JPYUSD – Der Yen Carry Trade gibt den Weg vor

Der folgende kurze Hinweis erschien Mittwoch 12.11.14 09:40 in Hari Live

Treue Leser wissen von meinen diversen Beiträgen, welche zentrale Bedeutung der Carry Trade im japanischen Yen für die weltweiten Aktienmärkte hat. Denn dort wird die additive Liquidität geboren, die dann in die diversen "Risk On" Assets fliesst.

Diesen Mechanismus kann ich Ihnen nun besonders eindrucksvoll zeigen. Gleichzeitig wirft das Chart des Yen in USD aber Fragen auf, ob wir vor einer erneuten Korrekturphase an den Märkten stehen:

JPYUSD 12.11.14

Sie sehen im Chart, wie der Yen durch die Geldflutungspolitik der japanischen Notenbank nach unten geprügelt wurde. Sie sehen aber auch, wie die massive Oktober-Korrektur der Aktienmärkte punktgenau mit einer Phase des starken Yens zusammen fiel. Das ist definitiv *kein* Zufall!

Sie sehen auch, wie der 15.10. nicht nur den Wendepunkt bei JPYUSD, sondern auch in den breiten Aktienmärkten bedeutete.

Und Sie sehen, wie der folgende unwirkliche Anstieg an den Aktienmärkten, eins zu eins mit einem brutalen Abverkauf im Yen korrelierte. Auch das ist kein Zufall, sondern Ergebnis des Carry Trades.

Nun scheint dieser Abwärtsschub aber erst einmal vorbei zu sein und in Japan stehen Neuwahlen an, die zumindest bis zur Wahl, im Markt ein paar Fragezeichen aufwerfen könnten.

Im JPYUSD gibt es zwar noch keine belastbare Wendeformation und in sofern ist es noch zu früh, eine Wende auszurufen. Aber zumindest hat das aktuelle Geschehen grosse Ähnlichkeit mit dem Auslaufen des Abwärtsmomentums im September.

Sicher kann es von hier weiter runter gehen, noch ist JPYUSD ein fallendes Messer. Die Chancen für eine temporäre Wende sind aber da und was das für die Märkte bedeutet, können wir im Oktober bewundern.

Wir tun also gut daran, JPYUSD genau im Auge zu behalten. Wenn sich hier eine Wendeformation formt, ist das ein klares Signal für die Aktienmärkte Risiko heraus zu nehmen und sich auf unruhiges Fahrwasser einzurichten.

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S&P500 und DAX – Ein Markt zum Misstrauen …. und zum Mitgehen.

Die folgende Marktlage habe ich in Hari Live gestern Montag 10.11.14 08:30 in leicht anderer Zusammenstellung veröffentlicht.
Diese ist aber auch heute immer noch unverändert gültig.

Guten Morgen!

Der Markt hat ja letzte Woche im wesentlichen mitgespielt und sich wie von mir erwartet verhalten: eine leichte Konsolidierung am Wochenanfang, die im S&P500 bis 2000 führte, wurde von einem erneuten bullischen Schub abgelöst.

Allerdings haben wir im Verlauf der Woche und vor allem gegen Ende, doch ein Menge wilder Swings gesehen, die Fragezeichen aufwerfen. Und das nicht nur bei einzelnen Aktien, sondern zum Beispiel auch gewaltige "Selling on Strength" Prints im Moneyflow, wie ich sie noch nie gesehen habe.

Vor uns liegt nun eine von äusseren Einflüssen her eher ruhige Woche. Die Quartalssaison nähert sich dem Ende, Notenbank-Events stehen nicht an und auch die Wirtschaftsdaten sind eher spärlich. Und am Dienstag ist in den US auch noch der Feiertag "Veterans Day", an dem zwar die Aktienmärkte geöffnet sind, aber die Anleihenmärkte geschlossen und deswegen das Volumen eher gering.

In der kommenden Woche kann der Markt sich also mal mit sich selbst beschäftigen, was aber keineswegs bedeutet, dass es von den Bewegungen her eine ruhige Woche wird. Denn die Spannung im Markt ist immens.

Ich denke wir alle fühlen diese Spannung. Der Schub heraus aus den Tiefs war in Geschwindigkeit und Momentum geradezu unglaublich und stärker als alles, was wir in den vergangenen Jahren gesehen haben. Unzählige Marktteilnehmer wurden dabei zurück gelassen, weil auf so etwas kann man einfach nicht wetten. Diese Marktteilnehmer haben nun aber Druck, bei jeder Gelegenheit wieder einzusteigen.

Gleichzeitig fühlt sich die Bewegung im S&P500 "falsch" und "unwirklich" an, sie passt einfach nicht zu menschlichem Verhalten und ich bin auch sicher, dass hier die immer grössere Dominanz der trendfolgenden Algos ihre Spuren hinterlässt.

Diese Dynamik wirkt aber in beide Richtung und auch nach unten, wir tun also gut daran, uns in den kommenden Jahren auf immer brutalere Swings einzustellen, wie sie von Menschen nie generiert würden, weil diese weit früher auf die Seite treten würden und eine Bewegung nicht bis zum letzten Tropfen ausquetschen.

Vor diesem Hintergrund machen die gewaltigen SOS Prints natürlich ein ganz mieses Gefühl im Nacken und auch die sonstige Markttechnik ist nach oben nun so überdehnt, dass man nach "normalen" Massstäben der vor ca. 5 Jahren vergangenen Börsenwelt, in keinem Fall mehr in diese Bewegung hinein kaufen dürfte.

Auch kompetente Marktbewertungen wie die von "The Fat Pitch", signalisieren viele gute Gründe, sich nervös am Hinterkopf zu kratzen.

Genau diese Skepsis ist aber die Wall of Worry, die den Markt nach oben treibt. Und wir tun daher gut daran, uns nur nach dem einzigen objektiven Faktor zu richten, der am Markt existiert. Und das ist die Price-Action, die übrigens auch für die Algos die wesentliche Grundlage darstellt.

Schauen wir auf die Price-Action im Tageschart des S&P500, wird dann die komplexe Lage eigentlich für uns wieder einfach. Das Retracement von Dienstag hat uns den Gefallen getan, die 2000er Marke wieder von oben zu testen. Solange diese Marke nicht mehr unterschritten wird, kann man dem Aufwärtstrend mittelfristig weiter folgen, der durchaus das Potential hat, nach oben alle zu überraschen.

S&P500 09.11.14

Sobald aber die 2000 nach unten durchschlagen werden, ist die Wahrscheinlichkeit erheblich herauf gesetzt, dass der Markt in einen "Gapfill-Modus" nach unten geht. Und da lauern jede Menge Gaps, die in dieser unwirklichen Bewegung seit dem 15.10. offen gelassen wurden.

Oberhalb 2000 dabei bleiben, unter 2000 grosse Vorsicht, so einfach sehe ich aktuell die Lage im S&P500.

Im grösseren Bild mit Wochenkerzen, sehen wir dann den Trendkanal und sehen auch, dass da nach oben durchaus noch Platz bis ca. 2100 ist, bevor dann eine Gegenbewegung eine ganz hohe Wahrscheinlichkeit bekommt. Und wir sehen, wie intakt der Trend ist:

S&P500 09.11.14 2

Insofern muss man den Einbruch vom 15.10. als "false Move" betrachten und die Regel "from false moves come fast moves", hat sich mal wieder eindrucksvoll bestätigt.

Im DAX dagegen ist die Lage komplexer als im S&P500. Ein Blick auf das Wochenchart zeigt schnell, dass selbst eine Bewegung bis 9600 immer noch zu einer grösseren Topbildung passen würde. Erst ein Erreichen des "grünen Sterns", was einem Übersteigen des Hochs vom 15.09.14 bei 9891 gleichzusetzen ist, würde dieses Risiko überzeugend vom Tisch nehmen:

DAX 09.11.14

Wir sehen in dem Chart auch, dass der Aufwärtstrendkanal im Gegensatz zum S&P500 ganz klar im August gebrochen wurde. Und im Gegensatz zum S&P500 gab es eben keinen Schub, der das schnell negierte.

In der kurzfristigeren Sicht erkennen wir, wie der Measured Move der iSKS (blaue Pfeile) nun auch im DAX unter 9400 erreicht wurde:

DAX 09.11.14 2

Wir erkennen auch, dass die Lage nun offen ist, wobei kurzfristig die bullischen Signale noch! überwiegen, denn die Trendlinie, die sich seit dem Tief vom 16.10.14 geformt hat, ist (noch) völlig intakt. Allerdings ist diese so steil, dass ein Bruch schon bald auf der Agenda stehen sollte und dann ein erstes Warnsignal generiert. Und das könnte nun sehr schnell gehen.

Nach oben wäre nun also ein erneuter, schneller Anstieg über 9400 (grüner Stern) klar trendbestätigend und würde Kursziele im Bereich 96xx eröffnen. Nach unten darf aber das Tief von Freitag bei 9239 nicht mehr unterschritten werden, das wäre dann einem Trendbruch gleichzusetzen.

Fazit:

Es gibt tausend gute Gründe, diesem Markt und dieser Bewegung zu misstrauen. Auch ich habe ein mieses Gefühl bei der ganzen Geschichte, gefühlt "passt das nicht", was der Markt da gerade macht. Alle diese Gründe sind aber nichts wert, solange die Price-Action keine bestätigenden Signale liefert.

Denn der Preis ist der ultimative Richter. Und dem folgen wir. Und mit einem Risikomanagement bei einer Bewegung im S&P500 unter 2000, sind wir so nahe an den aktuellen Kursen, dass man sich auch innerlich entspannen kann und dem Markt überlassen, wie er dieses verrückte Geschehen am Ende auflösen will.

Ihr Hari

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E-Commerce Förderung nach Art der EU-Bürokratie:
Mitglieder aus Papua-Neuguinea und Cayman Islands willkommen!
Aus Frankreich, Italien und Finnland dagegen nicht!

Es wäre ja schön, wenn das, was ich Ihnen nun schreiben muss, nur eine Satire wäre.
Oder alternativ ein böser Traum, aus dem man bald aufwacht, weil so verquer kann doch gar niemand denken.

Ist es aber leider nicht. Sondern das worüber ich nun schreiben muss, ist wohl ab 01.01.2015 Realität für alle, die im EU Raum digitale Dienste anbieten - wie eben auch ein Blog mit Mitgliedern wie sumerdigital.

Da werden sich noch einige im Internet umschauen und ich sage schon jetzt ein grosses Chaos bevor. Und dann wird vom Gesetzgeber in einem Jahr "nachgebessert".

Das von der Politik gerne verwendete Wort von der "Nachbesserung", ist sowieso Kandidat für das Unwort des Jahrzehntes, denn es ist für mich eher Ausdruck inkompetenten Handelns der Verantwortlichen. So wie manche Software-Unternehmen ihre Software beim Kunden "reifen" lassen, lässt der Gesetzgeber zu oft undurchdachte Gesetze beim Bürger und vor Gerichten "reifen". Und Bürger und Unternehmen müssen über Steuern diese Inkompetenz auch noch zwangsweise finanzieren.

Lesen Sie zunächst einmal in einem kurzen Überblick, worum es bei der neuen Umsatzsteuerregelung für digitale Produkte und Dienstleistungen geht.

Bisher war das alles einfach und logisch. Wenn man als Privatperson etwas kaufte, galt das Recht des Landes, in dem der Händler sass. Wenn ich mir also unbedingt etwas aus London schicken lassen wollte, war das britische Recht die Grundlage dafür. Und das galt für alle Waren, egal ob digital oder "physisch". So einfach, so logisch und so klar. Ab 2015 ist nun alles kompliziert und voller Ausnahmen.

Um es nicht abstrakt, sondern anhand dieses Blogs konkret zu beschreiben:

  • Wenn sich hier ein Mitglied mit Adresse aus Malta anmelden würde, müsste ich eine Rechnung nach maltesischen Rechnungsvorschriften mit maltesischer Umsatzsteuer erstellen und mich beim Finanzamt Maltas - wahrscheinlich in Landessprache - für die Umsatzsteuer registrieren.
  • Wenn sich hier ein Mitglied mit Adresse aus Rumänien anmelden würde, müsste ich eine Rechnung nach rumänischen Rechnungsvorschriften mit rumänischer Umsatzsteuer erstellen und mich beim Finanzamt Rumäniens - wahrscheinlich in Landessprache - für die Umsatzsteuer registrieren.
  • Wenn sich hier ....... ich denke Sie wissen, wie die Geschichte weitergeht.

Lustig oder? Nach meiner sehr persönlichen und pointierten Meinung ist das einfach: Schwachsinn!

Damit es keine Missverständnisse gibt, es geht hier um eine Sonderregelung für digitale (nicht physische) Güter. Wenn Sie sich aber physische Waren aus EU Ländern schicken lassen, bleibt alles wie gehabt (bis zu nächsten Gesetzesänderung ;)). Und die Regelung gilt auch nur für Endverbraucher, wer als Unternehmen digitale Güter in der EU bezieht, für den ändert sich auch nichts.

Oder mit anderen Worten: Wenn ich als Verleger einen Artikel per PDF verschicke, bekommt der eine diametral andere Umsatzsteuer-Behandlung, als wenn ich den gleichen Artikel ausdrucke und per Post versende! Und dann unterscheidet sich das noch einmal abhängig davon, ob der Kunde ein Unternehmen oder ein Endverbraucher ist. Und woran erkenne ich bei einer GBR eigentlich das Unternehmen gegenüber dem Endverbraucher? Wie sieht eigentlich eine spanische GBR aus? Schöne neue Welt!

Und damit das nicht wieder nur das beliebte EU-Bashing wird: unsere "kompetenten" Politiker im Parlament haben das schon längst abgenickt und es hat so auch in Deutschland und Österreich Gesetzeskraft erlangt.

Jetzt haben die verantwortlichen Bürokraten und Politiker ja irgendwann im Verlauf dieses Prozesses scheinbar eine Teilerleuchtung gehabt und erkannt, dass es wohl nicht funktionieren kann, dass jeder Einzelunternehmer ca. 20 EU Sprachen spricht und sich mit noch mehr länderspezifischen Eigenheiten im Umsatzsteuerrecht befasst. Diese Erkenntnis erfordert zwar nicht gerade den IQ eines Raketenwissenschaftlers, aber immerhin, wir wollen ja bescheiden sein.

Und so wurde die Idee des "One Stop Shops" bei den landeseigenen Finanzbehörden geboren. Wenn ich mich nun also bei der deutschen KEA (Erklärung siehe Link oben) registriere, kann ich die Umsatzsteuer weiter zentral abführen und muss mich nicht in allen Ländern registrieren und die Landessprache sprechen.

Auf den ersten Blick ja ein sinnvoller Gedanke und zu begrüssen. Nur ist der nach den mir bisher vorliegenden Informationen leider viel zu kurz gedacht. Denn:

  • Erstens ändert die zentrale Abführung nichts daran, dass ich rechtlich dann wohl dem "maltesischen" und "rumänischen" Umsatzsteuerrecht unterliege und daher auch den Strafmassnahmen ausgesetzt bin, die das lokale Recht vorgibt. Die zentrale Abwicklung entbindet mich natürlich nicht davon, mich nach "maltesischem" und "rumänischem" Recht zu verhalten, was immer das ist und was immer das bedeutet - mögliche Straftatbestände im Umsatzsteuerecht eingeschlossen.
  • Zur Rechnungsstellung zitiere ich aus dem Leitfaden der EU, den man unter obigem Link finden kann: "Für die Rechnungsstellung gelten die Vorschriften des Mitgliedstaats des Verbrauchs. Deshalb sollten sich die Steuerpflichtigen über die maßgeblichen Bestimmungen der Mitgliedstaaten informieren, in denen sie Dienstleistungen erbringen." Ah ja, ich informiere mich also über die Bestimmungen von über 20 EU Ländern und beachte diese bei der Rechnungsstellung. So viel zum "One Stop Shop".
  • Auf jeder Rechnung müsste ich nun die lokale Umsatzsteuer ausweisen und die unterscheidet sich eben. Heisst unterschiedliche Rechnungen und Beträge je nach Land.
  • Nach der Preisangabenverordnung müsste ich aber jedem EU Bürger seinen Bruttopreis zeigen, was bei identischen Nettopreisen die Programmierung eines dynamischen Systems erfordert, dass je nach Nationalität des Mitglieds die jeweils richtigen Brutto-Preise zeigt.
  • Oder alternativ kann ich den Umsatzsteuer-Irrsinn in der EU auf die eigenen Schulter nehmen, die Brutto-Preise für alle gleich lassen und dafür um so weniger Netto einnehmen, je höher der Umsatzsteuersatz des Landes ist.

Motivation dieses (für mich) gesetzgeberischen Schildbürgerstreiches war möglicherweise, den Effekt einzudämmen, dass sich grosse E-Commerce Anbieter natürlich bisher als Sitz das Land ausgesucht haben, das den geringsten Umsatzsteuersatz hatte. So blieb bei identischen Bruttopreisen, Netto der grösste Gewinn bei den Konzernen hängen. Warum wohl verschickt Amazon offiziell aus Luxembourg?

Das Problem ist ja auch real vorhanden und sollte gelöst werden. Bis zu diesem Punkt, habe ich volle Zustimmung.

Auf den einzig logischen Gedanken, um das Problem an der Wurzel zu packen - nämlich die völlig sinnfreien unterschiedlichen Umsatzsteuersätze in der EU zu vereinheitlichen - ist der politisch-bürokratische Komplex aber scheinbar nicht gekommen. Beziehungsweise er hatte scheinbar keine Bereitschaft, sich hier ausreichend zu bewegen. Ist ja auch kein Problem, wenn man die Komplexität auf den Rücken der vielen kleinen Unternehmen abwälzen kann. Das ist mal E-Commerce Förderung nach Politiker-Art. Wer hier Sarkasmus findet, kann ihn behalten.

Das Absurde dabei ist, dass man damit nach meiner Vermutung ein ganz neues Problem geschaffen hat. Denn was bisher Sport der Grossunternehmen war, könnte nun vielleicht Sport der Bürger werden - Stichwort: "Wahl des Standortes zur legalen Umsatzsteuerverkürzung".

Denn im E-Commerce digitaler Güter hat die reale Adresse nur die Bedeutung, dass diese auf der Rechnung steht. Alles andere läuft elektronisch, denn physikalisch geliefert wird ja nichts. Und auch die Rechnung wird elektronisch verschickt.

Wer also nun im Land mit einer hohen Umsatzsteuerbelastung wohnt, wird sich nach meiner Vermutung erstens einen Shop suchen, in dem die Brutto-Preise länderspezifisch angepasst werden und sich zweitens dort mit einer Adresse aus einem EU Land mit geringerer Umsatzsteuer anmelden. Voila - mehrere Prozent beim Einkauf digitaler Güter gespart. So hat eine Adresse in Luxembourg nun auch für Otto-Normalverbraucher plötzlich Mehrwert, ich bezweifele, ob die Bürokraten so weit gedacht haben. Aber kein Problem, dann wird "nachgebessert", siehe oben.

Jetzt kann ich nicht sagen, ab wann die Verwendung abweichender Adressen bei der Bestellung rechtlich ein Problem für die Verbraucher darstellt und illegal wird. Wahrscheinlich ist auch das sehr länderspezifisch und jedes Rechtssystem wird das vermutlich leicht anders sehen. Wer aber eine reale vorhandene Adresse wie zum Beispiel eine Zweitwohnung oder die Wohnung der Eltern angibt, in der er sich auch immer wieder real aufhält, sollte nach meinem bescheidenen Rechtsverständnis (ohne Gewähr, ich bin kein Jurist!) zumindest in Deutschland kein Problem haben. Zumindest in Deutschland ist mir persönlich bisher kein Gesetz bekannt, das mir als Privatperson verbieten würde, eine Lieferadresse abseits meiner Hauptwohnung anzugeben. Viele lassen sich ja auch an ihren Arbeitsplatz liefern, eine völlig gängige Praxis von Endverbrauchern.

Abgesehen davon, haben doch Unternehmen sowieso keine Chance, die Richtigkeit von Adressen zu überprüfen, solange die Adresse irgendwo real existiert und nicht gerade den Planeten Mars als Lieferort ausweist. Und kleine Unternehmen haben diese Chance schon gar nicht. Was der Kunde schreibt gilt, so einfach ist das in der Realität. Und wenn einer deklariert, er wohne in Papua Neuguinea, dann muss ich das glauben, eine andere Chance habe ich doch gar nicht.

In Summe wurde nach meinem Eindruck hier "von hinten durch die Brust ins Auge" geschossen und eine etablierte und gut funktionierende Regelung ohne echten Anlass in endlose Ausnahmen überführt. Was der volkswirtschaftliche Sinn davon sein soll, ein gedrucktes Buch umsatzsteuerlich völlig anders zu behandeln, als wenn man das Buch per Kindle herunter lädt, können wohl nur Menschen mit ganz besonderen Gehirnwindungen verstehen. Ich gehöre scheinbar nicht zu dieser Spezies.

Es gäbe in meinen Augen nur eine einzige wirkliche Lösung, um das berechtigte Problem der umsatzsteuerlichen Optimierung von Konzernen ala Amazon zu lösen. Eine Lösung, die ebenso logisch wie einfach ist und funktionieren würde, ohne den Bürgern oder Unternehmen zusätzliche Lasten aufzuerlegen.

Und das wäre ein einheitlicher Umsatzsteuersatz in der EU! Denn genau da liegt das Problem und nirgend wo anders. Aber das wäre ja zu einfach und dann müsste der politisch-bürokratische Komplex sich ja mal produktiv in Bewegung setzen. Solange der Komplex aber seine Gehälter und Pensionen sowieso vom Steuerzahler erhält, egal wie unproduktiv die eigene Leistung ist, wird sich daran wohl nichts ändern.

So habe ich - wie viele andere die im Internet digitale Inhalte anbieten - nun ein Problem ab 01.01.2015.

Und ich werde das voraussichtlich auf radikale Art und Weise mit Verweigerung lösen, in dem ich Mitglieder mit Adressen aus EU Ländern (mit Ausnahme von Österreich, dazu später mehr) nicht mehr akzeptiere. Glücklicherweise haben wir ja noch Vertragsfreiheit und ich kann mir noch aussuchen, mit wem ich einen Vertrag schliessen will und wohin ich "liefern" will - und wohin nicht.

Ich bedauere sehr, das tun zu müssen, bitte aber um Verständnis, dass ich einfach keine Wahl habe. Ich habe weder die sprachlichen Fähigkeiten, noch die rechtliche Kompetenz, mich mit dem Umsatzsteuerrecht in Griechenland, Irland, Zypern, Estland, Slowenien und so weiter auseinander zu setzen und mich dort rechtlich als umsatzsteuerpflichtiges Unternehmen zu exponieren. Das können bestenfalls Grosskonzerne mit riesigen Rechtsabteilungen und selbst die, werden ihre Probleme haben.

Solange auf der rechtlichen Seite keine Vertrauensschutzregelung existiert, sehe ich persönlich keinen Weg, der mich davon entbindet, mich den Gesetzen jedes einzelnen Mitgliedslandes stellen zu müssen. Die derzeitige Konzeption der "KEA" ist so eine Vertrauensschutzregelung auf jeden Fall nicht. So eine Vertrauensschutzregelung wird bestimmt unter dem Druck und der Wut "der Strasse" kommen, daran habe ich wenig Zweifel, denn anders geht es einfach nicht. Aber diese ist eben derzeit nicht da, auch da wird wohl mal wieder in 2015 und 2016 "nachgebessert".

Mitglieder aus Papua-Neuguinea und Cayman Islands sind mir also weiter herzlich willkommen! Aus Frankreich, Italien und Finnland dagegen ab 01.01.2015 nicht mehr!

Das ist eben E-Commerce Förderung in der EU nach Bürokraten-Art. Beschwerdeschreiben richten Sie bitte an Ihren Bundestagsabgeordneten, der das potentiell abgenickt hat, ohne sich damit auch nur 10 Minuten inhaltlich zu befasssen.

Ich bin übrigens sicher, dass die Verbraucher diesen Effekt in Zukunft bei vielen kleineren Shops für digitale Güter erleben werden. Man wird als "EU-Ausländer" nicht mehr so einfach kaufen können. Es wird zu einer Renationalisierung führen und dem Gedanken des freien Binnenmarktes komplett zuwider laufen. Aber wie gesagt: -> Nachbesserung. Die "Lösung" für alle, die nicht fähig sind, etwas gleich richtig zu machen.

Diese "Nachbesserung" wird kommen. Denn dieses Gesetz macht für mich in dieser Form hinten und vorne keinen Sinn.

Günther Oettinger, bitte übernehmen Sie!

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Orbital Sciences (881947, ORB) und das Einzelaktien-Risiko

Der folgende Artikel erschien schon Mittwoch 29.10.14 09:30 in Hari Live

Wir haben schon oft über das Einzelaktien-Risiko gesprochen, dem natürlich auch immer eine Einzelaktien-Chance gegenüber steht, die wir zuletzt immer wieder bei Biotech-Aktien beobachten konnten, wenn eine Nachricht den Kurs um 20% stiegen liess.

Nun ist im Bereich Raumfahrt bei Orbital Sciences das Gegenteil passiert, deren Antares Rakete .

Es ist übrigens in meinen Augen die grosse Plage der Raumfahrt und letztlich auch ein Hindernis bei der bemannten Raumfahrt, dass man immer noch auf diese "fliegenden Treibstoff-Bomben" beim Start angewiesen ist. Es ginge schon längst anders und konventionell viel sicherer - wie im Flugzeug sozusagen - nur sind diese Varianten zunächst viel teurer.

und Junkers bzw. später MBB hat an so einem Konzept schon in den 60er Jahren gearbeitet und es gibt gar keinen Zweifel, dass es technisch funktionieren könnte.

Nur ist eben bei so einem Konzept der technologische Initial-Aufwand viel höher und es ist viel einfacher und schneller, einen Metallmantel um eine Bombe zu legen und die Bombe unten anzuzünden und gezielt abfackeln zu lassen - auch Rakete genannt. 😉 Solange die kommerzielle Hauptlast primär unbemannte Satelliten sind, nimmt man diese wiederkehrenden und bei der Technik letztlich unvermeidbaren Unglücke in Kauf und ist trotzdem immer noch billiger unterwegs.

Erst ein Anstieg der bemannten Raumfahrt, durch Tourismus zum Beispiel, wird den Druck erhöhen, solche Konzepte wie von Sänger umzusetzen und dann werde diese auch gebaut werden. Und mit solchen Konzepten fliegt man, wenn ausgereift, letztlich genau so sicher bzw unsicher wie heute im Flugzeug auch.

Aber wie auch immer, mit dem gestrigen Event haben wir nun perfektes Anschauungsmaterial, wie der Markt mit so einem Einzelfall-Unglück umgeht. Bis zum Unglück hat sich Orbital Sciences hervorragend entwickelt.

Als ich die Aktie hier am 14.12.2012 unter dem Ti -> Orbital Sciences - Wie man im All Geld verdient <- ausführlich vorgestellt habe, stand sie bei 12,78 USD, gestern vor dem Crash bei 30,37 USD oder 137% höher - das darf man wohl eine erfolgreiche Entwicklung nennen. 😉

Nachbörslich ist ORB um ca. 15% gefallen und wird daher heute wahrscheinlich um die 25 USD eröffnen. Und warum das eine spannende Marke ist, zeigt uns das Wochenchart:

ORB 29.10.14

Wenn ORB von hier aus wieder steigen sollte und der Markt diesen - im wahrsten Sinne des Wortes "Einschlag" - ohne weitere Abgaben verdauen sollte, wäre das ein Zeichen grosser Stärke der Aktie, die ohne den Crash schon zum erneuten Schub nach oben ansetzte.

So verrückt sich das nach so einem Event anhört, wenn der Markt das nun mit nur 15% Minus verdauen sollte, wäre es eher ein Kaufsignal, denn bei einer Marktkapitalisierung von nur 1,8 Milliarden, können solche Katastrophen sich zu existenzgefährdenden Krisen auswachsen.

Insofern wird es höchst spannend zu beobachten, wie der Markt nun damit umgeht. Denn bei Aktien die einen "Lauf" und ein positives Marktsentiment haben, wird das Einzelaktien-Risiko oft überschätzt. Denn selbst wenn ein überraschender Einschlag kommt, tendiert ein starker Markt dazu, diesen zu verdauen und danach zur Tagesordnung überzugehen. Das starke, positive Sentiment solcher Aktien, hält also auch singuläre Einschläge aus.

Ganz anders herum ist es bei negativem Sentiment, wenn der Markt sowieso schon hellhörig ist und zweifelt. Wenn dann ein Einschlag kommt, ist die Reaktion des Marktes in der Regel verheerend.

Bei Aktien in positiven Trends aber, muss man gar nicht so furchtsam sein, weil der Markt mehr verdauen kann, als wir glauben. Es wird nun spannend sein zu beobachten, wie das bei ORB abläuft.

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Euro und Dollar EURUSD – Race to the Bottom

Der folgende Artikel erschien schon Freitag 24.10.14 12:00 in Hari Live

Ein Blick auf das EURUSD Währungspaar, das ja für uns massive Implikationen bei allen Asset-Klassen hat, offenbart im Tageschart eine Struktur, die für mich eher für eine bärische Konsolidierung im fortlaufenden Abwärtstrend spricht:

EURUSD t 14.10.14

Wenn das so passiert, wird von dem Moment an, wo EURUSD aus dem Dreieck heraus fällt, auch der Druck auf den Goldpreis wieder steigen, womit das hier zuletzt gezeigte Szenario eines Tauchers unter 1180 USD schnell auf den Radar kommt.

Damit eine echte Wendeformation entsteht und man einen weiter fallenden Euro erst einmal von der Agenda nehmen kann, müsste EURUSD nun schnell über 1,30 steigen. Das würde das Gesamtbild deutlich ändern, davon gehe ich aber eher nicht aus.

Wenn es aber weiter runter geht, könnte EURUSD erst oberhalb 1,20 dann wieder eine Unterstützung finden, deren Bedeutung im Wochenchart schnell deutlich wird:

EURUSD 24.10.14

Sollte diese aber auch nicht halten und aufgrund Disparitäten in der Notenbank-Politik (EZB expansiv, FED bremsend) auch die 1,20 fallen, eröffnet sich ein bedeutender, freier Raum, in dem EURUSD schnell auf Parität zum Dollar fallen könnte, wie man im Monatschart sieht, das bis in die 80er Jahre zurück geht:

EURUSD m 24.10.14

Ob das so kommt ist für mich allerdings zweifelhaft, da wir ja schon jetzt gesehen haben, dass die FED eine zu starke Aufwertung des Dollars nicht zulassen will, weil das Ihrer Strategie des Anschubs des Wachstum in den US zuwider läuft.

Der "Race to the Bottom" der weltweiten Währungen ist also im vollen Gange und das spricht dafür, dass EURUSD dann um 1,20 erst einmal einen längerfristig validen Boden finde.

Für die europäischen Aktien ist das insofern wichtig, als wir solange von einer fortdauernden Unterperformance der europäischen Aktienmärkte ausgehen müssen, wie sich keine Stabilisierung bei EURUSD abzeichnet. Denn solange gibt es keinen guten Grund für Asset-Manager an der Wallstreet, das Kapital in Assets zu schieben, bei denen eine Entwertung durch Währungsverfall zu erwarten ist.

Sobald diese Stabilisierung aber da ist, wird sich die Wahrnehmung des Marktes ins Gegenteil kehren und man wird den kurzfristig positiven Effekt auf die europäische Wirtschaft, durch erhöhte preisliche Wettbewerbsfähigkeit in den Fokus rücken. Insofern ist die Zeit für die europäischen Märkte vielleicht dann gekommen, wenn diese Stabilisierung eintritt.

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Trading – Von Abwehr auf Angriff umschalten

Der folgende Artikel erschien 21.10.14 18:20 in Hari Live und wird hier in gekürzter Form in den freien Bereich gestellt

Kennen Sie das auch? Wenn eine Mannschaft beim Fussball zu stark in die Defensive gerät und sich zurück drängen lässt und nur auf die Verteidigung konzentriert, dann sehen wir oft am Spielfeldrand den Trainer mit den Armen rudern und "Raus! Raus!" schreien.

Meistens hören die Spieler das aber gar nicht mehr, zu sehr ist ihre Psyche nun auf Abwehr gerichtet. Dass man auch Angriff spielen könnte, scheint in der Dynamik des Momentes vergessen. Und schnell zwischen Abwehr und Angriff hin und her zu schalten, ist eine der Übungen, die nur gute Mannschaften so richtig "drauf" haben.

Auch an der Börse ist das für uns eine der schwierigsten Aufgaben. Und ich bin ganz sicher, einigen von Ihnen ist das in den letzten Tagen so gegangen.

Da dürften auch einige dabei sein, die eher etwas zu spät unter dem Eindruck der doch immer weiter fallenden Kurse ausgestiegen sind und erst spät das getan haben, was ich schon viel weiter oben gepredigt habe: Risikomanagement.

Und die dann bei dem brutalen und auch für mich überraschenden Taucher des DAX unter 8500 am Donnerstag Vormittag, ermattet aber glücklich durchgeschnauft haben, weil sie endlich draussen waren. Jetzt hätte es für diese Anleger immer weiter runter gehen können, nur will uns der reflexive Mr. Market diesen Gefallen nie tun, denn der hört systemimmanent genau dann auf zu fallen, wenn die Letzten raus geschüttelt wurden. Und so wurde der unerwartete Taucher unter 8500 zur brutalen Bärenfalle. Eine ähnliche Falle wurde den Bären noch einmal heute im frühen Handel aufgestellt.

So kam der Rebound über 8500, der ein erstes Zeichen einer möglichen Wende war. Und im S&P500 Future deutete sich parallel der Doppelboden an, den ich noch am Donnerstag 16.10. Nachmittag mit den deutlichen Worten "Achtung!" in Hari Live thematisiert hatte und von dem wir so schön profitieren konnten.

Jetzt hätten viele also ab letzten Donnerstag schnell und flexibel von Abwehr auf Angriff umschalten müssen, oder zumindest sich langsam eine Angriffsstrategie zurecht legen, wenn sie nicht kurzfristig, sondern mittelfristig agieren. Nur vielen dürfte das emotional gegen den Strich gegangen sein, endlich ist man draussen und will nun auch mal seine Ruhe haben!

Und deshalb machen wir Menschen dann erst einmal gar nichts und bleiben in unserem dominanten Modell (hier Defensive), das ja zuletzt so hervorragend funktioniert hat. Und wenn die Kurse dann doch steigen, kommt auch die Reue dazu, nicht dabei zu sein. Und die nagt an uns und macht unzufrieden.

Man könnte also sagen, unsere Psychologie ist ein Tanker, der zu lange braucht um sich zu lösen und zu drehen. Wie leicht oder schwer es uns dabei fällt, von Abwehr auf Angriff umzuschalten, ist aber auch stark vom Typus abhängig. Gerade der Typus "Gründler", den ich hier schon einmal beschrieben habe - Menschen also, die Dingen gerne auf den "Grund" gehen und typischerweise sich auch gerne in Details vertiefen - tut sich schwer damit, schnell umzuschalten. Wer dagegen eher immer das "grosse Ganze" im Blick behält, alles mitbekommen will und Details daher vermeidet wo möglich, hat es da psychologisch einfacher in einem volatilen Markt.

Und deshalb ist es so eminent wichtig, dass wir uns mit unserer Strategie, wie zum Beispiel mit dem Pattern Trading, das ich Ihnen zuletzt am S&P500 so erfolgreich gezeigt habe, einen objektiven Rahmen geben, dem wir dann auch folgen. Denn der Rahmen - wie bei mir die Muster (Pattern) - sagt einem dann schon, wann es Zeit wird von Abwehr auf Angriff umzuschalten. Dass das funktioniert, haben wir gerade wieder gesehen.

In jedem Fall aber müssen wir dieses Grübeln vermeiden, wie die Kurse morgen sein werden. Das macht uns nur fertig und wir bleiben dann in der Regel im alten Verhalten und warten ab und sind dadurch gerade nicht in der Lage umzuschalten.

Also: es gibt viele Wege von Abwehr auf Angriff umzuschalten. Der "normale" und für die meisten auf der mittelfristigen Zeitebene wohl auch Richtige, ist der gleiche Weg, mit dem wir aus dem Markt ausgestiegen sind: der inkrementelle Einstieg in Schritten anhand der Marken und Muster.

Aber es gibt eben auch Methoden, mit denen man aggressiv solche Rebounds spielen kann und frühzeitig dabei sein - mit höherem Risiko natürlich. Dafür aber ist für diese Methoden egal, ob es sich um einen nachhaltigen Rebound oder nur um einen mehrtägigen Bounce im bestehenden Abwärtstrend handelt - Hauptsache der Kurs steigt die nächsten 24 Stunden, dann ist man bei solch aggressiven Einstiegen in Wende-Momentum, schon auf der sicheren Seite.

Welchen Weg man aber auch für sich persönlich geht, entscheidend ist, dass man den Wechsel von Abwehr auf Angriff überhaupt vollzieht und nicht verschläft, weil man keine Lust hat, sich schon wieder auf eine neue Situation einzustellen.

Denn ohne Angriff, kann man kein Spiel gewinnen. Beim Fussball ist das so. Ohne Abwehr aber auch nicht. Das Umschalten zwischen beidem, ist das grosse Geheimnis des Erfolges - nicht nur beim Fussball!

Und mit aktivem Handeln am Markt, können auf die Dauer nur die Menschen erfolgreich sein, die es lieben und es spannend finden, sich auf neue Situationen einzustellen.

Wer diese Psychologie nicht in sich hat, sollte sich eine langfristig orientierte, eher passive Strategie zurecht legen, die idealerweise rein von Indikatoren getrieben wird. Und die damit für Ruhe und Beständigkeit sorgt.

Oder er kann zwar aktiv handeln, muss aber den Zeithorizont so wählen, dass er nur auf langfristigen Charts agiert und sich daher für die täglichen Schwankungen nicht interessiert. Das erfordert aber auch die geistige Disziplin, das tägliche Geschehen und die Nachrichten in den Medien ignorieren zu können.

Den eines ist der Markt garantiert nicht: ruhig und beständig. Ich *liebe* ihn dafür! 😀

Ihr Hari

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Gold mit Lebenszeichen – das grosse Bild der Lage

Ganz ausnahmsweise und nur weil heute Dienstag ist 😉 , kommt heute auch mal ein topaktueller Artikel in den freien Bereich, wie ich ihn zur Marktlage seit Wochen mehrmals am Tag schreibe und wir so der massiven Korrektur frühzeitig aus dem Weg gegangen sind.
Hier ist, was mir heute zu Gold einfällt. Erschienen ist der Artikel in Hari Live Heute 10:05 Uhr

Im Forum entstehen Fragen nach der Stärke von Gold. Und ja, ich sehe das auch und habe auch Witterung aufgenommen.

Nicht nur, dass der Goldpreis das Tief vom 03. Juni nach oben überschritten hat, er hat auch die 50-Tage-Linie genommen.

Und vor allem bemerkenswert ist, dass der Goldpreis nun wieder fallen sollte, wo die US Indizes scheinbar wieder zur Stärke finden. So war es in den letzten 2 Jahren, wenn die Indizes nach oben liefen, fiel Gold.

Genau das tut der Goldpreis nun aber nicht und das macht mich wirklich aufmerksam. Es ist denkbar, dass hier unter der Decke doch eine Wende läuft und die nun zunehmend interessanten COT Daten passen auch in das Bild und erlauben, den Gedanken an eine Wende zu denken.

Es ist darüber hinaus sehr ruhig um Gold geworden und auch das ist sehr positiv. Bedeutende Böden entstehen eigentlich immer, wenn es sehr ruhig wird und ein Asset still und leise hochschiebt.

Also: Aufmerksamkeit ist nun unbedingt notwendig für alle, die am Sektor interessiert sind.

ABER .....

Mein letzter Beitrag zu Gold datiert vom Dienstag 23.09.14 09:00 und in dem habe ich die nun ablaufende Stärke präzise antizipiert, wie überhaupt Gold in diesem Jahr zu "meinem Hündchen" geworden zu sein scheint und immer brav gemacht hat, was ich erwartet habe.

Ich habe hier noch einmal das Chart vom 23.09.:

XAUUSD 23.09.14

Und nun zeige ich Ihnen - etwas besser aufgelöst - die aktuelle Lage:

Gold 21.10.14 4

Sie sehen wie perfekt der Ablauf bisher entsprechend des Charts vom 23.09. war. Und Sie sehen auch, warum wir noch etwas warten sollten, bevor wir voreilig Schlüsse ziehen.

Wenn Gold es schaffen sollte, diese Trendlinie zu übersteigen und damit auch die alte wichtige Unterstützungs/Widerstandszone im Bereich 1270-1280 zu übersteigen, dann - aber erst dann - werde ich deutlich optimistischer und bin bereit den Gedanken der "grossen Wende" anzudenken.

Wer dagegen mittel- bis langfristig agiert, hat selbst da keinerlei Handlungsbedarf. Denn das grosse Bild spricht eine klare Sprache:

Gold 21.10.14 3

Erst wenn Gold das Hoch vom 10. Juli bei 1346 übersteigen kann, das dann eng mit der fallenden Trendlinie korrelieren würde, wäre auf mittelfristiger Ebene Relevantes passiert. (Blauer Kreis)

Und erst wenn Gold über 1400 steigt und das 38er Fibonacci Retracement hinter sich lässt, ist eine echte Wende auf mittel- und langfristiger Ebene mit guter Wahrscheinlichkeit im Gange. (Grüner Stern)

Seien wir nun also aufmerksam und offen für alle Möglichkeiten. Ziehen wir aber noch keine voreiligen Schlüsse. Der Preis ist der ultimative Richter, sonst nichts.

Ihr Hari

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Grundlagen des Shortens – Wat is en Dampfmaschin?

Im Premium Bereich habe ich auf Wunsch der Mitglieder eine Reihe zu den Grundlagen des Shortens (für Anfänger) begonnen.

Hier ist der erste Artikel vom Montag 13.10.14 13:00 Uhr, der erklärt, was es eigentlich mit der "Wertpapierleihe" auf sich hat und wie ein Leerverkauf funktioniert.

Die weiteren Artikel der Reihe, bis hin zu konkreten Instrumenten, bleiben dem Premium-Bereich vorbehalten.

Im Forum war Ende letzter Woche von unserern Mitgliedern der Wunsch vorhanden, ob ich nicht mal einen Grundsatzartikel zum Shorten schreiben könnte, um die Grundlagen zu erklären für die, die das noch nie gemacht haben.

Das will ich gerne tun. Beim Nachdenken darüber, wie ich das "didaktisch" am Besten anfasse, wurde mir schnell klar, dass das Thema zu umfangreich für einen einzigen Artikel ist.

Mit dem heutigen Tage beginne ich daher eine Serie "Shorten", in der ich in lockerer Folge die Grundlagen vermitteln will, je nachdem wann ich dazu Zeit und Lust finde.

Zu Beginn denke ich, ich muss erst einmal erklären, was ein Leerverkauf überhaupt ist und was es mit der Wertpapierleihe auf sich hat. Und warum man als normaler Anleger von all dem wenig merkt, wenn man zum Beispiel mit einem CFD einfach Short geht.

Denn wenn Otto Normalverbraucher oder die Politik - deren intellektuelles Niveau zu dem Thema auch nicht weiter als das von Joe SixPack ist - die Worte "Leerverkauf" hört, dann löst das ja sofort Schnappatmung aus und Bilder von Zigarren rauchenden Zockern wabern durch das Hirn. Zocker, die wie der Gottseibeiuns, nur Böses im Schilde führen und treue und ehrlich arbeitende Firmen "manipulieren" wollen. Ganz zu schweigen von den bösen Zockern, die ja an den Nahrungsmittelpreisen Schuld sein sollen - irgendwie halt, so richtig fassen kann Joe SixPack das zwar nicht, aber wird schon irgendwie die Richtigen treffen. 😉

Da wir uns mit so Plattheiten hier aber nicht zufrieden geben wollen, müssen wir mal die Grundsatzfrage stellen:
.
Äh .. Entschuldigung, ich meinte natürlich "Wat is en Leerverkauf", aber so oder so: "Da stelle mer uns janz dumm!" 😉

Wir begeben uns daher in einem Gedankenspiel zurück in das Jahr 1850, in das schöne Land Kalifornien, in dem gerade ein Goldrausch tobt. Sie haben einen Bekannten, der einen kleinen Claim ergattern konnte und tatsächlich ist es ihm gelungen so viel Gold heraus zu holen, dass er das nun in einen 10-Unzen Barren pressen konnte, den er nun wie seinen Augapfel hütet - "mein Schatzzzzzz" halt. 😉

Sie als kundiger und rationaler Beobachter, sind aber der festen Überzeugung, dass die aktuell aufgerufenen Goldpreise viel zu hoch sind und bald wieder zusammen klappen werden. Ihr Bekannter sieht das aber ganz anders herum, er ist euphorisiert und glaubt, dass der Goldpreis nur den Weg nach oben kennt, weswegen er seinen Barren auch nicht hergeben will.

Sie aber, würden so gerne aus Ihrem Wissen, dass Gold bald fallen wird, Kapital schlagen. Nur wie sollen Sie das tun? Es gibt kein Internet und noch nicht einmal Telefon. Mit wem sollen Sie denn handeln? Sie können auch zu keiner Bank gehen, die Ihnen einen "Short" auf Gold anbieten kann und als Gegenpartei dient. Das Einzige was Sie haben, ist so ein Goldhändler in der Kleinstadt, der jeden Tag am Nachmittag einen Kurs raushängt, der (hoffentlich) von einer Börse im fernen New York abgeleitet ist. Dieser Kurs ist Ihr einziger Massstab, nur wie wollen Sie damit von Ihrem Wissen um einen fallenden Goldpreis profitieren?

Da fällt Ihnen wieder Ihr Bekannter ein und Sie haben eine innovative Idee. Sie bieten Ihrem Bekannten an, seinen Goldbarren von ihm zu leihen und garantieren ihm, ihm den Goldbarren genau drei Monate später wieder zu geben. Sobald Sie den Barren geliehen haben, gehen Sie zum Händler und verscherbeln den Barren für Dollar. Da Sie ja davon ausgehen, dass der Barren drei Monate später weniger wert ist, rechnen Sie damit, dass Sie einen Barren zum Zurückliefern an Ihren Bekannten dann in 3 Monaten beim Händler billiger zurück kaufen können. Die Differenz ist Ihr Gewinn!

Theoretisch ist das eine superbe Idee. So könnten Sie von fallenden Kursen profitieren, weil Sie heute etwas verkaufen, das Sie sich geliehen haben, um es dann in der Zukunft billiger zurück zu kaufen.

Das Dumme ist nur, warum sollte Ihr Bekannter da mitmachen? Er hat den Barren doch heute schon und hat keinen Vorteil davon, Ihnen den zu leihen und damit sogar noch ein Risiko zu gehen, dass Sie ein Betrüger sein könnten und mit dem Barren einfach verschwinden. Und ohne einen realen Barren den Sie über den Tresen schieben, wird Ihnen der Goldhändler heute kein Geld auszahlen.

Um Ihrem Bekannten den Deal schmackhaft zu machen, müssen Sie ihm also etwas anbieten und das ist sinnvollerweise ein Zins oder eine Gebühr dafür, dass er Ihnen den Barren leiht. Sie bieten ihm also einige Prozent des Barrenwertes für die Leihdauer an, die sie ihm sofort zahlen werden. Diese "Leihgebühr" schmälert zwar am Ende Ihren Gewinn, aber immerhin, das überzeugt Ihren Bekannten.

Denn er hat jetzt (vermeintlich) auch nur Vorteile, er hat seinen geliebten Barren weiter und kann langfristig an dessen (vermeintlicher) Wertsteigerung partizipieren und bekommt dazwischen noch einige Prozent Leihgebühr für ein paar Monate.

Alle sind also happy und wer am Ende der drei Monate dann happy ist, werden wir sehen. 😉

Genau das ist ein Leerverkauf mit Wertpapierleihe! Und es ist die einzige Art und Weise, um bei Assets seriös von fallenden Kursen zu profitieren. Man muss halt eine Sache (hier Gold) verkaufen, um es später (hoffentlich billiger) zurück zu kaufen. Der Begriff "leer" bedeutet hier also nicht, dass Sie kein reales Gold real verkauft haben. Er bedeutet nur, dass Sie den Barren zu diesem Zweck nur geliehen haben und ihn später wieder zurück geben müssen. Es müsste hier also eigentlich "Leihverkauf" heissen. 😉

Dieser Leerverkauf ist in jeder Hinsicht völlig seriös und unproblematisch, weil hier wird ja ein echter Goldbarren ganz real (beim Händler) verkauft. Und die negativen "Zockergedanken" die so etwas bei Joe Sixpack auslöst, sind in dem Fall völlig deplaziert und nur der puren Ahnungslosigkeit geschuldet.

Wer so sauber leer verkauft, kann an Menge nie mehr verkaufen, als real am Markt vorhanden ist. Das genau ist ein (gedeckter) Leerverkauf und von den Grundprinzipien her die Grundlage jedes sauberen Short-Geschäftes. Natürlich gibt es von dem Prinzip unzählige Abarten, die leicht anders funktionieren. Ich versuche hier aber keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern Ihnen ein Gefühl für das dahinter stehende Grundprinzip zu vermitteln und dafür genügt dieses eine Beispiel.

Nun sind wir ja aber im Jahr 2014 und uns bieten Banken diverse derivative Konstruktionen an - zum Beispiel einen CFD - um "Short" zu gehen, ohne dass wir uns als Anleger um Wertpapierleihen Gedanken machen müssen. Über diese realen Produkte werde ich in einem weiteren Beitrag der Reihe "Shorten" irgendwann in der Zukunft schreiben.

Hier und Heute ist aber wichtig für Sie zu verstehen, dass wenn Ihnen ein seriöser Broker zum Beispiel via CFD anbietet nun bei einer DAX Aktie Short zu gehen, der Broker sich sofort wenn Sie die Position eingegangen sind, im Hintergrund per echtem Leerverkauf - wie oben - refinanziert.

Das bedeutet also, in Wirklichkeit machen Sie auch einen echten Leerverkauf mit Wertpapierleihe, wie oben im Jahr 1850 beschrieben. Sie merken nur nichts davon, weil Ihr Broker diese Kompexität für Sie verbirgt und dafür eine Gebühr kassiert.

Ein seriöser Broker wird daher auch nie gegen Sie wetten, denn wenn er sich sofort am Markt refinanziert, ist ihm der Ausgang Ihrer kleinen Wette egal, er verdient an der Marge und fertig.

Ausserdem wird der seriöse Broker Ihnen nur dann eine Short Position via CFD auf eine Aktie anbieten, wenn er sich auch wirklich refinanzieren kann - sprich eine Aktie zum Verkauf am Markt leihen kann. Wenn keine leihfähigen Aktien am Markt mehr zu bekommen sind, weil zum Beispiel schon massive Short-Positionen existieren, wird der seriöse Broker Ihre CFD Short Positon ablehnen. Denn würde er sie annehmen, ohne sich zu refinanzieren, würde er ja gegen Sie wetten und abgesehen davon, de facto eine *ungedeckte* Short-Position (naked short selling) ermöglichen.

Bei meiner primären Handelsbank, die ich zu den seriösen Brokern zähle, habe ich schon mehrfach erlebt, wie Short CFDs auf Einzelaktien gesperrt waren und es waren (wie einmal bei Tesla) fast immer Aktien, die schon kräftig am Markt geshortet wurden - sprich zu leihende Aktien waren nicht mehr vorhanden. Dieses Verhalten ist das Verhalten eines seriösen Brokers, auch wenn man sich in dem Moment vielleicht ärgert, weil der Short auf Tesla nicht mehr geht.

Gerade bei kleineren CFD Anbietern dürfte es nach meiner Vermutung aber auch Fälle geben, die sich nicht refinanzieren und als Gegenpartei damit gegen Sie wetten. Dass diese Broker dann natürlich ein Interesse daran haben, Kurse mal schief zu stellen, Orders liegen zu lassen oder Stops abzufischen, dürfte klar sein. Ein Broker der gegen Sie wettet, ist kein Broker, sondern eher ein Buchmacher in einem Wettbüro. Und schlimmer noch, dieser Buchmacher stellt dann auch noch Ihre Kurse. Lassen Sie die Finger davon!

Sie sehen an der Darstellung auch den Unterschied zwischen einem seriösen Leerverkauf und einem fragwürdigen ungedeckten (nackten) Leerverkauf. Letztere sind in meinen Augen ein unnötiger Auswuchs eines wild gewordenen Finanzsystems und dienen letztlich nur der Grossfinanz.

Gerade bei Gold an der Comex kann man das wunderbar beobachten. Hier können ungedeckten Wetten eingegangen werden und damit können die "grossen Jungs" den Preis eigentlich beliebig hin und her schicken, mit dem physikalischen Angebot und Nachfrage hat das nicht notwendigerweise viel zu tun. Um ins Jahr 1850 zurück zu gehen, müsste der Goldhändler Ihnen also Geld für den zu verkaufenden Goldbarren geben, nur auf ihre Versicherung hin, dass Sie "irgendwo" tatsächlich einen Barren besitzen. Dass das der Manipulation Tür und Tor öffnet, dürfte offensichtlich sein.

Gedeckte Leerverkäufe sind also seriös und haben für einen Markt eine hohe (positive) Bedeutung, weil sie helfen den Markt gesund zu halten und Übertreibungen zu reduzieren. Die "Shorties" die gegen überzogene Kurse wetten, sind keine finsteren Gestalten, sondern eher wie eine Gesundheitspolizei, die keine übertriebenen Bewertungen zulässt. Und in dem die Politik Leerverkäufe generell verbietet (warum eigentlich?) macht man einen Markt nicht stabiler, sondern instabiler.

Ganz anders sind ungedeckte Leerverkäufe zu werten, in denen eine Partei "aus dem Nichts" beschliesst, nun mal Mengen eines Assets zu verkaufen, die die Partei gar nicht besitzt. Damit können Marktpreise tatsächlich manipuliert werden, weil am Ende mehr verkauft werden kann, als physikalisch überhaupt existiert und das reale Angebot und der reale Bedarf seinen Einfluss auf die Preisfindung verliert. Ungedeckte Leerverkäufe sehe ich sehr kritisch und bin sicher, dass der Markt ein Besserer wäre, wenn diese Auswüchse unterbunden würden.

So weit der erste Teil zum Thema Shorten und die Erklärung, "wat en Dampfmaschin" ist. Ich hoffe es hat geholfen die Begrifflichkeiten besser zu verstehen.

Ihr Hari

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