Commerzbank – Warum die Aktie vielleicht bald einen Satz macht …..

.... und trotzdem nicht vom Fleck kommt. Diesen Zusatz habe ich im Titel nicht mehr untergebracht. 😉 Heute will ich einen sehr persönlichen Kommentar zur Commerzbank und zu Herrn Blessing an der Spitze los werden.

Sie werden sich wundern: Hari schreibt zur Commerzbank ? Ist das nicht die Aktie, die ich zuletzt hier im Artikel zur -> Honigfalle <- zur "Gurkenaktie" und "Igitt-Aktie" ernannt habe ?

Ja genau, das ist diese Aktie und meine Meinung ist unverändert. Aus Sicht eines Aktionärs gibt es keine andere Aktie im DAX, die so unattraktiv ist. Hier stimmt nichts, weder Strategie noch Substanz noch Perspektive. Und das Privatanleger trotzdem mit dieser Aktie fröhlich spekulieren, liegt wohl im wesentlichen an der Ursache, den ich im Artikel zur "Honigfalle" nannte. Viele Privatanleger verstehen einfach nicht, was die ganzen Kapitalerhöhungen bedeuten und sehen nur den vermeintlich "billigen" Kurs von 1,x€ - ohne zu durchdringen, dass diese 1,x€ in Wirklichkeit nach "alter" Kurswährung immer noch einem zweistelligen Kurs der Commerzbank entsprechen. Eine Commerzbank bei 2€ ist nicht billig, sondern in Anbetracht der nicht existenten Perspektive schlicht viel zu teuer. Der Kurs sieht im Vergleich zu den historischen Kursen billig aus, mehr aber auch nicht, denn die heutige Commerzbank hat nun x-fach mehr Aktien ausgegeben als die "alte". Da werden also Melonen und Weintrauben verglichen und nur weil beide rund sind und "Commerzbank" drauf steht, in einen Topf geworfen.

Und trotzdem halte ich es für gut möglich, ja sogar für wahrscheinlich, dass die Commerzbank noch in diesem Jahr einen erheblichen Satz nach oben macht. Warum ? Weil ich denke, dass CEO Blessings Tage gezählt sind. Und weil die Börse den Tag seines Abgangs feiern wird.

Wie ich darauf komme ? Ganz einfach, es sind die Stimmen die rund um die Bilanzpressekonferenz im Februar aufkamen und die man unter anderem in Artikel des Handelsblatt wunderschön nachlesen kann. Ich habe keinerlei Insiderkenntnisse zur Commerzbank, die öffentliche Kommunikation spricht aber Bände für den, der hören kann.

Da wird der Aufsichtsratchef Klaus-Peter Müller mit den Worten zitiert, er liesse den Vorstand wissen, "dass seine Geduld nicht endlos strapazierbar ist." Ja genau, der Klaus-Peter Müller, der Blessings Vorgänger als CEO war und der einen Grossteil der Probleme verursacht hat, die Blessing nun wegräumen muss. So insbesondere den völlig überteuerten Kauf der Eurohypo kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, der nun eher zum geworden ist. Und auch die Fusion mit der Dresdner Bank, die insbesondere im Bereich IT immer noch so viele Probleme macht, wurde noch von Klaus-Peter Müller betrieben. Müller ist aber nach allem was man mitkriegt ein hervorragender politischer Netzwerker und an seinem Ansehen ist kein Kratzer geblieben. Dafür darf sich Blessing nun bei der Beseitigung seiner Altlasten aufreiben. Wer hat je gesagt, dass das Leben in den Chefetagen gerecht sei ? Die lange Liste der von Cromme im letzten Jahrzehnt geschassten Vorstände bestimmt auch nicht.

Aber lesen wir doch auch mit Genuss die Einlassungen des "Finanzverstehers" und hessischen SPD Chefs Thorsten Schäfer-Gümbel in Handelsblatt Online. Ja genau, der Schäfer-Gümbel damals mit Ypsilanti: „Es kann nicht sein, dass der Vorstand der Commerzbank ein Jahr, nachdem er die Deckelung der eigenen Bezüge aufgehoben hat, nun massiv an der Personalschraube dreht“. Ah ja. Den Unterschied zwischen einer Kommune und einer profitorientierten Aktiengesellschaft muss man dem Mann halt mal erklären.

Ich zitiere diese Einlassungen - weitere finden Sie selber in dem schönen Artikel - weil daraus für mich persönlich die hohe Wahrscheinlichkeit abzuleiten ist, dass Blessing nicht mehr lange auf seinem Stuhl sitzt. Denn die Politik funktioniert nach anderen Mustern als die Wirtschaft und Politiker wissen genau, wann sie den Mund zu halten und die Reihen zu schliessen haben. Wenn aber so geballt und deutlich Kritik an die Presse durchgestochen wird - und wenn sich daran auch Aufsichtsratchef Müller beteiligt, dann erlaubt das nur einen Schluss für mich: Blessing ist zum Abschuss freigegeben und seinen Job eigentlich schon los. Denn das Müllers Zitate im Handelsblatt stehen, dürfte nach meiner Einschätzung wohl kaum ein Zufall sein, Müller dürfte vermutlich die Direktwahl zu Handelsblatt Chefredakteur und jetzt Geschäftsführer Gabor Steingart haben.

Und übrigens, als kleine Anekdote am Rande, Blessings Frau Dorothee Blessing hört scheinbar völlig überraschend bei Goldman Sachs Deutschland in Frankfurt auf, siehe . Jeder möge sich da seinen eigenen Reim drauf machen.

Wäre Blessings Ende an der Spitze der Commerzbank tragisch ? Nein, denn Blessings Trackrecord in der Commerzbank ist wirklich nicht berauschend, es fehlt die konsequente Linie und Perspektive. Und Blessing hat sich auch in der öffentlichen Kommunikation nach meinem Dafürhalten ungeschickt, um nicht zu sagen "tapsig" verhalten, wie zuletzt beim Timing der Aufhebung der Deckelung der Bezüge. Und deshalb wird die Börse seinen Abgang auch feiern. Denn damit ist die Hoffnung verbunden, dass nun mehr Zug in die Geschäftspolitik der Commerzbank kommt. Es wird also mit guter Wahrscheinlichkeit in den kommenden Monaten einen Tag geben, an dem die Commerzbank mal eben 5-10% nach oben schiesst.

Ist das Grund die Commerzbank als Aktie zu halten und auf diesen Tag zu warten ? Ich glaube nein, denn das Kernproblem ist nicht Blessing.

Nehmen wir doch mal das verflixte Filialgeschäft. Ich sage Ihnen, was aus meiner Sicht kalt wirtschaftlich gerechnet richtig wäre und was die Börse mit Phantasie und grossen Kurs-Steigerungen beantworten würde: eine völlige Einstellung des Filialgeschäfts und die Schliessung aller Filialen und Entlassung aller damit verbundenen Mitarbeiter in der Fläche. Verbunden mit einer Fusion mit der Comdirect, die damit defacto das Privatkundengeschäft der Commerzbank übernimmt. Erhalten würden von den Filialen nur wenige "Leuchttürme" in den grossen Städten um dort Veranstaltungen durchführen zu können. Der Kurs der Commerzbank wäre dann einen Tag nach dieser Bekanntgabe locker um 20% höher, da bin ich sicher.

Denn wer braucht eigentlich im Jahr 2013 alle diese Commerzbank Filialen ? Ich als Kunde nicht, aber man zwingt mich diese als Kunde mit zu bezahlen, weswegen die Commerzbank zu teuer ist und ich deswegen dort eben nicht bin. Wer grossen Wert auf eine Filiale um die Ecke legt, ist bei Sparkasse oder Volksbank sowieso besser aufgehoben. Filialgeschäft macht Sinn, wenn man wirkliche Fläche zu bieten hat wie Sparkassen oder Volksbanken. Wenn ich mich als Kunde darauf verlassen kann, in jedem grösseren Ort eine Filiale zu finden, dann hat das einen Wert und dann kann ich das auch nutzen. Dafür hat die Commerzbank aber zu wenig. Um profitabel zu sein aber zu viel. Ich bin mir sicher, Filialgeschäft betreibt man entweder richtig und konsequent oder gar nicht. Der Zwischenzustand der Commerzbank ist aber nicht tragbar.

Und damit sind wir bei dem Punkt, warum Blessing gar nicht das eigentliche Problem ist. Selbst wenn ein Commerzbank CEO so eine Massnahme für konsequent und richtig fände, mit all den Schäfer-Gümbels und Stegners im Nacken, ist so eine klare Linie nicht durchsetzbar. Es würde zerredet und unter Konsensdruck bis zur Unkenntlichkeit verformt, mit einem typisch politischen Kompromiss am Ende. Commerzbank ist halt nun mal eine Staatsbank, mit allen negativen Effekten politischen Einflusses, Stichworte wie KFW lassen grüssen. Eine Strategie die die Börse liebt und die zu wesentlich höherer Profitabilität der Commerzbank führt, wird immer auf den erbitterten Widerstand der Bewahrer stossen, die hier auf der Gesellschafterbank hocken.

Und damit sind wir auch beim eigentlichen Fehler den Blessing in meinen Augen gemacht hat. Warum hat er sich das überhaupt angetan ? Das war doch absehbar.

All diese Anfeindungen, alleine die rein politisch induzierten Gehaltsbegrenzungen bei 500T€ - wo er jederzeit Jobs für mehr hätte haben können und sogar Mitarbeiter der 2. Reihe mehr verdienen - all diese Begrenzungen durch die verschiedensten Kräfte die an ihm ziehen und dann noch nicht einmal die Chance zu gestalten, sondern die Fehler seines Vorgängers aufräumen zu müssen ? Und sich von diesem dann noch kontrollieren lassen zu müssen ? Warum hat er sich das angetan ?

War er einfach nur ein netter Kerl, der sich dem Staat verpflichtet fühlte oder fehlte es ihm an Rückrat, Machtwillen und Durchsetzungsvermögen, dass er sich überhaupt so lange zum Spielball dieser Interessen hat machen lassen ? Warum hat er nicht schon längst den Krempel seinem Vorgänger und Aufsichtsratvorsitzenden Müller vor die Füsse geschmissen ? Ich weiss es nicht, ich kenne Blessing nicht persönlich. Aber ich wundere mich, dass er es so lange hat treiben lassen, bis sein Name nun wirklich beschädigt ist. Denn hätte er vor einem oder zwei Jahren mit einem hörbaren "ihr könnt mich mal" hingeworfen, hätte das seinen Ruf in der Finanzindustrie nach meiner Einschätzung eher gefestigt. Klar, in Deutschland hätte er keinen Fuss mehr auf die Erde gebracht, dafür hätte die Politik gesorgt. Aber die Welt ist weit grösser als Deutschland. Nun wirkt er aber als Gescheiterter. Und die Regeln der Politik besagen halt auch, dass wenn mal ein Sündenbock auserkoren wurde, man auch alles auf ihm abladen kann.

Möglicherweise hat Blessing tatsächlich versucht, es zu vielen gleichzeitig recht zu machen, was nie so richtig gelingen will. Ich weiss es nicht und kann es nicht beurteilen. Merkwürdig finde ich diesen Ablauf aber schon. Denn was die Commerzbank gebraucht hätte, wären schnelle klare Schnitte mit kaltem Stahl gewesen. Was die andere Strategie bisher gebracht hat, können wir ja nun bewundern, das Unternehmen ist 4 Jahren nach der Finanzkrise immer noch ohne überzeugende Zukunftsperspektive.

Die Botschaft an die leidgeprüften Aktionäre, die der Aktie immer noch die Treue halten, ist daher in meinen Augen: sein Nachfolger wird ein politischer Strippenzieher sein müssen, was keineswegs zwingend zu guten wirtschaftlichen Ergebnissen führen muss. Ein Manager der ersten Reihe aus der Wirtschaft mit der nötigen Härte und Arroganz eines klassischen Alphatiers, wird sich diesen Job unter diesen Rahmenbedingungen aber sicher nicht antun. Das braucht eher einen erfahrenen Strippenzieher wie Werner Müller, den ex Wirtschaftsminister und Leiter der RAG Stiftung.

Fazit: Es ist für mich persönlich recht wahrscheinlich, dass Blessing bald abtritt und die Börse das kurzfristig feiert. Zum einem Kauf wird die Commerzbank für mich dann aber immer noch nicht. Sie ist weder günstig bewertet, noch ertragsstark, noch ist irgend eine spannende Zukunftsperspektive absehbar. Stürzen wir uns lieber auf Aktien wie SAP, Linde, Qiagen und Co. Da bekommen wir alles, was man für eine profitable Anlage braucht - excellentes Management inklusive !

So weit mein persönlicher Kommentar zur Commerzbank und Herrn Blessing. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag !

Ihr Hari

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Commerzbank, SAP und IBEX35 – von Rebounds, entspannten Trades und der Honigfalle

Es gibt eine gewisse Sorte von Rebound Spekulationen , die auf den ersten Blick unglaublich attraktiv aussehen. Vor allem Privatanleger lieben diese Aktien voller vermeintlicher Verheissung, wie die Commerzbank.

Das sind diese Aktien, die ungewöhnlich verprügelt wurden und auf langjährigen Tiefs notieren. Aktien bei denen man denkt, die "können doch nur noch steigen". Aktien die weit unter Buchwert notieren und vermeintlich sehr billig erscheinen.

Und dann geht man als Anleger her und vergleicht den aktuellen Kurs mit dem Höchstkurs von vor ein paar Jahren. Und sieht ein Potential für Vervielfachung. Und schon läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

Dieser Vergleich zu alten Höchstständen wirkt psychologisch auf uns Menschen wie eine Honigfalle, weil der hohe Kurs von vor ein paar Jahren macht das Vervielfachungspotential in unseren Hirnen greifbar und glaubwürdig. Da springen die Belohnungssysteme in unseren Hirnen an und schreien stumm in unserem Bewusstsein: "der muss da wieder hin steigen, greif zu, schnell ! Kauf ... mich ... jetzt !".

Umgedreht erscheint eine Aktie mit starkem Wachstum, die schon auf absoluten Höchstständen notiert, weit weniger verheissungsvoll. Der Vergleich mit der Vergangenheit impliziert sofort Gefahr: "wer so hoch steigt, muss auch wieder fallen, Gefahr !".

Kennen Sie diese gedanklichen Reflexe ? Ìch denke ja, wenn Sie mal alte Verluste reflektieren. Diese Reflexe sind aber fatal. Denn so landen in den Depots der normalen Anleger zu oft die "Gefallenen Engel" mit Problemen im Geschäftsmodell, statt dessen zu wenig die starken Wachstums-Werte, die sich in einem intakten Aufwärtstrend befinden. Zu viel Commerzbank und zu wenig SAP halt.

Und wenn der menschliche Geist dann durch die optische Honigfalle der alten Kurse schon gepolt ist, reicht es, wenn einen dann noch ein sogenannter "Guru" mit Photoshop Lächeln von einem Magazin anstrahlt und im Magazin was von "saubillig" redet und schon schlägt man zu. Kann ja auch nur hoch gehen ..... zumindest meint man das. 😉

Nun beginnt das Warten. Und aus Warten wird Nägelkauen. Diese verflixte Aktie will einfach nicht steigen. Sie mäandert statt dessen um den Einstandskurs herum. Aber kein Problem, die kann ja nur noch steigen und war ja "saubillig". Und man ist ja ein "Value-Investor", wie der gute Warren. Soweit die typische Selbstvergewisserung.

Dann aber, irgendwann ein paar Monate später, in denen mit der Aktie nichts zu gewinnen war, beginnt sie erneut zu fallen. Ja, zu fallen ! Unglaublich, toll, "jetzt verdoppele ich, so etwas saubilliges finde ich so schnell nicht wieder" denkt da der Anleger. Und legt seine Hand endgültig unter den Prellbock des fiesen Mr. Market.

Die Aktie aber fällt weiter und weiter. Und aus Begeisterung für "saubillig" wird Kopfkratzen. Und dann Zweifel. Und dann Sorge. Und dann - an einem Tag an dem sich die Aktie um 5% nach unten bewegt - Panik und der Druck auf den Verkaufsknopf. Ufff, immerhin hat ja man noch 50% dafür bekommen, man muss die Dinge halt positiv sehen. 😉

An diesem Tag erreicht die Aktie ihr historisches Tief und dreht zu einem neuen Aufwärtstrend nach oben. Aber das ist eine andere Geschichte. 😉

Ich denke wir kennen alle dieses endlose, quälende Bröseln. Und ja, es gibt natürlich auch die Fälle, in denen es sich tatsächlich lohnte das Bröseln zu ertragen, weil so Aktien dann einen gewaltigen Rebound hinlegten. Wie zuletzt bei Wacker Chemie. Aber dann auch nur, wenn man erst nahe am Tiefpunkt in das fallende Messer hinein griff.

Nur, selbst bei Wacker Chemie gilt doch: wäre es nicht besser gewesen erst einmal abzuwarten bis der Abwärtstrend ausläuft, selbst auf die Gefahr hin die ersten Prozent des Anstiegs zu verpassen ? Hätte man nicht im Saldo weit besser abgeschnitten und wäre dabei noch dazu viel entspannter gewesen ? Welchen Wert hatte es dann also, den endlosen Absturz mit geschlossenen Augen stur mitzugehen ?

Ein Musterbeispiel für die fatale Obsession normaler, privater Anleger für solche "gefallenen Engel" - ich nenne es eher Gurkenaktien - ist auf jeden Fall die Commerzbank. Was wird nicht über diese Aktie geschrieben und spekuliert. Ich vermute es gibt kaum eine Aktie, die von den Privatanlegern mehr beobachtet und gehandelt werden. Zuverlässig bekommen Artikel zur Commerzbank in den Nachrichtenportalen die höchsten Klickzahlen. Und die institutionellen Anleger ? Die sagen eher "Igitt" und haben Besseres mit ihrem Geld zu tun.

Woher kommt diese Obsession der Privatanleger für eine Aktie, deren Chef Blessing seinen Aktionären alle paar Monate eine neue Kapitalerhöhung beschert hat und ansonsten das profitable Geschäftsmodell nach Jahren der Umstrukturierung immer noch sucht ? Einer Aktie die ihren Aktionären über Jahre nur Leid, Tränen und Verluste bescherte ?

Ich habe eine starke Vermutung. Es ist schlicht die Optik der alten Kurse von 20€ und mehr. Es ist diese Honigfalle ! Nur handelt es sich dabei um eine Illusion, eine Fata Morgana sozusagen. Denn die Commerzbank hat mit den diversen Kapitalerhöhungen die Aktienzahl vervielfacht ! Ich habe aufgehört mitzuzählen ob der Faktor nun 2, 3, 4 oder 5 ist. Aber Faktum ist: das ist nicht mehr die Aktie die mal 20€ und mehr kostete ! Diese "alte" Aktie wurde um Faktoren verwässert und ein aktueller Kurs von 1,6€ entspricht in der alten Aktie eher einem um Faktoren höheren Kurs.

Diese "neue" Commerzbank Aktie wird also nach meiner festen Überzeugung kaum mehr diese Regionen um 20€ sehen ! Ja ich weiss, man soll nie nie sagen, aber auf die nächsten 5 Jahre erscheint mir das höchst unwahrscheinlich. Und wenn die Commerzbank je wieder 3 oder 4€ erreicht, entspricht das defacto, die Verwässerung eingerechnet, den alten Kursenregionen und wäre in Anbetracht der aktuellen Verfassung des Kerngeschäftes für mich schon ein kleines Wunder.

Warum also sollte man als normaler Anleger (und nicht Daytrader) seine Zeit, seine Energie, seine Nerven und sein sauer erarbeitetes Kapital mit so einer Aktie vergeuden ? Warum kauft man nicht zum Beispiel einfach SAP und legt sich beruhigt schlafen ? Eine Aktie die zwar nahe an Höchstständen notiert, dafür aber jedes Jahr zweistellig wächst, hervorragend geführt ist, gerade China aufrollt und deren Geschäftsmodell fest wie eine Burg steht ?

Ich glaube ich weiss warum. Weil SAPs Chart schon so weit oben ist und die Commerzbank gegenüber den alten Kursen so billig aussieht. Darum ! Ich finde das persönlich tragisch.

Wen die obigen Zeilen jetzt an eigene Erlebnisse erinnern und wer das Übel dieser endlosen Hoffnung auf Besserung sieht ... wem aber SAP trotzdem schon zu weit gelaufen ist, für den habe ich nun eine Idee. Eine Idee, die grosses Potential nach oben mit einem klaren Aufwärtstrend verbindet. Einen Trade, den man vielleicht mit guter Wahrscheinlichkeit einfach laufen lassen kann - und zwar ohne sich um Kapitalerhöhungen zu sorgen.

Es ist der spanische Aktienmarkt in Form des Index IBEX 35, den ich Ihnen am 15.11.12 mit seiner -> Bullenflagge <- schon nahe gebracht habe und der seitdem nach Plan gelaufen ist und schöne Gewinne produziert hat.

Schauen Sie mit mir auf das Wochenchart seit 2006, um das grosse Potential zu erkennen:

IBEX 11.01.13 Bullenflagge

Sie sehen den perfekten Doppelboden. Sie sehen die Bullenflagge, aus der der Index nun ausgebrochen ist. Sie sehen die einem Cup&Handle ähnelnde, perfekte Umkehrformation. Sie sehen wie der Index auf den Punkt zum 23er Fibo Retracement gelaufen ist, dort konsolidierte und nun zum 38er Retracement läuft. Und Sie sehen das gewaltige Potential bis zur Normalisierung.

Hier haben wir also einen ganzen Index, der auf alte Kursniveaus zusteuert. Der sich in einem klaren Aufwärtstrend befindet und gerade aus einer technischen Struktur ausgebrochen ist. Der aus Aktien besteht, von denen viele international agieren und nur in Sippenhaftung genommen wurden, weil Spanien auf dem Kurszettel stand. Aktien die auch vom Buchwert her sehr attraktiv ausschauen. Ein Index, in dem sich auch eine Bank, die Banco Santander befindet, die aber im Gegensatz zur Commerzbank ein sehr profitables Kerngeschäft besitzt.

Warum ist der IBEX35 nicht eine sinnvollere Investition, als das endlose Warten auf das Wunder bei der Commerzbank ?

Natürlich, nichts ist sicher und theoretisch kann die Euro-Krise wieder aufflammen. Und auch ein technischer Ausbruch wie beim IBEX35 kann wieder wegkippen. Das ist aber nicht das wahrscheinlichste Szenario, sondern einfach eine Möglichkeit. Für dieses Risiko setzt man einen Stop unter den tiefsten Punkt der Bullenflagge. Und dann geniesst man das Leben und lacht über die nächste Kapitalerhöhung der Commerzbank - wenn denn dann noch eine kommen sollte. 😉

Denn wenn die Eurokrise wieder aufflammen sollte und der IBEX35 wieder wegkippt, sollte keiner glauben, dass die Commerzbank davon unbetroffen wäre. Und umgedreht, wenn der Bankensektor der Eurozone sich weiter normalisiert und damit auch die Commerzbank nun Kursgewinne produziert, dürfte auch der IBEX35 aus den gleichen Gründen weiter steigen. Welchen Vorteil hat diese Aktie dann eigentlich, der diese grosse Aufmerksamkeit der Anleger rechtfertigt ?

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

[Nachtrag: Ein Leser dieses Blogs hat mal nachgerechnet und nach seiner unverbindlichen Berechnung (ohne Gewähr) hätte die Verwässerung bei der Commerzbank fast den Faktor 9 erreicht und 4.30€ würden damit dem alten Höchstkurs von ca. 38€ aus dem Jahr 2007 entsprechen]

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Gastkommentar: Technisches Trading mit „The Trend is your friend“

Technisches Trading mit "The Trend is your friend" - Ein Gastkommentar von "Jacky"

Mit diesem Beitrag möchte ich zeigen, dass die Börsenregel "the trend is your friend" helfen kann Verluste einzugrenzen oder einen eventuell höheren Gewinn mitzunehmen, als man durch subjektives Trading erreichen kann (hier betrachteter Zeithorizont beträgt Tage bis einige Monate).

Bei der Beobachtung von Aktien überkommt viele Privatanlegern das Gefühl, dass einige Aktien, in die man investieren möchte, bereits seit einiger Zeit fallen und es gar nicht mehr tiefer gehen kann. Also investiert man. Und aller subjektiver Beurteilung zum trotz fällt sie weiter. Das gleiche gilt für Aktien in die man investiert ist: soll man sie verkaufen, da sie seit ein oder zwei Wochen fallen oder ununterbrochen angestiegen sind?

Es zeigt sich jedoch, dass Aufwärts- und Abwärtstrends viel länger anhalten können, als man dies antizipiert. Zu der Definition eines Trendanfangs/-ende: Als positive Trendwende bezeichne ich zwei aufeinanderfolgende Hochs, wobei das letztere Hoch höher ist UND zwei aufeinander folgende Tiefs wobei wiederum der letzte höher ist. Ein positiver Trend hält solange an, bis sowohl das neueste Hoch als auch das neueste Tief tiefer liegt, als die jeweils früheren, d.h. es entsteht eine negative Trendwende.

Mit dieser Definition kann man historische Daten analysieren. Der unten gezeigte Graph zeigt exemplarisch den S&P500 (Tageschart) seit 2011 wobei der farbliche Balken am unteren Bildende, den zu dem Zeitpunkt vorhandenen Trend darstellt (grün: Aufwärtstrend; rot: Abwärtstrend). Den Trend kann man einfach erhalten, in dem man die einzelnen aufeinander folgenden Hochs und Tiefs analysiert (hier via Matlab)

Die interessante Frage ist jetzt natürlich: wie lange hält ein Trend an? Dazu habe ich die Trends des S&P 500 seit 1990 analysiert und sehe, dass die durchschnittliche Trendlänge für einen positiven Trend 37 Börsentage ist (ca 7 Wochen) und für einen negativen Trend 22 Börsentage (ca 4 Wochen) ist. Der jetzige Trend läuft meiner Analyse zu Folge übrigens seit dem 15.Juni 2012 und der S&P500 Index hat seit dem 6.7% zugelegt. Man sieht ebenfalls, dass der S&P 500 sich gerade (wieder einmal) an einem aus Trendsicht wichtigem Punkt befindet: steigt er in der nahen Zukunft, ist der Trend intakt, ansonsten wird es ein neues Tief geben, was tiefer liegt als das letzte - was eine eventuelle Trendwende ankündigt.

Der folgende Graph zeigt seit 1990 alle Trends, die mein Programm im SP500 gefunden hat. Das schwarze Kreuz ist der Punkt, an dem wir uns gerade befinden (28.09.2012). Das dritte Subpanel beschreibt zudem den durchschnittlichen prozentualen Gewinn bei positiven Trends (grün) und den durchschnittlichen Verlust bei negativen Trends (rot) als Funktion der Trendlänge.

Hierbei erkennt man deutlich, dass Trends sehr kurz sein können (Bären/Bullenfallen), aber auch sehr lange andauern können (z.B. das gesamte zweite Halbjahr 2006). Um die Wichtigkeit der Börsenregel weiter zu verdeutlichen: hätte man am 01.01.2007 eine bestimmte Summe in den SP500 Index investiert, würde das Depot heute immer noch den gleichen Betrag besitzen (zwischenzeitlich weitaus weniger). Folgt man dem Trend und wäre nur während eines positiven Trends in dem SP500 investiert, hätte man heute mindestens 50% Gewinn (Annahme bei jedem Kauf und Verkauf je 0.2% Orderkosten).

Der Gewinn hängt davon ab wie gut man die Trends erkennt - vor allem wann ein Trend beginnt oder endet. Oft ist ein Tief plötzlich tiefer ist als das letzte und danach etabliert ein höheres Hoch den Trend wieder etc. Wie lange Trends anhalten hängt auch von den Aktien ab: sind sie volatil oder eher nicht? Der untere Graph zeigt für einen sehr passiven Trendanalysator die prozentuale Depotgrösse über die Zeit seit 2007 im Vergleich zu der Buy and hold Strategie für den SP500. Hätte man alle Trends richtig erkannt (was bei historischen Daten nachträglich natürlich möglich ist), würde man heute trotz Orderkosten ca 250% des Einstiegswert besitzen.

Noch eine technische Anmerkung: Es wurden keine Dividendenausschüttungen berücksichtigt, die Analyse erfolgt auf Basis der Tagesschlusskurse, in dem Tradingbeispiel seit 2007 ging ich von einem vollen Reinvest der zu handelnden Positionsgrösse aus (was natürlich nicht immer 100% möglich ist) und zudem konnte ich keine Buy/Sell spreads in die Analyse einfliessen lassen.

"The trend is your friend" sollte man also im Hinterkopf behalten. Zum Schluss möchte ich Ihnen noch die viel diskutierte Commerzbank Aktie zeigen und die Interpretation des Graphes Ihnen überlassen. Seit 1990 ist die durchschnittliche positive Trendlänge übrigens ca 4 Wochen, die durchschnittliche negative Trendlänge jedoch mit ca. 6 Wochen deutlich länger.

Viele Grüße,
Jacky

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sumerdigital Community Sommer Aktien – Die Auswertung und die ersten Lehren !

Sie erinnern sich vielleicht, dass wir in einer -> Umfrage hier vom 13.07.12 <- nach Aktien gesucht haben, die mit Sicherheit 3 Monate später, am 30.09.12, einen höheren Kurs haben.

Gesucht war also nicht die beste Performance, sondern die grösste Wahrscheinlichkeit mit der Aktie Geld zu verdienen. Und wie Sie ja wissen, habe ich diese Umfrage mit einem Hintergedanken gemacht, weil ich daran ein paar Lehren bzw Weisheiten zum Markt knüpfen wollte.

Nun ist also Zeit erste Bilanz zu ziehen, ich danke unserem Leser "Jacky" für die Mühe, die Daten zusammen zu stellen:

Kurse der sumerdigital Community Aktien vom 28.09.12, sowie deren Veränderung seit dem 13.07.2012

1. Aareal Bank (WKN 540811): 13.25 € -> 15.96 €; gain: 20.5%
2. Deutsche Bank (WKN 514000): 25.6 € -> 30.83 €; gain: 20.4%
3. Barrick Gold (WKN 870450): 34.84 USD -> 41.81 USD; gain: 20%
4. BASF (WKN BASF11): 55.96 € -> 65.75 €; gain: 17.5%
5. SAP (WKN 716460): 48.9 € -> 55.24 €; gain: 13%
6. Commerzbank (WKN 803200): 1.24 € -> 1.39 €; gain: 12.1%
7. Apple (WKN 865985): 604.97 USD -> 669 USD; gain: 10.6%
8. Sanofi (WKN 920657): 60.56 € -> 66.65 €; gain: 10.1%
9. Sandridge Energy (WKN A0M1JP): 6.41 USD -> 6.98 USD; gain: 8.9%
10. Pfizer (WKN 852009): 22.81 USD -> 24.84 USD; gain: 8,9%
11. Total (WKN 850727): 36.03 € -> 38.6 €; gain: 7.1%
12. Deutsche Post> (WKN 555200): 14.34 € -> 15.21 €; gain: 6.1%
13. Andritz (WKN 632305): 41.6 € -> 43.62 €; gain: 4.9%
14. Berkshire Hathaway B (WKN A0YJQ2): 84.48 USD -> 88.32 USD; gain: 4.5%
15. Qiagen (WKN 901626): 13.74 € -> 14.32 €; gain: 4.2%
16. Kraft Foods (WKN 655910): 39.71 USD -> 41.33 USD; gain: 4.1%
17. Merck & Co. (WKN A0YD8Q): 43.47 USD -> 45.09 USD; gain: 3.7%
18. Volkswagen VZ. (WKN 766403): 137.1 € -> 142.2 €; gain: 3.7%
19. Daimler (WKN 710000): 36.4 € -> 37.72 €; gain: 3.6%
20. Biogen Idec (WKN 789617): 144.61 € -> 149.48 €; gain: 3.4%
21. Wells Fargo (WKN 857949): 33.91 USD -> 34.76 USD; gain: 2.5%
22. McDonald’s (WKN 856958): 92.29 USD -> 93.27 USD; gain: 1.1%
23. Gesco (WKN A1K020): 64.97 € -> 65 €; gain: 0%
24. 3D Systems (WKN 888346): 33.02 USD -> 32.95 USD; gain: -0.2%
25. Salzgitter (WKN 620200): 30.17 € -> 30.02 €; gain: -0.5%
26. Elringklinger (WKN 785602): 20.8 € -> 20.61 €; gain: -0.9%
27. Peabody Energy (WKN 675266): 22.51 USD -> 22.28 USD; gain: -1%
28. BMW (WKN 519000): 57.77 € -> 57 €; gain: -1.3%
29. Coca-Cola (WKN 850663): 38.64 USD -> 38.04 USD; gain: -1.6%
30. Dialog Semiconductor (WKN 927200): 15.57 € -> 15.17 €; gain: -2.6%
31. Royal Dutch Shell (WKN A0D94M): 28.05 € -> 26.9 €; gain: -4.1%
32. SGL Carbon (WKN 723520): 32.69 € -> 31.1 €; gain: -4.9%
33. Boeing (WKN 850471): 73.51 USD -> 69.75 USD; gain: -5.1%
34. Altria Group (WKN 200417): 35.62 USD -> 33.42 USD; gain: -6.2%
35. Tesla Motors (WKN A1CX3T): 34.25 USD -> 28.49 USD; gain: -16.8%

Durchschnittlicher Aktienanstieg des Portfolios: 4.2%

Vergleich mit den Indizes im gleichen Zeitraum:
1. Dax : 6557.1 points -> 7216.15 points; gain: 10.1%
2. S&P500 : 1356.78 points -> 1440.67 points; gain: 6.2%

Das Fazit lautet also, dass wir als "Team" in zweifacher Hinsicht das Ziel verfehlt haben - keine gute Performance, kann man da nur sagen !

Erstens haben die Indizes einen mittleren Anstieg von 8,2% von ganz alleine hingelegt. Unser Portfolio war gerade mal für 4,2% gut. Das ist unbefriedigend. Um es etwas überspitzt zu sagen: Hätten wir also unsere Finger aus dieser Aktiendiskussion gelassen und hätten uns mit einem Index ETF an den Strand gelegt, wären wir besser gefahren. 🙂

Natürlich gibt es dafür Gründe, es liegt daran, dass aufgrund der Aufgabenstellung des "sicheren" Gewinns, sehr viele klassische Value-Aktien wie Altria, Pfizer, Mc Donalds etc ausgewählt wurden. Nur leider waren die zum Zeitpunkt Anfang Juli teilweise schon (zu) weit gelaufen. Es zeigt, dass der Zeithorizont eine entscheidende Bedeutung hat. Wer seine Anlagen im Mittel alle 3 Monate umschichtet, tut sich also scheinbar keinen Gefallen zu viel über "Value" nachzugrübeln, der muss ganz andere Dinge verstehen. Das ist eine erste kleine, aber wichtige Lehre aus dieser Übung !

Zweitens haben wir auch bei der eigentlichen Aufgabe, Aktien zu finden die sicher steigen, das Ziel verfehlt. Denn in Anbetracht von Indizes die um 8% zulegen, ist eine Quote von 13/35 von Aktien die sogar im Minus stehen - also ca. 37% im Minus - eine ziemlich dürftige Performance.

So, das waren harte, aber zutreffende Worte. Als "Fondmanager" würde diese Community nun also von den Grossanlegern böse Briefe bekommen mit dem Tenor, bald das Kapital aus dem Fond abzuziehen, wenn wir im 4. Quartal nicht schnell besser werden. Das ist übrigens einer der Gründe für "Performance Anxiety" und "End of Quarter Window Dressing", nur diesmal von der anderen Seite des Tisches erlebt.

Eigentlich merkwürdig das Ergebnis, dabei war doch jeder von uns der Meinung, dass er nun besonders gut Aktien herauspicken kann ... oder etwa nicht ? 😉

Hier haben die ersten Leser in Kommentaren schon mit Demut auf das Ergebnis reagiert und das finde ich eine gute Selbstreflexion, denn diese Erkenntnis bringt uns weiter !

So viel zum Ergebnis. Nun zu eigentlichen Wertung und den beiden Lehren, die ich bei Aufsetzen dieser Übung damit transportieren wollte, meine verborgene Absicht sozusagen:

Lehre 1: Es ist *sehr* schwer den Index zu schlagen !

Diese Lehre wollte ich mit der Übung transportieren und ich denke die Botschaft ist angekommen.

Ganz konkret sollten Sie sich also wirklich die Frage stellen, ob es für Ihr Portfolio nicht besser wäre, sich auf Trendfolge bei Indizes (via ETF) zu beschränken. Dann folgen Sie dem DAX, vielleicht dem GDX und einem anderen Index und das wars dann.

Denn machen Sie sich nichts vor, Spekulation in einzelne Aktien verschafft nur dann einen Vorteil, wenn Sie für sich einen klaren "Edge" benennen können. Bedeutet, Sie sollten etwas über die Aktie verstehen oder verstehen zu glauben, was die Mehrheit nicht versteht. Ein Beispiel für einen Edge wäre die spezielle Sicht auf Windows 8, die ich bei Microsoft schon im Frühjahr hatte und zum Beispiel -> hier <- thematisiert habe.

Sie sollten aber nicht glauben, dass das Studium eines allgemeinen Artikels der von längst bekannten Dingen handelt, oder der Blick auf KGV, KBV, Dividendenrendite etc Ihnen irgend einen Edge verschafft. Trotzdem glauben viele, inspiriert von einem Artikel, dass sie nun ganz tolle Stockpicker seinen. Das Dumme ist nur, das ist alles schon im Kurs und daher wertlos. 😉

Mein persönliches Fazit ist daher: für private Anleger mit begrenzter Zeit macht die Anlage mit einzelnen Aktien nur selten Sinn. Dieser Anleger konzentriert Sie sich lieber auf die grossen Trends in breiten Segmenten und Indizes. Er folgt einfach dem grossen Geld. Das was "Big Money" tut, kann für ihn nicht schlecht sein. Das Stockpicking überlassen Sie besser denen, die dafür die Zeit und das Hintergrundwissen haben, sich einen echten Edge zu erarbeiten.

Lehre 2: The Trend ist your friend oder "besch...eidene Aktien bleiben besch...eidene Aktien" !

Auch diese Weisheit wollte ich Ihnen nahebringen, genau deswegen habe ich auch Apple ausgewählt, als die einfachste, bekannteste und am besten verstandene Aktie der Welt, mit perfektem positiven Trend. Sozusagen die Mutter aller Trendfolgen ;-). Diese Wette ist ja mit gut 10% Plus auch aufgegangen.

Leider (im Sinne des beabsichtigen Lerneffekts) hat mir dann aber das singuläre Event des "Draghi Puts" in die Suppe gespuckt, das einen "Game-Changer" darstellte. Nur deshalb sind auch die Bankaktien so weit oben. Denn wäre der Draghi-Put nicht gekommen, wären diese Aktien wohl erneut am Ende der Liste. Im Endeffekt sind ja auch die 12-20% Plus der Banken alles andere als berauschend, wenn man sich anschaut welche Mengen an Geld da letztlich zur Stabilisierung des Finanzsystems eingesetzt werden. Da muss es in meinen Augen eher heissen: trotz Multimilliarden zur Stützung der Finanzsystems und trotz ausgebombtem Kurs *nur* 12-20%.

Schauen wir aber auf Aktien, die nicht so massiv durch den Draghi-Put beeinflusst wurden, sondern die sich im Rahmen ihres Geschäfts "normal" bewegten, kann man schon erkennen, dass sich Trends länger fortsetzen als man denkt. Oder wer war sich sicher, dass eine Apple garantiert besser abschneidet als eine Salzgitter ? Oder eine SAP besser als eine Peabody Energy ? Das ist die Gegenüberstellung des Modells Trendfolge versus Turnaround-Wette.

Insofern ist meine Botschaft sichtbar, aber nicht so prägnant ins Auge springend, wie noch vor dem Dragh-Put: Man setze besser auf die erfolgreichen, vom Markt geliebten Aktien, als sich einzubilden, man könnte den Zeitpunkt eines Turnaround vorher sehen !

So weit zu meinen Absichten bei Auflage dieser Übung, die ich nur teilweise deutlich machen konnte. Im Ergebnis stecken aber sicher noch mehr Lehren in der Übung, ich setze nun auf Sie, dieser heraus zu arbeiten !

Zum Thema Trend wird es übrigens voraussichtlich Morgen früh einen schönen Gastkommentar unseres Leser "Jacky" geben, der auch empirisch unterstreicht, wie wichtig die Trendfolge für Erfolg ist !

So weit so schnell ein erstes Fazit. Jetzt hoffe ich auf Ihre rege Diskussion und lade Sie ein, auch andere Aspekte dieser Übung ins Rampenlicht zu bringen.

Ich hoffe es hat Spass gemacht ! Heute folgt noch eine Einladung zu einer noch schwierigeren Aufgabe zum Jahresende. 😉

Wir lesen uns bald ! Ihr Hari !

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Umfrage: Die Aktie, die garantiert am 30.09.12 höher steht.

Liebe Leser von sumerdigital.de

Ich möchte heute einmal eine ebenso ungewöhnliche wie spannende Umfrage starten. Ich bitte Sie uns allen die Aktie zu nennen, bei der Sie sich am sichersten sind, das diese nach dem Sommer (am 30.09.12) höher steht als heute am 13.07.12. Es geht also nicht darum, welche Aktie potentiell die höchsten Gewinne produziert, sondern bei welcher die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, dass man einen Trade am 30.09.12 mit Erfolg im Positiven abschliessen kann.

Stellen Sie sich also vor, Sie haben eine grosse Summe Geld bekommen, die Sie bis 30.09.12 anlegen dürfen. Und Sie haben nur einen "alles oder nichts" Schuss frei, bei welcher Aktie Sie das Geld anlegen. Welche würde das sein ?

Sie werden sich fragen was das soll ? Wirklich verstehen werden Sie das erst am 30.09.12, denn dann schauen wir uns die Ergebnisse im Rückblick an. Meine Erfahrung ist nämlich, dass es unerhört lehrreich ist, im Nachhinein noch einmal zu sehen, was, wie und warum man vor 3 Monaten dachte.

Deswegen habe ich auch den 3 Monats Zeitraum gewählt, genügend Zeit um Raum für Bewegung zu lassen und gleichzeitig nah genug an der Gegenwart, damit man noch weiss, wie man am 13.07.12 über den Markt und Aktien gedacht hat.

Meine Bitte an Sie ist also: Stellen Sie hier einen Kommentar ein, in dem Sie den Titel mit WKN nennen, der in Ihren Augen am wahrscheinlichsten am 30.09.12 höher steht als heute. Zugelassen sind nur Aktien weltweit. Eine kurze Begründung im Kommentar wäre nett, ist aber nicht zwingend. Doppelnennungen sind natürlich zulässig.

Ich werde die genannten Titel hier in den Artikel übertragen und so Zug um Zug eine Tabelle der Vorschläge erstellen. So bekommen wir eine höchst spannende Liste der "aussichtsreichsten Aktien" aus Sicht der Mr. Market Community.

Und bitte zögern Sie nicht, weil Sie Angst haben falsch zu liegen, bei Nennung nur einer Aktie ist die Chance immer sehr hoch, das man falsch liegt. Auch mir kann das selbstverständlich passieren, denn niemand kennt die Zukunft und selbst die beste Aktie der Welt kann plötzlich überraschende Nachrichten generieren, die alles auf den Kopf stellen. Und wenn man bei so einem Call falsch liegt, ist das kein Makel und sagt nichts über die eigenen Fähigkeiten aus, jeder liegt mal falsch und wenn es zufällig in diesem Fall ist, hat man halt Pech gehabt.

Es geht hier also nicht um individuelles "richtig" oder "falsch" liegen, es geht um ein Stimmungsbild der Favoriten. Und in 3 Monaten geht es um unsere gemeinsame Reflektion, was aus dem Stimmungsbild geworden ist und warum.

Schluss dieser Umfrage ist Sonntag Abend 15.07.12. Dann ist die Liste hier im Blog endgültig. In diesem Sinne freue ich mich auf Ihre Favoriten !

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Nach dieser Vorrede muss ich natürlich mit meinem Favoriten für den "sichersten Gewinn" loslegen. Meine Antwort ist nicht überraschend: Apple (WKN 865985). Die Gründe dafür habe ich schon in Artikeln und Kurznachrichten in "Hari´s Tips" aufgezeigt. Und nun sind Sie dran !

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Und hier ist sie nun, die Liste der "Top Aktien der sumerdigital Community" mit Schlusskursen an der Hauptbörse (Brief) vom 13.07.12, Stand 15.07.12 22:00 :

3D Systems (WKN 888346) - 33,02 USD
Tesla Motors (WKN A1CX3T) - 34,25 USD
Apple (WKN 865985) - 604,97 USD
BASF (WKN BASF11) - 55,96 €
Coca-Cola (WKN 850663) 77,28 USD
Total (WKN 850727) - 36,04 €
SAP (WKN 716460) - 48,90 €
BMW (WKN 519000) - 57,77 €
Salzgitter (WKN 620200) - 30,16 €
Deutsche Post (WKN 555200) - 14,34 €
Boeing (WKN 850471) - 73,51 USD
Sanofi (WKN 920657) - 60,74 €
Wells Fargo (WKN 857949) - 33,91 USD
Daimler (WKN 710000) - 36,39 €
Altria Group (WKN 200417) - 35,62 USD
Commerzbank (WKN 803200) - 1,24 €
Deutsche Bank (WKN 514000) - 25,60 €
Peabody Energy (WKN 675266) - 22,51 USD
Gesco (WKN A1K020) - 64,97 €
Merck & Co. (WKN A0YD8Q) - 43,47 USD
Berkshire Hathaway B (WKN: A0YJQ2) - 84,48 USD
Qiagen (WKN 901626) - 13,74 €
Volkswagen VZ. (WKN 766403) - 137,10 €
Kraft Foods (WKN 655910) - 39,71 USD
Andritz (WKN 632305) - 41,6 €
Sandridge Energy (WKN A0M1JP) - 6,41 USD
SGL Carbon (WKN: 723520) - 32,68 €
Pfizer (WKN 852009) - 22,81 USD
Dialog Semiconductor (WKN 927200) – 15,57 €
McDonald’s (WKN 856958) - 92,29 USD
Elringklinger (WKN 785602) - 20,79 €
Aareal Bank (WKN 540811) - 13,25 €
Royal Dutch Shell (WKN A0D94M) - 28,04 €
Barrick Gold (WKN 870450) - 34,84 USD
Biogen Idec (WKN 789617) - 144,61 USD

Referenz Schlusskurse 13.07.12 DAX 6557,10 S&P500 1356,33

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Bravo Herr Schäuble ! – Oder wie man 100 Milliarden „alternativlos“ vergeudet …

Am Beispiel des heutigen Tageschart der Commerzbank Stand 16:30 Uhr will ich Ihnen zeigen, was der Finanzmarkt von der "Stabilisierung" der spanischen Banken hält. Sie können gerne jede andere Grossbank der Eurozone nehmen und bekommen einen identischen Chart.

Das ist das Urteil des Marktes über die "Stabilisierung" der europäischen Bankenlandschaft durch eine erneut "alternativlose" Rettung. War das 100 Milliarden wert ?

Und falls das nicht reicht um Ihnen Tränen in die Augen zu treiben, können Sie bei Reuters wunderschön nachvollziehen, welche "tollen" Effekte die "alternativlosen" Rettungen seit 2 Jahren auf Euro, Staatsanleihen oder Aktien haben.

Und falls Sie, sehr geehrter Herr Schäuble, mir jetzt erzählen wollen, dass Aktienkurse halt schwanken, dann sage ich Ihnen: Stimmt, der Kandidat hat 100 Punkte ! Nur warum haben Sie dann so Angst davor, die Kurse mal schwanken zu lassen, wenn ein paar spanische Regionalbanken Pleite gehen und verstaatlicht werden müssen ? Und wenn deutsche Grossbanken wie Commerzbank dadurch in Folge in Schieflage geraten, dann müssen halt deren Aktionäre und Gläubiger bluten, na und ?

Die US haben dagegen eine dreistellige Zahl mittelgrosser Banken im Zuge von Subprime Pleite gehen lassen und damit für die nötige Marktbereinigung gesorgt. Und haben den systemrelevanten Grossbanken grosse Kapitalpuffer aufs Auge gedrückt. Und haben zumindest eine Volcker-Regel auf die Agenda gesetzt, die wenigstens Ansätze eines Trennbankensystems implementiert. Als Folge steht der US Bankensektor wieder stabil da. Wo sind die Pleiten bei uns ? Wo ist die Entflechtung der Grossbanken bei uns ?

Statt dessen finanziert der hart arbeitende europäische Arbeitnehmer Zombiebanken und rettet damit deren Gläubiger, sonst niemanden. Warum lässt man die Gläubiger statt dessen nicht mal schwitzen und verwendet die 100 Milliarden lieber dafür, eine generelle Staats-Garantie der Sichtguthaben auszusprechen ? Ich kann es Ihnen sagen. Ich bin überzeugt, dass Schäuble & Co, wirklich in bester Absicht handeln und billige ihm wie Frau Merkel durchaus persönliche Vertrauenswürdigkeit zu. Aber in einer Mischung aus Unwissen und falschen Ratgebern begeht unsere Politik voller bester Absichten:

SELBSTMORD AUS ANGST VOR DEM TOD !

.........................

So liebe Leser, keine Sorge, jetzt ist es gut mit meiner politischen Wut, der nächste Artikel handelt von etwas anderem, ich verspreche es.

Sie merken aber, ich bin STINKSAUER über die Ahnungslosigkeit, mit der in meinen Augen genau das Falsche getan wird um die Währungsunion zu stabilisieren. Die Angst vor einem Bankrun kann man auch anders nehmen, da geht es um Psychologie und sonst nichts.

Und ich will mich von meinem Sohn eben nicht fragen lassen, warum ich damals nicht wenigstens meine Stimme erhoben habe.....

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 03.04.12 – Der Markt als Zappelphilipp

22 Uhr - Handelsschluss

Eigentlich war heute ein sehr bewegter Tag an den Börsen. Durch diverse Aktivitäten und einige Telefonate im Zusammenhang mit den Blog-Awards hatte ich aber so viel Ablenkung, dass ich nicht so richtig zum Schreiben gekommen bin.

Unerfreulich war heute wieder die Entwicklung im DAX. Hielt er sich lange im normalen Bereich oberhalb 7000, wurde zum Handelsende dann wieder massiv abverkauft und das erneut weit stärker als die verhaltene Bewegung im S&P500. 100 Punkte in kurzer Zeit sind schon eine Hausnummer und damit wiederholte sich das Erlebnis von gestern Vormittag erneut. Und erneut war der DAX damit wesentlich schwächer als die US Indizes und langsam ist das für mich kein Zufall mehr.

Denn ebenso unerfreulich ist in Europa die erneute Schwäche der Banken, da frisst sich gerade etwas sehr Unschönes in den Markt, dessen Quelle durchaus in Spanien verortet werden könnte. Das ist in meinen Augen auch der Grund warum die Commerzbank (WKN 803200) nicht "in die Puschen" kommt. Nicht Unternehmsnachrichten, sondern die Schwäche des gesamten europäischen Bankensektors scheint mir die Ursache. Mein Gefühl, dass wir demnächst eine neue Iteration der Euro-Krise erleben, bekommt dadurch neue Nahrung - vielleicht ja endgültig ausgelöst durch die Wahl in Frankreich und befeuert durch Spaniens Probleme.

Der iShares EuroStoxx Banks (WKN 628930) spricht eine deutliche Sprache. Noch vor 2 Wochen sah es so aus, als ob die Kurse der Banken nun nachhaltig nach oben drehen würden. Aber davon kann nun keine Rede mehr sein, der Kurs des ETF steht nun kurz davor wieder in Richtung Tiefststände abzukippen. Wenn man berücksichtigt, wieviel Milliarden die EZB auf die Banken geworfen hat und wie risikolos damit Gewinne gemacht werden können, ist diese Entwicklung in meinen Augen verheerend und lässt nichts Gutes ahnen. Noch besteht die Chance, dass der ETF nun einfach wieder nach oben dreht, aber viel Zeit bleibt den Bankaktien nicht mehr um zu zeigen, dass die Euro-Krise wirklich vorbei ist.

Ebenfalls unschön war, was dann an der Wallstreet um 20 Uhr passierte. Da erschienen die FED Minutes der letzten Sitzung, aus denen hervor ging, dass die Wahrscheinlichkeit eines Anschlusstimulus geringer wird, weil sich immer weniger der Mitglieder in Anbetracht einer anziehenden Konjunktur dafür aussprechen.

Eigentlich könnte man ja meinen, das Mr. Market das gut findet, denn eine anziehende Konjunktur ist doch etwas Feines. Aber ein echter Drogensüchtiger will halt einfach nur billiges Geld und das rückt nun in weitere Ferne. Im Juni läuft das bisherige Ankaufprogramm für Anleihen der FED aus und der Markt hofft nun zitternd und bibbernd auf den nächsten Schuss.

Konsequent wurden dann auch die Rohstoffe und vor allem der Edelmetallsektor in Grund und Boden verkauft, ich muss gestehen mich beginnt dieses Gezappel des Edelmetall-Marktes zunehmend zu nerven, denn kein Setup scheint da im Moment länger als 48 Stunden zu halten. Auch das sind Signale des Marktes, die es mir nahelegen demnächst auf die Seitenlinie zu treten und sich das Schauspiel in Mai und Juni entspannt von aussen anzuschauen.

Ich halte den letzten Schub Richtung 1450 im S&P500 aber immer noch für möglich und warte daher noch ab. Denn gegen Handelschluss wurden die US Märkte dann wieder hoch gekauft und 0,4% Minus im S&P sind nun wirklich nicht der Rede wert, wenn man den DAX dagegen sieht.

Bei aller Zappelei des Marktes fühle ich mich daher im Moment in amerikanischen Aktien trotzdem deutlich wohler als im DAX, denn die US Indizes sind nach wie vor in einem klaren Aufwärtstrend und agieren zumindest einigermassen nachvollziehbar.

Trotz der heutigen Schwäche des Marktes zeigte Rheinmetall (WKN 703000) grosse Stärke und schloss um 1,5% höher. Rheinmetall steht kurz vor einem Ausbruch aus der Konsolidierungszone, die bei ungefähr 47€ einen Deckel hat. Sollte das gelingen, sind Kurse um 55€ das nächste Ziel. Auch fundamental sieht Rheinmetall, wie hier ja mehrfach schon erwähnt, in meinen Augen sehr gut aus. Sollte der Ausbruch aber nun nicht gelingen - denn dafür bräuchte es wohl einen unterstützenden Gesamtmarkt - dürfte Rheinmetall in der Konsolidierungszone wohl zunächst wieder an die unteren Begrenzung im Bereich 42€ zurückfallen. Insofern scheint nun eine Entscheidung bevor zu stehen, so oder so.

Bei Tesla Motors (WKN A1CX3T) ist definitiv etwas in Bewegung. Nach kurzen Konsolidierungen springt der Kurs immer wieder in Schüben nach oben, so auch heute um 4%. Der Ausbruch nach oben ist bei Tesla bestätigt und ich wäre gar nicht überrascht, wenn wir in nicht zu ferner Zukunft da auch 50 USD auf der Kurstafel sehen. Aber Vorsicht, die Aktie ist völlig von Unternehmensnachrichten getrieben und eine schlechte Nachricht kann den Kurs auch mal eben um 20% nach unten abstürzen lassen ! Wie immer stehen grossen Chancen halt auch grosse Risiken gegenüber.


Source:

Denn auch wenn es uns die Finanzindustrie manchmal anders verkaufen will: es gibt eben keinen hohen Renditen ohne ebenso hohes Risiko ! Halt ich vergass, das stimmt gar nicht allgemein. Das gilt nur für uns dumme Bürger, Banken dürfen sich dagegen risikolos Geld zum Minizins bei der EZB leihen und es dann in alles hinein stecken, was eine etwas höhere Rendite abwirft und so nahezu garantierte Gewinne machen. Und wenn sie selbst dabei versagen sollten, werden sie trotzdem "gerettet". Aber Banken sind ja auch "systemrelevant", wir nicht.

Schade eigentlich, wie bekommt man eigentlich eine Banklizenz ? Ich würde mir auch gerne bei der EZB "für umme" ein paar Milliarden leihen und den Markt damit mal so richtig in Wallung versetzen. Hari´s "Shock and Awe" Anlagepolitik, das wäre doch mal was anderes. 😉 Und den Zugang zu meinem Portfolio 50 Millisekunden vor allen anderen, verkaufe ich dann gegen 1 Million pro Tag und dürfte mich trotzdem vor Bewerbungen von HFT-Jüngern kaum retten können. Man darf ja mal träumen 😉

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 13.03.12 – Ausbruch – DAX 7000 – Lufthansa, Metro

21 Uhr - Handelsschluss.

Die Bullen haben mich scheinbar erhört und haben sich durch meine gestrige Aufforderung nun mal wieder Flagge zu zeigen, scheinbar an der Ehre gepackt gefühlt 😉

Lange sind wir heute im DAX im Bereich 6960-6970 mit dem Kopf gegen die Decke der alten Hochs gestossen und haben nur marginal darüber hinweg geschaut. Und dann kam mit der Wallstreet der richtige Anlauf auf 7000 und wir haben sogar 7020 Intraday erreicht, bevor die Kraft dann wenig überraschend nicht ausreichte um die Hochs auszubauen und wir ziemlich exakt bei DAX 7000 geschlossen haben.

Wir sollten die DAX 7000 nun auch zum Anlass nehmen, um uns zurück zu lehnen und uns noch einmal an den 01. August 2011 zurück zu erinnern, als wir die 7000er Marke nach unten verloren haben. Vieles ist seitdem passiert, wir sind 2000 Punkte nach unten und 2000 Punkte wieder nach oben gerauscht. Aber hätten Sie Anfang Dezember 2011 - vor nur 3 Monaten - damit gerechnet, dass wir nun schon wieder bei 7000 stehen ? Was man als Lehre davon mitnehmen sollte ist, wie schnell sich der Wind an den Märkten drehen kann und das die Nacht immer dann am schwärzesten ist, wenn der erste Strahl des Morgens kurz bevor steht.

Und noch ein wichtige Lehre kann man ziehen. Wer gleich im August den neuen Abwärtstrend akzeptiert und darauf gesetzt hatte .... und wer gleich im Januar den neuen Aufwärtstrend akzeptiert und darauf gesetzt hatte .... der hat mit nur zwei Grundsatzentscheidungen eine grosse Menge Geld verdient.

"The Trend is your friend", nie war diese Börsenweisheit wahrer, als nun in Zeiten von trendfolgenden Algos !

Wie gestern dargestellt sind meine Bedenken hinsichtlich eines fehlenden neuen Hochs natürlich mit der heutigen Stärke negiert. Die Bullen haben erneut bewiesen, dass sie die volle Kontrolle über den Markt besitzen. Damit kann ich auch weiter mit Überzeugung im offensiven Modus bleiben und meine Zweifel herunter schlucken. Mr. Market spricht heute ein klare Sprache und die sagt: die Rally ist intakt, wir haben ein neues Hoch !

Und die Wallstreet hat nach der Bekanntgabe der FED heute Abend im späten Handel noch einen oben drauf gesetzt und nähert sich im S&P500 nun rapide der 1400er Marke. Eine Cup&Handle-Formation im S&P500 sollte uns nun nach Lehrbuch in den nächsten Tagen bis über 1410 bringen ! Es kann also gut sein, dass wir Morgen schon mit DAX 7050 oder höher eröffnen.

Erneut wurde durch die heutigen Marktbewegungen auch bestätigt, dass man nicht nach komischen "Bauchgefühlen" handeln sollte - selbst oder gerade wenn es der eigene Bauch ist. Wie ich schon letzten Freitag sagte, sprachen die objektiven Signale immer für die Bullen, nur mein Bauch hatte seit Mitte letzter Woche Zweifel, seit diese Korrektur so schnell - für mich zu schnell - vorbei war. Vielleicht hat der Bauch ja auch etwas wichtiges gerochen und es sah auch heute zeitweise so aus, als ob wir beim Versuch zu neuen Hochs zu laufen scheitern könnten. Das hätte dann wohl markttechnisch unmittelbare negative Konsequenzen gehabt.

Ich denke wir hatten heute im Bereich von DAX 6970 einen ganz entscheidenden und wegweisenden Moment im Sinne "Do or Die". Aber mit der Bewegung über 7000 wurden alle Sorgen weggewischt.

Der weitere Ablauf sollte sich nach Lehrbuch nun so gestalten, dass wir noch etwas um die DAX 7000 und darüber schwanken und versuchen, die zahlreichen Widerstände von letztem Jahr im Bereich 7000-7100 zu überwinden. Und dann wäre die Reise bis in die Zone 7500-7600 frei.

Ich rechne dann demnächst auch mit einer finalen Trendbeschleunigung nach oben, denn sobald wir die 7000 wirklich hinter uns lassen, dürften die Zweifler an der Seitenlinie von Verzweiflung und Panik gepackt werden. Denn diese Spieler an der Seitenlinie haben letzte Woche inständig gehofft, dass der Markt ihnen noch einmal einen vernünftigen Einstieg verschafft. Und wären wir heute wieder weggekippt, wäre das wohl auch passiert. Die nun erreichten DAX 7000 wenden aber das psychologische Blatt. Nun liegt der Druck auf den Unterinvestierten und dieser Druck steigt nun brutal mit jedem Tag.

Hinzu kommt, dass zum Quartalsende Ende März alle die Institutionellen, die diesen Anstieg verpasst haben, im Sinne "Window Dressing" unbedingt noch wenigstens den Anschein der richtigen Positionierung erwecken wollen, weswegen es dann schon alleine deswegen gute Chancen auf einen deutlichen Schub nach oben gibt. Und da Sarkozy in den Umfragen näher an Hollande heran rückt und die Israelis sicher die aktuelle diplomatische Initiative abwarten, droht von beiden Fronten im März wohl noch keine unmittelbare Gefahr.

Was könnte Negativ passieren ? Ich denke das fieseste was Mr. Market machen könnte, wäre nach diesem überzeugenden Tag heute wieder signifikant zu drehen und zur Korrektur anzusetzen. Möglich ist alles und man tut gut daran, gedanklich für alle Möglichkeiten offen zu bleiben. Aber wahrscheinlich ist so ein Szenario nach dem Momentum des heutigen Tages überhaupt nicht und man wäre in meinen Augen dumm, sein Geld auf so wilde Spekulationen zu setzen und sich damit massiv gegen den Markt zu stellen.

Alles was wir objektiv an Signalen haben sagt uns eher, dass wir nun bis Ende März die Chance auf ein kräftige Rally haben.

Auffällig bei Einzelaktien war, wie heute eine ganze Reihe der hier in den letzten Wochen besprochenen Nachzügler nun grosse Stärke zeigen. Gleichzeitig schwächeln einige der bisherigen Favoriten wie zum Beispiel der Automobil-Sektor - es könnte also sein, dass nun doch eine Sektor-Rotation in Gang kommt und damit die nächste Phase dieses Bullen beginnt.

In Bewegung sind heute zum Beispiel geraten:

Metro (WKN 725750) mit über 4% Plus, in der ich wie -> hier <- beschrieben seit Anfang Februar auf Lauer liege. Bei Metro ist nun eine Menge an schlechten Nachrichten verarbeitet und es ist an der Zeit, dass der Markt nun durch das neue Management eine Restrukturierungsphantasie entwickelt. Und auch die Binnenkonjunktur in Deutschland sollte Metro stützen, zumal mit ansprechenden Tarif- und Renten-Erhöhungen dieses Jahr auch mehr Geld bei den Verbrauchern ankommen sollte.

Klöckner (WKN KC0100) mit über 3% Plus, die ich erst gestern an dieser Stelle positiv besprochen habe.

Veolia (WKN 501451) mit fast 4% Plus sowieso, die Entscheidung für die Konsolidierungsstrategie des derzeitigen CEOs Antoine Frerot scheint also nachhaltig zu sein und sein Vorgänger Henri Proglio von EDF im Moment nicht zum Zuge zu kommen. Der Markt liebt es und bei Veolia ist die Dynamik unübersehbar.

Lufthansa (WKN 823212) mit über 3% Plus, bei der Lufthansa bin ich seit Montag an Bord. Das ist so eine Aktie, bei der nun alle schlechten Nachrichten im Kurs eskompiert zu sein scheinen. Für (in meinen Augen) lächerliche 4,5 Milliarden € Marktkapitalisierung bekommt man einen der leistungsfähigsten Carrier der Welt unter Buchwert. Alleine die Flugzeugflotte deckt locker den Marktwert ab, das Geschäft bekommt man dann sozusagen umsonst. Das ist so ein Szenario, bei dem ich gerne mal schwach werde und mir eine Qualitäts-Aktie einfach nur ins Depot lege um ruhig abzuwarten, bis es wieder hoch geht.

Aber auch Commerzbank (WKN 803200) oder Rheinmetall (WKN 70300) waren heute wieder stark, insofern habe ich den Tag heute ganz besonders genossen, weil er bei meiner Aufstellung aussergewöhnlich profitabel war. Bei der Commerzbank wird nun eine Lösung für die Eurohypo langsam vom Markt auf den Radar genommen. Sollte eine für die Commerzbank gute Lösung kommen, könnte das den Kurs noch einmal deutlich befeuern.

Nebenbei bemerkt bin ich nun seit gestern bei Daimler (WKN 710000) mit 47,8€ ausgestiegen und habe im Automobilbereich damit nur noch Continental (WKN 543900) ganz eng mit einem Trailingstop abgesichert und die Rheinmetall (WKN 703000), die aber primär ein Rüstungsunternehmen ist. Es sieht für mich fast so aus, als ob der Automobilsektor nun sein Pulver erst einmal verschossen hat und die Zeit der Nachzügler wie oben angebrochen ist !

Aber auch an der Wallstreet gab es ein ähnliches Bild und auch hier zündeten heute Nachzügler wie Corning (WKN 850808) mit 3% Plus oder Alcoa (WKN 850206) mit fast 5% Plus, die hier im Blog ja auch schon ausführlich Thema waren. Und auch die Industriemetalle rund um Rio Tinto (WKN 852147) & Co. sendeten deutliche Lebenszeichen. In diesem Bereich ist übrigens auch noch eine Menge aufzuholen, denn der Bereich wurde durch die Sorgen um China in meinen Augen etwas zu pauschal abgestraft. Schauen Sie vielleicht noch einmal in -> diesen <- Beitrag von vor einer Woche.

Darüber hinaus habe ich mein Exposure in den Emerging Markets nun wieder erhöht und bin via ETF seit ein paar Tagen auch in Brasilien und Indien wieder an Bord. Beide ETFs steigen heute auch um 2-3%.

Alles in allem für mich also ein schöner Tag an den Börsen und deswegen genehmige ich mir heute einen guten Rotwein, mache es hier heute kurz und wünsche Ihnen einen ebenso schönen Abend !

Ihr Hari