Der psychologische Ankereffekt oder: Es ist eben nur eine Zahl!

Der folgende Artikel erschien schon Donnerstag 12.03.15 09:30 in Hari Live

Heute mal etwas Grundsätzliches zur Entwicklung im DAX.

Denn die Fixierung der Menschen auf diese Zahl - heute 11.800 - führt zu psychologischen Fehlbewertungen der Situation. Und die Folge davon sind dann Schlagzeilen wie "Wahnsinn" oder "Übertreibung" oder "DAX ohne Hemmungen".

Das liegt daran, dass wir im Sinne des psychologischen Ankereffektes, "Normalität" über die nahe Vergangenheit defínieren. Und wir uns aber auch an eine "neue Normalität" ganz schnell gewöhnen und unsere Einschätzung daran ausrichten.

Stellen wir uns mal vor, der DAX würde nun ganz schnell auf 15.000 hoch schiessen. Jedermann würde das als "übertrieben" werten. Würde dann aber ein Jahr folgen, in dem der DAX seitwärts läuft, wäre am Ende des Jahres 15.000 "ganz normal" und niemand würde sich wegen der vermeintlichen Höhe sorgen.

Es ist eben nur eine Zahl!

Dass das so ist, können wir validieren, wenn wir in die Vergangenheit schauen. Der DAX stand vor 20 Jahren bei ca. 2000. Und klar, man muss die Dividenden nun raus rechnen, wenn man die Unternehmen heute und damals vergleichen will, aber trotzdem: haben sich Unternehmen wie Siemens in den 20 Jahren wirklich so grundlegend verändert, dass Sie heute ein Vielfaches Wert sind? Einen DAX bei 4000, was vielleicht nach Abzug der Dividenden dem 2000er DAX von 1996 entspricht, würden wir heute aber als Ausdruck einer schweren Wirtschaftskrise betrachten. Passt das zusammen?

Es ist eben nur eine Zahl!

Es ist eben nur eine Zahl, die da rechnerisch nun steht. Und dass die Zahl so hoch steht, dafür gibt es viele gute Gründe.

Nominelle Gewinnsteigerungen durch Bilanzakrobatik ala IFRS sind einer davon. Echte Gewinnsteigerungen durch effizientere Operation sind ein anderer. Höhere Multiples durch Anlagedruck im Null-Zins-Umfeld sind ein weiter Grund. Und der brutal fallende Euro ist der letzte Sargnagel, der dem DAX letztlich Scheingewinne verschafft, die nämlich nur für Bürger in voller Höhe sichtbar sind, die im Euro rechnen und daher nicht sofort merken, wie ihre Währung und damit auch Ihr Wohlstand, im weltweiten Massstab abwertet.

Es ist eben nur eine Zahl!

Eben, so ist es! Und wer sich nun von der vermeintlichen Höhe der Zahl irritieren lässt, weil sie sozusagen "Gestern" noch bei 8500 war, macht einen schweren Fehler. Die Höhe alleine sagt gar nichts. Null und Nichts. Erst der Kontext sagt etwas aus.

Gewinne in unseren Depots entstehen auch nicht, weil die Zahl "hoch" oder "tief" ist, sie entstehen nur, wenn die Zahl morgen höher ist als heute. Und das wäre auch wahr, wenn der DAX heute bei 100.000 stehen würde.

Dass wir Menschen uns durch den Ankereffekt zu falschen Schlussfolgerungen verleiten lassen, können Sie auch an der Tatsache sehen, dass Aktiensplits so beliebt sind. Denn eigentlich ändert sich durch einen Split gar nichts, der Wert der Firma ist völlig identisch. Und trotzdem "fühlt" es sich für uns eine Zeit lang so an, als ob die Aktie "billiger" geworden sei. Und das führt zu statistisch beweisbarem Kaufdruck nach so Massnahmen. Was sind wir doch für Affen, oder? 😉

Insofern wäre das Beste, was die Macher des DAX für die Aktienkultur in Deutschland machen könnten, beim DAX nun einfach eine Null zu streichen. Dann notiert er aktuell bei 1.180 und das würde es vielen leichter machen, nun zuzugreifen. Absurd? Ja! Realität? Auch!

Es ist eben nur eine Zahl!

Wir sollten uns diese Mechanismen unbedingt klar und uns davon so weit wie möglich frei machen. Hören wir also nicht auf den gedanklichen Reflex von "zu weit" und "Übertreibung", nur weil die Zahl nun so hoch ist - das ist alles irrelevant. Alles was für uns zählt ist, dass bei den Assets in unseren Depots die Zahl morgen höher ist als heute.

Und was heisst das nun konkret?

Eigentlich ist es recht einfach. Es gibt gute und fundamentale Gründe, warum der DAX so nach oben schiesst. Ich habe sie oben genannt, im Moment sind das vor allem der Anlagedruck und der Absturz des Euros, der "die Zahl" nach oben schiebt, ohne den Wohlstand wirklich im gleichen Masse zu heben.

Und solange diese Gründe so dominant sind, gibt es keinen Grund, warum der DAX nicht weiter steigen kann und sogar 15.000 im Verlauf der kommenden Jahres erreichen. Merken wir uns: es gibt keinen zwingenden Grund warum nicht!

Ist das nun "sicher" und darf man deswegen "sorglos" werden? Gott bewahre! Schwere Dummheit!

Was wir hier erleben, ist ein historisch einmaliges Experiment der Notenbanken. Jeder - absolut jeder, inklusive Draghi himself - der behaupten würde, er wüsste wie das ausgeht und welche Fallstricke auf dem Weg lauern, würde an massiver Selbstüberschätzung leiden und sollte von uns tunlichst ignoriert werden!

Schaut man in die Vergangenheit hinein, wodurch starke Bullenmärkte abgeschossen wurden, waren es nie die Dinge, um die sich der Markt sorgte. Worum sich der Markt sorgt, ist in den Kursen und stellt selten ein echtes Risiko dar. Wirklich riskant sind die Dinge, um die sich der Markt *nicht* sorgt, weil er sie nicht auf dem Radar hat. Und wie will man Dinge voraus sehen, die man nicht erkennt - das ist ein Widerspruch in sich.

Und hier - in der aktuellen Situation - ist dieser "blinde Fleck" in unserer Wahrnehmung noch viel grösser als sonst, weil wir uns in unerforschten Gewässern befinden. Wie kann man da seriös sorglos sein? Nein, so eine Haltung wäre völlig falsch.

Was man aber nicht machen darf, ist sich durch die berechtigte Vorsicht und Aufmerksamkeit lähmen lassen. Und das passiert leider gerade bei den meisten deutschen Anlegern, auch eben, weil "die Zahl" so ungewohnt hoch aussieht.

Es ist eben nur eine Zahl!

Vergessen wir also diese Zahl. Stellen wir Sie uns geistig mit einer Null weniger vor. Und denken wir wieder daran: es kommt nur darauf an, dass diese Zahl morgen höher ist.

Deshalb - genau deshalb - machen wir Trendfolge. Deshalb gehen wir solche Bewegungen mit, egal wie die Zahl ist. Und wir gehen solange mit, wie der Trend erhalten bleibt.

Und im Moment ist nichts am Horizont zu erkennen, was den Trend der durch die EZB in Gang gesetzt wurde, schnell beenden könnte. Aber was heisst das schon, dass im Moment nichts zu erkennen ist? Schon kommende Woche steht die FED an und theoretisch könnte die den Spieltisch durchrütteln und den Dollar wieder runter reden.

Und obwohl wir mitgehen, bleiben wir deshalb paranoid. Denn wir wissen, dass unter der stillen Wasseroberfläche der schönen neuen Nullzinswelt, Ungeheuer lauern. Es macht definitiv keinen Sinn, aus abstrakter Angst dem Trend nicht mehr zu folgen. Aber wir beobachten. Und wenn wir sehen, dass sich ein Ungeheuer zeigt - und der Markt wird uns das durch sein Verhalten signalisieren - dann sind wir draussen.

DAX 11.800 ist auf jeden Fall nur eine Zahl. Mit der Zahl ist kein bisschen gesagt, dass 10.800 in einem Monat wahrscheinlicher ist als 12.800. Kein bisschen!

Lassen wir uns also nicht von der Zahl verrückt machen und folgen dem Trend. Bis er endet. Gnadenloser Opportunismus im positiven Sinne, ist das, was man am Markt braucht um erfolgreich zu sein.

Ob diese Zahl nun "zu hoch" oder "zu weit" ist, überlassen wir der Diskussion anderer, die damit ihre Zeit verbrauchen wollen. Wir akzeptieren einfach: wir wissen es nicht. Und es ist auch egal.

Ihr Hari

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Gewinn-Illusion und Euro Währungscrash!

Aufgrund der Dramatik der Entwicklung, will ich auch mit wenigen Sätzen im freien Bereich auf einen wichtigen Umstand hinweisen, der im Moment viel zu kurz kommt. Im Premium-Bereich sprechen wir intensiv über das Thema und die Konsequenzen für unsere Anlagen.

Im Moment sind alle davon geblendet, wie "toll" der DAX nun gerade 10.700 touchiert hat und in Ihren Depots, die Sie in Euro führen, sehen Sie ein Meer an Grün. Und Sie denken, Sie hätten "Gewinne" gemacht.

Haben Sie aber in weiten Teilen nicht! Statt dessen ist etwas ganz anderes passiert. Der Euro hat in den letzten 24 Stunden gegenüber den meisten Weltwährungen crashartig ca. 4% abgewertet. So auch zum Dollar, das Chart zeige ich Ihnen hier nun:

EURUSD 23.01.15

Die Bewegung des DAX im selben Zeitraum um 400 Punkte nach oben - was kaum überraschend ca. 4% entspricht - ist also bezogen auf eine hypothetische "Weltwährung" keinerlei Gewinn, sondern einfach nur die andere Seite der Währungsabwertung!

Sie sind damit auch nicht wirklich "reicher" geworden, können als Aktienbesitzer aber wenigstens feststellen, dass die Kaufkraft Ihres Vermögens durch den Besitz von Sachwerten objektiv erhalten wurde.

Alle Ihre Rentenversicherungs-Ansprüche, Ihre Lebensversicherungen und Ihr Cash auf dem Konto, wurde aber in den letzten 24 Stunden aus Sicht eines weltweiten Währungskorbes um sage und schreibe 4% entwertet! Sobald Sie also die Eurozone verlassen oder Waren aus der Welt beziehen, können Sie sich für Ihr Vermögen 4% weniger kaufen.

Vergessen Sie das nie, wenn Ihnen die vielen grünen Prozentzahlen im Depot nun Gewinne vorgaukeln, wo in dieser Form gar kein sind. Mario Draghi hat uns hier nicht reicher gemacht, sondern ärmer!

Übrigens noch etwas. Wenn Sie nun Charts in Euro anschauen, die sich auf Assets ausserhalb der Eurozone beziehen, können Sie kurzfristig auch das vergessen. Denn diese Charts sind nun völlig verzerrt. Da gucken uns Ausbrüche und Reversals an, die in der Realität nicht existieren.

Denn denken Sie unbedingt daran: Selbst wenn es jetzt in den letzten 24 Stunden gar keinen Handel in den US gegeben hätte, wenn also die objektiven Kurse der US Aktien völlig unverändert wären, würde es bei Betrachtung aus der Sicht des Euros so aussehen, als ob die Aktien 4% gewonnen hätten. Chartstrukturen aber, die nicht auf realem Handel mit Angebot und Nachfrage beruhen, sind einfach nur nette, bunte Linien!

Fazit:

Die Zeiten stabiler Währungen sind wohl vorbei. Und es hat in der Geschichte meines Wissens noch keinen Fall gegeben, in dem eine Weichwährung zum Wohlstand der Bevölkerung geführt hätte.

Richten wir also unseren "Dank" an Mario Draghi und seine Unterstützer, die das möglich machen. Und insbesondere an unsere naiven Politiker, die Stimmengewichte im EZB Rat zugelassen haben, die in jeder Hinsicht eine Frechheit sind und das gestrige Geschehen erst ermöglichen. Ich verweise auf meinen Post von gestern, in dem das Thema addressiert ist.

Wir müssen nun lernen, in den Kategorien einer Weichwährung zu denken. Die Schere im Kopf, dass vermeintliche Gewinne im Depot in Wirklichkeit keine sind, ist dabei nur der erste Schritt in eine Welt hinein, die ich nie betreten wollte.

Taktisch gesehen, hat diese Bewegung alle Ingredienzien einer kurzfristigen Übertreibung und ein böser "Snapper" kann nun jeden Moment um die Ecke kommen und den Euro heben und den DAX damit wieder zurück fallen lassen.

Mittelfristig gesehen, ist der "Race to the Bottom" weltweit im vollen Gange und ich wäre nicht überrascht, wenn jetzt bald auch die FED wieder zuckt, die einen zu starken Dollar auch nicht zulassen kann. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie dieses Spiel endet ....

Ihr Hari

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Schaukelbörse bei DAX, S&P500 und Co. – Und täglich grüsst das Murmeltier

Dieser Filmtitel ist wirklich passend für das, was uns der Markt derzeit bietet. Wir erleben eine richtungslose Schaukelbörse, die jeden zerreibt, der nicht das tut, was wir hier im Premium-Bereich seit Wochen besprochen haben:

Mehr Cash aufbauen, Risiken abbauen, eher weniger statt mehr am Markt machen und Geduld haben. Und gelassen auf die kommenden Chancen warten.

Neben unserem monetären Kapital, ist unser psychisches, emotionales Kapital mindestens ebenso wichtig und auch das muss man in so Phasen bewahren und schützen. Erfolg an der Börse hat eben nichts mit Entertainment zu tun, sondern ist harte Arbeit. Und wenn der Markt selber nicht weiss, was er will, haben wir daher in ihm auch nichts verloren, wir reiben uns ansonsten nur psychisch auf.

Auf jeden Fall hatte der Markt diese Woche zwei! perfekte Gelegenheiten für einen Ausbruch. Yellens Rede am Dienstag einerseits und Draghis Rede am Donnerstag andererseits.

Und in beiden Fällen hatte der Markt im Vorfeld perfekt alles zurecht gelegt und sich in die Startlöcher begeben, um den Ausbruch vollziehen zu können. Und in beiden Fällen haben die Notenbanker dann sogar geliefert, in dem sie Sätze sagten, die der Markt liebt.

Besonders lustig war diese Abhängigkeit des Marktes von den Lippenbewegungen der Notenbanker, gestern während Draghis Rede zu bewundern. Da können die Notenbank-Gläubigen zwischen 14:30 Uhr und 14:50 Uhr nur sagen: "Der Draghi hats genommen, der Draghi hats gegeben, gelobt sei der Draghi" 😉

DAX Future 08.05.14

Und in beiden Fällen, trotz freundlicher Worte von FED Chefin Janet Yellen wie EZB Chef Mario Draghi, scheiterte trotzdem der Ausbruch, den die Märkte sich schon zurecht gelegt hatten.

Was sagt uns das, wenn selbst die Lippen der Notenbanker, den Markt nicht mehr nach oben treiben können ?

Im S&P500 können wir den Verlauf der aktuellen Woche mit all seinen sinnlosen Zuckungen bewundern. Wir bleiben weiter, wo wir seit Wochen sind: in einer engen Tradingrange gefangen.

S&P500 09.05.14

Umgedreht aber - und das ist sehr bemerkenswert - ist aber Abgabedruck nach unten, in den grossen Indizes wie S&P500 oder DAX nahezu nicht existent und das liegt daran, dass zwar jede Menge Geld aus heiss gelaufenene Momentum-Aktien abfliesst, dieses Kapital aber sofort wieder in defensivere Bluechips hinein fliesst. So bewegen sich die Indizes kaum und der Markt bleibt in einer sehr engen, frustrierenden Trading-Range.

Dabei hatten wir in den letzten Wochen wirklich genügend Katalysatoren, die für eine Korrektur gut gewesen wären. Eine FED, die die monetären Zügel anzieht. Eine EZB, die tatenlos einem zu teuren Euro zuschaut. Ein China, das miese Wirtschaftsdaten liefert. Eine Währungskrise in den Emerging Markets und last but not least, geopolitische Risiken in der "South China Sea" im Pazifik und natürlich die Geschehnisse rund um die Ukraine.

Und all das hat der Markt nahe der Höchststände verdaut, ohne zu einer ernsthaften Korrektur anzusetzen. Auch das sollte uns unbedingt etwas sagen.

Festzuhalten ist daher, dass die aktuelle Distribution des Kapitals von Momentum-Titeln in solide Aktien erneut beweist, dass Aktien in der "schönen neuen Welt" der finanziellen Repression einfach alternativlos sind. Gäbe es eine attraktive Anlage-Alternative, wäre das derzeit aus den Momentum-Titeln abfliessende Kapital dort hin geflossen und nicht in andere Bereiche des Aktienmärkte. Und dann hätten wir schon längst die Korrektur gehabt, die in Anbetracht der Gesamtlage, inklusive der geopolitischen Risiken, schon seit März auf der Agenda stand.

Wir hatten diese Korrektur aber nicht und auch wenn sie immer noch im Mai oder Juni kommen kann, muss man im grossen Bild doch konstatieren, dass gute Chancen für die Märkte bestehen, nach dieser Konsolidierung bzw Korrektur weiter nach oben zu laufen.

Schaut man auf die Positionierungen vieler Profis, wie Sie sich zum Beispiel in der zeigen, wird offensichtlich, dass viele sich schon für eine Korrektur ausreichend positioniert haben. Wie übrigens auch wir hier im Premium-Bereich, nun eine weit defensivere und abwartendere Aufstellung haben, als noch 2013. Und das ist gut so !

Aber weil viele auf die Korrektur warten - und auch ich fände es toll, bestimmte Aktien 20% tiefer einsammeln zu können, denn auch ich habe nun freien Cash - ist es fraglich, ob sie noch kommt. Am Ende werden die Märkte nämlich in der aktuellen Phase dominant von Liquidität bewegt und nicht von Wirtschaftsdaten. Die ganzen guten Wirtschaftsdaten nutzen nichts, wenn die Liquidität austrocknet und damit kein Geld da ist, um zu investieren. Umgedreht verhindern schlechte Wirtschaftsdaten keine steigenden Kurse, wenn der Liquiditätsdruck so hoch ist, dass das Geld einfach irgendwo hin muss.

Wirtschaftsdaten sind dann der dominante Faktor an den Aktien-Märkten, wenn die Liquidität halbwegs gleichbleibend ist und es für das Kapital rentable Alternativen zu Aktien gibt. Im Normalfall also, treiben Wirtschaftsdaten die Märkte. Dann wird nur gekauft, was wirklich "gut" ist. Wenn es aber keine Alternativen gibt und das Geld unbedingt investiert werden muss, weil es ansonsten auf dem Konto sicher an Wert verliert - und das ist derzeit die durch die Notenbanken erzwungene Lage - dann geht es nicht mehr darum, zu kaufen was "gut" ist, sondern nur noch darum das zu kaufen, was von allen teuren Aktien noch am wenigsten teuer ist. Und das ist ein erheblicher Unterschied.

Das ist nach meinem Eindruck das, was derzeit an den Märkten passiert. Weswegen es sich durchaus lohnen kann, nun nach Nachzüglern und zurück gebliebenen Sektoren Ausschau zu halten. Und weswegen es nach dieser aktuellen Konsolidierung - oder vielleicht sogar noch Korrektur - in der zweiten Jahreshälfte durchaus gute Chancen für weiter steigende Kurse gibt.

Zumindest solange, wie die Notenbanken die aktuelle Politik der finanziellen Repression nicht beenden. Und das werden die Notenbanken schon aus einem ebenso einfachen, wie überzeugenden Grund nicht tun können: mit einem "normalen", höheren Zinsniveau, würde die westliche Welt - inklusive Deutschland - schnell unter der Zinslast zusammen brechen.

Bis dahin, bis die Märkte wieder eine klare Tendenz zeigen, sollten wir aber unsere physisches wie emotionales Kapital bewahren und eher weniger als mehr am Markt machen und den mal alleine vor sich hin zucken lassen.

Glauben Sie mir, der Markt ist auch in ein paar Wochen oder Monaten noch da, der läuft nicht weg. Und wenn wir ein paar spastische Zuckungen von Mr. Market mal zu ignorieren lernen, schadet das unseren Depots auch nicht. Die besten Anleger und Trader zeichnet gerade aus zu wissen, wann sie an die Seitenlinie gehören, um dem Spiel nur zuzuschauen. Und wann sie wieder Risiken eingehen können, weil es sich im Verhältnis von Chance zu Risiko lohnt. Diese Fähigkeit müssen Sie sich unbedingt erwerben, wenn Sie dauerhaft an den Märkten Erfolg haben wollen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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Hari Live – Archiv 01.09.13 – 07.09.13

Premium gross

Hari Live - Archiv 01.09.13 - 07.09.13

Freitag - 06.09.13 16:55 - Volatilität

Vor dem Wochenende habe ich noch ein Chart zum Schmunzeln für Sie. Wobei es auch einen lehrreichen Teil enthält.

Es sind die Arbeitsmarktdaten in ein Bild komprimiert. 😉 Und dieses Bild erklärt auch, warum ich mich ungerne vor so Ereignissen positioniere: jede Menge Volatilität die kaum zu beherrschen ist und am Ende nichts passiert, nur alle aus ihren Stops geflogen:

S&P500 06.09.13

Besser ist - was ich ja schon oft gepredigt habe - sich nach dem Ereignis, wenn der Markt sich ausgeschwungen hat, in die sich dann durchsetzende Richtung zu positionieren. Dieses Bild sollte deutlich machen, warum man so Events mit engen Stops nicht beherrschen kann und da nur Geld verliert.

Weiterlesen ...Hari Live – Archiv 01.09.13 – 07.09.13

Der Mund des Bernanke und die Ruhe des Hari

Die nächsten 2 Wochen werden Artikel hier etwas spärlicher werden, denn ich erlaube mir - nachdem ich nun fast 12 Monate ohne Pause und Urlaub durchgearbeitet habe - mal eine Zeit der Erholung. Eine Zeit, in der ich nicht mehr jeden Tag rund um die Uhr vor dem Schirm sitze.

Wie ich ja an verschiedener Stelle kommuniziert habe, habe ich mein eigenes Exposure zum Markt nun deutlich reduziert. Verblieben ist alleine ein Teil meiner "Investitionen", in denen ich mich nicht so sehr nach den Bewegungen des Marktes richte.

Trotzdem können Sie auch in diesen 2 Wochen immer mal wieder mit einer Wortmeldung und vielleicht auch mal mit einem Artikel meinerseits rechnen. Kommentare und administrative Aufgaben werden auch in dieser Zeit zuverlässig erledigt. Allerdings kann es auch mal etwas länger als sonst dauern, bis ich mich rühre. Das Forum läuft natürlich ohne Pause weiter.

Anfang Juli bin ich dann wieder voll für Sie da.

Zum Abschluss daher noch ein paar allgemeine Hinweise zum Markt:

Im Premium Bereich habe ich schon heute früh darauf hingewesen, der "Mund Bernankes" Jon Hilsenrath, hat im Wall Street Journal dem Markt grünes Licht gegeben. Es ist an der Wallstreet ein offenes Geheimnis, das die FED über Jon Hilsenrath den Markt vorbereitet. Die FED wird also nächste Woche wohl bestätigen, dass das Ende der Geldschwemme noch weit weg ist. Lesen Sie selbst:

Damit ist viel von der Spannung vor der nächste Woche aus dem Markt genommen. Diese Nachricht tut dem Markt natürlich gut, von dieser Seite ist ein erneuter Schub bis zu den Höchstständen durchaus möglich.

Ob es dazu kommt, wird wesentlich auch davon abhängen, wie sich die grossen Währungen bewegen. Wenn der Yen wieder zu fallen beginnt, sollten sich die Geldströme wieder umkehren und der Carry Trade wieder kommen. Und damit die alten Favoriten und Dividenden-Bluechips ihre Bewegung wieder aufnehmen. Achten Sie also auf die Währungen und insbesondere das USDJPY Währungspaar.

Wenn allerdings der Markt trotz des grünen Lichts von der FED belieben sollte, durch die starke Unterstützung bei 1600 im S&P500 und 8000 im DAX nach unten zu rollen, dann ist höchste Vorsicht und striktes Risikomanagement geboten.

Das nach meiner Analyse aufgrund der aktuellen Marktsituation für die kommenden Wochen wahrscheinlichste Szenario, ist eine volatile Seitwärts-Bewegung zwischen 1600-1700 im S&P500 und 8000-8500 im DAX, die Bullen und Bären gleichermassen frustrieren wird und in der letztlich, ausser für Daytrader die die täglichen Swings ausschöpfen, nicht viel zu holen ist.

Lassen wir uns überraschen.

Über den Sommer hinweg zu sehen ist seriös nicht möglich. Ein wesentliches Datum auch für die Weltbörsen! wird die Bundestagswahl sein. Denn an Deutschland hängt der Euro und am Euro eine Menge mehr. Ich bin fest davon überzeugt, dass die EZB und Brüssel alles mögliche und mehr dafür tun werden, dass die Eurozone bis dahin für Deutschlands Bürger stabil erscheint. Auch das BVG wird sein Urteil möglicherweise erst nach der Wahl sprechen, wobei der Markt da eher ein "Durchwinken mit gesichtswahrendem aber inhaltlich irrelevantem erhobenem Zeigefinger" erwartet. Insofern haben wir hier möglicherweise ein paar Monate einen "Draghi-Put" im Markt, der zu starke Abwärtsbewegungen konterkarieren dürfte, soweit möglich. Was nach der Wahl dann passiert, ist eine ganz andere Geschichte.

So weit das ganz grobe Bild, wie es sich mir im Moment darstellt. Wir sprechen uns irgendwann im Laufe der nächsten Woche an dieser Stelle.

Ihr Hari

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The same procedure as every day – der DAX als ballistisches Projektil

Es gibt so Tage, die kann man unter der Formel "the same procedure as every day" zusammen fassen. Und heute ist so ein Tag. Die Märkte tun das, was sie seit November ohne signifikante Pause tun - sie steigen. Und alles ist dazu gesagt, man könnte sich nur wiederholen.

Ich mache es deshalb heute Nachmittag kurz und geniesse statt dessen mal die Sonne, die mal wieder pünktlich zum Wochenende verschwinden wird, wenn dann alle Trader ihr Leben als "Grottenolm" unterbrechen und an die Oberfläche kriechen. 😉

Bevor ich das tue, möchte ich Ihr Augenmerk aber mal auf die Struktur der Bewegung des DAX lenken. Schauen Sie hier im Chart seit November 2012:

DAX Parabel 15.05.13

Und jetzt schauen Sie sich mal auf Wikipedia die Regeln der an und beachten Sie inbesondere auf der rechten Seite die typische Flugbahn !

Fällt Ihnen die Ähnlichkeit auf ? Der DAX sieht wirklich so aus, als hätte jemand Ende April einen massiven Treibsatz gezündet. Und die Bewegung ist immer noch aufwärts, auch wenn jetzt das Momentum etwas nachzulassen scheint.

Es gibt allerdings einen wichtigen Unterschied. Ein ballistisches Projektil wird zwangsläufig durch die Schwerkraft wieder nach unten gezwungen. Der DAX als ballistisches Projektil hat aber einen eingebauten, hoch-energetischen Treibstoff der berüchtigten Firma "Ben&Mario Alchemist Corp." an Bord. 😉

Insofern kann es durchaus sein, dass aus dem Projektil im Verlauf der Flugbahn wieder eine Rakete wird, die einfach die nächste Stufe zündet.

Womit wir wieder am Anfang sind. Es gibt nichts Neues. Und niemand - absolut niemand - weiss mit Sicherheit, wann diese Bewegung endet. Die typischen Methoden mit denen man so etwas misst, sind durch "Ben&Mario Alchemist Corp." temporär ausser Kraft gesetzt. Man kann immer noch Vermutungen anstellen, aber es gibt wenig konkrete Marken, an denen man echte Wahrscheinlichkeiten festmachen könnte. Nur weil wir schon so weit gestiegen sind, ist auf jeden Fall kein Kriterium dafür, dass es jetzt heute drehen muss.

Und lassen Sie sich daher auch nicht von den ganzen "Top-Callern" verunsichern, die wissen es alle ebenso wenig. Vielleicht dreht der Markt schon Morgen, vielleicht auch erst in Monaten bei DAX 9000+. Typisch ist auf jeden Fall, dass der Wendepunkt so einer Bewegung eher viel höher ist, als man sich gemeinhin vorstellen kann.

Also bleiben wir dabei und reiten das Projektil. Nehmen wir mit was geht und bleiben gleichzeitig demütig. Denn wir wissen, so eine ballistische Flugbahn findet ein Ende. Immer ! Und wenn der "Stall" kommt, dann geht es danach schnell und trudelnd runter. Immer !

Also lassen wir unseren Fallschirm besser fest angeschnallt und die Hand am Notausstieg und versuchen die Flugbahn zu geniessen, so lange sie andauert.

Mehr können wir nicht tun. Und jetzt geht es erst mal in den Wiwo Lunchtalk und dann in die Sonne ! Am Nachmittag melde ich mich wieder in "Hari Live".

Ihr Hari

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Frühlingsgedanken: DAX, Geldanlage, Schach, Gerhard Schröder und die Eurokrise

Frühlingsgedanken: Betrachtung zum aktuellen DAX, zu Geldanlage, Schach, Gerhard Schröder und der Eurokrise
Ein Gastkommentar von Tokay

Heute ein paar Gedanken, die mich diese Woche beschäftigt haben. Fangen wir an mit einer DAX-Betrachtung. Am Mittwoch ging es deutlich nach oben und es sieht ganz danach aus, als sei damit die seit Jahresbeginn laufende Seitwärtskonsolidierung beendet worden. Eine Reihe von DAX-Unternehmen brachten gute Ergebnismeldungen, die vom Markt honoriert wurden. Auch Draghi wusste am Donnerstag anlässlich der EZB-Sitzung die Märkte zu beruhigen.

Wie kann man zu diesen Schluss kommen? Schauen wir uns dazu die nachfolgende Grafik an. Wir hatten seit November 2012 die Aufwärtsbewegung ABC laufen. Diese Aufwärtsbewegung wurde im Januar bei Punkt C invalidiert und ging in die Seitwärtsbewegung DEF über.

DAX Entwicklung 12.10.12 bis 07.03.13

Um abzuschätzen, wie die langfristige Marktdynamik sich zuletzt verhalten hat, ermitteln wir den 200-Tage.Durchschnitt und verschieben diese Linie entlang der Obergrenze der Kursentwicklung der letzten Monate. Man erkennt, dass diese Aufwärtsverschiebung den Kursindex an zwei Punkten touchiert. Die Seitwärtskonsolidierung ist am Mittwoch an Punkt F durchbrochen worden. Dies ist ein erstes Signal. Sollte auch die Aufwärtsverschiebung des gleitenden 200-Tage-Durchschnitts durchbrochen werden, dann haben wir es mit großer Wahrscheinlichkeit mit einer Wiederaufnahme der Hausse bzw. der Fortsetzung von „The Great Rotation“ zu tun.

Es wird nun davon abhängen, ob die historischen Höchststände aus 2000 respektive aus 2007 nachhaltig werden durchbrochen werden können. Dieses Szenario würde aber seinerseits invalide werden, sollte die Marke von 7.550 Punkten nachhaltig unterschritten werden.

Anderes Thema: Geldanlage und Schach. Auf den ersten Blick sind dies zwei Gebiete, die nicht viel miteinander zu tun haben scheinen. Beim Schach sitzen zwei Spieler vor dem Brett und versuchen sich gegenseitig matt zu setzen. Bei der Geldanlage erwirbt man Wertpapiere in der Hoffnung oder Erwartung, dass ihr Wert steigen möge. Es muss zwangsläufig jemanden geben, der einem das Wertpapier in der gegenteiligen Erwartung verkauft. Insofern könnte man auch die Geldanlage als ein Spiel bezeichnen.

Wie versucht man beim Schach, den gegnerischen König matt zu setzen? In dem man versucht, seine Spielsteine so zu platzieren, dass diese eine maximale Wirkungskraft entfalten. Dies bewerkstelligt man etwa durch offene Linien, durch günstige Positionen für Springer und Läufer, durch günstige Bauernstrukturen und durch vieles andere. Man kann dies Strategie nennen. Häufig aber ist eine gute Strategie noch keine hinreichende Voraussetzung für den Erfolg.Es kommt noch etwas hinzu, nämlich die Taktik. Taktik beim Schach besteht aus konkret berechneten Zugabfolgen(Kombinationen), bei denen zumeist gewisse Schwächen in der gegnerischen Stellung zum eigenen Vorteil genutzt werden können. Sehr häufig ist dies mit der Hergabe von Material, also mit Opfern verbunden. Zahlreiche brillante Partien basieren auf solchen Kombinationen. Einige aufmerksame Leute haben ausgerechnet, dass heutzutage etwa achtzig Prozent aller Partien durch taktische Schläge entschieden werden.

Wie ist nun die Analogie zur Geldanlage? Die „Spielsteine“ bei der Geldanlage sind die Anlagetitel. Man sucht diese so aus, dass diese eine maximale Wirkung entfalten. Sie müssen auch gut zueinander passen. Zum Beispiel wäre es im Sinne der Risikostreuung nicht sinnvoll, Papiere aus nur einer Branche zu kaufen. Die Strategie sollte flexibel sein, um auf Änderungen reagieren zu können. Die Papiere müssen bestimmte Voraussetzungen mitbringen, z.B. dürfen die Gesellschaften nicht überschuldet sein, sie müssen gute Wachstumsperspektiven haben, sie sollte möglichst überproportional von einem Zuwachs des Gesamtmarktes profitieren. Es gibt ganz sicherlich noch viel mehr solcher Kriterien. Doch ganz gleich, welche Kriterien man verwendet, auch hier ist die Taktik das, was am Ende den Ausschlag gibt: Nämlich, wann man was kauft und verkauft und zu welchem Preis. Die beste Strategie hilft nichts, wenn die Anlagetaktik fehlerhaft ist.

Auch das Opfer findet hier seine Analogie. Für das Opfer kommt besonders eine Figur in Betracht, die andere Kräfte bindet. Das ist für den Anleger oftmals ein Papier, das stetig fällt und nicht auf die Beine kommen will. Wer den Mut findet, seine Verluste abzukürzen, der wird feststellen, dass auf diese Weise Kräfte frei werden und seine Position bzw. sein Portfolio langfristig an Stärke zu gewinnen in der Lage ist, auch wenn erst einmal ein Verlust eingetreten sein mag.Und wie beim Schach gibt es bei der Geldanlage die erfahrenen „Meister“ die im Kursverlauf Muster sehen, die die Masse der Anleger nicht sieht, und aus diesem Erfahrungsvorsprung einen Vorteil erzielen können. Ein Schach-„Meister“ sieht Stellungsmuster und vermag diese korrekt zu bewerten. Mit dieser Erfahrung kommt man nicht auf die Welt; aber man kann sie sich beim Schach durch das Spielen von Partien bzw. bei der Geldanlage durch Anlagepraxis aneignen.

Wieder anderes Thema: Die Agenda 2010 hat demnächst Geburtstag. Altbundeskanzler Gerhard Schröder hat aus diesem Anlass in der vergangenen Woche in der Alten Oper in Frankfurt eine Rede gehalten. Dabei ging es zwangsläufig auch um das Thema Eurokrise. Ich finde, er hat dabei einige sehr wesentliche und grundlegend richtigen Dinge herausgestellt:

  • Die Agenda 2010 war richtig. Sie trug maßgeblich dazu bei, die in Deutschland nach der Wiedervereinigung sehr hohe Sockelarbeitslosigkeit zu reduzieren. In ähnlicher Weise müssten die Peripherieländer ran an ihre Arbeitsmärkte. Die sind ziemlich abgeschottet. Es ist schwer, jemanden loszuwerden. So erfreulich das für diejenigen ist, die eine Stelle haben, so unerfreulich ist es für diejenigen, die keine haben. Das sind unter den jungen Leuten erschreckend viele. Da tickt eine Zeitbombe – wenn sich da nichts tut, kann das noch sehr schwerwiegende Folgen haben.
  • Die Erfolge der Agendapolitik kamen nicht sofort. Das dauerte ein paar Jahre. Reformen sind gut und richtig – solange die anderen davon betroffen sind. Ist man selber betroffen, versucht man natürlich, die Reformen zu verhindern. Auch das ist in den südeuropäischen Ländern zu beobachten.
  • Das Konjunkturprogramm 2008/2009 war richtig. In ähnlicher Weise bräuchten die Peripherieländer Wachstumsprogramme. Mit der Austeritätspolitik wird alles kaputt gespart. Deswegen hat Monti die Wahl verloren. Deswegen hat Grillo sie gewonnen. Die Ausfälle aus der privaten Nachfrage müssten durch staatliche Nachfrage kompensiert werden, Tun sie aber nicht. Man bräuchte also Strukturreformen und fiskalische Expansion. Praktiziert wird das genaue Gegenteil.
  • Zu beobachten ist, dass die Austeritätspolitik zu hart ist. Es wird in zu kurzer Zeit zu viel gespart. Das werden die Italiener, Spanier, Griechen und Portugiesen auf die Dauer nicht durchhalten.Und weil die Erfolge nicht sofort kommen, wird der innere Frieden in diesen Ländern aufs äußerste belastet werden. Man sollte diesen Ländern mehr Zeit geben, sonst wird dort die Demokratie vor die Hunde gehen. Und dies wird großes Leid verursachen.

Die kommenden Jahre werden daher entscheidende Jahre werden. Man wird sich an die Rede von Gerhard Schröder erinnern. Es liegt vieles darin. Möglicherweise die bittere Wahrheit, die Realität werden wird. Wir wissen es nicht, wir wollen es nicht hoffen.

Tokay

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Marktupdate DAX und S&P500 – DAX 8000 – 08.03.13

Heute habe ich am Vormittag nur ein sehr kurzes Marktupdate zu DAX und S&P500 für Sie, denn draussen scheint die Sonne, bevor ab nächste Woche der Winter zurück kommt. Und das will ich ausnutzen.

Die Indizes DAX und S&P500 befinden sich im scheinbar unaufhaltsamen Schub zu den historischen Höchstständen, wie ja der S&P500 schon vor drei Tagen mit seiner -> inversen SKS <- klar induzierte. Man kann nun auch mit guter Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Markt diese Höchststände nun sehen will. Vor wenigen Minuten hat der DAX die 8000er Marke auch schon touchiert.

Bedenken Sie auch, dass diese Höchststände eher neues Geld in den Markt ziehen dürften, da die mediale Welle dann sicher jedermann erreicht. Insofern nährt die Hausse die Hausse und es ist ein Fehler, sich dieser Stampede der Bullen entgegen zu stellen, ohne das es dafür harte und klare Indikatoren gibt. Und diese Indikatoren sind derzeit nicht vorhanden. Bedenken Sie bitte auch, eine Topbildung am Ende einer langen bullischen Bewegung ist typischerweise ein langer Prozess und geschieht nicht einfach so mit einem Fingerschnippen an einem Tag. Insofern gibt es keinen Grund zur Hektik, wenn sich ein Top entwickelt, wird es dafür Anzeichen geben.

Alleine ein überraschendes exogenes Event wie ein Atomkrieg rund um Nordkorea oder eine völlig überraschende Kehrwendung der Notenbanken kann mit einem Schlag zu einem schnellen Zusammenbruch so eines starken Marktes führen. Das ist natürlich jederzeit möglich und das theoretische Restrisiko, dem wir alle ausgesetzt sind. Da wir aber die Zukunft nicht kennen, macht es auch keinen Sinn über solche Szenarien zu spekulieren oder gar sein Handeln danach auszurichten. Mit dem Restrisiko müssen wir einfach leben.

Ansonsten gilt einfach das alte Bonmot, dass wir ganz opportunistisch auf der Party tanzen sollten, solange sie dauert. Und im Gegensatz zu Otto Normalanleger, der dann versonnen ob seines vermeintlichen Glücks seine Tanzrunden drehen wird und die Welt nicht mehr wahrnimmt, werden wir aber während des Tanzes ganz genau auf die Musik-Kapelle mit den Herren Bernanke und Draghi und Co. schauen, damit wir als erste von der Tanzfläche runter sind, wenn die Musik aufhört.

Viel mehr ist im Moment eigentlich nicht zu sagen, ausser das heute um 14.30 Uhr wieder die bekannten und berüchtigten Arbeitsmarktdaten in den US kommen und für Volatilität sorgen werden.

Ein typischer Ablauf an so einem Tag wäre, dass wir die frühe Stärke in Europa (und damit die 8000 im DAX) zunächst bis zu den Arbeitsmarktdaten wieder leicht abgeben. Mit den Daten wird der Markt dann ausschlagen und es spricht viel dafür, dass wir - wenn eine sehr negative Überraschung ausbleibt - danach den richtigen Schub an der Wallstreet sehen, der den S&P500 bis über 1565 hebt. Ganz typisch ist nach den Arbeitsmarktdaten auch, dass die Bären im Goldsektor einen erneuten Versuch machen, den Goldkurs nach unten zu drücken. Wie der Markt darauf reagiert, wird uns zeigen, ob die Bären noch genügend Kraft haben oder ob die Wende bei Gold nun endgültig da ist. Wenn es den Bären ab 14.30 Uhr nicht mehr gelingt den Goldkurs zu drücken, können wir mit guter Wahrscheinlichkeit eine scharfe Bewegung nach oben in den nächsten Tagen erwarten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Entscheidungen. Geniessen Sie das Röhren der Bullen und geniessen Sie die Sonne !

Ihr Hari

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