Hari´s Märkte am Abend – 21.02.12 – Veolia, Corning, Hecla Mining

22 Uhr Handelsschluss.

Nach der "Rettung" ist vor der "Rettung".

Der Markt verhält sich heute nahezu so, wie gestern antizipiert. Bis 6970 hatte der DAX heute vormittag noch Kraft - zur 7000er Marke reichte es nicht mehr ganz - dann setzten Gewinnmitnahmen in einer typischen "Sell the News" Reaktion ein. Und die Presse konnte die schon vorher geschriebenen Artikel raus holen, die mit einem dicken Fragezeichen die ungeheuer "kreative" Frage stellen, ob Griechenland denn jetzt wirklich "gerettet" ist oder vielleicht doch nicht.

Wir kennen die Antwort schon lange und sie lautet natürlich NEIN - das Thema wird uns definitiv weiter verfolgen und in ein paar Monaten wird man - Überraschung 😉 - feststellen, dass kaum eines der Versprechen eingehalten wurde. Wie denn auch, mit einer Bevölkerung die das nicht mitträgt und einer korrupten "Verwaltung" die sich quer legt, damit sie auch in Zukunft fröhlich ihre "Fakelaki" in die Tasche stecken kann. Jeder vernünftige Mensch weiss, dass wir in wenigen Monaten wieder an der gleichen Stelle stehen wie heute.

Ich denke lieber nicht darüber nach, was wir alles an Steuern zahlen und vor allem zahlen werden, damit dieses Geld dort sinnlos in den endlosen Ritzen eines kaputten Systems versickern kann. Nur um dann letztlich von der Nomenklatura des Systems auf Auslandskonten in Singapur transferiert zu werden. Aber immerhin sind wir ja mal wieder "ganz solidarisch", weil wir ja gerade als Deutsche immer so gute Menschen sein wollen - der Dank der "Beschenkten" ist uns ja schon heute sicher, wie sich das gehört. Wer hier bitteren Sarkasmus findet, kann ihn behalten. 😉

Mr. Market ist jetzt aber in der ganz typischen gedanklichen Leere, die immer nach solchen Momenten einsetzt, an denen ein Thema temporär abgeräumt wurde das einen lange beschäftigt hat. Und Mr. Market fragt sich nun etwas desorientiert, worin er sich als nächstes nun so richtig verbeissen soll. Bis Mr. Market da eine Idee entwickelt hat, sollten die Kurse eine Zeit lang richtungslos hin- und her schwingen, ein Zustand den wir schon heute beobachten konnten. Im DAX kann ich mir gut vorstellen, dass diese Seitwärtsbewegung im wesentlichen unterhalb der 7000er Marke statt findet. Auch ein Absacken bis 6800 oder sogar noch etwas darunter, wäre alles andere als unerwartet.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir nach dieser Konsolidierung dann aber wieder nach oben durchstarten, ist nach wie vor wesentlich höher als ein grundlegender Absturz - solange die Notenbanken die Welt mit Liquidität fluten. Warten wir also nun ab und wenden uns den einzelnen Aktien zu:

Schaut man sich die Schwäche bei den einzelnen Titeln in Deutschland heute an, korrelierte diese bis auf wenige Ausnahmen mit dem entgegen gesetzten Anstieg in den Tagen zuvor. Was also vorher gut gelaufen war, wurde heute auch besonders abverkauft. Insofern gibt es heute aus Deutschland keine Aktie, bei der sich mir ein Kommentar aufdrängt.

Bei Veolia (WKN 501451) ist nun Vorsicht angebracht. Gerade in dem Moment, in dem der Restrukturierungskurs des CEOs Antoine Frerot erste Effekte zu haben scheint, könnte es zu einem Machtkampf mit seinem Vorgänger Henri Proglio kommen, der als Chef des Staatskonzerns EDF nicht nur mit dem französischen Staatspräsidenten Nikolas Sarkozy gut bekannt sein soll, sondern dem man in der Presse auch Gelüste nachsagt, eine Ehe aus EDF und Veolia herbei führen zu wollen. Zumindest laufen heute entsprechende Gerüchte durch die Presse, die sich auf den ersten Blick als durchaus vorstellbar anhören.

Ich persönlich halte von diesen politisch induzierten und riesigen Staatskonzernen gar nichts und ich denke der Kapitalmarkt sieht das ähnlich. Nach längerem Überlegen bin ich heute Abend zum Ergebnis gekommen, dass ich den Gerüchten eine hohe Wahrscheinlichkeit zubillige und habe am Abend Veolia zu ca. 9,2€ verkauft und einen kleinen Gewinn mitgenommen, da ich deutlich unter 9€ eingestiegen war. Derartig politisch begleitete Machtkämpfe sind mir einfach zu unberechenbar, als das ich mein Kapital an dieser Stelle binden möchte.

Mir ist die Entscheidung heute aber schwer gefallen, denn die Restrukturierungsgeschichte und der Turnaround von Veolia sind für mich weiterhin attraktiv, man muss das Management daran aber auch arbeiten lassen und das ist mit dem heutigen Tag fraglich geworden. Sollte sich der Nebel verziehen und der Machtkampf ausfallen, schliesse ich daher auch einen kurzfristigen Wiedereinstieg nicht aus. Ein entscheidendes Datum, an dem wir vielleicht Klarheit bekommen, sollte nun das Boardmeeting am 29.02.12 sein.

Eine Wende nach oben halte ich nun auch bei Corning (WKN 850808) für möglich. Corning ist für mich ein "Trüffel" und sehr unterschätzter Technologiekonzern und litt zuletzt unter geringen Abnahmemengen im TV Geschäft, dass Corning mit seinem bekannten und hoch robusten "Gorilla-Glas" beliefert. Corning kontrolliert zusammen mit seiner 50% Tochter "Samsung Corning Precision" mehr als die Hälfte des weltweiten Glass-Panel Marktes. Aber nicht nur mit Glas-Panels ist Corning an der technologischen Front vertreten, sondern auch im Bereich OLED, optische Kabel oder Life Science hat Corning aussichtsreiche Produkte und Technologien, auch wenn diese vom Umsatz her noch deutlich abfallen.

Falls Sie sich unter Glas so richtig nichts Innovatives vorstellen können, dann sollten Sie sich mal diese Videos anschauen. Sicher sind das Werbe/Marketing-Videos und insofern inhaltlich mit Vorsicht zu geniessen und diese Produkte gibt es noch nicht, es sind einfach Visionen der Zukunft. Aber es vermittelt Ihnen vielleicht eine Vorstellung davon, was Innovation im Bereich Glas bedeutet. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass "intelligentem" Glas die Zukunft gehört, so wie wir es in Filmen wie "Minority Report" schon vor 10 Jahren eindrucksvoll vorgeführt bekommen haben. Und Corning hat für mich alle Chancen, in diesen Zukunftsmärkten Marktführer zu sein.

Wenn Sie dann noch sehen, dass Corning derzeit zum Buchwert und mit einem KGV von 8-9 zu haben ist und im Chart sich nun die Chance auf eine Wende abzeichnet, dann verstehen Sie sicher, warum ich bei Corning schon seit Herbst letzten Jahres investiert bin und das für mich einer meiner "Buy and Hold" Werte ist, bei denen ich auf langfristig erhebliche Wertsteigerungen setze. Schauen Sie sich Corning einfach mal selber ganz unbefangen an.

Übrigens, da Corning nicht nur (über das Joint Venture) in Samsung Geräten steckt, sondern auch Apple beliefert, haben Sie mit ziemlicher Sicherheit schon einmal ein Glas von Corning in der Hand gehabt oder vor einem als TV gesessen. Sie haben es bisher nur nicht gewusst. Corning ist für mich das, was man einen "hidden Champion" nennt.


Source:

Auffällig war heute die Stärke in Gold und Silber in einem ansonsten wenig berauschenden Markt. Ich gewinne nun zunehmend den Eindruck, dass hier etwas im Gange ist und uns höhere Kurse bevorstehen, ohne dass ich das nun ursächlich argumentativ festnageln könnte. Der Anstieg über das Hoch von Anfang Februar bei ca. 1750 USD, ist für Gold und Silber auf jeden Fall ein Zeichen von Stärke. Denn schon letzten Donnerstag hatte ich ja -> hier <- an dieser Stelle auf die auffällige Wende nach oben bei den Minenaktien hingewiesen und dazu geraten, das nun genau zu beobachten. Ich habe es getan und seitdem verdichten sich die Signale. Heute, ein paar Tage später scheint die Wende vom 16.02. auch beim Preis der Edelmetalle selber eine markante Untergrenze definiert zu haben.

Insofern, mit dem 16.02. als Untergrenze im Rücken, habe ich hier mal einen Bündel an Trades gewagt, bei denen ich nur meiner "Nase" folge, denn die nimmt nun Witterung auf. Deshalb bin ich in Antizipation einer positiven Bewegung in den letzten Tagen einige Long-Positionen eingegangen. Mit den 1705 USD vom letzten Donnerstag, habe ich ja nun eine exzellente Stopmarke, mit der ich das Risiko dieses Trades "auf Verdacht" in ganz engem Rahmen halten kann. Und im Falle eines Krieges um Irans Atomprogramm, wäre Gold sicher auch nicht die schlechteste aller Anlagen.

Was die Gold- und Silber-Minen angeht, bin ich nun also Long bei Barrick Gold (WKN 870450), Iamgold (WKN 899657), Freeport McMoran (auch Kupfer) (WKN 896476), Hecla Mining (WKN 854693) und Coeur dAlene (WKN A0RNL2).

Hecla Mining hatte ich ja vor kurzem -> hier <- ausführlich vorgestellt und die Aktie zauberte mir heute aufgrund "überraschend" guter Quartalszahlen mit zeitweise 12% Plus ein breites Lächeln ins Gesicht 😉

Und auch die schon mehrfach besprochene Cameco (WKN 882017) hat mich heute erneut erfreut und legte noch einmal über 4% auf die aufgelaufenen Gewinne oben drauf. Der Preis von Uran hat aber in Anbetracht der Renaissance der Kernenergie in den USA noch jede Menge Luft nach oben, weswegen die Bewegung bei Cameco noch lange nicht beendet sein muss.

Ich wünsche einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 16.02.12 – Konsolidierung dauert an – Itron hebt ab

22 Uhr Handelsschluss

Ein sehr spannender Tag im Markt, zu dem es vieles zu sagen gibt ! Deshalb wird dieser Artikel heute etwas länger 🙂

Heute konnten wir erleben, wie wichtig es ist, sich an die einmal gesetzten Regeln zu halten. Denn wir sind immer noch in der Konsolidierungszone, die ich -> hier <- vor zwei Tagen skizziert hatte.

Gestern haben wir die obere Begrenzung bei ca. DAX 6830 getestet und es gab einige die zu früh versuchten den Ausbruch zu traden und dann böse rasiert wurden, als der Ausbruch scheiterte. Heute haben wir im frühen Handel bei DAX 6650 die untere Begrenzung getestet und hatten das gleiche Bild: wer zu früh Short gegangen war, fand sich kurz danach auf der Verlierseite wieder. Ich kann daher nur noch einmal unterstreichen, wie wichtig es an solchen Marken ist, nicht zu versuchen die Bewegung zu erahnen. Man sollte nach meiner Erfahrung lieber auf ein oder zwei Prozent verzichten um dafür ganz sicher zu sein, dass der Kurs wirklich nach oben oder unten ausbricht und eine nachhaltige Bewegung eingesetzt hat.

Für Sie habe ich im Chart des DAX von 18 Uhr die Konsolidierungszone noch einmal deutlich heraus gearbeitet. Nach unten ist die Begrenzung bei DAX 6650 eindeutig. Nach oben kann man darüber lange diskutieren wo man die Linie genau zieht. Ich persönlich schneide gerne die "Fahnen" ab, weswegen ich eher auf DAX 6830 komme. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte aber lieber abwarten bis DAX 6850 wirklich nachhaltig hinter uns liegt.

In Summe sprechen solche Konsolidierungen aber eher dafür, dass der Markt nach einiger Zeit die alte Bewegung wieder aufnimmt, sprich hier nach oben weiterläuft. Ausnahme von der Regel sind klassische Top-Bildungen mit Wechsel der Aktien von den "starken" in die "schwachen" Hände, die erst spät nachrücken und dann gerne von Mr. Market auf dem falschen Fuss erwischt werden.

Eine wichtige Beobachtung ist aber heute früh bestätigt worden: der Markt hat (zumindest temporär) seinen Charakter geändert und die unerbittliche Bewegung, die uns über Wochen nach oben getrieben hat, ist erst einmal vorbei.

Das bedeutet aber nicht, das der mittelfristige Bulle vorbei ist, bitte interpretieren Sie in den Satz oben nichts Falsches hinein ! Es bedeutet nur, dass wir nun wieder in einem "normalen" Markt sind, in dem eine Aufwärtsbewegung von Korrekturen und Seitwärtskonsolidierungen unterbrochen ist und in dem es hin und her geht. Die letzten Wochen seit Anfang Januar war das aber anders, da gab es auf der gesamten Strecke keine einzige nennenswerte Konsolidierung, da war der "Runaway-Move" voll intakt. Ob er nun zu Ende ist oder nur eine Verschnaufpause einlegt, wird die Zukunft zeigen.

Das gleiche Bild des DAX, diesmal aber im grösseren Chart über Monate, offenbart die beeindruckende Bewegung seit Mitte Dezember und den aktuellen Trendbruch eindeutig. Die Konsolidierungszone von oben habe ich erneut eingezeichnet. Was wir aber auch sehen ist, dass wir mit der starken Bewegung von heute Nachmittag/Abend die Chance haben, wieder in den Aufwärtstrend zurück zu kehren. Denn im späten Handel an der Wallstreet haben wir uns wieder ganz nach oben an die obere Grenze der Konsolidierungszone geschoben und der DAX Future hat nahe 6800 geschlossen. Sollte das passieren, wäre das ein sehr bullishes Signal !

Für Morgen kann ich aber hier nur unterstreichen, was ich vor 2 Tagen schon sagte: es ist völlig offen wann und ob wir diese Konsolidierungszone nach oben oder unten verlassen - auch wenn ich die Bullen nach wie vor im Vorteil sehe und der Markt heute im späten Handel einen bullishen Ausbruch vorzubereiten scheint. Nach oben würden wir wohl schnell die DAX 7000 durchschlagen. Und nach unten wäre für mich oberhalb DAX 6400 die erste Auffangzone.

Und noch etwas kann man am Beispiel des heutigen Tages wunderbar heraus arbeiten, eine Lehre für alle, die Markttechnik für Unfug halten: War es Zufall, dass der DAX heute exakt auf 6650 wie von Zauberhand gedreht hat ? Nein, war es nicht ! Interessiert sich der DAX also für solche Marken ? Nein tut er auch nicht ! 😉 Aber die Menschen und vor allem seit neuestem die Algos interessieren sich dafür. Und weil diese Ausbruchszonen beachtet und gehandelt werden, verhält sich auch der Markt so. Man mag das Massensuggestion nennen und da ist durchaus was dran, aber wenn der Markt da dreht, dann ist die Bewegung halt sehr real, ebenso wie der Gewinn und Verlust im Portemonnaie. Man tut also gut daran diese Marken zu beachten.

In diesem Zusammenhang will ich auch mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufräumen. Da diese Verhaltensmuster ja von der Psychologie der Menschen getrieben werden, könnte man ja annehmen, dass diese Muster in der Zeit der Algos schwächer werden. Das Gegenteil ist aber der Fall und wenn man überlegt, ist es auch ganz logisch. Diese automatischen Algorithmen mit denen der Computer handelt, werden ja (noch) von Menschen programmiert und diese programmieren die Algos derzeit so, dass diese genau die klassischen Chartmuster handeln. Das verstärkt die Muster, weil auch viele Algos Unterstützungszonen fröhlich kaufen und Widerstandszonen fröhlich verkaufen. Das macht die Muster im Moment berechenbarer, wird sich aber wieder ändern, wenn die Intelligenz der Algorithmen steigt. So schafft sich der Markt halt seine eigene Wirklichkeit, in einer verquirrlten Mischung von Hoffnungen, Ängsten, mathematischer Logik und fundamentalen Daten und Fakten.

Meine grundsätzlich und mittelfristig positive Marktsicht hat mich heute früh aber veranlasst, in die Schwäche des Marktes hinein meine Long-Positionen bei Daimler (WKN 710000), Continental (WKN 543900), Repsol (WKN 876845), Cameco (WKN 882017) und Freeport McMoran (WKN 896476) aufzustocken. Denn in einer Konsolidierung kauft man die Unterstützung - so lange bis man es nicht mehr tut und die Reissleine zieht. Ich bin in Summe weiterhin verhalten Long aufgestellt und habe meine Reissleine ganz fest in der Hand. 😉

Die Bewegungen bei deutschen Einzelaktien waren heute überwiegend so, wie man es in so einem Markt auch erwarten würde. Die klassischen Industrietitel waren am stärksten von der Schwäche am Morgen betroffen, darunter auch die Rheinmetall (WKN 703000), zu der ich mich ja -> hier <- geäusserte hatte und dem ich auch nichts hinzu zu fügen habe. Insofern erübrigt sich heute die Diskussion einzelner Aktien des deutschen Marktes.

Bemerkenswert waren heute zwei US Technologieaktien, auf die ich Sie hier schon hingewiesen hatte.

Itron (WKN 888379) stieg heute nach guten Zahlen, einem neuen Auftrag und diversen Hochstufungen von Analysten um zeitweise sensationelle 24% , am Handelsschluss waren immer noch 20% Plus übrig. Das ist ein Turnaround aus dem Bilderbuch und ich erinnere in diesem Zusammenhang an meinen Artikel -> hier <- vom 06. Dezember letzten Jahres, sowie viele weitere Erwähnungen.

Man sieht daran wieder, wie wichtig ein fähiges Management ist, der gute alte LeRoy Nosbaum kann es halt einfach. So einen Tag nennt man im amerikanischen einen "Recognition Day" - auf Deutsch irgendwas wie "Tag der Erkenntnis" - an dem der breite Markt plötzlich merkt, was in einer Aktie los ist. Das löst solche Bewegungen aus.

Gehe Sie also davon aus, dass die Aktie demnächst auch in den diversen populären Anlegermagazinen vermehrt auftaucht und als "Geheimtip" von diversen Börsenbriefen gegen Geld verkauft wird. Ich bin weiter positiv zur Aktie gestimmt, habe aber nach diesem Anstieg nun erst einmal die Hälfte der Gewinne mitgenommen. Denn "Gier ist gut" wie Gordon Gekko ja trefflich bemerkte, aber wie er auch letztlich feststellte, sollte man es mit der Gier in Anbetracht eines solchen Tagesgewinnes auch nicht übertreiben 😉 Und ein Rücksetzer um einige Prozent wäre nach einer solchen Tagesbewegung nur normal.

Und auch Tesla Motors (WKN A1CX3T) lieferte gestern gute Zahlen und einen positiven Ausblick auf den anstehenden Produktionsstart beim Modell S. Tesla ist nun 10% im Plus, seit ich den Artikel -> hier <- vor 3 Tagen veröffentlich hatte. Das ist aber nicht so bedeutend, sondern eher die Tatsache, das Tesla nun kurz davor ist, das Doppelhoch von November/Dezember bei ungefähr 35 USD erneut zu testen und da würde ich nun genau hinschauen was passiert !

Übel sah heute zweitweise Gold und Silber aus, bevor es sich einigermassen erholte, fragen Sie mich bitte nicht warum. Die Edelmetalle haben seit einigen Wochen eine klare Richtung verloren und schwimmen ohne für mich erkennbare Struktur hin und her, einen Tag hoch, einen Tag runter. Sobald ich wieder eine klare Tendenz sehe, werde ich mich dazu äussern. Solche Phasen gibt es am Markt halt einfach und man sollte in diesen Phasen geduldig sein, die Hände still halten und auf keinen Fall Schatten jagen, die einen von den wichtigen Bewegungen in anderen Bereichen ablenken. Mittel- und langfristig hat sich an meiner positiven Sicht auf die Edelmetalle nichts geändert.

Im Gegensatz zur Schwäche der Edelmetalle selber, war heute aber auffällig, wie die Gold- und Silber-Minen im Laufe des Handelstages nach oben geschossen sind. Der "HUI" (NYSE ARCA Gold Bugs Index) hat sich Intraday um 4% nach oben bewegt, von -1,5% bei Eröffnung bis +2,7% bei Handelsschluss. Ob das mehr ist als ein zwangsläufiger Bounce nach der Schwäche der letzten Tage, vermag ich noch nicht zu sagen. Aber Aufmerksamkeit kann hier nicht schaden, denn wenn die Minen sich temporär vom Goldpreis entkoppeln sollten, hätten diese noch ein Menge aufzuholen und würden vor erheblichen Gewinnen stehen.

Ich wünsche einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 10.02.12 – Wochenabschluss

22 Uhr Handelschluss

Da ist sie also, die erste ernst zu nehmende Korrektur seit Wochen und als solche mehr als überfällig. Ich freue mich darüber, dass sie nun endlich da ist ! Wer heute um 08.20 Uhr meine Warnung sah, hatte die Chance der Bewegung um 100 DAX Punkte von 6750 runter bis 6650 aus dem Weg zu gehen.

Schade finde ich, dass wir bei DAX 6650 schon wieder eine Umkehrformation hatten und schon wieder gestiegen sind. Denn wenn es das mit der Korrektur schon wieder war, könnten wir dann auch in den nächsten Tagen keinen Tag mal entspannt die Bewegung nach oben geniessen. Denn nur nach einer erfolgten, nachhaltigen Korrektur gibt es eine Phase geringen Risikos für Longs. Und was heute passiert ist, reicht zwar um als Korrektur zu gelten, aber nicht um den überkauften Zustand des Marktes wirklich zu bereinigen.

Unten sehen Sie den DAX Future Chart aus 10 Minuten Sicht. Man sieht wunderbar die inverse Schulter-Kopf-Schulter (ISKS) Formation mit einem Tief etwas unter 6650 und einer Nackenlinie (je nachdem wie man sie genau zieht) bei ca. 6685.

Wer sich mal für einen einfachen Intraday-Trade interessiert, der schaue auf das blaue Dreieck im Chart in Höhe der Nackenlinie. Beim Ausbruch über die Nackenlinie bin ich im Handelssystem Long gegangen um die erwartete Bewegung der ISKS Formation mitzunehmen, die rein rechnerisch Potential bis ca. 6720 hatte, weil diese Bewegungen gerne den Abstand zwischen Tiefpunkt und Nackenlinie (hier also ca. 35 Punkte) noch einmal oben drauf legen. Nachdem sich aber abzeichnete, dass die Bullen dafür nicht genügend Kraft hatten, weil sie den kleinen Dip um 6700 schon nicht mehr kaufen konnten, habe ich mit kleinem Gewinn glatt gestellt - das ist das nach unten zeigende blaue Dreieck. Keine grosse Sache also, aber vielleicht ein nettes Beispiel, wie man eine Chart-Formation traden kann. Sie sehen weiter rechts (also später) noch einen weiteren kleinen Long-Trade, den ignorieren wir aber mal um die Erklärung hier nicht ausufern zu lassen.

Was die Entwicklung des Marktes Anfang nächster Woche angeht, habe ich nach diesem Tag keine klare Tendenz die ich mit Ihnen teilen könnte. Denn eigentlich sollte es noch etwas unruhig weiter gehen. Das Thema Griechenland steuert ja nun definitiv aufs grosse Finale zu und auch wenn selbst eine Pleite den Markt nach meiner Erwartung nicht mehr zum grossen Einbruch bringen würde, hat es doch das Potential für eine Fortsetzung dieser Korrektur. Die Umkehrformation schon bei 6650 öffnet aber auch die Möglichkeit, dass wir ganz schnell den GAP von heute morgen unterhalb 6800 wieder schliessen.

Man kann argumentieren, dass diese Umkehrformation ja im späten Handel durch das Abrutschen bis 6670 wieder negiert wurde. Aber ich bin damit vorsichtig diese späten Bewegungen im DAX überzubewerten, da diese ja nur noch rechnerische Fortschreibungen der Wallstreet sind. Im echten Handel wollte der Markt nicht mehr unter 6650 und das ist zunächst mal ein Faktum, dass man einfach so stehen lassen muss. Insofern bin ich heute Abend für kommenden Montag ohne klare Tendenz - auch wenn ich einer Fortdauer der Korrektur leicht höhere Chancen einräume. Ich erwarte also demütig, was Mr. Market so alles in Petto hat.

Nehmen wir aber mal theoretisch an, wir würden Anfang nächster Woche weiter korrigieren. Wenn Sie mich dann fragen, wie weit es runter gehen könnte, bin ich natürlich überfragt. Ich kann Ihnen aber sagen, was "nach Lehrbuch" eine normale Bullenmarkt-Korrektur wäre und die läge so im Bereich von ca. 3-6%. Nehmen wir 5%, also gut 300 Punkte im DAX an, dann landen wir in der Zone von DAX 6400. Genau diese Zone ist auch die erste, wo ich erwarten würde, dass ein Rücksetzer nachhaltig wieder gekauft wird. Denn um diese Zone haben wir im Januar lange gekämpft und 6400 nach dem Ausbruch am 30. Januar sogar noch einmal von oben getestet. Das heisst nicht, dass wir nicht auch schon höher drehen können. Das heisst nur, dass ich da keine Marken sehen kann, die für mich echte Signifikanz haben.

All diese Diskussionen um die Höhe einer Korrektur sollten Sie aber nicht dazu verleiten, das Wesentliche aus dem Auge zu verlieren:
Wir sind immer noch mitten in einer dynamischen Aufwärtsbewegung und auch wenn wir bis 6400 im DAX korrigieren, ist noch nichts passiert, was diese in Frage stellt !

Ich habe heute auch wieder allerlei komplexe Chartanalysen gesehen, in denen sogar mit "unsichtbaren Widerstandsmarken" und ähnlichem um sich geschmissen wurde. Deshalb - und weil ich hier ja auch versuchen will Wissen zu vermitteln, das Sie weiter bringt - noch ein paar Zeilen zum Thema Chartanalyse aus meiner persönlichen Sicht bzw. Erfahrung:

Denn "unsichtbare Widerstandszonen" und ähnliches sind für mich "Voodoo" und sind für mich Ausdruck des Elends der "Chartisten". Denn weil es so leicht ist ein paar bunte Linien zu ziehen, tummeln sich leider ein paar im Markt, denen die Grundlagen fehlen und die manchmal gar nicht verstanden haben wann Charttechnik überhaupt funktionieren kann und wann eben nicht. Das mangelnde Verständnis um Zusammenhänge wird dann durch selbst erzeugte Komplexität verdeckt. Dabei funktioniert richtig eingesetzte Chartechnik tatsächlich, aber nicht weil die Linien schön aussehen, sondern nur wenn einer der beiden folgenden, wichtigen Parameter erfüllt ist:

(1) Die Marke/Linie muss die Massenpsychologie echter Kaufs/Verkaufsentscheidungen der Marktteilnehmer abbilden - das Prinzip des charttechnischen Widerstands ist dafür ein klassisches Beispiel. In anderen Worten, die Chartmarke bzw das Muster muss eine Signifikanz im Markt gehabt haben, weil viele Marktteilnehmer bei hohem Volumen dort in einer bestimmten Art und Weise aktiv waren. Das ist übrigens auch der Grund warum Chartmarken "verblassen", weil sie eben je älter sie werden an Signifikanz verlieren. Ein Widerstand aus dem Jahr 2000 hat heute keine Relevanz mehr, weil kaum noch ein Titel in Depots existiert, der zu dieser Zeit gekauft wurde.

(2) Oder - wenn die Marke/Linie keine reale Signifikanz nach (1) hat - muss sie in Mode gekommen sein und muss von den Marktteilnehmern und Algos intensiv verfolgt werden. Die Fibonacci Retracements sind aktuell so ein Beispiel. Objektiv ist das in meinen Augen auch Voodoo. Dabei bin ich mir der mathematischen Hintergründe sehr wohl bewusst und auch der Tatsache, dass in der realen Natur tatsächlich bestimmte Fibonacci-Folgen existieren und das aus gutem Grund. Die Übertragung des Gedankens auf die Börsen überzeugt mich aber aus Gründen die hier den Rahmen sprengen würden gar nicht, ebenso wenig wie die Elliott-Wellen Theorie, die aber gerade etwas aus der Mode gekommen ist. Und trotzdem funktionieren Fibonacci-Retracements aktuell. Denn wenn genug Marktteilnehmer diese Marken beobachten und darauf reagieren - und gerade die Algos agieren derzeit gerne auf den Fibonacci Retracements - dann erzeugt das eine selbsterfüllende Prophezeihung, man nennt das Mode. Eben weil viele Marktteilnehmer darauf achten, findet genau die Bewegung statt nach der sie geschaut haben. So entsteht eine positive Rückkopplung und Verstärkung der Muster.

Man könnte daraus auch einen sehr philosophischen Schluss ziehen, der weit über die Märkte hinaus geht: die Suche nach einer "objektiven" Wirklichkeit ist sinnlos, weil wir selbstbezüglich Teil dieser Wirklichkeit sind und diese beeinflussen - schon alleine durch unsere Beobachtung. Wenn Sie so wollen Heisenberg auf Makrolevel 😉

Daraus folgt übrigens auch eine wichtige Regel für die Märkte, die man sich unbedingt merken sollte: Auch sachlicher Unfug kann im Markt "wahr" und "real" werden, wenn nur genug daran glauben und danach handeln. Und statt es abzulehnen, ist man gut beraten diese Dinge im Auge zu behalten und sich danach zu richten, wenn man erfolgreich sein will. Denn der Markt ist nicht rational und interessiert sich nicht dafür warum eine Bewegung stattfindet. Insofern funktioniert ein Trading nach Fibonacci Retracements im Moment sehr gut. In 10 Jahren werden es vielleicht irgend welche andere "geheimnisvollen Zahlen" sein. Raum bietet die Mathematik dafür ja genug.

Eine Marke die aber weder breit bekannt nach (2), noch für den realen Handel der Vergangenheit signifikant nach (1) ist, die ist tatsächlich nur in der Phantasie des Chartisten relevant - wie ein Gesicht in den Wolken. Und leider gibt es von dieser Art Marken zuviele und das bringt die im Kern sinnvolle Charttechnik unnötig in Misskredit. Deswegen gibt es auch so viele die die Charttechnik komplett ablehnen, ebenso wie sie von vielen geliebt wird. Beide Seiten haben in meinen Augen recht, wollen aber nur die jeweils eine Seite der Medaille sehen.

Soweit ein Ausflug zur Charttechnik so wie ich sie erlebe und einsetze, nun zurück zu den Aktien.

Eine bereinigende Korrektur kann äusserst gesund für den Markt sein. Unter anderem, weil man anhand relativer Stärke in einer Schwächephase oft gut beobachten kann, welche Aktien noch dringend nach oben wollen. Schauen wir daher zum Abschluss der Woche - abweichend von der sonstigen Logik - heute also mal auf Aktien, die in der Korrektur kaum zurück gekommen sind oder heute sogar im Plus lagen. Das sind sicher interessante Kandidaten für die nächste Woche und vielleicht ist ja auch eine Idee für Sie dabei:

1. Aixtron (WKN A0WMPJ) war heute lange im Plus und rutschte erst spät ins Minus. Aixtron will scheinbar nach oben. Der Chart sieht wirklich attraktiv aus und wer nur dem Chart folgt, sollte bei Aixtron jetzt wohl investiert sein. Ich bin es nicht mehr, weil mir die Auftragslage zu undurchsichtig ist und ich fundamental noch kein positives Argument für Aixtron sehe. Das heisst aber nicht, dass ich negativ über die Aktie denke und ich bin mir bewusst, dass ich hier vielleicht eine starke Bewegung verpasse. Aber es gibt für mich genug andere Aktien mit riesigem Potential, wo ich solche fundamentalen Sorgen nicht haben muss. Und ich steige halt in meinem Investmentdepot nie nur aus charttechnischer Sicht in einen Titel ein, sondern es gehören auch immer andere Parameter dazu. Das ist mein Stil und mit dem bin ich bisher gut gefahren. Und deshalb halte ich mich daran diszipliniert, auch wenn ich dadurch mal eine Chance verpasse.

2. Veolia (WKN 501451) gab auch erst gegen Ende des Tages etwas mehr ab. Hier bin ich long und bleibe es auch. Man muss bei Veolia sicher Geduld haben, aber ich bin mittelfristig sehr zuversichtlich.

3. DIC Asset (WKN 509840) war heute erneut im Plus. Es handelt sich um eine deutsche Immobilien-Aktie mit Gewerbeimmobilien im Bestand und einem grossen Projekt in Frankfurt (Maintor). Der Titel notiert weit unter Net-Asset-Value (Buchwert), weil der Markt Zweifel an den Projekten hat und sich vor der Refinanzierung fürchtet. Hier könnten jetzt aber nach guten Vermietungsnachrichten der Knoten platzen und 6% Dividendenrendite sind auch nicht zu verachten. Ich bin Long DIC Asset mit Kursziel 9€.

4. Nordex (WKN A0D655) hat seit Beginn der Anstiegsbewegung Anfang Januar eine schöne untere Trendbegrenzung ausgebildet, auf der wir nun mit der Korrektur seit 06.02.12 aufgesetzt sind. Einiges spricht nun also dafür, dass es hier weiter hoch geht. Heute war Nordex sogar leicht im Plus. Und fundamental wird Nordex durch die Beteiligung von Susanne Klatten nicht nur geschützt, sondern auch im innovativen Bereich Carbon gepusht. Ich bin da heute für einen kurzfristigen Trade über einige Tage wieder eingestiegen.

5. Deutsche Börse (WKN 581005) wollte heute auch so recht nichts abgeben. Hier wartet der Markt auf die Quartalszahlen kommenden Montag und die Auflösung, was mit der Sonderdividende aus der gescheiterten Fusion passiert. Ich bin noch mit einem Teil investiert, würde aber eine positive Nachrichtenlage nach dem kommenden Montag zum vollständigen Ausstieg im Bereich oberhalb 50€ nutzen, weil ich dem Titel nach dem starken Anstieg der letzten Tage kurzfristig nicht viel mehr als 55€ zutraue.

Zum Abschluss noch ein paar Worte in eigener Sache und zu den beiden Umfragen.:

Ich bedanke mich für die grossartige Teilnahme an der Umfrage zur Uhrzeit, zu der "Hari´s Märkte am Abend" erscheinen sollen ! Auch über das Ergebnis freue ich mich, weil niemand 18 Uhr angekreuzt hat. 😉 Hätte sich dafür eine Mehrheit gebildet, wäre ich natürlich dem Wunsch der Leser gefolgt, hätte es aber nur beschränkt sinnvoll gefunden, weil um 18 Uhr noch die grosse Musik an der Wallstreet spielt.

So lautet mein Fazit nach Ihrem Feedback nun: Die Artikel erscheinen regulär um 22 Uhr oder kurz danach. In Ausnahmefällen, wenn es entweder meine persönlichen Umstände erfordern oder der Markt nur ruhig vor sich hin dümpelt auch früher. Aber bis auf extreme Ausnahmen nie vor 20 Uhr. Richten Sie sich also in Zukunft auf die Bandbreite 20 Uhr bis 22.30 Uhr ein !

Beim Thema "Breite des Blogs" ist die Teilnahmezahl noch nicht so perfekt. Wer das noch nachholen will ist herzlich eingeladen. Was ich bisher sehe, veranlasst mich dazu es bei der aktuellen Breite 1366 Pixel zu belassen. Das bedeutet zwar, dass für eine Minderheit der Leser mit 1280 Breite ein kleiner Teil der rechten Kommentarspalte abgeschnitten wird. Damit kann man aber denke ich leben und für alle anderen bedeutet es eine übersichtliche Breite, in der man auch komplexere Informationen unterbringen kann.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende !

Haris Märkte am Abend – 18.01.12

Handelsschluss 22 Uhr. Heute ist wenig Neues passiert. Der Markt ist weiter sehr stark und will hoch, eine kleine Schwäche nach Eröffnung wurde gleich wieder gekauft. Mr. Market befindet sich aktuell in freudiger Erwartungshaltung auf den morgigen Donnerstag, an dem eine Reihe von Bluechips an der Wallstreet ihre Quartalszahlen bekannt geben werden, so Intel, IBM, Microsoft und Google. Am Freitag ist dann unter anderem General Electric dran. Die Käufe an der Wallstreet zum Handelschluss, deuten auf jeden Fall auf positive Erwartungen hin.

Mit der starken Bewegung im DAX heute gegen 11 Uhr bis fast 6400, wurden elegant ein paar Shorts aus dem Markt gesqueezed die auf eine Korrektur gewettet hatten, nur um danach dann doch wieder abzusacken, bevor der Markt dann später in Folge der Wallstreet wieder nach oben Fahrt aufnahm. Das war ganz typisches Abfischen der Algos, man tut gut daran sich diese Algorithmen wie Raubtiere vorzustellen, die im Urwald auf schnelle Beute lauern. Und eine Menge Shorts mit Stops oberhalb alter Höchststände sind halt schnelle Beute. Deswegen macht es auch Sinn über Systeme zu handeln, die einen Stop im eigenen System halten und erst dann in den Markt geben, wenn die Marke erreicht ist. Denn einen Stop direkt an der Börse einzugeben und damit die Absicht für andere sichtbar zu machen, ist nichts weiter als eine Einladung an die Raubtiere: friss mich !

Das bullische Verhalten des Marktes heute bestärkt mich aber in meiner Sicht, dass der Markt seinen Ton geändert hat. Trotz technisch überkauftem Zustand weiter hoch zu schieben und keinen Jota vom gewonnenen Terrain abzugeben ist bemerkenswert und eher die Charakteristik eines Bullenmarktes. Sicher hat das Thema um den IWF und damit die Eurostärke heute dem Markt geholfen, eine starke Performance ist es aber allemal.

Ich kann nur erneut widerholen, dass man in meinen Augen gut beraten ist, diese Änderung im Ton ernst zu nehmen. Derartiges Marktverhalten habe ich zuletzt 2010 erlebt, das erste Halbjahr 2011 schob der Markt zwar auch hoch, fühlte sich aber viel wackeliger an als heute. Wer zu lange braucht um sich an derartig grundlegende Änderungen der Marktstimmung anzupassen, verliert nach meiner Erfahrung viel Geld und muss später aus weit schlechterer Ausgangslage hinterher rennen.

Es ist allerdings für mich zu früh, aktuell nun "den" Bullenmarkt auszurufen. Ich bin überzeugt, wir werden im ersten Quartal noch Einschläge erleben, die uns zweifeln lassen ob da wirklich ein Bulle um die Ecke wartet. Und einen erneuten Test der Zone um 5700 im DAX halte ich durchaus im ersten Quartal noch für möglich, auch wenn sich das im Moment unwahrscheinlich anfühlt. Das ändert aber nichts daran, dass wir es in meiner Wahrnehmung nun mit einem weit positiveren Markt als 2011 zu tun haben und Rücksetzer für mich persönlich eher Kaufgelegenheiten sind.

Zur kurzfristigen Sicht habe ich auch wenig hinzu zu fügen. Den Moment einer Korrektur auf den Tag zu treffen ist reines Glück und man ist in der Regel zu früh dran, zumal positive Nachrichten wie heute zum IWF dann den Markt weiter nach oben schieben. Vielleicht steigt der Markt auch noch ein paar Tage, bevor die Korrektur kommt. Aber ich bin fest überzeugt sie kommt oder der Markt bewegt sich für längere Zeit seitwärts. Denn letztlich fordert die Markttechnik immer ihren Tribut und ein überkaufter Zustand muss abgebaut werden, entweder schnell per Korrektur oder langsam per Konsolidierung. Ich werde daher oberhalb DAX 6300 oder S&P500 1300 kurzfristig nicht mehr mit additivem Geld hinterher rennen, sondern eher meine Positionen konsolidieren. Ich bleibe aber weiterhin "Long" - wenn auch mit Vorsicht - und werde den Markt definitiv nicht shorten, dafür ist er zu stark.

Verhaltene, vorsichtige Offensive ist für mich also weiterhin das Gebot der Stunde. Teilgewinne werden mal mitgenommen oder diese besser abgesichert - dann warte ich, bis Mr. Market bessere Kurse liefert um in meine Favoriten wieder hinein zu springen bzw erneut zu verdoppeln. Aber wenn es so weit ist und ein Rücksetzer kommt, werde ich auch nicht zögern wieder hinein zu springen, denn 2012 sieht in meiner Analyse bisher so aus, als ob "Buy the Dip" wieder zu guten Gewinnen führen könnte.

Abschliessend möchte ich noch eine Idee mit Ihnen teilen, die für mich im Moment mehr als einen Blick wert ist: den europäischen Markt für Spezialchips. Schauen Sie sich mal den Marktführer ST Microelectronics (WKN 893438) an - mit 5 Milliarden Marktkapitalisierung durchaus ein Bluechip - und ziehen Sie ihre eigenen Schlüsse aus dem Chart ! Und 5% Dividendenrendite sind für einen Wert mit so viel Upside ja auch nicht zu verachten oder ? Ich selber bin aktuell Long ST Micro mit Einstand bei ca. 5€ und Stop bei 4€.

Ach ja, und Uran läuft und läuft. Cameco (WKN 882017) heute erneut über 5% Plus !

In diesem Sinne wünsche ich erfolgreiches Handeln !

Haris Märkte am Abend – 17.01.12

Handelsschluss 22 Uhr. Den allgemeinen Teil kann ich heute Abend kurz halten, weil ich mit dem Tagesupdate zur Taktik in Bullenmärkten ->hier<- das Notwendige schon gesagt habe. Der Markt war heute stark, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass das heute auch schon der Höhepunkt der Woche war. Auf jeden Fall schadet es nicht, wenn man jetzt mal kurzfristig etwas mehr auf Defensive spielt und sich so Liquidität schafft, mit der man bei besseren Kursen wieder in bestimmte Titel springen kann. Die leichte Schwäche der letzten zwei Stunden an der Wallstreet ist ein Indiz, das nach oben die Luft nun dünn wird.

Mittelfristig sieht aber die ganze klassische Industrie, also Autobau, Stahl, Aluminium, Grundstoffe etc. sehr gut aus und dürfte wohl auch nach einer Korrektur der Sektor sein, in dem man in 2012 gutes Geld verdienen kann. Titel wie Daimler (WKN 710000), Rheinmetall (WKN 703000), Salzgitter (WKN 620200) oder Rio Tinto (WKN 852147) gehören jetzt also in meinen Augen auf den Radar des Anlegers. Die deutschen Industrie- und Maschinenbau-Werte der zweiten Reihe aus MDAX und SDAX ebenso.

Heidelberg Cement (WKN 604700) hat mir heute keine Chance zum Einstieg gegeben, sondern war nach dem gestrigen Rücksetzer so stark, dass ich nur noch die Rücklichter sehen konnte. Bei Preisen oberhalb 35€ werden ich da kurzfristig nicht hinterher rennen und warte ab. Kohle war heute wieder eher schwach, aber ich habe wenig Zweifel das auch dieser Sektor wieder anzieht, sollte Stahl und Co. erneut zu brummen beginnen.

Bei der Commerzbank (WKN 803200), hat sich der Markt - in dem sich ja auch die vielen Commerzbank-Insider bewegen - im Lichte der bekannten Fakten nun bei 1,4€ eingeschwungen und das ist daher auch mit Sicherheit eine faire Bewertung der bekannten Chancen und Risiken. Ich sehe für mich nicht, wie ich da einen Vorteil erzielen könnte indem ich nun eine Wette eingehe. Spannend wird es für mich eher, wenn sich der Preis dann spätestens am Freitag - aber falls was durchsickert auch früher - in Bewegung setzt. Wer dann schnell und konsequent auf die richtige Richtung setzt, kann möglicherweise ein paar leichte Gewinne mitnehmen, da der Markt sicher ein paar Stunden wenn nicht Tage braucht, um die Entscheidung im Kurs zu verdauen.

Sensationell war heute der Uransektor, Cameco (WKN 882017) stieg heute um fast 7%, andere Urantitel sogar zweistellig ! Die ->hier<- antizipierte Wende im Uranmarkt scheint nun ans Laufen zu kommen.

Schwach waren dagegen die Goldminen. Auslöser war wohl Kinross Gold (WKN A0DM94), dessen CEO für 2012 steigende Produktionskosten (unter anderem wg stark steigenden Löhnen) vorausgesagt hat. Kinross hat durch ein Übernahme aus 2010 ein starkes Exposure in Afrika und ich vermute, dass da die steigenden Lohn-Kosten her kommen. Ausserdem war bei Kinross eine Goodwill-Abschreibung auf die afrikanische Tasiast Mine aus der Akquisition fällig. Auf gut deutsch, Kinross hat damals zu teuer eingekauft, nicht gerade ein Ausweis höchster Management-Kunst. Mr. Market sieht das auch so und straft Kinross dafür mit sage und schreibe fast 19% Minus ab ! Mir gefällt das Thema der Goodwill-Abschreibung gar nicht, weil ich persönlich das tatsächlich als Indiz eines schwachen Managements sehe. Bei mir wandert Kinross daher erst einmal auf die "Igitt"-Liste und wird im Goldminen-Universum bis auf weiteres nicht mehr gekauft.

Kinross ist wohl auch der Grund, dass auch andere Goldminen heute eher schwach waren, bei so einer Aussage eines CEO wird immer der ganze Sektor mit runter gezogen, obwohl eine alleine in den USA oder Kanada produzierende Mine das Lohnkosten-Problem in diesem Umfang sicher nicht hat und die Goodwill Abschreibung sowieso nur ein singuläres Thema des Kinross-Managements ist. So weit ich die Problematik bei Kinross überblicke, kann man aber aus dem Fall Kinross keine zwingenden Schlüsse für andere Goldminen ziehen.

Ich selber habe am Freitag entsprechend meiner Warnung zum Goldpreis meine aufgelaufenen Gewinne bei Kinross mitgenommen und bin ausgestiegen. Ich könnte jetzt irgendwas von toller Analyse faseln, aber die ehrliche Antwort ist: das war pures Glück und beruhte nur auf allgemeiner Vorsicht zu Gold, das hatte ich bei Kinross in dieser Form nicht auf dem Radar. Man sieht daran aber wieder eine alte Börsenregel, vermeintlich "billige" Aktien können immer noch billiger werden, weit über den Schmerzpunkt des Anlegers hinweg. Und man sollte sich nie zu sicher sein, "Overconfidence Kills". Pfleiderer oder Praktiker sind da gute deutsche Beispiele.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Morgen auch ein Quentchen Glück und ein ruhiges, erfolgreiches Händchen beim Handeln !

Serie Rohstoffaktien – Cameco – Weltmarktführer in Uran

Letzte Woche habe ich mit Archer Daniels Midland -> hier <- eine wöchentliche Serie begonnen, in der ich Ihnen interessante Rohstoffaktien vorstellen möchte.

Bei den ausgewählten Aktien handelt es sich dabei um gut kapitalisierte "Blue-Chips" der Rohstoffwelt, die trotzdem teilweise in Deutschland kaum bekannt sind. Bedingt durch das Format der Serie, werde ich Ihnen die Titel nicht immer zum perfekten Einstiegszeitpunkt vorstellen können. Ziel ist es statt dessen, Sie für zukünftige Anlagen auf Ideen zu bringen.

Heute will ich Ihnen mit Cameco (ISIN: CA13321L1085, Kürzel: CCJ) den Weltmarktführer bei der Uran Gewinnung nahe zu bringen. Und bei Cameco könnte möglicherweise auch das Timing für eine Anlage sprechen.

Wenn Ihnen die deutsche Aufregung rund um Fukujima noch präsent ist, werden Sie sich vielleicht nun fragen, ob denn Uran überhaupt noch gebraucht wird. Die Antwort ist darauf ein ganz klares JA !

Dabei will ich mit Ihnen die Diskussion um das "für" und "wieder" der Atomkraft hier nicht führen, die sowieso nur zum Glaubenskrieg ausartet. Jeder möge dazu seine eigene Meinung haben. Realität ist aber, dass es nach Fukujima nur in Deutschland zu unmittelbaren und signifikanten politischen Konsequenzen gekommen ist. Einige andere Länder haben neue AKWs zwar in Frage gestellt, wirkliche harte Entscheidungen sind aber meines Wissens bisher nicht gefallen. Die Realität ist, dass es laut World Nuclear Association (WNA) weltweit 443 Reaktoren gibt und sich aktuell 62 neue Reaktoren in Bau befinden, davon alleine 26 in China ! Und China, das den wirtschaftlichen Aufstieg von über einer Millarde Menschen organisiert, interessiert sich herzlich wenig für deutsche innenpolitische Befindlichkeiten. Geplant sind alleine in China über 100 neue Reaktoren.

Für die Zukunft der Atomkraft und für Cameco ist es daher auch weniger entscheidend, was im saturierten Westen passiert, als wie die aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien ihren gewaltigen Energiebedarf decken wollen. Und da spricht vieles dafür, dass die Atomkraft im Energiemix einen signifikanten Anteil haben wird. Zumindest ist kein Indiz sichtbar, warum der weltweite Bedarf an Uran in den nächsten Jahren fallen sollte, möglicherweise ist sogar das Gegenteil der Fall.

Und für eine mittelfristige Investition in Cameco ist es auch nicht so entscheidend, was vielleicht in 10 Jahren passiert. Wichtiger ist, wie der Uranpreis mittelfristig zu sehen ist. Und da hat Fukujima in den letzten Monaten zu einem sehr negativen Sentiment für Uran Aktien geführt, dass sich natürlich auch im Kurs von Cameco niedergeschlagen hat. Aber ein nach unten überdehntes Sentiment ist zugleich immer auch Chance !

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch zu verstehen, dass die laut WNA im Jahr 2010 weltweit geförderten rund 54000 Tonnen Uran gar nicht ausreichen sollen, um den aktuellen weltweiten Bedarf zu decken. Die Lücke wurde wohl bislang unter anderem aus Altbeständen aus der alten Sowjetunion geschlossen, die seit Anfang der 90er Jahre nach dem "Highly Enriched Uranium Agreement" (HEU) in die USA geliefert wurden. Diese Abkommen läuft nun aber laut Camecos CEO Tim Gitzel möglicherweise in 2013 aus, was eine Angebotslücke hervor rufen könnte. Das Bloomberg Interview können Sie ->nachlesen.

Selbst wenn man also Gitzels Aussagen kritisch hinterfragt, der ja sicher ein Interesse daran hat, die Zukunft von Cameco positiv darzustellen, scheint Uran also auf Jahre einen stabilen und sogar wachsenden Absatzmarkt zu haben. Und mit Cameco haben wir den Weltmarktführer, der mit einer Marktkapitalisierung von 8 Milliarden USD weit vor allen Mitbewerbern liegt und eine entsprechende Preismacht besitzt.

Da verwundert es nicht, dass auch der Chart der Cameco Aktie nun das Fukujima Debakel scheinbar verarbeitet hat und massiv an einer Wende arbeitet. Während in den Medien Uran kein Thema mehr ist, scheinen institutionelle Marktteilnehmer nun wieder an den Cameco Kurs zu glauben. Kein Wunder, denn nicht nur die kleine Welt der Atomindustrie sieht die Zukunft des Rohstoffs Uran positiv, auch der grosse Minenkonzern Rio Tinto hat mit dem kürzlich gegen Cameco gewonnenen Übernahmekampf um den Uran-Miner "Hathor Exploration" bewiesen, dass mit Uran wohl auch weiterhin gutes Geld zu verdienen ist.

Insofern ist die Cameco Aktie wohl im Moment mehr als einen Blick wert und ich halte daher auch eine erste Position in dem Titel. Sehr kurzfristig ist die Aktie aber wohl etwas überkauft und man kann in meinen Augen durchaus einen Rücksetzer bis ca. 19,5 USD abwarten. Mein Stop liegt bei 17 USD im Bereich des multiplen Bodens, weil ein Rutscher unter 17 USD wohl die Wendeformation negieren würde. Mein Kursziel nach oben bis Ende 2012 beträgt aber mit 30 USD das untere Ende des Gaps von Fukujima und das wären alleine 50% Gewinn gegenüber dem heutigen Kurs. Schauen wir mal, was daraus wird.