Marktupdate – 29.08.12 – Abwarten und Tee trinken …

14.30 Uhr

Es tut sich nicht viel an den Märkten und deshalb gibt es wirklich nicht viel zu schreiben.

Bemerkenswert ist, dass die "buy the rumor" Rally in Antizipation von Jackson Hole scheinbar zum Erliegen gekommen ist. Es scheint so etwas wie Realismus einzuziehen, dass Bernanke vielleicht doch nicht die grosse Bazooka zündet.

Ich betrachte diese zunehmende Skepsis im Markt als sehr positiv. Sie bereitet den Boden für eine positive Überraschung. Denn der Markt sieht nach wie vor sehr bullisch aus und die Bären haben kaum Kraft, wie auch heute wieder zu beobachten war. Mehr als ein Bröseln bis in den unteren 6900er Bereich im DAX war nicht drin. Gute GDP Daten in den US schieben den DAX seit 14.30 Uhr aber schon wieder über 7000. Überzeugte Bären und ein angeschlagener Markt kurz vor dem Kippen sehen definitiv anders aus.

Stellt sich noch die Frage, wie die überraschende Absage der Teilnahme am Notenbanktreffen in Jackson Hole durch EZB Präsident Draghi zu werten ist. In meinen Augen für die Märkte nicht negativ, denn es unterstreicht, dass die EZB nun wohl ernst macht und eine massive neue Intervention bevorsteht, die in der Mache ist. Eine Intervention, die über das bisher dagewesene hinausgeht und deshalb so intensiv vorbereitet werden muss. Teuer für uns Deutsche wird es allemal.

Die blauäugigen Politiker rund um Kohl, Eichel und Waigel, die dafür die Verantwortung tragen, dass wir als Deutsche in der EZB 27% der Kosten und Haftung tragen, aber nur das gleiche Stimmrecht wie Malta besitzen, sollten dafür nach meiner Meinung in Schimpf und Schande durch die Medien getrieben werden. Solchen Konstrukten zuzustimmen, fällt in meinen Augen unter grobe Naivität und kostet uns, den deutschen Steuerzahler, Multimillarden. Und es kann mir keiner erzählen, dass die Zustimmung zu so krass undemokratischen Stimmrechten zwingend notwendig gewesen wäre um Einigkeit zu erzielen. Der Wert von Ihnen und mir, das Stimmgewicht eines deutschen Bürgers, ist in der EZB um den Faktor 100 oder mehr geringer als der eines Malteser oder Luxemburgers. Zahlen dürfen Sie und ich aber in voller Höhe. Mit demokratischer Legitimierung hat das für mich nichts zu tun. Eigentlich ist seit der franzöischen Revolution vor über 200 Jahren klar, dass Demokratie dem Prinzip "Ein Mensch, eine Stimme" folgt. Ich nenne das deutsche Stimmgewicht in der EZB daher grobe Dummheit der dafür Verantwortlichen.

Das Treffen im Handelsblatt hat übrigens letzten Freitag aufgrund Krankheit der Organisatorin nicht stattgefunden und wird später nachgeholt.

In Anbetracht der Ruhe gehe ich jetzt raus zum Pool und geniesse den vielleicht letzten richtig schönen und heissen Sommertag hier im Fünf-Seen-Land. Die Börse hat mich erst heute Abend wieder.

Ich wünsche Ihnen einen ebenso schönen Tag !

Ihr Hari

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7 Gedanken zu “Marktupdate – 29.08.12 – Abwarten und Tee trinken …”

  1. Hari,

    erst mal ein großes Kompliment und ein Dankeschön an diesen wirklich informativen Blog. Danach habe ich schon längere Zeit gesucht und hier mache ich jetzt meinen täglichen Stop bei der Recherche. Es macht einfach Spass deine Beiträge zu lesen, weil sie nie Informationen komplizierter darstellen als sie sein müssen. Und daran merkt man einfach den wahren Kern einer Sache und bekommt einen besseren Überblick.

    Ich bin momentan noch in der Lernphase (die ja bekanntlich nie endet 🙂 und halte Ausschau nach guter Literatur. Diese ist leider nicht immer auf Anhieb zu finden. Daher an dieser Stelle die Frage ob du bestimmte Bücher zum Thema Börsenhandel etc. empfehlen könntest? Vielleicht wäre sogar eine Kategorie Literaturempfehlungen sinnvoll, falls es genügend davon gibt.

    Grüße

  2. @ TradinGuy, habe ich leider nicht. Grundlagenbücher zum konkreten Handel habe ich vor mehr als einem Jahrzehnt gelesen und sind überholt. Seitdem erweitere ich mein Wissen primär online und interaktiv bzw durch Erfahrung.

    Es gibt natürlich ein paar Klassiker die man einfach gelesen haben muss wie über Livermore von 1923 oder Galbraights vom 1990. Aber diese Bücher helfen Dir nicht direkt beim konkreten Handeln heute, sondern vermitteln Dir Grundlagen-Weisheiten zu den Märkten. Sicher sehr wichtig, aber wohl nicht das was Du suchst.

    Vielleicht können ja andere Leser mit konkreten Buchempfehlungen helfen. Was Links angeht, solltest Du Dich in meinen „Hilfreichen Links“ intensiv umtun und darüber hinaus bin ich gerne Quelle für sonstige Hinweise. An interessanten Links habe ich keinen Mangel, an zwingend lesenswerten, aktuellen Büchern schon.

  3. Also, direkte Lehrbuecher kann ich zwar auch nicht anbieten. Was mir aber gut gefallen hat, ist die Market Wizard Reihe von Jack D. Schwager. Die Reihe ist mittlerweile auf 4 Buecher angewachsen. NB: Die beiden aelteren Buecher der Reihe sind keineswegs veraltet, was da drin steht gilt nach wie vor.

    Dann gibt es noch die Buecher von Dr. Alexander Elder. Ich habe diese selber (noch) nicht gelesen, aber gutes gehoert. Sie sind auf meiner Liste. Vielleicht sind diese ja auch einen Blick wert?

  4. Ich habe die Bücher von Dr. Elder gelesen und kann diese weiter empfehlen. Das Buch Entries and Exits ist sehr gut aufgebaut. 12 Profitrader stellen in diesem Buch jeweis 2 Trades vor, einen guten und einen schlechten. Die Stile der Trader sind unterschiedlich sodass man einen schönen Einblick bekommt. Das Buch Trading for a living beschreibt die Grundlagen des Tradens, wie Risikomanagement, Einstieg, Ausstieg usw. aus sehr gut gemacht, allerdings nur in Englisch. Entries und Exits gibt es auch in Deutsch. Die Bücher haben mir persönlich am meisten geholfen.

  5. @Hans das erste Market Wizard habe ich auch gelesen. Fand ich auch sehr motivierend. Zur Zeit lese ich die Autobiographie von Warren Buffet(von Alice Schröder, sehr zu empfehlen, sehr detailreich) und parallel dazu „Inteligent Investieren“ von Benjamin Graham.

    Aber Hari hat schon recht. Das alles sind Bücher , die sehr interessant sind aber nicht wirklich viel fachliches zu bieten haben oder aber breits überholt sind. Was ich suche sind Bücher, die weniger theoretisch sind und trotzdem einen fachlichen, in der Praxis angewandten Inhalt haben. Wichtig wäre für mich z.B eine klare Darstellung von Faktoren bei der Unternehmensbewertung. Dicke Schinken wo jede Einzelheit theoretisch auseinander gepflückt wird, sind nicht so hilfreich um die wirklich wichtigen Einflußfaktoren an den Finanzmärkten zu erkennen, finde ich.

    Das von Dr. Alexander Elder werde ich mir mal näher anschauen, danke für den Tip

  6. Ich fand diese Buffet Biographie übrigens nicht ganz so toll, weil mir die Alice Schröder zu sehr auf der Detaildarstellung von Verwandten dritten Grades von Buffet rumritt (wen interessiert das schon), dafür aber seinen konkreten Anlagestil und die Darstellung seiner Entscheidungsprozesse im Ungefähren lässt.

    Nicht schlecht das Buch, mir aber zu langatmig mit Inhalt (Thema Charakter der Verwandten und Bekannten) der mich nicht sehr interessiert hat.

    „The Intelligent Investor“ von Graham ist natürlich ein Muss. Siehe meine Darstellung zum Thema sumerdigital im „über mich“ 😉

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