Charts des Sommer – US Staatsanleihen, Volatilität und US Oil

Schauen wir heute früh mal wieder auf die wichtigen Entwicklungen an den Anleihen und Rohstoffmärkten, die den Aktienmarkt massiv beeinflussen und hohe Aufmerksamkeit erfordern.

Zunächst erneut ein Blick auf die langlaufenden US Staatsanleihen, hier dargestellt anhand des ETFs TLT. Sie sehen, dass die Renditen weiter steigen (=Kurse fallen) und das schafft zwei grosse Probleme. Erstens dämpft es durch höhere Zinsen die gerade angelaufene wirtschaftliche Erholung und zweitens verteuert es mittelfristig den Zinsaufwand des sowieso überschuldeten Staates, wenn auslaufende Anleihen refinanziert werden müssen.

Bernanke ist es also trotz seiner Rede als "Taube" im Juli nicht gelungen, denn Aufwärtstrend bei den Renditen zu stoppen. Das wird in der FED für erhebliches Kopfkratzen sorgen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die FED eher noch mehr Geld auf den Markt wirft, als das sie wirklich zur Reduktion (Tapering) der Anleihekäufe schreitet. Wie abhängig der Markt geworden ist, können Sie sich klar machen, wenn Sie sich vorstellen was passieren würde, wenn die FED nun ihre Käufe einstellen würde. Dieses Chart würde dann wohl zu einem Gemetzel werden !

TLT 06.08.13

Als zweites schauen wir auf die Volatilität in Form des VIX seit 2008, die nun nahezu historische Tiefststände erreicht hat. Haben Sie nicht auch den Eindruck einer geradezu unwirklichen Ruhe am Aktienmarkt ? Dieses Chart beweist es.

Gäbe es eine einfache Möglichkeit für Privatanleger, sinnvoll den VIX (oder VDAX) abseits von Futures Long zu gehen, wäre das wohl mit Horizont von 6 Monaten ein nahezu sicherer Trade. Nur gibt es diese Möglichkeit genau aus diesem Grund nicht, denn um im VIX Long zu gehen, bräuchte es ja eine Gegenpartei - in der Regel eine Bank. Und warum sollte die das tun ? Es gibt zwar Zertifikate auf die Volatilität, aber die haben einen massiven "Decay" und so hohe interne Kosten die der Absicherung der Bank dienen, dass eine Investition keinen Sinn macht und nur Verlust produziert, ausser man erwischt wirklich exakt den Tag bevor der VIX nach oben springt. Das kann aber niemand und wäre reines Glück.

VIX 06.08.13

Und zum Schluss erneut ein Blick auf Öl, hier US Light Crude Oil, das neben Gold einer der besten Indikatoren für Inflationserwartungen ist. Diesen Chart habe ich schon mehrfach gezeigt und Sie sehen nun, dass der Ausbruch bestätigt zu werden scheint. Die Konsolidierung oberhalb der Ausbruchszone deutet kurzfristig auf weiter steigende Preise hin. Gleichzeitig hat US Oil aber einen guten Trackrecord um bedeutende Market Tops zu indizieren, oft lief ein Peak bei Öl einem Market Top ein paar Monate voraus. So war es zuletzt 2008 und 2011.

US Oil 06.08.13

Und warum ist das alles nun so wichtig werden Sie fragen ?

Ganz einfach. Wenn die Anleihenrenditen (und damit Finanzierungskosten für Unternehmen) weiter steigen und wenn die Grundstoffe wie Öl wieder teurer werden, dann wird das einem US Aktienmarkt der sowieso schon nach oben überdehnt ist und auf historischen Höchstständen notiert, die Luft für weitere Anstiege abschneiden. Dann erhöht das ganz massiv die Wahrscheinlichkeit, dass wir in den Indizes gerade das "letzte Hurrah" einer lange andauernden Aufwärtsbewegung erleben.

Und weil dieser Zusammenhang existiert, ist es so wichtig auf diese Charts zu schauen.

Ihr Hari

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Charts des Sommers – IBEX35 – der spanische Aktienmarkt vor dem Ausbruch

Der spanische Aktienmarkt in Form des IBEX35 im langfristigen Chart seit 2010 mit Wochenkerzen.

Sie sehen den massiven Doppelboden von vor genau einem Jahr. Und nun steht der IBEX35 nach einer einjährigen Konsolidierung kurz vor einem wichtigen Ausbruch.

Seit Mitte Juli haben wir massive Stärke im Markt, die Überzeugung, dass die Konjunktur der Eurozone langsam dreht, bricht sich Bahn. Und bei den niedrigen Bewertungen der Unternehmen, ist noch viel Luft nach oben.

IBEX35 01.08.13

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Charts des Sommers – Barrick Gold mit Quartalszahlen

Barrick Gold (WKN: 870450) heute mit Quartalszahlen und einem Quartals-Verlust von sage und schreibe über 8 Milliarden USD. Dieser beruht auf Abschreibungen auf verschiedenste Minen-Aktivitäten. Teilweise aufgrund des niedrigen Goldpreises, teilweise aber auch aufgrund massiver operativer Probleme, wie beim riesigen Projekt Pascua Lama an der chilenischen Grenze in den Anden.

Diese Abschreibungen waren aber schon vom Markt erwartet worden und lösen daher kein Zucken mehr aus. Positiv ist dagegen, dass es Barrick auf allen Ebenen gelungen ist die Kosten zu senken und den Cashflow zu stärken. Das Unternehmen scheint also auf dem richtigen Weg, hin zu einem Fokus auf Profitabilität, statt reinem Umsatzwachstum wie in der Vergangenheit.

Der Chart seit September 2012 mit Tageskerzen zeigt, wie der Kurs aktuell entlang der 50-Tage-Linie kriecht und damit eine potentielle Bullenflagge ausbildet, die zu einem Schub bis zum Gap vom 15.04.13 und damit deutlich über 20 USD führen könnte. Wenn sich dann an dieser Stelle eine weitere Korrektur anschliesst, würde sich sogar eine inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation bilden. Aber so weit sind wir noch nicht.

Damit es so weit kommt, muss aber zwingend der Goldpreis mitspielen - trotz aller operativen Fortschritte von Barrick, ist das der entscheidende Faktor. Und der Goldpreis befindet sich gerade in einer wichtigen Phase, in der die weitere Richtung völlig offen ist. Stops sind also Pflicht, wenn man mit Barrick Gold am Markt agieren will. Denn wenn der Goldpreis erneut zu den Tiefständen abtauchen würde, würde auch Barrick Gold wegkippen und neue Tiefststände generieren, da sollte sich niemand einer Illusion hingeben.

Wer aber immer noch den Sinn von Stops nicht erkannt hat - und da gibt es eine ganze Menge - schaue mal was denen passiert ist, die bei K+S vor kurzem keinen Stop knapp unter 25€ hatten. Stops sind eben nicht dazu da, erste Gewinne zu eng und zu früh abzusichern - das endet fast immer nur damit, zu früh ausgestoppt zu werden und verhindert so am Ende grosse Gewinne, statt diese zu fördern.

Genau so werden Stops aber dummerweise oft von denen eingesetzt, die dann hinterher über Stops schimpfen und sie dann ganz weglassen. Kaum befindet sich eine Position mal leicht im grünen Bereich, führt die Angst die Gewinne wieder abzugeben dazu, die Stops viel zu eng nachzuziehen. Das kann nicht gut gehen und ist nicht das Problem von Stops, sondern von der Person, die vor dem Bildschirm sitzt.

Stops sind aber dafür da, ein Desaster wie bei K+S im Depot abzufedern. Und dafür sind sie unerlässlich. Stops können nichts dafür, wenn sie falsch eingesetzt werden und damit kontraproduktiv wirken.

Barrick 01.08.13

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Charts des Sommers – Apple mit langfristiger Bodenbildung ?

Inhaltlich etwas zu Apple (WKN: 865985) zu sagen, ist der Versuch Eulen nach Athen zu tragen. Das Unternehmen gehört immer noch zu den best beobachteten der Welt und es gibt nichts, absolut nichts, was man da als aussen stehender Beobachter Sinnvolles hinzu fügen könnte, das nicht schon geschrieben worden wäre. Deswegen lasse ich es auch, das langweilt nur.

Aber es macht Sinn auf den Chart zu schauen, denn der subsummiert die Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen all dieser Marktteilnehmer.

Und dieser Chart signalisiert gute Chancen dafür, dass Apple nun etwas unter 400 USD im zweiten Quartal einen Boden gefunden hat. Sehen Sie selbst im Chart seit Mitte 2012 mit Tageskerzen:

Apple 30.07.13

Sie sehen auch, dass der Kurs um die Bodenbildung abzuschliessen und die Wende zu bestätigen, bis nahe an 500 USD heran, also zum grünen Stern, laufen sollte. Solange das nicht geschieht, ist auch eine Seitwärtsbewegung ebenso wahrscheinlich.

Aber trotz dieser Unsicherheit könnte die Aktie wieder einen Blick wert sein. Denn der entscheidende Mitbewerber Samsung hat ja zuletzt gezeigt, dass auch er nur mit Wasser kocht und Microsoft/Nokia kommen auch nicht so richtig vom Fleck.

Und die Sorgen über potentiell sinkende Margen, nachlassende Innovationskraft und einen Smartphone-Markt der seinen Zenit überschritten hat, sind ja nun teilweise im Kurs - deshalb steht Apple da, wo es aktuell steht.

Der nächste grosse Markt wird mit Sicherheit die Integration "smarter Geräte" in Kleidung und auch Körper. Das was wir heute als Smartphone in der Hand halten, wird in 10 Jahren in Form spezialisierter Geräte Teil unserer "intelligenten" Kleidung oder angeflanscht an unseren Körper sein. Und Apple hat mit seinem Ruf und seiner Qualität die allerbesten Chancen auch diesen Markt zu dominieren. Eine "iWatch" ist da nur ein klitzekleiner Startpunkt in diese Richtung. Denn je näher die technischen Geräte unserem Körper kommen und je mehr diese mit uns integriert agieren, desto stärker werden wir Menschen dabei auf Qualität und Design wert legen, genau die Bereiche, in denen Apple unangefochten führt.

Und wer heute noch von dem K+S Desaster geschockt ist, dem möchte ich sagen: lassen Sie sich davon nicht den Blick verstellen und hinter jedem Baumstamm ein K+S Szenario erwarten. Solche Situationen wie heute sind die absolute Ausnahme bei Bluechips in den grossen Indizes. Es gibt sie ebenso, wie es scharze Schwäne gibt, aber man sollte die Ausnahme nicht zum Massstab der Wahrscheinlichkeiten machen, dann sollte man sowieso besser den Tag im Bett bleiben. 😉

Ganz rational sieht dieser Chart für mich durchaus chancenreich aus. Und auch hier sind die Stops ganz klar definiert und falls Apple mal wie K+S zum Handelsstart um 20% fallen sollte, dann hat es wahrscheinlich irgendwo einen Atomkrieg gegeben, denn selbst der Tod von Steve Jobs hat das nicht vermocht. Das ist das Restrisiko, mit dem wir halt leben müssen, wenn wir uns im Aktienmarkt bewegen.

Allerdings ist auch klar, dass grosse Gewinne bei Apple wahrscheinlich nur dann drin sind, wenn Tim Cook beweisen kann, dass dem Konzern auch ohne Steve Jobs die Innovationskraft erhalten geblieben ist. Wird dieser Beweis nicht endlich diesen Herbst angetreten, hat man zwar immer noch keine grossen Risiken nach unten, aber wohl auch begrenzte Chancen nach oben.

Ihr Hari

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Das Desaster bei K+S

Update Stand 16:40 Uhr

Auch die US amerikanischen Mitbewerber Potash (WKN: 878149) und Mosaic (WKN: A1JFWK) werden mit mehr als 20% Minus geschlachtet. Und K+S äussert sich in einer offiziellen Pressemitteilung und kann die kolportierten Preise .

Man kann also mit Fug und Recht feststellen, dass die gesamte Branche auf dem falschen Fuss erwischt wurde. Und was die Vorstände von K+S, Potash und Co. als Brancheninsider nicht ahnen, kann auch ein Anleger nicht ahnen. Es gibt also keinen Grund sich selber einen Vorwurf zu machen.

Gewinner dieses Gemetzels sind mit Sicherheit das Management von Uralkali. Denn die Russen sind in Geschäftsfragen bestimmt nicht dumm und verfolgen damit eine Strategie. Gemutmasst wird, dass es eine "Abschreckungsstrategie" ist, um andere (die grossen Rohstoffkonzerne) vom Eintritt in den Markt abzuhalten. Vielleicht ist die Strategie sogar noch brutaler und sie dient dazu, andere teurer produzierende Marktteilnehmer wie K+S aus dem Markt zu drängen. Vielleicht hat das Uralkali Management aber jetzt nur einfach eine riesige Menge Geld mit Shorts gemacht. Keiner weiss was, aber die Vermutungen springen natürlich bei so etwas ins Kraut.

Gewinner sind auch ein paar Grossbanken und Hedgefonds, die bestimmt massiv Short waren. Ich wiederhole das früher am Tag gesagte: der Abverkauf des Ausbruches über 27€ am gestrigen Nachmittag war schon sehr merkwürdig. Ebenso wie der konzertierte Einschlag Punkt 9 Uhr im Xetra. Eine langsam in den Markt diffundierende Nachricht löst andere Bewegungen aus und ist schon vorbörslich sichtbar. Da hat jemand schon vorher was gewusst, was der Rest des Marktes inklusive der Unternehmensführung bei K+S nicht wusste.

Irgendjemand hat also mit diesem Ding heute eine Hucke voll Geld gewonnen. Die normalen Anleger gehörten mit Sicherheit nicht dazu. Und dieser Einschlag wird das Vertrauen des Marktes in das Segment für lange, lange Zeit schädigen. Selbst wenn Morgen das Dementi aus Russland kommt, ist ein massiver Schaden für das Segment nun also real vorhanden.

Mit diesem Statement schliesse ich das Thema für heute ab. Ein DAX Wert mit Minus 20% und mehr. Das sieht man nicht alle Tage !

Update Stand 10:50 Uhr

Überall im Markt dürften jetzt die Köpfe rauchen und sich die eine entscheidende Frage gestellt werden:

Löst sich da jetzt eine Art stillschweigendes Preiskartell auf und rauscht der Kalipreis nun ins Bodenlose ?

Oder sind die Sorgen übertrieben, denn eigentlich dürfte durch die Auflösung eines Handelskonsortiums dessen Kraft (und damit Wettbewerbspotential) eher sinken als steigen.

Faktum ist auf jeden Fall, dass eine sehr bedeutende Unterstützung nun gerissen wurde und das K+S keineswegs eine Garantie auf Kurse oberhalb 20€ hat, sondern erst Ende des letzten Jahrzehnts in diese Regionen vorgestossen ist. Diesen Sachverhalt verdeutlicht Ihnen eindrucksvoll das Langfristchart auf Basis von Monatskerzen:

K+S monatlich 30.07.13

Wenn sich hier also ein Preiskrieg um den Kalipreis entwickeln sollte, ist alles möglich, auch Dinge, die wir uns heute nicht vorstellen können. Eine sich schnell legende Angst dagegen, würden wir daran erkennen, dass der K+S Preis rasch wieder zur 25€ Zone zurück schnappt.

Wenn das nicht passiert, ist nun grosse Vorsicht geboten - der heutige Tag hat das Potential, die Grosswetterlage im Kali-Segment nachhaltig zu verändern, ob wir wollen oder nicht.

Update Stand 10:15 Uhr

Die Anzeichen verdichten sich, dass tatsächlich Uralkali die Ursache ist. Es wird kolportiert, dass Uralkali das Handelskonsortium BPC verlassen will, was Angst vor stärkerem Wettbewerb und damit Preisdruck beim weltweiten Kalipreis erzeugt.

Trotzdem halte ich das bestenfalls für die Hälfte der Geschichte, wenn überhaupt. Denn derartige Risiken, Sorgen und Ängste um den Kalipreis kennt der Markt zu genüge und das rechtfertigt nicht die Vernichtung von bis zu 18% innerhalb von Minuten bei einem DAX-Wert, auch nicht wenn K+S ohne Frage besonders am Kalipreis hängt.

Augenfällig ist einfach, wie schon gestern Nachmittag diese merkwürdige Wende vom Ausbruch bei 27,5€ ohne Nachricht eintrat und wie die Aktion heute ab 9 Uhr konzertiert durchgezogen wurde.

Denn wenn der Markt gleichzeitig und in Breite diese Nachricht heute Nacht mitbekommen hätte, hätte man das auch schon in den vorbörslichen Kursen vor 9 Uhr gemerkt, einfach weil die Marktteilnehmer sich zu positionieren versuchen.

Was wir aber erlebt haben ist ein Einschlag im Xetra ab 9 Uhr zum Handelsstart. Das sieht für mich so aus, als ob sich grosses Geld diesen Trade zurecht gelegt hatte, sich bis zur Halskrause mit Shorts vollgeladen hat und sich nun die Hände reibt. Die ganzen Stops die absehbar unter 25€ lagen, haben das Spiel für "Big Money" dann erleichtert.

Ohne aber das schon gestern Informationen an wenige Marktteilnehmern geflossen sind, wäre dieser konzertierte Ablauf nach meiner Einschätzung nicht möglich gewesen. Wir werden es aber wohl nie erfahren, wie diese Information aus Uralkali heraus und vor allem wohin gesickert ist.

Stand 09:20 Uhr

Wir hatten Stand 08:58 Uhr vorbörslich noch Kurse über 26€. Gleichzeitig auch Stand 09.15 Uhr keinerlei Aussagen oder Adhocs des Unternehmens.

Und dann einen Absturz um teilweise 18% bei einem DAX-Wert. Schauen Sie auf das Chart:

K+S 30.07.13

Das hatte sich gestern schon angedeutet, denn der Abverkauf am Nachmittag war nach dem überzeugenden Ausbruch sehr merkwürdig und für mich ohne Erklärung, da wusste wohl jemand etwas.

Heute werden nun Aussagen der russischen Uralkali als Ursache herum gereicht, nach denen der Kalipreis deutlich weiter fallen könnte, als vom Markt erwartet. Das würde das Ergebnis von K+S natürlich hart treffen.

Zusammen mit der Menge an Stops die da unter 25€ lagen, dürfte das die Bewegung verstärkt haben.

Trotzdem ist eine Bewegung von 18% bei einem DAX-Wert aufgrund ungeprüfter Prognosen! eines russischen Mitbewerbers sehr merkwürdig. Selbst für den dünnen Sommerhandel. Und ich bin nicht sicher, ob da nicht mehr dahinter ist.

Auf jeden Fall wurde auch ich davon - wie wahrscheinlich fast alle - auf dem falschen Fuss erwischt. Diejenigen die das gestern Nachmittag schon gerochen haben - oder Insiderinformationen hatten - haben mit Sicherheit aber ein riesen Geschäft gemacht und lachen sich jetzt ins Fäustchen. Und das diese Information schon gestern an einige Stellen durchgestochen wurde ist höchst wahrscheinlich, zu augenfällig war die Wende am Nachmittag.

Das könnte auch der Grund für diese übertrieben starke Bewegung sein. Denn bei aller Liebe, die kolportierte Nachricht rechtfertigt keine 18% Minus ! Aber es dürften sich eine Reihe von Hedgefonds und Grossbanken bis zur Halskrause mit Shorts vollgeladen haben, nachdem sie diese Information aus Russland hatten. Der Aufbau der Shortpositionen verstärkt den Absturz dann, ebenso wie das Covern von Shorts zu einem Short-Squeeze führen kann. Und das erklärt auch, warum die vorbörslichen Indikatoren den Braten nicht riechen konnte. Diese Hedgefonds sind ab 9 Uhr in den echten Markt hinein gegangen, während hier in Deutschland praktisch niemand das Thema auf dem Radar hatte.

Im Laufe des Tages mehr zum unerfreulichen Thema.

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Charts des Sommers – US Bonds (TLT) und Volatilität (VIX)

Anhand des TLT, des ETFs langlaufender US Staatsanleihen, kann man erkennen, dass es Bernanke möglicherweise gelungen ist, den Anstieg der Renditen bei den Staatsanleihen zu stoppen.

Der TLT hat die steile Abwärtstrendlinie gebrochen und möglicherweise einen Doppelboden ausgeformt. Zur FED Sitzung am Mittwoch Abend dürfte hier die Entscheidung fallen. Weiter auf fallende Bonds und steigende Renditen zu setzen, könnte riskant sein, zumal das Sentiment nun sehr negativ geworden ist und damit die Märkte zu einer Mean Reversion einlädt.

TLT 29.07.13

Ganz spannend finde ich in dem Zusammenhang auch den Blick auf die langfristige Darstellung der Volatilität seit 2008, hier in Form des CBOE Volatility Index VIX:

VIX 29.07.13

Die Angst scheint aktuell aus dem Markt verschwunden zu sein. Nicht unbedingt der Zeitpunkt, zu dem langfristige Long-Positionen das optimale Chance-Risiko-Verhältnis haben. Das indiziert aber keine unmittelbare Wende und kann noch Monate so weiter gehen. Aber die nächste Krise kommt bestimmt und diese Ruhe wird nicht dauerhaft Bestand haben.

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K+S Update – die Wende ist im Gange !

Am 19.07., also vor 10 Tagen, schrieb ich im Artikel über K+S von -> der besten Chance auf eine Wende seit langem <-!

Nun 10 Tage später, scheint aus einer reinen Chance, eine real existierende Wende zu werden. Deshalb heute Míttag ein kurzes Chartupdate mit Tageskerzen zu K+S (WKN: KSAG88):

K+S 29.07.13

Sie sehen, dass K+S einen klassischen Doppelboden ausgeformt hat und damit nun eine starke Unterstützung um die 25€ herum besitzt. Sie sehen auch, dass der steile Abwärtstrend seit Mai nun gebrochen wurde.

Auch fundamental haben wir ein klassischen Szenario. Es gibt eine schlechte Nachricht nach der anderen, zuletzt das Thema der Werra-Einleitung und der schlechten Zahlen des Mitbewerbers Potash (WKN 878149, POT). Und der Kurs steigt nun trotz dieser schlechten Nachrichten. Ein klassisches Indiz einer Wende.

Die Chancen sind nun also hoch, dass K+S zumindest bis zur 30€ Marke läuft. Dort wartet nämlich eine wichtige Unterstützung von Mitte Juni 2013, die auch mit den temporären Tiefs von Mitte Juni 2012 korreliert.

Im langfristigen Chart mit Wochenkerzen seit 2009 sehen wir dann auch, warum eine Bewegung bis 30€ noch keineswegs eine Trendwende des übergeordneten grossen Abwärtstrends ist und warum erst ab diesem Bereich die wirkliche Entscheidung beginnt. Sie sehen in dem Chart aber auch, dass bisher jedes Mal, wenn die Aktie derart technisch nach unten überdehnt war, sich eine zumindest temporäre, starke Gegenbewegung anschloss.

K+S Wochenchart 29.07.13

Ob diese Wende also dauerhaft ist, oder nur eine temporäre Gegenbewegung im übergeordneten Abwärtstrend, wird sich daher erst ab ca. 30€ entscheiden. In Anbetracht des stabilen Geschäftsmodells und der langfristig weiter ausgezeichneten Aussichten im Bereich Dünger - verbunden mit etwas Übernahmephantasie als "Würzbeimischung" - könnte aber eine erste Position in K+S, auf dem aktuellen Niveau keine schlechte Idee sein.

Der Stop für diesen Trade liegt nun unter dem Doppelboden etwas unter 25€. Sollte dieser Doppelboden nun doch unterschritten werden, ist bei der Aktie etwas grundlegend nicht in Ordnung und ich würde dann konsequent auf die Seitenlinie treten. Das wahrscheinlichere Szenario ist nun aber die Bewegung hoch zur 30€ Marke.

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ThyssenKrupp und das Problem Berthold Beitz

Heute möchte ich - in Form eines sehr persönlichen Kommentars - meine subjektive Wertung der aktuellen Ereignisse bei ThyssenKrupp mit Ihnen teilen.

Dabei geht es mir nicht um das Nacherzählen der Ereignisse, das machen andere zu Genüge. In diesem Fall ist die entscheidene Quelle das Wall Street Journal, dessen Artikel Ihnen einen Überblick verschafft. Ich will hier statt dessen versuchen, zum Thema einen Gedankengang anzustossen, der nicht überall zu finden ist.

Kurzfristig ist die aktuelle Entwicklung für die Aktie von ThyssenKrupp ohne Frage negativ und die Reaktion des Marktes angemessen, denn bei ThyssenKrupp stellt sich in Anbetracht der Verluste und der immer mehr schwindenden Liquidität langsam die Existenzfrage. Möglicherweise zu Recht sagen schon heute viele Stimmen, dass ThyssenKrupp so oder so nicht um eine Kapitalerhöhung herum kommt.

Und da liegt auch der Punkt, warum ich die aktuelle Entwicklung ausdrücklich begrüsse. Mein Blick ist dabei nicht der Blick eines Aktionärs, als Anleger gehört ThyssenKrupp - wie Sie als treue Leser wissen - schon lange zu meinen "Igitt-Aktien". Lesen Sie bei Interesse noch einmal meinen nun 1,5 Jahre alten Artikel -> Vom Donnerhall zum Anlagenbauer <-, der auch heute noch Aktualität hat.

Nein, mein Blick ist der eines deutschen Bürgers und Unternehmers mit Augenmerk auf die langfristige Wirtschaftskraft Deutschlands, der sich wünscht, dass der Traditionskonzern ("Kruppstahl!") Deutschland erhalten bleibt und einen Weg in eine profitable Zukunft findet. Denn eine Industrienation wie Deutschland braucht einen Stahlriesen, es ist ein Irrweg sich in den Grundlagen der industriellen Produktion völlig von China und Co. abhängig zu machen.

Sie wissen aus meinen Artikeln zu ThyssenKrupp auch, dass ich den jetzigen Notverkauf der beiden Stahlwerke langfristig für eine groteske Fehlentscheidung halte. Bitte führen Sie sich vor Augen, dass diese Stahlwerke auf dem Höhepunkt des Booms blauäugig geplant wurden und nun auf dem Tiefpunkt des Stahlzyklus weit unter Baukosten raus geschleudert werden. Schlechteres Timing haben selbst die Privatanleger nicht geschafft, die im Jahr 2000 für über 100€ die Telekom kauften, um sie dann 10 Jahre später für unter 10€ zu verscherbeln. Der Unterschied ist nur: die dafür Verantwortlichen bei ThyssenKrupp wurden mit Millionen entlohnt, erhalten dicke Pensionen oder gerieren sich auf der Villa Hügel als grosse Förderer. Die Privatanleger der Telekom haben einfach Geld verloren und das völlig zu Recht.

Mit diesen Worten nehme ich bewusst ins Visier, denn hinter dem "Größenwahn" bei ThyssenKrupp (um seine Worte im verlinkten Spiegel Artikel zu benutzen), steht mit Berthold Beitz das Machtzentrum in Form der Krupp Stiftung, das diese "dem Größenwahn" verfallenen Top-Manager wie Cromme geholt und protegiert hat. Und diese regelmässig zum "Rapport" in die Villa Hügel bestellt hat.

Natürlich hat ein Berthold Beitz diese Entscheidungen nicht im Detail getroffen und überwacht. Das wäre für einen über 90-jährigen auch zu viel verlangt. Aber die Kultur bei ThyssenKrupp, die sich in vielen Details wie oder offenbart, hat natürlich jede Menge mit dem Stil zu tun, in dem die Top Manager des Konzerns agierten. Und dieser "Comment" hat eben jede Menge mit der Krupp Stiftung und Berthold Beitz zu tun.

Und ja ich weiss, Berthold Beitz ist eine Person der Wirtschafts- und auch Sport-Geschichte und hat auch über ThyssenKrupp hinaus eine Lebensleistung erbracht, die ich ausdrücklich mit Respekt betrachte. Wobei mir ehrlich gesagt die "Verdienste" von Menschen immer noch wichtiger sind, die mit eigenen Händen etwas schaffen, als die "Verdienste" von Menschen die das Geld ausgeben, das ihnen anderen überantwortet haben. Vielleicht liegt diese Haltung daran, dass ich mich selber aus eigener Kraft hoch gearbeitet habe und mir nichts, aber auch gar nichts, geschenkt wurde. Solche echten Verdienste hat Berthold Beitz übrigens auch, insbesondere aus der Zeit des zweiten Weltkrieges. Und ich erwähne das hier nur, um meinen ausdrücklichen Respekt vor seiner Lebensleistung abseits von ThyssenKrupp auszudrücken.

Aber allgemeiner Respekt ist kein Grund für falsch verstandene Rücksichtsnahme, wenn es um das Schicksal eines ganzen Konzerns geht. Denn um das was Berthold Beitz war, geht es bei ThyssenKrupp nicht mehr. Es geht um die Zukunft eines der bekanntesten Industriekonzerne Deutschlands. Eines Konzerns, der ehedem einen Ruf wie Donnerhall hatte. Und der Respekt vor dieser Zukunft und dem Schicksal zehntausender Arbeitnehmer gebietet es, falsche Rücksichten fallen zu lassen und den Ursachen des Desasters bei ThyssenKrupp ins Auge zu sehen.

Um es deutlich zu sagen, der Versuch diese Stahlwerke nun um jeden Preis zu verscherbeln, ist in meinen Augen erneut ein Desaster. Ein Desaster das in meinen Augen nicht nötig wäre, wenn da die Krupp Stiftung nicht wäre. Denn die will nach dem was man liest unbedingt ihre Sperrminorität behalten, die ihr die Kontrolle des Konzerns erlaubt. Eigentlich gibt es für den ThyssenKrupp Konzern nämlich eine saubere Lösung und die lautet im Stile Guderians "Klotzen nicht Kleckern". Der Konzern braucht eine grosse Kapitalerhöhung und damit Infusion von Kapital. Dann könnte man nämlich die Stahlwerke in Amerika durchaus noch zum Erfolg führen.

Machen Sie sich bitte klar, dass wir es hier mit einem neuen Stahlwerk in der aufstrebenden Grossmacht Brasilien zu tun haben, dessen Stahl dann in den USA weiter verarbeitet werden sollte und dort zum Beispiel an die US Autoindustrie verkauft werden sollte. Nun befindet sich Brasilien dummerweise gerade in einer Krise, aus der Brasilien alleine durch seine Demographie aber bestimmt heraus findet und immer noch einen gigantischen Investitions- und damit Stahlbedarf hat. Und die US Autoindustrie befand sich dummerweise in den letzten Jahren auch in der Krise, gerät nun aber potentiell im Fahrtwind von Elon Musks Tesla in eine neue Phase des Aufschwungs. Sind diese Investionen in die Stahlwerke wirklich so grundlegend falsch, oder haben sie - und das ist meine Überzeugung - einfach nur ein grottenschlechtes Timing ?

Langfristig gesehen sind die Stahlwerke nämlich nach meiner Erwartung gar keine schlechte Idee und haben im nächsten Boom die Chancen grosse Gewinne abzuwerfen. Die Stahlindustrie war schon immer extrem zyklisch. Aber dafür braucht es die grosse Kapitalerhöhung. Und diese Kapitalerhöhung könnte die Krupp Stiftung nicht mitgehen und würde dadurch ihren Griff um das Unternehmen verlieren. Und deswegen muss sich Konzernchef Hiesinger nun wohl mühen, diese Investionen um nahezu jeden Preis los zu werden, auch wenn das Milliarden an Abschreibungen auslöst.

Am Ende ist also nach meiner persönlichen Wertung der Situation der Machtanspruch von Berthold Beitz eine der entscheidenden Ursachen, warum der ThyssenKrupp Konzern nun so unterkapitalisiert ist. Die Entwicklung des Konzerns seit 1967, als Beitz die Stiftung und damit die Kontrolle übernahm bis heute, ist einfach nur traurig. Es gehört nach meinem Empfinden schon viel Selbstverleugnung dazu zu behaupten, dass das gar nichts mit dem Mann zu tun hätte, der die Fäden seit fast einem halben Jahrhundert autokratisch in der Hand hält.

Ach ja. Und wenn Sie meinen, dass nur ich das obige so sehe, dann lesen Sie mal, was der Neffe von Alfried Krupp, Friedrich von Bohlen und Halbach, dazu gesagt hat. Ich kann Ihnen nur empfehlen, das Interview genau zu lesen. Der Mann ist übrigens ein aktiver Biotech Unternehmer und kann insofern sehr wohl mitreden, was gute Unternehmensführung angeht.

Ein Scheitern des Verkaufs der Stahlwerke wäre also nach meiner Meinung in zweifacher Hinsicht gut. Erstens weil es diese prinzipiell sinnvollen Investitionen nicht für einen "Apfel und eine Ei" an die Konkurrenz verscherbelt. Und so Deutschland einen langfristig wichtigen Stahlkonzern erhält. Und zweitens weil es die "grosse Kapitalerhöhung" erzwingt, die endlich die Sperrposition der Krupp Stiftung zertrümmert und damit endlich auch das Ende der autokratischen Führung durch Berthold Beitz einleitet.

Für die Mitarbeiter von ThyssenKrupp und für den Industriestandort Deutschland wäre das in meinen Augen eine sehr gute Nachricht. Denn Stahl wird auch in 10 und in 20 Jahren noch essentielle Bedeutung für eine Industrienation haben. Stahl ist keineswegs ein Auslaufmodell und man darf das Missmanagement einzelner Herren nicht zum Massstab für Industriepolitik machen. Bluten würden in dem Szenario nur die jetzigen Aktionäre, angefangen mit der Krupp Stiftung.

Ihr Hari

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