Sind Derivate für Kleinanleger Fluch oder Segen?

Derivate haben keinen guten Ruf. Manchmal werden sie auch verteufelt. Mit diesem Beitrag, der auf einer ausführlichen Antwort im Forum des Premium-Bereiches beruht, will ich versuchen, mich dem Thema etwas differenzierter zu nähern.

Denn ich selber nutze Derivate, wie Zertifikate und Optionsscheine, nur sehr selten und höchst wählerisch.

Und das liegt daran, dass Derivate ja in der Regel auf einem Basiswert (dem Underlying) beruhen, also einem Index, einer Aktie oder einem Sektor. Und auf diesem Underlying, baut sich dann das Konstrukt des Derivats auf.

Der Kauf eines Derivates macht also ganz grundsätzlich nur dann Sinn, wenn das Derivat etwas bietet, was man im Underlying selber nicht bekommen kann. Das könnte die Möglichkeit Short zu gehen sein, oder vielleicht ein Währungshedge, der im Konstrukt des Derivates eingebaut ist. Ich kann aber wenig Sinn darin erkennen, eine Allianz per Derivat zu kaufen, wenn man die gleiche Handlung direkt auf Xetra durchführen kann.

Ausnahme sind dabei CFDs, die ich selber sehr oft nutze. Das liegt daran, dass CFDs zwar formal auch Derivate sind, das Underlying aber in der Regel 1zu1 abbilden und sich damit vom Kursverlauf her genau wie das Underlying verhalten. Einige der weiter unten diskutierten Nachteile von klassischen Derivaten wie Zertifikaten oder Optionsscheinen, existieren für CFDs daher nicht.

Aber selbst für CFDs gilt: ich sehe keinen sinnvollen Grund, beispielsweise eine Allianz Aktie via CFD zu kaufen, wenn ich die "echte" Allianz auch als Aktie an Xetra kaufen kann. Dafür gibt es dann aber gute Gründe einen CFD zu benutzen, wenn man die Allianz shorten will, denn das kann man mit dem Underlying nicht so einfach gestalten.

In Summe gibt es in meinen Augen also keinen Grund, Derivate pauschal zu verteufeln. Denn manchmal decken sie auch sinnvolle Nischen ab, die man anderes gar nicht adressieren könnte.

Trotzdem haben sie in meinen Augen drei strukturelle Nachteile gebenüber den Assets selber, die sie derivativ abbilden. Keiner dieser Nachteile ist so massiv, dass er einen "Showstopper" darstellt und man deswegen sagen müsste, man "darf" keine Derivate nutzen. Aber in Summe macht es diese nach meiner Ansicht etwas unattraktiver, weswegen man - wenn man die Wahl hat - in meinen Augen besser das "Original" nutzt. Und weswegen ich selber Derivate (mit Ausnahme von CFDs) nur sehr selten nutze.

1) Sie sind (oft) weniger ausfallsicher

Und damit meine ich nicht den Ausfall (die Pleite) des Emittenten, das wäre sowieso der Gau und wenn grosse Emittenten wie Deutsche Bank und Commerzbank ausfallen sollten, haben wir alle ganz andere Probleme. Und zwar auch die unter uns, die keine Derivate nutzen.

Dieses Hauptargument, das immer in der öffentlichen Meinung gegen Derivate ins Feld geführt wird, ist also eigentlich keines.

Nein, ich meine damit die kleineren Probleme, wie den Ausfall beim Handelssystem, fehlende Kurse, falsche Kurse und ähnliches. Also die "kleinen" Ärgernisse, die auftreten können und Anlegern das Leben schwer machen.

Der Grund ist ganz einfach und leicht einzusehen. Wenn man eine Aktie kauft oder am Devisenmarkt direkt EURUSD handelt, dann kann bei jedem von uns, theoretisch der Broker nicht erreichbar sein und keine Kurse mehr stellen. Dieses Grundrisiko der IT-Strukturen haben wir immer - wir alle.

Mit einem Derivat kommt aber noch eine zweite Ebene des Risikos hinzu: neben dem Broker, kann auch der Emittent IT-Probleme haben und keine Kurse mehr stellen. Und das gilt auch für den Fall, dass man das Derivat von der gleichen Bank kauft, bei der man sein Depot hat, denn in der Regel stehen unterschiedliche Computersysteme hinter Depotführung, Handelssystem und dem Market Making der Derivate.

Nun ist dieses Ausfallrisiko nicht hoch, es verdoppelt aber die Problem-Wahrscheinlichkeit. Und Sie werden erstaunt sein, wie oft ich - der ich rund um die Uhr am Markt unterwegs bin - kurze Ausfälle bei den Market Makern der Derivate beobachte. Ich erinnere mich noch lebhaft an den August 2011, als sich die Eurokrise in Gang setzte, da war es teilweise ganz schlimm und wer da bei bestimmten Brokern war, konnte teilweise tagelang nicht agieren. Und auch die Emittenten haben teilweise die Kutellung einfach eingestellt.

Insofern ist ein gerne gebrachtes Argument, das man selber "noch nie ein Problem hatte" auch nicht wirklich stichhaltig. Denn wenn das Risiko eines Ausfalls gering ist, merken die meisten nichts davon. Wenn das Problem dann aber mal auftritt - und meistens natürlich mitten im schönsten Absturz - ist der Ärger gross.

Ein Anstieg eines Risikos von 0,02 auf 0,04 ist halt einfach eine Verdoppelung, auch wenn es in beiden Fällen so gering ist, dass man es meistens nicht bemerkt. Das ist ein wenig wie beim Truthahn vor "Thanksgiving" oder dem Weihnachtskarpfen, dem geht es auch immer gut, bis es ihm nicht mehr gut geht. 😉

Deswegen muss man nichts verteufeln, aber wenn man ein kleines Risiko noch einmal halbieren kann, macht es Sinn das zu tun. Also warum ein Derivat nutzen, wenn man das Gleiche auch direkt machen kann?

2) Sie sind (oft) komplexer

Das gilt nicht immer, aber oft und vor allem für Zertifikate und Optionsscheine. Und klar, wenn man sich an die Strukturen eines Derivates mal gewöhnt hat, stellt das kein Argument mehr dar, man weiss halt, wie das funktioniert.

Für Anleger, die das tagtäglich machen, ist das alles transparent und einfach, weil sie die Funktionsweise des Derivats rauf und runter kennen. Ein Neueinsteiger, steht aber oft erst einmal vor Fallstricken. Nehmen wir den Devisenmarkt und EURUSD als Beispiel:

In der Zeitung steht das Währungspaar EURUSD sei auf 1,08 gestiegen. Fein. Wenn man nun am Devisenmarkt EURUSD Long gehen will, dann kauft man EURUSD genau zu 1,08. Und verkaufe das Währungspaar ein paar Tage später zu 1,10. Damit ist der Gewinn und die Kutellung völlig transparent, es gehen die Gebühren ab und fertig.

Mit einem Derivat aber, das auf EURUSD aufsetzt, hat man in der Regel "irgend einen" Kurs, bei dem man auch nicht wirklich nachvollziehen kann, ob er fair gestellt wurde, weil es keinen Referenzmarkt gibt. Dann hat man "Knock-Out-Barrieren", Volatilität was auch immer - eben viele Spezial-Parameter, die von der Konstruktion des Derivats abhängig sind.

Erneut, das muss kein Problem sein und wenn man sich im Detail in die Funktionsweise hinein denkt, kann man auch das gut verstehen. Nur ist es erst einmal weniger transparent und selbsterklärend, als EURUSD einfach zu genau dem Kurs zu kaufen, zu dem er auch in der Zeitung steht.

Und ich habe selber in der Vergangenheit auch Fälle erlebt - auch bei grossen Emittenten - bei denen Unschärfen und Gestaltungsspielräume bei der Konstruktion des Derivates, nach meiner subjektiven Interpretation vom Market Maker genutzt wurden, um die Kutellung zu "optimieren"- böse Zungen würden sagen "um die Anleger abzuzocken". 😉 Gerade die Frage, wann und wie die Volatilität im Derivat herauf oder herab gesetzt wird, ist dafür ein beliebtes Spielfeld.

3) Sie sind (oft) teurer

Auch das ist nicht immer richtig, es gibt Ausnahmen die von den individuellen Umständen abhängen. Aber im Kern ist es doch ganz einfach, bei einem Derivat ist ein weiterer "Mitesser" an Bord, der das Derivat anbietet, weil er Gewinn machen will.

So wird sich ein Bank, die ein Derivat auf EURUSD anbietet, sich dafür auch am Devisenmarkt refinanzieren. Einem Devisenmarkt, an dem wir auch direkt handeln könnten. Und dann baut die Bank rund um EURUSD noch eine derivative Konstruktion und natürlich kostet diese und die Kosten werden ins Produkt eingepreist - wo auch immer, das hängt vom Produkt ab.

Abgesehen davon, werden solche Derivate auf die Underlyings ja nicht deshalb kreiert, weil die Banken "gute Menschen" sind. Sondern weil diese damit zusätzlichen Gewinn machen wollen. Da aber der Preis des Underlyings, sich objektiv an der Börse oder am Devisenmarkt ergibt, muss der zusätzliche Gewinn der Bank, der das Geschäft mit Derivaten überhaupt erst legitimiert, im Derivat selber versteckt sein.

Deswegen darf man bei den Derivaten auch nicht immer nur die reinen Gebühren betrachten, denn auch in der Konstruktion selber können Kosten versteckt sein. Und die kann man eben schwer sehen, weil es eben keine Vergleichskurse gibt. Um das zu analysieren. muss man sich aber intensiv mit der individuellen, derivativen Konstruktion befassen.

Wenn man den Verlauf der Kurse von Derivaten direkt mit dem Underlying vergleicht, stellt man auf jeden Fall oft mal Abweichungen fest, die über die Zeit grösser werden. Grund sind dann fast immer "innere" Kosten in der Konstruktion des Derivats. Und diese sind nicht per Zufall da, sondern weil der Emittent dieses Geschäft ja macht, weil er damit verdienen will.

Es mag Einzelfälle und Anwendungsfälle geben, bei denen die derivative Lösung dann für den einzelnen Anleger doch günstiger ist. Gerade bei Anlegern mit kleinen Depots kann das sein, wenn mal wieder Sonderaktionen laufen um Derivate zu promoten. Denn durch die vergleichsweise hohen Grundgebühren für Kleinanleger beim Kauf- und Verkauf an der echten Börse, haben Derivate die Chance bei Sonderaktionen hier Gebühren-Vorteil zu generieren.

Im grossen Bild ist aber klar, dass ein weiterer gewinnorientierter Mitesser in der Nahrungs-Kette des Finanzproduktes, eher zu höheren Kosten beim Anleger führen muss.

Fazit:

Derivate sind auch für Kleinanleger keine Teufelei und kann man gut einsetzen, wenn man sich der Funktionsweise und Nachteile bewusst ist.

Das Problem ist eher, dass der Umgang mit Derivaten vom Anleger in der Regel höhere Kenntnisse erfordert, als der Kauf des Underlying selber. Umgedreht sind es aber eher die "kleinen Anleger", die diese Derivate nutzen, während die grossen, eher erfahrenen Anleger an Xetra, Eurex und Co. unterwegs sind oder derivative Konstruktionen nutzen, die sie sich selber "gebaut" haben. Aus dieser Diskrepanz entstehen oft Probleme mit Derivaten.

In Fällen wo Derivate Situationen abbilden, die man ansonsten nicht direkt handeln könnte, kann man sie aber nutzen, wenn man die Funktionsweise wirklich versteht. In Fällen aber, wo sie letztlich nur bieten, was man im Underlying auch selber tun könnte, ist aus den obigen Gründen in meinen Augen das Underlying vorzuziehen.

Ganz grundsätzlich gilt natürlich, dass die Solidität des Emittenten ein zentraler Risikofaktor ist, den man im Auge behalten sollte. Solange man bei grossen Adressen wie der Deutschen Bank oder Commerzbank bleibt, braucht man das Risiko aber auch nicht über zu bewerten. Denn wenn die kippen sollten, haben wir alle ganz andere Probleme. Und zwar auch die Anleger, die keine Derivate nutzen. Dann sitzen wir alle mehr oder weniger im gleichen Boot.

Insofern spricht erst einmal null und nichts dagegen, bestimmte Sondersituationen mit Derivaten zu handeln. Man muss sich halt nur genau mit der individuellen Funktionsweise beschäftigen. Und man sollte immer erst einmal schauen, ob man das Gleiche nicht mit dem Asset selber oder mit einem sehr transparenten CFD abwickeln kann, der den Kursverlauf des Underlying 1zu1 abbildet.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Währungsmanipulation – Zerschlagt endlich Deutsche Bank und Co. !

Heute muss ich wieder einen persönlichen Kommentar zu unserem Grossbankensystem mit Ihnen teilen.

Denn schöner, als an dem aufkommenden Skandal um , kann man in meinen Augen nicht darstellen, wie verrottet das System der Grossbanken ist.

So wie es nun in der Fachpresse geschildert wird, scheinen Top-Devisenhändler quer durch das who's who der Grossbankenwelt beteiligt. Und auch wenn noch keine Beweise vorliegen, spricht scheinbar viel dafür, dass wir es hier mit einem Manipulationsskandal im "Libor-Ausmass" zu tun haben. Lesen Sie den oben verlinkten Artikel, um einen Überblick zu bekommen.

Quelle des Übels scheint hier das sogenannte "Fixing" zu sein, in dem sich Händler verschiedener Banken zusammen schalten, um Kurse festzulegen. Aus dieser Sonderrolle heraus, entsteht für die Beteiligten grosse Macht. Und absolute Macht korrumpiert bekanntermaßen absolut.

Um sich die ganze Absurdität dieser Strukturen vor Augen zu führen, muss man sich klar machen, dass unsere Gesellschaften in der "normalen" Realwirtschaft schon vor langer, langer Zeit gelernt haben, dass oligopolistische Strukturen einen freien Markt gefährden und Preisabsprachen hart zu unterbinden sind, weil sie Monopole zementieren. Genau deswegen gibt es Kartellbehörden, um sicher zu stellen, dass der Markt seine wichtige volkswirtschaftliche Funktion weiter ausüben kann. Im Grossbankensystem scheinen nach meinem Eindruck solche oligopolistischen Absprachen dagegen zum guten Ton zu gehören. Ist ja auch kein Wunder, man trifft sich ja immer wieder im Weißen Haus mit Obama, um mal wieder "die Welt zu retten".

Wenn ich diese Zeilen schreibe, sehe ich aber gleich wieder die typische Reaktion der Öffentlichkeit vor mir, die mit der Moralkeule auf die "Bankster" zeigt, so als ob wir es hier mit einem Problem individuell "böser Menschen" zu tun hätten.

Das ist, mit Verlaub, kompletter Unsinn. Banker, auch Börsen-Händler, sind genau so Menschen wie wir alle, mit all unseren Fehlern. Einige haben Rückrat, andere sind Kriecher. Einige haben einen eigenen moralischen Wertekompass, bei anderen dominiert Geldgier über jede andere Erwägung. Und unter denen, die medial auf die "bösen Bankster" zeigen, sind Mitbürger, die schwarz arbeiten und so die Sozialgemeinschaft betrügen, Mitbürger die ihre Steuererklärung "kreativ gestalten" und Mitbürger, die kein Problem damit haben einem "dummen" Kunden in ihrem Laden, etwas völlig überteuert anzudrehen.

Moralische Schwäche ist keine exklusive Eigenschaft von Bankern. Sie ist vielmehr Teil der menschlichen Gleichung und findet sich in allen Gesellschaftsschichten und Kulturen. Der entscheidende Punkt ist ein anderer.

Weil das so ist - weil nun einmal nicht alle Menschen immer moralisch sattelfest sind - weil Gelegenheit bekanntlich Diebe macht - und weil absolute Macht absolut korrumpiert, ist es wichtig in unseren Gesellschaften darauf zu achten, dass niemand so viel unkontrollierte Macht erlangt, dass diese ihn korrumpieren kann.

Und damit sind wir beim Kern des Problems der Grossbanken. Es dürfte diese eigentlich gar nicht mehr geben. Sie machen den freien Markt kaputt. Das hier nach meinem persönlichen Eindruck, vieles nicht mit rechten Dingen zugeht, kann man leicht daran erkennen, wenn man sich in der Vergangenheit die Gewinne der Grossbanken aus dem Eigenhandel (an der Börse) betrachtete. Das gab es sehr namhafte Adressen drüben an der Wallstreet, die hatten wochenlang keinen einzigen negativen Tag in ihren Handelsbüchern !

Wie absurd ist das denn ? Jeder erfahrene Börsenprofi weiss, dass es in einem freien Markt unmöglich ist, jeden Tag nur Gewinne zu produzieren. Und wer jetzt glaubt, dass das diesen Adressen ganz sauber möglich ist, nur weil sie so "tolle" Risikomanagement-Systeme haben und sowieso nur "the smartest of the smartest" bei ihnen arbeiten, der sollte auch bitte wieder an den Weihnachtsmann glauben. Solche "Dauergewinnsträhnen" sind in einem freien Markt nicht möglich. Sie sind aber möglich, wenn man so gross ist, dass man den Markt zu den eigenen Gunsten beeinflussen kann. Das Perfide ist, das muss noch nicht einmal illegal sein, unsere Politik hat ja weltweit völlig versagt, die Macht der Grossbanken nach Lehmann einzuschränken. Nein, diese Marktmacht kann auch ganz legal ausgeübt werden und ermöglicht so einen Monat ohne Verlusttag in den Handelsbüchern.

Und das ist das wahre Problem. Die Macht, die sich in solchen oligopolistischen Strukturen in den Händen von wenigen Tophändlern bündelt. Und diese Macht korrumpiert früher oder später. Und seien Sie mal ehrlich, wenn Sie die Chance hätten, mit dem Drücken weniger Knöpfe und Absprachen mit Ihnen lange bekannten Kollegen zu Multimillionären zu werden, würden Sie nicht auch in Versuchung kommen ? Ehrlich ?

Womit wir beim Kern sind. Die nach Lehmann verbliebenen Grossbanken sind zu gross und zu mächtig. Und statt an Details und Eigenkapitalquoten herum zu frickeln, gehören diese zerschlagen und ein Trennbankensystem wieder eingeführt. Und gleichzeitig die Entsprechung einer Kartellbehörde für die Finanzmärkte eingeführt, die strikt darauf achtet, dass kein Marktteilnehmer mehr so gross wird, dass er alleine durch sein Gewicht die Marktpreise beeinflussen kann.

Ich habe das in Artikeln wie -> Bankenregulierung, ein einziges Kasperletheater <- oder -> Deutsche Bank zerschlagt sie endlich <- wiederholt thematisiert. Aber auf mich hört ja keiner.

Es fehlt unserer Politik an Mut und vor allem an Kompetenz und Durchblick, um sich nicht von den immer gleichen Angstgeschichten verunsichern zu lassen, mit denen das Grossbankensystem seine Existenz zu schützen versucht. Ich frage erneut, wo wären wir wohl aktuell, wenn die tausenden Milliarden der Notenbanken in den letzten 4 Jahren nicht in das Bankensystem, sondern direkt in die Realwirtschaft gekippt worden wären, in dem man die Grossbanken bewusst umgeht und kurzschliesst ? Und in dem man einfach die Konten mit den Gelddruckmaschinen der Notenbanken garantiert, statt die Lquidität in den schwarzen Löchern der Grossbanken zu versenken ?

Statt dessen wird an lächerlichen Placebos wie der Finanzmarkttransaktionssteuer herum gemacht, die genau diese Händler im Londoner Fixing nie treffen wird, dafür aber den normalen Bürger, der sich versucht am Aktienmarkt eine Altersversorgung aufzubauen.

Gerne wird ja auch von "linker" Seite immer dieses Märchen von den "wild gewordenen" Märkten erzählt, die man ja bändigen müsse. Die Wahrheit ist, wir haben gar keinen freien Finanz-Markt mehr. Wir haben nach meinem persönlichen Eindruck oligopolistische Marktstrukturen, die sich gegenseitig wie die Krähen kein Auge auskratzen. Und die mit dem Finanzbedarf der Staaten eine ungute Symbiose eingegangen sind. Man braucht sich gegenseitig und stützt sich so.

Und deshalb erleben wir alle diese Skandale und Exzesse. In einem freien Markt, in dem keiner zu viel Macht hat, wären diese Exzesse gar nicht möglich, der Wettbewerb würde sie unterbinden. Und wenn wir dieses Kernproblem nicht schnell angehen und das Grossbankensystem in kleinere Einzelteile zerlegen, zwischen denen Wettbewerb herrscht, wird die nächste grosse Krise mit Sicherheit kommen. Und die hat dann das Potential, unsere westliche, freiheitliche Gesellschaftsordnung komplett zu zerlegen.

Ist das ernsthaft ein Preis, den wir in der Zukunft zahlen wollen, nur weil wir heute mutlos und konzeptlos sind ?

Ich schreibe allen, die sich vom Grossbankensystem einreden lassen, wie "wichtig" integrierte Grossbanken seien, noch einmal ins Stammbuch:

Die Welt hat lange mit einem Trennbankensystem gut gelebt. Bis Bill Clinton 1999 den endgültig aufgehoben hat, der schon in den Jahren vorher, mehr und mehr durchlöchert wurde. Und nun schauen Sie mal, wie seit dem die Blasen in immer engeren Abständen wachsen und platzen. Glauben Sie wirklich, da sei keinerlei Zusammenhang ?

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Das Ungeheuer Devisenmarkt – Die wilden Swings des US Dollar

Viel wird über Aktien und Indizes geschrieben und wie oft wundern wir uns, wenn die Kurse plötzlich den Rückwärtsgang einlegen und in die Gegenrichtung laufen.

Manchmal verhalten wir uns dabei wie naive Urlauber, die am Strand sitzen und auf eine vermeintlich ruhige See schauen. Wir sehen die Möwen, die da geruhsam vor sich hin dümpeln, ahnen die Fische die unter der Oberfläche ihre Kreise ziehen und beobachten die friedliche Szene. Dann plötzlich kräuselt sich das Wasser und die Möwen fliegen auf. Ein Gurgeln ist hörbar und Wellen entstehen. Einen der Fische hat es scheinbar erwischt. Oder war es doch ein Taucher ? 😉 In jedem Fall war da etwas sehr Grosses, das aus den dunkleren Bereichen unter der Wasseroberfläche kam und offensichtlich auf Jagd ging. Wir Urlauber wollen lieber nicht darüber nachdenken, was das gewesen sein könnte, es könnte unseren ruhigen Schlaf stören ....

In den Märkten gibt es definitiv zwei so Ungeheuer, die weit grösser und mächtiger als der Aktienmarkt sind. Aber wie es sich für dunkle Ungeheuer gehört, sind diese in den populären Postillen eher weniger bekannt. Das eine Ungeheuer ist der Anleihenmarkt und das dieser Anzeichen grossen Stresses zeigt, haben wir hier ja schon anhand des ETFs der langlaufenden US Treasuries (TLT) im Detail besprochen. Die Implikationen dieses Stresses sind auf jeden Fall gewaltig und gehen bis in Existenzfragen von Währungen und Staaten hinein.

Das andere Ungeheuer ist aber noch grösser und noch mächtiger. Es ist grösser als alle anderen Märkte, auch grösser als der Anleihenmarkt und es bewegt am Tag 4 Billionen! USD - am Tag ! Es ist der grösste Finanzmarkt der Welt und dieses Ungeheuer hat mehrere Dompteure, mit denen es symbiotisch interagiert.

Das Ungeheuer ist der Devisenmarkt, der mit seinen Bewegungen weit mehr in den Aktienmärkten bewegt, als man ahnt, wenn man als Tourist am Strand sitzt und sich die Bewegungen der Möwen (= Kurse der Aktien) betrachtet. Und diese Dompteure sind die Notenbanken, wobei böse Zungen ja behaupten, dass diese neuerdings den gar nicht so gefährlichen Devisenmarkt erst zu einem richtigen Ungeheuer machen.

Wenn das Ungeheuer Devisenmarkt sich bewegt, werden sofort die Gewinne der Unternehmen massiv beeinflusst. Rohstoffe werden für den einen teurer und für die anderen weniger profitabel zu verkaufen. Gewinnmargen schrumpfen oder wachsen, Staatsschulden werden relativ grösser oder leichter abzubauen. Kaufkraft der Bürger steigt oder wächst. Wenn sich das Ungeheuer Devisenmarkt bewegt, schüttelt es die Welt durch.

Und das bedeutendste Körperteil des Ungeheuers ist die Weltleitwährung US Dollar. Und was der Dollar zuletzt für wahnsinnige Swings vollzogen hat, will ich Ihnen nun am Tageschart des US Dollar Index zeigen, der den Dollar im Verhältnis zu einem Korb anderer Währungen darstellt:

USD 10.07.13

Sie sehen den gigantischen "Megaphone Pattern" mit allerlei wichtigen Implikationen. Und Sie sehen, dass der US Dollar Index nun überkauft ist und bald (wahrscheinlich heute Abend zu den FOMC Minutes) die obere Begrenzung der Struktur erreichen wird.

Und falls Sie immer noch am Strand sitzen und glauben, dass das ja alles keine Bedeutung hätte, dann habe ich Ihnen unten mit einem dicken blauen Pfeil den Tag und Abend eingezeichnet, an dem Ben Bernanke seine "Tapering" Gedanken in den Markt gab. Es war der 19.06. und ich war zu dem Zeitpunkt im Urlaub.

Noch Fragen ? 😉

Achja, heute Abend nach US Börsenschluss redet der gute Ben wieder - siehe der kleine blaue Pfeil oben. 🙂 Noch jemand der Meinung, das sei eher unwichtig ? 😉

Ich hoffe ich konnte per "Schockeffekt" klar machen, welche Bedeutung die Bewegungen am Devisenmarkt auch für die Aktienmärkte haben. Und wie wenig man begreift, wenn man nur die Wasseroberfläche des Aktienmarktes betrachtet.

Im Detail gibt es dazu natürlich viel zu sagen und viel zu verstehen und lernen, das würde aber so einen Blogpost weit übersteigen. Diesen Zusammenhängen widmen wir uns aber immer wieder im Premium-Bereich von sumerdigital, neben vielen anderen aktuellen Themen auch, jeden Tag mit vielfachen Tips, Tricks, Links und Meinungen.

Wenn Sie verstehen wollen, wie die Märkte wirklich funktionieren, sollten Sie sich mal mit diesem Blog und seinen Angeboten befassen. Wenn Sie dagegen weiter "heisse Tips" zu Möwen an der Wasseroberfläche suchen, die sie ohne intellektuelle Energie einfach konsumieren können, sind sie hier aber an der falschen Stelle.

Glauben Sie bitte nur nicht, dass man reich werden kann, wenn man nur die Oberfläche wahrnimmt ..... 😉

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***