Comdirect Finanzblog Award 2014 – Mitmachen ist Pflicht !

Die Comdirect hat auch 2014 wieder den Finanzblog Award ausgelobt, in dem 2013 sumerdigital bei der ersten Teilnahme den zweiten Preis gewinnen konnte.

Ich freue mich über das Engagement der Comdirect in dieser Sache, denn es ist eine der wenigen Gelegenheiten, in denen privat betriebene Finanzblogs - ohne grossen Redaktionsapparat im Rücken - breite Aufmerksamkeit über ihre kleine Nische hinweg bekommen können.

Die Besonderheit diesen Jahres ist, dass es zum ersten Mal auch einen Publikumspreis gibt, bei dem alleine die Leser (und nicht die Jury) entscheiden, wer die meisten Stimmen bekommt:

Und daher bitte ich Sie nun, bei der Abstimmung mit zu machen. Bedenken Sie bitte, welches Engagement hinter vielen dieser Blogs steht. Bedenken Sie auch, dass Sie als Leser sich letztlich die Qualität der Inhalte im Internet selber machen.

Denn wenn Sie die wenigen guten Finanzblogs mit frei lesbaren Inhalten, nicht wenigstens mit ein paar Klicks unterstützen wollen, müssen Sie sich auch nicht wundern, wenn die Qualität dessen, was Sie frei zur Börse lesen können, eher dürftig ist.

Auch ein noch so engagierter privater Blogbetreiber, will irgend etwas für sein Engagement wiederbekommen und sei es nur das Lob und die Anerkennung der Leser. Und wenn er das nicht erhält, wird er entweder sein Engagement einstellen oder zu Methoden der Finanzierung greifen, die eher fragwürdig sind.

Und so blinken einen im freien Internet gerne allerlei eher peinliche Banner an. Oder es werden - für mich noch schlimmer und gegen den journalistischen Ethos - bezahlte Artikel ungekennzeichnet als vermeintlicher Bloginhalt eingestellt, die aber nichts weiter als verkappte Werbung sind.

Der Blogbetreiber hält damit nach hinten die Hand auf und tut nach vorne zu seinen Lesern so, als wäre es unabhängiger Inhalt, der da unter seinem Namen veröffentlicht wird. Diese Unsitte greift immer mehr um sich und ich bekomme andauernd solche Angebote von den üblichen Verdächtigen, wie Pennystocks-Pushern, Online-Kasinos oder von sogenannten "Binary-Options-Brokern" - irgendwo zwischen Cayman-Inseln und Zypern.

Ich kann es mir glücklicherweise erlauben, das alles rigoros abzulehnen, weil sumerdigital die extrem seltene Ausnahme mit einem erfolgreichen Mitgliedschaftsmodell ist, das den Blog finanziert. Wobei genau genommen lehne ich das gar nicht pauschal ab, weil wenn der Inhalt annehmbar ist, kann jeder hier einen bezahlten Artikel veröffentlichen, der der Kundenacquise dient. Warum auch nicht, Werbung ist ja nichts perse Unzüchtiges. Nur wenn ich dann als Bedingung aufstelle, dass der Artikel aber klar als "Sponsored Content" gekennzeichnet wird und auch der Autor mit Namen und Firma kenntlich gemacht wird, dann höre ich - bis auf die wenigen wirklich seriösen Interessenten wie zuletzt die ING oder die IG - nichts mehr. 😉

Von einer Finanzierung über ein Mitgliedschaftsmodell können aber die meisten Blogs nur träumen und müssen dann zwangsläufig zu anderen Formen der Finanzierung greifen. Machen Sie sich als Leser also bitte bewusst, dass Sie selber mit ihrem Lese- und Klick-Verhalten einen erheblichen Beitrag zur Kultur oder Unkultur im Bereich der Finanzmedien beitragen.

Und deswegen wäre es jetzt nur fair, wenn Sie sich nun am Publikumspreis der Comdirect beteiligen und Ihre Stimme für einen der Blogs abgeben. Und falls Sie sich nicht für sumerdigital als besten Finanzblog entscheiden können, dann eben für einen anderen. Hauptsache, Sie machen mit ! Denn Sie verschaffen den beteiligten Blogs damit Aufmerksamkeit.

Vielen Dank im Voraus. Und nach dieser Vorrede, geht es hier zur Abstimmung:

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Finanztransaktionssteuer nur auf Aktien ist grober Unfug !

Es gibt Dinge, die kann man gar nicht oft genug in einem persönlichen Kommentar aussprechen.

Vor fast exakt einem Jahr, habe ich im Artikel -> Finanztransaktionssteuer - Von Ahnungslosigkeit und Lobbyismus <- eine Wutrede auf den damaligen Vorschlag der EU zur Finanztransaktionssteuer losgelassen, in dem Geschäfte auf den volkswirtschaftlich sinnvollen Aktienhandel 10x so stark besteuert werden sollten, wie Geschäfte auf Derivate. Es macht Sinn diesen Artikel noch einmal zu lesen, denn die Argumentation ist unverändert gültig und ich werde heute diese Argumentation nicht wiederholen.

Wer jetzt aber glaubte, es würde sich etwas zum Besseren ändern, wurde getäuscht. Vielleicht kennen Sie ja den Aphorismus:

Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir: "Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!"
Und ich lächelte und war froh, und es kam schlimmer!

Genau das passiert gerade, denn nun scheinen sich Frankreich und Deutschland in einem typischen, politischen Formelkompromiss darauf verständigen zu wollen, einen der Finanztransaktionssteuer vorzunehmen, bei dem zunächst nur Aktiengeschäfte besteuert werden sollen. Und das was wirklich entschleunigt werden müsste - der Wildwuchs der Derivate - kommt dann irgendwann .... uhmmm ..... ja vielleicht ...... ein bisschen ...... später ...... wenn überhaupt.

Das ist so klar und eindeutig grober Unfug, dass selbst die Mainstream-Presse bei dem Thema sofort richtig reagiert, die Welt hatte gestern den Artikel online und das Handelsblatt schreibt zu Recht vom .

Statt meine Position also erneut zu begründen und herzuleiten - das habe ich ausführlich vor einem Jahr getan - will ich hier nur in Stichpunkten mal ein paar Fakten zusammen fassen und Konsequenzen aufzeigen.

1. Ich bin persönlich für eine sinnvolle Finanztransaktionssteuer, deren Sinn die Entschleunigung der Finanzmärkte ist und die derivativen Wildwuchs zurück zu schneiden hilft. Bei dieser Steuer darf aber nicht die Einnahmenseite im Vordergrund stehen, sondern es geht darum, die volkswirtschaftlich schädlichen oder unsinnigen - weil Risiken produzierenden - Marktbereiche unwirtschaftlicher und damit unattraktiver zu machen. Nebenbei würde eine richtig gesetzte Finanztransaktionssteuer auch das HFT Unwesen eindämmen und uns allerlei regulatorische und tatsächliche Probleme und Risiken abnehmen.

2. Der Aktienhandel ist volkswirtschaftlich sinnvoll, er dient der Finanzierung der Unternehmen. Ohne Wagniskapital über die Börse, würde es eine Tesla Motors so nicht geben und viele andere erfolgreiche Unternehmen auch nicht. Der klassische Aktienhandel hat Null und Nichts mit den Ursachen der Finanzkrise zu tun. Im Gegenteil, der volkswirtschaftlich sinnvolle Aktienhandel steht unter Attacke. Unter Attacke durch Fehlentwicklungen wie das HFT. Unter Attacke durch die Zerfaserung des Handels auf diverse unregulierte Handelsplätze (Dark Pools). Unter Attacke durch diverse derivate Produkte, mit denen der echte Aktienhandel an echten Börsen umgangen werden kann.

3. Eine Börsenumsatzsteuer nur auf den Aktienhandel, ist ein Boom-Programm für Derivate und fördert die eigenen Transaktionen noch mehr in privaten Handelsplattformen (Dark Pools) zu verstecken. Dieser Formelkompromiss schädigt damit das volkswirtschaftlich Sinnvolle und fördert den Wildwuchs weiter. Das ist für mich grober Unfug ! Ein andere Formulierung fällt mir persönlich dazu einfach nicht ein.

4. Bezahlt wird diese Form von Finanztransaktionssteuer nicht von der Grossfinanz, die ausweichen kann und wird. Bezahlt wird sie vom normalen Bürger, dessen in Zeiten der finanziellen Repression sowieso schon schwieriger Versuch der Geldanlage, weiter verteuert wird. Aber selbst Verträge, bei denen man auf den ersten Blick gar nicht daran denken würde, wie Fondsparpläne bei Lebensversicherungen, werden negativ belastet werden.

5. Wer dagegen mobil ist oder der Grossfinanz angehört, wird je nach Ausgestaltung der Regeln einfach nicht mehr Aktien handeln und dafür Derivate nutzen. Oder auf Handelsplätze ausserhalb der EU ausweichen. Oder deutsche und französische Firmen am Aktienmarkt ganz meiden, die muss man auch nicht zwingend haben, es reicht sich in den USA und Asien zu tummeln. Geschädigt wird dadurch die Fähigkeit von deutschen oder französischen Unternehmen, an der Börse Kapital aufzunehmen.

Dieser aktuelle Vorschlag, mit einer reinen Finanztransaktionssteuer auf Aktien zu beginnen, ist auf jeden Fall ein Musterbeispiel, wie aus der prinzipiell guten Idee der "Tobin-Tax", durch politische Formelkompromisse ein Monster gemacht wird. Ein Monster, das vorhandene Fehlentwicklungen fördert und die verbleibenden Inseln der volkswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit an den Finanzmärkten mutwillig schädigt.

Ist es wirklich möglich, dass so ein offensichtlicher Blödsinn Gesetz werden wird ? Noch hoffe ich auf die Intelligenz bei den Beteiligten. Hoffentlich nicht zu Unrecht.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

DAX Future Flash Crash

06.02.14 15:15 Uhr

Wenige Minuten nach dem Ereignis, heute um 13.50 Uhr, habe ich meinen Lesern im Premium-Bereich das folgende Chart gepostet:

Flash Crash 06.02.14

Lange war ich im Zweifel, ob der DAX Future wirklich einen Flash-Crash hatte, oder nur meine Datenversorgung einer Anomalie unterlag.

Nun endlich, kommt nach über einer Stunde über einen Artikel des Wall Street Journals die Bestätigung:
.
Meine Datenversorgung war also intakt und der Flash Crash real.

Das bei so einer Bewegung der Computerhandel eine zentrale Rolle spielt, ist nach meiner Ansicht ziemlich sicher. Der beliebte "Fat Finger" als Begründung genügt mir dabei nicht.

Wie mir überhaupt die im obigen Artikel zitierte Reaktion der Deutschen Börse zu nonchalant am wirklichen Problem vorbei geht. Unzählige Anleger, egal ob privat oder institutionell, sitzen nun auf ungerechtfertigten Verlusten, weil Stops und Barrieren gezogen wurden. Gleichzeitig sehe ich aber an den diversen Derivaten, das die Volatilität nicht nach oben angepasst wurde. So, als ob nichts gewesen wäre.

Das eine passt aber nach meiner Ansicht nicht zum anderen. Entweder war das ein normaler Marktverlauf, dann müsste sich so ein Swing auf die Volatilität auswirken. Oder es war eben eine Anomalie und danach sieht es für mich aus. Dann hat mir die Deutsche Börse aber mehr zu erklären, als ich bisher lesen kann.

Klar ist auf jeden Fall, dass ohne den Computerhandel so etwas nicht möglich wäre. Einem Computerhandel, von dem auch die Deutsche Börse profitiert. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an meinen fast 1,5 Jahre alten Artikel zur -> Co-Location <-

Eine Stopkaskade, wie in dem Artikel des WSJ gemutmasst wird, ist immer möglich und ist auch völlig normales Marktverhalten. Nur kommt dann der Kurs nicht sofort wieder wie ein Strich auf das Ausgangsniveau zurück. Das passt als Begründung nach meiner Ansicht eher nicht zusammen und die Deutsche Börse schuldet uns in meinen Augen eine bessere Erklärung, als diese paar dürren Worte, die ich bisher finden kann.

Laut wird schon eingeräumt, dass Anträge auf "Misstrades" vorliegen. Insofern ist das Thema ganz bestimmt noch nicht abgeschlossen.

Insofern hoffe ich, dass Deutsche Börse und die Börsenaufsicht, hier bald mehr Licht ins Dunkel bringen. Und vor allem auch Konsequenzen daraus ziehen !

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

Die Bedeutung des Zeithorizontes am Beispiel der Emerging Markets

Wie wichtig der Zeithorizont bei der Wertung einer Situation ist und wie viel man selbst nur mit einem schnellen Blick in Charts erkennen kann, will ich Ihnen hier beispielhaft am Thema der Emerging Markets zeigen.

Jeder rätselt da ja nun herum, ob es weiter runter geht und sich die Krise nun erst so richtig ausbreitet. Oder ob das eher die Beschleunigung ist, die am Ende einer langen Abwärtsphase steht und damit attraktive Kaufkurse nun in naher Zukunft vor uns liegen.

Die fundamentalen Daten helfen uns dabei eher wenig, die kann man nämlich so oder so auslegen, was ja auch permanent in alle Himmelsrichtungen passiert. Der Markt läuft diesen Daten aber in der Regel vor und ist deswegen der weit bessere Indikator.

Und deswegen nehmen wir uns als "Benchmark" nun mal den grossen ETF "iShares MSCI Emerging Markets Index Fund (EEM)" und schauen uns das Chart in USD aus dem amerikanischen Handel an, weil das der liquideste Handel des Planeten ist und deshalb auch die belastbarsten Signale der Markttechnik liefert.

EEM 05.02.14

Im Chart mit Tageskerzen sehen wir also, dass der Markt nun nach unten überdehnt ist und ein Bounce oder "Snapper" jederzeit um die Ecke kommen kann. Es ist sogar durchaus möglich, dass wir hier nun ein höheres Tief generieren. In Summe ist das kein Chart, das zwingend danach verlangt, nun als Letzter auch noch bärisch zu werden.

Auf der kurzfristigen Zeitebene signalisiert dieses Chart sogar potentiell vorhandene Chancen nach oben, wobei es noch zu früh ist, diese zu ergreifen, aber zumindest beobachten sollte man das Geschehen. Und das ist doch mal eine überraschende Aussage, wenn man sich die ganzen Weltuntergangsberichte zum Thema aktuell anhört - der mediale Mainstreams läuft halt typischerweise den Kursen hinterher.

Nun schauen wir aber auch mal auf den EEM im langfristigen Wochenchart seit 2009 und das eröffnet eine ganz andere Perspektive und lässt einem eher das Blut in den Adern gefrieren:

EEM Wochen 05.02.14

Denn wir sehen, dass seit Jahren an den Aktienmärkten der Emerging Markets nicht viel zu holen war. Und obwohl auch dieses Chart die Möglichkeit zeigt, dass es nun erst mal wieder einen Bounce weg von der wichtigen Unterstützung gibt, bietet das Chart auf der langfristigen Zeitebene doch wenig bis nichts, das einen aufmerksamen Beobachter von einer bullischen Entwicklung überzeugen könnte.

Im Gegenteil, die Gefahr besteht tatsächlich, dass sich die Gewichte in der Weltwirtschaft wieder zu den alten Industriestaaten verschieben und die strukturellen Defizite einiger Emerging Markets, die durch massiv zufliessende Liquidität lange überdeckt wurden, nun wieder zu Tage treten. Und wenn der EEM diese wichtige Unterstützung nach unten reisst, dürfte das ein sehr bedeutendes und langfristiges Signal sein.

So gibt uns der schnelle Blick auf zwei Charts unterschiedlichen Zeithorizonts eine eigentlich sehr klare Botschaft zu den Emerging Markets. Kurzfristig sind mehr Chancen für eine positive Gegenbewegung da, als sich der Markt im Moment unter dem Druck der negativen Stimmung vorstellen kann. Langfristig haben die Skeptiker zu den Emerging Markets aber einen Punkt und wenn diese Märkte wirklich wieder Zukunft haben, würden wir das in den Kursen sehr schnell sehen können. Davon sind wir aber derzeit weit entfernt.

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Volatilität am Beispiel des VIX – Ein Chart zur Lage am Markt

Die Sorge um einen einbrechenden Markt hat nun auch den Mainstream erreicht, der zunächst mit klassischem -> Recency Bias <- dem "Buy the Dip" huldigte und nun schmerzhaft erlebt hat, wie alle neu eingegangenen Positionen tiefrot im Depot stehen. Eine Erfahrung, die die Markteilnehmer zuletzt 2012 gemacht und daher wohl vergessen haben.

Dummerweise läuft der Markt der Wahrnehmung des Mainstreams immer voraus, weswegen Anleger, die sich nach den medialen Stimmungen richten, immer wieder feststellen, dass sie im genau falschen Zeitpunkt handeln und der Markt kurz danach dreht. Man könnte fast meinen, der "fiese Mr. Market" würde einem über die Schulter schauen und dann genau das Gegenteil machen. Und das ist auch tatsächlich so, wenn man den medialen Stimmungen nachläuft, denn genau die machen die Kurse und die Kurse sind genau da, wo sie sind, weil die Stimmung ist, wie sie ist.

Wer also noch keine objektiven Indikatoren hat und nun über die Zukunft rätselt, dem will ich heute mal einen der vielen möglichen Indikatoren zeigen.

Es ist der VIX, der die Schwankungsbreite des Leitindex S&P500 darstellt, hier in einer kontinuierlichen Darstellung des Futures:

VIX 05.02.14

Was wir sehen, sticht sofort ins Auge. Der Markt ist schon auf den Zehenspitzen. Die Volatilität ist stark gestiegen. Und sie ist nun genau in den Bereich gestiegen, der zuletzt immer wieder für eine Beruhigung und Gegenbewegung gut war.

Wird es dieses mal anders sein ? Vielleicht, es ist nicht ausgeschlossen, dass der Markt nun crash-artig zusammen bricht und dann wird der VIX noch weit höher steigen. Und es spricht nichts dagegen, dass der VIX auch wieder in die Regionen der Eurokrise 2011 steigt. Aber es ist nicht das wahrscheinlichste Szenario und mehr als Wahrscheinlichkeiten haben wir nicht am Markt.

Wahrscheinlich ist eher, das schon bald eine Beruhigung ansteht, die den VIX wieder fallen lässt und typischerweise wieder mit steigenden Kurse korreliert. Auf jeden Fall ist das im Moment nicht der optimale Zeitpunkt, um als Letzter auch noch in Panik zu verfallen.

Und gegen die zwar geringe, aber fraglos vorhandene Wahrscheinlichkeit eines nun bevor stehenden massiven Einbruches an den Märkten, haben wir Stops. Diese schützen uns zuverlässig, wenn wir sie mit Überlegung unter die wichtigen Unterstützungen legen.

Ich möchte betonen, dass sich aus diesem Chart des VIX keine Aussagen über die mittelfristige Kursentwicklung ableiten lassen. Es kann sehr wohl sein, dass der Markt sich nun in einem Prozess einer langfristigen Topbildung befindet. Und dann wird der VIX irgendwann weit höher stehen.

Dieses Chart sagt uns nur, dass in der nahen Zukunft der kommenden Tage in den Märkten sehr wohl die Chance auf eine Überraschung nach oben existiert. Die Stimmung und Nervosität ist dafür nun gross genug geworden. Über diese wenigen Tage hinaus, hat dieses Chart des VIX keine weitere Botschaft.

Aber so ein objektiver Indikator ist alle mal aussagekräftiger und besser, als nur den medialen Stimmungen hinterher zu laufen und damit zwangsläufig immer zu spät auf die Party zu kommen.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Börsenweisheiten reloaded VI – Zum Einstieg wird nicht geklingelt !

Börsenweisheiten reloaded VI – Zum Einstieg wird nicht geklingelt (Zum Ausstieg auch nicht)

Ein Gastkommentar von Tokay

Die letzten Börsentage verliefen turbulent und die allgemeine Nervosität am Aktienmarkt hat allenthalben deutlich zugenommen. Viele fragen sich, ob eine Trendwende nun unmittelbar bevorstehe.

Man kann die Börse mit einem Zug vergleichen, der ein bestimmtes Ziel ansteuert und nach Erreichen des Ziels wieder in die Gegenrichtung fährt. Der Unterschied zum tatsächlichen Zug ist dummerweise, dass es keinen Fahrplan oder auch keine Glocke gibt, die genau dann klingelt, wenn der Zug sich in Bewegung setzt. Man muss also selbst versuchen, das herauszufinden.

Gibt es an der Börse denn irgendwelche regelmäßigen Bewegungen? Gibt es einen Zyklus, der uns sagt, wo wir uns nun gerade befinden? Da gibt es unterschiedliche Theorien. Zum Beispiel gibt es einen Präsidentschaftszyklus, der besagt, dass in Jahren während und vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl die Börse nach oben geht und danach wieder herunter, dann hätte man einen Vierjahreszyklus. Es gibt auch die Theorie des Jahrzehntzyklus, wonach beispielsweise die Jahre, die mit 2 und 3 enden, besonders gut ausfielen, was wir für das vergangene Jahr durchaus bestätigen können. Sicher gibt es noch mehr solche Theorien.

Eine gute Möglichkeit für die Untersuchung des Phänomens der Börsenzyklen bietet eine Excel-Zeitreihe des Standard&Poor's 500 Index (sie findet sich auf der -> Homepage von Professor Robert Shiller <- ). Sie liefert die Kutände des S&P 500 zum jeweiligen Monatsanfang. Diese Zeitreihe geht zurück bis Anfang 1871, also auf einen Startpunkt nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs. Die Frage stellte sich für mich, wie lange dauert ein Bullenmarkt bzw. eine Hausse und wie lange ein Bärenmarkt bzw, eine Baisse, und wie lange dauert somit ein Börsenzyklus insgesamt?

Dazu habe ich die Festlegung getroffen, dass

  • ein Bullenmarkt vorliegt, wenn der Markt um mindestens 15 Prozent steigt;
  • ein Bärenmarkt vorliegt, wenn der Markt in einem Zeitraum von mindestens sechs Monaten um mindestens 15 Prozent oder in einem Zeitraum von höchstens sechs Monaten um mindestens 10 Prozent fällt. Maßgeblich waren die Monatsanfangswerte;
  • in Abweichung dazu habe ich den Zeitraum von April bis Oktober 1923 als Bärenmarkt klassifiziert, da beide Kriterien zusammen nur sehr knapp verfehlt wurden.
  • Der Beginn eines Bullenmarktes bzw. das Ende eines Bärenmarktes ist in der nachfolgenden Grafik mit „T“ markiert, sein Ende bzw, der Beginn des folgenden Bärenmarktes mit „H“.

Schauen wir uns die Grafik an - zum genauen Betrachten bitte anklicken:

Grafik Standard&Poors Januar 1871 bis Januar 2014

Kurz nach Beginn der Aufzeichnungen begann eine Baisse, die in Deutschland als „Gründerkrach“ in die Wirtschaftsgeschichte eingegangen ist, was darauf hindeutet, dass es bereits damals eine globale Ökonomie und damit eine Verbundenheit der Finanzmärkte gab. Diese Krise dauerte über sechs Jahre. Danach sehen wir einen Wechsel von Bullenmärkten und Bärenmärkten bis 1923. Nun begannen die „Roaring Twenties“, die in den Crash vom Oktober 1929 und anschließend in die Große Depression mündeten. Die Große Depression war 1942 zu Ende, und der Aktienmarkt nahm das Wechselspiel von Bullenmarkt und Bärenmarkt wieder auf. Dieses Wechselspiel wiederum war von sehr unterschiedlicher Dynamik geprägt und es dauert bis heute an.

In der Mitte der Fünfziger Jahre, also zur Zeit des „Wirtschaftswunders“ in Westdeutschland, gab es eine Wachstumspause, aber keine Baisse, ebenso in der Mitte der Neunziger Jahre, als der Aktienmarkt kurzzeitig stagnierte und zum Jahrtausendwechsel hin wieder Fahrt aufnahm. Ein Zäsur ereignete sich dann Anfang 2000 mit dem Platzen der IT-Blase. Die sich anschließende Baisse dauerte drei Jahre. Schließlich die Finanzkrise 2008 sowie die Doppelkrise 2011(US-Haushaltsstreit und Eurokrise), welch letztere sich jedoch nur als vorübergehendes Intermezzo erwies. Fassen wir diese Zyklen in einer Tabelle zusammen:

Tabelle Börsenzyklen Standard&Poors 500 - 1871 bis 2014

Diese Zahlen sind sehr beeindruckend. Danach errechnet sich eine mittlere Zykluslänge von 54 Monaten, also von 4 ½ Jahren. Und man kann noch mehr sagen:

  • Ein Bullenmarkt dauerte durchschnittlich 37 Monate, ein Bärenmarkt im Mittel 16 Monate. Ein Bullenmarkt dauerte also wesentlich länger;
  • Der mittlere Gewinn im Bullenmarkt betrug 88 Prozent, der mittlere Verlust im Bärenmarkt lag bei etwa 28 Prozent. Auf drei Prozent Gewinn im Bullenmarkt kommen damit ein Prozent Verlust im Bärenmarkt;
  • Eine auch nur annähernd regelmäßige Zykluslänge gab es nicht. Die Zyklen waren sehr unterschiedlich lang. Ebenso die Bullen- und Bärenmärkte. Beeindruckend ist aber dennoch, dass die Zyklizität des Börsengeschehens über den gesamten Zeitraum zu beobachten ist. Der Aktienmarkt scheint also tatsächlich bestimmten Regelmäßigkeiten zu gehorchen.

Es gibt verschiedene Schlussfolgerungen, die man aus diesen Beobachtungen ziehen kann. Erstens, Übergänge vom Bullen- zum Bärenmarkt und umgekehrt vollziehen sich sehr rasch („Die Hausse stirbt in der Euphorie“, “Kaufen, wenn die Kanonen donnern“). Es kann daher einiges am Börsenerfolg ausmachen, diese Wendepunkte zu verpassen. Zweitens, das Über- oder Unterschreiten von Trendlinien wie dem 200-Tage-Durchschnitt ist von sehr großer Bedeutung. Drittens, je länger eine Hausse oder Baisse andauert, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie jeweils mit einer scharfen Umkehrbewegung zu Ende geht. Weil das so ist, lohnt es sich, einen Trendwechsel frühzeitig zu erkennen, um dem neuen Markttrend umso länger folgen zu können („The trend is your friend“). Viertens, die Zyklizität des Aktienmarktes folgt im wesentlichen dem Gewinn- und dem Zinszyklus, welche wiederum beide voneinander anhängen. Aus dieser wechselseitigen Abhängigkeit entsteht sozusagen eine Schwingungsbewegung, eben der Börsenzyklus.

Diese Schwingungen sind von erstaunlicher Regelmäßigkeit, sie werden aber exogen gestört, nämlich durch die staatliche Fiskal-, Geld- und Währungspolitik oder durch exogene Schocks wie etwa Ölkrisen, Ereignisse wie Pearl Harbor oder 11. September 2001. Solche exogenen Ursachen verlängern oder verkürzen eine Hausse oder Baisse, diese gewinnen an Intensität oder flachen ab. Dauert eine Hausse oder eine Baisse lange genug an, dann bekommt sie eine Eigendynamik. Die Marktteilnehmer werden dann euphorisch oder panisch, und genau das schafft die Grundlage für einen Übergang in die nächste Marktphase. Deshalb ist in solchen Phasen auch mit einer deutlich erhöhten Volatilität zu rechnen.

Kommen wir zurück in die Jetztzeit. Der jetzige, der einunddreißigste Zyklus seit 1872, begann im September 2011. Unterstellt man eine mittlere Länge des Bullenmarktes, dann würde dieser in drei Monaten enden. Das ist aber nur eine sehr grobe Orientierung. Die Wahrscheinlichkeit, dass die gegenwärtige Hausse zu Ende geht, wird allerdings mit jedem Monat größer, und so ist es gut möglich, dass das Klingeln der Glocke dieses Jahr noch ertönt.

Tokay

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Von Genies in Bullenmärkten

Es gibt ein Börsen-Bonmot, in dem extrem viel Wahrheit liegt: "Everyone is a genius in a bull market !"

In einem Bullenmarkt ist es leicht Geld zu verdienen. Denn solange man im Markt auf der Long-Seite investiert ist - was der Normalfall ist - bügelt der Bullenmarkt die Fehlentscheidungen im Laufe der Zeit aus. Bullenmärkte basieren auch immer auf starken Trends und die laufen sowieso eher länger, als wir uns gemeinhin vorstellen können.

Und letztes Jahr war das besonders interessant, weil es im Markt ein paar "heisse" Momentum-Sektoren wie Solar, Biotech oder 3D Druck gab, in denen man fast nichts falsch machen konnte. Einfach die Augen zu machen, die Nase zu halten und die heissesten Titel bei jedem verfluchten Dip kaufen und *schwupps* hatte man 2013 riesige Gewinne im Depot. Hätte man einem Affen nur diese Sektoren zur Auswahl gegeben und ihn ansonsten Dart-Pfeile werfen lassen, hätte er auch eine sensationelle Performance generiert.

Jetzt will ich die Leistung nicht verniedlichen oder schlecht machen, denn auch das muss man ja erst einmal tun. Man muss das Verständnis und die emotionale Kraft haben, eine extrem überbewertete Aktie trotzdem nach Markttechnik zu kaufen, weil man Markttechnik versteht. Und man muss die emotionale Kraft haben, solche Gewinne dann auch mal laufen zu lassen, statt zu früh zu kappen.

Insofern ist es eine echte Leitung, die die erbracht haben, die in 2013 in den Sektoren abgeräumt haben. Und darauf kann man stolz sein, denn das hat nur eine Minderheit hinbekommen. Ich will mit den Zeilen oben aber klar machen, es war eben nur deshalb so erfolgreich, weil der Markt beliebte das ganze Jahr ohne grosse Korrektur hoch zu laufen und jeder Dip eine Kaufgelegenheit war. Und das ist nicht normal, das ist die grosse Ausnahme in Börsenjahren !

Nun haben wir aber schon sehr lange einen Bullenmarkt und irgendwann wird der zu Ende gehen. Passiert das gerade ? Dafür gibt es noch keinen Indikator, aber möglich ist vieles, hinterher sind wir klüger. Auf jeden Fall wird der Bullenmarkt irgendwann vorbei sein und dass 2014 wahrscheinlich nicht so gleichmässig und permanent steigen wird wie 2013, ist nun offensichtlich und selbsterklärend.

Und dann haben wir entweder eine volatile Seitwärtsbewegung, in der es nur wenige stabile Trends gibt, oder wir haben sogar einen Bärenmarkt.

In beiden Fällen werden die Marktteilnehmer, die im Bullenmarkt sich zu viel zu schnell auf ihre Gewinne eingebildet haben, ganz deutlich auf die Nase fallen. Denn in solchen Märkten hilft einem nur eins dabei zu überleben: klare Strategie, klares Risikomanagement, klares Moneymanagement. Übersetzt also das Denken in Setups mit definiertem, bewusstem Plan, vorher überlegte Exit-Positionen und eine Vorstellung vom Risiko, dem man sich aussetzen will. Und die Adjustierung dieses Risikos, durch die Positionsgrössen oder durch Hedging.

Denn wenn die Trends nicht mehr klar sind und der Markt permanent die Richtung wechselt - und solche Phasen können auch mal ein Jahr dauern - wird jeder ohne Risiko- und Moneymanagement in seine Bestandteile zerlegt. Ich garantiere Ihnen das !

Ich habe zu diesen Themen hier im Blog schon viel geschrieben. Für den normalen Anleger genügen zum Start ganz einfache Techniken, die ich unter dem Obernbegriff "Setups" hier immer propagiert habe. Diese mit einer konkreten Regel zu den Positionsgrössen ergänzt, so dass man sich nicht zu grosse Klumpenrisiken im Depot schafft, ist schon ein grosser Schritt nach vorne und für viele normale Anleger erst einmal als Basis für das Risikomanagement ausreichend.

Ich kann Ihnen nur dringend raten, wenn Sie so etwas noch nicht haben, tun Sie es ! Besser gestern als heute ! Ohne eine systematische Herangehensweise an das was Sie tun, werden Sie keinen dauerhaften Erfolg an den Märkten haben. Überschätzen Sie also nicht die leichten Gewinne in 2013, wenn Profis einen Neuling an den Pokertisch holen, lassen Sie den auch erst einmal gewinnen. 😉

Denn der nächste Seitwärts- oder Bärenmarkt kommt bestimmt. Wenn nicht heute, dann morgen. Und in dem trennt sich an der Börse die Spreu vom Weizen und die Jungs von den Männern. Und wir sind hier doch alle Weizen, oder ? 😉

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Warum das Denken in Strukturen und Setups, für den Börsenerfolg so wichtig ist !

Bedingt durch viele neue Leser, muss ich auch unbedingt noch einmal das Prinzip der "Setups" in den Vordergrund rücken. Es wurde hier dazu schon viel geschrieben und im Premium-Bereich sind individuelle Setups jeden Tag Thema der Community.

Eigentlich sind Setups ja eine Trivialität. Denn es ist nur ein Name für den Umstand, dass man bei einer Position im Markt einen Plan hat, das man also weiss, wohin man will, warum man eingestiegen ist und wann man die Reissleine zieht.

Eigentlich trivial. Wir alle aber wissen, wie wenig trivial das ist, denn wie oft haben wir schon nicht so agiert ? Im Gegenteil, ich behaupte, bei der Mehrzahl der privaten Anleger sind genau diese Basics nicht vorhanden.

Eine Anlage am Aktienmarkt sieht da eher so aus, dass man irgend einen Artikel liest, der einem total gefällt. Typischerweise ist das dann ein Artikel, der den sowieso schon bei einem vorhandenen Bias bestätigt, sonst würde der Artikel nicht so gefallen.

Nun fühlt man sich "überzeugt", wenn man böse sein will, wurde man nun "gläubig". Von dem Moment an, verspürt man den Drang einzusteigen, weil wenn sich der Kurs sowieso in diese Richtung bewegen "muss", denn dann könnte man ja was verpassen, wenn man jetzt nicht schnell ist ....

Also kauft man kurz danach. Man atmet durch und fühlt sich einen Tag wie "Warren Buffet". Alles ist gut, das war ja "Value". Und dann beginnt das Drama ..... 😉

Sie werden lachen, das ist aber zu oft die Realität. Engagements im Markt werden eingegangen ohne Plan, ohne objektiven Anlass es gerade jetzt zu tun, ohne klare Zielvorstellung, ohne Exit-Szenario.

In dem Sie sich zwingen, alle Ihre Handlungen nur noch nach dem Prinzip "Setup" durchzuführen, erzeugen Sie für sich selber ein Korsett, das Sie zu rationalem und kontrolliertem Handeln zwingt.

Zwingen Sie sich also zu den folgenden Schritten:

(1) Begründung im Chart !

Wenn Sie eine Position eingehen, sollten Sie anhand des Charts begründen können, warum Sie es gerade jetzt tun. Das Chart bildet die gesamte Historie ab, das gesamte Wissen aller Marktteilnehmer um diese Aktie. Wenn Sie Ihren Einstieg also nicht anhand des Charts begründen können, woran denn dann ? Sind Sie der einzige auf der Welt mit einer Glaskugel oder bilden sich das ein ?

Und betrügen Sie sich nicht selber mit vermeintlich fundamentalen Parametern. Diese sind ja bekannt und auch im Kurs. Sie sind nicht der einzige, der diese Parameter sieht und weil diese sind wie sie sind, ist der Kurs da wo er ist. Und auch die Erwartung, die Sie an die Zukunft haben, haben Sie - ausser wenn Sie echter Insider sind - nicht als Einziger im Markt. Sie haben das doch in einem Artikel gelesen oder ? Also ist das schon im Kurs.

Zwingen Sie sich also dazu, Ihren Einstieg im Chart begründen zu können. Und den Beweis können Sie dann am Besten antreten, wenn Sie das aufschreiben und ideal anderen erklären können, so wie viele Leser und ich das hier in der sumerdigital Community machen. Denn der Zwang aufzuschreiben, fokussiert die Gedanken. Es war schon immer so, wenn man gezwungen ist anderen zu erklären, merkt man schnell, wo die Schwächen der eigenen Argumentation sind.

Und da wir hier alle dicke Gewinne im Depot haben wollen, sollten wir ein Eigeninteresse daran haben, unsere Schwächen aufzudecken. Unser Ego sollten wir woanders pflegen, nicht aber an der Börse.

(2) Ziel und Ausstieg !

Wer einen Gipfel erreichen will, muss wissen in welche Richtung der Weg geht und auf welcher Höhe der Gipfel liegt. Und er muss auch den Ab- bzw Ausstieg kennen. Insbesondere wenn auf dem Weg zum Gipfel ein überraschendes Unwetter aufkommt, sollte man nicht stur weiter aufwärts steigen, sondern wissen, wie man schnell wieder ins Tal kommt.

Und so müssen Sie bei jeder neuen Position unbedingt wissen, wann Sie die Gewinne mitnehmen wollen und wann Sie die Not-Reissleine ziehen. Das nicht vorher zu definieren - und aufzuschreiben - ist grob fahrlässig. Und an der Börse gleichbedeutend mit dem Hang zum Masochismus.

(3) Execution !

Der schönste Plan nützt aber nichts, wenn Sie sich nicht daran halten ! Verfolgen Sie also Ihre Positionen und halten Sie sich an Ihre Parameter. Und da man dann am diszipliniertesten einem Plan folgt, wenn er einem vor Augen steht, sollten Sie Ihren Plan unbedingt aufschreiben.

(4) Nachbearbeitung

Das Schöne daran seine Setups zu dokumentieren ist, dass man hinterher noch einmal schauen kann, was man richtig und falsch gemacht hat. Und daraus lernen kann. Denn Lernen ist ein iterativer Prozess und welchen besseren Input wollen Sie dazu finden, als die Dokumentation Ihrer eigenen Erfolge und Misserfolge ? Nur wer aus Fehlern lernt, kann sich weiter entwickeln. Wer sich dem verweigert, ist dazu verdammt, die gleichen Qualen immer wieder zu erleiden. Wir hier auf sumerdigital, sollten dazu eigentlich zu intelligent sein.

Genau das also, diese vier Schritte, sind ein "Setup". Sie haben eine Situation im Markt identifiziert, die Ihnen potentiell profitabel erscheint. Sie definieren Ziel, Exit und Zeithorizont und dann legen Sie diszipliniert los und ziehen den Plan durch. Eigentlich trivial oder ? Warum tun es dann so viele nicht ? 😉

Und dieses Prinzip ist universell und gilt für kurzfristige Intraday-Trades, ebenso wie für langjährige Investments. Wenn es eine langfristige Position ist, kontrollieren Sie die Situation halt nicht jede Stunde, sondern vielleicht einmal die Woche. Und haben wesentlich weiter definierte Exit-Punkte. Das Prinzip ist aber das Gleiche.

Ich kann es nur immer wie eine Gebetsmühle wiederholen: sich selber in so ein Korsett zu zwingen, ist immens wichtig für Ihren Erfolg. Sie drängen damit nämlich das "Affengehirn" zurück, das Teil von uns allen ist. Ich habe es schon oft gesagt, ich kenne keinen - ich wiederhole keinen! - Trader oder Anleger, der langfristigen Erfolg ohne einen systematischen Ansatz erreichen konnte. Bauchentscheidungen erzeugen Glückstreffer, aber keinen dauerhaften Erfolg !

Und dieses Prinzip versuche ich Ihnen hier im Blog daher immer wieder nahe zu bringen. Und ich freue mich sehr über die Erfolge, die viele Mitglieder der Community mittlerweile erzielen, nachdem sie sich von Adhoc Entscheidungen aus dem Bauch heraus verabschiedet haben und einen systematischeren Ansatz verfolgen.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***