DAX: Droht 2014 ein Crash?

Droht 2014 ein Crash?

Ein Gastkommentar von Tokay

Immer wieder liest man in jüngster Zeit davon, dass die letzte Phase im gegenwärtigen Börsenzyklus angebrochen sei. Zum Beweis dessen werden dann Sentimentanalysen, Börsenkreditstatistiken, Rohstoffpreise und dergleichen mehr bemüht. Mehrere Fragen stellen sich bei alledem: Was ist ein Börsenzyklus überhaupt? Woran kann man ihn erkennen? Und können wir erkennen, wo ungefähr wir uns im Börsenzyklus befinden? Droht womöglich nächstes Jahr ein Crash?

Also: Was ist ein Börsenzyklus? Wenn man sich den DAX, den S&P 500 und praktisch jeden anderen großen Index der Welt anschaut, dann wird man feststellen, dass sich diese Indizes in einer gewissen Abfolge von Hochs und Tiefs bewegen, also im Wechsel von Hausse und Baisse. Unter einem Börsenzyklus versteht man folglich eine Abfolge von einer Hausse und einer Baisse.

Wie lange dauert eigentlich ein solcher Börsenzyklus? Das ist nicht so ganz eindeutig. Schaut man sich die Entwicklung des DAX bzw. seines Vorläuferindex an(oder auch einen vergleichbaren Index), dann stellt man fest, dass zwischen zwei Hoch- oder zwei Tiefpunkten zwei bis acht Jahre liegen können. Im Mittel sind es gut vier Jahre.

So gab es offensichtlich in den letzten Jahren Hochs in den Jahren 2000, 2007 und 2011. Tiefs hatten wir 2003, 2009 und 2011. Somit haben wir einen Zyklus, der von 2000 bis 2003 dauerte, also etwa drei Jahre. Der Folgezyklus von 2003 bis 2009 dauerte sechs Jahre. Der zuletzt abgeschlossene Zyklus 2009 bis 2011 dauerte ca. 2 ½ Jahre, da der DAX sein letztes größeres Tief im September 2011 erreichte. Der momentan laufende Zyklus dauert bisher über zwei Jahre. Es gibt keine mathematische Gesetzmäßigkeit, anhand derer wir über die Länge des Zyklus urteilen können, noch darüber, in welche Höhen er führen wird.

Es gibt aber allgemein anerkannte Maßstäbe, anhand derer man über die Angemessenheit der Aktienbewertung urteilen kann. Ein solcher Maßstab ist das Dividendendiskontierungsmodell(Wer sich an der Dividende stört, mag sich damit behelfen, dass er von einem gewissen Teil des Jahresgewinns ausgeht, ob dieser nun ausgeschüttet wird oder nicht). Demnach gibt der Wert des DAX den Gegenwartswert der künftigen zinsadjustierten Gewinne wieder, so wie diese per heute von den Marktteilnehmern erwartet werden.

Die Entwicklung des DAX bzw. des Aktienmarktes generell hängt somit ab von

  • den Gewinnerwartungen, damit von der konjunkturellen Entwicklung im In- und Ausland im weitesten Sinn;
  • von den Zinserwartungen, damit von der Entwicklung an den Geld- und Kapitalmärkten;
  • von den Risikoerwartungen, damit von all jenen Akteuren, die die Gewinn- und Zinsentwicklung beeinflussen. Das kann die Politik der Notenbanken sein, die Politik der nationalen Regierungen, aber auch exogene Ereignisse, die sich im Zeitalter der Globalisierung unter Umständen in entlegenen Regionen der Welt abspielen können. Ob diese Erwartungen den Aktienmarkt in zyklischer Art beeinflussen, darüber können wir nur mutmaßen.

Für den Aktienmarkt wissen wir, dass dieser der Konjunktur bzw. der Gewinnentwicklung um etwa ein halbes Jahr vorausgeht. Der Konjunkturzyklus ist folglich ein Element eines Börsenzyklus. In der folgenden Grafik erkennt man den Zusammenhang:

Schaubild DAX und Industrieproduktion

Und zwischen den Zinsmärkten und dem DAX gibt es ebenfalls einen Zusammenhang. Ein hoher Anleihenzins, so sagt man, sei „Gift für Aktien“. Am Anfang einer Baisse gilt das zweifelsohne. Die deutschen Unternehmen finanzieren sich vornehmlich über ihre Banken, und diese wiederum über Inhaberschuldverschreibungen. Nun sind die die Zinsen für Inhaberschuldverschreibungen über den längsten Teil einer Baisse rückläufig. Schauen wir auf das nachfolgende Chart:

DAX Umlaufsrendite 10jährige und Leitzins ab September 1959.ods

Auch hier kann man eine zyklische Entwicklung beobachten. Wie wir sehen, ging einer Baisse im DAX zumeist ein Anstieg am Anleihemarkt voraus. Ein solcher Anstieg war in der Regel, das kann man für die letzten Bärenmärkten 2000, 2007 und 2011 feststellen, mit einer Erhöhung des Leitzinses verbunden bzw. mit einer Inversion der Zinsstruktur, welche jeweils die bis dorthin andauernde Hausse zum Erliegen brachte. Die kurzfristigen Zinsen kamen in den genannten Fällen etwa so hoch wie die Langfristzinsen zum Liegen. Interessanterweise haben die Bundesbank wie auch später die EZB nie den Leitzins erhöht, bevor nicht schon bei den Anleihen der Marktzins angestiegen war. Und damit haben wir einen sehr aufschlussreichen Indikator, anhand dessen wir feststellen können, ob demnächst eine Baisse ins Haus steht und der seit 2011 laufende Zyklus sich etwa dem Ende nähert. Die Mutmaßungen über das Ende des „Tapering“ in diesem Sommer wurden übrigens nicht zuletzt aus dem Umstand genährt, dass die amerikanischen Zinsen angezogen haben.

Wo wir im Börsenzyklus stehen, ergibt sich also gesamthaft aus einer Kombination von Konjunktur-/Gewinnzyklus und Zinszyklus. Wo stehen wir also? Während es gewisse Anhaltspunkte für eine konjunkturelle Belebung in Euroland gibt, haben wir zugleich gewisse Anzeichen, dass es mit den Anleihezinsen wieder nach oben geht. Bei einem Zinsniveau von unter zwei Prozent für zehnjährige Papiere besteht gewiss kein Grund zu übertriebener Sorge. Doch mit einer gewissen Vorsicht sollte man langsam schon auf den DAX schauen.

Hinzu kommt ein marktpsychologischer Aspekt: Unternehmensgewinne entwickeln sich überproportional zur Konjunktur. Gewinnerwartungen entwickeln sich überproportional zu den Gewinnen. Und in Baissephasen fällt die Korrektur der Gewinnerwartungen heftiger aus als in Haussephasen. Auch das sollte einem für 2014 Anlass zur Vorsicht geben.

Tokay

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Aktienmärkte von 1896 bis heute – Steht ein neuer, säkularer Bullenmarkt bevor ?

Wir sorgen uns zu Recht um 10% Gewinn oder Verlust. Wir reden vom "Crash" und verfallen in Panik, wenn der DAX mal wieder auf 5000 Punkte fällt. Im grossen, langfristigen Bild der Märkte ist das aber alles nur Rauschen. Und es ergibt sich eine höchst interessante Perspektive, mit langfristig sehr bullischen Implikationen, wenn man sich mal die Mühe macht, das ganz grosse Bild zu betrachten.

Und deshalb habe ich mir die Daten des Dow Jones Index seit 1896 besorgt. Ja, Sie lesen richtig, seit nun fast 117 Jahren in der Vergangenheit ! Die Quelle ist dabei die St. Louis FED gewesen, Sie können die Daten selber nachvollziehen.

In normalen Charttools bekommt man dergleichen historische Darstellungen in der Regel nicht, da ist irgendwann in den 80ern oder 90ern Schluss, weswegen ich auch Excel bemühen musste. Und natürlich arbeite ich hier mit einer logarithmischen Achse, um die prozentualen Steigerungen richtig darzustellen. Immer wieder sieht man auch bei so Langfristcharts lineare Achsen, die völlig blödsinnige Darstellungen produzieren, so als ob Börse überhaupt erst in den 80er Jahren los gegangen wäre und es vorher nur um die Nulllinie schwankte.

Und nun schauen Sie mit mir auf dieses Langfristchart des Dow Jones Index seit 1896:

Dow Historisch

Was wir sehen ist höchst beeindruckend. Es gab drei übergeordnete säkulare Bullenmärkte, der Erste endete mit dem 1929er Crash, der Zweite endete Mitte der 60er Jahre und der Dritte mit der Internet-Blase im Jahr 2000. Dazwischen lagen drei säkulare Bärenmärkte und ja, wir sind aktuell immer noch in einem säkularen Bärenmarkt bzw. zumindest in einer 10 Jahre andauernden Konsolidierung.

Jetzt darf man bei so einem langfristigen Bild natürlich auch die Inflation nicht übersehen, es ist mir mit meinen begrenzten Mitteln aber nicht möglich, diese hier korrekt einzuarbeiten. Würde man es aber tun, würde man die säkularen Bärenmärkte weit deutlicher als hier, als Bärenmärkte erkennen, denn die Menschen haben in diesen Phasen nach Inflation effektiv Geld verloren. Das ist auch für die Phase seit 2000 richtig, obwohl rein von den nominellen Zahlen her, schon wieder neue Höchststände erreicht wurden. Und die Steigung der säkularen Bullenmärkte wäre dann optisch nicht so hoch, wie es hier aussieht. An der prinzipiellen Abfolge der Marktphasen ändert das aber nichts. Und auch nicht daran, dass die säkularen Bärenmärkte irgendwann nach 15 Jahre vorbei waren.

Auch falls Sie denken, da sei ja zum Beispiel in den 70ern an den Börsen fast gar nichts passiert, lassen Sie sich nicht durch die logarithmische Skalierung täuschen. Objektiv schwankte der Dow in den 70ern zwischen 500 und 1000, also immer noch um 50% ! Sie sehen ja auch, wie im langfristigen Massstab die grossen Korrekturen im letzten Jahrzehnt aussehen - es sind in dieser Darstellung eher Petitessen und nur Konsolidierungen auf hohem Niveau. Angefühlt hat sich 2008 für uns aber anders. Und wer objektiv 50% des eingesetzten Kapitals verliert, hat die Hälfte seines Vermögens verloren, was keine Petitesse ist.

Die wichtige Schlußfolgerung dieses grossen Bildes ist aber, dass wir möglicherweise am Beginn eines neues jahrzehntelangen Bullenmarkets stehen könnten. Damit das passiert, braucht es aber Katalysatoren, die die Produktivität der Weltwirtschaft massiv anschieben und damit höhere Bewertungen rechtfertigen. In den 90er Jahren war das der Siegeszug der Computer und des Internets, verbunden mit der Friedensdividende aus dem Fall des eisernen Vorhangs.

Was könnte es in Zukunft sein ? Die Ergebnisse einer Biotechnologie vielleicht, die das Leben massiv verlängert, die Intelligenz der Menschen steigert und so die ganze Welt umkrempelt ?

Ich weiss es nicht. Und im grossen Bild können wir vorher auch problemlos noch einmal um 40% korrigieren. Für uns sehr schmerzhaft, im grossen Bild aber einfach nur ein paar weitere Jahre im säkularen Bärenmarkt seit 2000.

Der grosse neue Bullenmarkt kommt also noch. Und wahrscheinlich dauert es weniger als 10 Jahre, bis es wieder so weit ist. Das sagt uns dieses Chart. Vielleicht hat er auch schon mit dem Ausbruch zu neuen Hochs begonnen. Oder er beginnt vielleicht 2016, nach einem erneuten bösartigen Taucher um 40%, in dem die Verzerrungen durch die Notenbanken abgebaut werden.

Lassen Sie uns diesen säkularen Bullenmarkt aber nicht vergessen, wenn wir uns mal wieder über das Klein-Klein des Momentes sorgen. Und wenn wir zu Recht sagen, dass die aktuellen Kurse durch den Einfluss der Notenbanken zu weit gelaufen sind. Kurzfristig sind sie das wohl. Langfristig stehen uns die grossen Kursgewinne erst noch bevor.

Ihr Hari

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Italien-MIB40: Nach der Wahl ist vor der Entscheidung

Italien-MIB40: Nach der Wahl ist vor der Entscheidung - ein Gastkommentar von Tokay

Der italienische Aktienmarkt steht in diesen Tagen am Scheideweg. Zu diesem Urteil kommt man, wenn man sich die Kursentwicklung der letzten Wochen genau ansieht. In Italien wurde vergangenen Sonntag und Montag ein neues Parlament gewählt. Das nicht allzu erfreuliche Ergebnis wurde offenbar von den Marktakteuren erahnt, denn schon Wochen vor der Wahl begann der MIB40 nach unten zu drehen. Mit Berlusconi und Grillo bekamen zwei Politiker, soeben vom Kanzlerkandidaten Steinbrück als „Clowns“ tituliert, über die Hälfte der Wählerstimmen. Auch wenn das Ergebnis negativ zu werten ist, so herrscht doch Klarheit. Der wirtschaftskonservativ orientierte Teil der Wählerschaft hat mit Reformpolitik nur wenig im Sinn, ebenfalls in sehr engen Grenzen die linksliberal-sozialdemokratisch-sozialistischen Wähler und ebenso wenig die „Grillini“, die wohl vor allem jüngere und frustrierte Wähler repräsentieren und sich antieuropäisch geben. Es zeigte sich, dass Mario Monti sein vor allem im Ausland hohes Ansehen nicht in einen Wahlerfolg umsetzen konnte.

Zurück zum Aktienmarkt. In der nachfolgenden Grafik sehen wir die Entwicklung des MIB40 seit Oktober 2007. Die Kurse brachen besonders im Verlauf 2008 massiv ein und gingen seit Sommer 2010 in eine Seitwärtskonsolidierung über. Es zeigten sich die typischen Merkmale einer Baisse. Diese war geprägt von einem Wechselspiel zwischen Abwärts- und Aufwärtsphasen. Die Abwärtsphasen dauerten länger als die Aufwärtsphasen und sie waren immer steiler als jene. Als Resultierende der Abwärts- und der Aufwärtsphasen ergab sich also der seit Herbst 2007 andauernde Bärenmarkt..

MIB40 01.03.13

Betrachten wir nun die zweite Grafik: Es bildete sich in der Folge der finanz- und geldpolitischen Eingriffe seitens der Regierung Monti sowie der EZB im MIB40 ein Rechteck ABCD heraus: Ein heftiger Einbruch der Kurse im Frühjahr 2012 bildete die linke Wange AB dieses Rechtecks. Der langgezogene Anstieg im Jahr 2012 war nach oben durch die Linie AC und nach unten durch die Linie BD gekennzeichnet. Wie man sieht, wurden die Korrekturphasen im Verlauf der beginnenden Bodenbildung immer schwächer, die Stärkephasen immer länger. Es mehrten sich die Anzeichen, dass der Bärenmarkt zu Ende gehe.

MIB40 - 01.03.13

Gegen Ende 2012 setzte erneut eine Schwächephase ein, gekennzeichnet durch die Linie CD. Wir nähern uns in dieser Woche dem Schnittpunkt der Linien CD, der Schwächelinie, und BD, der Stärkelinie. Eine Weichenstellung steht demnächst bevor. Eine Entscheidung darüber, ob die langjährige Baissephase zu Ende geht oder sich weiter fortsetzt, wird sehr bald fallen.

Je kürzer also die Korrekturphase ausfällt, desto größer stehen die Chancen, dass eine grundlegende Trendwende ins Haus steht und die Bullen das Ruder übernehmen. Die Chancen hierfür müssen im Moment allerdings sehr zaghaft eingeschätzt werden. Dies umso mehr, als die Hoffnung auf eine berechenbare und mehrheitsfähige Politik nach den Wahlen in die Ferne gerückt sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass die maßgeblichen politischen Kräfte sich gegenseitig blockieren und damit weitere Unsicherheit erzeugen werden, sind hoch. Die einzige Hoffnung ist, dass alle diese trüben Aussichten bereits in den Kursen enthalten sind. In welche Richtung die Entscheidung fallen wird, ist also unsicher. Sicher ist aber, dass sie fallen muss.

Tokay

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Ausblick: Eine entscheidende Woche

Vor uns liegt eine entscheidende Woche, die das Potential hat, den Ton des Marktes bis zum Jahresende zu bestimmen. Entscheidend ist die Woche wegen des FED Meetings am 20./21.09., das von den Märkten zwischen Hoffen und Bangen erwartet wird. Und dieses mal wird es keine weitere Verschiebung geben, dieses Mal muss und wird Ben Bernanke seine Karten aufdecken und Mr. Market wird bewerten, ob es ein Bluff oder ein Full-House ist.

Schauen wir uns vor einem Fazit doch mal die positiven und negativen Aspekte an:

Positives:

  • Der Markt war letzte Woche konsistent stark, mit Leadership in den richtigen Branchen. In den US bei Semiconductors und Transports, im DAX bei der Finanzwelt und der Autoindustrie. Genau die Branchen die vorne liegen müssen, wenn wir uns aus dieser Baisse heraus arbeiten wollen.
  • Alle US Indizes haben erneute, kurzfristige Kaufsignale generiert.
  • Der DAX ist zum ersten Mal seit Beginn des Absturzes vor fast 2 Monaten wieder stärker als die US Indizes gelaufen und hat endlich die grosse relative Schwäche hinter sich gelassen.
  • Die Marktbreite der Rally letzte Woche war in allen Indizes sehr gut.
  • Das Marktsentiment ist immer noch aussergewöhnlich negativ. Viele sind der Rally sehr skeptisch gegenüber und halten diese für eine Bullenfalle. Das spricht dafür, dass viele noch an der Seitenlinie stehen und hoffen wieder bessere Kurse zu sehen. Ein klassisch bullishes Setup.
  • Wallstreet hat die Schätzungen für die Unternehmensergebnisse so weit nach unten geschoben, dass der Markt eigentlich problemlos darüber springen sollte. Wallstreet tut alles - wirklich alles und mehr – für ein gutes 4. Quartal. Denn in dem extrem schwierigen Markt des Jahres 2011 sind auch viele Hedgefonds und Institutionelle unter Wasser und brauchen wirklich dringend einen guten Jahresabschluss. Es ist gefährlich, sich diesem uniformen Wunsch von Big-Money in den Weg zu stellen. Auch 2008 kam der richtige Absturz aus ähnlichen Gründen erst nach dem Jahreswechsel.
  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass die FED diese Woche nichts liefern wird. Ich denke da kommt was und der Markt wird aus obigen Gründen alles versuchen das positiv zu interpretieren. Der Markt will jetzt hoch.

Negatives:

  • Die Probleme in der EU und in der US Konjunktur die zu diesem Absturz beigetragen haben sind unverändert intakt und werden sich kurzfristig nicht ändern. Ohne eine Auflösung der Ängste um Griechenland oder den Zerfall des Euros, haben die europäischen Märkte keine Chance auf eine nachhaltige Erholung. Die einzige schnelle Lösung wäre, das sowieso Unvermeidliche endlich geschehen zu lassen und Griechenland in die Insolvenz gehen zu lassen. Aber selbst wenn die Politik dazu bereit wäre, wird das nicht vor Oktober passieren, da erst dann der EFSF aktiv und bereit ist.
  • Die Wirtschaftsdaten in den US sind mies und bleiben mies. Bisher waren die Marktteilnehmer bereit dem auch Positives abzugewinnen, weil es die FED vermeintlich zum Handeln veranlasst. Das hat die US Märkte stabilisiert. Nach der FED werden schlechte Daten nur noch schlecht interpretiert werden, mit aller Konsequenz.
  • Die Emerging Markets haben letzte Woche schlecht ausgesehen. Auch die Industriemetalle waren sehr durchwachsen. Kein gutes Zeichen für die Weltkonjunktur.
  • Der EUR/USD sieht so aus, als ob er einbrechen würde und die Reise Richtung 1,20 antritt. Dem würde sich eine Wallstreet nicht entziehen können und die anderen Börsen nach unten mitreissen.
  • Die Rally vor der FED hat nun schon statt gefunden. Das Risiko einer „Sell the News“ Reaktion ist stark gestiegen, auch wenn der Markt versuchen wird das Positive darin zu finden.
  • Das Headline Risiko war wohl noch nie so hoch wie derzeit. Jede politische Schlagzeile aus den US oder Europa hat das Potential den Markt in wilde Bewegungen zu versetzen. Unsicherheit ist die Mutter aller Volatilität. Und Unsicherheit haben wir mehr als genug.

Fazit:

Wir stehen an einer Wegscheide, die uns im S&P500 bis 1020 abstürzen, aber auch die 1300 wieder erreichen lassen kann. Im DAX würde das wohl 4500-4800 bzw 6300-6500 bedeuten.

Ich sehe aber im Moment absolut keinen Hinweis, in welche Richtung das ausschlagen wird. Diskussionen um vermeintliche Unterbewertungen von Unternehmen sind dabei ebenso wenig hilfreich wie im Sommer 2008. Sollte eine Währungskrise kommen, sind auch alle Buchwerte massiven Abschlägen ausgesetzt, von KGVs und Auftragsbeständen ganz zu schweigen. Wer glaubt nur aufgrund vermeintlicher Unterbewertung nun Aktien kaufen zu müssen, fischt in meinen Augen im Trüben und wäre gut beraten, damit zu warten bis sich nach der FED und dem Ausblick der Unternehmen im Rahmen der Q3 Ergebnisse ein klarer Trend gebildet hat. Technisch war vor einer Woche noch ein schöner Long-Setup vor der FED möglich, die Rally der letzten Woche hat den aber zunichte gemacht.

Sicher ist nur, dass es ein Markt für kurzfristige Trader bleibt, bei dem jeder der einen Horizont von mehr als 48 Stunden hat immer wieder in wilden Swings Geld verliert. Für den normalen Anleger kann es also in meinen Augen nur ein Ziel geben: Kapitalerhalt und Vorsicht. Bis sich wieder ruhigeres Fahrwasser eingestellt hat und eine klare Richtung erkennbar ist.

Erinnern wir uns doch an den Dezember 2010, selten habe ich so eine ruhige und entspannte Börsenphase erlebt. Ist gar nicht so lange her, fühlt sich aber an, als ob es letztes Jahrtausend war.

In diesem Sinne wünsche ich allen die richtigen Entscheidungen !

Trendtag an der Wallstreet

Starker Trendtag, Breakout in den US Indizes ! S&P500 bei 1210 ! Im Gegensatz zum Trendday vom 23.08. scheint es diesmal „The Real Thing“ zu sein und der lange erwartete Bounce ist endlich da !

Wir haben Kaufsignale in allen US Indizes und haben oberhalb der Hochs vom 17.08. geschlossen ! Damit hat der S&P 500 Index freie Fahrt bis 1250. Morgen bei Eröffnung der Wallstreet wäre eine kleine Schwäche ganz normal, die uns die 1200 vielleicht noch einmal von oben testen lassen, beim DAX wäre das die 5700er Marke. Dann aber sollte der Markt Morgen weiter schieben, wenn er nicht Gefahr laufen will wie am 25.08. gleich wieder wegzukippen. Ich glaube das in Anbetracht des Momentums und der Marktbreite heute eher nicht, aber wer weiss.

Wenn sich der DAX identisch um weitere 4% bewegt, wären das ca. 6000, was jämmerlich wenig ist in Anbetracht der Tatsache, dass der S&P500 bei 1250 nur noch knapp 10% unter den Höchstständen notiert, was beim DAX ca. 6900 wäre und nicht nur 6000. Man sieht daran erneut die gewaltige Unter-Performance des DAX seit Anfang August.

Aber wie auch immer, der Outlook für die kommenden Tage ist nun positiv. Nehmen wir jetzt einmal an, dass es über Nacht und den Rest der Woche keine neuen Katastrophen aus Euroland gibt. Unter dieser Annahme wird der DAX Morgen mit einem GAP bei ca. 5750 eröffnen und hat die Chance Morgen deutlich in Richtung 6000 voran zu kommen. Die nächste Hürde für die Märkte wären dann erst die Arbeitsmarktdaten am Freitag bzw die 1250 als Widerstand im S&P500. Grundsätzlich gilt für so eine Rally das, was ich schon vor 2 Wochen zum damals erwarteten Bounce sagte:

Solche Rallys in Bärenmärkten sind sehr überzeugend und laufen bis zu dem Punkt, an dem die Mehrheit daran glaubt, dass gar kein Bärenmarkt existiert. Sie ziehen alle die in den Markt die nun vorsichtig an der Seitenlinie stehen, bevor sie genau in dem Moment ganz fies wieder die Richtung nach unten ändern. Deshalb dauern sie auch einige Tage wenn nicht Wochen, weil sie eben Tag für Tag von der Seitenlinie Geld in den Markt ziehen. So werden aus immer mehr Zweiflern dann Gläubige (dass der Bulle noch lebt). Im S&P 500 wäre diese letzte Grenze die den letzten Zweifler überzeugt bei ca. 1300. An diesem Punkt entscheidet es sich dann endgültig, wenn wir 1300 überhaupt sehen was völlig unklar ist.

Ich gehe nach wie vor von 80% Wahrscheinlichkeit aus, dass noch tiefere Kurse in den nächsten Monaten vor uns liegen. Wenn diese Einschätzung richtig ist, ist die nun vor uns liegende Rally die Gelegenheit sich mit Gewinn oder geringen Verlusten aus alten Longs zu verabschieden und idealerweise am Höhepunkt dann Shorts aufzunehmen. Aufgrund der Verzerrung im DAX bin ich derzeit nicht in der Lage dafür realistische Wendepunkte zu definieren. Im S&P500 liegt der erste mögliche Wendepunkt bei 1250, der zweite im Band bei ca. 1270-1280 und der letzte bei 1300. Erst wenn die 1300 dauerhaft überschritten werden, sind die 20% eingetreten und das Bärenmarktszenario wurde invalidiert.

Schaun wir mal was Mr. Market an Karten im Ärmel hat. Klar ist nur eines, er wird wieder einige Überraschungen für uns parat haben. Und nutzen wir diese Rally um mögliche Fehler beim ersten Absturz auszubügeln und daraus zu lernen falls der zweite, tiefere Absturz kommt.

PS: Wie vergesslich Marktpsychologie ist, sieht man daran, dass der 25.08. mit seinem DAX-Crash aus dem Nichts fast schon wieder vergessen ist. Prüfen Sie sich mal selber, haben Sie in Anbetracht der grünen Zahlen heute noch an den 25.08. gedacht ? Wirklich ? Das ist gerade 2 Handelstage her.

Solche Swings kommen immer  wieder, vergessen Sie das nie und lassen Sie sich nicht von Mr. Market einlullen, denn das kann er ganz besonders gut !

Flash Crash im DAX

Oh Mann, was ein Tag.

Die Erwartung von ruhigem Fahrwasser bis Freitag können wir ja wohl erst einmal ad acta legen.

Bis ca. 16 Uhr verlief auch alles nach Plan. Den überraschenden Abgang von Steve Jobs hatte der Markt ja noch gut verdaut, die Indizes waren wie erwartet leicht im Minus, die Banken wegen des Einstiegs von Warren Buffet bei Bank of America im Plus und alles sah immer noch sehr gut und nach einer Fortsetzung der Rally aus. Die Marktmechanik war
völlig in Ordnung und Positiv. Die sicheren Häfen in Gold und Silber wurden weiter verkauft.

Und dann kam dieses „Ding“ im Dax.

Ich hatte hier schon einen Beitrag vorbereitet, in dem ich mich insbesondere mit dieser in meinen Augen unsinnigen und bewusst zur Ablenkung in die Welt gesetzten Theorie es sei „Schäuble“ auseinander setze. Seit wann führt auch die Angst vor einem ShortSell Bann zu etwas anderem als Short Covering = steigenden Kursen ? Seit wann stürzt wegen so etwas nur der DAX ab und alle anderen Indizes Weltweit erst mit Zeitverzögerung ? Aber ich habe mich dazu entschlossen das nicht zu veröffentlichen, weil es ist vergossene Milch und lenkt uns nur vom Wesentlichen ab: Morgen wieder Geld an den Märkten zu verdienen und nicht zu verlieren. Und wenn unsere glorreiche Behörde Bafin es nicht für nötig befindet sich damit zu befassen, werde ich sie nicht zwingen können. Also Schwamm drüber.

Danach war schlicht Chaos, plötzlich waren die wilden Swings wie letzte Woche wieder da. Gold und Silber wurden wieder gekauft und das alte Angstmuster der letzten Woche war wieder an allen Märkten. Wer immer dieses Ding inszeniert hat, er hat die Märkte wunderbar abgeschossen und ins Schneckenhaus zurück gebracht, genau in dem Moment wo sie Vertrauen schöpften. Ich war glücklicherweise in diesem Moment des Absturzes
aus dem Markt, aber das war reines Glück, sonst hätte es mich auch erwischt und ich wäre einige Prozent tiefer böse ausgestoppt worden.

Im Ergebnis sieht es im DAX zwar böse aus, in allen anderen Indizes aber lange nicht so schlimm. Die amerikanischen Indizes konnten ihre kurzfristigen Kaufsignale halten, wenn auch nur knapp. Wenn Morgen alles wie bis heute Vormittag weiter geht, war es nur ein halbtägiger Spuk was wir ab 16 Uhr erlebt haben. Wenn …

Wir sind damit in jeder Hinsicht im Niemandsland. Es gibt keinen klaren Trend, weder nach oben noch nach unten. Und es gibt keine mir bekannte Daten, die in irgend einer Weise einen Edge verschaffen. Und so gehen wir nun in die Rede des grossen Meisters des Quantitative Easing – seiner Eminenz Professor Ben Bernanke Morgen 16 Uhr.

Da es keinen Trend und keinen sonstigen sichtbaren Edge gibt, gibt es auch keinen Grund sich dem Risiko auszusetzen. Ich werde mir die Rede Morgen also im TradingDepot völlig an der Seitenlinie anschauen und erst danach entscheiden, ob und was zu tun ist. Im Investmentdepot bin ich immer mit einigen gross kapitalisierten Titeln Long und werde das auch frühestens am Montag in Ruhe anpassen.

In diesem Sinne gute Nacht. Bis Morgen hoffentlich in alter Frische.

Mr. Market macht es einem nicht einfach

Tja, Mister Market macht es einem nicht einfach. Aber war das jemals anders  ?

Die Rally von Gestern wurde heute an der Wallstreet bestätigt. Nach einem starken Anstieg wurde dieser wieder abverkauft und die Indizes sogar ins Minus getrieben. Dann aber setzten sich doch die Kaufprogramme durch und es wurde mit ca. 1,5% ein guter Tag.

Positiv war, dass es auch heute den zweiten Tag keine starken Einschläge nach unten mehr gab, wie sie für Bärenphasen so typisch sind. Statt dessen kamen die starken Bewegungen nach oben, nach unten bröselte es nur. Ein sehr gutes Zeichen, das Momentum hat gedreht und zeigt nach oben.

Positiv war auch erneut, dass es wieder keinen Abgabedruck in den letzten Minuten gab. Die Longs wurden nun schon den zweiten Tage Overnight gehalten – ein ganz eindeutig positive Änderung der Marktmechanik.

Positiv war auch, dass der Gold und Silber Trade nun zerlegt wird. Gold und Silber fielen heute 4-7%, das ist fast ein Crash für Gold. Da können wir in den nächsten Tagen möglicherweise noch tiefrote Tage erleben, denn jetzt werden gerade die schwachen Hände die zuletzt gekauft haben um sich „wohl“ zu fühlen in Panik verfallen. Es ist halt mit so parabolischen Anstiegen immer das gleiche und manche lernen es nie.

Positiv ist das Zusammenbrechen des Gold-Trades, weil es bestätigt dass die grosse Angst etwas aus dem Markt weicht und Beruhigung eintritt. Und weil es mir ermöglicht bald Gold und Silber und die Minen zu viel niedrigeren Kursen wieder aufzusammeln

Denn mittel und langfristig sind die Treiber für die Precious Metals völlig intakt. Wer also mal wirklich sich etwas ins Depot legen will, dass er dann beruhigt einfach drin lassen kann, der sollte jetzt warten bis demnächst die Schlagzeilen der Medien marktschreierisch vom „Platzen“ der Gold“blase“ schwafeln. Dann kann er beruhigt kaufen, dann ist die Korrektur weit genug gelaufen. Es kann gut sein, dass wir bis dahin 1500USD wiedersehen.

In Summe sind wir also in ruhigeres Fahrwasser eingetreten mit leichter Tendenz nach oben. Das ist schon einmal eine deutliche Verbesserung gegenüber den letzten Tagen. Wer jetzt will und das Risiko aushalten kann, kann jetzt also Long im Markt sein, aber immer an den Notausgang denken !

Trotz dieses akzeptablen Followups ist der Jackson Hole Long Trade für mich nicht aktiv. Und zwar weil das Upside Heute zwar gut, aber dafür nicht gut genug war ! Denn wenn hier wirklich positive Nachrichten durchgesickert wären, dann hätten wir heute wie ein Messer durch Butter durch die 1200 im S&P500 schneiden müssen, alle anderen Inkredenzien für so eine Rally waren 100% da. Was der Markt geschafft hat, ist aber nicht
mehr als eine eher lahme bzw vorsichtige Erholung.

Da ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass die Spitzen der Wallstreet schon längst den Tenor der Ansprache von Bernanke in Jackson Hole kennen, lässt das nur einen Schluss zu:

Bernanke wird für keine Überraschung sorgen, er wird weder enttäuschen, noch wird er ein konkretes QE3 ankündigen. Er wird statt dessen warme Worte finden und die Hoffnung auf ein QE3 am Leben erhalten, nicht mehr und nicht weniger. Das ist das wahrscheinliche Ergebnis, was uns Mr. Market mit seinem Verhalten im Moment andeutet. Jackson Hole wird also potentiell ein „Non-Event“. Damit habe ich aber auch keinen Edge bei der Einschätzung was der Markt dann nächste Woche macht und damit macht es auch keinen Sinn das Risiko zu gehen sich während bzw vor der Rede schon zu positionieren.

Zusammengefasst heisst das für den DAX:

Vorbehaltlich der „üblichen“Überraschungen wie das nun Italien endgültig Pleite ist, haben wir definitiv ruhiges Fahrwasser mit positiver Tendenz bis Freitag. Wer das spielen will kann das in meinen Augen tun, wenn er seine Defensive nicht vernachlässigt. Der Markt sagt uns aber, dass er vor Bernanke auf weitere Zusammenbrüche wohl verzichten wird.

Was danach passieren wird, dafür gibt die jetzige Datenlage nichts her, was einem einen echten Vorteil verschaffen würde. Dazu nur zwei grundsätzliche Anmerkungen:

1. Gegenbewegungen in Bärenmärkten dauern eigentlich immer ein paar Wochen und beginnen immer so zögerlich wie heute. Insofern ist es gut möglich (nicht sicher!) dass wir nun einen ganz guten September bekommen der uns im DAX wieder in die oberen 6000er bringen kann.

2. Es spricht nach wie vor fast alles dafür (in meinen Augen nach wie vor 80:20), dass wir uns in einem Bärenmarkt befinden. Sprich die unter 1. beschriebene temporäre Stärke wird irgendwann auslaufen und dann folgt das ganz dicke Ende und wir sehen noch viel tiefereKurse als Heute.

Viel Glück und gutes Gelingen für Morgen !

Der bestätigte Bärenmarkt

Erneut ein froher Tag …. für Shorties .... 😉

Ernsthaft, ich habe vor einer guten Woche, als der Bounce auf der Agenda stand gesagt, dass ich mit einer Wahrscheinlichkeit von 2:1 davon ausgehe, dass wir in einem Bärenmarkt sind. Und dass die Höhe und Stärke des Bounce uns sagen wird, ob das so ist oder nicht. Nun denn, schauen wir uns das mal im Licht der Entwicklungen bis heute Abend 21 Uhr an.

1. Der alles entscheidende S&P500 hat nach Lehrbuch den Bounce gemacht und gestern Nachmittag mit knapp 1210 ziemlich genau 50% des vorherigen Absturzes wieder zurück erobert. Perfekt, bis gestern Nachmittag, dann nahm die Wende ihren Lauf.

2. Der DAX müsste im Vergleich eigentlich gestern bei 6300-6400 gewesen sein. Das es ihm gestern gerade einmal gelungen ist die Nase über 6000 zu stecken ist nicht nur schlapp, sondern ein verheerendes Signal von Schwäche.

3. Der DAX hat zwar heute die 5500 fast wieder erreicht und man könnte das als erfolgreichen Test interpretieren, in Anbetracht der Leblosigkeit sagt das aber wenig aus. Denn die entscheidende Frage für die Märkte ist, ob der S&P500 die 1100 als Tiefstand halten kann. Davon ist der S&P aber noch gut 3% entfernt.

4. Es kann daher sehr gut sein, dass der DAX irgendwo im Nirgendwo zwischen 5000 und 5500 seinen Tiefstand findet und dreht. Aber nicht weil das irgend etwas als Marke zu bedeuten hat, sondern weil der S&P bei 1100 erneut nach oben gedreht hat. Wenn der S&P heute in der letzten Stunde weiter fällt, eröffnet der DAX morgen unter 5500, es sagt aber immer noch nichts endgültiges. Ein lebloses Subjekt ist als Indikator für Chartmarken wenig geeignet.

Fazit:

Vorsicht also mit den 5500 als DAX Marke. Ich messe dem wenig Aussagekraft zu.

Was den Bärenmarkt angeht, ist die Wahrscheinlichkeit mit der heutigen Price-Action im Markt auf 80% gestiegen. Um die letzten 20% auch noch vom Bärenmarkt zu überzeugen ist es nicht wichtig wo der DAX steht, sondern ob der S&P500 die 1100 halten kann.

Es sieht im Moment alles nach Bärenmarkt aus, aber es gibt eine Wildcard im Markt und das ist die FED und Jackson Hole nächsten Freitag. Auch 20% Wahrscheinlichkeit können eintreten. Ausserdem hat der Markt ja die perverse Logik, dass wenn die Konjunktur noch mieser aussieht, dass die Wahrscheinlichkeit einer neuen FED Intervention erhöht, ganz schlechte Konjunkturzahlen werden also in freudiger Erwartung wieder gut. Aber nur bis
nächsten Freitag, dann werden die Karten aufgedeckt. So oder so – möglicherweise mit bitterem Ende.

Wenn der S&P500 die 1100 durchschlägt ist die nächste Haltelinie erst wieder beim 2010er Tief von ca. 1020. Auf den DAX übersetzt und die immense Schwäche berücksichtig sind das dann 4500-4800. Hört sich übel an, ist es auch, aber ist alles andere als unwahrscheinlich im momentanen Umfeld. Um am meisten werden darunter wieder Banken, Autos, Konjunkturaktien leiden. Alle Augen also auf Jackson Hole.

Und wer sich das nicht vorstellen kann dem sei gesagt, bei solchen Bärenmärkten ist der schlimmste Absturz fast immer der zweite, nach dem Bounce nach dem ersten Absturz. Unserer erster Absturz war aber im Umfang schon tiefer und schneller als 2008.

Denken Sie mal darüber nach. Ich betone, ich weiss nicht ob das so kommt. Aber das Szenario ist nun im Bereich des sehr Möglichen und jeder der nicht komplett an der Seitenlinie steht tut gut daran sich Gedanken zu machen wie er damit umgehen würde. Und wer sich nicht sicher ist, dass er das aushält muss raus. Sofort und ohne zurück zu blicken. Die Angst einen möglichen Anstieg zu verpassen ist kein guter Ratgeber. Die selben Sätze habe ich hier schon bei DAX 6300 gesagt. Eine gefühlte Ewigkeit ist das her ….