DAX, S&P500 und der Carry Trade – Was ist da an den Märkten los ?

08:45 Uhr. Heute früh möchte ich Ihnen - vor Eröffnung des Xetra-Handels in Frankfurt - in wenigen klaren Sätzen einen Eindruck davon vermitteln, was da an den Märkten wirklich los ist und warum wir heute die 8000er Marke im DAX wieder testen.

Man liest dazu allerlei zweidimensionale Ursache->Wirkung Vermutungen, die aber eher am Thema vorbei sind. Nein, es ist auch nicht das BVG mit seiner Verhandlung, das hat Mr. Market eher unter der Rubrik "traut sich sowieso nicht" abgehakt.

Was hier passiert hat die Ursache in grossen Geldströmen an den Weltfinanzmärkten und ich habe Ihnen nicht ohne Grund gestern die 4 Charts gezeigt, in denen man erkennen kann, dass das, was nun auch im DAX ankommt, schon einige Tage im Gange ist.

Es gibt aus meiner Sicht zwei Kernursachen:

Erstens die Unsicherheit über die weitere Politik der Notenbanken, insbesondere der FED. Nach der gewaltigen Aufwärtsbewegung seit November, gehört wirklich nicht viel Intelligenz dazu, im Lichte dieser Unsicherheit mal ein paar Einsätze vom Tisch zu nehmen. Genau das macht "Big Money" und war schon seit Wochen als "Distribution" zu beobachten. Einer der vielen Gründe, warum ich schon letzte Woche deutlich gemacht habe, dass ich über den Sommer auf die Seitenlinie trete.

Dieses Verhalten von "Big Money" hat einen netten Nebeneffekt. Es erhöht massiv den Druck auf die FED, die nächste Woche wieder tagt. Es legt der FED die Pistole an die Schläfe und sagt: "Hör auf über eine Reduktion des Stimulus zu diskutieren oder trage die Konsequenzen".

Dieses taktische Verhalten der Wallstreet ist aber nicht der Wichtigste der beiden Gründe. Wirklich entscheidend sind die weltweiten Geldströme aus dem Yen Carry-Trade. Es geht also um Japan, Japan ist der Kern dieser Bewegung.

Ich kann den Carry-Trade hier nicht in wenigen Worten erklären, aber im Kern geht es darum sich mit Micro-Zinsen nahe Null im Yen zu verschulden, um dann das Geld in höher rentierliche Anlagen umzuschichten. Anlagen wie High-Yield Bonds der Emerging Markets eben. Oder eben Anlagen im Aktienmarkt mit hoher Dividende.

Deswegen wurden die Dividenden-Bluechips zuletzt so stark verprügelt. Deswegen fallen die EMA Anleihen so massiv. Es ist die Auflösung des Yen-Carry-Trades. Es sind die weltweiten Geldströme des grossen Geldes, die diese Bewegung indizieren.

Das der Yen Carry-Trade überhaupt in sich zusammen fällt, hat mit der Rasierklinge zu tun, auf der die neue "Abenomics"-Politik der japanischen Regierung balanciert. Wenn Sie meinen Lunchtalk gestern mit der Wiwo anschauen, bekommen Sie einen oberflächlichen Eindruck davon, worum es da geht.

So weit die kurzen Hinweise wo man hinschauen muss. Simple Ursache->Wirkung Vermutungen aufgrund einzelner Nachrichten zeugen aktuell nur von Unkenntnis, wie die Geldströme der Welt wirklich funktionieren. Und nein, man kann nicht alles mit Charttechnik erklären, Chartbilder sind ein Abbild der realen Handlungen der Marktteilnehmer, erzählen aber nicht immer die Geschichte warum es diese Bewegungen gab. Manchmal sind Bewegungen rein technischer Natur, dann erzählt das Chart die ganze Geschichte. Manchmal aber - und derzeit ist so ein Fall, wie Ihnen die 4 Charts gestern deutlich zeigen sollten - stehen weit grundsätzlichere, fundamentale Themen dahinter.

Was heisst das für DAX und S&P500 ?

Mittelfristig bleibe ich bei meiner Erwartung einer volatilen Seitwärtsbewegung über den Sommer. In diesem Markt muss man im Moment nicht zwingend sein.

Kurzfristig denke ich, dass die Auflösung des Carry-Trades nun so weit fortgeschritten ist, das es Zeit für eine Gegenbewegung ist. Das Minus heute im Nikkei hat den Charakter einer kleinen Kapitulation. Gleichzeitig sitzen wir nun mit DAX 8000 und S&P500 Future 1600 auf den entscheidenden Unterstützungen, sind technisch kurzfristig überverkauft und habe heute eine grosse FED Buy-Operation im Markt.

Seien Sie also nicht überrascht, wenn es heute mal wieder nach oben geht, sobald ab Mittag die Wallstreet ins Spiel kommt.

Das wir diese wichtigen Unterstützungen nun sofort nachhaltig brechen, ist kurzfristig also das weniger wahrscheinliche Szenario. Wenn das aber doch passieren sollte - auch kleinere Wahrscheinlichkeiten können eintreten - muss man extrem vorsichtig sein. Denn unter diesen Unterstützungen dürften jede Menge Stops lauern, die eine Bewegung dann beschleunigen.

In diesem Sinne entstehen heute Chancen für aggressive "Mean Reversion" Trader. Für Anleger mit mittelfristigem Horizont, sehe ich aber über die kommenden Wochen eher wenig Grund, sich diesem Markt zu exponieren, der nach der zukünftigen Richtung sucht. Im Spätsommer werden wir klarer sehen.

Viel Erfolg heute wünscht Ihr Hari !

PS: Übrigens, diese Art der Begleitung durch den Tag bekommen die Premium-Mitglieder auf sumerdigital rund um die Uhr. Am Tag stelle ich ca. 5 - 15 derartiger, aktueller Informationsschnipsel ein, manchmal nur ein wichtiger Link, manchmal ein Chart mit Kommentierung, manchmal eine ausführliche Stellungnahme wie oben.

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Die schöne neue Welt der Notenbanken – Charts ohne Worte

Manchmal braucht es viele Worte. So wie gestern in dem langen Artikel, in dem ich Ihnen dargestellt habe, wie ein normal arbeitender Anleger mehr System und Disziplin in seine Anlageentscheidungen bringen kann.

Manchmal braucht es aber auch nur ein paar Bilder. Denn die sagen manchmal mehr als tausend Worte.

Wer nur lokal auf den DAX schaut, wird sich vielleicht wundern, warum ich über den Sommer nun Risiko heraus nehme und von einem schlechteren Chance-Risiko-Verhältnis spreche. Und warum ich so gegen die Eingriffe von Staaten und Notenbanken in die Preisfindung an den Märkten wettere.

Deshalb zeige ich Ihnen heute einfach 4 aktuelle Charts, die für sich sprechen. Und die gut zum heutigen Wiwo passen, in dem auch das Thema war. Achten Sie auf die Geschehnisse der letzten Wochen. Dann wissen Sie, dass die Dinge weltweit nicht so stabil stehen, wie sie sollten.

Und glauben Sie mir, diese Charts haben mit Deutschland und unserer exportlastigen Wirtschaft jede Menge zu tun ! Schauen Sie selbst und ziehen Sie Ihre Schlüsse. Ohne Worte:

(1) Amerikanische langlaufende 20+ Staatsanleihen seit 2008 in Form des ETFs TLT (iShares Barcleys 20+ Year Treasury Bonds)

TLT 12.06.13

(2) Staatsanleihen der Emerging Markets Weltweit seit 2010 in Form des ETFs WKN: A0RFFT (iShares JPMorgan $ Emerging Market Bond)

iShares Emerging Market Bond

(3) Japanische Aktien seit 2009 in Form des Nikkei 225 Index

Japan Nikkei 225 12.06.13

(4) Brasilianische Aktien seit 2008 in Form des ETFs WKN: A0HG2M (iShares MSCI Brazil)

iShares MSCI Brazil 12.06.13

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Was die US Arbeitsmarktdaten für die Märkte bedeuten

Da kommen heute um 14.30 wieder einmal die US Arbeitsmarktdaten und die Märkte zittern in ängstlicher Erwartung. Wie kann es sein, dass solche Daten - die noch dazu erhebliche Fehlerquellen haben und oft nachträglich revidiert werden - die Märkte so sehr bewegen ?

Der Grund liegt nicht in den Daten begründet, sondern in den Schlussfolgerungen, die die Marktteilnehmer daran knüpfen. Und damit in den Erwartungen an die Zukunft, die sich durch die Daten adaptieren. Wir wissen ja, Börsenkurse sind die Summe der Erwartungen der Marktteilnehmer. Eben nicht der Realität der Gegenwart, sondern der Erwartungen an die Zukunft.

In einer Welt der freien Märkte, wäre das alles nun ganz einfach. Gute Arbeitsmarktdaten würden für anziehende Konjunktur sprechen und die Kurse würden auf breiter Front steigen. Und im umgekehrten Fall fallen. Schön wärs, wenn die Welt noch so wäre.

Ist sie aber nicht, denn dieser Markt ist so massiv von Politik und Notenbanken beeinflusst und verzerrt, dass die Interpretation der Daten weit schwieriger ist. Dummerweise hat dann die US Notenbank FED auch noch ihre eigene Politik des leichten Geldes genau an diese Arbeitsmarktdaten geknüpft, was die Nervosität des Marktes gut verständlich macht. Jeder andere Drogensüchtige wäre auch höchst nervös, wenn er die Sorge hätte, das sein Drogenlieferant plötzlich ausfallen könnte und die Versorgung mit Steroiden nicht mehr sichergestellt ist.

Und so werden die heutigen Arbeitsmarktdaten Auswirkungen auf den Ton der nächsten Wochen an den Märkten haben. Geht die Rally weiter oder setzt nun eine echte Korrektur ein ? Oder bewegen wir uns volatil zur Seite ?

Wie die Daten selber aussehen, ist dabei völlig unbestimmt und jede Spekulation darüber sinnlos. Auch die schon am Mittwoch und Donnerstag veröffentlichten Arbeitslosendaten, lassen keinen zuverlässigen Rückschluss zu, wie die Vergangenheit mehrfach bewiesen hat. Was wir aber ein wenig antizipieren können, ist wie der Markt auf die Daten reagieren wird.

Wir haben ja gestern im S&P500 gesehen, wie bei Erreichen des technischen Ziels von 1598 - das aus dem "Diamond Top" resultierte - sofort aggressiv gekauft wurde. Viele Marktteilnehmer haben scheinbar mehr Sorge davor den nächsten Dip zu verpassen, als sich gegen einen Absturz abzusichern. Das ist ja auch verständlich und passt perfekt in den "Recency Bias" der Menschen, denn über Monate wurde immer der belohnt, der aggressiv jeden Dip kaufte. Warum also soll es dieses Mal anders sein ?

Und deshalb kann man davon ausgehen, dass dieser "Buy the Dip" Strom auch nach den Arbeitsmarktdaten wieder einsetzen wird, wenn .... ja wenn .... bei den Daten nicht allzu viel passiert. Kommen die Daten also mehr oder weniger im Bereich der Erwartungen heraus und bestätigen eine langsame, anämische aber doch positive Entwicklung, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieser Dip wieder gekauft wird.

Kritisch wird es bei beiden Extremen. Es spricht viel dafür, dass zu gute Daten ebenso schlecht sind, wie zu schlechte Daten.

Zu gute Daten würden bedeuten, dass die Angst vor einem Ausstieg der FED massiv wächst. Und dieser potentielle Drogenentzug wird zu Gewinnmitnahmen führen, denn jeder weiss, warum die Indizes so hoch stehen. Bestimmt nicht wegen einer sensationellen Konjunktur. Zu gute Daten könnten auch bei Gold wohl zu einem erneuten Einbruch führen.

Zu schlechte Daten wäre noch dramatischer. Denn es könnte so interpretiert werden, dass der FED trotz der massiven Liquiditätsinjektionen die Lage entgleitet. Das wäre wohl ein Horrorszenario für die Märkte im Sinne "all bets off". Und es ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, denn auch in Europa sieht man doch wie die Grenzen der Notenbankpolitik aufgezeigt werden.

Fazit:

Wer nun gut investiert und Long im Markt ist, muss wohl hoffen, dass die Arbeitsmarktdaten im Rahmen der Erwartungen bleiben und weder nach unten wie nach oben grosse Abweichungen zeigen. Alles andere wäre hoch riskant.

Ich selber habe meine eigene Analyse beherzigt und bereite mich auf den Sommer vor. Sprich mein Exposure zum Markt ist deutlich reduziert und so kann ich den heutigen Ausgang gelassen betrachten.

Ihr Hari

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Rally oder Crash ? Warum nicht Seitwärts ?

Aufgrund technischer Probleme will ich mich heute nur mit einem kurzen Statement zum Markt melden.

Sie erleben ja selber, wie unsicher der Markt geworden ist und wie er auf jedes Wort der Notenbanken starrt. Heute war der beste Beweis, als EZB Chef Draghi redete, bekam der DAX Schluckauf und gab die gesamten Gewinne des Tages wieder ab.

Morgen kommen um 14.30 Uhr die heiss erwarteten US-Arbeitsmarktdaten und da wir im S&P500 nun nahe an der starken Unterstützung von 1600 sind - Sie erinnern sich sicher an -> diesen <- Artikel - stellen sich nun alle die Frage, ob wir nun die Unterstützung bei 1600 verlieren und massiv einbrechen oder ob der S&P500 zur erneuten Rally ansetzt, die wie schon bei den Korrekturen der letzten Monate, dann V-förmig zu neuen Höchstständen führt.

Rally oder Crash - das ist die Frage die alle im Markt umtreibt. Das Chart des S&P500 im Tagesformat verdeutlicht das:

S&P500 06.06.13

Was mich nun veranlasst um die Ecke zu denken und Sie einfach mal zu fragen: Warum nicht weder das Eine noch das Andere ?

Warum nicht Seitwärts ? Denn man kann es auch so sehen:

Wir sind in den Indizes temporär nach oben überdehnt, das Momentum lässt nach und es riecht nach Distribution. Es kann also gut sein, dass nach oben über den Sommer nicht mehr viel geht. Vielleicht gibt es sogar noch einmal marginal neue Höchststände, dann dürfte es aber schwierig werden das Momentum aufrecht zu halten.

Andererseits ist das Sentiment keineswegs euphorisch und es sind jede Menge unterinvestierte Marktteilnehmer vorhanden, die nägelkauend auf eine Korrektur warten, die ihnen den Einstieg wieder erlaubt. Das wird jede Korrektur begrenzen, weil schnell Kaufinteresse kommt. Cognitrend bestätigt das in der aktuellen Analyse erneut.

Gleichzeitig haben wir nun steigende Bondrenditen und die massiven Fragezeichen was die Notenbanken, insbesondere die FED, nun machen werden. Nur wird sich diese Frage möglicherweise nicht vor der FED Sitzung im September entscheiden. Und gerade wenn man stark von solchen Entscheidungen abhängig ist, die prinzipiell nicht zu prognostizieren sind, muss man sich die Frage stellen, ob der Markt im Moment noch ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis hat. Bei einzelnen Segmenten sind die Chancen da, in den breiten Indizes bin ich da nicht mehr so sicher.

Womit ich Ihnen die Frage stelle: Ist nicht ein volatile Seitwärtsbewegung über den Sommer das viel naheliegendere Szenario statt Rally oder Crash ? Eine richtungslose Bewegung, die Bullen wie Bären nervt und permanent aus ihren Positionen schmeisst ?

Ich will diese Möglichkeit gar nicht den anderen vorziehen, ich will Sie einfach nur für diesen Gedanken öffnen. Denn der bedeutet auch, dass man im Sommer am Strand besser aufgehoben ist, als beim Verfolgen der Märkte. In diesem Sinne erscheint auch in Kürze eine neue sumerdigital Kolumne in der Wirtschaftswoche Online.

Wenn wir morgen erleben, wie der Markt auf die Arbeitsmarktdaten reagiert, sind wir sicher ein Stück klüger. Vor allem aber vergessen Sie eines nicht: bleiben Sie gedanklich flexibel, anders kann man in diesem Markt nicht überleben !

Ihr Hari

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Hari Live: Märkte im Sommer, Diamond Top im S&P500, Linde

Wenn man, wie ich hier auf sumerdigital.de, mit einem geschlossenen Premium-Bereich beginnt, hat man immer das gleiche Dilemma. Die die drin sind, sehen was da so passiert und geniessen (hoffentlich) glücklich den Inhalt.

Denen die draussen sind, ist aber nicht so richtig klar was sie erwartet. Und um über die Kluft zwischen diesen beiden Zuständen eine Brücke zu spannen, muss man immer mal wieder einen Einblick gewähren.

Jetzt kann man natürlich alte Archive dafür benutzen, nur die Realität zeigt, die liest niemand mehr ernsthaft. Es gibt halt nichts Älteres als alte Zeitungen. 😉

Deshalb will ich heute mal einen anderen Weg gehen. Ich nehme vier Informationsschnipsel aus "Hari Live" aus den letzten Tagen heraus, die immer noch aktuell sind und deshalb für Sie interessant zu lesen sein dürften. Und ich stelle diese den freien Mitglieder mit 1-3 Tagen Verspätung hier im Artikel zur Verfügung. Das sollte einen Eindruck vermitteln, was sie in Hari Live erwartet. Typischerweise stelle ich am Tag so 5-15 Informationsschnipsel in Hari Live ein, manchmal nur einen Link oder Zweizeiler, manchmal einen Text, der eines eigenen Artikels würdig wäre.

Wissen sollten Sie auch, dass das Konzept von "Hari Live" auf dem Gedanken der täglichen gedanklichen Mitarbeit beruht. Der gewünschte Effekt - den Lesern eine professionelle Sicht auf die Märkte zu vermitteln - entsteht nicht durch einen einzigen "geheimnisvollen" Artikel, sondern in dem Sie jeden Tag diszipliniert den Gedankengängen und Infoschnipseln folgen, die ich dort zur Verfügung stelle. Oft sind auch einfach mal Links von anderen Seiten dabei, die ich zur aktuellen Lage wichtig finde. Und oft referiere ich in späteren Kommentaren auch darauf. Es ist also wichtig den Inhalten zu folgen.

Hari Live macht also für aktive Anleger Sinn, die aus den börslichen Kinderschuhen heraus wachsen, lernen wollen wie der schizoide Mr. Market wirklich tickt und bereit sind, die Märkte täglich zu verfolgen.

In diesem Sinne folgen nun die vier Informationsschnipsel zu den Themen "Märkte im Sommer", einer Topformation im S&P500, dem Abverkauf der Momentum Aktien und Linde, jeweils mit Datum und Uhrzeit des Erscheinens:

Weiterlesen ...Hari Live: Märkte im Sommer, Diamond Top im S&P500, Linde

Cloud – Nein Danke !

Erlauben Sie mir, als grau gewordener Informatiker der ersten Stunde, mal ein paar persönliche Worte zum Thema "Cloud" los zu werden, die mir schon lange auf der Zunge liegen. Durch ein paar aktuelle Anzeigen, die mir aufgefallen sind, fühle ich mich gedrängt, diese Sätze mal zu sagen. Mit der Börse hat das natürlich nur am Rande zu tun, aber immerhin verdienen damit ja mittlerweile viele Unternehmen gutes Geld, insofern ist ein Zusammenhang durchaus vorhanden.

Ich persönlich halte die "Cloud", die dem geneigten Privatkunden nun als "Sky Drive" (Microsoft) oder "iCloud" (Apple) oder unter anderen Namen angedient wird, für totalen Quatsch, für gefährlich und für eine Form der freiwilligen Entmündigung der Menschen. Entschuldigung für die deutlichen Worte. Das Bild von der Datenwolke, in der die eigenen Daten verschwinden, fällt für mich nicht unter Verheissung, sondern eher unter die Kategorie Marketinggeschwätz und Volksverdummung.

Denn was ist Neu daran, dass man seine Daten "remote", also über die Leitung, in einem Rechenzentrum bzw einer Datenbank speichert ? Und darauf von verschiedenen Endgeräten zugreift ? Das gab es schon in den 70er Jahren und seit dem immer, in verschiedensten Ausprägungsformen.

Und die Vorteile die man heute den Privatnutzern verkauft, dass man geräteübergreifend und von überall her auf seine Daten zugreifen kann, sind auch nichts Neues. Das kann man auch schon seit mindestens 10 Jahren selber, wenn man zu Hause einen kleinen NAS (Network Attached Storage) stehen hat und den sinnvoll konfiguriert. Das erfordert ein wenig Grundlagenwissen und ein bisschen Disziplin, wie man seine Daten ablegt, aber wirklich schwierig ist es nicht. Und von überall im Web kann man auch auf den eigenen NAS zugreifen.

Mit diesem Marketing-Begriff der harmlos, weissen Cloud, wird in meinen Augen ein riesiger Nebel erzeugt, der das wahre Problem verbirgt. Denn es geht um die Daten selber und die Kontrolle über die selben. Hat man als Anbieter einer "Cloud" Ihre persönlichen Daten mal in seiner Hand, kann man auch wunderbar darauf Gebührenströme aufbauen, die Ihnen dann kostenpflichtig erlauben, Ihre eigenen Daten überhaupt zu nutzen. Und je abhängiger Sie mit wichtigen Daten werden und je mehr Ihr Tagesablauf auf diesen Zugriff ausgerichtet wird, desto sicherer sind die Umsätze der Cloud-Anbieter.

Denn WO - im Sinne auf welcher Hardware - die Daten gespeichert werden, ist doch völlig egal, solange die Speicherung zuverlässig, geschützt und ausfallsicher ist und die Daten leicht zugreifbar sind. Viel wichtiger ist eine ganz andere Frage. Die Frage WER unsere Daten speichert, WER Zugriff hat und WER nach welchem Rechtssystem kontrolliert, was damit passiert.

Auf dem Zugriff auf persönliche Daten der Menschen basieren mittlerweile ganze Geschäftsmodelle, wie zum Beispiel von Facebook. Das Bild von der freundlichen, weissen, harmlosen "Cloud", soll den Anwender dort wohl hinein locken und ihn anfixen. Steckt er dann mit seiner digitalen Identität und wichtigen Dateien drin, ist der Ausstieg nicht mehr so einfach.

Dabei ist im 21. Jahrhundert unsere digitale Identität neben unserem nackten Leben und unserer Gesundheit fast das Wichtigste, das wir zu schützen haben. Denn davon hängt mittlerweile fast alles ab, die Fähigkeit einen Kredit zu bekommen ebenso, wie überhaupt einen Job zu bekommen.

Wie kann man als vernünftig denkender Mensch die Kontrolle über diese eigenen, persönlichen Daten freiwillig in fremde Hände geben und dann auch noch dafür zahlen, dass man gnädigerweise seine eigenen Daten verschieben und verarbeiten darf ? Witzig finde ich dabei, dass die gleichen Leute die sich bei den eher trivialen Fragen eines Zensus durch den Staat wahnsinnig aufregen, ohne zu zögern ihre persönlichsten Daten in fremde Rechtsräume kopieren und aus der Hand geben.

Das will mir nicht in den Kopf und wirkt auf mich wie eine Form von Gehirnwäsche, durch im wahrsten Sinne des Wortes "wolkig" klingende Begriffe. Die Vorstellung, das meine digitale Identität und meine höchst persönlichen und privaten Daten in einer "Wolke" verschwinden, in der ich keine wirkliche Kontrolle mehr über deren Verwendung und Zugriff habe, ist für mich eher eine Horrorvorstellung, als eine Verheissung. Und ist und bleibt ein absolutes NoGo. Und es gibt auch keinen einzigen zwingenden, technischen Grund das zu tun. All das, was mir diese Dienste bieten, kann ich leicht auch mit eigener Infrastruktur bekommen, über die ich die volle Hoheit behalte.

Wer braucht also die "Cloud" ? Die Industrie die davon lebt bestimmt, der Anwender dagegen nicht. Der lässt sich freiwillig entmündigen und seine persönlichen Daten in fremde Rechtsräume transportieren, die er in keiner Weise mehr überblickt. Und lässt den Zugriff auf seine eigenen Daten von seitenlangen AGBs in Englisch abhängig machen, die er sowieso nicht liest, nicht versteht und sowieso wegklickt. Und zahlt dann auch noch dafür, auf etwas Zugriff zu haben, was ihm sowieso gehört.

Wirklich lustig. Wobei ..... doch eher traurig.

Für mich gilt: Cloud nein Danke !

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Goldminen, Silberminen, GDX, SIL, Barrick Gold – Die grosse Chance ?

Für Positionstrader - und das sind die meisten von uns - gibt es nur wenige Momente im Jahr, an denen man die Chance hat, den Beginn einer grundlegenden Bewegung eines ganzen Sektors mitzunehmen. Und dann über Monate den Trend zu geniessen.

Den Unterschied zwischen langfristigem Erfolg und Misserfolg macht dabei, frühzeitig zu erkennen wie sich die Ströme der Gezeiten ändern und dann konsequent, wenn auch das "Big Money" auf diese Wende setzt, ohne falsche Furcht einzusteigen. Natürlich gut nach unten abgesichert, aber trotzdem mit gesunder Aggressivität. Denn wenn man eine klare Chance vor sich hat, muss man auch beherzt zupacken.

Sie wissen ja, dass ich für das Trading gerne die Metapher des Jägers und Fährtenlesers benutze und wenn das Wild, nachdem man die ganze Nacht gewartet hat, dann endlich vor einem aus den Büschen bricht, genau dann ist der Zeitpunkt zum Handeln gekommen !

Der letzte derartige Punkt war der 17.11.12, genau der Zeitpunkt an dem ab 14.11. die Liquidität der FED aus QE3 endlich den Markt erreichte. Und was war in den Medien vorher alles an prozyklischem Text produziert worden, das die Massnahmen der FED keine Wirkung mehr hätten. Alles nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben wurde.

Wie treue Leser wissen, hatte ich das Thema des 14.11.12 hier explizit und im deutschen Sprachraum nahezu exklusiv schon vorher thematisiert und ich empfehle noch einmal, sich diesen rückblickenden Artikel -> Dont fight the Fed <- anzuschauen. Denn im nachhinein muss man sich ja die Frage stellen, warum hat man selber diesen Punkt nicht gesehen und ist nicht aggressiv in die Märkte eingestiegen ? Was darauf nun 6 Monate lang folgte, haben wir ja alle erlebt. Und nur wenn man daraus lernt, kann man es das nächste Mal besser machen.

So eine grundlegende Chance könnte nun erneut - und zwar bei den Gold- und Silberminen - vor uns liegen.

Ich habe ja zum Sektor einiges geschrieben und schon vor 10 Tagen hier gegen den Mediendruck auch den potentiellen -> Doppelboden bei Gold <- thematisiert. Für die extrem verprügelten Minen war die Zeit aber bisher nie reif. Alle Gegenbewegungen waren von schwächlicher Natur und wurden eindeutig nicht von "Big Money" getragen.

Sicher, man konnte die extreme Überdehnung nach unten sehen und wir haben das hier auch besprochen. Aber Zeit für den Einstieg ist erst, wenn auch "Big Money" mitzieht. Und dieser Punkt könnte endlich gestern erreicht worden sein.

Warum und woran man das erkennt ? Dieses und auch welche Chancen und Risiken in diesem Trade liegen, das will ich Ihnen im Folgenden im Detail zeigen und erklären.

Schauen wir als erstes mal auf den 10-Minuten-Chart der letzten Woche im grossen Goldminen-ETF GDX, dem ETF in dem sich auch die grossen Namen wie Soros & Co. tummeln:

GDX 31.05.13 kurz

Das Chart dürfte weitgehend selbsterklärend sein. Es zeigt Ihnen exemplarisch, wie sich am Vortag sichtbares Momentum aufbaut, das sich auch in einem starken Closing zeigt. Dann am Folgetag der Gap-Up kommt und die Kurse nie mehr zurück schauen. Mitten im Tag dann eine klassische Konsolidierung als Bullenflagge, die zum Handelsschluss erneut gekauft wird und damit weitere Stärke indiziert. Und das alles mit einem brutalen Aufwärtsvolumen.

Jetzt macht eine Schwalbe ja noch keinen Sommer und ein Aufwärtstag noch keinen Trend. Das stimmt. Die Kunst ist aber, abseits der reinen Prozentzahlen die "besonderen" Tage zu erkennen. Und das dieser Tag auch im grossen Kontext "besonders" war, zeigt Ihnen höchst eindrucksvoll der Blick auf das Volumen im Tageschart, das hier einen Zeitraum von einem guten Jahr umfasst:

GDX 31.05.13 lang

Beeindruckend oder ? Sie erkennen im roten Kreis im April eindeutig das Kapitulationsvolumen. Klarer geht eine Kapitulation nicht mehr. Und Sie haben zur Referenz den Volumenschub, der vor einem Jahr die dreimonatige Aufwärtsbewegung des Sektors bis in den September hinein ankündigte. Und nun schauen Sie auf dieses aussergewöhnliche "Monster-Volumen" und wie es sich aufgebaut hat. Gestern war etwas Besonderes. Dieses Bild macht es deutlich.

Was schliessen wir daraus ?

Ganz einfach, dass "Big Money" nun in den Sektor einsteigt und die beiden letzten Tage die erste Welle neuen Momentums sind. Und glauben Sie nicht, dass diese Bewegungen den Algos verborgen bleiben. Momentum zieht Momentum nach sich, in Zeiten der Algos sowieso. Und sollte der Markt nun zur Gezeitenwende ansetzen erst recht. Denn das Geld, das aus den bisherigen Favoriten dann heraus fliesst, muss ja irgendwo hin. Und dieses "heisse Geld" wird auf der Suche nach dem nächsten Momentum-Trade sein.

Verbunden mit der fundamentalen Überdehnung, hoher Short-Quote und dem negativen Sentiment zum Sektor - alles Dinge die wir hier, insbesondere im Premium-Bereich, regelmässig besprechen - haben wir hier also ein sehr gutes Chance-Risiko-Verhältnis.

Das ist natürlich keine Garantie, dass dieser Trade funktionieren wird, absolute Garantien gibt es im Markt nicht. Wer hier einsteigen will, muss also unbedingt mit Stops operieren, spätestens wenn die alten Tiefs im GDX vom 20.05. bei 26,25 USD nachhaltig gebrochen werden, muss man raus.

Das Schöne ist aber, diese Tiefs sind nicht sehr weit weg, was das Verlustrisiko einer Long-Position damit doch sehr minimiert. Auf jeden Fall ist das Potential nach oben erheblich grösser und eine klareres Setup für eine Wende als derzeit, bietet der Markt selten. Ein Restrisiko bleibt immer.

Wie es nun weiter geht ? Dafür ist vielleicht eine gute Lehre, wie das damals vor einem Jahr im GDX war, sehen Sie selbst:

GDX 2012

Sie sehen diesen ganz typischen Moment, in dem eine neue Bewegung noch einmal getestet wird. Und erst wenn dieser Test erfolgreich ist und aggressiv gekauft wird, dann ist nach oben "Feuer frei". Dann hätten wir im aktuellen Chart des GDX auch eine klassische Umkehrformation in Form einer inversen Schulter-Kopf Formation.

Insofern haben wir auch eine gute Wahrscheinlichkeit, dass es diesen erneuten Test in den kommenden Tagen noch geben wird und der GDX dabei auch wieder in Richtung der Tiefs gedrückt wird. Und dann eine iSKS Formation ausbildet.

Wer nun also in den Sektor einsteigen will, sollte sich schon im Vorfeld klar machen, wie er damit umgehen wird, um dann nicht zu den "Dummen" zu gehören, die genau in diesem Moment das Falsche tun. Wer dagegen mit seinem Einstieg auf diesen erneuten Test warten will, sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass dieser Test zwar wahrscheinlich, aber nicht sicher ist. Und das Volumen, dass nun in den Sektor fliesst, ist aktuell so gross, dass auch ein "Gap and Go" keineswegs unmöglich ist, sprich die Kurse vielleicht nie mehr zurück schauen.

Fazit:

Der Sektor der Gold- und Silberminen scheint eine attraktive Chance zu bieten, wie sie in dieser Klarheit nur selten im Jahr auftaucht. Eine Garantie ist das nicht, Garantien gibt es nicht. Wer hier also einsteigen will, muss unbedingt auch wissen wo und wann die Reissleine gezogen wird. Und bei aller Überdehnung der Minen nach unten, wenn Gold und Silber erneut einbrechen und die Tiefs durchschlagen, werden auch die Minen erneut einbrechen, das ist sicher. Die bullischen Szenarien oben basieren also alle zwingend auf einem zumindest stabilen Preis des Basismetalls.

Natürlich kann man auch die einzelnen Unternehmen wie Barrick Gold traden, Barrick ist gestern alleine über 7% gestiegen. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass die Wenigsten unter uns in der Lage sind, wirkliches Wissen über diese Unternehmen aufzubauen, das dann auch einen Edge generiert. Und wenn man keinen Edge hat, weil man das Unternehmen besonders gut versteht, gibt es auch keinen Grund sich dem erhöhten Einzelrisiko auszusetzen. Und denken Sie daran, einen Artikel in einem Magazin zu einem Unternehmen gelesen zu haben, ist *kein* Edge, im Gegenteil. 😉

Für die Meisten sind Sektor-ETFs dafür also die bessere Wahl. Wer Zugang zur Wallstreet hat wählt GDX, GDXJ oder den SIL für die Silberminen. Das sind die hoch liquiden und massiv kapitalisierten ETFs, in denen sich auch das "Big Money" tummelt. Anleger mit deutschen Direktbanken können dagegen beispielsweise die ETFs WKN:ETF091 von Comstage und WKN: A1JS9D von iShares benutzen.

Ich wünsche gute Entscheidungen ! Ach ja, und "For the Record": Ich selber bin nun im Sektor voll Long investiert. Genau nach den oben beschriebenen Prinzipien. Und im Premium-Bereich werden wir die Entwicklung des Sektors nun intensiv verfolgen.

Ihr Hari

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