser Rechnung zu einem Ertrag von 6 bis 9 Prozent per annum.

Der DAX stand am 1. Januar 1988 bei 1.000 Punkten. Rechnet man also mit einem durchschnittlichen Wachstum von beispielsweise jährlich 8 Prozent, dann wäre am 31. Dezember 2012 ein DAX-Stand von ca. 6.850 Punkten zu erwarten. Augenblicklich(Donnerstag Abend) stehen wir bei gut 7.150 Punkten.Das Jahr 1988 ist deswegen ein sinnvoller Ausgangspunkt, weil beim vorangegangenen Crash im Oktober 1987 die Märkte zum ersten Mal in großem Umfang mit Geld geflutet wurden(damals vom gerade ins Amt gekommenen Chef der Fed, Alan Greenspan).

Diese Zahlen zeigen uns, dass wir im Augenblick keine Überhitzung vorliegen haben. Eine deutliche Unterbewertung liegt allerdings auch nicht vor. Nun wissen wir aus der Vergangenheit jedoch folgendes: Aktienkurse können längere Zeit vom normalerweise zu erwartenden Entwicklungspfad abweichen. Dies gilt insbesondere beim unerwarteten Eintreten bestimmter Ereignisse, die eine gewisse Aufwärts- oder Abwärtsdynamik in Gang setzen können. Somit können sich auch in naher Zukunft die Kurse ein gutes Stück vom langfristigen Pfad entfernen, ohne dass dies sogleich in einen Einbruch münden muss.

In dem oben vorgestellten Diagramm ist dies gut sichtbar; man vergleiche die Strecke ABC, die die Entwicklung der 90er Jahre kennzeichnet und die viel steiler ist als jener Entwicklungspfad, der unter Zugrundelegung eines gleichbleibenden Anstiegs von 8 Prozent p.a. generiert wird(gleiches gilt für die Strecke DE). Eine scharfe Korrektur ist umso wahrscheinlicher, je länger sich die tatsächliche Entwicklung vom Pfad der „Normalentwicklung“ entfernt. Besonders eindrücklich war das ab dem Jahr 2000 der Fall, als die Anleger für die Exzesse dieser „roaring nineties“ bezahlen mussten(Strecke CD und später EF während der Finanzkrise 2008). Dies ist beispielsweise für diejenigen von Belang, die auf das Eintreten bestimmter Entwicklungen spekuliert haben und daher unter Umständen etwa ihren Urlaub anstatt wie geplant in der Südsee auf Balkonien verbringen müssen. Indes sind die Tiefpunkte solcher Entwicklungen auf lange Sicht sehr profitable Einstiegsgelegenheiten. Gut zu sehen ist auch, dass die Einbrüche heftig sind, aber viel kürzer als die vorangegangenen Hausseentwicklungen.

Eine deutlich expansive Politik wird nun wahrscheinlich als Signal dafür gesehen werden, dass ein Abgleiten in eine starke Rezession von der EZB nicht zugelassen werden und in der Folge die Kurse beflügeln wird. Die EZB wird die Anleihekurse hoch, damit die Anleihezinsen tief halten und die Risikoprämien abbauen helfen.

Die Überlegungen der EZB selbst scheinen allerdings nicht ganz in diese Richtung zu gehen. Die Spreads zwischen den Anleihen der südlichen Euroländer und denen des Nordens werden von der EZB als Signal dafür interpretiert, dass die Märkte ein Auseinanderbrechen des Euro vorwegnehmen und den Transmissionsmechanismus der Geld- und Kreditschöpfung hemmen. Die EZB scheint daher entschlossen, bis an die Grenzen des ihr möglichen zu gehen, um die Märkte zu stabilisieren und durch die resultierende Liquiditätsschwemme diese Hemmungen zu beseitigen. Diese Politik ist riskant und wird insbesondere in Deutschland heftig angegriffen. Doch bergen auch die Alternativen zu dieser Strategie große Risiken. Bis auf eine Stimme – wahrscheinlich die deutsche – hat die EZB indes einvernehmlich entschieden.

Wir werden also mit großer Wahrscheinlichkeit einen Kuchub bekommen, der die kommenden Monate andauern und Richtung 8.000 Punkte zielen wird. Sollte er allerdings nicht eintreten, so würden Erwartungen, die im Vorfeld aufgebaut wurden, korrigiert werden und der Verkaufsdruck wieder zunehmen. Da die Sentimentindikatoren jedoch eher in Moll gestimmt sind, ist zu vermuten, dass sich viele Player an der Seitenlinie befinden und der Verkaufsdruck damit eher begrenzt ist. Eine grundlegende Absicherung ist vorhanden, wenn man die Tiefs der Einbrüche 2003 und 2008 miteinander verbindet(Strecke DF). Diese grüne Linie markiert die untere, parallel zur „Normalentwicklung“ verlaufende Begrenzung. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, aber bei einem Unterschreiten dieser Linie, wie etwa im Fall einer schweren Rezession, wäre der bislang gültige Pfad der Aufwärtsentwicklung für lange Zeit gebrochen.

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Marktupdate – 06.09.12 – Draghi liefert – Der DAX feiert

15:50 Uhr

Draghi hat geliefert, ein "unlimitiertes" Bond-Ankaufprogramm ist auf dem Weg. Es gab eine Gegenstimme, die vermutlich vom Bundesbank-Präsidenten kam.

Lassen wir heute mal beiseite, wie ich inhaltlich darüber denke, der Markt liebt es. Kein Wunder bei der Liquidität und vor allem den Aussichten, dass sich Italien und Spanien so finanzieren können. Wobei finanzieren ? Naja, die EZB, in deren Rat Spanier und Italiener sitzen druckt Geld, mit dem sie spanische und italienische Staatsanleihen kauft. Ergo deren Schulden und Staatsprojekte finanziert.

Genau genommen, finanziert sich die Politik so selbst, ähnlich den Alchemisten des Mittelalters. Kann das dauerhaft funktionieren ? In meinen Augen nur, wenn man die Grundrechenarten abschafft und eine neue Mathematik einführt. Kann das bis Jahresende zu einer erheblichen Entspannung führen ? Definitiv ja ! Und deshalb legt Mr. Market eine Rally hin, was interessiert ihn schon was in 2013 und 2014 passiert ?

Aber halt, was rede ich, ich wollte ja meine inhaltliche Meinung beiseite lassen. Schauen wir mal lieber auf den Markt. Über die Alchemisten des 21. Jahrhunderts wird dann die Geschichte urteilen.

Faszinierend ist zu sehen, wie Mr. Market schon vor Draghis Rede die Neuigkeiten eingepreist hatte. Seit gestern waren ja die Details des Programms auch schon an der Wallstreet bekannt. Insofern gibt es für heute Intraday zwei mögliche Szenarien:

Einerseits könnte das ein Trendtag werden, an dem wir immer weiter hochschieben und möglicherweise heute schon Jahres-Höchststände im S&P500 erreichen. Gut möglich ist aber auch, dass nach der initialen Begeisterung die Käufe auslaufen, denn nun liegt erst einmal alles auf den Tisch. Und sich die Gedanken ab 16.30 - 17 Uhr auf nächste Woche richten, in der das BVG ebenso ansteht, wie erneut die FED. In letzterem Szenario würden wir gerade - so gegen 16-16.30 Uhr - die Höchststände des Tages erleben. Ein Szenario, dem ich durchaus relevante Wahrscheinlichkeit beimesse.

Schauen wir weiter in die Zukunft, glaube ich nicht, dass das BVG eine echte Hürde darstellen wird. Wie schon mehrfach geschrieben, wäre ich verwundert, wenn das Bundesfinanzministerium und das Kanzleramt keinen Zwischenstand der Diskussionen im BVG erhalten. Und Schäuble zuversichtliche Äusserungen der letzten Tage sind für mich daher richtungsweisend.

Und was die FED angeht, bin ich auch überzeugt, dass sie entweder liefert oder schon längst im "Stealth-Modus" druckt. Die Notenbanken machen Ernst, ich habe diesen Eindruck schon im Juli geschrieben und damit begründet, warum ich der Sommer-Rally Bedeutung beigemessen habe, als fast alle anderen noch in der Schleife der Euro-Krisen-Ängste gefangen waren.

Und es zeigt erneut, warum es besser ist dem Markt zu folgen, als sich einzubilden, eine höhere Weisheit zu besitzen. Denn jetzt können wir nachlesen, warum Mr. Market seit Mitte Juli nach oben zu laufen begonnen hat. Die Schwarmintelligenz Markt hatte schon längst gerochen, dass die Notenbanken einen Game-Changer im Köcher haben.

Und auch heute halte ich mein gestern skizziertes Szenario der grossen Herbst-Rally, bis zu Allzeithöchstständen, nach wie vor für gut möglich. Nicht sicher, aber gut möglich - im Gegensatz zu den Gedankenstrukturen, die nach wie vor in den Köpfen der meisten privaten Anleger vorherrschen. Schauen Sie doch noch mal nach, was Mitte Juli an anderer Stelle zu dieser Rally alles so geschrieben wurde. Viele versuchen ja ihr Geld damit zu verdienen, dass sie hinterher immer so tun, als ob sie vorher alles schon gewusst hätten. Nachlesen öffnet da manchmal die Augen und lässt die Fassade einstürzen. Das Schöne am Internet ist ja, man kann nachlesen. Und Sie kennen als regelmässige Leser ja schon einige der "Pappenheimer", die ich da auf dem "Kieker" habe.

Und noch etwas, niemand sollte denken, dass man sich gegen Notenbanken stellen sollte, die weltweit aufs Gaspedal treten. Auch China dürfte bald vor einer neuen Runde des Stimulus stehen. Was das bedeutet ? Nachbrenner für die Liquiditätsrally.

Und Griechenland ? Griechenland who ? Who cares, wenn die EZB unlimitiert Staatsanleihen aufkauft. Griechenland ist megaout für Mr. Market, wurde ja auch mal Zeit. Die Zeit in der wir uns die Fensterreden griechischer Paralamentssitzungen angetan haben, ist wohl vorbei. Ich bin der Letzte, der darüber unglücklich ist.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen.

Ihr Hari

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Marktupdate – 04.09.12 – Wir warten auf Draghi

17:20 Uhr

Ganz kurzes Update.

Eine Reihe von Gewinnmitnahmen ist zur Handelseröffnung der Wallstreet durch den Markt gelaufen, es scheint aber, als ob sich der DAX oberhalb 6900 und der S&P500 knapp unter 1400 stabilisieren. Bleibt es dabei, ist schlicht nichts passiert, was erwähnenswert wäre.

Das der Markt vor der EZB Sitzung am Donnerstag vorsichtig bleibt ist nicht verwunderlich. Apple ist weiter stark, auch das spricht dagegen, die Schwäche zum Handelsstart zu Ernst zu nehmen. Und POMO sollte den Markt heute weiter stützen.

Alles in allem sieht das für mich bisher nach einer normalen Konsolidierung aus. Und ich rechne damit, dass es auch Morgen so weitergeht. Erst am Donnerstag sollte dann richtig "Leben in die Bude" kommen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass die EZB Sitzung durchaus Enttäuschungspotential hat, wir haben es hier noch mit massiven Erwartungen des Marktes zu tun. Und das schafft Raum für negative Überraschungen.

Gold und Silber sind nach wie vor sehr stark, eine Enttäuschung durch die EZB könnte aber auch die Edelmetalle wieder unter Druck bringen. Hier sollte man die aufgelaufenene Gewinne nun nach unten absichern.

So weit, so kurz. Auch Abwarten muss man können. Und das ist eine Disziplin, die bis zum Donnerstag wohl von uns gefordert wird.

Ihr Hari

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Marktupdate – 29.08.12 – Abwarten und Tee trinken …

14.30 Uhr

Es tut sich nicht viel an den Märkten und deshalb gibt es wirklich nicht viel zu schreiben.

Bemerkenswert ist, dass die "buy the rumor" Rally in Antizipation von Jackson Hole scheinbar zum Erliegen gekommen ist. Es scheint so etwas wie Realismus einzuziehen, dass Bernanke vielleicht doch nicht die grosse Bazooka zündet.

Ich betrachte diese zunehmende Skepsis im Markt als sehr positiv. Sie bereitet den Boden für eine positive Überraschung. Denn der Markt sieht nach wie vor sehr bullisch aus und die Bären haben kaum Kraft, wie auch heute wieder zu beobachten war. Mehr als ein Bröseln bis in den unteren 6900er Bereich im DAX war nicht drin. Gute GDP Daten in den US schieben den DAX seit 14.30 Uhr aber schon wieder über 7000. Überzeugte Bären und ein angeschlagener Markt kurz vor dem Kippen sehen definitiv anders aus.

Stellt sich noch die Frage, wie die überraschende Absage der Teilnahme am Notenbanktreffen in Jackson Hole durch EZB Präsident Draghi zu werten ist. In meinen Augen für die Märkte nicht negativ, denn es unterstreicht, dass die EZB nun wohl ernst macht und eine massive neue Intervention bevorsteht, die in der Mache ist. Eine Intervention, die über das bisher dagewesene hinausgeht und deshalb so intensiv vorbereitet werden muss. Teuer für uns Deutsche wird es allemal.

Die blauäugigen Politiker rund um Kohl, Eichel und Waigel, die dafür die Verantwortung tragen, dass wir als Deutsche in der EZB 27% der Kosten und Haftung tragen, aber nur das gleiche Stimmrecht wie Malta besitzen, sollten dafür nach meiner Meinung in Schimpf und Schande durch die Medien getrieben werden. Solchen Konstrukten zuzustimmen, fällt in meinen Augen unter grobe Naivität und kostet uns, den deutschen Steuerzahler, Multimillarden. Und es kann mir keiner erzählen, dass die Zustimmung zu so krass undemokratischen Stimmrechten zwingend notwendig gewesen wäre um Einigkeit zu erzielen. Der Wert von Ihnen und mir, das Stimmgewicht eines deutschen Bürgers, ist in der EZB um den Faktor 100 oder mehr geringer als der eines Malteser oder Luxemburgers. Zahlen dürfen Sie und ich aber in voller Höhe. Mit demokratischer Legitimierung hat das für mich nichts zu tun. Eigentlich ist seit der franzöischen Revolution vor über 200 Jahren klar, dass Demokratie dem Prinzip "Ein Mensch, eine Stimme" folgt. Ich nenne das deutsche Stimmgewicht in der EZB daher grobe Dummheit der dafür Verantwortlichen.

Das Treffen im Handelsblatt hat übrigens letzten Freitag aufgrund Krankheit der Organisatorin nicht stattgefunden und wird später nachgeholt.

In Anbetracht der Ruhe gehe ich jetzt raus zum Pool und geniesse den vielleicht letzten richtig schönen und heissen Sommertag hier im Fünf-Seen-Land. Die Börse hat mich erst heute Abend wieder.

Ich wünsche Ihnen einen ebenso schönen Tag !

Ihr Hari

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Marktupdate – 27.08.12 – Gedanken zur Lage bei DAX und Co.

16:00 Uhr

Ein paar lose Gedanken zur aktuellen Marktlage:

  • Die technische Situation der Märkte ist weiter bullisch, der Leitindex S&P 500 hat die 1400 gehalten und könnte nun einen erneuten Anlauf auf Jahreshöchststände nehmen. Korrekturen werden weiter sofort gekauft.
  • Die neu gefundene Einigkeit zwischen Paris und Berlin ist ein weiteres positives Signal für die Märkte und stiftet Vertrauen.
  • Langsam kehren nun die "Pros" der Wallstreet an ihre Desks zurück. Die Volatilität und das Volumen in den Märkten dürfte nun steigen und am Ende der Woche während "Jackson Hole" einen ersten Höhepunkt erreichen.
  • Der Trade vor der "Annual Retreat" Notenbanktagung in Jackson Hole Wyoming Ende der Woche dürfte mit Wahrscheinlichkeit erneut "Buy the rumor, sell the news" lauten. Bernanke (Freitag) wie auch Draghi (Samstag) werden dort sprechen und das Treffen bis ins Wochenende andauern. Vor der Tagung könnte "buy the rumor" für weiter steigende Kurse sorgen.
  • Danach wird es spannend und ist durchaus Raum für Enttäuschung vorhanden, wenn die machtvolle Demonstration der Notenbanken nicht kommen sollte, die der Markt mittlerweile einpreist. Besonders spannend wird der Montag in Europa, da in den US wg "Labourday" am 03.09. die Börse geschlossen ist.
  • Die -> hier <- besprochene Strategie mit Put-Optionsscheinen nun Volatilität zu kaufen, erscheint mir als Hedge eines Long-Depots immer noch sinnvoll.
  • Silber ist weiterhin unglaublich stark und weigert sich zu korrigieren - da -> braut sich wirklich was zusammen <-. Ich bin nach meinem Ausstieg wieder mit 50% der Ursprungsposition Long, die ich nur minimal unter dem Verkaufskurs wieder zurück gekauft habe. Die anderen 50% bleiben freie "Feuerkraft", falls die Korrektur doch noch kommt. Sollte aber Jackson Hole nicht dazwischen spucken, sieht das langsam so aus, als könnte sich da ein "Runaway Move" wie im Frühjahr 2011 zusammen brauen.
  • Beim Nokia Kurs kommt Leben in die Bude, ich bin aber nach wie vor nicht wirklich überzeugt, wie ich von der ganzen Strategie des Microsoft/Nokia Gespanns nicht überzeugt bin. Nachdem Windows8 für Desktops -> wie erwartet <- aus meiner persönlichen Sicht ein Ärgernis ist, das man nicht auf der Festplatte haben muss, bin ich nun Short Microsoft mit Haltedauer des Trades bis Anfang 2013.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und ein schön grünes Depot ! 😉

Ihr Hari

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Gastkommentar: Ein heißer August in DAX & Co steht bevor

Ein Gastartikel von Tokay

Mutmaßungen über den möglichen Kurs der EZB beherrschen die derzeitigen Entwicklungen. Vor zwei Wochen hatten wir danach gefragt, ob es zu einer Sommerrally kommen könne. Sie begann, aber wenige Tage später stand sie bereits wieder auf der Kippe. Doch der „Draghi-Put“ brachte den DAX wieder zum Stehen. Die Sommerrally war vorerst gerettet. Wie geht es weiter?

Noch einmal der Reihe nach: Der Abwärtstrend ABE wurde Ende Juni gestoppt und es entwickelte sich ein Aufwärtstrend CEF, den „Sommerrally“ zu nennen inzwischen keine Übertreibung mehr ist. Der Tag des „Draghi-Puts“ nun war ein bedeutender Tag: Er markierte den Schnittpunkt F zwischen der Aufwärtslinie der Sommerrally sowie der seit Frühjahr 2009 wirksamen Trendlinie DF. Hätte Mario Draghi an jenem Tag nicht ein entschiedenes Eingreifen der EZB bezüglich der Eurorettung angekündigt, wäre möglicherweise eine Abwärtsdynamik in Gang gekommen. Doch so prallte der DAX sozusagen wie ein Punchingball vom Punkt F ab und nahm erneut an Fahrt auf.

Das Problem besteht allerdings nun darin, dass Draghi „liefern“ muss. Gemäß der Regel „Don't fight the fed“ ist aufgrund der Erwartung möglicher Käufe von Staatsanleihen durch die EZB Kapital in den Markt geflossen bei allerdings abwartend-nervöser Grundhaltung. Auch wenn der DAX am Donnerstag abgab, so ist doch am Freitag die Nachfrage nach DAX-Titeln wieder durchweg gestiegen. Allerdings verschlechtern sich die Nachrichten von der euroländischen Konjunkturfront weiter, auch aus Deutschland kommen zunehmend schlechtere Nachrichten. Die momentane Sommerrally wird also getragen durch die Aussicht auf weitere Liquidität sowie die hierdurch sinkende Risikoneigung. Ein erneutes Aufflammen der Eurokrise ist allerdings stets möglich.

Die Projektion für den August könnte daher wie folgt lauten: Solange weder die Linien CE noch DF(Zone 6.450 bis 6.500 Punkte) klar nach unten durchschnitten werden, bleibt die Sommerrally weiterhin intakt. Die Luft wird jetzt allerdings zunehmend dünner, die Schwankungen größer. Sie reflektieren die Unsicherheit über die Entwicklung der nächsten Wochen und Monate. Sollten also diese Linien zügig durchbrochen werden, so ist eine Abwärtsdynamik wahrscheinlich, ein heißer August möglicherweise, dem im Anschluss frühzeitig einsetzende Herbststürme folgen könnten. Wie gesagt könnten, denn es muss nicht so kommen. Vorsicht bleibt aber weiterhin dringend geboten. Es geht in die nächste kritische Phase.

Tokay

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Marktupdate – 03.08.12 – Kaufgelegenheit DAX 6600 ?

09:45 Uhr

Guten Morgen,

eine ganz kurzes Update bzw Ergänzung zum gestrigen Artikel von 16 Uhr.

Nachdem ich den Artikel gestern erstellt hatte, haben die Bären dann tatsächlich einen weiteren Versuch gestartet, sich doch noch Respekt zu verschaffen. Der DAX wurde zeitweise im Handel unter 6600 gedrückt und der S&P500 unter 1360. Aber schon im gestrigen späten Handel kam dann wieder die Gegenbewegung, was uns im DAX Future bei knapp 6600 schliessen liess.

Heute Morgen setzt sich die Stärke fort und es sieht aktuell so aus, als ob wir schon bald wieder die 6700 testen. Offensichtlich wird der Rücksetzer als Kaufgelegenheit betrachtet.

In Summe bleibe ich daher bei meiner mehrfach geäusserten grundlegend bullischen Einschätzung zur kurzfristigen Entwicklung. Was die Bären gestern zeigten, war zwar bemüht, konnte mich aber nicht wirklich überzeugen.

Fundamental denke ich im Übrigen, dass Draghi gestern tatsächlich geliefert hat und die Ankündigungen der EZB - die defacto einem Quantitative Easing im Euroraum entsprechen - sehr substantiell sind. Der Rückgang gestern beruhte nach meiner Einschätzung nur darauf, dass der Markt übertriebene Erwartungen im Sinne "sofort und gleich" hatte. Ich erwarte aber, dass sich diese Erkenntnis einer substantiellen Änderung der EZB Politik am Markt durchsetzt und für höhere Kurse sorgt.

Insofern sehe ich die Bullen immer noch im Vorteil und gebe einer Fortdauer der Rally im August eine höhere Wahrscheinlichkeit, als einem weiteren Absturz von DAX 6600 ausgehend. Sollte ich mit dieser Einschätzung richtig liegen, wären 6600 im DAX vielleicht eine Kaufgelegenheit mit Blick auf den weiteren Verlauf im August.

Heute sollte Sie übrigens um 14.30 Uhr aufmerksam sein, wenn die US Arbeitsmarktdaten veröffentlicht werden.

Ich wünsche Ihnen heute viel Erfolg !

Ihr Hari

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