Marktupdate – zur Technik eines „Runaway Move“

Mit seiner dynamischen Bewegung über 6600 im DAX, hat der Markt heute die Wahrscheinlichkeit meines -> hier <- skizzierten Szenarios (1) weiter erhöht, die Möglichkeit eines Runaway-Move im DAX sollte man nun sehr ernsthaft in Erwägung ziehen ! Zwar sieht dieser Ausbruch über 6600 kurzfristig eher nach einem kleinen Top im DAX aus und ich rechne eher damit, dass der Markt nun noch einmal Luft holt, die Dynamik der Bewegung ist aber nun so hoch, dass es durchaus bald weiter nach oben gehen könnte.

Leider ist ein solcher "Runaway-Move" keineswegs so positiv, wie sich das auf den ersten Blick anhört. Denn auch für die Bullen unter uns ist es sehr schwierig, eine solche Bewegung erfolgreich mitzugehen. Denn leider ist in so einer Phase das normale Schwingen des Marktes zwischen einem "überkauften" und "überverkauften" Marktzustand völlig ausser Kraft gesetzt. Und damit verliert die Kursentwicklung jede Berechenbarkeit. Denn der Druck durch frisches Geld von der Seite ist so hoch, dass es kaum noch zu relevanten Korrekturen kommt. Und wenn, dann dauern diese gerade mal einen Tag, danach wird wieder aggressiv gekauft. So füttert die Hausse sich selbst und am Ende rennt alles in den Markt, weil es scheinbar nur noch nach oben geht.

Das Ende einer solchen Bewegung ist aber leider zu oft ein kleiner Crash und das Problem dabei ist: wann der kommt ist nicht wirklich vorhersagbar, da Marktzyklen und Sentimentanalyse in so einer Bewegung ausser Kraft gesetzt sind. Wer aber den bewährten Methoden von Zyklen und Sentiment folgt, wird bei einem Runaway-Move garantiert viel zu früh aussteigen und den Hauptteil der Bewegung nach oben verpassen.

Grund genug, dass wir uns deshalb mal am Beispiel anschauen sollten, was so ein "Runaway-Move" wirklich bedeutet. Glücklicherweise haben wir perfekten Anschauungs-Untericht bei der Kursentwicklung von Silber im letzten Frühjahr:

Wie Sie sehen, startete Silber die Bewegung im Januar 2011 bei gut 25USD um 3 Monate später im April 2011 bei fast 50USD zu toppen - eine Verdoppelung in nur 3 Monaten ! Danach folgte ein crashartiger Absturz bis fast 30 USD.

Schaut man sich den Chart genau an, lassen sich daraus für mich die folgenden Lehren ziehen:

1. Wer den klassischen Methoden der Markttechnik gefolgt war, hat den Markt schon nach einem Monat bei ca. 33 USD verlassen, weil Silber da schon überkauft war. Und hat damit den Schwerpunkt der Bewegung verpasst. Bitte beachten Sie, dass rein vom Zeitablauf her, dieser Moment im Februar 2011 mehr oder weniger dem heutigen Ablauf der Rally entspricht. Es waren gerade mal ein guter Monat vergangen. Das heisst keineswegs, dass die Bewegung aktuell genau so laufen muss. Ich will nur klarmachen, dass eine solche Bewegung meistens länger andauert als man denkt.

2. Wer einmal rausgeflogen war, dem gab der Markt keine Chance via signifikantem Rücksetzer wieder aufspringen zu können. Selbst wer die Korrektur im Februar richtig getimed hatte und bei vielleicht 33 USD abgesprungen war, kam später nicht mehr zu besseren Kursen an Bord.

3. Gegen Ende der Bewegung gab es eine Art Kaufpanik, die sich an der Beschleunigung des Anstiegs nachvollziehen lässt. Auch diese Kaufpanik dauerte Wochen und damit länger als sich die meisten vorstellen konnten.

4. Das Top wurde genau dort markiert, wo der Markt nach einem kurzen Rücksetzer nicht mehr in der Lage war, kurz danach neue Höchststände zu erreichen.

5. Wer beim Top nicht in Windeseile aus dem Markt war, hat in kürzester Zeit fast seine gesamten Gewinne wieder verloren.

Was ich daraus lerne:

-> Der Versuch das Ende der Bewegung vorher zu ahnen wird scheitern und man wird zu früh aussteigen.
-> Sich keine Gedanken zu machen und einfach mitzulaufen führt zwangsläufig dazu, dass man seine Gewinne wieder abgibt.

Die einzige für mich sichtbare Lösung aus so einem Dilemma ist daher:
Stur und ohne langes Grübeln mit einem Trailing Stop agieren !

Ein Trailing Stop ist ein Stop, der jeden Tag nachgezogen wird, so dass der Abstand zum Kurs immer gleich bleibt. Entscheidend ist dabei, den Abstand so zu wählen, dass man durch die normalen Korrekturen nicht ausgestoppt wird.

Würden wir dazu die Korrektur von gestern im DAX als Massstab nehmen, hatten wir Intraday eine Bewegung von 120 DAX Punkte nach unten. Mit Sicherheitsspielraum könnte man also aktuell vielleicht 150 DAX Punkte Abstand wählen und dann hoffen, dass einen ein Runaway-Move in so luftige Höhen zieht, dass die 150 Punkte oder 2,5% potentieller Verlust nicht ins Gewicht fallen.

Auch diese Taktik ist keine Garantie für Erfolg, denn Mr. Market fällt dann sicher gerne mal 152 Punkte bevor er zu neuen Höchstständen aufbricht, diesem hinterhältigen Kerl ist das allemal zuzutrauen. 😉 Aber eine brauchbare Strategie ist es trotzdem und nach meiner Erfahrung allemal besser als nach "Bauchgefühl" irgendwas zu machen. Denn so erwischt man einen Runaway-Move garantiert nicht, der Bauch sagt einem viel zu früh: raus, raus !

Soweit ein paar hoffentlich hilfreiche Gedanken zu solchen Marktbewegungen. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, die Möglichkeit eines solchen "Runaway-Move" ist nun durchaus vorhanden, garantiert ist das aber keinesfalls ! Alle drei von mir genannten Szenarien sind nach wie vor möglich, auch wenn sich die Wahrscheinlichkeiten nun weiter Richtung Szenario (1) verschoben haben.

Betrachten Sie obigen Vergleich mit Silber 2011 also bitte nicht als Vorlage wie es nun im Markt weitergeht, ich garantiere Ihnen, es kommt nicht genau so, bestenfalls ähnlich !

Aber ich finde man kann sich anhand des Beispiels klar machen, wie man im Falle des Falles bei einer solchen Bewegung agieren sollte und welche Fallstricke auf dem Weg lauern.

Und eine Wahrheit sollte man aus dem Beispiel Silber in jedem Fall mitnehmen: selbst wenn wir jetzt noch wochenlang im DAX hoch laufen und vielleicht sogar die 7000er Marke erreichen, wir werden dann definitiv im ersten oder zweiten Quartal einen scharfen Einbruch erleben. Bei aller positiven Stimmung ist nun also nicht die Zeit um gedankenlos dem Markt hinterher zu laufen ! Es ist aber auch nicht die Zeit um sich nur aus Bauchgefühl gegen den Markt zu stellen !

Bleiben Sie also geduldig und wachsam. In diesem Sinne wünsche ich erfolgreiches Handeln.

Marktupdate – 27.01.12 – Griechische Defensive übers Wochenende

Ich stelle mich beim DAX Niveau 6550 nun über das Wochenende etwas defensiver auf. Grund ist, dass das Thema Griechland möglicherweise nächste Woche zur Entscheidung kommt. Nachdem was man liest, soll der Bericht der Troika am Montag beim EU Gipfel zwar noch nicht vorliegen, informell wissen aber bestimmt alle schon was darin stehen wird.

Für mich sieht die Nachrichten-Lage nun so aus, als ob die richtige Pleite endlich vollzogen wird. Die Signale aus der Politik sprechen für mich dafür. Möglicherweise tritt Griechenland auch "freiwillig" aus dem Euro aus, wobei das Wort "freiwillig" dann sicher durch allerlei milliardenschwere Kompensationsgeschäfte "motiviert" wurde. Aber wie auch immer, ich glaube das Thema ist auf der Zielgeraden und eigentlich weiss jeder, dass ein Schuldenschnitt mit "weiter so" nichts wirklich ändert, selbst wenn es 70% wären. Griechenland braucht schlicht eine viel weichere Währung, anders kommt das Land in meinen Augen nicht auf die Beine. Mit dem Euro ist Griechenland nicht wettbewerbsfähig und ich sehe ehrlich nicht, wie sich das in absehbarer Zeit ändern soll, dafür liegen zu viele grundlegende Dinge im Argen.

Mr. Market sieht das ganze mittlerweile ziemlich gelassen, weil er in meinen Augen zurecht davon ausgeht, dass die Staaten und Banken nun genügend Zeit hatten sich auf den Fall X vorzubereiten. Zu einem völlig ungeordneten Zusammenbruch wird es also wohl nicht kommen. Zu einem formalen "Default" mit entsprechenden Effekten bei den CDS aber möglicherweise schon. Und wenn doch ein Lösung im Konsens erarbeitet wird die den formalen Default vermeidet, wird das Mr. Market um so mehr mögen.

Trotz dieser berechtigten Gelassenheit, würde ein Default den Markt wohl kurzfristig durchschütteln. Denn Unsicherheiten gibt es auch bei der besten Vorbereitung. Wenn man dann noch bedenkt wo wir aktuell notieren und wie weit wir schon gelaufen sind, sehe ich keinen Grund das Risiko über das Wochenende zu nehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass uns der Markt bis Montag massiv nach oben wegläuft ist für mich auf dem Niveau von DAX 6550 gering. Das politische Risiko übers Wochenende ist dagegen hoch.

Das ändert nichts an meiner grundlegend positiven, mittelfristigen Marktsicht und sollte Griechenland tatsächlich in den Default gehen, wäre die kurze Phase der Verunsicherung für mich möglicherweise sogar eine Kaufgelegenheit. Aber ich sehe wenig Grund mich nun über dieses Wochenende übermässig zu exponieren. Und wenn wir nun bis Montag ein bischen nach oben verpassen sollten, war das die Sicherheit in meinen Augen wert.

Am Montag werde ich die Lage dann ganz in Ruhe neu bewerten.

Haris Märkte am Abend – 25.01.12 – Déjà-vu

21 Uhr, 1 Stunde vor Handelsschluss.

Déjà-vu, der Markt macht heute wieder das gleiche wie gestern - Intraday Schwäche, die aber wieder bei ca. DAX 6360 gekauft wird. In Anbetracht von über 20 Tagen Anstieg ist das eine bemerkenswerte Stärke.

Nachdem es den Bären auch mit dem heutigen Tag nicht gelungen ist den Markt zu drehen, steigt für mich nun langsam die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste grosse Sprung demnächst wieder nach oben geht. Denn wie ich schon vor ein paar Tagen schrieb, eine überkaufte Markttechnik kann ein Bullenmarkt durch ein kurze, scharfe Korrektur oder eben durch eine etwas längere Seitwärtsbewegung abbauen. Die Wahrscheinlichkeit steigt nun in meinen Augen, dass wir letzteres gerade erleben.

Trotzdem gibt es keinen Grund die Strategie der "vorsichtigen Offensive" zu ändern, denn ich rede hier über eine langsame Verschiebung von Wahrscheinlichkeiten um einige Prozentpunkte, nicht mehr aber auch nicht weniger. Die weitergehende Korrektur bleibt weiter möglich, die Wahrscheinlichkeit sinkt aber nun mit jedem Tag der Konsolidierung.

Mein in die Zukunft gerichteter Blick orientiert sich nun deshalb wieder stärker nach oben. Denn mit etwas Phantasie kann man sogar eine inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation im DAX der letzten Tage ausmachen. Und mit ca. DAX 6330 haben wir eine wunderbare Stopmarke, die nicht durchschlagen werden sollte, falls die Theorie der Seitwärtskonsolidierung richtig ist. Umgedreht kann man den Chart natürlich auch als multiplen Top interpretieren, ich neige aufgrund der beeindruckende Stärke des Marktes aber eher zur bullishen Interpretation des Preisverhaltens. Und wenn sich das bestätigt, definiert die inverse SKS Formation ein Kursziel von ca. DAX 6580. Der Chart des DAX ist von ca. 20.30 Uhr.

Die nächsten Tage werden es zeigen wohin die Reise geht, einen Stop für seine Long-Positionen nun aber in den Bereich um DAX 6330 zu legen und somit nur noch geringe Abwärtsrisiken zu haben, hat in meinen Augen viel Logik. Sollte der Ausbruch nach oben in den nächsten Tagen kommen, werde ich aber nicht zu schnell abspringen, sondern den Markt zumindest bis in den Bereich um DAX 6600 laufen lassen.

Nur ein Thema muss ich heute noch explizit erwähnen - Gold ! Sie erinnern sich an die Abwärtstrendlinie, die ich vor zwei Wochen -> hier <- gezogen hatte ? Die hat Gold nun überraschend mit einer gewaltigen Bewegung innerhalb Minuten nach oben durchbrochen ! Und wenn sich das Morgen bestätigt - diese Bestätigung ist extrem wichtig um Fehlsignale auszuschliessen - dann könnte das ein signifikanter Ausbruch sein !

Denn Auslöser der plötzlichen Stärke ist heute wohl mal wieder die FED, die heute bekannt gibt, dass die Zinsen bis mindestens Ende 2014 niedrig bleiben, weil das Wachstum der US Wirtschaft wohl auf Sicht schwach bleibt. Der Markt interpretiert das als Signal der FED, dass ein erneutes "Quantitatives Easing" (= Gelddrucken) kurz bevor steht. Deshalb geht der Goldpreis durch die Decke, denn Gelddrucken bedeutet Abwertung des Papiergeldes und damit Vorteil für die ultimative Währung : Gold. Schauen Sie sich diesen beeindruckenden Gold Chart von 20.55 Uhr an, dann wissen Sie was heute Sache war.

Es muss sich keiner einbilden, dass man so etwas vorhersagen kann, denn diese Bewegung hängt alleine an den Lippenbewegungen von Ben Bernanke. Aber man muss das auch nicht vorhersehen, man muss es aber ganz schnell ernst nehmen und sich adaptieren. Und mit diesem Blog Eintrag haben Sie die Chance dazu. Denn wenn sich das Morgen bestätigt - die Bestätigung ist wichtig - dann ist das für mich ein Signal das über Gold hinaus geht. Das bedeutet für mich erweiterte Liquiditätsschwemme und damit Bullenmarkt für harte Assets. Und alle harten Assetklassen, besonders die Rohstoffe, werden dann nach oben getrieben. Schauen Sie alleine, was heute mit der Barrick Gold (WKN 870450) passiert, die ist aktuell für so einen Bluechip gewaltige 5,5% im Plus ! Damit bekommen Sie eine Ahnung, was da möglich ist, sollte sich die Geldschwemme durch ein QE3 bewahrheiten.

Auf den ganzen Rohstoff-Sektor würde ich jetzt also ganz genau schauen !

Fazit: Ich bleibe zwar vorsichtig und nach unten abgesichert, aber das Blatt der Bären wird nun schwächer. Die Bären hatten ihre Chance und vielleicht haben Sie Morgen im Sinne "Sell the News" noch eine. Spätestens dann sehe ich ihre Zeit aber wohl fürs erste abgelaufen und der Markt könnte dann nach meiner Einschätzung wieder nach oben drehen !

Gute Nacht allerseits !

Marktupdate – 23.01.12 – Kaum Sorge um Griechenland

Wieviel dem Markt die Sorgen um Griechenlands Exitus noch wert sind, konnte man heute schön beobachten: nicht mal mehr ein Prozent, denn im Vorfeld der Entscheidung fiel der DAX "zur Sicherheit" gerade mal bis 6360.

Nach der Nachricht der wahrscheinlichen Einigung ging es dann bis 6460 in der Spitze hoch, um danach wieder etwas zu bröseln. In Summe ist also nicht wirklich viel passiert am Markt. Auf jeden Fall kein Vergleich zu Ausschlägen in 2011 bei ähnlicher Situation.

Was sagt uns aus meiner Sicht nun dieses Marktverhalten:

1. Eine Lösung für Griechenland ist scheinbar eingepreist und der Markt geht fest von dieser Lösung aus - ohne katastrophale Verwerfungen in der Euro-Zone oder bei den Banken. Damit ist aus dieser Ecke kaum noch Upside für den Markt vorhanden, bei einer überraschenden und verstörenden Nachricht aber um so mehr Downside.

2. Jeder Dip wird weiterhin für Käufe genutzt. Und es sieht danach aus, als ob das noch weitergehen könnte. Denn viele stehen unterinvestiert an der Seitenlinie. Sobald das aber einmal aufhört, dürfte die Korrektur um so schärfer werden, je länger diese Aufwärtsbewegung ohne Korrektur läuft. Die "Gummiband-Theorie" ist an den Märkten nach wie vor gültig !

Fazit:

Es kann gut sein, dass der DAX in den nächsten Tagen noch weiter hochschiebt und auch die 6600 schnell erobert. Die Markttechnik spricht durchaus dafür, denn es gibt bisher keinerlei Anzeichen, dass die Bullen aufgeben würden. Und das muss man unbedingt respektieren.

Auch aus Sicht des S&P 500 spricht einiges dafür, dass dieser noch die 1336 erobert, was einer weiteren Bewegung von 2% nach oben entspricht, die man im DAX wohl auf 3% und ca. DAX 6600 übersetzen könnte.

Das schon jetzt grosse Risiko einer scharfen Korrektur steigt aber nun weiter und jeder sollte sich nun überlegen, wieviel Risiko er sich selber aussetzen will. Meine persönliche Konsequenz aus dieser Gemengelage lautet: Short definitiv NEIN ! Teilgewinne mitnehmen und absichern definitiv JA !

Gastkommentar – Das “Big Picture” des Marktes – von „Tokay“

Liebe Leser,

wenn ich umfangreiche Kommentare von Ihnen sehe, die vom Inhalt her auch ein Artikel sein könnten und für alle interessant sind, werde ich Sie möglicherweise ansprechen, ob Sie den Kommentar nicht als Artikel veröffentlichen wollen. So geschehen heute bei "Tokay" und hier finden Sie also nun den ersten von einem Leser geschriebenen Artikel auf sumerdigital. Diese Artikel sind später dann in der Kategorie "Gastkommentare" aufzufinden, der Autor erscheint jeweils oben in der Titelzeile und ist so eindeutig zu erkennen.

Natürlich sind auch Sie herzlich eingeladen, von sich aus mit einem Vorschlag für eine Veröffentlichung an mich heran zu treten.

Viel Spass beim lesen wünscht Ihr Hari

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Hallo zusammen, Hallo Hari,

ich hab mich “vorsichtshalber” auch bei Deinem Blog angemeldet, weil mich die ganzen Diskussionen/Beiträge natürlich schon interessieren, diese aus meiner Sicht auch ein recht gutes Niveau haben und ich hoffe, daß das auch weiterhin so sein wird und nicht etwa in “Schlammschlachten” ausartet.

Jetzt zu Deinem gestrigen Eintrag zur Markteinschätzung bzw. zum “Big Picture”, meine Sichtweise ist recht ähnlich. Ich sehe den Markt an einem Indifferenzpunkt, wo die Seitwärtsbewegung die seit dem Herbst 2011 stattfindet, möglicherweise endet und andererseits ein neuer Bullenmarkt im Entstehen begriffen ist. Man weiß es nicht so genau(wie immer erst hinterher…;-))

Wenn man so die Jahresausblicke der Banken liest, so ist der Grundtenor ein verhalten optimistischer. Dies ist zunächst etwas paradox, denn die Gewinnerwartungen für 2012 werden eher nach unten korrigiert werden müssen, und Zinssenkungspotential besteht auch kaum welches. Diese beiden Faktoren sind ja üblicherweise die Haupttreiber der Entwicklung am Aktienmarkt.

Auf der anderen Seite waren die Risikoprämien bedingt durch die weiterhin andauende Eurokrise in 2011 historisch sehr hoch. Für 2011/2012 errechnet sich ein aktuelles DAX-KGV von ca. 10, somit eine Gewinnrendite von 10%. Der historische Durchschnitt liegt wohl bei etwa 15 bzw. 6,5 %. Somit wäre unter sonst gleichbleibenden Umständen ein höhere Bewertung gerechtfertigt. Die ungünstigen Einflüße bei Unternehmensgewinnen und Zinsen würden dies nur abschwächen, aber nicht umkehren. Da die Politik der EZB in nächster Zeit weiterhin expansiv sein wird(wenn man Herrn Draghi Glauben schenken darf), hält sich das Zinserhöhungsrisiko doch sehr in Grenzen. Es besteht außerdem die Aussicht, daß die Mini-Rezession in 2012 die deutschen Unternehmen nicht so schwer trifft wie befürchtet und die Lage in den BRIC-Staaten sich zügig bessern wird. Wenn China mit knapp 9 % eine Wachstumsabflachung zu verzeichnen hat, so ist das etwas, womit die deutschen Exporteure wohl gut leben können. Ein DAX-Ziel von 6500-7000 wäre damit keineswegs illusorisch.

Risiken wären andereseits insbesondere dann vorhanden, wenn es mit der Eurokrise nicht vorangeht, insbesondere bei Griechenland. Jedoch bei Spanien und Italien ist deutliche Besserung eingetreten, in Italien insbesondere, seit dem dort nicht mehr “Bunga-Bunga”das Hauptthema ist. Auch die Situation im persischen Golf könnte sich noch zuspitzen und die Kurse nach unten drücken. Das ist zwar nicht auszuschließen, aber auch nicht besonders wahrscheinlich, denn da würde sich der Iran letztlich ins eigene Fleisch schneiden(oder womit will man dort seine ausländischen Rechnungen bezahlen, wenn nicht mit Öl?).

Und was könnte das konkret bedeuten? Nun, eine Reihe von Titeln ist in den letzten Wochen sehr gut(zu gut?) gelaufen. Vielleicht steckt momentan bei einigen Aktien etwas zu viel Euphorie drin. Dennoch könnte man meinen, daß der Markt im Prinzip nach oben will, und Rücksetzer dann eher eine Gelegenheit wären, zuzukaufen. Außerdem ist generell, und dies kommt in dem DAX-KGV von 10 ja zum Ausdruck, die allgemeine Risikoscheu noch immer sehr hoch. Ein Kursanstieg auf lange Sicht wäre so gesehen eigentlich nichts anderes als eine Normalisierung der Verhältnisse. Ob man dies jetzt ausnutzt und sogleich verkauft oder den positiven Trend laufen lässt – ich weiß auch nicht, was das bessere ist. Aber nachdem jetzt die letzten 12 Monate so bescheiden gelaufen ist, wäre es vielleicht etwas voreilig, bei der ersten Aufhellung gleich wieder zu verkaufen. Sollte diese Aufhellung allerdings nicht von Dauer sein, und das muß man ja immerhin trotz allem als Möglichkeit in Betracht ziehen, dann muß man überlegen, die Euphoriegewinne glattzustellen. Vielleicht ist es auch ganz gut, wenn diesbezüglich etwas Unsischerheit herrscht, denn ansonsten wären ja wieder alle in großem Stil auf der Käuferseite.

Allen ein schönes Wochenende,
Tokay

Haris Märkte am Abend – 20.01.12 – Wochenabschluss

Wie kann ein Bullen-Markt eine überkaufte Markttechnik abbauen ? Auf zwei Arten, entweder durch eine kurze, scharfe Korrektur oder durch eine etwas längere Seitwärts-Konsolidierung.

Und auch wenn Sie es heute vielleicht nicht bemerkt haben, weil der DAX nach wie vor um die 6400 schwankt: wir hatten heute eine Konsolidierung und in einigen Aktien auch eine kleine Korrektur. Gerade gut gelaufene Titel sind heute 1-2% Intraday zurück gekommen.

So hatte Salzgitter (WKN 620200) heute Intraday ein Tief von 44,6€ - gar nicht so weit weg von den gestern genannten 44€, Daimler (WKN 710000) war kurz bei 40,6€, Klöckner (WKN KC0100) bei 11,6€ usw. Das war heute eine kleine Korrektur bzw. Konsolidierung, die aber sofort wieder gekauft wurde. Besonders bemerkenswert ist die Stabilität des Marktes, wenn man berücksichtigt dass die Griechenland-Problematik nun auf die Zielgerade zu steuert und heute mit General Electric (WKN 851144) ein echtes Schwergewicht nicht gerade berauschende Quartalszahlen vorgelegt hat.

Und jetzt habe ich eine irritierende Nachricht für alle, die noch an der Seitenlinie sind: es ist für mich nicht ausgeschlossen, dass das heute im DAX schon die antizipierte (Mini-) Korrektur war und mehr kurzfristig nicht kommt. Das ist ausdrücklich nur eine Möglichkeit und für mich nicht die wahrscheinlichste, ich halte eine etwas umfassendere Korrektur nach wie vor für wahrscheinlicher. Aber man sollte sich dieser Möglichkeit bewusst sein. Ich würde den Anfang kommender Woche vielleicht noch abwarten, aber wenn wir auch dann nur leicht konsolidieren und jeder kleine Rückgang sofort wieder gekauft wird, dann steigt für mich die Wahrscheinlichkeit, dass die Reise schon nächste Woche Richtung DAX 6600 weiter hoch geht. So ist das halt am Beginn von Bullenmärkten, wenn die Bewegung nach oben einmal richtig in Gang ist, dann sorgt das Geld von der Seitenlienie dafür, dass Korrekturen nur klein ausfallen.

Vielleicht noch einen Tip für die, die jetzt an der Seitenlinie stehen, sich ärgern und überlegen ob sie nun noch aufspringen sollen: lösen Sie sich schnell von dem Ärger und dem Gefühl, dass Ihnen etwas weg gelaufen ist oder Sie etwas verpasst haben ! Denn dieses Gefühl paralysiert Sie. Und die Vergangenheit können Sie nicht mehr ändern, die Zukunft aber schon ! Schauen Sie sich also lieber die Kurse Ihrer Lieblings-Aktien mit einem längerfristigen Blickwinkel an. Nehmen wir mal Klöckner als Beispiel:

Und jetzt sagen Sie mir, wenn Sie davon ausgehen, dass der Markt nun vor einer längeren Erholungsbewegung steht und wenn Sie daran glauben, dass die Eurokrise dieses Jahr überwunden wird, macht es dann wirklich einen riesigen Unterschied ob Sie Klöckner bei 11,5 oder 10,5 gekauft haben ? Wäre es nicht viel schlimmer Ende des Jahres zu sehen wie Klöckner vielleicht theoretisch bei 20 € steht und Sie nicht dabei waren, weil Sie sich wegen ein paar verpasster Prozent geärgert haben ?

Ich will Sie damit keinesfalls in Klöckner treiben, das ist nur ein Beispiel weil der Chart so eindrucksvoll ist, und vielleicht ist Klöckner am Montag doch 4% tiefer. Denn wer sieht wo der RSI im Moment bei Klöckner steht, muss eigentlich erst eine Korrektur abwarten. Ich will Ihnen mit diesem Beispiel nur eine andere Perspektive geben. Denn falls der Markt so stark bleibt wie aktuell, dann bietet er noch unzählige Chancen für grosse Gewinne, verpasst haben Sie dann wenig !

Nächste Woche wird auf jeden Fall der ultimative Test für die Bullen kommen. Überkaufte Markttechnik trifft auf Pleite-Griechen sozusagen 😉 Wenn das den Markt auch nicht aus der Spur bringen kann, dann dürfte man wohl mit Fug und Recht einen neuen Bullenmarkt 2012 ausrufen !

Abschliessend möchte ich Sie - ohne weitere Analyse oder Charts - mit ein paar Aktien abseits der deutschen Standardwerte auf Ideen bringen. Vielleicht ist da ja Ihr persönlicher Gewinner des Jahres 2012 dabei. Schauen Sie sich die Aktien genau an und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Über Kommentare, Meinungen und Analysen zu diesen Aktien freue ich mich, ebenso wie wahrscheinlich die anderen Leser.

1. Cree (WKN 891466) der Marktführer für LEDs, wurde im letzten Jahr brutal verprügelt, weil der Markt unter Preisdruck und Überkapazitäten litt. Nun ist seit einigen Tagen massiv Bewegung in den Kurs gekommen und Cree steigt 3-5% pro Tag.

2. Wenig überraschend zeigt natürlich auch Aixtron (WKN A0WMPJ) entsprechende Lebenszeichen, kein Wunder wenn der Marktführer zu laufen beginnt.

3. An ST Microelectronics (WKN 893438) den europäischen Marktführer für Spezialchips, möchte ich erneut erinnern. Wo finden man schon eine Tech-Aktie mit grossem Upside und 5% Dividenden-Rendite ?

4. Für die defensiveren Anleger unter uns bietet Hamborner Reit (WKN 601300) aus meiner Sicht nicht nur fast 7% Dividendenrendite, sondern hat scheinbar auch eine Bilanz mit einer Eigenkapitalquote von über 50% und als Sahnehäubchen einen Chart, der gerade nach oben dreht.

5. Und zu guter Letzt bietet die von mir ->hier<- schon vorgestellte Qiagen (WKN 901626) in meinen Augen ein gutes Management, attraktive Wachstumsaussichten in einem Segment, das von Finanzkrisen wenig betroffen ist und einen herrlich aussehenden, nach oben strebenden Chart.

Ich wünsche Ihnen ein schönes, erholsames Wochenende. Auf Fragen oder Kommentare reagiere ich auch am Wochenende, der nächste Artikel von mir erscheint kommenden Montag.

Haris Märkte am Abend – 19.01.12 – Der Bulle ist los !

Heute Abend mache ich es kurz. Denn alles ist schon gesagt. Der DAX marschiert in Folge der Wallstreet über 6400 und nun wird es für alle an der Seitenlinie (oder noch schlimmer Short) ganz schmerzhaft. Diese werden nun gezwungen in den Markt zu springen und das befeuert die Rally zusätzlich. Sobald dieses additive Feuer abgebrannt ist, wird es aber kurzfristig gefährlich !

Denn um die Rally mal in eine Perspektive zu bringen, im S&P 500 haben wir nun den 20. Rally-Tag hintereinander und die beste Januar Performance seit 1987 ! Niemand sollte glauben, dass das so ewig weiter geht. Aber nach der Geburt eines neuen Bullenmarktes sieht es sehr wohl aus und das alleine ist nach dem nervenzerfetzenden Jahr 2o11 einfach ein Genuss !

Aktie des Tages war heute natürlich die Commerzbank (WKN 803200). Dazu ist auf vielen Websites alles erschöpfend gesagt, so dass ich dem nichts Intelligentes hinzu zu fügen habe. Nur einen Satz der persönliche Wertung des heutigen Geschehens noch: Wenn man davon überzeugt ist, dass die Commerzbank ihr Eigenkapital Problem nun nachhaltig gelöst hat und nun wieder nach vorne aufs operative Geschäfts schauen kann, dann ist ein Kurs von 1,6€ und ein Plus von über 10% heute gar nichts und aus mittelfristiger Perspektive völlig egal, ob man bei 1,4 oder 1,6 eingestiegen ist.

Ansonsten gab es unter der Decke der positiv ausschauenden Indizes bei einigen Einzelaktien schon deutliche Konsolidierungsbewegungen, im DAX sei nur Deutsche Post, Bayer, Daimler oder SAP erwähnt. Diese Konsolidierungen wurden aber unter dem Druck der Bullen Intraday negiert oder fielen sehr verhalten aus. Aber ich vermute, ohne die Bewegung der Commerzbank, die mit Allianz und Deutscher Bank zwei DAX Schwergewichte mitgezogen hat, hätten wir heute möglicherweise leicht im Minus geschlossen. Insofern merkt man schon, dass wir uns nun im überkauften Zustand befinden und die Luft nach oben dünner wird.

Auch der heutige Tag hat aber wieder bestätigt, dass die Rally vor allem vom klassischen Industriesektor getragen wird, was ich als äusserst gesund betrachte und Hoffnung auf einen nachhaltigen Aufschwung macht. Beispielhaft will ich Ihnen dafür heute mal den Chart des Stahlproduzenten Salzgitter (WKN 620200) zeigen. Dieser Chart ist eine wahre Schönheit, das "W" ist perfekt ausgebildet und wenn es alleine nach dem Chart gehen würde, müsste man aus meiner Sicht erwarten: demnächst eine kleine Korrektur bis zum Oktober-Hoch bei ca. 44€ und dann ein Kursziel bei 55€.

Derartige Charts gibt es aber einige im Moment und Salzgitter ist nur ein Beispiel. Und deshalb hat der neue Bulle auch noch jede Menge Platz um schnaubend los zu rennen. Wir haben jetzt über ein Jahr geschwitzt und gelitten um endlich wieder solche Setups zu haben wie bei Salzgitter, da möchte ich solche Gelegenheiten nicht ungenutzt an mir vorbei ziehen lassen. Ich selber bin aktuell Long Salzgitter, habe nun bei der einen Hälfte die Gewinne mitgenommen, die andere Hälfte halte ich. Sollte der Kurs bis ca. 44 zurück kommen, kaufe ich die zweite Hälfte der Position voraussichtlich wieder zu.

Sehr schwach sieht für mich Gold aus, das selbst bei fallendem Dollar nicht vom Fleck kommt. Ich möchte in dem Zusammenhang an meine ->hier<- geäusserte Warnung erinnern, die für mich aktueller denn je ist. Gold wird garantiert wieder seine Zeit haben, ich vermute schon im zweiten Halbjahr. Aber im Moment sollte man wohl vor allem die klassische Industrie nach oben reiten !

So weit so gut für Heute, geniessen Sie den wilden Ritt ! So stark wie der Druck nun ist, kann das durchaus noch etwas weiter gehen. Aber überlegen Sie sich bitte nun genau die Stelle, an der Sie dann auch mal schnell abspringen können !

PS: 22.39 Uhr, Update zu den Q4 Zahlen der Schwergewichte IBM, Google, Microsoft und In Alle liefern gute Zahlen im Rahmen der Erwartungen oder darüber. Alle sind nachbörslich im Plus, ausser Google, das nachbörslich fast 9% abstürzt. Das liegt aber nicht an schlechten Zahlen, sondern an der überraschenden Bekanntgabe, dass der seit mehr als 10 Jahren erfolgreiche CEO Eric Schmidt aufhört. Das ist aber ein singulärer Google-Effekt und wird keinen Einfluss auf den Markt haben. Aus Sicht der Zahlen dieser Schwergewichte, steht also einer Fortsetzung der Rally nichts im Wege.

Marktupdate – 19.01.12 – Der Druck steigt

Kurzes Marktupdate 10 Uhr. Der Markt verweigert sich bisher jedem Korrekturansatz.

Damit steigt der Druck auf alle die, die noch in der Denke des zweiten Halbjahres 2011 gefangen sind und geglaubt hatten, den Markt auf diesem Niveau nun shorten zu müssen. Oder die gar nicht investiert sind und an der Seitenlinie auf niedrigere Kurse warten.

Wenn wir also heute oder morgen - zb in Folge guter Quartalszahlen von IBM und Co. - deutlich über DAX 6400 hinaus laufen, kann das zu einem erheblichen Schub führen und wir ganz schnell nochmal um 100 Punkte oder mehr nach oben laufen. Dann kommt die Korrektur danach um so schmerzhafter, nachdem alle ihre Absicherungen aufgelöst und auf den Zug gesprungen sind. Das wäre typisch Mr. Market und würde mich nicht überraschen.

Umgedreht, sollte eine Korrektur jetzt doch in Kürze kommen, werden alle an der Seitenlinie das wohl schnell zum Einstieg nutzen und so das Downside begrenzen.

Nun ist also in meinen Augen Disziplin und eine ruhige Hand gefragt: Die Disziplin dem Drang zu widerstehen, diesen Markt nach der Logik letzten Jahres zu shorten. Und die Disziplin bei einem emotionalen Ausbruch nach oben nicht in Euphorie zu verfallen. Verhaltene, vorsichtige Offensive ist für mich persönlich weiter das Gebot der Stunde.

Denn wir wissen alle den nächsten Zug von Mr. Market nicht. Wir wissen aber, lassen wir uns emotional mitreissen, werden wir verlieren. Denn Mr. Market fühlt sich nun so an, als ob er kurz vor einem emotionalen Ausbruch steht, so oder so. Der Druck steigt .....