Marktupdate DAX – 05.03.12 – Ein Test für die Bären

13.30 Uhr - DAX 6847

Ein ganz kurzes Update zur Marktlage. Zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit, hat der DAX - wie am 28.02. und 01.03. - die 6800 von oben getestet und ist wieder abgeprallt.

Allerdings ist die Gegenbewegung im Gegensatz zu den beiden Tagen vorher bisher eher kraftlos und lässt Raum für einen weiteren Absacker.

Ich halte das für die Bären nun für eine grosse Chance. Diesen Elfmeter sollten sie jetzt versenken, denn jetzt reicht ein kleiner Auslöser um die erste echte Korrektur nach unten in Bewegung zu setzen. Kursziel wäre für mich dann DAX 6650 als erste Auffangzone.

Nur wenn das jetzt endlich passiert, werde ich die Bären wieder ernst nehmen und ein defensivere Haltung einnehmen. Denn seit Anfang 2012 haben die Bären in solchen Momenten reihenweise versagt. Sollten die Bären auch dieses dritte Mal wegen Kraftlosigkeit an DAX 6800 scheitern, steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass wir in Kürze einen Ausschlag zur Gegenseite erleben und den ersten ernsthaften Test der 7000er Marke bekommen.

Insofern halte ich das was gerade passiert für kurzfristig richtungsweisend. Denn es wird uns zeigen, ob die Bären noch am Leben sind oder so schwach und schlapp bleiben wie schon das ganze Jahr 2012.

Wenn Sie mich fragen was ich erwarte, kann ich nur meine Aussage vom letzten Freitag widerholen: Alles ist möglich, aber solange die Bären nicht beweisen das sie ernst zu nehmen sind, haben die Bullen unser Vertrauen verdient.

Salzgitter – Aktie stürzt nach Prognose ab – Kaufgelegenheit ?

Heute lieferte der Stahlkonzern Salzgitter (WKN 620200) Zahlen für 2011. Salzgitter hat seinen Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorjahr vervierfacht, auch beim Umsatz die Erwartungen leicht übertroffen und prognostiziert auch für 2012 ein positives Ergebnis.

Eigentlich gute Zahlen, trotzdem stürzt der Kurs im frühen Handel massiv um fast 7% auf 42€ ab und mal wieder ist die Prognose schuld. Denn Mr. Market interessiert sich - wie wir alle wissen - nur für die Zukunft, die Vergangenheit ist ihm völlig egal.

Denn das Salzgitter Management hat die bekannten Risiko-Faktoren rund um die Euro-Krise zum Anlass genommen, um hinter die Geschäftsentwicklung 2012 ein Fragezeichen zu setzen. Wirklich überraschend ist das für mich aber nicht. Genau so wenig wie die Tatsache, dass die Stahlkonjunktur Anfang 2012 immer noch nicht so richtig ans Laufen gekommen ist, das ist ja auch bei den anderen Stahlunternehmen schon ausgiebig zu beobachten.

Ein gutes Stück der schwachen Stahlkonjunktur sollte aber der Tatsache geschuldet sein, dass die Kunden von Salzgitter & Co. in Anpassung an die unsichere weitere Entwicklung einfach ihre Lager abbauen. Wirtschaft ist halt zu 50% Psychologie und diese schlägt auch hier wieder zu. Abgebaute Lager stellen aber für die Stahlpreise einen erheblichen Treibsatz dar, sollte sich die Konjunktur in der Eurozone schneller erholen als befürchtet.

Nicht vergessen darf man auch, dass das Salzgitter Management seine Prognosen schon immer sehr konservativ formuliert hat. Auch einer der Gründe, warum der Titel von der Börse nicht übermässig geliebt wird, hier fehlt es einfach an Katalysatoren mit denen der Kurs psychologisch gepusht wird. Schauen Sie sich doch einfach das letzte Jahr an, in dem Salzgitter zeitweise bis 34€ fiel und das Management auch äussert vorsichtig agierte. Nun haben wir die realen Zahlen für 2011 vorliegen und diese rechtfertigen keinesfalls Kurse von unter 35€ in 2011, die weit unter Buchwert lagen. Also war Salzgitter in 2011 vom Markt offensichtlich deutlich unterbewertet und die Geschäftsentwicklung weit besser als der Markt es damals eingepreist hatte. Nun wiederholt sich dieses Spiel in 2012 vielleicht.

Betrachtet man die Frage ob die heutigen Kurse von 42€ eine Kaufgelegenheit sind, muss man die Aktie in meinen Augen aus zwei Blickwinkeln betrachten.

Kurzfristig ist der Titel vom Markt ungeliebt und daran wird sich auch nichts ändern, solange das Management so vorsichtig und zurückhaltend agiert. Ich vermute mit 42€ wird Salzgitter auch in 2012 deutlich unter Buchwert notieren, einem Buchwert zu dem auch so interessante Beteiligungen wie der Kupferproduzent Aurubis (WKN 676650) gehören. Aber all das interessiert einen Markt aber nicht, der primär nach Argumenten für steigende Kurse sucht und die will ihm das Salzgitter Management nicht liefern. Insofern gibt es derzeit absolut nichts am Horizont, was die Unterbewertung der Salzgitter schnell auflösen könnte und die Liebe des Marktes zur Aktie neu entfachen. Auch Kurse unter 40€ sind also kurzfristig nicht auszuschliessen.

Mittel- und Langfristig gibt es aber nach meiner Meinung nur wenige Titel auf dem deutschen Kurszettel, die so substanzstark, gut finanziert und konservativ geführt wie Salzgitter sind. Ich bin persönlich überzeugt, dass die Geldschwemme der Notenbanken letztlich auch die Stahlkonjunktur anheizt und Salzgitter dann ziemlich sicher deutlich über 50€ notiert, wahrscheinlich sogar weit höher. Gleichzeitig muss ich mir bei dem Titel nach unten keine grossen Gedanken machen, denn auch wenn der Kurs schnell mal wieder unter 40€ fallen kann, ändert das nichts an der Substanz des Unternehmens und würde von mir achselzuckend zur Kenntnis genommen, genau wie die 34€ letztes Jahr.

Fazit:

Für mich persönlich ist Salzgitter nach wie vor eine langfristig attraktive Aktie, bei der ein "Buy and Hold" Gedanke durchaus seine Berechtigung hat. Ganz im Gegensatz übrigens zu Thyssen-Krupp (WKN 750000), die wie hier -> hier <- analysiert vor grossen strukturellen Herausforderungen stehen.

Kurzfristig wage ich bei Salzgitter keine Prognose und halte auch tiefere Kurse unter 40€ für möglich. Wenn der Markt eine Aktie nicht liebt, kann das auch länger dauern als man denkt und als fundamental gerechtfertig ist. Und das Salzgitter Management war noch nie bereit, Mr. Market die Hoffnungs-Sätze für die Zukunft einfach so hinzuwerfen, mit denen andere Unternehmen so gerne ihren Kurs pushen. Aber schon die 42€ von heute reflektieren in meinen Augen nicht den wahren Wert des Unternehmens. Und ich persönlich halte die heutige Reaktion des Marktes bei Salzgitter für völlig übertrieben.

Hari´s Märkte am Abend – 02.03.12 – Wochenabschluss – Der Sprung in der Schallplatte

20 Uhr, Freitag Abend. Eine für die Märkte positive Woche neigt sich dem Ende zu, an deren Anfang wir um die 6750 im DAX kämpften und an deren Ende wir wieder über DAX 6900 stehen.

Vor genau einer Woche hatte ich -> hier <- ein paar Punkte zur Marktlage aufgelistet, die bis auf das nun abgelaufene Thema LTRO immer noch alle gültig sind. Insofern empfehle ich, sich diese Punkte im Zweifel noch einmal zu vergegenwärtigen.

Auch nächste Woche steht nichts auf der Agenda, was schon im Vorfeld als schwere Hürde für die Märkte sichtbar wäre. Donnerstag und Freitag nächste Woche könnten recht spannend und volatil werden, denn da stehen die üblichen Aufreger wie EZB Zinsentscheid oder US Arbeitsmarktdaten auf der Agenda.

Ach ja, und am kommenden Mittwoch den 07.03.12, stellt der 500 Milliarden Dollar Konzern Apple wohl sein iPad 3 vor - es wird spannend zu sehen, was der Apple Kurs danach macht. Und nächstes Wochenende am 11.03. beginnt in den US die Sommerzeit, während es bei uns erst 2 Wochen später los geht. Da müssen wir wohl wieder eine Zeit lang mit komischen US Börsenzeiten leben.

Wenn es diese Woche eine für mich bemerkenswerte Veränderung gab, dann die, das die gefühlte Nervosität im Markt wieder steigt - ich hatte das schon vor kurzem mit einem unruhigen Pferd verglichen, das an seiner Trense zerrt. Das ist aber ganz typisch für eine Phase, in der der Markt scheinbar seine Richtung verloren hat und nun nicht mehr weiss wohin er laufen soll. Denn nach oben verhindern eine Reihe von Widerständen oberhalb 7000 eine schnelle Bewegung und nach unten will der Markt einfach nicht hin, weil jeder Dip von der Seitenlinie gekauft wird.

Eine wichtige Lehre der Vergangenheit ist dabei, dass wenn sich nach so einer Phase eine neue Richtung etabliert, der Markt dann mit Gewalt losrennt, ganz wie das unruhige Pferd, dass in dem Moment wo es freigelassen wird mit hoher Geschwindigkeit davon galoppiert. Das ist aus der Psychologie heraus auch leicht zu erklären, denn Unklarheit macht primär abwartend und wenn der Markt dann in eine Richtung loslegt, versuchen alle noch aufzuspringen und heizen die Bewegung damit weiter an. Insofern folgt auf die aktuelle Phase der Unsicherheit und Orientierung möglicherweise bald eine dynamische Bewegung des Marktes in eine Richtung.

Um uns zu orientieren, schauen wir uns doch einfach mal den Chart des DAX aus einer Stundensicht an. Wir erkennen dann die alte Konsolidierungszone mit ihrer "Box", die wir nach oben verlassen haben, wie wir das hier ja auch erwartet hatten.

Nun haben wir aber unterschiedliche Signale im Chart ausgebildet, die aufgrund ihrer symetrischen Struktur sehr auffällig sind. Man könnte einen Doppelboden ausmachen, der so bei ca. 6740 ausgebildet wurde und der für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung spricht. Man könnte aber auch ein sich gerade ausbildendes Doppeltop ausmachen, dass eine Wende implizieren würde. Kein Wunder, dass der Markt gerade nervös wird und sich unsicher ist.

Man sollte deshalb nach meiner Erfahrung keinesfalls proaktiv - sozusagen "auf Verdacht" - alleine nach solchen Chartmustern handeln, schon gar nicht wenn diese widerstreitende Signale geben. Denn diese Chartmuster bestimmen in der Regel nicht, in welche Richtung der Markt ausschlägt. Es ist eher anders herum, irgend ein Ereignis wird dafür sorgen, dass der Markt in die eine oder andere Richtung losrennt. Damit wir das eine Muster bestätigt und das andere negiert. Und dann werden diese Chartmuster die trendverstärkende Begründung und für die Algos die handelbare Grundlage sein, warum man nun in der eingeschlagenen Richtung mit Macht auf die Tube drückt.

Schaut man sich das Marktsentiment an, hat ja Cognitrend das gut zusammen gefasst. Es gibt noch genug Marktteilnehmer an der Seitenlinie, die wahrscheinlich jede starke Bewegung nach unten zum Einstieg nutzen werden. Ein Zusammenbruch des Marktes steht also eher nicht auf der Agenda, ein Rücksetzer bis DAX 6650 oder sogar DAX 6400, der dann wieder aggressiv gekauft wird, aber möglicherweise schon.

Weitere Argumente für die Bullen sind der bestehende Trend des Marktes - denn Trends sind schwer zu brechen - und die Tatsache, dass die Bären seit Jahresanfang bisher nicht in der Lage waren auch nur ein einziges Mal schlechte Nachrichten für eine wirklich signifikante Korrektur zu nutzen, auch gestern wieder nicht. Erst wenn die Bären auch mal wieder ein Zeichen von Stärke zeigen, sollte man sie in meinen Augen wieder so richtig ernst nehmen.

Insofern bleibt es für nächste Woche dabei:
Man sollte nicht raten, sondern sich demütig von Mr. Market den Weg zeigen lassen. Solange aber kein Gegenbeweis geführt wurde, folgt man besser dem etablierten Trend und schenkt den Bullen daher im Moment etwas mehr Vertrauen als den Bären.

Sicherlich ist es langweilig, dass ich jede Woche zum Markt das Gleiche erzählen muss, als ob ich einen Sprung in der Schallplatte hätte. Aber sehen Sie es mal so herum: wenn ich dieses Jahr 52 Wochen lang immer wieder davon reden muss, dass die Bullen im Vorteil sind, dann war das im Nachhinein wahrscheinlich ein ganz hervorragendes Börsenjahr. Und ich glaube nicht, dass da hier jemand etwas dagegen hätte.

Eine vorsichtig positive Haltung zum Markt sollte aktuell schon alleine deshalb nicht schwer fallen, weil wir ja wie man oben im Chart sehen kann bei ca. DAX 6740 und ca. DAX 6640 hervorragend ausgebildete Stoplevel haben, mit denen man die theoretische Gefahr eines schlimmen Zusammenbruchs minimieren könnte. Und wer sich ganz eng absichern will und bereit ist das Risiko in Kauf zu nehmen ganz dumm ausgestoppt zu werden, könnte die Tiefs von gestern nutzen und einen Stop bei 6800 platzieren.

Schaut man auf einzelne Aktien, ergibt sich auch da aktuell ein gemischtes Bild. Es gibt einige Titel - die diese Bewegung in den letzten Wochen angeführt haben - die nun auf Niveaus notieren, wo es so nicht ewig nach oben weiter gehen kann. Und es gibt aber auch eine Reihe von Titeln, die gerade erst am Anfang einer Umkehrformation stehen und noch jede Menge Luft nach oben haben. Auch dieser Gegensatz ist ein Grund für die aktuelle Unentschiedenheit des Marktes, die Aktien sehen entweder billig oder schon wieder teuer aus, je nachdem wo man genau drauf schaut. Das sorgt für Verunsicherung.

Unabhängig von der generellen Bewegung der Indizes, halte ich es daher für gut möglich, dass wir bei einzelnen Titeln zunehmend massive Ausschläge sehen werden. Eine denkbare Strategie wäre daher, von den bisher extrem gut gelaufenen Titel nun in die umzuschichten, die noch jede Menge Raum für Erholung haben. Ich liste hier bewusst keine konkreten Aktien auf, weil wir viele davon in den letzten Wochen besprochen haben, Sie müssten einfach nur mal die letzten Beiträge durchschauen. Und darüber hinaus finden sich im grossen Aktienuniversum sicher auch noch eine Menge anderer Titel mit erheblichen Turnaround-Potential. Wenn Sie einen Titel mögen der hier noch nicht besprochen wurde, wäre es schön wenn Sie alle Leser daran teilhaben lassen.

Noch ein Hinweis in eigener Sache, Mr. Market ist ab heute auch über zu finden und zwar unter anderem in der Übersicht. Mein Dank gilt Markus Meister und seinem Team !

Soweit für heute, für nächste Woche habe ich mir auch wieder die eine oder andere Aktienanalyse von in Deutschland weniger bekannten "Trüffeln" vorgenommen. Nun freue ich mich auf den morgigen Samstag, denn mein kleiner Sohn wird 4 und es gibt kaum etwas Schöneres als Kinderaugen im Anblick von Geschenken 😉

Diese Freude kleiner Kinder ist so rein, ohne Zweifel und nur im "Hier und Jetzt" verhaftet, dass man als "alter Sack" manchmal bedauert, dass einem diese Unbekümmertheit irgendwann abhanden gekommen ist.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Hari´s Märkte am Abend – 01.03.12 – Kirch vs Deutsche Bank und die Organhaftung

22 Uhr - Handelsschluss

Da war er, der gestern antizipierte "First of Month Jumper", ich habe ihn heute genossen, bevor erneut ein dürftiger ISM Index und weitere Konjunkturdaten die Bewegung erst einmal temporär ausbremsten. Im späten Handel nahmen die Indizes dann aber wieder Fahrt nach oben auf, aus meinem Intraday Trade war ich da aber schon wieder draussen.

Gerade wegen der eigentlich enttäuschenden Daten kann ich hier nur wieder feststellen, wie gut der Markt diese verdaut hat. Ich weiss ich höre mich nun wie eine Platte mit Sprung an, weil ich immer das Gleiche sage. Aber in Anbetracht der Korrektur-Ankündigungen die seit Wochen permanent aus alle Medien quellen, ist das nach meiner Ansicht auch nötig um den Fokus auf das Wesentliche nicht zu verlieren. Es bleibt also dabei, die Bullen haben die Oberhand und den Bären gelingt es nicht, selbst solche Vorlagen zu verwandeln.

Insofern habe ich zum Markt als Ganzes nun nichts Neues zu sagen. Auch wenn sehr viel nun instinktiv für eine baldige Korrektur spricht, gibt es für mich bei objektiver Betrachtung bisher keine Signale, dass die Bullen den Markt nicht mehr im Griff hätten. Um das zu ändern müsste ich erst einmal einen Absturz sehen, der am Folgetag nicht erneut für Käufe genutzt wird, sondern für weitere Abgaben sorgt.

Es bleibt zwar ein komisches Gefühl, dass es nach diesem langen Anstieg bald mal wieder "scheppern" sollte, aber komische Gefühle sollte man besser nicht zur Grundlage von Anlageentscheidungen machen und da viele derzeit dieses komische Gefühl haben, bestätigt diese Skepsis im Markt eher die Stabilität der Anstiegsbewegung. Denn grosse Abstürze kommen, wenn alle nur nach oben schauen und alle investiert sind und davon sind wir nach meiner Wahrnehmnung noch deutlich entfernt. Das aktuelle Marktsentiment von Cognitrend bestätigt diese Sicht nachdrücklich, Sie können es oder über meine "Hilfreichen Links" nachlesen.

Denken Sie bei aller positiven Erwartung aber bitte daran, was ich letzten Freitag -> hier <- zur Marktlage sagte. Wir haben im Bereich oberhalb DAX 7000 eine derart grosse Menge an Widerständen, dass ich mit nicht vorstellen kann, dass wir da einfach so wie ein Messer durch Butter durchmarschieren.

Kommen wir heute also schnell zu einzelnen Titeln:

Zu Aixtron (WKN A0WMPJ) habe ich mich ja in einem eigenen Artikel -> hier <- schon geäussert und das wird auch die letzte Erwähnung der Aktie hier für einige Zeit sein.

Bei Veolia (WKN 501451) wurde gestern in einer dürren Nachricht nach dem Board-Meeting der CEO Antoine Frérot und seine Restrukturierungspolitik bestätigt. Der Markt begrüsste diese Nachricht und schickte Veolia gestern 2% nach oben, heute folgte dann eine gewaltige Rally mit zeitweise 14% Plus ! Ich bin gestern wie angekündigt - nach Bestätigung des Managements - bei Veolia wieder eingestiegen, habe aber erst 50% meiner Zielgrösse wieder erreicht. Denn mir war diese Nachricht gestern einfach noch zu dürr und warf weitere Fragen auf.

Denn ich gehe weiter davon aus, dass an den Fusionsgelüsten die dem EDF CEO und ex Veolia CEO Henri Proglio nachgesagt wurden, eine Menge dran war und ist. Und eine Neuauflage der Akquistions- und Verschuldungspolitik Proglios würde der Markt bei Veolia sicher nicht goutieren, was man auch daran sieht, wie begeistert der Markt heute reagiert, nachdem das Gespenst wieder weg zu sein scheint.

Denn die aktuellen Zahlen sind in meinen Augen keineswegs der Grund für den heutigen Anstieg, weil das alles im wesentlichen schon vorher bekannt war. Ursache ist eher die Erleichterung, dass der eingeschlagene Restrukturierungs-Weg fortgesetzt wird, verbunden mit der heute bekannt gewordenen Aussicht, dass ein Verkauf des Transportgeschäftes (Eisenbahn etc) frisches Geld in die Kasse spülen würde. Was wir heute im Titel sehen, werte ich also als eine Erleichterungsrally darüber, dass es mit dem Turnaround doch noch klappen könnte. Und der Umfang der Rally zeigt, welches Potential in Veolia steckt wenn der Turnaround gelingt.

Insofern habe ich durch meine noch nicht voll aufgebaute Position nun ein paar Tagesgewinne verpasst, aber es gibt schlimmere Probleme. Sollte die Strategie des Schuldenabbaus konsequent weiter geführt werden und die Gerüchte um einen Management-Wechsel wirklich endgültig vom Tisch sein, ist die Veolia-Turnaround-Story wieder völlig intakt und der Titel in meinen Augen mittel- und langfristig voller Chancen. Nach der heutigen gewaltigen Erleichterungs-Rally wäre ein Rücksetzer in den nächsten Tagen unter 10€ aber völlig normal. Wer nun an der Seitenlinie steht, bekommt also in den nächsten Tagen vielleicht noch eine Chance.

Sehr gut sieht weiterhin Continental (WKN 543900) aus. Hier habe ich meinen Einsatz in der gestrigen Schwäche erhöht und für mich stehen bei dieser Aktie aktuell alle Ampeln auf grün. Mittel- und langfristig finde ich grosse innovationsstarke Autozulieferer wie Continental, Johnson Controls (WKN 857069) oder die leider nicht börsennotierte Bosch sogar spannender und interessanter als die Autohersteller selber.

Denn die absehbaren Umbrüche beim Ersatz des Benzinmotors durch andere Antriebstechnologien, bergen für die etablierten Autokonzerne durchaus erhebliche Risiken und die Gefahr, dass neue Wettbewerber auftauchen. Alleine die Tatsache, dass die Autohersteller eine ihrer Kernkompetenzen in der sie über 100 Jahre Kompetenz aufgebaut haben - den Motorenbau - möglicherweise langfristig verlieren könnten, ist ein Risiko das man bei längerer Betrachtung der Entwicklung nicht unterschätzen sollte, auch wenn es für eine aktuelle Investition noch keine Relevanz hat. Denn wenn es den grossen Zulieferern gelingt, hier komplette Antriebskonzepte zu verkaufen, würde sich das Rollenbild von Koch und Kellner zwischen Autoherstellern und Zulieferern langfristig drehen.

Bei den grossen, technologisch führenden Zulieferern dagegen - zu denen die drei obigen Namen definitiv gehören - überwiegen daher für mich die Chancen des Paradigma-Wechsels, denn gerade diese Unternehmen werden in der Lage sein sich durch kritische Innovation völlig unabkömmlich zu machen. Alle drei Unternehmen investieren gerade auch massiv in den Bereich des Elektroantriebs bzw der Speichertechnologie. Und als I-Tüpfelchen kommt dazu, dass der Besitz einer innovativen Elektro-Speichertechnologie obigen Unternehmen auch jede Menge neue Kunden und Geschäftsfelder ausserhalb der Autoindustrie ermöglichen könnte.

Man darf aber nicht unbesehen jeden Autozulieferer positiv sehen, denn wer wie zb ZF Getriebe herstellt, dürfte in der Welt der Elektroautos seine Probleme bekommen, wo klassische Getriebe schlicht wegfallen. Mit Continental oder Johnson Controls befindet man sich aber in meinen Augen auf der richtigen Seite der Entwicklung.

Bei Itron (WKN 888379) sollte man nun genau hinschauen. Nach dem sensationellen 24% Anstieg vom 16.02.12 ist der Kurs nun um ca. die Hälfte des Anstieg wieder abgebröselt. Das ist nach solchen Bewegungen ganz typisch und keineswegs ein Zeichen von Schwäche. Ich kann mir gut vorstellen, dass spätestens auf dem Niveau des Hochs vom 09.02.12 - also bei ca. 43 USD - Schluss mit der Konsolidierung ist und sich der Blick wieder nach oben richtet. Heute hat Itron schon zum ersten Mal seit Tagen wieder deutlich im Plus geschlossen.

Bei Repsol (WKN 876845) ging es seit gestern trotz positivem Umfeld für Ölaktien deutlich abwärts, weil der Markt sich um eine Zwangsverstaatlichung der YPF Beteiligung in Argentinien sorgte. Allerdings konnte sich der Titel heute im weiteren Handel dann schon wieder deutlich erholen. Auch ich bin mit einer Position bei Repsol dabei. Man sieht daran wieder, wie wichtig politische Stabilität ist und warum ich Minenwerte nicht mag, die primär in den kritischen Ländern Südamerikas unterwegs sind. Während ich bei Repsol das Risiko bewusst eingegangen bin, weil selbst eine Verstaatlichung der YPF den Konzern zwar schütteln aber nicht aus der Bahn werfen würde, wären derartige Aktionen für einige kleinere Minen wohl der Exitus. Da der Markt bei solchen politischen Entwicklungen gerne zu kurzfristigen Übertreibungen neigt, ergibt sich für am Einstieg Interessierte möglicherweise in den nächsten Tagen einen attraktive Gelegenheit.

Gold und Silber haben sich nach dem gestrigen Absturz heute stabilisiert. Gold schloss deutlich über 1700 USD und Silber über 35 USD. Eine derartige Gegenbewegung ist aber normal nach so einem Absturz und sagt noch nicht viel aus. Ich denke Morgen am Freitag werden wir klüger sein. Denn dreht Gold Morgen wieder unter 1700 USD, sollte man sich wohl auf eine ausgedehntere Schwächephase einstellen. Steigt Gold Morgen aber weiter, spricht viel dafür, dass der Absturz gestern nur ein "One Day Wonder" aufgrund Bernankes Aussagen war.

Zum Abschluss noch ein paar wertende, persönliche Worte zum scheinbar gescheiterten Vergleich im Streit Kirch vs Deutsche Bank:

Aus der juristischen Sicht der Deutschen Bank kann ich die Ablehnung des Vergleiches gut nachvollziehen, denn da wären dann möglicherweise sofort Haftungsklagen wg vermeintlicher "Untreue" gegen Aufsichtsrat und Vorstand möglich gewesen, da ohne zwingende Not eine derart grosse Summe gezahlt werden würde. Abgesehen davon war wohl nach Presseberichten auch der Widerstand Rolf Breuers gross, der als Folge des Vergleichs möglicherweise mit einer Schadensersatz-Klage der Deutschen Bank hätte rechnen müssen.

So sorgt die gut gemeinte Verschärfung der Haftungsregeln für Aufsichtsorgane nun dafür, dass die Firmen es schwer haben bei Konflikten auf Organebene Vergleichsbereitschaft zu zeigen und derartig wichtige Konflikte eher bis zum letzten Mann austragen müssen. Denn der Ermessensspielraum des Managements ist durch die verschärften Haftungsregeln nun deutlich eingeschränkt.

Aus meinen persönlichen Erfahrungen in den Chefetagen bin ich der festen Überzeugung, dass die derzeitigen Haftungs-Regelungen schon zu weit gehen und den Unternehmen und damit den Aktionären schaden. Denn dadurch wird nach meiner Ansicht freies unternehmerisches Handeln gebremst und eine Kultur des "dreifachen juristischen Hosenträgers" etabliert, in der nur Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer von Wachstum reden können.

Und damit es keine Missverständnisse gibt, natürlich ist es richtig, dass echte Untreue strafbar ist und insofern ist die Haftung der Organe wg Untreue auch gar nicht das Problem. Das Problem ist vielmehr, dass der juristische Untreue-Begriff so schwammig ist, dass eine verlässliche Abgrenzung zwischen strafrechtlicher relevanter Untreue und schlichter unternehmerischer Fehleinscheidung praktisch unmöglich ist. Das erlaubt es Dritten im Nachhinein - dann wenn jedermann sowieso klüger ist - Fehl-Entscheidungen des Managements einer derartigen Anschuldigung auszusetzen. Als Organ einer solchen Gesellschaft ist man dem weitgehend ausgeliefert, weil derartige Verfahren unabhängig von echter nachweisbarer Schuld sowieso fast immer in einem Vergleich enden, denn die Belastung ist selbst durch eine völlig ungerechtfertigte Klage einfach zu hoch. Und wie die Justiz in die Hirne der Beteiligten schauen will um echte Untreue von schlichter Fehleinschätzung trennen zu können, hat mir noch nie so richtig jemand erklären können.

Die Folge davon ist eben die allein auf Absicherung ausgerichtete "Kultur des dreifachen juristischen Hosenträgers", durch die logische und für das Unternehmen wahrscheinlich sinnvolle Entscheidungen nicht mehr getroffen werden, wenn sie mit der Gefahr einer späteren Haftungsklage verbunden sind. Denn falls sich eine komplexe unternehmerische Entscheidung im Nachhinein als falsch heraus stellt, kann man einen Untreue-Vorwurf immer konstruieren, wenn man nur will. Letztlich lähmt diese nach meiner Wahrnehmung überzogene Gesetzeslage Innovationsbereitschaft und verantwortliches Handeln der Managements. Denn Entscheidungen werden nun lieber an drei verschiedene, teure, externe Gutachter delegiert, als diese selber aus unternehmerischer Überzeugung heraus zu treffen und gegenüber den Aktionären zu vertreten.

Richtig wäre es in meinen Augen dagegen, den Eigentümern - den Aktionären - noch mehr direkte Durchgriffsrechte zu geben um einen versagenden Aufsichtsrat und damit das Management abzulösen, gleichzeitig aber die Organe besser gegen Haftungsansprüche zu schützen. Denn zu unternehmerischem Erfolg gehört zwangsläufig auch der Mut zum Risiko und der Mut Neues zu wagen. Neues ist aber immer mit der Möglichkeit des Scheiterns und höheren Risiken verbunden und hinterher ist man halt immer klüger. Wenn einem permanent das Damoklesschwert des juristisch schwammigen Untreue-Paragraphen über dem Kopf schwebt, wird man als Management eher dem ausgetretenen, weil sicheren Pfad folgen. Mittelfristig beraubt man mit dieser "Hosenträger-Philosophie" aber eine Wirtschaft der Wettbewerbsfähigkeit - denn es gilt immer noch: "No Risk no Fun" und ohne Risiko ist Innovation unmöglich !

Das Verfassungsgericht hat die Hürden für den Untreue-Vorwurf zwar zuletzt leicht erhöht, in meinen Augen die ganze Problematik für unser Wirtschaftssystem aber noch nicht erkannt. Ich wiederhole, das Problem ist nicht der Untreue-Paragraph an sich, sondern die Unbestimmtheit und Dehnbarkeit der Definition, die man in meinen Augen zu leicht als Kampfmittel einsetzen kann um Eigeninteressen durchzusetzen. Wen das Thema interessiert, der kann sich zum Beispiel einlesen.

Aus inhaltlicher Sicht, kann ich aber die mir aus der Presse bekannte Argumentation der Deutschen Bank gar nicht nachvollziehen. Insbesondere die Behauptung Kirch sei schon vorher Pleite gewesen ist in meinen Augen am Thema vorbei. Denn selbst wenn er kurz davor stand oder mitten drin war, haben die öffentlichen Äusserungen Breuers jede Hoffnung auf eine geordnete Planinsolvenz nach meiner Ansicht zunichte gemacht. Man kann trefflich über die Höhe des Schadens streiten, dass aber eine derartige Aussage des Vorstandschef der grössten deutschen Bank über einen seiner Kunden massive wirtschaftliche Auswirkungen hat, sollte selbst wirtschaftlichen Laien einsichtig sein.

Letztlich läuft die Argumentation der Deutschen Bank ja in meiner Interpretation darauf hinaus, dass den Aussagen eines Bank CEOs keine besondere Bedeutung beigemessen werden muss, wenn er sich locker mit Bezug auf Dritte zu seinen Kunden äussert. Eine interessante Sicht, ganz besonders wenn man sich vor Augen führt, wozu sich Josef Ackermann so alles publikumswirksam geäussert hat. Für mich persönlich waren die Aussagen Rolf Breuers damals einfach ein klarer Pflichtverstoss eines Bankers, der eine Treuepflicht einem grossen Kunden gegenüber hatte. Und so etwas darf in meiner Welt nicht ohne schmerzhafte Konsequenzen bleiben.

Insofern hoffe ich und bin zuversichtlich, dass die Herren Gauweiler und Co. der Deutschen Bank nun weiter die Hölle heiss machen und auch die Frage theoretischer Interessenskonflikte der Deutschen Bank im Umfeld der Kirch-Insolvenz beleuchten. Am Ende kommt dann vielleicht sogar ein höherer Schadensersatz heraus - wer weiss. Verrückterweise könnten die Aufsichtsorgane der Deutschen Bank diese höhere Summe dann aber problemlos durchwinken, weil es dann ja ein höchstrichterliches Urteil wäre. So viel zu den absurden Effekten, zu denen eine für mich überzogene Haftungspraxis für Aufsichtsorgane führt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Aixtron – ein Management im Blindflug

Bei Aixtron (WKN A0WMPJ) wurde meine hier schon mehrfach kommunizierte, fundamental skeptische Haltung heute massiv bestätigt. Nach einem überraschenden Verlust und dem Fehlen eines klaren Ausblicks durch das Management, war bei der Aktie heute "Land unter" und zeitweise 10% Minus zu verzeichnen. Mein Investmentansatz, nach dem ich nur Titel trade, von denen ich fundamental überzeugt bin und nur bei diesen Titeln dann auf die Markttechnik schaue um den richtigen Zeitpunkt zu treffen, wurde erneut bestätigt. Auch wenn ich dabei manchmal Chancen verpasse, hat sich dieser Ansatz für mich persönlich bewährt und mich vor einigen herben Einbrüchen bewahrt. Denn vom Chart her sah Aixtron lange sehr gut aus und schien schon nach oben ausgebrochen zu sein, was sich nun als massives Fehlsignal heraus stellt.

Schaut man sich an, was bisher bullishe Kommentatoren nun zu Aixtron sagen, versuchen sich einige nun an den Hoffnung stiftenden Formulierungen des Managements festzuhalten, dass in der zweiten Jahreshälfte ja vielleicht alles besser wird und ein neuer Investitionszyklus im LED Bereich ansteht. Ich halte davon ehrlich gesagt gar nichts, denn deutlicher kann man in meinen Augen nicht ausdrücken, dass man sich im kompletten Blindflug befindet. Welchen inhaltlichen Wert hat auch eine solche Aussage von einem Management, das für die nächsten Monate keine konkrete Prognose abgeben kann, dafür aber verkündet, wie danach alles besser werden soll ? Für mich ist das nichts anderes als "weisse Salbe" um die Anleger zu beruhigen, ohne inhaltlichen Wert. Und ich kann das nicht ernst nehmen.

Denn wäre das "Hoffnungsgerede" durch eine konkrete Abschlusspipeline für das zweite Halbjahr unterlegt, wäre man wohl auch in der Lage eine konkrete Prognose für 2012 abzuliefern. Und im übrigen, wenn der neue LED-Investitionszyklus im zweiten Halbjahr so wahrscheinlich ist, könnte das Management die Ernsthaftigkeit derartiger Aussagen ja unterstreichen, in dem es jetzt massiv die eigene Aktie kauft. Davon ist aber bisher weit und breit nichts zu sehen. Dass man überhaupt zu solchen Hoffnung stiftenden Formulierungen greifen muss, zeigt mir persönlich eher wie trüb die Lage tatsächlich ist und dass man den Aktionären nichts konkret Positives anzubieten hat.

Aixtron kann man in meinen Augen daher nun erst einmal von der Watchlist streichen und ich werde den Titel hier auch bis auf weiteres nicht mehr besprechen. Erst wenn, bzw falls überhaupt, sich:
- zur Auftragslage konkrete Besserung zeigt oder
- bei Mitbewerbern wie Veeco Besserung sichtbar wird oder
- das Aixtron Management durch deutliche Insiderkäufe zeigt, dass es seine eigenen Worte ernst meint
erst dann lohnt sich für mich eine erneute Position.

Was das angeht, bin ich persönlich aber durchaus skeptisch, denn im Gegensatz zur reinen Hoffnung auf Besserung kann ich mir gut vorstellen, dass Chinas Förderung für noch mehr Wettbewerb und damit noch mehr Preisdruck sorgt und nicht für weniger. Denn Aixtrons Margen waren einfach zu verlockend, als dass nicht auch chinesische Anbieter nun in dieses Segment der Fertigungsanlagen drängen würden. Insofern kann es schon sein, dass ein neuer Investitionszyklus kommt, dass Aixtron davon aber wie bisher profitiert ist keineswegs ausgemacht. Und wenn die alten Margen schwinden, sind auch die alten Kurse oberhalb 20€ auf lange Zeit illusorisch.

Anders sieht für mich dagegen die Lage beim LED Marktführer Cree (WKN 891466) aus, denn Cree stellt die ganze Kette der LED Komponenten selber her und nicht nur Depositionsanlagen wie Aixtron und ist insofern auch mit Aixtron nicht zu vergleichen, ebenso wenig wie ein Produktions-Roboter-Bauer wie Kuka mit einem Autobauer zu vergleichen ist. Und Cree muss sich schon lange mit dem Kostendruck der chinesischen LED-Produzenten auseinander setzen, was auch für die schwache Kursentwicklung ausschlaggebend war. Cree kann aber aufgrund seiner Grösse und der Abdeckung der ganzen Wertschöpfungskette diesem Druck nach meiner Erwartung eher stand halten, wie ja andere Halbleiterunternehmen in den USA auch, während Aixtron nach meiner Einschätzung wohl erst noch bitter lernen muss, was passiert wenn chinesische Konkurrenten die eigenen Margen zusammen pressen und die eigene Technologie kopieren.

Wer auf den ohne Frage zukunftsträchtigen LED Markt wetten will und dabei keine undurchsichtigen chinesischen Aktien kaufen will, könnte daher vielleicht einmal Cree in Augenschein nehmen.

Hari´s Märkte am Abend – 29.02.12 – was Apple uns zum Markt sagt

22 Uhr - Handelsschluss

Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen habe ich heute etwas weniger Zeit zum Schreiben. Daher gibt es heute Abend nur eine Analyse zum Markt als Ganzes und bis auf Apple und Gold keine Kommentare zu einzelnen Titeln.

Sie erinnern sich, dass ich letzte Woche schrieb, dass der Markt noch ein paar Tage Konsolidierung braucht, um genug Kraft zu tanken.

Nun, diese Tage sind vergangen und langsam nähert sich diese Phase scheinbar dem Ende zu. Denn die heute zu beobachtende Volatilität ist nach meiner Erfahrung das Vorspiel zu einer stärkeren Bewegung - ganz so wie ein energiegeladenes Pferd, das unruhig an seiner Trense zerrt.

Schauen Sie sich an, was heute im NASDAQ passiert ist - nachdem er die glatte Zahl 3000 touchierte, wurde er sofort heftig abverkauft.

Und schauen Sie sich an, was heute passiert ist, nachdem die EZB im Rahmen der LTRO Operation die gewaltige Summe von über 500 Milliarden € in den Markt gekippt hatte - sofort wurde das zum Ausstieg genutzt, frei nach "Sell the News".

Und schauen Sie sich an, wie heute auf Ben Bernankes Rede reagiert wurde, mit massiven Abgaben, weil er - Überraschung 😉 - vor Euphorie warnte. Und weil er dem Wunsch des Marktes nach einem sofortigen QE3 noch nicht nachgab.

Und schauen Sie sich an, was heute bei Gold und Silber passiert ist. Das war bemerkenswert. Gestern sprach ich noch davon, dass wir noch ein paar positive Tage haben werden, bevor dann im März eine kleine Korrektur kommt, die möglicherweise 1700 USD noch einmal von oben testet. Nun, Mr. Market hatte es scheinbar eilig und hat nicht mal mehr bis März gewartet, denn heute waren wir am Ende sogar unter 1700 USD - so schnell geht es nach unten, wenn computerbasierte Tradingprogramme im Spiel sind.

Der Einschlag begann um 16.45 Uhr und hat auch mich erwischt, weil ich so schnell nicht reagieren konnte und damit nicht gerechnet hatte. Allerdings haben mich Trailing Stops bei meiner grossen Silberwette vor Schaden bewahrt und mir einen Gewinn gesichert, auch wenn dieser dann kleiner war als erhofft. Mit meinen Minenwerten habe ich die Tagesverluste aber voll mitgenommen, insofern bin auch ich Leidtragender dieses völlig überraschenden Absturzes.

Ich vermute einen Zusammenhang mit Bernankes Rede, ohne es genau festmachen zu können. Denn der Dollar stieg schon einige Zeit vorher und die Edelmetalle begannen danach einen gewaltigen Fall. 80 USD Verlust bei Gold an einem Tag, das sieht man nicht alle Tage. Nach meiner Einschätzung setzte sich irgendwann während der Rede bei Big-Money die Erkenntnis durch, dass QE3 nicht sofort kommt. Starke Abgaben trafen dann auf einen sowieso überkauften Markt bei Gold und Silber und die trendverstärkenden Algos taten ihr übriges. So bekamen wir eine Art "Mini-Crash" in den Edelmetallen. Der QE3 Aufschlag scheint damit endgültig aus dem Goldpreis gewichen zu sein.

Sollte meine Theorie richtig sein, könnte sich das Niveau von heute Abend mit 1694 USD aber vielleicht als Kaufgelegenheit heraus stellen. Denn wenn Sie sich den gestern dargestellten zyklischen Verlauf betrachten, steht eine grosse Korrektur noch nicht an. Allerdings sollte man den morgigen Tag abwarten, um diese Bewegung bestätigt oder negiert zu bekommen. So viel Geduld muss sein. Denn dieser Einschlag war nicht normal, das war schon aussergewöhnlich und ohne Vorwarnung. Und das hat auch allerlei Porzellan in Form von Vertrauen zerdeppert, was man schon leicht daran sehen kann, dass der Kurs von Gold im späteren Handel keinen Bounce mehr zusammen bekommen hat und sogar noch einmal unter 1700 USD abrutschte. Und deshalb wird sich Morgen erst einmal der ganze Markt schütteln und wird versuchen, sich in Sachen Edelmetalle neu zu sortieren und den Einschlag zu werten. Und erst wenn diese Neuorientierung abgeschlossen ist, wissen wir wohin die Reise kurzfristig weiter geht.

Mit Blick auf den Gesamtmarkt, halte ich es aber eher für einen Fehler, sich von diese volatilen Bewegungen schon jetzt verunsichern zu lassen. Denn ein grösserer Absturz beginnt höchst selten an solch klaren Marken wie NASDAQ 3000, das ist zu offensichtlich. Auch wenn sich das heute teilweise ganz schön Angst machend angefühlt hat, ist in den grossen Indizes defacto nicht viel passiert und einiges spricht dafür, dass es sich hier um typisch technische Reaktionen handelt, die primär von den Algos getrieben wird. Denn diese traden derartige Setups konsequent.

Diese Bewegungen sind aber auch das Zeichen steigender Nervosität, das typische Anzeichen vor einem grossen Sprung. Positiv ist, das von einer übertrieben bullishen und selbstgefälligen Stimmung im Markt nun in meinen Augen keine Rede mehr sein kann. Insofern war die Konsolidierung der letzten 1,5 Wochen sehr erfolgreich und der Boden für eine starke Bewegung ist bereitet, weil nun wieder genügend Skepsis im Umlauf ist.

Ich wäre also nicht überrascht, wenn wir in den nächsten Tagen mit Macht ausschlagen. Wohin ? Alles ist möglich, aber wenn man den Markt rational betrachtet, liegt der Vorteil in meinen Augen nach wie vor leicht bei den Bullen. Was nicht bedeutet, dass nicht auch eine stärkte Korrektur möglich ist, ich halte sie nur für weniger wahrscheinlich, weil der Markt bisher keine Signale sendet, die einen Vorteil für die Bären implizieren. Das kann natürlich noch kommen, aber man sollte abwarten bis der Markt diese Signale wirklich sendet.

Wer seine Gewinne sichern will, kann jetzt also aus dem Markt gehen, das ist eine sinnvolle Massnahme, wenn Sie sich nicht mehr wohl genug fühlen. Immerhin sind ja bis hier schöne Gewinne aufgelaufen und diese mitzunehmen, hat noch niemanden arm gemacht. Für einen Short gegen den Markt, gibt es aber für mich nach wie vor nicht genug Indizien, die aus Mr. Markets Verhalten ableitbar wären.

In diesem Zusammenhang möchte ich sie an Apple (WKN 865985) erinnern. Das ist ein Runaway-Move wie er perfekter nicht sein könnte. Lesen Sie noch einmal meinen Beitrag -> hier <- von vor 2 Wochen. Darin habe ich trotz des starken Rücksetzers auf damals wieder unter 500USD davor gewarnt, eine solche Aktie zu shorten, egal wie überzogen die Bewegung aussieht. Und nun werfen Sie eine Blick darauf, was danach passiert ist:


Source:

Beeindruckend oder ? Auch heute ist Apple wieder im Plus. Gut also, wenn Sie damals meine Warnung beachtet haben und das Wort "irgendwann" nach wie vor nicht unterschätzen. Und ich bin überzeugt, solange die Leitaktien wie Apple so stark sind, ist der Bulle intakt. Erst wenn sich bei diesen Leitaktien der Wind dreht, dann muss man über einen Short nachdenken. Ein möglicher Tag für eine Wende bei Apple könnte zum Beispiel der 07. März sein, an dem das iPad 3 vorgestellt wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass im Sinne "buy the rumor, sell the news" genau dann der Kurs dreht, wenn das lange antizipierte Ereignis Realität wird.

Ich persönlich setze nach dem heutigen Tag, der sicher einige ängstliche Markteilnehmer rausgeschüttelt hat, eher auf einen "First of Month Jumper" am morgigen 1. März. Meine Stops würden dann auf dem Niveau der heutigen Tiefsstände bei DAX 6840 liegen, mit diesen Stops könnte ich einen solchen Trade Morgen ganz gelassen angehen. Ob ich den Trade wage, entscheide ich aber erst Morgen früh, je nach Lage kurz nach Handelsstart. Denn der frühe Vogel fängt zwar den Wurm - richtig. Aber der zu frühe Vogel kommt halt noch in einen verspäteten Wintereinbruch - auch das ist richtig. Morgen früh ist also früh genug, um eine solche Wette noch einzugehen. Aber ich werde Morgen intensiv Ausschau nach diesem Trade halten, mal sehen ob er sich realisiert.

Ich werde aber auch so flexibel sein sofort die Reissleine zu ziehen, wenn wir Morgen mit Volumen nach unten laufen. Denn wenn das nach dem heutigen volatilen Tag passiert, dann bin ich bereit den Bären ab Morgen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Schnallen Sie sich also nun bitte an, es könnte die nächsten Tage einen holperigen Flug geben ! Aber genau in diesen Phasen wird das Geld gemacht, mit dem Offensichtlichen kann man nicht reich werden. Es wird also wieder spannend ......

Ich wünsche einen schönen Abend !

Hari´s Märkte am Abend – 28.02.12 – Vom ultimativen Geld: Gold

22 Uhr - Handelsschluss

Der Markt setzte heute früh zum Sprung nach oben an, wurde aber von ziemlich schwachen US-Konjunktur-Daten abgeschossen. Trotzdem waren die Märkte erstaunlich stabil und die Schwäche hielt nicht lange vor, was wieder zeigt was an den Börsen der wichtigste Faktor ist: Liquidität. Und davon ist Dank der "Geldschöpfungspolitik" der Notenbanken weltweit mehr als genug vorhanden. Gute Daten zum Verbrauchervertrauen, sorgten dann für Pluszeichen in den Depots.

Viel passiert ist dadurch am Ende nicht. Und ich tue mich schwer Ihnen heute etwas Neues oder Intelligentes zum Markt zu schreiben. Insofern will ich nur an mein Credo der letzten Tage erinnern, dass all das was wir bisher sehen kein Zeichen von Schwäche ist, sondern in meinen Augen eher dafür spricht, dass der Markt Kraft für einen Sprung nach oben holt. Machen wir es daher heute kurz und kommen gleich zu einzelnen Titeln.

Der gestern skizzierte kurzfristige Nordex-Trade (WKN A0D655) hat heute früh funktioniert. Die Zahlen waren wie erwartet schlecht und der Ausblick wie erwartet verhalten positiv. Da all das schon in den Kursen war, war Nordex am heutigen Vormittag um ca. 2,5% im Plus, bevor die allgemeine Marktschwäche dann zuschlug. Ich habe diese 2% mitgenommen und bin nun aber wieder draussen. Für ein langfristiges Investment ist mir das ganze Thema aber zu undurchsichtig und der aus China kommende Kostendruck zu stark. Ein klarer Trend ist bei Nordex nun auch nicht mehr sichtbar. Noch vor 3 Wochen sah das auf dem Chart alles viel positiver aus, das Bild hat sich nun aber eingetrübt und mit etwas Phantasie kann man auf dem Chart sogar eine bärische Schulter-Kopf-Schulter Formation ausmachen, die eine erneute Bewegung herunter bis 4€ implizieren würde. Genügend Gründe für mich, bei Nordex nun erst einmal an der Seitenlinie zu bleiben.

Die gestern sehr schwache Aixtron (WKN A0WMPJ) war heute mit über 5% wieder deutlich im Plus und das alles ohne jede Nachricht. Ein klarer Trend ist nicht erkennbar und belastbare Nachrichten gibt es auch nicht. Insofern ist dem hier schon mehrfach gesagten nichts hinzufügen. Auffällig war aber heute, wie der Marktführer Cree (WKN 891466) im späten Handel und auch ohne sichtbare Nachricht mit über 9% Plus abhob ! Das dürfte Aixtron Morgen wohl zunächst beflügeln.

Die hier schon mehrfach besprochene ST Microelectronics (WKN 893438) steht kurz davor den Abwärtstrend nun doch hinter sich zu lassen. Seit Wochen kämpft die Aktie mit der Barriere um 5,70€, der erste Versuch scheitert noch im Januar, der zweite vor ein paar Tagen. Nun hat ST Micro die erneute Chance die Schwächephase hinter sich zu lassen. Ein Anstieg von fast 7% heute spricht eine klare Sprache, die durch das Chartbild bestätigt wird. Wer sicher gehen will, sollte aber wohl warten, bis die Aktie über 5,8€ steht - dann ist der Weg nach oben aus reiner Chartsicht frei. Das ich die Aktie fundamental und vom Produktportfolio her für mittelfristig interessant halte, hatte ich ja schon mehrfach dargestellt.

Bei Silber (XAGUSD) ist nun - wie schon am 21.02. antizipiert - nach oben der Deckel weggeflogen. Meine Nase hatte also den richtigen Riecher als sie Witterung aufgenommen hat. Über 4% Plus heute sind sensationell, nächstes Ziel ist 40 USD !

Auch Gold (XAUUSD) sieht weiter gut aus, ich denke im Edelmetallbereich liegen noch ein paar gute Tage vor uns, bevor dann irgendwann im März im Bereich um 1800 USD wieder eine kleine Korrektur kommt, die möglicherweise 1700 USD noch einmal von oben testet. Gerade Gold schwingt langfristig relativ zuverlässig in Zyklen, schauen Sie sich mal den langfristigen Chart seit 2008 an, den ich Ihnen mitgebracht habe. Und achten Sie nun auf die Abstände, in denen Korrekturen auftreten ! Bis auf eine unklaren Fall im Herbst 2009 hatten wir recht zuverlässig ca. alle halbes Jahr einen signifikanten Tiefpunkt. Und jedes Tief lag höher als das vorherige, die exakte Definition eines Bullenmarktes ! Würde sich das fortsetzen, wäre der nächste Tiefpunkt erst im Sommer zu erwarten und sollte 1500 USD nicht mehr erreichen.

Der Ausschlag vom August 2011 war in meinen Augen eine durch die Euro-Krise verursachte Anomalie. Man sieht sehr schön, wie der Kurs nach diese Übertreibung nach oben mit einer Übertreibung nach unten letztlich wieder in den alten Trend zurückgekehrt ist. Ignorieren Sie also das Hoch vom August und das Tief vom September, damit wurde nur die Gültigkeit der Gummiband-Theorie erneut bewiesen. Davon abgesehen davon, haben wir bei Gold einen langfristigen, extrem bullishen Trend, wie er schöner auf einem Chart gar nicht aussehen könnte. Und ich sehe im Moment absolut nichts auf dem Radar, dass diesen Trend irgendwie in Frage stellen würde.

Genau genommen ist Gold der einzige langfristige Bullenmarkt, den wir seit Jahren haben. Ich habe auf jeden Fall nicht vor, solche Chancen zu verpassen, weswegen ich wie Sie wissen schon seit Jahren immer bullish für Gold bin, mal mehr, mal weniger - je nachdem wie stark das Gummiband gedehnt ist. Dieser Trend bei Gold ist auf jeden Fall ganz eindeutig mein Freund und erst ein Bruch dieser beeindruckenden Reihe von immer höheren Tiefs würde meine Sicht verdüstern.

An dieser Stelle möchte ich mir auch erlauben, der Legende Warren Buffett zu widersprechen. Buffet hat sich ja verschiedentlich despektierlich zu Gold geäussert. Ich versuche den Tenor seiner umfangreichen Aussagen über Jahrzehnte hier mit meinen eigenen Worten wiederzugeben: Gold sei ein totes Metall, das keine produktive Verwendung habe, keinen inneren Wert besitze, keinen Mehrwert schaffe und keine Zinsen oder Dividende abwerfe. Er verstehe nicht, warum man sich dergleichen in den Tresor lege, wenn man statt dessen eine Firma kaufen könne, die echten Mehrwert schaffe.

Das Witzige ist, ich habe zu diesen Aussagen Buffetts gar keinen Widerspruch. Er hat völlig Recht !

Allerdings nur unter einer ganz wichtigen Annahme, die er implizit macht: das der "Mehrwert" der von Firmen geschaffen wird und sich in Form von steigendem Depotwert manifestiert real ist, sprich das eine höhere Zahl auch wirklich realen Mehrwert bedeutet ! Oder in anderen Worten, dass das (Papier-) Geld in dem dieser Mehrwert gemessen wird, seinen realen Wert erhält.

Und hier genau liegt doch der Hase im Pfeffer und da hat Warren Buffet in meinen Augen einen blinden Fleck. Denn in einer Welt in der die Notenbanken wie wahnsinnig Geld schöpfen, ist genau das nicht der Fall. Und Buffetts Vergleich von Gold mit anderen Anlageklassen hat den Haken, dass Gold gar keine Anlage ist, denn :

Gold ist Geld ! Und zwar das ultimative Geld, das:

      -> seit tausenden von Jahren in jeder Kultur auf der ganzen Welt akzeptiert wird.

-> sich den Versuchen es aus dem Nichts zu "schöpfen" hartnäckig widersetzt - ebenso den Alchemisten des Mittelalters, wie den Notenbankern von Heute.

-> nie seinen Wert verloren hat und immer recht wertstabil war. So kostet ein Massanzug vom Schneider heute immer noch ungefähr so viel Gold wie vor 100 Jahren.

-> weder verdirbt, noch verloren geht noch beliebig vermehrbar ist.

Gold ist also das ultimative Geld, sozusagen der "Urmeter" der Finanzwelt und daran muss sich alles langfristig messen, was von sich behauptet "mehr" Wert geworden zu sein. Denn nur weil eine Zahl höher ist, heisst es noch lange nicht das realer Wert geschaffen wurde. Auch Gold schwankt natürlich in Moden und wird mal höher und mal niedriger bewertet, aber langfristig ist Gold der einzige objektive Massstab für Wert.

Wer Gold heute erwirbt, erwartet daher auch gar keinen Wertgewinn, es geht vielmehr nur darum, der Entwertung des Papiergeldes entgegen zu wirken. Gold steigt nicht wirklich, vielmehr verliert das Papiergeld an Wert - so herum ist es richtig. Und wer diese permanente Entwertung mal nachvollziehen will, der sollte sich mal einen Chart über 100 Jahre anschauen, der den inflationsbereinigten Wert des USD dem Goldpreis gegenüber stellt. Danach ist man nachhaltig kuriert.

Warren Buffet hat also durchaus Recht, reich werden kann man mit Gold nicht. Und Werte werden so auch nicht geschaffen. Das kann man nur mit dem richtigen Unternehmen im Depot, dass ala Apple die Welt erobert. Aber arm werden kann man mit Gold auch nicht und das ist mehr, als einem alle Zinsen und Dividenden versprechen können !

Aber selbst wenn Warren Buffet an dieser einen Stelle in meinen Augen einen kleinen blinden Fleck hat, ist doch sein jährlicher Berkshire Hathaway Aktionärsbrief immer höchst interessant zu lesen und für börseninteressierte wie uns eigentlich Pflichtlektüre. Sein aktueller Aktionärsbrief ist gerade heraus gekommen und kann nachgelesen werden. Buffetts Teil ist der "Chairmans Letter" und wie immer von sehr persönlichen und ehrlich formulierten Ansichten durchzogen.

Auch das macht diesen Aktionärsbrief so lesenswert, denn nichts sagende Formulierungen die sich hinter Floskeln verstecken um nicht angreifbar zu sein, kennen wir ja aus Geschäftsberichten und Analystenkommentaren zu Genüge. Bei Warren Buffet merkt man aber immer, dass hier jemand seine eigene Meinung kommuniziert und auch den Mumm, die Kompetenz und das Selbstbewusstsein besitzt dafür einzustehen - eine erfrischend persönliche Note, in einem traurigen Meer dürrer Verlautbarungen.

In diesem Sinne nehmen Sie sich doch mal die Zeit und folgen Sie Warren Buffett durch seinen Chairman´s Letter. Hier erklärt Ihnen einer der erfolgreichsten Investoren der Menschheits-Geschichte jedes Jahr kostenlos, wie er die Welt sieht. Eine Chance, die man in meinen Augen nicht verpassen sollte.

Und wenn Ihnen das zu lang oder zu mühsam ist, dann bitte tun Sie sich den Gefallen und lesen wenigstens den Abschnitt "The Basic Choices for Investors and the One We Strongly Prefer". Hier äussert er sich explizit zu seiner Investmentphilosophie und wie oben beschrieben zu Gold. Sehr lesenswert und gut investierte Zeit !

Viel Spass beim Lesen, ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Gastkommentar – Kurzanalyse Rhön-Klinikum – von Tribun

Rhön-Klinikum AG ist, neben Helios Kliniken GmbH (Fresenius SE), Sana Kliniken AG, Asklepios Kliniken GmbH und den Paracelsus Kliniken, eine der bedeutendsten privaten Klinikbetreiber und eine der wenigen börsennotierten Krankenhauskonzerne in Deutschland.

Punkte die für Rhön-Klinikum sprechen:

      konjunkturresistenter globaler Wachstumsmarkt (5-6 % Wachstum prognostiziert)

erhöhte Nachfrage nach Gesundheits- und Krankenhausleistungen bedingt durch quantitativ steigenden Weltbevölkerung und Wachstum des Wohlstandes durch Einkommenssteigerung (Thema Gesundheit ist omnipräsent)

Krankenhausmarkt profitiert von dem steigenden Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahren, die in Europa von rund 16 % in 2005 auf über 27 % in 2050 wachsen soll

Zunahme der Privatisierung am deutschen Krankenhausmarkt mittels staatlicher Förderung und relativer Liberalisierung

gesetzlichen Krankenversicherung im internationalen Vergleich stabil und leistungsfähig

Krankenhaussektor ermöglicht eine durchschnittliche Rendite von zehn bis zwölf Prozent

Kompetenzvorteile in Medizin, Prozessen und Management gegenüber öffentlichen und freigemeinnützigen Krankenhäusern

durch Akquisitionen erhöhtes Wertsteigerungspotential (das umso höher ist, je größer der Track Record hinsichtlich der Fortsetzung des Geschäftsmodell ist – kaufen, sanieren, weiter kaufen)

Expansion im deutschsprachigem Raum, zukünftige Marktführerschaft mit 8 % Marktanteil in Deutschland, flächendeckendes Versorgungsnetz mit ambulanten und stationären Strukturen zur integrierten Gesundheitsversorgung; Wissenstransfer durch Akquisitionen in Krankenhäuser der Schwerpunkt- und Maximalversorgung (Uniklinikum Gießen-Marburg)

Vielzahl an Möglichkeiten beim strategischen und ertragswirtschaftlichen Turnaround

Bestrebung mit der Akquisition einer Klinik in drei bis fünf Jahren ein positives Betriebsergebnis zu erzielen

Rhön-Klinikum AG weist über die letzten Jahre steigende operative Cash Flows auf (infolge der hohen Investitionstätigkeit jedoch negative Free Cash Flows)

erhöhte Markteintrittsbarriere für Mitbewerber

Punkte die gegen Rhön-Klinikum sprechen:

      Rekrutierung von qualifiziertem Personal (Arbeitsmarktsituation von Ärzten und Pflegekräften ist besorgniserregend)

stetig wachsender regionaler und internationaler Wettbewerb zwischen den Krankenhäusern

typische Merkmale eines klassischen Marktes sind gering ausgeprägt

enormer Investitionsbedarf!

Bürgerbegehren und den Widerstand der Gewerkschaften gegen Privatisierung von Krankenhäusern

wirtschaftliche gesehen, haben die privaten Anbieter keine Möglichkeit ihre Eigenkapitalkosten oder Gewinnmarge auf die Entgelte stationärer Leistungen aufzuschlagen; der Gewinn sollte dann über Reorganisation und Rationalisierung erzielt werden

stetiger Verhandlungsdruck mit Krankenkassen um Entgelte

Risiken bei Akquisitionen und Turnaround von Kliniken

Dividende schwankt zwischen 20 und 40 Cent; Rendite steht bei ca. 2 %.

Konnte mich bisher nicht durchringen diese Aktie zu kaufen. Das Thema ist jedoch ausgesprochen interessant und die Aussichten vielversprechend. Dennoch nur ein Kandidat für eine Watchlist.