Positionsgrößenstrategie am Beispiel Johnson&Johnson (JNJ)



Konkrete Aussagen zu Trades und Investments sind im freien Bereich für mich schwierig, weil um diese verständlich zu machen, erst eine Menge Kontext nötig ist. Kontext der erst vermittelt werden muss. Im Premium-Bereich sind diese dagegen Alltag.

Denn das, was in den populären Börsenmedien wie selbstverständlich unter die Leute gebracht wird, ist manchmal konzeptioneller Unfug, urbane Legenden der Geldanlage sozusagen, mit dem Ziel Klicks zu generieren. Zum verfehlten Gebrauch von Bewertungsindikatoren wie KGV, KBV usw. als Timing-Indikator, habe ich mich ja beispielsweise schon ausführlich ausgelassen, auch im freien Bereich.

Falsch ist auch, dass man manchmal den Eindruck gewinnen kann, als ob Geldanlage entweder nur aus blinden Buy&Hold oder wildem Herumzocken bestehen würde, dazwischen scheint es wenig zu geben.

In Realität liegen für normale Anleger gerade da aber die Königswege, ein ruhiges Handling der eigenen Positionen nach klar definierten Regeln, die einem erlauben den Markt mitzunehmen, in den großen Krisen aber abseits zu stehen. Diese Techniken generieren nicht immer eine Überrendite, aber im ruhigen Schlaf liegt ja auch ein Wert.

Wenn man zwei Methoden zur Auswahl hat, in der einen bleibt man einfach drin, muss dann aber die Magenschmerzen nach 70% Buchverlusten in einem neuen Lehman-Crash ertragen, in der anderen kommt langfristig etwas Ähnliches heraus, dafür ist man während der Krise draussen, um den Preis dass man im Boom nicht voll investiert ist, dann werden wohl viele zurecht die zweite Variante wählen.

Denn seelischer Frieden hat insofern bei der Geldanlage schon großen, monetären Wert, als dieser den Meisten überhaupt erst ermöglicht, wirklich dabei zu bleiben. Die Straßen der Börsen sind gepflastert mit Anlegern, die sich fest vorgenommen hatten einfach durch eine Krise hindurch Buy&Hold zu machen, dann aber unter dem Druck der Katastrophenmeldungen und der Bilder von Schlangen vor Bankschaltern doch verkauft haben, zumal der Ehefrieden auch schon am seidenen Faden hing.

Wir können uns in der Regel gar nicht vorstellen, was für ein immenser, emotionaler Druck und Herdentrieb in so Phasen entsteht, wer das nicht mit großen Depots erlebt hat, die wirklich etwas bedeuten - kleine Depots die man verschmerzen könnte, sind emotional nicht das Gleiche - redet wie ein Eunuch vom Akt, ohne ihn wirklich zu verstehen.

Verkauft wurde von diesen Anlegern dann natürlich entnervt am Tiefpunkt, denn wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist auch der emotionale Druck am höchsten - und der Morgen oft nicht mehr weit. Das zu vermeiden, hätte also großen Wert.

Ich selber nutze für meine Anlagen im Investmentdepot - nicht beim Trading, das ist eine andere Baustelle - daher eine Technik, die ich Positionsgrößenstrategie nenne. Diese habe ich mir aus Versatzstücken selber zusammengebaut und im Laufe der Zeit für meine Zwecke verfeinert.

Nichts daran ist geheimnisvoll oder prinzipiell neu, es ist das Zusammenspiel das den Unterschied macht, das auf meine Bedürfnisse angepasst ist und mit dem ich mittlerweile viel Übung und Erfahrung habe.

Diese Technik habe ich im Premium-Bereich ausführlich immer wieder erklärt, auch Videos gibt es dazu. Hier will ich nur sagen, dass es dabei darum geht, bestimmte Qualitätsaktien dauerhaft zu halten - ich verkaufe also nie in Gänze - die Positionsgröße aber abhängig vom Marktenvironment zu fluktuieren und damit im Idealfall noch eine Überrendite zu erzielen, zumindest aber den schweren Einbrüchen aus dem Wege zu gehen.

Ich bin also immer investiert und immer im Markt mit meinen Investments und fokussiere mich dabei auf Qualitätsaktien, fluktuiere mein Exposure aber mit dem Marktenvironment und bewege mich in Krisenszenarien daher weitgehend auf die Seite - wäre aber selbst in einem Lehman-Szenario nie ganz raus, sondern immer noch mit einer kleinen Basisposition investiert, so dass ich den Kontakt zu den Qualitätsaktien nicht verliere.

Diese Prinzipien zu erklären, übersteigt aber wie gesagt das, was ich hier im freien Bereich anbieten möchte, in der Community ist die Positionsgrößenstrategie aber immer wieder Thema. Und natürlich auch viele andere Techniken mit ihren Vor- und Nachteilen, es gibt ja wahrlich nicht nur diese.

Was aber für Sie im freien Bereich vielleicht interessant ist, ist ein Artikel des Premium Bereich von vor einem Jahr, vom Juni 2018, in dem ich mal am Beispiel der Qualitätsaktie Johnson&Johnson (JNJ) dargestellt hatte, was denn diese Strategie über 10 Jahre hinweg tatsächlich real bedeutet hat.

Die ganze Information ist daher in dem ausführlich kommentierten Chart, das Sie bitte Anklicken und Vergrößern müssen, um die Kommentierung lesen zu können.

Hier ist der Artikel und weiter unten das zentrale Chart, ich wünsche gute Erkenntnisse!

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Der große Knall

Vom nächsten Crash zu schreiben, ist ein faszinierendes Geschäftsmodell, das hervorragend funktioniert. Es funktioniert, weil es Ängste der Anleger bedient und es funktioniert auch wegen der Vergesslichkeit der Menschen.

Denn wenn die Voraussagen 10x falsch lagen, sind sie schnell im medialen Rauschen vergessen und niemand ordnet die Fehlaussagen dann Jahre später dem Autor noch zu. Wenn man aber wie der Blinde auch mal ein Korn gefunden hat - rein statistisch gesehen muss das ja irgendwann mal sein - kann man sich als "Guru" und "der der den 20xx Crash vorhergesagt hat" über Jahre feiern lassen und die Auflagezahlen treiben. Alles schon passiert.

Das wäre ja auch nicht schlimm, es wird auch woanders viel geschrieben und gelesen, wenn der Tag lang ist. Das Fatale ist, dass diese Vorhersagen immer wieder die Anleger vom Anlegen abhalten, weil die Ängste dominieren. Insofern sind diese Propheten die größten Feinde der Depots der Anleger, obwohl doch die Anleger das witzigerweise gerade deshalb lesen, weil sie ihre Depots schützen wollen.

Den Widerspruch kann man vielleicht am Einfachsten am normalen Leben und dem Tod erklären. Die typischen Leser von Crashpropheten, sind nach meinem Eindruck Menschen im Alter ab ca. 40 aufwärts, die durchaus gebildet sind und etwas zu verlieren haben. Aber sie sind eben typischerweise schon älter, man hat etwas zu verlieren und der Tod ist schon mehr als eine abstrakte Größe.

Und während zum Beispiel der Zusammenbruch des Euros fraglos irgendwann wahrscheinlich, aber eben nicht sicher ist, ist der Tod eine 100%ige Sicherheit für uns Sterbliche. Oder anders recht hart gesagt, wer in den fortgeschrittenen 60ern ist, muss realistisch davon ausgehen, dass ihn der Tod vielleicht vor dem nächsten Finanzcrash ereilt, über den er gerade liest.

Das wollen wir als Menschen aber alle nicht hören, weswegen wir es erfolgreich verdrängen. Oder mit anderen Worten, obwohl wir *sicher* wissen, dass der Tod gar nicht mehr so weit weg ist, hält uns das nicht davon ab, das Leben zu geniessen. Im Gegenteil, es wird umso wertvoller, je zerbrechlicher es wird.

Und nun frage ich Sie: Warum hören wir dann auf anzulegen, nur weil vielleicht irgendwann ein Crash kommen wird? So wie der Tod in der Regel nicht ohne Vorwarnung und Vorlauf kommt, kommt der Crash schon gar nicht ohne Vorentwicklung und langsam steigende Spannung im System daher.

Warum also, warten wir nicht ab, bis diese Spannungen sichtbar werden und fangen dann erst an, unsere Anlagen in Sicherheit zu bringen?

Warum glauben wir stattdessen immer wieder, dass uns irgendein "Guru" eine Jahreszahl zum nächsten Crash sagen kann oder den Ablauf vorhersagen kann?

Das hat schon etwas Merkwürdiges.

Gerade beim Thema des Zusammenbruchs des Euros, bin ich doch jemand, der das Problem genau sieht und auch von einem *RESET* ausgeht, der uns irgendwann ereilen wird. Ich habe oft darüber geschrieben, so zuletzt auch in
-> Europa, der Euro und die Trauerarbeit < -. Daraus ein Zitat:

Klar ist aber, dass der real existierende Euro mit seiner inneren Fehlkonstruktion, Europa nicht mehr eint, sondern auseinander treibt.

Klar ist auch, dass eine Währungsunion immer am Ende eines politischen Einigungsprozesses stehen muss und nicht am Anfang. .....

Die Chance der einigenden Wirkung, wurde aber wohl im ersten Jahrzehnt des neues Jahrtausends vertan. Damals als die positiven Effekte der Währungsunion noch überwogen und Südeuropa einen Boom durch stark fallende Kreditzinsen bescherte, war der ideale Zeitpunkt. Jetzt sind die Scherkräfte und ihre politischen Profiteure schon da.

Diese Chance wird also wohl nicht wieder kommen, da bleibt in meinen Augen nur Illusion und Trauerarbeit. Je früher wir diese Illusion beenden und der Wahrheit ins Auge schauen, desto besser.

Optimistisch ist das definitiv nicht, was den Euro angeht. Aber der Zeitpunkt ist eben völlig unklar, wann diese inneren Scherkräfte sich in einer nicht mehr beherrschbaren Krise entladen und da finde ich es schon "putzig", wenn dann eine höchst legalistische Argumentation gefahren wird, die den Crash aus konkreten Verpflichtungen und Bilanzierungsregeln herleitet.

Frei nach dem Motto: "Die Welt wie wir sie kennen geht unter, aber alle halten sich im Untergang an die Regeln". Eher putzig, diese Vorstellung.

Das könnte aber nur Realität sein, wenn in der "großen Krise" diese Regeln noch etwas wert wären, das wird aber nicht der Fall sein.

Wir müssen uns klar machen, dass die EZB nun die Bankenaufsicht hat. Die EZB kann technisch gesehen jederzeit Geld aus dem Nichts in beliebiger Höhe schöpfen, sie kann technisch gesehen Banken unter Zwangsverwaltung nehmen, von denen riesige Anleihen ausgeben lassen und die dann selber aufkaufen und die Banken damit faktisch kapitalisieren.

Wir müssen uns weiter klar machen, dass Politik und Notenbank schon in der weit weniger kritischen Eurokrise 2011/2012 bewiesen haben, dass Regeln und Gesetze wenig interessieren und kreativ gedehnt bis übergangen werden, wenn es mal wirklich eng wird.

Und wir müssen uns klar machen, welcher Druck entsteht, wenn der "große Knall" wirklich bevor steht und alle Mächtigen ausnahmslos - von Notenbanken, über Politik bis zur Großfinanz und Großindustrie - *gleichgerichtete Interessen* haben werden, diesen Knall um jeden Fall zu verhindern.

In so einer Situation werden Dinge passieren, die heute weder legal, noch vorstellbar sind. Die politische Dimension ist um Faktoren grösser, als irgendwelche bilanztheoretischen Überlegungen.

Oder mit anderen Worten, bevor dieses System untergeht, wird es noch um sich schlagen und gerade der IWF unter der neuen EZB-Chefin Lagarde, hat sich da schon einige Dinge ausgedacht, die bisher undenkbar waren.

Wir müssen einfach akzeptieren, dass dieser Ablauf so einer schweren Krise *völlig unvorhersehbar* ist und der Zeitpunkt, zudem alle kreativen Maßnahmen erschöpft sind erst recht. Das kann 2020 sein oder auch erst 2034 und keine Jahreszahl ist besser als eine andere.

Und auf einen völlig unvorhersehbaren Ablauf kann man sich eben nicht gezielt vorbereiten und Empfehlungen von Einzelmaßnahmen sind eher unseriös, wenn es mehr als reine Beispiele unter vielen sind.

Alles was in dieser prinzipiellen Unsicherheit bleibt - und das haben wir im Premium-Bereich in der "Armageddon-Reihe" schon vor Jahren intensiv thematisiert - ist eine gesunde Diversifizierung mit deutlichen Anlage-Schwerpunkten jenseits des Euros und jenseits von Schuldverschreibungen (Zinspapieren) und Bargeld, sowie ein wacher Geist, der mit gesunder Skepsis die Augen offen hält.

Wenn wir das aber haben, sollten wir lieber die Sonne und unser Leben geniessen und die aktuelle Rally mitnehmen, statt über einen Crash zu grübeln. Zumal die reale Gefahr hier und heute eher ein bullischer "Melt-Up" ist, also eine massive Rally, die dann einen Panikcharakter bekommt.

Die aktuelle "Gefahr" ist also der Crack-Up Boom, über den ich bei Tichy schon im Sommer 2016 geschrieben habe: .

Weiterlesen ...Der große Knall

Sommer-Tango

Vor gut 2 Monaten, um Ostern herum, hatte ich Ihnen im Artikel -> Hochschmelzen - Melt-Up! <- ein gut denkbares Szenario für den weiteren, langfristigen Verlauf des S&P500 gezeigt.

Es waren diese Worte und dieses Chart, achten Sie auf den Dip, den ich da für die kommenden Monate eingezeichnet hatte:

Also, die Ingredienzien sind durchaus da, dass Finks [Larry Fink Blackrock] Prophezeihung wahr werden könnte. "Könnte", ob sie es wirklich wird, werden wir sehen, wir sollten das aber ernst nehmen.

Kurzfristig können solche Äußerungen durchaus ein kleines Top markieren, der Markt ist durchaus reif für eine Pause und einen Rücksetzer, spätestens bei den Allzeithochs des S&P500.

Aber nach einem notwendigen Luftholen, gibt es derzeit wenig was dagegen spricht, dass der Markt in 2019 so eine Entwicklung wie unten im Chart nimmt und in einem angedeuteten Trendkanal, der seit 2011 Bestand hat, weiter nach oben schmilzt:

Nun war der Dip punktgenau im Mai da und wir sind dank eines starken Juni mit Macht wieder bei den Allzeithochs, alle Notenbanken sind im "Race to the Bottom" und das Chart sieht so aus:

Und wissen Sie was?

Wie uns zeigt, sind die Institutionellen Anleger eher skeptisch und unterinvestiert, als zu euphorisch. Und schaffen damit genau die Grundlage für eine Aufwärtsbewegung, denn wer nicht investiert ist, muss bei steigenden Kursen nachhechten, wer schon drin ist, fällt dagegen als Käufer aus.

Ansonsten hat sich gegenüber der Lage im April im großen Bild wenig geändert, natürlich muss das nicht so kommen, der Ablauf hängt auch von diversen Unwägbarkeiten ab. Aber zumindest hat der Markt die Grundlagen geschaffen, dass der Melt-Up ein realistisches Eintrittsszenario hat und wer das ernst nimmt, sollte zu bärische Gefühle vielleicht mal überdenken. Zu 2/3 der Zeit steigt der Markt, deutliche Korrekturen hatten wir seit Februar 2018 nun drei. Die Korrektur von Mai, ging immerhin 8% nach unten und war gut zu antizipieren.

Am Wochenende, wurde dann eine weitere Erleichterung geschaffen, in dem die Handelsgespräche zwischen US und China wieder aufgenommen wurden. Es ist davon auszugehen, dass Trump nun auf eine Einigung zuläuft, auch wenn diese die wirklich schwierigen Themen ausklammert. Denn die Wahl nächstes Jahr wirft ihren Schatten voraus und das Letzte was jeder Präsident vor einer Wahl gebrauchen kann, ist eine Rezession.

Nun richten sich die Augen des Marktes auf die FED Ende Juli, von einer Zinssenkung um einen Viertelpunkt kann aus Sicht des heutigen Wissensstands ausgegangen werden. Die EZB kommt eine Woche vorher und wird wohl auch Maßnahmen anknündigen, um im "Race to the Bottom" der Währungen nicht den Kürzeren zu spielen.

Man kann das finden wie man will und man kann berechtigterweise der Ansicht sein, dass diese Notenbankpolitik Wahnsinn ist, es ändert aber nichts daran, dass damit bis auf weiteres die Marktsignale auf Grün bleiben und man zum Jahresende 2019 weiter latent optimistisch sein kann.

Unvorsichtig sollte man nicht werden, das ist aber eine Platitüde, weil das darf man nie, niemand kennt die Zukunft und Überraschungen sind immer möglich.

Wenn man sich nun aber Marker unter den heutigen Kursen zurechtlegt, die dann im Falle des Falles ein Signal setzen, dann kann man solange diese Marker nicht in Gefahr geraten, als Anleger weiter den Sommer-Tango tanzen!

Übrigens, in den US ist diese Woche am Donnerstag Börsenfeiertag "Independence Day" und am Mittwoch vorher verkürzter Handel. Da wird die Wallstreet schon am Mittwoch in das verlängerte Wochenende entschwinden.

Das Geschehen dieser Woche, wird sich also am Wochenanfang ballen, denn die europäischen Märkte sind ohne die Gelder der Wallstreet in der Regel orientierungslos. Ab Mittwoch Abend MEZ sollte der Markt also für den Rest der Woche in ein Dümpeln übergehen, wenn es keine geopolitische Überraschung geben sollte. Kommende Woche startet dann die neue Saison der Quartalszahlen.

Ich wünsche uns allen eine erfolgreiche Woche!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Für Aktienskeptiker



Dieser Beitrag, ist für den seltenen Fall, dass sich mal jemand auf sumerdigital verirren sollte, die oder der Aktien nicht mag, weil sie ja "zu riskant" seien.

Von dieser Denkstruktur gibt es ja ganz viele, es ist leider die Mehrheit der Bevölkerung, die sich so freiwillig selbst verzwergt, was die Geldanlage angeht. Was schon für sich ziemlich traurig und absurd ist, weil Beteiligungen am Produktivvermögen langfristig eine der sichersten und definitiv ertragreichsten Anlageformen ist. Man muss sie nur verstehen.

Nun gibt es viele gute Artikel, die das alles erklären und versuchen, Aktien einer breiteren Bevölkerung schmackhaft zu machen. Nur Ratio nützt in der Regel herzlich wenig, weil hier die Effekte unseres evolutionären "Affenhirns" wirken.

Ich will die zwei wesentlichen Fehlkonzeptionen - die Angst vor den Schwankungen und der Glaube, die Börse sei "zu weit gelaufen" und werde bald zusammenbrechen - daher mal auf andere, hoffentlich eingängige Art und Weise adressieren.

Und ich mache das bewusst auch argumentativ nicht ganz so auschweifend, weil wer Aktien aus Angst ablehnt, wird sowieso keine langen Erklärungen lesen, da muss man schneller ein Nachdenken in Gang setzen.

(1) Die Angst vor den Schwankungen

Die sichtbaren Schwankungen der Märkte verschrecken und überfordern viele. Was aber leider nur darauf beruht, dass nicht verstanden wird, dass die meisten anderen Anlageklassen genauso schwanken, nur gibt es in der Regel nirgendwo Kurse, die einem das jeden Tag zeigen.

Stellen Sie sich doch mal vor, Ihre vermietete Wohnung in Berlin würde an einem Markt gehandelt, so dass Sie jeden Tag deren Marktwert schwarz auf weiss im Depot sehen könnten, wie bei einer Aktie. Was glauben Sie wohl, was in den letzten Wochen im Zuge der Enteignungs- und Mietdeckel-Diskussionen damit passiert wäre?

Ich sage es Ihnen, Ihre Wohnung wäre im Kurs um locker 10-20% nach unten geknallt! Und 2008, im Zuge der Finanzkrise, wäre Ihre Immobilie ebenso wie Aktien um 40% und mehr entwertet worden, das kann ich Ihnen garantieren. Faktisch waren Immobilien zu dem Zeitpunkt für ein paar Monate weitgehend unverkäuflich, was den Marktwert ins Bodenlose getrieben hätte - so ihn jemand gemessen hätte.

Man braucht für Schwankungen des "Kurses" einer Immobilie auch keine Enteignungsphantasien, wäre Ihre Immobilie täglich an einer Börse gehandelt, würde jede Umgehungsstrasse, jeder Mord in der Nachbarschaft, jede Änderung der Dämmungsverordnung in Berlin und jede Ansiedlung eines Betriebs der Arbeitsplätze bietet, sich auf den Kurs Ihrer Immobilie auswirken. Genau diese tägliche Anzeige gibt es aber nicht!

Sie haben diese Schwankungen einfach nicht bemerkt, weil Ihnen nirgendwo der Kurs Ihrer Wohnung entgegen blinkte. Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss - diese simple Regel hat Ihr evolutionäres Affenhirn davor bewahrt, hier auch Angst zu bekommen.

Heute argumentieren Sie vielleicht, dass es ja auch keinen Grund gibt sich Sorgen zu machen, weil "Betongold" halt werterhaltend sei und einen Schwankungen da nicht interessieren sollten. Stimmt.

Nur glauben Sie ernsthaft, dass die Existenz von Konsumgüterriesen wie Nestle oder Johnson&Johnson irgendwie in Frage stand oder steht? Nein, im Zweifel dann noch eher die Wohnung, die kann nämlich enteignet oder in einem Elementarschaden zerstört werden, ein internationaler Konzern mit Dependancen in der ganzen Welt, dagegen viel schwieriger.

Konzerne dieser Qualität haben teilweise 2 Weltkriege überdauert, von Wohnungen kann man das nicht immer sagen, die wurden entweder zerstört, oder enteignet oder 2x - 1924 und 1948 - mit Zwangshypotheken teilenteignet.

Damit Sie mich nicht missverstehen, ich argumentiere hier nicht gegen Immobilien, ich habe selber eine selbstbewohnte Immobilie und ein paar Konzerne sind historisch auch untergegangen, Stichwort Enron, nichts ist also 100% sicher. Ich will nur klar machen, dass Sie einer Illusion aufsitzen, wenn Sie Aktien wegen der sichtbaren Schwankungen für grundlegend "riskanter" halten. Die Wahrheit ist viel einfacher, es kommt bei Aktien wie bei Immobilien, langfristig auf die Qualität an. Schrottimmobilien machen ebensowenig Spaß, wie Schrottaktien.

Also, in einer schweren Finanzkrise fällt zeitweise alles. Selbst Gold ist im Herbst 2008 im Zuge des Margin-Calls deutlich gefallen. In den meisten Fällen wie bei Immobilien merken Sie es mangels Kursen nur nicht.

Die Frage der Sicherheit in einer Krise ist also nicht was fällt, sondern was danach immer noch da ist und wieder steigen wird. Das macht Sicherheit aus und da sind diese obigen Konzerne ganz vorne dabei!

(2) Zu weit gelaufen

Die zweite Fehlkonzeption, ist der Glaube, dass Börse - gerade wenn Sie wie jetzt der US Leitindex S&P500 Allzeithochs generiert - zu weit gelaufen sei und daher sicher wieder zusammenbrechen müsse. Auch das beruht auf unserem evolutionären Affenhirn, nur ist es auf die Börse angewandt leider völlig falsch.

Dummerweise wird diese Fehlkonzeption dann noch durch Heerscharen medialer Perma-Bären und Untergangs-Propheten bestärkt, denn Artikel zum nächsten Crash generieren immer mehr schnelle Klicks, als mühselige Argumentationen wie diese.

Es ist ja auch so eingängig, die Börse ist gestiegen und gestiegen, die Notenbanken helfen kräftig mit Fiat-Geld mit, das kann doch nicht gut gehen! Wird es wohl auch nicht, deswegen werden die Kurse aber trotzdem nicht mehr auf die Stände vor 50 Jahren zurückfallen und wahrscheinlich nicht mal mehr auf die von 2009. Und sollte wirklich so eine schwere, historisch einmalige Krise kommen die alles zerstört, glauben Sie ernsthaft, dass diese dann andere Anlageformen nicht träfe? Ich bitte Sie!

Ich will Ihnen das mal eindrücklich zeigen. Das ist der Kursverlauf des Leitindex S&P500 über die letzten 50 Jahre. Das ich vor 50 Jahren aufhöre, hat nur damit zu tun, dass ich keine älteren Daten im Tool habe. Ich verspreche Ihnen aber, würde ich so eine Steigungslinie über 120 Jahre zeichnen, würde sie auch nicht viel anders aussehen, -> dieser 6 Jahre alte Artikel zum DOW <- vermittelt dazu einen Eindruck.

Auch die Steigungslinie kann man natürlich leicht anders zeichnen, man kann den Start und Endpunkt woanders anlegen und so dafür sorgen, dass die aktuellen Kurse über oder unter der Linie liegen. Das ist aber nicht der Punkt, weil auch die veränderten Linien werden nicht so groß abweichen.

Diese Steigungslinie der logarithmischen Darstellung steigt im Mittel um ca. 7% pro Jahr, was auch dieser Artikel anders herleitet:

Streiten wie uns also nicht um Kommazahlen und vielleicht ein Prozent, sondern akzeptieren wir, dass die US Aktienmärkte im Mittel um ca. 7% pro Jahr steigen. Trotz Kriegen, trotz Crashs, trotz Finanzkrisen, trotz Notenbanken. Und wären es am Ende "nur" 5 oder 6%, würde das an der Kernaussage nichts ändern.

Nun müssen wir von dieser Steigung aber die Inflation abziehen, gleichzeitig sind im S&P500 aber keine Dividenden im Index mitberechnet, die kommen noch oben darauf. Am Ende kann man Pi-mal-Daumen davon ausgehen, dass sich beide Seiten - Inflation und Dividenden - ausgleichen und neutralisieren.

Womit wir immer noch 7% pro Jahr echten Wertgewinn am US Aktienmarkt haben und wie gesagt, wenn jemand anders "nur" 5% errechnet, soll es auch Recht sein. Andere, schwächere Indizes wie der DAX, bewegen sich auch eher in den niedrigeren Regionen, sind aber im Mittel auch klar positiv.

Das Chart so zu betrachten, hinterlässt aber in unseren Hirnen falsche Ängste, weil wir uns einbilden, das müsste nun wieder auf die alten Kurse von 1969 fallen. Es ist die vermeintliche "Fallhöhe" rechts, die instinktive Ängste macht.

Was aber kompletter Unfug ist, der S&P wird definitiv *nie wieder* die Kurse von 1969 erreichen. So ein Chart ist kein Abbild der Erdoberfläche und es gibt hier keine Gravitation, die etwas nach unten zerrt.

Um diese Falle unseres "Affenhirns" zu vermeiden, müsste man das Chart kippen, so dass man diese Steigungslinie als X-Achse bekommt, leider ist mir das mit meinen Tools technisch nicht möglich. Dann würde man sehen, dass wir 2000 tatsächlich eine Bewertungsblase hatten und 2009 historische Kaufkurse, wie sie in den 50 Jahren nur einmal da waren. Und man sieht auch, dass wir aktuell eigentlich im Bereich der normalen Steigung sind - mehr oder weniger, je nachdem wie man die Linie zeichnen will.

Wie ist das möglich? Wie kann es sein, dass eine Assetklasse über 50 Jahre 5-7% pro Jahr Ertrag nach Inflation generiert und die Mehrheit der Bürger störrisch der Meinung ist, diese sei "zu riskant" und "nur was für Zocker"?

Die Antwort zu dieser "Blindheit" ist einfach, diese beruht auf den oben beschriebenen Wahrnehmungsmängeln, mit denen die (fraglos vorhandenen) Risiken masslos überschätzt und die großen Chancen ebenso masslos unterschätzt werden.

Ich kann es auch flapsiger sagen. Ein wirklicher "Zocker" ist jemand, der Lotto spielt oder in die Spielbank geht, wo man statistisch im Mittel nur verlieren kann, weil nur Teile der Wettgelder wieder ausgeschüttet werden. Wer aber hier langfristig mitmacht und dabei bleibt, ist einfach vernünftig.

Dass so eine Steigerung aber überhaupt möglich ist, ist der Verdienst der einzigen Wirtschaftsform, die wirklich Wohlstand für alle schaffen kann: der (sozialen) Marktwirtschaft. Um so absurder, wenn dirigistisch-planwirtschaftliche Ansätze wieder viele Anhänger fnden. Den Mietern wird am Ende so bestimmt nicht geholfen, das kann ich jetzt schon garantieren.

Denn diese Steigung ist letztlich das Ergebnis von Fortschritt, von Innovation und auch von Disruption. Sie ist das Ergebnis von Apples, die aufgestiegen sind und anderen, die untergegangen sind. Disruption wird nicht immer geliebt, weil sie alt Gewordenes zerstört, Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit fordert und damit auch kurfristige Schmerzen macht - sie ist aber nötig, um am Ende den Wohlstand aller zu heben. Und das "soziale" der "Sozialen Marktwirtschaft" ist dazu da, genau diese Schmerzen abzufedern, nicht aber die Disruption generell zu verhindern.

Und wissen Sie was? Da wir gerade bei dem "Sozialen" sind, was wäre sozialer, als wenn alle Arbeiter und Angestellten an diesen Wertsteigerungen Teil haben würden, die der Marktwirtschaft und dem Fortschritt inne sind?

Dazu müssten diese aber Aktionäre werden und Aktien ebenso wie Immobilien betrachten. Man kauft in beiden Fällen besser nur Qualitätsware und wenn man diese hat, bleibt man in Krisen gelassen, weil man weiss, dass es nicht auf die Schwankungen ankommt, sondern darauf, was nach der Krise noch da ist und wieder steigt.

Und da viele Bürger damit wohl trotzdem ein Problem haben, weil diese oben beschriebene Gelassenheit in der Krise weit schwieriger zu halten ist, als man in der Regel denkt, wäre auch ein Staatsfonds ala Norwegen für alle keine dumme Idee.

Aber wie auch immer man das umsetzt, ich kann nicht sehen, warum jemand der Geld zur Anlage hat, pauschal an diesen statistisch 5-7% pro Jahr nicht teilhaben sollte.

Und natürlich, was Ihre Ängste angeht, ich verspreche Ihnen, nachdem Sie eingestiegen sind, wird der Markt erst einmal um 20% fallen. Und dann wird er jahrelang dahin dümpeln, einfach weil der gerne so fies ist und an ihren Nerven zerren möchte. 😉

Jetzt gehen Sie aber mal an das Chart und ziehen vom Einstiegspunkt 1969 bei damals 69,29USD eine 20% Korrektur ab und stellen sich die Frage, welche Relevanz das langfristig hat. Kleiner Hinweis, heute ist der Kurs des S&P500 bei 2.964 - nach einer 20% Korrektur wäre er bei 2.371.

Punkt angekommen, lieber Aktienskeptiker?

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Wie funktionieren eigentlich Anleihen?



Anleihen sind für Otto Normalanleger immer weniger Thema, kein Wunder bei Zinsen im Minusbereich im Euroraum. Grundsätzlich gehören Anleihen aber durchaus als sinnvoller Baustein in ein ausgewogenes Investment-Depot.

Und nun sind in den US die Zinsen der 10-jährigen Staatsanleihen sogar wieder in den 2-3% Bereich gestiegen und es ist ein Moment in der nicht zu fernen Zukunft vorstellbar, ab dem die Renditen in eine kommende Rezession hinein wieder fallen werden und Anleihen zu besitzen, dann wieder besonders attraktiv sein wird.

Gleichzeitig merke ich aber immer wieder, dass vielen Anlegern die Grundlagen fehlen, um Anleihen wenigstens im Ansatz zu verstehen. Gerade die "verdrehte Kutellung" - Anleihen fallen wenn Zinsen steigen - und die Frage was ein Kurs abweichend von 100 bedeutet, löst immer wieder Verwirrung aus.

Damit ergibt sich doch logisch die sinnvolle Aufgabe, Ihnen diese absoluten Basics rund um Anleihen zu vermitteln. Wenn Sie schon länger mit Anleihen handeln, können Sie den Artikel überspringen, Sie werden hier nichts finden, was Sie nicht schon längst wissen.

Das Besondere hier ist ja aber, dass mehr als eine abstrakte Erklärung nach Lehrbuch geliefert wird - die können Sie überall selber nachlesen. Und diese Erklärungen haben oft das Problem, dass sie mit neuen Begrifflichkeiten mehr neue Fragen aufwerfen, als sie beantworten. Nein, hier werden die Themen mit Beispielen aus dem bekannten Leben aufgebaut und so soll es auch bei Anleihen sein.

Wir fragen uns also: Wat is ene Anleihe?

Da stelle mer uns janz dumm und stellen uns vor, wir wollten im superteuren Oberbayern ein grösseres Haus erwerben und das von einer Bank finanzieren lassen. Da braucht man dann schnell mal 1,5 Millionen, denn ein Quadratmeter Grund alleine, geht dort für 700 bis 1.000€ über den Tresen.

Eigentlich ist man sich ja sicher, dass man diese Finanzierung stemmen kann, aber die blöde Bank will natürlich "Sicherheiten" - man hat aber dummerweise keine zu bieten. So sinnt man nach einer anderen Finanzierung und kommt auf den Gedanken eine "Anleihe" zur Finanzierung heraus zu geben.

Eine Anleihe ist nichts weiter als eine institutionell konstruierte Schuldverschreibung, eine Art Schuld-Urkunde also, die ein Rückzahlungs- und Zinsversprechen enthält und demjenigen als Gegenleistung in die Hand gedrückt wird, der Ihnen Geld zu leihen bereit ist.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass in der Realität kein Häuslebauer eine Anleihe herausgeben wird, weil es sich erstens wegen der immensen Konstruktions-Kosten (Prospekt ua) nicht lohnt und zweitens auch andere institutionelle Hürden existieren.

Theoretisch ist das aber vorstellbar und wir tun nun mal so, als würden Sie zur Finanzierung Ihres Hauses eine Anleihe heraus geben. Der große Vorteil der Anleihe ist nämlich, Sie brauchen keine weiteren Sicherheiten. Sie bieten den Geldgebern einen Zins und die überlegen sich ganz frei, ob der Zins ihnen hoch genug ist, um damit auch das Risiko abzudecken, dass sie den Kredit (hier als Anleihe) nicht zurück zahlen können.

Das "Emissionsvolumen" ist ja klar, es wird 1,5 Millionen betragen, die Summe die Sie benötigen. Nun stellt sich die Frage der "Stückelung", also der kleinsten Einheit, in der Ihnen jemand einen "Teilkredit" geben kann.

Würden Sie die Stückelung weiter bei 1,5 Millionen belassen, wären Sie weiter im "Bank-Szenario", denn Sie hätten dann nur einen einzigen Gläubiger, so wie die Bank.

Da Sie aber glauben, dass Freunde und Nachbarn Ihnen auch Geld leihen werden, setzen Sie die Stückelung auf 1.000 Euro herab, so dass jeder sich beteiligen kann, der mag. Es werden also 1.500 Stücke Ihrer Anleihe a 1.000€ Nominalwert ausgegeben.

Bleibt die Laufzeit und der Zins. Die Laufzeit soll 10 Jahre betragen, danach versprechen Sie Ihren Gläubigern die Rückzahlung. Und beim Zins machen Sie im Vorfeld eine Umfrage, was denn die Mehrheit gerade noch so eben akzeptieren wird. Sie orientieren sich dabei an Vergleichswerten und kommen zum Ergebnis, einen Zins (Koupon) von 6% anzubieten.

Denn der Zins muss höher als beim Bankdarlehen sein, da Sie ja hinter der Anleihe keine Sicherheiten hinterlegen. Genau das ist eben der Umstand, den all die Privatanleger nicht verstanden haben, die "Mittelstandsanleihen" für eher lächerliche Zinssätze wie 6% gezeichnet haben, im Irrglauben das sei viel. Die Realität ist aber, dass viele dieser Firmen eben keinen Kredit von der Bank bekommen haben, in privaten Anlegern haben sie aber einen "greater fool" gefunden, der ihnen Geld für einen gegenüber dem Risiko viel zu kleinen Zins geliehen hat.

Aber zurück zu Ihnen und den 6%. Klar, wenn Sie nun ein Staat oder eine Bank wären, könnten Sie nun auch Anleihen mit 1% Zins ausgeben und diese würden ihnen trotzdem aus der Hand gerissen, weil die Notenbank dann Ihre Anleihe gleich mit frisch gedrucktem Geld aufkauft. Aber dieses Privileg haben wir kleine "Hanswürste" halt nicht, das ist nur den "Systemrelevanten" vorbehalten - einige sind eben gleicher als gleich. 😉

Sie aber wissen von Ihren Umfragen, dass für 6% Zins sich wohl in Ihrem Freundeskreis und Nachbarschaftsumfeld genügend Menschen finden, die Ihre Anleihe "zeichnen" und damit Ihre Privatplatzierung (Emission) ein Erfolg wird und gelingt.

Und so geschieht es, Ihre Anleihe ist voll ausgegeben, Sie haben 1,5 Millionen € Darlehen von Freunden und Nachbarn erhalten und haben dafür den Kreditgebern (Gläubigern) eine Schuldverschreibung in Form einer verbrieften Urkunde ausgegeben, in der Sie Rückzahlung und Zins zusichern.

Punkt. Das ist eine Anleihe. Das machen Unternehmen und Staaten im Prinzip genau so. Jetzt geht Ihre Geschichte aber weiter.

Denn 5 Jahre geht alles gut und Sie werden in Ihrer Nachbarschaft besonders liebevoll begrüsst und wenn Sie auf der Straße spazieren gehen, machen die Nachbarn einen besonders großen Bogen mit dem Auto, keiner will doch risikieren, dass der umgefahren wird, dem man Geld geliehen hat. 😉

Dann aber, im 6. Jahr, beginnt ein böses Gerücht in der Nachbarschaft umzulaufen, Sie haben Ihren Job verloren! Wären Sie jetzt Griechenland, würden Ihnen in der Metapher die Steuereinnahmen wegbrechen, mit dem gleichen Ergebnis.

Ihre Nachbarn beginnen hinter Ihrem Rücken zu flüstern, denn jedem ist klar, dass Sie nun vielleicht Ihre Anleihe nicht bedienen können, sprich den Zins nicht zahlen und vielleicht sogar die Rückzahlung nicht leisten. Und dummerweise haben Ihre Nachbarn ja keine weiteren Sicherheiten, die haben nur dieses Blatt Papier, diese Urkunde. Das macht nervös.

Lange wird nur geflüstert und Sie, der Sie tatsächlich den Job verloren haben, versuchen den Schein zu waren. Dann aber an einem Abend, klopft es kräftig an die Tür. Der bärbeissige Nachbar drei Häuser weiter steht vor Ihnen und verlangt lautstark sein Geld zurück, er will seinen Kredit *jetzt sofort* zurück gezahlt haben.

Sie aber lehnen ab, Sie müssen ablehnen, denn die Anleihe ist ein Dokument, von dem man nicht einfach abweichen kann, denn das definiert den Rückzahlungstermin eindeutig und rechtsverbindlich für alle. Der Nachbar zieht am Ende wütend und mit Drohungen von dannen und Sie verwünschen sich, das mit der Anleihe je gemacht zu haben. Sie haben aber eine Idee, Sie rufen dem Nachbarn zu, dass dieser seine Teile der Anleihe ja an jemand anderen verkaufen könnte!

Ein Lächeln geht über dessen Gesicht und schon am Folgetag sehen Sie, wie der mit anderen Nachbarn verhandelt. Nur dummerweise für ihn, sind die anderen Nachbarn ja auch nicht doof und wissen um Ihren Jobverlust. 10.000€, also 10 Stücke, hat der bärbeissige Nachbar 3 Häuser weiter in Sie investiert, die anderen geben ihm aber aufgrund der höheren Risiken keine vollen 10.000 für die Anleihe mehr.

Lange wird verhandelt und am Ende einigt man sich auf einen Abschlag von 20%. 8.000€ bekommt Ihr Besucher und die Anleihe geht an einen anderen Nachbarn über. Dieser bärbeissige Nachbar wird Ihnen seinen Verlust nie vergessen.

Ihre Anleihe hat also zu 80% des Nominalwertes den Besitzer gewechselt, weil Ihre Finanzkraft nicht mehr so zweifelsfrei war, wie bei Emission der Anleihe.

Als Einwurf dürfen Sie hier einen weiteren Lernsatz aufnehmen, Anleihen werden immer in Prozentwerten des Nominalwertes gehandelt und haben keine "Kurse" im eigentlichen Sinne des Wortes, wie Sie das von Aktien kennen.

Die Jahre vergehen und Sie haben mal einen Job und mal keinen und Ihre Nachbarn zittern wie die Gläubiger Griechenlands. Zeitweilig wechselten weitere Anleihen den Besitzer und das nur noch für 70%, das Zutrauen Ihrer Nachbarn wurde also geringer.

Je näher aber die 10 Jahre kamen, desto mehr verstummten die Sorgen, denn wenn Sie bisher nicht die Pleite erklärt haben und alle Zinsen pünktlich gezahlt haben, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es auch in den letzten Monaten nicht passiert, und Sie die Schulden (Anleihe) auch zurück zahlen können.

Am Ende zahlen Sie ihre Schulden alle zurück und Sie werden in der Nachbarschaft wieder ohne Getuschel gegrüsst. Nur der bärbeissige Nachbar drei Häuser weiter hat immer noch einen finsteren Blick, denn seine 2.000€ Verlust sind ganz real.

So..... soweit die kleine Geschichte.

Wir fassen also die ersten Lerninhalte zusammen:

Weiterlesen ...Wie funktionieren eigentlich Anleihen?

Vom Neuland und seinen Bewohnern – Gedanken eines „Digital Prehistoric“

Es gibt ja Menschen, für die ist das Internet Neuland. Gerade in der hohen Politik scheinen sich einige zu tummeln.

Ich gehöre da nicht dazu. Ich besass schon 1980, vor der PC und C64 Zeit, einen mühsam zusammen gesparten und nach der Schule erarbeiteten TRS80-L2 Clone mit 16KByte und damals Z80 Mikroprozessor, besser als der damals einzige Rechner (ein Wang 8kb), in meinem 1.500 Kinder großen Schulzentrum, in dem ich dann mein Abitur gemacht habe. Mensch, ich war stolz wie Oskar darauf!

Nach dem Wehrdienst, begann ich ein Informatik-Studium, das ich 1987 als Diplom-Informatiker abschloss. Danach führte mich der erste Berufsschritt zu IBM Research & Development, wo ich an einem Großrechner-Betriebssystem nahe des Kernels programmierte, bevor es dann bei mir mehr und mehr in Richtung Management und Personalführung ging.

Aber trotzdem bin ich parallel und privat eine Art "Technik-Geek" geblieben, der auch heute immer weiss was technisch geht und das Internet von seinen Anfängen bis heute aktiv begleitet hat. Auch dieser Blog wird von vorne bis hinten von mir betrieben und administriert, einen IT-Dienstleister brauche ich nicht dafür.

Ich erzähle Ihnen das in der Einleitung um Ihnen zu sagen, dass wenn andere junge Leute sich heute "Digital Native" nennen, ich dann sozusagen "Digital Prehistoric" bin - ich war von Anfang an dabei und habe schon über Steve Jobs im gelesen, als der wirklich noch mit Wozniak und Wayne in der Garage werkelte und es noch keine einzige deutsche Computerzeitschrift für Privatleute gab. Selbst die "c´t" aus dem Heise-Verlag, wurde erste 1983 gegründet.

Niemand sollte also glauben, dass das Internet für mich Neuland ist. Wirklich nicht. Und auch nicht die neuen Medien und ihre Wirkungen.

Und jetzt werden Sie erstaunt sein, ich bin was die sozialen Netze und die Anonymität angeht, näher dran am "Neuland-Bewohner" Wolfgang Schäuble, als an manch lustigem und angestrengt hippen "Social-Media-Helden".

Keine Sorge, ich will das ja jetzt erklären. 😀

Denn natürlich zeigt Wolfgang Schäuble eher wenig Schimmer von "Neuland", wenn er , das ist alles eher lustig.

Denn wenn ich in Herrn Schäubles Adressbuch wäre, so dass er meine Mails liest, würde ich ihm gleich mal eine Mail mit dem Klarnamen "Papst Franziskus" schicken, da würde er aber gucken - nichts leichter als das. 😉

Soviel also zu Klarnamen im Web, das würde nur gehen, wenn man sich zum Webzugang immer mit eindeutigen Identifikationsmerkmalen wie Personalausweis oder Iris-Scan anmelden müsste und das kann niemand wollen, das wäre eine Art totalitärer Staat,

Auch die Studien, ob Klarnamen etwas bei der Diskussionskultur bringen, überraschen mich mit ihrem negativen Ergebnis nicht, weil ich auch mit Klarnamen eben problemlos als was auch immer auftreten kann, wenn ich nur will - "Hari Seldon" wäre doch auch ganz nett, wenn ich hier nicht schon die Verbindung zu meinem echten Namen hergestellt hätte. Aber da fallen mir bestimmt noch andere Science Fiction Figuren der 60er und 70er Jahre ein. Solange man aber immer noch hinter einer Fassade agiert, ändert sich am Sozialverhalten eben nichts.

Der verfehlte Lösungsansatz, spricht aber nicht gegen das prinzipielle Anliegen, das Wolfgang Schäuble damit verbindet und da hat er durchaus einen Punkt!

Denn die Ablehnung, die reflexartig aus der Ecke der Social-Media-Fraktion kommt, ist am eigentlichen Problem vorbei. Mit Zensur und Überwachungsstaat hat der Gedanke erst einmal gar nichts zu tun, viel mehr damit, wie man soziale Prinzipien die im normalen Zusammenleben gelten, auch auf das Web übertragen kann. Natürlich könnten verfehlte Lösungen zur Zensur genutzt werden, das gilt allerdings heute für alle Bereiche, in denen Daten bewegt werden.

Denn es erscheint als naheliegender Zusammenhang, dass die völlige Anonymität des Internets erst zu dieser Boshaftigkeit, zum Verlust jeder Kinderstube führt, die man im Web so oft finden kann.

Die gleichen Menschen, die da mal schnell üble Beschimpfungen und perfide Unterstellungen verbreiten, gehen nämlich zu ihrer Tür heraus und grüssen den Nachbarn, den sie eigentlich gar nicht mögen, sehr freundlich und halten ein Schwätzchen mit ihm.

Und wenn der alte weisse Mann von gegenüber, auf der Strasse mit seinem Rollator umkippt, dann laufen diese Menschen heran und helfen ihm auf. Ganz freundlich und sozial. Dann aber setzen sie sich an ihren Rechner und schreiben Dinge über andere, die von vorne bis hinten justiziabel sind und im Sinne von Ehrenhaftigkeit eine moralische Sauerei sowieso. Dann wird diesem alten weissen Mann mehr oder weniger deutlich gewünscht "zu verrecken", weil er vielleicht eine politische Meinung hat, die nicht gefällt.

Es sind die gleichen Menschen die beides tun und der Unterschied hat neben fehlender Kinderstube auch damit zu tun, dass wir im normalen Leben unser Gesicht zeigen. Als soziale Wesen wissen wir ganz genau, dass wenn wir andere abschätzig behandeln oder sie ungerechtfertigt attackieren, das im normalen Leben auf uns zurückfallen kann und wird. Und deswegen sehen wir uns vor und nehmen soziale Rücksicht.

Im Web dagegen, sind diese Menschen völlig anonym, sie haben von ihren Boshaftigkeiten nichts zu befürchten und deshalb lassen sie die Sau raus und ihre Maske fallen - sie zeigen sozusagen den nackten Charakter und der ist bei einigen scheinbar wenig erbaulich.

Dieser Zusammenhang zur Anonymität ist offensichtlich für jeden, der nicht die Augen völlig vor dem menschlichen Sozialverhalten verschliessen will.

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Europa, der Euro und die Trauerarbeit

Dieses Wochenende ist Europawahl. Schon vor 3 Wochen habe ich hier beschrieben, -> was mich an der real existierenden EU nervt < -.

Heute möchte ich ergänzend noch eine Abhandlung zu Währungen im Allgemeinen und dem Euro im Speziellen mit Ihnen teilen. Diese wurde schon am 21.02. im Premium-Bereich veröffentlicht und erklärt wie Währungen funktionieren und welche Effekte im Speziellen der Euro hat.

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Zuletzt wurde mir wieder bewusst, dass der Euro am 01.01.2002 eingeführt wurde und nun also als einzige Währung 17 Jahre unter uns ist, als Doppelwährung in Form von Buchgeld, sogar schon seit 20 Jahren.

Wenn man davon ausgeht, dass Menschen sich bis sie ca. 20 Jahre alt sind, nur höchst selten für solche trockenen Themen interessieren - da pulsen eher die Hormone 😛 - gibt es mittlerweile viele Leser hier bis ca. einem Alter von 40 Jahren, die in ihrem Leben nie bewusst eine andere Währung und ihre Mechanismen erlebt haben - für die "Geld" und "Währung" in ihrem erwachsenen Leben also immer mit dem Euro gleichbedeutend waren.

Auch der Fehler, dass man "Wert" von Dingen automatisch in Euro ausdrückt, ohne sich bewusst zu machen, dass Währungen keinen Wert haben und selber der Maßstab sind, ist die Folge davon, dass man nie den aktiven Umgang mit anderen Währungen und Wechselkursen erlebt hat.

Glauben Sie mir, jemand in Venezuela weiss dagegen immer auch, was eine Sache in Dollar "wert" ist, auch wenn die Währung dort gar kein Zahlungsmittel ist. 😉

Da erscheint es mir doch sinnvoll, der Frage von Währungen mal auf den Grund zu gehen. Wir fragen uns also:

Wat is ene starke Währung und warum is det gut? Da stelle mer uns janz dumm.....

Zunächst einmal ganz wichtig, keine Währung hat einen Wert an sich, weil Wert ja immer in Währung ausgedrückt wird. Währung ist selber der Maßstab für Wert. Man kann die Länge eines Meters auch nicht in Metern ausdrücken, da wäre das Ergebnis immer 1.

Eine Aussage, dass eine Ware soundsoviel "wert" ist, ist also genau genommen sinnlos, ohne zu sagen in welcher Währung - außer der Gegenüber geht auch ganz selbstverständlich von der gleichen Währung aus. Und auch die Aussage, dass etwas "teurer" wurde ist so sinnlos, denn wenn eine Währung abwertet, kann etwas darin "teuer werden" und in einer anderen Währung trotzdem "billiger".

Es gibt bei Währungen einfach keinen objektiven, absoluten Maßstab für Wert, nur relativ zueinander, als Währungspaar wie EURUSD, kann man die relativen Wertveränderungen ausdrücken.

Einem idealen, objektiven Maßstab, kommen zwei Dinge noch am Nächsten. Einerseits Gold und Silber das . Andererseits die , die so etwas wie ein Durchschnitt der großen Weltwährungen sind.

Für unsere täglichen Zwecke sind beide Maßstäbe aber nicht relevant, weswegen wir den Wert von Geld immer in einer anderen Währung ausdrücken müssen. Währungen haben also immer nur relativ gesehen "Wert". Daher die Währungspaare wie EURUSD oder eben XAUUSD für Gold in Dollar.

Wenn man das verstanden hat, wird vieles einfacher. Denn dann wird klar, dass es immer vorteilhaft ist, in einer Währung zu sein, die relativ zu den anderen Währungen an Wert gewinnt.

Und wenn eine Währung wie der Euro durch die Notenbank-Politik abgewertet wird, ist es besser in jeder anderen, relativ stärkeren Währung zu sein. Wenn die eigene Währung stark ist und regelmässig aufwertet, besteht dieser Grund dagegen nicht.

Genau *das* war vor dem Euro die Realität, als die D-Mark permanent zu Franc und Lira aufgewertet hat und in der Stabilität bestenfalls der Schweizer Franken mithalten konnte.

Denn viele europäische Währungen schwangen in freien Wechselkursen zueinander und bildeten die jeweilige Wirtschaftskraft und Solidität des Währungsraumes ab. Und da die D-Mark extrem stark war, wollten alle ihr Geld in D-Mark anlegen und die Lira und den Franc verkaufen.

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