Hari´s Märkte am Abend – 24.04.12 – Beruhigung, Apple übertrifft erneut.

22.45 Uhr - Handelsschluss, Apple Zahlen

Der heutige Tag brachte eine Beruhigung im DAX, aber nicht mehr. Eine dynamische Gegenbewegung sieht auf jeden Fall anders aus ! In Anbetracht des vorangegangenen Absturzes, ist das eine sehr dürftige Vorstellung der Bullen. Auch die US Märkte waren heute wenig überzeugend. Auch hier Beruhigung, aber nicht mehr.

Rein von der Markttechnik her, habe ich kurzfristig für die nächsten Tage eine leicht bärische Tendenz und rechne eher damit, dass wir noch tiefere Kurse im DAX sehen und mindestens noch die Zone oberhalb 6400 erreichen. Auch vom politischen Umfeld her, ist eine Beruhigung vor den Wahlen in Frankreich und in Griechenland am 06. Mai eher unwahrscheinlich.

Erst danach hat Mr. Market nach meiner Einschätzung wohl die Chance, seinen Frieden mit dem Ergebnis zu machen, was immer bei den Wahlen heraus kommt. Es ist halt einfach eine ganz typische psychologische "Macke" von Mr. Market, das er sich in der Unsicherheit vor wichtigen Ereignissen immer sehr stark sorgt, während er nach der vollendeten Tatsache eher desinteressiert die Schultern zuckt - selbst wenn das Ergebnis nicht so ganz das war, was er erhofft hatte. Mr. Market ist einfach gnadenlos auf die Zukunft fixiert, die Gegenwart und erst recht die Vergangenheit sind für ihn völlig uninteresssant.

Die "Wildcard" im Spiel ist die FED Sitzung, die heute begonnen hat und deren Ergebnisse morgen Abend bekannt werden. Die Erwartung des Marktes an die FED ist verhalten, kaum jemand rechnet wirklich mit wichtigen Neuigkeiten. Insofern könnte ein einzelner Satz der zur Interpretation eines neuen QE Progamms ab Juni einlädt, morgen Abend durchaus ein Überraschungsfeuerwerk zünden und das obige Bild völlig auf den Kopf stellen.

Und eine weitere Karte im Spiel sind die Zahlen von Apple (WKN 865985). Apple hat im 2. Quartal 2012 mit 39,2 Milliarden USD Umsatz und 11,6 Milliarden USD Gewinn die Erwartungen erneut deutlich geschlagen ! Auch die Verkäufe des iPhones lagen weit über den Erwartungen, da China für Apple als Absatzmarkt immer wichtiger wird. Stand 22.45 Uhr ist Apple nachbörslich 7% im Plus. Diese Zahlen sollten dem Markt morgen sicher gut tun und für einen guten Start sorgen. Wie weit das dann über den morgigen Tag hinaus trägt, werden wir sehen. Ich bin seit Freitag Long Apple.

Von diesen zwei potentiell positiven Katalysatoren abgesehen, ist man aber in meinen Augen weiter gut beraten, vorsichtig zu agieren und den Kapitalerhalt zum Hauptziel zu machen. Wie ich schon Ende März schrieb, rechne ich damit, dass fast das ganze 2. Quartal an der Börse ein "Aprilwetter" hat. Das beinhaltet durchaus die Chance auf schöne Gegenbewegungen, aber wir sollten in der grossen Range zwischen 6400 und 7100 im DAX bleiben und darin volatil hin und her schwingen.

Frühestens ab Mai, ich rechne aber eher erst ab Juni in den Sommer hinein, haben wir in meinen Augen vielleicht die Chance, dass der Markt eine langsame, kriechende Bewegung nach oben beginnt, die dann im Herbst Fahrt aufnimmt. Ich habe keine signifikanten "Beweise" für dieses Szenario, nur mein Marktgefühl aus Erfahrung. Aber das lag ja im Januar ebenso wie Ende März gar nicht so falsch.

Repsol (WKN 876845) hat nun möglicherweise nach dem Absturz durch die YPF Verstaatlichung den Punkt erreicht, an dem die negativen Effekte eingepreist sind. Basierend auf dem gewaltigen Abschlag den der Markt nun erzwungen hat, scheint nach meiner Einschätzung der komplette Verlust ohne jede Entschädigung nun im Kurs eskompiert zu sein. Für mich nun Grund hier einzusteigen, weil alles weitere zum Thema YPF das Potential positiver Überraschungen hat. Ich bin seit heute früh Long bei Repsol. Ziel 17,5€ oder 25% Plus gegenüber dem Einstand bei ca. 14€.

ST Microelectronics (WKN 893438) wurde gestern ganz übel und zweistellig verprügelt. Nicht wegen der Zahlen, sondern weil ST Micro im Rahmen seines Joint Ventures mit Ericsson, die defizitäre "Application Processor" Sparte nun ganz übernimmt, statt nur 50% zu halten. Das mochte der Markt gar nicht, weil sich damit der Verlust verdoppelt, der auf die Bücher von ST Micro genommen werden muss. Die Sparte leidet unter der Schwäche der Hauptkunden Nokia und Ericsson als Smartphone Hersteller. Ich habe diese Entwicklung bei den Geschäftsanteilen des Joint Ventures nicht geahnt und wurde wie der Markt davon auch überrascht, denn ich war nach den voran gegangenen Rückgängen schon wieder Long bei ST Micro. Ich sehe aber in der Massnahme keinen Grund meine Sicht auf den Titel zu ändern, denn der Markt reagiert hier auf schon aufgelaufene Verluste, was ST Micro nun unter alleiniger Führung mit der Sparte macht, steht auf einem anderen Blatt. Ich bleibe weiter Long ST Micro. eine kurze Meldung des Handelsblatt zum Thema.

Auffallen sollte auch, dass die US-Kohlewerte rund um Peabody Energy (WKN 675266) auch heute wieder leicht im Plus waren. Ich glaube im Sektor nun eine Veränderung des Kursverhaltens zu erkennen und wer an dem Sektor interessiert ist, sollte nun ganz genau hinschauen ! Noch ist es deutlich zu früh eine Wende auszurufen, aber der Sektor zeigt nicht mehr das Verhalten eines ungebremsten Absturzes.

Gold (XAUUSD) steht vermutlich kurz vor einer grossen, dynamischen Bewegung. Denn Gold steckt mitten in einer immer enger werdenden Kompression, der Kurs bewegt sich kaum noch von 1640 USD weg. Auf eine Kompression folgt aber typischerweise eine Expansion. Denn wenn sich dann eine neue Richtung etabliert, ist das oft mit einer sehr dynamischen Bewegung verbunden.

Nur die Richtung der Expansion ist leider unklar, wäre es anders wäre es ja auch zu einfach. 😉 Um die Situation aus charttechnischer Sicht zu betrachten, empfehle ich allen Interessierten den folgenden Artikel des erfahrenen Traders Peter L. Brandt :

Auch ich kenne die Richtung nicht, ich habe aber eine leicht bullische Tendenz für Gold. Und die beruht darauf, dass zusätzlich zu den Chartmuster die in dem obigen Artikel ausgeführt werden, das Sentiment bei Gold und Goldminen nun sehr negativ ist. Gerade die Goldminen sind massiv überverkauft und das sollte das Downside begrenzen. Und das die politische Grosswetterlage rund um den Euro eigentlich Gold stützen sollte, ist wohl auch klar.

Insofern sehe ich leichte Vorteile für die Bullen bei Gold, werde aber ohne zu zögern und ohne Ankündigung aus allen Positionen springen, sollten wir tatsächlich durch die 1610 USD nach unten durchlaufen. Denn 1610 USD entspricht dem Tief vom 04.04.12 und wenn wir das nach unten durchschlagen, ist nach meiner Erwartung dann doch die Entscheidung zu Gunsten der Bären gefallen !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 20.04.12 – Wochenabschluss – Kurzbericht

22 Uhr - Handelsschluss

(1)
Nichts was heute in den breiten Indizes passiert ist, hatte Bedeutung über den Moment hinaus. Insofern abhaken und das Wochenende mit IWF und G20 Treffen abwarten.

(2)
Schaut man auf die Erwartung des Marktes an das IWF und G20 Treffen, geht dieser fest davon aus, das wir wieder jede Menge warme Worte und nettes Gerede nach dem Motto "alles wird gut und alles im Griff" haben werden. Insofern wird zur Schau gestellte Einigkeit keinen mehr überraschen. Positiv wäre es wohl, wenn tatsächlich neue konkrete Abreden getroffen würden. Negativ wäre es für die Kurse am Montag, wenn man sich im IWF zwischen Europa und den aufstrebenden Mächten (BRIC) nicht einigen könnte.

(3)
Faszinierend ist für mich zu sehen, wie Krones (WKN 633500) exakt das Szenario abarbeitet, das ich -> hier <- am 30.03.12 dargestellt habe. Die Aktie hat nun oberhalb 35€ gedreht und legt heute eine Rally mit 5,6% Plus hin. Schauen Sie noch einmal in den alten Beitrag und auf den aktuellen Kursverlauf.

Am 24.04.12 kommen die Zahlen, es könnte sein, da weiss schon jemand was, denn die Bewegung heute war ohne für mich sichtbare Nachricht. Das die Kurszielerhöhung der UBS auf 40€ Ursache für ein solche Feuerwerk ist, wage ich mal stark zu bezweifeln. Wenn ich jetzt noch nicht drin wäre, würde ich nun vielleicht die Zahlen abwarten, selbst wenn das ein paar Prozent kostet. Denn nach dem heutigen Tag wären auch kleine Gewinnmitnahmen am Montag nur normal. Da ich aber schon drin bin, kann ich nun weiter Long bleiben. Falls die Zahlen halten was ich davon erwarte, hat Krones noch gutes Potential nach oben, bei sehr beschränktem Risiko - das Unternehmen ist in meinen Augen grundsolide und ebenso grundsolide finanziert.

(4)
Passend zu Krones, weil im selben Artikel dargestellt und erst vor drei Tagen erneut mit Chart dargestellt, Cameco (WKN 882017) fliegt nun ab, heute fast 5% Plus !

(5)
Faszinierend ist auch, was der Markt bei Microsoft (WKN 870747) macht. Die hervorragenden Verkäufe von Windows 7 und Office kurz vor der Veröffentlichung von Windows 8 werden mit fast 5% Plus gefeiert. Dabei ist für mich offensichtlich, dass diese Verkäufe gerade deswegen zustande kommen, weil sich viele Kunden schon gegen Windows 8 entschieden haben und sich nun noch mit Windows 7 Lizenzen eindecken.

Warum feiert der Markt dann diese Zahlen so, insbesondere im Hinblick auf das Nokia-Desaster, dass sich ja direkt auf Microsofts Windows-Mobile Bemühungen auswirkt ? Ehrlich, ich weiss es nicht ! Und der Markt hat ja meistens recht, aber eben nicht immer. Und hier denke ich ganz arrogant, das der Markt möglicherweise falsch liegt. Grund ist wohl, das fast alle Analysten noch das Hohelied der tollen Windows 8 Strategie singen. Theoretisch ist die Idee ja auch gut, nur praktisch mangelt es bei Windows 8 nach meiner Einschätzung an der Umsetzung. Und diese positive Stimmungsmache wird sicher noch Monate so weiter gehen, bis gegen Ende des Jahres die ersten echten Verkaufszahlen kommen.

Für mich sind die aktuellen Zahlen aber Bestätigung meiner negativen Sicht auf Windows 8 und nichts zu feiern. Fragen Sie sich doch einmal selbst: wenn Sie sich auf Windows 8 für Ihr Unternehmen freuen, kaufen Sie dann ein paar Monate vor Launch noch im grossen Umfang die alten Versionen ? Und ja ich weiss, die meisten Grosskunden haben langlaufende Lizenzverträge und Serviceverträge, die unabhängig von Einzelversionen sind. An dem grundlegenden Mechanismus ändert das aber nichts.

Insofern kann Microsoft nun über den Sommer im Lichte der allgemeinen Analysten-Begeisterung durchaus noch weiter steigen, selbst 38 USD halte ich nicht für unmöglich. Aber ich bin überzeugt, das dicke Ende kommt gegen Ende des Jahres. Falls Sie ihn nicht gesehen haben, lesen Sie -> hier <- meinen Artikel zum Thema vom 30.03.12.

(6)
Mein erst gestern Mittag skizziertes Bild von Nokia (WKN 870737) als der Titanic, war wohl scheinbar nicht ganz falsch. Seit dem Peak auf 3.1€ nach den Zahlen - der meinen Artikel auslöste - ist der Kurs um sage und schreibe 10% gefallen ! Tendenz weiter fallend ins Nirwana. Irgendwann wird Nokia dann vielleicht von Microsoft aufgekauft, ob das für die Aktionäre aber dann noch ein Spass ist, wage ich mal zu bezweifeln. Denn warum soll Microsoft heute einen Kurs von 3€ und damit 10 Milliarden MarketCap zahlen ? Durch die Abhängigkeit zu Windows Mobile kann wohl sowieso kein anderer der grossen Konkurrenten bei Nokia zugreifen. Im Falle eines weiteren Absturzes fällt Nokia nach meiner Einschätzung in die Hände von Microsoft.

(7)
Apple (WKN 865985) fällt weiter - Völker hört die Signale ! 😉 Apple sitzt nun fast auf dem 50er Moving Average, der für ein vorläufigen Stop der Abwärtsbewegung gut sein könnte. Kommenden Dienstag nach Handelsschluss kommen dann die Zahlen. Was da raus kommt kann jeder selber raten, ich habe keine Ahnung. Bisher hat Apple aber immer positiv überrascht, und es ist in meinen Augen eher wahrscheinlich, dass das erneut passiert. Dann ist Apple für schnelle 10% nach oben gut. Sollte aber der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Apple das erste Mal seit Jahren negativ überrascht, dann wird das aber heftig nach unten rauschen, das wird ein Spektakel, das dann die Indizes mitzieht. Sehr spannend das Ganze !

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 19.04.12 – Kurzbericht

22 Uhr - Handelsschluss

Auch heute und voraussichtlich auch am morgigen Freitag, bleibt es bei einem Kurzbericht. Die ganze Familie, mich eingeschlossen, ist eine "Lazarett" aus Fieber, Husten, Schnupfen, Erbrechen - so dass ich nicht zu einem regulären Tagesablauf finde. Nächste Woche ist das Elend dann hoffentlich vorbei und alles geht wieder seinen normalen Gang. Wenn nur mal jemand etwas gegen diese verfluchten Rhinoviren finden würde, Reichtum und 100 Milliarden Börsenwert wären wohl garantiert.

(1)
Wir hatten wieder deutliche Schwäche im DAX und es dürfte nun wohl dem Letzten klar sein, wie hier die Euro-Krise wieder ihren Tribut fordert. Ich sehe nach wie vor nicht, wie das Problem kurzfristig verschwinden kann, insofern sind starke Tage im DAX oberhalb 6800 nach meiner Einschätzung weiterhin eher dazu geeignet Risiko heraus zu nehmen, bis die Lage aufklart. Nach wie vor rechne ich mit einer schwierigen Phase bis in den Juni. Ich würde aber eher die IWF Sitzung am Wochenende abwarten, dort wird man sicher mit vielen warmen Worten versuchen, den Märkten Vertrauen einzuhauchen. Und manchmal - wenn er verzweifelt genug ist - will Mr. Market so etwas einfach glauben. Insofern besteht schon die Chance für eine Erleichterungsrally und ich würde nicht zu pessimistisch werden, das Szenario der volatilen Range 6400-7100 ist in meinen Augen voll intakt.

(2)
Aber auch die US Märkte konnten heute nicht überzeugen und das wir nun auch am zweiten Tag die Range und den steigenden Trendkanal nicht zurück erobern konnten, lässt die Risiken nach unten deutlich steigen. Eine halbe Stunde vor Handelschluss, kamen dann aber noch zwei grosse Kaufprogramme in den Markt und schoben den S&P500 etwas höher bis 1377, allerdings ohne eine überzeugende Performance abzuliefern. Noch ist also nicht aller Tage Abend, aber es steht nun wirklich auf des "Messers Schneide" und der Markt sendet völlig indifferente Signale. Sollten wir allerdings nun auch noch in den US Indizes abkippen, rechne ich im DAX mit einem Schlachtfest, dass uns dann schnell bis 6400 bringt. Die Alternative hatte ich gestern skizziert - schaffen wir es doch wieder in den steigenden Trendkanal, haben wir gute Chancen aus technischen Momentum heraus bis zur oberen Begrenzung bei 1450 zu laufen und im DAX wieder an der 7000 zu schnuppern.

(3)
Apple fällt heute erneut um über 3%, nachdem es nur eine eintägige Gegenbewegung gab. Das ist kein gutes Zeichen, bedeutet wohl das der Abwärtstrend noch andauert und ist ein Indiz, dass sich im Markt gerade etwas Grundlegendes ändert - und das dürfte für die breiten Indizes nicht unbedingt gut sein.

(4)
Zu Daimler und Nokia habe ich mich heute schon geäussert, wer es übersehen hat, schaut bitte -> hier <- und in einen aktuellen Kommentar, den ich auf eine Frage geschrieben habe.

(5)
Peabody Energy (WKN 675266) lieferte die erwartet mässigen Zahlen und der Markt beantwortete das mit einem 7% Anstieg, der den ganzen Tag Bestand hatte und nicht sofort wieder verkauft wurde ! Auch die anderen Kohle-Titel wurden mitgezogen. Das ist der Klassiker einer Überdehnung ins Negative und nach den verschiedenen Indizien der letzten Wochen ein weiteres Teil des Puzzles, das ein nahes Ende der Abwärtsbewegung im Kohle-Sektor indizieren könnte.

Übrigens, falls bei dem katastrophalen Kursverlauf der Kohletitel jemand denken sollte, die Kohleunternehmen würden kein Geschäft mehr machen, hier die Quartalszahlen von Peabody gegenüber dem 1. Quartal 2011: Umsatz + 17%! auf 2,04 Milliarden USD, Gewinn 172,7 Millionen USD vs 176,6 USD Millionen vor einem Jahr - also fast identisch. Sieht so ein wackelndes Unternehmen aus ? Und nun vergleichen Sie bitte den Kurs von vor einem Jahr mit heute, der hat sich halbiert. Warum ? Weil die Erwartungen ins Bodenlose gefallen sind ! 😉

Allerdings muss man klar feststellen, dass die guten Zahlen vor allem aus der australischen Operation von Peabody kamen, die die asiatischen Märkte beliefert. Aber selbst der US Umsatz ist bei Peabody um 5% gewachsen, was in Anbetracht der Überversorgung mit Shale Gas eine Leistung ist. Insofern muss man bei Kohletiteln in Zukunft genau schauen, wo sie ihre Operation und ihre Kunden sitzen haben. Ein reiner US Miner ohne internationale Kunden dürfte es auch weiterhin weit schwerer haben, als international agierende Kohle-Grössen wie Peabody.

Ich denke, es wäre auch ein Fehler, den grundlegenden Effekt von Shale Gas zu ignorieren. Das scheint in den US ein echter "Game-Changer" zu sein, den ich in seinen brutalen Auswirkungen vor einem halben Jahr auch noch nicht in diesem Umfang auf dem Radar hatte. Weswegen ich bei rein in den US operierenden Kohleförderern temporäre Stärke in den kommenden Monaten eher zum Ausstieg nutzen würde. Gerade in Asien und speziell China aber, ist Kohle massiv auf dem Vormarsch und noch lange ein entscheidender Energieträger.

Wie -> hier <- vor einer Woche geschrieben, bin ich bei Peabody nun wieder long, wenn auch bisher nur verhalten. Sobald sich bestätigen sollte, dass im US Kohlesektor der Boden drin ist, werde ich in diesem Segment deutlich nachlegen.

(6)
Gold und Goldminen sehen für mich nun zunehmend spannend aus. Immer bei 1640 USD scheint bei Gold Kaufinteresse in den Markt zu kommen und auch die Minen sind derart überverkauft, dass die Chance für eine überraschende Rally besteht - eine Chance, keine Sicherheit. Die Lage ist nach wie vor wackelig, aber in dem Sektor fühle ich mich nun wohler, als in manch bisher gut gelaufener Industrie- oder Technologie-Aktie.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 13.04.12 – Wochenabschluss – Woche der Volatilität

22 Uhr - Handelsschluss

Im Lichte der gestrigen Gewinne bin ich ja skeptisch geblieben und noch nicht in Begeisterung ausgebrochen. Heute konnten Sie sehen warum. Es ist immer die Bestätigung am Folgetag, die erratische Bewegungen an der Börse von ernst zu nehmenden Entwicklungen unterscheidet. Und diese Bestätigung ist heute nicht gekommen.

Und heute sahen wir erneut hinlänglich bekannte Muster. Während der DAX am Vormittag seine "Kinderspielchen" machte, ging es dann pünktlich um 15.30 Uhr mit Eröffnung der Wallstreet zur Sache und die "Erwachsenen" begannen das wahre Spiel. Zu Beginn der Session wurde gleich alles wieder massiv abverkauft, was den DAX unter 6600 drückte und bei 6553 im DAX Future den Tiefpunkt markierte. Der S&P500 konnte sich dann lange im Bereich des 50er Moving Average bei 1374 stabilisieren. In den letzten Handelsminuten setzten aber auch dort wieder Abgaben ein, was dafür spricht, dass Big Money nicht von steigenden Kursen in der kommenden Woche überzeugt ist.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang erneut, wie viel relativ schwächer der DAX war. Auf dem Tiefpunkt hatte der DAX im Future 2,8% verloren, während der S&P500 gerade mal 0,9% im Minus war. Mehr als 2% hat der DAX also alleine heute gegenüber der Wallstreet abgegeben. Das ist nicht nur bemerkenswert, sondern erneute Bestätigung für meine hier mehrfach getätigte Aussage, dass man in der jetztigen Phase in den US Indizes besser aufgehoben ist, als in europäischen Aktien. Aber auch gegenüber MDAX und SDAX war der DAX überdurchschnittlich schwach, das liegt sicher an der weit höheren Gewichtung von Banken und Versicherungen im DAX und ist auch ein Spiegelbild der Sorgen um die Eurozone.

Falls sich jemand für solche Techniken interessiert, könnte man bei der relativen Schwäche des DAX über einen "Straddle" nachdenken. Sprich Long im S&P 500 und Short im DAX mit jeweils identischem Volumen. Bleibt uns die Unterperformance des DAX wie im letzten Herbst nun für Wochen erhalten, hätte man so Chancen auf nette Erträge, ohne sich all zu grossen Risiken auszusetzen.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch eine Warnung an die aktiveren Anleger unter meinen Lesern los werden. Wie Sie wissen, habe ich Ende März eine "volatile Seitwärtsbewegung mit Tendenz nach unten" für das 2. Quartal beschrieben. Und was diese Volatilität bedeutet, konnten Sie heute wieder beobachten. Geben Sie sich also keiner Illusion hin, die Zeit der ruhigen Aufwärtsbewegung des ersten Quartals ist erst einmal vorbei. Ich bin ziemlich sicher, die Volatilität bleibt uns nun für Wochen erhalten.

Das bedeutet aber auch, dass es kaum mehr Trends gibt, die länger als einen Tag halten. Was gestern richtig war, wird morgen schon wieder falsch sein - der Markt schwingt wild hin und her. Wenn man nicht ganz aus dem Markt gehen will, was sicher aktuell nicht die schlechteste aller Alternativen ist, gibt es zwei Arten, wie man erfolgreich mit dieser Volatilität umgehen kann:

1) Wenn man so viel Zeit mit der Börse verbringt wie ich und während der Handelszeit präsent ist, kann man diese Volatilität spielen, denn darin liegt nicht nur Risiko, sondern auch grosse Chance für kurzfristige Trades.

2) Man kann das Ganze aber auch mit einer ruhigen Hand angehen, sich überlegen wie man die Grosswetterlage sieht und sich dann ruhig die richtigen Titel ins Depot legen. Dafür Stops definieren, diese aber je nach Titel deutlich von den Einstandskursen entfernt legen, um nicht durch die Volatilität dumm ausgestoppt zu werden. Oder mit Stops "Auf Papier" operieren, wenn man dafür diszipliniert genug ist. Und dann könnte man die wilden Swings einfach ignorieren.

Beide Methoden können in solchen volatilen Phasen funktionieren. Was aber nach meiner Erfahrung in solchen Phasen nicht funktioniert, ist der Versuch kurzfristiges Markttiming zu betreiben, während man noch seinem normalen Job nachgeht und nur sporadisch auf die Börse schaut. Dann ist man garantiert immer zu spät dran und kann nur verlieren. So etwas kann in Phasen mit klaren Trends wie im 1. Quartal durchaus funktionieren, nicht aber in einer Phase, wie wir sie augenscheinlich im Moment durchlaufen.

Insofern mein gut gemeinter Hinweis: prüfen Sie, ob Ihre zeitliche Verfügbarkeit zu dem aktuellen Markt passt und bedenken Sie, dass tägliche Swings nun wohl der Normalfall sein werden. Sollten wir im 2. Halbjahr wieder einen klaren Trend bekommen, sieht die Welt wieder anders aus, aber wir müssen den Markt so nehmen, wie er aktuell ist. Wir haben ja sowieso keine Wahl.

Zum Wochenende möchte ich hier nun tabellarisch die wichtigsten Botschaften auflisten, mit denen mich Mr. Market heute nach meiner höchst subjektiven Interpretation des Geschehens ins Wochenende schickt:

(1) Die Volatilität ist im Markt und wird nicht so schnell weggehen, man stellt sich entweder darauf ein oder geht aus dem Markt.

(2) Die europäischen Aktienmärkte werden weiter von der Eurokrise belastet und es ist unwahrscheinlich, dass sich das ändert, bevor nicht in Frankreich ein neuer Präsident gewählt wurde.

(3) In den Edelmetallen und Minen haben wir heute nur einen Teil der gestrigen Gewinne wieder abgegeben. Auf den ersten Blick scheint der Tag heute weit negativer, ein guter Teil der Schwäche war aber nur das Spiegelbild der Stärke des USD. Das Bild einer Stabilisierung bleibt also auf der Agenda, wirklich bestätigt ist es aber auch noch nicht.

(4) Ähnliches in den Rohstofftiteln. Wir haben zwar wieder kräftig abgegeben, aber es war am Ende trotzdem nur ein Teil der gestrigen Gewinne. Das ist kein schlechtes Zeichen, ein Beweis einer Wende aber auch noch nicht.

(5) Die chinesischen Wirtschaftsdaten waren eigentlich nicht schlecht und viel spricht dafür, dass wir dort wirklich eine "weiche Landung" erleben - wovon der Markt auch ausgeht, siehe (4). Sollte sich das bewahrheiten, dürfte der Unsicherheits-Abschlag aus den Rohstoffaktien weichen und diese wieder deutlich steigen. Bestätigt sich die "weiche Landung" Chinas dagegen nicht, haben die Rohstoffaktien noch gewaltige Fallhöhe, ebenso wie unsere Autobauer und der gesamte DAX und MDAX !

(6) Apple hat heute fast 3% abgegeben, etwas was wir schon lange nicht mehr gesehen haben. Bedenkt man, dass Apple auch am starken gestrigen Tag schwach war, könnte sich hier eine Korrektur andeuten. Den Indizes und insbesondere dem NASDAQ, dürfte eine solche Entwicklung in Anbetracht der hohen Gewichtung von Apple nicht gut tun.

(7) Die deutschen Autowerte produzieren eine gute Nachricht nach der anderen, und können trotzdem nicht mehr steigen. Auch wenn man das in Anbetracht der guten Aussichten nicht glauben mag, derartiges Verhalten des Marktes signalisiert oft eine Topbildung. Allerdings glaube ich in diesem Fall eher, dass die gleichen Gründe die die Rohstoffaktien am Boden halten - die Sorge um China - auch für die Schwäche der Autoaktien verantwortlich zeichnet. Insofern ist zwar Vorsicht angesagt, von einer originären Topbildung gehe ich aber im Falle der Autobauer nicht aus.

(8) Rein technisch gesehen, ist mit dem Bruch der 6600 im DAX nun der Weg herab in die Unterstützungszone oberhalb 6400 frei. Ich wäre nun eher überrascht, wenn wir im 2. Quartal nicht mehr in diesen Bereich abtauchen. Sollte dort die Abwärtsbewegung aber auch nicht zum Stillstand kommen, würde ich deutlich skeptischer als aktuell, was die weitere Marktentwicklung in diesem Jahr angeht.

Wie Sie sehen, stellen die obigen Punkte ein sehr gemischtes Bild dar. Und genau so ist auch der Markt, je nachdem welche Nachricht gerade die Schlagzeilen beherrscht, schwankt er wild und panisch von links nach rechts. Stellen Sie sich darauf ein !

In diesem Sinne verabschiede ich mich ins Wochenende. Ich wünsche Ihnen ein paar schöne Tage !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 11.04.12 – Nokia bricht ein, ThyssenKrupp leidet

22 Uhr - Handelsschluss

Wie erwartet erholten sich die Märkte heute etwas von den gestrigen, schweren Einschlägen. Der S&P500 konnte zeitweise den 50er Moving Average bei 1371 zurück erobern und der DAX stieg bis über 6700, bevor er zum Handelsschluss etwas zurück fiel.

War es das schon mit der Korrektur ? Kann sein, aber ehrlich gesagt, ich bin noch nicht überzeugt. Die heutige Stärke war nach der überverkauften Markttechnik wenig überraschend und ist nach Art und Umfang noch nicht ausreichend, um zwingend ein Ende der Abwärtsbewegung auszurufen. Im S&P 500 ist auch eigentlich noch ein technisches Ziel bei 1351 abzuarbeiten, falls das noch passiert, würde es den DAX sicher unter 6600 drücken. Auf der anderen Seite kann man das heutige Marktverhalten auch als "Bullenflagge" interpretieren, die dann Morgen nach oben aufgelöst würde.

Im Ergebnis hatten wir heute weder genug Stärke um dieser besondere Bedeutung beizumessen, noch weitere Schwäche, die einen fortgesetzten Absturz indizieren würde. Wir hatten heute eine Beruhigung, das alleine ist schon latent positiv, mehr aber auch nicht.

Insofern bleibe ich verhalten, habe gestern selektiv hier und da ein bisschen zugekauft, halte aber den wesentlichen Teil meines Pulvers noch trocken und war heute eher inaktiv. Mehr gibt es heute auch nicht zum Markt zu sagen, abwarten und Tee trinken ist das Gebot der Stunde.

Ein ganz übles Kapitel des heutigen Tages schrieb Nokia (WKN 870737). Überraschend gab Nokia bekannt, dass im 1. Quartal die Margenziele für die Smartphones verfehlt werden. Man könnte das flapsig übersetzen als: "Nokia bekommt in dem Markt kein Bein mehr auf die Erde". Der Markt reagierte entsprechend und strafte Nokia mit einem Minus von bis zu 18% ab. AUA !

Als ob das nicht genügen würde, kam heute noch eine Katastrophen-Nachricht hinzu, die gut ins traurige Bild passt. Nokia hat scheinbar den US Marktstart seines Lumia 900 Smartphones vergeigt. Das letzten Sonntag in den USA eingeführte Gerät hat wohl einen Softwarefehler und kann laut Nokia die Datenverbindung verlieren. „Um den 16. April“ soll es eine Software geben, die den Fehler behebt, gleichzeitig zahlt Nokia 100 USD Entschädigung, womit das Gerät wohl zum Zuschussmodell wird.

Schlimmer gehts nimmer, kann man da nur sagen und so kann man sich einen Ruf auch nachhaltig ruinieren. Bei so einem entscheidenden Anlauf im wichtigsten Markt einen derartig grundlegenden Fehler zu produzieren, zeugt für mich von schweren Verwerfungen in der Organisation und ruiniert den Ruf der Marke. 15% Minus bei Handelsschluss sind da in Anbetracht der heutigen Nachrichten noch harmlos.

Das sieht in meinen Augen nun ganz finster aus bei Nokia und das einzig Positive, das mir nun zu dem Titel einfällt ist, dass nun wohl alle die Nokia verkaufen wollen, endgültig draussen sind. Insofern könnte nun kurzfristig eine technische Gegenbewegung möglich sein. Ich werde aber nicht versuchen diese zu spielen und bin froh, dass ich beim Unterschreiten der 4€ Linie durch meinen Stop schon vor Wochen aus dem Titel gekommen bin.

Denn diese Nachricht wirft in meinen Augen nun weit tiefergehende Fragen nach der prinzipiellen Profitabilität von Nokia auf. Und damit steht mittelfristig auch die Überlebensfähigkeit im Markt im Raum. Denn im Massengeschäft der Emerging Markets, in denen Nokia immer noch grosse Volumina mit einfachen Handys absetzt, ist der Preisdruck auf die Margen ja nun auch nicht gerade klein.

Nokia steht nun auf der einen Seite neben einer Marke "Apple", die eine Macht darstellt und auf absehbare Zeit den Markt dominieren sollte. Und auf der anderen Seite steht der aggressive Technologie-Riese Samsung, der alle wesentlichen Technologien im Haus hat und praktisch nichts zukaufen muss, was einen hohen Spielraum bei aggressiven Preiskämpfen gewährt. Wo da Nokia zur Spitze durchstossen will, ist derzeit schwer vorstellbar.

Circa ein Jahr ist es nun her, dass Stephen Elop den Schwenk hin zu Microsoft bekannt gab. Diesen Zeitablauf vor Augen, sind die bisherigen Ergebnisse in meinen Augen wenig überzeugend, denn wenn man so einen gewaltigen Schritt bekannt gibt, sollte man dann auch bald liefern können. Sicher, derzeit ist Nokia nicht mehr viel mehr wert, als alleine das Patentportfolio ausmachen dürfte. Insofern sichert das den Kurs nach unten ab. Aber ob das in Anbetracht der immer weiter schwindenden Kraft der Marke "Nokia" alleine ein Grund für eine Investition ist, wage ich nun zu bezweifeln.

Lange bin auch ich ja davon ausgegangen, dass Nokia wieder auferstehen kann. Und vor einem halben Jahr, vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft 2011, habe ich die Lage bei Nokia auch als weit hoffnungsvoller eingeschätzt. Da hatte Nokia auch eine Chance und ein Erfolg im Weihnachtsgeschäft hätte den Ruf wieder stabilisieren können. Da hätte man liefern müssen und als dem Markt klar wurde, dass Nokia das nicht ausreichend hinbekommt, begann auch die Reise abwärts vom Bereich um 5€, die nun mit fast 3€ einen traurigen Tiefpunkt erreicht.

Der heutige Tag, den ich als Offenbarungseid empfinde, erzeugt da bei mir nun ein tiefgehendes Fragezeichen und ich sehe nun wenig Grund, rein auf Verdacht und Hoffnung Kapital in Nokia zu binden. Eigentlich sind die Lumia ja schöne Geräte, aber eigentlich reicht halt nicht, sie müssen auch funktionieren und technologisch etwas zu bieten haben. Die Geschwindigkeit des Duos Microsoft/Nokia lässt also offensichtlich deutlich zu wünschen übrig, wie man so gegen Apple und Samsung bestehen will, bleibt für mich im Dunkeln. Und wie ich über den Erfolg der "Metro" Strategie bei Microsoft denke, habe ich ja -> hier <- deutlich gemacht.

Ich werde mir das "Spektakel" um Microsoft und Nokia auf jeden Fall weiter nur von der Seitenlinie anschauen. Sollten die beiden doch noch ihre Hausaufgaben zusammen bekommen und langsam wieder Marktanteile gewinnen, ist noch genug Zeit auf den Zug aufzuspringen. Das so eine Bewegung über Jahre geht, kann man ja gerade gut bei Apple beobachten.

Stark waren heute die Stahlwerte rund um Salzgitter (WKN 620200) und Klöckner (WKN KC0100), die heute nicht nur von den guten Alcoa-Zahlen profitierten, sondern ja auch technisch mehr als ausgebombt sind. Vor diesem Hintergrund ist der Anstieg heute aber auch nicht mehr als eine kleine Gegenbewegung, auch wenn die Stahlkonjunktur in Deutschland wieder anzuziehen scheint. Der Preisdruck aus China liegt aber wie Blei auf diesen Werten. Sollte sich der Häusermarkt in China weiter abschwächen, dürfte uns dieser Preisdruck auch noch länger erhalten bleiben.

Für Stahlkocher wie ThyssenKrupp (WKN 750000), die zusätzlich zur schwierigen Marktlage noch mit selbst verursachten operativen Problemen und Verlusten kämpfen, sind das keine guten Nachrichten. Da fühle ich mich in einer finanziell soliden Aktie wie Salzgitter wesentlich wohler. Und wer es etwas internationaler mag, kann zum Marktführer Arcelormittal (WKN A0M6U2) greifen. Arcelormittal hat übrigens seine Erzminen nicht verkauft und baut diese im Moment weiter aus. Damit ist Arcelormittal von den grossen Erzförderern rund um Vale oder Rio Tinto weitgehend unabhängig und hängt mit seiner Marge nicht derart eingequetscht zwischen "Baum und Borke" wie ThyssenKrupp.

In dem Zusammenhang erinnere ich an meinen kritischen Artikel -> Vom Donnerhall zum Anlagenbauer <- zu den Fehlgriffen der Verantwortlichen bei ThyssenKrupp. Der Verkauf der eigenen Erzminen von 2001 ist dabei für mich auch so eine strategische Fehlleistung der "grossen Restrukturierer", mit der ein derartiges Traditionsunternehmen überhaupt erst den wilden Preisschwankungen bei Erz ausgesetzt wurde.

Ich habe dazu mal die Pressemitteilung von 2001 heraus gekramt, mit der der Verkauf der brasilianischen Erzminen des Thyssenkrupp Konzerns an Vale bekannt gegeben wurde. Heute liest sich das für mich wie ein Auszug aus dem Kuriositätenkabinett, ich zitiere Ekkehard Schulz: "Diese Transaktion ist ein Schritt zur Wertschaffung für ThyssenKrupp Stahl und den gesamten ThyssenKrupp Konzern. Sie ist ein weiterer Baustein in unserer Strategie des wertorientierten Managements".

Bravo, kann ich da nur sarkastisch sagen, das prozyklische Timing ist aller Ehren wert - Verkauf der Erzminen auf dem Tiefpunkt, bevor dann eine langjährige Hausse bei den Roherzen einsetzte, die Rio Tinto, Vale und Co. in ungeahnte Höhen katapultierte und den Wert der verkauften Minen vervielfachte. Und der Neubau der beiden Stahlwerke in Amerika, die nun solche Probleme machen, wurde ja auch prozyklisch mitten im Höhepunkt der Stahlkonjunktur beschlossen. Wenn es einen Preis für das schlechteste Timing gäbe, die Herren Cromme und Schulz hätten in meinen Augen gute Chancen auf eine Nominierung. Es wäre ja eigentlich lustig, wenn nicht durch diese Fehlgriffe die Gefahr bestünde, dass Deutschland seinen einzigen Stahlkonzern von Weltruf mit 150 jähriger Geschichte verliert.

Und auch wenn Herr Cromme in der Pressemitteilung nicht erwähnt wird, er bildete laut bis September 2001 mit Ekkehard Schulz eine Doppelspitze bei ThyssenKrupp, bevor er dann in den Vorsitz des Aufsichtsrates wechselte. Es ist schon erstaunlich, wie er es geschafft hat, dass von solchen Entscheidungen nichts an ihm persönlich hängen geblieben ist und er so zu einer der mächtigsten Personen der deutschen Wirtschaft aufsteigen konnte. Eines muss man Herrn Cromme lassen, ein Händchen für Machtpolitik hat er mit Sicherheit.

Zum Abschluss noch ein exzellenter, kurzer Artikel, der so gut und treffend ist, dass ich Ihnen die Lektüre wärmstens ans Herz legen möchte ! Es dauert nur 2 Minuten und hält uns als Anleger den Spiegel vor.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 10.04.12 – Vom Tag der Abrechnung

22 Uhr - Handelsschluss

Mein "Red Alert" von Freitag war offensichtlich mehr als gerechtfertigt. Und erneut war völlig irrelevant, was am Vormittag im DAX passiert ist. Das Hin und Her des DAX am Vormittag ist an so bewegten Tagen dem Spielen kleiner Kinder vergleichbar, bevor dann am Nachmittag endlich die Erwachsenen in Form der Wallstreet kommen, die die ernsten Dinge des Lebens angehen.

Denn der DAX machte heute Vormittag oberhalb 6700 erste Stabilisierungs-Versuche und erste Käufer steckten ihren Kopf aus ihren Verstecken. Aber dann kam die Leitbörse Wallstreet und die riss den DAX dann bis fast 6600 herunter. Im S&P 500 haben wir nun eine Reihe von Marken durchschlagen und haben die 1351 als nächstes Ziel vor Augen.

Dabei kaschieren die Indizes noch die Stärke der Abwärtsbewegung, denn in den meisten Depots dürfte es wesentlich schlimmer als in den Indizes aussehen. Grund ist, das die gross kapitalisierten Titel noch vergleichsweise stabil bleiben und so die Indizes zusammen halten, während in der zweiten Reihe teilweise massiv abverkauft wird. Viele Aktien notieren nun wieder auf den Niveaus des letzten Herbst, so als ob es nie eine Erholung gegeben hätte.

Besonders übel für uns deutsche Anleger ist an der Situation, dass in den US Indizes noch gar nicht viel passiert ist und diese noch jede Menge Fallhöhe besitzen, während wir im DAX heute schon bei 6600 stehen.

Trotzdem sollten wir nach meiner Ansicht nun nicht zu sehr in Trübsal verfallen. Denn zumindest der DAX ist nun klar überverkauft und sitzt bei 6600 auf einer Unterstützung. Auch wenn noch ein Schwall bis 6400 herunter sehr gut vorstellbar ist, glaube ich, dass wir uns nun langsam wieder Kaufkursen bei deutschen Aktien nähern.

Es gibt in meinen Augen nur ein Szenario, in dem das aktuelle Niveau keine mittelfristigen Kaufkurse wären. Und das wäre der Fall, wenn der Markt dann trotz Notenbank-Intervention immer weiter fällt und damit die letzten Bastionen - die Notenbanken als "Lender of the last Resort" - auch ausfallen. Wenn dieser Tag kommt, dürfte das an den Börsen einem Armageddon gleichen, gefolgt von dem Reset des Währungssystems, den ich sowieso irgendwann in den kommenden Jahren erwarte.

Aber ich glaube wirklich nicht, dass dieser "Tag der Abrechnung" schon so nahe ist und schon dieses Jahr ansteht. Vorher werden wir die Methode "Dicke Bertha" wohl noch mehrfach mit steigender Verzweiflung der Handelnden beobachten dürfen, bevor dann auch die Wirkung des stärksten Medikaments nachlässt und das Unvermeidliche naht. Schon im ersten Weltkrieg konnte die "Dicke Bertha" den Deutschen letztlich auch nicht zum Sieg verhelfen. Und ich glaube nicht, dass man durch einen Papiergeld-Regen, die substantiellen Probleme grosser Teile der Eurozone wird lösen können - weder die Überschuldung, noch den Mangel an Wettbewerbsfähigkeit. Bis dahin werden wir aber wohl noch viele Rallys erleben und deshalb habe ich heute leicht zugekauft und werde das bei weiterer Schwäche in den nächsten Tagen auch weiterhin Zug um Zug tun.

Wer nun aber auf Verlusten sitzt weil er zu spät eingestiegen ist, sollte sich aber auch nicht der Hoffnung hingeben, dass diese aktuelle Schwäche ganz schnell wieder vorbei ist. Natürlich ist das möglich, aber eher unwahrscheinlich. Denn nun ist viel technischer Schaden entstanden, und ich rechne ja seit Ende März sowieso damit, dass das ganze 2. Quartal eher schwierig wird und wir uns noch mehrfach in diesen Kurs-Regionen bewegen werden.

Das von mir hier Ende März skizzierte Szenario einer sehr volatilen Seitwärtsbewegung, die sich aber wie eine ausgewachsene Korrektur anfühlt, ist offensichtlich voll in Kraft. Und in Anbetracht der bevorstehenden Frankreich-Wahl sowie der Unsicherheit um die weiteren Massnahmen der FED rechne ich nicht damit, dass sich die Volatilität schnell wieder legt, sondern rechne mit ihr bis in den Juni hinein. Dann besteht aber eine Chance auf einen schönen, ruhigen Börsensommer.

Kurzfristig sehe ich gute Chancen für einen "Bounce", der uns im DAX dann wieder über 6700 führen könnte. Allerdings dürfte der DAX morgen Vormittag erst einmal in Schockstarre verharren und am frühen Nachmittag ist mit erneuter Schwäche zu rechnen, da die Wallstreet wohl noch die 1351 abzuarbeiten hat. Danach, im morgigen späten Handel der Wallstreet könnte aber vielleicht auch dort eine Gegenbewegung einsetzen. Verändert könnte das Szenario werden, wenn Alcoa (WKN 850206) heute nach Börsenschluss überraschend gute Zahlen und vor allem einen optimistischen Ausblick liefern würde. Wie es um Alcoas Zahlen steht, werden wir bald wissen.

[Nachtrag 22:15 Uhr: Alcoa hat mit 94 Millionen USD Gewinn gute Zahlen für das Q1 geliefert und einen positiven Ausblick abgegeben. Nachbörslich ist die Aktie im Moment 5% im Plus. Dem sowieso verprügelten "Materials" Sektor sollte das Morgen Auftrieb geben. In wie weit es dem gesamten Markt hilft, werden wir sehen.]

Nach den Verlusten der letzten Tage bekam heute ST Microelectronics (WKN 893438) mit 7% Minus noch einmal richtig einen "auf den Deckel", nachdem in einem Rechtsstreit mit NXP Semiconductors nicht nur 59 Millionen € zu zahlen sind, sondern das Ergebnis auch die Marge schmälert. Ich habe zu Kursen unter 5,4€ nun zugekauft, da für mich ST Micro nach wie vor eine mittel- und langfristig attraktive Aktie ist. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man mit ST Micro defacto eine indirekte Wette auf den Erfolg der grössten Kunden Ericsson, Nokia und HP eingeht, die ja alle derzeit Probleme haben.

LED Marktführer Cree (WKN 891466) war heute mitten im schwachen Markt zeitweise 5% im Plus, am Ende standen immer noch 3,5% Plus auf dem Kurszettel ! Und das nachdem Cree bekannt gab, dass die Preise für die Strassenlicht-LEDs halbiert werden. Ja, Sie haben richtig gehört, eine Preissenkung führt bei Mr. Market zu Begeisterung. Offensichtlich erhofft man sich nun wesentlich höhere Absatzzahlen, weil LEDs nun direkt mit den normalen Leuchten konkurrieren können. Und höherer LED-Absatz ist natürlich auch gut für Aixtron (WKN A0WMPJ), die heute relative Stärke zeigten.

Nicht zu übersehen war auch, was heute bei Gold (XAUUSD) um 18.30 Uhr herum passierte. Der Kurs schien Richtung 1630 USD abzukippen und in dem Moment kamen grosse Käufe in den Markt, die den Goldpreis in wenigen Minuten bis 1660 USD hochschoben. Ich bin noch nicht in der Lage das zu werten, beobachte es aber mit Aufmerksamkeit. Denn in den letzten Monaten, während der Abwärtsbewegung, war es genau umgekehrt: die schnellen Bewegungen kamen nach unten. Dann robbte sich der Kurs wieder etwas nach oben, bevor es wieder *bamm* nach unten ging. Zuletzt am 03.04.12.

Wenn sich dieses Muster nun ins Gegenteil wandelt, könnte das einen Trendwechsel einläuten. Natürlich liegt die Erklärung nahe, dass es sich einfach um eine Verlagerung in den "Safe Haven" in Anbetracht des abstürzenden Marktes handelt. Ich halte diese Erklärung aber nicht für zutreffend. Dafür war die Bewegung zu schnell und zu stark und die Märkte hatten auch schon vorher abgegeben, ohne das Gold profitieren konnte.

Das Apple (WKN 865985) auch heute lange wieder im Plus war und am Ende nur 1% abgab, muss man ja wohl nicht weiter erwähnen. Wer in den letzten 12 Monaten sichere Gewinne wollte, hätte nur Apple und Staatsanleihen kaufen müssen. So einfach kann Börse sein, hinterher ist man halt immer klüger. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was in den Indizes passiert, wenn diese Apple Parabola mal brechen sollte .....

Wenn Sie meinen Markteinschätzungen hier auf sumerdigital.de in den letzten Wochen gefolgt sind, dürften Sie wie ich nun einigen freien Cash an der Seitenlinie haben. Ich werde mich von der nun zwangsläufig folgenden medialen Weltuntergangslyrik nicht verrückt machen lassen und habe mir Kauflisten zusammen gestellt, die ich bei weiter fallenden Kursen Zug um Zug umsetzen werde. Was immer Sie nun mit ihrem Geld vorhaben, ich kann nur dazu raten sich einen schriftlichen Plan zu machen. Denn sonst läuft man Gefahr durch die Medien so emotional beeinflusst zu werden, dass man nicht mehr in der Lage die notwendigen Schritte konsequent umzusetzen.

Ich wünsche Ihnen (trotzdem) einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 04.04.12 – DAX im Abwärtstrend

22 Uhr - Handelsschluss

Autsch, das war kein schöner Tag - ausser für Permabären. Während sich die Verluste der US Indizes mit einem knappen Prozent noch im Rahmen hielten, wurde der DAX ebenso wie der gesamte Rohstoffsektor erneut zerlegt.

In dem Zusammenhang, sollten wir uns die Definition eines Abwärtstrend erneut in Erinnerung rufen: Immer tiefere Tiefs und tiefere Hochs. Und nun schauen Sie sich mal den DAX im Stunden-Chart seit Anfang März an. Ich habe noch ein Szenario hinzugefügt, wie der DAX ganz grob weiterlaufen könnte, falls der Trend nach unten nun erst einmal erhalten bleibt.

Noch Fragen ? Ich denke das Bild erklärt sich von selbst. Schwierig ist es auch nicht, das zu erkennen - viel schwieriger ist es für die meisten Anleger, das psychologisch zu akzeptieren und daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

Und jetzt stelle ich den DAX mal in der gleichen Skalierung dem wichtigsten Index, dem S&P 500 gegenüber - der Chart ist von 21.30 Uhr:

Eindrucksvoll oder ? Besser als im direkten Vergleich kann man die brutale Schwäche des DAX wohl nicht deutlich machen. Von Abwärtstrend im S&P 500 keine Spur, eher eine Seitwärtsbewegung mit steigenden Tiefs.

Was lernen wir also daraus ?

1. Der "First of Month Jumper" vom 02.04.12 war im DAX eine Bullenfalle und mein Artikel vom 27.03.12 unter der Überschrift "Vom Aufhören, wenn es am Schönsten ist" hatte ein gutes Timing.

2. Der Presse-Contra-Indikator mit DAX 8000 und DAX 10000 auf den Titelblättern, hat mal wieder sein perfektes Timing bewiesen.

3. Warnzeichen gab es im DAX genug, erinnern Sie sich an das Thema der Schwäche der Banken ? Oder die 2 merkwürdigen, massiven Abstürze mitten im Handel in den letzten Tagen ? Die Zeichen waren an der Wand und haben wir hier besprochen. Klarer als die letzten Tage sind die Zeichen nie und immer hat man Zweifel und immer gibt es auch widerstreitende Signale, das ist ganz normal. Niemand sollte sich einbilden, das das beim nächsten Mal eindeutiger oder einfacher wird.

4. Die Warnzeichen ernst zu nehmen und danach dann auch zu agieren, das ist die wirklich schwierige Aufgabe für uns, an der nun bestimmt einige gescheitert sind. Und selbst ich, der ich schon letzte Woche wie hier kommuniziert abgebaut hatte und nur noch mit kleinem Geld auf den letzten Schub gelauert hatte, hätte im Nachhinein noch aggressiver abbauen müssen. Aber hinterher ist man halt immer klüger.

5. In den US Indizes ist die Welt noch in Ordnung. Der aktuelle Absturz findet primär in Europa und im Bereich der Rohstoffaktien statt - nicht aber in den USA. Und das spricht bisher dagegen, dass wir es hier mit einer schweren Krise zu tun haben - solange es der US Wirtschaft gut geht, kann es dem Rest der Welt nicht schlecht gehen.

Wie geht es jetzt weiter, das dürfte Ihre drängende Frage sein.

Mittelfristig ist damit mein 60% Szenario aus der Umfrage vom 28.03.12 voll aktiv. Das heisst volatile Swings im DAX in der Zone zwischen 6600 und 7100 mit einer Tendenz nach unten. Unterstützungen im DAX liegen im Bereich um 6600 und 6400.

Kurzfristig bestehen gute Chancen, das es morgen eine Gegenbewegung geben könnte, denn wir sind nun ziemlich überverkauft und haben in den US Indizes schon leicht gedreht. Bleibt das Prinzip des Abwärtstrend aber im DAX intakt, sollte diese Bewegung irgendwo oberhalb 6900 auslaufen, wenn sie die 6900 überhaupt noch erreicht.

Ansonstens gibt es heute in Anbetracht des Offensichtlichen nicht viel zu sagen. Es lohnt sich heute auch nicht, über einzelne Aktien zu reden, es war ein Blutbad und das ist wohl offensichtlich. Das war mal wieder so ein Tag an dem man sich nirgendwo verstecken konnte, weil wirklich alles abverkauft wurde - selbst Apple (WKN 865985) war heute im Minus, wenn auch mit nur einem Prozent Minus noch zu den stabileren Aktien gehörend.

Ich möchte Sie am heutigen Tag nur noch einmal daran erinnern, dass man mit "Hoffen" kein Geld verdienen kann, sondern nur arm wird. Jetzt ist also scheinbar die Zeit erst einmal Risiko heraus zu nehmen, ich habe das schon getan und wer nun noch voll investiert ist, tut in meinen Augen gut daran, nun einen Gang zurück zu schalten. Ich habe zwar heute im Handelssystem ein paar Titel taktisch in die Schwäche hinein gekauft, werde diese aber Morgen wieder abgeben, das ist ein kurzfristiger Trade. Und sollte Morgen ein starker Tag werden, was ich mir gut vorstellen kann, werde ich den Tag nutzen, um meine Defensive weiter zu verstärken.

Denken Sie bitte daran, Trends dauern in diesem Markt immer länger als man denkt. Das gilt ausdrücklich auch für Abwärtstrends !

Allerdings dürfen wir bei allem Reden über Risikoreduktion auch das mittelfristige Bild nicht vergessen. Dieser kurzfristige Abwärtstrend im DAX ist bisher nur eine Episode in einem übergeordneten Aufwärtstrend ! Und ich glaube an diesen Aufwärtstrend und an höhere Kurse im zweiten Halbjahr. Sollte der DAX die 6600er Zone erreichen, werde ich aus heutiger Sicht zukaufen. Und sollte der DAX bis 6400 herunter gehen, werde ich wohl erneut zukaufen !

Insofern gibt es heute keinen Grund für Verzweiflung, in dieser Phase liegen grosse Chancen begründet. Und statt sich über die Fehler zu grämen, die man vielleicht gerade gemacht hat, gilt es nun nach vorne zu schauen und die nächsten Chancen besser zu ergreifen. Und glauben Sie mir, diese Chancen liegen schon um die nächste Ecke herum für Sie bereit !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

PS: Einen guten Witz zur Nacht habe ich noch: Unter allen hier regelmässig besprochenen Aktien gab es eine, die heute im Plus schloss - Sie werden es nicht glauben - es war ... Fanfare ... Arch Coal (WKN 908011) !

Warum ich Microsoft nun aus meinem Depot verbanne

Normalerweise bespreche ich hier ja Aktien, die ich für einen Kauf in Erwägung ziehe oder schon halte. Heute möchte ich Ihnen eine Aktie zeigen, die ich nun definitiv nicht mehr kaufen würde und bei der ich nun langsam über einen länger laufenden Short nachdenke.

Sie werden vielleicht überrascht sein, es ist: Microsoft (WKN 870747).

Wer meinen Artikeln schon länger folgt, weiss wie positiv ich Microsoft lange gesehen habe und schon während des Absturz des Marktes letzten Herbst, war die Microsoft Aktie ein willkommener Stabilisator in meinem Depot.

Nun gibt es aber zwei gewichtige Gründe dafür, dass ich in Zukunft eher schwächere Kurse bei Microsoft erwarte: Erstens den Kursverlauf und zweitens die aktuellen Entwicklungen rund um Windows 8.

Kommen wir als erstes zum Chart und hier muss man wirklich kein Raketenwissenschaftler sein, um zu sehen, das der Kurs erste Ermüdungserscheinungen zeigt und sogar eine ziemlich deutliche Schulter-Kopf-Schulter Formation ausgebildet hat.


Source:

Der Chart alleine würde mich aber noch nicht zu einem Short veranlassen, denn objektiv ist der Aufwärtstrend noch intakt, wenn nun auch zunehmend gefährdet. Es kann also durchaus sein, dass Microsoft noch etwas weiter steigt und sich die SKS Formation nicht bestätigt, objektiv sind aber die charttechnischen Risiken schon jetzt so hoch, wie nicht mehr seit letzten Herbst.

Wirklich gefährlich ist aber in meinen Augen für Microsofts Gewinne, was sich mit Windows 8 und der neuen Metro Oberfläche zusammen braut.

Wie Sie vielleicht wissen, bin ich ja auch ein bisschen ein "IT Geek" und habe mir daher Windows 8 mit Metro schon angeschaut. Und ich registriere ganz genau, was sich für ein Meinungsbild bei den Early Adaptors und der kompetenten Fachpresse ala CT (Heise) bildet. Und das ist negativ.

Microsoft macht mit Windows 8 den Versuch, eine einheitliche Oberfläche für Desktop-PCs, wie für Tablets zu etablieren und so seine Macht im PC Desktop Sektor auch im Kampf gegen Apple, Google und Co. einzubringen. Aus Sicht einer Smartphone oder Tablet Oberfläche ist Metro auch gut und wettbewerbsfähig und es gibt daran wenig zu kritisieren. Für einen Desktop Anwender mit grossen Bildschirmen ist Metro aber nach meiner Ansicht ein Rückschritt in die Steinzeit der Desktop-Oberflächen, ich würde Ihnen gerne mal zeigen, wie das auf meinem 30 Zöller aussieht und wie unmöglich das zu bedienen ist.

Sicher kann man unter Windows 8 auch die alte Desktop-Oberfläche weiter nutzen, aber der Weg der Integration ist eindeutig und warum soll ich ein neues Betriebssystem kaufen, wenn es für meine Art der Anwendung keine Innovation bringt, sondern nur Dinge umständlicher macht, die mit Windows 7 zur völligen Zufriedenheit funktionieren ?

Ich persönlich halte es für eine völlig verfehlte Schnappsidee, solche gegensätzlichen Anforderungen wie die eines Architekten mit CAD und eines Smartphone Nutzers der sich in Facebook herum treibt, unter eine gemeinsame Oberfläche bringen zu wollen.

Sicherlich wird diese Integration Microsoft im Kampf um Marktanteile im Smartphone und Tablet Markt etwas helfen. Nur leider darf man nicht vergessen, dass die grossen Gewinne Microsofts immer noch mit Geschäftskunden und Windows und Office gemacht werden. Und ich wage heute schon zu prophezeihen, wie Windows 8 bei den IT Abteilungen ankommt, die tausende Rechner auszustatten haben: nach meiner Einschätzung wird das ein Rohrkrepierer wie Windows Vista. Und auch auf die Umsätze mit einer neuen Office-Version wuerde das massiv negative Auswirkungen haben.

Auf meine Rechner kommt dieses Windows 8 aber auf keinen Fall. Ich kann nicht ausschliessen, dass Microsoft letztlich doch auf diesem Weg erfolgreich ist und sich die Idee einer gemeinsamen Oberfläche für so unterschiedliche Anforderungen dann irgendwann mit Windows 9 oder 10 doch durchsetzt. Aber ich bin überzeugt, mit Windows 8 wird Microsoft einen hohen Preis für diese Strategieänderung zahlen. Einen Preis, den mögliche zusätzliche Marktanteile im Tablet-Sektor zunächst nicht werden ausgleichen können. Und dieser Preis, verbunden mit dem schon (zu) weit gelaufenen Kurs macht Microsoft nun für mich zu einer Aktie, die ich in den nächsten ein bis zwei Jahren nicht haben will.

Übrigens, an dieser Stelle glaube ich tatsächlich einen kleinen "Edge" gegenüber Mr. Market zu haben, denn diese Erkenntnis ist im Markt scheinbar noch nicht vorhanden bzw noch nicht ausreichend eingepreist und es kann auch noch ein paar Monate dauern bis das sackt. Denn Windows 8 kommt wohl erst im Herbst und erst dann wird man wirklich in Zahlen sehen können, wie Windows 8 läuft. Ich warne daher davor, nun ganz schnell Microsoft zu shorten, denn das kann noch bis in den Herbst dauern, bis die Zeit dafür gekommen ist. Aber einen Grund diese Aktie zu halten, kann ich nun nicht mehr erkennen und habe mittlerweile alle Gewinne mitgenommen.