Gastkommentar: Technisches Trading mit „The Trend is your friend“

Technisches Trading mit "The Trend is your friend" - Ein Gastkommentar von "Jacky"

Mit diesem Beitrag möchte ich zeigen, dass die Börsenregel "the trend is your friend" helfen kann Verluste einzugrenzen oder einen eventuell höheren Gewinn mitzunehmen, als man durch subjektives Trading erreichen kann (hier betrachteter Zeithorizont beträgt Tage bis einige Monate).

Bei der Beobachtung von Aktien überkommt viele Privatanlegern das Gefühl, dass einige Aktien, in die man investieren möchte, bereits seit einiger Zeit fallen und es gar nicht mehr tiefer gehen kann. Also investiert man. Und aller subjektiver Beurteilung zum trotz fällt sie weiter. Das gleiche gilt für Aktien in die man investiert ist: soll man sie verkaufen, da sie seit ein oder zwei Wochen fallen oder ununterbrochen angestiegen sind?

Es zeigt sich jedoch, dass Aufwärts- und Abwärtstrends viel länger anhalten können, als man dies antizipiert. Zu der Definition eines Trendanfangs/-ende: Als positive Trendwende bezeichne ich zwei aufeinanderfolgende Hochs, wobei das letztere Hoch höher ist UND zwei aufeinander folgende Tiefs wobei wiederum der letzte höher ist. Ein positiver Trend hält solange an, bis sowohl das neueste Hoch als auch das neueste Tief tiefer liegt, als die jeweils früheren, d.h. es entsteht eine negative Trendwende.

Mit dieser Definition kann man historische Daten analysieren. Der unten gezeigte Graph zeigt exemplarisch den S&P500 (Tageschart) seit 2011 wobei der farbliche Balken am unteren Bildende, den zu dem Zeitpunkt vorhandenen Trend darstellt (grün: Aufwärtstrend; rot: Abwärtstrend). Den Trend kann man einfach erhalten, in dem man die einzelnen aufeinander folgenden Hochs und Tiefs analysiert (hier via Matlab)

Die interessante Frage ist jetzt natürlich: wie lange hält ein Trend an? Dazu habe ich die Trends des S&P 500 seit 1990 analysiert und sehe, dass die durchschnittliche Trendlänge für einen positiven Trend 37 Börsentage ist (ca 7 Wochen) und für einen negativen Trend 22 Börsentage (ca 4 Wochen) ist. Der jetzige Trend läuft meiner Analyse zu Folge übrigens seit dem 15.Juni 2012 und der S&P500 Index hat seit dem 6.7% zugelegt. Man sieht ebenfalls, dass der S&P 500 sich gerade (wieder einmal) an einem aus Trendsicht wichtigem Punkt befindet: steigt er in der nahen Zukunft, ist der Trend intakt, ansonsten wird es ein neues Tief geben, was tiefer liegt als das letzte - was eine eventuelle Trendwende ankündigt.

Der folgende Graph zeigt seit 1990 alle Trends, die mein Programm im SP500 gefunden hat. Das schwarze Kreuz ist der Punkt, an dem wir uns gerade befinden (28.09.2012). Das dritte Subpanel beschreibt zudem den durchschnittlichen prozentualen Gewinn bei positiven Trends (grün) und den durchschnittlichen Verlust bei negativen Trends (rot) als Funktion der Trendlänge.

Hierbei erkennt man deutlich, dass Trends sehr kurz sein können (Bären/Bullenfallen), aber auch sehr lange andauern können (z.B. das gesamte zweite Halbjahr 2006). Um die Wichtigkeit der Börsenregel weiter zu verdeutlichen: hätte man am 01.01.2007 eine bestimmte Summe in den SP500 Index investiert, würde das Depot heute immer noch den gleichen Betrag besitzen (zwischenzeitlich weitaus weniger). Folgt man dem Trend und wäre nur während eines positiven Trends in dem SP500 investiert, hätte man heute mindestens 50% Gewinn (Annahme bei jedem Kauf und Verkauf je 0.2% Orderkosten).

Der Gewinn hängt davon ab wie gut man die Trends erkennt - vor allem wann ein Trend beginnt oder endet. Oft ist ein Tief plötzlich tiefer ist als das letzte und danach etabliert ein höheres Hoch den Trend wieder etc. Wie lange Trends anhalten hängt auch von den Aktien ab: sind sie volatil oder eher nicht? Der untere Graph zeigt für einen sehr passiven Trendanalysator die prozentuale Depotgrösse über die Zeit seit 2007 im Vergleich zu der Buy and hold Strategie für den SP500. Hätte man alle Trends richtig erkannt (was bei historischen Daten nachträglich natürlich möglich ist), würde man heute trotz Orderkosten ca 250% des Einstiegswert besitzen.

Noch eine technische Anmerkung: Es wurden keine Dividendenausschüttungen berücksichtigt, die Analyse erfolgt auf Basis der Tagesschlusskurse, in dem Tradingbeispiel seit 2007 ging ich von einem vollen Reinvest der zu handelnden Positionsgrösse aus (was natürlich nicht immer 100% möglich ist) und zudem konnte ich keine Buy/Sell spreads in die Analyse einfliessen lassen.

"The trend is your friend" sollte man also im Hinterkopf behalten. Zum Schluss möchte ich Ihnen noch die viel diskutierte Commerzbank Aktie zeigen und die Interpretation des Graphes Ihnen überlassen. Seit 1990 ist die durchschnittliche positive Trendlänge übrigens ca 4 Wochen, die durchschnittliche negative Trendlänge jedoch mit ca. 6 Wochen deutlich länger.

Viele Grüße,
Jacky

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Hari´s Märkte am Abend – 22.05.12 – Wende oder Bullenfalle ?

22 Uhr - Handelsschluss

Mit dem heutigen Tag wurde im DAX der kurzfristige Abwärtstrend gebrochen und zwar egal, wie man die Trendlinie zieht. Sehen Sie hier auf dem Stundenchart:

Ein Bruch der Trendlinie bedeutet aber keineswegs, dass es nun einfach weiter nach oben geht. Man muss das wie eine Tür sehen, die nun geöffnet wurde, unser Blick kann sich nun auch wieder nach oben richten. Das ist schon einmal eine wesentliche Veränderung gegenüber der Lage in der letzten Woche. Aber ob Mr. Market wirklich durch diese offene Tür geht, ist keineswegs sicher !

Positiv war heute sicherlich, dass auch die schwer verprügelten Werte wie Klöckner (WKN KC0100) ansprangen, 5% Plus haben wir bei dem Titel schon lange nicht mehr gesehen. Ähnliches galt heute auch für eine ST Microelectronics (WKN 893438), die mit 8% haussierte. Auch bei einer Reihe weiterer Werte, die in den letzten Wochen besonders abverkauft wurden, sahen wir heute einen gewissen Nachholeffekt. Positiv ist sicher auch, dass der DAX zum Schlusskurs die 6400 zurück erobern konnte.

Trotzdem bleibe ich in Summe vorsichtig und dem Bounce skeptisch gegenüber eingestellt. Denn nichts von dem was wir in den letzten beiden Tagen gesehen haben, ging über eine technisch fast zwingende Gegenbewegung hinaus. Und wenn man sich anschaut, wie stark bestimmte Aktien in der letzten Woche verloren haben, ist die Gegenbewegung keineswegs von besonders Stärke und Überzeugung geprägt. Die Schwäche im späten Handel der Wallstreet war heute auch kein besonders gutes Zeichen.

So weit ich das einschätzen kann, wird dieser Bounce bisher aus überdehnter Markttechnik und der Hoffnung auf den EU Sondergipfel gespeist. Die überdehnte Markttechnik ist aber mit dem heutigen Tag als Katalysator schon wieder teilweise abgebaut. Bleibt die Hoffnung auf den EU Sondergipfel und da hat der Markt nun schon etwas an positiver Erwartung eingepreist, was Raum für Enttäuschungen bietet. Insofern kommt der wirklich Test erst morgen bzw am Donnerstag, je nachdem wie lange der Gipfel dauert und ob belastbare Ergebnisse schon morgen während der Handelszeit durchsickern.

Wir sind also mal wieder in der Hand der Politik und darauf zu wetten ist ein Lotteriespiel ohne Edge für uns - ein Spiel an dem ich deshalb nur ungern teilnehme. Ich habe daher meine Aufstellung bisher nicht geändert und bleibe im Imvestmentdepot weitgehend aus dem Markt mit nur geringem Long-Exposure. Den Bounce heute habe ich primär kurzfristig im Handelssystem gespielt. Sollte mich Morgen eine gewaltige Rally überraschen, habe ich halt Pech gehabt und verpasse diese teilweise, weil ich erst verspätet aufspringe. Das ist mir aber das geringere Risiko, als mich zu früh in eine potentielle Bullenfalle einzukaufen und mit frischen Long-Positionen wie ein Mühlstein um den Hals wieder unter Wasser gedrückt zu werden.

Wenn man mich zwingen würde mich heute für eine Seite zu entscheiden, hätte ich eine leichte Präferenz zur Aussage, dass wir am Freitag wieder tiefer stehen als heute. Glücklicherweise muss ich diese Entscheidung aber nicht treffen, zumal meine Präferenz für die Short-Seite auch nur gering ist, sozusagen 55:45. Warten wir also einfach ergeben ab, was beim EU-Sondergipfel passiert.

Bei den US Kohleaktien gibt es nun wirklich jeden Tag massive Bewegungen. War eine Arch Coal (WKN 908011) gestern noch 7% im Plus, ging es heute wieder um einen ähnlichen Betrag nach unten. Auslöser war dabei wohl Patriot Coal (WKN A0M5QB), die heute mit über 30% wie ein Stein fielen ! Ich kenne die Ursache nicht und kann nur Vermutungen anstellen. Für mich sieht das aber so aus, als ob bei Patriot Coal nun eine mögliche Pleite eingepreist wird. Patriot ist einfach nicht gross genug und hat wohl nicht genügend finanzielle Muskelkraft, um diese historisch niedrigen Kohlepreise lange durchzustehen. Als Folge wurden natürlich alle Aktien des Sektors mitgerissen.

So verrückt sich das anhört, bei so einem brutalen Schweinezyklus wie derzeit bei US Kohle gehören Pleiten aber einfach dazu und sind für den Markt positiv zu werten. Denn so würde Angebot vom Markt genommen und das Spielfeld bereinigt. Grosse, finanzstarke Konzerne dürften von den Pleiten der aggressiven Kleinen also eher profitieren. Wie Sie wissen bin ich im Sektor nur bei Arch Coal und Peabody Energy (WKN 675266) mit jeweils kleinen Basispositionen im Markt. In beiden Fällen mache ich mir um die finanzielle Überlebensfähigkeit aktuell keine Sorgen. Einen Anlass meine Positionen aufzustocken sehe ich aber noch nicht, auch wenn das Hin- und Her eher für eine volatile Bodenbildung spricht, möchte ich erst den Beginn eines nachhaltigen Aufwärtstrends sehen, bevor ich mich im Sektor weiter exponiere.

Und einen historischen Moment gibt es heute zu berichten, der an der deutschen Presse mal wieder weitgehend vorbei geht:

SpaceX hat heute den ersten kommerziellen Flug in der Geschichte der Raumfahrt zur International Space Station (ISS) erfolgreich gestartet. Lesen Sie !

Mein Glückwunsch gilt Elon Musk ! Ja genau, genau der Elon Musk, der auch CEO von Tesla Motors (WKN A1CX3T) ist und sicher zu den mutigsten Entrepreneuren dieses Planeten gehört. Während ich mich hier mühe meine Familie und mein Trading mit dem Blog in Einklang zu bringen, führt er "mal eben" SpaceX und Tesla in wahrlich historische Umbrüche. Chapeau ! Nebenbei bemerkt war Tesla Motors heute 7% im Plus. Das könnte durchaus mit dem Flug von SpaceX zu tun haben, weil es erneut zeigt, dass Elon Musk kein Spinner ist, sondern sehr genau weiss was er tut. Und wenn er auch bei Tesla den Launch (hier des Model S) sauber hinbekommt, könnte der Kurs bald höher stehen.

Übrigens, gerade weil die deutsche Presse schläft, das Thema der kommerziellen Raumfahrt ist auch aus Börsensicht hoch spannend. Da ist im Stillen eine wirklich Revolution im Gange, an der nicht nur ein Elon Musk, sondern auch Jeff Bezos (Amazon) mit Blue Origin, Robert Bigelow (Hotel Milliardär) mit Bigelow Aerospace, Richard Branson (Virgin) mit Virgin Galactic oder Larry Page und Eric Schmidt (Google) mit Planetary Resources mitwirken. Eine Revolution die das Potential hat die Welt in den nächsten Jahrzehnten zu verändern. Alle diese bekannten Unternehmer haben teilweise schon gewaltige Summen in ihre Firmen investiert und wer meint, dass diese Leute es nicht verstehen würden wie man profitable Geschäfte aufbaut, der sollte lieber mal seine Brille putzen und seine Arroganz herunter schlucken.

Ich werde das zum Anlass nehmen, demnächst ein ausführliches "Special" zu diesem spannenden Thema zu verfassen. Denn dieses Thema an der Börse zu verpassen, wäre in meinen Augen ein grosser Fehler. Alles was ich für dieses "Special" brauche ist Zeit und Ruhe, ein Gut das mir in den letzten Wochen fehlte. Vielleicht schaffe ich es in einem Kurzurlaub Ende Juni.

Manchmal bedauere ich sehr, dass uns Deutschen - die wir mit Namen wie Oberth oder von Braun die wahren Väter der Raumfahrt sind - der Mut zur historischen Tat seit dem Einschnitt des zweiten Weltkriegs irgendwie aus der Volksseele heraus operiert wurde. Unsere Milliardäre verstecken (bis auf löbliche Ausnahmen wie Plattner/Hopp) ihr Vermögen. Amerikanische Milliardäre investieren es dagegen in derartige Projekte oder spenden es ala Gates oder Buffet. Da muss ich nicht lange überlegen, wo meine Sympathien liegen.

Etwas Verständnis habe ich für die deutschen Milliardäre aber schon, denn würden einige namhafte Personen so ein Projekt starten, wären ihnen Neid und Spott sicher und das Feuilleton würde in Empörung über diese "Geldverschwendung" überquellen. Wahrscheinlich verstehen die deutschen Milliardäre das instinktiv und halten daher lieber die Füsse still. Und wie negativ Deutschland auf Warren Buffet reagierte, der mehr als 90% seines Vermögens der Gates Foundation zur Verfügung stellte, war vielen wohl auch eine eindrückliche Lehre. In der Logik des deutschen Mainstreams ist Hilfe die von einer privaten Gates-Foundation ausgeht perse schlecht, weil das sind ja nur "Almosen" aus den Händen eines "bösen Kapitalisten". Das gleich Geld aber gnädig vom Amtsvorsteher verteilt, ist dann aber "sozial" und "gerecht". Sehr merkwürdig und vielsagend das alles.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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