Der Crash kommt immer übermorgen

Da ist er wieder, der warnende Guru im Internet, der Ihnen drängend und natürlich ganz "kostenlos" nahelegt, nun Deckung zu suchen, weil der Crash ja kommt.

Dieser "Guru" ist Ihnen 2009 begegnet, dann 2010, dann 2011. Aber auch 2012, 2013, 2014 und nicht zuletzt 2015, 2016 und 2017. Und Sie ahnen es, er wird Ihnen auch 2018 begegnen, so lange, bis er irgendwann tatsächlich mal Recht hat. Denn wir wissen ja, dass auch ein Uhrzeiger zweimal am Tag "Recht" hat und ein Affe mit Dartpfeil ab und zu auch. 😉

Sie dürfen also gerne weiter all den Crash-Propheten und Zukunfts-Weissagern zuhören, die Ihnen "kostenlos" Ihre Dienste andienen und alles dafür tun, dass Sie sich dabei wohl fühlen. Die machen das natürlich nur, weil sie gute Menschen sind, die sie "kostenlos" von schlimmem Unheil abhalten wollen. Schon klar. 😉

Wenn Sie hier aber überhaupt mitlesen, wird Ihnen das mit den "Gurus" langsam komisch vorkommen. Sonst wären Sie gar nicht hier. Und deshalb will ich Ihnen zum Wochenende noch etwas Wichtiges mitgeben. Und da man die Wahrheit nicht immer neu erfinden muss, kopiere ich einfach einen Text hier herein, den ich Ihnen vor ca. 6 Wochen im kurzen aber prägnanten Artikel -> Meistgehasster Bullenmarkt <- geschrieben habe.

Bitte lesen Sie noch einmal, hier auf sumerdigital dürfen Sie gerne nachschauen, was vor Wochen, Monaten und Jahren geschrieben wurde. Ich stehe zu dem "Blödsinn", den ich jeden Tag "verzapfe". Auch ich irre mich in Sachen Markt manchmal und habe manchmal recht, letzteres aber öfter als der Uhrzeiger. 😉

20.03.2017

Sie glauben immer noch, dass man nur die Weltnachrichten verfolgen muss, sich dazu eine Meinung bilden und man dann antizipieren könnte, was die Börse machen wird?

Na gut, schauen wir uns mal die aktuelle Lage an:

  • Wir hatten ein eher desaströses Treffen Trump-Merkel, aus dem hervor ging, wie wenig die Beiden sich zu sagen haben.
  • Wir hatten ein G20 Treffen der Finanzminister, bei dem man sich noch nicht einmal darauf einigen konnte, sich gegen "Protektionismus" auszusprechen.
  • Wir haben massive, positive Erwartungen an Infrastruktur- und Steuer-Gesetze Trumps im Markt, die mit Sicherheit nicht alle gleichzeitig so wie erhofft Realität werden können.
  • Wir haben einen Markt nahe der Höchststände der massivst überkauft ist und nach einer überfälligen Korrektur schreit.
  • Wir haben diverse Marktinternas wie die Marktbreite, die klare Warnsignale senden.
  • Wir haben diverse Potentaten, die wahlweise mit Religions- oder Atomkriegen drohen.
  • Wir haben ........ Sie dürfen hier selber anfügen, Ihnen wird sicher allerlei einfallen.

All das ist die Realität um uns, auf der basierend sich am Markt Preise für Risikoassets wie Firmen entwickeln.

Mit Sicherheit dürfte im Angesicht dieser riskanten Kombination von hohen Kursen und hohen Risiken, auch meine Oma seelig eine Korrektur erwarten, die nun wahrlich keinerlei Zugang zur Börse hatte.

Diese kritische Lagebeurteilung ist also totaler Konsens und wer aktuell eine Korrektur erwartet, ist kein "Contrarian" sondern Teil einer riesigen, blökenden Herde.

Deshalb haben wir auch so eine vergleichsweise kritische und uneuphorische Stimmung im Markt, trotz Kursen nahe der Höchststände.

Und genau da liegt das Problem. Denn der Markt ist selbstreferentiell und was alle erwarten, ist schon in den Kursen und kann schwerlich zu einer Überraschung führen.

Genau das nennt man eine "Wall of Worry" und die klettern wir gerade. Wir haben wohl einen der meistgehassten Bullenmärkte der Geschichte vor uns.

Kluge Anleger respektieren das. Sie sind zwar vorsichtig und sichern sich nach unten ab, denn die Risiken sind immens. Sie stellen sich aber auch nicht gegen den Markt und diskutieren nicht mit ihm.

Ist das einfach? Nein bestimmt nicht. Aber es ist die Grundvoraussetzung, um am Markt erfolgreich zu sein. Denn wenn sich Geldanlagen zu wohlig anfühlen, kann an ihnen etwas nicht mehr stimmen. Das muss so sein, weil der Markt eben -> reflexiv <- ist.

Ob uns das gefällt ist ohne jede Relevanz. Es ist so und wir arrangieren uns besser damit, oder tragen die Konsequenzen im Depot.

Ihr Hari

Das war am 20.03.17, der DAX hatte da ein Hoch von 12.082. Heute steht er fast 600 Punkte höher. Und die "Korrektur" hatten wir sogar mitten drin, es war aber eher ein "Korrekturlein", so wie das zu erwarten ist, wenn ein Markt so stark ist.

Und wissen Sie was? Natürlich hätte es auch eine echte Korrektur geben können und auch am kommenden Montag kann die theoretisch einsetzen. Sie wissen ja, der Uhrzeiger. 😉

Dass wir nun 600 Punkte höher stehen und sich die Zeilen oben völlig bewahrheitet haben, war nie sicher. Wenn der kleine Kim seine atomaren Spielzeuge gezündet hätte, wären wir zum Beispiel nun tiefer, davon ist auszugehen.

Am Markt geht es eben immer nur um Wahrscheinlichkeiten und die sprechen in der Markttechnik zu uns. Sicherheiten gibt es nie, ausdrücklich *nie*. Diese Wahrscheinlichkeiten sind das Beste was wir haben und sie funktionieren recht gut. Warum also wollen wir darauf verzichten und weiter jedem Weltuntergangspropheten auf seinen Erregungs-Leim gehen?

Das frage ich Sie und wenn Sie sich das nun auch fragen, dann stellen Sie sich bitte noch eine wichtige Frage:

Dieser "Crash-Guru", dieser "Untergangsprophet", der Sie medial "ganz kostenlos" jedes Jahr mit seinen Warnungen penetriert, warum tut der das wohl? Weil er Sie altruistisch nur schützen will? Genau Sie?

Denken Sie mal darüber nach.

Ihr Hari

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Nostradamus lebt – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit über den Markt

Ich habe so einen ähnlichen Artikel schon einmal geschrieben, aber doppelt genäht hält besser. 😉

Betrachten wir doch mal "fundamental" und "objektiv" die Welt- und Marktlage:

  • Die Flüchtlingskrise wird wieder anschwellen und zu einer veritablen Staatskrise mit Unruhen führen. Check!
  • Früher oder später werden Atomwaffen in den Händen von Selbstmordattentätern sein. Check!
  • Wenn man der Hydra des Terrorismus einen Kopf abschlägt, wachsen sofort drei Neue nach. Check!
  • Der Westen hat seinen inneren Kompass verloren und verliert sich und die Werte der Freiheit, in kulturellem Relativismus. Check!
  • Der Euro ist eine Fehlkonstruktion und wird zwangsläufig scheitern. Check!
  • Das Brüsseler Europa der Beliebigkeit und des Konsens um jeden Preis, hat sich überdehnt und scheitert gerade. Check!
  • Der Brexit wird andere Länder dazu animieren auszutreten, wenn man sieht, dass die Briten vom Austritt profitieren. Check!
  • Der "Club Med" wird die EU zunehmend dominieren und sie zu einer Transferunion machen. Check!
  • Deutschland wird durch die weiche Währung langsam seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Check!
  • Weiterlesen ...Nostradamus lebt – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit über den Markt

Analogien – von S&P500 und Co. und von 1998 bis 2015

Der folgende Artikel erschien schon Freitag 30.10.15 10:00 in Hari Live, ist aber nach wie vor aktuell

Der Markt steigt und steigt und da haben Analogien wieder Konjunktur.

Auch ich habe ja am 01. September, im Artikel -> Welches Börsenjahr reimt sich auf 2015 <- Analogien bemüht, um uns ein Gefühl dafür zu vermitteln, was uns vielleicht bevor steht.

Wenn Sie den Artikel vom 01.09. noch einmal lesen, erinnern Sie sich, dass ich der 1998er Analogie - was den reinen Kursverlauf angeht, die Zeit war damals eine andere - die höchste Wahrscheinlichkeit eingeräumt hatte.

So ist es dann auch auf den Punkt gekommen, die 1998er Analogie war das exakte Vorbild für das, was in den folgenden 2 Monaten abgelaufen ist - inklusive der Tatsache, dass Anfang Oktober das zweite Tief markiert wurde:

Ich zitiere noch einmal aus dem Artikel:

Aber es gibt noch eine, zunehmend vergessene Parallele, die mir noch einen Tick besser gefällt. Und das ist 1998, woran sich noch 2 Jahre harte Rally anschlossen, bevor dann im Jahr 2.000 eine echte Blase platzte:

Diese Struktur eines Doppelbodens passt sehr gut zu einem Ablauf, in dem die Indizes nun noch bin zu den genannten Widerstandszonen laufen, dann im Zuge einer Erwartung der Zinserhöhung der FED in die FED Sitzung hinein fallen und nach dem die Kuh endlich vom Eis ist und klar wird, dass nach der ersten pro-forma Erhöhung sowieso nichts nachkommt, dann zum Jahresende hin wieder in den Rallymodus gehen.

Alles Spekulation? Stimmt, das betone ich ja immer. Aber es spricht viel dafür, dass die 2011er und 1998er Analogie näher an den Realitäten der Gegenwart ist, als die extremen Crash- und Rebound-Szenarien, die man von den grossen "Crashpropheten und Gesundbetern" nun mal wieder lesen kann.

Für die Anleger bedeutet das, nicht zu schnell das ganze Pulver zu verschiessen und sich auf weitere, wilde Volatilität einzurichten - aber Schwäche trotzdem Zug um Zug zu nutzen, um langfristige Posititionen wieder aufzubauen, die aufmerksame Markt-Beobachter Anfang August abgebaut haben.

Sic! Wer diesem Muster folgte, hat nun zwei hoch erfolgreiche Monate hinter sich.

Sind deswegen Analogien nun die Art und Weise, mit denen wir immer an die Märkte heran gehen sollten? Gott bewahre Nein!

Auch in obigem Artikel hatte ich dazu geschrieben:

Am Ende ist es aber alleine die Price-Action die für uns Relevanz haben sollte. Wir dürfen uns deshalb auch nicht in obige Vorlagen verbeissen, vielleicht hat 2015 sein ganz eigenes Muster, das noch nicht geschrieben ist.

Aber eine grobe Orientierung können die alten Verläufe schon geben und solche Szenarien erlauben uns, das reale Geschehen dann auch schneller einzuordnen. Und das ist eine Menge wert, nur verheiraten und verlieben dürfen wir uns in diese Analogien eben nicht. Es sind gedankliche Krücken, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

So ist es und wir dürfen uns auf keinen Fall in so Analogien verlieben. Wir haben eben 2015 und nicht 1998! Solange wir sie aber nur benutzen, um uns Möglichkeiten und Muster prägnant vor Augen zu führen, haben sie Wert und schärfen unseren Blick.

Das voraus geschickt, fällt doch derzeit auf, dass wir in den Medien wieder jede Menge Analogien lesen. Auffällig dabei ist aber, dass es von Chartechnikern scheinbar überwiegend bärische Analogien sind, die uns zeigen, warum vermeintlich der Markt nun zusammen brechen "muss".

Vielleicht gibt es ja irgendwo auch eine bullische, ich habe aber zuletzt *nur* bärische Analogien gesehen und diese vermehrt. Das sollte uns etwas sagen. Es sagt uns nämlich, dass sehr viele dieser Rally misstrauen und sie bekämpfen und das ist gut und stabilisiert die Rally.

Und weil das so ist, will ich nun hier mal eine bullische Analogie dagegen halten. Es ist wieder die von 1998, denn bisher hat sich der Markt ja perfekt an diesen Ablaufplan gehalten, warum soll er es also nicht auch weiter tun?

Ich will aber erneut voraus schicken, damit es kein Missverständnis gibt: Ich denke keineswegs rein bullisch! Ich halte die bärischen Szenarien durchaus für legitim und werde sehr kritisch beobachten, ob der Markt im November nun eine Art "rechte Schulter" einer grösseren Topbildung formt. Gut vorstellen kann ich mir das.

Ich zeige hier nur deshalb eine rein bullische Analogie, um mal den Kontrapunkt zu den permanenten Katastrophenszenarien zu machen und zu beweisen, dass auch bullische Analogien sehr logisch und eingängig sein können. Wäre es anders herum, würde der Markt nun euphorisch sein, würde ich hier wohl eine bärische Analogie als Kontrapunkt zeigen.

Der Punkt ist immer wieder, dass wir opportunistisch dem Markt folgen sollen! Insofern sind solche Analogien interessant und manchmal auf hilfreich um Muster zu erkennen. Unser Handeln leiten wir aber *alleine* aus der Price-Action ab.

Nun aber zu der 1998er Analogie. Hier haben wir den aktuellen, markanten Doppelboden der letzten Wochen mit dem zweiten Tief Anfang Oktober:

S&P500 30.10.15 1

Und nun gehen wir in 1998 zurück und schauen auch da auf den Doppelboden mit sehr vergleichbarer Struktur. Auch 1998 stand die Korrektur am Ende einer mehrjährigen Anstiegsphase, so dass man auch 1998 sich ernsthaft fragen musste, ob dieser Markt nicht gerade eine Topbildung vollzieht.

Dass es noch 2 Jahre weiter hoch gehen würde, konnte man sich auch da kaum vorstellen:

S&P500 30.10.15 2

Hier ist aber nun, wie es weiter gegangen ist. 1999 und 2000 folgten mit weiterer Rally und erst 2000 erreichte der Markt ein echtes Euphorie-Hoch:

S&P500 30.10.15 3

Im ganz grossen Bild, gibt es also keinen Grund, warum wir hier nicht gerade eine Wiederholung des blauen Kästchens von 1998 sehen sollten. Die Analogie ist klar vorhanden:

S&P500 30.10.15 4

So ...

Das sollten wir einfach im Hinterkopf behalten, wenn wir wieder bärische Szenarien um die Ohren gehauen bekommen. Diese Bären wissen es auch nicht. Je stärker diese bärischen Szenarien aber propagiert werden, desto stärker wird dadurch deutlich, wie stark die "Wall of Worry" noch ist. Und ein Markt der bekämpft wird, beliebt gerne weiter zu steigen.

Sicher, ich habe auch aufgestellte Nackenhaare, wenn ich mir klar mache, worauf diese Rally beruht. Erst heute sehen wir ja wieder, was hier substantiell dahinter ist. Es ist Stimulus, Stimulus, Stimulus. Die Drogenbeauftragen sind immer noch am Werk.

Es gruselt mich, wenn ich mir vorstelle was passieren wird, wenn dieses Kartenhaus mal zusammen kracht. Und ja, ich glaube nicht daran, dass das eine dauerhaft tragfähige Finanzpolitik ist. Sie kennen meine Haltung dazu.

Aber all das darf uns nicht in Angststarre versetzen, weil selbst wenn der grosse 2000er Crash wieder kommt, spricht im Moment doch nichts Zwingendes dagegen, dass dazwischen nicht noch ein 1999 liegen könnte.

Sicher, eine kurzfristige Korrektur bzw Konsolidierung, ist nach diesem Anstieg nun für Anfang November hoch wahrscheinlich und überfällig. Mehr als das, ist aber derzeit nicht zu erkennen, zumindest gibt es dafür im Moment keine klaren Signale.

Deshalb will ich Ihnen mit dieser Analogie mitgeben:

Bleiben Sie opportunistisch und folgen Sie dem Markt! Schieben Sie Ihre Stops mit und wenn dieser Markt weiter hoch schiebt, sind sie weiter dabei. Und wenn er dreht, lassen Sie sich raus kegeln.

So "einfach". Und wenn Sie das so konsequent tun, brauchen Sie auch nicht über bärische Analogien zu grübeln. Dann können Sie die Schultern zucken und "schaun mer mal" sagen. Und so kann man gut schlafen, egal was kommt.

Ihr Hari

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Die Lage im DAX – Von Mass und Mitte

Mittwoch 23.09.15 Morgens vor Handelseröffnung.

Sie kennen sicher auch Marktkommentatoren, die je nach momentaner Stimmung des Marktes von "Himmel-hoch-jauchzend auf "Zu-Tode-betrübt" wechseln - und zwar immer schön brav prozyklisch. 😉

Als der DAX vom Paniktief am 24.08.15 bei 9.338 in den Tagen danach nach oben drehte, wurde sofort "der Boden" und die neue Rally hoch Richtung 12.000 und darüber hinaus beschworen.

Und nun, wo der DAX sehr angeschlagen und die Stimmung im Zuge des VW Desasters mies ist, dürfen wir uns von diesen Leuten dann die Angst machenden Katastrophencharts anschauen, wie tief der DAX und S&P500 nun fallen *könnte*.

Vom Standpunkt der medialen Vermarktung her, ist das auch die richtige Vorgehensweise. Denn es ist erwiesen, dass die Menschen am liebsten die Dinge lesen, die sie in einer vorgefassten Meinung bestärken. Wenn also Gier vorherrscht, werden die Artikel mit den Kurszielen goutiert, die das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Und wenn man selber Angst verspürt, suhlt man sich gerne im allgemeinen Gruseln, in der Herde stirbt es sich halt angenehmer. 😉

Sie merken ja den Sarkasmus in meinen Worten, denn es ist wohl offensichtlich, dass mit solcher Art von "Marktanalyse" zwar die Klickzahlen gefördert werden, der Börsenerfolg aber weniger.

Deswegen sind Fondsmanager, die komplett versagt haben, auch immer sehr motiviert in die "Herde" zurück zu kehren und darauf hinzuweisen, "dass man ja den Absturz nicht ahnen konnte". Stimmt, ist aber eine Nullaussage. Denn wenn das ganze Risikomanagement nur darauf beruhte, die Zukunft erahnen zu wollen, muss man sich über gar nichts wundern, denn das geht sowieso nicht, niemand hat eine Kristallkugel. Niemand. Bei gutem Risikomanagement geht es ja gerade darum, das Unerwartete trotzdem zu überleben.

Nein, was wirklich nötig ist, ist dagegen "Mass und Mitte" bei der Betrachtung des Marktes. Und die Bereitschaft, sich auf verschiedene Szenarien einzustellen, ohne vorher zu wissen, welches eintritt.

Und es ist ganz normal, dass der Markt Phasen hat, in denen er selber nicht weiss, wohin die Reise geht, weil er eben keinen klaren Trend mehr hat. Und dann hilft es nicht, Extremszenarien je nach Stimmung zu verkünden, denn wenn der Markt nicht weiss wohin er will, kann es ein objektiver Beobachter auch nicht wissen. Zum Raten könnten wir auch zur Lotto-Annahmestelle gehen, Erfolg an den Börsen entsteht so eher nicht.

Aktuell ist wieder so eine Phase der Unsicherheit, denn die FED hat mit ihrer "Hasenfuss-Politik" nun grosse Unsicherheit gestreut und es war absehbar, dass der Markt so verstört reagieren wird, falls die FED keine Sicherheit schafft. Nicht was die FED gemacht hat war absehbar, sondern wie der Markt darauf reagieren wird. Ich verweise auf Punkt 5 meines Artikels -> Das grosse Warten auf die FED <-, der genau das präzise thematisiert hat.

Letztlich befinden wir uns im DAX im reinen Kursverlauf (nicht in den wirtschaftlich/politischen Rahmenbedingungen) aber immer noch nur in einer groben Analogie zu 1998 oder 2011, wie ich das im Artikel -> Welches Börsenjahr reimt sich auf 2015? <- dargestellt habe. In beiden Jahren, gab es im Verlauf den Retest des ersten Tiefs, das wir dieses Jahr am 24.08. hatten. Und wie wahrscheinlich dieser Retest immer war, habe ich dann erneut im Artikel -> Retest des Tiefs oder erneuter Rebound? <- erst vor knapp 2 Wochen heraus gestellt, als viele dachten, nun ginge es nach oben raus.

Was will ich Ihnen mit diesen diversen Verweisen sagen?

Dass der Markt sich bisher keineswegs ungewöhnlich verhält. Und auch nicht unberechenbar, lesen Sie einfach die drei Artikel oben noch einmal. Und trotz der Belastung durch das VW Desaster, das auf die ganze Autoindustrie ausstrahlt, bewegt sich der DAX immer noch in einem zu erwarteten Rahmen, wie schon oft nach so massiven Einschlägen.

Nein, die Entwicklung könnte zwar nun, muss aber auch keineswegs zwingend in ein negatives Extrem abgleiten, sondern das Szenario von "Mass und Mitte" hat immer noch hohe Relevanz. Und dieses Szenario geht eben schon seit Wochen von einem erneuten Retest des Tiefs aus, der dann aber in Form einer Art Doppelbodens eine belastbare Grundlage schafft, von der der Markt zum Jahresende durchaus wieder steigen kann:

DAX 22.09.15

Sicher springt die bärische Struktur des DAX im Sinne (2) nun geradezu ins Auge und auch dass der Bounce exakt am 38er Fibonacci Retracement mit Hoch am 09.09. wieder drehte, wirkt nicht gerade vertrauensfördernd.

Auch fundamental hat das Desaster um VW durchaus das Potential, auf die ganze deutsche Autoindustrie mit allen Zulieferern abzustrahlen und das wird dann alle deutschen Indizes massiv belasten. Und heute Nacht kam dann noch ein sehr schwacher Caixin PMI aus China herein, der nicht nur die asiatischen Märkte, sondern auch den DAX belasten wird.

Es gibt also viele gute Gründe nun bärisch zu sein und das Risko eines massiven Einbruches Richtung 8.500 ist real da. Aber diese bärische Struktur ist nun so offensichtlich und die Stimmung auch im Zuge des VW Desasters so schlecht und angeschlagen, dass die Frage berechtigt ist, ob etwas so Offensichtliches noch so einfach eintreten kann.

Im Moment wird in der allgemeinen "Düsternis" aber eher übersehen, dass schon kurz nach einem zweiten Tief, sich die bärische Struktur in einen aussichtsreichen Doppelboden wandeln könnte. Und so schnell, wie die auf solche Strukturen getrimmten Algos dann diesen potentiellen Doppelboden handeln werden, können wir als Menschen gar nicht "Papp" sagen.

Akzeptieren wir doch einfach, dass der Markt derzeit selber massiv unsicher ist und wir deswegen auch nicht sagen können, ob der Einbruch noch in eine zweite Phase tritt oder nun einen Doppelboden findet. Es ist vielmehr ein Zeichen der Reife, zu wissen, was man nicht weiss.

Wir brauchen es auch gar nicht wissen, weil diese Struktur macht es uns doch recht einfach. Wir müssen jetzt vor allem hinschauen, wie sich der DAX im Bereich der Tiefs verhält. Und dann handeln wir "einfach" das, was wir sehen.

Ich weiss, ich weiss, "einfach" ist das nicht wirklich, wir Menschen tun uns damit schwer und wollen immer schon vorher wissen, was passieren wird. Wenn wir aber die Bewegung handeln könnten, die sich real ergibt, könnten wir in beiden Fällen, bei (1) wie bei (2) etwas profitieren. Und eigentlich wünschen wir uns doch genau das, oder?

Wenn ja, warum schränken wir dann unsere Wahrnehmung mit Extremszenarien ein, die in unseren Köpfen nur einen hinderlichen Bias erzeugen? Bleiben wir doch einfach bei Mass und Mitte und dabei, dass die Zukunft erst noch geschrieben wird.

Dieser Markt ist nun wackelig und unsicher. Das ist Faktum. Und weil das so ist, ist er auch sehr gefährlich. Auch das ist Faktum.

Risiko generiert aber auch immer Chancen und heute um 15 Uhr redet mal wieder Mario Draghi, vielleicht genau dann, wenn der DAX sein Tief vom 24.08. testet - eine wahrlich interessante Ausgangslage.

Eine hohe Cashquote macht also seit letzten Mai jede Menge Sinn und tut es immer noch. Und wer nun diese hohe Cashquote hat, muss nun auch nicht raten und schwanken, sondern kann ruhig abwarten was passiert.

Denn "Hopium" und "Panik" sind nie gute Ratgeber, in der Ruhe liegt die Kraft.

Ihr Hari

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Was tun zwischen Crashpropheten und Gesundbetern?

Montag 24.08.15 08:30 Uhr vor Handelseröffnung.

Die Märkte haben ausgelöst durch Sorgen um China, zur stärksten Korrektur seit 2011 angesetzt. Und das mediale Crescendo schwillt wie immer an.

Mittendrin der verunsicherte "normale" Anleger, der doch eigentlich nur ein klein wenig Rendite für sein hart erarbeitetes Kapital erzielen will. Und dann liest dieser Anleger das Eine und das Andere und ist am Ende noch verunsicherter als zuvor.

Mit diesem Beitrag will ich versuchen, diesen Anlegern ein klein wenig Orientierung im Chaos zu bieten. Wer mehr Orientierung und Sicherheit will, muss Mitglied der sumerdigital Community werden.

Wenn Sie nun aber von mir erwarten, dass ich Ihnen hier - natürlich kostenlos - exakt sagen kann, was die Zukunft bringt und was Sie konkret nun machen sollen, dann jagen Sie in Naivität immer noch einer Illusion hinter her.

Denn das kann niemand. N.I.E.M.A.N.D!

Aber es gibt genügend, die es behaupten.

Da finden Sie auf der einen Seite die "Crashpropheten". Die kommen jetzt natürlich mit der Bugwelle des "habe ich es nicht immer schon gesagt?" aus ihren Löchern und haben mal wieder die volle mediale Aufmerksamkeit.

Dabei sind diese Leute völlig diskreditiert und kaum jemand hat mehr Schaden in den Depots normaler Anleger angerichtet. Wenn Anleger seit Jahren diesen geradezu historischen Bullenmarkt verpasst haben, dann liegt das zu einem guten Teil an diesen "Crashpropheten", die seit Jahren vom bald bevor stehenden Untergang schwafeln.

Aber Crashprognosen funktionieren halt medial und das primäre Interesse der Medien ist ja letztlich nicht, das "Richtige" den Lesern zu schreiben, sondern eine möglichst hohe Aufmerksamkeit zu erzielen.

Eine abgewogene, differenzierte Betrachtung kann sowieso nur eine Minderheit aufnehmen. Die Mehrheit will einfache Aussagen und nicht mehr als ein paar Sätze lesen, alles andere ist zu anstrengend. Und wenn dann die "Prognosen" dem eigenen Bias entsprechen, werden sie besonders gerne aufgenommen und mit "Likes" versehen, wir Menschen suhlen uns halt am liebsten im eigenen Sumpf.

Auf der anderen Seiten haben wir aber die "Gesundbeter". Die erzählen die Geschichte davon, dass man ja einfach dabei bleiben muss, dass man ja nicht in Panik verfallen sollte und glauben schon jetzt wieder zu wissen, dass dieser Einbruch eine "Kaufgelegenheit" sei.

Mit Verlaub, auch das ist viel zu dünn. Diese Stimmen kommen besonders gerne von Vertretern der Finanzindustrie, so zum Beispiel von Fundmanagern. Normale Anleger müssen sich einfach klar machen, dass auch diese Eigeninteressen haben. Denn basierend auf den aktuellen Vergütungsstrukturen mit festen Verwaltungsgebühren von 1-2%, haben Fundmanager vor allem ein Interesse: Dass möglichst viel Kapital im Fund bleibt.

Sie werden von jemandem der sein Gehalt mit Anlegergeld verdient - ausser den Besten - also in der Regel nie lesen, dass die Anleger nun schnell verkaufen sollten, damit würde er sich ja ins eigene Fleisch schneiden. Das wäre erst dann anders, wenn es andere Vergütungsstrukturen gäbe, die weniger auf festen Gebühren, sondern mehr auf Performance basieren. Davon sind wir aber weit entfernt.

Nun will ich nicht die Branche über einen Kamm scheren, es gibt auch lobenswerte Ausnahmen, die zu ihren Anlegern Klartext reden. Trotzdem macht es Sinn sehr skeptisch zu sein, wenn die Finanzindustrie anfängt, mitten im Absturz die Anleger "zu beruhigen". Eigeninteressen zu vermuten, ist hier dann sehr naheliegend.

Und so stürzt auf den normalen, nach Orientierung suchenden Anleger, in solchen Phasen ein medialer Schwall ein, der ihn am Ende noch verunsicherter macht, als er vorher schon war.

Wenn man so will, behaupten alle zu wissen was los ist, aber alle reden etwas Unterschiedliches. 😉

Was also tun?

Sie sehen daran, dass kein Weg daran vorbei führt, eine eigene, fundierte Sicht zu entwickeln. Und das kann man nur dann erreichen, wenn man genügend Zeit investiert hat, um die Märkte zu verstehen. Und man kann es auch nur dann erreichen, wenn man sich -> seriöse und belastbare Informationsquellen <- aufgebaut hat. Glaubt man darauf verzichten zu können und hat man keine eigene Orientierung, ist man in so Phasen "Freiwild" und macht garantiert im falschen Moment das Falsche.

Dieses Wissen und diese Sicherheit kommt aber nicht umsonst und nicht alleine. Dafür muss man etwas tun. Warum soll es auch beim Wissen um Finanzthemen anders sein, als bei allen anderen komplexen Wissensgebieten?

Ich will Ihnen an dieser Stelle daher ein paar wichtige Regeln und Fakten in Erinnerung rufen, vielleicht helfen Sie ja ein wenig. Und ich benutze dafür nur eher kurze Sätze, ohne diese zu begründen. Die Begründung würde den Artikel zu lang machen, die findet sich im Premium-Bereich.

Am Ende kenne aber auch ich die Zukunft nicht, denn die ist noch nicht geschrieben. Und natürlich macht es zum Beispiel einen Unterschied, ob die FED nun auf ihrem Kurs bleibt oder nun auch in Panik verfällt und ein neues QE auflegt.

Und da diese Zukunft noch nicht geschrieben ist, kann es auch keine Sicherheit bei den Erwartungen geben. Aber es gibt Muster und Wahrscheinlichkeiten und die zu kennen, kann immens helfen.

Und ich will deshalb nun zehn Muster und Wahrscheinlichkeiten in Erinnerung rufen.

(1)

Die US Indizes hatten durch den Einfluss der Notenbank seit Jahren keine Korrektur von 10% und mehr. Das ist höchst ungewöhnlich, überfällig und eine Verzerrung der Normalität. Wenn sie jetzt kommt, ist es das Normalste der Welt.

(2)

Runter geht es immer viel schneller und heftiger, als aufwärts, weil alle gleichzeitig raus wollen. Ob und wann der aktuelle Einbruch kommen würde, war im Vorfeld nicht exakt vorher zu sehen. Die Heftigkeit aber schon und war in der Community mehrfach Thema.

(3)

Da die natürlichen Zyklen durch die Notenbanken gestreckt wurden, muss man damit rechnen, dass auch die Gegenbewegung nach unten besonders "gestreckt", sprich aggressiv ausfällt. Vorsicht ist also angeraten, denn "tiefer geht immer!"!

(4)

Die Crashgefahr an Märkten ist nicht dann am Höchsten, wenn diese nach oben ausbrechen. Dann ist sie fast Null. Sie ist dann am Höchsten, wenn die Märkte schon angeschlagen sind - wie jetzt. Wenn dann noch eine böse Überraschung dazu kommt, mit der niemand gerechnet hat, kann sich eine Panik entwickeln, weil alle gleichzeitig zum Ausgang rennen, aber nicht gleichzeitig durch passen. Ein Crash ist immer noch unwahrscheinlich, aber nun zumindest theoretisch möglich. Jahrelang war er nur medialer Blödsinn, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

(5)

Bärenmärkte laufen nicht gleichmässig abwärts, sondern sind permanent von starken Erleichterungsrallys unterbrochen. Und in der Gegenbewegung weiss man nie sicher, ob das nun "der" Boden ist oder nur eine weitere nutzlose Gegenbewegung, bevor es weiter runter geht.

(6)

Das Marktsentiment der Anleger ist nun so angeschlagen und negativ und die Absicherungsquote der Profis so hoch, dass in dieser Woche - nach initialer Schwäche am Montag - eine Gegenbewegung nach oben nun hoch wahrscheinlich ist.

(7)

Falls wir nun den Beginn eines Bärenmarktes erleben sollten - ich betone den Konjunktiv - dann wird sich das daran zeigen, wie der Markt mit dem Rebound umgeht, der nun wahrscheinlich ist.

Wenn der schnell wieder verkauft wird, wird es sehr gefährlich! Wenn wir aber ein Marktgeschehen wie im Oktober 2014 erleben, haben wir gerade eine geniale Kaufgelegenheit. Vorher kann man das nicht wissen, erst die Beobachtung des Rebounds gibt uns die Signale!

(8)

Betrachte ich aber die Konjunkturentwicklung in den US, ist eine "gesunde" Korrektur wahrscheinlicher, als dass wir den Beginn eines grossen Bärenmarktes erleben. Aber auch eine "gesunde" Korrektur kann sehr schmerzhaft sein, wenn sie Wochen andauert und 20% nach unten geht.

(9)

Es gibt in meinen Augen einen einzigen Sachverhalt, der tatsächlich einen massiven Crash/Meltdown der Aktienmärkte hervor rufen kann.

Das ist nicht China, auch das Thema wird eingepreist und sich beruhigen. Es ist schon gar nicht Griechenland. Es ist auch nicht die FED Zinserhöhung, die wird sowieso nur marginal, wenn sie überhaupt kommt. Und es sind auch nicht die Emerging Markets, die sind im "Crash" schon mittendrin und auch das wird sich wieder ausschwingen, zumal der Dollar gerade wieder fällt und damit etwas Druck nimmt.

Die wirklich grosse Gefahr ist, dass die Märkte das Vertrauen in die vermeintliche Allmacht der Notenbanken verlieren. Denn ohne die Notenbanken, wären die Kurse nicht so weit oben, wie sie nun sind. Und es gibt Anzeichen, gerade in China aber auch in Japan und in den US, dass dieses Vertrauen bröckelt. Das ist die wahre Gefahr und wenn die Notenbanken als "lender of last resort" in Frage gestellt werden, *dann* haben wir eine echte Krise.

(10)

Langfristig werden die Märkte wieder steigen und der DAX wird 20.000 erreichen. Das stimmt und passiert ganz sicher. Aber auch das ist eine Nullaussage, denn langfristig sind wir alle tot. Historisch haben die Märkte aber auch schon mal über 20 Jahre gebraucht, bis sie nach einem schweren Einbruch wieder die alten Höchststände erreicht haben.

Was nützt also die Erkenntnis von "DAX 20.000 irgendwann" dem Pensionär, der seinen Lebensabend zu einem guten Teil aus seinem Depot aufhübschen will? Und das heute? Für den macht es einen riesigen Unterschied, ob die Märkte nun 60% fallen oder gleich wieder steigen.

So weit die zehn Punkte, die ich in Erinnerung rufen wollte.

Da Bilder aber mehr sagen als tausend Worte, zeige ich Ihnen nun als Orientierung, wie eine klassische Topbildung in S&P500 und DAX aussehen könnte.

Ich betone den Konjunktiv, das ist nur eines der möglichen Szenarien, die Zukunft ist unbestimmt und niemand kennt sie - N.I.E.M.A.N.D!

Wenn jetzt zum Beispiel die FED kalte Füsse bekommt und nun ein neues QE indiziert und damit den "Race to the Bottom" in eine neue Runde treibt, dann sind wir in einem völlig anderen Spiel und dann werden wir ausgehend von den aktuellen Niveaus wieder so ein "V"-Reversal wie im Oktober 2014 erleben. Das kann man vorher nicht wissen und darüber zu spekulieren macht keinen Sinn.

Aber trotz dieser prinzipiellen Unsicherheit der Zukunft, ist es trotzdem hilfreich sich klar zu machen, wie so ein Ablauf einer Korrektur und/oder Topbildung klassischerweise aussehen könnte. Denn es zeigt zum Beispiel, dass heute eher nicht der Tag ist, um nun auch noch als Letzter in Panik zu vefallen. Wenn man in Panik verfallen will, dann war letzten Mittwoch ein guter Tag dafür. Oder dann eher in der Zukunft, wenn der Rebound wieder verkauft werden sollte oder noch schlimmer - diese Woche gar nicht kommt.

Hier nun wie eine klassische Topbildung im Leitindex S&P500 aussehen könnte, wenn sie denn so kommt. Das ist nur ein Szenario unter vielen und keine Prognose und soll einfach nur typische Abläufe deutlich machen.

S&P500 23.08.15

Und das hier wäre das Bild des DAX, wenn sich die US Indizes wie oben verhalten sollten. Letztlich kann man den DAX als Hebel auf die US Indizes betrachten. Ein echtes, dauerhaftes Eigenleben hat er nicht, sprich wenn es in den US runter geht, kann sich dem auch der DAX nicht entziehen:

DAX 23.08.15

So ..... das war schon wieder ein umfangreicher Artikel, obwohl ich ihn ganz bewusst einfach gehalten habe.

Geht es noch einfacher?

Wenn Sie seriös über die Märkte schreiben wollen kaum. Wenn Ihnen das wieder zu lang war, wünsche ich viel Erfolg bei den Überbringern der einfachen Weisheiten und Lösungen, von denen gibt es ja genug.

Ich hoffe es war trotzdem hilfreich an dieser wichtigen Wegscheide.

Ihr Hari

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Der Crash kommt! Oder doch nicht? Und was ist eigentlich eine „Wall of Worry“?

Betrachten wir doch mal "fundamental" und "objektiv" die Welt- und Marktlage:

  • Die Krise in der Ukraine ist kein bisschen gelöst. Check!
  • Der IS ist kein bisschen besiegt. Check!
  • Im chinesischen Meer kann jederzeit ein offener Konflikt auftreten. Check!
  • Früher oder später werden Atomwaffen in den Händen von Selbstmordattentätern sein. Check!
  • Wenn man der Hydra des Terrorismus einen Kopf abschlägt, wachsen sofort drei Neue nach. Check!
  • Der Westen hat seinen inneren Kompass verloren und verliert sich und die Werte der Freiheit, in kulturellem Relativismus. Check!
  • Der Euro ist eine Fehlkonstruktion und wird zwangsläufig scheitern. Check!
  • Das Brüsseler Europa der Beliebigkeit und des Konsens um jeden Preis, hat sich überdehnt und scheitert gerade. Check!
  • Amerika hat sich als unfähig heraus gestellt, mit seiner Dominanz die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Check!
  • Deutschlands Wohlstand ist auf Sand gebaut, die Altersarmut weiter Bevölkerungsteile kommt. Check!
  • Die Notenbanken der Welt überheben sich gerade. Check!
  • Der "Race to the Bottom" der Währungen wird nicht gut ausgehen. Check!
  • Das Finanzsystem ist kein bisschen stabiler als 2008, die Beteiligten haben nichts oder zu wenig gelernt. Check!
  • Die aktuellen Verzerrungen der Preisfindung an den Märkten, basieren primär auf zu starken dirigistischen Eingriffen von Staaten und Notenbanken im Sinne "Planwirtschaft Light". Check!
  • Mit dem nächsten Finanzcrash, wird nicht nur von Radikalen das Gesellschaftssystem in Frage gestellt werden. Check!
  • Und an allem wird für die medialen Lautsprecher sowieso nur "der Kapitalismus" schuld sein - was immer das ist. Check! 😉
  • Die Märkte sind zu schnell zu weit gelaufen und für eine Korrektur überreif. Check!
  • Die Anleihenmärkte befinden sich in einer gigantischen, von den Notenbanken und Staaten aufgepumpten Blase. Check!
  • Die US Märkte sind voller negativer Divergenzen auf den unterschiedlichsten Ebenen. Check!
  • Ein langfristiges Top im S&P500 ist denkbar und nicht mal unwahrscheinlich. Check!
  • Wenn dieser Markt abwärts zu rollen beginnt, wird es sehr schnell, sehr übel werden, weil der Margin Call sich durch das System frisst. Check!
  • Die Dominanz der trendfolgenden Algorithmen, wird den nächsten Crash noch schneller, tiefer und brutaler machen, als alle vorher. Check!

Habe ich etwas vergessen? Bestimmt! Da fällt Ihnen doch mit Sicherheit noch ein wichtiger Punkt ein. Oder?

Ach ja, ich habe noch Einen mit einem Augenzwinkern: 😉

  • Gold ist neben einem Bunker, einem Colt und einem Rübenbeet, die einzige Rettung in der kommenden Katastrophe. Check? LOL!

Moment, ich habe noch Einen, dieses Mal Kategorie "Kalauer":

  • Auf steht immer nur die reine Wahrheit und es wird alles genau so kommen, wie da gesagt wird. Check? LOL!

So, das sollte genügen. Und da die Lage so erfrischend und erfreulich ist, wie sie ist, schauen wir nun auf den DAX im langfristigen Bild, der dieser traurigen Lage sicher Rechnung tragen wird, denn der Markt hat ja immer Recht:

DAX 05.08.15 Long

Uppps! Das sieht ja ziemlich bullisch aus! Ja spinnen die denn alle, die Römer? Ähhh die Börsianer?

Hari hier - mit einer Erklärung:

Nein, die spinnen nicht alle. Denn "die Börsianer", das sind nicht unbekannte "Idioten", sondern das sind Sie - ja Sie! - und ich und tausende andere, ziemlich kluge, vernunftbegabte und kompetente Marktteilnehmer. Und die wissen das alles, was ich oben geschrieben habe.

Die kennen die obige Liste ganz genau und können selber noch ein paar Punkte hinzu fügen, an die ich nun auf die Schnelle nicht gedacht habe. Und trotzdem haben diese Marktteilnehmer - wir - beim DAX genau diesen Kursverlauf erzeugt.

Was sagt uns das?

Das ist die alles entscheidende Frage, wenn man an der Börse Geld verdienen will. Denn am permanenten Crash-Gerede verdienen nur die, die ihnen dafür ihre Bücher oder Börsenbriefe verkaufen. Klar irgendwann werden auch die Crash-Propheten mal Recht haben, das liegt in der Natur der Sache. Nur wann, das ist die Frage, die über Gewinn oder Verlust entscheidet!

Wenn Sie die Antwort auf obige Frage nicht kennen, sollten Sie diese unbedingt kennen lernen. Denn genau so eine Liste der Sorgen, zeichnet eine "Wall of Worry" - eine "Mauer der Sorgen" oder auch "Wand der Angst" aus.

Und wissen Sie auch, was Märkte gewöhnlich an so einer Wall of Worry machen? Sie steigen. 😉

Und wissen Sie auch, wann sie nicht mehr steigen können? Wenn es diese Ängste nicht mehr gibt und alle Zeichen auf Grün stehen.

Ich wollte das nur mal gesagt haben, Parallelitäten zur Aktualität sind natürlich rein zufällig. 😉

Und keine Frage, auch ich mache mir diese Sorgen, siehe auch -> Mr. Gnadenlos und das wahre Risiko <-, oder endlose Artikel zum Desaster des fehl konstruierten Euros. Es ist ja nicht so, dass ich die meisten Punkte oben nicht auch genau so sehen würde.

Aber wir sollten eben nicht den "Crash" schon handeln wollen, wenn in der Price-Action noch keiner zu sehen ist. Und nicht in die Honigfallen derer gehen, die mit der Angst vor dem Crash ihr Geld verdienen. Denn was wir derzeit in den Indizes sehen, ist bestenfalls eine Seitwärtskonsolidierung mit offenem Ausgang. Was daraus wird, ist noch offen.

Ja, das kann durchaus ein bedeutendes Top werden, was wir da gerade im S&P500 sehen. Muss es das? Nein, es ist nur eine Möglichkeit. Eine Möglichkeit, gegen die man sich absichert, auf die man aber nicht blind wettet.

Wir sollten immer für alle Möglichkeiten offen sein. Und wir sollten erst handeln, wenn es etwas zu handeln gibt. Denn als kluge Marktteilnehmer handeln wir, was wir tatsächlich sehen und nicht, was wir zu sehen erhoffen oder befürchten.

Und wissen Sie was? Ich könnte eine ebenso lange und eindrucksvolle Liste zu den Dingen machen, die in der Welt besser geworden sind und zur Hoffnung Anlass geben. Den Unterschied macht die Perspektive - und die Erwartung.

Und um Ihnen endgültig den "Gnadenschuss" zu geben: Seien Sie mal ehrlich, hat diese Liste von oben, vor vier Jahren im Jahr 2011 so viel anders ausgesehen? Da war der DAX kurz unter 5.000, wie sie dem Chart oben leicht entnehmen. 😉

Was sagt uns das nun?

Ihr Hari

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Apple und die US Indizes an der Klippe

Vor einer guten Woche, hatte ich im Artikel -> Mr. Gnadenlos und das wahre Risiko <- schon darauf hingewiesen, dass die mittelfristigen Risiken in den US Indizes und im Speziellen im Leitindex S&P500 steigen.

Nun hatten wir gestern sogar noch ein fieses "Reversal des Reversals", denn der Dienstag brachte im Sinne "Turnaround Tuesday" eigentlich alle Parameter eines beginnenden Rebounds, wurde aber am gestrigen Mittwoch unter dem Druck von Grexit, China und einer über Stunden geschlossenen New York Stock Exchange, vollständig wieder abgegeben.

Die Price-Action im S&P500 wird daher immer fragwürdiger, das Chart zeigt deutlich, wie riskant die Lage nun ist:

S&P500 09.07.15 3

Wer jetzt also nur auf Griechenland starrt und eine Auflösung des Dramas für Käufe nutzen will, könnte damit auf mittelfristige Sicht deutlich zu kurz springen. Denn damit befindet man sich im massiven Konsens im deutschen Markt, alle warten darauf, den Grexit dann wieder als Kaufgelegenheit nutzen zu wollen. Und was alle erwarten, kann am Markt nur schwer eintreffen.

Ein denkbares und für den fiesen Mr. Market sehr typisches Szenario, wäre daher eine kurze Erleichterungsrally im DAX, die dann aber schnell von den wichtigeren Problemen im Rest der Welt aufgefressen wird. Stellen Sie sich nur mal vor, in China würde der Absturz weiter gehen und das Vertrauen der Bevölkerung erschüttern. Unsere Autobauer würden es wohl in den Absatzzahlen als Erste merken und der DAX in Folge auch.

Und mit den hektischen, dirigistischen Maßnahmen zur "Stützung" des Marktes, machen die chinesischen - nur dem Namen nach noch "kommunistischen" - Kader alles nur schlimmer, weil sie das Vertrauen untergraben und sich dem Risiko aussetzen, die eigene Machtlosigkeit deutlich zu machen. Und wenn Vertrauen bricht, dann geht es schnell und massiv nach unten. Eine Herde von Marktteilnehmern, die von Panik in eine Abwärts-Stampede getrieben wird, hält wirklich in ihrem Lauf, "weder Ochs noch Esel auf". Das müssen die Chinesen wohl noch lernen - Vertrauen ist das Zauberwort, nicht operative Hektik!

Deshalb ist es für uns nun so wichtig, auf die US Indizes zu schauen, denn wenn die nun zur ersten harten Korrektur seit über drei Jahren ansetzen sollten, wird sich der DAX dem nicht entziehen können!

Kurzfristig ist das Sentiment in den US nun aber so sauer geworden, dass eine positive Gegenbewegung in den nächsten Tagen, vielleicht auch im Zuge einer Auflösung des griechischen Dramas, ganz gute Chancen hat. Was danach kommt ist die Frage und da sieht die Marktmechanik im mittelfristigen Blick wirklich nicht mehr gut aus.

Will man den Zustand eines Marktes einschätzen, lohnt es sich dabei auch, einen Blick auf die führenden Aktien und deren Strukturen zu werfen und wer wäre da besser geeignet, als *der* Bluechip schlechthin: Apple.

Wir sehen im Chart schnell, dass bis zum 28.04. (dem blauen Pfeil) alles nach einer positiven Fortsetzung des Aufwärtstrends wie aus dem Lehrbuch aussah. Das böse Reversal am 28.04., hat dann aber alles verändert und seit dem ist der Wurm drin:

AAPL 09.07.15

Wir sehen auch, dass Apple nun im wahrsten Sinne des Wortes "an der Klippe" steht und die nun deutlich sichtbare Divergenz im On-Balance-Volumen, macht keine guten Gefühle. Eine diffuse Nachrichtenlage mit negativen Nachrichten zur Apple Watch, macht die Lage nicht einfacher. Diese Nachrichten sind nicht wegen der absoluten Zahlen bedeutend, dafür ist der Umsatz der Apple Watch zu gering. Sie haben aber Bedeutung, weil sie am Nimbus der Unbesiegbarkeit von Apple kratzen.

Trotzdem gehe ich auch bei Apple eher davon aus, dass wir hier nicht direkt durchfallen, sondern es nun kurzfristig erst einmal eher nach oben geht. Danach wird es aber wirklich riskant und wenn eine solche Gegenbewegung wieder verkauft werden sollte, muss man bei Apple, wie bei den US Indizes, von einer echten Korrektur ausgehen, die dann auch am DAX nicht vorüber gehen wird.

Fazit:

Die mittelfristige Lage in den US Indizes sieht zunehmend wackelig aus. Noch ist nichts entschieden und auch eine erneute Auflösung nach oben ist denkbar. Wir dürfen durch das griechische Gezappel aber auf keinen Fall blind für diese Entwicklungen werden, denn die sind für DAX und Co. am Ende wichtiger als die Frage, auf welche Art und Weise nun weitere Steuermilliarden in Griechenland verbrannt werden. Denn dass es dazu kommt, ist völlig klar. Die Frage ist nur, ob für ein Programm, das sowieso nicht eingehalten wird oder für humanitäre Rettungsmassnahmen, die von Teilen der Gesellschaft gar nicht gewollt werden, weil man ja "so stolz" ist.

Wir dagegen sollten als rationale und professionell agierende Marktteilnehmer "stolz" sein, wenn wir diese schwierige Marktphase weiter unbeschadet überstehen, denn die ist nicht ohne und voller versteckter Risiken. Wer dabei Hilfe braucht, sollte sich der sumerdigital Community anschliessen.

Ihr Hari

PS: Übrigens, wir haben einen weiteren Kolumnisten an Bord, schauen Sie -> hier <-. "Nun sind wir fünf!" kann ich also dankbar im Stile von "Chris", dem Anführer der sagen. 😉

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