Syngenta als langfristiges Investment

Der folgende Beitrag erschien schon Freitag 14.11.14 11:05 in Hari Live

Ich habe ja schon mehrfach zum Agrarchemie-Riesen Syngenta geschrieben. Zuletzt am Montag 08.09.14 10:05.

Für mich ist das so eine Aktie, bei der ein sehr langfristiges Investment wirklich Sinn macht. Das Unternehmen hat eine starke Marktposition und ist in einem Segment breit aufgestellt, das nur dann nicht mehr benötigt würde, wenn die Menschheit vom Erdball verschwunden ist. Denn ohne Agrarchemie, lassen sich die bald 10 Milliarden Menschen auf diesem Planeten halt nicht ernähren. Das kann man mögen oder nicht, die Wahrheit ist es trotzdem.

Diese langfristige Stabilität bedeutet natürlich nicht, dass die Geschäfte immer perfekt laufen, auch solche Geschäfte schwanken. Es bedeutet aber, dass man Schwankungen sehr entspannt beobachten kann und einfach mit dem langfristigen Aufwärtstrend mitgeht.

Und wer nicht weiss, welchen Aufwärtstrend ich meine, braucht nur auf das langfristige Chart seit Anfang 2000 zu schauen, dann wird alles klar:

Syngenta 14.11.14

In diesem Chart sehen wir auch, dass die aktuelle Abwärtsbewegung, eigentlich nur eine Konsolidierung mit flaggenartigem Charakter ist, auch wenn sie schon seit Anfang 2013 andauert.

Und im Chart mit Wochenkerzen erkennen wir, wie sich Syngenta seit Anfang 2013 unter dieser Abwärtstrendlinie herab hangelt:

Syngenta 14.11.14 2

Im September hatte ich Ihnen dann das zulaufende Dreieck gezeigt, dass ich oben noch einmal eingezeichnet habe und das dann nach unten gebrochen wurde. Nach einem erneuten Swing befindet sich Syngenta nun mitten in einem erneuten Schub, der potentiell wieder die Abwärtstrendlinie attackieren wird.

Fazit:

Zwingender Handlungsbedarf besteht noch nicht, solange der Abwärtstrend andauert. Dafür aber um so mehr, falls Syngenta die fallende Trendlinie brechen würde.

Unter sehr langfristiger fundamentaler Sicht, erscheint mir aber auch ein Investment zum heutigen Zeitpunkt als legitim, weil Syngenta im grossen Bild genügend korrigiert hat und die Bedürfnisse der weltweiten Landwirtschaft hier früher oder später zu erneut steigenden Kursen führen werden. Wer diesen Weg gehen will, muss sich aber im Klaren sein, dass die Aktie auch noch einmal 10% fallen kann und der bestehende Abwärtstrend durchaus noch ein Jahr andauern kann.

Umgedreht ist aber Syngenta durchaus auch theoretisches Ziel eines Übernahmeversuches und ich halte den "Happen" schon heute für recht attraktiv. Und wenn so eine Nachricht in den Markt kommen sollte, dann würde die Aktie über Nacht zweistellig steigen.

Ich selber habe Syngenta nun im Investment-Depot und warte da die kommende Jahre ganz geduldig ab. Das ist zwar immer noch kein "Buy and Hold", was ich da mache - auch bei einer Syngenta muss man wissen, wo der Notausgang ist - aber es kommt "Buy and Hold" näher, als meine sonstigen, typischen Anlagen.

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Betrachtungen zu Shiller’s CAPE – Sind US-Aktien heute zu teuer?

Betrachtungen zu Shiller's CAPE – Sind US-Aktien heute zu teuer?

Ein Gastkommentar von Tokay

Kürzlich erschien in der „New York Times“ ein Artikel des Nobelpreisträgers Robert Shiller mit dem Titel „The Mystery of Lofty Stock Market Elevations“. Zu Beginn des Artikels stellt Shiller fest, dass sich die Bewertung des amerikanischen Aktienmarktes auf besorgniserregendem Niveau befände und argumentiert dabei mit dem von ihm entwickelten „Cycle-Adjusted Price-Earnings-Ratio“(CAPE). Zuletzt seien die Aktienbewertungen 1929, 1999 und 2007 so hoch gewesen. Ich will diesen Artikel zum Anlass nehmen, und den Erklärungsgehalt des CAPE etwas näher untersuchen. Denn träfe Shillers Schlussfolgerung zu, dann wären die Konsequenzen in der Tat alarmierend.

Zunächst, das CAPE ist eine über zehn Jahre geglättete und zugleich inflationsbereinigte Variante des KGV. Es zielt damit ausdrücklich auf die langfristige Betrachtungsweise, und damit im Prinzip auf Buy-and-Hold-Anleger. Welche Aussage ergibt sich hieraus konkret? Nun, derzeit liegt das Shiller-CAPE für den Standard&Poors 500-Index bei 26. Somit muss man das 26-fache des geglätteten Jahresgewinns für den S&P 500 bezahlen. Dies ist im langfristigen Vergleich ein sehr hoher Wert. Das führt zu der Frage, ob es eine Beziehung zwischen dem Shiller-CAPE und dem langfristigen Ertrag des S&P 500 gibt.

Dazu habe ich den annualisierten Jahresertrag des S&P 500 für die jeweils kommenden zwanzig Jahre, später für fünf Jahre sowie für die Einzeljahre berechnet, und zwar immer ab dem Monat, für den der Kurs des S&P 500 ermittelt wurde. Für jeden Monat habe ich diesen Ertrag in Beziehung zu dem Shiller-CAPE gesetzt. Die entsprechenden Daten hierzu sind auf der Website www.irrationalexuberance.com von Professor Shiller verfügbar. Die folgende Betrachtung bezieht sich auf die Jahre ab 1942. Und zwar 1942 deswegen, weil die Große Depression ab diesem Jahr als überwunden gelten konnte. Das Ergebnis sieht so aus:

20-Jahres-Renditen

Der von Shiller postulierte Zusammenhang zeigt sich hier sehr deutlich. Der Jahresertrag des S&P 500 ist durch das Shiller-CAPE überwiegend erklärbar. Das Ergebnis ist für den heutigen, langfristig orientierten Buy-and-Hold-Investor sehr ernüchternd: Für das heutige Shiller-CAPE von 26 ergäbe sich eine annualisierte Jahresrendite von zwei Prozent. Und sollte gar jemand bei einem CAPE von 30 den Einstieg gewagt haben(was allerdings im Zeitraum 1942 bis 1994 nicht beobachtet werden konnte), so wären die Aussichten auf eine Wertsteigerung in den jeweils nächsten zwanzig Jahren gleich Null. Nach Shiller-CAPE müsste also von einer sehr langfristigen Anlage in den S&P 500 also abgeraten werden.

Nun ist die Frage, besteht der Zusammenhang auf kürzere Sicht ebenfalls, und wenn ja, wie stark ist er? Das Bild ändert sich hier schlagartig:

5-Jahres-Renditen

Hier sehen wir nun, dass der Zusammenhang überwiegend nicht besteht. Zwar sieht es immer noch so aus, dass hohe Aktienerträge eher mit einem tiefen CAPE einhergehen, aber der Zusammenhang ist nur noch sehr locker. Für unser heutiges CAPE von 26 bedeutet das einen durchschnittlich zu erwartenden Ertrag von vier Prozent jährlich Wir sehen allerdings , dass in der Mehrzahl der vergleichbaren Fälle in dieser Konstellation kein positiver Ertrag erwirtschaftet wurde. Ebenso, dass die Spannweite der Jahreserträge sehr hoch ausfällt. Von achtzehn Prozent bis minus acht ist hier alles möglich.

Noch extremer wird es bei den Ein-Jahres-Erträgen:

1-Jahres-Renditen

Die negative Beziehung zwischen CAPE und Aktienertrag bleibt zwar bestehen, doch liefert das CAPE in diesem Fall keinerlei Erklärungsbeitrag mehr für die Aktienrendite. Konkret ergibt sich für unseren aktuellen Wert von 26 ein rechnerischer Erwartungswert von knapp 5 Prozent jährlich, jedoch haben sich in der Realität Erträge in einer Spannweite von vierzig Prozent bis minus vierzig Prozent ergeben. Damit ist das CAPE als Prognosevariable auf kurze Sicht vollständig ungeeignet.

Kann man sich nun also zurücklehnen? Das kommt darauf an. Wir haben in der Vergangenheit gesehen, und auch Shiller schreibt das in seinem Beitrag, dass Überbewertungen á la CAPE für längere Zeit anhalten können. So setzte die Überbewertung vor dem Jahr 2000 bereits Mitte der Neunziger Jahre ein. Sie blieb praktisch bis zur Finanzkrise 2008 bestehen und sie besteht erneut seit etwa 2013. Es kann also noch einige Zeit dauern, bis die Kurse aufgrund der hohen Bewertungen tatsächlich zurückgehen. Und es werden einige handfeste Gründe ins Feld geführt, um das derzeitige hohe Kursniveau zu rechtfertigen:

  • Die monetäre Expansion, die zu tiefen Zinsen geführt hat. Demzufolge sind nicht nur Aktien teuer, sondern auch Anleihen.
  • Die hohen Ersparnisse der Baby-Boom-Generation, denen eine lange nicht so hohe Investitionsnachfrage gegenübersteht, was zu einem säkularen Rückgang des langfristigen Zinses führt. Bei konventioneller Geldpolitik würde dies zu einer langfristigen wirtschaftlichen Stagnation führen, weil es für den Finanzsektor uninteressant wäre, langfristige Kredite zu vergeben, da höhere kurzfristige Zinsen lukrativer wären.
  • Die hohe Staatsverschuldung, die dazu geführt hat, dass die Notenbanken die Zinsen tief halten müssen, da der Anteil des Schuldendienstes ansonsten nicht mehr tragbar wäre. Dies wird von den Marktteilnehmern antizipiert und diese kaufen daher Aktien, da diese relativ mehr Ertrag bringen.
  • Das hohe Bewertungsniveau , das mit Wachstumserwartungen verbunden ist, und zwar aufgrund höherer Potentiale infolge von Innovationen und Bevölkerungswachstum. Die höheren Bewertungen entstehen überwiegend im Technologiesektor und nicht in traditionellen Wirtschaftssektoren. Sie sind außerdem entstanden aufgrund des Einbruchs infolge der Finanzkrise.
  • Betrachtet man die Gewinne nur der letzten Jahre, dann ist das Bewertungsniveau lange nicht so hoch.

Dagegen wiederum lassen sich Contra-Argumente ins Feld führen:

  • Das Argument der monetären Expansion unterstreicht nur die Risiken, die mit deren Ende verbunden sind. Denn sinkt die Nachfrage nach Staatsanleihen, dann sinken deren Kurse, steigen somit deren Renditen, und werden daher die Staatsanleihen relativ zu Aktien attraktiver, da die Aktiengewinne höher abgezinst werden, was die Aktien unter Druck bringt.
  • Zeigt die monetäre Expansion außerdem anhaltende Wirkung und belebt sich infolgedessen die wirtschaftliche Aktivität, dann steigt auch wieder die Investitionsnachfrage, was längerfristig zu einer Überhitzung führen kann und damit zu stark steigenden Preisen und Zinsen.
  • Steigen aber die Zinsen an, werden die strukturellen Belastungen für den Staat höher. Dies führt zu steigenden Risikoprämien, damit zu weiter steigenden Zinsen und folglich zu sinkenden Aktienkursen.
  • Die Wachstumserwartungen sind zwar durchaus real, aber bereits in die Kurse eingepreist. Ganz im Gegenteil besteht die Gefahr, dass eine Enttäuschung dieser Erwartungen zu Kurseinbrüchen führt.
  • Auch besteht die Gefahr eines zyklischen Einbruchs, zumal der Anstieg des S&P 500 ab 2009 eingesetzt hat.

Fazit: Insgesamt gibt es im Augenblick noch keinen Grund, in Panik zu verfallen. Das Chart des S&P 500 ist eindeutig - der Markt schenkt momentan ganz überwiegend dem positiven Szenario Glauben. Kurz- und überwiegend mittelfristig sind die positiven Erwartungen keineswegs irreal und mit einem hohen Shiller-CAPE durchaus vereinbar. Auf lange Sicht indes besteht Grund zur Skepsis, da positive Erwartungen, wie sie in den Bewertungen nach Shiller zum Ausdruck kommen, nicht unbegrenzt gesteigert werden können. Werden diese Erwartungen enttäuscht, wird dies unweigerlich zu Kursabschlägen führen. Aber vielleicht entsteht ein „neues Normal“, welches zu einer Verschiebung der empirischen Beziehungen führt ?

Tokay

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Börsenregeln reloaded V : The trend is your friend

Börsenregeln reloaded V : The trend is your friend

Ein Gastkommentar von Tokay

Von den zahlreichen Weisheiten, die unter Börsianern in Umlauf sind, ist die Regel „The trend is your friend“ zweifellos eine derjenigen, die besonders hoch im Kurs stehen. Schon Charles Dow, der Begründer der nach ihm benannten Dow-Theorie und zugleich einer der beiden Väter des Dow-Jones-Index, war auf der Suche nach Regeln, anhand derer man einen Wirtschaftsaufschwung erkennen könne. Mit der „Dow-Theory“, die besagt,, in den Aktienmarkt einzusteigen, wenn der Kursdurchschnitt nach oben tendiert, und auzusteigen, wenn die Kurse nach unten tendieren, ist Dow in die Börsengeschichte eingegangen.

Skeptiker halten dem entgegen, daß häufige Ein-und Ausstiege nur Kommissionen für den Finanzsektor generierten. Die vom Kursdurchschnitt gegebenen Signale seien außerdem vielfach unzuverlässig und deshalb eine Buy-and-Hold Strategie der Market Timing Strategie überlegen.

Wenn wir uns die vergangenen Jahre anschauen, dann sehen wir, dass der DAX war in diesem Zeitraum von höchst unterschiedlichen Trends geprägt war. Ein frühzeitiges Erkennen eines Trendwechsels wäre daher sehr lohnend gewesen:

DAX 02.01.2008 bis 30.04.2013

Machen wir einmal die Probe aufs Exempel und probieren eine trendbasierte Strategie und vergleichen sie mit „Buy and Hold“. Nehmen wir an, ein Investor verfügte am Jahresanfang 2008 über 100.000 Euro. Nehmen wir weiter an, es gäbe den DAX als Aktie, so daß ein DAX-Punkt einem Euro entspräche und daß die Bank pro Transaktion 0,5 Prozent des Transaktionswertes in Rechnung stellen würde.

Nun konstruieren wir zwei Fälle:

Der Investor wäre am Jahresanfang 2008 in den DAX eingestiegen. Nun hätte er gemäß der Dow-Theorie aufmerksam den 200-Tage-Durchschnitt beobachtet. Er hätte „den DAX“ verkauft, wenn der Index unter den 200-Tage-Durchschnitt gefallen wäre. Er hätte zu 100 Prozent Liquidität gehalten, solange „der DAX“ unter dem 200-Tage-Durchschnitt gelegen hätte und er wäre wieder eingestiegen, wenn er wieder über den 200-Tage-Durchschnitt gestiegen wäre. Er hätte außerdem darauf geachtet, nur dann aktiv zu werden, wenn der Index sich mindestens drei Tage hintereinander über oder unter der 200-Tage-Linie gehalten hätte. Darüber hinaus hätte er bei dem 200-Tage-Durchschnitt ein Prozent nach oben bzw. unten zugegeben, um die Anzahl der zufälligen Abweichungen zu verringern. Immerhin werden bei jeder Transaktion Gebühren fällig, die den Ertrag schmälern, was zu ordentlichen Summen führen kann. Auf diese Art und Weise hätte der Investor bis zum 30. April 2013 operiert.

Und im anderen Fall hätte der Investor Anfang 2008 „den DAX“ gekauft und ihn bis Ende April 2013 einfach behalten.

In der nachfolgenden Grafik erkennen wir,was aus den 100.000 Euro geworden wäre. Das Ergebnis ist äußerst beachtlich. Der Buy-and-Hold(BuH)-Investor hätte sein Kapital nicht mehren können, er hätte sogar einen kleinen Teil eingebüsst. Der Market Timer(MT) dagegen hätte bei Befolgung seiner relativ einfachen Kauf- und Verkaufsregeln in den betrachteten Fünf Jahren und drei Monaten über 44 Prozent hinzugewinnen können.

Kapitalkurve

Es lohnt sich, zu analysieren, wie dieser Gewinn zustande gekommen ist. Man erkennt, daß der Abstand vor allem dann gewachsen ist wenn die Kurse stark gesunken sind. In diesem Fall war der BuH-Investor im Markt, während der MT-Investor durch relativ frühzeitiges Erkennen des Abwärtstrends diesen vermeiden konnte. Darüber hinaus konnte der Market Timer mit seinem Kapital zu deutlich tieferen Kursen einsteigen und somit auch grössere Stückzahlen realisieren. Ihm kam außerdem zugute, daß die vorherrschenden Trends so eindeutig waren, daß nur wenige Fehlsignale entstanden. Dies war einmal wegen der insgesamt nicht sehr hohen Volatilität. Und zum anderen war das deswegen möglich, weil der 200-Tage-Durchschnitt statistisch wesentlich stabiler ist als kurzfristige gleitende Durchschnitte. Wenn der Markt effizient ist und die am Markt bekannten Informationen eingepreist sind, dann gilt dies erst recht, wenn man die Preisbewegungen von zweihundert Börsentagen betrachtet. Dies bringt es andererseits aber mit sich, daß Signale häufig erst verspätet erzeugt werden.

Zurück zu unserem Experiment, es wurden folgende Transaktionen getätigt:

Transaktionen

Dabei waren keineswegs alle Trades Gewinntrades; dreimal hat der MT mit Gewinn-, zweimal mit Verlust verkauft. Doch die Verluste hielten sich , wenn sie anfielen, sehr in Grenzen, wohingegen deutliche Zugewinne bei den Gewinntrades realisiert wurden. Diese Zugewinne resultierten außer durch Kurszuwächse pro Aktie auch durch Mengenzuwächse; denn das frühzeitig gesicherte Kapital konnte in diesem Fall aufgrund der stark gesunkenen Kurse für eine höhere Stückzahl eingesetzt werden. Man kann daraus generell ableiten, daß das Halten von Liquidität im Prinzip gleichbedeutend ist mit einer Spekulation auf fallende Kurse. Ein Gewinn entstand 2008-2013 vor allem daraus, wenn diese Spekulation sich bewahrheitete. Volkswirtschaftlich gesehen ist so etwas sehr problematisch; denn wenn die Investoren mehrheitlich weiter fallende Kurse bzw. Gewinne erwarten, dann werden sie auch dann nicht einsteigen, wenn sie ihre Investition günstig finanzieren könnten. Die keynesianische Wirtschaftstheorie bezeichnet dies als „Liquiditätsfalle“,die dann entsteht, wenn eine monetär expansive Entwicklung nicht auf die Realwirtschaft übergreift.

Kann man daraus ableiten, dass Market Timing grundsätzlich erfolgreicher ist als Buy and Hold? Nicht unbedingt. Denn in einer Seitwärtsphase würde das Überschreiten der 200-Tage-Linie zu einem Einstieg führen, aus dem dann leicht ein Verlust wird, wenn die Kurse die Gegenrichtung einschlagen. In sehr volatilen Märkten kommt es außerdem leicht zu Fehlsignalen. Zu Fehlsignalen kommt es auch eher, wenn man kürzerlaufende Trendlinien verwendet, die Verzögerung gegenüber der Marktentwicklung ist bei Kurzfristtrendlinien aber nicht so groß. Es mag banal klingen, aber in Marktphasen, die durch starke Trends gekennzeichnet sind, ist der Trend tatsächlich unser Freund – wenn wir ihn erkennen und befolgen, was er uns sagt.

Tokay

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Qiagen (WKN 901626) – „Value“, „Growth“ und „Buy and Hold“ in einer Aktie

Ich halte das Biotechnik Unternehmen Qiagen (WKN 901626) für eine der meist unterschätzten Aktien auf dem deutschen Kurszettel.

Vielleicht erinnern Sie sich daran, als ich am 09.11.2011 diesen Artikel mit dem Titel geschrieben habe, damals noch auf Investors Inside.

Damals stand Qiagen bei 10,465 EUR. Heute, 15 Monate später, bei 15,35 EUR - oder 46,6% höher. Nicht schlecht für eine "Buy and Hold" Aktie, oder ? 😉

Bitte schauen Sie auch noch einmal auf die Argumente, die ich damals angeführt hatte:

  • Extrem hohe Eintrittsbarrieren für Mitbewerber.
  • Profitables, breit aufgestelltes Geschäftsmodell.
  • Internationales Geschäftsmodell in Partnerschaft mit einer Reihe grosser Pharmakonzerne.
  • Stabiles, loyales und seriöses Management.
  • In einem riesigen Wachstumsmarkt tätig.
  • Aktie ist unentdeckt und unterschätzt.
  • Keine direkte Korrelation zur Konjunktur oder der Finanzkrise.
  • Aktie hat nicht das Patent-Risiko der klassischen Pharmabranche.
  • Und als Sahnehäubchen ist ein DAX Aufstieg in den nächsten Jahren durchaus möglich.

All diese Argumente sind nach wie vor gültig. Und wenn Sie glauben nach 46% Plus sei da etwas ausgereizt, glaube ich eher das Gegenteil. Qiagen hat erst richtig begonnen in die Zukunft durch zu starten.

Denn während es in den USA jede Menge interessanter Biotechnologietitel gibt, ist der Kurszettel in Europa und Deutschland sehr klein, die Mehrzahl sind eher kleine Unternehmen, die mit einem Präparat stehen oder fallen und damit nicht gerade für eine langfristige Anlage geeignet sind.

Qiagen aber ist in seinem speziellen Segment Marktführer. Und hat mit 3,6 Milliarden EUR eine schöne "Midcap" Marktkapitalisierung. Wie schon im November 2011 geschrieben: "wenn irgendwo DNA-Tests durchgeführt werden, ist Qiagen nicht weit". Qiagen ist Weltmarktführer in der "molekularen Diagnostik" und damit Wegbereiter der "personalisierten Medizin", eines der grössten Zukunftsfelder dieses neuen Jahrhunderts überhaupt. Und Qiagen stellt dafür die "Schaufeln" her, schon zu Zeiten des Goldbooms im Wilden Westen, war das die bessere Methode um Geld zu verdienen, statt direkt nach Gold zu graben.

Ein hervorragendes, stabiles Management und eine saubere Bilanz mit hohem Eigenkapital rundet das positive, seriöse Bild ab. Ist Qiagen mal mit einem Skandal aufgefallen oder hat sonstwie für "Lärm" gesorgt ? Nein, hier wird still, leise und profitabel in einem riesigen Wachstumsmarkt gearbeitet.

Schauen wir zum Abschluss auf das langfristige Wochenchart seit 2008:

Qiagen Wochenchart 11.02.13

Von einer Übertreibung nach 46% kann also keine Rede sein. Eher sehen wir eine nicht perfekte, angedeutete "Cup and Handle" Formation. Und wir sehen auch, dass Qiagen eben ein Langstreckenrennen ist, eben "Buy and Hold". Kurzfristig sieht der Chart nach einer Konsolidierung aus, eine Bullenflagge erscheint möglich. Aber kurzfristige Erwägungen habe ich bei Qiagen gar nicht im Auge. Hier geht es darum, langfristig am möglichen Bullenmarkt des 21. Jahrhunderts teilzuhaben: Biotech.

Ich bin selber in meinem Investmentdepot in Qiagen gut investiert und werde es auch weiter bleiben. Wie positiv ich persönlich den Titel sehe, dürfte ja deutlich geworden sein. Und das Qiagen gerade von den bekannten Postillen nicht so hoch gejazzt wird, ist für mich auch positiv zu sehen. 😉 Qiagen vereint für mich "Value", "Growth" und "Buy and Hold" in einer Aktie. Und ich bin voller Zuversicht, was die weitere langfristige Entwicklung des Unternehmens angeht.

Trotz aller meiner positiven Erwartung, braucht auch eine Qiagen einen Stop. Der liegt aber bei mir unter dem Oktober 2012 Tief, also weit vom aktuellen Kurs weg. Wenn man "Buy and Hold" wirklich will, darf man sich die Investition nicht durch zu enge Stops zunichte machen.

Ihr Hari

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Gastkommentar: Technisches Trading mit „The Trend is your friend“

Technisches Trading mit "The Trend is your friend" - Ein Gastkommentar von "Jacky"

Mit diesem Beitrag möchte ich zeigen, dass die Börsenregel "the trend is your friend" helfen kann Verluste einzugrenzen oder einen eventuell höheren Gewinn mitzunehmen, als man durch subjektives Trading erreichen kann (hier betrachteter Zeithorizont beträgt Tage bis einige Monate).

Bei der Beobachtung von Aktien überkommt viele Privatanlegern das Gefühl, dass einige Aktien, in die man investieren möchte, bereits seit einiger Zeit fallen und es gar nicht mehr tiefer gehen kann. Also investiert man. Und aller subjektiver Beurteilung zum trotz fällt sie weiter. Das gleiche gilt für Aktien in die man investiert ist: soll man sie verkaufen, da sie seit ein oder zwei Wochen fallen oder ununterbrochen angestiegen sind?

Es zeigt sich jedoch, dass Aufwärts- und Abwärtstrends viel länger anhalten können, als man dies antizipiert. Zu der Definition eines Trendanfangs/-ende: Als positive Trendwende bezeichne ich zwei aufeinanderfolgende Hochs, wobei das letztere Hoch höher ist UND zwei aufeinander folgende Tiefs wobei wiederum der letzte höher ist. Ein positiver Trend hält solange an, bis sowohl das neueste Hoch als auch das neueste Tief tiefer liegt, als die jeweils früheren, d.h. es entsteht eine negative Trendwende.

Mit dieser Definition kann man historische Daten analysieren. Der unten gezeigte Graph zeigt exemplarisch den S&P500 (Tageschart) seit 2011 wobei der farbliche Balken am unteren Bildende, den zu dem Zeitpunkt vorhandenen Trend darstellt (grün: Aufwärtstrend; rot: Abwärtstrend). Den Trend kann man einfach erhalten, in dem man die einzelnen aufeinander folgenden Hochs und Tiefs analysiert (hier via Matlab)

Die interessante Frage ist jetzt natürlich: wie lange hält ein Trend an? Dazu habe ich die Trends des S&P 500 seit 1990 analysiert und sehe, dass die durchschnittliche Trendlänge für einen positiven Trend 37 Börsentage ist (ca 7 Wochen) und für einen negativen Trend 22 Börsentage (ca 4 Wochen) ist. Der jetzige Trend läuft meiner Analyse zu Folge übrigens seit dem 15.Juni 2012 und der S&P500 Index hat seit dem 6.7% zugelegt. Man sieht ebenfalls, dass der S&P 500 sich gerade (wieder einmal) an einem aus Trendsicht wichtigem Punkt befindet: steigt er in der nahen Zukunft, ist der Trend intakt, ansonsten wird es ein neues Tief geben, was tiefer liegt als das letzte - was eine eventuelle Trendwende ankündigt.

Der folgende Graph zeigt seit 1990 alle Trends, die mein Programm im SP500 gefunden hat. Das schwarze Kreuz ist der Punkt, an dem wir uns gerade befinden (28.09.2012). Das dritte Subpanel beschreibt zudem den durchschnittlichen prozentualen Gewinn bei positiven Trends (grün) und den durchschnittlichen Verlust bei negativen Trends (rot) als Funktion der Trendlänge.

Hierbei erkennt man deutlich, dass Trends sehr kurz sein können (Bären/Bullenfallen), aber auch sehr lange andauern können (z.B. das gesamte zweite Halbjahr 2006). Um die Wichtigkeit der Börsenregel weiter zu verdeutlichen: hätte man am 01.01.2007 eine bestimmte Summe in den SP500 Index investiert, würde das Depot heute immer noch den gleichen Betrag besitzen (zwischenzeitlich weitaus weniger). Folgt man dem Trend und wäre nur während eines positiven Trends in dem SP500 investiert, hätte man heute mindestens 50% Gewinn (Annahme bei jedem Kauf und Verkauf je 0.2% Orderkosten).

Der Gewinn hängt davon ab wie gut man die Trends erkennt - vor allem wann ein Trend beginnt oder endet. Oft ist ein Tief plötzlich tiefer ist als das letzte und danach etabliert ein höheres Hoch den Trend wieder etc. Wie lange Trends anhalten hängt auch von den Aktien ab: sind sie volatil oder eher nicht? Der untere Graph zeigt für einen sehr passiven Trendanalysator die prozentuale Depotgrösse über die Zeit seit 2007 im Vergleich zu der Buy and hold Strategie für den SP500. Hätte man alle Trends richtig erkannt (was bei historischen Daten nachträglich natürlich möglich ist), würde man heute trotz Orderkosten ca 250% des Einstiegswert besitzen.

Noch eine technische Anmerkung: Es wurden keine Dividendenausschüttungen berücksichtigt, die Analyse erfolgt auf Basis der Tagesschlusskurse, in dem Tradingbeispiel seit 2007 ging ich von einem vollen Reinvest der zu handelnden Positionsgrösse aus (was natürlich nicht immer 100% möglich ist) und zudem konnte ich keine Buy/Sell spreads in die Analyse einfliessen lassen.

"The trend is your friend" sollte man also im Hinterkopf behalten. Zum Schluss möchte ich Ihnen noch die viel diskutierte Commerzbank Aktie zeigen und die Interpretation des Graphes Ihnen überlassen. Seit 1990 ist die durchschnittliche positive Trendlänge übrigens ca 4 Wochen, die durchschnittliche negative Trendlänge jedoch mit ca. 6 Wochen deutlich länger.

Viele Grüße,
Jacky

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Börsenregeln Reloaded: Sell in May and go away?

Ein Gastartikel von Tokay

Börsenregeln reloaded: Sell in May and go away?

Ich möchte hier in lockerer Folge einige der alten Börsenregeln untersuchen und danach fragen, ob diese Regeln noch relevant oder jemals relevant gewesen sind. Den Anfang mache ich aus gegebenem Anlass mit der Regel :“ Sell in May and go away“.

Derzeit gibt es in der Finanzmarktberichterstattung ein Raunen, dass am Aktienmarkt eine Konsolidierung bevorstehe. Der Markt ist seit Jahresanfang über alle Maßen gut gelaufen und so ist dies in der Tat keine abwegige Vermutung.Und dann gibt es ja auch noch die alte Regel „Sell in May and go away“. Man weiß nicht genau, wie die Regel entstanden ist. Vielleicht deswegen: Sind die Marktteilnehmer im Frühling aus irgendwelchen Gründen euphorisch, dann würde es Sinn machen, zu verkaufen, solange diese Euphorie anhält. Vielleicht haben sie eine Dividende vereinnahmt, dann macht es vielleicht Sinn, zu verkaufen, nachdem die Zahlung erfolgt ist und niemand mehr auf seine Dividende wartet – Dividenden können einen erklecklichen Betrag ausmachen. Vielleicht möchte mancher auch nur den Kopf frei haben für den Sommer, für die Urlaubsreise, für schöne Erlebnisse und sich nicht bei sonnigem Sommerwetter mit der Börse beschäftigen müssen.

Wie dem auch sei, sollte es wirklich eine solche Gesetzmäßigkeit geben, dann wäre es unter Umständen sinnvoll seine Aktienbestände im Mai zu verkaufen und ein paar Monate später wieder zu vermeintlich günstigeren Kursen zu kaufen. Es gibt ja die Methode des sogenannten „Formula Investing“, mit der manche versuchen, sich bestimmte (vermeintliche) Marktgegebenheiten zunutze zu machen.

Um herauszufinden, ob eine solche Anomalie hier vorliegt, habe ich drei Beispielfälle konstruiert und getestet. Dazu nehmen wir an, es hätte schon in 1959 den DAX gegeben und dass man eine „DAX-Aktie“ im Verhältnis 1 DAX-Punkt zu 1 € hätte kaufen können. Weiter nehmen wir an, das Depotkonto wäre nicht verzinst worden und es wären keine Depotgebühren berechnet worden.

Im Fall 1 haben wir einen Investor, der am 31.12.1959 den Gegenwert von 100.000 € auf seinem Anlagekonto hatte. Dann hätte dieser Investor mit diesen 100.000 € so viele Aktien wie möglich gekauft und Ende Mai 1960 zum geltenden DAX-Stand wieder verkauft. Ende August 1960 hätte er zum dann geltenden DAX-Stand wieder gekauft. Die gleiche Operation hätte er in allen Folgejahren durchgeführt. Für jede Transaktion wären 0,5 % der Kaufsumme fällig geworden.

Fall 2 wäre genau gleich wie der Erste, aber hier wären keine Transaktionskosten fällig geworden.

Im Fall 3 hätte dieser Investor zum selben Zeitpunkt einmalig für 100.000 € DAX-Aktien gekauft und bis Ende 2011 behalten.

Und so sieht das Ergebnis aus:


Bezieht man die Transaktionskosten mit ein, so hätte der Investor im ersten Fall eine Jahresrendite von 2,8 % erwirtschaftet. Wären keine Transaktionskosten angefallen, dann hätte diese Rate bei 4,4 % per annum gelegen.. Hätte der Investor die „DAX-Aktie“ erworben und einfach nur behalten, dann hätte er per Jahresende 2011 einen Zuwachs von 5,2 % zu verzeichnen gehabt.

Diese Zahlen sind beeindruckend. Denn sie zeigen mehrerlei:

  • Nämlich zum einen, dass der Zinseszinseffekt unerbittlich wirksam ist. Das Fälligwerden von Spesen bei jeder Transaktion führt nämlich dazu, dass dieser Zinseszinseffekt nachhaltig abgebremst wird.
  • Zum zweiten entsteht eine Art negativer Cost-Average-Effekt: Sofern die Kurse bis August steigen, können nur noch kleinere Stückzahlen gekauft werden und der spätere Wertzuwachs wird durch die verringerte Positionsgröße vermindert. Gibt es im darauffolgenden Jahr einen Kursrückgang, dann muss diese geringer gewordene Stückzahl zu einem geringeren Kurs verkauft werden.
  • Weiterhin entsteht ein Effekt, den man vom „Money Management“ her kennt. Ein Kursrückgang von z.B. 20 Prozent muss erst wieder durch einen neuerlichen Anstieg um 25 Prozent aufgefangen werden.

Das Markttiming durch „Sell in May“ kann alle diese Effekte bei weitem nicht kompensieren.

Der Vorsprung von „Buy and Hold“ zeigt sich durchgängig, besonders aber während der langen Hausse 1982-2000. In diesem Zeitraum stiegen die Kurse sehr oft durchgehend. Wer hier also nach der Methode „Sell in May“ verkaufte, der musste nicht nur Transaktionsgebühren bezahlen, die im Zinseszinseffekt zum Tragen kamen und somit für das spätere Investment fehlten. Sondern ihm entgingen auch noch Kursanstiege, die in der gleichen Zeit stattfanden (Stichwort „Sommerrallye“). Ein Vorteil durch „Sell in May“ entstand nur dann, wenn ab dem Sommer tatsächlich ein scharfer Kursrückgang erfolgte, den man sich durch den vorzeitigen Ausstieg ersparte. Im vergangenen Jahr 2011 war dies auf spektakuläre Weise der Fall. Aber es scheint nicht sehr oft so gewesen zu sein.

Vergleichen wir einmal die verschiedenen Kapitalkurven. Einmal die Kapitalkurve mit „Sell in May“ inklusive Transaktionskosten gegenüber Buy and Hold, und das zweite mal „Sell in May“ ohne Kosten versus „Buy and Hold“:


Es zeigt sich also, dass „Sell in May“ nicht die geeignete Methode ist, um langfristig besser abzuschneiden als der Markt. Fairerweise muss man aber dazu sagen, dass die Jahresrenditen beider Methoden sehr stark schwanken und unser Ergebnis nur eine Momentaufnahme ist – allerdings eine, die nicht eben besonders stark für „Sell in May“ spricht. Zwar ist die Anzahl der Jahre, in denen die Zuwächse von August bis Mai höher sind, deutlich in der Überzahl – doch dies verhilft dieser Methode nicht zu einem durchschlagenden Effekt. Es mag allerdings sein, dass kurzfristig agierende Investoren mit der Methode sehr wohl erfolgreich sein können. Jedoch ist das Risiko sehr hoch, dass das ausgerechnet in jenem Jahr nicht der Fall ist, in dem gerade investiert wird.

Wer „Sell in May“ praktizieren möchte, kann das gerne tun – aber er/sie sollte dies nicht damit begründen, dass der Mai generell ein besonders günstiger Monat wäre. Außer man möchte den Sommer unbeschwert genießen und sich nicht über Börsenkurse den Kopf zerbrechen...In den allermeisten Fällen, und wir erfahren es auf „sumerdigital“ jeden Börsentag aufs neue, werden andere Gründe für die Kursentwicklung ausschlaggebend sein.

Die Börsenregel lautet übrigens vollständig: „Sell in May and go away, stay away till St.Leger's Day“ (Anmerkung dazu: St.Leger ist in England das erste Pferderennen im September).

Tokay

Hari´s Märkte am Abend – 08.02.12 – Commerzbank, Banco Santander, Klöckner, Aixtron

21 Uhr, 1 Stunde vor Handelsschluss

Immer wenn der Markt mal korrigieren will, kommt die Kavallerie zur Rettung ... so auch heute. Insofern gibt es nicht viel Neues zum Markt zu sagen. Wir warten weiter auf Godot - oder genauer gesagt Griechenland - und der Markt will im Vorfeld nicht wirklich runter.

Was passiert wenn eine Einigung scheitert, kann ich Ihnen nicht sicher sagen. Vom meinem Marktgefühl her reche ich in diesem Fall mit einer "Schreckkorrektur", die aber im Bereich von 3-5% auslaufen sollte und schon bald wieder gekauft wird. Denn eigentlich sollte jetzt dem letzten klar sein, dass mit all diesen Verhandlungen nicht die echte Rettung Griechenlands verhandelt wird, sondern nur Zeit erkauft wird, bis das Unvermeidliche passiert.

Viel wichtiger als die Nachricht einer möglichen Pleite Griechenlands, dürfte für den Markt daher in diesem Fall die begleitende Kommunikation der Euro-Zone sein. Wenn glaubhaft gemacht werden kann, dass um alle anderen Staaten eine Brandmauer gezogen wurde, erwarte ich das Mr. Market zu Griechenland nur die Schultern zuckt. Kommt dagegen sogar eine Einigung die der Markt mag weil wieder Geld gedruckt wird, dürfte es wohl noch einmal eine Welle nach oben geben, die dann das Potential hat einen kurzfristigen Top im Aufwärtstrend darzustellen. DAX 7000 sind für diesen Fall sicher in Reichweite.

Bemerkenswert ist, dass wir heute schon den zweiten Tag hintereinander relativ aggressive Bewegungen nach unten hatten. Das hatten wir intraday über viele Tage nicht mehr und es könnte sein, dass das die ersten Anzeichen sind, dass der Markt seinen Charakter wieder ändert. Allerdings ist das im Moment nicht mehr als die berühmte , die man zwar im Auge haben, aber ansonsten besser ignorieren sollte.

Denn der Trend ist bisher weiter eindeutig nach oben und solange das so ist, halte ich es für einen Fehler sich Short dagegen zu stellen, nur weil man sich einbildet, man könnte die Wende perfekt timen - glauben Sie mir, man kann es nicht, von wenigen Glücksfällen abgesehen.
Wer es noch nicht gesehen hat, dem empfehle ich in diesem Zusammenhang einen Blick in -> diesen <- aktuellen Beitrag, der nachdrücklich aufzeigt, wie weit und vor allem wie lange so eine Rally laufen kann.

Nun zu Einzelaktien:

Aktie des Tages war natürlich erneut die Commerzbank (WKN 803200), die mit 7% Plus heute genau das tat, was sich schon gestern ankündigte. Wenn Sie mich fragen, was ich über die weitere Entwicklung der Commerzbank aus fundamentaler Sicht denke, kann ich Ihnen nur sage: Absolut keine Ahnung !

Gerade weil ich vielleicht besser als der Durchschnittsanleger verstehe, was in so einer Bankbilanz steht bzw was in ihr eben nicht steht - gerade weil ich weiss, wie sehr so eine Bank für einen Aussenstehenden eine "Black Box" ist und welche Überraschungen da möglich sind - gerade deshalb weiss ich, dass ich zu Banken rein gar nichts weiss !

Rein vom Chart her ist die Lage der Commerzbank aber sonnenklar. Der Titel kämpft um den Ausbruch über verschiedenste Marken wie zb der 200er Linie, die sich alle in der Zone um 2,1€ gruppieren. Sollte diese Zone überwunden werden, gibt es wahrscheinlich noch einmal einen schönen Schluck aus der "Pulle" nach oben. Und rein vom bisherigen Chartverlauf her spricht sehr viel dafür, dass diese Zone bald geknackt wird.

In meinem Investmentdepot hat eine Commerzbank aber nichts zu suchen. Wer mittelfristige Anlagen will, hat in meinen Augen derzeit genug spannende Unternehmen mit weit grösserer Visibilität, als bei einer Bank oder speziell der Commerzbank. Für einen normalen Anleger mit wenig Zeit für die Börsen finde ich es gefährlich, sich nur an dem vermeintlichen Aufholpotential zu orientieren, denn es gibt nach wie vor nicht nur Chancen, sondern auch massive Risiken die sich in einer Nachricht über Nacht materialisieren könnten. Für mein Tradingdepot ist eine Commerzbank mit dieser Volatilität aber natürlich ein idealer Kandidat und ich habe zum Beispiel heute auch gut an dem Titel verdient. Wer dieses Spiel eingehen will, sollte aber unbedingt permanent am Ball bleiben. "Buy and Hold" passt in meinen Augen nicht zur Commerzbank !

Übrigens, wenn Sie sich aktuell für Banken interessieren, dann werfen Sie doch mal einen Blick auf die Banco Santander (WKN 858872). Bank aus Spanien - Igitt, werden Sie vielleicht jetzt sagen. Aber gemach, Banco Santander macht sein Hauptgeschäft mittlerweile im boomenden Südamerika und ist deswegen auch vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Ein vergleichsweise gutes Eigenkapital, eine Dividendenrendite von 8% und jede Menge Rückstellungen für die spanische Immobilienkrise zeichnen diese Bank für mich aus. Abgesehen davon hat die Banco Santander vergleichsweise planbare und kontinuierliche Erträge, weil sie sich vor allem im Massen- (Retail-) Geschäft tummelt und kaum Investmentbanking betreibt. Alle oben gemachten Einschränkungen zu Banken gelten natürlich auch zu diesem Titel und ich empfehle ausdrücklich niemandem, sich unbedingt eine Bankaktie ins Depot zu legen. Aber wenn Sie sich sowieso schon für Bankaktien interessieren, wäre ein Blick in diese Richtung vielleicht gar nicht so eine schlechte Idee.

Nebenbei erwähnt - nach ähnlicher antizyklischer Logik - ich habe heute eine Studie gesehen, nach der nach fundamentalen Kriterien (Buchwert etc) der billigste Aktienmarkt der Industrieländer derzeit der italienische Markt ist. Wenn Sie also daran glauben, dass Mario Monti die Kurve bekommt, wäre das eine antizyklische Wette. Und gute Industrie- bzw Konsum-Werte mit internationalem Geschäft gibt es in Italien ja einige.

Sehr stark waren heute alle Stahltitel, Klöckner (WKN KC0100) und Salzgitter (WKN 620200) mit jeweils 3-4% Plus. Geholfen hat heute definitiv ein positiver Ausblick des Verbands "Wirtschaftsvereinigung Stahl". Ich bin bei beiden Titeln Long, wobei Klöckner natürlich das grössere Potential hat, während ich bei Salzgitter schon erste Gewinne mitgenommen habe und nur noch mit 50% der ursprünglichen Position investiert bin.

Die Deutsche Börse (WKN 581005) hat heute mit erneut 3% Plus die 50€ erreicht, hier beginne ich mit teilweisen Gewinnmitnahmen.

Für die grosse Stärke heute von Aixtron (WKN A0WMPJ) habe ich keine rechte Erklärung. Auch wenn der Chart der Aktie gut aussieht, ist mir das nun zu viel Blindflug in Anbetracht schlechter Daten der Mitbewerber und meine Position gegenüber den Insidern die den wirklichen Auftragsbestand kennen einfach zu schwach. Ich habe heute daher die Gewinne mitgenommen und bin nun ganz raus aus dem Titel. Das heisst nicht, dass ich eine negative Meinung zur Aktie habe, es kann gut sein, dass da nun ein Ausbruch nach oben bevor steht. Aber mir ist die Lage zu undurchsichtig und es gibt im Markt genug andere Chancen, auf die ich meine Energie aktuell effizienter konzentrieren kann.

Ich wünsche einen schönen Abend !