Wegelin – Kein Kommentar mehr – In der Schweiz werden die Uhren umgestellt

Zum Fall Wegelin - Ein Gastkommentar von Tokay

Vorgestern kam die Meldung, dass die schweizerische Privatbank Wegelin vor einem US-amerikanischen Gericht eingeräumt hat, bei der Umgehung der Steuerpflicht amerikanischer Steuerbürger mitgeholfen zu haben. Gegen Zahlung einer Summe von 74 Mio. US-Dollar wurde das Strafverfahren eingestellt. Als wäre dies nicht schon bemerkenswert genug, hat der Wegelin-Mitgesellschafter Bruderer angegeben, die Praktiken von Wegelin hätten absolut dem entsprochen, was andere Schweizer Geschäftsbanken getan hätten. Nun, die angesprochenen Geldhäuser dürften sich riesig gefreut haben, von einem ihrer nunmehr ehemaligen Wettbewerber mal eben der aktiven Mithilfe bei der Begehung von Straftaten bezichtigt zu werden. Allein, die Welt ist seit der großen Finanzkrise eine andere geworden, und die USA so wie auch alle anderen großen Industriestaaten sind nicht mehr gewillt, gegenüber dem Bankensektor allzu große Nachsicht walten zu lassen. Nun gibt es die Wegelin-Bank nicht mehr, sie wurde aufgespalten. Und mit dem Urteil gegen die Bank Wegelin dürfte sich die Szenerie noch lange nicht beruhigen.

Die Wegelin-Bank war etwas ungewöhnliches. Seit 1741 bestehend und in St. Gallen ansässig, managte sie nicht nur hohe Summen in- und ausländischer Anleger, sie wurde nicht zuletzt auch bekannt durch den „Anlagekommentar“ des Mitgesellschafters Konrad Hummler. Diese waren geprägt von einem durch und durch liberalen Gedankengut. Friedrich August von Hayek und Milton Friedman waren zwei herausragende Protagonisten der Hummler'schen Vorstellungswelt. Mit einiger Schärfe, aber auch intellektueller Brillanz verfocht Hummler seine Vorstellungen und dabei bekamen auch Euroland, bekam die deutsche Politik regelmäßig ihr Fett ab. Zu träge, zu wenig für die Zukunft gerüstet, zu korporatistisch, so waren die Botschaften, die aus dem idyllischen Städtchen unweit des Bodensees in die Welt getragen wurden. Mit dem Verfahren gegen Wegelin und dem daraus folgenden Verkauf an die Ostschweizer Raiffeisenbank ging diese Epoche zu Ende.

Hummler selbst dürfte es überaus schmerzen, künftig keine Anlagekommentare mehr zu veröffentlichen. Aber auch für die interessierte Öffentlichkeit ist dies ein Verlust. Die radikalliberalen Positionen des Anlagekommentars waren kaum je mehrheitsfähig; anregend zu lesen waren sie allemal. Man mochte die darin vertretenen Positionen nicht in allem und jedem nachvollziehen, doch die dahinterstehende Realitäten können bei nüchterner Betrachtung nicht ignoriert werden, so stellte man beim Reflektieren des gelesenen immer wieder fest. In jeder Gesellschaft finden sich die Verfechter wirtschaftlicher Freiheit zum einen und des sozialen Zusammenhalts zum anderen im permanenten Widerstreit. Hummler hat hier, wahrscheinlich in der öffentlichen Wahrnehmung ein wenig zu nachdrücklich, eindeutig für die wirtschaftliche Freiheit Partei ergriffen. Das ist zwar konsequent, aber damit macht man sich nicht nur Freunde.

Nicht zuletzt hat Hummler dafür geworben, für den langfristigen Vermögensaufbau in Aktien zu investieren, dabei heftig dem Staat misstrauend, an dessen Wille zur Einlösung seiner papiernen Versprechen er zweifelt. Zieht man die vielen Unwägbarkeiten in Betracht, denen wir uns gegenüber sehen – Demographie, zunehmende Energie- und Rohstoffknappheit, Staatsverschuldung – so ist es recht zwangsläufig, sich mit der Erhaltung seines Sparkapitals in Form von Realwerten zu beschäftigen, so wie es unter anderem auch hier bei Mr. Market geschieht. Dieser Gedanke wurde von Hummler eindrücklich propagiert. Der Duktus seiner Beiträge war ein ganz anderer als etwa der von Anlage-Gurus wie Max Otte oder Dirk Müller. Natürlich ging es nicht in erster Linie um konkrete Anlageempfehlungen, sondern der Leser blieb aufgefordert, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Das alles diente selbstverständlich dazu, die Bank Wegelin und seine Dienstleistungen dem interessierten Publikum bekannt zu machen. Aber nicht nur.

Die Bank Wegelin ist damit über Geschäftsbeziehungen gestolpert, die für sie nicht essentiell waren. Das enthält eine gewisse Tragik. Mit den Anlagekommentaren hat sich Wegelin darum verdient gemacht, einem interessierten Publikum Wirtschafts- und Finanzthemen, verbunden mit Ausflügen in Geschichte und Philosophie, manchmal auch in die Schweizer Landeskunde, auf pointierte Weise nahezubringen.

Goodbye!

Tokay

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Gold nach dem Absturz – Grosses Chartupdate – 04.01.13

Nach dem Handelsschluss an der Wallstreet, möchte ich mich noch einmal in Ruhe und ohne die Hektik des Handelstages, der Entwicklung beim Goldpreis widmen. Unter anderem, weil die heutige Entwicklung einfach laut danach schreit. 🙂 Zu deutlich kann man heute sehen, wie die Anleger von technisch agierenden Programmen hin und her geworfen werden.

Im voran gegangenen Artikel habe ich ja deutlich gemacht, dass ich die Entwicklung des Goldpreises seit November fundamental nicht mehr verstehe. Dem ist auch nichts hinzu zu fügen. Das sollte uns aber nicht hindern, einfach mal ganz unvoreingenommen auf den Chart zu schauen.

Hier ist er also der gleiche Stundenchart von XAUUSD, den ich Ihnen heute um 12 Uhr gezeigt habe, nun nur ein paar Stunden später.

Gold 04.01.12 1

So ein schöne inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation haben Sie auch schon lange nicht mehr gesehen, oder ? Die schreit ja geradezu danach bis 1680 USD weiter zu laufen.

Was war passiert ? Wie technisch abzusehen, fand gegen 12 Uhr eine Stabilisierung wegen schlichter technischer Überdehnung statt, die ich auf dem Chart des früheren Artikels mit dem roten Kreis beim RSI indiziert hatte.

Dann ging der Goldpreis in Wartestellung bis zu den US Arbeitsmarktdaten um 14.30 Uhr. Und als diese nicht mit einer Verringerung der Arbeitslosenquote kamen, ging es stark nach oben. Denn nach der neuen FED Kommunikation, bedeutet ja eine sinkende Arbeitslosenquote eine schnellere Beendigung der QE Massnahmen, was schlecht für Gold wäre - zumindest wenn man glaubt, dass die FED überhaupt aus der Geldflut wieder rauskommt und die Zinsen tatsächlich anheben könnte. Ich glaube es eher nicht, weil es wegen der Bondrenditen und damit Zinslast der USA gar nicht geht und am völlig überdehnten Anleihenmarkt ein Desaster auslösen würde, aber das ist eine andere Geschichte.

Wäre die Arbeitslosenquote stark gefallen, hätte es heute wohl ein Schlachtfest im Goldkurs gegeben. So wurde das Reversal in Gang gesetzt und das lief mal wieder nach technischem Lehrbuch. Die Formation ist auf jeden Fall aktiviert und das Kursziel rechnerisch ca. 1680 USD.

Schön ist auch zu sehen, wie durch diese volatile Bewegung zwischen dem 02.01. und dem 04.01. wahrscheinlich jede Menge menschlicher, mittelfristiger Trader rausgekegelt wurden, gewonnen haben wohl primär die Maschinen. "Whipsawed to Death" nennt man das im Amerikanischen und am Ende ist im Kurs gar nichts passiert, ausser das die Menschen Geld verloren haben.

Wenn Sie jetzt aber glauben in Sachen Gold "Hosianna" rufen zu können und alles sei in Butter, möchte ich daran erinnern, das genau diese technischen Formationen wie die inverse SKS seit November nicht mehr funktionieren. Schauen wir doch mal auf das gleiche Chart, nur aus Tagessicht:

Gold 04.01.12 2

Mit rotem Pfeil habe ich die Stelle im November markiert, die nicht hätte passieren dürfen und ohne Vorwarnung den neuen Abwärtstrend definierte, statt zu neuen Höchstständen hoch zu laufen. Und ich habe Ihnen zwei Trendlinien für einen Abwärtstrend eingemalt und auch gleich erneut den grünen Pfeil der aktuellen inversen SKS Formation.

Bei so viel technisch induzierten Abläufen, werden Sie nun auch nicht mehr überrascht sein, dass das rechnerische Ziel der SKS (der grüne Pfeil) bei 1680 USD ziemlich genau mit der ersten fallenden Trendlinie zusammen fällt. Wirklich spannend wird es aber in meinen Augen erst, wenn wir auch die zweite Trendlinie knacken (den grünen Stern) und Gold wieder über 1700 USD zieht. Wenn das mit bis dahin weiter funktionierender Markttechnik unterlegt ist, werde ich ab dem grünen Punkt einen Long-Trade wieder ernsthaft in Erwägung ziehen. Aber nicht vorher.

Hoffnung macht aber die grosse Trendlinie die ich Ihnen eingezeichnet habe, die nun seit dem Mai 2012 als Unterstützung eines übergeordneten Aufwärtstrend dient, der mit der heutigen riesigen Fahne auch erneut bestätigt wurde. Aus dieser Perspektive sieht das Bild des Goldkurses also gar nicht so schlecht aus.

Auch die Fibonacci-Retracements erlauben interessante Aussagen, denn der "Whipsaw" der letzten Tage war ein fast perfektes Pingpong zwischen dem 62er und 38er Retracement des grossen Anstiegs seit Mai 2012. Ich habe diese Retracements aber nicht mehr in den Chart integriert, da er ansonsten jede Lesbarkeit verloren hätte. Ich bin ein Fan der optischen Konzentration auf das Wesentliche. Aber auch die Fibo-Retracements zeigen eindrücklich, wie stark hier Algos gezielt im Spiel sind.

Ich erinnere aber erneut daran, dass wir seit 2 Monaten nun so hin und her geworfen werden wie in den letzten beiden Tagen. Also Vorsicht mit technischen Schlussfolgerungen. Und wir haben nun ein zulaufendes Dreieck im Tageschart, dass zwar statistisch öfter nach oben aufgelöst wird als nach unten, aber was ist bei Gold derzeit schon normal ?

Ich persönlich warte die 1700 USD ab und wenn ich dann vorher noch einen grossen "Buying on Weakness" Print im ETF GLD sehen würde und so wüsste, das Big Money wirklich wieder einsteigt, dann lasse ich mich auch gerne wieder überzeugen. Aber zunächst mal hat mir nun der Goldpreis was zu beweisen, denn der hat mich zuletzt nur an der Nase herum geführt.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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Gold und Silber im Crash Modus – 04.01.03

Gold befindet sich heute Mittag gegen 12 Uhr im Crash Modus. Schauen Sie mit mir doch einfach auf mal auf das Stundenchart von XAUUSD:

Gold Crash Modus 04.01.13

Zum wiederholten Male seit November letzten Jahres verhält sich der Goldkurs unverständlich. Wir hatten am 20. und 21.12 einen wunderschönen Doppelboden und an Silvester und am ersten Handelstag 2013 dann einen perfekten Ausbruch. Und dann: BUMM !

Der Auslöser sind wohl die Gerüchte um eine FED, die vielleicht in 2013 schon aus ihrem Quantitative Easing (QE) aussteigt. Als Auslöser mag das auch richtig sein, die Ursache kann es nicht sein. Denn dafür ist die Bewegung zu dynamisch und wäre das der alleinige Grund, müssten auch andere liquiditätsgetriebene Assets nun stark fallen. Das ist aber nicht so und deshalb gibt es für diese Bewegungen andere Gründe, die aber völlig im Dunkel liegen und eher bei "Big Money" zu verorten sein düften.

Es gibt viele Stimmen im Web die behaupten, dass hier "Big Money" versucht alle aus den Positionen zu drängen, weil in Wirklichkeit in Kürze massiver Kaufdruck und ein parabolischer Anstieg bei Gold auf der Agenda steht. Es schwirren Gerüchte in der Blogosphere herum, dass grosse Banken ihren physikalischen Lieferverpflichtungen gar nicht mehr nachkommen könnten und daher unbedingt auf fallende Kurse angewiesen sind. Und das hier ein Überlebenskampf geführt wird, um um jeden Preis den Kurs unten zu halten. Vieles von diesen Gerüchten wird wie immer Unsinn sein, aber ein kleiner wahrer Kern mag doch existieren.

Ich bin eigentlich kein Freund von Verschwörungstheorien, aber die Kursentwicklung von Gold und Silber seit November 2012 an der Comex ist so erratisch, dass selbst ich nicht mehr daran glaube, dass hier alles mir rechten Dingen zugeht.

Aber wie auch immer, wir sind am Markt nur kleine Fische und werden es erst dann wirklich wissen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Und deshalb halte ich mich aus dem Sektor nun völlig fern. Und zwar solange bis die Preis-Action wieder nachvollziehbar und berechenbar wird. Und wenn mich Big Money so aus dem Markt hält und dann ohne mich eine gewaltige Rally inszeniert, dann ist es halt so.

Sollte der Kurs nicht gerade jetzt bei 1630 USD drehen ? Würde der Goldkurs noch durch Markttechnik einzuschätzen sein, würde ich das wohl so sehen und heute taktisch kaufen. Aber das ist er nicht mehr. Und Trading auf Basis von Hoffnung war noch nie eine gute Idee und das ist eine der Lehren, die ich ganz fest in mir verankert habe.

Abgesehen davon, selbst wenn wir heute bei 1630 drehen sollten, seit Ende November - seit die etablierte inverse SKS Formation plötzlich ohne Vorwarnung abverkauft wurde - haben wir nun mit dem heutigen niedrigeren Tief einen eindeutigen Abwärtstrend, den es konsequent zu respektieren gilt !

An der Seitenlinie kann man zwar nicht gewinnen, aber auch nicht verlieren und es gibt im Moment ja genügend andere, attraktive Long Setups.

Ihr Hari

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Google und SEO – Zwischen Schwachsinn und Notwendigkeit

Google und SEO (Search Engine Optimization) sind nun wirklich keine Themen, die normal in einem Börsenblog auftauchen. Ich erlaube mir aber heute mal ein wenig Frust loswerden und will Ihnen - meinen Lesern - damit auch zeigen, womit man sich so rumschlagen muss und was einem wertvolle Zeit stiehlt - bzw. warum so viele Websites so aussehen, wie sie aussehen.

Als ich vor einem Jahr mit sumerdigital.de begonnen habe, habe ich mich bewusst um das Thema der Website Optimierung für Suchmaschinen (SEO) wenig gekümmert. Ausschlaggebend waren dafür zwei Gründe:

1) Ich will für meine Leser schreiben und nicht für Suchmaschinen. Ich will journalistisch interessante Texte schreiben und kein Keywordspamming betreiben.

2) SEO ist sowieso der Versuch einen Pudding an die Wand zu nageln, da die Suchmaschinen ihre Algorithmen permanent ändern. Was man gestern mit Mühen reingefrickelt hatte, kann morgen schon kontraproduktiv sein. Und nie kann man mit Gewissheit sagen, ob es auch so wirkt wie es soll.

Sie merken aus meinen Worten, dass ich dem Thema gegenüber eine ziemliche Ablehnung habe, ich empfinde SEO als Vergeudung wertvoller Lebenszeit, in der man etwas wirklich Kreatives oder Produktives tun könnte, von dem echte Menschen profitieren.

Und ich habe auf die Aussagen von Google und anderen vertraut, nach denen es sowieso primär darauf ankommt guten Content zu produzieren, weil die Algorithmen mittlerweile sehr intelligent geworden seien.

Nun gut, Sie haben erlebt wie im letzten Jahr der Content auf Mr. Market gewachsen und gewachsen ist. Und ich bin sicher, betrachtet man die Menge an unique Content der in 2012 neu erzeugt wurde, wird man auch ausserhalb des Themas Börse nur sehr wenige Blogs finden, die mehr erzeugt haben.

Wie ich -> In eigener Sache <- ja schon beschrieben habe, habe ich nun begonnen, mir auch um eine vorsichtige wirtschaftliche Verwertung dieses Blogs Gedanken zu machen, irgendwie müssen die zunehmenden Kosten und Aufwände ja auch gedeckt werden.

Ich habe also begonnen, mich dafür zu interessieren wie sumerdigital.de nun in Suchmaschinen bei den klassischen Keywords wie Börse, Trend, CFD, Aktie usw. usw. positioniert ist.

Die Ergebnisse sind ernüchternd. Vergleiche ich sumerdigital mit gängigen Messmethoden gegenüber anderen Blogs zum Thema Finanzen - die teilweise um Faktoren weniger und schlechteren Content haben - so ist sumerdigital gegenüber diesen Blogs wiederum um Faktoren schlechter gerankt.

Jetzt wäre das für die Euros die man mit Links etc einnehmen kann ja nicht tragisch, dergleichen habe ich bisher sowieso nicht gemacht. Aber daran hängt halt auch die reine Auffindbarkeit von sumerdigital.de bei Eingabe von Suchwörtern in Google & Co. und damit die Anzahl der Leser die auf diesen Blog überhaupt aufmerksam werden. Und dafür interessiere ich mich dann schon sehr.

Und die Gründe dieses schlechten Rankings sind schnell gefunden. Es sind eben doch Title-Tags, Meta-Descriptions usw. usw. die den Unterschied machen.

Die Suchalgorithmen von Google & Co. sind eben immer noch nicht intelligent genug, um den Content selber ausreichend zu würdigen, sondern man muss ihnen immer noch mit Fleissarbeit "Futter" liefern, sprich im vernünftigen Rahmen Keyword-Spamming betreiben, Meta-Daten befüllen, kurz seine Zeit für Suchmaschinen statt für die Leser verplempern.

Und man darf auch immer noch keine journalistisch und schriftstellerisch gut lesbaren Texte schreiben, die erst langsam zum Punkt kommen, sondern muss immer noch am Anfang mit den Keywörtern ins Haus fallen, damit die Suchmaschinen glücklich sind.

Vielleicht verstehen Sie jetzt auch besser, warum viele Webseiten so sind wie sie sind. Insbesondere bei den Titeln ist die Hinwendung zu Keywörtern ja auffällig, etwas was ich bisher konsequent ignoriert habe.

Nun zwingt mich Google & Co. durch die Beschränktheit der Algorithmen also doch noch dazu, mich mit diesen Themen auseinander zu setzen. Sie werden also auf sumerdigital in den nächsten Wochen einige Änderungen bemerken. Die Titel werden Keyword lastiger, die Artikel fallen mehr mit der Tür ins Haus und auch unter der Decke muss ich nun einige Fleissarbeit machen - Stichwort "Meta-Descriptions". Alles kein Hexenwerk und in ein paar Wochen erledigt, aber eben leider Zeit, die ich nicht für Sie habe.

Liebe Google, könntet Ihr bitte mal ein bisschen intelligenter werden ? Bitte !

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Gurkenaktien des 4. Quartals 2012 – Endstand 31.12.12

Bis zum 03. Oktober haben wir -> hier <- gemeinsam die "Gurkenaktien" zum Jahresende definiert. Jeder registrierte Leser durfte bei Interesse eine Short-Position einmelden. Ziel war es, die Aktie zu finden, die zum Jahresende 2012 sicher im Minus stehen wird.

Die 3 Monate bis 31.12.12 waren eine Pflichthaltedauer, ohne Chance auszusteigen. Es ging ja auch um die Aktie die sicher am Jahresende im Minus stehen würde, nicht um die mit dem grössten Minus.

Nun ist das vierte Quartal abgelaufen und ist es heute Zeit, den Endstand anzuschauen. Ich danke unserem Leser "Jacky" für die Aufbereitung der Daten:

Während wir in den vorherigen Quartalen noch den Markt jeweils deutlich schlagen konnten, hat uns die Rally einiger weniger Titel im letzten Monat das Ergebnis völlig kaputt gemacht und wir haben in Summe leicht schlechter (=besser) als der Markt abgeschnitten.

Das "Gurkenportfolio" hat seit Oktober ein Plus von 2,7% erzielt. Demgegenüber stiegen die Indizes im Mittel nur um 1,1%. DAX 7322,08 -> 77612,39 = +4,0%, S&P500 1450,99 -> 1426,19 = -1,7%

Letztlich hat das Portfolio im Dezember den Preis der bewusst gewählten starren Struktur von fest 3 Monaten gezahlt, denn wenn Aktien massiv drehen, muss man eigentlich sofort raus. Die fest gewählten 3 Monate - sozusagen "Buy and Hold" - haben den Vorteil der weitgehend gut gewählten und 2 Monate lang sich in die richtige Richtung bewegenden Positionen also weitgehend wieder zunichte gemacht.

Das ist auch die alles entscheidende Lehre die wir aus dieser Übung ziehen sollten und auf der ich ja schon lange herumreite. Und damit Sie sehen, dass ich schon lange darauf herumreite, kopiere ich hier den folgenden Text vom Zwischenstand von vor einem Monat wieder:

"Die erste Lehre ... ist damit auch offensichtlich. Wenn man einen Trade auf stark trendende Aktien fährt, dann ist ein Stop ... unerlässlich. Denn wir wissen ja, Trends dauern lange und sind sehr mächtig. Und wir folgen einem Trend so lange wir können. Aber nur bis er bricht ! Dann muss man kompromisslos raus, denn wenn ein Trend bricht, ist die Gegenbewegung meistens sehr dynamisch.

Ich weiss, dass viele ein Problem mit Stops haben, weil sie schmerzhaft erleben, wie sie zu schnell in "Fake-Outs" ausgestoppt werden. Das ist auch richtig, insbesondere wenn man mit zu engen Stops agiert, die nur dazu dienen sollen Gewinne abzusichern. Man darf deswegen aber nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Denn wenn man starke technische Strukturen hat, wie eben eine langfristige Trendlinie oder zum Beispiel das Tief eines Swing-Lows, dann sind Stops unerlässlich, um nicht in massive Verluste zu rutschen."

Nuff said 😉

Hier nun das Ergebnis im Detail:

1. A123 Systems (WKN: A0Q8FY) 0.28 USD -> 0.12 USD; gain: -57.1%
2. Praktiker (WKN: A0F6MD) 1.56 € -> 1.15 €; gain: -26.3%
3. Solarworld (WKN: 510840) 1.4 € -> 1.06 €; gain: -24.3%
4. Sino AG (WKN: 576550) 2.76 € -> 2.18 €; gain: -21.5%
5. Gigaset (WKN: 515600) 1.22 € -> 0.97 €; gain: -20.5%
6. Vestas (WKN: 913769) 5.11 € -> 4.38 €; gain: -14.3%
7. Aixtron (WKN: A0WMPJ) 10.24 € -> 8.88 €; gain: -13.3%
8. Peugeot (WKN: 852363) 6.14 € -> 5.44 €; gain: -11.4%
9. Microsoft (WKN: 870747) 29.86 USD -> 26.71 USD; gain: -10.5%
10. Magforce (WKN: A0HGQF) 2.8 € -> 2,54 €; gain: -9.3%
11. Intel (WKN: 855681) 22.55 USD -> 20.62 USD; gain: -8.6%
12. Hewlett-Packard (WKN: 851301) 14.91 USD -> 14.25 USD; gain: -4.4%
13. McDonalds (WKN: 856958) 90.35 USD -> 88.21 USD; gain: -2.4%

---- Bis Position 13 haben die Shorts den Markt geschlagen und auch die gestellte Aufgabe erfüllt ----

14. Wacker Chemie (WKN: WCH888) 48.87 € -> 49.65 €; gain: 1.6%
15. Thyssen-Krupp (WKN: 750000) 16.99 € -> 17.76 €; gain: 4.5%
16. Boeing (WKN: 850471) 69.86 USD -> 75.36 USD; gain: 7.9%
17. Daimler (WKN: 710000) 38.06 € -> 41.32 €; gain: 8.6%
18. Wienerberger (WKN: 852894) 6.27 € -> 7.00 €; gain: 11.6%
19. Talanx AG (WKN: TLX100) 18.75 € -> 21.48 €; gain: 14.6%
20. Tesla Motors (WKN: A1CX3T) 29.3 USD -> 33.87 USD; gain: 15.6%
21. Kontron (WKN: 605395) 3.46 € -> 4.11 €; gain: 18,8%
22. Facebook (WKN: A1JWVX) 21.83 USD -> 26,62 USD; gain: 21.9%
23. Infineon (WKN: 623100) 5.01 € -> 6.13 €; gain: 22.4%
24. Alcatel-Lucent (WKN: 873102) 0.81 € -> 1.01 €; gain: 24.7%
25. Sky (WKN: SKYD00) 3.25 € -> 4.13 €; gain: 27,1%
26. Salzgitter (WKN: 620200) 30.72 € -> 39.42 €; gain: 28.3%
27. Nokia (WKN: 870737) 2.05 € -> 2.95 €; gain: 43.9%
28. Research in Motion (WKN: 909607) 8.06 USD -> 11.87 USD; gain: 47.3%

Für diejenigen, die immer noch nicht an die Bedeutung von Trends, Trendbrüchen und Stops glauben, habe ich noch eine kleine Variante parat.

Ich nehme nun theoretisch an, wir hätten für genau 3 Aktien aus 28 - die mit den grössten Gewinnen, also Salzgitter, Nokia und RIM - einen Stop durchführen dürfen, der bei Trendbruch gezogen hätte. Um nicht mit Trendlinien zu operieren, die oft Geschmackssache sind, definiere ich als Trendbruch dabei den Zeitpunkt nach Ablauf des ersten höheren Hochs und ersten höheren Tiefs im Tageschart.

Das wären über den Daumen gewesen:

Bei Nokia der 29.11. mit ca. 2,59€ = 26,3% gain statt 43,9%.
Bei RIM der 09.11. mit ca. 8,54USD = 5,9% gain statt 47,3%.
Bei Salzgitter schwierig, weil die Aktie schon von Anfang an im neuen Aufwärtstrend war, ich habe mal über den Daumen den 30.10. gewählt bei ca. 33,97€ = 9,7% gain statt 28,3%.

Nun tausche ich die Performance dieser drei Aktien mit Stop aus und Voila, die Gesamtperformance des Depots beträgt plötzlich -0,01%. Es hätte leicht im Minus geschlossen, den Markt geschlagen und die Aufgabe erfüllt.

Alleine 3 Stops aus 28 Aktien, Stops bei den grössten Trendbrüchen, hätten den Unterschied gemacht. Wie Sie wissen, hatten wir aber bei viel mehr Aktien starke Reversals, so zum Beispiel auch bei Facebook, Wacker Chemie, Alcatel usw. Wären alle Positionen mit Stops bei den Trendbrüchen ausgestattet gewesen, hätte einer starken Performance des Portfolios absolut nichts im Wege gestanden !

Ich hoffe ich konnte meinen Punkt deutlich machen. 🙂

Nachdem wir nun zweimal in diesen Übungen die Bedeutung von Trends und von Stops eindrücklich erleben konnten - zumindest hoffe ich, das es eindrücklich war - werde ich im Januar eine dritte Übung der Community starten, bei der wir uns dieses mal auf komplette Trades mit Einstieg, Stop und Zielkurs konzentrieren werden.

Eine entsprechende gemeinsame Übung startet für alle interessierten und registrierten Leser in den kommenden Tagen.

Ihr Hari

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Börsenjahr 2013 – 02.01.2013 – Beobachtungen zum Jahresanfang – Teil 2

Hier um 17.30 Uhr der zweite Teil meiner Beobachtungen zum Anfang des Börsenjahr 2013:

Wenig Favoritenwechsel im DAX

Schaue ich insbesondere heute auf den DAX, sehe ich im aktuellen Handel die alten "Gurken" wie E.ON und Metro bestenfalls mit dem breiten Markt mitlaufend. Auch die in 2012 schwache K+S "röchelt" weiter vor sich hin. Von einem Favoritenwechsel ist da (bisher) nicht viel zu merken.

Auffällig ist die relative Schwäche bei Bayer, die Aktie ist aber auch 2012 sehr gut gelaufen und steckt voller positiver Erwartungen. Es kann daher gut sein, dass diese Schwäche am Ersten des Jahres ein Signal ist. Auch eine Aktie die mir in 2012 zu gut gelaufen ist und die nun in meinen Augen nach einer Korrektur schreit ist Beiersdorf.

Ebenso auffällig und bemerkenswert ist der Intraday Abverkauf von Linde von 134,7 EUR bis 130,9 EUR oder Intraday fast 3%. Ich kenne die Ursache noch nicht, aber dass mus man unbedingt beobachten. Denn auch wenn ich bei Linde weiter von einer guten Geschäftsentwicklung und sogar einem Schub durch die Lincare Übernahme ausgehe, birgt das Chart schon das Potential einer grösseren Top-Bildung in sich.

Apple, Rohstoffe und Gold- und Silberminen riechen nach Rally.

Betrachtet man, was schon an Silvester bei den Firmen rund um Apple wie Broadcom oder Qualcomm, bei den Rohstoffwerten rund um Rio Tinto & Co. und den Gold- und Silberminen passierte - alles Werte die im 4. Quartal lange sehr schwach waren - ist es bemerkenswert, wie diese Stärke am heutigen Jahresanfang massiv bestätigt wurde. Es kann gut sein, dass wir es in diesen Fällen mit einer neuen Tendenz zu tun haben.

Hier scheint frisches Geld in aus Sicht des Marktes unterbewertete Assets hinein zu fliessen und alle genannten Sektoren haben eine Menge Potential.

Südeuropa hat nach wie vor eine Menge Aufholpotential

Bemerkenswert auch, wie das schöne Plus im DAX erneut durch ein Plus von mehr als 3% im IBEX35 und MIB40 getoppt wurde. Die -> hier <- und -> hier <- vorgestellten Trades sind weiter hoch aktuell, die Bullenflaggen haben sich wie erwartet nach oben aufgelöst und es gibt noch jede Menge Luft für Gewinne in 2013.

Der Stahlsektor scheint mitten im Rebound zu stehen

Passend zur positiven Entwicklung in China, setzt sich der Rebound bei den unter anderem -> hier <- am 05.12.12 besprochenen Klöckner und Salzgitter weiter nach Lehrbuch fort. Insbesondere Klöckner hat perfekt sein Ausbruchsniveau bei ca. 8,9€ gestestet und dreht nun weiter nach oben.

Am stärksten ist heute Thyssenkrupp, was aber kein Wunder ist, da die Aktie auch mit Abstand am schlechtesten gelaufen ist. Ich fasse die Aktie aus den hier mehrfach besprochenen Gründen aber weiterhin nicht an. Wer einen Sektor sucht, in dem er in den kommenden Wochen und Monaten den Markt deutlich schlagen kann - eine weitere Erholung von China und der Eurozone voraus gesetzt - ist hier vielleicht gar nicht schlecht aufgehoben. Die notwendigen Stops für Klöckner und Salzgitter sind auf jeden Fall nun klar durch die Tiefs vom 21.12. bzw 28.12. definiert und erlauben einen gut abgesicherten Longtrade.

iRobot und die riesigen Gaps

Es gibt eine Reihe kleinerer Aktien, die ich wie 3D Systems (WKN 888346, DDD) aufgrund ihrer besonderen technologischen Position auf meinem Radar habe. Dazu zählt der Roboterspezialist iRobot (WKN A0F5CC, IRBT), auf den ich mit dem folgenden Tageschart und dem Blick auf die beiden riesigen Gaps aufmerksam machen will.

Zumindest das kleinere Gap von Oktober 2012 bei 22,4 USD scheint die Aktie mit aktuell 8% Plus nun in Angriff zu nehmen. Auslöser der Gaps waren Verzögerungen bei den militärischen Aufträgen im Verteidigungsbereich (Minenräumung etc.), diese sind aber nun eingepreist. Das private Geschäft läuft dagegen gut und das Potential des Marktsegmentes ist ähnlich wie beim 3D Druck gewaltig.

Und um mal ganz wild herum zu spekulieren: Wenn es irgendwo ein Segment gibt, das wie weiland die Musikplayer durch das iPod danach schreit, durch einfache und schicke Lösungen einem Massenmarkt geöffnet zu werden - dann sind es die Haushaltsroboter, die schon weit mehr können, als Otto Normalverbraucher ahnt und durchaus das Potential haben auch unter der Überschrift "schick und hipp" wahrgenommen zu werden. Wer will denn keinen R2D2 haben, der ihm Teile der lästigen Hausarbeit abnimmt ? Oder steht hier jemand auf Staubsaugen ? 😉

Da finde ich den Namen iRobot im Sinne Apple vielleicht schon prophetisch. Vielleicht verleibt sich ja mal ein Grosser iRobot ein, wer weiss.

iRobot 02.01.13

Das warme Wetter und der US Gaspreis

Das in den USA sehr warme Winterwetter macht den -> hier <- vorgestellten Trade auf den ETF UNG zu nichte. Wer den Stop knapp unter der 200-Tage-Linie beachtete, wurde nach einem grossen Gap heute ausgestoppt. Die letzte Verteidigungslinie ist nun das Tief vom 28.08.12 bei 17,69 USD. Solange das hält, ist der Aufwärtstrend seit April 2012 noch intakt. Fällt auch dieses Tief, sollte man vom UNG wohl weiten Abstand halten.

So weit erst einmal meine ersten Eindrücke zum Anfang des Jahres. Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins Börsenjahr 2013 !

Ihr Hari

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Börsenjahr 2013 – 02.01.2013 – Beobachtungen zum Jahresanfang – Teil 1

Ein neues Börsenjahr hat begonnen und was in den ersten Tagen und Wochen eines neuen Börsenjahres passiert, hat oft Bedeutung für das ganze folgende Jahr. Denn mit dem Jahreswechsel findet oft genug auch ein Favoritenwechsel statt.

Grund genug mit Ihnen um 11:00 Uhr mal einige Beobachtungen und Gedanken zu teilen, die mir am heutigen ersten Handelstag des Jahres bisher aufgefallen, bzw. durch den Kopf gegangen sind:

US Debt Limit und der schwierige Februar 2013

Die schlimmsten Auswirkungen der "Fiscal Cliff" sind nun aus dem Weg geräumt, aber nur um den Preis eines noch viel grösseren Problems in wenigen Wochen. Denn spätestens März wird die USA wieder gegen das Schuldenlimit fahren, ein Problem das schon im Spätsommer 2011 zur Herabstufung der USA und den folgenden Irrungen und Wirrungen an den Börsen beigetragen hat.

Leider hat die aktuelle Einigung keine der grundlegenden Fragen addressiert, sondern diese nur auf den Zeitpunkt in 2 Monaten verscboben. Und noch schlimmer, Obamas vermeintlicher Triumph an einer Stelle, wo die Republikaner nicht wirklich Nein sagen konnten - wer will schon als der Verantwortlicher für massive Steuererhöhungen der Mittelklasse dastehen - macht eine frühzeitige, konstruktive Einigung nun noch unwahrscheinlicher. Denn im Februar/März werden dann die Rechnungen präsentiert und die frisch geschlagenen Wunden gerächt werden und zu diesem Zeitpunkt existiert der öffentlichkeitswirksame Hebel Obamas nicht mehr.

Das sind keine guten Aussichten für eine einfache, konstruktive und dauerhaft für das Land tragfähige Lösung. Vor dieser Lösung stehen wohl Schweiss, Tränen, Drama und Verwirrung und die Börsen werden das überhaupt nicht lieben. Berücksichtigt man dann noch, dass im Februar auch Italien wählen soll, gehört wenig dazu sich vorzustellen, dass die Märkte nach einer Jahresanfangsrally schon ab Mitte/Ende Januar wieder schwierig werden.

Unklar ist bei diesem Bild nur, wie lange Mr. Market braucht um mit seinem Radar auf diese Hürden zu reagieren. Normalerweise reagiert Mr. Market extrem schnell, was der aktuellen Rally nur eine sehr kurze Halbwertzeit geben würde. Aber manchmal kann Mr. Market auch temporär vergessen. Die Price-Action Anfang kommender Woche, also ab dem 07.01.13, wird uns wohl zeigen welches Bild zutrifft. Kurzfristig, in den ersten Tagen des Jahres, wird nun frisches Geld wieder in den Markt strömen und ihn stützen.

China und Rohstoffe

Chinas Konjunktur kommt wieder und mit ihr der Bedarf nach Rohstoffen, der Anlageklasse die 2012 recht schwach war. Das scheint eindeutig der Trade des Jahresanfangs zu sein, der Bergbauriese Rio Tinto (WKN 852147) heute zum Beispiel mit 5% Plus.

Mit dem Anziehen der chinesischen Konjunktur kommt dann auch Bewegung in den in 2012 anämischen Stahlmarkt, die hier mehrfach besprochenen Salzgitter (WKN 620200) und Klöckner (WKN KC0100) haben wohl noch eine Menge Potential.

Ob diese Entwicklung das ganze Jahr trägt wird man sehen, denn China ist unter der Decke weit fragiler als es ausschaut. Und die kommunistische Partei kommt immer mehr in das Dilemma einerseits mehr Öffnung und Freiheit ermöglichen zu müssen - und damit auch der eigenen Korruption ins Auge zu sehen - oder die wirtschaftliche Entwicklung so nicht mehr weiter führen zu können, mit ebenso fatalen Konsequenzen bei den breiten Massen.

China ist ein Riese, der schnellen Schrittes voran schreiten muss, wenn er nicht den Zusammenbruch und schwere innere Verwerfungen riskieren will. Aber ob das Problem schon in 2013 eskaliert, wage ich nicht zu prognostizieren, mein Gefühl sagt mir eher nicht, das dauert noch etwas. Wichtig wird nun zu sehen sein, wie sich die neue Führung präsentiert und positioniert.

Japan und Yen Trade

Der Trade läuft und läuft und dürfte noch einiges Potential haben. Mittelfristig ist aber mit dieser Art Währungsmedizin nichts zu gewinnen, denn schon bald dürften die anderen Notenbanken nachziehen und schon war es das wieder mit der relativen Abwertung des Yen. Das grundlegende Problem der Japan AG, das auf Überalterung der Gesellschaft, vor allem aber starker Verkrustung der Wirtschaftsstrukturen beruht, wird aber so in keinster Weise addressiert.

Japan ist kein dynamisches Land mehr, dort gibt es eine "eine Hand wäscht die andere" Mentalität der Wirtschaftseliten, die zu massiv fehlender Durchlässigkeit und damit nachlassender Innovationskraft führt. Mit dieser neuen (alten) Regierung, die das Problem mit den Rezepten der Vergangenheit angeht, sehe ich auch nicht wie Japan strukturell in Bewegung gerät.

Man sollte also diesen Trade nach meiner Einschätzung geniessen solange er läuft, und das kann durchaus noch Monate sein, mittelfristig werde ich persönlich aber nicht auf Japan setzen. Im Gegenteil, dass Land ist was seine Schulden angeht eigentlich strukturell Pleite und wenn es an den Bondmärkten mal zu katastrophalen Verwerfungen kommen sollte, hat Japan alle Chancen der Auslöser eines solchen "Anleihen-Armageddons" zu sein.

Gold und Silber

Ich habe ja im alten Jahr zum Ausdruck gebracht, dass ich die Bewegungen der Edelmetalle im 4. Quartal nicht mehr verstanden habe. Man darf aber auch nicht vergessen, dass diese Bewegungen im wesentlichen der Comex entstammen, wo keineswegs sicher gestellt ist, dass die gehandelten Volumina auch durch physische Edelmetalle unterlegt sind. Insofern kann es schon gut sein, dass hier taktische Kräfte am Werk waren.

Rein vom grossen fundamentalen Bild her, ist die Story von Gold und Silber nach meiner Einschätzung nur stärker geworden. Der Abwertungs-Währungskrieg aller grossen Weltwährungen ist in vollem Gange und das bedeutet zwangsläufig eine relative Entwertung aller Papiergeldwährungen. Davon sollten und dürften die Edelmetalle als einzige nicht beliebig "druckbare" Währungen früher oder später selbst an der Comex profitieren, der physikalische Bedarf ist ja sowieso stark.

Seit nun 1,5 Jahren hat Gold eine gewaltige Konsolidierung hingelegt und dabei aber zu keinem Zeitpunkt die Strukturen eines Bullenmarktes verlassen. Auf grosse Konsolidierungen folgen in der Regel grosse Anstiege und das Gold nicht mehr im Bullenmarkt ist, wäre erst dann indiziert, wenn der Goldpreis die mehrfach getestete Zone von 1520 USD nach unten verlassen würde. Davon sind wir aber weit entfernt.

Schauen Sie mit mir im Wochenchart mal auf das grosse Bild von Gold in Form von XAUUSD seit 2003, damit Sie zum Thema die richtige Perspektive behalten:

Gold 02.01.13

Teil 2 dieser Betrachtungen folgt am Abend, während des Wallstreet-Handels oder morgen (03.01.12) früh.

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Politisches Gezerre in den USA – Der Fisch stinkt vom Kopf

Zunächst einmal wünsche ich Ihnen ein gutes neues Jahr ! Und uns allen viel Erfolg und das richtige Händchen an den Märkten, um dem fiesen Mr. Market dieses Jahr mal so richtig zu zeigen, wo "Barthel den Most holt". 😉

Gestern hatte ich eine Art Aha-Erlebnis. Es trat ein, als ich gestern Abend der Pressekonferenz Präsident Obamas zuschaute, während Vizepräsident Biden und der republikanische Senats-Führer McConnell noch in den letzten Zügen ihrer Verhandlungen steckten, um auf den allerletzten Drücker die schlimmsten Auswirkungen der Fiskalklippe für Amerikas Mittelschicht abzuwenden.

Sie wissen ja, die Sicht der deutschen Öffentlichkeit auf Obama und das politische Ringen in den USA ist eher schlicht. Obama ist da der gerechte, ehrliche, gütige Held, der einer Horde erzkonservativer "Ganoven" gegenüber sitzt, deren ganze Bildung aus dem Bibel-TV stammt. Da wird Obama "blockiert" und Obama "drängt" - das Bild ist also immer das eines Präsidenten, der eigentlich das aus europäischer Sicht Richtige tun will, aber leider nicht kann.

Ich weiss nicht woher dieses Zerrbild kommt und warum die Presse in Deutschland unisono an Obama so einen Narren gefressen hat, einem Obama der sich für Europa eher nicht interessiert und dessen Blick nach Asien gerichtet ist. Einem Obama, der in seiner ersten Amtszeit eher wenig auf "die Reihe" bekommen hat. Bei mir ist dieses Zerrbild aber gestern mit einem lauten "Plopp" geplatzt. Auch bei unserer Bundeskanzlerin muss man auf die feinen Zwischentöne hören und auf das was sie nicht tut und nicht sagt, mit Obama ist sie nach meinem persönlichen Eindruck nie so richtig warm geworden.

Und gestern habe ich begriffen, warum die politische Landschaft in Amerika so zerrissen ist und die Politik bis zur allerletzten Minute braucht um selbst einen Minimalkompromiss zu formen: Der Fisch stinkt vom Kopf. Das Problem des mangelnden politischen Grundkonsens in den USA hat neben der "Tea Party" einen weiteren Namen: Obama.

Natürlich, da gibt es in der republikanischen Partei eine starke gewordene Minderheit - die "Tea Party Bewegung" - für die das Bild vom bibeltreuen, ideologisch und religiös "gefestigten" Erzkonservativen durchaus passt, der am liebsten wie weiland in Dodge City die Verbrecher am nächsten Baum aufknüpfen würde. Diese radikale Minderheit wird aufgrund ihres Blockagepotentials ja immer als Grund für den politischen "Stalemate" in den USA angeführt. Und bis gestern habe ich das auch geglaubt.

Nur, diese Bewegungen hat es in Amerika immer gegeben, nicht umsonst wird der Mittlere Westen der "Bibelgürtel" genannt. Und diese Denkschule war auch immer mit Abgeordneten vertreten. Aber, in Senat und Repräsentantenhaus haben nach wie vor moderate, vernünftige Kräfte der "politischen Mitte" ein klare Mehrheit. Die "Tea Party" ist nur eine Minderheit, selbst in der republikanischen Partei und erst Recht im ganzen Land.

Warum also können diese gemässigten Kräfte nicht mehr zum Wohle des Landes zusammen arbeiten ? Warum lehnen so viele liberale, intelligente, politisch moderate und völlig unreligiöse US-Blogger, deren Blogs ich regelmässig lese, Barack Obama so vehement und mit Aggressivität ab ?

Gestern habe ich es begriffen. Gestern trat ein Präsident in einer offiziellen Pressekonferenz im Weissen Haus auf, der während die Verhandlungen auf Messers Schneide standen nichts Besseres zu tun hatte, als sich von Anhängern peinlich feiern zu lassen. Der nichts Besseres zu tun hatte, als mitten in den Verhandlungen öffentlich gegen die Republikaner nachzutreten, eine absolute Totsünde bei jedem ernsthaften Einigungsversuch. Der nichts Besseres zu tun hatte, als sich mit einem Grinsen öffentlich in seinem vermeintlichen Erfolg zu sonnen und auf Kosten der "Verlierer" Witze zu machen.

Und da fiel mir wieder ein, dass schon im Spätsommer 2011 als die USA ihr Top-Rating verloren und gegen die Defizit-Grenze rannten, Vizepräsident Biden den Kompromiss herbei geführt hatte. Und nicht Obama. Und auch jetzt wieder war Obama über Wochen nicht in der Lage selber einen Kompromiss in die Wege zu leiten, es brauchte wieder Biden.

Dabei ist Obama nun in der zweiten Amtszeit. Er muss keinen Wahlkampf mehr führen. Und er muss sich auch nicht mehr wie ein Wahlkämpfer feiern lassen, ausser sein Ego braucht das, was ich als ziemlich ärmlich empfinden würde. Obama könnte seine ganze Energie darauf richten, sein Land nach vorne zu bringen.

Und er könnte und müsste der überparteiliche Präsident sein, den das Land nun unbedingt braucht. Dazu aber muss man auch auf der politischen Gegenseite Vertrauen und Vertraute aufbauen. Man muss still und leise die Mehrheiten organisieren und sich jeden lauten Triumph-Geheuls enthalten. Der Gentleman geniesst und schweigt sozusagen. Es kann mir niemand weissmachen, dass ein überparteilich agierender Präsident nicht in der Lage wäre, die entscheidenden Spieler rechtzeitig, still und leise ins Weisse Haus zu holen und auf Basis von Vertraulichkeit einen Deal zum Wohle der amerikanischen Mittelschicht zu zimmern.

Aber Obama konnte es nicht. Er konnte es nicht, obwohl er mit Mehrheitsführern in den beiden Häusern arbeitet, die keineswegs aus der Teaparty stammen, sondern die durchweg alte Haudegen sind, die das politische Geschäft in Washington seit Jahrzehnten beherrschen und mit anderen Präsidenten auch Kompromisse zu Stande brachten.

Gestern, durch seinen für mich persönlich als bizarr empfundenen Auftritt auf einer Pressekonferenz mitten in den Verhandlungen, habe ich begriffen warum die US Politik so blockiert ist: weil Barack Obama immer noch den Wahlkämpfer gibt, statt den überparteilichen Präsidenten der er sein müsste. Und weil er scheinbar nicht begreift, dass ein guter Verhandler seinen "Gegnern" Raum gibt und darauf achtet, dass diese nicht ihr Gesicht verlieren. Und schon gar nicht Witze auf deren Kosten macht.

So werden die USA nun einen Minimalkonsens erzielen, der die Mittelschicht vor den schlimmsten Auswirkungen der Fiskalklippe schützt. Ein Kompromiss dem sich die Republikaner nicht entgegegen stellen konnten, was ihre Verhandlungsposition schwächte. Schon in 2 Monaten werden die USA aber vor der Defizit-Grenze stehen wie im Spätsommer 2011. Und wieder wird Obama die Republikaner brauchen, um das Problem zu lösen.

Und dann - davon gehe ich nun fest aus - werden die Rechnungen beglichen und die Wunden gerächt, die Barack Obama hier ohne Grund wieder geöffnet hat. Wäre ich Verhandlungspartner von Obama, ich hätte seit gestern auch das Messer in der Tasche auf und würde Obama dafür später bluten lassen.

Wir als Anleger sollten uns also darauf einstellen, dass wir nach kurzer Beruhigung von ein paar Wochen schon ab Februar in den USA vor einem weit schlimmeren Problem stehen, das wie im Spätsommer 2011 für weltweite Verwerfungen geeignet ist.

Und ich habe seit gestern begriffen, dass Barack Obama dabei nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems ist. Sicher ist er nicht das alleinige Problem und ja, die Tea-Party macht die Lage nicht leichter, aber er ist Teil des Problems. Weil er immer noch nicht im Amt angekommen zu sein scheint, und sich nach meinem Eindruck immer noch als Wahlkämpfer aufführt. Ein guter Wahlkämpfer ist halt nicht zwangsläufig ein guter Präsident, Kanzler, Minister - eine Erkenntnis die wir in Deutschland auch schon hatten, Westerwelle anyone ?

Das aus den USA kommende, unruhige politische Fahrwasser, wird uns als auf Jahre erhalten bleiben. Denn Vertrauen und Konsens ist mühsam zu erarbeiten und schnell zu zerstören.

Und Barack Obama ist nicht der "Held" und "weisse Ritter", zu dem ihn weite Teile der deutschen Presse gemacht haben.

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