Der langfristige Blick auf das Spielfeld

Oft lesen Sie hier von mir viele Worte. Heute will ich den Spieß einmal umdrehen und Sie dazu animieren, sich ein eigenes, objektives Bild zu machen. Nicht das Bild, das Ihnen andere mit vielen Worten erzählen wollen, die in der Regel auch Interessen haben und sei es nur der Wunsch nach Klicks. Sondern das Bild, das Sie selber sehen können, wenn Sie einen Blick auf das Fußballfeld des Spiels der Märkte werfen.

Denn wir stehen vor dem Beginn des 4. Quartals 2018, Weihnachten ist nur noch 12 Wochen entfernt. Das ist ein guter Grund, mal einen sehr langfristigen, objektiven Blick auf die Lage der Märkte zu werfen. Etwas, was ich nun mit Charts mit Monatskerzen machen werde, die durchweg bis zur Lehman-Krise zurück reichen.

Ich finde die Charts weitgehend selbsterklärend und werde diese bewusst *nicht* kommentieren, vielleicht finden Sie ja selber mal heraus, was die Ihnen sagen. Zur Hilfestellung, ich habe ja in den letzten Wochen meinen Tenor immer wieder erläutert, der mehr oder weniger sagt, dass wir fraglos bis spätestens 2022 auch mal wieder in eine Rezession laufen, nur kennt den Zeitpunkt niemand und es lohnt sich daher nicht, darüber herum zu raten. Wir reagieren besser konsequent, als vorher die Zukunft erraten zu wollen.

Bedenken Sie dabei auch die Reflexivität des Marktes, denn das was Ihnen Ihr Hirn intuitiv eingibt, ist selten die richtige Interpretation, weil das Intuitive jeder sehen kann, nicht nur Sie. Denn am Markt ist es keineswegs so, dass etwas was sich in eine Richtung bewegt hat, unbedingt vollständig zurückschwingen muss.

Das Schwingen des Marktes ist zwar Teil seiner Gene und wird in dem Wort "Mean Reversion" festgehalten, aber es ist kein hin- und herschwingen zwischen festen Grenzen, es ist ein Prozeß des 2-Schritte-vor und 1-Schritt-zurück, der prinzipiell nach oben ohne Grenze offen ist.

Denn langfristig steigen die Aktienmärkte und ich will ausdrücklich an meinen Artikel -> Vom Glauben, dem Weltuntergang und dem säkularen Bullenmarkt <- erinnern, der ursprünglich -> aus 2013 stammt <- und in dem ich schon 2013 mit einem eindrucksvollen Langfristchart geschrieben habe:

Die wichtige Schlußfolgerung dieses grossen Bildes ist aber, dass wir möglicherweise am Beginn eines neues jahrzehntelangen Bullenmarkets stehen könnten.

Lassen Sie bitte dieses große Chart von 2013, das bis 1896! zurück geht mal auf sich wirken und dann schauen Sie selber auf die aktuelle Lage an den Weltmärkten und ziehen Sie daraus Ihre Schlüsse.

Charts kennen die Zukunft ebensowenig wie fundamentale Daten, wie ich -> erst letzte Woche erklärt habe <-. Aber es ist der weit bessere Weg, Charts als objektiven Blick auf die Lage in der Gegenwart ernst zu nehmen, als herum zu raten und zu glauben, dass der Markt machen müsste, was man sich so zusammen reimt.

Damals, im November 2017 habe ich hier zu 2018 geschrieben, was im Nachhinein so falsch nicht war:

Der wahrscheinliche Pfad für die Börsen ist weiter nach oben, unterbrochen von einer 10-20% Korrektur, die nun mehr als überfällig ist und von der wir in 2018 sinnvoll ausgehen. Was ist so schwer daran, diese wahrscheinlichste Realität zum Massstab des kontrollierten Handelns zu machen?

Das Folgende ist nun die aktuelle Lage mit logarithmischer Skalierung, wie es sich für den langfristigen Blick gehört.

Und es gilt wie beim Fußball: "Die Wahrheit liegt auf dem Platz!":

Ihr Hari

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Der Preis ist immer noch der ultimative Richter

Der folgende Grundlagenbeitrag erschien vor mehr als 2 Jahren am 13.07.16 im Premium-Bereich und ist von so grundsätzlicher Natur, dass ich ihn heute mit minimalen Anpassungen auch in den freien Bereich stelle:

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Theoretisch die Funktionsweise der Markttechnik zu erklären, ist die eine Sache. Mit theoretischen Erklärungen kommt man in der Regel nicht weit. Sie werden gelesen, aber oft nicht wirklich begriffen und durchdrungen.

Für diesen Unterschied gibt es im Deutschen das Wort "begreifen". Es kommt vom Haptischen und versinnbildlich damit, dass man eine Sache selbst erfahren, verinnerlicht und daher "begriffen" hat. Theoretische Erklärungen werden dagegen zwar oberflächlich "verstanden", aber oft eben nicht "begriffen", denn das ist erst dann der Fall, wenn die Wahrheit sozusagen "in Fleisch und Blut" übergegangen ist.

Hier auf sumerdigital versuche ich, Zusammenhänge "begreifbar" zu machen und nutze daher immer wieder konkrete Anlässe aus dem Marktgeschehen, um daran die prinzipiellen Mechanismen des Marktes zu erläutern.

Und eine der entscheidenden Fragen ist dabei immer wieder: Warum funktioniert denn Markttechnik überhaupt?

Wir kennen doch die Kommentare von denen zur Markttechnik, die irrigerweise glauben, Kurse würden sich alleine aufgrund fundamentaler Bewertungen bilden. Da kommen dann Argumente wie Markttechnik sei ja nur bunte Linien, sei Kaffeesatzleserei und die empörte Frage: Wie soll man denn aus reinen Vergangenheitsdaten etwas über die Zukunft heraus lesen können?

Leider zeigt gerade der letzte Satz, dass überhaupt nicht verstanden wird, worum es geht. Denn es geht nicht um die Zukunft, es geht um die Gegenwart.

Und was sind denn Fundamentalwerte anderes als Vergangenheitsdaten? Die sind wirklich und eindeutig in der Vergangenheit verhaftet, denn zwischen dem Datum, in dem sie erhoben werden und dem Zeitpunkt der Veröffentlichung, vergeht immer Zeit. Mit der Markttechnik können wir aber in der Gegenwart, im "Hier und Jetzt" dem Markt "unter die Haube" schauen und was das bedeutet, will ich Ihnen nun an einem konkreten Beispiel zeigen.

Denn gestern Nachmittag habe ich Ihnen mit Exact Sciences (EXAS) eine Aktie vorgestellt, von der ich wenig bis nichts wusste und die nur aufgrund der Markttechnik auf meinen Radar gekommen ist. Ich schrieb:

Eine weitere Aktie aus dem Healthcare/Biotech-Universum, die wir hier aber nach meiner Erinnerung noch nicht besprochen haben, ist der "Schaufel-Hersteller" mit seinen Krebs-Tests.

Auf meinen Radar ist die Aktie aufgrund ihrer Chartstruktur gekommen und das Wissen darum was sie machen, hat mich zumindest nicht abgeschreckt, wie wohl ich bestimmt nicht alles verstehe.

Hier ist die Chartstruktur:

EXAS 12.07.16

EXAS 12.07.16 2

Sehen Sie, wie die Aktie unter erhöhtem Volumen "nach oben schmilzt"? Da ist eine Menge Dampf darauf und die Struktur indiziert einen baldigen, weiteren Schub nach oben.

So weit gestern um 17 Uhr. Schon wenige Stunden später, sah die Aktie so aus:

EXAS 13.07.16

Stunden nach dem Hinweis schon 6% höher. Habe ich eine Glaskugel? Was ist passiert?

Ganz einfach, medial wurden Gerüchte bekannt, dass vielleicht der grosse Gensequenzierer Illumina (ILMN) das Unternehmen kaufen will. Und diese Nachricht war schnelle 6% wert.

Nun würden Andere sich vielleicht darin sonnen, welch "tolle Analyse" sie ja zu Exact Sciences gemacht hätten - Blah, Blubb, Bläh. 😛

Ich nicht. Ich sage klipp und klar, ich bin von der Nachricht ebenso überrascht wie Sie. Ich hatte keine Ahnung, dass das diskutiert wird und kann Ihnen heute auch kein bischen sagen, ob und was da dran ist oder nicht.

Ich bin aber *nicht* überrascht, dass überhaupt so ein Schub kommt. Genau diese Chance hat mir ja die Markttechnik - das "Hochschmelzen" - signalisiert und deshalb bin ich auf die Aktie aufmerksam geworden, die statt Krebs-Tests auch Verhütungsmittel herstellen könnte, es hätte keinen Unterschied gemacht.

Wie ist das möglich? Ganz einfach, weil man viel reden kann, wenn es aber darum geht in eine Aktie zu investieren, muss man kaufen und das zeigt sich im Volumen und in steigenden Kursen. Die Wahrheit liegt eben auf dem Platz.

Wir müssen uns auch klar machen, dass der Moment in dem solche Gerüchte in den Medien auch die völlig ahnungslose Mehrheit erreichen - wie uns - in der Regel nicht der Moment ist, in dem die Gerüchte entstehen.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, wurde die Frage einer Übernahme durch Illumina, schon bei Investoren diskutiert, die weit näher am Unternehmen sind. Und wenn die das Gerücht für belastbar halten, dann kaufen die und das zeigt sich wie? Eben in dem eine Aktie so hochschmilzt, wie sie das getan hat.

Erst viel später wird dann "Joe Sixpack" - also wir 😛 - durch die Medien auch auf das aufmerksam, was andere schon vorher auf dem Radar hatten.

Hier war also schon eine Art "fundamentale Ursache" für die plötzliche Stärke in der Aktie vorhanden und sei es auch nur ein mehr oder weniger qualifiziertes Gerücht. Wir hatten aber keine Ahnung davon, weil andere im Markt mehr wussten und es vor allem früher wussten als wir.

Trotzdem konnten diese "Anderen", diese "Insider" sich nicht vor uns verstecken, denn sie mussten ja beständig kaufen. Und das konnten wir in dem Muster des zulaufenden Dreiecks unter Volumen erkennen.

Markttechnik hat uns also einen Blick in die unmittelbare Gegenwart gewährt und uns damit besser für die Zukunft aufstellen lassen, als ohne dieses Wissen.

Markttechnik kennt aber immer noch nicht die Zukunft, darum geht es nicht. Vielleicht wird heute das Gerücht hart dementiert und alles fällt wieder zusammen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Vielleicht stehen auch noch ganz andere Gründe hinter dem Schub, die wir nicht kennen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Markttechnik sagt uns aber mit Erfahrungswerten, was wahrscheinlicher ist, weil sich Muster eben immer wiederholen. Und da gilt nach dem "Measured Move Prinzip", dass nach so einem initialen Schub eher noch mehr nachkommt. Das ist nicht sicher, aber doch wahrscheinlicher, als dass alles wieder zusammen bricht.

Ich hoffe, ich konnte an dem Beispiel noch einmal das Prinzip deutlich machen. Denn der Preis (die Kurse) sind der ultimative Richter. In ihnen kristallisiert sich das gesamte Wissen des Marktes im "Hier und Jetzt" und wenn diese Preise plötzlich stark steigen, obwohl dafür kein Grund sichtbar ist, dann gibt es sehr wohl einen Grund, wir kennen ihn nur (noch) nicht.

Nichts gibt uns so ein ehrliches und ungeschminktes Bild auf die Wahrheit des Marktes, wie der Preis.

Und die Markttechnik in all ihren Unterarten ist die Methodik, mit der wir diesen Preisbewegungen Struktur und Aussagekraft geben und daraus Wahrscheinlichkeiten für die Zukunft ableiten können.

Und deshalb gilt:

Der Preis ist der ultimative Richter

Oder in etwas griffigerer Formulierung in Anlehnung an Fussball-Weisheiten:

Die Wahrheit liegt auf dem Platz!

Denn "auf dem Platz" kann sich niemand vor uns verstecken. Vorher und hinterher, bei all dem Gerede und Geschwätz vor und nach dem Spiel, aber schon.

Ob EXAS nun von ILMN übernommen wird oder nicht, weiss ich aber immer noch nicht. Und die Markttechnik auch nicht. Das weiss abseits von den echten Insidern, schlicht *Niemand*.

Aber wenn ein Kurs stark steigt, dann steigt er stark und das ist Botschaft genug. Denn wo Rauch ist, da ist sehr oft eben auch Feuer!

Ihr Hari

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Aktueller Nachtrag:

Wenn Sie mir nun bis zum Ende des alten Artikels gefolgt sind, habe ich noch ein Schmankerl für Sie. Denn hier ist das Langfristchart von Exact Sciences (EXAS) mehr als 2 Jahre später, den Zeitpunkt des Artikels habe ich mit einem schwarzen Kästchen eingezeichnet:

Und erneut, die Markttechnik mit dem sichtbaren Volumenschub hat nicht "gewusst", dass das im Nachgang passieren würde. Niemand "wusste" das im Juli 2016, schon gar nicht die fundamentalen Daten von damals.

Die Markttechnik mit dem sichtbaren Volumenschub hat uns aber darauf aufmerksam gemacht, dass da etwas Relevantes in Bewegung gerät und großes Geld in die Aktie zu fließen beginnt. Und dieses Wissen hat offensichtlich jede Menge Wert!

Das leistet Markttechnik, nicht mehr, aber auch nicht weniger!

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Alle Charts und Markierungen im Artikel basieren mit Dank auf Charts von

Permanent am Abgrund

Folgt man dem, was zu den Märkten die meisten Klickzahlen bekommt, dann stehen wir seit Jahren permanent am Abgrund vor dem nächsten großen Crash, der noch schlimmer als 2008 werden wird.

Aktuell ist es wieder eine Ballung von , mit denen Angst gemacht wird, weil diese in der Vergangenheit manchmal geballt vor größeren Abwärtsbewegungen auftraten, aber auch nicht immer, siehe 2013 und 2017.

Schauen Sie mal objektiv auf das Chart im obigen Artikel und das Auftreten der "Omen" im Zeitstrahl und sagen mir, welche Relevanz das hatte? Ich sage es Ihnen: Keine!

Und wer sich im August 2013 von mehreren "Hindenburg Omen" hat panisch aus dem Markt vertreiben lassen, hat seitdem - trotz des Einbruchs 2015-2016 - von damals ca. 1.630 im S&P500 auf heute ca. 2.900 sagenhafte 78% Gewinn verpasst, ohne Dividenden wohlgemerkt!

Und was hatten wir vor dem Omen als medialen Angstmacher? Wir hatten zuletzt die "invertierte Zinskurve", die medial durch das Dorf getrieben wurde - ich habe mich dazu -> hier im Juli <- geäussert. Erstens ist die Zinskurve noch nicht invertiert, es ist nur eine Möglichkeit. Zweitens selbst wenn sie bald invertiert, dauert es historisch durchaus 2 Jahre, bis die Rezession dann da ist. Was also hilft uns diese "mediale Sau" dabei nun die richtige Entscheidung zu treffen? Ich sage es Ihnen: Nichts!

Und so kann ich weiter machen. Davor war es der Handelskrieg der zum Zusammenbruch führt, übrigens noch eines der wenigen Themen, das wirklich Substanz hat, denn wenn es zu einer echten Eskalation käme, wäre das wirklich sehr negativ.

Davor war es Nordkorea, Trump mit seinen Marotten, Trumps Wahl und so weiter und so fort. Die medialen Katastrophen-Theoretiker, haben immer irgend eine Sau weswegen gleich Morgen die Welt untergeht, immerhin müssen Sie ja für Klicks und damit Werbeeinnahmen sorgen.

Das Witzige dabei ist, ich stelle doch gar nicht in Abrede, dass wir mit guter Wahrscheinlichkeit bald mal wieder eine Rezession und eine echte, schmerzhafte Korrektur erleben. Vor kurzem habe ich mich über Ray Dalio lustig gemacht, der uns hat wissen lassen, .

Mein sarkastischer Kommentar dazu:

Das ist jetzt aber mal echt überraschend. Laut Experten soll auf einen heißen Sommer zuverlässig ein Winter folgen, nur ob die Schneefälle schon im Oktober oder Januar einsetzen, wissen wir nicht. Faszinierend.

Der Punkt den ich erneut machen will ist ja nicht, dass wir nicht in 2 Jahren eine Rezession bekommen können. Doch das können wir. Selbst Hindenburg Omens können irgendwann mal Recht bekommen und eine invertierte Zinskurve ist wenn sie tatsächlich da ist, sogar ein halbwegs solides Warnsignal.

Ich selber habe im internen Forum zum Thema "Rezessions-Risiko" vor Kurzem das Folgende geschrieben:

Ohne dass ich den Zeitpunkt kenne, ist ziemlich klar, dass uns in den kommenden Jahren ein schwerer Einbruch (> 20% Verlust) bevor stehen dürfte.

Wenn ich aus der Hüfte und ohne lange zu überlegen Prozensätze daran kleben müsste, würde ich sagen:

Bis Ende 2019 = 30%
Bis Ende 2020 = 60%
Bis Ende 2021 = 80%
Bis Ende 2022 = 90%

Nur hilft uns das alles herzlich wenig, weil das was 2020 oder 2021 vielleicht passiert, unser Anlageverhalten heute nicht beeinflussen darf.

Bin ich jetzt also auch ein Jünger des Nostradamus? Ach was, dann haben Sie den letzten Satz überlesen.

Machen wir uns bitte klar: Selbst wenn jetzt ein Mann aus der Zukunft uns eine Nachricht übermitteln würde, die wortwörtlich das Folgende sagt, würde uns das nicht helfen:

Im Jahr 2021 wird der S&P500 zwischen September und November einen Verlust von 24,7% erleiden

Denn selbst dann, wüssten wir immer noch nicht, ob der Markt nicht vorher noch 50% steigt und man diese Bewegung bis ins Frühjahr 2021 nicht besser mitnimmt!

Der Punkt ist also nicht, dass wir nicht bald (im Sinne von ein paar Jahren) mal wieder eine größere Krise erleiden, der Punkt ist dass es sich nicht lohnt, deswegen heute aus blinder Angst sein Anlageverhalten zu ändern!

Ich habe hier in dazu noch ein paar schöne Charts für Sie, die das Problem visualisieren.

Sie dokumentieren die Momente, in denen "Gurus" Sätze gesagt haben wie "das leichte Geld wurde schon verdient" oder wer alles wann gesagt hat, dass der nächste Crash unmittelbar bevor steht. Schauen Sie sich die drei Charts bitte mal an, das ist lehrreich!

Ich kann dazu nur sagen:

Nirgendwo wird so viel Geld liegen gelassen, als wie beim Warten auf den großen Crash, der immer später kommt als man denkt.
Schnelle Reaktion und flexibler Geist sind Zeichen erfolgreicher Trader. Mit Weissagungen bekommt man Klicks, aber nicht das Depot ins Grüne.

Dieser permanente alarmistische Ablauf, auf den so viele immer wieder herein fallen, liegt natürlich auch daran, dass sich mit Katastrophen-Szenarien und Alarmismus einfach mehr Klicks generieren lassen, als mit abgewogenen, differenzierten Sichten. Das ist die logische Folge eines "kostenlosen" Internets, bei dem der Klick die Ware ist. Wer nicht bereit ist, für gute Informationen Geld auszugeben, muss sich also auch nicht wundern, was er bekommt.

Ich kann Ihnen hier nur eindringlich sagen: Es ist *profitabler*, das alles zu überhören und nur auf den Markt zu reagieren - nur auf das zu achten, was wirklich auf dem Spielfeld gespielt wird.

Die Fähigkeit die man dann erwerben muss ist aber, dass *wenn* der Markt dann dreht, man *dann* aber auch konsequent aussteigen muss. Daran scheitern viele, die dann zu lange festhalten. Was für Muster uns da typischerweise begegnen, habe ich vor einem Jahr mal hier beschrieben: . Solche Abläufe sind also keineswegs völlig überraschend, es gibt immer vorher Warnzeichen in den Kursen.

Ganz einfach ist also kein Weg, aber es ist definitiv besser so lange wie möglich dabei zu bleiben und in Kauf zu nehmen, von den Tops dann wieder 10% abzugeben, also aus reiner Angst vor so einer 10% Korrektur dann eine 87% Bewegung zu verpassen, wie von 2013 bis heute.

Dieses Grundprinzip ist eigentlich völlig logisch und anhand von Vergangenheitscharts leicht empirisch nachzuweisen. Wenn Sie das immer noch nicht glauben, dann schauen Sie mal bitte
.

Bitte tun Sie das, schauen Sie sich das an, wenn Ihnen Ihr Depot lieb ist! Wollen Sie da wirklich immer noch Ihre Zeit damit verbringen auf den nächsten Bären-Markt zu warten?

Erneut, ich sage ja nicht, dass wir unvorsichtig sein sollen und zu blauäugigen Dauerbullen werden. Doch, es macht Sinn den ganz großen Einbrüchen aus dem Weg zu gehen zu versuchen - aber erst dann wenn diese real begonnen haben!

Noch sieht aber der US Markt stabil aus, hier ist zum Beispiel die Advance / Decline Line, deren Bedeutung als Indikator ich Ihnen letzten Dezember in -> Die Weisheit der Adcance/Decline Line <- auch im freien Bereich nahe gebracht habe:

Wir sehen hier die A/D Linie leicht rötlich und den SPX im Vergleich, die Marktbreite stimmt also und es gibt da noch kein Warnsignal in Form einer Divergenz.

Auch das ist natürlich keine Garantie. Natürlich kann diesen Herbst in den US Märkten noch ein 10% Korrektur kommen, so wie ich das in -> Fällt das Eine oder steigen die Anderen? <- hier vor 2 Wochen dargestellt habe. Und natürlich kann die kommende Woche Schwäche bringen, das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich.

Trotzdem, langfristiges Faktum bleibt, dass nur der Anleger Erfolg haben kann, der überhaupt im Markt und dabei wachsam ist. Wer aber aus Angst vor der nächsten Korrektur permanent draußen ist, kann definitiv keinen Erfolg haben. Das ist anlagetechnisch dann sozusagen "Selbstmord aus Angst vor dem Tod".

Und zum Abschluß dieser "Predigt" noch etwas Wichtiges.

Einige von Ihnen werden jetzt rational zu dem Nicken was ich oben sage, weil sie die Logik verstehen und nachvollziehen können. Gleichzeitig spüren diese aber einen Widerstand in sich, es jetzt real umzusetzen, irgend etwas bremst im Sinne "jetzt noch nicht". Jetzt gerade *könnte* doch diese verflixte Korrektur einsetzen!

Stimmt, sie *könnte*. Es *könnte* aber auch ganz anders kommen.

Das genau ist unser "Affenhirn", das viel mehr Angst davor hat direkt nach dem Einstieg 20% zu verlieren, als ohne den Einstieg einen Anstieg von 80% zu verpassen.

Wenn Sie beginnen dieses "Affenhirn" als ihre große Hürde zu begreifen der Sie sich stellen müssen, dann haben Sie einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Das bedeutet aber *nicht* nach übertriebener Angst nun schlagartig ins Gegenteil zu kippen und blauäugig optimistisch zu werden.

Es bedeutet nur, uns von diesen Angst-Reflexen zu lösen und eine rationale, vorsichtig-positive Haltung zum Markt einzunehmen. Eine Haltung die große Risiken absichert, bei kleinen Risiken aber auch mal Gelassenheit zeigt.

Amen 🙂

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Differenzierung – die verlorene Kunst

Ein politischer Kommentar in einem Börsen- und Wirtschaftsblog?

Nein, eher nicht. Eher ein verzweifelter Ruf nach Vernunft und Differenzierung. Vernunft und Differenzierung, die im immer mehr angeheizten Klima der deutschen Republik, langsam völlig unter die Räder zu kommen scheinen.

Natürlich, mir ist völlig klar, dass dieser Beitrag kaum "Likes" und "Klicks" bekommen wird, würde ich mich nun dagegen am allgemeinen Eindreschen von "Links" auf "Rechts" und in entgegengesetzte Richtung beteiligen, wäre die Chance auf Aufmerksamkeit viel höher.

Schon vor Jahren haben wir beklagt, dass sich die Menschen durch die sozialen Medien zunehmend in ihre Filterblasen zurückziehen und nur noch Bestätigung suchen, statt ihren Geist um Erkenntnis zu erweitern - das ist aber tragischerweise nicht besser, sondern eher schlimmer geworden, Lagerdenken herrscht nun allüberall.

Auch in den Medien ist das zu beobachten, es gibt nur noch ganz wenige Medien die versuchen, eine gewisse Pluralität der Meinungen zu leben. Die Allermeisten auf beiden "Seiten" sind dagegen eindeutig einem "Lager" zuzuordnen und wehe man veröffentlicht dort etwas, was nicht dem entspricht was das eigene "Lager" lesen will, dann kommt aber der "Shitstorm" über die Redaktion.

In dieser thematischen Enge, diesem verbohrten Eingraben in eigene Wahrheiten, sind sich beide Seiten völlig gleich, beide sind aber zutiefst davon überzeugt, dass "nur die anderen" die mit dem Brett vor dem Kopf sind. Schon Heiner Geißler hat aber mehrfach darauf hingewiesen, dass die wirklichen politischen Extreme sich am Ende in ihrer Menschenverachtung wieder höchst ähnlich sind.

Beide Extreme verachten den Individualismus, die extremen Linken wollen das Individuum einer "großen Idee" unterordnen, die extremen Rechten typischer einem "großen Führer". Das Ergebnis ist für den normalen Bürger, das "Individuum" also, aber gleichermassen verheerend, denn beide Extreme lieben die wohlig-warme miefige "Volksgemeinschaft", das Ideal des sich einig an den Händen halten.

Verbunden sind diese Ideologien fast immer mit überbordender Staatsgläubigkeit und kollektivistischen Idealen - eine freie Marktwirtschaft freier ungegängelter Menschen, ist bei den Extremen nie beliebt. Und ob man nun bei der FDJ-Parade in Reih und Glied in Zwangs-Uniform mitmarschiert, oder an einem Morgenappell der HJ mit Zwangs-Uniform antreten muss, Massenveranstaltungen dieser Art sind für den jungen Menschen letzlich gleich, nur die Farben und Parolen sind unterschiedlich.

Ich will mich hier auch nicht an der "Schuld-Frage" beteiligen, woher diese aktuelle Eskalation im Lande kommt, das wird genügend an anderer Stelle umgewälzt. Ganz eindeutig und zweifelsfrei gibt es aber einen zeitlich exakt zu identifizieren Zusammenhang, der kaum Zufall sein dürfte. Noch 2014 im Sommer der Weltmeisterschaft, schien das Land friedlich und mit sich im Reinen. Sicher war da auch Einiges nur überdeckt, aber zumindest an der Oberfläche war die Welt intakt, die Gesellschaft befriedet. Die AfD war damals nach der Abspaltung der gemäßigten Lucke-Fraktion in 2015 bundesweit unter 5% und auf dem absteigenden Ast.

Und dann kam im Herbst 2015 Merkel mit der Grenzöffnung, mit der sie nach dem was man liest, gegen den Rat und die Erwartung aller Sicherheitsorgane entschieden hat. Was letztlich bis zur aktuellen Diskussion um den Chef des Verfassungsschutzes Maaßen führt, den auch dort scheint Vertrauensverlust Teil des Hintergrunds zu sein und es erscheint mir persönlich von außen auch so, als ob alte Rechnungen eine Rolle spielen. Der Journalist Robin Alexander, hat in seinem Buch "Die Getriebenen" vieles dazu beschrieben. Dort im Herbst 2015 nahm eindeutig vieles seinen Anfang, was uns nun gesellschaftlich um die Ohren fliegt, mehr will ich dazu hier gar nicht festhalten, ich würde nur wiederkäuen, was schon endlos hin und her gekaut wurde.

Aber es ist wie es ist, ich werde es hier mit einem Artikel nicht ändern. Was ich aber tun kann, ist an die verlorene Kunst der Differenzierung erinnern. Die Kunst die gute Demokraten auszeichnet, die Kunst die kluge Denker auszeichnet.

Die Welt ist nicht holzschnittartig zwischen "Gut" und "Böse" aufgeteilt, auch wenn man sich gerne einbildet zu den "Guten" zu gehören und deshalb viel Energie darauf verwendet, die "Anderen" abzuwerten, um sich selber aufzuwerten. Die Welt kennt auch nicht nur eine Wahrheit, daran glauben nur zutiefst religiöse oder ideologisierte Menschen und das hat in der Geschichte der Menschheit schon zu viel Mord und Totschlag geführt.

Die Welt ist komplex, wandelbar und vielschichtig und es gibt zu ein und derselben Sache meistens mehrere Wahrheiten, abhängig davon von welcher Seite man Licht auf sie fallen lässt. Differenzierung ist daher das Zauberwort, die Fähigkeit zur Differenzierung zeichnet alle aus, denen es wirklich um die Sache und nicht um den plumben Sieg und die Durchsetzung der eigenen Ideologie geht.

Lassen Sie mich daher zu aktuellen Themen mal abstrakte, differenzierende Sätze formulieren, die zeigen, wie schlimm es um die politische Kultur des Landes mittlerweile bestellt ist. Denn die, die diese Sätze sagen würden, würden zuverlässig in ein Ecke gestellt und stehen am Ende wahrscheinlich zwischen allen Stühlen, weil sie sich mit keinem Lager wirklich gemein machen und in der Lagerlogik jeder ein Feind ist, der keinen unbegrenzten Treueschwur leistet und sich eigenes Denken erlaubt.

  • Man kann Migration als etwas Positives für eine Gesellschaft begreifen und trotzdem gegen eine ungeordnete Migration völlig fremder Kulturkreise sein.
  • Man kann seinen türkischen Händler um die Ecke lieben und trotzdem den von archaischem Ehrverständnis getriebenen Messerstecher hassen.
  • Man kann zutiefst für die Einigung Europas sein und trotzdem das real existierende Brüsseler Europa für eine Deformation halten.
  • Man kann für eine gemeinsame Währung zueinander passender europäischer Staaten sein und trotzdem den real existierenden Euro für eine fatale Fehlkonstruktion halten.
  • Man kann die Diversität der Welt lieben und wertschätzen und trotzdem oder gerade deswegen für den Erhalt der lokalen Kulturen und gegen einen globalen Schmelztigel sein.
  • Man kann für einen Sozialstaat sein, der jedem ein auskömmliches Leben ermöglicht und trotzdem oder gerade deswegen für Leistung eintreten, dafür dass herausragende Erfolge auch zu herausragendem Wohlstand führen.
  • Man kann für mehr bezahlbare Mietwohnungen sein und trotzdem oder gerade deswegen Vermietern das Leben erleichtern und nicht erschweren.
  • Man kann die soziale Marktwirtschaft lieben und als das System erkennen, das den Menschen zuverlässig den höchsten Wohlstand beschert und trotzdem ihre Verwerfungen ernst nehmen und dort eingreifen, wo der Markt nicht mehr funktioniert.
  • Man kann für möglichst viel erneuerbare Energien sein und die Realitäten der Physik trotzdem nicht aus den Augen verlieren.
  • Man kann den menschlichen Einfluß beim Klimawandel nicht für endgültig und zweifelsfrei erwiesen halten und trotzdem aus dem Prinzip der Vorsicht alle Maßnahmen unterstützen, die mit Maß diesen Einfluß einzudämmen versuchen.

Man kann ..... ich denke Sie wissen nun was ich meine, ich könnte so weiter machen. Differenziertes Denken ist gefragt, wenn uns das Land und unsere Zukunft nicht um die Ohren fliegen soll.

Praktisch jeder dieser Sätze oben ist heute aber schwer bis teilweise praktisch unmöglich, weil die Lager eine derartige Teilabweichung nicht tolerieren würden. Im besten Fall wird so ein Satz überhört, im schlimmsten Fall bekämpft. Man muss entweder mit Haut und Haaren zu einem Lager dazu gehören oder ist ein Gegner - diese zunehmend binäre Haltung hat etwas Totalitäres, ist Zeichen einer erschreckenden Infantilisierung des politischen Diskurses und wird der komplexen Wirklichkeit nicht gerecht.

Aber all das oben kann man denken und richtig finden. Man muss das aber auch nicht so sehen, man kann das auch ganz anders sehen, klar ist aber an diesen Sätzen, dass man sehr wohl das Eine trotz des Anderen denken kann! Und genau diese Differenzierung scheint aktuell nicht mehr möglich zu sein, man wird zwangsläufig in ein Lager eingeordnet.

Dass diese differenzierten Stimmen nicht mehr durchdringen ist fatal, das führt das Land auf einen Pfad der Eskalation, der uns Angst machen sollte!

Und wenn die oberste Politik nach meiner festen Überzeugung *eine* Aufgabe hat, angefangen natürlich mit der Kanzlerin, dann ist es die Aufgabe wieder eine differenzierende Sprache zu finden und diese auch glaubwürdig zu machen, weil man den klaren Worten auch klare Taten folgen lässt.

Wenn unsere Politik dieser Aufgabe nun aber nicht gerecht wird und bisher kann ich persönlich das nicht sehen, wird sie in die Geschichtsbücher vielleicht als eine Phase des Scheitern eingehen, in der 70 Jahre Frieden und Wohlstand in der alten Bundesrepublik mutwillig und ohne zwingenden Grund beendet wurden.

"Alternativlosigkeiten" und "Basta" in all seinen sprachlichen Varianten, sind dabei für mich persönlich nichts weiter als entweder Ausdruck eigener geistiger Trägheit oder wahlweise Verachtung der differenziert denkenden, gebildeten Bürger, die man so mit sprachlichen Banalitäten abspeist.

Gute Politik für unser Land ist es definitiv nicht. Gute Politik stellt sich der Komplexität der Welt und die kennt nun einmal keine einfachen Wahrheiten und keine immer gültigen Ideologien. Was gute Politik auszeichnet, ist eine von Verantwortungsethik getragene Rationalität, die ihr Handeln konsequent an dem ausrichtet, was zu jedem Zeitpunkt das Beste für das Land und seine Bürger ist. Und vor allem dann genau das tut und durchsetzt und nicht nur darüber redet.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Fällt das Eine oder steigen die Anderen? – Die Mean Reversion und der September

Mein letzter Artikel hier im freien Bereich war Ende Juli, bevor ich im August - wie auch viele andere Börsianer - in den Ferienmodus gewechselt bin.

Nun haben wir Anfang September und auch an der Wallstreet kehren die "A-Teams" am Dienstag an ihre Handelsplätze zurück. Erst am Dienstag, weil am morgigen Montag mit "Labor Day" in den US ein Börsenfeiertag ist.

Ende Juli habe ich den August in -> Die Lage im Hochsommer <- wie folgt antizipiert:

Was kann ich mir nun also in den Herbst hinein vorstellen?

Der August und September sind durchaus kritische Monate, in denen der Markt gerne mal einen Einbruch vollführt, ich erinnere nur an den 24.08.15 mit dem markanten ETF-Flash-Crash.

Ich kann mir gut vorstellen, dass auch dieses Jahr noch ein entsprechender Aufreger und Einbruch im Spätsommer bzw Frühherbst vor uns liegt, ähnlich wie für den S&P500 eingezeichnet. Und nach diesem "Aufreger", ist dann der Weg zu S&P500 3.000 frei.

Ich sehe also keinen Grund, gerade jetzt über den August große Risiken einzugehen, das kann durchaus schmerzhaft werden. Grund den Markt generell in Frage zu stellen, sehe ich aber ebenso (noch) nicht. Die Chance, im S&P500 zum Jahresende höher zu stehen als heute, erscheint mir immer noch gut.

Nun ist diese Phase ja noch nicht vorbei, der September beginnt ja gerade erst, man kann aber schon jetzt festhalten, dass der August tatsächlich ein eher schwacher Monat war, in dem man durch Abwesenheit nichts verpasst hat - das aber mit Ausnahme der US Märkte!

Ich habe den Mitgliedern letzte Woche dieses Chart gezeigt, das eindrucksvoll visualisiert, wie sehr sich die US Märkte vom Rest der Welt abgekoppelt haben. Und das hat sich im August eher beschleunigt:

Im 2. Quartal ist das losgegangen und diese Divergenz ist massiv und in dieser Form recht selten zu beobachten, da die US Märkte in der Regel als "Hund" die Richtung vorgeben, während der Rest der Börsenwelt dann als "Schwanz" volatil wackelnd folgt.

Es ist auf jeden Fall beeindruckend, die US Märkte schlagen in diesem Jahr alles um Längen. Das war hier schon am Jahresanfang Thema, denn wenn die halbe Anlagewelt die "Unterbewertung" der europäischen Märkte als Verkaufsargument nutzt, kann es fast nur anders kommen.

Diese "Schere" hat "auch" mit der Stärke der US Wirtschaft zu tun, "auch" mit der Steuerreform und "auch" mit Trumps Handelspolitik, denn auch wenn Handelsscharmützel am Ende allen schaden, schaden sie in der aktuellen Lage doch den US relativ am wenigsten, was die Schere weiter aufgehen lässt.

Und dann habe ich noch ein Chart für Sie, welches den Januar 2018, im Leitindex S&P500 in den Vergleich zum aktuellen Geschehen stellt:

Wir sehen, dass die US Märkte langsam beginnen "heiss zu laufen", so wie das schon im Januar der Fall war - es war auch im Januar klar, dass diese Steigung nicht ewig so durchgehalten werden konnte.

Nun sind wir noch ein gutes Stück von der Überdehnung des Januar entfernt und es kann daher gut sein, dass der US Markt noch ein paar Wochen noch steiler weiterschiebt und schon viel früher als gedacht das Ziel von 3.000 im SPX erreicht, das ich wie treue Leser wissen, schon das ganze Jahr zum Jahresende erwartet habe.

Je schneller und höher der US Markt nun aber steigt, desto ausgedehnter dürfte aber auch die "Mean Reversion" werden, die Rückkehr zu Maß und Mitte.

Verwechseln Sie so eine Korrektur im Herbst aber nicht mit einer Trendwende, in den US sind alle Signale, auch die konjunkturellen Signale, weiter auf Grün und nichts spricht derzeit gegen einen starken Jahresabschluß. Was 2019 passiert, ist dann eine ganz andere Frage - diese Brücke überqueren wir aber erst dann, wenn wir vor ihr stehen - das wilde Herumraten im Vorfeld ist nicht unser Stil und führt nicht zum Erfolg. Wir *reagieren* konsequent auf den Markt, wie erraten ihn nicht, weil wir wie der Rest der Menschheit keine Glaskugel haben, die uns die Zukunft prophezeit.

Für die kommenden Wochen ist nun aber die Kernfrage, ob das Eine fallen muss oder das Andere steigen wird. Dass diese Schere noch viel weiter aufgeht, ist dagegen nicht sehr wahrscheinlich.

Ich kenne die Antwort auch nicht, kann mir aber als "Weg des maximalen Schmerzes" sehr gut vorstellen, dass erst einmal die anderen Märkte nachziehen, die Stärke sich also fortsetzt und der SPX den 3.000 nahe kommt und so viele Unentschlossene in den Markt gezogen werden. Und dann kommt die Korrektur doch noch im Herbst, die nun schon überfällig ist.

All das wird aber hier im freien Bereich nicht Thema sein, der nur ca. einmal pro Woche als "Bullauge" auf die Inhalte des Blogs dient. In der immer weiter wachsenden sumerdigital Community, bin ich nun aber wieder jeden Börsentag 2x mit Artikeln zum Markt und zur Welt und zu jeder Menge Opportunitäten bei Einzelaktien Online. Dazwischen kommen noch Videos und erklärende Artikel, die Grundlagen des Börsenhandels vermitteln.

Wenn Sie Lust haben, schauen Sie mal rein, der Ferienmodus ist vorbei und der Blog nimmt wieder Fahrt auf. Weihnachten ist ja auch nicht mehr weit, die Schokoweihnachtsmänner sind schon fertig und Printen und Lebkuchen werden wohl in Kürze unsere Läden bevölkern. 😉 Ich finde es gruselig und trauere noch dem Sommer nach, aber so wird es kommen!

Wir werden unser Augenmerk in der Community in den kommenden Woche auch wieder besonders auf stark wachsende Technologie-Aktien richten, denn Zukunft hat immer Konjunktur und vor uns liegen erhebliche gesellschaftliche Veränderungen, die auch bei den Firmen ihre Schleifspuren hinterlassen werden. Nur weil ein Geschäftsmodell nun 100 Jahre funktioniert hat, ist das keine Garantie, dass das Geschäftsmodell auch weitere 100 Jahre tragen wird. Lange Vergangenheit gaukelt uns eine Sicherheit vor, die so gar nicht existiert.

Beständig ist nur der Wandel und erfolgreich am Markt die, die den Wandel erkennen und von ihm profitieren, statt ihn zu bekämpfen.

Ich wünsche einen guten Start in den Börsenherbst!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die Lage im Hochsommer

Als ich hier im freien Bereich -> im Mai <- das letzte Mal einen kurzen Blick auf die allgemeine Marktlage geworfen habe - etwas was ich im Premium-Bereich praktisch täglich mache - habe ich Ihnen dabei Sätze wie folgt geschrieben:

Nun hat der S&P500 zum dritten Mal die Trendlinie und 200-Tage-Linie erfolgreich getestet und ist wieder unter Volumen nach oben abgeprallt. Das sieht gar nicht so schlecht aus:

Und im ganz großen Bild bleibt es dabei, wir sind in einer Seitwärts-Bewegung im ersten Halbjahr, die im zweiten Halbjahr dann gut S&P500 3.000 erreichen könnte. Das alles aber eingebettet in eine ganz normale, größere Konsolidierung, die die immensen Gewinne seit Anfang 2016 erst verarbeiten muss, bevor es weiter hoch gehen kann.

Das ist mehr oder weniger das Bild, das ich seit Jahresanfang vertrete. Und was hat es nun gebracht, den ganzen Säuen hinterher zu laufen, die die Bären seit Jahrenanfang durchs Anlagedorf treiben? All den "tollen", medial so wunderbar klickbaren Geschichten, warum der Markt gerade jetzt zusammen brechen "muss"?

Ich sage es erneut, der Markt muss gar nichts und ein Trend ist ein Trend. Das nennt man eine ruhige Hand.

Und wissen Sie was, das war nicht nur richtig, ich könnte es Ihnen auch heute wieder schreiben. 😉

Seit Mai wurde dann eine ganze Reihe weiterer "Säue" durchs Anlagedorf getrieben, mit denen medial begründet wurde, warum der Markt nun drehen "muss" - irgendwas muss man ja auch schreiben.

Wenn ich jetzt eine Liste machen müsste, würde es mir leichter fallen und wäre kürzer aufzuschreiben, worum sich der Markt noch *nicht* gesorgt hat, denn es war fast alles vertreten, von geopolitischen Sorgen über Handelskonflikte, politische Sorgen bis zu Konjunktursorgen.

Wie ist aber ein Markt zu werten, der das alles abschütteln kann? Sie ahnen es, eher stark, nicht schwach!

Und es ist ja keineswegs so, dass zum Beispiel der Handelkonflikt ohne Auswirkungen wäre, schauen Sie hier, wie es den chinesischen Markt in 2018 zerlegt hat, dargestellt am ETF ASHR:

Das Thema ist also wichtig, nur aus Sicht des Marktes eben für die US Industrie bisher noch keine wirkliche Gefahr.

Die letzte mediale Sau, die derzeit noch nachklingt, war dann die Sorge um eine inverse Zinsstrukturkurve, die ein recht guter Indikator für eine kommende Rezession ist.

Ich habe hier einen , der nicht nur ganz gut erklärt worum es da geht, sondern an dem Sie auch das Datum genau wahrnehmen sollten.

Denn Ende 2005 wurde die Zinsstrukturkurve in den US damals invers - etwas was heute noch gar nicht der Fall ist, es wird derzeit nur darüber spekuliert. Dann dauerte es aber noch 2 Jahre bis Ende 2007, bis eine Rezession Realität wurde und 2008 in das Lehman-Desaster überging.

Wir haben heute eine solche Situation aber noch gar nicht und es ist unklar, ob sie überhaupt eintritt. Dann haben wir 2018 gerade in Sachen Anleihenzinsen sowieso eine historisch einmalige, von den Notenbanken "manipulierte" Situation, bei der keiner sicher sagen kann, ob die Signale der Zinsstruktur noch die gleiche Gültigkeit haben. Und selbst wenn man das alles bejaht, haben wir von nun an vielleicht noch 2 Jahre lang Kursanstiege, wie zwischen 2005 und 2007.

Was hilft uns diese Diskussion also dabei, die richtige Anlage-Entscheidung für die kommenden Monate zu treffen? Sie ahnen es: Nichts. Nur für Klicks ist das Thema derzeit gut.

Wir sollten in bewährter Manier also lieber schauen, was der Markt macht, der praktisch alle Nachrichten und Spekulationen verarbeitet, auch und gerade die aktuelle Wirtschaftsdaten und auch die Vorlauf-Indikatoren.

Hier ist das aktuelle Bild des Leitindex S&P500, den letzten Artikel zur Lage im Mai mit den obigen Kommentaren habe ich markiert:

Meine spöttischen Worte von Mai, hatten also kein so schlechtes Timing. Wenn Sie die geschlängelte Kurve in Blau sehen, ist das übrigens keine konkrete Projektion des Verlaufs.

Es soll nur symbolisieren, dass wir vielleicht bis in den Herbst eine Fortsetzung der volatilen Seitwärtsphase haben - einen bald kommenden Einbruch im August bzw September durchaus eingeschlossen - die Chancen dann aber gut sind, zum Jahresende im Sinne des blauen Sterns die 3.000 im S&P500 zu erreichen.

Und ob wir dann in 2019 eine Rezession und größere Korrektur bekommen, das weiss ich nicht und mache mir auch keine Gedanken um ungelegte Eier. Viel wichtiger ist im Hier und Jetzt dieses Sommers, die Aufstellung für die kommenden Monate richtig hinzubekommen, alles weitere ergibt sich dann. Wer jetzt über 2019 spekulieren will, kann das gerne tun, Geld verdient wird so am Markt aber eher nicht.

Weit unklarer und wackeliger ist übrigens die Lage im DAX als im S&P500. Hier kann man sich ebenso eine große SKS als Wendeformation und Vorbote einiger Schmerzen vorstellen, wie auch ein weiteres Seitwärtsgeschaukel bis zum Jahresende:

Es nützt nichts, die Auflösung erraten zu wollen, wichtiger ist zu erkennen, dass die Lage im DAX aktuell indifferent ist, während sie in den US Indizes mittelfristig weiterhin eher bullischen Charakter hat - wohl wissend, dass auch dort kurzfristig die Korrekturgefahr steigt.

Was kann ich mir nun also in den Herbst hinein vorstellen?

Der August und September sind durchaus kritische Monate, in denen der Markt gerne mal einen Einbruch vollführt, ich erinnere nur an den 24.08.15 mit dem markanten ETF-Flash-Crash.

Ich kann mir gut vorstellen, dass auch dieses Jahr noch ein entsprechender Aufreger und Einbruch im Spätsommer bzw Frühherbst vor uns liegt, ähnlich wie für den S&P500 eingezeichnet. Und nach diesem "Aufreger", ist dann der Weg zu S&P500 3.000 frei.

Ich sehe also keinen Grund, gerade jetzt über den August große Risiken einzugehen, das kann durchaus schmerzhaft werden. Grund den Markt generell in Frage zu stellen, sehe ich aber ebenso (noch) nicht. Die Chance, im S&P500 zum Jahresende höher zu stehen als heute, erscheint mir immer noch gut.

Damit verabschiede ich mich auch im freien Bereich in den Ferienmodus des August, in dem es im Blog nur sporadische Updates geben wird. Ab Anfang September geht es hier wieder mit voller Energie Richtung Herbst und Jahresende.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Fünf Weisheiten für Freiheitssucher



Börsianer sind nur schnöde Geldsäcke ohne Moral? Das glaubt auch nur, wer im Gegenzug alle sich öffentlich als "gut" und "moralisch" gerierenden Menschen für altruistisch hält. 😉

Hier sind fünf Lebens-Weisheiten für Freiheitssucher, hinter denen ich auch persönlich stehe. Letztlich sind es nur Variationen ein und desselben Themas: Unserer Endlichkeit

Die fünf Lebens-Weisheiten repräsentieren aber eine Haltung, die glückliche, selbstbestimmte, erfolgreiche Menschen oft von denen unterscheidet, die jammernd und klagend gegen ihren Willen vom Strom des Lebens mitgerissen werden. Eine Haltung, die Unternehmerpersönlichkeiten auszeichnet. Und eine Haltung die man braucht, um in der neuen Welt der Wissensarbeiter selbstständig seinen Weg zu gehen.

Das heisst nicht, dass nur die Haltung zu haben, schon genügen würde um im Leben erfolgreich zu sein, bei Weitem nicht! Sie ist aber eine wichtige Voraussetzung. Und auch für den Handel an der Börse ist diese der Zukunft zugewandte Haltung immens wichtig. Wer so denkt, hat bessere Chancen. Ob Sie davon etwas für sich übernehmen wollen, müssen Sie selber beantworten.

Viel Spaß beim Lesen

(1) Die Endlichkeit

Machen wir uns so früh wie möglich im Leben klar, dass dieses unser Leben endlich ist und weit kürzer als wir glauben. Jede Minute ist wertvoll und ist unwiderruflich vorbei wenn sie abgelaufen ist - nichts wird je wiederkehren, ausser in unseren Erinnerungen. Die Versprechung eines Lebens nach dem Tode ist dagegen ein Wechsel, dessen Deckung unklar ist und der uns eher davon abhält, jede Minute dieses realen Lebens zu geniessen.

Wenn wir gelernt haben diese Endlichkeit zu fühlen - manche brauchen dafür erst ein einschneidendes Erlebnis - macht uns das auf eine positive Art und Weise kompromissloser. Es gibt so viel sinnlosen Mist den man nur macht, weil man sich einbildet es machen zu müssen und sei es nur aus sozialen Konventionen. Zu oft ist es aber gar nicht nötig und nützt auch niemanden. Und auch vermeintliche Hürden, sind oft nur Hürden unserer Trägheit.

Wir haben nur dieses eine Leben, wenn wir das nicht nutzen um zu tun was wir tun wollen, vergeuden wir die uns geschenkte Zeit.

(2) Der Blick zurück und nach vorne

Stellen wir uns vor, wir sitzen alt und krank, einen Monat vor unserem Tode auf einer Bank in den Vorbergen, schauen mit trübem Blick in die Ferne und denken über unser Leben nach.

Bei vielen Menschen setzt dann das Bedauern ein im Sinne "hätte ich doch". Denn alles was dann zählt, ist das was wir im Leben getan haben und die Menschen, die wir positiv beeinflusst haben. Und wenn wir das nicht getan haben, merken wir erst kurz vor 12 der Lebensuhr plötzlich, dass wir dazu keine Chance mehr haben und bereuen bitterlich.

Wenn wir also nicht so voller Reue auf der Bank sitzen wollen, sollten wir *jetzt* damit aufhören über die Vergangenheit zu grübeln, sondern beginnen positiv nach vorne zu schauen. Denn *jetzt* haben wir die Chance die Dinge zu tun, auf die wir dann auf dieser Bank mit Stolz und Freude zurück schauen können. *Jetzt*!

(3) Der keineswegs schnöde Mammon

Gerne wird behauptet der Mammon sei ja schnöde und mache nicht glücklich. Das ist richtig, aber auch völlig falsch und am Thema vorbei.

Geld für sich alleine macht fraglos nicht glücklich, darum geht es aber gar nicht. Denn Geld ist nur ein Tauschmittel für das, was man dafür eintauschen kann. Aber das was man eintauschen kann, das kann glücklich machen und ein erfülltes, freies Leben schenken.

Es geht eben nicht um das Geld an sich, das sind nur tote Zahlen, es geht um das, was man damit machen kann - es geht um Freiheit und Gestaltungsmacht. Geld ist dafür ein immens wichtiges, unersetzliches Hilfsmittel.

Wer aber keine Vorstellung davon hat, womit er seine Spuren im Leben hinterlassen will, für den wird der Mammon fraglos nur Konsum oder sogar Last sein.

Der Mammon ist eben schnöde für die ohne Ziel, er dient dagegen machtvoll denen, die etwas im Leben bewirken wollen. Und die Welt ist so gross und voller Wunder, was könnte man nicht alles machen, wenn man die Mittel dazu hätte!

(4) Das Glück in uns

Wer weiss was er will und dieses Ziel erfolgreich verfolgt, ist glücklich und selbsterfüllt.

Wer nicht weiss was er will, wird die Antwort in Büchern, fremden Orten und Glaubenssätzen Dritter suchen. Nur kann das Glück dort nur der finden, der auch wirklich geführt werden will. Selbstbestimmte Freiheitssucher, werden dort aber eher nicht fündig.

Nicht in der Ferne, denn auch in der Ferne schleppen wir immer uns selber mit. Nicht in Büchern, denn dort wird das Glück anderer beschrieben. Es kann uns vielleicht als Anregung dienen, es ist damit aber immer noch nicht unser Glück, der wahre Schritt steht weiter aus. Nicht in Glaubenssystemen Dritter, denn in etablierten Glaubenssystemen stecken oft profan menschliche Machtinteressen derer, die das System anführen und erfordern daher oft die Unterwerfung der Anhänger unter die Regeln - für Freiheitssucher keine Option.

Wenn wir als Freiheitssucher aber unser Glück weder in der Ferne, noch in Büchern, noch bei Dritten finden, wo liegt es denn dann?

Ganz einfach - in uns. Warum verbringen wir nicht mal einen Tag damit uns zu fragen, was wir in der restlichen Zeit denn wirklich tun wollen, die uns auf diesem Planeten noch gegeben ist. Und warum finden wir dann nicht den Mut und die Tatkraft es zu tun? Warum eigentlich nicht? Was kann uns denn Schlimmeres passieren als der Sensenmann, der uns sowieso alle als grosser Gleichmacher ereilen wird?

(5) Fortune favors the bold

Das Schicksal begünstigt die Mutigen.

Es ist immer viel mehr möglich, als wir uns zutrauen. Wir können im Leben viel mehr tun, als wir uns vorstellen können. Die Freude am Gelingen ist so viel schöner, als die Sicherheit des Verzichts. Wir begrenzen uns aus Angst und Trägheit viel mehr, als nötig wäre. Dabei - da sind wir wieder bei der Endlichkeit - liegen wir am Ende sowieso alle in der Holzkiste, die Frage ist nur wie schnell.

Diese Aufforderung ist nicht als Aufforderung zur Gedankenlosigkeit gemeint. Auch nicht dazu, alle sozialen Konventionen fahren zu lassen. Es besteht ein Unterschied dazwischen etwas zu wagen und kopflos in etwas hinein zu rennen. Und wer dieses geschenkte Leben sinnvoll nutzen will, muss es auch so lange wie möglich bewahren.

Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Man gebe in seinem Leben also dem Optimismus eine Chance!

Jammern, sich vor Angst verkriechen, der Vergangenheit nachtrauern und Bereuen ist destruktiv und macht nichts besser, weder für einen selber noch für die Lieben, die uns wichtig sind. Das gilt ausdrücklich auch für unser Verhalten an der Börse!

Ändern wir also das, was wir ändern können und das liegt ausschliesslich in der Zukunft. Dieses freie Leben wird nicht so sicher sein wie das in den bekannten Bahnen, dafür aber eher ein selbstbestimmtes und glückliches. Ein Leben eben, auf das man mit positiven Gedanken des Stolzes zurückblicken kann.

Es gibt eben nichts Gutes, ausser man tut es. (Erich Kästner)

Amen 🙂

Ihr Hari

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Muss man als Euro-Anleger seine Dollar Positionen absichern?



Im Forum der Community sind auch immer wieder grundlegende Fragen, die es Wert sind, in einem Artikel beantwortet zu werden.

Erfahrene Anleger haben oft den positiven Wunsch, ihr diversifiziertes Depot auch in den Währungen der Welt auf mehrere Beine zu stellen. Dazu haben wir hier schon Vieles besprochen.

Was aber, wenn jemand den gegenteiligen Wunsch hat? Was wenn der Besitz ausländischer Währungen auch als Risiko betrachtet wird und nicht nur als Chance zur Diversifizierung? Es gibt ja sogar von Fonds- oder ETF-Abietern oft spezielle "währungsgehedgte" Varianten, die diesen Wunsch befriedigen. Was ist davon zu halten?

Was also, wenn der Anleger sich fragt, ob er sich vor Währungsschwankungen absichern oder diese zumindest etwas abmildern sollte? Da halten viele Anleger doch US Werte in Euro und ein starker Euro bringt dann Kursgewinne manchmal wieder auf Null.

Sollte sich so ein Anleger also mit Währungsabsicherung (Hedging) beschäftigen?

Um die Frage aufzurollen, muss ich zunächst etwas ganz Grundsätzliches wiederholen. Denn jeder ist der Meinung er wüsste was eine Währung ist, aber ist das wirklich so?

Denn wenn wir den "Wert" einer Sache betrachten, müssen wir diese in einem Maßstab betrachten. Bei den Arabern gab es mal eine Zeit, in der alles in Kamelen ausgedrückt wurde, auch der Wert von Menschen. Dieses provokante Beispiel einer Währung, der Kamel-Währung, dient jetzt nicht nur der Auflockerung, sondern hat trotzdem Sinn, denn die "Kamelwährung" war eben auch eine, in ihr wurde Wert ausgedrückt.

Und genau darin liegt das Dilemma von Währungen. Wenn wir uns als Bürger des Euros oder des Schweizer Franken, oder in Deutschland sozialisiert mit der stabilen D-Mark, über den Wert einer Sache unterhalten, drücken wir das immer implizit in unserer Währung als "objektivem Maßstab" für Wert aus. Und das ohne darüber nachzudenken und ohne uns bewusst zu machen, dass es ein höchst schwammiger Wertmaßstab ohne jede Objektivität ist.

Wenn also ein typischer Anleger sieht, dass die Kursgewinne an der Wallstreet durch einen steigenden Euro in seinem Euro-Depotausweis fast auf Null gebracht werden, schliesst er daraus, dass das nicht gut ist und er gegensteuern muss. Diese "Null" scheint also als objektiver Wertmaßstab wahrgenommen zu werden. Aber ist das wirklich so?

Wären wir dagegen Bürger eines Entwicklungslandes und hätten einen persönlichen Erfahrungshorizont darin, dass die eigene Währung permanent an Wert verliert und gleichzeitig eine Hochinflation herrscht, wie zum Beispiel in Brasilien, würden wir ganz anders reden. Wir würden dann versuchen den Wert einer Sache in einer stabileren Währung auszudrücken und diese als Wertmaßstab benutzen - dem US Dollar zum Beispiel.

Also, den Wert einer Währung kann man immer nur in einer anderen Währung ausdrücken. Deshalb gibt es Währungspaare, wie wollte man auch den Wert des Euro in Euro ausdrücken, das Ergebnis wäre immer nur 1. Gold kann man als XAUUSD also in Dollar ausdrücken, den Euro als EURUSD in Dollar und so weiter.

Was passiert also, wenn ein Asset - zum Beispiel eine Aktie - in Euro gerechnet fällt und gleichzeitig in Dollar gerechnet steigt, eben weil EURUSD stark steigt? Ist das Asset dann mehr "wert" oder "weniger" wert oder spielt das gar keine Rolle?

Die Antwort ist keineswegs so einfach wie es scheint, sie liegt vielmehr im Auge des Betrachters.

Aus Sicht einer fiktiven Weltwährung wie der , also aus Sicht von jemandem der theoretisch in den wichtigen Ländern der Welt mit Lokalwährungen kauft, hat sich der objektive Wert des Assets kaum verändert, denn in der "Weltwährung" ist er gleich geblieben. Die beste Entsprechung dieser "Weltwährung" ist übrigens Gold mit seiner vieltausendjährigen Geschichte.

Aus Sicht von jemandem aber, der alle Kosten in Euro begleichen muss, hat sich die Kaufkraft des Assets (der Wert) für anderen Waren verringert, wobei das auch nur teilweise für Waren gilt, die auch im Euro hergestellt werden. Denn wenn die Ware aus dem Dollarraum eingeführt wird, hat sich der Preis bei der Einfuhr verringert, was in einer theoretisch ideal preisreagiblen Welt, den "Wertverlust" des eigenen Zahlungsmittels komplett ausgleicht.

Aber wie auch immer, wenn man im Euroraum Ausgaben hat und diese mit dem Wert des Assets begleichen will, ist der "Wertverlust" subjektiv real.

An dieser Stelle haben wir daher auch den ersten Fall, für den eine Währungsabsicherung Sinn macht und auch von Firmen genutzt wird. Eine Firma die ihre Waren ins Ausland verkauft und mit den Einnahmen die Gehälter ihrer Mitarbeiter bezahlen will, will sich vielleicht nicht von Währungsschwankungen abhängig machen und "hegded" daher ihre zukünftigen Verkäufe. Das ist übrigens das Kernthema des Futures und Optionsmarktes, aus diesem berechtigten Bedürfnis heraus, die Zukunft schon heute absichern zu können, ist er ursprünglich entstanden.

Für einen privaten Anleger wäre das aber nur ein relevantes Szenario, wenn dieser seine laufenden Ausgaben für Leben und Wohnen aus nicht in Euro notierenden Einnahmen bestreiten müsste. Dann wäre ein Gedanke an Währungshedging sinnvoll, denn für den Preis von nicht unerheblichen Gebühren schliesst man dann Währungsrisiken aber auch Chancen aus.

Für einen privaten Anleger der im Euroraum lebt und arbeitet und durch die Arbeit genug verdient, um seinen Ausgaben zu bestreiten, besteht dieser Grund und damit der Bedarf an Währungsabsicherung aber eher nicht!

Gäbe es denn einen anderen Grund Auslandswährungen abzusichern - zu "hedgen"? Ja, bei Klumpenrisiken, wenn man zu stark von den Währungsentwicklungen abhängig ist und die Risiken nicht tragen kann.

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