Hari´s Märkte am Abend – 12.03.12 – Continental, Klöckner, VW, Tesla, Ceradyne

21 Uhr - Handelsschluss

Da die USA gestern schon auf Sommerzeit umgestellt haben, wir das aber erst in 2 Wochen machen, beginnt die Wallstreet für die nächsten zwei Wochen schon um 14.30 MEZ und endet um 21.00 MEZ.

Zum Markt gibt es heute wenig zu sagen. Wir schwanken im Band von DAX 6850 - 6900 ziellos hin und her. Der Markt weiss nicht so richtig, was er jetzt machen soll.

Wie ich schon am Freitag schrieb, empfinde ich die Situation nun als markttechnisch zunehmend zweifelhaft. Denn wenn wir es nun in den kommenden Tagen nicht schaffen zu neuen Höchstständen oberhalb DAX 6960 aufzubrechen - also bis zur 7000er Marke und darüber hinaus, dürfte diese Unfähigkeit als Schwäche bzw Topbildung interpretiert werden und dafür sorgen, dass die ersten Profis auf den Verkaufsknopf drücken. Wenn derartige Verkäufe der "Big Boys" auf einen unsicheren Markt treffen, erzeugt das eine selbsterfüllende Prophezeihung.

Dann würden wir die wirkliche Korrektur erst noch bekommen. Und falls das passiert, erwarte ich nicht, dass der Markt bei DAX 6650 halt macht, dann geht es wohl tiefer runter - Ziel ist dann DAX 6400. An meiner grundlegend positiven Sicht auf den Markt würde auch so eine Korrektur nichts ändern, im Gegenteil. Aber wenn ich es vermeiden kann, will ich einer solchen Korrektur gerne aus dem Weg gehen.

Insofern sollten die Bullen nun möglichst bald zu neuen Höchstständen laufen um ein solches Szenario zu negieren und den Trend der höheren Hochs wieder in Gang zu setzen. Gelingt das nicht bald, werde ich das erste Mal in diesem Jahr überhaupt auf Defensive schalten. Aber noch haben die Bullen alle Chancen, sie müssen jetzt aber mal wieder Flagge zeigen. Warten wir einfach ab, was Morgen geht. Zuletzt waren die Dienstage im Sinne "Turnaround Tuesday" oft für eine Wende gut.

Was Einzelaktien angeht, steigt die hier mehrfach besprochene Continental (WKN 543900) heute dank guter Aussichten und eines guten Analystenkommentars um erneute 3%. Wie schon festgestellt, hat die Aktie einen "Lauf" und das nicht ohne Grund, denn da passt derzeit alles. Mittlerweile steht die Aktie kurz davor die Hochs von Juni letzten Jahres zu erklimmen, weswegen nun kurzfristig eine Absicherung sicher nicht schaden kann, denn auch Conti wird mal wieder eine Korrektur erleben. Mittelfristig sollten diese Hochs von 2011 aber kein Problem darstellen und ich kann mir bei Conti bis Jahresende durchaus Kurse um 90€ vorstellen.

Auffällig ist auch Klöckner (WKN KC0100), die trotz schwacher Stahlwerte heute nur minimal abgaben. Für mich sieht Klöckner so aus, als ob ein Boden gefunden wurde und das potentielle Downside damit sehr begrenzt ist. Nach oben ist die Aktie im Wartestand. Sobald hier aber die erste positive Nachricht kommen sollte - was aber durchaus noch Wochen oder sogar Monate dauern könnte - wird der Titel nach meiner Erwartung sehr schnell, sehr massiv nach oben anziehen. Da dieser Zeitpunkt nicht absehbar ist und man in diesem Fall schon am ersten Tag des Anstiegs eine Grössenordnung von 10% verpassen könnte, bin ich bei Klöckner schon mit einer Position in Lauerstellung investiert und halte das Chance/Risiko Profil mittelfristig für attraktiv. Kurzfristig ist die Aktie richtungslos und kann auch noch einmal bis ca. 10,2€ fallen.

Bei Volkswagen Vorzügen (WKN 766403) spricht viel dafür, dass hier kurzfristig die Luft raus ist. Trotz Rekordgewinn, sorgt ein verhaltener Ausblick aufgrund hoher Investitionen heute für Gewinnmitnahmen. Und auch der Chart könnte eine kurzfristige Topbildung signalisieren, da bei ca. 146€ ein Deckel auf dem Kurs zu sein scheint. Ob man in den nächsten Monaten bei VW also nach oben so furchtbar viel verpasst, würde ich mal zu bezweifeln wagen. Mittel- und Langfristig ist aber alles in bester Ordnung und VW ein echter Bluechip, an dem man nicht vorbei kommt. Insofern kann man die Aktie in meinen Augen weiter halten, Zukäufe drängen sich mir kurzfristig aber nicht mehr auf.

Die Aktie von Tesla Motors (WKN A1CX3T), die ich -> hier <- ja ausführlich besprochen hatte, arbeitet nun heftig an einem Ausbruch nach oben, wie Sie dem Chart entnehmen können. Ich bin mit einer kleineren Position investiert.


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Auf eine spannende und bei Ihnen wahrscheinlich wenig bekannte Aktie möchte ich Sie heute noch im Sinne einer Idee hinweisen.
Ceradyne (WKN 869651) - Website - ist eine Hightech Schmiede für keramische Anwendungen, mit interessanten Produkten im Bereich Militärtechnik, Automotive, Industrie etc. So stellt Ceradyne zb sehr leichte und trotzdem hoch sichere Keramikwesten für Militär und Spezialeinheiten her. Übrigens keine Sorge, Ceradyne ist nicht verwandt mit "Cyberdyne Systems" die (zumindest im Film) den Terminator hergestellt haben. 😉

Ein aktueller Auftrag sorgt heute für ein leichtes Plus, die Produktpalette ist zukunftsträchtig und die fundamentale Bewertung liegt auf Buchwert bzw bei einem P/E von unter 9 ! Und der Chart sieht auch interessant aus, alleine die Marktkapitalisierung von "nur" 700 Millionen USD könnte etwas höher sein. Nebenbei erwähnt, eine Dividende von 2% wird auch gezahlt. Vielleicht haben Sie ja Lust Ihr Aktienuniversum zu erweitern und dann werfen Sie mal einen Blick auf diese Keramik-Schmiede. Keramik-Fasern haben auf jeden Fall ein gewaltiges Potential und werden aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften in Zukunft sicher noch viele interessante Anwendungen finden.


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Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 09.03.12 – Zurück auf Los – Linde, Molycorp

22 Uhr - Handelsschluss - Wochenabschluss

Wäre man diese Woche auf Urlaub gewesen - fernab irgendwo im Urwald ohne Internet-Zugang - und würde man heute zurück kommen, könnte man anhand der DAX Stände von Freitag letzter Woche bis heute nur das Fazit ziehen: ruhige Woche, nichts passiert ! 😉

Das es anders war, kann man wunderbar an der "Untertasse" des DAX Wochencharts sehen. Man könnte es auch einen "Krater" nennen. 😉 Letztlich sind wir nun aber wieder "Zurück auf Los" und die alten Aussagen zum Markt sind nach wie vor gültig.

Diese "Cup & Handle" Formation ist in der Regel übrigens eine Trendbestätigung, sprich es sollten steigende Kurse folgen. Allerdings passen hier nicht alle Parameter nach Lehrbuch des "Cup & Handle", aber auffällig sieht es trotzdem aus.

Auf jeden Fall sah für mich die Korrektur am Dienstag mit der hochgepushten Aufregung um Griechenland und diesem merkwürdigen IIF Dokument doch recht "engineered" aus, ich denke da hat Big Money einfach einen durch China angeschlagenen und technisch schwankenden Markt genutzt, um uns mal durch ein für Big Money profitables Wechselbad zu treiben. Für den Markt war es trotzdem gut, weil sicher ein paar schwache Hände heraus gekegelt wurden. Leider aber nicht gut genug, denn wie ich schon gestern schrieb, fehlte die Phase der Panik und des Zweifels noch, um die Luft nachhaltig zu reinigen.

Das ist insofern schade, als wir nun weiter permanent und jeden Tag mit der Angst vor einer schweren Korrektur leben müssen. Ein Rücksetzer bis DAX 6400 hätte dieses Risiko aber bereinigt und uns einen sauberen und risikoarmen Long-Setup für ein paar Wochen beschert. Aber wir nehmen den Markt halt demütig wie er ist, wir haben ja auch keine andere Wahl. 😉

Nach unten sollten wir nun aber kurzfristig besser nicht mehr wegkippen, denn das würde der Markt wohl als Signal auffassen nun erst einmal heftig auf den Verkaufsknopf zu drücken. DAX 6400 wären dann sehr wahrscheinlich und um dieses Risiko schnell wegzubekommen, sollten wir nun zügig zu den Höchstständen laufen. Sollte das nicht passieren und wir um DAX 6850 seitwärts laufen, rechne ich damit das viele Profis Anfang nächster Woche sehr skeptisch werden und schon deshalb auf den Verkaufsknopf drücken. Leider ist die Bewegung nach oben aber nicht leicht und voller Hürden, da wir eine Menge alter Widerstände oberhalb DAX 7000 haben.

Das beste, theoretische Szenario für die Bullen lautet also, dass wir nächste Woche schnell über DAX 7000 gehen, um dann eine paar Tage über und unter 7000 hin und her zu schwanken, bevor wir dann endgültig nach oben durchbrechen. Ob das so kommt, ich weiss es nicht.

Ehrlich gesagt habe ich nun ein komisches Gefühl in der Magengrube, das im März noch eine böse Überraschung kommt. Ich kann Ihnen nicht wirklich sagen woher das Gefühl kommt, aber es ist nagend da, seit wir nach nur einem Tag Korrektur so schnell wieder hochgedreht sind. "Ich habe da ein ganz mieses Gefühl" - um es mit Han Solo zu sagen, als sie im ersten Star Wars Film auf einen kleinen Mond zufliegen, der sich dann als gigantische Kampfstation heraus stellt. 😉

Und wir hatten heute noch etwas was sich komisch anfühlte: der Euro fiel gegenüber dem Dollar um über 1% und gleichzeitig stiegen die amerikanischen Märkte - das ist eher selten ! Gleichzeitig hatten wir einen V -förmigen Spike im Gold, der Gold ab 14.30 Uhr nach den Arbeitsmarktdaten auf unter 1680 USD drückte - das verstehe ich bei steigendem Dollar noch - dann aber Gold ab 16 Uhr wieder bis über 1710 USD hiefte. Das ist alles sehr komisch und "passt nicht". Und wenn Dinge passieren, die "nicht passen", macht mich das unruhig. Trotzdem ist meine negative Ahnung letztlich ohne belastbare Grundlage und deshalb muss ich damit leben und darf mein Handeln davon auf keinen Fall abhängig machen.

Rational gehört den Bullen weiterhin das Vertrauen, denn auch das die Korrektur nur einen Tag dauerte, ist ein weiteres Zeichen der Stärke des Marktes und der Aufwärtstrend seit Jahresanfang ist nach wie vor voll intakt ! Und danach - nach den Signalen des Marktes - werde ich handeln, nicht nach einem komischen Gefühl in der Magengrube.

Die Aktie des Tages ist für mich Linde (WKN 648300). Linde lieferte heute beeindruckende Zahlen, hat ein hervorragendes Management und eine tolle Marktposition, ist in einem starken Aufwärtstrend und stieg konsequenterweise heute um mehr als 6%. Und ich kann Linde auf diesem Niveau trotzdem nicht mehr kaufen, obwohl es in meinen Augen zu den bestgeführten Unternehmen überhaupt gehört.

Mir fehlt es leider noch etwas an detailliertem Verständnis für das Geschäft und auch die Bewertung mit einem KGV von rund 15 ist zwar nicht überzogen, nimmt aber doch weiteren Erfolg in der Zukunft schon vorweg. Wäre ich noch bei Linde drin, könnte man den Qualitäts-Titel sicher mit einem Trailingstop laufen lassen. Ein Einstieg drängt sich mir aber im Moment nicht mehr auf. Sollten wir noch einmal unter 120€ zurück kommen, werde ich meine Meinung potentiell ändern.

Trotzdem möchte ich zu Ehren des Linde CEOs Wolfgang Reitzle und des herausragenden Jobs, den er zusammen mit seinem Team abgeliefert hat, den beeindruckenden Langfrist-Chart von Linde seit 1992 hier einmal zeigen.

Seit 2003 verantwortet Wolfgang Reitzle das Geschäft als CEO. Er ist der lebende Beweis, dass man kein Fachmann sein muss, um als Top-Manager Erfolg zu haben. Denn als Reitzle von Jaguar, Aston Martin & Co. 2002 zu Linde kam, wusste er von Industriegasen vermutlich auch nicht sehr viel mehr als ich jetzt - nämlich fast nichts. Was er aber danach aus Linde gemacht hat, nötigt mir allerhöchsten Respekt ab. Und "nebenher" hat er seit 2009 als Aufsichtsratchef massgeblichen Anteil daran, dass das Desaster rund um Schaeffler und Continental geräuschlos bereinigt wurde. Einer der heissesten Jobs die Deutschland damals zu vergeben hatte. Bravo kann ich da nur sagen !

Wolfgang Reitzle gehört für mich einfach in die absolute Top-Liga der Unternehmensführer, wann immer er etwas zu sagen hat, höre ich genau zu. Wie auch zuletzt, als er als einziger der Unternehmenselite Deutschlands mal den Mumm hatte auszusprechen, was so viele andere nur hinter vorgehaltener Hand flüstern. Selbstverständlich ist es nicht der Untergang Deutschlands, wenn wir aus dem Euro austreten würden, im Gegenteil - lesen Sie .

Man muss schon eine Menge Rückrat und Reputation haben, um sich offen gegen die aktuellen politischen Denkverbote zu stellen und das Risiko einzugehen, es sich mit der Kanzlerin zu verscherzen. Wolfgang Reitzle gehört scheinbar in diese Liga. Ich verneige mich in Hochachtung !

Zum Abschluss möchte ich Sie noch auf einen ganz "heissen Reifen" aufmerksam machen. Molycorp (WKN A1C2G7), ist einer der wenigen "Seltene-Erden" Förderer der westlichen Welt und übernimmt nun den kanadischen Seltene-Erden Verarbeiter Neo Material Technologies (WKN A0JL2T). Neo Material steigt heute um 37%, aber Molycorp - und das ist als Käufer ungewöhnlich - auch um über 18% !

Mr. Market liebt den Deal also offensichtlich, was auch kein Wunder ist, denn hier scheint sich *der* Seltene-Erden Förderer der westlichen Welt zu formen und Molycorp zahlt einen sehr günstigen Preis für Neo Material. Schon heute ist Molycorp mit 2 Milliarden USD Marktkapitalisierung ja kein kleines Unternehmen mehr, das Potential ist aber noch viel grösser und mittelfristig könnte Molycorp auch auf den Akquisitions-Radar der Bergbau-Riesen ala Rio Tinto (WKN 852147) geraten.

Nach dem brutalen Absturz der letzten Monate durch fallende Preise bei Seltenen Erden, könnte Molycorp auch vom Chart her nun am Boden angekommen sein, auch wenn es dafür charttechnisch, ausser dem Kaufsignal von heute, noch keine echten Beweise gibt. Und wenn die Gewinnprognosen des Managements nachhaltig sein sollten, bekommt man Molycorp aktuell für ein Forward PE von nur 5 !

Andersherum, steht und fällt Molycorp mit dem Preisdruck der von China ausgeht. Stellen wir uns also theoretisch vor, dass China seine Exportbeschränkungen aufhebt und die Welt mit seltenen Erden flutet, dann hat Molycorp wohl ein riesiges Problem. Denn die geringen Abbaukosten, die die Chinesen ohne Rücksicht auf Umweltschutz erzielen, dürften für Molycorp schwer zu erreichen sein.

Und noch etwas sollte man verstehen, gerade weil interessierte Kreise das Thema "Seltene-Erden" schon beim unerfahrenen Normalanleger gepusht haben, um mit dem Wort "selten" die Gier anzuregen und schnellen Profit zu machen. "Seltene-Erden" sind keineswegs so selten wie es scheint, sondern viele dieser Metalle sind geologische Massenware, was die Vorräte in der Erde angeht ! Es gibt also mehr als genug für den Bedarf der Industrie auf der Erde verteilt. Das Problem ist nur, dass sich bisher der Schwerpunkt der Förderstätten in China ballt, unter anderem weil die Förderung ein ziemlich schmutziges Geschäft ist und China mit Preisdumping alle anderen Minen unrentabel gemacht hat.

Molycorp ist also ein ganz "heisser Reifen", der entweder mit Totalverlust oder mit Ver-X-Fachung enden kann. Beides ist eindeutig möglich und ich warne eindringlich davor, einseitig nur die Chancen zu sehen ! Höchst spannend ist die Aktie aber schon und ein Titel für starke Nerven und erfahrene Anleger, die das Thema auch permanent beobachten können. Lesen Sie bei Bloomberg mehr zum Deal oder schauen Sie einfach mal selber auf den Chart:


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Ich wünsche Ihnen ein schönes, erholsames Wochenende !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 08.03.12 – die Angst der FED

22 Uhr - Handelsschluss

Es scheint fast so, als hätte die gute FED eine Menge Angst davor, die Märkte auf Entzug zu setzen. Da hatte Ben Bernanke doch am 29.02. Aussagen gemacht, die man mit Phantasie so interpretieren konnte, dass ein QE3 nicht mehr beabsichtigt sei.

Und prompt hatte ihm der nach billigem Geld drogensüchtige Mr. Market die rote Karte gezeigt, am 29.02. sofort Gold und Silber abverkauft und in Folge dann zur Korrektur angesetzt. Und was passiert ? Kurz danach tauchen über das "Wall Street Journal" Gerüchte auf, nach denen doch ein neuartiges Programm zum Ankauf von Anleihen im Gespräch sein soll. Und es werden Details mitgeliefert, die in meinen Augen eigentlich nur aus der FED kommen können. Und was macht König Mr. Market ? Er nimmt das gnädig zur Kenntnis und bequemt sich wieder nach oben zu laufen.

Das zeigt mir erneut, dass die FED die Assetpreise auf jeden Fall und um jeden Preis hoch halten wird. Wer in diesem Jahr also auf grundlegend fallende Kurse setzt, wettet damit in meinen Augen gegen den erklärten Willen der FED. Wer das tun will, mag das tun, ich gehöre nicht dazu und ganz gleich wie ich über diese FED Massnahmen denke, ich sehe diese Hinweise neuer Massnahmen als erneuten Beweis, dass die Asset-Preise so oder so aufgeblasen werden.

In dem Zusammenhang schauen Sie auch mal in Blogeintrag von Joshua Brown, dessen lesenswerten Blog Sie bei mir unter "Hilfreiche Links" finden. Zitat: "The Fed is not playing games, guys, they want this market rolling higher. Fight it at your own peril."

Das beantwortet uns natürlich nicht die Frage, ob noch kurzfristig Teil 2 der Korrektur vor uns liegt. Aber es gibt zumindest einen klaren Hinweis, dass Korrekturen weiterhin wohl Kaufgelegenheiten sind !

Zusätzlich zu der unterstützenden Kommunikation der FED schoben dann die zunehmend positiven Aussagen rund um die Annahmequote des griechischen Schuldenschnitts heute den Markt an. Laut Nachrichten von heute Abend sollen schon mindestens 75% der Gläubiger beim Schuldenschnitt mitmachen. Damit sind gestern noch diskutierte Horroszenarien eines völlige Scheiterns wie erwartet vom Tisch und es geht nur noch um die Frage ob der Schuldenschnitt bei einer Annahmequote von 90% ganz sicher ist, oder bei bestimmten Gläubigern noch ein längeres "Armdrücken" statt finden wird. Das endgültige Ergebnis soll Freitag früh bekannt gegeben werden. Aber im heutigen späten Handel liefen schon Gerüchte um ein 90% Annahmequote durch den Markt. Wir werden sehen ....

Was den theoretischen zweiten Teil der Korrektur angeht, sieht es ja im Moment wirklich nicht danach aus. Vielleicht ist es dieser eine Korrektur-Tag am Dienstag wirklich schon wieder gewesen, ich würde das bedauern, weil die Luft noch nicht so richtig bereinigt wurde. Mir fehlt idealerweise noch die kurze Phase der Panik, in der die zu frühen "Buy-the-Dip"-Käufer noch einmal rasiert werden und alle sich fragen, ob das nicht doch die nachhaltige Wende nach unten ist. So eine Sentimentlage wäre dann ein ganz klares Kaufsignal, aber das haben wir leider nicht bekommen.

Aber was ich mir wünsche ist nicht relevant, relevant sind die Signale des Marktes und die sagen: "Verkaufsdruck nicht vorhanden, es geht wieder nach oben !" Nur einen kleinen Stachel des Zweifels habe ich doch noch in mir. Sie erinnern sich sicher daran, wie gerne Mr. Market den "Weg des maximalen Schmerzes" geht. Und was wäre der im Moment ?

Ich denke der würde ungefähr so ablaufen: der Markt läuft hoch, signalisiert die Korrektur ist schon zu Ende, zieht damit das zögernde Geld von der Seite in den Markt, ereicht marginal neue Höchststände und schaut kurz über 7000 ..... nur um genau dann richtig nach unten zu drehen, abzusacken und zur echten Korrektur anzusetzen, die Ben Bernanke dann ein paar Wochen später mit der Notenpresse beendet.

Ich betone, ich habe absolut Null objektive Indikatoren die auf diesen Ablauf hindeuten, es ist nur so ein komisches Gefühl in der Magengrube, nicht mehr aber auch nicht weniger. Ich werde also bestimmt aufmerksam und vorsichtig bleiben - sozusagen auf den Zehenspitzen - mein Handeln am Markt lasse ich aber von solchen Ahnungen nicht bestimmen.

Was Einzelaktien angeht, war für mich heute die Deutsche Post (WKN 555200) die Aktie des Tages. Gute Zahlen, guter Ausblick und Dividendenerhöhung sorgten für ein Kurs von 5%. Auch wenn die Geschäfte weiter gut aussehen, die Logistik ein Wachstumsmarkt bleibt und die Bewertung moderat ausschaut, drängt sich mir eine Investition gerade nicht auf. Denn ich würde nun erst einmal abwarten, ob es die Deutsche Post wirklich schafft die Zone um 14€ hinter sich zu lassen, die sich seit Jahren nun als obere Begrenzung heraus kristallisiert hat. Die Deutsche Post im Herbst letzten Jahres zu kaufen war weitsichtig, jetzt muss es in meinen Augen nicht mehr zwingend sein.

Sehr stark waren heute auch die hier schon mehrfach besprochenen ST Microelectronics (WKN 893438) , Daimler (WKN 710000) und Leoni (WKN 540888) - alle heute mit einem Anstieg um die 5% ! Aber auch "alte Verdächtige" wie Rheinmetall (WKN 703000), Continental (WKN 543900) oder Veolia (WKN 501451) haben heute mit stattlichen Gewinnen meine These bestätigt, dass noch keine Sektor-Rotation im Gange ist, sondern die Favoriten der Phase Januar bis Februar auch jetzt im März noch die Favoriten des Marktes sind.

Morgen haben wir um 14.30 Uhr die Arbeitsmarktdaten in den USA auf dem Radar, auf die der Markt nun schon positiv eingestimmt ist. Das eröffnet etwas Raum für eine negative Überraschung, aber nicht eindeutig genug, um darauf schon eine Positionierung einzugehen.

Für den weiteren Verlauf gelten die alten Aussagen, oberhalb DAX 7000 lauern eine Menge an Widerständen, die bestimmt nicht so schnell überwunden werden. Und ein erneuter Absacker macht den Weg Richtung DAX 6400 wohl frei.

Warten wir also demütig ab, was Mr. Market´s unermesslicher Ratschluss ergibt - ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 01.03.12 – Kirch vs Deutsche Bank und die Organhaftung

22 Uhr - Handelsschluss

Da war er, der gestern antizipierte "First of Month Jumper", ich habe ihn heute genossen, bevor erneut ein dürftiger ISM Index und weitere Konjunkturdaten die Bewegung erst einmal temporär ausbremsten. Im späten Handel nahmen die Indizes dann aber wieder Fahrt nach oben auf, aus meinem Intraday Trade war ich da aber schon wieder draussen.

Gerade wegen der eigentlich enttäuschenden Daten kann ich hier nur wieder feststellen, wie gut der Markt diese verdaut hat. Ich weiss ich höre mich nun wie eine Platte mit Sprung an, weil ich immer das Gleiche sage. Aber in Anbetracht der Korrektur-Ankündigungen die seit Wochen permanent aus alle Medien quellen, ist das nach meiner Ansicht auch nötig um den Fokus auf das Wesentliche nicht zu verlieren. Es bleibt also dabei, die Bullen haben die Oberhand und den Bären gelingt es nicht, selbst solche Vorlagen zu verwandeln.

Insofern habe ich zum Markt als Ganzes nun nichts Neues zu sagen. Auch wenn sehr viel nun instinktiv für eine baldige Korrektur spricht, gibt es für mich bei objektiver Betrachtung bisher keine Signale, dass die Bullen den Markt nicht mehr im Griff hätten. Um das zu ändern müsste ich erst einmal einen Absturz sehen, der am Folgetag nicht erneut für Käufe genutzt wird, sondern für weitere Abgaben sorgt.

Es bleibt zwar ein komisches Gefühl, dass es nach diesem langen Anstieg bald mal wieder "scheppern" sollte, aber komische Gefühle sollte man besser nicht zur Grundlage von Anlageentscheidungen machen und da viele derzeit dieses komische Gefühl haben, bestätigt diese Skepsis im Markt eher die Stabilität der Anstiegsbewegung. Denn grosse Abstürze kommen, wenn alle nur nach oben schauen und alle investiert sind und davon sind wir nach meiner Wahrnehmnung noch deutlich entfernt. Das aktuelle Marktsentiment von Cognitrend bestätigt diese Sicht nachdrücklich, Sie können es oder über meine "Hilfreichen Links" nachlesen.

Denken Sie bei aller positiven Erwartung aber bitte daran, was ich letzten Freitag -> hier <- zur Marktlage sagte. Wir haben im Bereich oberhalb DAX 7000 eine derart grosse Menge an Widerständen, dass ich mit nicht vorstellen kann, dass wir da einfach so wie ein Messer durch Butter durchmarschieren.

Kommen wir heute also schnell zu einzelnen Titeln:

Zu Aixtron (WKN A0WMPJ) habe ich mich ja in einem eigenen Artikel -> hier <- schon geäussert und das wird auch die letzte Erwähnung der Aktie hier für einige Zeit sein.

Bei Veolia (WKN 501451) wurde gestern in einer dürren Nachricht nach dem Board-Meeting der CEO Antoine Frérot und seine Restrukturierungspolitik bestätigt. Der Markt begrüsste diese Nachricht und schickte Veolia gestern 2% nach oben, heute folgte dann eine gewaltige Rally mit zeitweise 14% Plus ! Ich bin gestern wie angekündigt - nach Bestätigung des Managements - bei Veolia wieder eingestiegen, habe aber erst 50% meiner Zielgrösse wieder erreicht. Denn mir war diese Nachricht gestern einfach noch zu dürr und warf weitere Fragen auf.

Denn ich gehe weiter davon aus, dass an den Fusionsgelüsten die dem EDF CEO und ex Veolia CEO Henri Proglio nachgesagt wurden, eine Menge dran war und ist. Und eine Neuauflage der Akquistions- und Verschuldungspolitik Proglios würde der Markt bei Veolia sicher nicht goutieren, was man auch daran sieht, wie begeistert der Markt heute reagiert, nachdem das Gespenst wieder weg zu sein scheint.

Denn die aktuellen Zahlen sind in meinen Augen keineswegs der Grund für den heutigen Anstieg, weil das alles im wesentlichen schon vorher bekannt war. Ursache ist eher die Erleichterung, dass der eingeschlagene Restrukturierungs-Weg fortgesetzt wird, verbunden mit der heute bekannt gewordenen Aussicht, dass ein Verkauf des Transportgeschäftes (Eisenbahn etc) frisches Geld in die Kasse spülen würde. Was wir heute im Titel sehen, werte ich also als eine Erleichterungsrally darüber, dass es mit dem Turnaround doch noch klappen könnte. Und der Umfang der Rally zeigt, welches Potential in Veolia steckt wenn der Turnaround gelingt.

Insofern habe ich durch meine noch nicht voll aufgebaute Position nun ein paar Tagesgewinne verpasst, aber es gibt schlimmere Probleme. Sollte die Strategie des Schuldenabbaus konsequent weiter geführt werden und die Gerüchte um einen Management-Wechsel wirklich endgültig vom Tisch sein, ist die Veolia-Turnaround-Story wieder völlig intakt und der Titel in meinen Augen mittel- und langfristig voller Chancen. Nach der heutigen gewaltigen Erleichterungs-Rally wäre ein Rücksetzer in den nächsten Tagen unter 10€ aber völlig normal. Wer nun an der Seitenlinie steht, bekommt also in den nächsten Tagen vielleicht noch eine Chance.

Sehr gut sieht weiterhin Continental (WKN 543900) aus. Hier habe ich meinen Einsatz in der gestrigen Schwäche erhöht und für mich stehen bei dieser Aktie aktuell alle Ampeln auf grün. Mittel- und langfristig finde ich grosse innovationsstarke Autozulieferer wie Continental, Johnson Controls (WKN 857069) oder die leider nicht börsennotierte Bosch sogar spannender und interessanter als die Autohersteller selber.

Denn die absehbaren Umbrüche beim Ersatz des Benzinmotors durch andere Antriebstechnologien, bergen für die etablierten Autokonzerne durchaus erhebliche Risiken und die Gefahr, dass neue Wettbewerber auftauchen. Alleine die Tatsache, dass die Autohersteller eine ihrer Kernkompetenzen in der sie über 100 Jahre Kompetenz aufgebaut haben - den Motorenbau - möglicherweise langfristig verlieren könnten, ist ein Risiko das man bei längerer Betrachtung der Entwicklung nicht unterschätzen sollte, auch wenn es für eine aktuelle Investition noch keine Relevanz hat. Denn wenn es den grossen Zulieferern gelingt, hier komplette Antriebskonzepte zu verkaufen, würde sich das Rollenbild von Koch und Kellner zwischen Autoherstellern und Zulieferern langfristig drehen.

Bei den grossen, technologisch führenden Zulieferern dagegen - zu denen die drei obigen Namen definitiv gehören - überwiegen daher für mich die Chancen des Paradigma-Wechsels, denn gerade diese Unternehmen werden in der Lage sein sich durch kritische Innovation völlig unabkömmlich zu machen. Alle drei Unternehmen investieren gerade auch massiv in den Bereich des Elektroantriebs bzw der Speichertechnologie. Und als I-Tüpfelchen kommt dazu, dass der Besitz einer innovativen Elektro-Speichertechnologie obigen Unternehmen auch jede Menge neue Kunden und Geschäftsfelder ausserhalb der Autoindustrie ermöglichen könnte.

Man darf aber nicht unbesehen jeden Autozulieferer positiv sehen, denn wer wie zb ZF Getriebe herstellt, dürfte in der Welt der Elektroautos seine Probleme bekommen, wo klassische Getriebe schlicht wegfallen. Mit Continental oder Johnson Controls befindet man sich aber in meinen Augen auf der richtigen Seite der Entwicklung.

Bei Itron (WKN 888379) sollte man nun genau hinschauen. Nach dem sensationellen 24% Anstieg vom 16.02.12 ist der Kurs nun um ca. die Hälfte des Anstieg wieder abgebröselt. Das ist nach solchen Bewegungen ganz typisch und keineswegs ein Zeichen von Schwäche. Ich kann mir gut vorstellen, dass spätestens auf dem Niveau des Hochs vom 09.02.12 - also bei ca. 43 USD - Schluss mit der Konsolidierung ist und sich der Blick wieder nach oben richtet. Heute hat Itron schon zum ersten Mal seit Tagen wieder deutlich im Plus geschlossen.

Bei Repsol (WKN 876845) ging es seit gestern trotz positivem Umfeld für Ölaktien deutlich abwärts, weil der Markt sich um eine Zwangsverstaatlichung der YPF Beteiligung in Argentinien sorgte. Allerdings konnte sich der Titel heute im weiteren Handel dann schon wieder deutlich erholen. Auch ich bin mit einer Position bei Repsol dabei. Man sieht daran wieder, wie wichtig politische Stabilität ist und warum ich Minenwerte nicht mag, die primär in den kritischen Ländern Südamerikas unterwegs sind. Während ich bei Repsol das Risiko bewusst eingegangen bin, weil selbst eine Verstaatlichung der YPF den Konzern zwar schütteln aber nicht aus der Bahn werfen würde, wären derartige Aktionen für einige kleinere Minen wohl der Exitus. Da der Markt bei solchen politischen Entwicklungen gerne zu kurzfristigen Übertreibungen neigt, ergibt sich für am Einstieg Interessierte möglicherweise in den nächsten Tagen einen attraktive Gelegenheit.

Gold und Silber haben sich nach dem gestrigen Absturz heute stabilisiert. Gold schloss deutlich über 1700 USD und Silber über 35 USD. Eine derartige Gegenbewegung ist aber normal nach so einem Absturz und sagt noch nicht viel aus. Ich denke Morgen am Freitag werden wir klüger sein. Denn dreht Gold Morgen wieder unter 1700 USD, sollte man sich wohl auf eine ausgedehntere Schwächephase einstellen. Steigt Gold Morgen aber weiter, spricht viel dafür, dass der Absturz gestern nur ein "One Day Wonder" aufgrund Bernankes Aussagen war.

Zum Abschluss noch ein paar wertende, persönliche Worte zum scheinbar gescheiterten Vergleich im Streit Kirch vs Deutsche Bank:

Aus der juristischen Sicht der Deutschen Bank kann ich die Ablehnung des Vergleiches gut nachvollziehen, denn da wären dann möglicherweise sofort Haftungsklagen wg vermeintlicher "Untreue" gegen Aufsichtsrat und Vorstand möglich gewesen, da ohne zwingende Not eine derart grosse Summe gezahlt werden würde. Abgesehen davon war wohl nach Presseberichten auch der Widerstand Rolf Breuers gross, der als Folge des Vergleichs möglicherweise mit einer Schadensersatz-Klage der Deutschen Bank hätte rechnen müssen.

So sorgt die gut gemeinte Verschärfung der Haftungsregeln für Aufsichtsorgane nun dafür, dass die Firmen es schwer haben bei Konflikten auf Organebene Vergleichsbereitschaft zu zeigen und derartig wichtige Konflikte eher bis zum letzten Mann austragen müssen. Denn der Ermessensspielraum des Managements ist durch die verschärften Haftungsregeln nun deutlich eingeschränkt.

Aus meinen persönlichen Erfahrungen in den Chefetagen bin ich der festen Überzeugung, dass die derzeitigen Haftungs-Regelungen schon zu weit gehen und den Unternehmen und damit den Aktionären schaden. Denn dadurch wird nach meiner Ansicht freies unternehmerisches Handeln gebremst und eine Kultur des "dreifachen juristischen Hosenträgers" etabliert, in der nur Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer von Wachstum reden können.

Und damit es keine Missverständnisse gibt, natürlich ist es richtig, dass echte Untreue strafbar ist und insofern ist die Haftung der Organe wg Untreue auch gar nicht das Problem. Das Problem ist vielmehr, dass der juristische Untreue-Begriff so schwammig ist, dass eine verlässliche Abgrenzung zwischen strafrechtlicher relevanter Untreue und schlichter unternehmerischer Fehleinscheidung praktisch unmöglich ist. Das erlaubt es Dritten im Nachhinein - dann wenn jedermann sowieso klüger ist - Fehl-Entscheidungen des Managements einer derartigen Anschuldigung auszusetzen. Als Organ einer solchen Gesellschaft ist man dem weitgehend ausgeliefert, weil derartige Verfahren unabhängig von echter nachweisbarer Schuld sowieso fast immer in einem Vergleich enden, denn die Belastung ist selbst durch eine völlig ungerechtfertigte Klage einfach zu hoch. Und wie die Justiz in die Hirne der Beteiligten schauen will um echte Untreue von schlichter Fehleinschätzung trennen zu können, hat mir noch nie so richtig jemand erklären können.

Die Folge davon ist eben die allein auf Absicherung ausgerichtete "Kultur des dreifachen juristischen Hosenträgers", durch die logische und für das Unternehmen wahrscheinlich sinnvolle Entscheidungen nicht mehr getroffen werden, wenn sie mit der Gefahr einer späteren Haftungsklage verbunden sind. Denn falls sich eine komplexe unternehmerische Entscheidung im Nachhinein als falsch heraus stellt, kann man einen Untreue-Vorwurf immer konstruieren, wenn man nur will. Letztlich lähmt diese nach meiner Wahrnehmung überzogene Gesetzeslage Innovationsbereitschaft und verantwortliches Handeln der Managements. Denn Entscheidungen werden nun lieber an drei verschiedene, teure, externe Gutachter delegiert, als diese selber aus unternehmerischer Überzeugung heraus zu treffen und gegenüber den Aktionären zu vertreten.

Richtig wäre es in meinen Augen dagegen, den Eigentümern - den Aktionären - noch mehr direkte Durchgriffsrechte zu geben um einen versagenden Aufsichtsrat und damit das Management abzulösen, gleichzeitig aber die Organe besser gegen Haftungsansprüche zu schützen. Denn zu unternehmerischem Erfolg gehört zwangsläufig auch der Mut zum Risiko und der Mut Neues zu wagen. Neues ist aber immer mit der Möglichkeit des Scheiterns und höheren Risiken verbunden und hinterher ist man halt immer klüger. Wenn einem permanent das Damoklesschwert des juristisch schwammigen Untreue-Paragraphen über dem Kopf schwebt, wird man als Management eher dem ausgetretenen, weil sicheren Pfad folgen. Mittelfristig beraubt man mit dieser "Hosenträger-Philosophie" aber eine Wirtschaft der Wettbewerbsfähigkeit - denn es gilt immer noch: "No Risk no Fun" und ohne Risiko ist Innovation unmöglich !

Das Verfassungsgericht hat die Hürden für den Untreue-Vorwurf zwar zuletzt leicht erhöht, in meinen Augen die ganze Problematik für unser Wirtschaftssystem aber noch nicht erkannt. Ich wiederhole, das Problem ist nicht der Untreue-Paragraph an sich, sondern die Unbestimmtheit und Dehnbarkeit der Definition, die man in meinen Augen zu leicht als Kampfmittel einsetzen kann um Eigeninteressen durchzusetzen. Wen das Thema interessiert, der kann sich zum Beispiel einlesen.

Aus inhaltlicher Sicht, kann ich aber die mir aus der Presse bekannte Argumentation der Deutschen Bank gar nicht nachvollziehen. Insbesondere die Behauptung Kirch sei schon vorher Pleite gewesen ist in meinen Augen am Thema vorbei. Denn selbst wenn er kurz davor stand oder mitten drin war, haben die öffentlichen Äusserungen Breuers jede Hoffnung auf eine geordnete Planinsolvenz nach meiner Ansicht zunichte gemacht. Man kann trefflich über die Höhe des Schadens streiten, dass aber eine derartige Aussage des Vorstandschef der grössten deutschen Bank über einen seiner Kunden massive wirtschaftliche Auswirkungen hat, sollte selbst wirtschaftlichen Laien einsichtig sein.

Letztlich läuft die Argumentation der Deutschen Bank ja in meiner Interpretation darauf hinaus, dass den Aussagen eines Bank CEOs keine besondere Bedeutung beigemessen werden muss, wenn er sich locker mit Bezug auf Dritte zu seinen Kunden äussert. Eine interessante Sicht, ganz besonders wenn man sich vor Augen führt, wozu sich Josef Ackermann so alles publikumswirksam geäussert hat. Für mich persönlich waren die Aussagen Rolf Breuers damals einfach ein klarer Pflichtverstoss eines Bankers, der eine Treuepflicht einem grossen Kunden gegenüber hatte. Und so etwas darf in meiner Welt nicht ohne schmerzhafte Konsequenzen bleiben.

Insofern hoffe ich und bin zuversichtlich, dass die Herren Gauweiler und Co. der Deutschen Bank nun weiter die Hölle heiss machen und auch die Frage theoretischer Interessenskonflikte der Deutschen Bank im Umfeld der Kirch-Insolvenz beleuchten. Am Ende kommt dann vielleicht sogar ein höherer Schadensersatz heraus - wer weiss. Verrückterweise könnten die Aufsichtsorgane der Deutschen Bank diese höhere Summe dann aber problemlos durchwinken, weil es dann ja ein höchstrichterliches Urteil wäre. So viel zu den absurden Effekten, zu denen eine für mich überzogene Haftungspraxis für Aufsichtsorgane führt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 22.02.12 – Frankreich und die Glaskugel

22 Uhr - Handelsschluss.

Die Orientierungsphase und Konsolidierung des Marktes dauert wie erwartet an.

Ich habe schon oft erwähnt, dass man in Korrekturen oder Konsolidierungen mehr über den Markt lernt, als bei ein paar Prozent Anstieg mehr oder weniger. Und dieser Markt ist ganz ruhig, geradezu gelassen und korrigiert auf breiter Front ohne jede Hektik oder Angst.

Dieses Verhalten sollte man als positives Zeichen werten. Denn es gibt zwei Gründe warum ein Markt unerwartet crashartig abstürzen kann:

(1) Durch ein überraschendes, exogenes Ereignis ala Fukujima. Dergleichen kann immer und jederzeit passieren, auch in den nächsten 5 Minuten nachdem ich den Artikel hier Online gestellt habe. Das ist einfach das normale Risiko des Lebens und wer sein Geld diesem Risiko nicht aussetzen will, sollte gar nicht an der Börse sein.

(2) Aus innerer Nervosität heraus, die dann einen kleinen Schmetterlingsschlag des Schicksals zu einem wasserfall-artigen Absturz werden lässt, weil dann alle gleichzeitig zum Ausgang rennen. Derartige Nervosität und die damit einhergehende Volatilität haben wir ja letzten Herbst eindrücklich erlebt. Aber derartige Nervosität entsteht nicht aus dem Nichts innerhalb einer Stunde. Und sie vergeht auch nicht in einer Stunde. Die muss wachsen, weil bestimmte Risiken sich langsam in die Wahrnehmung des Marktes hinein fressen.

Und deshalb muss man das derzeitge Marktverhalten positiv werten. Sicher ist (1) jederzeit möglich, aber (2) ist im Moment definitiv nicht vorhanden und wenn doch wieder solche Nervosität entsteht, wird man die vorher bemerken und sich entsprechend darauf einstellen können. Hohe Volatilität ist ein Prozess und kein singuläres Ereignis, das einen "mal eben" überraschen kann.

Ich weiss, dass fast alle technischen Indikatoren derzeit mehr oder weniger laut "Korrektur" schreien. Das zu erkennen erfordert aktuell nun wirklich keinen Doktor in Raketentechnik, sondern nur eine halbwegs scharfe Brille um RSI, MACD, Stochastik etc ablesen zu können. Und vielleicht kommt eine grössere Korrektur auch jetzt, obwohl mir mein Instinkt sagt: "jetzt noch nicht, aber später". Aber wenn sie kommt, dann bin ich überzeugt, dass derzeit noch so viel Geld an der Seitenlinie genau auf diese Korrektur hofft und wartet, dass sie schnell wieder vorbei sein wird.

Umgekehrt wirkt der Markt aber auch nach oben ziemlich müde. Ich glaube also nicht, dass 2 Tage als Konsolidierung ausreichen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir nun ein oder zwei Wochen in einer Seitwärtsbewegung mit leicht fallender Tendenz verharren, weil Mr. Market diese Zeit einfach braucht, um wieder Kraft für den nächsten Schub nach oben zu sammeln.

Wenn wir übrigens beim Instinkt sind, kann ich mir vorstellen, dass der nächste wirklich Angst machende Aufreger für den europäsichen Markt die Präsidentschaftswahl in Frankreich sein wird, die den ersten Wahlgang am 22. April hat. Denn was man vom Kandidaten der Sozialisten Francois Hollande hört - Absichten wie die Rentenreform zurück zu drehen und das Einstiegsalter wieder auf 60 zu setzen oder den Fiskalpakt in Europa neu zu verhandeln - wird Mr. Market massiv Angst machen.

Nicht wegen den Auswirkungen solcher Politik in Frankreich - sollen die das doch innenpolitisch machen, was sie davon haben werden sie schon merken. Sondern wegen der Sprengkraft auf die gerade gewonnene Einigkeit innerhalb der Euro-Zone. Denn ein Frankreich, dass von Deutschlands Seite weicht und fröhlich die Politik des Geldausgebens auf Pump in den EU Gremien forciert, lässt Deutschland nur die Wahl zwischen Syphilis und Tripper. Syphilis wenn Deutschland im Euro bleibt und damit endgültig zum Zahlmeister Europas wird. Wir gehen dann also mit 67 oder 69 in Rente, damit Hollande seine Wahlversprechen finanzieren kann. Letztlich würde es ein paar Jahre dauern, aber eine deutsche Regierung die da mitmacht, würde auch bei uns dann weggefegt. Und Tripper, wenn Deutschland das nicht akzeptiert und dann aber den Euro zwingend verlassen muss, was wiederum den Euro sprengen und Deutschland als "bösen, unsolidarischen Verräter" stigmatisieren würde.

Und um den naheliegenden Einwurf gleich zu beantworten: natürlich bin auch ich der Überzeugung, dass alles was Hollande jetzt im Wahlkampf sagt, hinterher nicht so heiss gegessen wird. Auch ein Hollande wird sich letztlich den fiskalischen Realitäten beugen müssen. Aber das ist hier nicht der Punkt, denn Mr. Market wird eben vor der Wahl schon in massive Unruhe geraten, wenn der Vorsprung von Hollande vor Sarkozy deutlich und seine Rhetorik zum Europa und dem Euro unverändert bleibt. Dann wird der Markt schon Anfang April das mögliche Szenario eines Zerfalls der Euro-Zone einpreisen. Denn Mr. Market handelt die Zukunft und wartet keine Wahlen ab !

Um mal meine beschlagene Glaskugel für das mittelfristige Bild zu bemühen, kann ich mir also gut vorstellen, dass der Markt nach der derzeitigen Konsolidierung noch einen kräftigen Schluck nimmt und deutlich über die 7000 im DAX schiesst. Auch 7500 sind bis Anfang April sicher machbar. Dann aber, ab ca. Mitte März, mit dem Näherrücken der französischen Wahl, immer nervöser wird und letztlich im April in einen grösseren Korrekturmodus wechselt. Denn die Wahl in Frankreich und damit erneut die Existenzfrage der Eurozone hat allemal das Potential, der nächste schwere Aufreger für Mr. Market zu werden.

Ich verfolge ja den amerikanischen Markt und die Kommentare in Presse und Blogs sehr aufmerksam. Das in der französischen Wahl steckende Risiko für die Eurozone ist derzeit noch kein Thema an der Wallstreet, ich bin aber sicher: das kommt noch !

Das nur als Gedankenanstoss, Sie wissen ja: auch meine Glaskugel funktioniert nicht wirklich. Aber es schadet nicht, sich gedanklich auf solche möglichen Szenarien einzustellen. Handeln sollte man aber bitte nicht auf Verdacht, sondern erst, wenn der Markt mit seinem Verhalten ein solches Szenario ganz real bestätigt. Und die Signale die uns Mr. Market in dieser Konsolidierung bisher sendet lauten nach wie vor: Vorteil für die Bullen ! Es wäre in meinen Augen nicht klug, sich auf Verdacht gegen diese Signale zu stellen.

Was die Einzelaktien angeht, gehen Sie einfach mal durch die heutigen Kurslisten und schauen Sie, welche deutschen Aktien heute im Plus oder nur minimal im Minus waren. Da werden Sie auch einige Titel (Stichwort: Rheinmetall, Continental, Daimler etc) finden, die wir hier schon explizit besprochen haben. Relative Stärke in einer Konsolidierung ist ein sehr wichtiges Zeichen, das eine Menge über zukünftige Chancen aussagt. Insofern ist diese Übung heute sehr sinnvoll.

Auch bei einem meiner langfristigen Favoriten, der in Deutschland erstaunlicherweise trotz 120.000 Mitarbeitern und 20 Milliarden € Jahresumsatz kaum bekannten Schneider Electric (WKN 860180), geht es nun richtig nach oben. Das Unternehmen bewegt sich primär im Bereich der Energieverteilung und der Automation, wobei Schneider Electric zunehmend einen Schwerpunkt im intelligenten Gebäudemanagement ausbildet. Energiesparende Gebäude und automatisierte Gebäudetechnik sind dank steigender Energiepreise einfach ein wachstumsstarker Zukunftsmarkt und Schneider Electric dort der Marktführer in Europa. Erst heute hat das Management sich vorsichtig und zurückhaltend zum Geschäftsverlauf in 2012 geäussert und was macht der Kurs statt dessen ? Er steigt um rund 5% 😉 Das ist das typische Zeichen, das bei einem substanzstarken Unternehmen scheinbar alle schlechten Nachrichten schon eingepreist sind. Auch der Chart sieht ausgezeichnet aus, auch wenn man nach oben nun keine Wunderdinge erwarten darf. Schauen Sie einfach mal selber drauf.

Und Gold hat die gestern erwähnte positive Tendenz heute eindrucksvoll bestätigt. Wir haben mit ca. 1778 USD geschlossen und da ist definitiv was im Gange ! Meine Nase hatte scheinbar den richtigen Riecher und manchmal lohnt es sich halt auch, einfach derselben zu folgen.

Zu Einzelaktien aus Deutschland gibt es ansonsten bedingt durch die gleichmässigen und geordneten Abgaben im Markt heute auch herzlich wenig, was ich nun unbedingt erwähnen müsste. Also lasse ich es heute mal dabei, hole mir einen Rotwein und geniesse einen Abend, an dem mir auch die Börse Raum zur Entspannung gewährt.

Bis Morgen !
Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 16.02.12 – Konsolidierung dauert an – Itron hebt ab

22 Uhr Handelsschluss

Ein sehr spannender Tag im Markt, zu dem es vieles zu sagen gibt ! Deshalb wird dieser Artikel heute etwas länger 🙂

Heute konnten wir erleben, wie wichtig es ist, sich an die einmal gesetzten Regeln zu halten. Denn wir sind immer noch in der Konsolidierungszone, die ich -> hier <- vor zwei Tagen skizziert hatte.

Gestern haben wir die obere Begrenzung bei ca. DAX 6830 getestet und es gab einige die zu früh versuchten den Ausbruch zu traden und dann böse rasiert wurden, als der Ausbruch scheiterte. Heute haben wir im frühen Handel bei DAX 6650 die untere Begrenzung getestet und hatten das gleiche Bild: wer zu früh Short gegangen war, fand sich kurz danach auf der Verlierseite wieder. Ich kann daher nur noch einmal unterstreichen, wie wichtig es an solchen Marken ist, nicht zu versuchen die Bewegung zu erahnen. Man sollte nach meiner Erfahrung lieber auf ein oder zwei Prozent verzichten um dafür ganz sicher zu sein, dass der Kurs wirklich nach oben oder unten ausbricht und eine nachhaltige Bewegung eingesetzt hat.

Für Sie habe ich im Chart des DAX von 18 Uhr die Konsolidierungszone noch einmal deutlich heraus gearbeitet. Nach unten ist die Begrenzung bei DAX 6650 eindeutig. Nach oben kann man darüber lange diskutieren wo man die Linie genau zieht. Ich persönlich schneide gerne die "Fahnen" ab, weswegen ich eher auf DAX 6830 komme. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte aber lieber abwarten bis DAX 6850 wirklich nachhaltig hinter uns liegt.

In Summe sprechen solche Konsolidierungen aber eher dafür, dass der Markt nach einiger Zeit die alte Bewegung wieder aufnimmt, sprich hier nach oben weiterläuft. Ausnahme von der Regel sind klassische Top-Bildungen mit Wechsel der Aktien von den "starken" in die "schwachen" Hände, die erst spät nachrücken und dann gerne von Mr. Market auf dem falschen Fuss erwischt werden.

Eine wichtige Beobachtung ist aber heute früh bestätigt worden: der Markt hat (zumindest temporär) seinen Charakter geändert und die unerbittliche Bewegung, die uns über Wochen nach oben getrieben hat, ist erst einmal vorbei.

Das bedeutet aber nicht, das der mittelfristige Bulle vorbei ist, bitte interpretieren Sie in den Satz oben nichts Falsches hinein ! Es bedeutet nur, dass wir nun wieder in einem "normalen" Markt sind, in dem eine Aufwärtsbewegung von Korrekturen und Seitwärtskonsolidierungen unterbrochen ist und in dem es hin und her geht. Die letzten Wochen seit Anfang Januar war das aber anders, da gab es auf der gesamten Strecke keine einzige nennenswerte Konsolidierung, da war der "Runaway-Move" voll intakt. Ob er nun zu Ende ist oder nur eine Verschnaufpause einlegt, wird die Zukunft zeigen.

Das gleiche Bild des DAX, diesmal aber im grösseren Chart über Monate, offenbart die beeindruckende Bewegung seit Mitte Dezember und den aktuellen Trendbruch eindeutig. Die Konsolidierungszone von oben habe ich erneut eingezeichnet. Was wir aber auch sehen ist, dass wir mit der starken Bewegung von heute Nachmittag/Abend die Chance haben, wieder in den Aufwärtstrend zurück zu kehren. Denn im späten Handel an der Wallstreet haben wir uns wieder ganz nach oben an die obere Grenze der Konsolidierungszone geschoben und der DAX Future hat nahe 6800 geschlossen. Sollte das passieren, wäre das ein sehr bullishes Signal !

Für Morgen kann ich aber hier nur unterstreichen, was ich vor 2 Tagen schon sagte: es ist völlig offen wann und ob wir diese Konsolidierungszone nach oben oder unten verlassen - auch wenn ich die Bullen nach wie vor im Vorteil sehe und der Markt heute im späten Handel einen bullishen Ausbruch vorzubereiten scheint. Nach oben würden wir wohl schnell die DAX 7000 durchschlagen. Und nach unten wäre für mich oberhalb DAX 6400 die erste Auffangzone.

Und noch etwas kann man am Beispiel des heutigen Tages wunderbar heraus arbeiten, eine Lehre für alle, die Markttechnik für Unfug halten: War es Zufall, dass der DAX heute exakt auf 6650 wie von Zauberhand gedreht hat ? Nein, war es nicht ! Interessiert sich der DAX also für solche Marken ? Nein tut er auch nicht ! 😉 Aber die Menschen und vor allem seit neuestem die Algos interessieren sich dafür. Und weil diese Ausbruchszonen beachtet und gehandelt werden, verhält sich auch der Markt so. Man mag das Massensuggestion nennen und da ist durchaus was dran, aber wenn der Markt da dreht, dann ist die Bewegung halt sehr real, ebenso wie der Gewinn und Verlust im Portemonnaie. Man tut also gut daran diese Marken zu beachten.

In diesem Zusammenhang will ich auch mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufräumen. Da diese Verhaltensmuster ja von der Psychologie der Menschen getrieben werden, könnte man ja annehmen, dass diese Muster in der Zeit der Algos schwächer werden. Das Gegenteil ist aber der Fall und wenn man überlegt, ist es auch ganz logisch. Diese automatischen Algorithmen mit denen der Computer handelt, werden ja (noch) von Menschen programmiert und diese programmieren die Algos derzeit so, dass diese genau die klassischen Chartmuster handeln. Das verstärkt die Muster, weil auch viele Algos Unterstützungszonen fröhlich kaufen und Widerstandszonen fröhlich verkaufen. Das macht die Muster im Moment berechenbarer, wird sich aber wieder ändern, wenn die Intelligenz der Algorithmen steigt. So schafft sich der Markt halt seine eigene Wirklichkeit, in einer verquirrlten Mischung von Hoffnungen, Ängsten, mathematischer Logik und fundamentalen Daten und Fakten.

Meine grundsätzlich und mittelfristig positive Marktsicht hat mich heute früh aber veranlasst, in die Schwäche des Marktes hinein meine Long-Positionen bei Daimler (WKN 710000), Continental (WKN 543900), Repsol (WKN 876845), Cameco (WKN 882017) und Freeport McMoran (WKN 896476) aufzustocken. Denn in einer Konsolidierung kauft man die Unterstützung - so lange bis man es nicht mehr tut und die Reissleine zieht. Ich bin in Summe weiterhin verhalten Long aufgestellt und habe meine Reissleine ganz fest in der Hand. 😉

Die Bewegungen bei deutschen Einzelaktien waren heute überwiegend so, wie man es in so einem Markt auch erwarten würde. Die klassischen Industrietitel waren am stärksten von der Schwäche am Morgen betroffen, darunter auch die Rheinmetall (WKN 703000), zu der ich mich ja -> hier <- geäusserte hatte und dem ich auch nichts hinzu zu fügen habe. Insofern erübrigt sich heute die Diskussion einzelner Aktien des deutschen Marktes.

Bemerkenswert waren heute zwei US Technologieaktien, auf die ich Sie hier schon hingewiesen hatte.

Itron (WKN 888379) stieg heute nach guten Zahlen, einem neuen Auftrag und diversen Hochstufungen von Analysten um zeitweise sensationelle 24% , am Handelsschluss waren immer noch 20% Plus übrig. Das ist ein Turnaround aus dem Bilderbuch und ich erinnere in diesem Zusammenhang an meinen Artikel -> hier <- vom 06. Dezember letzten Jahres, sowie viele weitere Erwähnungen.

Man sieht daran wieder, wie wichtig ein fähiges Management ist, der gute alte LeRoy Nosbaum kann es halt einfach. So einen Tag nennt man im amerikanischen einen "Recognition Day" - auf Deutsch irgendwas wie "Tag der Erkenntnis" - an dem der breite Markt plötzlich merkt, was in einer Aktie los ist. Das löst solche Bewegungen aus.

Gehe Sie also davon aus, dass die Aktie demnächst auch in den diversen populären Anlegermagazinen vermehrt auftaucht und als "Geheimtip" von diversen Börsenbriefen gegen Geld verkauft wird. Ich bin weiter positiv zur Aktie gestimmt, habe aber nach diesem Anstieg nun erst einmal die Hälfte der Gewinne mitgenommen. Denn "Gier ist gut" wie Gordon Gekko ja trefflich bemerkte, aber wie er auch letztlich feststellte, sollte man es mit der Gier in Anbetracht eines solchen Tagesgewinnes auch nicht übertreiben 😉 Und ein Rücksetzer um einige Prozent wäre nach einer solchen Tagesbewegung nur normal.

Und auch Tesla Motors (WKN A1CX3T) lieferte gestern gute Zahlen und einen positiven Ausblick auf den anstehenden Produktionsstart beim Modell S. Tesla ist nun 10% im Plus, seit ich den Artikel -> hier <- vor 3 Tagen veröffentlich hatte. Das ist aber nicht so bedeutend, sondern eher die Tatsache, das Tesla nun kurz davor ist, das Doppelhoch von November/Dezember bei ungefähr 35 USD erneut zu testen und da würde ich nun genau hinschauen was passiert !

Übel sah heute zweitweise Gold und Silber aus, bevor es sich einigermassen erholte, fragen Sie mich bitte nicht warum. Die Edelmetalle haben seit einigen Wochen eine klare Richtung verloren und schwimmen ohne für mich erkennbare Struktur hin und her, einen Tag hoch, einen Tag runter. Sobald ich wieder eine klare Tendenz sehe, werde ich mich dazu äussern. Solche Phasen gibt es am Markt halt einfach und man sollte in diesen Phasen geduldig sein, die Hände still halten und auf keinen Fall Schatten jagen, die einen von den wichtigen Bewegungen in anderen Bereichen ablenken. Mittel- und langfristig hat sich an meiner positiven Sicht auf die Edelmetalle nichts geändert.

Im Gegensatz zur Schwäche der Edelmetalle selber, war heute aber auffällig, wie die Gold- und Silber-Minen im Laufe des Handelstages nach oben geschossen sind. Der "HUI" (NYSE ARCA Gold Bugs Index) hat sich Intraday um 4% nach oben bewegt, von -1,5% bei Eröffnung bis +2,7% bei Handelsschluss. Ob das mehr ist als ein zwangsläufiger Bounce nach der Schwäche der letzten Tage, vermag ich noch nicht zu sagen. Aber Aufmerksamkeit kann hier nicht schaden, denn wenn die Minen sich temporär vom Goldpreis entkoppeln sollten, hätten diese noch ein Menge aufzuholen und würden vor erheblichen Gewinnen stehen.

Ich wünsche einen schönen Abend !

Haris Märkte am Abend – 30.01.12 – Am Scheideweg

Da war sie endlich, die lange überfällige Korrektur - oder zumindest sah es heute lange so aus. Die "griechische Defensive" zum Wochenende war also genau richtig.

Denn am Vormittag scheiterte der Versuch die Nackenlinie des inversen SKS Setups letzter Woche zu halten, weswegen ich denke, dass wir heute nun endlich die "echte" Korrektur vor uns haben bzw hatten. Im Ergebnis ist der DAX heute nachmittag bis ca. 6410 herunter gekommen. Auch der Rutsch des S&P500 unter die alten Tiefs letzter Woche bei 1306 und Intraday sogar kurz unter 1300, bestätigte das Bild, dass wir es heute mit einem ernsten Test des Marktes zu tun hatten.

Beeindruckenderweise hat der S&P500 aber die Marke von 1306 Intraday mittlerweile schon wieder zurück erobert und bei 1313 geschlossen. Das ist echtes Bullenmarkt-Verhalten, es gibt dafür kein anderes Wort und ich nehme diese Stärke des Marktes sehr ernst. Denn damit könnte es erstaunlicherweise sein, dass die Korrektur schon wieder vorbei ist. Letztlich werden wohl die politischen Schlagzeilen dabei eine wichtige Rolle spielen, aber die Vorzeichen für Morgen sind schon wieder verhalten positiv.

Ich halte das was gerade im Markt passiert daher für einen sehr wichtigen Moment der besondere Aufmerksamkeit erfordert, denn diese Korrektur sagt uns mehr über den Zustand und die Überzeugung des Marktes, als noch ein paar weitere Prozent nach oben. Die entscheidende Frage ist also nun wie es weitergeht, betrachten wir deshalb mal die drei möglichen Szenarien:

(1) Runaway Move ?
Sollte der Markt Morgen am Dienstag weiter hochschieben und die Marken um 6440 im DAX und 1306 im S&P500 nachhaltig hinter sich lassen, haben wir es heute wohl mit einem klassischen Fehlsignal zu tun. Dann war der Abtaucher von heute gerade gut genug, um ein paar nervöse Longs auf fiese Art und Weise aus dem Markt zu kegeln. Als Folge könnte der Markt wohl die nächsten Tage wieder mit einem dynamischen Schub nach oben laufen und der DAX die 6600 erreichen und möglicherweise durchschlagen. Das Szenario (1) wäre dann ein weiteres Indiz in Richtung des -> hier <- von mir vor kurzem skizzerte "Runaway-Move". Ein Gedanke den sich noch vor wenigen Wochen kaum jemand vorstellen konnte und der damit wohl endgültig im Bereich des Möglichen angekommen wäre. Denken Sie bitte an den "Weg des maximalen Schmerzes", DAX 7000 here we come .....

(2) Gesunde Korrektur ?
Sollte die Korrektur Morgen doch weiterlaufen und der Markt die unter (1) genannten Marken nicht halten können, wäre mein nächstes Ziel im DAX der lange umkämpfte Bereich um 6200, womit auch das Gap vom Morgen des 17.01.12 dann endlich geschlossen würde. In diesem Bereich würde sich dann wohl entscheiden, ob der Markt in einem stabilen Aufwärtstrend ist oder nicht. Jede Wende auf noch höherem Terrain wäre natürlich erst recht positiv zu werten !

(3) Bullenmarkt ade ?
Sollte der Markt aber auch die Zone zwischen 6100 und 6200 nicht halten können, würde die Einschätzung viel schwieriger und kann hier nicht vorab pauschal gegeben werden. Damit würde die positive Marktsicht aber möglicherweise in Frage gestellt. Aber erst ein Bruch des 5700er Bereichs im DAX nach unten, würde das Bullenmarkt-Szenario wohl endgültig invalidieren.

Ich persönlich tendiere in Anbetracht der beeindruckenden Marktstärke aktuell eher zu den Szenarien (1) oder (2), aber letztlich ist es irrelevant was ich glaube - Geld wird damit verdient sich schnell zu adaptieren egal was passiert und nicht mit dem sowieso zum Scheitern verurteilten Versuch die Zukunft zu erraten.

Man sollte jetzt also geduldig und aufmerksam zu gleich sein, denn ich halte das aktuelle Geschehen für einen wichtigten Test. Geduldig, um nicht zu früh mit allem Kapital wieder zuzugreifen, denn wenn das jetzt doch die richtige Korrektur sein sollte, wird sie länger als einen Tag laufen. Aufmerksam aber auch, um nicht zu verpassen, wenn die Kurse wieder nach oben drehen. Denn wenn es am morgigen Dienstag wieder richtig hoch geht, ist der "Runaway-Move" durchaus im Bereich des Möglichen.

Soweit zum Marktgeschehen, nun zu ein paar Einzeltiteln:

Aktie des Tages war für mich heute Klöckner (WKN KC0100), die in der Spitze 8% abgaben, weil CEO Gisbert Rühl sich sehr skeptisch zur Stahlkonjunktur 2012 äusserte und die derzeitige Erholung scheinbar nur für ein Zwischenhoch hält. Andere Stahlaktien wie Salzgitter (WKN 620200) wurden davon in einem sowieso schwachen Markt auch durchgeschüttelt. Ich nehme die Marktreaktion gelassen, denn das am Stahlmarkt noch nicht alles glänzt und die Nachfrage schwankend bleibt, finde ich nun nicht so überraschend, wie Mr. Market heute tut. Wäre es anders, wäre Klöckner bei 20€ und nicht unter 12€ und deutlich unter Buchwert. Insofern ist es möglich, dass sich der Absturz um fast 8% im nachhinein als Kaufgelegenheit heraus stellen könnte. Nachdem ich am Freitag aus taktischen Gründen bei Klöckner und Salzgitter abgebaut hatte, bin ich daher heute bei den Tiefstständen in beide Titel wieder reingesprungen und habe teilweise zurück gekauft. Nun warte ich die weitere Entwicklung am Stahlmarkt einfach ab. Mir ist bewusst, dass es im Zuge der Korrektur noch weiter nach unten gehen kann. Ich finde beide Titel aber so attraktiv, dass ich in jedem Fall dabei sein will. Nachlegen kann ich bei tieferen Kursen immer noch.

Sehr stark war heute Continental (WKN 543900), die auch in der Korrektur kaum nachgaben. Der Titel sieht aktuell gut aus und riecht für mich nach einer Seitwärtskonsolidierung, bevor es dann weiter nach oben geht. Auch bei den hier vor kurzem schon erwähnten Krones (WKN 633500) und Pfeiffer Vacuum (WKN 691660) finde ich die relative Stärke in der Korrektur bemerkenswert. Alle drei habe ich nun im Depot.

Richtig spannend finde ich nun auch wieder Stada (WKN 725180), die heute wohl wegen der Grünenthal-Übernahme zeitweise um mehr als 5% zurück kamen. Ich habe meine Position zu diesen Kursen nun aufgestockt.

Nokia (WKN 870737) sah dagegen auch heute wieder gar nicht gut aus und ich bin froh an der Seitenlinie zu stehen, wie ich -> hier <- ja vor kurzem dargestellt habe. Wer in dem Titel noch investiert ist bzw darüber nachdenkt wieder einzusteigen, sollte in meinen Augen unbedingt die Tiefs von letztem August bei ca. 3,3€ und von letztem Dezember bei ca. 3,5€ im Auge haben. Kurzfristig ist Nokia nun technisch überverkauft und die Abwärtsbewegung könnte nun möglicherweise auslaufen bzw eine kleiner Bounce bevor stehen. Ich selber bleibe aber trotzdem lieber weiter an der Seitenlinie, für einen guten Trade gibt es in meinen Augen zur Zeit attraktivere Setups mit deutlich klarerer Nachrichtenlage.

So weit für heute, ich wünsche allen eine gute Nacht !