Gastkommentar: Wie mir mein Ego mal wieder im Weg stand

Ein Gastkommentar von "Ramsi"

Um nochmal auf die Sache mit dem Ego als größtem Feind des erfolgreichen Börsenhandels zurückzukommen:

Hari hatte mir gesagt, ich solle nochmal versuchen, mein Fehlverhalten, dass zur Teilabgabe der dicken Gewinne der letzten Monate geführt hatte, aufzubröseln. Natürlich ist das jetzt schon wieder etwas her, aber vielleicht gelingt es mir, das möglichst genau zu beschreiben.

Die Talfahrt hat in etwa an dem Punkt begonnen, als ich meine kurzfristige Strategie in der starken Aufwärtsbewegung des Dax als voll aufgegangen angesehen hatte. Der Index war bei 7.000 Punkten angekommen und es war mein persönlicher nächster Schritt auf kurze Sicht, erst einmal Risiko herauszunehmen und eventuell zu günstigeren Kursen wieder einzusteigen.

Genau das hatte ich zunächst auch gemacht. In der Folge blinzelte der Dax einmal kurz über die 7.000 (ich glaube ca. 7100), um dort den vorläufigen Höchststand zu markieren.

An besagtem Abend hatte Hari in etwa gesagt, dass die Möglichkeit eines weiteren erbarmungslosen Anstiegs ohne Rücksetzer eindeutig besteht, und man gegebenenfalls reagieren müsse (Weg des maximalen Schmerzes). Die Formulierung eines möglichen Szenarios seitens Hari (und er betonte noch, es sei lediglich „möglich“) hatte bei mir eine emotionale Reaktion ausgelöst, von der ich geglaubt hatte, mich ihrer durch Erfahrung und Lernfortschritt bereits entledigt zu haben. Ich fühlte eine Art Torschlusspanik – die Angst, weitere schnelle Kursgewinne zu verpassen. In der Folge bin ich natürlich wieder aufgesprungen und habe mich in eine Strömung geworfen, in der ich mich eigentlich nicht „wohl fühlte“. Warum fühlte ich mich nicht wohl?

1. Mir persönlich widerstrebt es, Papiere zu höheren Kursen als des letzten Verkaufskurses wieder zurückzukaufen. Das mag in vielen Situationen vielleicht durchaus rational und logisch sein, aber ist ein solcher Schritt gerechtfertigt, wenn ich mich persönlich nicht so recht damit anfreunden kann?

2. Ich hatte mir eindeutig auf kurze Sicht das Ziel gesetzt, bei der runden Marke von 7.000 auszusteigen und auf Gewinnmitnahmen zu spekulieren. Dadurch, dass ich keinen eindeutigen Schub über 7.000 abgewartet hatte, der ein solches Szenario negiert hätte, habe ich bewusst (mal wieder) meinen eigenen „Masterplan“ verraten (der im Übrigen sogar aufgegangen wäre).

3. Es hatte sich eine Gier in mir breit gemacht. Ich wollte hohe Gewinne und zwar sofort. Die schöne Zeit des schnellen Anstiegs hatte mich ungeduldig und hungrig nach höherem Depotwert gemacht. Natürlich ist Gier ein ganz mieser Begleiter an der Börse und obwohl mir vermutlich zumindest im Unterbewusstsein klar war, dass ich gerade eine Raffzahn-Reaktion an der Börse umsetze, war es natürlich bequemer, dieses Warnsignal einfach zu ignorieren.

Es kam also, was kommen musste. Ich feuerte meine komplette Liquidität in prozyklische Werte, mit denen ich mich bereits in der Vergangenheit etwas auseinandergesetzt hatte, und hatte die Möglichkeit eines Rücksetzers und der daraus resultierenden Chancen und Gefahren gar nicht mehr auf meinem geistigen Monitor. Außerdem befand ich mich in der Klausurphase für mein Studium, also in einer Zeit, die vernünftigen Wertpapierhandel in einem derart kurzen Zeitfenster per sé schon einmal nicht zulässt.

Haris Empfehlung, bei vollem Terminkalender den Handel liegen zu lassen, musste ich für die Vervollständigung meiner Idiotie natürlich auch abstempeln. Der Glaube, aufgrund eines einzelnen großen Erfolgserlebnisses hätte ich die Börsenweisheit jetzt mit großen Schöpfkellen gefressen, ist typisch für mein Ego. Meine Arroganz habe ich mit mehr als 18% Depotperformance bezahlt.

Ich bin jetzt immerhin 4 Jahre dabei. Das ist im Vergleich zu Anderen nur ein Moment, man könnte aber glauben eine gewisse analytische Herangehensweise müsse nun erkennbar sein. Wenn ich aber konkret darüber nachdenke, mit welcher Geschwindigkeit und ohne Vorwarnung sich eine Zockermentalität in mir breit machte, dann frage ich mich, ob es für mich überhaupt jemals möglich ist, die nötige Abgeklärtheit zu entwickeln, um in diesem Geschäft konstant erfolgreich zu sein.

Was habe ich für mich aus dieser kostspieligen Erfahrung jetzt mitgenommen?

1. „If you developed a plan, stick to it until you are proven wrong“. Ich glaube, der Satz stand mal im Kirk Report. Wenn man seinen Plan plötzlich aufgrund von Kursbewegungen abändert (gerade als Anfänger), ist das vermutlich nicht selten eine ganz miese und nicht auf analytischem Kalkül beruhende Entscheidung.

2. Ich lasse vorzugsweise eine gute Chance liegen, als kurze Zeit später die Scherben aufzusammeln. Die Börse spuckt ständig Chancen aus und wenn meine innere oder äußere Situation die Aktivität nicht erlaubt, konserviere ich lieber mein Kapital. Von dem Gedanken, dass diese Chance vor mir die letzte für eine lange Zeit sein wird, muss ich mich endlich lösen.

3. Emotionen sind mein ständiger Begleiter an der Börse und wenn ich es nicht schaffe, mich von ihnen zu trennen, sodass sie mir nicht mehr gefährlich werden können, muss ich Wege finden, ihr Risikopotential für mein Depot zu minimieren.

4. Ich darf mich nicht der Versuchung hingeben, nur Signale zu verarbeiten, die meine bereits ausgeführte Handlung rechtfertigen und alle Argumente, die gegen ein weiteres Engagement sprechen, auszublenden.

5. Ich muss lernen, dass der Markt mir sagt, was Sache ist aber nicht umgekehrt. WENN meine Strategie vom Markt widerlegt wird, DANN muss ich mich auch von ihr trennen und mich mit den roten Zahlen auseinandersetzen, anstatt mich selbst mit Hoffnungen aufzublähen.

6. „Risiko entsteht dann, wenn Anleger nicht wissen, was sie tun.“ – Warren Buffett

Ramsi

Hari´s Märkte am Abend – 07.05.12 – Eurokrise, die unendliche Geschichte

22 Uhr - Handelsschluss

Während der Wahlausgang in Frankreich wohl in den Kursen verarbeitet war, dürfte das Ergebnis in Griechenland zur Schwäche im frühen Handel beigetragen haben. Denn das Ergebnis impliziert politisches Chaos und damit erneute Turbulenzen.

Zur Eröffnung schaute der DAX kurz unter 6400, bevor dann ganz ruhig gekauft wurde und der Markt schon am Nachmittag wieder bei 6550 oder Plus/Minus Null gegenüber Freitag stand. Von Panik war bei dieser Bewegung keine Spur, die Ruhe mit der der Markt hoch robbte war beeindruckend. Das ist ein positives Signal und zeigt die Stärke der Zone oberhalb DAX 6400, in der offensichtlich konsistentes Kaufinteresse in dem Markt kommt. Auch der S&P500 hat die 1370 zurück erobert und nahezu unverändert gegenüber Freitag geschlossen.

Damit etabliert sich genau das Setup, dass ich am Freitag beschrieben habe und wir haben gute Chancen, dass wir Morgen und auch den Rest der Woche eine weitere Stabilisierung bekommen. Abgesehen davon, kann ich mir nicht vorstellen, dass "Big Money" es zulässt, dass der Facebook Börsengang versaut wird, der Mitte Mai stattfinden soll. Insofern bin ich nun kurzfristig verhalten optimistisch.

Schaut man darüber hinaus, sehe ich zwei gegenläufige Faktoren. Für die Konjunktur in den USA und in China bin ich in den nächsten Wochen weiter eher positiv gestimmt. Ein extremer Absturz an den Börsen würde mich in diesem Zeitraum schon überraschen. In der Eurozone dürfte es aber nach meiner Erwartung nach einer kurzen Phase der Beruhigung weiter rumpeln. Nämlich genau dann, wenn sich die neuen politischen Mehrheiten zu konkreter Politik formieren müssen. Wenn also Hollande seine ersten Planungen und Aussagen als Staatschef konkretisiert und in Griechenland die chaotische Regierungsbildung im Gange ist. In beiden Fällen dürfte der Markt sehr kritisch auf die Aussagen schauen und mögliches Fehlverhalten mit sofortigen Verwerfungen an den Anleihemärkten strafen, denen sich dann wiederum der DAX kaum entziehen kann.

Die Börsenwetterlage in Europa dürfte also wechselhaft bleiben. Insofern werde ich eine mögliche Beruhigung und leichte Stärke weiter nutzen, um mich von der Eurozone im Depot weiter abzukapseln und in den kommenden Wochen eher auf die beiden grossen Volkswirtschaften USA und China (Plus Süd-Ost Asien) setzen. Das erlaubt durchaus auch europäische Aktien zu kaufen, aber nur solche, die ihr Geschäft zu einem hohen Prozentsatz ausserhalb der Eurozone machen.

Im Herbst, zur US Präsidentenwahl, dürfte dann ein grosses Problem auf den Radar des Marktes kommen. Das Budget der USA. Sie erinnern sich doch sicher an letzten August, oder ? Der gefundene Kompromiss sollte die Administration eigentlich bis 2013 durchfinanzieren. Nur könnte es nun sein, dass aufgrund stärkerer Ausgaben das Limit möglicherweise schon im Herbst, vor den Wahlen, erreicht wird. Was das mitten im Wahlkampf bedeuten würde, mag sich jeder selber ausmalen, zumal eine fehlende Einigung automatische Budget-Cuts im dreistelligen Milliardenvolumen in Gang setzen, die die noch schwächliche Konjunktur kaum verkraften dürfte. Aber bis dahin haben wir noch Zeit und sollten uns zunächst mit den naheliegenden Hürden in Europa beschäftigen. Ab August dürfte das Thema aber auf den Radar des Marktes kommen.

Noch ein paar Zeilen zu Griechenland - ich habe es hier schon vor Monaten geschrieben, Griechenland ist für mich persönlich ein "Failed State", der eigentlich unter Kuratel gehört, weil er nicht mehr für sich selber sorgen kann. Nur unter externer Kuratel hätte man auch die Chance, den gigantischen Verwaltungsfilz zu bereinigen und einen Neuanfang zu wagen. Denn Griechenlands Kernproblem ist nach allem was man liest und hört das Fehlen funktionierender staatlicher Strukturen, eine "Filzokratie", für die die beiden grossen Regierungsparteien der letzten Jahrzehnte wohl einige Verantwortung tragen.

Mit derart nicht vorhandener Verwaltung, kann man dann beschliessen oder wählen was man will, es wird sowieso nicht umgesetzt und fröhlich weiter unter dem Tisch herum gereicht.

Nur ist es leider völlig unrealistisch Griechenland unter Kuratel zu stellen, da würden dann gleich "Besatzungsreflexe" geweckt, in Griechenland sowieso, das da besonders empfindlich ist. Dabei ist das richtige Bild nicht das von "Besatzern", sondern eher das von wohlmeinenden aber strengen Eltern, die für ihr unmündiges Kind auch manchmal harte Entscheidungen treffen müssen, wenn sich das Kind selber nicht mehr helfen kann. Aber das wird sowieso nicht passieren, schon alleine weil nach meiner Einschätzung die bisher profitierende "Nomenklatura" Griechenlands auf der Klaviatur der "Besatzungsreflexe" spielen und so jede echte Hilfe von aussen mit Leichtigkeit sabotieren wird. Und deshalb dürfte das Chaos in Griechenland traurigerweise seinen Lauf nehmen.

So verrückt und unschön sich das anhört, aber für Europa wäre es in meinen Augen wohl am besten, wenn sich nun schnell radikale Europa-kritische Parteien durchsetzen würden. Denn ein Griechenland im Euro und in der EU macht viel mehr Ärger als eines draussen. Das Chaos im Land dürfte nach meiner traurigen Erwartung so oder so nicht mehr aufzuhalten sein, die Frage ist nur wie stark der Rest Europas in Mitleidenschaft gezogen wird.

Was auch immer passiert, die Eurokrise wird noch viele Aufwallungen und temporäre Beruhigungen erfahren, bis dann entweder das Wunder passiert und sich die Lage nachhaltig beruhigt, oder - das für mich wahrscheinlichere Szenario - die Euro-Zone in der jetzigen Form auseinander fliegt.

Die Euro-Krise bleibt also traurigerweise eine "Unendliche Geschichte". Dauerhaft ruhiges Fahrwasser ist in Europa bis auf weiteres nicht in Sicht, da sollte man sich wohl keinen Illusionen hingeben.

Positiv war heute erneut die relative Stärke des europäischen Bankensektors zu werten. Der Bereich, von dem man eigentlich annehmen sollte, dass er am stärksten unter der Sorge um den Euro leidet, zeigte sich heute wie schon letzten Freitag von seiner positiven Seite. Auslöser waren wohl Meldungen, nach denen Ministerpräsident Rajoy einzelne spanische Banken notfalls mit Steuergeldern retten will.

Eigentlich wieder ein abstruses Szenario, der eine Pleitier zieht den anderen an Haaren aus dem Sumpf - mit welchem Geld fragt man sich da doch ? Aber seit Geld noch nicht einmal mehr gedruckt werden muss, sondern im Multi-Milliarden-Volumen in den Computern der Zentralbanken per Knopfdruck aus dem Nichts erzeugt und an die Banken verteilt werden kann, ist diese naive Frage eigentlich auch obsolet. Die Alchemisten des Mittelalters würden auf jeden Fall staunen, was in den Giftküchen der Neuzeit so alles möglich ist. Blei in Gold verwandeln ist total out, wir können auch Luft in Geld verwandeln 😉

Aber egal, in Anbetracht der völlig überverkauften Lage stiegen Titel wie Unicredit (WKN A1JRZM) oder Banco Santander (WKN 858872) um 5% ins Plus ! In diesem Zusammenhang macht ein erneuter Blick auf den voll replizierenden ETF iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930) Sinn, in dem viele dieser Aktien enthalten sind. Es ist noch deutlich zu früh hier die Wende auszurufen, aber wir notieren oberhalb der mehrfachen Tiefs von September und November 2011 und diese scheinen wieder zu halten.

Erinnern wir uns, dass der europäische Bankensektor noch vor den breiten Märkten schon Mitte März abgetaucht war. Möglicherweise könnte eine Wende erneut ein frühzeitiges Signal sein, dass der Eurokrise kurzfristig eher wieder eine temporäre Entspannung bevor steht. Auf jeden Fall werden ich diesen Kursverlauf sehr intensiv beobachten, denn er sagt viel über den Stress im europäischen Bankensystem aus !

Sehr stark war heute Jungheinrich (WKN 621993) mit 4% Plus. Und das nicht nur heute, sondern schon in den ganzen April zeigte die Aktie relative Stärke und scheint nun aus einer seit Februar andauernden Seitwärtsbewegung nach oben zu wollen. Am 10.05.12 sollen die Quartalszahlen kommen und schenkt man dem Markt Glauben, "riecht" der scheinbar schon gute Zahlen. Auch fundamental ist Jungheinrich für mich ein attraktiv bewerteter, finanziell solider Maschinenbauer. Wenn es für mich einen Minuspunkt gibt, dann den, dass ein hoher Umsatzanteil in die europäische Union geht, was bei einer Verschärfung der Euro-Krise den Auftragseingang sicher treffen würde.

Der folgende Chart bildet den Kursverlauf von Jungheinrich in den letzten 12 Monate ab und sendet Signale, dass ein Ausbruch aus der Range durchaus denkbar ist, der sich bei einem Kurs von ca. 27€ vollenden würde. Ich denke es macht trotzdem Sinn, erst die Zahlen am 10.05.12 abzuwarten.

Achja und Rheinmetall (WKN 703000). Warum der Titel trotz der sich konkretisierenden Pläne des Börsengangs von Kolbenschmidt-Pierburg heute über Tag zu den schwächsten Aktien gehörte und am Anfang und zum offiziellen Handelsschluss um 17.30 Uhr sogar unter 38€ schaute, war auch mir ein Rätsel. Besonders witzig, nachdem um 18 Uhr dann die Meldung kam, dass nun auch Vorstand und Aufsichtsrat dem Börsengang zugestimmt haben, ist die Aktie aktuell nachbörslich wieder bei fast 40€ und hat gegenüber den Kursen von 17.30 Uhr damit 5% in 2 Stunden gut gemacht ! Von Schwäche kann also keine Rede mehr sein.

Es ist fast nicht zu glauben, aber es scheint fast so, als ob der Markt in Anbetracht der Nachrichtenlage rund um Frankreich und Griechenland diesen Börsengang einfach übersehen hat und erst heute Abend aufgewacht ist. So ein Szenario ist extrem selten, aber nicht unmöglich, wenn grosse Makro-Risiken über dem Markt schweben, die zum Tunnelblick führen. Denn um Rheinmetall richtig zu bewegen braucht es "Big Money" und zwar amerikanisches Big-Money wie wir erst Freitag wieder gelernt haben, die paar Privatanleger reichen dafür nicht aus. Trotzdem kann ich das Szenario des "Übersehens" immer noch nicht so recht glauben, denn es ist schon sehr unwahrscheinlich, Mr. Market übersieht höchst selten.

Die alternative Erklärung, das der Markt einfach die Bestätigung abwarten wollte, obwohl er das Thema schon wahrgenommen hat, halte ich dagegen für noch unwahrscheinlicher. Es wäre das erste Mal in meiner Karriere, dass Mr. Market eine Bestätigung abwartet um los zu laufen. Er läuft 100% zuverlässig immer schon beim Gerücht los - falls er das Gerücht wahrnimmt. Logisch wäre für mich eher, wenn sich hier grosses Geld den Kurs zurecht gelegt hat, um noch günstig einzusteigen. Letzeres Szenario würde sich eher mit meinen Erfahrungen der Vergangenheit decken.

Aber wie auch immer, unabhängig von dieser verrückten Bewegung am heutigen Tag ist Rheinmetall für mich sowieso nie eine Trading-Position gewesen und meine Sicht ist unverändert. Ich finde die Aktie mittel- und langfristig attraktiv und krisenfest und die aktuelle Bewertung voller Chancen. Wahrscheinlich um den 15.05. kommt dann auch die Dividende zur Auszahlung, die vorraussichtlich um 5% Rendite bringen wird. Angenommen die Aktie bliebe bis dahin unverändert, würde Rheinmetall dann erneut unter 40€ notieren, ein Kurs der nach meiner Überzeugung weit mehr Chancen als Risiken bietet.

Ich wünsche Ihnen einen schöne Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 04.05.12 – Wochenabschluss

22 Uhr - Handelsschluss

Die Arbeitsmarktdaten waren heute schwach, aber eigentlich nur so schwach wie erwartet. Trotzdem war der Markt nicht in der Lage, daraus einen Bounce zu generieren, was nicht unbedingt ein gutes Zeichen ist. Denn damit hat sich der Charakter des Marktes geändert, in den Wochen davor hätte das Setup immer für einen Bounce gereicht und das war auch eigentlich das wahrscheinlichere Szenario. Nicht aber heute. Der darauf folgende Abgabedruck arbeitete - wieder einmal - genau die gestern gezeigte Schulter-Kopf-Schulter Formation bis zum Ziel bei S&P500 1372 ab, schloss noch ein Gap knapp darunter, dann lief der Abgabedruck aus. Negativ ist aber auch zu sehen, dass der US Markt im späten Handel nicht zur einer kleinen Gegenbewegung in der Lage war, dass lässt Raum für weitere Schwäche am Montag.

Im DAX war das heute zwangsläufig mal wieder ein Schlachtfest und die klassischen deutschen Aktien aus Automobilsektor oder Industrie wurden hart getroffen. Volkswagen, BMW, Daimer alles ca. 4% im Minus. Rheinmetall sogar 6%. Und das alles ohne Nachricht. Denn das sind einfach genau die Aktien, die von institutionellem Geld an der Wallstreet gehalten werden. Und diese werden als Erstes verkauft, wenn der "Heimatindex" fällt. Man kennt das langsam schon, der DAX ist ein Hebelpapier für ausländische Anleger und kein konservativer Index. Und ein Index deutscher Anleger schon gar nicht. Nur weil man das weiss, fühlt es sich nicht besser an, trotzdem sollte man den Zusammenhang begreifen. Wer konservativ anlegen will, darf nicht nur im DAX sein !

In diesem Zusammenhang empfehle ich Ihnen nachdrücklich, aktuellen Artikel zu lesen, der auf einer Studie von Ernst & Young beruht. Er bestätigt genau das mit aktuellen Zahlen, was ich Ihnen hier ja immer wieder wie oben predige. Dabei muss man noch berücksichtigen, dass die in der Studie genannten 54% ausländischer Aktionäre das reale Bild noch schönen. Denn in den 42% deutscher Aktionäre sind ja die ganzen Grosspakete wie der Quandts bei BMW enthalten. Im Sinne der Aktionätruktur ist das ja auch richtig so. Nur stehen diese Pakete im Handel doch gar nicht zur Verfügung, die sind quasi "aus dem Markt" genommen. Würde man das Handelsvolumen im Xetra betrachten und die Frage beantworten, wieviel des täglichen Handelsvolumen von ausländischen Aktionären stammt, schätze ich den Wert eher auf 60-70% !

Wenn man das verstanden hat, kann man sich im DAX viele Überlegungen "warum" sich ein Aktie aus Sicht der Unternehmensnachrichten bewegt einfach sparen. Denn die Gründe für Bewegungen sind oft auch einfach in der Situation der institutionellen, ausländischen Aktionäre begründet. Und wenn die mal wieder ihre Margin-Calls haben, wird halt alles rausgehauen, Unternehmensnachrichten in einem "fernen Land" interessieren da keinen. Es ist schlicht immer wieder das gleiche Spiel und ich finde es erstaunlich, dass dann in der Presse trotzdem nach lokalen "Gründen" geforscht wird, die in der Realität gar nicht marktbewegend sein können.

Wie geht es nun nächste Woche weiter ?

Nun, da ich nach wie vor für das 2. Quartal an die volatile Range 6400-7100 im DAX glaube, sind Kurse unter 6600 für mich prinzipiell eher wieder Kaufkurse. Aber vielleicht nicht gleich Montag, denn die Schwäche heute im späten Handel lässt Böses ahnen.

Hoffnungsvoll über den sehr kurzfristigen Blick hinaus, stimmt mich in dem Zusammenhang, dass heute die europäischen Banken zu den stärksten Titeln gehörten, die auch ab Mitte Februar als erste fielen und mit ihrer Schwäche eine Signal für die Einschläge waren, die in den Indizes dann erst Wochen später kamen.

Was ist denn seit Mitte Februar alles passiert ? Listen wir doch mal auf:

1) Wir haben die Euro-Krise rund um Spanien in den Kursen der Banken verarbeitet. Ob vollständig weiss niemand, aber zumindest teilweise.

2) Wir haben die Sorge um eine abstürzende Konjunktur in China in den Kursen der Rohstofftitel verarbeitet. Alle aktuellen Daten aus China stützen nun die These der weichen Landung.

3) Wir haben die Sorge um die Wahlen in Frankreich und Griechenland in den Kursen verarbeitet. Ab Dienstag kommender Woche dürfte der Markt da nach vorne schauen.

4) Wir haben die Verweigerung der FED für unmittelbare weitere Stimuli verarbeitet.

5) Und zuletzt, jetzt, verarbeiten wir durchwachsene Wirtschaftsdaten aus den USA, in Form einer schon lange fälligen Korrektur in den US Indizes.

Aus dieser Liste kann man sehr wohl schliessen, dass wir ab kommender Woche durchaus Chancen auf wieder besseres Börsenwetter haben. Das ist natürlich keine Sicherheit, auch ein Zusammenbruch der Märkte ist bei der aktuellen Schwäche nicht ausgeschlossen. Aber ich rede hier ja über Wahrscheinlichkeiten. Und wenn alle euphorisch sind und nur noch über DAX 8000 reden, ist das Risiko eines Absturzes wesentlich höher, als wenn sich alles so mies anfühlt wie derzeit, und all die Sorgen und Ängste die ich oben aufgelistet habe, zumindest teilweise schon eingepreist sind.

Ich würde diesen Gedankengang bei meinen Überlegungen berücksichtigen. Das ist ausdrücklich keine Aufforderung auf reinen Verdacht nun Risiken nach oben einzugehen. Aber das ist der Hinweis, sich den klaren Blick nicht durch die gerade allgemein schlechte Stimmung verstellen zu lassen. Denn wenn man sich mit der Emotion der Massen mittreiben lässt, wird man die Chancen nicht sehen können, die bestimmt früher oder später kommen. Ich habe sehr selektiv bei ein paar wenigen Titeln heute Abend wieder zugegriffen.

Zu einzelnen Aktien will ich heute nicht viel sagen, macht ja auch keinen Sinn, wenn einfach nur alles im Gleichschritt abstürzt.

Wacker Chemie (WKN WCH888) lieferte Zahlen und Ausblick im Rahmen der Erwartungen. Nach einem kurzen positiven Hüpfer bis 65€ setzen dann aber massive Verkäufe ein, die den Kurs wieder bis 60€ drückten. Meine Erklärung dafür ist, dass das heisse Geld, das sich in Erwartung eines riesigen Sprungs vor den Zahlen positioniert hatte, danach schnell wieder enttäuscht abgesprungen ist, weil sich keine sofortige Rally anschloss. Für die Kursentwicklung der nächsten Wochen muss das aber nicht negativ sein. Ich habe meine bei 60,8€ eingegangene Long-Position heute nicht verkauft und warte erst einmal ab, welche Richtung der Kurs einschlägt, wenn sich die Volatilität nach den heutigen Zahlen verzogen hat. Mein Stop liegt bei 56€, etwas unter dem Tief vom 24.04.12.

Dramatisch weiter abgestürzt ist heute Nokia (WKN 870737) mit einem Minus von fast 10%. Ich weiss nicht so recht was der Auslöser war, möglicherweise die unbestimmten Meldungen zur Tablet-Strategie, die bei mir gleich den Gedanken ausgelöst haben: "die sollen erst einmal ihre Hausaufgaben im Brot und Butter Geschäft auf die Reihe bekommen und das finanzielle Ausbluten stoppen, bevor sie eine weitere Baustelle aufmachen". Wie auch immer, wie hier schon mehrfach und deutlich kommuniziert, gilt für mich bei Nokia weiterhin "Finger weg !".

Ein Lichtblick war dagegen Veolia (WKN 501451), die ganz brauchbare Zahlen lieferten, die vom Markt zunächst mit einem Plus von 4% honoriert wurden, bevor die allgemeine Marktschwäche die Gewinne wieder wegnahm. Veolia könnte - wie französische Aktien überhaupt - nächste Woche durchaus gut laufen, denn wenn die Wahl in Frankreich vorbei ist, führt das dazu, dass der Markt nach vorne schaut, statt auf die Wahl zu starren. Nur für den theoretischen Fall, dass der mutmassliche neue Präsident Hollande bei der Wasserversorgung sozialistisch/dirigistische Anwandlungen haben sollte, müsste man sich bei Veolia wohl auf schwere Einschläge einstellen. Aber derartige Gesetzesvorhaben werden wohl eher nicht in der Woche direkt nach der Wahl in Gang gesetzt.

Bei Gold (XAUUSD) wurde meine gestrige Aussage bestätigt, dass man das noch nicht überbewerten sollte, weil die Entscheidung schlicht noch nicht gefallen ist. Gold und die Minen stabilisierten sich heute etwas und hier gilt es für mich einfach abzuwarten.

Zum Abschluss habe ich für Sie etwas zum Lesen. Es ist ein langer Artikel des bekannten und sehr erfolgreichen Hedge-Fund Managers David Eichhorn von Greenlight Capital. Ich empfehle das in Ruhe einmal komplett zu lesen, es beschreibt die Makro-Sicht aus seiner Warte, in meinen Augen sehr vernünftige und richtige Ansichten. Er benutzt dazu das Bild der "Simpsons" um die durchschnittliche amerikanische Familie zu beschreiben. Wenn Sie die Simpsons nicht kennen, werden Sie ein paar Namen mal "googeln" müssen um alles zu verstehen.

Manchmal würde man sich wünschen, unsere Wirtschafts- und Finanz-Ministerien auf beiden Seiten des Atlantiks würden von solchen intelligenten Leute geführt. Aber das kann ja gar nicht sein, das sind ja alles nur "böse Zocker", die an allem Schuld sind und vor denen uns Notenbanken und Politik schützen müssen. 😉

Lesen Sie . Zwei Zitate als "Appetizer":

(1) "For the super wealthy, zero rates supported by a Bernanke put on the bond market encourage outsized income through leveraged speculation. For everyone else, zero rates reduce the standard of living because greater food and energy costs soak up income"

(2) "But, the Fed is filled with academics who thoughtlessly rely on econometric models that reflexively indicate that repeated Jelly Donut orgies are the best way to get a sugar rush into the economy." 😉

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 03.05.12 – Ängstliches Warten auf die Daten

22 Uhr - Handelsschluss

Der heutige Tag war letztlich ein Übergangstag vor den morgigen US Arbeitsmarktdaten. Insofern gibt es heute auch nicht viel zu sagen und ich mache es etwas kürzer.

Der DAX war wie gewohnt zappelhaft ohne Richtung und ohne echtes Eigenleben. Der S&P500 zeigte dagegen deutliche Schwäche, die den DAX dann auch unter 6700 zog. Im S&P 500 formt sich gerade eine Kopf-Schulter Formation, die wenn sich sich bestätigt, eine Bewegung herab bis 1373 implizieren würde. Um die Formation zu negieren, müsste der Index bald deutlich über 1406, besser 1415 steigen.

Aber all diese Muster stehen unter dem Vorbehalt der morgigen, grossen US Arbeitsmarktdaten um 14.30 Uhr. Was heute im Markt passierte, sieht für mich danach aus, als ob sich jedermann vor den Daten und dem Wochenende mit den Wahlen in Europa in Sicherheit brachte. Die Schwäche war heute im S&P500 querbeet, mit Schwerpunkten bei den Rohstoffaktien. Damit sind die Erwartungen an die Daten aber deutlich herab gesetzt, es spricht also einiges für eine kleine Rally nach den Daten, bzw nach der Wahl am Montag. Sollte diese aber trotz brauchbarer Daten nicht kommen, wäre das ein ganz schlechtes Signal für den Markt, dann müsste man ernsthaft die Frage stellen, ob wir in den US Indizes den Top schon gesehen haben.

Insofern werde ich Morgen Vormittag vor den Daten sehr wenig bis gar nichts machen, das hin- und her dürfte ebenso volatil wie richtungslos und ohne Bedeutung werden. Ich bin nun ausreichend defensiv aufgestellt und kann die Daten Morgen ebenso wie die Frankreich-Wahl mit Gelassenheit zur Kenntnis nehmen. Sollte Morgen um 14.30 Uhr ein Rally-Signal kommen, werde ich sofort im Handelssystem aufspringen. Ich werde das Morgen mit entsprechenden Stop-Buy Orders auf die grossen Indizes umsetzen.

Bei Wacker Chemie (WKN WCH888), einer der wenigen Aktien die heute deutlich im Plus waren, scharren die Bullen nun heftig mit den Hufen und warten auf die morgigen Zahlen. Sollte dort ein positiver Ausblick auf wieder steigende Preis bei Polysilizium gegeben werden, dürfte es ein Feuerwerk geben. Sollte der Preisausblick aber mau bleiben, dürfte Wacker ganz schnell wieder unter 60 notieren.

Aixtron (WKN A0WMPJ) hat sich heute erneut als reine Traderaktie bestätigt. Mein Trade von gestern ist schön aufgegangen, kurz nach Handelsstart bin ich bei 14,1 ausgestiegen. Am Nachmittag stand Aixtron dann schon wieder bei 13,3 oder Intraday 6% tiefer. Eine Aktie mit solchen Bewegungen ist eindeutig keine Aktie um zu investieren, als Trader bietet solche Volatilität aber schöne Chancen. Grund für die Volatilität bei Aixtron dürfte die grosse Unsicherheit über die Auftragslage sein, die sich ja auch in Analysten-Kurszielen zwischen 10 und 17€ zeigt. Solange sich dieser Nebel nicht verzieht, kommt Aixtron als Investition für mich nicht in Frage.

Nach Tagen leichter Stärke die uns bis 1670 USD brachte, bewegt sich Gold (XAUUSD) nun wieder nach unten. Und die Minen sind weiterhin schwach und geben heute noch einmal kräftig ab - das hatte heute den Charakter eines Ausverkaufs. Ich denke aber nicht, das man das alles überbewerten sollte. Lesen Sie im Zweifel noch einmal den Beitrag vom 24.04. -> hier <- zu Gold, der für mich unverändert die Situation beschreibt.

Es ist schlicht noch nichts passiert und Gold ist immer noch im zulaufenden Dreieck. Auch die Schwäche der Minen ist nicht ungewöhnlich, solche Trends laufen halt immer in die gleiche Richtung, bis der Wurm irgendwann dreht. Und bevor der Wurm dreht, steht oft der finale Ausverkauf bzw die Trendbeschleunigung, auch das ist typisch. Ich kann Ihnen nicht sagen, ob das heute der finale Ausverkauf bei den Minen war oder der Beginn eines tieferen Absturzes. Ich werde es mir vom Goldpreis sagen lassen. Mit diesen Abläufen muss man einfach leben, wenn man "Bottom Fishing" betreiben will. Denn den richtigen Boden trifft man fast nie und wenn man dann zu früh abspringt, verkauft man vielleicht am Tiefpunkt.

Deshalb ist es so wichtig vorher genau zu wissen, wann man auf den Verkaufsknopf drückt und das dann auch konsequent zu machen. So verhindert man einerseits aus reiner Nervosität zu früh abzuspringen und andererseits in einen grossen Absturz zu geraten. Für mich persönlich liegt dieser Verkaufsknopf bei einem nachhaltigen Bruch der 1610 USD in Gold. Bis dahin warte ich ab. Geht es aus dem zulaufenden Dreieck bei Gold nach unten, wird alles verkauft, auch Minen mit Verlusten. Geht es nach oben, lasse ich die Gewinne laufen.

Schon am 24.04.12 hatte ich Ihnen den Artikel von Peter L. Brandt zum Thema Gold empfohlen. Wie es der Zufall so will, hat er heute einen neuen Artikel geschrieben. Lesen Sie , damit ist in meinen Augen alles zu Thema gesagt, ich werde entsprechend handeln.

Gestern wurden in Berlin die Preise zum Comdirect Finanz Blog Award 2012 verliehen. Ich bin nicht nach Berlin gefahren, da ich schon vorher informell wusste, dass sumerdigital.de nicht unter den Preisträgern sein wird. Aufgrund der Entfernung von meinem Wohnort in der Nähe der Alpen, standen Aufwand und Nutzen eines Besuches in Berlin so in keinem sinnvollen Verhältnis.

Gewonnen hat Dirk Elsner mit seinem . Wie ich finde ein verdienter Sieger, denn Dirk ist schon viele Jahre mit hoher Qualität dabei. Ich gratuliere Dirk Elsner ganz herzlich zu diesem Erfolg und vielleicht finden Sie ja auch mal Zeit, einen Blick auf seinen interessanten Blog zu werfen.

Einen seiner lesenswerten Artikel zum Thema Wirtschaftsblogs, möchte ich Ihnen ganz explizit empfehlen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 02.05.12 – Achterbahnfahrt im DAX

22 Uhr - Handelsschluss

Wie gestern vorhergesagt, stieg der DAX im frühen Handel bis auf fast 6900 (6877), bevor dann Gewinnmitnahmen aus Vorsicht vor den 14.15 Uhr Arbeitsmarktdaten aus den USA einsetzten. Diese Vorsicht war auch gerechtfertig, denn ein überraschend schlechter Wert bei den "ADP non-farm Arbeitsplätzen" liess die Märkte in Folge abstürzen. Für den DAX war das eine Intraday-Bewegung von ca. 200 Punkten, eine echte Achterbahnfahrt also.

Positiv ist aber zu sehen, dass technische Marken im S&P500 knapp unter 1400 gehalten haben und der Markt sich im späteren Handel stabilisierte und mit nur wenig Minus zum Vortag bei 1402 schloss. Damit dürfte die Erwartung an den grossen Arbeitsmarktbericht am Freitag nun deutlich gedrückt sein, was Chancen für eine positive Überraschung bietet, denn der ADP ist sehr volatil und hat schon früher Fehlsignale gegeben, auch wenn er die letzten Monate recht zuverlässig war.

Und es zeigt erneut, wie stabil der amerikanische Markt ist. Erinnern wir uns, der S&P500 bewegte sich heute von 1407 bis 1393, oder exakt 1 Prozent Intraday. Der DAX dagegen von 6870 bis 6660, oder über 3% Intraday ! Einem konservativen Anleger kann man den DAX also im Moment nicht empfehlen, das ist mehr etwas für Trader. Grund ist nach meiner Ansicht erneut, dass der DAX von amerikanischen institutionellen Anlegern dominiert wird. Und die kaufen bei "Risk ON" den DAX und verkaufen ihn sofort wieder bei "Risk OFF". Ihre eigenen Blue-Chips lassen sie aber stabil als Anker im Depot. Das ist halt der Preis, wenn man keine Aktienkultur hat, unsere "deutschen" Unternehmen gehören der halben Welt, aber fast keinen Deutschen.

Ein weiterer kurzfristig positiv zu wertender Faktor flatterte mir heute auf den Schreibtisch. Denn heute hat mein "Focus-Money-Indikator" angeschlagen ;-), auf dem Titelbild sehe ich eine Euro-Münze in Flammen mit der Headline: "Bricht nach dem 6. Mai der Euro zusammen ?"

Sie erinnern sich, dass ich gestern ankündigte, zum kommenden Wahlwochenende etwas Risiko heraus zu nehmen ? Das habe ich heute vormittag teilweise schon gemacht und werde ich auch weiter so machen, allerdings nach dem heutigen schwachen Tag nicht mehr so aggressiv wie noch gestern angedacht, denn nun sinkt für mich die Wahrscheinlichkeit eines Absturzes nach den Wahlen in Frankreich. Denn mit solchen Berichten ist die Wahl in Frankreich nun auch bei der breiten Anlegerschar angekommen und was alle schon erwarten, hat bekanntlich nicht mehr die Kraft, den Markt signifikant in Bewegung zu setzen. Ich denke ein Sieg Hollandes wird allgemein erwartet und sollte daher direkt nach der Wahl nicht mehr zu stark negativen Bewegungen führen.

Das wirkliche Marktrisiko liegt wohl dann in den Wochen danach. Denn der Konsens bei den Marktprofis scheint zu sein, dass Hollandes aggressive Äusserungen im Stil der 70/80er Jahre Politik nur Wahlkampf-Getöse ist und er nach der Wahl schnell zu einer sachlichen Politik findet. Sollte aber diese Erwartung enttäuscht werden, dürfte das zu erheblicher Unruhe am Markt führen. Und ich rechne nicht damit, dass Hollande so schnell einschwenkt, dafür hat er sich vor der Wahl zu sehr aus dem Fenster gelehnt.

Erst muss es also wieder schlechter werden und der Druck steigen, bevor es temporär besser werden kann. Auch der letzte sozialistische Präsident Mitterand hatte zunächst versucht seine Wahlversprechen und Blütenträume umzusetzen, bevor ihn dann eine massive Wirtschafts- und Währungskrise in eine solidere, bürgerliche Politik zwang. Insofern gehe ich weiter von unruhigem Fahrwasser für den Euro nach der Wahl in Frankreich aus, aber nicht mehr direkt nach der Wahl, sondern in den Wochen danach.

In besagtem Focus-Money ist übrigens auch ein Interview mit dem ebenso klugen, wie von mir geschätzten Bert Flossbach. Sein Tenor zum Euro ist: "Es bleiben nur 6 bis 7 Länder übrig". Das deckt sich mit meiner mittelfristigen Erwartung, die ich hier unter der Überschrift -> "Europa zerfällt" <- dargestellt hatte. Allerdings werden wir bis dahin wohl noch diverse "Rettungen" und "Wirrungen" erleben, unterbrochen von wiederholten Phasen der vermeintlichen Beruhigung. Ich würde mir für Europa so gerne eine andere Perspektive wünschen, ich sehe sie aber zu meinem grossen Bedauern nicht, zumindest nicht in einem überschaubaren Horizont und nicht mit den handelnden Politikern.

Mein sehr kurzfristiger Markt-Ausblick auf die kommenden Tage, ist mit der heutigen Schwäche also positiver geworden, der mittelfristige Ausblick bis Juni bleibt aber unverändert von "April-Kapriolen" beeinflusst. Die definierte volatile Range 6400-7100 ist also weiter im Spiel. Und weiter werde ich in dieser Range Stärke verkaufen und Schwäche kaufen.

Aixtron (WKN A0WMPJ) hat heute in Folge der guten Zahlen von Veeco Instruments (WKN 896007) das erwartete Feuerwerk bis zu einem Kurs von 14,8€ abgebrannt, bevor dann die Marktschwäche in Folge der Arbeitsmarktdaten den Kurs wieder bis auf 13,4€ drückte. Das ist eine Intraday- Bewegung von mehr als 8% und wirklich nicht von schlechten Eltern ! Im Handelssystem habe ich nun einen kurzen Long-Trade bei 13,5€ (mit Stop 13,3) gewagt, der aber in keiner Beziehung zu meiner fundamentalen Sicht auf Aixtron steht, sondern nur der Markttechnik geschuldet ist und den ich schon Morgen (hoffentlich mit Gewinn) wieder auflösen werde.

Was derzeit rund um Chesapeake Energy (WKN 885725) und den CEO Aubrey McClendon passiert, kann man in meinen Augen nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. Sie erinnern sich, gestern war Chesapeake 10% gestiegen, weil Reuters meldete, dass der CEO abgelöst wird. Heute wird dann Aubrey McClendon mit den Worten zitiert, dass viele Berichte der letzten Tage "Missinformationen" seinen. Lesen und staunen Sie im Wall Street Journal.

Sein Rücktritt scheint also mit diesem Satz nicht gemeint zu sein, bei dem bleibt es wohl. Aber derartige unpräzise Sätze sind in der aktuellen Lage schlimm genug. Mr. Market wendet sich in Abscheu ab und "schlachtet" Chesapeake heute mit einem Minus von 14%, was das ganze Segment mitzieht. Das erste Drittel des heutigen Absturzes ist sicher Folge der schlechten Zahlen, die Chesapeake gestern bekannt gab, das zweite Drittel weil Natural Gas heute im Preis wieder deutlich nachgab und das letzte Drittel darf man wohl diesem Kommunikations-Chaos zurechnen.

Chesapeake hat sich damit für mich erst einmal aus der Reihe der ernst zu nehmenden Aktien verabschiedet und ich werde bis auf weiteres an der Seitenlinie bleiben. Sollte wieder Klarheit herrschen, schliesse ich aber einen Wiedereinstieg nicht aus, denn Chesapeake ist für mich *der* Pureplay im Boom-Markt "Shale-Gas". Das Thema hat so grosse Bedeutung, weil es für die USA ein echter "Game-Changer" ist und wir im Ergebnis vielleicht in 10 Jahren eine nahezu "energie-autonome" USA erleben werden, die ihre Abhängigkeit vom Öl aus dem Nahen Osten damit drastisch verringert. Sollte das so kommen, dürfte das auch erhebliche Auswirkungen auf die Weltpolitik haben, ganz abgesehen davon, dass dauerhaft billige Energie für die Industrie in den USA ein erheblicher, positiver Treibsatz sein dürfte !

Devon Energy (WKN 925345) hat heute übrigens sehr durchwachsene Zahlen geliefert und bewegt sich mit gutem Umsatz, aber fallendem Gewinn (wegen des US Gas Preises) etwas unter den Erwartungen. Das deutliche Minus heute dürfte aber zum Teil auch auf die Kosten von Chesapeake gehen.

In diesem Zusammenhang auch ein Wort zu Arch Coal (WKN 908011), die gestern aus den bekannten Gründen (Preis US Kohle am Boden) sehr schlechte Zahlen und einen schlechten Ausblick lieferten. Arch hat nun eine Reihe von Aktivitäten still gelegt, laut CFO John Drexler weil "(we) don't plan to push tons into an already oversupplied market". Ich muss gestehen, dass Schlachtfest bei Arch Coal lässt selbst hartgesottene Marktteilnehmer wie mich staunend zurück. Bei Arch Coal bin ich ja noch mit einer kleinen Basisposition Long und verkaufe da nun auch nicht mehr. Hier heisst es nun geduldig abwarten, bis der Kurs wirklich gedreht hat. Verluste aussitzen ist wirklich nicht mein Stil und kann ich auch ausdrücklich niemandem dazu raten - hier habe ich aber bewusst eine Ausnahme gemacht, zumal mein Exposure nur gering ist. Im Nachhinein war aber auch diese eine Ausnahme eine zuviel.

Bei Peabody Energy (WKN 675266) bin ich ja, wie -> hier <- am 12.04. kommuniziert auch mit einer kleinen Startposition Long und fühle mich dabei nach wie vor wohl, die Position ist auch seitdem ca. 10% im Plus. Meine Meinung, dass der Kohlesektor dabei ist seinen Charakter zu ändern und die Zeit des ungebremst Absturzes scheinbar ausläuft, ist unverändert - auch wenn das nach einem Tag wie heute und einer Arch Coal mit 8% Minus wirklich nicht so aussieht.

Übrigens, falls Sie sich fragen warum Repsol (WKN 876845) heute weiter abstürzt, obwohl das Thema YPF nun wohl voll im Kurs verarbeitet ist und die Annahme im Parlament nun wirklich keinen mehr überraschen sollte - der Grund dürfte nach meiner Vermutung sein, dass der Verstaatlichungswahn in Südamerika weitere Kreise zieht. Lesen Sie über eine neue Verstaatlichung in Bolivien.

Das hat zwar mit Repsol nichts zu tun, betrifft aber erneut einen spanischen Konzern, die in Folge nun alle - durchaus zu Recht - in Sippenhaft genommen werden. Schauen Sie sich im Chart zum Beispiel mal das Desaster bei der Telefonica (WKN 850775) an. Telefonica ist durch Probleme im eigenen Geschäft belastet, dann fordert die Spanien-Krise ihren Tribut und nun sorgt die Angst vor weiteren Verstaatlichungen in Südamerika erneut für fallenden Kurse. So wird aktuell aus etwas Positivem - starken Geschäften in Südamerika weitab von Spanien - ein Risikofaktor für alle spanischen Konzerne die dort aktiv sind. Spanische Aktien sind in einem perfekten Sturm gefangen. Wenn er vorbei ist, bieten sich da sicher grosse Chancen. Aber bis dahin kann es durchaus noch dauern, denken Sie an das fallende Messer !

Man lernt aus dem Thema Telefonica zwei wichtige Regeln:
1) Wenn es schon schlecht kommt, dann aber richtig und alles auf einmal !
2) Die vermeintlich "sicheren" Witwen- und Waisenaktien ala Telefonica sind gar nicht so sicher wie immer behauptet wird. Und Dividende und Buchwert alleine sagen gar nichts ! Ich möchte nicht wissen, wieviele deutsche Anleger Telefonica in den Depots haben und nun kräftig bluten.

Ich bin heute früh durch einen engen Stop bei 14,2€ Plus/Minus Null wieder aus meinem Repsol-Trade raus, den ich vor einer Woche am 24.04.12 wie hier kommuniziert eingegangen bin. War einen Versuch wert und werde ich wohl bald erneut versuchen, sobald sich mir wieder ein lohnendes Setup offenbart. Jetzt muss ich aber erst einmal abwarten, wohin uns diese erneute Schwäche führen wird.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 01.05.12 – Veeco, Agco, Cameco, Chesapeake, Devon, Bunge

22 Uhr - Handelsschluss

Ein besser als erwartet ausgefallener US Einkaufsmanagerindex schickte die US Märkte um 16 Uhr in den Rally Modus, im S&P500 bis 1415 ! Der gestern an dieser Stelle indizierte "First of Month Jumper" Trade war heute also im vollen Gange, bevor im späten Handel dann leichte Schwäche einsetzte, in deren Folge der Markt die Hälfte des heutigen Anstieges wieder abgab und bis 1406 zurück kam.

Es spricht also viel dafür, dass wir Morgen früh im DAX mit einem Gap über 6800 eröffnen und selbst die 6900er Marke könnte im DAX morgen möglicherweise auf der Agenda stehen. Um 14.15 Uhr kommen dann die "ADP Non-Farm Arbeitsplätze" in den US, die morgen sicher zu hoher Volatilität führen werden, da sie eine gute Prognose für die grossen Arbeitsmarktdaten von Freitag sind. Ich rechne daher damit, dass der DAX nach einem anfänglichen GAP bis zu diesen Daten um 14.15 Uhr eher in eine vorsichtige Seitwärtsbewegung übergeht. Die Erwartung dieser Daten war wohl auch der Grund, warum viele Marktteilnehmer heute im späten Handel ihre Tagesgewinne wieder mitgenommen haben und es so zu leichter Schwäche im Index kam.

Wie die Daten morgen ausfallen und wie der Markt dann darauf reagiert, weiss nur der Wind. Ich werde aber ab Morgen bis zum Wochenende Stärke in bestimmten Segmenten zum Abbau nutzen und mich defensiver positionieren, so wie ich es hier ja aufgrund meiner Strategie (Range 6400-7100) angekündigt hatte. Denn ich möchte in das Wahlwochenende in Frankreich und Griechenland nur mit mässigem Exposure gehen, dafür ist mir der Ausgang zu wackelig und zu unklar, wie die Märkte am Montag reagieren.

Trotz der leichten Schwäche im späten Handel hat der S&P500 aber mit den heute zweitweise erreichten 1415 ein klar bullisches Signal gesendet und ich rechne nun damit, dass wir in den kommenden Wochen nicht nur die Jahreshochs bei 1422 testen, sondern vielleicht sogar darüber hinaus in die Region oberhalb 1440 vorstossen ! Ob das den DAX dann auch über 7000 trägt, dürfte ganz entscheidend vom weiteren Verlauf der Euro-Krise abhängen. Solange die US Märkte aber so stark sind, steht ein weiterer Absturz im DAX wohl nicht mehr auf der Agenda.

Wie stark der Bulle in den US Märkten nun wieder ist, sieht man an einer ganzen Reihe von Unternehmen, die heute nach Zahlen um 5-10% stiegen. Einige dieser Unternehmen hatte ich hier im Blog auf dem Radar, schauen wir uns das doch mal an:

(1) Der Aixtron Mitbewerber Veeco Instruments (WKN 896007) stieg nach brauchbaren Zahlen und vor allem einem positiven Ausblick explosionsartig um 15%. Damit ist es höchst wahrscheinlich, dass Morgen früh auch Aixtron (WKN A0WMPJ) mit einem deutlichen positiven Gap startet. Ein Plus von 3-5% sollte da bei Handelsstart durchaus drin sein.

(2) Der hier vor kurzem zweimal besprochene Traktoren-Hersteller Agco (WKN 888282) lieferte ausgezeichnete Zahlen, die weit besser waren als erwartet. Der Markt honorierte das mit einem Plus von 6%. Und der Ausblick ist weiterhin gut. Lesen Sie bei Reuters. Ich hatte Sie auf Agco am 16.04. und 25.04. hingewiesen und bin weiterhin Long Agco.

(3) Auch die hier mehrfach besprochene Cameco (WKN 882017) lieferte heute ausgezeichnete Quartalszahlen und wurde vom Markt erneut mit 3% Plus bedacht. Ich hatte Sie auf Cameco hier zuletzt am 17.04. und 20.04. hingewiesen und bin weiterhin Long Cameco. Die aktuellen Zahlen finden Sie .

(4) Chesapeake Energy (WKN 885725) legte eine Rally von zeitweise bis zu 10% hin, nachdem bekannt wurde, dass der CEO und Co-Gründer Aubrey McClendon an der Spitze abgelöst wird. Am Ende des Handelstages waren immer noch 6% übrig. Lesen Sie bei Reuters. Bei allen Verdiensten die der Mann um Chesapeake hat, hatte er mit seinen Finanzierungen nun auch in meinen Augen den Bogen überspannt, wie Sie -> hier <- im Bericht vom 18.04. noch einmal nachlesen können.

Die weitere Kursentwicklung bei Chesapeake hängt nun entscheidend vom US Gas Preis ab, der seinen gestern von mir dargestellten Ausbruch heute mit erneut 3% Plus bestätigte ! Sollte US Gas nun nachhaltig nach oben drehen, sollte auch die Aktie von Chesapeake Energy erhebliches Potential haben. Ich bin wegen der Geschehnisse rund um Aubrey McClendon derzeit nicht investiert und setze darauf, dass der heutige massive Freudensprung in den kommenden Tagen teilweise wieder abgegeben wird, weil sich die Lage des Unternehmens dadurch ja kurzfristig nicht ändert. Ausserdem kommen heute nach Handelsschluss die Quartalszahlen, in die hinein ich ungern positioniert bin. Je nach weiterem Verlauf des US Gas Preises, ist ein erneuter Einstieg bei Chesapeake für mich nun aber wieder vorstellbar.

Wer das Thema US Gas spielen will, aber um Chesapeake einen Bogen machen möchte, kann auch mal einen Blick auf den stärker diversifizierten Öl und Gas Förderer Devon Energy (WKN 925345) werfen. Devon liefert morgen Quartalszahlen, die man vielleicht abwarten sollte. Bei Interesse können Sie mehr über das Unternehmen lesen.

(5) Beim -> hier <-am 09.01.12 besprochenen Agrarkonzern Archer Daniels Midland (WKN 854161) scheint auch der Knoten zu platzen. Nach brauchbaren Zahlen ist der Titel heute über 7% im Plus. Wenn Sie im Januar eingestiegen sind, sitzen Sie nun auf netten Gewinnen. Ich werde dem Kurs aber nun nicht mehr hinterher laufen, sondern die Stärke nutzen um langsam abzubauen. Denn viel mehr als 35 USD traue ich ADM derzeit nicht zu. Weiterhin Long bleibe ich dagegen beim ADM Mitbewerber Bunge (WKN 762269). Bunge ist in meinen Augen attraktiver bewertet als ADM und hat mehr Upside. Den ganzen Sektor der Agrarkonzerne finde ich aktuell wieder höchst interessant !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 30.04.12 – Konsolidierung – Nokia, Metro, US Gas

22 Uhr - Handelsschluss

Ein ruhiger Tag an den Börsen geht zu Ende. In Anbetracht der positiven Bewegung der letzten Woche, die viele auf dem falschen Fuss erwischt hatte, ist die heutige, ruhige Konsolidierung positiv zu werten. Wir haben daher gute Chancen, morgen an der Wallstreet einen "first of month jumper" zu erleben.

Insofern wird auch dieser Marktbericht heute etwas kürzer, es ist doch auch einmal schön, wenn es etwas ruhiger zugeht, zumal das herrliche Wetter bei uns in der Nähe der Alpen, heute sowieso nach draussen lockte.

Nokia (WKN 870737) zeigte uns erneut, wie finster es scheinbar um die wirtschaftliche Lage aussieht. Denn nach einem Bericht der will Nokia nun seine Edelmarke Vertu verkaufen, um damit ca. 200 Millionen USD zu erlösen. Dieser Bericht ist seitens Nokia nicht bestätigt, passt aber ins Bild.

Schlimm genug ist es für mich, dass es eine Nokia scheinbar nötig hat, um die vergleichsweise kleine Summe von 200 Millionen USD Liquidität zu kämpfen. Erinnern Sie sich daran, dass Apple einen Quartalsgewinn von 11,6 Milliarden USD hatte, aufs Jahr hochgerechnet, kann man da also mit 40 Milliarden USD Gewinn rechnen !

Aber für mich noch schlimmer, mit Vertu gibt Nokia vielleicht einen der wenigen Bereiche ab, in denen Nokia noch führend war und eine starke Marke hatte. Denn Vertu ist scheinbar ganz gut gelaufen, was ja auch das kolportierte Interesse des Finanzinvestors Permira zeigt. Luxus geht halt immer und andere Luxuskonzerne wie LVMH (WKN 853292) oder Richemont (WKN A0Q9J3) sind an der Börse hoch bewertet und reihen ein Rekordergebnis an das nächste. Die Marke Vertu war also scheinbar durchaus ein Erfolg und aus der etablierten Marke hätte man vielleicht noch mehr machen können, wenn man die Marke nach unten etwas weiter gedehnt und so den Kundenstamm erweitert hätte. Hohe Margen sind in diesem Geschäft auf jeden Fall möglich, wenn man es richtig macht. Und hohe Margen sind ja nun nicht gerade etwas, womit Nokia im Moment in den anderen Segmenten im Überfluss gesegnet scheint.

Ich persönlich würde den möglichen Verkauf von Vertu daher nicht als logischen Schritt werten, sondern als Zeichen der schwierigen Lage und Ausdruck von Schwäche - nun müssen scheinbar auch die wenigen verbleibenden Kronjuwelen raus, um dringend benötigte Liquidität zu generieren. Ein Indiz mehr für mich, von Nokia nun weiten Abstand zu halten.

Metro (WKN 725750) war heute stark, nachdem Meldungen über den Ticker liefen, dass Haniel an der Beteiligung zumindest kurzfristig festhalten soll. Mir erschliesst sich diese Logik ehrlich gesagt nicht so recht, denn unter der Ägide von Haniel hat sich Metro so schlecht entwickelt wie erlebt und neue Gesellschafter würden dem Konzern daher möglicherweise gut tun. Für mich ist die heutige Stärke eher ein Signal, wie ausgebombt der Titel ist, so dass selbst solche Nachrichten für 3% Plus gut sind.

Trotzdem, und trotz der mehrfachen signifikanten Insiderkäufe der letzten Wochen, ist der Zeitpunkt zum Einstieg möglicherweise noch nicht gekommen. Denn noch ist der Metro-Kurs ein "fallendes Messer", in das man tunlichst nicht greifen sollte und ein erreichen der 20€ Marke ist für mich durchaus denkbar.

Allerdings liefert die Metro am 03.05.12 Quartalszahlen - und sollten diese überraschend gut ausfallen, könnte es einen gewaltigen Short-Squeeze geben. Ich persönlich rechne aber eher nicht damit, weil das die ersten Quartalszahlen sind, die alleine vom neuen Management zu verantworten sind. Es ist ganz typisch und durchaus üblich, dass ein neues Management alle Verluste und "Bilanz-Leichen" in die erste Bilanz hinein packt, weil diese noch dem alten Management zugerechnet werden. So entledigt man sich elegant bilanzieller Risiken und schafft die Grundlage dafür, in den folgenden Quartalen - die einem selber zugerechnet werden - dann eine positive Entwicklung zeigen können.

Insofern gebe ich diesem Szenario bei Metro eine leicht höhere Wahrscheinlichkeit, als dem Short-Squeeze nach den Zahlen. Sollte das so kommen und Metro am 03.05.12 noch einmal deutlich Richtung 20€ abgeben, könnte das dann aber möglicherweise ein guter Zeitpunkt für einen Einstieg sein.

Bei Rheinmetall (WKN 703000) gab es heute unbestätigte Berichte, nach denen der Börsengang des Automobilzulieferers "Kolbenschmidt Pierburg" schon im Juni stattfinden soll. Gleichzeitig gab es heute ein Kursziel 51€ seitens BNP Paribas. Ich bleibe ganz ruhig investiert und bin zuversichtlich, dass ein erfolgreicher Börsengang von Kolbenschmidt Pierburg, dem Kurs der Aktie deutlich nach oben helfen wird.

Das bei Daimler (WKN 710000) im Bereich der Hauptaktionäre etwas in Bewegung ist, wird immer wahrscheinlicher. Heute geisterten durch die Presse, dass Daimler an sogenannten "Giftpillen" arbeitet um eine mögliche feindliche Übernahme abzuwehren. Die Meldung ist erneut unbestätigt, die Summe der Gerüchte und Indizien wie die Call-Optionen der Investmentbanken, legen aber die Vermutung nahe, dass hier mehr als ein Korn Wahrheit an den Gerüchten ist. Ich denke nach wie vor, dass in dieser Thematik mehr Chance als Risiko für den Kurs liegt und warte gespannt ab, was uns in den kommenden Wochen an Nachrichten zum Thema erreichen wird.

Etwas Bemerkenswertes scheint bei US Gas zu passieren. Der Kurs (hier dargestellt am ETF "UNG"), hat eine Abwärts-Trendlinie gebrochen, die aus letztem Herbst stammt und hat gleichzeitig ein ATR Kaufsignal gegeben. Für die, die mit dem Begriff ATR nichts anfangen können, das steht für "Average True Range", ist ein Konzept um die normale Schwankungsbreite eines Titels zu definieren und kann für eine Art von Stops verwendet werden, bei denen die Volatilität der Aktie (die True Range) mit in den Abstand zum Kurs einfliesst. Ein ATR Kaufsignal bedeutet also stark trivialisiert, dass ein Kurs aus seinem bisherigen Verhalten (seiner True Range) nach oben ausgebrochen ist. Das ist ganz typisch für Wendepunkte im Markt. Wenn Sie das Thema "ATR" interessiert, finden Sie ausführliche Erklärungen im Web.

Zurück zum US Gaspreis, den Ausbruch kann man auch Anhand des RSIs nachvollziehen, der nun im Tageschart auf Höhen ist, die wir bei US Gas nicht mehr seit letzten Sommer gesehen haben. Es könnte sich hier möglicherweise um eine bedeutende Trendwende halten. Eine Trendwende die sich heute auch sofort in den Kursen von Chesapeake Energy (WKN 885725), aber auch in den US Kohlewerten wie Peabody Energy (WKN 675266) oder Arch Coal (WKN 908011) gezeigt hat. Wir haben nun also einen weiteren Baustein, der für eine Bodenbildung im Sektor spricht. Ich kann nur wiederholen, dass ich diesen Sektor nun unter intensivster Beobachtung habe, denn das Upside ist gewaltig, wenn der Schweinezyklus endlich drehen sollte ! Die endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen, insofern ist Vorsicht weiter nötig, aber die Markttechnik in diesem Segment bessert sich nach meiner Ansicht nun zunehmend.

Morgen, am Tag der Arbeit, ist in Deutschland und einigen europäischen Ländern Börsenfeiertag. Die Wallstreet arbeitet aber und deswegen auch ich. Morgen Abend kommt dann ein kurzes Marktupdate wie immer gegen 22 Uhr.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 27.04.12 – Wochenabschluss

22 Uhr - Handelsschluss

Das war heute eine überzeugende Vorstellung der Bullen. Betrachtet man alleine den Indexstand, könnte man meinen, es sei ja nicht viel passiert. Wir hatten aber eine Herabstufung Spaniens und der Markt hat es verdaut, höhere Zinsen bei einer italienischen Anleihen-Auktion und der Markt hat es verdaut und zu guter Letzt ein richtig schlechtes Quartals-BIP in den USA und der Markt hat es auch verdaut !

In Anbetracht dieses Störfeuers also eine richtig überzeugende Vorstellung der Bullen, die in den US Indizes scheinbar die Kontrolle über den Markt zurückerlangt haben. Im S&P500 sind wir mit einem Schlussstand von 1403 nun nur noch ein gutes Prozent von den Jahreshöchstständen entfernt ! Wäre es im DAX ähnlich, würden wir aktuell bei 7100 notieren.

Nächste Woche stehen uns dann eine ganze Reihe Wirtschaftsdaten bevor - unter anderem der US Einkaufsmanagerindex am 01. Mai - bevor dann die Wahlen in Frankreich und Griechenland den "krönenden" Abschluss der nächsten Woche bilden. Zum Thema Hollande, Euro und Frankreich hat der ehemalige Chefredakteur der Spiegel Wirtschaftsredaktion und des Manager Magazins übrigens einen in meinen Augen ganz treffenden Artikel verfasst, den Sie hier unter dem Titel nachlesen können.

Es gibt also in den nächsten Wochen genug Futter für wilde Swings im Markt, in Anbetracht der zuversichtlichen Verfassung die Mr. Market nun zeigt, darf man aber durchaus mit einem ruhigen Optimismus auf die kommende Woche schauen. Technisch gesehen wurde im DAX die gestern dargestellte Cup&Handle Formation erneut bestätigt, aus dieser Sicht spricht nun viel dafür, dass wir uns im DAX demnächst auch mal wieder an der 7000er Marke versuchen werden.

Ein gesundes Mass an Skepsis kann aber weiterhin nicht schaden, ich rechne weiter damit, dass wir dieses Quartal an den Börsen noch einige "Aprilschauer" erleben werden. Ich selber werde daher bis auf weiteres die von mir definierte Range 6400-7100 im DAX spielen. Sprich bei Kursen oberhalb 6900 werde ich zunehmen abbauen und bei Kursen unter 6600 zunehmen kaufen. Sollte ich irgendwann Signale erkennen, die für einen starken Trend aus der Range heraus nach oben sprechen, werde ich diese Strategie anpassen. Bis dahin gilt aber für mich die oben genannte grundlegende "Schaukelstrategie".

Damit zu einzelnen Aktien:

Rheinmetall (WKN 703000) und Daimler (WKN 710000) lieferten Zahlen im Rahmen der Erwartungen, Rheinmetall leicht schwächer und Daimler leicht stärker als erwartet. Beide Zahlenwerke boten aber nichts, was aus meiner Sicht eine Neubewertung der Titel notwendig machen würde. Für die heutige Schwäche von Daimler in Anbetracht guter Zahlen habe ich keine vernünftige Erklärung - so ist das manchmal und dann bleibt nur abwarten. Ich bleibe bei beiden Aktien Long.

Einer meiner Favoriten, Continental (WKN 543900), lieferte heute ganz ausgezeichnete Zahlen und wurde vom Markt dafür mit 3% Plus belohnt. Ich habe diese Zahlen nun aber zum temporären Ausstieg genutzt. Grund sind keineswegs Zweifel an der Geschäftsentwicklung, sondern die Fragezeichen wie Schaefler nun ab Sommer mit seinen Anteilen an Continental umgeht. Eine aus der Krise 2008 datierende Beschränkung von Schaeffler läuft scheinbar dieses Jahr aus.

Ich kenne den detaillierten Inhalt der Klauseln nicht, aber die Vermutung ist naheliegend, dass die Klauseln Schaeffler in der unternehmerischen Freiheit begrenzt haben. Insofern, und in Anbetracht der bei Schaeffler wohl nach wie vor vorhandenen Schulden, sind für mich allerlei gesellschaftsrechtliche Szenarien denkbar, die den Aktienkurs beeinflussen könnten - gute, ebenso wie schlechte für den Kurs. Da ich ungern in Aktien investiere, wenn diese unter dem Risiko unberechenbarer externer Einflüsse stehen, bin ich nun erst einmal auf die Seitenlinie getreten. Nachdem diese Unsicherheit verschwunden ist, wird Continental aber sicher wieder in meinen Fokus geraten, denn an der ausgezeichneten Geschäftsentwicklung und den langfristig guten Perspektiven habe ich wenig Zweifel.

Einen riesigen Satz machte heute Wacker Chemie (WKN WCH888), nachdem der Vorstandsvorsitzender Rudolf Staudigl anlässlich des Betriebstarts der Anlagen in Nünchritz davon sprach, dass die Absatzmengen im 1. Quartal 2012 um knapp 50 Prozent höher waren als vor einem Jahr. Die entsprechende Pressemitteilung können Sie nachlesen.

Der Markt beantwortete das mit einem Feuerwerk, das Intraday zeitweise ein Plus von 10% erreichte. Besonders positiv ist, dass der Markt nach mässigen Abgaben bis 60€ herunter, sich dann erneut Richtung 63€ und damit 10% Plus bewegte. Das bedeutet, dass Mr. Market auch nach intensivem Nachdenken den heutigen Nachrichten hohe Bedeutung bemisst.

Wacker Chemie hatte zuletzt massiv unter den ins bodenlose gefallenen Polysilicium-Preisen gelitten und sollte sich dort nun eine nachhaltige Wende andeuten, wäre der Titel ein ganz heisser Kandidat für deutlich höhere Kurse. Mit der heutigen Bewegung beginnt der Markt also nun einen besseren Quartalsbericht am 04.05.12 und vor allem einen besseren Ausblick einzupreisen. Ich habe nach dem explosionsartigen Anstieg heute den leichten Rücksetzer genutzt, um bei 60,8€ eine erste spekulative Long-Position einzugehen.

Gold (XAUUSD) und die Goldminen arbeiten nun heftig an dem vor drei Tagen -> hier <- antizipierten Ausbruch. Das Preisverhalten sieht in dem Bereich weiter sehr vielversprechend aus, es ist aber noch zu früh um Vollzug zu melden. Insofern ist weiter Geduld gefragt, bisher läuft aber alles wie erwartet.

Wenn Sie Lust haben, schauen Sie auch mal am Wochenende bei sumerdigital.de vorbei, denn mit etwas Glück und abschliessender Arbeit schafft es ein neuer Gast-Artikel von "Tokay" zum Thema "Dont fight the Fed !" vielleicht dieses Wochenende in den Blog.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari