Der DAX am Jahresende 2014: Ein schwieriges Jahr ist (fast) überstanden

Ein Gastkommentar von Tokay

Das Börsenjahr 2014 neigt sich dem Ende zu und so mancher „Normalanleger“ dürfte froh darüber sein, denn es war insgesamt ein schwieriges Anlagejahr, was nicht zuletzt den exogenen Schocks geschuldet ist(vor allem Krim/Ostukraine, Syrien/Irak). Gingen die Kurse einmal nach oben oder nach unten, so machten sie bald auf dem Absatz kehrt und tendierten wieder in die jeweilige Gegenrichtung. Ein günstiges Szenario für Range-Trader, aber ein ungünstiges Szenario für Trendfolger. Die Börsenweisheit „Hin und her macht Taschen leer“ fällt einem da ein.

Das Jahresende stimmt nun aber etwas versöhnlicher. Wir haben hier die günstige Konstellation Wintersaison expansive Geldpolitik. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass eine solche Konstellation sich in den allermeisten Fällen positiv ausgewirkt hat, und dies zeigt sich erneut in diesem Jahr. „Don't fight the Year-End Rally“ könnte man dazu sagen. Denn seit Ende Oktober kennt der DAX praktisch nur noch eine Richtung: Nach oben. Die Banken haben am Jahresende 2013 im Durchschnitt einen DAX von etwas über 10.000 Punkten für Ende 2014 prognostiziert, und noch ist das Jahr ja nicht ganz vorbei. Aber komplett daneben scheinen sie diesmal nicht gelegen zu haben.

Das nahende Jahresende ist auch ein guter Zeitpunkt, sich darüber Gedanken zu machen, wie denn so die allgemeine Lage ist, und dafür bieten sich drei Betrachtungsebenen an: Die sehr langfristige, die etwas längerfristige und die mittel- bis kurzfristigere. Die ganz kurzfristige Betrachtung lassen wir hier außen vor, da sich dieser Artikel nicht explizit an Day Trader wendet.

Zuerst die sehr langfristige Betrachtung. Schauen wir uns dazu das folgende Chart an, es zeigt die DAX-Wochendaten seit Oktober 1959:

Diagramm 1

Der DAX ist seither im Jahresdurchschnitt um etwa 6 ½ Prozent angestiegen. Wenn wir davon ausgehen, dass die Jahresgewinne um etwa zwei bis drei Prozent langfristig ansteigen – zumindest war das in der Vergangenheit so – wenn wir davon ausgehen, dass die Preise im Durchschnitt um etwa zwei Prozent ansteigen, wenn wir ferner von einer Dividendenrendite zwischen zwei und drei Prozent ausgehen, dann liegen wir ungefähr im Bereich dessen, was erwartet werden kann. Man kann sich natürlich mit Recht fragen, ob diese Prämissen längerfristig haltbar sind, aber das würde den Rahmen der heutigen Betrachtung sprengen.

Der exponentielle Trend gibt die genannte Entwicklung wieder und schreibt ihn fort. Vergleichen wir damit die tatsächliche Entwicklung des DAX, so erkennen wir, dass zahlreiche längerfristigen Bewegungen vom Gleichgewicht weg- und auch wieder hingeführt haben. Die mit Pfeilen markierten Bewegungen haben zum Gleichgewicht hingeführt. So die Stagnation in den sechziger Jahren, so die Hausse in der längsten Zeit der achtziger Jahre, so die scharfen Rückgänge wie auch die Anstiege seit Anfang 2000.

Gegenwärtig bewegen wir uns etwas vom Gleichgewicht nach oben weg, was aber im Moment nicht besorgniserregend ist. Denn solche Bewegungen können durchaus länger andauern und vor allem, das Ende einer solchen Aufwärtsbewegung geht oftmals einher mit einer allgemeinen Aktieneuphorie. Die haben wir zurzeit nicht. Viele Vermögensbesitzer sind, was Aktien anlangt, völlig unterinvestiert. Das Kapital liegt auf Sparkonten oder steckt in Immobilien. Schlussfolgerung also: Die jetzige Entwicklung dürfte langfristig gesehen wahrscheinlich noch geraume Zeit weitergehen.

Kommen wir zur etwas längerfristigen Entwicklung, auch hierzu haben wir ein Chart:

Diagramm 2

Wir erkennen, dass die seit Herbst 2011 andauernde Aufwärtsbewegung ABC im Juli 2014 gebrochen wurde. Seither gab es eine volatile Korrekturbewegung EF. Diese Bewegung wurde in diesem November(mehr dazu später) bei Punkt F gebrochen. Die Korrektur kann damit als abgeschlossen betrachtet werden, dies umso mehr, als die Einflussfaktoren Wintersaison und monetäre Expansion sich günstig auf den Markt auswirken.

Schaut man weiter Richtung 2015, dann ist eine Bewegung im Intervall zwischen 8750 und 11750 DAX-Punkten auszumachen. Das vergangene Jahr mit seinen zahlreichen exogenen Schocks hat gezeigt, wie schwer die tatsächliche Entwicklung vorherzusehen ist, nämlich praktisch gar nicht. Relativ an wahrscheinlichsten erscheint eine Bewegung hin zum oberen Rand des genannten Bereichs. Das hieße: Weiterhin positive Entwicklung zumindest in den kommenden Monaten. Man wird abwarten müssen, wie die in Aussicht stehenden Maßnahmen der EZB bezüglich der Staatsanleihekäufe sich auswirken werden. Diese Maßnahmen stimulieren den Aktienmarkt per se zweifelsohne, aber die Frage ist natürlich schon, ob dies auf Dauer so sein wird oder die Wirkung dieser Maßnahmen nicht irgendwann abstumpft. Professor Sinn sagte vergangene Woche in einem Interview zur EZB-Politik sinngemäß, die EZB dürfe nicht nur Schmerzmittel verabreichen, auch die notwendigen Operationen müssten von Seiten der Staaten des Eurosystems angegangen werden.

Kommen wir abschließend zur mittel- bzw. kürzerfristigen Betrachtung:

Diagramm 3

Hier genügen eigentlich zwei Linien, um die Lage zu charakterisieren:

Der Abwärtstrend ABC wurde am 21. November unter sehr hohem Volumen gebrochen. Zugleich hat der DAX die 200-Tage-Linie unter hoher Dynamik nach oben durchschnitten. Der 21. November markiert damit die Wasserscheide zwischen Korrektur und Wiederaufnahme des Bullenmarktes.

Zugleich wurde gestern Abend die 10.000er Marke nach oben durchbrochen(Punkt D). Wir werden in den kommenden Handelstagen sehen, ob das Durchbrechen dieser Marke Bestand hat oder der DAX erst einmal eine kleine Pause einlegt. In „Hari Live“ werden wir dies in großer Ausführlichkeit verfolgen können.

Tokay

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Von Genies in Bullenmärkten

Es gibt ein Börsen-Bonmot, in dem extrem viel Wahrheit liegt: "Everyone is a genius in a bull market !"

In einem Bullenmarkt ist es leicht Geld zu verdienen. Denn solange man im Markt auf der Long-Seite investiert ist - was der Normalfall ist - bügelt der Bullenmarkt die Fehlentscheidungen im Laufe der Zeit aus. Bullenmärkte basieren auch immer auf starken Trends und die laufen sowieso eher länger, als wir uns gemeinhin vorstellen können.

Und letztes Jahr war das besonders interessant, weil es im Markt ein paar "heisse" Momentum-Sektoren wie Solar, Biotech oder 3D Druck gab, in denen man fast nichts falsch machen konnte. Einfach die Augen zu machen, die Nase zu halten und die heissesten Titel bei jedem verfluchten Dip kaufen und *schwupps* hatte man 2013 riesige Gewinne im Depot. Hätte man einem Affen nur diese Sektoren zur Auswahl gegeben und ihn ansonsten Dart-Pfeile werfen lassen, hätte er auch eine sensationelle Performance generiert.

Jetzt will ich die Leistung nicht verniedlichen oder schlecht machen, denn auch das muss man ja erst einmal tun. Man muss das Verständnis und die emotionale Kraft haben, eine extrem überbewertete Aktie trotzdem nach Markttechnik zu kaufen, weil man Markttechnik versteht. Und man muss die emotionale Kraft haben, solche Gewinne dann auch mal laufen zu lassen, statt zu früh zu kappen.

Insofern ist es eine echte Leitung, die die erbracht haben, die in 2013 in den Sektoren abgeräumt haben. Und darauf kann man stolz sein, denn das hat nur eine Minderheit hinbekommen. Ich will mit den Zeilen oben aber klar machen, es war eben nur deshalb so erfolgreich, weil der Markt beliebte das ganze Jahr ohne grosse Korrektur hoch zu laufen und jeder Dip eine Kaufgelegenheit war. Und das ist nicht normal, das ist die grosse Ausnahme in Börsenjahren !

Nun haben wir aber schon sehr lange einen Bullenmarkt und irgendwann wird der zu Ende gehen. Passiert das gerade ? Dafür gibt es noch keinen Indikator, aber möglich ist vieles, hinterher sind wir klüger. Auf jeden Fall wird der Bullenmarkt irgendwann vorbei sein und dass 2014 wahrscheinlich nicht so gleichmässig und permanent steigen wird wie 2013, ist nun offensichtlich und selbsterklärend.

Und dann haben wir entweder eine volatile Seitwärtsbewegung, in der es nur wenige stabile Trends gibt, oder wir haben sogar einen Bärenmarkt.

In beiden Fällen werden die Marktteilnehmer, die im Bullenmarkt sich zu viel zu schnell auf ihre Gewinne eingebildet haben, ganz deutlich auf die Nase fallen. Denn in solchen Märkten hilft einem nur eins dabei zu überleben: klare Strategie, klares Risikomanagement, klares Moneymanagement. Übersetzt also das Denken in Setups mit definiertem, bewusstem Plan, vorher überlegte Exit-Positionen und eine Vorstellung vom Risiko, dem man sich aussetzen will. Und die Adjustierung dieses Risikos, durch die Positionsgrössen oder durch Hedging.

Denn wenn die Trends nicht mehr klar sind und der Markt permanent die Richtung wechselt - und solche Phasen können auch mal ein Jahr dauern - wird jeder ohne Risiko- und Moneymanagement in seine Bestandteile zerlegt. Ich garantiere Ihnen das !

Ich habe zu diesen Themen hier im Blog schon viel geschrieben. Für den normalen Anleger genügen zum Start ganz einfache Techniken, die ich unter dem Obernbegriff "Setups" hier immer propagiert habe. Diese mit einer konkreten Regel zu den Positionsgrössen ergänzt, so dass man sich nicht zu grosse Klumpenrisiken im Depot schafft, ist schon ein grosser Schritt nach vorne und für viele normale Anleger erst einmal als Basis für das Risikomanagement ausreichend.

Ich kann Ihnen nur dringend raten, wenn Sie so etwas noch nicht haben, tun Sie es ! Besser gestern als heute ! Ohne eine systematische Herangehensweise an das was Sie tun, werden Sie keinen dauerhaften Erfolg an den Märkten haben. Überschätzen Sie also nicht die leichten Gewinne in 2013, wenn Profis einen Neuling an den Pokertisch holen, lassen Sie den auch erst einmal gewinnen. 😉

Denn der nächste Seitwärts- oder Bärenmarkt kommt bestimmt. Wenn nicht heute, dann morgen. Und in dem trennt sich an der Börse die Spreu vom Weizen und die Jungs von den Männern. Und wir sind hier doch alle Weizen, oder ? 😉

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***