Hari´s Märkte am Abend – 27.02.12 – Von Öl und Ordnungspolitik

22 Uhr - Handelsschluss

Wie erwartet geht die Konsolidierung weiter. Die Indizes halten sich weiter recht gut, obwohl es heute unter der Decke bei einzelnen Titeln teilweise erhebliche Abschläge gab. Dazu später mehr.

Sehr positiv war, dass wir heute im DAX auf dem Niveau von 6740 erneut - wie am 23.02. - eine starke Gegenbewegung nach oben bekamen, die uns wieder bis über 6850 brachte. Beim S&P 500 waren es analog die 1355 die für einen erneuten Rebound sorgten. Es könnte sein, dass die Konsolidierung auf diesem Niveau gerade einen Boden ausformt. Und es würde zu meinem letzte Woche beschriebenen Bild passen, dass der Markt noch einige Tage Konsolidierung benötigt, bevor er dann möglicherweise den nächsten Schub nach oben nimmt. Vielleicht mit einem "First of Month Jumper" am Donnerstag den 01. März.

Der Dow Jones ist heute übrigens zum Handelsschluss ganz knapp an der 13000 gescheitert, steht aber nichts desto trotz so hoch wie nicht mehr seit der Finanzkrise 2008. Dem DAX fehlen dazu aber noch rund 700 Punkte, ein Argument mehr, warum der DAX noch Luft nach oben haben sollte, denn die Unterperformance des letzten Jahres ist nun zwar verringert, aber immer noch nicht ausgeglichen.

Langsam scheint nun auch der Ölpreis auf den Radar des Marktes zu geraten. Wie ich ja letzte Woche schrieb, braucht Mr. Market immer einige Zeit, um sich darüber klar zu werden, was nun der nächste "Aufreger" sein soll, wenn der alte (hier Griechenland) weggefallen ist. Vielleicht wird ja in den nächsten Wochen nun der Ölpreis dieser Aufreger sein. Für konjunktursensible Aktien wären das eher schlechte Nachrichten.

Bedeutende objektive Effekte des Ölpreises sehe ich auf dem derzeitigen Niveau aber noch nicht wirklich und zu Panik und Aufregung gibt es eigentlich noch keinen Anlass. Denn die Unternehmen sind bei dem Thema wesentlich flexibler geworden und arbeiten auch oft bewusst mit Hedging an den Finanzmärkten. Aber wir wissen ja, dass Mr. Market sich nie um die Gegenwart kümmert, sondern immer die Zukunft diskontiert. Und in diesem Sinne werden nun vielleicht die Konjunktur-Sorgen bei potentiell noch weiter steigenden Öl-Preisen gespielt. Auch wenn man sich andere Bereich anschaut, scheint der Markt unter der Decke schon den "Iran-Trade" zu spielen: Öl stark, Gold stark, Rüstungsunternehmen stark. Schauen Sie sich mal an, wie sich in den letzten Monaten die gerade in der Luftrüstung (Drohnen, F-22, F-35) starke Lockheed Martin (WKN 894648) entwickelt hat. Zufall ? Vielleicht.

Wenn ich dann aber zum Thema Ölpreis wieder die populistischen Forderungen des ADAC höre, der eine Anhebung der Pendlerpauschale aufgrund der derzeit hohen Benzin-Preise fordert, könnte ich vor Verzweiflung permanent mit dem Kopf gegen die Wand schlagen. Vor allem auch, weil ja genügend Politiker nichts besseres zu tun haben, als sich den Stammtischen mit zustimmendem Gerede anzudienen und mit dem Finger auf die "bösen" Ölkonzerne zu zeigen. Diese sind nun bestimmt keine Waisenknaben und nutzen ihr Oligopol natürlich um Profite zu erzeugen, nicht anders als es andere Branchen machen, in den sich Oligopole (zb Strom) ausgebildet haben. Statt zu lamentieren sollte die Politik daher via Kartellrecht einfach ihren Job machen.

Der allem zugrunde liegende Ölpreis wird aber nicht von den Öl-Multis bestimmt - derartige Darstellungen sind einfach grober Unfug. Wäre es anders, würde er bestimmt nicht in wenigen Jahren zwischen 40 und 120 USD schwanken, diese Volatilität läuft den Interessen der Öl-Multis nämlich komplett zuwider, die an stabilen Einnahmeströmen interessiert sind. Der Versuch einen komplexen, weltweiten Markt mit vielen Spielern und unterschiedlicher Interessenlagen auf ein paar Sündenböcke zu reduzieren ist zwar sehr populär, aber trotzdem immer noch an der Realität vorbei.

Verstärkt wird meine Verzweiflung, wenn ich vom Kartellamtspräsidenten Andreas Mundt in der Presse lese, dass das Kartellamt keine verbotene Preisabsprachen nachweisen könne, weil die Konzerne alleine durch ihre "Reaktionsverbundenheit" in der Lage seien, den Preiswettbewerb auszuschalten (auf Deutsch: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus). Solche Sätze, ohne daraus Konsequenzen abzuleiten, sind für mich ein Armutszeugnis.

Denn entweder ist der jetzige Zustand von Politik und Kartellrecht gewollt und legal, dann sollte man sofort aufhören populistisch über die Ölkonzerne zu lamentieren. Oder es ist nicht gewollt, dann müssen Politik und Kartellamt endlich ihren Job machen und für echten Wettbewerb sorgen, der derartig stillschweigende Übereinkünfte dann von ganz alleine unterbindet. Im schlimmsten Fall ist halt eine Zerschlagung und Aufspaltung der integrierten Konzerne notwendig, eine Waffe die das Kartellrecht sehr wohl im Köcher hat. Und wenn diese Waffe noch nicht scharf genug ist, muss halt die Politik ran und das Kartellrecht nachschärfen.

In jedem Fall ist aber überlegte Ordnungspolitik notwendig und nicht peinlicher Populismus. Ach übrigens, können Sie sich daran erinnern, dass der ADAC eine Verringerung der Pendlerpauschale forderte, als der Ölpreis 2009 bei fast 40 USD war ? Ich nicht, aber das hatte bestimmt gute Gründe, die ich dummer Mensch nur einfach nicht sehen kann.

[Satire On]

Als williger Schüler eines derartigen politischen Aktionismus, fordere ich daher nun, dass Gesetze von der Politik permanent je nach Marktpreis dynamisch angepasst werden. In Frage kommt dafür natürlich nicht nur der Ölpreis, sehr geeignet sind auch der Strompreis oder besonders die Getreidepreise auf den Weltmärkten. Ich plädiere daher für eine innovative und selbstverständlich nachhaltige "Bauern-Solidar-Abgabe", die vom Bäcker als verlängertem Arm des Finanzamtes am Tresen eingezogen wird und sich dynamisch und reziprok zu den Getreidepreisen verhält, so dass Bauern mit ihrer Ernte immer die selben Einnahmen erzielen. Die Unterstützung des Bauernverbandes ist mir dabei bestimmt gewiss.

Der dadurch hohen Belastung finanziell schwacher Bevölkerungschichten durch hohe Brotpreise, könnte man ja durch Einrichtung einer neuen Behörde begegnen, die nach ausführlicher Bedarfsprüfung einen entsprechenden Aufschlag auf das ALG 2 veranlasst. Der arbeitenden Bevölkerung (also den "Reichen") könnte man dagegen durch eine Brot-Kopf-Pauschale gerecht werden, die dynamisch berechnet und von allen Unternehmen mit der Lohnabrechnung auszuzahlen ist.

Alternativ wäre natürlich auch ein weiterer Mehrwertsteuersatz von 4,7% nur für Brot vorstellbar. Natürlich nur für Schwarzbrot aus ökologisch unbedenklichem Anbau, das Gewerbeaufsichtsamt möge das stichpunktartig prüfen. Weissbrot ist bitte mit 13,1% zu vesteuern, über Graubrot beraten noch die Finanzbehörden und bereiten einen Erlass vor, der die schwierigen Abgrenzungsfragen klären soll.

Auf jeden Fall würden so die Bürger dank einer engagierten Politik vor den skandalösen Unbillen schwankender Marktpreise geschützt. Und der allen so wichtigen "Gerechtigkeit" wäre erneut genüge getan, das wollen wir doch alle, oder ? Oder ?? 😉

[Satire Off]

Aber keine Sorge, nach diesem satirischen Ausflug werde ich nun wieder ernsthaft, entsorge meine naiven Träume durchdachter Ordnungspolitik im Müllkorb und wende mich den Aktien des Tages zu:

Nordex (WKN A0D655) war vor den morgigen Zahlen - und vor allem dem weiteren Ausblick - mit zeitweise 6% Minus sehr schwach. Die Nervosität ist also scheinbar gross. Ich weiss nicht, was da Morgen raus kommt, aber nach der heutigen Schwäche, könnte das möglicherweise für einen sehr kurzfristigen Trade ein interessantes Chance/Risiko Verhältnis im Bereich 60/40 sein. Denn wenn der Kurs schon vor der Bekanntgabe potentiell schlechte Zahlen verarbeitet hat, ist die Chance für eine positive Überraschung höher als das Gegenteil. Das es sich bei den heutigen Abgaben um Insider handelt, halte ich zwar für möglich, aber eher unwahrscheinlich. Insider haben es in der Regel nicht nötig, einen Tag vor den Zahlen geballt zu verkaufen, die wissen schon Tage und Wochen vorher was im Gange ist.

Weiterhin schwach war Veolia (WKN 501451), auch wenn der Titel sich im späten Handel etwas erholte. Ich bin froh, da erst einmal "Adieu" gesagt zu haben. Denken Sie bei Veolia unbedingt an den Mittwoch 29.02. mit dem Board-Meeting ! Erst danach sollte sich das Bild aufklären. Sollte ich nach dem Board-Meeting Nachrichten hören, die nahelegen dass das Management die Konsolidierung und Restrukturierung ungestört fortsetzen kann, ist für mich ein sofortiger Wiedereinstieg vorstellbar. Bestätigen sich dagegen die Gerüchte um einen Machtkampf oder einen erneuten Wechsel des Managements, werde ich dem Titel weiter fern bleiben.

Richtig war es auch, bei Nokia (WKN 870737) und Aixtron (WKN A0WMPJ) auszusteigen, die heute beide ohne jede Nachricht mit intraday bis zu 5-6% Minus stark abgaben. Derartige Schwäche macht mich eher skeptisch und in beiden Fällen ist man im Moment an der Seitenlinie wohl besser aufgehoben. Besonders irritierend ist die Schwäche bei Aixtron, die rein vom Chart her eigentlich schon nach oben ausgebrochen waren und nun unter 12,6€ zurück gefallen sind.

Bei Aixtron wird wohl erneut bestätigt, was ich ja hier schon mehrfach skeptisch angemerkt hatte: Förderungen in China bedeuten nicht notwendigerweise Aufträge für deutsche Unternehmen und auch nicht zwingend eine Verringerung des Preisdrucks. Bei Aixtron ist auch die Nachrichtenlage zum Auftragsbestand aus dem Unternehmen heraus sehr dürftig, man hört gar nichts, völlige Stille seit Wochen, was eine Anlage zu einem rechten Blindflug macht. Denn weder für den Anstieg der letzte Zeit noch für die aktuelle Korrektur gab es belastbare Hinweise aus dem Unternehmen. Wie bei Nordex werden auch bei Aixtron vom Markt nun ängstlich die Zahlen erwartet, die am Donnerstag kommen sollen. Sollte Aixtron vor den Zahlen noch weiter abrutschen, könnte auch hier eine kurzfristige Spekulation auf eine positive Überraschung möglich sein. Allerdings drängt sich mir aufgrund meiner grundsätzlichen Skepsis eine Spekulation hier im Moment nicht zwingend auf.

Etwas ratlos liess mich heute die grosse Schwäche der Commerzbank (WKN 803200) zurück, denn eigentlich sollte der Effekt der Kapitalerhöhung doch letzte Woche verarbeitet worden sein und die allgemeine Schwäche der Banken reicht als Erklärung für heute zeitweise 5% Minus wohl nicht aus. Meine Sicht ist unverändert wie letzten Donnerstag hier kommuniziert und ich sehe diese Schwäche nun eher als Chance, denn die Visibilität der Entwicklung bei der Commerzbank hebt sich nun langsam, nachdem das Thema Stammkapital nun wohl endgültig im Griff zu sein scheint. Im späten Handel hat die Commerzbank auch erneut die 1,9€ zurück erobert. Sollte sich hier ein Boden ausbilden, wäre die Grundlage für einen neuen Schub nach oben möglicherweise gelegt.

Relative Stärke hatte heute erneut Rheinmetall (WKN 703000), die nur wenig abgab und für mich weiterhin eine attraktiv bewertete Aktie ist. Sicherlich ist es für Rheinmetall ein Problem, dass durch die Überschuldung einiger europäischer Staaten nun gute Kunden ausfallen. Gerade Griechenland hat ja das Geld, das es eigentlich nie hätte haben dürfen und das ihm von Anleihenkäufern geliehen wurde, besonders gerne in Panzer und Schiffe investiert. Insofern hätten doch die Banken, bevor sie einem Schuldenschnitt zustimmen, vielleicht besser auch ein paar Panzer pfänden sollen, mit denen sie ihre Türme dann gegen den wütenden Mob schützen können 😉 Aber Spass beiseite, ich bin zuversichtlich, dass eine Rheinmetall in Anbetracht der Güte der Produkte und des hervorragenden Rufs von "German Engineering" auch andere Absatzmärkte finden wird. Insofern ist weitere Schwäche der Rheinmetall Aktie bei Bekanntgabe der nächsten Zahlen durchaus möglich, ich halte das dann aber eher für eine mittelfristige Kaufgelegenheit. Und auch als Übernahmeziel ist Rheinmetall durchaus vorstellbar.

Beeindruckend stark war heute auch wieder BASF (WKN 936785). Ohne Frage ein tolles Unternehmen mit einem völlig intakten profitablen Geschäftsmodell und hervorragender Marktposition. Bei aller Begeisterung wird mir bei Kursen über 65€ aber doch langsam plümerant zumute, bis 70€ sind der Aktie vielleicht noch zuzutrauen, dann dürfte aber auch mal eine deutliche Korrektur des beeindruckenden Anstiegs fällig sein. Bei BASF ein paar Gewinne mitzunehmen, kann in meinen Augen also jetzt nicht schaden.

Ein Aktie die jetzt langsam auf meinen Radar gerät, ist die des Klinikbetreibers Rhön Klinikum (WKN 704230), die nach einer Akquisition ziemlich verprügelt wurde und auf dem derzeitigen Niveau nun vielleicht für einen längerfristigen "Buy and Hold" Ansatz geeignet ist. Ich habe mir zu dem Titel noch keine abschliessende Meinung gebildet, ein Grund mehr mal in die Runde zu fragen: hat jemand von Ihnen zu Rhön Klinikum eine Meinung ?

Ich wünsche einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 23.02.12 – Commerzbank, Veolia, Silber

22 Uhr - Handelsschluss

Eigentlich sollte man ja meinen, dass auch Mr. Market mittlerweile volkswirtschaftliche Zukunfts-Prognosen nicht mehr ernst nimmt. Denn eine statistische Studie zur Trefferquote würde wohl reinen Zufall zu Tage fördern, wenn nicht sogar einen Kontraindikator.

Aber heute liess sich Mr. Market mal wieder verschrecken, denn die EU-Kommission prognostizierte die Wirtschaftsleistung 2012 der Euro-Zone auf die Kommastelle. Ich finde es einfach faszinierend, dass die EU-Kommission die Zukunft so exakt vorher sehen kann und verstehe ehrlich gesagt in Anbetracht dieser unglaublichen Fähigkeit nicht, warum dort überhaupt noch jemand der Volkswirte arbeitet. Denn wer so exakt die Konjunktur und Wirtschaftsleistung über 10 Monate hinweg in die Zukunft prognostizieren kann, der könnte an der Börse doch mit dem Wissen in Kürze zum Multimilliardär aufsteigen. Wenn ich doch nur so klug und brilliant wie diese Leute wäre ..... 😉

Aber lassen wir lieber meinen tiefschwarzen Sarkasmus, Mr. Market lief heute bis zu dieser Bekanntgabe mutig Richtung 6900 im DAX, nur um als Folge dieser Prognose zusammen zu sacken. Und ehrlich gesagt, ich halte Mr. Market in Wirklichkeit für ziemlich klug und auch er weiss genau, dass diese Vorhersagen schlichter Kokolores sind. Aber es ist halt eine willkommene Gelegenheit und Ausrede, mal ein paar Gewinne mitzunehmen.

Beschleunigt werden solche Bewegungen durch eine zunehmende Zahl Algos im Markt, die automatisch Nachrichten scannen und auf bestimmte Keywörter innerhalb von Millisekunden reagieren. Das muss für uns Menschen aber kein Nachteil sein, denn so intelligent sind Algos noch nicht, dass sie die Relevanz bestimmter Schlagzeilen zuverlässig einschätzen können.

Heute konnte man Intraday auch wunderbar erkennen, wie der erste Schwung der Abgaben aus Europa kam und um die Öffnung der Wallstreet herum, der zweite Schwung aus den USA hinterher. Denn es waren die Lieblinge der amerikanischen institutionellen Anleger, die klassischen deutschen Industrienamen wie Volkswagen, Daimler und Co. , die erst im zweiten Schwung so richtig verprügelt wurden.

Wie geht es jetzt weiter, werden Sie sich fragen. Aus den obigen Zeilen entnehmen Sie sicher schon, dass ich das für eine reine technische Korrektur halte. Denn ich hatte hier ja schon erwähnt, dass ich mir einen temporären Rücksetzer unter 6800 nun gut vorstellen kann. Und wir sind dann auch prompt im späten Handel wieder über die 6800 gestiegen und haben bei DAX 6809 geschlossen, wie man im Chart hier von ca. 21.30 Uhr gut sehen kann.

War es das also schon wieder mit der Korrektur ? Kann gut sein, genau so wahrscheinlich ist aber das Gegenteil. Denn ich glaube eher nicht, dass der Markt so schnell schon wieder genügend Kraft zum Anstieg über 7000 gesammelt hat. Und sollte ich mich irren, wäre das nur Ausweis unbändiger Stärke. Ich kann mir also eine weitere Seitwärtsbewegung gut vorstellen und auch noch einen weiteren Absacker in den nächsten Tagen.

Falls das passieren sollte, wäre das dann in den nächsten Tagen möglicherweise die Gelegenheit für alle an der Seitenlinie, noch einen brauchbaren Einstieg in den Markt zu finden. Viele werden es trotzdem nicht schaffen, denn aus den gleichen psychologischen Gründen aus denen sie bisher bei keinem Rücksetzer eingestiegen sind, werden sie auch dann wieder befürchten, dass es nun noch weiter runter geht. Erst wenn wir dann über die 7000 nach oben ausbrechen, wird der psychische Druck so gross werden, dass diese Zögernden dann nachspringen.

Schauen wir uns den DAX Chart für den theoretischen Fall einer weitergehenden Korrektur an, sollte die erste nennenswerte Unterstützung unterhalb des heutigen Niveaus bei ca. 6650 liegen. Das wäre ein naheliegender Punkt für eine Wende, denn dort hatten wir schon am 10.02. und am 16.02 eine Wende. Sollte diese Linie nicht halten, liegt eine sehr starke Unterstützung im Band oberhalb 6400. Spätestens da reche ich fest mit der Wende nach oben. Denn selbst DAX 6400 stellen den aktuellen bullishen Trend noch nicht in Frage !

Ich werde mich jetzt also mit meiner freien Liquidität auf die Lauer legen und bei meinen Lieblingsaktien Kaufaufträge zum "abfischen" eingeben, die ungefähr mit DAX 6650-6700 korrelieren. Eine paar kleinere Nachkäufe habe ich heute schon bei ca. DAX 6750 getätigt. Etwas Liquidität spare ich mir aber auf, um im Falle des Falles bei DAX 6400 noch einmal nachlegen zu können. Und sollte der Markt doch nun schon wieder massiv hochdrehen, lege ich nach, sobald wir glaubhaft nach oben Fahrt aufnehmen. Denn besser spät als nie.

Was Einzelaktien angeht, habe ich mich ja zur trostlosen Deutsche Telekom (WKN 555750) -> hier <- heute schon geäussert.

Höchst interessant fand ich heute das Geschehen bei der Commerzbank (WKN 803200). Zum ersten Mal seit Monaten habe ich zur Commerzbank wieder so etwas wie eine Meinung, da sich für mich der Nebel der Nachrichten nun langsam lichtet. Denn so schlecht waren die Zahlen in meinen Augen nicht und der Rückgang ist deshalb wohl vor allem der erneuten Kapitalerhöhung geschuldet. Positiv finde ich aber, wie der Markt damit umgegangen ist. Denn die Kapitalerhöhung soll ja nun um die 10% des Kapitals betragen, womit die derzeitigen Aktionäre entsprechend verwässert werden. Abgegeben hat die Aktie aber heute nur ca. 6% und hat die 1,9€ gehalten.

Bei mir verstärkt sich damit der Eindruck, dass es das bei der Commerzbank in Sachen Kapitalmassnahmen und Eigenkapital nun wirklich war und wir uns in den nächsten Quartalen alleine mit dem operativen Geschäft befassen können. Denn nun sollte das von der EBA geforderte Eigenkapital gesichert sein. Sollte meine Interpretation der heutigen Geschehnisse stimmen, sind die heutigen 1,9€ möglicherweise eine mittelfristige Kaufgelegenheit.

Veolia (WKN 501451) bröselt nun weiter nach unten und hat die 9€ unterschritten, womit meine Entscheidung von Dienstag zum Ausstieg dann doch scheinbar richtig war - ich hatte mich damit ja schwer getan und lange überlegt. Wenn Sie jetzt noch in dem Titel sind, rate ich das Boardmeeting vom 29.02. im Auge zu behalten. Je nachdem was da nach draussen dringt, kann der Kurs von Veolia an dem Tag erheblich ausschlagen. Natürlich auch im Vorfeld schon, wenn vorher schon etwas zur Presse durchgestochen wird. Ob der Ausschlag dann nach oben oder nach unten kommt, kann ich Ihnen nicht sagen und habe noch nicht einmal eine ferne Ahnung, das wissen nur die paar Insider. Aber ein Anleger sollte sich überlegen, ob er vor so einer potentiell kursbewegenden Situation überhaupt investiert sein will oder das lieber von der Seitenlinie beobachtet.

Positiv ist weiterhin wie sich Gold und Silber hält. Gerade Silber hebt nun richtig ab und ich habe Ihnen heute mal den Chart der letzten Tage auf 1-Stunden Basis mitgebracht. Bei dem kleinen blauen Pfeil bin ich übrigens letzten Freitag Nachmittag im Handelssystem Long Silber (XAGUSD) gegangen. Heute Abend bin ich dann um 20.45 Uhr bei 35,5 USD wieder temporär ausgestiegen, das ist der Pfeil rechts oben. Sollten wir nun einen kleinen Rücksetzer bekommen, steige ich Morgen aber voraussichtlich wieder ein.

Warum der Einstieg am letzten Freitag Nachmittag ? Weil der V-förmige Turnaround vorher am Donnerstag 16.02. für mich wie eine Wendemarke aussah, was sich ja dann auch bewahrheitet hat. Schaut man sich den längerfristigen Chart an, hat Silber nun aber gut Luft nach oben bis ca. 40 USD.

An diesem Beispiel kann man auch die zwangsläufige und natürliche Diskrepanz sehen, die zwischen dem was man selber macht und dem was man Dritten schreibt entsteht. Ich bemühe mich hier, Ihnen nur die Dinge im Blog nahe zu bringen, von denen ich auch selber wirklich überzeugt bin und die sich auch anhand des Marktes nachvollziehen lassen. Solche Aussagen müssen so gesichert sein, dass sie in der Regel 24 Stunden Bestand haben, sonst würden sie zu dem Medium "Blog" nicht passen. Selber bin ich im Handelssystem natürlich viel aktiver und gehe stellenweise auch grössere Risiken ein. So habe ich mich am Donnerstag 16.02. zu Gold und Silber ja hier noch neutral geäussert, allerdings auf die überraschende Stärke bei den Minen und die Möglichkeit des Beginns einer relevanten Bewegung hingewiesen.

Ich selber war aber schon einen Tag später (am Freitag) bereit im Bereich Silber etwas zu riskieren, weil diese Wende im Chart so überzeugend aussah. Nur kommunikationsfähig war das in meinen Augen noch nicht, weil das mehr auf Riecher beruhte als auf nachvollziehbaren Marktdaten. Und ich hätte die Position auch schon kurz danach gnadenlos geschlossen, wenn sie sich nicht bestätigt hätte. Erst jetzt, eigentlich seit Dienstag, zeigt der Markt das hier etwas Grösseres im Gange ist, das über einen kurzfristigen Zucker hinaus geht. Und am Dienstag habe ich das Thema hier auch ausführlich besprochen und ein Einstieg danach am Mittwoch wäre immer noch sehr profitabel gewesen.

Warum weise ich Sie bewusst auf diese Diskrepanz hin ? Weil ich Ihnen damit erklären will, warum ich hier nie in einem "Musterdepot" meine Bewegungen 1-zu-1 veröffentlichen werde und ich auch von dem Prinzip "Musterdepot" eher wenig halte. Denn egal was man Ihnen sagt, es ist in der Regel nicht das, was die schreibende Person mit dem eigenen Geld wirklich macht. Es ist eher ein Kunstprodukt nur für Sie als Kunden.

Denn der Zeitverzug zwischen Handlung und Veröffentlichung und die Notwendigkeit Bewegungen überhaupt erklären und rechtfertigen zu müssen, sorgt zwingend dafür, dass der Schreiber immer die Schere im Kopf hat die lautet: "was packe ich den jetzt meinen Lesern ins Depot und wie kann ich das rechtfertigen". Dabei folgt gerade ein guter Trader einer Bewegung auch mal schnell und instinktiv aus Erfahrung, sichert sie ab und schaut einfach was passiert. Die Notwendigkeit der Rechtfertigung hemmt aber das Handeln und schadet der Performance.

Ich will damit Musterdepots nicht perse verdammen. Sie können durchaus vernünftig und sinnvoll zusammen gestellt sein und damit für unerfahrene Anleger einen Mehrwert schaffen. Aber sie sind fast nie das, was sie oft vorgeben zu sein: eine echtes Abbild des Handelns der Person hinter der Tastatur mit eigenem Geld.

Was ich hier mit diesem Blog versuche, ist daher eher das Gegenteil - eben nicht fixe Vorlagen, die Sie einfach nachbilden können ohne nachzudenken. Wer das sucht, findet im Internet genug Angebote. Und für Ihr Handeln im Markt, sind Sie ganz alleine verantwortlich. Ich will Ihnen statt dessen lieber helfen, selber so viel Wissen und Erfahrung zu sammeln, dass Sie keine Musterdepots mehr brauchen. Und ich will Ihnen Ideen aufzeigen und Ihnen Zusammenhänge und Techniken nahe bringen. Damit gewinnen Sie nach meiner Ansicht langfristig viel mehr, als wenn Sie nur den Bewegungen eines anderen hinterher laufen. Und ich will auch gerne selber etwas von Ihnen lernen, wenn Sie interessante Beiträge liefern. Denn auch ich werde nie aufhören zu lernen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Abend !
Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 20.02.12 – Es grünt so grün …

17.45 Uhr - Handelsschluss in Deutschland

Heute mache ich es kürzer als sonst. Der Markt steigt weiter in freudiger Erwartung einer "Rettung" Griechenlands durch eine erneute Ladung Geld aus dem Steueraufkommen europäischer Bürger. Wir allen wissen, dass es keine echte Rettung sein wird, denn dazu müsste Griechenland seinen Staat und seine Organe komplett neu aufsetzen. Aber es wird zumindest erneut ein paar Monate Zeit erkaufen, Zeit in der man die anderen Länder der EU so sattelfest machen kann, dass Griechenland am Ende wirklich keine Rolle mehr spielt.

Mit der heutigen Stärke von Mr. Market hat sich auch meine Vorsicht vor dem Wochenende als unnötig erwiesen. Es grünt massiv in den Depots - auch in meinem - und wenn dann noch das Wetter draussen endlich mal etwas von Frühling zeigen würde, dann könnte dieser Rosenmontag zusammen mit dem Glück einen charakterstarken Bundespräsidenten zu bekommen, eindeutig als besonders erfreulicher Tag in die Annalen eingehen.

Ich denke allerdings auch, dass der Freudeneffekt über die nächste Geldspritze an Griechenland nun weitgehend verarbeitet ist und der Markt zwar schnell an die DAX 7000er Marke stossen kann, diese aber wohl nicht in einem Rutsch nachhaltig nehmen wird. Denn im Band etwas oberhalb 7000 Punkten liegt ein ziemlich starker Widerstand, der durch eine Unnmenge an Tiefs aus dem letzten Frühjahr / Sommer definiert ist.

Viele Marktteilnehmer sind beim Absturz im August letzten Jahrens auf diesen Niveaus unter Wasser geraten und werden nun, wenn ihre Positionen endlich wieder im Grünen sind, wahrscheinlich mit einem Verkauf liebäugeln - was es wiederum dem Markt schwer machen dürfte, diesen Bereich ohne Mühen in einem Schwung zu nehmen. So funktioniert nun einmal Widerstand und ich wäre überrascht, wenn es diesmal anders wäre. Nur den Banken traue ich nach einer konkreten Einigung in Brüssel Morgen noch einmal einen richtig guten Sprung ins Positive zu. Denn ich denke gerade für die Commerzbank, würde das eine erhebliche Erleichterung sein.

Insofern wäre ich überhaupt nicht überrascht, wenn wir nach einer positiven Griechenland-Entscheidung kurz über die 7000 schauen, nur um dann zunächst Richtung 6800 zu konsolidieren.

Wenn man etwas weiter auf die nächsten Wochen schaut, haben wir nun aber eindeutig Phase 2 einer solchen Hausse erreicht. Denn von überall her hört man nun, dass auch die Privatanleger wieder in den Markt zurück kehren und auch die Institutionellen an ihren Aktienquoten schrauben. Die Rally baut aber immer noch auf einer "Wall of Worry", einer gehörigen Portion Skepsis im Markt auf, die man als bullishes Signal werten muss. Denn es ist ja noch nicht so lange her, dass wir hier Angst hatten nachhaltig unter DAX 5000 zu fallen. Das hört sich heute wie ein Bericht aus einer anderen Welt an, liegt aber gerade einmal 4 Monate zurück - so schnell kann es gehen und so verändert sich unsere vermeintlich so "objektive" Wahrnehmung durch die Umstände.

Die "Wall of Worry" kann man auch daran erkennen, dass im Web nun schon wieder von "Übertreibung" und ähnlichem geredet wird. Das ist in meinen Augen kompletter Unfug, unter der Annahme einer halbwegs gesunden Konjunktur ist der DAX immer noch historisch günstig. Natürlich sind bestimmte technische Indikatoren nun im roten Bereich, das sind sie aber schon seit Wochen und ist für so Bullenmärkte ganz normal und kann noch weitere Wochen andauern. Und natürlich werden wir auch eine Korrektur bekommen, die die techischen Indikatoren wieder normalisiert, aber solange es nur eine begrenzte Korrektur bleibt, wird dieser Bullenmarkt dadurch nicht in Frage gestellt. Darüber hinaus kann selbstverständlich jederzeit etwas Überraschendes passieren und uns mal eben um 1000 Punkte nach unten schicken. Aber dieses Restrisiko hat man immer und obwohl immer die theoretische Gefahr besteht, dass einem der Himmel auf den Kopf fällt, steht man trotzdem aus dem Bett auf und fängt an zu leben.

Unter der Annahme, dass uns in den nächsten 2 Monaten ein Krieg um den Iran oder eine andere überraschende Katastrophe ala Fukujima erspart bleibt, glaube ich daher, dass der DAX bis April noch gut 10% Luft nach oben hat und bei diesem Momentum die 7500 gut erreichen kann. Ob es so kommt, werden wir sehen. Aber wenn man die Signale des Marktes rational betrachtet ohne sich von einem negativen Bias blenden zu lassen, kann man nur feststellen: alle Ampeln stehen objektiv auf Grün. Dieser Markt lebt von Liquidität und diese ist in Massen vorhanden.

Und glauben Sie mir, es ist wirklich ein dumme Idee sich gegen den Markt zu stellen. Man muss nicht immer alles voll mitmachen und kann auch mal an der Seitenlinie sein. Aber sich explizit gegen den Trend zu stellen - also zu shorten - ist in meinen Augen verfehlt. Denken Sie an die grossen "Helden der Chartkunst" über die ich mich erst vor gut 2 Wochen -> hier <- so aufgeregt habe. Zum Zeitpunkt des Interviews mit den Herren vor ungefähr 3 Wochen standen wir bei ca. DAX 6400. Lesen Sie deren Aussagen nochmal, das ist nun wie ein Artikel aus einem Parallel-Universum und passt durchaus zum heutigen Rosenmontag, dem Tag der Narren 😉

Damit mich keiner missversteht, natürlich können wir jederzeit wegkippen und auch ein Fukujima II kann jederzeit passieren, ebenso wie ein Krieg um den Iran. Aber wer sein Geld auf vage Vermutungen setzt, der kann nur verlieren. Alles was wir aber an harten Fakten zur Markttechnik haben sagt aber : Vorteil Bullen ! Und Korrekturen - die definitiv immer wieder kommen - sind Kaufgelegenheiten. Wenn sich die Signale des Marktes ändern, werde ich hier darüber schreiben. Und wenn Sie (zurecht) Angst vor einem Krieg um den Iran haben, dann habe ich ja mein probates Mittel dargestellt, wie ich am Aktienmarkt profitieren und trotzdem mein Depot absichern kann: Ölaktien ! Abgesehen davon, hindert uns niemand daran, unsere Gewinne nun mit Stops unter 6800 abzusichern.

Kommentare zu einzelnen Aktien gibt es heute nicht. Dafür einen Link zu einem Thema, dass durchaus das Potential hat die Hausse in Gold weiter zu befeuern. Lesen Sie zu Singapurs Plänen. Denn mit so günstigen Handelsmöglichkeiten ist es wie mit einer neuen Autobahn: eine neue Autobahn erzeugt auch neuen Verkehr, der vorher gar nicht dagewesen ist.

Hoffen wir nun, dass unsere Finanzminister heute Abend in Sachen "G" den Markt nicht nach Handelsschluss enttäuschen. Denn wenn das passiert, haben wir nun doch einiges an Enttäuschungs- und damit Korrektur-Potential aufgesammelt, das sich Morgen in Form eines GAPs nach unten entladen würde.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 08.02.12 – Commerzbank, Banco Santander, Klöckner, Aixtron

21 Uhr, 1 Stunde vor Handelsschluss

Immer wenn der Markt mal korrigieren will, kommt die Kavallerie zur Rettung ... so auch heute. Insofern gibt es nicht viel Neues zum Markt zu sagen. Wir warten weiter auf Godot - oder genauer gesagt Griechenland - und der Markt will im Vorfeld nicht wirklich runter.

Was passiert wenn eine Einigung scheitert, kann ich Ihnen nicht sicher sagen. Vom meinem Marktgefühl her reche ich in diesem Fall mit einer "Schreckkorrektur", die aber im Bereich von 3-5% auslaufen sollte und schon bald wieder gekauft wird. Denn eigentlich sollte jetzt dem letzten klar sein, dass mit all diesen Verhandlungen nicht die echte Rettung Griechenlands verhandelt wird, sondern nur Zeit erkauft wird, bis das Unvermeidliche passiert.

Viel wichtiger als die Nachricht einer möglichen Pleite Griechenlands, dürfte für den Markt daher in diesem Fall die begleitende Kommunikation der Euro-Zone sein. Wenn glaubhaft gemacht werden kann, dass um alle anderen Staaten eine Brandmauer gezogen wurde, erwarte ich das Mr. Market zu Griechenland nur die Schultern zuckt. Kommt dagegen sogar eine Einigung die der Markt mag weil wieder Geld gedruckt wird, dürfte es wohl noch einmal eine Welle nach oben geben, die dann das Potential hat einen kurzfristigen Top im Aufwärtstrend darzustellen. DAX 7000 sind für diesen Fall sicher in Reichweite.

Bemerkenswert ist, dass wir heute schon den zweiten Tag hintereinander relativ aggressive Bewegungen nach unten hatten. Das hatten wir intraday über viele Tage nicht mehr und es könnte sein, dass das die ersten Anzeichen sind, dass der Markt seinen Charakter wieder ändert. Allerdings ist das im Moment nicht mehr als die berühmte , die man zwar im Auge haben, aber ansonsten besser ignorieren sollte.

Denn der Trend ist bisher weiter eindeutig nach oben und solange das so ist, halte ich es für einen Fehler sich Short dagegen zu stellen, nur weil man sich einbildet, man könnte die Wende perfekt timen - glauben Sie mir, man kann es nicht, von wenigen Glücksfällen abgesehen.
Wer es noch nicht gesehen hat, dem empfehle ich in diesem Zusammenhang einen Blick in -> diesen <- aktuellen Beitrag, der nachdrücklich aufzeigt, wie weit und vor allem wie lange so eine Rally laufen kann.

Nun zu Einzelaktien:

Aktie des Tages war natürlich erneut die Commerzbank (WKN 803200), die mit 7% Plus heute genau das tat, was sich schon gestern ankündigte. Wenn Sie mich fragen, was ich über die weitere Entwicklung der Commerzbank aus fundamentaler Sicht denke, kann ich Ihnen nur sage: Absolut keine Ahnung !

Gerade weil ich vielleicht besser als der Durchschnittsanleger verstehe, was in so einer Bankbilanz steht bzw was in ihr eben nicht steht - gerade weil ich weiss, wie sehr so eine Bank für einen Aussenstehenden eine "Black Box" ist und welche Überraschungen da möglich sind - gerade deshalb weiss ich, dass ich zu Banken rein gar nichts weiss !

Rein vom Chart her ist die Lage der Commerzbank aber sonnenklar. Der Titel kämpft um den Ausbruch über verschiedenste Marken wie zb der 200er Linie, die sich alle in der Zone um 2,1€ gruppieren. Sollte diese Zone überwunden werden, gibt es wahrscheinlich noch einmal einen schönen Schluck aus der "Pulle" nach oben. Und rein vom bisherigen Chartverlauf her spricht sehr viel dafür, dass diese Zone bald geknackt wird.

In meinem Investmentdepot hat eine Commerzbank aber nichts zu suchen. Wer mittelfristige Anlagen will, hat in meinen Augen derzeit genug spannende Unternehmen mit weit grösserer Visibilität, als bei einer Bank oder speziell der Commerzbank. Für einen normalen Anleger mit wenig Zeit für die Börsen finde ich es gefährlich, sich nur an dem vermeintlichen Aufholpotential zu orientieren, denn es gibt nach wie vor nicht nur Chancen, sondern auch massive Risiken die sich in einer Nachricht über Nacht materialisieren könnten. Für mein Tradingdepot ist eine Commerzbank mit dieser Volatilität aber natürlich ein idealer Kandidat und ich habe zum Beispiel heute auch gut an dem Titel verdient. Wer dieses Spiel eingehen will, sollte aber unbedingt permanent am Ball bleiben. "Buy and Hold" passt in meinen Augen nicht zur Commerzbank !

Übrigens, wenn Sie sich aktuell für Banken interessieren, dann werfen Sie doch mal einen Blick auf die Banco Santander (WKN 858872). Bank aus Spanien - Igitt, werden Sie vielleicht jetzt sagen. Aber gemach, Banco Santander macht sein Hauptgeschäft mittlerweile im boomenden Südamerika und ist deswegen auch vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Ein vergleichsweise gutes Eigenkapital, eine Dividendenrendite von 8% und jede Menge Rückstellungen für die spanische Immobilienkrise zeichnen diese Bank für mich aus. Abgesehen davon hat die Banco Santander vergleichsweise planbare und kontinuierliche Erträge, weil sie sich vor allem im Massen- (Retail-) Geschäft tummelt und kaum Investmentbanking betreibt. Alle oben gemachten Einschränkungen zu Banken gelten natürlich auch zu diesem Titel und ich empfehle ausdrücklich niemandem, sich unbedingt eine Bankaktie ins Depot zu legen. Aber wenn Sie sich sowieso schon für Bankaktien interessieren, wäre ein Blick in diese Richtung vielleicht gar nicht so eine schlechte Idee.

Nebenbei erwähnt - nach ähnlicher antizyklischer Logik - ich habe heute eine Studie gesehen, nach der nach fundamentalen Kriterien (Buchwert etc) der billigste Aktienmarkt der Industrieländer derzeit der italienische Markt ist. Wenn Sie also daran glauben, dass Mario Monti die Kurve bekommt, wäre das eine antizyklische Wette. Und gute Industrie- bzw Konsum-Werte mit internationalem Geschäft gibt es in Italien ja einige.

Sehr stark waren heute alle Stahltitel, Klöckner (WKN KC0100) und Salzgitter (WKN 620200) mit jeweils 3-4% Plus. Geholfen hat heute definitiv ein positiver Ausblick des Verbands "Wirtschaftsvereinigung Stahl". Ich bin bei beiden Titeln Long, wobei Klöckner natürlich das grössere Potential hat, während ich bei Salzgitter schon erste Gewinne mitgenommen habe und nur noch mit 50% der ursprünglichen Position investiert bin.

Die Deutsche Börse (WKN 581005) hat heute mit erneut 3% Plus die 50€ erreicht, hier beginne ich mit teilweisen Gewinnmitnahmen.

Für die grosse Stärke heute von Aixtron (WKN A0WMPJ) habe ich keine rechte Erklärung. Auch wenn der Chart der Aktie gut aussieht, ist mir das nun zu viel Blindflug in Anbetracht schlechter Daten der Mitbewerber und meine Position gegenüber den Insidern die den wirklichen Auftragsbestand kennen einfach zu schwach. Ich habe heute daher die Gewinne mitgenommen und bin nun ganz raus aus dem Titel. Das heisst nicht, dass ich eine negative Meinung zur Aktie habe, es kann gut sein, dass da nun ein Ausbruch nach oben bevor steht. Aber mir ist die Lage zu undurchsichtig und es gibt im Markt genug andere Chancen, auf die ich meine Energie aktuell effizienter konzentrieren kann.

Ich wünsche einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 07.02.12 – Commerzbank, Metro, Daimler

21 Uhr, 1 Stunde vor Handelsschluss.

The same procedure as every day !

Tja, so viel dazu, dass es heute anders läuft. 😉 Oder in anderen Worten: dont fight the incredible Ben !

Als der DAX nach meinem Marktupdate hier - so zwischen 13 und 14 Uhr - heftig mit der 6680 kämpfte und mehrere kleine Tiefs produzierte, sah es wirklich so aus, als ob endlich mal ein erfrischender Regen ins Haus steht. Zumal es auf dem Stundenchart deutlich nach einem Doppel-Top bei ca. 6780 aussah.

Ich war zu diesem Zeitpunkt mit einem grossen Short im Markt, mit dem ich meine zahlreichen Long-Positionen als "Hedge" neutralisiert hatte. Der Markt versuchte dann um 15 Uhr herum eine Wende nach oben, die gelang mangels Kraft nicht mehr und der Markt näherte sich den Tiefstständen und sah nach einem weiteren Absturz aus. Und dann kam - um genau 16 Uhr - der Meister des Helikopter-Geldes, FED Chef Ben Bernanke ans Mikrofon und schon waren die Kaufprogramme wieder da und jede Schwäche wurde gnadenlos gekauft. Und ich musste meinen Short fast auf Kaufniveau wieder covern, ausser Spesen also nichts gewesen.

Trigger der 180 Grad Wende war also erneut Ben Bernanke, der ab genau 16 Uhr allerlei Negatives sagte, was von Mr. Market in seiner perversen Logik positiv aufgenommen wurde, weil es die Wahrscheinlichkeit eines QE3 erhöht. Denn für den massiv von der Droge des billigen Geldes abhängigen Mr. Market, bedeutet Geldschwemme=Kaufen und Geldknappheit=Rette sich wer kann ! Weitere Parameter sind da gar nicht notwendig, wer nur auf eine Droge fixiert ist, reagiert auch primär wie ein pawlowscher Hund auf genau den Stimulus und sonst nichts.

Schauen Sie sich das ganze Spektakel noch einmal auf dem Intraday Chart mit Skala 5 Minuten an:

Trotz dieser Rettung des Marktes durch Ben Bernanke fand ich die Schwäche Intraday heute bemerkenswert, denn zum ersten Mal seit Tagen sind dem Markt temporär die Käufer ausgegangen. Schauen Sie auf den sehr schwachen RSI den ganzen Vormittag lang. Das könnte ein erstes kleines Indiz sein, dass diese Rally langsam eine Pause oder sogar eine Korrektur braucht. Ohne weitere klare Indizien sollte man das aber auch nicht überbewerten. Es ist ein Indiz, nicht mehr aber auch nicht weniger.

So haben wir heute also trotz allem eine Wiederholung der letzten Tage und um so stärker kann ich nur empfehlen, sich die weisen Worte zu Gemüte zu führen, die Charles Kirk -> hier <-zum Thema zu sagen hat.

Schauen wir nun auf einzelne Aktien:

Aktie des Tages war heute für mich die Commerzbank (WKN 803200) mit 3% Plus, die so aussieht, als ob sie jeden Moment die tagelange Konsolidierung um 1,9€ herum verlassen will. Natürlich haben heute auch die Nachrichten um die Eurohypo eine Rolle gespielt, aber rein vom Chart her, signalisiert eine Aktie die nach einem derartigen Anstieg tagelang knapp unter den Hochs konsolidiert, für mich eher, dass sie Luft holt um einen erneuten Satz nach oben zu machen.

Die gestern genannten K+S (WKN KSAG88) und Itron (WKN 888379) waren heute weiter stark, während bei der Metro (WKN 725750) noch kein rechtes Leben in die Glieder fahren will. In Anbetracht der bei der Metro anstehenden Änderungen und der absehbar guten Binnenkonjunktur in Deutschland, bin ich aber weiter optimistisch, dass auch dieser Titel irgendwann anspringen wird.

Auch Veolia (WKN 501451) zieht ohne Nachrichten weiter Richtung 10€ hoch, ein gutes Zeichen dafür, dass bei der Aktie nun ein Boden drin ist. Das langfristige Potential des Titels ist enorm, allerdings ist dazu wohl viel Geduld gefragt.

Auffällig war heute die Schwäche der Autobauer im DAX, als Begründung wurden Aussagen der chinesischen Regierung zur Konjunktur herum gereicht. Ich stufe das aber eher als schlichte Gewinnmitnahmen ein, für die diese Aussagen ein willkommener Anlass waren.

Bei Daimler (WKN 710000) habe ich die Schwäche genutzt um meine Position aufzustocken. Wie aus einer Pflichtveröffentlichung von Daimler ja vor einigen Tagen zu entnehmen war, hat sich Goldman Sachs wohl Call-Optionen auf Daimler im Umfang von über 5% (kolportiert werden 7%) des Stammkapitals besorgt. Ganz ohne Grund ist das sicher nicht geschehen ....

Die Bewegung von Gold und Silber heute korrelierte überwiegend mit der Stärke im EUR/USD und war insofern ohne grosse Aussagekraft. Das "Kräuseln an der Oberfläche", das ich letzten Freitag registriert hatte, steht also als Fragezeichen noch im Raum, ohne das es klare Hinweise in die eine oder andere Richtung gibt. In den letzten Stunden während des Schreibens dieses Artikels, scheinen die Edelmetalle dann aber doch nachhaltig nach oben zu drehen.

Ich wünsche eine gute Nacht !

Haris Märkte am Abend – 23.01.12

Zur allgemeinen Markteinschätzung, habe ich im Marktupdate heute Mittag -> hier <- alles in meinen Augen Notwendige gesagt. Eigentlich ist eine Korrektur nun überfällig und heute gab es auch erste Versuche in den US Indizes den Markt zu drehen. Aber solange der Markt so stark ist, sollte man das respektieren und sich nicht dagegen stellen. Seine Gewinne auf diesem Niveau erst einmal abzusichern, ist aber in meinen Augen eine gute Idee. Kurzfristiges Ziel ist nun der Bereich 1330-1340 im S&P500 bzw. 6500-6600 im DAX.

Die Aktie des Tages war heute erneut die Commerzbank (WKN 803200) mit einem zweistelligen Tages. Man sieht daran, was ich ->hier<- schon zur Commerzbank und ähnlichen Situationen gesagt hatte. Es ist gar nicht so entscheidend vorher auf die richtige Richtung zu wetten. Wichtiger ist schnell und konsequent aufzuspringen, wenn sich die Richtung etabliert hat. Wer bei der Commerzbank nach dem ersten Sprung auf über 1,6€ nicht gezögert hat, hat nun in den Folgetagen trotzdem grosse Gewinne mitnehmen können. Und das bei weit geringerem Risiko, weil man einen etablierten Trend kauft, statt vorher zu raten wie das Ergebnis aussieht.

Wie der Schweinezyklus und die schizoide Logik von Mr. Market funktioniert, kann man heute wunderbar am grossen US Gas Förderer Chesapeake Energy (WKN 885725) beobachten. Chesapeake gibt eine drastisch Reduktion der Gas-Produktion bekannt und als Folge steigt der Kurs 6%. Die extrem niedrigen Preise, bedingt durch Überkapazitäten und einen warmen Winter, sind also komplett im Kurs verarbeitet. Die Produktions-Reduktion - obwohl theoretisch eine schlechte Nachricht - wird also deshalb vom Markt sehr positiv gesehen, weil sie Hoffnung auf eine Ende des Preisverfalls macht.

Ähnliches kann auch bei den US Kohle Aktien nun jederzeit passieren, da deren Preisverfall auf ähnlichen Ursachen wie bei "Natural-Gas" beruht und Kohle als Energiequelle für Industrie und Versorger im Wettbewerb mit Gas steht. Passend dazu sind die US Kohle Aktien heute in Folge von Chesapeake auch, teilweise deutlich, im Plus. Patriot Coal (WKN A0M5QB) zum Beispiel mit 8% Plus, weil sie bisher am meisten unter dem niedrigen Kohlepreis gelitten haben.

Sehr gut sah heute auch der Generika-Hersteller Stada (WKN 725180) aus, der sich nun endgültig von der Zone um 20€ lösen konnte und in meinen Augen noch Luft nach oben hat. Auch die "alten Verdächtigen" Salzgitter (WKN 620200) und Rheinmetall (WKN 703000) sind heute wieder sehr stark und bestätigen erneut den hier schon mehrfach diskutierten Aufwärtstrend. Bei beiden Aktien war es richtig, die kleine Korrektur am Freitag sofort wieder zu kaufen. Trotz des etablierten Trends sollte man nun in meinen Augen Stops nachziehen und die Gewinne bei diesen Titeln sichern.

Bei Thyssen Krupp (WKN 750000) wäre ich dagegen vorsichtiger. In meinen Augen muss man den Stahlsektor nicht unbedingt über diese Aktie spielen, weil die Probleme doch substantiell sind und möglicherweise noch über Monate für schwierigen Newsflow sorgen. Auch wenn die Aktie recht billig aussieht, setze ich persönlich im Moment lieber auf Salzgitter, bis Thyssen Krupp sein Problem in Brasilien und den USA wirklich gelöst hat und klar wird, wie hoch die Rechnung ausfällt.

Zum Abschluss noch der erneute Hinweis auf die Iran Problematik, die Strasse von Hormus und den damit verbundenen Ölpreis. Die Sprache auf beiden Seiten radikalisiert sich nun deutlich. Gleichzeitig nehmen die Märkte das Thema aber noch auf die leichte Schulter, bis auf Stärke des Ölpreises ist noch nicht viel zu merken. Ich vermute das liegt an einem allgemeinen Konsens der ungefähr lautet "ist ja sowieso nur Säbelrasseln, die werden sich doch nicht ins eigene Bein schiessen und einen Krieg anfangen".

Ein derartiger Konsens ist aber riskant, denn wenn es doch zu kriegerischen Handlungen kommt, hat das an den Märkten ganz erhebliches Überraschungs- und Korrekturpotential ! Und auch wenn ich ebenso wie die Mehrheit die "Säbbelrassel-Theorie" durchaus für wahrscheinlich halte, bin ich doch nicht so fest davon überzeugt, dass ich das Thema einfach ad acta legen könnte. Denn Rationalität ist nicht bei allen Beteiligten ausreichend vertreten und der innenpolitisch motivierte Drang zur "glorreichen Schlacht" durchaus vorhanden. Wenn eine Krise mal so weit eskaliert ist, braucht es gar keinen formalen Kriegsbeschluss der gesamten Regierung mehr, sondern es reicht das Zündeln radikaler Gruppen und schon sind die Jäger und Bomber in der Luft und die Märkte am nächsten Morgen wohl zweistellig im Minus.

Und Ölwerte wie Statoil (WKN 675213) oder Suncor (WKN A0NJU2), die ihre Vorkommen ausserhalb des Nahen Osten haben, wären dann wohl deutlich im Plus und zusammen mit ausgewählten Rüstungsaktien wohl die wenigen grünen Lichtblicke in einer ansonsten tiefroten Kurstafel !

Ich wünsche Ihnen trotzdem einen schönen Abend ! Hoffen wir, dass Vernunft und Rationalität die Oberhand behält.

Haris Märkte am Abend – 19.01.12 – Der Bulle ist los !

Heute Abend mache ich es kurz. Denn alles ist schon gesagt. Der DAX marschiert in Folge der Wallstreet über 6400 und nun wird es für alle an der Seitenlinie (oder noch schlimmer Short) ganz schmerzhaft. Diese werden nun gezwungen in den Markt zu springen und das befeuert die Rally zusätzlich. Sobald dieses additive Feuer abgebrannt ist, wird es aber kurzfristig gefährlich !

Denn um die Rally mal in eine Perspektive zu bringen, im S&P 500 haben wir nun den 20. Rally-Tag hintereinander und die beste Januar Performance seit 1987 ! Niemand sollte glauben, dass das so ewig weiter geht. Aber nach der Geburt eines neuen Bullenmarktes sieht es sehr wohl aus und das alleine ist nach dem nervenzerfetzenden Jahr 2o11 einfach ein Genuss !

Aktie des Tages war heute natürlich die Commerzbank (WKN 803200). Dazu ist auf vielen Websites alles erschöpfend gesagt, so dass ich dem nichts Intelligentes hinzu zu fügen habe. Nur einen Satz der persönliche Wertung des heutigen Geschehens noch: Wenn man davon überzeugt ist, dass die Commerzbank ihr Eigenkapital Problem nun nachhaltig gelöst hat und nun wieder nach vorne aufs operative Geschäfts schauen kann, dann ist ein Kurs von 1,6€ und ein Plus von über 10% heute gar nichts und aus mittelfristiger Perspektive völlig egal, ob man bei 1,4 oder 1,6 eingestiegen ist.

Ansonsten gab es unter der Decke der positiv ausschauenden Indizes bei einigen Einzelaktien schon deutliche Konsolidierungsbewegungen, im DAX sei nur Deutsche Post, Bayer, Daimler oder SAP erwähnt. Diese Konsolidierungen wurden aber unter dem Druck der Bullen Intraday negiert oder fielen sehr verhalten aus. Aber ich vermute, ohne die Bewegung der Commerzbank, die mit Allianz und Deutscher Bank zwei DAX Schwergewichte mitgezogen hat, hätten wir heute möglicherweise leicht im Minus geschlossen. Insofern merkt man schon, dass wir uns nun im überkauften Zustand befinden und die Luft nach oben dünner wird.

Auch der heutige Tag hat aber wieder bestätigt, dass die Rally vor allem vom klassischen Industriesektor getragen wird, was ich als äusserst gesund betrachte und Hoffnung auf einen nachhaltigen Aufschwung macht. Beispielhaft will ich Ihnen dafür heute mal den Chart des Stahlproduzenten Salzgitter (WKN 620200) zeigen. Dieser Chart ist eine wahre Schönheit, das "W" ist perfekt ausgebildet und wenn es alleine nach dem Chart gehen würde, müsste man aus meiner Sicht erwarten: demnächst eine kleine Korrektur bis zum Oktober-Hoch bei ca. 44€ und dann ein Kursziel bei 55€.

Derartige Charts gibt es aber einige im Moment und Salzgitter ist nur ein Beispiel. Und deshalb hat der neue Bulle auch noch jede Menge Platz um schnaubend los zu rennen. Wir haben jetzt über ein Jahr geschwitzt und gelitten um endlich wieder solche Setups zu haben wie bei Salzgitter, da möchte ich solche Gelegenheiten nicht ungenutzt an mir vorbei ziehen lassen. Ich selber bin aktuell Long Salzgitter, habe nun bei der einen Hälfte die Gewinne mitgenommen, die andere Hälfte halte ich. Sollte der Kurs bis ca. 44 zurück kommen, kaufe ich die zweite Hälfte der Position voraussichtlich wieder zu.

Sehr schwach sieht für mich Gold aus, das selbst bei fallendem Dollar nicht vom Fleck kommt. Ich möchte in dem Zusammenhang an meine ->hier<- geäusserte Warnung erinnern, die für mich aktueller denn je ist. Gold wird garantiert wieder seine Zeit haben, ich vermute schon im zweiten Halbjahr. Aber im Moment sollte man wohl vor allem die klassische Industrie nach oben reiten !

So weit so gut für Heute, geniessen Sie den wilden Ritt ! So stark wie der Druck nun ist, kann das durchaus noch etwas weiter gehen. Aber überlegen Sie sich bitte nun genau die Stelle, an der Sie dann auch mal schnell abspringen können !

PS: 22.39 Uhr, Update zu den Q4 Zahlen der Schwergewichte IBM, Google, Microsoft und In Alle liefern gute Zahlen im Rahmen der Erwartungen oder darüber. Alle sind nachbörslich im Plus, ausser Google, das nachbörslich fast 9% abstürzt. Das liegt aber nicht an schlechten Zahlen, sondern an der überraschenden Bekanntgabe, dass der seit mehr als 10 Jahren erfolgreiche CEO Eric Schmidt aufhört. Das ist aber ein singulärer Google-Effekt und wird keinen Einfluss auf den Markt haben. Aus Sicht der Zahlen dieser Schwergewichte, steht also einer Fortsetzung der Rally nichts im Wege.

Haris Märkte am Abend – 17.01.12

Handelsschluss 22 Uhr. Den allgemeinen Teil kann ich heute Abend kurz halten, weil ich mit dem Tagesupdate zur Taktik in Bullenmärkten ->hier<- das Notwendige schon gesagt habe. Der Markt war heute stark, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass das heute auch schon der Höhepunkt der Woche war. Auf jeden Fall schadet es nicht, wenn man jetzt mal kurzfristig etwas mehr auf Defensive spielt und sich so Liquidität schafft, mit der man bei besseren Kursen wieder in bestimmte Titel springen kann. Die leichte Schwäche der letzten zwei Stunden an der Wallstreet ist ein Indiz, das nach oben die Luft nun dünn wird.

Mittelfristig sieht aber die ganze klassische Industrie, also Autobau, Stahl, Aluminium, Grundstoffe etc. sehr gut aus und dürfte wohl auch nach einer Korrektur der Sektor sein, in dem man in 2012 gutes Geld verdienen kann. Titel wie Daimler (WKN 710000), Rheinmetall (WKN 703000), Salzgitter (WKN 620200) oder Rio Tinto (WKN 852147) gehören jetzt also in meinen Augen auf den Radar des Anlegers. Die deutschen Industrie- und Maschinenbau-Werte der zweiten Reihe aus MDAX und SDAX ebenso.

Heidelberg Cement (WKN 604700) hat mir heute keine Chance zum Einstieg gegeben, sondern war nach dem gestrigen Rücksetzer so stark, dass ich nur noch die Rücklichter sehen konnte. Bei Preisen oberhalb 35€ werden ich da kurzfristig nicht hinterher rennen und warte ab. Kohle war heute wieder eher schwach, aber ich habe wenig Zweifel das auch dieser Sektor wieder anzieht, sollte Stahl und Co. erneut zu brummen beginnen.

Bei der Commerzbank (WKN 803200), hat sich der Markt - in dem sich ja auch die vielen Commerzbank-Insider bewegen - im Lichte der bekannten Fakten nun bei 1,4€ eingeschwungen und das ist daher auch mit Sicherheit eine faire Bewertung der bekannten Chancen und Risiken. Ich sehe für mich nicht, wie ich da einen Vorteil erzielen könnte indem ich nun eine Wette eingehe. Spannend wird es für mich eher, wenn sich der Preis dann spätestens am Freitag - aber falls was durchsickert auch früher - in Bewegung setzt. Wer dann schnell und konsequent auf die richtige Richtung setzt, kann möglicherweise ein paar leichte Gewinne mitnehmen, da der Markt sicher ein paar Stunden wenn nicht Tage braucht, um die Entscheidung im Kurs zu verdauen.

Sensationell war heute der Uransektor, Cameco (WKN 882017) stieg heute um fast 7%, andere Urantitel sogar zweistellig ! Die ->hier<- antizipierte Wende im Uranmarkt scheint nun ans Laufen zu kommen.

Schwach waren dagegen die Goldminen. Auslöser war wohl Kinross Gold (WKN A0DM94), dessen CEO für 2012 steigende Produktionskosten (unter anderem wg stark steigenden Löhnen) vorausgesagt hat. Kinross hat durch ein Übernahme aus 2010 ein starkes Exposure in Afrika und ich vermute, dass da die steigenden Lohn-Kosten her kommen. Ausserdem war bei Kinross eine Goodwill-Abschreibung auf die afrikanische Tasiast Mine aus der Akquisition fällig. Auf gut deutsch, Kinross hat damals zu teuer eingekauft, nicht gerade ein Ausweis höchster Management-Kunst. Mr. Market sieht das auch so und straft Kinross dafür mit sage und schreibe fast 19% Minus ab ! Mir gefällt das Thema der Goodwill-Abschreibung gar nicht, weil ich persönlich das tatsächlich als Indiz eines schwachen Managements sehe. Bei mir wandert Kinross daher erst einmal auf die "Igitt"-Liste und wird im Goldminen-Universum bis auf weiteres nicht mehr gekauft.

Kinross ist wohl auch der Grund, dass auch andere Goldminen heute eher schwach waren, bei so einer Aussage eines CEO wird immer der ganze Sektor mit runter gezogen, obwohl eine alleine in den USA oder Kanada produzierende Mine das Lohnkosten-Problem in diesem Umfang sicher nicht hat und die Goodwill Abschreibung sowieso nur ein singuläres Thema des Kinross-Managements ist. So weit ich die Problematik bei Kinross überblicke, kann man aber aus dem Fall Kinross keine zwingenden Schlüsse für andere Goldminen ziehen.

Ich selber habe am Freitag entsprechend meiner Warnung zum Goldpreis meine aufgelaufenen Gewinne bei Kinross mitgenommen und bin ausgestiegen. Ich könnte jetzt irgendwas von toller Analyse faseln, aber die ehrliche Antwort ist: das war pures Glück und beruhte nur auf allgemeiner Vorsicht zu Gold, das hatte ich bei Kinross in dieser Form nicht auf dem Radar. Man sieht daran aber wieder eine alte Börsenregel, vermeintlich "billige" Aktien können immer noch billiger werden, weit über den Schmerzpunkt des Anlegers hinweg. Und man sollte sich nie zu sicher sein, "Overconfidence Kills". Pfleiderer oder Praktiker sind da gute deutsche Beispiele.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Morgen auch ein Quentchen Glück und ein ruhiges, erfolgreiches Händchen beim Handeln !