Marktupdate – 18.10.12 – DAX und S&P500 weiter auf Messers Schneide.

09:30 Uhr

Zwei Tage nach meinem Artikel zur Bedeutung der 7410 im DAX, hat sich an der Lage nichts Grundsätzliches geändert. Heute früh lief der DAX kurz über 7400, nur um dann aber Stand 09.30 Uhr sofort wieder zurück zu fallen.

Wir balancieren weiter auf der Schneide eines Durchbruches nach oben zu neuen Höchstständen und einem erneuten Rücksetzer, der uns wieder in den unteren Bereich des Trendkanals führen würde.

Ich habe Ihnen heute zur Anschauung mal den S&P 500 mit seinem Trendkanal mitgebracht, der seit 14.09. bisher ein ganz ähnliches Bild immer niedriger Hochs generiert. Das Hoch lag am 14.09. bei 1474,51 und das sollten wir besser bald überschreiten.

Zur Lage gibt es also immer noch nichts Neues. Ich bereite mich auf beide Szenarien vor und warte ab. Denn beide Szenaríen sind gut möglich und es gibt für mich aktuell keine Indikatoren, die eine eindeutige Tendenz in die eine oder andere Richtung begründen würden.

Und ich bin mir bewusst, dass eine deutliche Abwärtsbewegung jetzt wahrscheinlich so viel Momentum entfaltet, dass der Trendkanal im S&P500 gebrochen würde und wir eher bis 1400 herunter laufen. Im DAX wäre das wohl ein kurzzeitiger Taucher unter 7000.

Abseits der grossen Indizes gibt es aber doch eine Reihe von Entwicklungen, die man im Auge behalten sollte und durch die man möglicherweise gut profitieren kann:

(1)

Die Stärke in den Kohle- und Stahlaktien ist offensichtlich und hat nun zu echten Aufwärtstrends gefüht. Egal ob Arch Coal (WKN 908011), Peabody Energy (WKN 675266) oder Salzgitter (620200), ich studiere diese Charts ganz genau. Denn falls die Schwerindustrie wieder anzieht, dann liegen in diesen Sektoren ganz erhebliche Kurs-Chancen, die zu verpassen sehr schade wäre.

Um Ihnen die Lage und das Potential optisch zu verdeutlichen, habe ich Ihnen heute beispielhaft den Tageschart von Peabody Energy seit 2010 mitgebracht. Enjoy:

(2)

Die Entwicklung beim Gold und Silberpreis ist noch undurchsichtig. So sicher ich mir persönlich bin, das wir in überschaubarer Zeit höhere Kurse sehen, so unsicher bin ich mir, ob wir kurzfristig nicht doch noch die 1700 USD im Gold noch einmal testen. Hier ist genaue Beobachtung gefragt. Unabhängig von dieser Frage, halten sich die Minen in Form von GDX und GDXJ aber immer noch sehr gut. Das spricht für eine Menge an Potential nach oben in den kommenden Wochen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg !

Ihr Hari

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Marktupdate – 12.10.12 – Das Patt zwischen Bullen und Bären bleibt bestehen.

08:45 Uhr

Ein paar Worte zum Markt vor der Handelseröffnung in Europa.

Das Patt zwischen Bullen und Bären bleibt offensichtlich bestehen. Der aus Sicht der Markttechnik zu erwartende Bounce kam gestern, er wurde aber zu schnell wieder abverkauft.

Das ist eindeutig eine Änderung im Charakter des Marktes gegenüber dem 3. Quartal, in dem ein derartiger Setup immer zu einer nachhaltigen Rally und einem positiven Trendtag geführt hätte. Umgedreht haben aber auch die Bären (bisher) nicht genügend Kraft um den Markt wirklich über die Klippe in den Abgrund zu stürzen. Auch heute Morgen halten wir uns im DAX-Future deutlich über 7200.

Insofern bleibt es bei dem Gestern gesagten. Ich habe mir für beide Szenarien eine Strategie zurecht gelegt, die ich dann umsetze. An dieser Stelle ist die Energie viel sinnvoller eingesetzt, als darüber zu grübeln in welche Richtung Mr. Market als nächstes ausschlägt, selbst wenn ich nach wie vor der bullischen Auflösung eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit gebe.

Denn es wäre nicht untypisch, dass wir nach einem ersten Anstieg noch einmal zurück fallen um die Tiefs der Konsolidierung zu testen. Und alle Argumente die zum Jahresende einen eher bullischen Verlauf indizieren, bleiben bestehen. Solange, bis sie durch eine eindeutige Bewegung von Mr. Market nach unten invalidiert werden. Und dann sollte man schnell an der Seitenlinie sein, womit wir wieder bei der Strategie für diese Eventualität sind !

Bermerkenswert war gestern der Kohlesektor. Wir haben in den letzten Monaten wirklich schon viele Rallys gesehen, die dann wieder abverkauft wurden. Aber 4 Tage deutlicher Anstieg hintereinander, der dann gestern zum Beispiel bei Arch Coal (WKN 908011) mit einem Anstieg von 16%!!! getoppt wurde, das haben wir in diesem Jahr noch nicht gesehen.

Deswegen erscheint es mir sinnvoll, den Anstieg mal in die grössere Perspektive zu rücken. Ich habe Ihnen den Tageschart von Arch Coal seit 2010 mitgebracht. Sehen und staunen Sie:

Sie sehen, dass die 16% Anstieg von gestern im grösseren Bild fast völlig verschwinden. Sie sehen auch, dass wir noch keine bestätigte Umkehrformation haben ! Deutlich ist aber auch, dass für einen Ausbruch nur noch ein starker Tag fehlt. Und das wir nun zwei höhere Tiefs hintereinander nach dem Tief im Juli hatten.

Klar ist aber auch, dass der Anstieg des US Natural Gas Futures mit Erwartungen einer grossen Kälteperiode zu tun hat. Sollte erneut ein milder Winter kommen, dürfte auch US Gas wieder zurück fallen und Kohle gleich hinterher, denn das prinzipielle Problem der Überkapazitäten wurde zwar verringert, ist aber nicht verschwunden.

Insofern sollte man den Sektor in meinen Augen intensiv beobachten und er bietet nun vielleicht auch ein paar spannende Long-Trades mit erheblichem Potential. Für Entwarnung ist aber (noch) kein Anlass und wenn man in dem Sektor unterwegs ist, dann nur eng abgesichert.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg !

Ihr Hari

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US Kohlesektor – 02.07.12 – Monatelanger Abwärtstrend bald durchbrochen ?

17:00 Uhr

Wir haben hier in der Vergangenheit oft über das Elend des US Kohlesektors gesprochen. Ich habe schon viel erlebt, aber einen derart verprügelten Sektor habe ich selten gesehen. Und mehrfach in den letzten Wochen konnte man meinen, dass eine Wende nahe ist und jedesmal ging es doch weiter runter.

Nun schauen Sie aber auf zwei Charts als Beispiele für den Sektor. Beide signalisieren, dass der Abwärtstrend nun vielleicht bald gebrochen sein könnte. Ich betone dabei aber den Konjunktiv, noch ist es nicht endgültig bestätigt. Ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse. Ein bischen eigenes Research kann auch nicht schaden, wenn Sie sich für den Sektor interessieren. Und Ihre Erkenntnisse hier mit den Lesern zu teilen, wäre dann besonders lobenswert. 😉

Arch Coal (WKN 908011) im Tageschart.

Peabody Energy (WKN 675266) im Stundenchart.

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Hari´s Märkte am Abend – 22.05.12 – Wende oder Bullenfalle ?

22 Uhr - Handelsschluss

Mit dem heutigen Tag wurde im DAX der kurzfristige Abwärtstrend gebrochen und zwar egal, wie man die Trendlinie zieht. Sehen Sie hier auf dem Stundenchart:

Ein Bruch der Trendlinie bedeutet aber keineswegs, dass es nun einfach weiter nach oben geht. Man muss das wie eine Tür sehen, die nun geöffnet wurde, unser Blick kann sich nun auch wieder nach oben richten. Das ist schon einmal eine wesentliche Veränderung gegenüber der Lage in der letzten Woche. Aber ob Mr. Market wirklich durch diese offene Tür geht, ist keineswegs sicher !

Positiv war heute sicherlich, dass auch die schwer verprügelten Werte wie Klöckner (WKN KC0100) ansprangen, 5% Plus haben wir bei dem Titel schon lange nicht mehr gesehen. Ähnliches galt heute auch für eine ST Microelectronics (WKN 893438), die mit 8% haussierte. Auch bei einer Reihe weiterer Werte, die in den letzten Wochen besonders abverkauft wurden, sahen wir heute einen gewissen Nachholeffekt. Positiv ist sicher auch, dass der DAX zum Schlusskurs die 6400 zurück erobern konnte.

Trotzdem bleibe ich in Summe vorsichtig und dem Bounce skeptisch gegenüber eingestellt. Denn nichts von dem was wir in den letzten beiden Tagen gesehen haben, ging über eine technisch fast zwingende Gegenbewegung hinaus. Und wenn man sich anschaut, wie stark bestimmte Aktien in der letzten Woche verloren haben, ist die Gegenbewegung keineswegs von besonders Stärke und Überzeugung geprägt. Die Schwäche im späten Handel der Wallstreet war heute auch kein besonders gutes Zeichen.

So weit ich das einschätzen kann, wird dieser Bounce bisher aus überdehnter Markttechnik und der Hoffnung auf den EU Sondergipfel gespeist. Die überdehnte Markttechnik ist aber mit dem heutigen Tag als Katalysator schon wieder teilweise abgebaut. Bleibt die Hoffnung auf den EU Sondergipfel und da hat der Markt nun schon etwas an positiver Erwartung eingepreist, was Raum für Enttäuschungen bietet. Insofern kommt der wirklich Test erst morgen bzw am Donnerstag, je nachdem wie lange der Gipfel dauert und ob belastbare Ergebnisse schon morgen während der Handelszeit durchsickern.

Wir sind also mal wieder in der Hand der Politik und darauf zu wetten ist ein Lotteriespiel ohne Edge für uns - ein Spiel an dem ich deshalb nur ungern teilnehme. Ich habe daher meine Aufstellung bisher nicht geändert und bleibe im Imvestmentdepot weitgehend aus dem Markt mit nur geringem Long-Exposure. Den Bounce heute habe ich primär kurzfristig im Handelssystem gespielt. Sollte mich Morgen eine gewaltige Rally überraschen, habe ich halt Pech gehabt und verpasse diese teilweise, weil ich erst verspätet aufspringe. Das ist mir aber das geringere Risiko, als mich zu früh in eine potentielle Bullenfalle einzukaufen und mit frischen Long-Positionen wie ein Mühlstein um den Hals wieder unter Wasser gedrückt zu werden.

Wenn man mich zwingen würde mich heute für eine Seite zu entscheiden, hätte ich eine leichte Präferenz zur Aussage, dass wir am Freitag wieder tiefer stehen als heute. Glücklicherweise muss ich diese Entscheidung aber nicht treffen, zumal meine Präferenz für die Short-Seite auch nur gering ist, sozusagen 55:45. Warten wir also einfach ergeben ab, was beim EU-Sondergipfel passiert.

Bei den US Kohleaktien gibt es nun wirklich jeden Tag massive Bewegungen. War eine Arch Coal (WKN 908011) gestern noch 7% im Plus, ging es heute wieder um einen ähnlichen Betrag nach unten. Auslöser war dabei wohl Patriot Coal (WKN A0M5QB), die heute mit über 30% wie ein Stein fielen ! Ich kenne die Ursache nicht und kann nur Vermutungen anstellen. Für mich sieht das aber so aus, als ob bei Patriot Coal nun eine mögliche Pleite eingepreist wird. Patriot ist einfach nicht gross genug und hat wohl nicht genügend finanzielle Muskelkraft, um diese historisch niedrigen Kohlepreise lange durchzustehen. Als Folge wurden natürlich alle Aktien des Sektors mitgerissen.

So verrückt sich das anhört, bei so einem brutalen Schweinezyklus wie derzeit bei US Kohle gehören Pleiten aber einfach dazu und sind für den Markt positiv zu werten. Denn so würde Angebot vom Markt genommen und das Spielfeld bereinigt. Grosse, finanzstarke Konzerne dürften von den Pleiten der aggressiven Kleinen also eher profitieren. Wie Sie wissen bin ich im Sektor nur bei Arch Coal und Peabody Energy (WKN 675266) mit jeweils kleinen Basispositionen im Markt. In beiden Fällen mache ich mir um die finanzielle Überlebensfähigkeit aktuell keine Sorgen. Einen Anlass meine Positionen aufzustocken sehe ich aber noch nicht, auch wenn das Hin- und Her eher für eine volatile Bodenbildung spricht, möchte ich erst den Beginn eines nachhaltigen Aufwärtstrends sehen, bevor ich mich im Sektor weiter exponiere.

Und einen historischen Moment gibt es heute zu berichten, der an der deutschen Presse mal wieder weitgehend vorbei geht:

SpaceX hat heute den ersten kommerziellen Flug in der Geschichte der Raumfahrt zur International Space Station (ISS) erfolgreich gestartet. Lesen Sie !

Mein Glückwunsch gilt Elon Musk ! Ja genau, genau der Elon Musk, der auch CEO von Tesla Motors (WKN A1CX3T) ist und sicher zu den mutigsten Entrepreneuren dieses Planeten gehört. Während ich mich hier mühe meine Familie und mein Trading mit dem Blog in Einklang zu bringen, führt er "mal eben" SpaceX und Tesla in wahrlich historische Umbrüche. Chapeau ! Nebenbei bemerkt war Tesla Motors heute 7% im Plus. Das könnte durchaus mit dem Flug von SpaceX zu tun haben, weil es erneut zeigt, dass Elon Musk kein Spinner ist, sondern sehr genau weiss was er tut. Und wenn er auch bei Tesla den Launch (hier des Model S) sauber hinbekommt, könnte der Kurs bald höher stehen.

Übrigens, gerade weil die deutsche Presse schläft, das Thema der kommerziellen Raumfahrt ist auch aus Börsensicht hoch spannend. Da ist im Stillen eine wirklich Revolution im Gange, an der nicht nur ein Elon Musk, sondern auch Jeff Bezos (Amazon) mit Blue Origin, Robert Bigelow (Hotel Milliardär) mit Bigelow Aerospace, Richard Branson (Virgin) mit Virgin Galactic oder Larry Page und Eric Schmidt (Google) mit Planetary Resources mitwirken. Eine Revolution die das Potential hat die Welt in den nächsten Jahrzehnten zu verändern. Alle diese bekannten Unternehmer haben teilweise schon gewaltige Summen in ihre Firmen investiert und wer meint, dass diese Leute es nicht verstehen würden wie man profitable Geschäfte aufbaut, der sollte lieber mal seine Brille putzen und seine Arroganz herunter schlucken.

Ich werde das zum Anlass nehmen, demnächst ein ausführliches "Special" zu diesem spannenden Thema zu verfassen. Denn dieses Thema an der Börse zu verpassen, wäre in meinen Augen ein grosser Fehler. Alles was ich für dieses "Special" brauche ist Zeit und Ruhe, ein Gut das mir in den letzten Wochen fehlte. Vielleicht schaffe ich es in einem Kurzurlaub Ende Juni.

Manchmal bedauere ich sehr, dass uns Deutschen - die wir mit Namen wie Oberth oder von Braun die wahren Väter der Raumfahrt sind - der Mut zur historischen Tat seit dem Einschnitt des zweiten Weltkriegs irgendwie aus der Volksseele heraus operiert wurde. Unsere Milliardäre verstecken (bis auf löbliche Ausnahmen wie Plattner/Hopp) ihr Vermögen. Amerikanische Milliardäre investieren es dagegen in derartige Projekte oder spenden es ala Gates oder Buffet. Da muss ich nicht lange überlegen, wo meine Sympathien liegen.

Etwas Verständnis habe ich für die deutschen Milliardäre aber schon, denn würden einige namhafte Personen so ein Projekt starten, wären ihnen Neid und Spott sicher und das Feuilleton würde in Empörung über diese "Geldverschwendung" überquellen. Wahrscheinlich verstehen die deutschen Milliardäre das instinktiv und halten daher lieber die Füsse still. Und wie negativ Deutschland auf Warren Buffet reagierte, der mehr als 90% seines Vermögens der Gates Foundation zur Verfügung stellte, war vielen wohl auch eine eindrückliche Lehre. In der Logik des deutschen Mainstreams ist Hilfe die von einer privaten Gates-Foundation ausgeht perse schlecht, weil das sind ja nur "Almosen" aus den Händen eines "bösen Kapitalisten". Das gleich Geld aber gnädig vom Amtsvorsteher verteilt, ist dann aber "sozial" und "gerecht". Sehr merkwürdig und vielsagend das alles.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 21.05.12 – Kurzbericht

22 Uhr - Handelsschluss

Heute nur ein Kurzbericht, weil ich durch technische Probleme kaum zum geordneten Arbeiten gekommen bin.

(1) Das war heute ein typischer technischer Bounce, unterstützt von unspezifischer Hoffnung, dass beim EU Sondergipfel am Mittwoch etwas Positives heraus kommt.

(2) Wir haben den Abwärtstrend mit der heutigen Bewegung aber (noch) nicht gebrochen ! Insofern gibt es keinerlei Grund den heutigen Tag überzubewerten. Der Abwärtstrend ist (noch) intakt.

(3) Ehrlich gesagt tue ich mich schwer mir vorzustellen, was da am Mittwoch Positives heraus kommen soll. Ich denke der Termin dient vor allem dazu die politischen Kräfte in der neuen Konstellation mit Hollande zu testen. Wirklich durchgreifende Ergebnisse erscheinen mir bei so einem Setup unmöglich, ausser unsere Regierung knickt völlig ein und stimmt in den allgemeinen Chor ein, der nach ein paar Monaten fasten, gleich schon wieder zur fiskalischen Völlerei wechseln will.

(4) Trotzdem hat der Markt nun wirklich Potential für einen ausgedehnten Bounce, die heutige massive Stärke bei Apple (WKN 865985) mit 5% Plus sehe ich als positives Signal. Insofern könnte es morgen noch mal einen guten Tag geben und wir müssen uns dann im morgigen späten Handel die entscheidende Frage stellen, ob diese Stärke in den EU Gipfel hinein wieder zu verkaufen ist, oder ob sich doch eine Wende abzeichnet.

(5) Ein sehr typischer Ablauf wäre, wenn der Markt nach einem mehrtägigen Bounce wieder abkippt und dann in einem richtigen Selloff neue Tiefststände auslotet. Dieser Panik-Selloff fehlt nämlich noch. Idealerweise drehen aber die Oszillatoren bei diesem finalen Selloff schon wieder hoch, bilden eine Divergenz aus und die Marktbreite beim Absturz nimmt ab. Würde es so kommen, wäre es dann ein idealtypisches Setup für eine Wende. Eine echte Wende zum jetzigen Zeitpunkt wäre dagegen eher ungewöhnlich. Aber ungewöhnlich heisst nicht unmöglich, wir befinden uns als lebende Versuchskaninchen mitten in einem geschichtlich einmaligen Experment, da muss man mit historischen Vergleichen vorsichtig sein.

(6) Die Goldminen haben heute eindrucksvoll bestätigt, dass hier eine bedeutende Wende im Gange zu sein scheint. Über 3% Plus im GDX, während Gold um die Nulllinie schwankt, sind eine klare Ansage ! Um nach oben freie Fahrt zu bekommen, sollte der GDX noch die 44 USD erobern, dann ist die Wende wohl endgültig vollendet. Wer in der aktuellen Lage nach einem attraktiven Long-Setup sucht, bekommt hier vielleicht eines auf dem Gold- und Silber-Tablet präsentiert.

(7) Auch der US Kohlesektor ist heute deutlich im Plus. Arch Coal (WKN 908011) mit 7%. Derartige Tage häufen sich in letzter Zeit und ich wiederhole was ich schon vor Wochen sagte, die Tage des permanenten Absturzes sind scheinbar vorbei, der Sektor ist für mich nun höchst spannend. Aber von einem steilen Anstieg sind wir wohl noch entfernt, es dürfte volatil weiter gehen.

(8) Facebook (WKN A1JWVX) verliert heute ca. 11% und rutscht deutlich unter den Emissionspreis. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich mir ein hämisches Grinsen nicht verkneifen konnte. Der Wunsch der Altaktionäre hier beim Börsengang einfach abzusahnen, war wirklich zu offensichtlich.

Mir ist der Hype um Facebook persönlich sowieso ein Rätsel. Und damit meine ich nicht die Sicht der Börse, wenn mir Millionen Menschen freiwillig ihre Geheimnisse anvertrauen würden, wäre ich auch euphorisch ob der wirtschaftlichen Verwertbarkeit. Ein Rätsel sind mir vielmehr die Menschen die Zuckerbergs Reichtum erst ermöglichen. Denn das sind oft die gleichen Menschen, die bei der Vorratsdatenspeicherung den Orwellschen Überwachungsstaat an die Wand malen, aber scheinbar kein Problem damit haben, einem "Bubi mit Sendungsbewusstsein" namens Zuckerberg, ihre Freunde, Einkaufsgewohnheiten, sexuellen Vorlieben, privaten Verhältnisse etc. etc. anzuvertrauen.

Und das obwohl ja offensichtlich ist, dass das ganze Geschäftsmodell das die Börse mit fast 100 Milliarden USD bewertet, in meinen Augen ausschliesslich darauf beruht, diese sehr privaten Informationen der Menschen zu Geld zu machen. Und zwar vor allem durch Datamining, mit dem Firmen und anderen Interessenten die höchst privaten Lebens-Profile der Facebook-Jünger zur wirtschaftlichen oder sonstigen Verwertung verkauft werden, natürlich nach datentechnischer Aufbereitung und "Veredelung".

Während man mit der Speicherung einer IP Adresse, deren Zweck die Verbrechensbekämpfung ist, ein Problem hat, lässt man sich dann aber mit im wahrsten Sinne des Wortes "heruntergelassenen Hosen" des gesamten eigenen Lebens offen auf beliebigen Servern der Welt speichern. Mir wird das ein ewiges Rätsel bleiben. Und wenn man wirklich soviel Angst vor dem "bösen" Staat in Sachen Vorratsdatenspeicherung hat, warum kommt dann keiner auf die Idee, dass CIA, NSA etc selbstverständlich auch Facebook nutzen und im Sinne des Patriot Act auch vermutlich Direktzugang auf die Server haben ? Alles sehr merkwürdig für mich.

Insofern kann ich zum heutigen Absturz der Facebook Aktie nur sagen: LIKE 😉

Am Ende muss ich wohl akzeptieren, dass ich mit meinem Staatsverständnis scheinbar eine Minderheit bin. Denn in meiner Welt sollte sich der Staat bitte aus meinem normalen Leben heraus halten und aufhören mich an allen möglichen sinnlosen Stellen durch Vorschriften, Gesetze und Verordnungen zu gängeln, wo es nicht notwendig ist. Auf der anderen Seite muss der Staat aber unbedingt in seinen Kernaufgaben stark sein. Und dazu gehört nicht nur Verteidigung, sondern unter anderem auch der ordnungspolitische Rahmen und die Erhaltung der öffentlichen Ordnung - sprich unter anderem Verbrechensbekämpfung. In breiten Schichten der Bevölkerung scheint es genau umgekehrt zu sein. Gegen allgemeine Gängelei wie man sein Leben zu führen hat, hat man nichts einzuwenden, bitte mehr davon wenn es politisch korrekt verpackt wird. Aber wehe der Staat zeigt in seinen Kernaufgaben mal klare Kante. Dann steht Orwell gleich vor der Tür. Für mich eine verkehrte Welt .....

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 08.05.12 – Autsch !

22 Uhr - Handelsschluss

Autsch ! Für den heutigen Tag gibt es kein anderes Wort. Und ich wurde von diesem massiven Absturz auch völlig auf dem falschen Fuss erwischt.

Das war auch wirklich eine richtig fiese Nummer von Mr. Market. Gestern, als die Nachrichten rund um Frankreich und Griechenland herein kamen, zeigte Mr. Market deutliche Stärke und lief ganz ruhig und eindrucksvoll gelassen wieder hoch und schloss auf Null oder leicht im Grün.

Und heute, an einem Tag an dem vieles für einen ruhigen und leicht positiven Tag sprach, wird "aus dem Nichts" massiv abverkauft. Ich weiss aus den Berichten vieler Trader und Blogger die ich in den US verfolge, dass viele heute auf dem falschen Fuss erwischt wurden. Aber der Spruch "geteiltes Leid ist halbes Leid" mag emotional richtig sein, im Depot hat er keine Wirkung, Verlust ist Verlust.

Der Tag begann schon so merkwürdig mit der Xetra-Panne, die über eine Stunde andauerte und es war deswegen für mich schwierig, die frühe Schwäche einzuordnen. Denn es war unklar, wie sich der Xetra-Aussetzer auf die gestellten und errechneten DAX Kurse auswirken würde. Als aber die Amerikaner ins Spiel kamen, gab es zunächst nur noch eine Richtung: nach unten, bis 1350 im S&P500.

Wenn es überhaupt so etwas wie einen Auslöser gab, dann könnte es die Tatsache sein, dass in Griechenland schon nach 24 Stunden der Versuch gescheitert ist, eine halbwegs stabile Regierung zu bilden. Nun hat ein Mann den Auftrag zur Regierungsbildung, der scheinbar meint, dass alle Verträge, die Griechenland mit den Geldgebern geschlossen habe, nach dem Ergebnis der Parlamentswahl null und nichtig seien und auch ansonsten heftig gegen Deutschland "schiesst".

Ich hoffe inständig, dass Europa hier nun Härte zeigt, alle Hähne zudreht und damit dafür sorgt, dass dieser "Failed State" endlich aus dem Euro verschwindet und am besten aus der EU gleich mit dazu. Unser gerade noch reingepumptes Steuergeld ist so oder so weg, genau so wie es viele, mich eingeschlossen, schon seit Monaten vorhergesagt haben. Die Frage ist in meinen Augen nur noch, ob wir uns davon noch länger erpressen lassen wollen. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte dazu nach Presseberichten in Berlin: "Wir sind solidarisch, aber nicht doof." Hoffen wir mal, dass man sich wenigstens darauf verlassen kann. 😉

Aber in Anbetracht eines fallenden Goldpreises und eines halbwegs stabilen Euros, ist auch die Griechenland-Theorie für den heutigen Absturz für mich nicht vollständig überzeugend. Ich habe einfach keine vernünftige Erklärung, auch das kommt vor. Zwar selten, aber es kommt vor.

Der angerichtete technische Schaden in den US Indizes ist beträchtlich. Wir sitzen zum Beispiel im breiten Russel 2000 Index (RUT) exakt an der Nackenlinie einer gewaltigen Schulter-Kopf-Schulter Top Formation, deren Ziel nach unten uns allen Magenschmerzen bereiten würde.


Source:

Auch im DAX sind wir der 6400er Marke wieder bedrohlich nahe gekommen und es wäre gut, wenn diese halten würde, um mein Szenario der volatilen Seitwärtsbewegung in der 6400-7100er Range am Leben zu halten. Insofern haben wir nun wieder so einen Punkt erreicht, an dem die Bullen nun aufstehen müssen oder sterben: DO or DIE !

Denn wir sind nun massiv überverkauft und wenn nun im weiteren Verlauf der Woche keine Gegenbewegung kommt, dann ist das ein ganz schlechtes Zeichen und dann haben wir in den US Indizes wohl noch jede Menge Fallhöhe und sind im DAX schneller wieder unter 6200, als wir alle hoffen. Im heutigen späten Handel gab es dann eine deutliche Gegenbewegung, die den S&P500 wieder über 1360 und den DAX über 6500 hob. Ob das nur eine technische Reaktion auf den überverkauften Markt oder mehr ist, wird aber erst der morgige Tag zeigen.

Ich habe in den Jahren gelernt, wenn so etwas wie heute passiert und der Markt partout nicht machen will, was man erwartet, dann sollte man nicht hektisch, sondern ganz ruhig werden und eher weniger als mehr machen. Denn wenn man temporär kein Gefühl für den Markt mehr hat, ist nichts zu tun oft besser, als hektisch und vielleicht sogar emotional angeschlagen, den Bewegungen hinterher zu rennen.

Glücklicherweise war ich ja schon recht defensiv eingestellt und konnte daher heute die Hände weitgehend im Schoss falten. Nur die gestern neu eröffneten Long-Positionen habe ich heute alle mit kleinen Verlusten wieder abgestossen. Aber bei aller Defensive, war es trotzdem nicht schön zu sehen, was der Tag im Depot machte.

Auch Gold (XAUUSD) ist heute übrigens durch die 1610 USD nach unten durchgefallen und hat sogar kurz unter 1600 geschaut. Ich habe trotzdem noch nicht verkauft, ich warte Morgen noch die Bestätigung ab, denn ich habe schon zu oft solche Fallen erlebt, bei denen wichtige Marken für einen Tag geknackt werden, nur um dann doch zu drehen. In dem Zusammenhang finden Sie einen wichtigen Artikel zum Thema. Das Gold im späten Handel wieder Richtung 1610 kroch, macht das Szenario einer Bärenfalle durchaus vorstellbar.

Sollte aber Morgen die Bestätigung kommen und wir bei Gold unter 1600 USD absacken, werde ich aber alle Positionen im Edelmetallumfeld verkaufen, viele mit Verlust. Es würde mir schwer fallen, weil ich viele der Gold- und Silber-Minen für völlig überverkauft und unterbewertet halte, aber man muss trotzdem sein Risikomanagement konsequent durchziehen. Denn wenn man es nicht tut und nur auf Hoffnung setzt, steht man in Gefahr ein erneutes Desaster wie bei Arch Coal (WKN 908011) zu erleben, die heute weiter ungespitzt in den Boden gerammt wurde.

Aussagen zu einzelnen Titeln spare ich mir heute, an einem solchen Tag macht das wenig Sinn, da wird sowieso alles nur verkauft, frei nach dem Motto: "Sell now, think later". Morgen kommen übrigens die Quartals-Zahlen von Klöckner (WKN KC0100). Ich bin hoch gespannt, was Gisbert Rühl zum Ausblick sagen wird und diese paar Sätze werden den Kurs mit Sicherheit weit mehr bewegen, als das Zahlenwerk des vergangenen Quartals.

Es sind überraschende und schwierige Tage wie heute, an denen sich die Spreu vom Weizen trennt. Und zwar nicht weil man mal falsch liegt, das passiert jedem, sondern wie man damit umgeht. Man sollte ruhig und seiner Linie treu bleiben. Man sollte sich nicht von dem Gerede drum herum beeinflussen lassen, sondern sich alleine nach den Preisen richten, die Mr. Market aufruft. Wenn diese Preise sagen es geht weiter nach unten, dann darf Hoffnung keinen Platz im Depot haben, egal wie "billig" man bestimmte Aktien findet !

In diesem Sinne warte ich nun ab, was der morgige Tag bringt. Weitere Schwäche in den US Indizes im Rest der Woche, würde nun Szenarien in den Bereich von Wahrscheinlichkeit bringen, die wir uns noch vor einem Monat alle nicht mehr vorstellen konnten und eigentlich auch nicht mehr vorstellen wollen. Rein von den Wahrscheinlichkeiten der Markttechnik her, spricht Morgen sehr viel für eine positive Gegenbewegung. Kommt diese trotzdem nicht, werden bei mir alle Alarmlampen angehen !

Zum Abschluss habe ich noch etwas für Sie zum Aufzuheitern, man nennt das Galgenhumor. Denn bei allem Schmerz tut es doch gut die Perspektive zu behalten und zu schauen, wie viel schlimmer es hätte kommen können. Ich hoffe keiner der Leser ist Aktionär der hoch gehypten Fashion-Accessoire-Marke Fossil (WKN 886238). Schauen Sie einfach auf den Chart nach einer Gewinnwarnung, dann fühlen Sie sich in Anbetracht der wenigen Prozent Minus gleich besser, selbst Arch Coal verblasst gegen ein Tagesminus von 36%. 😉


Source:

Ich wünsche Ihnen (trotzdem) einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 02.05.12 – Achterbahnfahrt im DAX

22 Uhr - Handelsschluss

Wie gestern vorhergesagt, stieg der DAX im frühen Handel bis auf fast 6900 (6877), bevor dann Gewinnmitnahmen aus Vorsicht vor den 14.15 Uhr Arbeitsmarktdaten aus den USA einsetzten. Diese Vorsicht war auch gerechtfertig, denn ein überraschend schlechter Wert bei den "ADP non-farm Arbeitsplätzen" liess die Märkte in Folge abstürzen. Für den DAX war das eine Intraday-Bewegung von ca. 200 Punkten, eine echte Achterbahnfahrt also.

Positiv ist aber zu sehen, dass technische Marken im S&P500 knapp unter 1400 gehalten haben und der Markt sich im späteren Handel stabilisierte und mit nur wenig Minus zum Vortag bei 1402 schloss. Damit dürfte die Erwartung an den grossen Arbeitsmarktbericht am Freitag nun deutlich gedrückt sein, was Chancen für eine positive Überraschung bietet, denn der ADP ist sehr volatil und hat schon früher Fehlsignale gegeben, auch wenn er die letzten Monate recht zuverlässig war.

Und es zeigt erneut, wie stabil der amerikanische Markt ist. Erinnern wir uns, der S&P500 bewegte sich heute von 1407 bis 1393, oder exakt 1 Prozent Intraday. Der DAX dagegen von 6870 bis 6660, oder über 3% Intraday ! Einem konservativen Anleger kann man den DAX also im Moment nicht empfehlen, das ist mehr etwas für Trader. Grund ist nach meiner Ansicht erneut, dass der DAX von amerikanischen institutionellen Anlegern dominiert wird. Und die kaufen bei "Risk ON" den DAX und verkaufen ihn sofort wieder bei "Risk OFF". Ihre eigenen Blue-Chips lassen sie aber stabil als Anker im Depot. Das ist halt der Preis, wenn man keine Aktienkultur hat, unsere "deutschen" Unternehmen gehören der halben Welt, aber fast keinen Deutschen.

Ein weiterer kurzfristig positiv zu wertender Faktor flatterte mir heute auf den Schreibtisch. Denn heute hat mein "Focus-Money-Indikator" angeschlagen ;-), auf dem Titelbild sehe ich eine Euro-Münze in Flammen mit der Headline: "Bricht nach dem 6. Mai der Euro zusammen ?"

Sie erinnern sich, dass ich gestern ankündigte, zum kommenden Wahlwochenende etwas Risiko heraus zu nehmen ? Das habe ich heute vormittag teilweise schon gemacht und werde ich auch weiter so machen, allerdings nach dem heutigen schwachen Tag nicht mehr so aggressiv wie noch gestern angedacht, denn nun sinkt für mich die Wahrscheinlichkeit eines Absturzes nach den Wahlen in Frankreich. Denn mit solchen Berichten ist die Wahl in Frankreich nun auch bei der breiten Anlegerschar angekommen und was alle schon erwarten, hat bekanntlich nicht mehr die Kraft, den Markt signifikant in Bewegung zu setzen. Ich denke ein Sieg Hollandes wird allgemein erwartet und sollte daher direkt nach der Wahl nicht mehr zu stark negativen Bewegungen führen.

Das wirkliche Marktrisiko liegt wohl dann in den Wochen danach. Denn der Konsens bei den Marktprofis scheint zu sein, dass Hollandes aggressive Äusserungen im Stil der 70/80er Jahre Politik nur Wahlkampf-Getöse ist und er nach der Wahl schnell zu einer sachlichen Politik findet. Sollte aber diese Erwartung enttäuscht werden, dürfte das zu erheblicher Unruhe am Markt führen. Und ich rechne nicht damit, dass Hollande so schnell einschwenkt, dafür hat er sich vor der Wahl zu sehr aus dem Fenster gelehnt.

Erst muss es also wieder schlechter werden und der Druck steigen, bevor es temporär besser werden kann. Auch der letzte sozialistische Präsident Mitterand hatte zunächst versucht seine Wahlversprechen und Blütenträume umzusetzen, bevor ihn dann eine massive Wirtschafts- und Währungskrise in eine solidere, bürgerliche Politik zwang. Insofern gehe ich weiter von unruhigem Fahrwasser für den Euro nach der Wahl in Frankreich aus, aber nicht mehr direkt nach der Wahl, sondern in den Wochen danach.

In besagtem Focus-Money ist übrigens auch ein Interview mit dem ebenso klugen, wie von mir geschätzten Bert Flossbach. Sein Tenor zum Euro ist: "Es bleiben nur 6 bis 7 Länder übrig". Das deckt sich mit meiner mittelfristigen Erwartung, die ich hier unter der Überschrift -> "Europa zerfällt" <- dargestellt hatte. Allerdings werden wir bis dahin wohl noch diverse "Rettungen" und "Wirrungen" erleben, unterbrochen von wiederholten Phasen der vermeintlichen Beruhigung. Ich würde mir für Europa so gerne eine andere Perspektive wünschen, ich sehe sie aber zu meinem grossen Bedauern nicht, zumindest nicht in einem überschaubaren Horizont und nicht mit den handelnden Politikern.

Mein sehr kurzfristiger Markt-Ausblick auf die kommenden Tage, ist mit der heutigen Schwäche also positiver geworden, der mittelfristige Ausblick bis Juni bleibt aber unverändert von "April-Kapriolen" beeinflusst. Die definierte volatile Range 6400-7100 ist also weiter im Spiel. Und weiter werde ich in dieser Range Stärke verkaufen und Schwäche kaufen.

Aixtron (WKN A0WMPJ) hat heute in Folge der guten Zahlen von Veeco Instruments (WKN 896007) das erwartete Feuerwerk bis zu einem Kurs von 14,8€ abgebrannt, bevor dann die Marktschwäche in Folge der Arbeitsmarktdaten den Kurs wieder bis auf 13,4€ drückte. Das ist eine Intraday- Bewegung von mehr als 8% und wirklich nicht von schlechten Eltern ! Im Handelssystem habe ich nun einen kurzen Long-Trade bei 13,5€ (mit Stop 13,3) gewagt, der aber in keiner Beziehung zu meiner fundamentalen Sicht auf Aixtron steht, sondern nur der Markttechnik geschuldet ist und den ich schon Morgen (hoffentlich mit Gewinn) wieder auflösen werde.

Was derzeit rund um Chesapeake Energy (WKN 885725) und den CEO Aubrey McClendon passiert, kann man in meinen Augen nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. Sie erinnern sich, gestern war Chesapeake 10% gestiegen, weil Reuters meldete, dass der CEO abgelöst wird. Heute wird dann Aubrey McClendon mit den Worten zitiert, dass viele Berichte der letzten Tage "Missinformationen" seinen. Lesen und staunen Sie im Wall Street Journal.

Sein Rücktritt scheint also mit diesem Satz nicht gemeint zu sein, bei dem bleibt es wohl. Aber derartige unpräzise Sätze sind in der aktuellen Lage schlimm genug. Mr. Market wendet sich in Abscheu ab und "schlachtet" Chesapeake heute mit einem Minus von 14%, was das ganze Segment mitzieht. Das erste Drittel des heutigen Absturzes ist sicher Folge der schlechten Zahlen, die Chesapeake gestern bekannt gab, das zweite Drittel weil Natural Gas heute im Preis wieder deutlich nachgab und das letzte Drittel darf man wohl diesem Kommunikations-Chaos zurechnen.

Chesapeake hat sich damit für mich erst einmal aus der Reihe der ernst zu nehmenden Aktien verabschiedet und ich werde bis auf weiteres an der Seitenlinie bleiben. Sollte wieder Klarheit herrschen, schliesse ich aber einen Wiedereinstieg nicht aus, denn Chesapeake ist für mich *der* Pureplay im Boom-Markt "Shale-Gas". Das Thema hat so grosse Bedeutung, weil es für die USA ein echter "Game-Changer" ist und wir im Ergebnis vielleicht in 10 Jahren eine nahezu "energie-autonome" USA erleben werden, die ihre Abhängigkeit vom Öl aus dem Nahen Osten damit drastisch verringert. Sollte das so kommen, dürfte das auch erhebliche Auswirkungen auf die Weltpolitik haben, ganz abgesehen davon, dass dauerhaft billige Energie für die Industrie in den USA ein erheblicher, positiver Treibsatz sein dürfte !

Devon Energy (WKN 925345) hat heute übrigens sehr durchwachsene Zahlen geliefert und bewegt sich mit gutem Umsatz, aber fallendem Gewinn (wegen des US Gas Preises) etwas unter den Erwartungen. Das deutliche Minus heute dürfte aber zum Teil auch auf die Kosten von Chesapeake gehen.

In diesem Zusammenhang auch ein Wort zu Arch Coal (WKN 908011), die gestern aus den bekannten Gründen (Preis US Kohle am Boden) sehr schlechte Zahlen und einen schlechten Ausblick lieferten. Arch hat nun eine Reihe von Aktivitäten still gelegt, laut CFO John Drexler weil "(we) don't plan to push tons into an already oversupplied market". Ich muss gestehen, dass Schlachtfest bei Arch Coal lässt selbst hartgesottene Marktteilnehmer wie mich staunend zurück. Bei Arch Coal bin ich ja noch mit einer kleinen Basisposition Long und verkaufe da nun auch nicht mehr. Hier heisst es nun geduldig abwarten, bis der Kurs wirklich gedreht hat. Verluste aussitzen ist wirklich nicht mein Stil und kann ich auch ausdrücklich niemandem dazu raten - hier habe ich aber bewusst eine Ausnahme gemacht, zumal mein Exposure nur gering ist. Im Nachhinein war aber auch diese eine Ausnahme eine zuviel.

Bei Peabody Energy (WKN 675266) bin ich ja, wie -> hier <- am 12.04. kommuniziert auch mit einer kleinen Startposition Long und fühle mich dabei nach wie vor wohl, die Position ist auch seitdem ca. 10% im Plus. Meine Meinung, dass der Kohlesektor dabei ist seinen Charakter zu ändern und die Zeit des ungebremst Absturzes scheinbar ausläuft, ist unverändert - auch wenn das nach einem Tag wie heute und einer Arch Coal mit 8% Minus wirklich nicht so aussieht.

Übrigens, falls Sie sich fragen warum Repsol (WKN 876845) heute weiter abstürzt, obwohl das Thema YPF nun wohl voll im Kurs verarbeitet ist und die Annahme im Parlament nun wirklich keinen mehr überraschen sollte - der Grund dürfte nach meiner Vermutung sein, dass der Verstaatlichungswahn in Südamerika weitere Kreise zieht. Lesen Sie über eine neue Verstaatlichung in Bolivien.

Das hat zwar mit Repsol nichts zu tun, betrifft aber erneut einen spanischen Konzern, die in Folge nun alle - durchaus zu Recht - in Sippenhaft genommen werden. Schauen Sie sich im Chart zum Beispiel mal das Desaster bei der Telefonica (WKN 850775) an. Telefonica ist durch Probleme im eigenen Geschäft belastet, dann fordert die Spanien-Krise ihren Tribut und nun sorgt die Angst vor weiteren Verstaatlichungen in Südamerika erneut für fallenden Kurse. So wird aktuell aus etwas Positivem - starken Geschäften in Südamerika weitab von Spanien - ein Risikofaktor für alle spanischen Konzerne die dort aktiv sind. Spanische Aktien sind in einem perfekten Sturm gefangen. Wenn er vorbei ist, bieten sich da sicher grosse Chancen. Aber bis dahin kann es durchaus noch dauern, denken Sie an das fallende Messer !

Man lernt aus dem Thema Telefonica zwei wichtige Regeln:
1) Wenn es schon schlecht kommt, dann aber richtig und alles auf einmal !
2) Die vermeintlich "sicheren" Witwen- und Waisenaktien ala Telefonica sind gar nicht so sicher wie immer behauptet wird. Und Dividende und Buchwert alleine sagen gar nichts ! Ich möchte nicht wissen, wieviele deutsche Anleger Telefonica in den Depots haben und nun kräftig bluten.

Ich bin heute früh durch einen engen Stop bei 14,2€ Plus/Minus Null wieder aus meinem Repsol-Trade raus, den ich vor einer Woche am 24.04.12 wie hier kommuniziert eingegangen bin. War einen Versuch wert und werde ich wohl bald erneut versuchen, sobald sich mir wieder ein lohnendes Setup offenbart. Jetzt muss ich aber erst einmal abwarten, wohin uns diese erneute Schwäche führen wird.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 30.04.12 – Konsolidierung – Nokia, Metro, US Gas

22 Uhr - Handelsschluss

Ein ruhiger Tag an den Börsen geht zu Ende. In Anbetracht der positiven Bewegung der letzten Woche, die viele auf dem falschen Fuss erwischt hatte, ist die heutige, ruhige Konsolidierung positiv zu werten. Wir haben daher gute Chancen, morgen an der Wallstreet einen "first of month jumper" zu erleben.

Insofern wird auch dieser Marktbericht heute etwas kürzer, es ist doch auch einmal schön, wenn es etwas ruhiger zugeht, zumal das herrliche Wetter bei uns in der Nähe der Alpen, heute sowieso nach draussen lockte.

Nokia (WKN 870737) zeigte uns erneut, wie finster es scheinbar um die wirtschaftliche Lage aussieht. Denn nach einem Bericht der will Nokia nun seine Edelmarke Vertu verkaufen, um damit ca. 200 Millionen USD zu erlösen. Dieser Bericht ist seitens Nokia nicht bestätigt, passt aber ins Bild.

Schlimm genug ist es für mich, dass es eine Nokia scheinbar nötig hat, um die vergleichsweise kleine Summe von 200 Millionen USD Liquidität zu kämpfen. Erinnern Sie sich daran, dass Apple einen Quartalsgewinn von 11,6 Milliarden USD hatte, aufs Jahr hochgerechnet, kann man da also mit 40 Milliarden USD Gewinn rechnen !

Aber für mich noch schlimmer, mit Vertu gibt Nokia vielleicht einen der wenigen Bereiche ab, in denen Nokia noch führend war und eine starke Marke hatte. Denn Vertu ist scheinbar ganz gut gelaufen, was ja auch das kolportierte Interesse des Finanzinvestors Permira zeigt. Luxus geht halt immer und andere Luxuskonzerne wie LVMH (WKN 853292) oder Richemont (WKN A0Q9J3) sind an der Börse hoch bewertet und reihen ein Rekordergebnis an das nächste. Die Marke Vertu war also scheinbar durchaus ein Erfolg und aus der etablierten Marke hätte man vielleicht noch mehr machen können, wenn man die Marke nach unten etwas weiter gedehnt und so den Kundenstamm erweitert hätte. Hohe Margen sind in diesem Geschäft auf jeden Fall möglich, wenn man es richtig macht. Und hohe Margen sind ja nun nicht gerade etwas, womit Nokia im Moment in den anderen Segmenten im Überfluss gesegnet scheint.

Ich persönlich würde den möglichen Verkauf von Vertu daher nicht als logischen Schritt werten, sondern als Zeichen der schwierigen Lage und Ausdruck von Schwäche - nun müssen scheinbar auch die wenigen verbleibenden Kronjuwelen raus, um dringend benötigte Liquidität zu generieren. Ein Indiz mehr für mich, von Nokia nun weiten Abstand zu halten.

Metro (WKN 725750) war heute stark, nachdem Meldungen über den Ticker liefen, dass Haniel an der Beteiligung zumindest kurzfristig festhalten soll. Mir erschliesst sich diese Logik ehrlich gesagt nicht so recht, denn unter der Ägide von Haniel hat sich Metro so schlecht entwickelt wie erlebt und neue Gesellschafter würden dem Konzern daher möglicherweise gut tun. Für mich ist die heutige Stärke eher ein Signal, wie ausgebombt der Titel ist, so dass selbst solche Nachrichten für 3% Plus gut sind.

Trotzdem, und trotz der mehrfachen signifikanten Insiderkäufe der letzten Wochen, ist der Zeitpunkt zum Einstieg möglicherweise noch nicht gekommen. Denn noch ist der Metro-Kurs ein "fallendes Messer", in das man tunlichst nicht greifen sollte und ein erreichen der 20€ Marke ist für mich durchaus denkbar.

Allerdings liefert die Metro am 03.05.12 Quartalszahlen - und sollten diese überraschend gut ausfallen, könnte es einen gewaltigen Short-Squeeze geben. Ich persönlich rechne aber eher nicht damit, weil das die ersten Quartalszahlen sind, die alleine vom neuen Management zu verantworten sind. Es ist ganz typisch und durchaus üblich, dass ein neues Management alle Verluste und "Bilanz-Leichen" in die erste Bilanz hinein packt, weil diese noch dem alten Management zugerechnet werden. So entledigt man sich elegant bilanzieller Risiken und schafft die Grundlage dafür, in den folgenden Quartalen - die einem selber zugerechnet werden - dann eine positive Entwicklung zeigen können.

Insofern gebe ich diesem Szenario bei Metro eine leicht höhere Wahrscheinlichkeit, als dem Short-Squeeze nach den Zahlen. Sollte das so kommen und Metro am 03.05.12 noch einmal deutlich Richtung 20€ abgeben, könnte das dann aber möglicherweise ein guter Zeitpunkt für einen Einstieg sein.

Bei Rheinmetall (WKN 703000) gab es heute unbestätigte Berichte, nach denen der Börsengang des Automobilzulieferers "Kolbenschmidt Pierburg" schon im Juni stattfinden soll. Gleichzeitig gab es heute ein Kursziel 51€ seitens BNP Paribas. Ich bleibe ganz ruhig investiert und bin zuversichtlich, dass ein erfolgreicher Börsengang von Kolbenschmidt Pierburg, dem Kurs der Aktie deutlich nach oben helfen wird.

Das bei Daimler (WKN 710000) im Bereich der Hauptaktionäre etwas in Bewegung ist, wird immer wahrscheinlicher. Heute geisterten durch die Presse, dass Daimler an sogenannten "Giftpillen" arbeitet um eine mögliche feindliche Übernahme abzuwehren. Die Meldung ist erneut unbestätigt, die Summe der Gerüchte und Indizien wie die Call-Optionen der Investmentbanken, legen aber die Vermutung nahe, dass hier mehr als ein Korn Wahrheit an den Gerüchten ist. Ich denke nach wie vor, dass in dieser Thematik mehr Chance als Risiko für den Kurs liegt und warte gespannt ab, was uns in den kommenden Wochen an Nachrichten zum Thema erreichen wird.

Etwas Bemerkenswertes scheint bei US Gas zu passieren. Der Kurs (hier dargestellt am ETF "UNG"), hat eine Abwärts-Trendlinie gebrochen, die aus letztem Herbst stammt und hat gleichzeitig ein ATR Kaufsignal gegeben. Für die, die mit dem Begriff ATR nichts anfangen können, das steht für "Average True Range", ist ein Konzept um die normale Schwankungsbreite eines Titels zu definieren und kann für eine Art von Stops verwendet werden, bei denen die Volatilität der Aktie (die True Range) mit in den Abstand zum Kurs einfliesst. Ein ATR Kaufsignal bedeutet also stark trivialisiert, dass ein Kurs aus seinem bisherigen Verhalten (seiner True Range) nach oben ausgebrochen ist. Das ist ganz typisch für Wendepunkte im Markt. Wenn Sie das Thema "ATR" interessiert, finden Sie ausführliche Erklärungen im Web.

Zurück zum US Gaspreis, den Ausbruch kann man auch Anhand des RSIs nachvollziehen, der nun im Tageschart auf Höhen ist, die wir bei US Gas nicht mehr seit letzten Sommer gesehen haben. Es könnte sich hier möglicherweise um eine bedeutende Trendwende halten. Eine Trendwende die sich heute auch sofort in den Kursen von Chesapeake Energy (WKN 885725), aber auch in den US Kohlewerten wie Peabody Energy (WKN 675266) oder Arch Coal (WKN 908011) gezeigt hat. Wir haben nun also einen weiteren Baustein, der für eine Bodenbildung im Sektor spricht. Ich kann nur wiederholen, dass ich diesen Sektor nun unter intensivster Beobachtung habe, denn das Upside ist gewaltig, wenn der Schweinezyklus endlich drehen sollte ! Die endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen, insofern ist Vorsicht weiter nötig, aber die Markttechnik in diesem Segment bessert sich nach meiner Ansicht nun zunehmend.

Morgen, am Tag der Arbeit, ist in Deutschland und einigen europäischen Ländern Börsenfeiertag. Die Wallstreet arbeitet aber und deswegen auch ich. Morgen Abend kommt dann ein kurzes Marktupdate wie immer gegen 22 Uhr.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari