Warum gibt es eigentlich Aktiensplits?

Der folgende Grundlagenartikel für Anfänger, ist am 15. Mai diesen Jahres im Premium Bereich erschienen und wurde für den freien Bereich nur marginal angepasst.

---------

Die Frage nach dem Sinn von Aktiensplits ist eine, die jeder ernsthafte Marktteilnehmer beantworten können muss. Dieser Artikel widmet sich den dazu gehörenden Grundlagen.

Zunächst ist es wichtig zu betonen, dass jede Aktiengesellschaft das Interesse hat, den Kursverlauf zu verbessern und höhere Kurse zu erreichen. Das liegt nicht nur an den Vorständen mit ihren Optionen, sondern auch daran, dass damit die Gesellschafter (Aktionäre) glücklich gemacht werden, die dann einen Vermögenszuwachs in den Bücher haben. Und ein hoher Aktienkurs ist auch Macht, denn die Aktien können als Akquise-Währung bei Übernahmen eingesetzt werden.

Damit stellt sich doch die Frage, was ein hoher Aktienkurs überhaupt ist? Und jetzt behaupte ich einfach mal, dass wenn wir wir nun in der Bevölkerung den folgenden Multiple-Choice machen würden, die Mehrheit wohl Alternative 1 ankreuzen würde:

Firma A hat mit ihrer Aktie eine Kursnotierung von 100 Euro. Firma B hat mit ihrer Aktie B eine Kursnotierung von 50 Euro.
Welche Firma ist größer?

(1) Firma A
(2) Firma B
(3) Beide sind gleich groß
(4) Das ist so nicht zu beantworten

Und damit sind wir schon beim Hauptgrund für Aktiensplits, dem Affen ins uns allen, insbesondere dessen -> Ankereffekt < -.

Aktiensplits werden also in der Regel gemacht, um diesen Effekt auszunutzen, man könnte auch deutlicher sagen, um die geistige Begrenzung der Menschheit auszunutzen.

Denn in Wirklichkeit sagt ja der Kurs selber gar nichts aus, auch nichts über die Größe des Unternehmens und natürlich ist oben (4) die einzig richtige Antwort.

Machen wir es konkret in einer sehr fiktiven, satirischen Geschichte - oder vielleicht doch nicht fiktiv? 😛

Ein fiktives Unternehmen - die Seldon Digital AG, nachdem wir einen namhaften Hamburger Verlag kurz vor der Insolvenz übernommen haben - plant seinen Börsengang und will über den 1 Milliarde Euro einsammeln.

Zusammen mit 7 ehemals treuen Mitgliedern, die nun den Vorstand der Seldon Digital AG bilden und natürlich bis zur Halskrause mit Aktien-Optionen vollgestopft sind, beschliessen wir eine sinnvolle Stückelung von 10 Millionen ausgegebenen Aktien zum Emissionspreis von 100€.

So geht die Seldon Digital AG erfolgreich an die Börse und eiert dann kurstechnisch 2 Jahre lang mehr oder weniger seitwärts.

Nach diesen 2 Jahren, die Optionen drohen wertlos zu verfallen, kommt einer von Ihnen auf die Idee, ob wir die Aktie nicht durch einen 1:5 Aktiensplit auf 20€ bringen sollten, weil dieser optisch billigere Preis doch bestimmt mehr der eher ahnungslosen Käufer anlockt, die nur auf den Preis schauen. Außerdem sind doch bestimmt viele Abfischorders im Markt, die so in Käufe umgewandelt werden. Und über die psychologischen Schwächen der Anleger, wissen wir hier bei der Seldon Digital AG ja hervorragend Bescheid.

Und weil wir gierige Manager sind, machen wir es so, wir wandeln mit Hauptversammlungsbeschluss das Stammkapital von 10 Millionen Aktien zum Nennwert 100€ auf den Stand von 50 Millionen Aktien zum Nennwert 20€ um. Und jeder schon bestehende Aktionär findet nach Vollzug die fünffache Aktienzahl im Depot, die aber nur ein Fünftel des Preises hat - keine objektive Änderung also.

Und wissen Sie was? Diese Operation funktioniert. Die Aktie macht innerhalb von wenigen Wochen eine Aufwärtsbewegung von bis zu 10%, weil diese nun von vielen als "billiger" empfunden wird. Und viele, die die Aktie sowieso haben wollten, schlagen nun zu.

Ursache für diese Bewegung ist aber eine Illusion, ist der tobende "Affe" in den Menschen.

Das ist die Hauptmotivation der meisten Aktiensplits, ein Angriff auf unser "Affenhirn" sozusagen.

Nun schreitet die Zeit aber voran und die Seldon Digital AG beginnt tatsächlich zu wachsen, aufgrund unseres herausragenden Contents natürlich. Der Kurs steigt und steigt und erreicht 900€.

Und wieder hat einer von Ihnen eine Idee, im Wissen um die Nöte von Kleinanlegern. Sie argumentieren, dass mit bald 1.000€ für alleine eine einzige Aktie der Seldon Digital AG, ein bestimmter Typus Kleinanleger mehr oder weniger ausgesperrt wird, der vielleicht 1.000 - 2.000€ pro Aktie investieren kann und nicht mehr.

Weiterlesen ...Warum gibt es eigentlich Aktiensplits?

Der Knoten im Kopf


Den folgenden Artikel, der sich um unsere psychologischen Probleme bei der Geldanlage dreht, habe ich für die Mitglieder am 28. Januar diesen Jahres geschrieben.

Sie wissen, wie es danach an den Märkten weiter gegangen ist, eine gewaltige Rally geriet in Bewegung, die in den US Indizes bis zu Allzeithochs geführt hat. Als ich das damals geschrieben habe, war das aber noch eine unbekannte Zukunft.

Insofern ist es nun aber ein halbes Jahr später besonders spannend und lehrreich, sich diesen Artikel und die Prinzipien darin vor Augen zu führen. Und sich klar zu machen, was passiert wäre, wenn man so agiert hätte.

Ich wünsche viel Spaß und gute Erkenntnisse!

Ihr Michael Schulte (Hari)

------------------

Wir erleben gerade wieder ein fieses "V" des Marktes und mir ist völlig klar, dass auch einige zu spät ausgestiegen sein dürften und nun im Anstieg wieder zu lange gezögert haben.

Das ist bei Menschen fast garantiert, weil unsere Gehirne eben sind wie sie sind. Und trotzdem oder gerade deswegen, rede ich so oft darüber, weil ich Sie darüber hinweg bringen will. Die Lösung hat aber nur sekundär mit Techniken zu tun, sondern vor allem mit Selbsterkenntnis.

Und weil wir Menschen uns ungern der Wahrheit stellen, dass unser wahres Problem uns im Spiegel anstarrt, kommen dann gerne Sätze wie dass "Timing ja nicht funktioniert" oder "Hin und Her macht Taschen leer". Sorry - Bullshit!

Das was nun kommt, habe ich schon x-fach geschrieben, es ist aber immer wieder nötig. Ich bin sicher, auch jetzt wieder nach diesem Artikel, wird es bei der nächsten Korrektur wieder bei einigen schiefgehen - hoffentlich aber bei weniger Lesern. 🙂

Der Klassiker, den einige von Ihnen sicher in den letzten Monaten erlebt haben, ist doch, dass man seit Anfang Oktober trotz meiner klaren Aussagen lange gezögert hat, ob man nun verkaufen soll. Irgendwann - potentiell zu spät - hat man es dann getan.

Dann hat man seit dem bullischen Aufschlag des 26.12.18 aber wieder lange gezögert, ob man nun wieder einsteigen soll. Irgendwann - potentiell zu spät - hat man es dann getan.

Und der Saldo beider Aktionen ist negativ. Uff! Timing ist Scheiße. 😉

Nein, ist es nicht. Wer diesen Ablauf hatte, hat sich ganz klassisch selber auf dem Fuß gestanden. Überlegen Sie doch bitte mal, *was genau* Sie in beide Richtungen hat zu lange zögern lassen! Was war es?

Hmm? Kommen Sie darauf? Das ist nun ganz, ganz wichtig!

Die Antwort ist glasklar: Es war der Gedanke was morgen passiert. Es war die Angst, jetzt etwas zu machen, was sich morgen schon wieder umdreht. Es war die Unsicherheit, ob die Bewegung (erst Absturz, dann Rally) noch lange weiter geht. Es war die Angst, etwas Falsches zu machen.

Unser Kopf war also schon wieder als Glaskugel unterwegs und hat sich um ungelegte Eier gesorgt!

Reflexartig und instinktiv, haben wir unser Handeln von dem abhängig gemacht, was vielleicht in der Zukunft passiert! Nicht vom "Hier und Jetzt", von der Angst um die Zukunft! Und genau das ist unser Affenhirn, so ist es gepolt, es erfordert immense Energie das zu erkennen und noch mehr um es abzustellen.

Was aber passiert, wenn man es abstellt, kann man leicht sehen, wenn man einer klaren Strategie mit definierten Triggern folgt. Eine sehr einfache Strategie, habe ich heute schon mit der 50-Tage-Linie als Trigger gezeigt:

Ausstieg und Einstieg sind markiert, in der Mitte war einmal ein "Fakeout", bei dem man ein- und gleich wieder ausgestiegen ist.

In Summe hat diese sehr simple Strategie aber einen Vorteil generiert, ein Alpha zum Markt also!

Wenn wir uns diese Strategie nun mal als realen Mensch vorstellen, frage ich Sie:

Weiterlesen ...Der Knoten im Kopf

Positionsgrößenstrategie am Beispiel Johnson&Johnson (JNJ)



Konkrete Aussagen zu Trades und Investments sind im freien Bereich für mich schwierig, weil um diese verständlich zu machen, erst eine Menge Kontext nötig ist. Kontext der erst vermittelt werden muss. Im Premium-Bereich sind diese dagegen Alltag.

Denn das, was in den populären Börsenmedien wie selbstverständlich unter die Leute gebracht wird, ist manchmal konzeptioneller Unfug, urbane Legenden der Geldanlage sozusagen, mit dem Ziel Klicks zu generieren. Zum verfehlten Gebrauch von Bewertungsindikatoren wie KGV, KBV usw. als Timing-Indikator, habe ich mich ja beispielsweise schon ausführlich ausgelassen, auch im freien Bereich.

Falsch ist auch, dass man manchmal den Eindruck gewinnen kann, als ob Geldanlage entweder nur aus blinden Buy&Hold oder wildem Herumzocken bestehen würde, dazwischen scheint es wenig zu geben.

In Realität liegen für normale Anleger gerade da aber die Königswege, ein ruhiges Handling der eigenen Positionen nach klar definierten Regeln, die einem erlauben den Markt mitzunehmen, in den großen Krisen aber abseits zu stehen. Diese Techniken generieren nicht immer eine Überrendite, aber im ruhigen Schlaf liegt ja auch ein Wert.

Wenn man zwei Methoden zur Auswahl hat, in der einen bleibt man einfach drin, muss dann aber die Magenschmerzen nach 70% Buchverlusten in einem neuen Lehman-Crash ertragen, in der anderen kommt langfristig etwas Ähnliches heraus, dafür ist man während der Krise draussen, um den Preis dass man im Boom nicht voll investiert ist, dann werden wohl viele zurecht die zweite Variante wählen.

Denn seelischer Frieden hat insofern bei der Geldanlage schon großen, monetären Wert, als dieser den Meisten überhaupt erst ermöglicht, wirklich dabei zu bleiben. Die Straßen der Börsen sind gepflastert mit Anlegern, die sich fest vorgenommen hatten einfach durch eine Krise hindurch Buy&Hold zu machen, dann aber unter dem Druck der Katastrophenmeldungen und der Bilder von Schlangen vor Bankschaltern doch verkauft haben, zumal der Ehefrieden auch schon am seidenen Faden hing.

Wir können uns in der Regel gar nicht vorstellen, was für ein immenser, emotionaler Druck und Herdentrieb in so Phasen entsteht, wer das nicht mit großen Depots erlebt hat, die wirklich etwas bedeuten - kleine Depots die man verschmerzen könnte, sind emotional nicht das Gleiche - redet wie ein Eunuch vom Akt, ohne ihn wirklich zu verstehen.

Verkauft wurde von diesen Anlegern dann natürlich entnervt am Tiefpunkt, denn wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist auch der emotionale Druck am höchsten - und der Morgen oft nicht mehr weit. Das zu vermeiden, hätte also großen Wert.

Ich selber nutze für meine Anlagen im Investmentdepot - nicht beim Trading, das ist eine andere Baustelle - daher eine Technik, die ich Positionsgrößenstrategie nenne. Diese habe ich mir aus Versatzstücken selber zusammengebaut und im Laufe der Zeit für meine Zwecke verfeinert.

Nichts daran ist geheimnisvoll oder prinzipiell neu, es ist das Zusammenspiel das den Unterschied macht, das auf meine Bedürfnisse angepasst ist und mit dem ich mittlerweile viel Übung und Erfahrung habe.

Diese Technik habe ich im Premium-Bereich ausführlich immer wieder erklärt, auch Videos gibt es dazu. Hier will ich nur sagen, dass es dabei darum geht, bestimmte Qualitätsaktien dauerhaft zu halten - ich verkaufe also nie in Gänze - die Positionsgröße aber abhängig vom Marktenvironment zu fluktuieren und damit im Idealfall noch eine Überrendite zu erzielen, zumindest aber den schweren Einbrüchen aus dem Wege zu gehen.

Ich bin also immer investiert und immer im Markt mit meinen Investments und fokussiere mich dabei auf Qualitätsaktien, fluktuiere mein Exposure aber mit dem Marktenvironment und bewege mich in Krisenszenarien daher weitgehend auf die Seite - wäre aber selbst in einem Lehman-Szenario nie ganz raus, sondern immer noch mit einer kleinen Basisposition investiert, so dass ich den Kontakt zu den Qualitätsaktien nicht verliere.

Diese Prinzipien zu erklären, übersteigt aber wie gesagt das, was ich hier im freien Bereich anbieten möchte, in der Community ist die Positionsgrößenstrategie aber immer wieder Thema. Und natürlich auch viele andere Techniken mit ihren Vor- und Nachteilen, es gibt ja wahrlich nicht nur diese.

Was aber für Sie im freien Bereich vielleicht interessant ist, ist ein Artikel des Premium Bereich von vor einem Jahr, vom Juni 2018, in dem ich mal am Beispiel der Qualitätsaktie Johnson&Johnson (JNJ) dargestellt hatte, was denn diese Strategie über 10 Jahre hinweg tatsächlich real bedeutet hat.

Die ganze Information ist daher in dem ausführlich kommentierten Chart, das Sie bitte Anklicken und Vergrößern müssen, um die Kommentierung lesen zu können.

Hier ist der Artikel und weiter unten das zentrale Chart, ich wünsche gute Erkenntnisse!

Weiterlesen ...Positionsgrößenstrategie am Beispiel Johnson&Johnson (JNJ)

Der große Knall

Vom nächsten Crash zu schreiben, ist ein faszinierendes Geschäftsmodell, das hervorragend funktioniert. Es funktioniert, weil es Ängste der Anleger bedient und es funktioniert auch wegen der Vergesslichkeit der Menschen.

Denn wenn die Voraussagen 10x falsch lagen, sind sie schnell im medialen Rauschen vergessen und niemand ordnet die Fehlaussagen dann Jahre später dem Autor noch zu. Wenn man aber wie der Blinde auch mal ein Korn gefunden hat - rein statistisch gesehen muss das ja irgendwann mal sein - kann man sich als "Guru" und "der der den 20xx Crash vorhergesagt hat" über Jahre feiern lassen und die Auflagezahlen treiben. Alles schon passiert.

Das wäre ja auch nicht schlimm, es wird auch woanders viel geschrieben und gelesen, wenn der Tag lang ist. Das Fatale ist, dass diese Vorhersagen immer wieder die Anleger vom Anlegen abhalten, weil die Ängste dominieren. Insofern sind diese Propheten die größten Feinde der Depots der Anleger, obwohl doch die Anleger das witzigerweise gerade deshalb lesen, weil sie ihre Depots schützen wollen.

Den Widerspruch kann man vielleicht am Einfachsten am normalen Leben und dem Tod erklären. Die typischen Leser von Crashpropheten, sind nach meinem Eindruck Menschen im Alter ab ca. 40 aufwärts, die durchaus gebildet sind und etwas zu verlieren haben. Aber sie sind eben typischerweise schon älter, man hat etwas zu verlieren und der Tod ist schon mehr als eine abstrakte Größe.

Und während zum Beispiel der Zusammenbruch des Euros fraglos irgendwann wahrscheinlich, aber eben nicht sicher ist, ist der Tod eine 100%ige Sicherheit für uns Sterbliche. Oder anders recht hart gesagt, wer in den fortgeschrittenen 60ern ist, muss realistisch davon ausgehen, dass ihn der Tod vielleicht vor dem nächsten Finanzcrash ereilt, über den er gerade liest.

Das wollen wir als Menschen aber alle nicht hören, weswegen wir es erfolgreich verdrängen. Oder mit anderen Worten, obwohl wir *sicher* wissen, dass der Tod gar nicht mehr so weit weg ist, hält uns das nicht davon ab, das Leben zu geniessen. Im Gegenteil, es wird umso wertvoller, je zerbrechlicher es wird.

Und nun frage ich Sie: Warum hören wir dann auf anzulegen, nur weil vielleicht irgendwann ein Crash kommen wird? So wie der Tod in der Regel nicht ohne Vorwarnung und Vorlauf kommt, kommt der Crash schon gar nicht ohne Vorentwicklung und langsam steigende Spannung im System daher.

Warum also, warten wir nicht ab, bis diese Spannungen sichtbar werden und fangen dann erst an, unsere Anlagen in Sicherheit zu bringen?

Warum glauben wir stattdessen immer wieder, dass uns irgendein "Guru" eine Jahreszahl zum nächsten Crash sagen kann oder den Ablauf vorhersagen kann?

Das hat schon etwas Merkwürdiges.

Gerade beim Thema des Zusammenbruchs des Euros, bin ich doch jemand, der das Problem genau sieht und auch von einem *RESET* ausgeht, der uns irgendwann ereilen wird. Ich habe oft darüber geschrieben, so zuletzt auch in
-> Europa, der Euro und die Trauerarbeit < -. Daraus ein Zitat:

Klar ist aber, dass der real existierende Euro mit seiner inneren Fehlkonstruktion, Europa nicht mehr eint, sondern auseinander treibt.

Klar ist auch, dass eine Währungsunion immer am Ende eines politischen Einigungsprozesses stehen muss und nicht am Anfang. .....

Die Chance der einigenden Wirkung, wurde aber wohl im ersten Jahrzehnt des neues Jahrtausends vertan. Damals als die positiven Effekte der Währungsunion noch überwogen und Südeuropa einen Boom durch stark fallende Kreditzinsen bescherte, war der ideale Zeitpunkt. Jetzt sind die Scherkräfte und ihre politischen Profiteure schon da.

Diese Chance wird also wohl nicht wieder kommen, da bleibt in meinen Augen nur Illusion und Trauerarbeit. Je früher wir diese Illusion beenden und der Wahrheit ins Auge schauen, desto besser.

Optimistisch ist das definitiv nicht, was den Euro angeht. Aber der Zeitpunkt ist eben völlig unklar, wann diese inneren Scherkräfte sich in einer nicht mehr beherrschbaren Krise entladen und da finde ich es schon "putzig", wenn dann eine höchst legalistische Argumentation gefahren wird, die den Crash aus konkreten Verpflichtungen und Bilanzierungsregeln herleitet.

Frei nach dem Motto: "Die Welt wie wir sie kennen geht unter, aber alle halten sich im Untergang an die Regeln". Eher putzig, diese Vorstellung.

Das könnte aber nur Realität sein, wenn in der "großen Krise" diese Regeln noch etwas wert wären, das wird aber nicht der Fall sein.

Wir müssen uns klar machen, dass die EZB nun die Bankenaufsicht hat. Die EZB kann technisch gesehen jederzeit Geld aus dem Nichts in beliebiger Höhe schöpfen, sie kann technisch gesehen Banken unter Zwangsverwaltung nehmen, von denen riesige Anleihen ausgeben lassen und die dann selber aufkaufen und die Banken damit faktisch kapitalisieren.

Wir müssen uns weiter klar machen, dass Politik und Notenbank schon in der weit weniger kritischen Eurokrise 2011/2012 bewiesen haben, dass Regeln und Gesetze wenig interessieren und kreativ gedehnt bis übergangen werden, wenn es mal wirklich eng wird.

Und wir müssen uns klar machen, welcher Druck entsteht, wenn der "große Knall" wirklich bevor steht und alle Mächtigen ausnahmslos - von Notenbanken, über Politik bis zur Großfinanz und Großindustrie - *gleichgerichtete Interessen* haben werden, diesen Knall um jeden Fall zu verhindern.

In so einer Situation werden Dinge passieren, die heute weder legal, noch vorstellbar sind. Die politische Dimension ist um Faktoren grösser, als irgendwelche bilanztheoretischen Überlegungen.

Oder mit anderen Worten, bevor dieses System untergeht, wird es noch um sich schlagen und gerade der IWF unter der neuen EZB-Chefin Lagarde, hat sich da schon einige Dinge ausgedacht, die bisher undenkbar waren.

Wir müssen einfach akzeptieren, dass dieser Ablauf so einer schweren Krise *völlig unvorhersehbar* ist und der Zeitpunkt, zudem alle kreativen Maßnahmen erschöpft sind erst recht. Das kann 2020 sein oder auch erst 2034 und keine Jahreszahl ist besser als eine andere.

Und auf einen völlig unvorhersehbaren Ablauf kann man sich eben nicht gezielt vorbereiten und Empfehlungen von Einzelmaßnahmen sind eher unseriös, wenn es mehr als reine Beispiele unter vielen sind.

Alles was in dieser prinzipiellen Unsicherheit bleibt - und das haben wir im Premium-Bereich in der "Armageddon-Reihe" schon vor Jahren intensiv thematisiert - ist eine gesunde Diversifizierung mit deutlichen Anlage-Schwerpunkten jenseits des Euros und jenseits von Schuldverschreibungen (Zinspapieren) und Bargeld, sowie ein wacher Geist, der mit gesunder Skepsis die Augen offen hält.

Wenn wir das aber haben, sollten wir lieber die Sonne und unser Leben geniessen und die aktuelle Rally mitnehmen, statt über einen Crash zu grübeln. Zumal die reale Gefahr hier und heute eher ein bullischer "Melt-Up" ist, also eine massive Rally, die dann einen Panikcharakter bekommt.

Die aktuelle "Gefahr" ist also der Crack-Up Boom, über den ich bei Tichy schon im Sommer 2016 geschrieben habe: .

Weiterlesen ...Der große Knall

Wie funktionieren eigentlich Anleihen?



Anleihen sind für Otto Normalanleger immer weniger Thema, kein Wunder bei Zinsen im Minusbereich im Euroraum. Grundsätzlich gehören Anleihen aber durchaus als sinnvoller Baustein in ein ausgewogenes Investment-Depot.

Und nun sind in den US die Zinsen der 10-jährigen Staatsanleihen sogar wieder in den 2-3% Bereich gestiegen und es ist ein Moment in der nicht zu fernen Zukunft vorstellbar, ab dem die Renditen in eine kommende Rezession hinein wieder fallen werden und Anleihen zu besitzen, dann wieder besonders attraktiv sein wird.

Gleichzeitig merke ich aber immer wieder, dass vielen Anlegern die Grundlagen fehlen, um Anleihen wenigstens im Ansatz zu verstehen. Gerade die "verdrehte Kutellung" - Anleihen fallen wenn Zinsen steigen - und die Frage was ein Kurs abweichend von 100 bedeutet, löst immer wieder Verwirrung aus.

Damit ergibt sich doch logisch die sinnvolle Aufgabe, Ihnen diese absoluten Basics rund um Anleihen zu vermitteln. Wenn Sie schon länger mit Anleihen handeln, können Sie den Artikel überspringen, Sie werden hier nichts finden, was Sie nicht schon längst wissen.

Das Besondere hier ist ja aber, dass mehr als eine abstrakte Erklärung nach Lehrbuch geliefert wird - die können Sie überall selber nachlesen. Und diese Erklärungen haben oft das Problem, dass sie mit neuen Begrifflichkeiten mehr neue Fragen aufwerfen, als sie beantworten. Nein, hier werden die Themen mit Beispielen aus dem bekannten Leben aufgebaut und so soll es auch bei Anleihen sein.

Wir fragen uns also: Wat is ene Anleihe?

Da stelle mer uns janz dumm und stellen uns vor, wir wollten im superteuren Oberbayern ein grösseres Haus erwerben und das von einer Bank finanzieren lassen. Da braucht man dann schnell mal 1,5 Millionen, denn ein Quadratmeter Grund alleine, geht dort für 700 bis 1.000€ über den Tresen.

Eigentlich ist man sich ja sicher, dass man diese Finanzierung stemmen kann, aber die blöde Bank will natürlich "Sicherheiten" - man hat aber dummerweise keine zu bieten. So sinnt man nach einer anderen Finanzierung und kommt auf den Gedanken eine "Anleihe" zur Finanzierung heraus zu geben.

Eine Anleihe ist nichts weiter als eine institutionell konstruierte Schuldverschreibung, eine Art Schuld-Urkunde also, die ein Rückzahlungs- und Zinsversprechen enthält und demjenigen als Gegenleistung in die Hand gedrückt wird, der Ihnen Geld zu leihen bereit ist.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass in der Realität kein Häuslebauer eine Anleihe herausgeben wird, weil es sich erstens wegen der immensen Konstruktions-Kosten (Prospekt ua) nicht lohnt und zweitens auch andere institutionelle Hürden existieren.

Theoretisch ist das aber vorstellbar und wir tun nun mal so, als würden Sie zur Finanzierung Ihres Hauses eine Anleihe heraus geben. Der große Vorteil der Anleihe ist nämlich, Sie brauchen keine weiteren Sicherheiten. Sie bieten den Geldgebern einen Zins und die überlegen sich ganz frei, ob der Zins ihnen hoch genug ist, um damit auch das Risiko abzudecken, dass sie den Kredit (hier als Anleihe) nicht zurück zahlen können.

Das "Emissionsvolumen" ist ja klar, es wird 1,5 Millionen betragen, die Summe die Sie benötigen. Nun stellt sich die Frage der "Stückelung", also der kleinsten Einheit, in der Ihnen jemand einen "Teilkredit" geben kann.

Würden Sie die Stückelung weiter bei 1,5 Millionen belassen, wären Sie weiter im "Bank-Szenario", denn Sie hätten dann nur einen einzigen Gläubiger, so wie die Bank.

Da Sie aber glauben, dass Freunde und Nachbarn Ihnen auch Geld leihen werden, setzen Sie die Stückelung auf 1.000 Euro herab, so dass jeder sich beteiligen kann, der mag. Es werden also 1.500 Stücke Ihrer Anleihe a 1.000€ Nominalwert ausgegeben.

Bleibt die Laufzeit und der Zins. Die Laufzeit soll 10 Jahre betragen, danach versprechen Sie Ihren Gläubigern die Rückzahlung. Und beim Zins machen Sie im Vorfeld eine Umfrage, was denn die Mehrheit gerade noch so eben akzeptieren wird. Sie orientieren sich dabei an Vergleichswerten und kommen zum Ergebnis, einen Zins (Koupon) von 6% anzubieten.

Denn der Zins muss höher als beim Bankdarlehen sein, da Sie ja hinter der Anleihe keine Sicherheiten hinterlegen. Genau das ist eben der Umstand, den all die Privatanleger nicht verstanden haben, die "Mittelstandsanleihen" für eher lächerliche Zinssätze wie 6% gezeichnet haben, im Irrglauben das sei viel. Die Realität ist aber, dass viele dieser Firmen eben keinen Kredit von der Bank bekommen haben, in privaten Anlegern haben sie aber einen "greater fool" gefunden, der ihnen Geld für einen gegenüber dem Risiko viel zu kleinen Zins geliehen hat.

Aber zurück zu Ihnen und den 6%. Klar, wenn Sie nun ein Staat oder eine Bank wären, könnten Sie nun auch Anleihen mit 1% Zins ausgeben und diese würden ihnen trotzdem aus der Hand gerissen, weil die Notenbank dann Ihre Anleihe gleich mit frisch gedrucktem Geld aufkauft. Aber dieses Privileg haben wir kleine "Hanswürste" halt nicht, das ist nur den "Systemrelevanten" vorbehalten - einige sind eben gleicher als gleich. 😉

Sie aber wissen von Ihren Umfragen, dass für 6% Zins sich wohl in Ihrem Freundeskreis und Nachbarschaftsumfeld genügend Menschen finden, die Ihre Anleihe "zeichnen" und damit Ihre Privatplatzierung (Emission) ein Erfolg wird und gelingt.

Und so geschieht es, Ihre Anleihe ist voll ausgegeben, Sie haben 1,5 Millionen € Darlehen von Freunden und Nachbarn erhalten und haben dafür den Kreditgebern (Gläubigern) eine Schuldverschreibung in Form einer verbrieften Urkunde ausgegeben, in der Sie Rückzahlung und Zins zusichern.

Punkt. Das ist eine Anleihe. Das machen Unternehmen und Staaten im Prinzip genau so. Jetzt geht Ihre Geschichte aber weiter.

Denn 5 Jahre geht alles gut und Sie werden in Ihrer Nachbarschaft besonders liebevoll begrüsst und wenn Sie auf der Straße spazieren gehen, machen die Nachbarn einen besonders großen Bogen mit dem Auto, keiner will doch risikieren, dass der umgefahren wird, dem man Geld geliehen hat. 😉

Dann aber, im 6. Jahr, beginnt ein böses Gerücht in der Nachbarschaft umzulaufen, Sie haben Ihren Job verloren! Wären Sie jetzt Griechenland, würden Ihnen in der Metapher die Steuereinnahmen wegbrechen, mit dem gleichen Ergebnis.

Ihre Nachbarn beginnen hinter Ihrem Rücken zu flüstern, denn jedem ist klar, dass Sie nun vielleicht Ihre Anleihe nicht bedienen können, sprich den Zins nicht zahlen und vielleicht sogar die Rückzahlung nicht leisten. Und dummerweise haben Ihre Nachbarn ja keine weiteren Sicherheiten, die haben nur dieses Blatt Papier, diese Urkunde. Das macht nervös.

Lange wird nur geflüstert und Sie, der Sie tatsächlich den Job verloren haben, versuchen den Schein zu waren. Dann aber an einem Abend, klopft es kräftig an die Tür. Der bärbeissige Nachbar drei Häuser weiter steht vor Ihnen und verlangt lautstark sein Geld zurück, er will seinen Kredit *jetzt sofort* zurück gezahlt haben.

Sie aber lehnen ab, Sie müssen ablehnen, denn die Anleihe ist ein Dokument, von dem man nicht einfach abweichen kann, denn das definiert den Rückzahlungstermin eindeutig und rechtsverbindlich für alle. Der Nachbar zieht am Ende wütend und mit Drohungen von dannen und Sie verwünschen sich, das mit der Anleihe je gemacht zu haben. Sie haben aber eine Idee, Sie rufen dem Nachbarn zu, dass dieser seine Teile der Anleihe ja an jemand anderen verkaufen könnte!

Ein Lächeln geht über dessen Gesicht und schon am Folgetag sehen Sie, wie der mit anderen Nachbarn verhandelt. Nur dummerweise für ihn, sind die anderen Nachbarn ja auch nicht doof und wissen um Ihren Jobverlust. 10.000€, also 10 Stücke, hat der bärbeissige Nachbar 3 Häuser weiter in Sie investiert, die anderen geben ihm aber aufgrund der höheren Risiken keine vollen 10.000 für die Anleihe mehr.

Lange wird verhandelt und am Ende einigt man sich auf einen Abschlag von 20%. 8.000€ bekommt Ihr Besucher und die Anleihe geht an einen anderen Nachbarn über. Dieser bärbeissige Nachbar wird Ihnen seinen Verlust nie vergessen.

Ihre Anleihe hat also zu 80% des Nominalwertes den Besitzer gewechselt, weil Ihre Finanzkraft nicht mehr so zweifelsfrei war, wie bei Emission der Anleihe.

Als Einwurf dürfen Sie hier einen weiteren Lernsatz aufnehmen, Anleihen werden immer in Prozentwerten des Nominalwertes gehandelt und haben keine "Kurse" im eigentlichen Sinne des Wortes, wie Sie das von Aktien kennen.

Die Jahre vergehen und Sie haben mal einen Job und mal keinen und Ihre Nachbarn zittern wie die Gläubiger Griechenlands. Zeitweilig wechselten weitere Anleihen den Besitzer und das nur noch für 70%, das Zutrauen Ihrer Nachbarn wurde also geringer.

Je näher aber die 10 Jahre kamen, desto mehr verstummten die Sorgen, denn wenn Sie bisher nicht die Pleite erklärt haben und alle Zinsen pünktlich gezahlt haben, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es auch in den letzten Monaten nicht passiert, und Sie die Schulden (Anleihe) auch zurück zahlen können.

Am Ende zahlen Sie ihre Schulden alle zurück und Sie werden in der Nachbarschaft wieder ohne Getuschel gegrüsst. Nur der bärbeissige Nachbar drei Häuser weiter hat immer noch einen finsteren Blick, denn seine 2.000€ Verlust sind ganz real.

So..... soweit die kleine Geschichte.

Wir fassen also die ersten Lerninhalte zusammen:

Weiterlesen ...Wie funktionieren eigentlich Anleihen?

Europa, der Euro und die Trauerarbeit

Dieses Wochenende ist Europawahl. Schon vor 3 Wochen habe ich hier beschrieben, -> was mich an der real existierenden EU nervt < -.

Heute möchte ich ergänzend noch eine Abhandlung zu Währungen im Allgemeinen und dem Euro im Speziellen mit Ihnen teilen. Diese wurde schon am 21.02. im Premium-Bereich veröffentlicht und erklärt wie Währungen funktionieren und welche Effekte im Speziellen der Euro hat.

----------------------------

Zuletzt wurde mir wieder bewusst, dass der Euro am 01.01.2002 eingeführt wurde und nun also als einzige Währung 17 Jahre unter uns ist, als Doppelwährung in Form von Buchgeld, sogar schon seit 20 Jahren.

Wenn man davon ausgeht, dass Menschen sich bis sie ca. 20 Jahre alt sind, nur höchst selten für solche trockenen Themen interessieren - da pulsen eher die Hormone 😛 - gibt es mittlerweile viele Leser hier bis ca. einem Alter von 40 Jahren, die in ihrem Leben nie bewusst eine andere Währung und ihre Mechanismen erlebt haben - für die "Geld" und "Währung" in ihrem erwachsenen Leben also immer mit dem Euro gleichbedeutend waren.

Auch der Fehler, dass man "Wert" von Dingen automatisch in Euro ausdrückt, ohne sich bewusst zu machen, dass Währungen keinen Wert haben und selber der Maßstab sind, ist die Folge davon, dass man nie den aktiven Umgang mit anderen Währungen und Wechselkursen erlebt hat.

Glauben Sie mir, jemand in Venezuela weiss dagegen immer auch, was eine Sache in Dollar "wert" ist, auch wenn die Währung dort gar kein Zahlungsmittel ist. 😉

Da erscheint es mir doch sinnvoll, der Frage von Währungen mal auf den Grund zu gehen. Wir fragen uns also:

Wat is ene starke Währung und warum is det gut? Da stelle mer uns janz dumm.....

Zunächst einmal ganz wichtig, keine Währung hat einen Wert an sich, weil Wert ja immer in Währung ausgedrückt wird. Währung ist selber der Maßstab für Wert. Man kann die Länge eines Meters auch nicht in Metern ausdrücken, da wäre das Ergebnis immer 1.

Eine Aussage, dass eine Ware soundsoviel "wert" ist, ist also genau genommen sinnlos, ohne zu sagen in welcher Währung - außer der Gegenüber geht auch ganz selbstverständlich von der gleichen Währung aus. Und auch die Aussage, dass etwas "teurer" wurde ist so sinnlos, denn wenn eine Währung abwertet, kann etwas darin "teuer werden" und in einer anderen Währung trotzdem "billiger".

Es gibt bei Währungen einfach keinen objektiven, absoluten Maßstab für Wert, nur relativ zueinander, als Währungspaar wie EURUSD, kann man die relativen Wertveränderungen ausdrücken.

Einem idealen, objektiven Maßstab, kommen zwei Dinge noch am Nächsten. Einerseits Gold und Silber das . Andererseits die , die so etwas wie ein Durchschnitt der großen Weltwährungen sind.

Für unsere täglichen Zwecke sind beide Maßstäbe aber nicht relevant, weswegen wir den Wert von Geld immer in einer anderen Währung ausdrücken müssen. Währungen haben also immer nur relativ gesehen "Wert". Daher die Währungspaare wie EURUSD oder eben XAUUSD für Gold in Dollar.

Wenn man das verstanden hat, wird vieles einfacher. Denn dann wird klar, dass es immer vorteilhaft ist, in einer Währung zu sein, die relativ zu den anderen Währungen an Wert gewinnt.

Und wenn eine Währung wie der Euro durch die Notenbank-Politik abgewertet wird, ist es besser in jeder anderen, relativ stärkeren Währung zu sein. Wenn die eigene Währung stark ist und regelmässig aufwertet, besteht dieser Grund dagegen nicht.

Genau *das* war vor dem Euro die Realität, als die D-Mark permanent zu Franc und Lira aufgewertet hat und in der Stabilität bestenfalls der Schweizer Franken mithalten konnte.

Denn viele europäische Währungen schwangen in freien Wechselkursen zueinander und bildeten die jeweilige Wirtschaftskraft und Solidität des Währungsraumes ab. Und da die D-Mark extrem stark war, wollten alle ihr Geld in D-Mark anlegen und die Lira und den Franc verkaufen.

Weiterlesen ...Europa, der Euro und die Trauerarbeit

Wie reagiert die Börse auf kriegerische Konflikte?



In der Community hatte sich am letzten Freitag eine Diskussion um die Lage im Nahen Osten entfaltet, die von so allgemeinem Interesse sein dürfte, dass ich dazu auch im freien Bereich schreiben möchte.

Dabei geht es mir primär darum, Grundprinzipien klar zu machen, denn es gibt weit verbreitete Missverständnisse darüber, wie und warum Börsen Preise bilden.

Zur aktuellen, konkreten Lage um den Iran, will ich mich hier nicht äußern, das können Sie alles medial nachlesen. Faktum ist, dass die Spannungen steigen und wir alle nun rätseln dürfen, wer da nur pokert und wer es ernst meint.

Auch die konkreten Risikobereiche eines potentiellen Krieges um den Iran, können Sie leicht selber herausfinden, Stichworte "Nahost-Flächenbrand", "Atomwaffen" etc.. Alles keine Stichworte, die man gerne hört.

Die Frage hier im Artikel ist dagegen ganz abstrakt gestellt und der Iran ist nur ein aktuelles Beispiel:
Wie reagiert die Börse auf kriegerische Konflikte?

Es gibt dazu ja auch das Bonmot "Kaufen, wenn die Kanonen donnern" und da ist durchaus was dran, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Zunächst einmal ist entscheidend, dass man versteht, warum sich Kurse bewegen. Die meisten glauben, Kurse würden die Gegenwart bewerten, das ist aber *falsch*!

Denn Aktienkurse preisen ganz grundsätzlich Zukunfts-Erwartungen an wirtschaftliche Entwicklungen ein, die sich auf die Unternehmen auswirken.

Das ist alles was man tief durchdringen muss, dann ist auch die Reaktion auf Konflikte klar.

Märkte sind dabei reine Preisfindungsmaschinen für die im Index enthaltenen Unternehmen, keine moralischen Bewertungsmaschinen

Wenn wir uns also mal als Beispiel den Verlauf des S&P500 zum Irakkrieg 2003 anschauen, dann sehen wir das:

Nun dürfen wir nicht glauben, dass hier nur der Irakkrieg im Zeitraum auf die Kurse gewirkt hat, die Haupttreiber sind auch damals weiter Konjunktur und Notenbanken gewesen. Aber die Kriegssorgen waren eben Teil des Bildes und haben es verändert.

Wir sehen, dass der Tiefpunkt praktisch mit dem Kriegsbeginn zusammenfällt, was es öfters gibt und worauf auch die Daumenregel "Kaufen, wenn die Kanonen donnern" beruht.

An diesem Bild können wir nun aber ein paar wichtige Erkenntnisse festmachen:

Erstens, dieses Chart sagt gar nichts über den Irak aus. Es bewertet nur die wirtschaftlichen Erwartungen an die Unternehmen die im S&P500 sind.

Wenn ein Krieg auf die Unternehmen keine Auswirkungen hat, bewegen sich die Kurse auch nicht. Zur Zukunft des Iraks oder der Sinnhaftigkeit dieses Krieges, der am Ende auf einer großen Lüge fusste, macht dieses Chart also *nicht die klitzekleinste Aussage!*

Zweitens, wir sehen wie Erwartungen die Märkte bewegen. Mit dem Irak-Krieg waren Sorgen einer Ausweitung bis zum Konflikt der Großmächte verbunden. Auch die Frage ob die Ölfelder des Nahen Ostens in Flammen aufgehen, sorgte die Märkte im Vorfeld und liess via Erwartungen die Kurse im Vorfeld fallen. Denn all das würde sich dann auf Unternehmen des S&P500 auswirken und deshalb wurden die Erwartungen im Vorfeld düsterer und die Kurse fielen.

Drittens, innerhalb von Tagen, wurde der durchschlagende Sieg der US-Truppen klar, weswegen diese Sorgen ausgepreist wurden und die Erwartungen an das Geschäft der Unternehmen im S&P500 sich normalisierte. Deshalb stiegen die Kurse wieder.

Erneute, eine Aussage über den Irak ist damit in keinster Weise verbunden gewesen! Der Irak ist nicht Teil des S&P500, also bewertet der Markt den Irak auch nicht.

Ich wiederhole also:

Aktienkurse preisen ganz grundsätzlich Zukunfts-Erwartungen an wirtschaftliche Entwicklungen ein, die sich auf die Unternehmen des Index auswirken.

Sonst nichts!

Wenn beispielsweise ein schrecklicher Krieg mit tausenden Toten zwischen verfeindeten Stämmen in Afrika losbricht, der aber ohne wirtschaftliche Effekte auf Lieferketten etc ist, interessiert das die Kurse gar nicht, weil es keine Auswirkungen auf die Unternehmen hat. Es gibt dann viele Gründe diesen Krieg zu verdammen und Mitgefühl zu haben, es gibt vielleicht auch Gründe zu helfen, die Börse wertet aber nur die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Unternehmen, so wie die Mathematik die Toten zählt.

Wenn aber auch nur das kleinste Risiko existiert, dass die Lieferketten wegen eines Konfliktes gestört werden könnten, fallen die Kurse schon bevor es passiert, weil die Erwartungen der erhöhten Unsicherheit angepasst werden.

So funktioniert Börse. So funktioniert Mathematik. So funktioniert alles, was Dinge "misst" und die Aktienmärkte bewerten (messen) letztlich wirtschaftliche Effekte auf Unternehmen. Sie geben der zukünftigen Entwicklung eines Unternehmens ein Preisschild.

Weiterlesen ...Wie reagiert die Börse auf kriegerische Konflikte?

Der nicht so geheimnisvolle Stillhalter und warum es am Hexensabbat zunehmend ruhiger wird



Der folgende Grundlagenartikel erschien im Premium-Bereich vor 2 Jahren im März 2017 und wurde nur marginal angepasst, um alte Links auf damalige Aktualität zu bereinigen.

Irgendwie ist der Hexensabbat - der Tag an dem einmal im Quartal gleichzeitig Optionen auf Aktien sowie Optionen und Futures auf Indizes verfallen - auch nicht mehr, was er mal war und mit dem dramatischen Titel "Hexensabbat" ausgedrückt wurde. Ich kann mich in den letzten Jahren nicht mehr an viele Termine erinnern, zu denen "Triple-Witching" die berühmten "wilden Ritte" gezeigt hat.

Mit Ruhe meine ich damit nicht das Volumen an diesen Tagen, das ist natürlich immer noch weit überdurchschnittlich hoch, ich meine die wilden, direktionalen Kursausschläge, die nach meinem subjektiven Eindruck merkbar nachgelassen haben.

Man kann natürlich nur spekulieren, warum sich das geändert hat und die OpEx (OptionsExpiration, Verfallstag) "ruhiger" wurde und die Gründe dürften vielfältig sein. Aber zumindest eine qualifizierte Spekulation, kann man begründet machen, dafür muss man aber verstehen, worum es bei der OpEx geht und vor allem wer die sogenannten "Stillhalter" sind.

Um diese "Stillhalter" ("Option Writer") und ihre Motivation, wird nämlich manchmal ein unnötiges mediales Geraune veranstaltet, dessen Sinn nach meinem Eindruck auch manchmal ist, bei Unwissenden den Eindruck eines besonderen "Experten" zu erzeugen.

Die Antwort ist nämlich keineswegs geheimnisvoll. Wenn Sie als Anleger eine Put-Option auf den DAX kaufen wollen, heisst dass ja, dass Sie das Anrecht erwerben zu einem Zeitpunkt X den DAX zu einem Preis Y zu verkaufen. Das ist die "Option", das Recht genau das zu tun und dieses Recht hat einen Preis, den Preis der Option. So einfach ist das zunächst.

Wenn Sie nun ein bischen weiter denken, stellt sich sofort die Frage, von wem Sie diese Option denn kaufen, denn Sie brauchen ja eine Gegenpartei. Bei den bei kleineren Privatanlegern bekannteren "Optionsscheinen" - die sozusagen Derivate echter Optionen sind - ist das klar, das ist die Emissionsbank, die den Optionsschein begibt und die Preise stellt.

Und genau diese Gegenpartei ist der "Stillhalter". Es ist die Partei, die diese oben beispielhaft genannte Put-Option auf den DAX "schreibt". Der Unterschied in der Begrifflichkeit - schreiben vs emittieren - kommt daher, dass Optionen völlig standardisiert sind, während bei Optionsscheinen sich der Emittent die Parameter frei nach Gusto auswählt. "Schreiben" heisst also, dass man in einer fest definierten, standardisierten Option - zB eben DAX Put 12.000 - die Rolle des Stillhalters einnimmt, der die Option begibt. Diese Rolle ist zum Emittenten des Optionsscheins ähnlich, aber nicht identisch, weil die Menge der Freiheiten was man "begibt", bei echten Optionen eben wesentlich geringer ist.

Diese Partei, der Stillhalter, hat zwangsläufig das gegenläufige Interesse zu Ihnen als Käufer der Put Option auf den DAX. Während Sie in dem Beispiel als Käufer der Option den DAX abwärts wünschen, hat der Stillhalter - die Gegenpartei - im gleichen Volumen das Interesse, den DAX oben zu halten. Und da es bei Optionen um fixe Marken geht die den Unterschied machen, kommt es dabei sehr digital auf den Kampf an, ob der DAX am Ende oberhalb oder unterhalb der für die Option relevanten Marke schliesst.

Wir halten also fest, bei klassischen Optionen zählt die fixe Marke im Sinne Hopp oder Flop am Ende, es sind alle Ausstattungsmerkmale der Option standardisiert und darüber hinaus wird der Preis der Option nicht vom Emittenten (Stillhalter) gestellt, sondern ergibt sich im freien Spiel der Marktkräfte an dafür spezialisierten Handelsplätzen (Terminbörsen), zum Beispiel der Eurex.

Wenn wir uns das vor Augen halten, wird noch unklarer, was das Gerede über die geheimnisvollen, mächtigen "Stillhalter" soll, denn am Ende stehen sich doch zwangsläufig völlig identische Volumina gegenüber. Für eine bestimmte Marke im DAX wie zum Beispiel 12.000, muss doch das Volumen, das auf einen Kurs über 12.000 hofft, identisch zu dem sein, das auf einen Kurs unter 12.000 hofft. Und das ist auch so, das Volumen ist identisch.

Der Unterschied entsteht dadurch, dass in der Vergangenheit natürlich die Stillhalter vor allem Grossadressen wie Banken waren, die also Optionen in grossen Volumina begeben haben, denen aber viele kleine (unerfahrenere) Optionskäufer entgegen standen.

Und aus diesem Ungleichgewicht entstand Macht. Denn nun stellen Sie sich mal vor, der DAX steht knapp unter 12.000, es ist noch 30 Minuten Zeit bis zum Verfall der Option und der Stillhalter ("Big Money" mit hohen Volumina in dieser Option) hat das Interesse dass der DAX knapp über 12.000 schliesst, damit die Option verfällt. Es ist klar was passiert, "Big Money" gibt dem DAX mit seiner "Feuerkraft" einen "Stups" und freut sich über einen Abschluss über 12.000.

Das genau ist, was zum "Hexensabbat" früher manchmal passiert ist, das war der ausgetragene Kampf der Beteiligten, der zu wilden Bewegungen geführt hat, gerade in den letzten Stunden.

Die besondere Macht der Stillhalter entstand also dadurch, dass diese gebündelte Interessen haben, während sich die vielen tausend einzelnen Options-Käufer ja nicht organisieren können. Es ist wie bei einer Schlacht im Prinzip gleich grosser Heere, bei denen das eine aber eine intelligente, straffe Führung hat und das andere ziellos ohne Anführer vor sich hin wuselt. Der Sieger steht schon vorher fest.

Wenn Sie nun mitgedacht haben, wird Ihnen aber schnell klar, dass die gleiche Grossbank die diese 12.000er Put Option auf den DAX geschrieben hat, diverse andere Optionen im Markt hat, die vielleicht gegenläufige Interessen generieren.

Solange alle diese Optionen in ähnlichen Volumina existieren, gleichen sich die widerstreitenden Interessen wieder aus, womit die Grossbank eben kein besonderes Richtungsinteresse hat.

Und das ist auch der Kern. Besonderes Richtungsinteresse entsteht immer bei den Marken, bei denen die Optionsvolumina stark über den Durchschnitt hinaus ragen. Diese Marken sind besonders umkämpft, wenn sich der Hexensabbat nähert.

Und nun, da wir verstanden haben was ein Stillhalter ist und warum die in der Vergangenheit etwas "machtvoller" waren - es also Sinn machte sich an deren Interessen zu orientieren - können aufmerksame Leser und fixe Denker auch sofort erahnen, was eine sinnvolle Erklärung neben anderen dafür ist, dass die OpEx zunehmend ruhiger wird.

Denn die Welt, in der Stillhalter nur Gross-Adressen waren, denen viele kleine "dumme" Anleger gegenüber standen, ist definitiv vorbei. Die Vielzahl der leistungsfähigen, elektronischen Broker die nun überall existieren, haben dazu geführt, dass auch "normale" Trader wie Sie und ich, mit "normalen" Depots das Schreiben von Optionen zu ihrer Strategie gemacht haben. In dieser Strategie lebt man dann vor allem von der Optionsprämie, wie ein Geldverleiher vom Zins.

Das Schreiben von Optionen wurde also in den letzten Jahren zunehmend demokratisiert und dieser Prozess dauert an. Damit stehen sich nicht mehr so simpel ein paar wenige riesige Stillhalter und Massen kleinere Käufer gegenüber, die "Heere" auf beiden Seiten nähern sich in ihrer Struktur an. Damit verschwindet aber auch der eine grosse Vorteil im Sinne eines gleichgerichteten Interesses, der den Stillhaltern bisher einen Vorteil im Ringen um eine Marke gewährt hat. Und so wird die OpEx ruhiger und normaler und verhält sich zunehmend wie der breite Markt auch. Nur das massiv gesteigerte Volumen, zeichnet sie immer noch aus.

Das Obige ist eine Theorie, ausdrücklich nur eine Theorie, warum sich das Verhalten des Marktes am Hexensabbat scheinbar beruhigt, was die wilden Ausschläge angeht. Aber zumindest ist es eine durchdachte Theorie.

Es spielen sicher auch andere Faktoren herein, auch die zunehmende Dominanz der Volumen der US Anleger ist sicher Thema. Die haben ihre OpEx erst Abends nach MEZ, sie dominieren den deutschen Markt aber trotzdem und beeinflussen indirekt den DAX, der der Schwanz des Hundes S&P500 ist. Und je kleiner der durchschnittliche Stillhalter im Verhältnis zum Marktvolumen des DAX wird, desto weniger ist dieser in der Lage, einen zielgerichteten Einfluss auf den Verlauf zu nehmen.

So weit ein kurzer, oberflächlicher Ausflug in die Welt des Hexensabbat und der Optionen, ich hoffe es hebt ein paar Schleier und hilft beim Verständnis. Ein grosses Geheimnis, zu dem die Stillhalter aus naheliegendem Eigeninteresse der Selbstdarstellung medial manchmal gemacht werden, ist das Geschehen an den Terminbörsen wie der Eurex definitiv nicht.

Und auch dieses Geschehen an den Terminbörsen ist eben dem Wandel des Marktes unterworfen - Regeln die am Markt vor 20 Jahren galten, müssen nicht zwingend heute noch völlig identisch gelten. Der Markt ist immer im Wandel, wie die Welt!

Ihr Michael Schulte (Hari)

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***